Skip to main content

Fassadenbekleidung

Page 9

9

1.5

Lignatec Fassadenbekleidung

Formgebung Beobachtung 7: Die Form der Fassadenteile wird primär über die Materialeigenschaften, den Produktionsprozess und die Logistik bestimmt.

Figur 5: Seriell vorfabrizierte Betonelemente in unterschiedlicher plastischer Ausformung. Miguel Fisac: Centro de rehabilitación MUPAG, Madrid (E) 1970

Figur 6: Formgebung

Teilung und Formgebung

homogenisierte Schicht

gefügte Schicht

= materialinhärenter Verbund (z.B. Beton, Verputze etc.)

= mechanischer Verbund (z.B. Steine, Platten etc.)

Teilflächen

Teile

– Grösse – Geometrie

– Dimensionen – Geometrie – Gewicht – Logistik – Montage

Arbeitstechnik

Produktionstechnik

– giessen – aufziehen – streichen – schweissen

manuelle Prod.

industrielle Prod.

digitale Prod.

– individuell

– seriell

– individuell – seriell

Die Formgebung ist oft Resultat komplexer technischer Abhängigkeiten. Die Dimension einer Fassadenplatte aus Naturstein beispielsweise hängt wesentlich von den Spalt- oder Sägewerkzeugen im Steinbruch, die Grösse und Geometrie eines Backsteins vom Press- und Brennverfahren in der Ziegelei ab. Die Länge und der Querschnitt von Massivhölzern sind durch das natürliche Wachstum des Holzes begrenzt, welches seinerseits wiederum über die Forstwirtschaft gesteuert wird. Die Dimensionen von Holzwerkstoffen hingegen werden durch die zur Verfügung stehenden Maschinen in der holzverarbeitenden Industrie bestimmt. Die Einflussnahme des Architekten auf diese Faktoren und Prozesse ist, meist aus ökonomischen Gründen, nur beschränkt möglich und erfordert ein grundlegendes Verständnis der Abhängigkeit zwischen Materialeigenschaften, Produktion und der resultierenden Form. Die manuelle, handwerkliche Produktion bietet grösstmögliche Freiheit bei der Fassadengestaltung, von Einzelanfertigungen bis hin zu kleinen Serien. Ein Beispiel dafür ist die Spenglerarbeit, welche noch heute auf wenigen Halbfertigprodukten basiert und zu einem grossen Teil direkt auf der Baustelle verrichtet wird. Die industrielle Produktion ist auf Halb-, Fertigoder komplexere Systemprodukte ausgerichtet, die wiederum auf einem präzisen, geometrisch-konstruktiven Regelwerk basieren, welches sich direkt im Ausdruck einer Fassade widerspiegelt. Die Verfügbarkeit bestimmter Teile wird durch den Systemkatalog definiert und über den Markt reguliert. Neue Perspektiven eröffnet in diesem Zusammenhang die sogenannte digitale Produktion. Sie vereint durch konsequente Digitalisierung und Schnittstellenbereinigung zwischen der Planung und den maschinellen Herstellungsprozessen die scheinbaren Gegensätze zwischen individueller Gestaltung und Massenproduktion. Geometrisch komplexe Formen lassen sich im Idealfall direkt vom digitalen Reissbrett auf die Bauteilproduktion übertragen, wodurch der entwerfende Architekt wieder mehr Einfluss direkt auf den Herstellungsprozess und letztlich auf die Formgebung ausüben kann. Nebst der Produktion spielen beim Entwurf von Fassadenteilen auch die Logistik und der Faktor Zeit eine wesentliche Rolle. Namentlich der Transport und die Montagebedingungen auf der Baustelle beeinflussen Geometrie, Dimension und Gewicht der Elemente und damit den Ausdruck einer Fassade als Ganzes. Das Lebenszyklusverhalten eines Materials bestimmt massgeblich die Frage nach der Auswechselbarkeit, welche folglich wieder die Logistik beeinflusst.


Turn static files into dynamic content formats.

Create a flipbook
Fassadenbekleidung by Lignum - Issuu