El Arte Flamenco. Die Grundlagen für Liebhaber

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Baile Flamenco La Postura, die tadellose Haltung

Der Flamencotanz ist geprägt von „La Postura“, der so typisch andalusischen Art, dem Schicksal in tadelloser Haltung zu trotzen – eine Folge andalusischer Geschichte, in der dem Chancenlosen allein das persönliche Auftreten und sein Stolz blieben, um die Anerkennung seiner Mitmenschen zu erwerben. Unabdingbarer Bestandteil des alltäglichen Lebens ist die „Postura“, im Stierkampf und natürlich im Tanz zu äußerster Perfektion kultiviert: der Rücken ein perfekt kontrollierter Spannungsbogen, hoch erhobene Brust, die Schultern tief, ein stolzer Blick. Im Gegensatz zum orientalischen Tanz, wo das Zentrum der Bauchnabel ist, wird der Flamenco mit dem Herzen voraus getanzt. Jede Geste ist ein Ausrufezeichen, jeder Schritt so bedeutungsvoll, als wäre es der letzte. Im Unterschied zum Ballett verlangt die tadellose Haltung jedoch keinen idea­ len Körper mit Bewegungsmöglichkeiten weit ab des Natürlichen. Der Baile ist eine „natürliche“ Kunst, in der es Platz gibt für jeden Körper. Von einem der berühmtesten Tänzer des 19. Jahrhunderts, Enrique el Jorobao, heißt es: „Er war hässlich und verwachsen wie eine knorrige Wurzel, aber er tanzte wie ein Gott.“ La Macarrona war schon um die 60 Jahre alt und sehr dick, als sie ihre größten Erfolge feierte. Seither hat sich das technische Niveau allerdings sehr gesteigert. Die Profis müssen heute genauso hart trainieren wie im Ballett. Oft sind sie auch in dessen spanischer Variante, dem „Clásico español“, und in der Folklore ausgebildet. Der aktuelle Flamencotanz ist natürlich vom zeitgenössischen Tanz inspiriert. Viele Flamencos studieren auch „Contemporáneo“, aus dem sie viele Bewegungen übernehmen.

Postura Haltung

Contemporáneo

zeitgenössisch