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Nr. 1 | 2012

MENSCHEN FÜR ANDERE Das Magazin der Jesuitenmission

Brücken gelebter Menschlichkeit


EDITORIAL Liebe Freundinnen und Freunde unserer Missionare und Partner weltweit! Was mich bei den Begegnungen Jesu mit den Menschen besonders beeindruckt, ist seine intensive Präsenz. Er ist wirklich hundertprozentig bei den Menschen vor ihm. Es gibt nur sie und ihr Problem. Er spricht mit ihnen und nimmt sie ernst. Er stellt den Menschen, oft den schwachen Menschen in die Mitte: die Frau, das Kind, den behinderten Mann. Wer es schafft, sich einem Menschen in Not zu widmen, die aktuelle Not ins Zentrum stellt, der verändert d ie Welt. Unsere Welt braucht MENSCHEN FÜR ANDERE. Menschen, die es wagen, über den Tellerrand der eigenen Welt hinauszublicken. Menschen die sich der Gegenwart von Armen,Verfolgten, Hilfsbedürftigen aussetzen. Natürlich ist die Antwort darauf immer nur ein Versuch, ein erster Schritt, eine Geste der Solidarität. Sie ist aber auch ein Beitrag für eine weltweit lebenswerte Zukunft. Unsere Freiwilligen in Simbabwe, Haiti, Kenia, Indien, China, Rumänien, Bulgarien, sie alle verändern das kleine Stück Welt, in der sie aktiv werden. Gleichzeitig verändern sie aber auch die große Welt.Weil sie selbst verwandelt zurückkehren in ihren Alltag. Unsere Projekte helfen Menschen, die alles verloren haben, unterstützen Landwirte bei der Produktion der alltäglichen Nahrung, ermöglichen Straßenkindern eine Schulbildung, lindern die Wunden der Leprakranken und Aids-Betroffenen. Und gerade weil sie die Schwächsten so ernst nehmen, verändern sie auch die Welt. Sie sind auch Hilfe zur Selbsthilfe. Sie sind Investition in die Zukunft einer jungen Generation, die nicht verloren ist. Sie sind Beiträge für eine lebenswerte Zukunft. Sie haben das Magazin der Jesuitenmission in der Hand. Danke für Ihr Interesse. Danke für Ihre Unterstützung. Überzeugen sie sich von der Vielfalt unserer Arbeit.Wir legen Rechenschaft ab für das vergangene Jahr und bitten Sie, uns weiterhin zu helfen. Gemeinsam sind wir MENSCHEN FÜR ANDERE Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Fastenzeit in Vorbereitung auf Ostern.

Hans Tschiggerl SJ Direktor der Jesuitenmission Österreich Impressum

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JESUITENMISSION - MENSCHEN FÜR ANDERE, 2012 - Heft 1 Medieninhaber und Herausgeber: Missionsprokur der Gesellschaft Jesu in Österreich Dr. Ignaz Seipel Platz 1, A-1010 Wien, Tel +43 01 5125232 - 56, office@jesuitenmission.at, www.jesuitenmission.at Redaktion und Gestaltung: P. Hans Tschiggerl SJ, Stefan Reichel SJ & Team, Druck: LDD Communication Bildnachweis: Shane Burke (8-9), Jesuitenmission (S.2,3,5,6-7,12-13,14,18-19,22-23), JRS (S.16-17, 24), Loyolagymnasium Prizren (S.10-11), John Montoya (S.1,4), Christine Reichl (S.20-21) DVR 0029874 (234), P.b.b. Verlagsort 1010 Wien GZ 02Z032649M. ZVR Zahl 530615772, SO 1345 MENSCHEN FÜR ANDERE


Quellen des Lebens

Am Rande der Hauptstadt Paraguays leitet Jose Valpuesta SJ die Pfarre „Cristo Solidario“. Mit seinem Team kümmert er sich um ca. 3000 Familien, die in diesem Barrio Asuncions im und vom Müll leben. Sein Hauptanliegen: Eine gute Kindheit als Startkapital. Vor der Stadt gestrandet Von weitem hört man schon das vergnügte Geschrei der Kinder. In unserer Pfarre der gelebten „christlichen Solidarität“ ist wieder Tag der Mutter-Kind-Beratung. Zurzeit werden 240 Mütter mit ihren Kleinkindern und 15 schwangere Jugendliche betreut. Tendenz: steigend! Zwar können nicht immer alle zu den wöchentlichen Treffen kommen, aber das Gefühl der Verbundenheit ist inzwischen stark gewachsen. Die Pfarre liegt im Überschwemmungsgebiet des Flusses Paraguay, genannt „Banado sur“ (überschwemmter Süden). Vor ca. 50 Jahren haben Familien dort begonnen, aus Blech-

stücken, Holz und Karton behelfsmäßige Hütten zu bauen. Es handelt sich um Familien, die vom Land geflüchtet sind, weil sie durch die Technisierung der Landwirtschaft kein Auskommen mehr fanden. Aus Schutt wurden Straßen auf der feuchten Erde gebaut. Die Hütten werden nach und nach verputzt. Insgesamt leben 60.000 Menschen (10% der Bevölkerung von Asunción) in solchen Überschwemmungsgebieten. Aktivitäten wie die Beratung haben im Pastoralplan einen hohen Stellenwert. Die Kinder tragen das Potential zur Veränderung der Gesellschaft in sich. Auch im Evangelium geht es Jesus besonders um die Kinder. Das

Ein Müllhaufen hinter dem Haus: Einkommensquelle durch Müll-Wiederverwertung

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MUTTER-KIND HILFE

Spielen im und mit Müll Realität der Kinder in Banado Sur

Gerade die Schwächsten sollen durch das Projekt Rückhalt und Begleitung bekommen

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den, können die Mütter auch geistliche Impulse aus Bibelgesprächen mitnehmen. Schließlich gibt es noch praktischen Unterricht für weitere Möglichkeiten der Einkommenssicherung: Die Frauen können Schneidern, Gemüseanbau, Hühnerzucht, Sojaanbau und die Herstellung von Reinigungsmitteln unter professioneller Anleitung lernen. All das findet in einem Klima der Freundschaft statt, das die Aufmerksamkeit sichtlich fördert. Als Draufgabe gibt es immer wieder Festlichkeiten: Geburtstage, Feiertage und Geburten werden mit kleinen Geschenken und Leckerein, Projekt der Förderung der Familien viel Musik und lustigen Spielen gebegann 2002, als Schwester Eva Arms feiert. So entsteht eine Gemeinschaft diesen sozialen Dienst ins Leben rief. von sich gegenseitig unterstützenden Ihr ging es um das Zusammenspiel Slumbewohnerinnen, die ihr Schicktheologischer, anthropologischer, so- sal selbst in die Hand nehmen. zialwissenschaftlicher und methodischer Komponenten: Mütter sind Ein lebendiges Netzwerk Das Projekt hat zwei Besonderheiten: die Quelle menschlichen Lebens. Einerseits ist es vollständig ökumenisch. Familien aus den verschieWas es zum Leben braucht In den wöchentlichen Zusammen- densten Kirchen arbeiten und feiern künften können die Mütter ge- hier in großer Selbstverständlichkeit meinsam mit Hilfe einer Begleiterin miteinander. Die Bibelarbeit wird (über)lebenswichtige Informationen von allen gern angenommen und die für die Erziehung bekommen: Ge- offene Auseinandersetzung mit lesundheit, Ernährung, die physische und psychische Entwicklung stehen ebenso am Programm wie der Umgang mit angeborenen Missbildungen bei den Kindern. Die Begleiterinnen besuchen die Familien regelmäßig zu Hause, um auf informelle Weise festzustellen, wie das Gelernte in den Alltag integriert werden konnte - aber noch mehr, um das oft geringe Selbstbewusstsein der Frauen zu stärken.Während die Kinder draußen spielerisch betreut wer-


PARAGUAY bensbejahenden Texten hilft, aufbauende Werte für das bedrückende Leben zu erkennen. Und andererseits beginnen die Mitarbeiterinnen ihre Arbeit selbst zu organisieren. Ältere Mütter, die bereits gute Erfahrungen in der Erziehung gemacht haben, helfen jüngeren in ihren Fragen. In der Kombination mit den gut ausgebildeten Begleiterinnen ergibt das ein enges Netzwerk der Unterstützung. Gerade bei der permanenten Beobachtung der Entwicklung der Kinder (Gewicht, Größe, Gesundheitszustand etc.) ist rasche Hilfe nötig, um Unterernährung und Fehlentwicklungen entgegenzuwirken. Aber nicht nur die Kinder stehen im Mittelpunkt. Auch den Müttern selbst soll ein Leben in Würde ermöglicht werden. Oft verlassen die Väter in einer vom Machismo geprägten Gesellschaft die Familie, wenn ihnen die Verantwortung zu groß wird. Die Integration in die Gemeinschaft und ein verbessertes Selbstmanagement sollen den Frauen helfen, ihren eigenen Bedürfnissen mehr nachzukommen. Eigene Workshops eröffnen ihnen einen Raum für persönliches Wachstum – dort werden sie sogar von den Mitarbeiterinnen verwöhnt. Eine Idee macht Karriere Insgesamt gibt es bereits 81 Gemeinden, in denen ähnliche Programme angeboten werden. Die Erfahrungen der Projektleiter und der Begleiterinnen werden regelmäßig ausgewertet und Verbesserungsvorschläge weiter entwickelt. Es wurde sogar Kontakt zu einigen Politikern aufgenommen, die unsere Anliegen fördern sollen. Aber es gibt noch we-

nige offizielle Institutionen, die sich um Themen wie Mutterschaft oder Schwangerschaftsverhütung kümmern würden.Viel effizienter ist hier die Begegnung mit Frauen, die eine ähnliche Erfahrung gemacht haben. Ihnen vertrauen die jungen Mädchen viel eher. Zukünftig soll dieser Ansatz mit einer verstärken Förderung von schulischer Ausbildung kombiniert werden.

Der Müllberg in Banado Sur: Wohnort für tausende Familie

Von Anfang an Man sagt, dass eine Verbesserung im Leben der Menschheit zu 90% an einer verbesserten Sorge für Kinder in ihren ersten zwei Lebensjahren liegt. Wenn sie unterernährt zur Schule gehen müssen, keine sozialen Kompetenzen haben und ohne Freude aufwachsen, erfahren sie keine Grundformung als Menschen. Ohne diese Basis sind zukünftige Ausbildungsschritte für sie aussichtslos. Wir säen mit der Hilfe großzügiger Menschen und Institutionen, aber das Wachstum schenkt der Herr. José Valpuesta SJ. 5


Geigenkinder am Himalaja Mit Feuereifer dabei: Schon die Fünfjährigen lernen in der Gandhi Ashram Schule das Geigenspiel.

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Vor fast zwanzig Jahren gründete Pater Edward McGuire SJ in Nordindien die Gandhi Ashram Schule mit ihren drei Säulen: Schulunterricht, zwei Mahlzeiten am Tag & Geigenspiel. Um das Angebot zu sichern und zu erweitern wird nun neu gebaut. Die Erde bebt Der Schrecken steckt noch allen in den Knochen. „Ich dachte zuerst, ein besonders großer Lastwagen würde die Straße entlang kommen, aber das Gebäude wackelte zu stark dafür. Wir sind dann nach draußen gerannt, aber da wir an einem Hang wohnen, hatten wir Angst, dass von überall etwas auf uns herunterfallen könnte oder der Hang mit dem Schulgebäude ganz abrutscht. Gott sei Dank ist bei uns durch das Erdbeben niemand verletzt worden“, sagt Pater Paul D’Souza erleichtert. Trotzdem sind die Sorgen des indischen Jesuiten und Schulleiters größer geworden. „Das alte Hauptgebäude unserer

Schule hat noch mehr Risse bekommen, als es sowieso schon hatte. Jetzt sind es allerdings richtige Schäden in der Baustruktur, die nicht mehr repariert werden können.“ Der Hang rutscht ab Schon seit geraumer Zeit ist klar, dass die Gandhi Ashram Schule umziehen muss. Der Hang, an dem sie an der kurvenreichen Bergstraße etwas außerhalb von Kalimpong liegt, rutscht Jahr für Jahr ein Stückchen weiter ab. Kalimpong ist eine verschlafene kleine Stadt im nordindischen Distrikt Darjeeling. Verschiedene ethnische Gruppen leben in den umliegenden Bergdörfern – oft in großer


INDIEN Freier Zugang Anders als die restlichen Schulen in Kalimpong verlangt die Gandhi Ashram Schule kein Schulgeld und die Eltern müssen auch keine Schuluniform kaufen oder für Bücher und Unterrichtsmaterialien bezahlen. Denn all das sind Kosten, aufgrund derer viele der armen Bildung für Barfuß-Kinder Es sind ihre Söhne und Töchter, die Familien sich einen Kinder armer Landarbeiter und La- Schulbesuch der Kinder nicht leisten stenträger, die auf die Gandhi Ash- können.Auch das gemeinsame Frühram Schule gehen. Schon von wei- stück und Mittagessen auf dem übertem hört man die Musik. Rudramani dachten Sport- und Schulhof wird Biswakarma hebt den Dirigentenstab. von der Schule finanziert, ebenso wie Die kleinen und größeren Kinder, die die Unterbringung und Verpflegung auswendig und zum Teil wie versun- der weiter entfernt wohnenden Kinken zum Einstimmen Nepali-Mu- der in der Schule. „Meine Eltern arsik gespielt haben, schauen jetzt kon- beiten auf dem Feld und verdienen zentriert auf ihre Notenpulte: Klänge umgerechnet 50 Cent pro Tag“, ervon Mozart erfüllen die Musik-Aula zählt eine selbstbewusste Schülerin: der Gandhi Ashram Schule. Rudra- „Einen Schulbesuch für mich hätten mani Biswakarma gehört zur ersten sie niemals bezahlen können. Ich verGeneration der Geigenkinder vom danke es dieser Schule, dass ich lesen, Himalaja. Mittlerweile ist er längst schreiben und Geige spielen kann.“ einer der beiden hauptamtlichen Musiklehrer an der Gandhi Ashram Der Traum darf nicht sterben! Schule. Der kanadische Jesuit Edward Die Gandhi Ashram Schule ist einMcGuire gründete vor fast zwanzig zigartig in Indien. Pater McGuire Jahren die Gandhi Ashram Schule für hat mit ihrer Gründung einen Traum die sogenannten „Barfuß-Kinder“, verwirklicht: Hoffnung zu schaffür Kinder aus den ärmsten Fami- fen durch Musik und Bildung. Dielien, die sich nicht einmal Schuhe lei- ser Traum darf jetzt nicht mit dem sten konnten. Das Geigenspiel sollte alten Gebäude den Hang hinabrutdie Konzentrationsfähigkeit der Kin- schen. Das wäre für die 315 Schüleder erhöhen. Überrascht stellte er fest, rinnen und Schüler der Gandhi Ashdass die Kinder der Nepalis wie auch ram Schule eine noch schlimmere der anderen Himalaja-Bergvölker oft Katastrophe als das Erdbeben im Sepmit einer Leichtigkeit klassische Mu- tember. Judith Behnen sik verstanden und spielten. Armut. Viele Familien verfügen bis heute über kein eigenes Stück Land, sondern verdienen sich ein mageres Auskommen als Tagelöhner auf den Terrassenfeldern anderer oder als Lastenträger auf dem Markt. Einige sind immer noch Analphabeten ohne Schulbildung und ohne große Ansprüche an das Leben. Für sich selbst haben sie keine Zukunftsträume mehr, aber für ihre Kinder.

Pater Paul D‘Souza SJ, Leiter der Musikschule

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Perspektive für den Südsudan

Der erste Schritt beim Bau der neuen Landwirtschaftsschule: Das gemeinsame Graben des Brunnens

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Seit dem 9. Juli des letzten Jahres kann man ein Land mehr auf Karten des afrikanischen Kontinents finden: Im Januar 2011 stimmte die Bevölkerung in einem Referendum für die Unabhängigkeit des Südsudans ab. Der Weg zum Frieden ist noch weit. Ein schweres Erbe Die Teilung der beiden Landeshälften im Sudan ist nichts Neues: 1899, unter (ägyptisch-) britischer Kolonialherrschaft herrschte eine strikte Trennung zwischen Nord- und Südsudan. Diese harte Kolonialpolitik der Briten hielt bis zur Unabhängigkeit 1956 an. Die „Republik Sudan“ und ihre Bevölkerung jedoch kommen nicht zur Ruhe: Die letzten 60 Jahre sind geprägt von Bürgerkriegen und politischer Instabilität. Der entstandenen starken Zentralisierung im Norden steht eine „Vernachlässigung“ des Südens gegenüber, in dem jedoch die wertvollen Ölressourcen des Landes liegen. Mit der Unabhän-

gigkeit des Südsudans sind nicht automatisch alle Probleme passé: Die vorherrschende Partei des Südens, die SPML, wird vom Dinka Stamm dominiert und setzte sich sehr für die Unabhängigkeit ein. Allerdings darf nicht übersehen werden, dass auch innerhalb des Südsudans eine große Gewalttätigkeit durch Stammeskonflikte an der Tagesordnung ist. Bildung gegen Gewalt Durch die Kriegs- und Konfliktsituation der vergangenen Jahrzehnte lebten viele BürgerInnen in einer Realität des Krieges und der Gewalt, an der sie teilweise auch als KindersoldatInnen teilnehmen mussten. Diese


SÜDSUDAN Menschen haben kaum Friedensperioden erlebt, in denen sie auch die Chance gehabt hätten, Schulbildung und Berufsausbildung zu erfahren. Speziell an diese Menschen richtet sich das neue Projekt MAJIS im Ort Rumbek (Südsudan), das sich so am Aufbau und der Stärkung des jungen Staates beteiligen will. MAJIS steht für „Multi educational and agricultural jesuit institut of south sudan“. Hier sollen Menschen die Möglichkeit bekommen, landwirtschaftliche Praktiken zu erlernen, um auch Lebensmittelengpässen vorzubeugen und ihre Lebenswelt eigenverantwortlich zu gestalten. Die Idee zu dieser Landwirtschaftsschule entstand im Dialog zwischen der lokalen Bevölkerung und den Jesuiten vor Ort (aktuell leben 10 Jesuiten im Südsudan und davon 4 in Rumbek), unter Ihnen auch der Ingenieur Shane Burke, der das Programm koordiniert. Hoffnung institutionalisieren Das Ergebnis dieses Dialoges ist nun die Landwirtschaftsschule in Rumbek, die auch dem Ziel Nr. 1 der Milleniumsgoals zuarbeiten möchte, nämlich der Verminderung von extremer Armut und Hunger. Die Planungsphase wurde im Juni 2011 beendet und wurde unter Anderem unterstützt von der Jesuitenmissionen in Österreich. Im Oktober begann nun der Bau von Klassenräumen und landwirtschaftlichen Gebäuden, 10km außerhalb von Rumbek, auf einem Stück Land, das von der lokalen Bevölkerung zur Verfügung gestellt wurde. Außerdem entsteht in der Phase 2 auch ein Konferenzraum, ein Ort für Austausch, der auch der

Kommunikation zwischen den verschiedenen Gruppen und dem Projekt dienen soll, um immer mehr zusammen zu wachsen. Die Ernte, die auf den schuleigenen Feldern angebaut werden wird, soll zunächst zur Versorgung der Schule beitragen und alles, was darüber hinausgeht, auf dem lokalen Markt verkauft werden. Die Zukunftsvisionen des Projektes schließen auch den Bau eines Küchenbereiches, Schlafsäle für BesucherInnen der Schule sowie einen Kindergarten mit ein. Diese Pläne sind aber wandelbar und müssen es sein, da sie abhängen von Faktoren wie den Vorstellungen der Bevölkerung, den SchülerInnen und der nationaler Politik.

Der fertige Brunnen: Grundlage für den weiteren Bau

Mehr als Partizipation Der wichtigste und elementarste Pfeiler des Projektes ist allerdings der Rückhalt der ansässigen Bevölkerung und die Kommunikation mit ihnen. Nicht nur das, sondern auch die Überzeugung, dass ihr Einsatz und ihre Kooperation ihnen selbst zu Gute kommen wird und zu einer größeren Unabhängigkeit führen kann. Die Zukunftsideen und Visionen sollen von den SchülerInnen und BürgerInnen selbst gestaltet werden. Denn wie Br. Heribert Liebl SJ, der seit einigen Jahren im Südsudan tätig ist, immer wieder sagt, liegt die größte Gefahr des Projektes darin, dass „Wir diejenigen sind, die alles am besten wissen!“ Magdalena Kraus 9


Für die Zukunft des Kosovos

Eine Tanzaufführung am Jahresfest der Schule

Seit dem Jahr 2002 steht das Vorzeigeprojekt „Loyolagymnasium“ in Prizren für den Inbegriff der Hoffnung für das junge Land. Mehr als 50 % der Bevölkerung sind unter 25 Jahre alt - dieser Generation soll mit einer soliden Bildung Zukunft eröffnet werden. Eine hochwertige Ausbildung P. Walter Happel SJ leitet das Loyola Gymnasium im Kosovo. Zusammen mit Heinz und Susanne Twaroch unterstützt die Jesuitenmission besonders die beständige Fortbildung der meist sehr jungen Lehrer in diesem Schulprojekt: Mehr als 600 SchülerInnen bekommen im Loyola Gymnasium im Kosovo eine hochwertige Schulbildung. Eine der größten Herausforderungen für die Schule ist die Auswahl und die Weiterbildung eines professionellen Lehrkörpers. Prof. Myrvete Sopaj erzählt von ihren ersten Schritten: „Von Anfang an fühlte ich mich herzlich willkommen. Die Umgebung, in

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der hier gearbeitet wird, sprach mehr als tausend Worte. Es gibt keine teuren Sofas oder übermäßige Luxusmöbel, sondern Bücherregale, Arbeitstische und Computer. Jeder arbeitet in aller Ruhe - jeder weiß, was zu tun ist. Regelmäßige Weiterbildung Dann fuhren wir zu einem Seminarwochenende. Ich war stolz, als neue Lehrerin dabei zu sein. Ein pensionierter Lehrer aus Deutschland leitete uns an: Es wurden sechs Gruppen gebildet. Die Gruppen bestanden aus Lehrern verschiedener Fächer. Die vier Arbeitseinheiten des Seminars waren: die Schule selbst, der Schulalltag, die Lehrer und deren Aufgaben.


KOSOVO Kollegialität als Grundlage Mich begeisterte die Tatsache, dass ich als Anfängerin Kollegen näher kennen lernen konnte. Meine Fragen wurden von ihnen bereitwillig beantwortet. So gewann ich Einblicke in eine zeitgemäße Schule mit westlichen Standards und Regeln. Höflichkeit und Respekt beeindruckten mich am meisten. Ich hatte den Eindruck, dass es sich nicht nur um einen Ort zum Lernen, sondern auch um einen Ort zum Leben handelt. Die Gruppen sprachen über die Eindrücke, die sie selbst gesammelt hatten und freuten sich über das bereits Geleistete. Als alle Gruppen ihre Arbeit abgeschlossen hatten, sprach der Schulleiter. Seine Leitmotive sind Arbeit und Fleiß, wobei er will, dass sich die Schüler wohl fühlen können. Es ist ihm wichtig, dass ein Lehrer in der Klasse daheim ist und nicht nur ein Gast. Wir sprachen über die Schüler und wunderten uns, wie viel Lärm z.B. bei Gruppenarbeit aufkommt. Vielleicht sollten wir die Schüler beobachten und ihnen mehr Zeit einräumen, um ans Ziel zu kommen?

sich selbst abfordert, darf man auch von seinen Schülern erwarten, z.B. ordentliche Vorbereitung. Hausaufgaben müssen kontrolliert werden, da man sonst den Schülern einen Freibrief erteilt zum faul sein. Dr. Wehnert war der Meinung, dass besonders noch unerfahrene Lehrer sich bis ins kleinste Detail schriftlich vorbereiten sollten. Im vierten Teil des Seminars ging es um außerschulische Aktivitäten wie zum Beispiel Musik, Sport, Schülerzeitung, Kunst, eben alles, was Schule lebendig macht, Kunst als Nahrung der Seele, wie es Prof. Fadil ausdrückte.

Unterricht kann auch Spaß machen

Ganz für die Schüler Die Abschlussrede des Direktors war für mich hoch motivierend: „Macht es nicht für mich sondern für die Kinder des Kosovo, weil ihnen die Bausteine für den Unterricht Zukunft noch bevorsteht!“ Das SeDer dritte Arbeitsabschnitt war dem minar war ein Erlebnis, von dem ich Unterricht gewidmet. Grundlegend noch lange Zeit zehren werde. Am für das Loyola Gymnasium ist eine nächsten Morgen fuhren wir nach Tradition des Unterrichtens, in der Tirana und bewunderten die SehensFreiheit gewährt und Grenzen ein- würdigkeiten dieser Stadt. Dann ging gehalten werden. Professor Xhaver es für uns zurück nach Hause. Wir betonte, dass wir selbstkritisch sein fühlten uns, als hätten wir eine Missisollten und wissen müssen, dass der on erfüllt, für mich eine unbeschreibLehrer die Brücke zwischen dem liche Erfahrung. Ich glaube, dass eine Fach und den Schülern darstellt. Schule wie Loyola für die Zukunft Zum Schluss sprach der Direktor der Jugend des Kosovo noch Großes der Schule: Selbstkritik ist der Aus- bewirken kann.“ gangspunkt, sagte er. Nur was man Myrvete Sopaj 11


Damit die Welt menschlicher wird ...

Spendenkonto PSK 7086 326 BLZ: 60000 BIC: OPSKATWW IBAN: AT52 6000 0000 0708 6326 MENSCHEN FÜR ANDERE


JAHRESRÜCKBLICK

DANKE für Ihren Beitrag! Mit Ihnen sind wir MENSCHEN FÜR ANDERE


Danke für Ihre Unterstützung

Eines der grundlegenden Ziele für unsere Projekte: Zukunft für die nächste Generation

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Durch Ihre Großzügigkeit und Hilfsbereitschaft konnten wir auch im vergangenen Jahr viele Projekte und Projektpartner fördern. Dafür wollen wir Ihnen, im Namen aller, denen unser Einsatz ein Leben in Würde ermöglicht, von Herzen DANKE sagen. Im Jahr 2011 beliefen sich die Einnahmen der Jesuitenmission - MENSCHEN FÜR ANDERE auf 1.232.605 Euro. Mehr als 90% davon kamen sozialen Projekten zugute, der Rest wurde für pastorale und administrative Zwecke aufgewendet. Die zweckgebundenen Spenden werden von uns ohne Abzüge von Verwaltungskosten zu 100 % an das vom Spender gewünschte Projekt weitergeleitet. Bei der Verwendung der anderen Spenden setzen wir selbst Förderschwerpunkte. Ca. 50 % unserer Finanzierung fließt nach Asien. Das ergibt sich aus der geschichtlich engen Verbindung zu Ländern wie China und den Philippinen.

Nach der erfolgreichen Begutachtung durch die unabhängigen Wirtschaftsprüfer Halpern & Prinz erhielten wir vom Bundesministerium für Finanzen wieder den Spendenbegünstigungsbescheid für mildtätige, Entwicklungs- und Katastrophenhilfe gemäß § 4a Abs. 2 Z. 3lit a bis c EStG. Somit können wir durch unsere geringen Verwaltungskosten und die ausschließliche Verwendung der Spenden für mildtätige Zwecke nicht nur optimal helfen, sondern auch die Spendenabsetzbarkeit garantieren. Für Ihre Treue, die unseren globalen Einsatz ermöglicht, wollen wir uns auf diesem Weg herzlich bedanken. Ihre Hilfe kommt an!


RECHENSCHAFT MENSCHEN FÜR ANDERE Jesuitenaktion für weltweite Sozialprojekte Kriterien zur Auswahl von Projekten •

„MENSCHEN FÜR ANDERE – Jesuitenaktion für weltweite Sozialprojekte“ ist geleitet von den Idealen des Einsatzes für Glaube und Gerechtigkeit und des Dialogs zwischen Kulturen und Religionen.Aus diesem Geist unterstützen wir nachhaltige Sozialprojekte.

Unsere Projekte erfüllen folgende Kriterien: • Größere Not: Wir unterstützen Werke und Projekte dort, wo die Not am Größten ist und rasche Hilfe zum Überleben zählt. • Global: Wir sind aus der Geschichte der österreichischen Jesuiten heraus stark mit Asien verbunden (z.B. China,Vietnam, Philippinen) – engagieren uns jedoch weltweit. • Besondere Gefährdung: Wir richten unseren Fokus auf Kinder, Frauen und Familien, Behinderte, Flüchtlinge, Lepra- und Aidskranke. • Zukunftsorientiert: Wir fördern die Ausbildung von Multiplikatoren und der nächsten Generation. • Entwicklungsplan: Wir finanzieren Projekte, die in ein umfassendes Förderkonzept eingebunden sind. • Eigenständigkeit: Wir suchen Projekte, die Hilfe zur Selbsthilfe ermöglichen und Autonomie zum Ziel haben. • Katastrophenhilfe: Wir bieten Starthilfe beim Wiederaufbau und unterstützen auf dem Weg bis zur nachhaltigen Veränderung der persönlichen und gesellschaftlichen Lebenssituation. • Jesuitenprojekte: Wir sind für Projekte mit/verantwortlich, die von Jesuiten in Zusammenarbeit mit der regionalen Leitung aufgebaut werden. • Kontakt: Wir suchen die direkte Begegnung mit unseren Projektverantwortlichen – die persönliche Verbindung der Projektpartner untereinander ist Voraussetzung zum Gelingen der Kooperation. • Transparenz: Wir setzen auf Transparenz in der Zusammenarbeit und den Projektpräsentationen für unsere Spender. Ein jährlicher Rechenschaftsbericht im Sinne der Spendenabsetzbarkeit ist genauso Bestandteil unserer Arbeit, wie bei Bedarf unseren Spendern Einblick in unsere Tätigkeit, die einzelnen Projekte, ihre Durchführung und Finanzierung zu geben. Zusammen sind wir MENSCHEN FÜR ANDERE Ihr Hans Tschiggerl SJ 15


Fenster zum Frieden

Graffiti: Jugendgerechte Kunst als Ausdrucksmöglichkeit der aufgestauten Gefühle

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In Kolumbien dauert der Bürgerkrieg um die Ressourcen des Landes an. In den letzten 10 Jahren starben ca. 3000 Menschen, über 2000 gelten als vermisst, 100.000 Familien mussten umgesiedelt werden. P. Casas-Ospina SJ über Prävention und Partizipation: Armut trotz Reichtum An den Ufern des majestätischen Rio de la Magdalena, des größten Flusses Kolumbiens, liegt die Stadt Barrancabermeja. Dort hat der JRS ein Projekt für die Opfer von Zwangsumsiedelungen entwickelt. Doch die Förderung einer an Frieden und Partizipation orientierten Gesellschaft gestaltet sich schwieriger als erwartet. Die erdrückende Geschichte von Gewalt und Leid überträgt sich durch die Perspektivenlosigkeit der Region stetig auf die nächste Generation. Das Land selbst hat einen großen Reichtum an natürlichen Ressourcen. Diese werden von einigen wenigen, skrupellosen Großgrundbe-

sitzern abgebaut und mit illegalen, bewaffneten Gruppen kontrolliert. Dem gegenüber stehen eine schwache Regierung und die große Mehrheit der verarmten Bevölkerung. Im Jahr 2010 lebten 90 % der Bevölkerung unter dem Existenzminimum! Diese Situation ist der Nährboden für fortdauernde Menschenrechtsverletzungen und strukturelle Abhängigkeiten. Zurück bleiben die Frauen Da in den internen Konflikten vor allem Männer umgekommen sind, sind viele Frauen mit ihren Kindern von der plötzlichen Witwenschaft betroffen. Da es keine institu-


JRS - KOLUMBIEN tionalisierte Hilfe für sie gibt, sind sie und ihre Kinder meist zu Prostitution und Kleinkriminalität gezwungen, um überleben zu können. Besonders Jugendliche werden leicht von den paramilitärischen Truppen rekrutiert oder in das schnelle Geschäft mit Drogen hineingezogen. Ohne Alternativen ist die Prognose für die nächsten Jahre verheerend. Für Kinder und Mütter Der JRS arbeitet seit einigen Jahren daran, den Jugendlichen durch gezielte Schulungs- und Begleitungsangebote eine Auseinandersetzung mit ihren Problemen und Ängsten zu ermöglichen. Sehr gefragt war die Gründung einer eigenen Band, die das Thema „Krieg und Frieden“ musikalisch verarbeitet. Bei den verschiedenen Veranstaltungen kann so regelmäßig eine große Anzahl an jungen Menschen erreicht werden. Neben den bereits gut angelaufenen Bildungs- und Freizeitprojekten für Jugendliche, wurde jetzt ein neues Programm für die zahlreichen Witwen initiiert. Sie haben einerseits noch den größten Einfluss auf ihre Kinder und somit auf die heranwachsende Generation, andererseits benötigen sie in ihrer Resignation einen persönlichen Beistand. Das „Program for Peace“ sieht vor, diesen Frauen einen Raum für ihre eigene Entwicklung zu bieten. Sie sollen ihre Stärken und ihren Platz als Bürgerinnen mit allen Möglichkeiten der Partizipation entdecken. Gerade sie haben in dieser zerrütten Umgebung das meiste Potential, die Gemeinschaft vor Ort zu gestalten und Alternativen gegen die Gewalt zu generieren.

In die Öffentlichkeit gehen Durch die Zusammenarbeit mit der Jesuitenmission konnte in sieben Gemeinden von Barrancabermeja das neue Projekt begonnen werden. Es beinhaltet aktuell 4 Arbeitsbereiche • Lokale Initiativen stärken • Menschenrechte und Jugendschutzes einfordern • Akademischen Diskurs fördern • Kulturelle und künstlerische Aktivitäten unterstützen Dazu wurde ein Verein für Witwen gegründet, der über die Risiken für Kinder und Jugendliche informiert (Krankheit, Sucht, bewaffnete Gruppen etc.) und Opfern umfassend hilft. Bei der Gedenkfeier am internationalen Tag der roten Hand (Tag gegen Kindersoldaten) am 12. Februar wird es wie letztes Jahr ein großes Fest geben mit Initiativen für Ausbildung, Sport und Kunst. Aktionen in der Öffentlichkeit werden zugunsten einer Präventionsarbeit gegen die aktuellen Missstände gestartet. Ein Fenster in eine friedliche Zukunft, das wir gemeinsam öffnen! César Casas-Ospina, SJ

Kinder in Barrancabermeja beim Fest am Tag der roten Hand

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Großzügigkeit ermöglichen

P. Roberto Jaramillo SJ in der „Alternative School of Faith & Joy“ mit zwei Mitarbeiterinnen

P. Roberto Jaramillo SJ war sechs Jahre lang der Regional-Verantwortliche für die Jesuitenaktionen im Amazonasgebiet. Unter seiner Führung konnten einige neue Sozialprojekte entstehen. Ein Interview über seine Erfahrungen und sein Resümee.

1. Was war deine Hauptaufgabe als Regionalsuperior im brasilianischen Amazonas-Gebiet? Mir wurde die Mission anvertraut, meine Mitbrüder und Mitarbeiter in ihrem religiösen Leben und ihrer apostolischen Sendung zu begleiten und zu ermutigen. Wir waren nur 27 Jesuiten im Amazonas Gebiet, das fast 3 Millionen Quadratkilometer groß ist! Und gerade hier gibt es viele Dienste, die notwendig sind. 2. Was sind die drängendsten Probleme der Menschen in der Region? Das ist eine schwierige Frage, weil die immense Komplexität der Situation der Menschen im Amazonas ei-

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gentlich schon eine Antwort wäre. Aber aus meiner bescheidenen Sicht denke ich, dass es drei grundlegende und miteinander verknüpfte Probleme gibt, die sich auf alle Bevölkerungsgruppen in der Region auswirken: A. Die niedrige Qualität der Bildung im Allgemeinen. Das führt zu einem Gefühl der Unterlegenheit und zu einer verächtliche Meinung des Rests der Nation über den Amazonas. Und das verursacht ernsthafte Probleme bei der Identitätsbildung. B. Brasilien wirkt heute von außen sehr modern, ist aber eigentlich eine vormoderne Gesellschaft: Das Amazonasgebiet ist immer noch ein Land,


INTERVIEW 4.Was bewegte dich am meisten in dieser Zeit? Was mich persönlich am meisten beeindruckt hat, ist neben vielen anderen wichtigen Erfahrungen die Erkenntnis der Notwendigkeit, die Laien zu „ermächtigen“ und auf ihre immense Kapazitäten zu vertrauen: Menschen zu füh3. Was sind die wichtigsten Ziele der ren und zu fördern und Jesuiten im Amazonas ? Aktionen im Namen Im Jahr 2008 wurde vom Parlament ihres Glaubens an Gott der apostolische Generalplan der Je- und seiner Liebe zu uns und zum Lesuiten bis 2017 gebilligt. Dadurch ben zu starten. Ich denke, wir Jesuiten konnte eine umfassende Interven- denken oft, wir müssen für alles vertion angefangen werden, die unsere antwortlich sein.Viel eher sollten wir Bemühungen auf drei Bereiche kon- bereit sein, mehr qualifizierte Mitzentriert: arbeiter miteinzubeziehen. So würDer „Einsatz für die Menschenrech- de die Liebe aus der Spiritualität des te und die soziale Gerechtigkeit“, Ignatius unsere engen Grenzen überdie Entwicklung von „Bildungs- schreiten mit der notwendigen Großund Universitätsangeboten“ und die zügigkeit und Kreativität. „Förderung einer lebensnahen Spiritualität und einer apostolischen Kir- 5.Was ist deine nächste Aufgabe? P. Adelson Araújo dos Santos SJ, der che im Dienst an den Menschen“. Diese drei Aktionslinien sollen die neue Regionalsuperior, bat mich, sozialen Grenzen an den öffentlichen Teil eines Teams von drei Jesuiten und privaten Hochschulen Manaus zu werden, die in der „Serra da Lua öffnen. Wir wollen die spirituellen Indian Reservation“, an der GrenAngebote verbinden mit unseren so- ze zwischen Brasilien und Guayana, zialen Einsätzen in Manaus und der arbeiten werden. Meine erste AufMission bei den indigenen Bewoh- gabe wird es sein, Wapixana zu lernern. Besonders junge Menschen nen, d.h. die lokale Sprache zu verstesollen durch Freiwilligeneinsätze und hen. Mein Chef und der Ortsbischof Kennenlernaktionen Vorurteile ab- wollen auch die Campus Ministry in bauen können und interkulturelle der Stadt Boa Vista ausbauen. Für die Kompetenz erwerben (ein zentrales Studenten kann ich dort aus meiner Anliegen der „Alternative School of Erfahrung Workshops anbieten. Ich Faith and Joy“). Solche Erfahrungen bin gespannt, was sich danach entwibraucht es, um in der Gesellschaft ein ckeln wird. Roberto Jaramillo SJ Umdenken zu erreichen. in dem koloniale Praktiken herrschen und Kapitalisten die soziale Ausgrenzung und Armut mehrfach reproduzieren. C. Die Menschen (arm und reich!) leben im Amazonas, ohne Liebe für die Umwelt und Bewusstheit der Konsequenzen ihres Handelns. Es gibt immer noch viel Sorglosigkeit und Egoismus im Umgang mit den knapper werdenden Ressourcen.

Die Barrios am Flußufer des Amazonas: Orte der Hilflosigkeit und Depression

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Wo die Uhren anders ticken

Nini Reichl mit ihrer Kindergartengruppe in Bédou, Haiti

Christine Reichl (31) aus Innsbruck war mit der Jesuitenmission für 10 Monate in Haiti, um dort für Fe y Alegria in der Erziehungsund Bildungsarbeit mitzuarbeiten. Über das intensive Jahr und ihre reichhaltigen Erfahrungen berichtet sie im folgenden Artikel. „Und – wie war‘s in Haiti?“ werde ich seit meiner Rückkehr nicht selten gefragt. Es ist unmöglich, diese Frage in wenigen Sätzen zu beantworten und dabei meinen Erinnerungen auch nur annähernd gerecht zu werden. Sicher ist, dass ich trotz aller Entbehrungen meine Entscheidung nicht bereue. Wenn man tagtäglich mit Hunger und Elend konfrontiert ist, gewöhnt man sich sehr schnell an ein bescheideneres Leben und der Verzicht auf viele für uns alltägliche Dinge fällt einem nicht schwer.Vielmehr hatte und habe ich Schwierigkeiten, den Luxus, in dem wir hier leben, zu genießen bzw. sehe ich ihn heute kritischer als früher.

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Ich war die erste Freiwillige, die für die Schulorganisation „Foi & Joie“ (Fe y Alegria) in Haiti gearbeitet hat. Deshalb war noch nichts vorgegeben, ja sogar den Einsatzort und die Art meiner Arbeit konnte ich mir selbst aussuchen. Die Jesuiten und Schwestern, mit denen ich gearbeitet habe, waren in vielerlei Hinsicht nicht daran gewöhnt, mit Europäern zusammen zu arbeiten. Obwohl ich einiges von ihnen lernen konnte, mangelte es mir oft an Kommunikation,Teamgeist,Austausch und Reflexion. Meine Vormittage verbrachte ich in der Schule bzw. im Kindergarten mit Verwaltungsaufgaben, Unterrichts-


VOLONTARIAT stunden sowie mit anfallenden Arbeiten jeglicher Art. Die Nachmittage nutzte ich dazu, Englisch- und Französischkurse für die Gemeinde zu geben und Müttern von unseren SchülerInnen Lesen und Schreiben beizubringen. Die Arbeit mit den Menschen habe ich als sehr schön und bereichernd empfunden. Der Bereich, der mir mit Sicherheit am negativsten in Erinnerung bleiben wird, ist die physische Gewalt in der Schule. Die Schwestern, die die Schule leiteten, waren ebenso bereit die Kinder hart zu behandeln, wie auch die LehrerInnen in den Klassen. Ich ging im Laufe des Jahres einige Diskussionen zu diesem Thema ein, erntete viel Einsicht, kleine Erfolge, aber das Schlagen war am Ende meistens die einfachste Methode, die Kinder kurzzeitig zum Schweigen zu bringen. Nach mehreren Gesprächen mit dem Nationaldirektor von Foi&Joie hat sich zumindest geändert, dass sich seit diesem Schuljahr alle SchulleiterInnen zur gewaltfreien Pädagogik bekennen müssen. Wie die Realität aussieht, kann ich noch nicht sagen.Aber es ist zumindest ein Schritt in die richtige Richtung. Die Menge der gesammelten Spenden hat meine kühnsten Erwartungen übertroffen. Ich konnte damit sechs Nähmaschinen und Material für die Näh- und Alphabetisierungskurse, die Gehälter der FortbildnerInnen, einen Workshop für 80 Personen zum Thema Konservierung,Verarbeitung und Verkauf von Obst und Gemüse, eine kleine Bibliothek für die Schule, eine dreimonatige Ausbildung für Frauen

und Mädchen in der Nachbargemeinde sowie Arztbesuche für einige Kinder aus unserer Schule finanzieren. Gelernt habe ich in diesem Jahr sehr viel. Die zwangsläufig größte Lernerfahrung war bestimmt Geduld. Daran, dass die Uhren dort größtenteils so anders ticken als bei uns, musste ich mich erst gewöhnen. Ich bin nicht nur dankbarer geworden für all die Dinge, die wir uns leisten und zwischen denen wir frei wählen können. Auch unseren Zugang zu Bildung, unsere Meinungsfreiheit sowie viele unserer Fertigkeiten sehe ich nicht mehr als so selbstverständlich an.

Interkulturelle Freundschaften beginnen mit einem Lächeln

Aber nicht nur in meinem Leben sollen meine Arbeit und Erfahrung nachwirken, ich möchte die Menschen in Haiti auch weiterhin unterstützen, was durch die vielen Spenden glücklicherweise auch möglich ist. Ich bin in Kontakt mit einer Verantwortlichen der Schule, wo in den nächsten Wochen dank Eurer Spenden neue Fortbildungen für Frauen beginnen werden. Christine Reichl Bist du bereit für einen solchen Einsatz? Dann melde dich bei uns. Katrin Morales und ihr Team beantworten gerne alle deine Fragen rund um das Freiwilligenjahr! office@jesuitenmission.at

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IN KÜRZE Neues Projekt für Roma Georg Sporschill SJ und Ruth Zenkert starten in der Nähe von Sibiu „CONCORDIA Transilvania“. Das Projekt eröffnet vor allem Roma-Kindern und Jugendlichen in Siebenbürgen neue Chancen. Die Situation der Roma in Rumänien ist trotz gesetzlicher Schutzbestimmungen katastrophal. Chancen auf Ausbildung oder Gesundheitsversorgung sind für sie kaum zugänglich. Die Anzahl der Roma wird auf mehrere hunderttausend geschätzt. Durch Sozialzentren und Bildungsprogramme sollen die Beziehungen verbessert werden. Wir suchen dazu Freiwillige (v.a. Musiker), die beim Aufbau des Projektes und bei der Begleitung der Kinder und Jugendlichen mithelfen. MENSCHEN FÜR ANDERE: Engagiert euch! Am Sonntag den 04.März. 18:30 feiert P. Georg Sporschill SJ mit der Jesuitenmission eine Messe zugunsten der Roma-Straßenkinder in der Lainzer Konzils-Gedächtnis-Kirche. Die neue Sozialinitiative CONCORDIA Transilvania wird präsentiert und Norbert Zimmermann & die „Swinging Leaders“ musizieren anschließend mit der CONCORDIA Roma-Band „Jamoja“. Auf Ihr Kommen und Mitfeiern freut sich - Das Team der Jesuitenmission.

P. Weingartner SJ bei der Überreichung des Ehrenkreuzes

Missionar P. Weingartner SJ in Taiwan gestorben Gott, der Herr allen Lebens, hat am 11. Jänner 2012 um 04.20 Uhr P. Friedrich Weingartner SJ im 94. Lebensjahr und im 75. Jahr seines Ordenslebens nach langer Krankheit zu sich gerufen. P.Weingartner wurde in Meggenhofen (Oberösterreich) geboren und ist in die österreichische Provinz eingetreten. Nach seiner Ausbildung in St.Andrä, Pullach/M. und Innsbruck ging er 1950 zum Sprachstudium nach Manila und 1952 als Missionar nach Taiwan. Nach seiner langjährigen Forschungstätigkeit über die Sprachen der Ureinwohner Taiwans war sein Lebenswerk die Gründung des „Aboriginal Languages Research Centers“ im Jahr 2000 an der National University in Taipeh. Das österreischiche Ehrenkreuz erhielt er mit P. Alois Gutheinz SJ am 27. Oktober 2008 im Rahmen der Feierlichkeiten zum Nationalfeiertag für seinen außerordentlichen interkulturellen Einsatz (s. Bild). 10 Jahre AJAN - Hoffnung für Afrika Vor 10 Jahren entstand das afrikaweite Netzwerk für AIDS-Hilfe der Jesuiten. Pater Paterne Mombe SJ, der amtierende Leiter des Netzwerkes, ist stolz darauf, dass durch die kontinentübergreifende Zusammenarbeit der Pfarren und Provinzen eine breite Bewusstseinsbildung und Betroffenenfürsorge möglich wurde.Wir wünschen Ihm und seinem Team alles Gute zu diesem denkenswerten Jubiläum und viel Kraft für den Dienst am Leben! P. Paterne Mombe SJ

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UNSERE BITTE: Kinder voller Zukunft Liebe Leserin, lieber Leser! José Valpuesta SJ, unser Projektpartner in Paraguay ist überzeugt: „Eine lebenswerte Zukunft für alle liegt zu 90 % an einer verbesserten Förderung der Kinder.“ Unser Mutter-Kind-Programm in Paraguay, die Alternativschule in Brasilien, die Straßenkinder Projekte auf den Philippinen, die Jugend-gegen-Gewalt-Arbeit in Kolumbien zielen auf bessere Chancen für die junge Generation in diesen Ländern.

Ihre Spende ist gemäß § 4a Z. 3 und 4 EstG absetzbar! ZVR-Zahl 530615772 / SO 1345 Spendenkonto: PSK 7086 326 / BLZ: 60000 MENSCHEN FÜR ANDERE Projektname: siehe rechts

Ich bitte Sie herzlich um Ihren Beitrag für eine lebenswerte Zukunft, um Ihre Unterstützung in unseren Projekten: Mutter-Kind-Programm (Paraguay) Straßenkinder-Projekt (Philippinen, Brasilien) Jugend-gegen-Gewalt (Kolumbien) Ich danke Ihnen von Herzen für Ihre Hilfe!

Hans Tschiggerl SJ Missionsprokurator

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An die Jesuitenmission Dr. Ignaz Seipel Platz 1 A - 1010 - Wien

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Mein Beitrag für eine lebenswerte Zukunft

JESUITENMISSION MENSCHEN FÜR ANDERE Dr. Ignaz Seipel Platz 1 A-1010 Wien Tel.: +43 01 5125232 - 56 office@jesuitenmission.at www.jesuitenmission.at Spendenkonto PSK 7086 326 BLZ: 60000 BIC: OPSKATWW IBAN: AT52 6000 0000 0708 6326 MENSCHEN FÜR ANDERE

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Heft 4, 2012