Shiftingborders 01

Page 1

FT I BOR E u r o p 채 i s c h e G r e n z v e r s c h i e b u n ge n European Shifting Borders


Cui bono?


E u r o p ä i s c h e G r e n z v e r s c h i e b u n ge n

Als ich im November letzten Jahres obiges Forschungsthema für 2014 formulierte, habe ich die Aktualität und die Brisanz dessen völlig unterschätzt. Der Euromaidan hatte gerade begonnen, aber es war nicht absehbar, dass sich der Konflikt in der Ukraine so zuspitzt, dass es zu einer Abspaltung der Krim kommt. Der Streit ob Annexion oder Sezession, ob völkerrechtswidrig oder nicht, dauert an (http://www.faz.net/ aktuell/feuilleton/debatten/die-krim-und-das-voelkerrechtkuehle-ironie-der-geschichte-12884464-p2.html). Noch ist nicht klar, wie die Situation sich weiterentwickeln wird, und ob nicht doch die östliche Grenze der Ukraine wieder verschoben wird. Seit dem Zerfall der Sowjetunion und der Wiedervereinigung Deutschlands war die Anerkennung der Grenzen friedensstiftend in Europa. Das scheint vorbei und die Angst vor einem Krieg in Europa nimmt zu. Nicht nur in Europa, sondern auch im Nahen Osten und Afrika spitzen sich die Konflikte in diesem Jahr erneut zu. Ob in Israel, Palästina, oder in dem gerade von der ISIS (Islamic State of Irak and Syria) proklamierten Kalifat, welches Teile des Irak und Syrien regiert – der erbitterte Kampf um die Grenzen entfacht immer wieder aufs Neue. Die Gründe sind unterschiedlich, letzlich geht es um Macht und Ressourcen. Wir können uns den Medien mit ihrer Bilder- und Informationsflut der Gräuel kaum entziehen – diese drängen sich mit Macht auf allen Kanälen in den Vordergrund beim Kampf um die Meinungshoheit. Schnell sind wir an einem Punkt, wo wir uns ins Private zurückziehen, da wir nicht klar sagen können, was nun richtig und was falsch ist. Aber wir können und müssen Fragen stellen und wir können versuchen den Kontext zu analysieren. Die Historie kann so eine Quelle zur Kontextsuche sein, aber auch sie ist bei weitem nicht immer objektiv, sondern beleuchtet die Situation aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Andere Quellen sind

Cui bono? To whose benefit? Over and over again this question is a helpful one, and could be used as a guiding principle. Even it is not easy to find an answer. My research of context will be limited to the change of frontiers as a result of WW II. At the beginnig, in July I began to search for typographic witnesses of shifting borders in the West of Poland. In these area you could find fragments of lettering at housewalls in german language. My trip led through the beautiful landscape of Silesia, but my search was tedious, because the fragments, found under crumbling plaster, are very rare. Any support would be helpful – whoever travels Poland or lives in this region should feel free to send me photos of fragments. In this case I should know exact time and place of the shooting. And if someone contribute, I assume that he or she agrees to the publishing of the photos with credits of the name in the list of references. N o r a G u m m e r t- H a u s e r – A u g u s t 2 0 1 4


Kunst und Literatur, und auch diese erzählen verschiedene Geschichten – es gibt keine allgemeine Wahrheiten. Es bleibt nur die Annäherung. Cui bono? Wem nützt es? Eine Frage die nie leicht zu beantworten ist, aber mir immer wieder hilft und als Leitfaden dienen kann.

Cui bono?

Meine Kontextsuche zum Thema wird sich auf die europäischen Grenzverschiebungen, die durch den 2. Weltkrieg ausgelöst wurden, beschränken. Zu Beginn, im Juli habe ich mich auf Suche nach typografischen Zeitzeugen der Grenzverschiebung im westlichen Teil Polens gemacht. In diesem Gebiet finden sich noch Fragmente von Beschriftungen auf Häusern in deutscher Sprache. Meine Reise führte durch die wundervolle Landschaft Niederschlesiens, die Suche war jedoch sehr mühsam, da typografische Reste nur noch vereinzelt unter bröckelndem Putz zu finden waren. Über Unterstützung würde ich mich sehr freuen – wer in Polen unterwegs ist oder dort zu Hause ist, kann mir gerne Fotos zukommen lassen. Hier wäre es dann aber wichtig zu wissen, wann und wo die Aufnahme gemacht wurde, und ich gehe dann auch davon aus, dass ich das Foto bei einer Veröffentlichung verwenden darf, unter der Angabe des Namens als Rechteinhaber im Quellenverzeichnis. N o r a G u m m e r t- H a u s e r – A u g u s t 2 0 1 4


European Shifting Borders

Last year in november, when I decided the topic of my research, I couldn’t imagine the explosiveness of this subject. The demonstrations in Ukraine – Euromaidan – just had started, but that this would lead to the separation of the Crimea was unforseeable. If this has been an annexation or secession – the discussions are ongoing (http://www.faz. net/aktuell/feuilleton/debatten/die-krim-und-das-voelkerrecht-kuehle-ironie-der-geschichte-12884464-p2.html). We will see, how the bloody conflicts in this region will go further on and today it is not yet clear, if there will be a new shifting border in the east of Ukraine. Since the collapse of the Soviet Union and the reunification of Germany in 1990, the acknowledgement of borders in Europe was peacemaking. This seems to be the past now, and we are worried about a possible war in Europe. Not only Europe, but also the Middle East and Africa are the regions, where the conflicts get worse in this year. Wether Israel and Palestine, or the proclaimed califate of ISIS on the ground of Syria and Irak – the fierce fighting of boundaries arouse again and again. There are hundreds of reasons – finally its about power and resources. We couldn’t escape the flood of terrifying pictures, videos and informations spread across all media channels in the struggle for interpretive predominance. Disturbed and confused, we make a withdrawal in private spheres, unable to judge what is right or wrong. But we are able and we have to ask questions and we can try to analyze the context. History can be a source in search of context, even if it is not objective at all – due to different perspectives. Other sources could be art and literature – and these are telling also different stories – there is no universal truth. It is only about an approach.

Cui bono? To whose benefit? Over and over again this question is a helpful one, and could be used as a guiding principle. Even it is not easy to find an answer. My research of context will be limited to the change of frontiers as a result of WW II. At the beginnig, in July I began to search for typographic witnesses of shifting borders in the West of Poland. In these area you could find fragments of lettering at housewalls in german language. My trip led through the beautiful landscape of Silesia, but my search was tedious, because the fragments, found under crumbling plaster, are very rare. Any support would be helpful – whoever travels Poland or lives in this region should feel free to send me photos of fragments. In this case I should know exact time and place of the shooting. And if someone contribute, I assume that he or she agrees to the publishing of the photos with credits of the name in the list of references. N o r a G u m m e r t- H a u s e r – A u g u s t 2 0 1 4


M O L

O T

N T

R O

For all practical purposes, the agreement was a pact of aggression. The secret protocol divided eas Lithuania, Estonia, Poland and Romania. Any political and territorial changes were to be effected P by recognized as the Soviet sphere. The western half of Poland and all of Lithuania were assigned to G place at the Kremlin. Karski, Jan: The Great Powers & Poland, Lanham, 2014, P. 285


O

V R

I

B

E

B

stern Europe into two “spheres of interest�, and its provisions directly concerned Finland, Latvia, y mutual accord. Finland, Latvia, Estonia, the eastern half of Poland, and Bessarabia were Germany. As soon as the agreement was signed, a champagne party in honor of Ribbentrop took

I

N

E

2 3 . 0 8

1

9 3

.

L

9


Wrocław/Breslau – ul. Paulinska 10 – July, 30th, 2014



Mitteilung über die Dreimächtekonferenz von Berlin ( Potsdadamer Abkommen )vom 2. August 1945

Am 17. Juli 1945 trafen sich der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, Harry S. Truman, der Vorsitzende des Rates der Volkskommissare der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken, Generalissimus J. W. Stalin, und der Premierminister Großbritanniens, Winston S. Churchill, sowie Herr Clement R. Attlee auf der von den drei Mächten beschickten Berliner Konferenz. Sie wurden begleitet von den Außenministern der drei Regierungen, W. M. Molotow, Herrn D. F. Byrnes und Herrn A. Eden, den Stabschefs und anderen Beratern. In der Periode vom 17. bis 25. Juli fanden neun Sitzungen statt. Darauf wurde die Konferenz für zwei Tage unterbrochen, an denen in England die Wahlergebnisse verkündet wurden. Am 28. Juli kehrte Herr Attlee in der Eigenschaft als Premierminister in Begleitung des neuen Außenministers, Herrn E. Bevin, zu der Konferenz zurück Es wurden noch vier Sitzungen abgehalten. Während der Konferenz fanden regelmäßige Begegnungen der Häupter der drei Regierungen, von den Außenministern begleitet, und regelmäßige Beratungen der Außenminister statt.


http://de.wikipedia.org/wiki/Potsdamer_Konferenz#mediaviewer/Datei:Bundesarchiv_Bild_183-R67561,_Potsdamer_Konferenz,_Konferenztisch.jpg

H. S. Truman J. W. Stalin W. S. Churchill C. R. Attlee E. Bevin W. M. Molotow D. F. Byrnes


Mitteilung über die Dreimächtekonferenz von Berlin ( Potsdadamer Abkommen )vom 2. August 1945 Artikel IX. Polen

Die Konferenz hat die Fragen, die sich auf die Polnische Provisorische Regierung der Nationalen Einheit und auf die Westgrenze Polens beziehen, der Betrachtung unterzogen. ...

b) Bezüglich der Westgrenze Polens wurde folgendes Abkommen erzielt:

In Übereinstimmung mit dem bei der Krim-Konferenz erzielten Abkommen haben die Häupter der drei Regierungen die Meinung der Polnischen Provisorischen Regierung der Nationalen Einheit hinsichtlich des Territoriums im Norden und Westen geprüft, das Polen erhalten soll. Der Präsident des Nationalrates Polens und die Mitglieder der Polnischen Provisorischen Regierung der Nationalen Einheit sind auf der Konferenz empfangen worden und haben ihre Auffassungen in vollem Umfange dargelegt. Die Häupter der drei Regierungen bekräftigen ihre Auffassung, daß die endgültige Festlegung der Westgrenze Polens bis zu der Friedenskonferenz* zurückgestellt werden soll.

* Diese Friedenskonferenz hat dann aber nie stattgefunden. Anm. Gummert-Hauser

Die Häupter der drei Regierungen stimmen darin überein, daß bis zur endgültigen Festlegung der Westgrenze Polens, die früher deutschen Gebiete östlich der Linie, die von der Ostsee unmittelbar westlich von Swinemünde und von dort die Oder entlang bis zur Einmündung der westlichen Neiße und die westliche Neiße entlang bis zur tschechoslowakischen Grenze verläuft, einschließlich des Teiles Ostpreußens, der nicht unter die Verwaltung der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken in Übereinstimmung mit den auf dieser Konferenz erzielten Vereinbarungen gestellt wird und einschließlich des Gebietes der früheren Freien Stadt Danzig, unter die Verwaltung des polnischen Staates kommen und in dieser Hinsicht nicht als Teil der sowjetischen Besatzungszone in Deutschland betrachtet werden sollen.


Das Potsdamer Abkommen: http://potsdamer-konferenz.de/dokumente/potsdamer_protokoll.php Potsdam Declaration: http://potsdamer-konferenz.de/dokumente/protokoll_en.php

H. S. Truman J. W. Stalin W. S. Churchill C. R. Attlee E. Bevin W. M. Molotow D. F. Byrnes



Gryfów Śląski/Greiffenberg – Friedhof/Cemetry –Lubanska 95–62 – July, 27th, 2014


SH I NGB N o r a G u m m e r t- H a u s e r

http://shiftingborders.eu

n o r a . g u m m e r t- h a u s e r @ h s n r . d e


Issuu converts static files into: digital portfolios, online yearbooks, online catalogs, digital photo albums and more. Sign up and create your flipbook.