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WIRTSCHAFT in den USA. General Motors, Fiat und Chrysler werden also künftig auch zu den Wollsdorf-Leder-Kunden zählen. Der Konzern-Umsatz von 157 Millionen Euro wird damit in den nächsten Jahren ganz bestimmt steigen. Zurückhaltend bzw. verschlossen gibt man sich, was die Gewinnmarge betrifft: „Da sagen wir nichts dazu“, so Geschäftsführer Andreas Kindermann. Indirekt lässt sich der Gewinn aus der Eigenkapitalquote herauslesen und diese stieg von 36 auf 45,3 Prozent. Stolz ist man in Wollsdorf darauf, den ökologischen Fußabdruck ständig zu verbessern. So kaufte man im Jänner 2016 mit dem Regenwald der Österreicher eine relativ große Landfläche in Costa Rica auf. Dies hat die Errichtung eines großen Nationalparks ermöglicht. „Die CO2-Gutschrift durch die Zertifikate bedeutet, dass wir weltweit die erste Gerberei sind, die sich CO2-neutral nennen darf.“ Dennoch bleibt es nicht aus: Für die Lederproduktion wird Schwefel eingesetzt. Andreas Kindermann: „Und dieser ist sehr geruchsintensiv.“ Mit vielen Einzelmaßnahmen versucht man in Wollsdorf, diesen Geruch zu reduzieren. Da werden Abwasserkanäle abgedeckt, Abwässer durch Rohre abgeleitet, damit es weniger stinkt. Auch eine eigene Hotline für Anrainer gibt es. Man geht jedem Hinweis nach. Wollsdorf-Manager Kindermann realistisch: „Aber solange wir Schwefel einsetzen müssen, wird es immer riechen.“ Und das Wichtigste zum Schluss: Der Weltmarktführer aus der Provinz hat auch einen Eigentümer, der seit fünf Generationen Leder produziert. Es ist dies die Familie Schmied. Begonnen hat sie 1936 in Weiz mit einer Gerberei und vor 40 Jahren – im Jahr 1976 – am Standort Wollsdorf mit der damals modernsten Lederfabrik Europas. 1990 stieg man in die Produktion von Autoleder ein und 1995 dann in die von Lenkrad- und Flugzeugleder.
Thermokipper – schon gehört? Ressenig sucht nach perfekten Lösungen
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Thermo(unter-) wäsche können muss und dass nun die Zeit dafür kommt, ist für jeden einsichtig. Es darf aber bezweifelt werden, dass jedermann weiß, was ein Thermokipper ist. Dabei handelt es sich um einen LKW, der Mischgut wie Asphalt geladen hat. Dieser darf beim Transport nicht auskühlen, damit er verarbeitbar bleibt. Dies wiederum trägt maßgeblich zur Langlebigkeit und Qualität von Straßen und Plätzen bei. „Durch so eine Thermoisolierung wird die Wärme in der Transportmulde gehalten und kann mittels eingebauten Sensoren überwacht werden“, so Stefan Ressenig. „Das ist nur eines unserer selbst entwickelten und veredelten Produkte.“ Ressenig zählt im LKW-Fahrzeugaufbau zu den Erfolgreichen am heimischen Markt.
Individuelle Auftragsfertigung im großen Stil ist das Motto des Familienunternehmens. „Seit fünf Jahren gibt es uns in Kobenz bei Knittelfeld“, so das Führungs-Trio. Auffällig gestaltet ist der Standort gut sichtbar, unmittelbar an der S36. Daher findet auch das Klipp-Team sofort sein Ziel. Der Stammsitz von Ressenig mit insgesamt rund 130 Mitarbeitern befindet sich in Villach. Wirtschaftslandesrat Christian Buchmann überreichte kürzlich das Gütesiegel „Erlebniswelt Wirtschaft“ an Standortleiter Stefan Ressenig. Künftig können Besucher daher die Produktion im Rahmen einer Erlebnistour besichtigen.
Wochen dauert unsere Arbeit an einem LKW.“ Am Standort in Kobenz werden von den knapp 40 Mitarbeitern jährlich rund 200 maßgeschneiderte Einheiten gefertigt, die echte Wertschöpfung bedeuten. Eine weitere Spezialität von Ressenig: „Wir statten Fahrzeuge mit besonderem Sicherheitserfordernis aus: Autos – etwa von Hilfs- und Einsatzorganisationen –, die in Krisengebieten benötigt werden. Sie erhalten eine Panzerung, für die es exakte, international gültige, technische Standards gibt.“
Je nach Einsatzbestimmung werden Großfahrzeuge mit maßgeschneiderten Aufbauten für Gütertransport, Baugewerbe oder Forstwirtschaft ausgestattet. Stefan Ressenig: „Gerade in der Steiermark sind LKW-Aufbauten für Holztransporte stark gefragt.“ Weil Ressenig „alles möglich macht“, werden auch Sonderaufbauten wie Spezialsattelauflieger und Kranaufbauten produziert. „Drei bis sechs
Zwei Generationen: Josef, Christian und Stefan Ressenig (v.l.)
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