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Steiermarkmagazin KLIPP April/Mai 2017

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WIRTSCHAFT

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u Titanen werden Foto: Knapp AG

„90 % der Produktion gehen in den Export.“

Neues Werk in Kapfenberg, Werke auch in den USA. Weltweit 1.500 Beschäftigte.

Millionen Euro um, davon 36 Millionen Euro mit Pleueln. 2016 waren es 185 Millionen Euro und der Pleuel-Umsatz lag unter 4 Millionen Euro. „Aber dennoch ist der Rennsport ein attraktiver Markt und eine wichtige Entwicklungsplattform.“ Und Wolfgang Plasser nennt auch sofort die Gründe dafür: „Weil sehr viele Technologien, die wir mit den Kunden entwickeln, früher oder später in den Supersportwagen auftauchen und wieder Jahre später in den Premium-Marken McLaren, Porsche, Ferrari.“ Die Kolben- und Pleuel-Tüftler aus Bruck und Kapfenberg beliefern alle Großen – ob sie nun in Asien, den USA oder Europa zu Hause sind. Der Kunde suche funktionierende Lösungen für sein Problem und Pankl liefert sie zuverlässig. Und mit den technischen Wunderdingen von Pankl Racing in ihren Motoren gewinnen Porsche, Toyota, Audi auf den großen Rennstrecken der Welt. Was Wolfgang Plasser aber ganz klar ausdrückt: „Es gibt keinen Know-how-Transfer. Wir sind da sehr strikt gegenüber unseren Kunden. Es ist wie in der Haute Couture: Was der einen Frau passt, passt der anderen gar nicht. So haben Renault, Ferrari, Mercedes völlig un-

Hubschraubermarkt stark geschrumpft

terschiedliche Ansätze im Motorbau. Viele Wege führen nach Rom. Die eine richtige Lösung gibt es nicht.“ Für die Techniker von Pankl Racing besteht die Herausforderung darin, jedem Kunden die maßgeschneiderte Lösung zu liefern. Früher, da wurden bis zu 21.000 Kolben-Umdrehungen pro Minute gefordert. Wolfgang Plasser: „Der Fortschritt hört nie auf. Gute Mitarbeiter sind die Voraussetzung, dass man vorne dabei ist. Sie sind wichtiger als jede Maschine, denn die kann man kaufen.“ Es sei nicht der Lohnzettel allein, die Leute müssten sich wohlfühlen, Entwicklungsmöglichkeiten

Derzeit entsteht ein neues Getriebewerk in Kapfenberg. Jedes Getriebe-Modell muss nach vier bis fünf Jahren neue Anforderungen erfüllen. Die Fertigungstechnologie entwickelt sich einfach weiter. Und Kapfenberg war insgesamt betrachtet der beste Standort für die neue Produktion. Damit wird auch die Zahl der Mitarbeiter wieder zunehmen. Vor zehn Jahren gab es in Kapfenberg 400 Mitarbeiter, heute sind es 800, bald werden es 1.000 sein. Auf der Lohnliste von Pankl Racing stehen weltweit derzeit 1.500 Mitarbeiter. Wolfgang Plasser und sein Team arbeiten an einer Strategie, mit der sich Pankl für

Pankl Racing und KTM unter Konzerndach der KTM Industries AG. Plasser: KTM-Motoren sind im Zweiradbereich weltweit führend.

haben. „Und das ist bei uns der Fall. Es ist schon etwas Besonderes, wenn man für einen Formel-1-Kunden arbeitet oder für die MotoGP.“

die Zukunft noch breiter aufstellen will. Dabei wird die Luftfahrt – bisher wurden 15 Prozent des Konzernumsatzes damit erzielt – ein noch wich-

Pankl liefert künftig auch Triebwerkswellen für Airbus

tigerer Bereich werden. Aufgrund des Ölpreisverfalls in den letzten Jahren ist der Helikopter-Markt massiv geschrumpft. „Daher haben wir uns unseren Schwerpunkt auf den Triebwerksmarkt verlegt“, sagt Wolfgang Plasser. So liefert Pankl bereits Triebwerkswellen, die künftig auch im Airbus 380 zum Einsatz kommen. Die Prototypen sind bereits geliefert. Selbst, wenn Pankl Racing nur drei bis vier Prozent Marktanteil erreicht, sind das schon zweistellige Euro-Millionen-Beträge. „Unser Ziel ist es, 25 Prozent des Konzernumsatzes im Luftfahrtbereich zu machen.“ 90 Prozent der Produktion gehen in den Export, nur 10 Prozent setzt Pankl Racing in Österreich um – und da vor allem mit KTM und Magna. Was macht Pankl so konkurrenzfähig? Wolfgang Plasser: „Unser Ausbildungssystem in Österreich ist im Vergleich zu den USA, England oder der Slowakei ein besseres. Dort gibt es keine Facharbeiter-Ausbildung. Es gibt brave Arbeiter, aber die können Prozesse gar nicht weiter entwickeln.“ Und er weiß, wovon er spricht. Denn sein Sohn absolviert derzeit die Lehrlingsausbildung im Haus. Er brach die Schule ab, ging nach England und machte dort Hilfsarbeitertätigkeiten. „Er ist zurück gekommen und sagte: ,Ich möchte die Lehrlingsausbildung machen und daneben mache ich auch die Matura.“ Der Vater: „Wenn ich das gewollt und von ihm gefordert hätte – keine Chance, dass er es gemacht hätte.“

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