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STILLE HELDEN

Dieses Foto ging um die Welt: Die heimischen Retter von Altaussee und zwei der US-Monuments-Men. In der Kiste war nicht Marmor, sondern eine 500-kg-Bombe.

Österreich würdigt stille Helden 28. bis 30. September 2016, Altaussee

E

in knappes Dutzend mutiger Männer – darunter Zivilisten und Bergleute – verhinderte zu Kriegsende eine Wahnsinnstat und ein nie mehr wieder gut zu machendes Verbrechen an der Steiermark und an der europäischen Kunst- und Kulturwelt. In den letzten Kriegstagen des April 1945 wollte der fanatische Gauleiter August Eigruber die im Salzbergwerk Altaussee von den Nazis gelagerten, unwiederbringlichen Kunstschätze durch Bombensprengung vernichten. Nichts sollte den Alliierten oder dem verhassten Weltjudentum in die Hände fallen. Im letzten Kriegswinter waren nämlich dort tausende Gemälde, Skulpturen, Juwelen, Goldbarren versteckt, die Adolf Hitler in ganz Europa für sein Führermuseum rauben und zusammentragen hat lassen. Unter den Kunstwerken waren berühmte von Rubens, Rembrandt, Tizian, Bruegel, Tintoretto, Vermeer, Raffael, Goja, die enteigneten jüdischen Samm-

lungen der Familien Rothschild, die Reichskleinodien und, und. Sie sollten dort sicher sein vor Bombenangriffen. Fünf von den Nazis geraubte und nach Altaussee gebrachte Kunstwerke überstrahlten aber alles andere: der weltberühmte Genter Altar, Michelangelos Marmorne Madonna von Brügge, Jan Vermeers „Der Künstler in seinem Atelier“ und „Der Astronom“. Mehrere Kisten mit den 500 Kilogramm schweren Bomben wurden in einer Nacht-und-Nebel-Aktion von den „Stillen Helden“ aus dem Bergwerk gebracht. Damit rettete man die Arbeitsplätze, die Existenz von Familien und gleichzeitig unwiederbringliche Kunstwerke für die Nachwelt. Nach dem Krieg wurden die Kunstschätze von den Amerikanern den ursprünglichen Besitzern zurückerstattet. Zahllose gelten aber bis heute noch als verschollen. Das offizielle Österreich, aber auch Europa selbst haben dieses mutige Vorgehen der

www.stillehelden-salzkammergut.at Reinklicken ab 17. Mai 2016

Bergleute in den letzten Wochen vor Kriegsende bis heute nicht wirklich entsprechend gewürdigt, obwohl doch einmaliges Kulturgut damit vor der Zerstörung bewahrt worden ist. Bis heute forschen Historiker, wer, welche Rolle bei der Rettung der Kunstschätze spielte und finden immer neues, unbekanntes Archivmaterial.

des Wissens diskutiert. Die eigentliche Gedenkveranstaltung „Stille Helden vom Salzkammergut“ gibt es am 30. September in und vor dem Salzbergwerk mit internationalen Gästen und heimischer Prominenz.

In zweitägigen Workshops mit anerkannten Provenienzforschern und Historikern wird der neueste Stand

In unserem letzten Bericht ist ein Fehler passiert. Fälschlicherweise verließen wir uns auf Aussendungen und Meldungen in seriösen Publikationen, dass sich auch „Die Dame mit dem Hermelin“ im Salzbergwerk Altaussee deponiert gewesen wäre. Das stimmt nicht.

Kooperationspartner* des Projekts „Österreich würdigt stille Helden vom Salzkammergut“ Land Steiermark (Kultur, Wissenschaft und Forschung), Bundesdenkmalamt, Industriellenvereinigung Steiermark, Salinen Austria, Stadt Gent, Monuments Men Foundation (USA), Stadt Brügge, Steiermark-Büro Brüssel, Bundeskanzleramt / Kunst und Kultur, Schulen im Ennstal und Salzkammergut, Radio Bremen, Landwirtschaftskammer Steiermark. Organisation: Steiermarkmagazin KLIPP und Kultur im Ausseerland (KIK) *Stand: April 2016

Richtigstellung: KLIPP lag falsch

„Die Dame mit dem Hermelin“ von Leonardo da Vinci war nicht in Altaussee

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Steiermarkmagazin KLIPP April/Mai 2016  

Ausgabe 3/2016

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