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GASTRONOMIE

— Das „La Rue“-Team Bianca Stamer, Service, mit Koch Michael Kuhn (li.) und Hotelchef Willi Ingendorn

— Neben den Klassikern der Hauptkarte finden sich auf der Schiefertafel des „La Rue 11“ wechselnde Tagesangebote wie diese maritime Vorspeise.

Einfach gut essen:

2 x zurück auf „Los“

halb an biedere Wanderschuhe erinnernd. Des Teufels Schnitzel genossen in manchen Kreisen einen hervorragenden Ruf. Doch Ingendorn war nicht recht zufrieden, zumal seine eigentliche Liebe die französische Küche ist. Also fragte er Michael Kuhn, seit sechs Jahren Küchenchef: „Sag mal, du hast doch bei dem Franzosen …?!“ Er hatte, allerdings. Geboren in Wattenscheid, ansonsten waschechter Essener. Michael Kuhns Kochkarriere begann im „Antiko“, und dort bekochte er nachts oft noch Kollegen, die zuvor selbst abends am Herd gestanden hatten. Darunter auch den Chef der

Essener Institution „Bonne Auberge“. So kam es, dass Kuhn irgendwann wechselte und sich zehn Jahre lang auf Essener Boden in die französische Küche vertiefte. Ein Höllentrip mit Ansage gewissermaßen, denn der Chef hatte gleich gesagt, dass Kuhn nach seiner diktatorischen Pfeife würde tanzen müssen. Als der Chef sich erschöpft zur Ruhe setzte, hatten die Nachfolger wenig Glück mit der „Auberge“. Und Michael Kuhn wechselte nach zehn anstrengenden Jahren ins „Mephisto“. So schlimm aber können diese Jahre wieder nicht gewesen sein. Denn als Willi Ingendorn seine französischen Töne

Von Lieblings Speise ... ... BIS LIEBLINGSSPEISE. Wir lieben feines Essen. Die zarten Braten, die edlen Fische, die knackigen Gemüse, die eleganten Sösschen, die sündigen Desserts. Und die Gäste lieben uns. Die Verliebten und Verheirateten, die Geschäfts- und Sportsfreunde, die großen und die kleinen Familien. Sie feiern heimlich Verlobung oder silberne Hochzeit, Geschäftsabschluß und Mannschafts-

— Wie ein kleines französisches Landgasthaus: der Gastraum des „La Rue 11“

sieg oder einfach nur das Leben. Wann setzen Sie sich an unseren gedeckten

Zwei Neuanfänge – einmal am alten Standort, einmal woanders. Ergebnis: Zwei neue, kleine Restaurants, die auf ganz

Tisch?

unterschiedliche Weise das hierzulande oft missbrauchte Etikett „Bistro“ rechtfertigen: überschaubare Karte mit einfach guter, bodenständiger Küche, in gemütlichem Rahmen, ohne Schnickschnack. Geht doch.

| Man kocht französisch Die beinahe berühmte und folglich „Rü“ genannte Rüttenscheider Straße ist eine „1A-Lage“ in Essen, auch für Restaurants. Leider bedienen sich allzu viele Gastronomen sehr ähnlicher Konzepte, um die horrenden Mieten wieder hereinzuwirtschaften: irgendwie italienisch, gern in wild überstylten Räumen. In diesen zuneh-

mend langweiligen Chor tönt neuerdings eine andere Stimme. Keck nennt sie sich 1A-mäßig „La Rue 11“, obwohl sie in Wahrheit aus der zweiten Reihe klingt, aus einer anderen „rue“: Hedwigstraße 11. Dort betreibt Willi Ingendorn seit geraumer Zeit ein kleines Hotel, den „Rheinischen Hof“. Dazu gehörte ein Restaurant namens „Mephisto“, halb an Teufel und

MINTROPS LAND HOTEL, BURGALTENDORF RESTAURANT MUMM SCHWARZENSTEINWEG 81, 45289 ESSEN TEL.: 0201/57171- 0 MINTROPS STADT HOTEL, MARGARETHENHÖHE RESTAURANT M STEILE STRAßE 46, 45149 ESSEN TEL.: 0201/4386 - 0

www.mintrops.mm-hotels.de

Landleben oder Stadtleben

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— Das „La Rue“-Team Bianca Stamer, Service, mit Koch Michael Kuhn (li.) und Hotelchef Willi Ingendorn

— Neben den Klassikern der Hauptkarte finden sich auf der Schiefertafel des „La Rue 11“ wechselnde Tagesangebote wie diese maritime Vorspeise.

Einfach gut essen:

2 x zurück auf „Los“

halb an biedere Wanderschuhe erinnernd. Des Teufels Schnitzel genossen in manchen Kreisen einen hervorragenden Ruf. Doch Ingendorn war nicht recht zufrieden, zumal seine eigentliche Liebe die französische Küche ist. Also fragte er Michael Kuhn, seit sechs Jahren Küchenchef: „Sag mal, du hast doch bei dem Franzosen …?!“ Er hatte, allerdings. Geboren in Wattenscheid, ansonsten waschechter Essener. Michael Kuhns Kochkarriere begann im „Antiko“, und dort bekochte er nachts oft noch Kollegen, die zuvor selbst abends am Herd gestanden hatten. Darunter auch den Chef der

Essener Institution „Bonne Auberge“. So kam es, dass Kuhn irgendwann wechselte und sich zehn Jahre lang auf Essener Boden in die französische Küche vertiefte. Ein Höllentrip mit Ansage gewissermaßen, denn der Chef hatte gleich gesagt, dass Kuhn nach seiner diktatorischen Pfeife würde tanzen müssen. Als der Chef sich erschöpft zur Ruhe setzte, hatten die Nachfolger wenig Glück mit der „Auberge“. Und Michael Kuhn wechselte nach zehn anstrengenden Jahren ins „Mephisto“. So schlimm aber können diese Jahre wieder nicht gewesen sein. Denn als Willi Ingendorn seine französischen Töne

Von Lieblings Speise ... ... BIS LIEBLINGSSPEISE. Wir lieben feines Essen. Die zarten Braten, die edlen Fische, die knackigen Gemüse, die eleganten Sösschen, die sündigen Desserts. Und die Gäste lieben uns. Die Verliebten und Verheirateten, die Geschäfts- und Sportsfreunde, die großen und die kleinen Familien. Sie feiern heimlich Verlobung oder silberne Hochzeit, Geschäftsabschluß und Mannschafts-

— Wie ein kleines französisches Landgasthaus: der Gastraum des „La Rue 11“

sieg oder einfach nur das Leben. Wann setzen Sie sich an unseren gedeckten

Zwei Neuanfänge – einmal am alten Standort, einmal woanders. Ergebnis: Zwei neue, kleine Restaurants, die auf ganz

Tisch?

unterschiedliche Weise das hierzulande oft missbrauchte Etikett „Bistro“ rechtfertigen: überschaubare Karte mit einfach guter, bodenständiger Küche, in gemütlichem Rahmen, ohne Schnickschnack. Geht doch.

| Man kocht französisch Die beinahe berühmte und folglich „Rü“ genannte Rüttenscheider Straße ist eine „1A-Lage“ in Essen, auch für Restaurants. Leider bedienen sich allzu viele Gastronomen sehr ähnlicher Konzepte, um die horrenden Mieten wieder hereinzuwirtschaften: irgendwie italienisch, gern in wild überstylten Räumen. In diesen zuneh-

mend langweiligen Chor tönt neuerdings eine andere Stimme. Keck nennt sie sich 1A-mäßig „La Rue 11“, obwohl sie in Wahrheit aus der zweiten Reihe klingt, aus einer anderen „rue“: Hedwigstraße 11. Dort betreibt Willi Ingendorn seit geraumer Zeit ein kleines Hotel, den „Rheinischen Hof“. Dazu gehörte ein Restaurant namens „Mephisto“, halb an Teufel und

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Einfach gut essen:

2 x zurück auf „Los“

halb an biedere Wanderschuhe erinnernd. Des Teufels Schnitzel genossen in manchen Kreisen einen hervorragenden Ruf. Doch Ingendorn war nicht recht zufrieden, zumal seine eigentliche Liebe die französische Küche ist. Also fragte er Michael Kuhn, seit sechs Jahren Küchenchef: „Sag mal, du hast doch bei dem Franzosen …?!“ Er hatte, allerdings. Geboren in Wattenscheid, ansonsten waschechter Essener. Michael Kuhns Kochkarriere begann im „Antiko“, und dort bekochte er nachts oft noch Kollegen, die zuvor selbst abends am Herd gestanden hatten. Darunter auch den Chef der

Essener Institution „Bonne Auberge“. So kam es, dass Kuhn irgendwann wechselte und sich zehn Jahre lang auf Essener Boden in die französische Küche vertiefte. Ein Höllentrip mit Ansage gewissermaßen, denn der Chef hatte gleich gesagt, dass Kuhn nach seiner diktatorischen Pfeife würde tanzen müssen. Als der Chef sich erschöpft zur Ruhe setzte, hatten die Nachfolger wenig Glück mit der „Auberge“. Und Michael Kuhn wechselte nach zehn anstrengenden Jahren ins „Mephisto“. So schlimm aber können diese Jahre wieder nicht gewesen sein. Denn als Willi Ingendorn seine französischen Töne

Von Lieblings Speise ... ... BIS LIEBLINGSSPEISE. Wir lieben feines Essen. Die zarten Braten, die edlen Fische, die knackigen Gemüse, die eleganten Sösschen, die sündigen Desserts. Und die Gäste lieben uns. Die Verliebten und Verheirateten, die Geschäfts- und Sportsfreunde, die großen und die kleinen Familien. Sie feiern heimlich Verlobung oder silberne Hochzeit, Geschäftsabschluß und Mannschafts-

— Wie ein kleines französisches Landgasthaus: der Gastraum des „La Rue 11“

sieg oder einfach nur das Leben. Wann setzen Sie sich an unseren gedeckten

Zwei Neuanfänge – einmal am alten Standort, einmal woanders. Ergebnis: Zwei neue, kleine Restaurants, die auf ganz

Tisch?

unterschiedliche Weise das hierzulande oft missbrauchte Etikett „Bistro“ rechtfertigen: überschaubare Karte mit einfach guter, bodenständiger Küche, in gemütlichem Rahmen, ohne Schnickschnack. Geht doch.

| Man kocht französisch Die beinahe berühmte und folglich „Rü“ genannte Rüttenscheider Straße ist eine „1A-Lage“ in Essen, auch für Restaurants. Leider bedienen sich allzu viele Gastronomen sehr ähnlicher Konzepte, um die horrenden Mieten wieder hereinzuwirtschaften: irgendwie italienisch, gern in wild überstylten Räumen. In diesen zuneh-

mend langweiligen Chor tönt neuerdings eine andere Stimme. Keck nennt sie sich 1A-mäßig „La Rue 11“, obwohl sie in Wahrheit aus der zweiten Reihe klingt, aus einer anderen „rue“: Hedwigstraße 11. Dort betreibt Willi Ingendorn seit geraumer Zeit ein kleines Hotel, den „Rheinischen Hof“. Dazu gehörte ein Restaurant namens „Mephisto“, halb an Teufel und

MINTROPS LAND HOTEL, BURGALTENDORF RESTAURANT MUMM SCHWARZENSTEINWEG 81, 45289 ESSEN TEL.: 0201/57171- 0 MINTROPS STADT HOTEL, MARGARETHENHÖHE RESTAURANT M STEILE STRAßE 46, 45149 ESSEN TEL.: 0201/4386 - 0

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— Da sieht man schon, dass es schmeckt. Zehn Jahre französische Schule prägen den Küchenchef.

anschlug, war Kuhn sofort überzeugt, dass das Spaß machen würde. Gemeinsam setzten die beiden diese Idee um. Das „Mephisto“ erhielt eine Einrichtung, die an ein französisches Landrestaurant mit Patina erinnert. Unter dem neuen Namen „LaRue11“ gibt es „Französische Landhausküche“. Die normale Karte bietet Bistro-Standards zu sehr zivilen Preisen; dazu listet eine Schiefertafel aktuelle, etwas komplexere Fleisch- und Fischgerichte. Allein der Standards wegen dachte Kuhna: Genau sowas brauchen wir in Rüttenscheid. Und auch Kaymer hatte von Duisburg aus irgendwie Witterung aufgenommen. Und nun essen sie auch die Standards. Kaymer bestellt sich „Crevette rose“, Garnelen mit Knoblauchmayonnaise, und fängt bald an, Töne wie „Mhhh, ja“ von sich zu geben. Genau so müsse das sein! Nicht anders klingt er beim folgenden Klassiker „Rumpsteak mit Sauce Béarnaise“: Schönes Fleisch, gute Sauce, Gemüse auf den Punkt. Kuhna ist schon bei einem früheren Besuch vom Fleck weg begeistert gewesen: Von der passierten Fischsuppe als Vorspeise und von den „Merguez“Rindswürstchen auf Balsamicolinsen. Diesmal nimmt er eine „Terrine de Campagne“ vorweg und dann den Klassiker schlechthin: Coq au Vin, durch Til Schweiger neuerdings auch als „Kokowää“ bekannt. Richtig schön im Topf, mit Champignons, und dazu Rosmarinkartoffeln.

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Ruhr Revue

An passenden Weinen mangelt es nicht. Wer gern mal Bier nimmt: Es gibt belgisches „Leffe“, auf Wunsch sogar im niedlichen 0,1l-Glas. Apéritif? Das Restaurant ist klein, die Küche geradezu winzig. „Mit vier Flammen“, sagt Michael Kuhn, womöglich die kleinste richtige Restaurantküche in Essen. Natürlich ist er darin mit sich allein. Wer nah genug sitzt, sieht Kuhn immer mal wieder heraus- und zurückflitzen, um Zutaten zu holen oder die fertigen Gerichte bereitzustellen. Sein Markenzeichen sind pludrige, schwarzweiß karierte oder gestreifte Hosen: Davon hat er immer welche parat, sagt er, eine kleine Marotte. Der effiziente

Service liegt in den Händen Bianca Stamers, die manchen Rüttenscheid-Besuchern noch aus einem der vielen großen italienischen Restaurants bekannt sein könnte. „Rue“ statt „Rü“ – die Exkursion ist nur zu empfehlen. Der Weg ist nicht weit. Und seinen Lieblings-Italiener auf der „Via Rü“ braucht man deshalb ja nicht zu vernachlässigen.

— Einfach Brendel: Beispiel für einen Einstieg aus der Kategorie „Vorweg“.

La Rue 11 Hedwigstr. 11 · 45130 Essen-Rüttenscheid Telefon: 0201-79 88 559 Mo. - Fr. ab 18 Uhr · Sa 11 - 14 Uhr & ab 18 Uhr Sonn- und feiertags geschlossen

— Auch das Dekor unterstreicht den neuen französischen Akzent im „La Rue 11“.

| Wenn die Oper aus ist Dirk Brendel: 1963 in Duisburg geboren. Ausbildung und erste Berufserfahrungen in Düsseldorf, unter anderem als Commis im Kaiserswerther „Schiffchen“. Schließlich Küchenchef im „Gogärtchen“ auf Sylt. 1991 machte er sich im linksrheinischen Duisburger Vorort selbstständig; sein „Gasthof Brendel“ im ererbten Haus wurde

trotz abseitiger Lage zur Duisburger Institution, und Brendel gilt seit Jahren als bester Koch der Stadt. Dennoch ist er voriges Jahr finanziell untergegangen. Der Neuanfang ist sein Weg aus der Krise und heißt „Einfach Brendel“. Auf das kleine Lokal im zentralen Viertel hinter der Oper scheinen die Duisburger nur gewartet zu haben. Der Duisburger Kaymer allerdings

hatte da irgendwie einen blinden Fleck. Nie im Friemersheimer Restaurant gewesen, vom Neustart nichts gehört. Und darüber, dass man im neuen „Brendel“ absolut nicht reservieren kann, runzelte Kaymer deutlich die Stirn. Nachdem ihn aber Kuhna dorthin geschleppt hat, war Kaymer schon dreimal wieder da. Klingt nach einer wunderbaren neuen Freundschaft.

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— Da sieht man schon, dass es schmeckt. Zehn Jahre französische Schule prägen den Küchenchef.

anschlug, war Kuhn sofort überzeugt, dass das Spaß machen würde. Gemeinsam setzten die beiden diese Idee um. Das „Mephisto“ erhielt eine Einrichtung, die an ein französisches Landrestaurant mit Patina erinnert. Unter dem neuen Namen „LaRue11“ gibt es „Französische Landhausküche“. Die normale Karte bietet Bistro-Standards zu sehr zivilen Preisen; dazu listet eine Schiefertafel aktuelle, etwas komplexere Fleisch- und Fischgerichte. Allein der Standards wegen dachte Kuhna: Genau sowas brauchen wir in Rüttenscheid. Und auch Kaymer hatte von Duisburg aus irgendwie Witterung aufgenommen. Und nun essen sie auch die Standards. Kaymer bestellt sich „Crevette rose“, Garnelen mit Knoblauchmayonnaise, und fängt bald an, Töne wie „Mhhh, ja“ von sich zu geben. Genau so müsse das sein! Nicht anders klingt er beim folgenden Klassiker „Rumpsteak mit Sauce Béarnaise“: Schönes Fleisch, gute Sauce, Gemüse auf den Punkt. Kuhna ist schon bei einem früheren Besuch vom Fleck weg begeistert gewesen: Von der passierten Fischsuppe als Vorspeise und von den „Merguez“Rindswürstchen auf Balsamicolinsen. Diesmal nimmt er eine „Terrine de Campagne“ vorweg und dann den Klassiker schlechthin: Coq au Vin, durch Til Schweiger neuerdings auch als „Kokowää“ bekannt. Richtig schön im Topf, mit Champignons, und dazu Rosmarinkartoffeln.

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An passenden Weinen mangelt es nicht. Wer gern mal Bier nimmt: Es gibt belgisches „Leffe“, auf Wunsch sogar im niedlichen 0,1l-Glas. Apéritif? Das Restaurant ist klein, die Küche geradezu winzig. „Mit vier Flammen“, sagt Michael Kuhn, womöglich die kleinste richtige Restaurantküche in Essen. Natürlich ist er darin mit sich allein. Wer nah genug sitzt, sieht Kuhn immer mal wieder heraus- und zurückflitzen, um Zutaten zu holen oder die fertigen Gerichte bereitzustellen. Sein Markenzeichen sind pludrige, schwarzweiß karierte oder gestreifte Hosen: Davon hat er immer welche parat, sagt er, eine kleine Marotte. Der effiziente

Service liegt in den Händen Bianca Stamers, die manchen Rüttenscheid-Besuchern noch aus einem der vielen großen italienischen Restaurants bekannt sein könnte. „Rue“ statt „Rü“ – die Exkursion ist nur zu empfehlen. Der Weg ist nicht weit. Und seinen Lieblings-Italiener auf der „Via Rü“ braucht man deshalb ja nicht zu vernachlässigen.

— Einfach Brendel: Beispiel für einen Einstieg aus der Kategorie „Vorweg“.

La Rue 11 Hedwigstr. 11 · 45130 Essen-Rüttenscheid Telefon: 0201-79 88 559 Mo. - Fr. ab 18 Uhr · Sa 11 - 14 Uhr & ab 18 Uhr Sonn- und feiertags geschlossen

— Auch das Dekor unterstreicht den neuen französischen Akzent im „La Rue 11“.

| Wenn die Oper aus ist Dirk Brendel: 1963 in Duisburg geboren. Ausbildung und erste Berufserfahrungen in Düsseldorf, unter anderem als Commis im Kaiserswerther „Schiffchen“. Schließlich Küchenchef im „Gogärtchen“ auf Sylt. 1991 machte er sich im linksrheinischen Duisburger Vorort selbstständig; sein „Gasthof Brendel“ im ererbten Haus wurde

trotz abseitiger Lage zur Duisburger Institution, und Brendel gilt seit Jahren als bester Koch der Stadt. Dennoch ist er voriges Jahr finanziell untergegangen. Der Neuanfang ist sein Weg aus der Krise und heißt „Einfach Brendel“. Auf das kleine Lokal im zentralen Viertel hinter der Oper scheinen die Duisburger nur gewartet zu haben. Der Duisburger Kaymer allerdings

hatte da irgendwie einen blinden Fleck. Nie im Friemersheimer Restaurant gewesen, vom Neustart nichts gehört. Und darüber, dass man im neuen „Brendel“ absolut nicht reservieren kann, runzelte Kaymer deutlich die Stirn. Nachdem ihn aber Kuhna dorthin geschleppt hat, war Kaymer schon dreimal wieder da. Klingt nach einer wunderbaren neuen Freundschaft.

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GASTRONOMIE

— Neustart geglückt: Dirk Brendel kann sich schon nach kurzer Zeit über jede Menge Gäste freuen.

— Die Inneneinrichtung im „Einfach Brendel“ vereinigt zwei Elemente. Das eine wird durch Holz und traditionelle Formen gebildet wie an der Theke.

Klein ist der Gastraum, eine frühere Pizzeria. Modern-schlichte weiße Tische und frischgrüne Farbe kontrastieren mit alten Türen und anderen Holzelementen. Man setzt sich dazu, wo und wenn Platz ist. Dirk Brendel erklärt das Prinzip: Mit Reservierungen könne es in dem kleinen Lokal schnell passieren, dass Interessierte

um Tage oder gar Wochen vertröstet werden müssen. Das sei frustrierend. Andererseits sei es nicht so schwierig, einen Platz spontan zu kriegen: außer Dienstag stets geöffnet, keine geschlossenen Gesellschaften, vom Konzept her trotz Gemütlichkeit nicht auf stundenlange Diners angelegt. Zur Not könne man mit guten Erfolgsaus-

sichten eine Weile an der Bar warten. Und wenn’s endlich mal warm wird, vergrößern Draußen-Tische die Kapazität nicht unerheblich. Die Karte: moderne Küche, mit klar französischem Hintergrund und deutlich lokalem Einschlag; dazu einen eigenwilligen deutsch-amerikanischen Imbiss-Akzent:

— Ergänzt wird das dunkle Holz durch weiße Wände, Möbel und moderne Leuchten. So leer wird man den kleinen Raum zu Öffnungszeiten kaum mal antreffen.

Pommes und Burger! Kaymer wählt aus der Rubrik „Vorweg“ einen „Salat von gelber und roter Bete mit Ziegenfrischkäse und Nüssen“ – und schwenkt dann unter „Hauptsachen“ komplett um zu „Unser Burger“. Von beidem ist Kaymer so begeistert, dass er eben ein paar Tage später schon wieder sein Glück ohne Reservierung versucht, mit Erfolg. Kuhna spart „Vorweg“ aus, weil ihn die Rubrik „Zwischendurch“ fasziniert. Dort klingt es eigentlich fast wie Hauptgerichte, dennoch kann Kuhna dem „Wolfsbarsch (Wildfang) auf Gemüsestreifen und Hummerschaum“ nicht widerstehen. Zum Glück ist die Portion so klein, dass sie wirklich als „Zwischendurch“ oder eben auch als Vorspeise taugt: ein knusprig angebratenes, aromatisches Stück Fisch auf leckerem Gemüse. Den amerikanischen Weg geht Kuhna nicht; bei Burgern beschränkt er sich auf die Standarderzeugnisse der berühmtesten

aller Imbissketten. Statt dessen wird’s „Braten vom Duroc Schwein mit Krautsalat und Fenchel“. Bestes Bistro, wenn auch nicht französisch. Das „Duroc“ ist sogar eine amerikanische Rasse – dazu kann Kuhna mit einigem Recht von Kaymers Pommes klauen. Lauwarmer Brotsalat oder Bio-Pellkartoffeln mit Quark und Kräutern hätten als Vorspeise ebenso gelockt. Gebratene Blutwurst oder Backhendl vom Maishühnchen als Zwischendurch. Maischolle oder geklopftes Rindersteak als Hauptsache. Es gibt also viel zu tun im neuen „Brendel“. Kuhna fällt auf, dass er unbedingt mal wieder ins Duisburger Lehmbruck-Museum gehen sollte. Und Kunst macht ja hungrig … Bestens lässt sich natürlich auch Oper/ Theater mit dem nahegelegenen Brendel kombinieren. Auf diese Gäste, kein Zweifel, hat der Chef es auch abgesehen. Da die Oper ja immer erst aus ist, wenn die dicke Lady gesungen hat, gibt es für diese Kunstfreunde eine kleine Spätkarte, bis beinahe Mitternacht. Übrigens ist auch ohne Kunstbesuch das „Wasserviertel“ (wegen der vielen Flussnamen-Straßen) eine nette Adresse. Da kann man wirklich nett vor Brendels Eckhaus sitzen und gucken – wenn’s mal schön und warm genug ist in unserem Sibirien.

Fuldastr. 20 · 47051 Duisburg Tel: 0203-36 35 89 85 www.einfach-brendel.de Tägl. ab 12 Uhr · Küche 12 -16.30 & 17.30 bis 21.30 Uhr Spätkarte bis 23.30 Uhr · Dienstags geschlossen

Andreas Kaymer (li.) und Martin Kuhna, beide dem guten Essen innig zugetan, suchen Restaurants aus, die wir Ihnen empfehlen können. Und wenn es geht, nehmen sie gemeinsam, K.u.K., Kostproben von der Karte; die Geschmäcker sind verschieden, und zwei schmecken mehr als einer. Sogar, wenn Kaymer diäthaltend dem maßlosen Kollegen Kuhna ein schlechtes Gewissen macht. Lesertipps, welche Restaurants noch vorgestellt werden sollten – nur zu. K.u.K freuen sich.

Ruhr Revue

Le Pianelle, al posto dei fiori Rosato 2011 Der „Al Posto dei Fiori Rosato“ (zu deutsch: anstelle von Blumen) ist aus dem nördlichen Piemont von Dr. Dieter Heuskel – einem unserer Gesellschafter im Weinhandel Bürgerheim und Managing Partner der Boston Consulting Group. Als Winzer im Nebenerwerb hat er das Weingut Le Pianelle aufgebaut. Parzellen alter Weingärten wurden nach und nach erworben, rekultiviert und wieder bepflanzt. Auf 3,5 ha werden dort hauptsächlich Nebbiolo-Trauben angebaut. Der 2011er ist auf insgesamt 5.000 Flaschen limitiert. Hier ist ein wahres Schätzchen herangereift, das dieses Frühjahr die perfekte Trinkreife hat, aber auch noch die kommenden Jahre genussvoll zu trinken ist. Ganz gleich ob schön gekühlt oder als Essensbegleiter ist dieser Rosato ein Genuss – absolut gehaltvoll und dennoch nicht aufdringlich. Auch eine echte Alternative zu allen Spargelgerichten. Bei unterschiedlichen Anlässen und Verkostungen konnte dieser Vorzeigerosato problemlos mit den ganz großen Rosé dieser Welt mithalten. Und das bei einem viel geringeren Preis. Da kann man schon mal den Liegestuhl aus dem Winterschlaf holen, die Hängematte aufhängen die Boulekugeln polieren und dabei den ersten Rosato genießen.

Einfach Brendel

K.u.K. Restauranttipps

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Vinothek

Normaler Preis: 14,80 € Für Leser der

Ruhr Revue: 13,20 € pro Flasche 12,40 € pro Flasche im 6er Karton 11,90 € pro Flasche im 12er Karton Die Preise verstehen sich brutto ab Weinhandel, Änderungen vorbehalten, nur solange der Vorrat reicht.

erhältlich bei

Hohenzollernstr. 40 · D-45128 Essen Telefon 0201-720036 · info@derweinhandel.de www.derweinhandel.de


Ruhr Revue

GASTRONOMIE

— Neustart geglückt: Dirk Brendel kann sich schon nach kurzer Zeit über jede Menge Gäste freuen.

— Die Inneneinrichtung im „Einfach Brendel“ vereinigt zwei Elemente. Das eine wird durch Holz und traditionelle Formen gebildet wie an der Theke.

Klein ist der Gastraum, eine frühere Pizzeria. Modern-schlichte weiße Tische und frischgrüne Farbe kontrastieren mit alten Türen und anderen Holzelementen. Man setzt sich dazu, wo und wenn Platz ist. Dirk Brendel erklärt das Prinzip: Mit Reservierungen könne es in dem kleinen Lokal schnell passieren, dass Interessierte

um Tage oder gar Wochen vertröstet werden müssen. Das sei frustrierend. Andererseits sei es nicht so schwierig, einen Platz spontan zu kriegen: außer Dienstag stets geöffnet, keine geschlossenen Gesellschaften, vom Konzept her trotz Gemütlichkeit nicht auf stundenlange Diners angelegt. Zur Not könne man mit guten Erfolgsaus-

sichten eine Weile an der Bar warten. Und wenn’s endlich mal warm wird, vergrößern Draußen-Tische die Kapazität nicht unerheblich. Die Karte: moderne Küche, mit klar französischem Hintergrund und deutlich lokalem Einschlag; dazu einen eigenwilligen deutsch-amerikanischen Imbiss-Akzent:

— Ergänzt wird das dunkle Holz durch weiße Wände, Möbel und moderne Leuchten. So leer wird man den kleinen Raum zu Öffnungszeiten kaum mal antreffen.

Pommes und Burger! Kaymer wählt aus der Rubrik „Vorweg“ einen „Salat von gelber und roter Bete mit Ziegenfrischkäse und Nüssen“ – und schwenkt dann unter „Hauptsachen“ komplett um zu „Unser Burger“. Von beidem ist Kaymer so begeistert, dass er eben ein paar Tage später schon wieder sein Glück ohne Reservierung versucht, mit Erfolg. Kuhna spart „Vorweg“ aus, weil ihn die Rubrik „Zwischendurch“ fasziniert. Dort klingt es eigentlich fast wie Hauptgerichte, dennoch kann Kuhna dem „Wolfsbarsch (Wildfang) auf Gemüsestreifen und Hummerschaum“ nicht widerstehen. Zum Glück ist die Portion so klein, dass sie wirklich als „Zwischendurch“ oder eben auch als Vorspeise taugt: ein knusprig angebratenes, aromatisches Stück Fisch auf leckerem Gemüse. Den amerikanischen Weg geht Kuhna nicht; bei Burgern beschränkt er sich auf die Standarderzeugnisse der berühmtesten

aller Imbissketten. Statt dessen wird’s „Braten vom Duroc Schwein mit Krautsalat und Fenchel“. Bestes Bistro, wenn auch nicht französisch. Das „Duroc“ ist sogar eine amerikanische Rasse – dazu kann Kuhna mit einigem Recht von Kaymers Pommes klauen. Lauwarmer Brotsalat oder Bio-Pellkartoffeln mit Quark und Kräutern hätten als Vorspeise ebenso gelockt. Gebratene Blutwurst oder Backhendl vom Maishühnchen als Zwischendurch. Maischolle oder geklopftes Rindersteak als Hauptsache. Es gibt also viel zu tun im neuen „Brendel“. Kuhna fällt auf, dass er unbedingt mal wieder ins Duisburger Lehmbruck-Museum gehen sollte. Und Kunst macht ja hungrig … Bestens lässt sich natürlich auch Oper/ Theater mit dem nahegelegenen Brendel kombinieren. Auf diese Gäste, kein Zweifel, hat der Chef es auch abgesehen. Da die Oper ja immer erst aus ist, wenn die dicke Lady gesungen hat, gibt es für diese Kunstfreunde eine kleine Spätkarte, bis beinahe Mitternacht. Übrigens ist auch ohne Kunstbesuch das „Wasserviertel“ (wegen der vielen Flussnamen-Straßen) eine nette Adresse. Da kann man wirklich nett vor Brendels Eckhaus sitzen und gucken – wenn’s mal schön und warm genug ist in unserem Sibirien.

Fuldastr. 20 · 47051 Duisburg Tel: 0203-36 35 89 85 www.einfach-brendel.de Tägl. ab 12 Uhr · Küche 12 -16.30 & 17.30 bis 21.30 Uhr Spätkarte bis 23.30 Uhr · Dienstags geschlossen

Andreas Kaymer (li.) und Martin Kuhna, beide dem guten Essen innig zugetan, suchen Restaurants aus, die wir Ihnen empfehlen können. Und wenn es geht, nehmen sie gemeinsam, K.u.K., Kostproben von der Karte; die Geschmäcker sind verschieden, und zwei schmecken mehr als einer. Sogar, wenn Kaymer diäthaltend dem maßlosen Kollegen Kuhna ein schlechtes Gewissen macht. Lesertipps, welche Restaurants noch vorgestellt werden sollten – nur zu. K.u.K freuen sich.

Ruhr Revue

Le Pianelle, al posto dei fiori Rosato 2011 Der „Al Posto dei Fiori Rosato“ (zu deutsch: anstelle von Blumen) ist aus dem nördlichen Piemont von Dr. Dieter Heuskel – einem unserer Gesellschafter im Weinhandel Bürgerheim und Managing Partner der Boston Consulting Group. Als Winzer im Nebenerwerb hat er das Weingut Le Pianelle aufgebaut. Parzellen alter Weingärten wurden nach und nach erworben, rekultiviert und wieder bepflanzt. Auf 3,5 ha werden dort hauptsächlich Nebbiolo-Trauben angebaut. Der 2011er ist auf insgesamt 5.000 Flaschen limitiert. Hier ist ein wahres Schätzchen herangereift, das dieses Frühjahr die perfekte Trinkreife hat, aber auch noch die kommenden Jahre genussvoll zu trinken ist. Ganz gleich ob schön gekühlt oder als Essensbegleiter ist dieser Rosato ein Genuss – absolut gehaltvoll und dennoch nicht aufdringlich. Auch eine echte Alternative zu allen Spargelgerichten. Bei unterschiedlichen Anlässen und Verkostungen konnte dieser Vorzeigerosato problemlos mit den ganz großen Rosé dieser Welt mithalten. Und das bei einem viel geringeren Preis. Da kann man schon mal den Liegestuhl aus dem Winterschlaf holen, die Hängematte aufhängen die Boulekugeln polieren und dabei den ersten Rosato genießen.

Einfach Brendel

K.u.K. Restauranttipps

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Normaler Preis: 14,80 € Für Leser der

Ruhr Revue: 13,20 € pro Flasche 12,40 € pro Flasche im 6er Karton 11,90 € pro Flasche im 12er Karton Die Preise verstehen sich brutto ab Weinhandel, Änderungen vorbehalten, nur solange der Vorrat reicht.

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Hohenzollernstr. 40 · D-45128 Essen Telefon 0201-720036 · info@derweinhandel.de www.derweinhandel.de


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