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HOTEL AMAZONAS OPEN FIELDS, ART FESTIVAL & RESIDENCY “I just have to tell you, and then it works …“ TEXT ___ Simone Mair  FOTO ___ Daniel Mazza

Hotel Amazonas ist ein Ort abseits der Realität. Beim Hotel Amazonas hört die Straße auf asphaltiert zu sein und die Wege werden unwegsam. Früher war das Hotel Amazonas der Aufenthaltsort der Familie Kaserer, heute ist es der Ort einer weiteren Familie, einer Künstlerfamilie. Und es ist ein Ort, der fern von Ausstellungseröffnungen, Shakehands und Adabeis existiert hat und existiert. Wer an dieser Familie teilhaben will oder zu Besuch kommen will, muss einiges auf sich nehmen und auch einiges hinter sich lassen. Simon Steinhauser

Mittwoch, 5. August.

Das Auto kommt zum Stehen, der Kühler läuft. Topinambur, Rosen, Geranien blühen. Goldglitterbänder an den Bäumen verleihen dem auf 800 Metern gelegenen Bergbauernhof etwas Glamour. Eine junge blonde Frau mit Brille und großem Lächeln winkt vom Fenster aus dem zweiten

NUJ  01

Stock. Margareth Kaserer ist am AspmayrHof in Unterwangen am Ritten in den 1980er Jahren aufgewachsen. Nach einigen Studienjahren im Ausland lebt sie wieder am Hof mit ihrem Vater und ihrem Freund Simon Steinhauser, der mit ihr einen neuen Weg sucht, den Hof wiederzubeleben, wenn er nicht gerade mit seinem Theaterensemble God’s Entertainment unterwegs ist. Im Monat August verwandelt sich der einstmalige Buschenschank in ein temporäres, experimentelles Kunstprojekt, das Hotel Amazonas. Margareth Kaserer: „Es soll ein Raum geschaffen werden, der prinzipiell offen für jede und jeden ist, der jedoch Partizipation und Selbstorganisation voraussetzt, und wo künstlerische und theoretische Ambitionen, einzeln oder in Kollaborationen, gefördert werden.“ Erstmals wurde das Projekt 2012 mit dem Schlagwort Utopie eröffnet, heuer lautet das Thema Open Fields, hergeleitet von der Bedeutung des

Dorfnamens, Wangen. Margareth Kaserer: „Wir wollen, dass ein Denken der Utopie stattfindet, dass ‚offene Felder‘ gesucht und hergestellt werden. Auch in Zukunft werden wir nach Formulierungen suchen, die brachliegende Potenziale evozieren.“ Alle Zimmer sind besetzt. Die krea­tiven Gäste kommen aus Antwerpen, Wien, Hamburg und genießen das Privileg, sich während der Künstlerresidenz auf ihre Arbeit fokussieren zu können. Das Besondere am Hotel Amazonas ist das Zusammenleben und der Austausch während des gemeinsamen künstlerischen Schaffens. Marthe van Dessel: “When the work becomes public and accessible you find yourself in a judging moment, whereas here at Hotel Amazonas you question yourself and your work during the process in dialogue with the other participants. I just have to tell you, and then it works …“ An den Wochenenden finden öffentliche Momente statt, die von einem

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NUJ - Zeitschrift für junge Kultur  

Die Zeitschrift öffnet eine Tür zur jungen Kulturszene in Südtirol und rückt den künstlerischen Nachwuchs stärker ins Licht. Sie richtet sic...

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