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IPPNW Forum 124/2010 – Die Zeitschrift der IPPNW

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N achrichten

Immer mehr zivile Opfer in Afghanistan

Frankreich und Großbritannien unterschreiben Vertrag zur Zusammenarbeit bei Atomwaffen

Friedensnobelpreisträger fordern nukleare Abrüstung

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ie Zahl der kriegsverletzten Zivilisten im Mirwais Regional Hospital in Kandahar hat sich im August und September im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt. Dieser laut Internationalem Roten Kreuz „drastische Anstieg“ auf 1 000 Neuaufnahmen wird in Zusammenhang mit der von der US-Armee geführten „Operation Dragon Strike“ gegen dortige Taliban Hochburgen gesehen. In der Region von Helmand und Kandahar stehen derzeit 30 000 ausländische Truppen. Reto Stocker, Repräsentant des Roten Kreuzes in Kabul, bezeichnete die eingelieferten verwundeten Zivilisten als die „Spitze eines Eisberges“. Die Zahl derjenigen, die an Schusswunden oder bombenbedingten Verletzungen litten, sei weit kleiner als die Zahl der Menschen, die durch den Konflikt indirekt betroffen seien. Eine Konsequenz der zunehmenden Gewalt und Instabilität sei zum Beispiel, dass die Menschen kaum noch Gesundheitszentren aufsuchen könnten. In gleicher Weise haben auch medizinische Helfer immer weniger Zugang zu Arealen, in denen gekämpft wird. „Das Ergebnis ist, dass Kinder an Tetanus, den Masern und Tuberkulose sterben – Krankheiten, die durch Impfungen leicht zu vermeiden wären – und Mütter Entbindungen nicht überleben.“

rankreich und Großbritannien haben offenbar nicht vor, in nächster Zeit auf ihre Atomwaffen zu verzichten. Darauf deutet einer von zwei Verträgen zur engeren Zusammenarbeit im militärischen Bereich hin, die der britische Premierminister David Cameron und der französische Präsident Nicolas Sarkozy am 2. November unterzeichnet haben. Eins der Abkommen regelt die militärische Kooperation im konventionellen Bereich. Das andere legt jedoch fest, dass beide Länder künftig in gemeinsamen Einrichtungen daran arbeiten werden, ihre Atomwaffen einsatzbereit zu halten und deren Sicherheit zu verbessern. Dafür sollen ein Forschungszentrum in Aldermaston, Großbritannien, und eine Anlage in Valduc, Frankreich, genutzt werden. Der Vertrag soll zunächst bis 2060 gelten. Dies widerspricht eklatant Artikel VI des von beiden Ländern unterzeichneten Atomwaffensperrvertrags, in dem sie sich verpflichtet haben, „in redlicher Absicht“ über die Abschaffung ihrer Atomarsenale zu verhandeln. Das Abkommen ist vor dem Hintergrund der angespannten Haushaltslage beider Länder zu sehen. Es enthält keine genauen Angaben dazu, welcher Art die angekündigten hydrodynamischen und radiografischen Tests genau sein werden. Detailliertere Regelungen werden erst in einem noch auszuhandelnden Zusatzabkommen enthalten sein.

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riedensnobelpreisträger aus aller Welt haben energische Schritte in Richtung nukleare Abrüstung gefordert. Unter der Losung „Hiroshimas Vermächtnis – eine Welt ohne Atomwaffen“ hatten sie sich im November in der japanischen Stadt getroffen. In ihrer abschließenden Erklärung appellierten die Nobelpreisträger an Entscheidungsträger und Bürger, den Gebrauch von Atomwaffen als unmoralisch und illegal zu ächten: “Damit sich die grausamen Schrecken von Hiroshima und Nagasaki nie wiederholen und um eine Welt des Friedens und der Zusammenarbeit zu ermöglichen, appellieren wir an das Gewissen aller.“ IPPNW-Co-Präsidentin Vappu Taipale stellte in ihrer Rede klar: „Lassen Sie mich das ins rechte Licht rücken: Jede Milliarde Dollar, die für Atomwaffen ausgegeben wird, ist eine Milliarde, die für die Gesundheit der Weltbevölkerung hätte verwendet werden können. Man könnte dieses Geld für sauberes Wasser und für eine Verbesserung der Hygiene in Ländern einsetzen, in denen Malaria und Diarrhöe noch immer wüten.“ Fünfzehn Friedensnobelpreisträger haben zudem Präsident Barack Obama einen Brief geschrieben, in dem sie ihn auffordern, Anti-Personen-Minen zu ächten. Ausgerechnet der im letzten Jahr für sein Engagement für Abrüstung ausgezeichnete Obama war beim Gipfeltreffen in Hiroshima nicht zugegen.


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