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Nachbarn

NR. 2/2011

Gesund ins Leben: das Projekt Miges Bal첫 Ende des Dolmetschdienstes der Caritas Thurgau

Schulden Wenn gar nichts mehr geht

Wir helfen Menschen.


Inhalt

Editorial

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Rupert Summerauer

Caritas Thurgau in Schwierigkeiten

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Schulden «Wer zu uns kommt, steht unter enormem Druck»

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Die Caritas Thurgau bietet im Auftrag der katholischen Kirche Menschen in sozialer Not professionelle Hilfe an. Nun benötigen wir selbst mehr Unterstützung. Im Finanzbericht 2010 mussten wir ein hohes Defizit und einen Rückgang des Kapitals ausweisen, im 2011 sieht es bis jetzt nicht besser aus. Was sind die Gründe für die schlechte Bilanz und welche Massnahmen ergreifen wir?

Die Klientinnen und Klienten der Schuldenberatung haben nicht nur finanziell den Boden unter den Füssen verloren.

8 Frühzeitige Hilfe bei Schulden Neue Informations- und Beratungsangebote der Caritas zielen darauf ab, die von Verschuldung bedrohten Menschen so früh wie möglich zu erreichen und zu unterstützen.

Caritas Thurgau Sich den Tatsachen stellen – 10 neue Schulden vermeiden Was Schulden sind, ist klar – wie es im einzelnen Fall zu ihnen kommen konnte, ist häufig schwieriger herauszufinden. Dennoch muss man es in Erfahrung bringen, wenn ein Budget ins Lot kommen und die Schulden bezahlt werden sollen.

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Ende des CaritasDolmetschdienstes Thurgau

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«Miges Balù» – gesund ins Leben

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Persönlich

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Schwester Anna Affolter, Generalrätin der Ingenbohler Schwestern.

Caritas-Netz «incluso» 15 Als freiwillige Mentorin begleitet Desirée Natter eine junge Migrantin bei der Lehrstellensuche. News aus dem Caritas-Netz

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Kiosk

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Gedankenstrich

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Von Tanja Kummer.

Titelbild: Andreas Schwaiger (Symbolbild)


Editorial

Finanzen ordnen Liebe Leserin, lieber Leser Bald sind es 20 Jahre her, seit die Caritas Thurgau Schuldenberatungen anbietet. Dank dieser Dienstleistung konnten Hunderte von verschuldeten Menschen ihre Finanzen wieder in geordnete Bahnen lenken und ihre Schulden begleichen. Gläubigern wurden Hunderttausende von Franken zurückbezahlt. Nicht zuletzt erhielt auch der Staat jährlich bis zu 100 000 Franken an ausstehenden Steuern. Warum machen wir diese Arbeit? – In unserem Leitbild steht, dass wir Menschen

Statistiken zeigen leider, dass die Verschuldung in der Schweiz weiter zunimmt. Die Arbeit geht uns nicht aus. Ab letztem Jahr ist auch die Caritas Thurgau selbst in eine finanziell schwierige Lage gekommen. Nebst anderem (siehe Bericht auf Seite 12) ist die Schuldenberatung dafür verantwortlich. Diese Dienstleistung wird wohl von den Kirchen und den Schuldnern unterstützt, aber öffentliche Gelder des Staates haben wir praktisch keine erhalten. Seit vielen, vielen Jahren su-

Rupert Summerauer Geschäftsleiter Caritas Thurgau

«Dank unserer Beratung konnten Hunderte von verschuldeten Menschen ihre Finanzen wieder in geordnete Bahnen lenken.» in Not umfassende Hilfe anbieten. Wir wissen, dass bei einem ganz grossen Teil der Hilfesuchenden sich die Not zuerst in Verschuldung zeigt. Wenn wir Menschen in dieser ersten Phase der Abwärtsspirale helfen, können wir weitere Not als Folge der Verschuldung auffangen und verhindern.

sind wir eingesprungen. Die finanzielle Unterstützung ist aber ausgeblieben … In der aktuellen Situation müssen wir alle Leistungen überprüfen, ob wir sie noch erbringen können – auch die Schuldenberatung. L’organisation XY est certifi Caritas Thurgau ist seit chen wir finanzielle Unterstützung durch Mit dieser Ausgabepar möchten Ihnen ZEWO wir depuis 19XX. 2004 ZEWO-zertifiziert. die öffentliche Hand für diese Dienstleis- einen vertieften Einblick in diese für das tung, denn diese Aufgabe ist auch im Ge- Gemeinwohl wichtige Aufgabe geben. setz der öffentlichen Sozialhilfe festgehalDanke für Ihr Interesse! ten. Weil dort oft das nötige Know-how fehlt und damit keine fachlich einwandfreie Schuldenberatung erbracht werden kann,

Impressum «Nachbarn», das Magazin der regionalen Caritas-Stellen, erscheint zweimal jährlich. Gesamtauflage: 51 600 Ex. Auflage TG: 2 500 Ex. Redaktion: Lukas Meyer (Caritas Thurgau); Ariel Leuenberger (national)

Caritas Thurgau ist seit 2004 ZEWO-zertifiziert.

Gestaltung und Produktion: Daniela Mathis, Urs Odermatt Druck: Stämpfli Publikationen AG, Bern Caritas Thurgau | Felsenstrasse 11 | 8570 Weinfelden | Tel. 071 626 80 00 www.caritas-thurgau.ch | PC 85-1120-0

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L’organisation XY est certifiée

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Schulden

Wer zu uns kommt, steht unter enormem Druck Geldprobleme kommen selten allein. Unsere Schuldenberaterinnen und -berater erfahren immer wieder, wie eng verknüpft finanzielle Sorgen und psychisches Leiden sein können. Denn wer bei ihnen Rat sucht, hat oft nicht nur finanziell den Boden unter den Füssen verloren. Schuldenberatung ist häufig auch Lebensberatung. «Je früher man sich Hilfe holt, desto besser.» Diese Botschaft gehöre unbedingt in den Artikel hinein, in dem ihre Geschichte erzählt werde, sagt Eva Martin. Denn das

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sei der wichtigste Tipp, den man Leuten mit Geldsorgen geben könne. Sie selber hatte jahrelang versucht, ohne fremde Hilfe einen Ausweg zu finden. Bis sie eines Ta-

ges dann mit zwei prallvollen Tragtaschen bei der Schuldenberatung der Caritas auftauchte. Sie enthielten die gesammelten Rechnungen der letzten 24 Monate. Eva Martin trägt in Wirklichkeit einen anderen Namen. Sie ist verheiratet, hat eine vierjährige Tochter und lebt am Rande einer Stadt. Grosse Überbauungen und breite Ausfallstrassen wechseln sich ab mit zweistöckigen Wohnblocks und Reihenhäusern, die aus einer Zeit stammen, als es hier noch viel Grün gab. Wer aufs Geld achten muss, findet in dieser Gegend eine bezahlbare


Wohnung. Oder kann, wie Eva Martin und ihr Partner es taten, eines der alten Reihenhäuschen samt Garten kaufen.

dass jemand sie mir gleich sackweise bringt, hatte ich noch nie erlebt. Ich brauchte zwei Tage, um die Unterlagen nach Gläubigern

«Miete, Strom und Krankenkasse haben höchste Priorität.» Viele Wege führen zur Überschuldung Schuldenberater David Sidler, der Eva Martins Tragtaschen in Empfang nahm, ist sich gewohnt, dass Ratsuchende mit einem Stapel Rechnungen bei ihm auftauchen. «Aber

zu sortieren.» In seiner Arbeit begegnet David Sidler den verschiedensten Menschen. Es gebe Leute, die einfach jeden Monat ein bisschen zu viel ausgeben und so fast unmerklich langsam in eine Überschuldung hi-

neinrutschen. «Wenn ich dann mit ihnen zusammen eine Aufstellung ihrer Ausgaben mache, staunen sie, wie viel Geld sie ausgeben.» Andere setzen die finanziellen Prioritäten falsch, sie zahlen zum Beispiel Leasingraten ab, sind aber mit den Krankenkassenprämien im Rückstand. «Von mir erfahren sie dann, dass Miete, Strom und Krankenkasse höchste Priorität haben.» Nochmals andere sitzen bei David Sidler am Besprechungstisch und erzählen eine Geschichte, aus der rasch klar wird, dass sie 2/11 Nachbarn Caritas

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Schulden

Als sich Eva Martins Depression zuspitzte, verlor sie den Überblick über die Gläubiger und suchte Hilfe bei der Caritas.

mitten in einer Lebenskrise stecken. «Zum Teil sind es Übergänge – der Wechsel von der Lehre in den Beruf, das Gründen einer Familie –, welche die Leute finanziell aus dem Takt geraten lassen.» Am Anfang einer Überschuldung können auch einschneidende Erlebnisse wie der Verlust des Jobs oder eine Trennung stehen. Und manchmal lässt sich kaum mehr eruieren, was zuerst da war: die psychischen Probleme oder die finanziellen Schwierigkeiten. Mit Schulden jonglieren Wenn Eva Martin schildert, weshalb sie eines Tages begann, eintrudelnde Rechnungen am Briefkasten abzufangen und unbezahlt vor dem Partner zu verstecken, wird rasch klar, dass viele verschiedene Dinge zusammenkamen. Da war der Wunsch, dem Partner trotz dessen wegen Kurzarbeit reduzierten Einkommens weiterhin den gewohnten Lebensstandard zu bieten. «Ich fand es zum Beispiel wich-

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tig, dass jeden Tag gesundes Essen auf den Tisch kam. Wir sollten es doch gut haben im Leben!» Da war die Angst, den Partner mit den zunehmenden Geldproblemen zu belasten; schliesslich hatte der Hausarzt

bendiges Kind und das tat mir gut. Ich fühlte mich wohl.» Weil in derselben Zeit eine Versicherung eine grössere Summe auszahlte, konnte sie zudem sämtliche Schulden begleichen.

«Schuldenberatung ist häufig auch Lebensberatung.» gesagt, man müsse ihn wegen gesundheitlicher Schwierigkeiten schonen. Und da war die depressive Verstimmung, in die sie nach mehreren Aborten geraten war. Dass sie ihre Sorgen in Alkohol zu ertränken begann, machte die Situation nicht besser. Dennoch gelang es ihr, mit den Schulden so weit zu jonglieren, dass sie Betreibungen vermeiden konnte. «Ich hatte sämtliche Gläubiger und offenen Beträge genau im Kopf und konnte immer irgendwie Deals aushandeln.» Als ihre Tochter zur Welt kam, begann es ihr besser zu gehen. «Sie ist ein sehr le-

Was zuerst wie ein Happyend aussah, stellte sich allerdings als kurzes Glück heraus – als sie erneut schwanger wurde und das Kind in den ersten Schwangerschaftsmonaten verlor, begann es Eva Martin wieder schlecht zu gehen. Sie fiel zurück ins alte Muster, sie versteckte Rechnungen, sie trank. Der Gedanke an ihre kleine Tochter hielt sie davon ab, sich das Leben zu nehmen, es folgten Termine beim Psychiater und schliesslich die Erkenntnis, dass es so nicht weitergehen konnte. Denn als Eva Martins Depression sich zuspitzte, löste sich in ihrem Kopf die Liste der Gläubi-


ger auf, der Überblick war weg, ihr inneres «Finanzsystem» war zusammengebrochen. Sie begann Hilfe zu suchen und fand sie schliesslich bei der Caritas. Freiwillige Beratung unter Hochdruck Wenn Schuldenberater David Sidler von Eva Martin berichtet, schwingt in seiner Stimme Hochachtung mit. Dass sie über so lange Zeit Pfändungen verhindern konnte, dass nie der Strom oder das Telefon abgestellt wurden, findet er eine unglaubliche Leistung. «Sie hat wahnsinnig viel Energie ins Verhandeln mit den Gläubigern gesteckt. Die Kehrseite der Medaille: Ihr fehlte die Energie, gut zu sich selber zu schauen.» Eva Martin ist bei Weitem nicht die Einzige, die erst dann an die Caritas gelangte, als gar nichts mehr ging. David Sidler: «Unsere Beratung ist freiwillig, aber wer zu uns kommt, steht in der Regel unter enormem Druck.» Die Ausweisung aus der Wohnung steht unmittelbar bevor, die Krankenkasse übernimmt die hohen Arztkosten nicht mehr, die Ehe droht zu scheitern. Denn wie bei Eva Martin belasten die Schulden bei vielen die Beziehung zum Partner, zur Partnerin. David Sidler: «Schuldenberatung ist auch Lebensberatung.» Häufig sei es aber so, dass seine Vorschläge zur Schuldenbe-

wältigung das Gefühl der Bedrängnis bereits ein Stück weit lindern können. Gemeinsamer Neuanfang Eva Martin reagierte anders. Als der Druck, unter dem sie so lange gestanden hatte, nach Beginn der Schuldenberatung zu weichen begann, erlitt sie einen Nervenzusammenbruch und verbrachte ein paar Tage in einer psychiatrischen Klinik. Unterdessen sehen die Dinge aber besser aus: Eva Martin besucht regelmässig eine Psychologin, zu der sie einen guten Draht hat. Und David Sidler konnte erreichen, dass die Bank die auf dem Häuschen lastende Hypothek so weit erhöht, dass damit die offenen Rechnungen beglichen werden können. Und weil Eva Martins Partner während ihres Klinikaufenthalts zum ersten Mal seit Jahren selber die Post aus dem Briefkasten nahm und angesichts der Mahnungen realisierte, wie es finanziell steht, kann er sich nun an der Problemlösung beteiligen. Der nächste Schritt ist eine gemeinsame Budgetberatung bei David Sidler.

David Sidler ist sich gewohnt, dass Ratsuchende mit einem Stapel Papier bei ihm auftauchen.

Kommentar Bruno Crestani, Betreibungsbeamter und Stadtammann im Zürcher Kreis 4

Ist die Geschichte von Eva Martin typisch? Der typische Schuldner ist männlich und geschieden. Frauen haben häufig das Sorgerecht für die Kinder und daher eher noch einen Antrieb und Perspektiven. Männer wohnen vielleicht in einem kleinen Zimmerchen mit Gemeinschaftsdusche, haben nichts mehr und lassen sich daher eher gehen. Dann kommen oft noch Suchtverhalten und Probleme am Arbeitsplatz dazu – und schon sind sie in der Schuldenspirale. Aber auch die Geschichte von Eva Martin enthält Elemente, die sehr charakteristisch sind. Zum Beispiel der erste Satz – den wiederhole ich auch immer: Meldet euch früh genug, denn wenn die Schulden zu gross werden, kann euch niemand mehr helfen.

Gibt es einen Unterschied zwischen Jung und Alt? Schulden sind schon eher ein Problem der Jüngeren. Wir können nachweisen, dass die Probleme anfangen, wenn die jungen Menschen zu Hause ausziehen. Solange sie noch bei den Eltern sind, helfen diese aus: Rund 30 Prozent der Jungen sind bei den eigenen Eltern verschuldet. Meine Mutter ist nun über 80. Sie hätte lieber aufs Essen verzichtet, als eine offene Rechnung nicht zu bezahlen. Diese Haltung war früher gang und gäbe, doch heute ist die Mentalität eine andere.

Wieso braucht es die Schuldenberatung der Caritas? Die anderen Fachstellen nehmen häufig nur Leute auf, bei denen sie Sanierungsmöglichkeiten sehen. Auch beim Sozialamt wird niemandem geholfen, der nicht ein Anrecht auf Fürsorge hat. Niemand kümmert sich um die Menschen, die mit Schulden leben müssen – ausser die Caritas. Es ist weniger Schuldenberatung, sondern eher Schuldnerberatung. Ich finde das ganz wichtig.

Text: Ursula Binggeli; Bilder: Andreas Schwaiger (Symbolbilder), zvg

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Hintergrund: Schulden

Frühzeitige Hilfe bei Schulden Das Schuldenmachen ist heute bei Privatpersonen sehr verbreitet. Je nach Alter stehen dabei unterschiedliche Schuldenarten im Mittelpunkt. Häufig erfolgt die Verschuldung bei den Übergängen im Lebenslauf. Neue Informations- und Beratungsangebote der Caritas zielen darauf ab, die von Verschuldung bedrohten Menschen bereits bei diesen Übergängen zu erreichen und zu unterstützen.

Wer heute einkaufen geht, benötigt kein Bargeld mehr und kann mit einer Kreditund Kundenkarte auch bezahlen, wenn das Bankkonto im Minus ist. Das Einkaufsverhalten wird damit immer weniger von der finanziellen Situation bestimmt, sondern mehr und mehr von Wünschen und Träumen. Doch nicht nur das Einkaufsverhalten, sondern auch das Zahlungsverhalten hat sich gewandelt. Während es früher üblich war, die Rechnung auf einmal zu begleichen, ist heute das Abstottern der Rech-

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nungen weit verbreitet. Möglich gemacht wird dies durch ein wachsendes Angebot an Kunden- und Kreditkarten mit Teilzahlungsoptionen. Viele Konsumentinnen und Konsumenten besitzen heute eine ansehnliche Zahl dieser Karten, kommen sie doch bei deren Besitz in Genuss von Vorteilen wie Rabatt-Prozenten auf Einkäufen, Spezialangeboten oder Geburtstagsgeschenken. Wer bei all diesen Karten von der Teilzahlungsoption Gebrauch macht, verschuldet sich schnell in beachtlicher Höhe, sieht sich

mit hohen Zinskosten konfrontiert und läuft Gefahr, die Übersicht über die Finanzen zu verlieren. Junge besonders gefährdet Junge Erwachsene am Übergang zwischen Berufsausbildung und Arbeit sind besonders gefährdet, sich über Kunden- und Kreditkarten zu verschulden, denn sie übernehmen sich in dieser Phase nicht selten finanziell durch die Ausgaben für eine eigene Wohnung, ein geleastes Auto und


Caritas: die wichtigste Anbieterin in der Schuldenberatung

häufigen Ausgang. Über die Website www. caritas-schuldenberatung.ch und Lehrlingsverantwortliche wird Caritas junge Erwachsene ab Ende 2011 mit jugendgerechten Informationen zum Umgang mit Geld und Schulden bedienen. Vor der Familiengründung überlegen sich nicht wenige Ehepaare einen Wechsel in eine grössere Wohnung. Fehlt das Geld für die Finanzierung des Umzugs und die Einrichtung des Kinderzimmers, ist die Aufnahme eines Konsumkredits rasch ein Thema. Solchen Ehepaaren bietet Caritas mit der anonymen und kostenlosen Beratungshotline «SOS Schulden» an, sie über die Risiken einer Kreditaufnahme zu informieren und bei Bedarf eine weitergehende Beratung zu vermitteln. Telefonberatung als Prävention Nach der Familiengründung können durch das reduzierte Einkommen und die erhöhten Ausgaben, Steuerschulden und Krankenkassenausstände entstehen. Die Fachpersonen der Beratungshotline «SOS Schulden» zeigen den betroffenen Familien in solchen Situationen mögliche Wege der Problemlösung auf. Mit der Pensionierung ist eine grosse Einkommenseinbusse verbunden, die zu einem finanziellen Engpass und insbesondere Steuerschulden führen kann. Über die Beratungshotline «SOS Schulden» wird diesen Menschen eine geeignete Beratungsstelle für die Prüfung eines Steuererlasses oder finanzieller Hilfe vermittelt. Diese neuen Hilfsangebote an den Übergängen im Lebenslauf sollen dazu beitragen, Verschuldete oder von Verschuldung Bedrohte zu unterstützen, bevor sie in ernsthafte Schuldenprobleme geraten. Sie sind deshalb als Prävention zu verstehen.

Texte: Jürg Gschwend; Illustration & Grafik: Tom Künzli

Häufigkeit der Schuldenart bei den beratenen Haushalten

An elf Orten führen die regionalen Caritasstellen eine Schuldenberatung. Damit ist Caritas schweizweit der wichtigste Anbieter in diesem Bereich. Gemäss dem Bundesamt für Statistik lebten im Jahr 2008 insgesamt 570 000 Personen mit erheblichen Kontoüberzügen oder Zahlungsrückständen in der Schweiz. Bei den Personen, die sich an die Schuldenberatung wenden, handelt es sich in 60 Prozent der Fälle um alleinstehende Personen oder Alleinerziehende. Die Mehrheit der Ratsuchenden ist zwischen 31 und 50 Jahre alt. Am häufigsten sind sie von Steuer-, Krankenkassen- und Konsumkreditschulden betroffen. Betragsmässig fallen dabei die Steuern- und Konsumkreditschulden am höchsten aus. Die Ratsuchenden wenden sich in der Regel erst nach einer jahrelangen Leidensgeschichte an die Schuldenberatung. Mit der neuen Internetseite www. caritas-schuldenberatung.ch und der anonymen, kostenlose Beratungs-Hotline «SOS Schulden» sollen Menschen mit Schuldenproblemen früher erreicht werden können.

Denn je früher die Betroffenen Hilfe aufsuchen, desto besser kann ihnen geholfen werden. Beratungs-Hotline «SOS Schulden» 0800 708 708 (gratis) Montag bis Donnerstag, 10–13 Uhr www.caritas-schuldenberatung.ch

Fachtagung zum Thema Am Mittwoch, 23. November 2011 veranstalten die Hochschule für Soziale Arbeit FHNW, die Caritas Schweiz und die SKOS in Basel eine Fachtagung zum Thema Schulden und Schuldenprävention. Die Veranstaltung ist dem Thema «Armutsbekämpfung mit Schuldenberatung» gewidmet. Anmeldung und Information unter www.forum-schulden.ch

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Caritas Thurgau

Sich den Tatsachen stellen – neue Schulden vermeiden Was Schulden sind, ist klar – wie es im einzelnen Fall zu ihnen kommen konnte, ist häufig schwieriger herauszufinden. Dennoch muss man es in Erfahrung bringen, wenn ein Budget ins Lot kommen und die Schulden bezahlt werden sollen. Schuldenberaterin Carmen Kern begleitet bei Caritas Thurgau diesen Prozess.

Im Jahr 2010 wandten sich mehr als 200 Personen an die Schuldenberatung der Caritas Thurgau.

Zu Carmen Kern kommen Personen, die 2000 Franken ausstehend haben, und andere mit 400 000 Franken Schulden. Egal wie hoch die Schulden sind: Mit Schuldscheinen und Betreibungen wälzt man sich im Schlaf und sucht – hoffentlich – Hilfe. «Für eine Schuldenberatung und erst recht für eine Schuldensanierung ist es unabdingbar, dass jemand freiwillig zu uns kommt.» Aus Erfahrung weiss Carmen Kern, dass die meisten die Höhe ihrer effektiven Schulden um mindestens die Hälfte unterschätzen. Auf der anderen Seite beobachtet

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sie, wie die persönlichen finanziellen Mittel überbewertet werden. «Das hat nichts mit Intelligenz zu tun, sondern ist ein Verdrängungsmechanismus.» Wenn in der Schuldenberatung Klarheit geschaffen wird, erlebt die 26-jährige Sozialarbeiterin zwei typische Reaktionen: Die einen stellen sich den Tatsachen und bemühen sich, sich von den Schulden zu befreien, die anderen haben tausend Ausflüchte, es nicht oder nur halbherzig zu tun. Hauptgründe für Schulden sind Schwierigkeiten, den administrativen und finanziellen Alltag zu bewältigen, dann Lohn-

einbussen bzw. Arbeitslosigkeit, und dies oft kombiniert mit Krankheit oder familiären Trennungen. Bei finanziellen Engpässen werden am häufigsten und als Erstes Steuern und Krankenkassenprämien nicht bezahlt. Man hofft, der Staat sei geduldig und man werde nicht krank. Kommt in dieser Situation aber noch etwas Unvorhergesehenes: ein Unfall, eine Zahnarztrechnung, eine Mietzinserhöhung dazu, stürzt das wacklige Finanz-Kartenhaus ein. «Schulden bei den Krankenkassen sind besonders gravierend. Sie müssen als Erstes zu 100 Prozent und am besten ohne Aufschub


bezahlt werden», weiss Kern. Ein Budget der Caritas Thurgau ist daher so ausgelegt, dass nirgends eine Versicherungslücke entsteht, und wenn sie schon besteht, dass sie so schnell wie möglich geschlossen wird. Zudem wirkt ein stabiles Budget der Neuverschuldung entgegen.

immer ein Fall aber liegt, Darlehen gibt die Caritas nicht und sie übernimmt keine Schulden. Ebenso wenig leitet sie einen Privatkonkurs ein. Übrigens: Letztes Jahr konnten den Gemeinden dank der Schuldenberatungen und -sanierungen durch Caritas Thurgau

«Vor lauter Schulden habe ich den Horizont nicht mehr gesehen. Allein hätte man da keine Chance! Jetzt aber lebe ich wieder.» (Herr M. aus F. – nach seiner erfolgreichen Schuldensanierung mit Caritas Thurgau) Kern erwartet von allen Ratsuchenden, dass sie das gemeinsam aufgestellte Budget einhalten. Sie kann von dankbaren Menschen erzählen, denen sie so helfen konnte. «Das nährt mich in meiner aufreibenden Arbeit.» Hie und da erlebt sie aber auch das Gegenteil. «Wenn der Wille fehlt, dann nützt das beste Budget nichts. Dann breche ich eine Beratung ab oder stelle auch mal ein Ultimatum.» Oft ist ihre Hilfe Lebenshilfe: Sie hilft Steuererklärungen auszufüllen, mit Amtsstellen zu verhandeln oder Stundungen zu erwirken. Wer seine Schulden begleichen will, braucht zudem häufig nicht einfach nur Geld oder wohlwollende Gläubiger, sondern auch eine andere Sicht auf sein Leben und seinen Lebensstil. «Auch das gehört zu unserer Begleitung: Hilfe zur Selbsthilfe, damit Schulden künftig vermieden werden können», sagt Carmen Kern. Dieser umfassende Ansatz, der die Suche nach Ursachen für Schulden und die Prävention neuer Schulden einschliesst, ist das wesentliche Kennzeichen der Schuldenberatung der Caritas Thurgau. Er verspricht einen menschlicheren und nachhaltigeren Erfolg als blosse Schulden-Betreibung. Wie Text: Kathrin Zellweger; Bilder: Urs Siegenthaler, Lukas Fleischer

rund 60 000 Franken und dem Bund 10 300 Franken an Steuerschulden zurückbezahlt werden. Unterstützt wird die Schuldenberatung dennoch nur von der katholischen Landeskirche und der Bankengruppe Aduno. Zahlungsunwillig oder zahlungsunfähig? Seit 2007 besteht im Thurgau eine Liste von sogenannt zahlungsunwilligen Prämienzahlern von Krankenkassen, die – ausser im Notfall – erst wieder behandelt werden, wenn die Ausstände vollständig beglichen sind. Raphael Herzog, Leiter Prämienverbilligung/Versicherungspflicht beim Kanton Thurgau, dazu: «Wir haben mit der Liste ausschliesslich gute Erfahrungen gemacht. Ihre Grundlagen sind zwischen Kanton, Hausärzten und Spitälern ausgehandelt worden.» Die Namen der Säumigen werden von den Gemeinden erst an den Kanton gemeldet, nachdem sie gemahnt, ihnen die Folgen des Zahlungsaufschubs aufgezeigt wurden und der Leistungsaufschub wirksam geworden ist. Der Thurgau sei mit seiner Praxis kein Hardliner, sagt Herzog; aber es könne nicht angehen, dass

einzelne Personen dem Gesetz nicht nachkämen und von den Leistungen dennoch profitierten. «Das strapaziert den Solidaritätsgedanken.» Mittlerweile wollen auch andere Kantone diese Liste einführen. Caritas Schweiz stellt sich gegen solche Listen, da eine Unterscheidung von zahlungsunwillig und zahlungsunfähig nicht eindeutig gemacht werden kann. Schuldner im Thurgau Was die Lebensform (vorwiegend Alleinstehende), die Altersverteilung (mehrheitlich zwischen 40 und 50 Jahren) und die Schuldenstruktur (vor allem Steuer- und Hypothekarschulden) anbelangt, gibt es keine signifikanten Unterschiede zwischen den statistischen Zahlen der Caritas Thurgau und dem schweizerischen Durchschnitt. Hingegen melden sich bei Caritas Thurgau deutlich mehr Männer mit Schuldenproblemen als Frauen (4 zu 2), während das schweizerische Mann-Frau-Verhältnis bei 3 zu 2 liegt. Im Thurgau ist der Ausländeranteil an den Schuldnern mit 28 Prozent gegenüber dem Schweizer Durchschnitt von 37 Prozent markant tiefer, und überdurchschnittlich viele Personen mit Berufslehre oder Matura geraten hier in finanzielle Schwierigkeiten (TG: 75 %; CH: 57 %).

Carmen Kern, Sozialarbeiterin FH Caritas Thurgau

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Caritas Thurgau

Caritas Thurgau in Schwierigkeiten Die Caritas Thurgau bietet im Auftrag der katholischen Kirche Menschen in sozialer Not professionelle Hilfe an. Nun benötigen wir selbst mehr Unterstützung. Im Finanzbericht 2010 mussten wir ein hohes Defizit und einen Rückgang des Kapitals ausweisen, im 2011 sieht es bis jetzt nicht besser aus. Was sind die Gründe für die schlechte Bilanz, und welche Massnahmen ergreifen wir?

Aber nicht nur die Arbeitsintegrationsprogramme und Sozialfirmen belasten das Budget. Auch die Schuldenberatung ist defizitär. Die Betroffenen können diese Leistung in der Regel nicht bezahlen und Kanton und Gemeinden gewähren dafür keine Zuschüsse – obwohl durch Schuldensanierungen jährlich bis zu 100 000 Franken an Steuerschulden zurückbezahlt werden.

Die Caritas erbringt viele wichtige Dienstleistungen – aber jetzt muss das Angebot aus finanziellen Gründen reduziert werden.

Derzeit sind 28 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei Caritas Thurgau und dem Verein ESRA (Arbeitsintegration) beschäftigt. Sie leisten Sozial- und Schuldenberatungen, führen das Projekt «mit mir», welches freiwillige Paten und Kinder in schwierigen Situationen zusammenbringt, sie begleiten sozial engagierte Freiwillige und unterstützen Migranten und Migrantinnen, indem sie sich unter anderem für ein faires Asylverfahren einsetzen. Unter dem Dach des Vereins ESRA betreuen die Mitarbeitenden Integrationsprogramme für Erwerbslose in verschiedenen Betrieben wie ESRA Recycling (Fraktionierung von Elektroschrott), Ding-Shop (Verkauf von Secondhand-Möbeln, -Kleidern und -Geräten) oder Caritas-Markt (Verkauf von günstigen Lebensmitteln und Gütern des täglichen Bedarfs an armutsbetroffene Menschen). Die Programm-Teilnehmenden

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werden gefördert und gefordert, um im ersten Arbeitsmarkt wieder Fuss fassen zu können. Diese Arbeitsintegrationsprojekte sind verantwortlich für den grössten Teil des Defizits. Fast jede Gemeinde hat mittlerweile unkoordiniert ihr eigenes kleines Integrationsprojekt geschaffen. Zudem hat sich die Wirtschaft viel schneller von der letzten Krise erholt als abzusehen war. Die Folge dieser beiden Faktoren ist, dass die Zuweisungen von Arbeitslosen und damit auch die Entschädigungen bis zu 50 Prozent abgenommen haben. Dies ist umso gravierender, als die Caritas Thurgau viel Geld in den Aufbau ihrer beiden Sozialfirmen Ding-Shop und Haushalts-Fee investiert hat, die durch die Beiträge der zuweisenden Stellen nicht abgedeckt sind.

Angebotsreduktion und Personalabbau Wir geben die Hoffnung nicht auf, dass die Caritas von kirchlichen Einrichtungen und von sozial engagierten Menschen noch stärker unterstützt wird als bisher. Hingegen können wir leider keine Signale dafür erkennen, dass man in der Politik bereit ist, mehr in die soziale Arbeit zu investieren. Deswegen bleibt uns zurzeit keine andere Lösung, als die Angebote dem finanziellen Spielraum anzupassen, und das heisst: Personal und Leistungen zu reduzieren. So wurde zum Beispiel die Haushalts-Fee auf September als Integrationsbetrieb geschlossen und in einen normalen, selbstständigen Betrieb überführt. Aber auch in allen anderen Dienstleistungen gab und gibt es Kürzungen. Rupert Summerauer, Geschäftsleiter Caritas Thurgau und ESRA Arbeitsintegration

Text: Rupert Summerauer; Bild: Caritas Thurgau


«Miges Balù» – gesund ins Leben Ende des Caritas Dolmetschdienstes Thurgau

Auf 2012 hat die ARGE Integration Ostschweiz mit ihrem Dolmetschdienst «VERDI» den Zuschlag erhalten, eine zentrale Vermittlungsstelle für interkulturelle Übersetzerinnen und Übersetzer in den Kantonen Graubünden, St. Gallen, Appenzell und Thurgau zu führen.

Verschiedene Studien belegen, dass Kinder aus Migrationsfamilien ein erhöhtes gesundheitliches Risiko haben. Das Projekt «Miges Balù» soll die Chancen dieser Kinder verbessern.

Seit 2002 führt Caritas Thurgau mit Unterstützung des Bundes eine Dolmetschervermittlung im Thurgau. 51 interkulturelle Übersetzerinnen und Übersetzer für 35 Migrationssprachen stehen zur Verfügung und leisten Einsätze in den Bereichen Gesundheit, Bildung und Soziales. 15 von ihnen verfügen neben der Grundausbildung über das «Interpret-Zertifikat». Wie geplant zieht sich der Bund auf 2012 aus der Mitfinanzierung der Dolmetschdienste zurück und überträgt die Verantwortung den Kantonen. Die Folge davon ist, dass kleinere Dienste auch mit kantonaler Unterstützung nicht mehr überlebensfähig sein werden. Die Ostschweizer Kantone (GR, SG, AR, TG) beschlossen deshalb, einen gemeinsamen Auftrag zur Führung einer Vermittlungsstelle für interkulturelles Übersetzen zu vergeben. Nach einer öffentlichen Ausschreibung erhielt die ARGE Integration Ostschweiz (VERDI), St. Gallen, den Zuschlag. Dies bedeutet, dass es den Caritas Dolmetschdienst Thurgau ab 2012 nicht mehr geben wird. Letztlich sind wir jedoch froh, dass durch VERDI im Kanton Thurgau weiterhin qualitativ hochwertige interkulturelle Übersetzung gewährleistet sein wird. Dies war immer unser Ziel. Und wir sind zuversichtlich, gemeinsam mit VERDI eine gute Lösung für unsere Dolmetschenden zu finden.

Viele Eltern mit Migrationshintergrund sind in der Schweiz mit anderen Voraussetzungen für das Grossziehen ihrer Kinder konfrontiert, als sie es aus ihrer Heimat kennen. Dies kann zu ungünstigen Entwicklungen zum Beispiel in den Bereichen «Ernährung» und «Bewegung» führen (unter anderem Karies oder Übergewicht, vgl. 5. Schweizerischer Ernährungsbericht). Mütter- und Väterberatungen sind bewährte niederschwellige Anlaufstellen für Eltern von Säuglingen und Kindern bis fünf Jahren. Leider erreicht dieses Angebot Familien mit Migrationshintergrund unterdurchschnittlich gut.

Texte: Susanne Ammann, Leiterin Bereich Migration ; Bild: Andreas Schwaiger

Das Projekt «Miges Balù» soll diese Stellen dabei unterstützen, mit ihrem Beratungsangebot vermehrt Familien mit Migrationshintergrund zu erreichen. In Weiterbildungen stärken die Beratenden ihre transkulturellen Kompetenzen. Und interkulturelle Vermittlerinnen und Vermittler helfen, bei Personen mit Migrationshintergrund Schwellenängste und Sprachbarrieren ab- und Vertrauen aufzubauen. «Miges Balù» basiert auf dem Pilotprojekt, das vom Ostschweizer Verein für das Kind OVK und Caritas Schweiz mit Unterstützung von Suisse Balance entwickelt worden ist. Im Kanton Thurgau ist «Miges Balù» ein Teilprojekt des Kantonalen Aktionsprogramms «Thurgau bewegt». Es wird in Zusammenarbeit mit Caritas Thurgau umgesetzt und vom Kanton Thurgau und von der Gesundheitsförderung Schweiz finanziert.

Kinder aus Migrationsfamilien haben gesundheitlich oft weniger gute Startbedingungen als ihre Schweizer «Gspänli».

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Persönlich

Schwester Anna Affolter ist Mitglied der Generalleitung des Klosters Ingenbohl. Sie entschied sich mit 20 Jahren, dem Orden beizutreten. Nach ihrer Tätigkeit als Sozialberaterin für Fahrende bei der Caritas Zürich wurde sie nach Ingenbohl berufen. Heute besucht die 50-Jährige die Vertretungen ihres Ordens in der ganzen Welt.

«Wir teilen geistige und materielle Werte miteinander» Was würden Ihre Nachbarn über Sie sagen? Ich höre, ich sei einfühl-

sam, freundlich, zugänglich und humorvoll. Aber meine Nachbarn stellen sicher auch fest, dass ich hin und wieder mit der Zeiteinteilung im Konflikt bin.

Immer, wenn andere mir sagen, dass sie sich von mir wertgeschätzt und verstanden fühlen. Glücklich machen mich aber auch Naturerlebnisse wie ein Sonnenuntergang, die Unendlichkeit des Meeres, die Natur beim Wandern. Solche Erfahrungen lassen mich zur Ruhe kommen, bringen mich in Berührung mit Gott. Wann sind Sie glücklich?

Wie haben Sie das letzte Mal jemandem geholfen? Heute Morgen half ich

einer betagten Schwester, die sich in mein Büro verirrte. Am Arm mir einhakend begleitete ich sie zu ihrem Zimmer zwei Stockwerke tiefer. Als sie ihr Zimmer wie-

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dererkannte, leuchtete ihr Gesicht vor Erleichterung auf. Welches Erlebnis hat Sie besonders geprägt? Mein Einsatz in einem Alters-

heim, den ich während meiner Seminarausbildung machte. Dort kam ich das erste Mal in Kontakt mit Schwestern, die mich an wichtige Lebensfragen heranführten und meinem Leben eine Perspektive gaben. Darauf entschloss ich mich, ins Kloster zu gehen. Was stimmt Sie zuversichtlich? Das

Gefühl, nicht alleine zu sein, nicht alles alleine machen zu müssen. Ich habe Mitkämpferinnen in meiner Gemeinschaft und viele Kontakte auch über die Gemeinschaft hinaus, mit denen ich die gleichen Werte teile und mich für die gleichen Ziele einsetze.

Woher stammen Ihre Werte? Ein Teil von meiner Familie und ein Teil aus dem Evangelium. Ein wichtiges Bild sind für mich die Jünger und Jüngerinnen, die mit Jesus unterwegs waren. Sie haben Hab und Gut, Freud und Leid geteilt, waren füreinander und für andere da. Danach lebt unser Orden immer noch: Wir teilen geistige und materielle Werte miteinander. Welche Sünde begehen Sie mit Freude? Also in grossen Abständen

kommt es vor, dass ich in einer einzigen Nacht einen Krimi von vorne bis hinten durchlese …

Bild: zvg


Caritas-Netz

«Als Mentorin bin ich Coach und Motivatorin» Als freiwillige Mentorin begleitet Desirée Natter bei «incluso» zum zweiten Mal eine junge Migrantin bei der Lehrstellensuche. Sie erzählt, wie sie zu diesem Engagement gekommen ist und was ihre Aufgaben sind. Vor drei Jahren bin ich durch eine Kollegin auf das Mentoringprogramm «incluso» aufmerksam geworden. Sie begleitete während eines Jahres eine junge Migrantin bei der Lehrstellensuche und erzählte mir davon. Ich fand das spannend und meldete mich bei Caritas Zürich. Bei einem Treffen erklärte mir die Verantwortliche das Programm, den Ablauf und die Aufgaben der Mentoren. «incluso» hat mich überzeugt und Mentoring als Form der Zusammenarbeit finde ich sehr sinnvoll. Mir sagte auch zu, dass die Dauer des Engagements als Mentorin im Voraus definiert ist und dass die Zusammenarbeit ein konkretes Ziel hat: eine Lehrstelle oder eine Anschlusslösung finden. Ein offenes Ohr haben Meine erste Mentee war Andreia. Sie ist 16 Jahre alt und kommt ursprünglich aus Portugal. Ihr Wunsch: eine KV-Lehrstelle. In unserem ersten Gespräch haben wir die Erwartungen, die wir aneinander haben, geklärt. Für mich sind Verbindlichkeit und Pünktlichkeit wichtig. Andreia ist seit klein auf in der Schweiz und spricht Schweizerdeutsch. Das ist nicht bei allen Mentees so. Vom Wesen her ist sie eher schüchtern und zurückhaltend. Ich musste mir zuerst einen Zugang zu ihr verschaffen und ihr Vertrauen gewinnen. Mit der Zeit öffnete sie sich. Gemeinsam haben wir geklärt, für welche Berufe sie sich interessiert und eignet, die Bewerbungsunterlagen zusammengestellt und in Rollenspielen Telefon- und Vorstellungsgespräche geübt. Als dann die erste Einladung zu einem Vorstellungsgespräch kam, haben wir auch gemeinsam ihren Kleiderschrank nach einem geeigneten Outfit durchstöbert – das war lustig. Mit Andreia habe ich mich entweder in einem Café in der Stadt oder auch bei ihr zu Hause getroffen. Zu Beginn haben wir uns alle zwei Wochen für jeweils eineinhalb Text: Sima Mangtshang; Bild: Urs Siegenthaler

bis zwei Stunden getroffen. Mit der Zeit reduzierten sich die persönlichen Treffen auf ein Mal pro Monat und wir haben daneben via E-Mail miteinander kommuniziert: Andreia mailte mir ihre Bewerbungsschreiben und ich gab ihr ein Feedback dazu. Als Mentorin bin ich vor allem Coach und Motivatorin. Es gibt Phasen, da bekommen die Jugendlichen nur Absagen. Dann muss man die Mentees motivieren, aufmuntern zum Weitermachen. Austausch mit den anderen Mentorinnen und Mentoren «incluso» bietet regelmässig Erfahrungsaustausch-Treffen an. Der Austausch mit den anderen Mentorinnen und Mentoren ist für mich sehr wertvoll und nützlich. Man hört einerseits, wie es anderen Tandems ergeht und wo sie anstehen, kann sich aber auch gegenseitig Tipps geben und Kontakte vermitteln. Das «incluso»Team steht uns während der gesamten Pro-

grammdauer beratend und unterstützend zur Verfügung. Sie organisieren beispielsweise einen Bewerbungsworkshop und einen gemeinsamen Besuch im Berufsinformationszentrum. Nun begleite ich bereits die zweite Mentee bei der Suche nach einer Lehrstelle. Sie heisst Sevgi, ist Kurdin und 15 Jahre alt. Ihr Berufswunsch: Fachangestellte Gesundheit. Es ist spannend und eine grosse Bereicherung, so nah am Leben einer Jugendlichen zu sein und so auch mehr über deren Kultur zu erfahren.

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Hilfeleistung, die Freude und fit macht

Velodienste Luzern

Bei den «Caritas-Bergeinsätzen» unterstützen Freiwillige in Not geratene Bergbauernfamilien bei der täglichen Arbeit auf dem Hof.

Die Mitarbeitenden der Velodienste übernehmen eine wichtige Aufgabe zugunsten der Allgemeinheit.

Kulturaustausch zwischen zwei sehr unterschiedlichen Lebensweisen: Bergbauer und Freiwillige.

Bergbauernfamilien sind auch in der Schweiz besonders harten und unwirtlichen Bedingungen ausgesetzt: Ihr Land ist schwer zugänglich, die Winter sind lang und kalt, der Ertrag entsprechend mager. Ihr Einkommen bewegt sich trotz Beiträgen der öffentlichen Hand oft am Existenzminimum. Manche können sich nur knapp über Wasser halten, denn wirklich gewinnbringende Aktivitäten gibt es kaum. Die Arbeitsbelastung der Familien ist sehr hoch, weil vieles noch von Hand gemacht werden muss. «Caritas-Bergeinsatz» vermittelt seit 30 Jahren soziale Einsätze im Berggebiet: Freiwillige unterstützen Bergbauernfamilien in Not bei der täglichen Arbeit auf dem Hof. Mit diesen Einsätzen will Caritas neben der Entlastung für die Bergbauernfamilien auch sinnvolle und bedürfnisgerechte Betätigungsfelder für Freiwillige schaffen. Die Begegnung zwischen den Freiwilligen, die meist in der Stadt leben, und den Berg-

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bauern führt zu einem gelebten Kulturaustausch zwischen sehr unterschiedlichen Lebensweisen. Und bringt den interessierten Helferinnen und Helfern neben Abwechslung zum Büroalltag auch die einmalige Berglandschaft der Schweiz näher. Die Anmeldung zu einem Bergeinsatz ist per Internet möglich – interessierte Freiwillige können aus über hundert verschiedenen Einsatzmöglichkeiten in allen Bergregionen der Schweiz auswählen. Jeder Einsatz dauert mindestens eine Woche und kann direkt online gebucht werden.

Der Umgang mit Velos hat bei den Arbeitsintegrationsprogrammen der Caritas Luzern einen grossen Stellenwert. Da sind zum einen die Velodienste in Luzern und Sursee. Im Auftrag der Städte halten Programmteilnehmende einen Veloordnungsdienst aufrecht. Sie verschieben falsch parkierte Velos auf Ersatzplätze und sortieren besitzerlose Velos aus, sammeln sie ein und melden sie der Polizei. In Sursee geschieht dies im Bereich des Bahnhofs, in Luzern in der gesamten Innenstadt und besonders rund um den Bahnhof. Daneben betreiben die Velodienste in Luzern eine bewachte Velostation, wo Bahnkunden ihre Velos sicher und geschützt parkieren können. Hier werden auch kleinere Servicearbeiten sowie das Putzen der Velos angeboten. Die Velostation erledigt auch das Vermieten von Renta-Bike-Velos und nimmt selbst ausgediente Velos zur Wiederverwertung an. Im Caritas-Betrieb Littau werden defekte Fahrräder demontiert. Die Einzelteile gelangen per Container zu Partnerbetrieben nach Afrika, wo sie wieder bedarfsgerecht als Velos zusammengebaut werden. Gut erhaltene Fahrräder kommen in den Caritas-eigenen Secondhand-Läden in den Verkauf. Velostation beim Bahnhof Luzern

www.bergeinsatz.ch

Texte: Daniel Grossenbacher, Urs Odermatt; Bilder: Caritas Schweiz, Caritas Luzern


Fotografie

Vor 20 Jahren …

Bahnhof Luzern um 1991

Als anfangs der 1980er-Jahre die ersten Menschen aus Sri Lanka vor dem Bürgerkrieg flohen und in die Schweiz kamen, hatten viele Angst vor den dunkelhäutigen Menschen, die oft am Bahnhof anzutreffen waren. Man bezeichnete sie als Wirtschaftsflüchtlinge, die hier nur profitieren wollten. Heute schätzt man sie gerade im Gastgewerbe – weil sie jene Arbeit machen, für die andere sich zu schade sind.

Bild: Georg Anderhub

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Kiosk Veranstaltungen Kurs «Passantenhilfe»

Caritas Thurgau: Wir helfen Menschen! – Helfen Sie mit? • … Jede Spende, ob gross oder klein, hilft! Caritas Thurgau, PC 85–123–0

Pfarrhäuser und Pfarrämter sind beliebte Anlaufstellen für Durchreisende und Notleidende – manchmal auch für «Schlaumeier»! Wie können Pfarreimitarbeitende den Passantinnen und Passanten sinnvoll und nachhaltig helfen, ohne ausgenützt oder unter Druck gesetzt zu werden? Wo hat die Hilfe Grenzen? Grundlagen – Reflexion – Austausch Mittwoch, 2. November 2011 14 bis 17.30 Uhr Weinfelden In Zusammenarbeit mit Bruno Strassmann von der Arbeitsstelle für kirchliche Erwachsenenbildung. Anmeldung: Susanne Nobs-Rageth, Tel. 071 626 80 06

Der Thurgau leuchtet An der vorweihnachtlichen CaritasAktion «Eine Million Sterne» engagieren sich viele Kinder, Jugendliche und Erwachsene im Thurgau und in der ganzen Schweiz. Sie entzünden auf zentralen Plätzen Hunderte von Kerzen für Solidarität mit Menschen in Not. Passantinnen und Passanten werden eingeladen, mit einem guten Gedanken oder persönlichen Wunsch eine Kerze zu ihrer Wunschkerze zu machen. Der Erlös der Aktion fliesst in Caritas-Projekte. Samstag, 17. Dezember 2011 16 bis 20 Uhr Standorte auf www.caritas-thurgau.ch/sterne Möchten auch Sie mit einer Gruppe eine Aktion organisieren? Dann melden Sie sich bitte bei Lukas Meyer, Kommunikation & Fundraising Tel. 071 626 80 37 lukas.meyer@caritas-thurgau.ch

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• Verwenden Sie Kunst- und Weihnachtskarten der Caritas. Das BestellFaltblatt mit allen erhältlichen Karten liegt diesem Heft bei. • Dank finanzieller Patenschaften können wir armutsbetroffene Kinder im Kanton Thurgau nachhaltig unterstützen und fördern. Patenschaften ermöglichen den Kindern beispielsweise die Mitgliedschaft in Sportvereinen oder Nachhilfe- und Musikunterricht. Eine finanzielle Patenschaft beträgt 480 Franken im Jahr. • Möchten Sie Ihre Zeit und Ihre Kenntnisse als freiwillige Mitarbeitende einsetzen? In verschiedenen Projekten freuen wir uns über Ihre Unterstützung. Wir suchen: • Fahrer/Fahrerinnen für den Caritas-Markt bzw. das Caritas-Markt-Mobil. • Persönliche Paten und Patinnen für Kinder aus belastetem Umfeld (Projekt «mit mir»). • Regionale Vermittler/Vermittlerinnen für das Patenschaftsprojekt «mit mir». Sie vermitteln, koordinieren und begleiten in Ihrer Wohnregion persönliche Paten und Patinnen. • Pensionierte Handwerker und passionierte Heimwerker, die in der RerecWerkstatt in Sirnach gebrauchte Gegenstände (Möbel, Elektrogeräte …) auffrischen, damit sie im Ding-Shop der Caritas weiterverkauft werden können. Sie leiten zudem Stellensuchende bei solchen Arbeiten an. • Administrative Unterstützung bei Versänden, Adress-Recherchen usw. • Haben Sie gut erhaltene Kleider, Spielsachen, Geräte oder Möbel für den Wiederverkauf in Weinfelden oder Sirnach? • Schauen Sie in der Caritas-Boutique in Weinfelden oder im Ding-Shop in Sirnach (Kleider, Geräte, Möbel und mehr) vorbei. Der Erlös aus Ihrem Einkauf kommt Caritas-Projekten zugute. Mehr Informationen zu allen Möglichkeiten: Tel. 071 626 80 00 oder auf www.caritas-thurgau.ch. Herzlichen Dank im Voraus für Ihre Solidarität!

Sozialalmanach 2012: «Arme Kinder» Der Schwerpunktteil «Arme Kinder» nimmt die Rahmenbedingungen für Kinder und Familien in der Schweiz genauer unter die Lupe. Die Beiträge in diesem Teil setzen sich mit dem Ausmass und mit den verschiedenen Erscheinungsformen der Kinderarmut auseinander. Zudem stellen sie verschiedene Ansätze vor, um Kinderarmut wirkungsvoll vorzubeugen. Reportagen aus dem Alltag armutsbetroffener Familien vervollständigen diesen Band. Sozialalmanach 2012. Schwerpunkt: Arme Kinder Das Caritas-Jahrbuch zur sozialen Lage der Schweiz. Trends, Analysen, Zahlen. Luzern, Dezember 2011, ca. 240 Seiten, CHF 34.– Bestellungen via Caritas Schweiz, Luzern, www.caritas.ch/shop

Texte: Caritas Thurgau


Gedankenstrich

Tanja Kummer

Kein Blatt im Wind Herr Nessuno findet Schulden das Hinterallerletzte. Er gibt möglichst kein Geld aus, vor allem nicht für Unsinn wie ein Buch oder Ferien. Einmal hat er aus einer ihm heute unerklärlichen Laune heraus einen dunkelgrünen Tirolerhut aus Filz gekauft. Nun muss er ihn immer tragen, auch wenn es süttig heiss ist – das ist die Strafe, die er sich für seine Laune ausgedacht hat. Über Leute, die nicht ganz genau wissen, ob ihre finanziellen Mittel auch bei jedem erdenklichen Notfall ausreichen würden, kann er nur den Kopf schütteln: Es kann doch jeder jeden Tag in horrende Schulden schlittern! Man stelle sich nur vor, man würde die Stelle verlieren! Herr Nessuno findet alle Menschen ausser sich unzurechnungsfähig und meidet darum zwischenmenschliche Kontakte. Bei Kontakten entstehen ja auch Schulden, weil man sich Dinge verspricht: ein Rezept, einen Gefallen oder Gefühle, am Ende noch Liebe oder gar das Zeugen eines Kindes! So kann man sich lebenslängliche Schulden aufladen! Herr Nessuno nimmt nach der Arbeit soIllustration: Tom Künzli; Bild: zvg

gar den Abfall mit nach Hause, damit er der Putzfrau nichts schuldig bleibt, und fühlt sich grundsätzlich unschuldig. Bis zu dem Tag, an dem er auf seine Firma zugeht und ausrutscht – das auf den Boden gepinselte Firmenlogo ist frisch gestrichen worden. Jetzt zeichnet sich Herr Nessunos Fussabdruck in der weissen Farbe ab, das bedeutet, er ist dem Maler etwas schuldig, mindestens eine Entschuldigung! Ihm stockt der Atem, sein Blut hört auf zu fliessen und dann – erstarrt Herr Nessuno. Aus seinen Füssen wachsen Wurzeln und sein Körper wird zum dicken Baumstamm. Die Mitarbeiter wundern sich über den seltsamen Baum, der auf einmal vor der Firma steht. «Seine Blätter sind starr wie dunkelgrüner Filz, die bewegen sich nicht im Wind!», ruft jemand, und eine andere Stimme sagt: «Das ist kein schöner Baum, an dem ist überhaupt nichts lebendig!» Das ist das Letzte, was je über den Baum gesagt wird. Dann beachtet ihn niemand mehr. Es ist, als ob es ihn gar nicht geben würde.

Tanja Kummer ist Schriftstellerin. Ihr Erzählband «Wäre doch gelacht» und andere Bücher sind im Zytglogge-Verlag erschienen. 2010 leitete die Autorin die Schreibwerkstatt «wir sind arm» der Caritas. Die so entstandenen Texte können Sie nachlesen auf www.wir-sind-arm.ch

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_Forum 2012. Die sozialpolitische Tagung der Caritas

Arme Kinder Bild: © Jens Klingebiel – Fotolia.com

Heidi Simoni, Leiterin Marie Meierhofer Institut für das Kind Walter Schmid, Präsident SKOS Isabelle Chassot, Präsidentin EDK Jacqueline Fehr, Präsidentin Kinderschutz Schweiz Yves Rossier, Direktor BSV Hugo Fasel, Direktor Caritas Schweiz

Freitag, 27. Januar 2012, Kultur-Casino, Bern Anmeldung und Detailprogramm: www.caritas.ch/forum2012/d


Magazin Nachbarn, Nr. 2 2011