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Ausgabe

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Das Fussball-Magazin der Schweiz

März / Apr. 2016

Wettbewerb Seite 5

 März / April 2016 CHF 7.50

Trainer des Jahres Pierluigi Tami

Der richtige Weg Martin Angha

Der Rückschritt erweist sich als Fortschritt.

Kevin Bua

Beim FCZ eine fixe Grösse statt als Polizist auf Streife.

Fabian Schär

Der Nati-Verteidiger über ­seinen Bundesliga-Start.


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Editorial Und plötzlich ist alles anders Der Fussball ist ein schnelllebiges Geschäft. Was gestern war oder galt, ist heute oft nichts mehr wert. Der Erfolg von gestern interessiert in der Aktualität meist nur am Rande. Kaufen kann man sich damit nichts, es ist ein Muster ohne Wert. Kaum ein Klub weiss das momentan so gut wie der FC Luzern. Nach ­einer guten Vorrunde galt der FCL als Top-3-Kandidat. Er stand im Halb­ final, daheim gegen den Abstiegskandidaten FC Lugano: Was, bitte schön, soll da schon schief gehen? Dachte man zumindest an breiter Front. Die gute Ausgangslage, die schönen Perspektiven – mittlerweile passé. Der Klub steckt in der Krise, wird fast in seinen Grundfesten erschüttert. In der Meisterschaft wird er durchgereicht, der Traum vom CupTriumph endete in der swissporarena nach einem 1:2 gegen Lugano jäh. Statt Action auf dem Rasen gibt es Wirbel in der Teppichetage, vor allem Präsident Ruedi Stäger und Trainer Markus Babbel haben den allgemeinen Zorn auf sich gezogen. Bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe waren beide noch in Amt und Würden, doch die Vergangenheit hat uns gelehrt, dass dies stündlich anders werden kann...

gue

Raiffeisen Super Lea

Mit der nötigen Gelassenheit Bis Loris Benito im Sommer 2014 den FC Zürich als junges Talent in Richtung Lissabon verliess, war sein Weg nur in eine Richtung gegangen: nach oben. Heute, rund 18 Monate und eine Rückkehr zu YB später, steckt der Aargauer auf Grund einer Verletzung in der herausforderndsten Situation seiner Karriere.

in diesem Moment der Young Boys, hat für Gram. Er hat noch gar keinen Grund zuvor gegen Thun zwar am Wochenende nach einer kleinen nicht gespielt, weil er wurde. Verletzungeschont noch Blessur ile verinnerlicht, gen, das hat er mittlerwe Er sagt: «Man sind Teil dieses Business. zu leben.» Und, auf muss lernen, mit ihnen am Samstag spiele: die Frage, ob er denn ich fühle mich «Jetzt bin ich fit und gesund, habe richtig Lust auf gut. Ja, ich hoffe es, ich Fussball.» eben diesem FussWie brutal schnell es in ar Erklärunball gehen kann, wie unmittelb n überholt und gen irrelevant, Prognose t werden können, Erwartungen enttäusch zwei Tage später wird der 24-Jährige müssen. Im Training schmerzhaft erfahren und Menisdzieht er sich einen Kreuzban zu und fällt damit für kusriss im rechten Knie mehrere Monate aus.

er Aufstieg

Jäh beendet doch alle auf AnDabei waren die Zeichen einem unglücklichen griff gestanden. Nach ersten Spiel für – Benito hatte sich im Februartag in Start eine gelb-rote Es ist ein kalter, garstiger gegen Luzern gleich Ferse des Restaurant YB en und danach an der Bern. Durch die Glasfront eingezog Karte Büsieht man die verletzt –  war er unter Eleven im Stade de Suisse dem neuen Trainer Adi roangestellten draussen fehlender mit trotz oder Hütter Schirmen unter Spielpraxis von Anhieb tief ins Gesicht gezoge«Man muss lernen, n. an zum Zug gekomme nen Kapuzen auf ihrem mit ihnen zu leben.» Er konnte sich einen Weg zum Mittagsnack , Stammplatz ergattern . vorbeihuschen. Da beLoris Benito über Verletzungen in seine Leistungen wurden tritt ein junger Mann nahm besser, Benito zackigem Schritt und Fahrt auf. Auch wenn die nur mit einem T-Shirt vor der ihr grosses Ziel, das sie ft bekleidet das Lokal. Ein Mannscha Titel zu ein nettes Lächeln, formuliert hatte –  einen kräftiger Händedruck, – die Stimmung Saison verpasst hatte, gab ein paar freundliche Worte gewinnen –, da bereits der Linksverteidiger ist gut. Loris Benito,

Text: Matthias Müller Fotos: Urs Lindt, Pius Koller

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Wie schnell es gehen kann, haben auch viele andere am eigenen Leib erfahren oder erfahren müssen. ­Loris Benito beispielsweise, der zwei Tage nach dem Interview-Termin mit FOOT einen Kreuzbandriss erlitt und monatelang ausfällt. Oder ­Basels Andraz Sporar, der sich aufmachte, im FCB-Sturm zu zaubern – und sich wenige Tage nach dem Gespräch verletzte: Fussoperation, Saisonende. In die andere Richtung geht es mit Martin Angha. Er zog in jungen Jahren von Zürich zu Arsenal, wollte die Insel erobern – und landete stattdessen via Nürnberg und 1860 München. Dort hat er den Turnaround aber geschafft und wurde mit 22 Jahren zum Captain befördert. Wie schnell sich Hochs und Tiefs ­abwechseln, weiss auch Nati-Verteidiger Fabian Schär. Nach Jahren des Erfolgs wechselte er auf diese ­Saison hin vom FCB zu Hoffenheim in die Bundesliga. Statt um die ­Meisterschaft zu spielen, steckt er mitten im Abstiegskampf. Statt unumstrittener Stammspieler zu ­ sein, kämpft er um seinen Platz. Er nimmt diese Herausforderungen an und sagt in diesem FOOT: «Der Transfer kam nicht zu früh!»

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Loris Benito

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Nationalität: Position: Geburtstag: Grösse: Gewicht: Vereine:

Schweiz/Spanien Verteidigung 7. Januar 1992 184 cm 80 kg BSC Young Boys, Benfica Lissabon, FC Zürich, FC Aarau

zu erreichen. Für es doch noch so einiges in Lissabon, wo ihn, der nach einem Jahr Einsatz gekommen er nur sechs Mal zum darum gegangen, war, war es u.a. ja auch sig auf dem Platz endlich wieder regelmäs EM-Kader der den für sich und zu stehen das Rennen um Nati aufzudrängen, wo Rodriguez auf der den Backup von Ricardo noch in vollem Linksverteidiger-Position das. Der Horrordann Und ist. Gange ein jeder Profisportmoment, von dem sich

ler fürchtet. klingen mag. Benito So komisch das auch die ihm nun in ist auf die schwere Prüfung, bevorsteht, vorbeden nächsten Monaten auf seinem Weg reitet. Der Aargauer hat gefüllten Rucksack gut einen nicht nur auch eine mit Erfahrungen, sondern durchlaufen. mentale Entwicklung aufgeweckter Als von Grund auf g – Benito Typ mit guter Ausbildun chule hat an der Alten Kantonss – hatte Aarau die Matura abgelegt hingelegt. er eine steile Karriere praktisch Vom FC Aarau, wo er verbracht seine ganze Jugend 2012 hatte, war er im Februar , wo er zum FC Zürich gestossen e, sich ab dem Sommer anschickt pieler den langjährigen Nationals Zwei . Ludovic Magnin abzulösen ft, Jahre später, als Stammkra ReputatiNati-Kandidat und der

LORIS BE N ITO

FOOT

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Anpfiff Das andere Talent Hoaraus

Titelstory Pierluigi Tami

Der Tessiner hat den Grasshopper Club Zürich innert einem Jahr zurück an die Spitze geführt.

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BSC Young Boys

Loris Benito hat einen Kreuzbandriss erlitten und will den Weg zurück mit Gelassenheit angehen.

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FC Thun

Roman Buess ist endlich in der Super League angekommen, hat aber nie an seinem Durchbruch gezweifelt.

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FC St. Gallen

Verteidiger Martin Angha ist in der Ostschweiz das Sinnbild für den Wandel der Philosophie.

Auf dem Platz ist YB-Stürmer Guillaume Hoarau treffsicher und für die Berner eminent wichtig. Gleichzeitig hat der Franzose schon mehrmals bewiesen, dass er auch über musikalische Fähigkeiten verfügt. So zum Beispiel im Dezember 2014, am Jahresendfest seines Klubs, als er spontan zur ­Gitarre griff und den Berner Chansonnier Oli Kehrli bei dessen Auftritt begleitete. «Dieser Mann hat nicht nur Fussballtalent», lautete Kehrlis Urteil damals. Nun zeigen dieser Auftritt und die Bekanntschaft ­ zwischen Hoarau und Kehrli nachhaltige ­ Wirkung: Kürzlich ist ihr gemeinsames Musik-Video «Les passantes» herausge­

kommen. Dabei handelt es sich um die Neuauflage eines Liedes, das Bernhard ­ ­Stirnemann vom französischen Chansonnier Georges Brassens ins Berndeutsche übersetzt hat. Hoarau, sonst eher für seine Vorliebe für Reggae bekannt, und Kehrli, Bruder der ehemaligen YB-Spieler Raphael und Nicolas, singen abwechslungsweise auf französisch und berndeutsch. Der Stürmer bezeichnet die Tonaufnahmen im Studio als «super Zusatzerfahrung», der Musiker ist voll des Lobes für seinen Gesangskollegen. «Gui ist ein grossartiger Musiker mit einer ausdrucksvollen Stimme», sagte er unlängst l gegenüber dem «Blick».

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FC Luzern

Die Innerschweizer kommen einfach nicht zur Ruhe – und einmal mehr sind die Probleme hausgemacht.

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FC Zürich

Kevin Bua ist eine Entdeckung der ­Saison. Er träumt von der Champions League und setzt auf Schnelligkeit.

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FC Vaduz

Weil er in St. Gallen keine Rolle mehr spielte, lanciert Dejan Janjatovic nun im Ländle seine Karriere neu.

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FC Sion

Auf dem Feld ist Stürmer Ebenezer Assifuah ein Wirbelwind, daneben aber ruhig und bescheiden.

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FC Basel

Andraz Sporar wurde als Perspektivspieler geholt und übernahm das ­Trikot von Legende Marco Streller.

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FC Aarau

Die Beziehung zwischen Stéphane Besle und den Aargauern ist eine Win/Win-Situation.

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DIVERSES André Stöckli

Der Leiter Sponsoring von Raiffeisen erklärt im Interview die Gedanken hinter dem Fussball-Engagement der Bank.

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Das Titelbild ­dieser Ausgabe Lange war Pierluigi Tami im Verband als Nachwuchstrainer tätig und stand deshalb nur selten im Rampenlicht. Seit er im Januar 2015 zum Grasshopper Club Zürich wechselte, hat sich das geändert. Der charismatische Tessiner hat die Zürcher zurück zum Erfolg geführt, GC begeistert mit erfrischendem Offensiv-Fussball und spielt in der Raiffeisen Super League ganz vorne mit. Wer das Wirken ­Tamis bei GC analysiert, kommt zum Schluss: Hier ist der richtige Mann am richtigen Ort.


Anpfiff Humor nicht verloren

Galatasaray steht im Regen 13 Sterne zieren das Walliser Wappen, 13 Cupfinals hat der FC Sion bisher bestritten, 13 Mal hat er die Trophäe auch gewonnen. Dieser Mythos ist ein grosser Stolz der Walliser. Nach dem enttäuschenden Halbfinal-Out gegen den FCZ war der Frust natürlich gross, doch der «Walliser l Bote» nahm es auch mit einer Prise Humor...

Galatasaray steckt sportlich in einer Krise. Viel schlimmer ist: Am 2. März sperrte die Uefa den Klub wegen Verstössen gegen die Financial-Fair-PlayRegeln für zwei Jahre für Europacup-Wettbewerbe. Laut Auflagen der Uefa hätte sich Galatasaray nach dieser Saison höchstens ein Minus von 10 Millionen Euro erlauben können. Mitte Februar lag der Verlust bei 55 Mio. l Es ist nun der hohe Preis für jahrelange Verschwendungssucht.

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Evergreen Lustenberger Seit 2007 steht Fabian Lustenberger bei Hertha BSC Berlin unter Vertrag und ist Captain des Bundesligisten. Nun hat der 27-Jährige vorzeitig seinen Kontrakt ver­ längert. «Wir mussten nicht pokern. Ich fühle mich bei Hertha BSC sehr wohl und freue mich, mindestens bis 2019 hier zu bleiben», wird «Lusti» auf der Vereins-Website zitiert. Und Geschäftsführer Michael Preetz meint: «Lusti ist nicht nur als Captain ein wichtiger Pfeiler. Wir freuen uns sehr, dass wir den ­begonnenen Weg auch in den kommenden l Jahren gemeinsam gehen werden.»

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Anpfiff Favoritensterben im Cup Nach der Auslosung schien der Mist geführt, stand der Cupfinal 2016, der am 29. Mai im Zürcher Letzigrund ausgetragen wird, in der Theorie schon fest. Luzern daheim gegen Aufsteiger Lugano und Cup-Monster Sion im Tourbillon gegen den kriselnden FCZ hiessen die Halbfinals, deren Ausgang man zu wissen glaubte. Doch am Ende war halt doch alles

anders. Der FCL tauchte gegen Lugano mit 1:2 – und der FCZ erstickte im Wallis die­ ­Euphorie mit einem satten 3:0, so dass Prä­ sident Christian Constantin das Stadion mit grimmigem Gesicht verliess. Zürich und Lugano erhalten nun die Chance, eine ver­patzte Saison zu retten und den tristen Letzigrund l in eine Festhütte zu verwandeln...

Neues Stadion Tottenham...

Die Fans des Premier Ligisten Tottenham können sich nicht nur über starke Leistungen ihres Teams freuen, sondern bald auch über ein neues Stadion. Die Behörden gaben dem Traditionsklub grünes Licht für den Bau einer 550 Mio. Euro teuren Arena. Das Stadion soll 61 000 Zuschauer fassen und in der Nähe des bisherigen Heims, der White Hart Lane, ­entstehen. Im neuen Schmuckstück werden in den nächsten zehn Jahren pro Saison auch mindestens zwei Spiele der American Football League NFL stattfinden. l

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Barcelonas Kult-Stadion bekommt ab 2021/ 2022 ein neues Gesicht. Das legendäre Camp Nou, die Heimstätte von Messi, Neymar & Co, wird zum dritten Mal seit der Eröffnung 1957 umgebaut. Danach sollen LED-Leuchten das Dach der gigantischen Arena, die neu 105 000 Zuschauer Platz bieten wird, schmücken. Zwischenzeitlich betrug das Fassungsvermögen sogar 120 000 Plätze, ­ aufgrund von Sicherheits­bestimmungen der Uefa wurde die Kapazität jedoch beschränkt. Bereits in einem Jahr soll die Renovation des l grössten Stadion Europas beginnen. 


Anpfiff Häfelis geplatzte Träume Mit grossen Plänen hat er das Präsidium des FC Biel-Bienne übernommen, der Zürcher Anwalt Carlo Häfeli. Den Aufstieg in die Raiffeisen Super League wollte er ins Visier nehmen, am liebsten schon bald mal auf dem europäischen Parkett auftreten. Die Finanzen, um sich diesen grossen Traum zu verwirklichen, wollte der ehemalige Spieleragent durch den Verkauf eigener Spieler

beschaffen. Tönt in der Theorie alles einfach und verständlich. Doch am Ende war es eben doch nur Schall und Rauch. Die Bieler stehen seit Wochen nicht wegen sportlichen Leistungen in der Challenge League in den Schlagzeilen, sondern wegen Theater neben dem Rasen. Vom Konkurs bis zur Rettung durch neue Investoren ist alles möglich. Klar l scheint: Häfelis Tage sind gezählt.

Gelernt ist gelernt

Seit 2011 ist Hollands Goalie-Legende Edwin van der Sar im Ruhestand. Doch der 45-Jährige verfügt immer noch über Qualitäten. Weil der Torhüter seines Jugendvereins VV Nordwijk verletzt passen musste, half Van der Sar, mittlerweile als Marketingdirektor im Vorstand von Ajax Amsterdam tätig, kürzlich aus und stellte sich fünf Jahre nach seinem letzten Profi-Spiel für ManU wieder zwischen die Pfosten. Und wie – beim 1:1 gegen die l ­Jodan Boys hielt er einen Penalty!

App für Shaqiri Nati-Star Xherdan Shaqiri läuft es bei Stoke City in der Premier League gut, selbst wenn er sich kürzlich eine Oberschenkel­ verletzung zuzog. Er ist im Klub und bei den Fans beliebt – und sorgt jetzt auch privat für Aufsehen. In Zusammenarbeit mit dem Schweizer Internationalen lancierte das digitale Medienunternehmen «Joiz» eine ­ ­eigens entwickelte interaktive Shaqiri-App. Der beliebte Fussballer zeigt in seiner App Einblicke in sein Leben, streamt Momente und ist im Chat erreichbar. Darin wird Shaqiri in voller Aktion gezeigt – im Training mit ­seinem Verein Stoke City, im Einsatz in der Premier League oder mit der Schweizer Nationalmannschaft, aber auch privat, beispielsweise beim Kochen. Es ist die erste App ­eines Schweizer Fussballers, heisst es in der l Medienmitteilung. 

Benitez bei Newcastle Der vom Abstieg bedrohte englische Traditionsklub Newcastle United hat die Notbremse gezogen und Trainer Steve McClaren ge­ feuert. Sein Nachfolger: Rafael Benitez, der zu Jahresbeginn von Real Madrid entlassen worden war. Für den Spanier ist es eine ­ Rückkehr auf die Insel, wo er schon Liverpool und Chelsea trainiert hat. Mit Liverpool ­gewann er 2005 die Champions League und l ein Jahr später den FA Cup. FOOT 

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Anpfiff PSG Meister – und Ibrahimovic scherzt Noch nie hat im französischen Fussball ein Team in der obersten Spielklasse auswärts 9:0 gewonnen. Ausgerechnet beim letzten Schritt zum vierten Titel in Folge gelang dies nun Paris Saint-­Germain. Zlatan Ibrahimovic traf gegen den Tabellenletzten Troyes viermal. Es waren seine Saisontore Nummer 24 bis 27. Insgesamt hat Ibrahimovic für den PSG seit 2012 in der L ­ igue 1 in 115 Spielen 102 Tore erzielt. Unmittelbar nach der Pause realisierte der Superstar aus Schweden innerhalb von neun Minuten einen klassischen Hattrick. Er werde bis zum Ende der Saison alles geben für Paris, sagte Ibrahimovic, was nächstes Jahr passiere, wisse er nicht. «Ich hatte immer ein gutes Verhältnis zu den Fans und zum Verein. Alle haben sich immer sehr gut um mich gekümmert», so Ibrahimovic. «Wenn sie den Eiffelturm l durch meine Statue ersetzen, bleibe ich. Versprochen.»

Lewandowskis Jugendsünden Bayerns Robert Lewandowski offenbart in seiner Biographie brisante Geschichten aus seiner Jugend. So unternahm er ohne Führerschein verbotene Spritztouren, die auch zur örtlichen Polizei führten, von wo aus man sich wilde Verfolgungsjagden lieferte. Gefährlich wurde es auch in anderen Situationen. So sah er einmal zwei zwielichtige ­Gestalten auf sich zukommen, eine mit einem Messer. Er drehte dem Angreifer den Arm um, so dass dieser die Waffe fallen lassen musste. Einmal hatte er weniger Glück: Das Spielen mit Feuerwerkskörpern l brachte ihm einige Stunden auf der Polizeiwache ein.

Schädelbruch nach Kopfballduell Der FC Sion verlor beim 2:3 am 13. März ­in Bern gegen die Young Boys nicht nur das Spiel, sondern auch Pa Modou Jagne. Der Linksverteidiger fällt mit einem Schädelbruch bis zum Ende dieser Saison aus. Der 26-Jährige aus Gambia hatte sich die schwere Kopf­ verletzung kurz vor dem Schlusspfiff bei ­einem Kopfballduell mit Florent Hadergjonaj zugezogen. Nach einer ärztlichen Erstver­ sorgung im Stadion musste Pa Modou sofort ins Spital eingeliefert werden. Dort stellten die Ärzte einen unkomplizierten Schädelbruch fest. Sions Klubarzt rechnet mit einer Ausfallzeit von mindestens zwei Monaten. Damit ist die Saison für den gambischen Internationalen gelaufen. Gemäss seinem ­ Klub wird Pa Modou keine neurologischen Schäden davontragen. Eine Operation sei l nicht nötig.

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Einst und Jetzt…

Johan Djourou Johan Djourou hat den Sprung in die internationale Fussballwelt geschafft, ohne zuvor in der Schweiz für Grosstaten gesorgt zu haben. Es war ein riskanter Weg des Verteidigers, der in Genf das ABC des Fussballs erlernte. Text: Andy Maschek Fotos: Andy Müller

Verteidiger Johan Djourou gehört seit Jahren zur Schweizer Nati und spielt auch unter Vladimir Petkovic eine grosse Rolle. In seinen frühen Jahren spielte er einst bei Etoile Carouge und sein damaliger Trainer Alexandre Morisod sagt: «Er spürte den Fussball sehr gut.» Am heute 29-jährigen Djourou scheiden sich bisweilen die Geister. Mal spielt er gut, ist umsichtiger Dirgent in der Verteidigung, mal leistet er sich kapitale Fehler, die dem eigenen Team schaden. Das ist auch heute so, beim Hamburger SV in der Bundesliga, wo er seit 2013 spielt und mittlerweile das Captain-Amt bekleidet. Es ist eine weitere Station in seiner Karriere, die er einst beim FC Champel begann und in der heute weitere Klubs wie Etoile Carouge, Arsenal, Birmingham und Hannover 96 stehen. Bei Etoile Carouge hiess sein Trainer wie ­gesagt Alexandre Morisod, der zehn Jahre in der ersten Mannschaft der Genfer spielte, davon eine in der NLA. Er trainierte vier ­Saisons die erste Mannschaft, war aber auch in der Fussballschule tätig, arbeitete mit Sechsjährigen. «Wir hatten jeweils am Mittwochnachmittag Training, es waren rund hundert Kinder da», sagte er einmal gegenüber «Le matin dimanche». «In diesem Alter

macht man vor allem Spiele und ist auch Erzieher.» In jener Zeit befanden sich in ­Morisods «Schwarm» illustre Namen, beispielsweise der heutige Sittener Vincent Rüfli, Geoffrey Tréand (mittlerweile St. Gallen) – und natürlich Johan Djourou. «Seine Mutter und sein Vater haben ihn ­gebracht und ich habe ihn bei uns eingeschrieben: Djourou Johan», erinnert sich Morisod. Trotz der grossen Anzahl Kinder, die damals herumschwirrten, erinnert sich Morisod genau an den Nationalspieler – auch wenn in jener Zeit eine solche Karriere nicht vorausgesagt werden konnte: «Er war ein wenig grösser als die anderen, hatte gute Veranlagungen und den richtigen Riecher.» Als Djourou früh, mit 17 Jahren, Genf in Richtung Arsenal verliess, habe die Skepsis dominiert. Man habe ihm keine grossen Chancen gegeben. Aber Djourou hat es geschafft. Trotz vieler Verletzungen spielte er während Jahren im Team von Arsène Wenger, ehe er in die Bundesliga weiterzog. Trotz dieser Erfolge sei er immer noch der Johan aus Carouge, ohne Allüren, sagt Morisod. «Er ist mit seinen Jugendfreunden verbunden geblieben, die immer wieder Spiele von ihm besuchten. Und wenn Arsenal mal pausierte, hielt sich Johan in Carouge fit. Er hat sich für seine Anwe­ senheit fast entschuldigt. Ja, er ist eine wunderbare Persönlichkeit mit echten ­Werten.» Und auch ob der Qualitäten auf dem Platz kommt Morisod ins Schwärmen: «Er ist ­defensiv solide, hat eine grosse physische Präsenz und verfügt grosse Spielintelligenz.» Klar also, dass Johan Djourou in ­Carouge auch heute noch als Vorbild für die l Kleinsten herangezogen wird...

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«Don» Christian und «Dieb» Stre


Augenblick

no eller...

An der Gala des FC Sion stand auch in diesem Jahr Präsident Christian Constantin (links) im Fokus, der als «Don» Christiano von Gott den ­Auftrag ­erhielt, das 11. Gebot zu beachten: Behalte die Cup-Trophäe im Wallis! Marco Streller (das Original, keine Kopie) riss diese prompt an sich. Mit der Unterstützung der 3 Könige – mit Oskar Freysinger als Balthasar – endete die Suche aber erfolgreich. Das Fest war einmal mehr ein voller Erfolg, wie folgende Zahlen zeigen: Fast 6 Tonnen Schweinefleisch und Unmengen Sauerkraut wurden verschlungen, eine Million ­Franken in die Klubkasse gespült – und 7514 Gäste sorgten für einen Rekord.


Raiffeisen Super League

Der richtige Ma am richtigen O Pierluigi Tami ist seit rund 15 Monaten Cheftrainer des Grasshopper Club Zürich. In dieser Zeit hat er den Klub vom Tabellenende bis fast an die Spitze geführt und wurde zum «Trainer des Jahres 2015» gewählt. Trotz des Höhenflugs bleibt der charismatische Tessiner aber am Boden. Text: Andy Maschek Fotos: Claudia Minder, Andy Müller, Andreas Meier, Christian Pfander

Wie schnell es im Sport doch bisweilen geht. Vor etwas über einem Jahr war GC sportlich in Not und hatte neben dem Rasen mit Turbulenzen zu kämpfen. Und jetzt mischen die Zürcher an der Spitze mit. Es ist die Arbeit eines Teams, des ganzen Klubs, die Früchte trägt. Das Resul-

tat einer klugen, wenn auch nicht risikofreien Transferpolitik. Und natürlich auch der Verdienst von Trainer Pierluigi Tami, der im Januar 2015 Michael Skibbe als Cheftrainer abgelöst hatte. Kein Wunder also, dass der 54-jährige Tessiner zufrieden sagt: «Meine Bilanz ist positiv. Ich bin sehr zufrieden, dass ich mich nach vielen Jahren mit der U21Nati zu diesem Schritt entschieden habe. Ich wollte eine neue Herausforderung, mit einem Verein – und der Job gefällt mir sehr.»


Pierluigi Tami

ann Ort

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Raiffeisen Super League Pierluigi Tami an seinem Arbeitsplatz im Trainerbüro.

Als er zu GC kam, sei das oberste Ziel der Ligaerhalt gewesen. «Und mein Ziel war, dass man über GC wieder sportliche Dinge hört und liest. Dass der Fussball wieder im Zentrum steht.»

Eine andere Stimmung

Dieses Ziel hat Tami mit seinem Staff und seinen Spielern erreicht. Ohne Wenn und Aber. Jedoch einigermassen erstaunlich schnell und souverän. Nach der letzten ­Saison verliess über ein Dutzend Spieler den Klub, darunter mit Lang, Abrashi, Pavlovic oder Grichting etablierte und routinierte Spieler, Leistungsträger und Leitwölfe. Im Gegenzug wurde in erster Linie Jugend ­geholt und eingebaut. Dazu kam der Schwede Kim Källström, der Routine und Leadership brachte. Oder auch Marko Basic, der im Mittelfeld eine Stütze ist. Die Heraus­ forderung sei gewesen, eine Mannschaft zu ­bilden, mit der man erfolgreichen und attraktiven Fussball spielen kann. Und soliden Fussball. «Ich denke, wir können zufrieden sein», sagt Tami lächelnd. «Heute haben wir auch eine ganz andere Stimmung in der ­Kabine, andere Gefühle.» In der Tat: Der Grasshopper Club Zürich zeigte in den letzten Monaten begeisternden Fussball. Sorgte vor allem in der Offensive für Spektakel. Dieser Fussball gefalle ihm, sagt Tami. Aber er wisse, dass es nicht immer möglich ist, so zu spielen, dass es je nach Gegner auch Anpassungen braucht. «Im Moment haben wir viele interessante Offensivspieler und wenn möglich möchte ich diesen offensiven, mutigen und attraktiven Fussball zeigen», so Tami, dem natürlich nicht verborgen blieb, dass sein Team dafür

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in der Defensive anfällig war. Darauf wurde nun in der Winterpause mit der Verpflichtung von Nati-Verteidiger Philippe Senderos reagiert, der mit seiner Routine für Stabilität sorgen soll.

Schmales Kader – viel Vertrauen

Die offensive Herrlichkeit ist auch ein Zeichen der Leidenschaft, die auf dem GC/Campus wieder zu spüren ist, der Freude, die zurückgekehrt ist. Das Kader ist heute zwar schmal,

dafür weiss jeder Spieler, dass er gebraucht wird. Jeder spürt das Vertrauen des Trainers. «Wir waren alle einverstanden, die Saison mit einem solchen Kader zu beginnen, auch wenn wir in Schwierigkeiten geraten sollten», erklärt der Tessiner. «Wir wussten, dass es gefährlich ist, denn in einer Saison gibt es Momente, in denen einige Spieler verletzt oder in einem Tief sind. Wenn man da ein grösseres Kader hat, kann das helfen.» Ein anderer Punkt ist, dass GC das jüngste Kader aller Super League-Klubs hat. Genau da zeigt sich auch, wie wertvoll Tami ist. Er sonnt sich nicht im Erfolg. Er geniesst wohl den Moment, schaut aber in die Zukunft und macht sich Gedanken über die jüngeren Spieler, die ihre Entwicklung noch nicht abgeschlossen haben. «Sie brauchen für ­ den nächsten Schritt mehr Spielpraxis», ­erklärt der Coach. «Wir hatten zum Glück nur wenige Verletzte und konnten meist mit den Routiniers antreten. Die Jungen spielen, ja, aber vielleicht müssten sie für ihre persönliche Entwicklung mehr Einsatzzeit ­ erhalten.» Das müsse man immer vor Augen haben. Das Gleichgewicht zwischen älteren und jüngeren Spielern müsse stimmen, ­zudem müsse man genau analysieren, wer vielleicht ein paar Monate in der Challenge League Erfahrung und Spielpraxis sammeln sollte, um gestärkt und erfahrener zurückzukommen. «Es ist auch für die Spieler eine schwierige Situation, da müssen wir auf-


Pierluigi Redaktionell Tami merksam sein», so Tami. «Bei uns ist es aber nicht so, dass wir junge Spieler ausleihen und kein Interesse mehr an ihnen haben. Wir wollen sie ausleihen, damit sie den nächsten Schritt machen können. Vor allem mental, so dass sie jedes Wochenende er­ leben können, was es heisst, um drei Punkte zu spielen.» Pierluigi Tami wählt seine Worte sorgfältig. Er überlegt, bevor er spricht. Er ist kein ­«Polteri», auch im Gespräch scheint jederzeit eine Strategie spürbar. Offensichtlich ist auch, wie sehr ihm die jungen Spieler am Herzen liegen. Die vielen Jahre im Fussballverband, bei den U-Nationalteams, haben ganz offensichtlich ihre Spuren hinterlassen – und können für beide Seiten nun ein Vorteil sein. «Ja, durchaus», sagt er. «Klar, die Leute wollen GC siegen sehen, dass man punktet und die sportlichen Ziele erreicht. Auf der ­anderen Seite müssen wir die jungen Spieler fördern und sie auf die nächste Saison vor­ bereiten. Mein Vorteil aus meiner Zeit als U-Nationaltrainer ist, dass ich weiss, was sie nun für den nächsten Schritt brauchen.»

Die richtige Herausforderung

Die tägliche Arbeit mit der Mannschaft macht ihm Spass. Er sagt: «Ein Nati-Trainer schaut viele Spiele, um sein Kader anzupassen, man studiert seinen Gegner, die Taktik, hat aber keinen Einfluss auf die Taktik oder die Technik seiner Spieler. Im Klub kann ich

Pierluigi Tami gibt Kim Källström und Alban Pnishi Anweisungen.

mehr Einfluss nehmen. Ich kann so auch meinen Fussball besser vermitteln, während ich bei der Nati das beste System für die Spieler, die Strategie suchen musste.» Nach den vielen Jahren beim Verband gefalle ihm diese Möglichkeit, mehr und intensiver mit den Spielern zu arbeiten, «GC war genau die Herausforderung, die ich brauchte». Und der Druck? Ist er bei einem Traditionsklub und Super Ligisten wie GC nicht grös­ ser als bei einem U-Nationalteam? Für den

Tessiner nicht. «Im Klub muss man Wochenende für Wochenende die Resultate bringen, kann aber eine Niederlage auch schneller korrigieren», sagt er. «Man kann nach einem Sieg einen Tag zufrieden sein und geniessen, aber dann ist der Fokus wieder nach vorne gerichtet. Egal, ob man gewinnt oder verliert. Man kann nach einem Spiel einen sehr schönen oder sehr schlechten ­ Tag haben, dann lebt man schon wieder für die Zukunft.» Abschalten und Energie

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Pierluigi Tami tanken könne er vor allem in der Natur. Er fährt regelmässig Velo, macht mit dem Staff zwei-, dreimal pro Woche eine Tour. Zudem leben mittlerweile auch seine Frau und ­seine zwölfjährige Tochter bei ihm in Höngg, nachdem er am Anfang alleine in Zürich ­gewesen war. «Nun ist alles geregelter, das tut gut», erklärt er mit einem Lächeln im Gesicht.

Gemeinsam in die Zukunft

Die guten Leistungen des Grasshopper Club Zürich haben für Aufsehen gesorgt, bis über die Landesgrenzen hinaus. Nachdem bei Mönchengladbach Trainer Lucien Favre zurückgetreten war, wurde in den ­Medien auch Pierluigi Tami als möglicher Nachfolger ins Spiel gebracht. Später war auch Stuttgart ein Thema. «Es war konkretes Interesse, aber ich habe immer gesagt, dass ich sehen will, was bei GC passiert, wie man die Zu-

kunft sieht – das hatte für mich erste Priorität. Ich erhielt dann die richtige Antwort vom Verein», so Tami, der im Januar seinen Vertrag bis 2019 verlängert hat. GC habe ihm dieses Angebot gemacht und er denke, dass man sich am Anfang einer grösseren Aufgabe befinde. «In der Vorrunde haben wir viele neue Spieler integriert und ich denke, dass dies nun ein Prozess ist, dass wir zwei, drei Jahre brauchen, um unser bestes Niveau zu erreichen. Für mich war wichtig zu spüren, dass der Klub sportliche Ambitionen hat.» Die sportlichen Ambitionen sind da, klar. ­Allerdings werden sie immer wieder durch die Wirtschaftlichkeit ­torpediert, wie in der Winterpause, als YB Yoric Ravet mit einem massiv höheren Salär aus Zürich weglockte. «Wir ­reden oft über Geld, das ist ein wichtiges Thema. Aber GC will eine gute sportliche

PIERLUIGI TAMI

Entwicklung, unter Berücksichtigung der ­finanziellen Möglichkeiten. Ich denke, diese Herausforderung mit dem mittelfristigen

«Es ist ein Prozess, ich denke, dass wir zwei, drei Jahre brauchen, um unser bestes Niveau zu erreichen.» Pierluigi Tami über die Zukunft.

Ziel, wieder um den ersten Platz zu kämpfen und sich in den Top vier zu etablieren, ist eine schöne Sache. Ich habe den Willen zur Weiterentwicklung und -arbeit gespürt», sagt Tami, der seine Mission als noch nicht beendet sieht und sagt: «Wir sind da noch am ­Anfang.» Der Abgang von Ravet hatte auch Einfluss auf die Stimmung im Team. Der Franzose war vor allem auch in der Garderobe wichtig, ein Stimmungsmacher. Sein Transfer war für viele wie ein Schock, eine Enttäuschung, welche die Stimmung dämpfte. «Aber wir haben jetzt daran gearbeitet und alle haben gemerkt, dass wir uns weiterentwickeln können», erklärt der Coach. «So ist der Fussball, das kann immer passieren. Wir müssen darauf hinarbeiten, bereit zu sein, wenn ein solcher Fall eintritt und sofort ­reagieren können. Ich denke, in dieser Thematik ist die Verpflichtung von Paul Bollendorff als Chefscout ein richtiges und wichtiges Signal.» Es sei ein Zeichen der Stärke, wenn ein Klub die Abgänge von Leistungsträgern immer wieder wegstecken kann, so wie es Basel tut. «Wir müssen ebenfalls bereit sein, solche Verluste zu kompensieren und unsere Talente reinzubringen. Sie sollen ihre Leistung bringen, dann gehen können und wir ersetzen sie durch neue Junge», so Tami. «Da muss man nicht nur kurzfristig, sondern mittel- und langfristig planen. Es ist wie im Fussball: Wenn man reagiert, ist man l zu spät, man muss agieren.» Nationalität: Schweiz Funktion: Trainer Geburtstag: 12. September 1961 Vereine: Grasshopper Club Zürich, Schweiz U17/U18/U21, FC Lugano, FC Locarno

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Raiffeisen Super League

Mit der nötigen Gelassenheit Bis Loris Benito im Sommer 2014 den FC Zürich als junges Talent in Richtung Lissabon verliess, war sein Weg nur in eine Richtung gegangen: nach oben. Heute, rund 18 Monate und eine Rückkehr zu YB später, steckt der Aargauer auf Grund einer Verletzung in der herausforderndsten Situation seiner Karriere. Text: Matthias Müller Fotos: Urs Lindt, Pius Koller

der Linksverteidiger der Young Boys, hat in diesem Moment noch gar keinen Grund für Gram. Er hat zwar am Wochenende zuvor gegen Thun nicht gespielt, weil er nach einer kleinen Blessur noch geschont wurde. Verletzungen, das hat er mittlerweile verinnerlicht, sind Teil dieses Business. Er sagt: «Man muss lernen, mit ihnen zu leben.» Und, auf die Frage, ob er denn am Samstag spiele: «Jetzt bin ich fit und gesund, ich fühle mich gut. Ja, ich hoffe es, ich habe richtig Lust auf Fussball.» Wie brutal schnell es in eben diesem Fussball gehen kann, wie unmittelbar Erklärungen irrelevant, Prognosen überholt und Erwartungen enttäuscht werden können, ­ wird der 24-Jährige zwei Tage später schmerzhaft erfahren müssen. Im Training zieht er sich einen Kreuzband- und Meniskusriss im rechten Knie zu und fällt damit für mehrere Monate aus.

Jäh beendeter Aufstieg

Dabei waren die Zeichen doch alle auf Angriff gestanden. Nach einem unglücklichen Es ist ein kalter, garstiger Februartag in Start – Benito hatte sich im ersten Spiel für Bern. Durch die Glasfront des Restaurant YB gegen Luzern gleich eine gelb-rote­ Eleven im Stade de Suisse sieht man die Karte eingezogen und danach an der Ferse ­Büroangestellten drauverletzt –  war er unter ssen unter Schirmen dem neuen Trainer Adi oder mit tief ins Gesicht Hütter trotz fehlender gezogenen Kapuzen Spielpraxis auf Anhieb «Man muss lernen, auf ihrem Weg zum zum Zug gekommen. Er mit ihnen zu leben.» Mittagsnack vorbeihukonnte sich einen Stammschen. Da betritt ein platz ergattern, seine Loris Benito über Verletzungen. junger Mann in zackiLeistungen wurden besgem Schritt und nur ser, Benito nahm Fahrt mit einem T-Shirt beauf. Auch wenn die Mannkleidet das Lokal. Ein kräftiger Händedruck, schaft ihr grosses Ziel, das sie vor der­ ein nettes Lächeln, ein paar freundliche Saison formuliert hatte –  einen Titel zu Worte – die Stimmung ist gut. Loris Benito, ­gewinnen –, da bereits verpasst hatte, gab

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Loris Benito

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Nationalität: Schweiz/Spanien Position: Verteidigung Geburtstag: 7. Januar 1992 Grösse: 184 cm Gewicht: 80 kg Vereine: BSC Young Boys, Benfica Lissabon, FC Zürich, FC Aarau

es doch noch so einiges zu erreichen. Für ihn, der nach einem Jahr in Lissabon, wo er nur sechs Mal zum Einsatz gekommen war, war es u.a. ja auch darum gegangen, endlich wieder regelmässig auf dem Platz zu stehen und sich für den EM-Kader der Nati aufzudrängen, wo das Rennen um den Backup von Ricardo Rodriguez auf der Linksverteidiger-Position noch in vollem Gange ist. Und dann das. Der Horror­ moment, von dem sich ein jeder Profisportler fürchtet. So komisch das auch klingen mag. Benito ist auf die schwere Prüfung, die ihm nun in den nächsten Monaten bevorsteht, vorbereitet. Der Aargauer hat auf seinem Weg nicht nur einen gut gefüllten Rucksack mit Erfahrungen, sondern auch eine mentale Entwicklung durchlaufen. Als von Grund auf aufgeweckter Typ mit guter Ausbildung – Benito hat an der Alten Kantonsschule Aarau die Matura abgelegt – ­hatte er eine steile Karriere hingelegt. Vom FC Aarau, wo er praktisch seine ganze Jugend verbracht hatte, war er im Februar 2012 zum FC Zürich gestossen, wo er sich ab dem Sommer anschickte, den langjährigen Nationalspieler Ludovic Magnin abzulösen. Zwei Jahre später, als Stammkraft, Nati-Kandidat und der Reputati-

LORIS BENITO FOOT  19


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Loris Benito on eines Marderfängers – im März 2013 ging das Video, wie er im Meisterschaftsspiel in Thun einen Marder einfängt, um die Welt –, wechselte er zum grossen Benfica Lissabon. «Ich musste versuchen, mich bei einem ­ europäischen Grossklub durchzu­ setzen. Das braucht viel Selbstdisziplin. Ich

habe dort in meiner Persönlichkeitsent­ wicklung einen ganz grossen Schritt nach vorne gemacht», blickt er zurück. Genau deshalb weigert er sich auch strikt, diese Saison, in der er nur auf sechs Einsätze ­gekommen war, als «schlecht» abzutun. In einem Interview, das er im Herbst gegen-

über dem Internetportal «Sportal.ch» gegeben hatte, hatte er auf diese Frage auffällig gereizt reagiert. O ­ bschon er dabei keine ­Regeln verletzt oder gar ausfällig geworden war, sagt er heute: «Ich war in diesem Moment unaus­ ­ geglichen, ich hatte eine innere Unruhe. Im Nachhinein würde ich ­ ­anders reagieren.»

Die innere Unruhe besiegen

Diese doch relativ kritische Selbstwahr­ nehmung mag bei einem Fussballer ein wenig erstaunen, hat aber einen tieferen ­ Grund. Benito selber hat in Lissabon gelernt, sich mit sich selbst auseinanderzu­ setzen. Da er ohne Familie oder Freundin gegangen war, musste er sich die Zeit sinnvoll vertreiben. Er las oft, darunter auch das eine oder andere Buch zum Buddhismus. «Nicht als Religion, sondern einfach nur als Lebenseinstellungssache», habe er das Ganze betrachtet. Es hatte ihm dabei geholfen, Energie für den sportlichen Verdrängungskampf bei Benfica zu schöpfen. «Natürlich hatte ich dort auch Zweifel, natürlich hatte ich innere Unruhe verspürt», gibt er zu. Wenig zu spielen, sei für jeden Fussballer schwierig. Er habe in dieser Situation gelernt, ruhiger zu werden und schwierige Herausforderungen nicht zu verbissen, sondern mit gesundem Selbstbewusstsein anzugehen. Benito weiss: «Wenn man die Gelassenheit findet, geht man die Dinge ganz anders an, als wenn man unter Span-

«Ich musste versuchen, mich bei einem euro­ päischen Grossklub durchzusetzen. Das braucht Selbstdisziplin. Ich habe dort in meiner Persönlichkeitsent­ wicklung einen grossen Schritt gemacht.» Loris Benito über seine Zeit in Lissabon.

nung steht.» Dass seine aktuelle Situation nun ungleich schwieriger ist, ist ihm bewusst. Aus dem Jahr in Lissabon glaubt er, gestärkt hervorgegangen zu sein. Macht er es wie, damals, davon ist er fest überzeugt, wird er es dieses Mal nicht anders sein. l FOOT 

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Raiffeisen Super League

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Mit dur

ROMAN BUESS Nationalität: Schweiz Position: Sturm Geburtstag: 21. September 1992 Grösse: 184 cm Gewicht: 78 kg Vereine: FC Thun, FC Wohlen, FC Basel 1893, FC Locarno, FC Aarau,

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Roman Buess

Verspätung rch die Decke Der FC Thun ist mit einem unerfahrenen Schweizer Sturm-Trio in die Meisterschaft gestartet, das zuvor noch keinen einzigen Super League-Treffer erzielt hatte. Ein Risiko, das sich gelohnt hat: Alle drei haben eingeschlagen. Und mit Roman Buess (23) hat sich einer bereits einen richtigen Namen gemacht. Text: Matthias Müller Fotos: Andy Müller, Christian Pfander

Es ist eine kleine Wortspielerei, sie klingt nicht unbedingt nett und sie soll wohl auch einen sanften Pfeil in Richtung des Nationaltrainers schiessen. In der Aargauer Zeitung fragen sich zwei Journalisten, weshalb ­Vladimir Petkovic sich zum Rückrundstart die Partie zwischen St. Gallen und Thun ­ansah, statt in Basel seine eigentlichen EMKandidaten zu beobachten. Vielleicht, so mutmassen die Schreibenden weiter, tüftle Petkovic ja am Notfall-Kader, da aktuell ­viele seiner Stammkräfte im Ausland wenig Spielpraxis erhalten. «Martin Angha statt Fabian Schär in der Innenverteidigung. Oder Roman Buess statt Haris Seferovic im Sturm», sinnieren sie, um gleich anzufügen, dass solche Gedanken «nicht frei von Polemik» seien. Was den zuweilen leicht reizbaren Bosnier ärgern dürfte, freute einen jungen Basler. «Auch wenn es nur ein belangloses Gedankenspiel von Journalisten ist – es ehrt mich, im Zusammenhang mit der Nati erwähnt zu werden», sagt Roman Buess und nimmt ­einen Schluck seines Mineralwassers. «Es ist eine Bestätigung für meine Arbeit.» Es ist offensichtlich, der 23-Jährige hat beim FC

Thun, in seiner ersten Super-League Saison, den Tritt sofort gefunden. Von Beginn weg gilt er als gesetzt, in seinem ersten Spiel ­gelang ihm das erste Tor und mittlerweile hat er sich in der Skorerliste der Liga in den Top Ten etabliert. Erleichternd hinzu kommt, dass auch seine Mannschaft auf Kurs ist. Vieles deutet bereits jetzt, im ersten Viertel der Rückrunde, darauf hin, dass der FC Thun zum sechsten Mal in Folge trotz UnderdogBudget die Meisterschaft im Mittelfeld abschliessen könnte.

An der Geduld hat es nie gefehlt

Das Selbstvertrauen ist Roman Buess auch neben dem Platz anzusehen. Er sitzt aufrecht und blickt dem Gegenüber direkt in die Augen. Er ist höflich, ab und an ein­ wenig verlegen und doch sehr bestimmt. Er weiss, was wer kann – und eigentlich wusste er es ja schon immer. Er hatte sich beim FC Basel durch die Jugendabteilung gestürmt, er war U17-Weltmeister geworden, damals 2009, mit Spielern wie Ricardo Rodriguez, Haris Seferovic oder seinem langjährigen Wegbegleiter, Teamkollegen und Freund Granit Xhaka. Er war zwar nie der Aller­ beste, aber doch immer bei den Besten. Das reichte als 19-Jähriger für einen ersten ­Teileinsatz in der ersten Mannschaft – übri-

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Roman Buess gens ausgerechnet gegen den FC Thun –, aber nicht, um durch die Decke zu gehen. Stattdessen begab er sich bereitwillig in die Zusatzschlaufe der Challenge League. Eine Saison bei Aarau, eine bei Locarno und eine bei Wohlen später ist Buess im Oberhaus angekommen – ohne je wirklich daran ­gezweifelt zu haben. An der Geduld hat es ihm nie gefehlt. Und es entbehrt nicht einer gewissen Logik, dass er nun im PanoramaShoppingcenter neben der Stockhorn-­ Arena und nicht im Medienraum eines vermeintlich grossen Klubs Interviews gibt. «Ich hätte andere Möglichkeiten in der Super League und im Ausland gehabt. ­ Für mich war es klar, dass ich mich zuerst etablieren möchte – deshalb war das Angebot von Thun das passendste», sagt er nüchtern. «So funktioniere ich.» So unaufgeregt sich das alles anhören mag; Es gab auf diesem langsameren, dafür linearen Weg nach oben durchaus auch Ausschläge. Da wäre etwa die Saison 2013/2014, als Freunde in der Basler Heimat ihm, als damaligen Locarno-Stürmer, mit einer ­kleinen Facebook-Kampagne zur Wahl zum beliebtesten Spieler der Challenge League

konnte er auch danach, im Zweimannsturm von Saibene, seinen Platz in der Startaufstellung behaupten. «Das Wissen, dass ich schon vor Sforza geholt worden war, hat mir hinsichtlich des Trainerwechsels Sicherheit gegeben», erklärt Buess. «Ich genoss nicht nur das Vertrauen meines vormaligen Trainers, sondern dasjenige des Vereins.» So sehr er über den entlassenen Sforza nur Gutes zu erzählen weiss, so wenig will er indessen verbergen, dass ihm die Sys­ temanpassung von Nachfolger Saibene entgegengekommen ist: «Als Stürmer hast du gerne jemanden neben dir, der dir Lücken aufreisst, der mit dir arbeitet, der die Aufmerksamkeit der gegnerischen Abwehr auf sich zieht.» Dass dies mit dem gross­ gewachsenen Simone Rapp nun auch noch einer ist, den er bereits sehr gut kennt und mit dem er sich auch neben dem Platz sehr gut versteht, mache das Ganze noch besser. «In Wohlen hatte Simone oft am Flügel ­gespielt. Wir kennen unsere Laufwege, wir harmonieren. Ich glaube, man sieht das auf dem Rasen sehr, sehr gut.» Dem Dritten im Bunde, dem Publikumsliebling Ridge Munsy (26), der vor allem mit seinem Antritt und seinem Kampfeswillen zu gefallen weiss, fällt in der aktuellen Konstellation meist die Jokerrolle zu. Trainer Saibene kann damit auf ein Trio ­zählen, das sich mit seinen Qualitäten sehr gut ergänzt und so seine mangelnde Super League-Erfahrung – auch Munsy war erst im letzten Winter aus der 1. Liga zum Team gestossen – mehr als nur wettmachen kann. Kein Wunder, sagt Roman Buess heute selbstbewusst: «Wir haben als Team gezeigt, zu was wir in der Lage sind. Natürlich, wir wollen in erster Linie mit dem Abstieg nichts zu tun haben. Aber dort, wo wir jetzt stehen, dürfen, ja müssen wir unseren Blick auch nach vorne richten.» Es sind grosse Worte und sie decken sich mit dem Eindruck, den der Stürmer ins seinem ganzen Auftritt vermittelt. Obschon er mehrfach betont, dass er mittel-, statt kurzfristig denke und dass es ihm wichtig sei, sich nachhaltig zu etablieren, bevor er ­einen weiteren Schritt gehe. Irgendwie fühlt es sich an, als wäre er, mit ein wenig Verspätung, in Thun ­gerade dabei, durch die Decke zu gehen.  l

verhalfen. Da wäre dieser verrückte Sommer, in dem er in Thun unter der Annahme unterschrieb, dass sein Trainer Urs Fischer heisst – und nach dem dritten Training plötzlich mit Ciriaco Sforza sein letztjähriger Trainer beim FC Wohlen verpflichtet wurde. Dem noch nicht genug, wurde kurz darauf auch noch sein letztjähriger Sturmpartner Simone Rapp (23) unter Vertrag genommen – nachdem dieser, noch im Wohlen-Dress, im ersten Vorbereitungsspiel ausgerechnet gegen Thun gross aufzutrumpfen vermochte. Und natürlich war ja da auch noch das Highlight aus der zwölften Runde, als Thun im ersten Spiel unter dem neuen Trainer Jeff Saibene den FC Zürich mit 5:1 vom Platz ­fegte und Buess dazu seinen ersten Hattrick der Karriere beisteuerte. Dieser Abend, das hat sich im Rückblick gezeigt, war nach ­einem harzigen Start der Wendepunkt der aktuellen Thuner Kampagne gewesen.

Von der Systemanpassung profitiert

«Es ist sicher gut für mich gelaufen», sagt Buess und lächelt. Während Sforza, der mit einer Einmann-Spitze spielen liess, ihn bereits gut kannte und sofort auf ihn setzte,

Roman Buess (r.) und Simone Rapp verstehen sich auf und neben dem Platz sehr gut.



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Raiffeisen Super League

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Martin Angha

neue Leitwolf

Noch in der letzten Saison lag der FC St. Gallen im U21-Ranking abgeschlagen auf dem letzten Platz, in dieser Spielzeit haben nur die Young Boys mehr ­Akteure mit Jahrgang 1994 oder jünger eingesetzt. Ein solcher Akteur ist auch Martin Angha (22) – der neue FCSG-Captain ist ein Sinnbild für diesen Wandel. Text: Dominic Ledergerber Fotos: Benjamin Manser, Martin Meienberger

Martin Angha, Sie sind seit der Rückrunde Captain des FC St. Gallen. Überrascht? Ja und Nein. Einerseits ging alles sehr schnell beim FC St.Gallen, andererseits bin ich sehr stolz darauf und denke, dass ich mir die Binde mit harter Arbeit verdient habe. Ich bringe trotz meines Alters Erfahrung mit, da ich bereits einige Jahre im Ausland gespielt habe. Diese Erfahrung macht mich auch zum Leader in dieser Mannschaft. In den ersten sechs Ligaspielen waren Sie fünf Mal nur Ersatz. Wie gross ist der Einfluss des Trainerwechsels von Jeff Saibene zu Joe Zinnbauer auf Ihren Durchbruch? Natürlich hat das einen Einfluss, man muss es aber etwas relativieren. In den letzten Spielen unter Saibene kam ich auch zum Zug und ich denke, es wäre auch unter ihm nur eine Frage der Zeit gewesen, bis ich ­regelmässig gespielt hätte. Unter Joe Zinnbauer spielten Sie bislang immer über die volle Distanz – mal abgesehen von ihrem Platzverweis auswärts gegen die Young Boys. FOOT  27


Raiffeisen Super League Ich spüre das Vertrauen des Trainers und das beruht auch auf Gegenseitigkeit. Wenn Zinnbauer spricht, höre ich ganz genau hin und versuche dann, seine Philosophie auch in die Mannschaft zu tragen. Im U21-Ranking der Saison 2014/2015 war der FCSG mit Abstand Letzter. In dieser Spielzeit kommen nur bei den Young Boys mehr Spieler mit Jahrgang 1994 oder ­jünger zum Einsatz als in St. Gallen. Woher kommt dieser Wandel? Ich denke, mit Joe Zinnbauer und Christian Stübi herrscht eine neue Philosophie im ­Verein, die auch die Fans und das gesamte Umfeld erfreut. Junge Spieler erhalten hier die Chance, sich zu beweisen, was in den letzten Jahren eher selten der Fall war. Sind Zinnbauer und Stübi in dieser H ­ insicht mutiger als ihre Vorgänger? Das kann man durchaus so formulieren. Zinnbauer verlangt zwar viel von uns, aber er gibt den jungen Spielern das nötige ­Vertrauen und weiss auch, wann es angebracht ist, einen Fehler zu verzeihen. Wo sehen Sie den FC St. Gallen am Ende der Saison? Wir schauen nun von Spiel zu Spiel. Wir sind eine junge Mannschaft, die zusammen wachsen muss und auch etwas Zeit braucht. Es wird aber gut gearbeitet und es würde mich nicht verwundern, wenn wir in der Rückrunde für die eine oder andere Über­ raschung sorgen könnten. Sie haben an Ihrem 16. Geburtstag bei ­Arsenal unterschrieben. Ich wurde schon als 14-Jähriger von den Gunners gesichtet, aber damals durfte man erst mit 16 Jahren einen internationalen Wechsel vornehmen. Dafür war der Wechsel ein wunderbares Geburtstagsgeschenk. Was ging Ihnen da durch den Kopf? Ich war schon Tage vorher richtig aufgeregt und konnte den Tag der Unterschrift kaum erwarten. Es war nicht einfach, da ich einerseits noch im Nachwuchs des FC Zürich Vollgas geben wollte, mich gedanklich aber bereits mit der neuen Aufgabe beschäftigte. Ein grossgewachsener Schweizer Innenverteidiger, der mit 16 Jahren zu Arsenal wechselt. Das kommt mir bekannt vor... ...Johan Djourou war für mich ein Vorbild, ich habe immer zu ihm aufgeschaut und dann vor Ort natürlich viel mit ihm gesprochen. Auch mit Philippe Senderos verstand ich mich sehr gut, schliesslich lebte ich in

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derselben Gastfamilie wie einst er. Dass die beiden den von mir eingeschlagenen Weg schon beschritten, machte mir Mut. Bei Arsenal kamen Sie zwei Mal mit der Profi-Mannschaft zum Einsatz, unter anderem im Dezember 2012 in der Champions League. Die Hymne zu hören, war ein unglaublich schönes Gefühl. Aber es war nicht nur ­dieser Einsatz, sondern generell die Erfahrung in diesen dreieinhalb Jahren, die mir noch heute hilft. 2013 wechselten Sie zum 1. FC Nürnberg in die Bundesliga, am Ende der Saison stieg die Mannschaft ab. Das war eine sehr spezielle Erfahrung. Der Wechsel zu Nürnberg machte Sinn, schliesslich war die Mannschaft in der Vorsaison nahe dran am internationalen Geschäft. Als 19-Jähriger wollte ich diese Chance packen – aber die Saison verlief schlecht, auch wenn ich erstmals regelmässig auf professionellem Niveau zum Einsatz kam. Aber ­leider erwischten wir eine schlechte Saison und konnten die Klasse nicht halten. Ein Jahr später war es eine ähnliche Situation, mit 1860 München entgingen wir in der Relegation der 2. Bundesliga nur knapp ­ dem Abstieg. Sie wechselten von der 1. Bundesliga in die 2. Bundesliga und nun in die Super League. Wenn man zynisch

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Martin Redaktionell Angha «Es wird gut gearbeitet und es würde mich nicht verwundern, wenn wir in der Rückrunde für die eine oder andere Überraschung sorgen könnten.» Martin Angha über die Möglichkeiten von St. Gallen in der Rückrunde.

sein wollte, könnte man festhalten: Ein kontinuierlicher Rückschritt. Da muss ich vehement widersprechen. Ich bin sehr dankbar um die Chance, in der ­Super League Fuss fassen zu können. Diese Liga ist auf einem guten Niveau, sowohl technisch als auch taktisch. Für mich ­persönlich zählt nur, dass ich regelmässig spielen und mich so weiterentwickeln kann. Nach den letzten zwei Jahren sind Sie also krisenerprobt. Braucht es diese Eigenschaft in der aktuellen Saison beim FC St. Gallen? Nein, das denke ich nicht. Wir sind auf ­einem guten Weg, auch wenn noch nicht ­alles zu Hundert Prozent funktioniert. Viele Spieler sind neu, es gab einen Trainerwechsel und ­ auch der Sportchef ist nicht mehr derselbe. Es

ist klar, dass es Zeit braucht, bis die Automatismen greifen. Sie sind in Zürich unweit vom Letzigrund aufgewachsen. Was sagt Ihnen denn eher zu: Eine Grossmetropole wie London oder eine herzliche Kleinstadt wie St. Gallen? Nun ja, London ist natürlich eine Stadt für sich, etwas Einmaliges. Aber auch St. Gallen gefällt mir gut, ich fühle

mich sehr wohl hier. Die Leute sind sehr freundlich und auch euphorisch, wenn es um den FCSG geht. Ihr Vater stammt aus der Demokratischen Republik Kongo. Das stimmt, aber ich habe keinerlei Bezug zu diesem Land. Ich bin ein waschechter Schweizer (lacht). Und ich trage das Trikot des U21-Nationalteams mit Stolz. Stichwort Nationalteam: Ihr «Vorgänger» Djourou wird auch nicht jünger... Natürlich ist es das Ziel, in der A-Nationalmannschaft zu spielen, wenn man alle Juniorenstufen durchlaufen hat. In der U21-Nati zähle ich noch immer zu den Spielern mit den meisten Einsätzen. Aber mein primäres Ziel bleibt, mich in der Super League zu etablieren, mich als Captain und als Spieler weiterzuentwickeln. Alles andere ergibt sich dann von selbst. l

MARTIN ANGHA Nationalität: Schweiz/Kongo Position: Verteidigung Geburtstag: 22. Januar 1994 Grösse: 188 cm Gewicht: 81 kg Vereine: FC St. Gallen, TSV 1860 München, 1. FC Nürnberg, FC Arsenal, FC Zürich U16 FOOT  29


Raiffeisen Super League

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FC Luzern

ood am Pilatus Der FC Luzern kommt ein­ fach nicht zur Ruhe. Einmal mehr sind die Probleme hausgemacht. en ttäuschend Nach den en enen der vergang Leistungen ieler sten die Sp Partien mus beruhigen . ns rn ihre Fa vom FC Luze

Konsternierte Luzerner Gesichter nach einer weiteren Niederlage.

Text: Nicola Berger Fotos: Martin Meienberger, Andy Müller, Urs Lindt

Als Markus Neumayr, 29, im Januar vor­ gestellt wurde im FC Luzern, diktierte der deutsche Mittelfeldspieler der Lokalzeitung ein paar interessante Sätze über seinen neu­ en Arbeitgeber. Er sagte: «Ich weiss, dass in Luzern immer etwas los ist und der Klub ­darum auch FC Hollywood genannt wird.» Bisher jedoch, das schob Neumayr eilig nach, könne er das nicht nachvollziehen. Das sollte sich rasch ändern, denn die Zitate stammen aus dem Januar und damit einer für den FCL vergleichsweise sorgenfreien Zeit. Gewiss, bereits da war Unruhe vor­ handen gewesen, nach der Entlassung des Sportchefs Rolf Fringer, doch sie hatte nur auf Sparflamme geköchelt – bei sportlichem Erfolg hinterfragt niemand Personalent­ scheide, und der FCL stand vor dem Beginn der Rückrunde ja auf Platz 4 und im CupHalbfinal. Und dann: Die bizarre Vertragsverlängerung mit dem Cheftrainer Markus Babbel, eine beispiellose Negativserie, der Rauswurf des Co-Trainers Roland Vrabec, das Cup-Aus zu Hause gegen den Aufsteiger Lugano und die Feststellung, dass man sich als Profiklub ungeschickter eigentlich nicht anstellen kann. Im Auge des Orkans stand von Beginn weg ein Mann: Roland Vrabec, 42, ehemals ­Trainer im FC St. Pauli. Das überrascht aus zweierlei Gründen. Zum einen gab der Deutsche bereits im November bekannt, dass er den Verein im Sommer 2016 zu ­verlassen gedenke. Und zum anderen ge­ schieht es selten, dass ein Assistenztrainer, FOOT 

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Redaktionell FC Luzern

Da war die FCL-Welt in Ordnung, aber schon bald darauf kam der Bruch: Zuerst musste Rolf Fringer gehen, danach auch Roland Vrabec.

ein Vertreter aus der Gilde der Schatten­ männer im Profifussball, in den Fokus rückt. Dass es ausgerechnet in Luzern anders war – es überrascht nicht, weil der Verein ein Faible dafür entwickelt hat, sich immer ­wieder selber ein Bein zu stellen. Die Geschichte mit Vrabec lief so: Der Cheftrainer Markus Babbel überliess die ­ Trainingsgestaltung weitgehend seinem Assistenten; der ehemalige Profi des FC ­ Bayern München definiert sich eher als Teammanager nach englischem Vorbild. Der Co-Trainer also arbeitete viel, und was er ablieferte, war offenbar von so hoher Qualität, dass sich der Sportchef Fringer ­irgendwann dazu entschloss, dass der FCLTrainer der Zukunft nicht Babbel heissen müsste, sondern eben Vrabec. Fringer sollte später sagen, dass der Anteil Vrabecs am Luzerner Erfolg 80 Prozent betrage. Fringer brachte die Idee aufs Tapet, er fand sie visionär, aber sie kam intern ganz schlecht an. Der Präsident Rudolf Stäger witterte «ein Komplott» – und reagierte, ­indem er erst Fringer schasste sowie wenig später den Vertrag mit Babbel um zwei

J­ ahre verlängerte. An der Pressekonferenz zum neuen Babbel-Vertrag musste sich der fussballunkundige Stäger darauf kriti­ sche Fragen gefallen lassen, was ihn aus der ­Reserve lockte. Dabei war der Diskurs legitim – zumal schon der Babbel-Vor­ gänger Carlos Bernegger wenige Wochen

Trainer Markus Babbel und sein neuer Assistent Patrick Rahmen.

nach e ­ iner Vertragsverlängerung entlassen ­orden war und das Klubbudget noch w ­immer belastet. Die Frage ist, ob sich die Geschichte wieder­ holen könnte, bei Babbel, der in seiner ­Trainerkarriere bislang nicht an jene Erfolge anzuknüpfen vermochte, die er als Spieler feierte; die Anstellungen in Berlin, Stuttgart und Hoffenheim endeten zügig. Das Aben­ teuer in der swissporarena kann für ihn darum zwei Dinge sein: Ein Sprungbrett. ­ Oder die letzte Ausfahrt. Babbel hofft auf Ersteres, und noch immer ist das ja möglich, zumal Klubchef ­Stäger seinen Coach gegen alle Widerstände stützt. Unter Stäger kam Babbel so bereits während der Ära Fringer sehr viel Einfluss zu, der Coach war es, der die Verpflich­ tungen seiner Landsmänner Sebastian Schachten, Nico Brandenburger und Cle­ mens Fandrich durchpeitschte. Wobei ge­ rade der als designierte Führungskraft ein­ geplante Schachten (Ex-St. Pauli und Mönchengladbach) vieles schuldig blieb, ­eigentlich fast alles. Dieser Umstand hilft Trainer Babbel ebenso wenig, wie das öffentlichkeitswirksame Zerwürfnis mit dem ehemaligen Intimus ­ Vrabec. Der Assistenzcoach wurde am 22. Februar ­freigestellt, doch verbürgt ist, dass sich das Duo lange vorher nichts mehr zu sagen ­hatte. Babbel klagte später öffent­ lich, er sei hintergangen worden. Vrabec bestreitet das vehement, und es würde ­ nicht erstaunen, sollte der Disput noch vor Gericht landen. Ersetzt wurde Vrabec im FCL durch Patrick Rahmen, der im Chaosklub FC Biel das Handtuch warf. Zwischen 2011 und 2015 ­hatte Rahmen im Hamburger SV gewirkt, der Deutsche Thorsten Fink hatte ihn vom FC Basel mit an die Elbe genommen. Sein Nachfolger als Coach der Basler U21-Mann­ schaft hiess: Carlos Bernegger. Klein ist die Fussballwelt. Rahmen geniesst in der Branche einen ­guten Ruf, und wer weiss: Vielleicht gelingt es ihm gemeinsam mit Babbel ja, den FC Lu­ zern wieder zu stabilisieren. Unmöglich ist das nicht, trotz der gewichtigen Winter-­ Abgänge von Remo Freuler (Atalanta) so­ wie Topskorer Dario Lezcano (Ingolstadt) verfügt der FCL über einen teuren, mit ­begabten Fussballern gespickten Kader, mit dem es möglich sein müsste, um die Euro­ pa-League-Plätze mitzuspielen. Schwierig wird es dann, wenn das Umfeld die Nerven verliert und sich der FC Luzern wieder einmal in den FC Hollywood ver­ wandelt. Auch Markus Neumayr wird das inzwischen verstehen können. l

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Raiffeisen Super League

«Ich lebe von Schnelligkeit» Kevin Bua gehört beim FC Zürich zu den wenigen positiven Entdeckungen der Saison 2015/2016. Im Interview spricht der 19-Jährige über seinen Traum von der Champions League und weshalb er einst Polizist werden wollte. Text: Dominic Ledergerber Fotos: Steffen Schmidt

Kevin Bua, herzlich Willkommen in der Deutschschweiz. Sie durften beim FCZ lange keine Interviews geben. Warum ­eigentlich? Der Trainer wollte mich schützen und dafür sorgen, dass ich mich voll und ganz auf mein Spiel konzentrieren und alles für die Mannschaft geben kann. Das hat sich offenbar gelohnt. In der Super League haben Sie auf ­Anhieb voll eingeschlagen. Ich fühlte mich sofort wohl in Zürich, obwohl ich die Vor­ ­ bereitung erst mit zwei

«In Zürich kann ich mich am besten entwickeln, das hatte Priorität.» Kevin Bua über seinen Transfer zum FCZ.

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­Wochen Verspätung beginnen konnte. Dazu hatte ich das Glück, dass ich in Sami Hyypiä einen Trainer vorgefunden habe, der mir ­absolut vertraut. Als Junge habe ich ihn in der Champions League spielen sehen, doch damals hätte ich nie geglaubt, dass er eines Tages mein Trainer sein würde – besonders nicht so schnell. Warum haben Sie sich für den FC Zürich entschieden? Weil er ein Klub mit einer ruhmreichen ­Geschichte ist – genau wie Servette. Dazu kommt, dass ich mich in Zürich am besten weiterentwickeln kann, und das hatte bei meinem Transfer Priorität. Nach einer Aussage des ehemaligen Torhüters Pascal Zuberbühler ist Servette der Klub mit den landesweit meisten U-Nationalspielern. Weshalb entstammen so viele Talente dem Grossraum Genf? Das ist wahr, wir haben viele gute Jahr­ gänge in Genf. Das Problem ist nur, dass die erste Mannschaft immer wieder mit Prob­ lemen zu kämpfen hat, weshalb man als Junger meist nicht lange bleiben kann. Aber Genf ist dennoch meine Heimat, meine Stadt und alle meine Freunde leben dort. Aber jetzt habe ich die Möglichkeit erhalten, auch die Deutschschweiz kennenzulernen.


Redaktionell Kevin Bua

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Was ist für Sie der Unterschied zwischen Genf und Zürich? Die Mentalität ist hier ein bisschen anders als in Genf. Der Fussball besitzt in Zürich ­einen höheren Stellenwert. In Genf interessiert man sich jetzt etwas mehr für Eis­ hockey, was aber auch mit den Schwierigkeiten des Fussballklubs zusammenhängt. Sie wohnen erstmals alleine. Ja, das ist, wie wenn man zu einer anderen Mannschaft wechselt. Es braucht Zeit, um mit den neuen Bedingungen umgehen zu können. Ich bin noch nicht der beste Koch, aber ich kann mich alleine durchschlagen.

Was ist Ihr Leibgericht? Auch wenn es für Sportler keine gute ­Nahrung ist und ich es darum nicht oft esse: Pommes-Frites mit Eiern. Das habe ich schon als Kind immer sehr gerne gegessen, und ich kann das relativ einfach zubereiten (lacht). Und wie verbringen Sie Ihre Freizeit? Zum Glück ist Maxime (Dominguez, die Redaktion) auch hier, wir treffen uns oft ­ und erkunden dann zusammen die Stadt. Wir ­ beiden Genfer haben uns in Zürich ­wieder gefunden. Und das hilft uns wirklich sehr.

Ihre Eltern stammen aus Spanien. Richtig, ich habe ja auch einen spanischen Familiennamen. Meine Eltern stammen aus der Nähe von Madrid, deshalb ist Real auch mein Lieblingsklub. Doch weil ich in Genf aufgewachsen war, nennen mich nun alle «Büa» (schmunzelt). Mir persönlich ist das aber nicht so wichtig. Erzählen Sie von Ihrer Kindheit in Genf. Ich kam als Vierjähriger zum Nachwuchs von Servette und blieb da, bis ich 14 war. Dann hielt man mich aber für zu klein, weshalb ich zu Etoile Carouge wechselte. Ab der U21-Auswahl gehörte ich aber wieder

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Kevin Bua dem Servette-Nachwuchs an und ab 2013 durfte ich schliesslich mit den Profis spielen. Sie haben unter Sébastien Fournier in der Challenge League debütiert. Ja, ich kann mich noch sehr gut daran erinnern. Fournier sagte mir, ich solle alles ­genau machen wie in den Trainings. Es war ein Spiel in Wohlen, wir ­gewannen mit 2:1 – und ich war sogar am Siegtor beteiligt. In Kevin Cooper hatten Sie in der schwierigen Saison 2014/2015 einen Trainer, der sich stets vor die Spieler stellte, sodass sich diese voll und ganz auf die Spiele ­konzentrieren konnten. War das wirklich so einfach? Es war tatsächlich eine sehr schwierige ­Situation. Cooper sagte uns stets, dass wir uns nur auf den Fussball konzentrieren sollen, weil dies das einzige sei, das wir ­ ­beeinflussen können. Aber natürlich war es nicht einfach, die Negativschlagzeilen jeden Tag lesen zu müssen.

Ich weiss nicht genau, welche Klubs interessiert waren, ich weiss nur, dass es mehrere waren (lacht). Aber ich bin sehr glücklich und stolz, beim FCZ zu sein. Für mich war stets klar, dass dieser Klub für mich die ­beste Option ist. Ihr Kumpel Denis Zakaria wählte genau den anderen Weg, jenen zu YB. Ich freue mich sehr für ihn, es läuft ihm sehr gut. Aber ich musste auf mich schauen und entscheiden, was für mich das Richtige ist. Wie würden Sie Ihre persönliche Spiel­ weise definieren? Ich mag die Duelle Mann gegen Mann. Und natürlich lebe ich von der Schnelligkeit, sie ist eine meiner grossen Stärken. Was wäre aus Ihnen geworden, wenn Sie den Durchbruch

Man hörte, dass Spielersaläre nicht bezahlt wurden und schliesslich wurde Servette die Lizenz für die Challenge League entzogen. Wann kam für Sie der Zeitpunkt, an dem Ihnen klar wurde, dass Sie Servette verlassen müssen? Ich habe bis zur letzten Sekunde des letzten Spiels wirklich alles für die Mannschaft gegeben. Wir hatten das Glück, dass wir bis zum Schluss um den Aufstieg in die Super League mitspielten, das hat es für uns einfacher gemacht, uns auf das ­Wesentliche zu konzentrieren. Nach der letzten Saison zeigten neben dem FC Zürich auch die Young Boys Interesse an einer Verpflichtung.

Nationalität: Schweiz/Spanien Position: Mittelfeld Geburtstag: 11. August 1993 Grösse: 180 cm Gewicht: 76 kg Vereine: FC Zürich, Servette FC

zum Profi-Fussballer nicht geschafft ­hätten? Dann wäre ich heute wohl Polizist. Wie das? Ich wollte meinen Arbeitsalltag nie in einem Büro verbringen und den ganzen Tag sitzen. Dazu hat mich die Polizeiarbeit immer fasziniert. Ich habe während meiner Schulzeit ein Praktikum bei der Polizei gemacht und war an mehreren Tagen auch als Begleiter auf Streife. Für diesen Beruf wären Sie definitiv schnell genug... ...das ist durchaus möglich (lacht). Aber jetzt zählt für mich nur noch der Fussball. Ihr erstes Super League-Jahr neigt sich dem Ende zu. Zufrieden? Mit dem FC Zürich hatten wir eine sehr schwierige Saison, und sie ist noch nicht vorbei. Aber persönlich bin ich sehr zufrieden, ich habe viel Einsatzzeit erhalten und konnte mich weiterentwickeln. Was ist nun der nächste Schritt in Ihrer Karriere? Ich will weiter so oft wie möglich spielen. Die Champions League ist ein grosser Traum von mir, genauso wie natürlich die Europameisterschaft im Sommer. Es ist noch nicht lange her, seit der FCZ das letzte Mal in der Königsklasse auflief. Das wäre natürlich umso schöner, wenn ich die Champions League-Hymne das erste Mal im Trikot des FC Zürich hören würde. Aber wir wissen alle, dass es bis d ­ ahin noch ein weiter Weg ist.  l

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KEVIN BUA FOOT  37


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Raiffeisen Super League

Ein ne Dejan Janjatovic (24) fiel in St. Gallen aus dem Raster, in Vaduz will er seine Karriere neu lancieren. Der Spielgestalter spricht über seinen leisen Abgang, stellt sich der Kritik von FCSGTrainer Joe Zinnbauer und blickt voller Zuversicht in die Zukunft. Text: Dominic Ledergerber Fotos: Michael Zanghellini

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DEJAN JANJATOVIC FOOT

Manchmal schreibt der Fussball eigenartige Drehbücher. In diese Kategorie gehört sicherlich auch die Geschichte von Dejan ­ Janjatovic. Der Mittelfeldstratege kam vor ziemlich genau vier Jahren in die Schweiz. Davor war die Karriere des einstigen Bayern-Nachwuchsspielers ins Stocken geraten, im spanischen Getafe war er in die zweite Mannschaft verbannt worden und seine Kritiker sagten, er verschleudere sein Talent. Doch dann war plötzlich alles anders. Sportchef Heinz Peischl hatte den serbisch-deutschen Doppelbürger in die Ostschweiz gelotst und mit dem Super League-Aufstieg des FC St. Gallen im Sommer 2012 war auch in Janjatovic ein Überflieger geboren. Sein

Nationalität: Serbien/Deutschland Position: Mittelfeld Geburtstag: 25. Februar 1992 Grösse: 187 cm Gewicht: 78 kg Vereine: FC Vaduz, FC St. Gallen, FC Getafe b, FC Bayern München U17 und U19


Dejan Janjatovic

euer Anlauf damaliger Trainer Jeff Saibene (jetzt Thun) nannte ihn «Boban», in Anlehnung an den früheren jugoslawischen Spielmacher ­Zvonimir Boban, und überhaupt waren die Schweizer Gazetten voll des Lobes für den 20-Jährigen aus Slavonski Brod. Als Aufsteiger St. Gallen gar die Tabellenspitze erklamm, zierte Janjatovic schliesslich die Titelseite des FOOT-Vorgängers «Euro­ Soccer». «St. Gallen liegt ihm zu Füssen», stand da geschrieben. Heute mutet dies seltsam an, schliesslich haben die Ostschweizer ihren einstigen Spielmacher zum FC Vaduz abgeschoben, nachdem Janja­ tovic in der Vorrunde häufig nur noch auf der Tribüne platznehmen durfte. So glanzvoll seine Ankunft war, so leise verabschiedete sich «Boban» in der vergangenen ­Winterpause.

«Ich muss keinem was beweisen»

Was ist passiert? Der Spieler selbst hat einen eher pragmatischen Erklärungsan­ satz. «Mit mir und mit St. Gallen ging es sehr schnell nach oben. Leider folgte dann eine weniger gute Phase, das kommt eben vor», sagt Janjatovic. Er habe sich zum Ziel gesetzt, sich in St. Gallen zurück zu kämpfen, erklärt der Mittelfeldspieler. Doch Saibene-Nachfolger Joe Zinnbauer hatte andere Pläne; in der letzten FOOT-Ausgabe kritisierte der 45-jährige Deutsche mitunter das Laufverhalten Jan­ jatovics. «Er war vielleicht mein bester ­ Stratege, aber er hat sich meinem Spiel nicht angepasst. Obwohl wir das angesprochen haben, hat sein Spiel gegen den Ball nicht funktioniert und zu oft fehlten auch einige Meter», sagte Zinnbauer. Worte, die Janjatovic so nicht hinnehmen will. «Ich muss keinem was beweisen. Wenn Zinn­ bauer der Meinung ist, ich laufe zu wenig, dann gilt eben nur seine Meinung. Er war der Trainer, er steht in der Verantwortung, er entscheidet», so der 24-Jährige. Trotzdem übt der neue Vaduz-Regisseur auch Selbstkritik, wenn er sagt: «Ich habe gemerkt, was ich besser machen muss und arbeite an meinen Defiziten.» Die Zeit und die Fans in St. Gallen behalte er in sehr guter

Erinnerung, doch dieses Kapitel sei nun abgeschlossen.

Erstes Tor nach sieben Minuten Stattdessen wagt Dejan Janjatovic in Vaduz einen neuen Anlauf. Obwohl er das Training mit der Mannschaft von Giorgio Contini erst eine Woche vor dem Rückrundenstart aufnehmen konnte, sei er sofort gut integriert worden. Und so durfte er nach nur sieben (!) Pflichtspiel­

«Ich habe gemerkt, was ich besser machen muss und arbeite an meinen Defiziten.» Dejan Janjatovic über seine Mängel.

minuten im Dress der Liechtensteiner bereits über das erste Tor jubeln: Janjatovic setzte den Schlusspunkt unter das fulminante 5:2 in Lugano. Er sei zwar froh über den geglückten Einstand, jedoch noch lange nicht zufrieden. «Ich habe mein letztes Spiel für den FC St. Gallen gegen Ende Oktober bestritten. Da ist es klar, dass es noch eine gewisse Zeit dauert, bis ich wieder bei hundert Prozent bin», so Janjatovic. Um dahin zu gelangen braucht der einstige U19-Nationalspieler Deutschlands nun Spielpraxis. «Ich muss jetzt auf mich schauen und nehme ein Spiel nach dem anderen. Dann werden wir sehen, was im Sommer oder im nächsten Winter sein wird», sagt der 24-Jährige.

Eine spielstarke Mannschaft

Im Leben des Dejan Janjatovic hat sich einiges getan. Vor einem halben Jahr ist er erstmals Vater geworden und dies habe sein Leben komplett verändert. «Die Geburt

meines Sohnes hat mir in einer sportlich schwierigen Zeit sehr geholfen. Nun spüre ich, dass ich wieder auf dem richtigen Weg bin», sagt er. Dass der FC Vaduz bis zum Schluss um den Ligaerhalt zittern muss, glaubt er nicht. Die Liechtensteiner haben eine spielstarke Mannschaft mit kreativen Spielern wie ­Moreno Costanzo, Stjepan Kukuruzovic oder eben Janjatovic. Zudem wurde mit Armano Sadiku ein waschechter Strafraumstürmer verpflichtet. Und so ist auch der neue Mittelfeldstratege überzeugt: «Wir stehen zu Unrecht da, wo wir im Moment sind und haben die Spieler, die in jeder Partie den Unterschied ausmachen können.» Beim FC Vaduz stehen viele Spieler unter Vertrag, die anderswo aus dem Raster gefallen sind. Janjatovic sieht genau darin eine Stärke des FC Vaduz. «Hier will jeder beweisen, was er kann und dass man ihn zu früh abgeschrieben hat. Das gilt auch für mich», sagt er. Am Wechsel des Spielgestalters scheinen alle zu profitieren: Der FC Vaduz, weil er die Abteilung Kreativität verstärkt hat. Der FC St. Gallen, weil er die Personalkosten reduzieren und das Kader schmälern konnte. Und Dejan Janjatovic, weil er hier wieder zu Einsätzen kommt und noch dazu seine Spielfreude wieder gefunden hat. Der Fussball schreibt zuweilen eigenartige Dreh­ bücher. Deshalb würde es kaum verwundern, wenn «Boban» bald auch das Ländle zu Füssen liegt.  l

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Raiffeisen Super League

Gefährlich und bescheiden Auf dem Feld sät Ebenezer Assifuah in den gegnerischen Defensiven immer wieder Panik und überzeugt als Wirbelwind. Daneben scheint der 22-jährige Stürmer aus Ghana aber ein ruhiger Zeitgenosse zu sein. Text: Andy Maschek, Sophie Eyholzer Fotos: Christian Pfander, Martin Meienberger

An diesem Mittwoch scheint im Unterwallis die Sonne. Kaum eine Wolke trübt den blauen Himmel über Martigny, nur in der Ferne, in der Höhe, laden die verschneiten Berge zum Wintersport, dort, wo die Destina­ tionen immer noch zahlreiche Gäste beherbergen und auf weitere warten. Im Tal unten grünt es dagegen, die Temperaturen sind gestiegen, es ist schon fast frühlingshaft warm. «Natürlich mag ich das, weshalb auch nicht?», sagt Ebenezer Assifuah lächelnd. «Aber ich habe mittlerweile auch den Schnee und den Winter gerne.» Am Anfang, als er vor knapp drei Jahren den Weg aus Afrika hierher gemacht habe, sei das natürlich nicht ganz so einfach gewesen. Schnee habe er nicht gekannt, er sei dagegen die Hitze gewöhnt gewesen. «Aber heute habe ich keine Probleme mehr.»

Einst fast wie Pogba

Diese Sätze sind symptomatisch für den Stürmer, irgendwie. Kein negatives Wort geht ihm im Gespräch über die Lippen. Er ist freundlich und zuvorkommend, wirkt bisweilen schüchtern und auch etwas unsicher. Dabei ist er ja einer, der über das Zeug zum Topstar verfügt, wie er schon bewiesen hat. 2013 war das, an der U20-WM in der Türkei, als Paul Pogba als grosser Star gefeiert und mit dem Goldenen Ball als bester Spieler

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des Turniers ausgezeichnet worden war; mittlerweile hat der Franzose den Schritt zum gefeierten Helden gemacht, spielt bei Juventus Turin, ist auf dem internationalen Transfermarkt ein «top shot» – schon über 100 Millionen Franken sollen für seine Dienste geboten worden sein. An jenem Turnier stand auch Ebenezer ­A ssifuah im Rampenlicht. Sechs Tore erzielte er damals auf Ghanas Weg auf Rang 3, wurde damit als bester Torschütze des Turniers mit dem Goldenen Schuh aus­ gezeichnet. Eine grosse Ehre, die natürlich weltweit Beachtung bei Scouts und Klubs fand. Gelandet ist er danach aber bei keinem Top-Klub der internatio­ ­ nalen Fussballwelt. Sondern beim FC Sion, im ­ vergleichsweise beschaulichen Wallis. Weshalb? «Ich wählte Sion, weil es ein ­guter Klub ist. Und ich denke, dass es die beste Wahl war, um den Berg meiner Kar­ riere zu erklimmen», sagt er. «Ich wollte Schritt für Schritt nehmen. Sion hilft mir so, in meiner Karriere weiter zu kommen.» Die ersten drei Jahre in der Schweiz ver­ liefen für ihn aber nicht gänzlich ohne Probleme. In der ersten Saison, die er in der ersten Liga begann, erzielte er in der Raiffeisen Super League schlussendlich beachtliche sieben Tore und realisierte vier Assists. Das zweite Jahr, 2014/2015, ist eher in die Kategorie «Seuche» einzuordnen. Da legten ihn zu Beginn Adduktorenbeschwerden flach, später kam eine Beinverletzung dazu. Tore

gelangen ihm da nicht. «Ich musste pausieren und danach war es nicht einfach, wieder richtig Tritt zu fassen», erklärt der Ghanaer, der auch neben dem Platz von Spielern wie Pa Modou, Xavier Kouassi oder auch Vero Salatic und Reto Ziegler unterstützt wird. «Aber heute kann ich sagen: Ja, ich fühle mich gut, es läuft.»

Das Tor gegen Liverpool

Dies hat er in dieser Saison tatsächlich ­immer wieder gezeigt. Er kämpft, er wirbelt, er trifft. Herausragend ist da sein Treffer in der Europa League beim 1:1 auswärts gegen den Giganten FC Liverpool. Aber, das ist wohl typisch für Assifuah, er will diesen Treffer nicht herausheben, weder vom schönsten, noch vom wichtigsten Moment der Saison oder gar seiner bisherigen Karriere sprechen. Er sagt: «Es war natürlich ein schöner Match für uns alle, nicht nur für mich. Solche Spiele sind für uns alle Geschenke. Ich ­spiele ja nicht alleine, es ist ein Gemeinschaftswerk. Ohne den Pass von Xavier Kouassi hätte ich das Tor nicht erzielen können. Ja, es war ein Spiel, das dem Team, dem ­ganzen Klub und nicht nur mir gut getan

Nationalität: Ghana Position: Sturm Geburtstag: 3. Juli 1993 Grösse: 176 cm Gewicht: 72 kg Vereine: FC Sion, Liberty Prof. Accra


Ebenezer Assifuah

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EBENEZER ASSIFUAH


OFFIZIELLER

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Ebenezer Assifuah «Momentan bin ich nicht bereit für den nächsten Schritt. Aber wenn Sion mich verkaufen will und jemand die geforderte Summe bietet, ist das etwas anderes.» Ebenezer Assifuah über die Zukunft.

hat. Mein Ziel ist es immer, der Mannschaft, dem ganzen Klub zu helfen.» Der Teamgedanke, den er da heraushebt, taucht immer wieder auf. Er setze sich keine explizite Anzahl erzielter Tore als Ziel, auch wenn es natürlich als Stürmer seine Auf­ gabe sei, Treffer zu markieren. «Doch wenn ich sehe, dass meine Position ungünstig ist und mein Mitspieler besser steht, wähle ich den Pass», sagt er, der in seiner Freizeit oft auf YouTube andere Spieler analysiert und deren Tricks dann zu übernehmen versucht. Er betont auch, dass beim Spiel an der ­Anfield Road gegen den FC Liverpool nicht nur sein Tor wichtig war, sondern die ganze Mannschaft, der Trainerstaff, die ihn da ­unterstützten: «Wir hörten die Fans singen, es war eine unglaubliche Stimmung. Ich muss mich bei den Mitspielern und den ­Trainern bedanken, die mir das Vertrauen schenkten. Es war mein erstes Spiel an der Anfield Road, ein spezielles Spiel – und sie alle haben mir sehr geholfen.»

Keine Ausreden

Die Europa League ist nach dem unglück­ lichen Ausscheiden gegen den portugie­ sischen Klub Braga mittlerweile passé, ebenso der Cup, in dem die Walliser den 14. Finaleinzug – und damit den 14. Triumph – gegen den FC Zürich klar verpassten. Assifuah konnte in jenem Spiel ebenso ­ wenig überzeugen wie der Rest seines ­ Teams. Es war irgendwie ein Tag wie die

Pest. «Wir nehmen Match für Match und ­jeden ernst – aber so ist der Fussball, es passt nicht immer alles», meint er. «Klar, wir mussten auf ein paar unserer Schlüssel­ spieler verzichten, aber wir können das nicht als Grund nennen. Jeder unserer ­Spieler gehört zum Team.» Trotz allem, Ebenezer Assifuah kann mit seiner bisherigen Saison zufrieden sein, in der er ­ und der FC Sion nun einen Platz anstreben, der für Ein­ sätze in der Europa ­League berechtigt. Er hat weitere Fortschritte gemacht, sich entwickelt, denn schliesslich ist er mit 22 Jahren ja noch jung

und kein «fertiger» Spieler. Gemäss verschiedenen Quellen läuft sein Vertrag bis 2018, was er aber weder bestätigen noch ­dementieren will. Auch betreffend Traumziele für die Zukunft hält er sich bedeckt und sagt: «England, Deutschland, Spanien, Frankreich, Italien – das würde alles stimmen. Mir geht es nicht darum, wie der Klub heisst, ich wäre einfach zufrieden, einmal in einer solchen Liga zu spielen.» Gleichzeitig hält er aber den Ball wohl­ tuend tief und erklärt: «Im Moment bin ich eigentlich nicht bereit für den nächsten Schritt. Aber wenn Sion mich verkaufen möchte und jemand die geforderte Summe bietet, ist das etwas anderes.» Der FC Sion tut wohl gut daran, den 22-jährigen Spieler nicht so schnell weiterzugeben. Sein Potenzial hat er schon bewiesen, d ­ amals an der U20-WM in der Türkei. Gleichzeitig ist er auch im von Avram Grant trainierten A-Nationalteam der Afrikaner ein Thema. Ein­ladungen hat er schon einige bekommen, zum Einsatz kam er bei den «Grossen» aber noch nicht. Das zeige, dass er weiter hart an sich arbeiten müsse, um gut genug zu ­werden, sagt er. «Der Afrika-Cup 2017 und die WM 2018 sind meine Ziele. Es hängt von meiner Arbeit und meinen ­ Leistungen ab. Ich muss den Ver­ a nt wo r tlich e n zeigen, dass ich bereit bin, mein Heimatland zu repräsentieren.» Wenn ihm das gelingt, dann wird Ebenezer Assifuah nicht nur die Walliser Fans begeistern, sondern auch Präsident Christian Constantin, der sich über einen «Zustupf» in Millionenhöhe freuen könnte. l

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Raiffeisen Super League


Andraz Sporar

Ein Mann für die Zukunft

Als Ende 2015 der Wechsel von Andraz Sporar zum FC Basel bekannt wurde, war das in den Schweizer Medien keine grosse Geschichte. Doch das könnte sich in Zukunft ändern, wenn er nach seiner Fussverletzung und der nötigen Operation wieder voll angreifen kann...

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Raiffeisen Super League

Text: Andy Maschek Fotos: Urs Lindt, Steffen Schmidt, Andy Müller

Slowenen waren für Schweizer Fussballklubs auf höchstem Niveau in der Vergangenheit keine gewichtigen Themen. Genauer gesagt beschäftigte man sich mit solchen Spielern wohl höchstens in der Vorbe­reitung auf Matches auf internationalem Parkett, sonst waren der Informationsstand und die Kenntnis derer Fussballer und Liga generell eher dürftig. Doch in der Winterpause hat der FC Basel mit Andraz Sporar erstmals in seiner Geschichte einen Slowenen verpflichtet. ­ Wer sich im Internet über diesen 22-jährigen Stürmer informiert, gerät schnell ins Staunen, ja auch Schwärmen. Auf YouTube sind Tore von ihm zusammengestellt, die für Zungenschnalzen sorgen, vor allem eine ­Direktabnahme im Spiel von Olimpija Ljubljana gegen Maribor verleitet dazu, gleich mehrmals die Replay-Taste zu drücken. «Ich weiss nicht, was ich sagen soll», sagt Andraz Sporar auf diese Video-Sequenzen an­ gesprochen etwas verlegen. «Danke an Google und YouTube!» Er erwähnt dann, dass es als Stürmer sein Job ist, Tore zu er-

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zielen und dass ihm dies im letzten halben Jahr nicht schlecht gelungen ist. Wobei dies genau genommen eigentlich ein Understatement ist: 17 Meisterschafts­tore erzielte er gemäss Statistik in 18 Spielen. Doch eigentlich habe er diese Marke in 16 Spielen erreicht, relativiert Sporar, in den letzten zwei Spielen sei er mit dem Kopf nicht ganz bei der Sache gewesen.

Angebote auch aus der Bundesliga

Dass dies so war, lag an den Begehrlich­ keiten, die der damals 21-Jährige mit seiner grossen Treffsicherheit geweckt hatte. Klubs aus der Bundesliga, zum Beispiel Ingolstadt und Hannover, hatten ihn auf ­ ­ihrem Radar und buhlten um ihn. Und natürlich der Schweizer Vertreter FC Basel, dem seine Fähigkeiten schon länger aufgefallen waren. Das Rennen machten die Schweizer. Weshalb? «Der Hauptgrund ist, dass der Klub immer um den Titel spielt und in der Champions League oder Europa League vertreten ist», sagt Sporar. «Und der FCB spielt offensiven Fussball – was für mich am wichtigsten ist. Ich denke, hier komme ich zu vielen Chancen und kann mich ­entwickeln.»

Kolportierte drei Millionen Franken soll der FC Basel für den neuen Stürmer nach Ljubljana überwiesen haben. Eine Summe, die in Basel nicht für grosse Schlagzeilen sorgt. Auch wenn sie für einen Stürmer ausge­ geben wird, der eigentlich in die Kategorie «Perspektivspieler» einzuordnen ist. Also ­einer, von dem man nicht per sofort Wunderdinge erwartet, der aber in der Offensive nach dem für den Sommer erwarteten Abgang von Breel Embolo für Schwung ­ ­sorgen soll. Einer, der sich wie der Öster­ reicher Marc Janko gerne im Zentrum bewegt, aber auch auf die Flügel ausweicht. Und der schon bewiesen hat, dass er weiss, wo das Tor steht und wie man das Runde ins Eckige bringt.

In den Fussstapfen des Vaters

Druck mache ihm diese Summe nicht, erklärt Sporar, der so der teuerste slowenische Transfer aus der Heimat wurde. Und dem Klub eine willkommene Summe in die Kasse spülte. Das ist für ihn ein willkommener Nebeneffekt. Schliesslich ist Olimpija Ljubljana «sein» Klub. Hier spielte schon sein Vater Miha in der Innenverteidigung, war Captain und schaffte es, klubintern


Andraz Sporarl den «Legenden-Status» zu erlangen. «Aber natürlich nicht so sehr wie ich», sagt Andraz Sporar dazu lachend. Auch wenn dieser Satz mit einem Augenzwinkern erfolgt, zeigt er doch, dass And­raz Sporar über grosses Selbstvertrauen verfügt, dass die vielen Tore, die er erzielt hatte, ihre positiven Spuren hinterlassen ­haben. Im Gespräch ist er kein Mann der lauten Töne, doch seine Aussagen wirken wohlüberlegt. Was irgendwie auch nicht ­erstaunt. Denn bis zu seinem Abgang aus

«Der Hauptgrund ist, dass der Klub immer um den Titel spielt und in der Champions League oder Europa League vertreten ist.» Andraz Sporar über den Wechsel zu Basel.

Ljubljana war er der Captain des Teams, trotz seiner damals erst 21 Jahre. «Der Coach kam vor der Saison auf mich zu und erklärte, dass ich sein Captain sei», sagt Sporar. «Es war natürlich eine grosse Ehre und ich denke, ich habe diese Verantwortung dann auch wahrgenommen, nicht nur auf dem Platz. Es war eine sehr gute Erfahrung, und wenn ein Team auch erfolgreich spielt, macht es umso mehr Spass.» Erfolgreich ist auch der FCB, und das schon seit Jahren. Doch statt Leithammel zu sein, muss sich Sporar zuerst noch hinten an­ stellen. Embolo und Janko sind in der Basler Offensive fixe Grössen und von den Gegnern gefürchtet. Auch Spieler, die Verantwortung übernehmen, hat der FCB in seinem Kader. Das alles sei für ihn kein Problem, zeigt sich Sporar wohltuend demütig: «Diese Konkurrenz hat auch ihre guten ­ ­Seiten, da muss man besser werden. Zudem kann ich von der grossen Erfahrung vor ­allem von Marc Janko sehr stark profitieren und von ihm lernen.» Dass er das Enga­ gement in Basel nicht als Selbstläufer sieht, zeigte auch die Tatsache, dass Sporar bei Ljubljana auf die letzten drei Spiele vor der Winterpause verzichtete, weil er über Schmerzen klagte und im Hinblick auf den Start in der Schweiz kein Risiko eingehen wollte, wie er sagt. Zu Beginn seines Engagements in Basel hatte ihn eine Entzündung im rechten Fuss immer noch behindert, im Abschlusstrai-

ning vor dem Europa League-Spiel in SaintÉtienne riss diese dann, eine Operation wurde nötig – und so war für Sporar die ­erste Halbsaison beendet, bevor sie richtig begonnen hatte. Es war ein Schicksalsschlag, der in diesem Moment bitter ist – aber keine Auswirkung auf die Zukunft haben sollte. Denn wenn er im Sommer wieder neu angreifen wird, weiss er schon genau, was ihn erwartet. Und bis dann kann er sich noch besser an seinen neuen Arbeit­ geber gewöhnen, von dem er sagt: «Das Team ist grossartig, der FC Basel verfügt über sehr gute Spieler und das spiegelt sich auch in den Resultaten wider.» Der Klub sei sehr gut organisiert, die Infrastruktur super. «Ja, alles ist sehr gut», so Sporar, der auch vom Trainingslager in Marbella, vom schönen Wetter, den Trainings­ bedingungen und dem Hotel schwärmt. Das Niveau in der Schweiz sei natürlich höher als in Slowenien, das Spiel schneller und intensiver, erklärt er auch – um dann das für einen Fussballer und Stürmer notwendige Selbstvertrauen zu demonstrieren: «Aber ich denke, ich werde keine Probleme haben, mich da anzupassen.»

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Andraz Sporar Auch dass er beim FCB das Trikot mit der Nummer 9 trägt, sorgt bei ihm nicht für Kopf- oder Bauchschmerzen. Marco Streller hatte dieses zuletzt getragen. Eine Klub­ legende. Eine Integrationsfigur. Ein Stürmer, den man nicht nur in der Schweiz gekannt hatte. «Marco Streller? Eine Legende im Schweizer Fussball», antwortet denn auch Sporar auf seinen Vorgänger angesprochen. «Es ist natürlich eine spezielle Ehre, seine Nummer zu tragen. Ich habe sie von einer Legende übernommen, also muss ich auch gut spielen. Druck spüre ich deswegen aber nicht», hält Sporar den Ball tief und ­erklärt anschliessend, dass er sich trotz seiner imposanter Bilanz in Slowenien kein Ziel bezüglich Anzahl erzielter Tore gesteckt hat. «Aber klar, wenn die Mannschaft gut spielt und ich gut spiele, ist die Chance grösser, dass ich treffe, dann sind wir oft vor dem gegnerischen Tor und ich komme zu meinen Chancen. Aber ich bin auch zufrieden, wenn ich gut spiele, wir gewinnen und ich kein Tor erziele.»

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Schritt für Schritt

Andraz Sporar weiss, was er will, verfolgt seinen Weg, baut keine Luftschlösser. Auch wenn Slowenien in der Weltrangliste nur die Nummer 59 ist, geht er auch das Thema Nationalteam mit Bedacht an. Er konzentriere sich auf die U21, mit der man Chancen auf die Qualifikation für die EM-Endrunde 2017 habe, sagt er. «Ich mache mir über dieses Thema keine Gedanken. Sollte es mal soweit sein, ist es soweit», sagt er – wohl wissend, dass er in der neuen Saison, wenn die Qualifikation für die WM 2018 beginnt, auch bei der A-Nati ein Thema werden wird.

Dann wird er wohl auch den ersten Titel und die erste Meisterfeier mit dem FC Basel hinter sich haben. Von den Parties im Papa Joe’s hat er schnell gehört, ebenso vom ­legendären Balkon und dem «Barfi». Aber auch hier hält er den Ball tief und sagt in seinem Englisch, das er in der Schule gelernt hat: «It isn’t done until it is done.» Spätestens dann wird er auch sagen, dass es eine gute Entscheidung war, seiner Leidenschaft zu folgen und seinem Vater Miha nachzueifern, der einst bei Ljubljana spielte. Dass es gut war, dass er im Alter von acht Jahren, als er eine fussballerische Pause einlegte und sich dem Tennis widmete, sich doch wieder anders besann und mit Direkt­ abnahmen mit dem grossen statt Volleys mit dem kleinen Ball sorgte. Spätestens dann wird er sich auch daran gewöhnt haben, erstmals in seiner Karriere alleine zu leben, nachdem er in der Region Basel bereits eine eigene Wohnung bezogen hat und seine Freizeit nun mit einem Bekannten aus Slowenien, der nur zehn Minuten von ihm entfernt wohnt, Besuch aus der Heimat, dem Schauen von Filmen oder dem Lesen von Büchern – einem «ganz normalen Leben», wie er selber sagt – verbringt. Schon heute aber kann Andraz Sporar trotz seiner Verletzung sagen, dass es das Schicksal nicht immer schlecht meint. Vor etwas über einem Jahr hatte er nämlich eine ­Offerte aus Graz. Er wollte nach Österreich, aber sein Klub liess ihn nicht gehen. «Heute bin ich glücklich darüber, denn ich bin nun in einem grösseren Klub. Manchmal muss man halt warten, bis das Richtige kommt», sagt Andraz Sporar.  l

Nationalität: Slowenien Position: Sturm Geburtstag: 27. Februar 1994 Grösse: 180 cm Gewicht: 74 kg Vereine: FC Basel 1893, NK Olimpija, NK Interblock

ANDRAZ SPORAR FOOT  55


«Ein Spiel soll Happening sein André Stöckli ist Leiter Sponsoring bei Raiffeisen, Hauptsponsor der Swiss Football League und Titelsponsor der Raiffeisen Super League. Im Interview spricht der Bündner über die Partnerschaft, die 2012 begann und erklärt, welche Ziele erreicht wurden und was besser werden könnte. Text: Andy Maschek Fotos: Steffen Schmidt, zVg

Raiffeisen ist seit 2012 im Spitzenfussball aktiv. Wie sehen Sie dieses Engagement? Grundsätzlich sehr positiv. Am Anfang gab es auf der Seite unserer Banken auch kritische Stimmen und man fragte sich, ob dieses Engagement zu Raiffeisen passt. ­ Mittlerweile sind diese Stimmen praktisch verstummt. Wir haben eine gute Präsenz, Bekanntheit und die Banken nützen diese Plattform aktiv für die Kundenpflege. Ziel der Partnerschaft war, die Attraktivität der Liga zu steigern, mehr Leute in die Stadien zu locken. Wie lautet Ihr Fazit? Das ist eines der Aktivierungsziele, ja. Aber als Sponsor hat man primär noch andere, klassische Ziele wie die Bekanntheit zu steigern, Sympathien zu wecken. Um die ­ Werthaltigkeit der Engagements weiter zu treiben, haben wir uns gefragt: Wie bringen wir noch mehr Leute in die Stadien? Dieses Ziel haben wir noch nicht erreicht, da gibt es Luft nach oben. Wir können aber sagen: Unsere 50-Prozent-Aktion für Sonntags­ spiele läuft sehr gut, da setzen wir pro Jahr

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ein n»

über 30 000 Tickets ab. Wir wissen aus ­Umfragen, dass mehr als die Hälfte Leute sind, die sonst nicht ins Stadion kommen würden. Das trifft auch auf den Family Day zu, da sind es sogar fast 90 Prozent. Welche Feedbacks erhalten Sie? Wir machen natürlich Befragungen und ­erhalten positive Rückmeldungen. Bei der 50-Prozent-Aktion sind es nicht immer dieselben 30 000, welche die Tickets kaufen. Auch bei den Family Days haben wir positive Feedbacks, weil wir ein Sonntags­erlebnis in einem emotionalen Umfeld ermöglichen, bei dem der Match das Sahnehäubchen ist. Die Zuschauerzahlen sind messbar, die ­Attraktivität der Liga ist eine subjektive

André Stöckli, Raiffeisen

«Unsere 50-ProzentAktion für Sonntagsspiele läuft sehr gut, da setzen wir pro Jahr über 30 000 Tickets ab.» André Stöckli über speziellen Sonntagsspiele.

Wahrnehmung. Wie lautet da Ihre Meinung? Wenn wir von Attraktivitätssteigerung sprechen, meinen wir nicht den Sport. Wir als Raiffeisen sind eine Bank und massen uns

nicht an, den Sport zu beurteilen. Aber ich denke, dass die sportliche Attraktivität der Liga schlechter geredet wird, als sie ist. Das ist ein Schweizer Problem, das machen wir ja beispielsweise auch mit unserem ­Tourismus. Aber klar, die Stimmung ist in der Bundesliga anders. Wenn GC vor 3500 Zuschauern im Letzigrund gegen Lugano spielt und der Match nicht so gut ist, wirkt das anders, als wenn Augsburg und Hoffenheim vor 30 000 Zuschauern ein schlechtes Spiel zeigen. Welche Attraktivitätssteigerung meint Raiffeisen? Dass mehr Leute in die Stadien kommen und die Verpackung rund um das Spiel besser wird. Dass die Raiffeisen Super League

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ein attraktives Gesamtprodukt ist. Für uns geht es darum, dass ein Spiel ein tolles ­Erlebnis wird. Ein Spiel soll ein Happening sein. Wenn das Stadion voll ist, dann ist die Stimmung gut und automatisch auch das Erlebnis. Das Bankenwesen ist eigentlich eine eher trockene Materie und Sie können sich mit dem Fussball in einem emotionalen Umfeld präsentieren... Das ist so. Dieses Engagement ist nicht altruistisch. Wir investieren viel Geld ins Fussballsponsoring und wollen natürlich auch einen Gegenwert. Der Fussball bietet enorme Reichweiten, sowohl mit zwei Millionen Besuchern in den Stadien, als auch einer noch grösseren Anzahl zu Hause vor dem Fernseher. Darüber hinaus können wir mit dem Engagement unsere Marke emotionalisieren und erlebbar machen. Und Ihre Dienstleistungs-Angebote transportieren? Alle wissen, dass wir eine grosse Hypothekarbank sind. Aber dass wir auch im An­ lagegeschäft ein kompetenter Partner sind, wissen viele Leute noch nicht. Ein Spon­ soring und eine Plattform mit vielen Leuten kann helfen, solche Botschaften zu ver­ breiten. Mit dem Portal www.welovefootball.ch wird die Möglichkeit geboten, in die Raiffeisenwelt einzutauchen... Wir wollen den Fussball-Fan nicht plump mit einer klassischen Kampagne bewerfen, er solle dieses oder jenes Konto bei uns eröffnen. Wir haben die Zielgruppe Fussball ausgewählt und ver­ suchen, diese mit relevanten, spannenden Inhalten zu versorgen, die man auf anderen Kanälen nicht erhält. Mit dem Hintergrund, auch aufzuzeigen, dass man mit uns günstiger an Fussballspiele kann oder dass man als RaiffeisenMitglied von vielen weiteren Erlebnisvorteile profitieren kann, wie z. B. SkiTageskarten zum halben Preis oder Gratis-Eintritt in fast alle Schweizer Museen. Die Family Days sorgen für grosse Begeisterung.

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FOOT

In der Öffentlichkeit wird oft nur von der Super League gesprochen. Nervt das?


André Stöckli, Raiffeisen Nerven ist das falsche Wort. Wir haben ­logischerweise das Interesse, dass von der Raiffeisen Super League gesprochen wird und gemeinsam mit dem Logo eine Marke entsteht. Wenn man die Champions League-Hymne hört oder die Sterne sieht, denkt man sofort an Fussball. Wir versuchen nun, die Raiffeisen Super League als Marke zu etablieren. Aber es ist uns klar und auch gewollt, dass ein Kommentator nicht immer Raiffeisen Super League sagt. Dann bestünde die Gefahr, dass es penetrant wirkt und sich letztendlich negativ auswirkt. Eine wichtige Schiene ist auch der Breitensport... Dieser Bereich ist für uns sehr wichtig. Die 292 Genossenschaftsbanken von Raiffeisen sind eigenständig und entscheiden lokal selber, wie sie Kultur oder Sport unterstützen, welche Projekte sie machen. Fussball war da schon immer wichtig, weil der Fussballklub meist einer der wichtigsten Vereine eines Dorfs ist, da das soziale Leben

Die Raiffeisen Super League soll als Marke etabliert werden.

stattfindet und ein wichtiges Netzwerk entsteht. Der Breitensport ist unsere Kernbasis und mit dem Engagement im Spitzensport haben wir das Dach darüber gebaut. Raiffeisen ist auch Sponsor von SwissSki. Was ist wichtiger: Schneesport oder Fussball? Beide Plattformen sind für Raiffeisen sehr wichtig. Wir sind ursprünglich vom Länd­ lichen gewachsen, wo der Schneesport sehr gut verankert ist. Jetzt wollen wir in den Städten stärker Fuss fassen. Da soll der Fussball uns helfen,

bekannter zu werden. Dazu kommt die ­zeitliche Ergänzung. Wenn vom Dezember bis im Februar der Schneesport Hochsaison hat, ist im Fussball Winterpause. Der Schneesport spricht eher eine etwas ältere Generation an, der Fussball gesamthaft gesehen eine etwas jüngere, urbanere ­ ­Zielgruppe. Es ist also eine sehr gute, aber nicht ganz günstige Kombination. Die Partnerschaft mit der Swiss Football League wurde 2012 begonnen – wie lange läuft der Vertrag noch? Bis zum Ende der Saison 2016/2017. Das heisst, dass bald die Verhandlungen für eine Verlängerung beginnen. Wie sieht die Tendenz aus? Die Frage der Weiterführung werden wir demnächst intern besprechen und den Entscheidungsgremien Geschäftsleitung und Verwaltungsrat ­vorlegen. l

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Brack.ch Challenge League

Die Schweiz al

StĂŠphane Besle und seine Freundin Ramona.

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Stéphane Besle

ls Sehnsuchtsort Der Franzose Stéphane Besle wechselte einst nur darum in die Schweiz, weil seine Karriere sonst vorzeitig geendet hätte. Nach einem kurzen Abstecher in die ­Heimat ist Besle zurück – als Abwehrchef im FC Aarau. Text: Nicola Berger Fotos: Andy Müller

Marco Schällibaum, 53, sitzt im Trainerbüro des Brügglifeldstadions und findet aus dem Schwärmen nicht mehr heraus. Der Techni­ ker sagt: «Er könnte locker Super League spielen und ist mit seiner Ruhe und Routine für uns ein echter Glücksfall.» Er, das ist Stéphane Besle, 32, prominenter Winter­ ­ zugang im FC Aarau. Und das kam so: Im Sommer war Besle in die Ligue 2 gewech­ selt, zum RC Lens, seinem einstigen Aus­ bildungsverein. Man dachte, das könnte passen: Jenseits der 30 in die Heimat zu­ rückzukehren; den Kreis schliessen. Doch Besle wurde in Nordfrankreich nicht glücklich. Er sah seinen Sohn zu selten, die Schweizer Freundin fühlte sich unwohl und irgendwann, im Spätherbst, verlor er seinen Stammplatz. Er sagt: «Es ging nicht mehr, ich musste weg.» Solche Dinge geschehen im Fussball, meist beauftragt der Spieler dann seinen Agenten mit der Suche nach einem neuen Arbeit­ geber. Besle jedoch arbeitet mit keinem Vermittler mehr zusammen. Er sitzt auf einer Holzbank, verzieht das Gesicht und ­ sagt: «Schlechte Erfahrungen.» Darum geht die Geschichte dieses Wechsels ganz anders, man muss sie fast erzählen, weil es wirkt, als wäre sie aus der Zeit ge­ fallen und deshalb so wunderbar zum FC Aarau passt, diesem Verein mit dem ver­ mutlich schönsten Stadion der Schweiz, dem rustikalen Kleinod Brügglifeld. Liest man über Transfers, im Jahr 2016, dann handeln die Artikel meist von sorgsam sortierten Datenbanken gewiefter Manager, die schon zwei Jahre im Voraus wissen, ­welcher Spieler für welche Position in Frage kommen wird. Bei der Entscheidungsfin­

dung ziehen die Macher dann eine Armada von Scouts bei – um dann doch den anderen Kandidaten auswählen, weil sie einem Bera­ ter noch einen Gefallen schulden.

Das Email an Canepa

So läuft das in diesem schmutzigen Geschäft, nicht immer, aber eben oft. Jetzt: Wie macht man auf sich aufmerksam, wenn man keinen Agenten beschäftigt? Nun, so wie das jeder normale Mensch ausserhalb der Parallelwelt des Profifussballs tun würde: per Telefon und Email. Dem FC Zürich schrieb Besle eine Nachricht, auf die der Präsident Ancillo Ca­ nepa freundlich antwortete, man habe auf der Kontingentsliste leider keinen Platz mehr für einen ausländischen Spieler. Bernt Haas, der Sportchef im FC Vaduz, gab per Telefon abschlägigen Bescheid. Doch Raimondo

Ponte, der kauzige Aarauer Sportchef, biss an; der Wechsel ging auch darum so rasch über die Bühne, weil sich eine dieser raren Win/Win-Situationen ergab: Beim Super-­ League-Absteiger Aarau war nach einer miserablen, auf dem letzten Platz abge­ ­ schlossenen Vorrunde ein Mangel an Füh­ rungsspielern augenfällig geworden, der sich mit der Verpflichtung des Ex-Captains von Xamax und St. Gallen zumindest partiell ­beheben liess. Und für Besle erfüllte sich der Traum von der Rückkehr in die Schweiz, seinem Sehnsuchtsland, über das er sagt: ­ «Ich fühle mich inzwischen mehr als Schwei­ zer denn als Franzose.» In anderthalb Jahren will er den Schweizer Pass beantragen.

Die Empfehlung von Coly

Diese Entwicklung, sie war nicht absehbar gewesen, als Besle 2005 erstmals mit dem Land in Berührung kam. In Lens hatte er den Sprung zum Profi nicht geschafft und wollte seine Karriere bereits desillusioniert been­ den, ehe sich ein Weggefährte an ihn erin­ nerte. Der senegalesische Stürmer Matar Coly, auch er im RC Lens ausgebildet, hatte gerade bei Xamax angeheuert. Als er erfuhr, dass der Trainer Alain Geiger nach einem

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Jedes Jahr werden rund 45 000 Fussballer durch Verletzungen zum Zuschauen gezwungen.

Fussball ist eine der populärsten Sportarten in der Schweiz. Leider verletzen sich jedes Jahr rund 45 000 Menschen dabei – ein ganzes Stadion voll. Bestimmen Sie jetzt Ihr persönliches Risikoprofil und senken Sie so Ihre Verletzungsgefahr: mit dem Fussballtest auf suva.ch.


Stéphane Besle ­Innenverteidiger suchte, empfahl er Besle, der sich nach einem zweiwöchigen Probe­ training für einen Vertrag aufdrängen konn­ te. Pro Monat gabs 3000 Franken, doch schon nach einem halben Jahr besserte der Klub die Bezüge auf.

Das Drama mit Tschagajew

Besle etablierte sich als Stammkraft und war bei den Gegenspielern bald als Provo­ kateur gefürchtet, denn hier ein verdeckter Schlag und dort ein Tritt. Besle war beliebt in Neuenburg, er sagt gar, dass er vermut­ lich noch heute in der Maladière spielen würde, wäre da diese dunkle Episode nicht

«Er könnte locker Super League spielen und ist mit seiner Ruhe und Routine für uns ein echter Glücksfall.» Marco Schällibaum über Stéphane Besle.

gewesen. Die Rede ist von der Ära Bulat Tschagajew, dem tschetschenischen Toten­ gräber, der den Verein 2012 in den Abgrund riss. Besle sagt: «Es war surreal. Er kaufte den Spielern Porsches und liess uns im Beau-Rivage übernachten, bezahlte die Rechnungen aber nie.» Xamax schlitterte in den Konkurs – und ­Besle zog weiter nach St. Gallen. Abermals stieg er zum Captain auf, und wieder war das Ende unschön, wenn diesmal auch aus anderen Gründen. Der Trainer Jeff Saibene

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Nationalität: Frankreich Position: Verteidigung Geburtstag: 23. Januar 1984 Grösse: 188 cm Gewicht: 87 kg Vereine: FC Aarau, RC Lens, FC St. Gallen, FC Metz, Neuchâtel Xamax

STÉPHANE BESLE sortierte Besle aus, worauf dieser die Kommunikation des Technikers kritisierte ­ und ihn im Boulevard als «Schlange» be­ titelte. Heute sagt der Verteidiger: «Dieses Wort hätte ich nicht sagen sollen, aber ich war eben frustriert.» 

Der verhinderte Wechsel nach Luzern

Man kann Besles Ärger verstehen, wenn man die Hintergründe der ­Geschichte kennt. Sie gehen so: Im Sommer 2014 wurde Besle von Alexander Frei kontaktiert, damals noch Sportchef im FC Luzern. Der FCL hätte den Abwehrspieler gerne verpflichtet, die Offerte war lukrativ, doch St. Gallen stellte sich quer, indem der Klub unrealistische Ablöseforde­ rungen stellte – so erzählt Besle es heu­ te. Er sagt: «Sie verlangten zwischen 800 000 und einer Million Franken. Ich wäre gerne nach Luzern gegangen, aber die Summe war absurd. Darum war ich so sauer, dass man mich kurze Zeit später aussortierte. Man stellte mich vor die Wahl: Entweder den Klub wechseln, oder ich würde die Saison mit der U21-Equipe bestreiten müssen. Das war respektlos.» Besle erzählt all das mit Nachdruck in der Stimme, der Groll jedoch ist inzwischen verflogen. Denn er sagt auch: «Ich bin der Überzeugung, dass alles aus einem bestimmten Grund passiert. Und ich kann mich glücklich schätzen, nun in ­Aarau gelandet zu sein.» Besle verzichtete dafür auf Geld, unter­ schrieb für anderthalb Jahre, und sagt nun: «Man sollte Aarau nicht unterschät­ zen, dieser Verein hat Potenzial.» In dieser Spielzeit wird sich der FCA da­ mit begnügen müssen, den Abstieg ab­ zuwenden – zu weit ist die Konkurrenz enteilt. Mittelfristig jedoch will der Klub in die Beletage des Schweizer Fussballs zu­ rück. Gelingt das Unterfangen, die Pro­ phezeiung des Trainers Schällibaum, sie könnte sich dann doch noch erfüllen: Dass sein Abwehrchef in der Super ­League «locker» mithalten würde.  l

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Was macht eigentlich…

Höhenluft stat Als Spieler feierte Martin Andermatt (54) mit GC drei Cupsiege in Serie und einen Meistertitel. Als Trainer ­arbeitete er in der Schweiz, Deutschland und in Liechtenstein. Zuletzt war es ruhig um ihn, bis er am 12. März einen Höhenflug erlebte...

Text: Andy Maschek Fotos: Urs Bucher, zVg

An jenem Samstag trat die Schweizer Bergdorf-Nati im Hinblick auf die Bergdorf-EM, die vom 2. bis 5. Juni im französischen Morzine stattfindet, in Saas-Fe, Mittelallalin, auf 3500 Meter über Meer, gegen Italien zu einem Länderspiel an. Andermatt war als Coach der Schweizer dabei und erlebte in der Höhenluft einen 3:0-Sieg seines Teams mit. Da war er also endlich wieder, der Fussball, von dem Andermatt sagt, dass er sein Leben ist. Martin Andermatt hat früh mit «seinem» Sport begonnen, der Weg führte stetig ­aufwärts. Mit 16 Jahren erlitt er dann aber einen Beinbruch und stellte sich die Frage: Fussball oder Schule? «Doch dann habe ich gesehen, dass auch beides zusammen geht», sagt er lachend, um dann anzu­fügen: «Ich habe dann das Lehrerseminar ab­ geschlossen. Für den Weg, den ich später einschlagen konnte, war diese Ausbildung sicher ein grosser Vorteil.» Als Fussballer setzte er zuerst auf Stabilität und machte Schritt für Schritt. Er lancierte seine Karriere beim SC Zug, wechselte zu Wettingen in die NLB und stieg mit den Aargauern in die NLA auf. Danach ­kamen zwei Jahre beim FC Basel, ehe der Lockruf aus Zürich, von GC, und die erfolgreichste Zeit folgten: drei Cupsiege und ein Meistertitel fanden in seinem Palmarès Eintrag, dazu kamen elf A-Länderspiele. «Ich konnte verschiedene Positionen spielen, was heute mit den verschiedenen Systemen und Systemwechseln der Trainer ein Vorteil wäre. ­Damals war das nicht unbedingt so, speziell für das Nationalteam, bei dem Spezialisten gesucht waren», so Andermatt.

Sanfter Wechsel ins Trainermetier

Nach GC liess er seine Karriere in Wettingen und Emmenbrücke ausklingen, wo er als Spielertrainer nahtlos ins Trainerbusiness wechselte. Auch hier zeichnete ihn wieder eine Eigenschaft aus, die ihn bereits in den früheren Jahren begleitet hatte: die seriöse Arbeit, das Achten auf Qualität.

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Martin Andermatt

tt Top-Niveau

Schon als Spieler hatte er das B-Diplom absolviert und sich für die Arbeit seiner ­ Vorgesetzten interessiert. «Ich habe für ­ mich alle Trainings in einem Trainingslager mit Ottmar Hitzfeld aufgeschrieben und besitze diese Unterlagen immer noch», sagt er. Der Wechsel ins Trainermetier erfolgte so also sanft, ehe er 1995 beim FC Winterthur seinen ersten Job im Profi-Bereich antrat. Und dann ging es aufwärts. Als 1999 beim SSV Ulm Ralf Rangnick zurücktrat, wechselte Andermatt, in die zweite Bundesliga, übernahm den Klub an siebter Stelle – und führte ihn in die fussballerische Beletage unseres Nachbarlandes. Ja, die Zeit in Deutschland sei speziell und schön gewesen, erinnert er sich. «Trotz des bitteren Abschlusses, als uns ein Tor respektive ein Punkt für den Ligaerhalt fehlte. Wir hatten 34 Punkte, da würde man heute oben

bleiben.» Die nächste Station war Eintracht Frankfurt, wo er zehn Monate damit beschäftigt war, Strukturen zu schaffen, damit man wieder mit der «richtigen» Arbeit ­beginnen konnte. «Doch die Erwartungshaltung in Frankfurt war grösser, da wollte man sofort wieder aufsteigen, was aber erst zwei Jahre später gelang.»

Historisches Remis im Ländle

Das wars dann also, mit der Bundesliga. Zurück in der Schweiz, übernahm er in Wil, wo er eine Mannschaft formen und junge Spieler begleiten konnte, deren Namen man heute noch kennt, beispielsweise Davide Callà oder Daniel Lopar. Doch es waren auch die turbulenten Zeiten mit den Ukrainern um Präsident Igor Belanow an der Spitze, ja, ein Kampf sei es gewesen, meint Andermatt, der anschliessend weiter gegen Osten

zog und in Vaduz landete, wo er den Klub und gleichzeitig die liechtensteinische Nati übernahm und am 9. Oktober 2004 einen sensationellen Erfolg feierte: ein 2:2 daheim gegen Portugal in der WM-Qualifikation. Bemerkenswert waren aber auch das 1:2 im Rückspiel in Portugal, das 1:2 daheim gegen Russland oder das 0:0 gegen die zweitplatzierten Slowaken. Diese Resultate blieben, natürlich, auch in der Schweiz nicht unerkannt und so erfolgte der Wechsel zu den Young Boys, die damals wie heute nach einem Titel lechzten. Fast wäre es damals auch gelungen. In seinem zweiten Jahr, 2008, schafften es die Berner nach einer Aufholjagd in die Finalissima gegen den FCB – die sie aber auswärts mit 0:2 verloren. «Und in der neuen Saison durfte ich dann nach drei Spielen gehen», so Andermatt.

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Bergdorf-EM Es war bis heute die letzte richtig namhafte Station im Curriculum Vitae des Trainers, der danach noch in Aarau tätig war, bei Bellinzona den Konkurs hautnah miterleben musste und bis im Sommer 2015 Trainer, Sportchef und Verwaltungsrat beim Erst­ ligisten Zug 94 war, der den Aufstieg in die Challenge League anstrebte. Vor allem die Zeit in Bellinzona sei schwierig gewesen, sagt Andermatt, aber auch vielfältig. «Ich habe Spieler im Konkurs begleitet, ich habe ihnen manchmal Nachtessen bezahlt, oder Löhne, damit sie ihre Wohnungen finanzieren konnten», erklärt er. Diese Zeit habe ihn extrem geprägt, auch für die heutige Zeit, für das Führen von Leuten in einer schwierigen Phase. Nachdem er im Tessin nicht mehr arbeiten konnte, wollte er es dann auch später in der Zentralschweiz nicht mehr. Seine Erklärung: «In Zug konnte ich all das, was ich in den Jahren zuvor gemacht hatte als Trainer und Sportchef, Begleiter des Staffs, von 400 ­Jugendlichen und 40 Trainern anwenden. Es war die ganze Palette. Doch am Ende liess es sich in der Professionalität nicht mehr vereinbaren.» Er habe Verständnis, dass man im Amateurbereich Abstriche macht, aber irgendwo stehe man an und könne keine Fortschritte mehr machen.

«Ein soziales Engagement»

Fehlende Professionalität in der 1. Liga, dieses Argument erscheint verständlich. Aber nun das Engagement bei der Bergdorf-Nationalmannschaft, die das Niveau eines Fünftligisten aufweist? Das entbehrt jeglicher Logik, zumindest auf den ersten Blick und bevor Martin Andermatt seine Erklärung liefert: «Es sind ja nur zwei Einsätze, zuerst in Saas-Fee und dann in Morzine. Es ist für mich ein soziales Engagement, wie ich es ­früher schon im Sudan, in Nigeria, Burundi oder Kosovo hatte.» Er kenne den Denker

und Lenker der Bergdorf-EM, den Walliser Fabian Furrer, schon lange, zudem sei er ja nicht Trainer, sondern begleitender Coach des Trainers. «Ich finde es eine spannende Sache und schaue, ob man auch wissenschaftliche Aspekte einbringen kann. Ich möchte beispielsweise mit der Firma Polar schauen, wie der Körper in der Höhe reagiert.» So ist es also auch ein Engagement aus Spass an der Freude, bei welchem er Trainingspläne mitgestaltet oder mithilft, ­ allfällige Probleme zu lösen. Gleichzeitig ist er auch als Referent unterwegs, spricht über Führung und Umsetzung, Parallelen zwischen Sport und Wirtschaft und besucht selber Schulungen und Führungsseminare. Das Ziel ist dennoch klar: eine Rückkehr in den Spitzenfussball. «Ich weiss, dass es in der Schweiz nicht so einfach ist. Die Posten sind oft besetzt», so Andermatt. «Aber ich

habe die ganze Palette, alle Funktionen ­gemacht und bin vorbereitet auf das, was kommt.» Der 54-Jährige ist überzeugt, dass die Begleitung von Leuten neben dem Platz einen immer grösser werdenden Stellenwert erhält. Oder die Überführung von jungen Spielern in den Spitzensport. Denn Andermatt erklärt: «Heute muss man die Bedürfnisse der Leute besser erkennen. Wenn ­einer sagt, er wolle in den nächsten zwei Jahren in die Bundesliga, dann aber zu spät ins Training kommt oder die Sprints immer wieder zu früh abbricht, braucht es ein klärendes Gespräch. So gesehen begleitet man heute die Leute vielfach in ihren Bedürfnissen.» Es brauche den Innenantrieb, die Selbstmotivation – und natürlich ein gesundes Fundament, eine Basis, die bei ihm ganz einfach sei: «Bitte, Grüezi, Danke und Auf Wiedersehen.»  l

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Bundesliga

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Fabian Schär

Der Transfer kam nicht zu früh» Der Nationalspieler Fabian Schär (24) wechselte als Verteidiger im vergangenen Sommer vom FC Basel zu Hoffenheim in die Bundesliga. Er erlebte in Deutschland mehrere Premieren: zum ersten Mal auf Klubebene nicht Stammspieler, im Abstiegskampf und drei Trainer in der gleichen Saison. Im Interview äussert er sich über seinen Wechsel, Krisenmomente und den jüngsten Trainer der Bundesliga-Geschichte. Text: Peter Eggenberger Fotos: Thorsten Wagner/Witters/freshfocus, Cathriene Ivill/AMA/freshfocus, Andreas Meier

Fabian Schär, am 21. Spieltag wurde Julian Nagelsmann bereits Ihr dritter Coach in der laufenden Spielzeit… Das ist sehr speziell. In Basel machte ich auch einige Trainerwechsel mit, aber nicht in dieser Kadenz. Unter dem ersten Coach Markus Gisdol spielte ich zuerst, dann war ich im Zeitpunkt seiner Entlassung Ersatz. Unter seinem Nachfolger Huub Stevens war ich zuerst Ersatz, dann stand ich in der Startformation, und im Zeitpunkt seines Rücktritts war ich wieder nur Ersatz. Unter Julian Nagelsmann gehörte ich von Anfang an zu den ersten Elf. Es war ein Auf und Ab. Der Wechsel von Stevens zu Nagelsmann kam mir entgegen, auch wenn die Umstände des Abgangs von Stevens aus gesundheitlichen Gründen nicht angenehm waren. Sie waren davor beim FC Basel Stammspieler gewesen. Wie gingen Sie mit der ungewohnten Rolle als Ersatzspieler um?

Es lief nicht ganz so, wie ich mir das vor der Saison vorgestellt hatte. Ich kam nach Hoffenheim mit dem Ziel, meine Spiele zu absolvieren und mich weiterzuentwickeln. Die Mannschaft und ich selber kamen in schwierige Phasen mit sportlichem Misserfolg. Die Ersatzbank gefiel mir überhaupt nicht. Ich musste lernen, damit umzugehen. Das erste halbe Jahr in der Bundesliga war für mich sehr anspruchsvoll. Ich bin froh, dass ich unter Nagelsmann den Sprung zum Stammspieler wieder schaffte und mit dem Team attraktiveren und erfolgreicheren Fussball zeigen konnte. Zweifelten Sie während der Zeiten als Ersatzspieler an sich und Ihren Leistungen? Es wäre in jenen Momenten falsch gewesen, alles infrage zu stellen. Mir war bewusst, dass der Schritt in die Bundesliga mit ihrem sehr hohen Niveau nicht einfach sein würde. Das Wichtigste ist in solchen Phasen, nicht aufzugeben. Ich achtete darauf, positiv zu bleiben und an meine Chance zu glauben, im Training nicht nachzulassen. Weil es der Mannschaft nicht lief, war klar, dass die ­Trainer mit Umstellungen zu besseren Re-

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Bundesliga sultaten zu kommen versuchten. Das traf mich auch. Das war legitim. Zudem spielte ich zu Beginn der Vorrunde nicht meinen besten Fussball. Kam der Wechsel in die Bundesliga zu früh? Ich war drei Jahre Stammspieler in Basel, hatte alles erlebt mit Meistertiteln und Champions League. Ich brauchte die neue Herausforderung, musste die Chance in der Bundesliga packen. Der Wechsel kam sicher nicht zu früh. War der Sprung von der Super League in die Bundesliga grösser, als ­ Sie vermutet hatten? Wir hatten in Basel ein hohes Niveau. Ich kam in vielen internationalen Spielen mit Basel und der Nationalmannschaft zum Einsatz und wusste, was mich in ­dieser extrem harten Topliga erwartete. Ich war dennoch gezwungen, mich zu Beginn an die neuen Verhältnisse zu gewöhnen. Das war normal. Ich musste back to the roots, was mich als Spieler und als Mensch weiterbrachte. Ich lernte in den schwierigen Phasen viel. Nun bin ich

angekommen. Ich muss und kann aber ­weitere Fortschritte machen. Wo sehen Sie Potenzial? Ich werde an meiner Athletik arbeiten, ­meiner Schnelligkeit, meiner Beweglichkeit. Gemäss den Statistiken zur Vorrunde im Magazin «SportBild» hatten Sie mit einer Laufstrecke von 9,5 km pro 90 Minuten und 10 Sprints pro 90 Minuten die tiefsten Werte aller Hoffenheimer Feldspieler. Überrascht Sie das? Überhaupt nicht. Ich sehe diese Werte nicht negativ. Es gibt Positionen im Team, die

«Wir hatten in Basel ein hohes Niveau. Ich kam in vielen internationalen Spielen mit Basel und der Nationalmannschaft zum Einsatz und wusste, was mich in dieser extrem harten Topliga erwartete.» Fabian Schär über seinen Wechsel in die Bundesliga.

laufintensiver sind oder wo man mehr Sprints anziehen kann. Solche Vergleiche hinken deshalb. Julian Nagelsmann ist mit 28 Jahren der jüngste Trainer der Bundesliga-Geschichte. Wie erleben Sie ihn? Er bringt frischen Wind in die Mannschaft, hat Ideen, ist taktisch versiert. Wir sind ­unter ihm sehr flexibel geworden. Er ist ein guter Motivator, findet die richtigen Worte. Wegen seines Alters weiss er, wie wir ticken. Es stimmt zuversichtlich, dass wir unter Nagelsmann zu mehr Siegen gekommen ­ sind als unter seinen beiden Vorgängern, mit denen wir nur je einen Match gewinnen konnten. Wir haben uns unter ihm deutlich verbessert. Das gibt Hoffnung im Abstiegskampf. Die 1:5-Niederlage in Stuttgart ­müssen wir einfach abhaken und nach vorne schauen. Auch der Abstiegskampf ist eine neue ­Situation für Sie … Ich bin erst 24. Da gehört es dazu, dass ich noch nicht alles kennengelernt habe. Der FC Basel kämpfte um den Meistertitel, nicht gegen den Abstieg. Ich hätte allerdings ­ nicht erwartet, dass ich in meinem ersten

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Fabian Redaktionell Schär Jahr in Hoffenheim gleich so weit unten in der Tabelle spielen würde. Ich hatte das ­Gefühl, in einen Klub mit viel Potenzial zu wechseln. Und tatsächlich erkenne ich die Qualität für höhere Tabellenregionen, aber nun geht es darum, die richtige Mentalität zu zeigen. Welches ist der wichtigste Unterschied zwischen der Bundesliga und der Super League? Mit Basel waren wir in fast jedem Spiel der Favorit. Da war so viel Qualität in der Mannschaft, dass wir allfällige Defizite aus­ gleichen und fast immer gewinnen konnten. In der Bundesliga muss jeder Spieler in jedem Match über sich hinauswachsen, ­ ­damit ein Sieg möglich ist.

hälfte. Beim Verteidigen muss ich zulegen. Trotzdem versuche ich, mein Spiel mit konstruktivem, öffnendem Pass nach vorne und

Vorrücken in den gegnerischen Strafraum zum Kopfball bei Standardsituationen ­weiterhin zu pflegen. Diese Stärken zeich-

FABIAN SCHÄR

Könnte der FC Basel in der Bundesliga mithalten? Auf jeden Fall. Der Schweizer Fussball hat sich allgemein sehr gut entwickelt. Das sehen wir an den Resultaten der Nationalmannschaft, aber auch bei der Arbeit im Nachwuchs. Der FC Basel könnte im Mittelfeld der Bundesliga mithalten.

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Wie haben Sie Ihr Spiel als Verteidiger anpassen müssen? In Basel konnten sich die ­Verteidiger oft in die Offensive einschalten. In Hoffenheim muss ich mich defen­ siver orientieren, bestreite mehr Zweikämpfe, spiele tiefer in der eigenen Platz-

Nationalität: Schweiz Position: Verteidigung Geburtstag: 20. Dezember 1991 Grösse: 186 cm Gewicht: 84 kg Vereine: TSG 1899 Hoffenheim, FC Basel 1893, FC Wil

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Welche Teams standen sich im Eröffnungsspiel an der Bergdorf-EM 2008 gegenüber? A: Österreich - Italien B: Schweiz - Deutschland C: Frankreich – Österreich Lösungswort bis Montag, 09. Mai 2016 per E-Mail mit Vermerk «Continental» an: info@footmagazin.ch FOOT


Fabian Schär nen mich aus und haben mich in die Bundesliga gebracht. Bangten Sie in den Zeiten, als Sie nur ­Ersatz waren, um Ihren Platz in der Nationalmannschaft? Im Hinterkopf war dies immer präsent. Ich will unbedingt an der Euro in Frankreich ­dabei sein. Wer in seinem Klub nicht spielt, dürfte es sehr schwer haben, ins Aufgebot zu kommen. In den Phasen, in denen ich nur Ersatz war, machte ich mir schon meine Gedanken «Was ist, wenn ich die Euro ­ verpasse?». Ich habe schliesslich meinen ­ Beitrag zur Qualifikation geleistet. Ich will für die Euro noch besser in Form kommen. Es half mir, dass mich der Nationaltrainer Vladimir Petkovic auch für Zusammenzüge aufbot, als ich in Hoffenheim nur Ersatz war. Da spürte ich sein Vertrauen, das war enorm wichtig. Wie beurteilen Sie die Aussichten an der Euro mit Rumänien, Albanien und Frankreich als Gruppengegnern?

«Es half mir, dass mich ­ ationaltrainer Vladimir N Petkovic auch für Zusammenzüge aufbot, als ich in Hoffenheim nur Ersatz war.» Fabian Schär spürt das Vertrauen des Nati-Trainers.

Das wird schwierig. Gastgeber Frankreich spielt einen sehr guten Fussball und will sich zu Hause den Fans besonders erfolgreich zeigen. Das Duell gegen Albanien ist wegen der Spieler aus der Schweiz, die im dortigen Nationalteam stehen, brisant. Da könnte es schon hitzig zu und her gehen, solche Emotionen gehören dazu. Und Rumänien ist ein gefährlicher Aussenseiter. Wie ist Vladimir Petkovic im Vergleich mit seinem Vorgänger Ottmar Hitzfeld?

Er sucht den engen Kontakt zu den Spielern. Er wünscht, dass wir ihm per SMS mitteilen, wie es uns geht. Er ist viel unterwegs, ­besucht uns Spieler im Ausland. Unter ihm ver­suchen wir, sehr flexibel und offensiv zu spielen, meist mit drei Stürmern. Es kommt mir entgegen, dass wir in der Nationalmannschaft von hinten heraus das Spiel kreativ aufbauen sollen. Sie haben in Ihrer kurzen Karriere bereits drei Meistertitel mit dem FC Basel, die Teilnahme an den Olympischen Spielen in London und die Weltmeisterschaft in ­Brasilien erlebt. Welche Ziele haben Sie noch? Ich habe mir nicht viele Ziele für die Zukunft gesetzt. Ich gehe Schritt für Schritt. Der Schritt zu ­ Hoffenheim war richtig, auch wenn viele ihn kritisch betrachteten. Ich habe bei der TSG 1899 Hoffenheim einen Vierjahresvertrag unterschrieben. Ich ­schliesse nicht aus, dass ich in meiner Profikarriere noch andere Länder kennenlernen möchte.  l

Fabian Schär (hier im Duell mit dem Engländer Raheem Steerling) will mit der Schweiz die EM in Frankreich bestreiten.

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Frauen-Nationalteam

Olympia 2016 ohne Schweizerinnen Es war der Traum der Schweizer Frauen-Nati, sich im letzten Moment ein Ticket fürs Olympia-Turnier in Rio zu sichern. Doch es gelang Martina Voss-Tecklenburg und ihrem Team in Holland leider nicht. Fotos: (Angelo Blankespoor/Orange Pictures/freshfocus)

Statt des für die Olympia-Qualifikation geforderten Gewinn dieses Turniers, an dem neben der Schweiz Gastgeber Niederlande, Schweden und Norwegen teilnahmen, reichte es «nur» zu Rang 3. Es war aber k­ eine ­klare Entscheidung, nicht viel hatte gefehlt, und die Schweizerinnen wären nicht nach zwei Spielen aus dem Rennen gewesen. Das Auftaktspiel gegen die Niederlande ging 3:4 verloren, weil die Schweizerinnen in der zweiten Hälfte ein paar schwarze ­Minuten erwischten, in denen die Holländerinnen in einem Zwischenspurt drei Tore zur 4:1-Führung erzielten. Rahel Kiwic und Ramona Bachmann schafften zwar den ­ ­Anschluss, doch zu mehr reichte es nicht. Wie nahe Frust und Lust beisammen liegen, zeigte sich vier Minuten vor Schluss, als Eseosa Aigbogun mit einem Lob an die ­Latte knapp den Ausgleich verpasste. Um die Olympia-Chancen intakt zu halten, hätte die Schweiz dann gegen Schweden gewinnen müssen – verlor aber mit 0:1. ­Diese Niederlage, die durch ein Gegentor unmittelbar vor der Pause besiegelt wurde, war wenig zwingend. Der Treffer fiel in einer Phase, in der die Schweiz das G ­ eschehen immer besser in den Griff zu bekommen schien. «Schade, dass wir kurz vor der Pause das Tor kassieren», sagte Martina VossTecklenburg enttäuscht. «Mein Team hat

«Man muss betonen, dass Bereitschaft, Engagement und Leidenschaft enorm gross sind in diesem Team.» Nationaltrainerin Martina Voss-Tecklenburg über ihre Mannschaft.

danach alles versucht, wir hatten unsere Torchancen, aber der letzte Pass kam zu ­selten an.» Immerhin gab es zum TurnierAbschluss noch ein 2:1 gegen Norwegen, so dass es den Schweizerinnen in der Endabrechnung für Rang 3 reichte. Nach Rio fahren aber die Schwedinnen. Die erhoffte Olympia-Qualifikation wurde also verpasst. Dennoch musste Trainerin Voss-Tecklenburg kein vernichtendes Fazit ziehen. «Auch wenn die Resultate enttäuschend sind: Wir haben in Holland wie schon an der WM immer mitgehalten. Wir hatten Phasen, in denen wir schlechter waren, aber auch Phasen, in denen wir besser waren als

der Gegner», sagte die Deutsche. «Ins­ gesamt müssen wir in unseren Leistungen sicher konstanter werden. Man muss auch betonen, dass Bereitschaft, Engagement und Leidenschaft enorm gross sind in diesem Team. Das zeigen wir immer wieder, manchmal sogar in übertriebener Art und Weise. Etwa wenn wir Energie sparen sollten, die uns am Ende auch mal fehlen kann.» Insgesamt müsse es die Schweiz schaffen, gegen Teams aus den Top 15 der Welt effektiver, ruhiger, abgeklärter, aber vor ­ ­allem auch mutiger zu werden. «Wir haben in unseren Spielen immer wieder Phasen, in denen uns der Mut abhanden kommt.» l

Die Schwedinnen jubeln über das 1:0, das zum Sieg reicht.

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Seine Herkunft

James Richard Vardy kam am 11. Januar 1987 in der englischen Grossstadt Sheffield (600 000 Einwohner) zur Welt, bis 2003 spielte der Stürmer in der hiesigen Jugendakademie von Sheffield Wednesday. Seinen biologischen Vater ­hatte Vardy lange Zeit nicht gekannt, schliesslich verliess dieser Vardys Mutter, als der Stürmer noch ein Kleinkind war. Erst als sich Jamie Vardy in der Premier League zur Tormaschine ent­ wickelte, meldete sich der Arbeiter Richard Gill bei einer englischen Zeitung: «Bis vor wenigen Tagen hatte ich nie von Jamie Vardy gehört, ­geschweige denn geahnt, dass er mein Sohn sein könnte.» Der steile Aufstieg des Stürmers ging wohl auch seinem Erzeuger zu schnell.

Der steile Aufstieg Vardy war 22-jährig, als er sich 2003 dem en­ glischen Achtligisten (!) Stocksbridge Park Steels anschloss. Daneben war er Schichtarbeiter in einer Fabrik für Fussprothesen. Vom professionellen Fussball war er damals meilenweit entfernt, und das blieb vorerst auch so, als er sich 2010 dem FC Halifax Town aus der Northern Premier League (7. Liga) anschloss. Doch gleich in seinem Debütjahr machte er Halifax mit 27 Toren zum Meister. Diese Leistung hatte Begehrlichkeiten geweckt und so wechselte Vardy 2011 zum Fünftligisten Fleetwood Town. Auch mit dieser Mannschaft gewann der Stürmer die Meisterschaft und seine 31 Tore ermöglichten ihm einen Vertrag bei Leicester City, damals noch in der zweitklassigen Championship.

Wodka und Koks Die englischen Fans stehen für Kreativität, wenn es darum geht, Stimmung zu erzeugen. Ihre Gesänge sind dabei legendär. So haben sie auch ihrem working class hero einen Chorus gewidmet: «Jamie Vardy’s having a party, bring your vodka and your charlie.» Das Wort «charlie» ist dabei eine Anspielung auf Kokain – ob dieser kreative Vers jedoch einen wahren Hintergrund hat, ist nicht überliefert.

Jamie Vardy

Nationalität: England Position: Sturm Geburtstag: 11. Januar 1987 Grösse: 178 cm Gewicht: 76 kg Vereine: Leicester City, Fleetwoo d Town, Halifax Town, Stocksbr idge

Jamie Vardy (Leicester City) unt


ter der Lupe

Leicesters Überflieger

Eine anfängliche Skep sis war nicht überraschend, schliesslich üb ersprang Jamie Vardy einige Ligen, bevor er in der Saison 2012/2013 für Leicester City auf To rejagd ging. Wie Vardy wuchs aber auch desse n Arbeitgeber: Leicester gehört heute dem sch werreichen thailändischen Investor Vichai Sri vaddhanaprabha. Der Spieler selbst wusste ind es auch im Profifussball zu überzeugen, in der Saison 2013/2014 steuerte er 16 Tore zum Aufstieg in die Premier League bei. Das Ende der Fahnenstange wa r das aber noch lange nicht. In der aktuellen Saison führt Vardy die ­ Torschützenliste an (19 Tore bis zum Redakti onsschluss) – mit dem Tor zum 1:0 gegen Manchester United am 28. November 2015 bra ch er einen Jahre alten Rekord: Er hatte im elf ten Meisterschaftsspiel in Folge getroffen.

Tore trotz Fussfessel

Es war im Sommer 20 07, als Fabrikarbeiter Vardy nach einer Kneip entour in Schwierig­ keiten geriet. Als ein Fre und von ihm, der ein Hörgerät trägt, angepö belt wurde, ging Vardy dazwischen und wurde später wegen Körperverletzung verurteilt. Fü r ein halbes Jahr musste Jamie Vardy eine Fu ssfessel tragen, was ihn aber nicht davon ab hielt, Tore zu erzielen . Der Stürmer sah in ihr sogar etwas Positives. «Mein Knöchel war da durch zusätzlich geschützt», sagte er mi t einem Schmunzeln. ­Weniger entgegenkom mend war die mit de r Strafe einhergehende Ausgangssperre von 18 Uhr bis 6 Uhr morge ns. «Nach Spielen musste ich manchmal nach Hause sprinten, um meine Bewährungsau ­ flagen nicht zu verle tzen», erinnert sich Vardy ..

Transfergerüchte

Die Geschichte des Au fstiegs von Jamie Vardy , der mittlerweile auch schon mehrmals in de r englischen Nationalm annschaft zum Einsat z kam, ist eigentlich sch on erstaunlich genug. Doch nach dem Höhe nflug von Leicester Cit y scheint für Vardy der Himmel die Grenze de s Machbaren zu sein. Do ch auch Vardy staunte nicht schlecht, als ma n ihn kürzlich mit Real Madrid in Verbindun g brachte. Er sagte: «Real? Echt jetzt? Ich denke, das ist alles nu r Spekulation. Ich bin seh r glücklich in Leicester und hoffe, dass unser La uf noch lange anhält.»


Impressum Das Fussball-Magazin der Schweiz

91. Minute

Der nächste Walliser

6. Jahrgang, 2015 / 2016

Redaktionsschluss dieser Ausgabe: 14. März 2016 Herausgeber: IMS Sport AG FOOT-Magazin: IMS Sport AG Gartenstadtstrasse 17, Postfach 603 3098 Köniz Telefon: 031 978 20 20 Telefax: 031 978 20 25 ims@ims-sport.ch Verlagsleitung: Michel Bongard Telefon: 031 978 20 31 michel.bongard@ims-sport.ch Anzeigenleitung: Fabian Furrer Telefon: 031 978 20 35 fabian.furrer@ims-sport.ch Publizistischer Leiter: Andy Maschek Telefon: 031 978 20 55 andy.maschek@ims-sport.ch Textmitarbeiter: Dominic Ledergerber, Nicola Berger, Matthias Müller, Peter Eggenberger Sophie Eyholzer Fotos: freshfocus, zVg. Vorstufe: IMS Sport AG Gartenstadtstrasse 17, 3098 Köniz Layout/Litho: Ralf Küffer, Roger Depping Druck: Stämpfli AG Wölflistrasse 1, Postfach 8326 CH-3001 Bern Telefon: 031 300 66 66 © Wiedergabe von Artikeln und Bildern, auch auszugsweise oder in Ausschnitten, nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Verlages. Für unverlangte Zusendungen wird von der Redaktion und dem Verlag jede Haftung abgelehnt. Auflage: ø 18 000 Exemplare, bei zusätz­ lichen saisonalen Mehrauflagen 25 000 Exemplare Abonnement: CHF 65.– Abonnementspreis Inland CHF 85.– Abonnementspreis Ausland Schnupperabo (3 Ausgaben, Inland)CHF 15.– 9 Ausgaben pro Kalenderjahr Abonnementsbestellungen /  Adressänderungen: FOOT (ehemals EuroSoccer), Industriestrasse 37, 3178 Bösingen Telefon: 031 740 97 99 Telefax: 031 740 97 76 abo@footmagazin.ch Einzelverkauf: FOOT ist an über 1000 Verkaufsstellen für CHF 7.50 erhältlich.

Am 26. Februar begann für die FIFA eine neue Ära – die wiederum durch die Schweiz, durchs Wallis geprägt wird. Nach Jahren ­unter der Leitung von Joseph S. Blatter und einem turbulenten Ende ist nun Gianni Infantino Präsident. Mit 115 Stimmen übertraf der 45 Jahre alte Infantino im Zürcher Hallenstadion im zweiten Wahlgang das absolute mehr und gab seinem wie erwartet grössten Konkurrenten Scheich Salman al-Khalifa (88 Stimmen), der eigentlich als Favorit gehandelt worden war, das Nachsehen. Emotionen, viele Emotionen habe er in diesem Moment gespürt, erklärte Infantino später, auch seine Angehörigen hätten in jenem Moment starke Gefühle gezeigt. Ein Briger folgt auf einen Visper als weltweit mächtigster Mann im Fussball. «Für das Oberwallis scheint es normal zu werden, den höchsten Fussballfunktionär zu stellen», meinte Infantino schmunzelnd. Und Vor­ gänger Blatter erklärte: «Die Ansprüche sind nach der Verabschiedung des Reformpakets hoch. Denn die Umsetzung der Neuerungen ist eine grosse Herausforderung. Ich bin aber überzeugt, dass mein Nachfolger dieser ge-

wachsen ist.» Mit seiner Erfahrung, Fachkenntnis, dem diplomatischen und strate­ gischen Geschick bringe er alle Eigenschaften mit, seine Arbeit weiterzuführen und die FIFA wieder zu stabilisieren. Bei seiner Rede nach der Wahl erklärte Infantino, zusammen mit allen Verbänden und ­Involvierten das Image der FIFA wiederherstellen zu wollen. Es komme eine neue Ära, in der wieder der Fussball im Zentrum stehen werde. «Ich werde die Verbände, Klubs, Spieler und Fans mehr miteinbeziehen», erklärte er die Aufbruchstimmung. «Der Fussball muss sich weltweit weiterentwickeln. Ich will und kann Änderungen einbringen, um wieder für ein positives Image der FIFA zu sorgen.» Dieser 26. Februar 2016 war ein bedeutsamer Tag. Für den Sport. Für den Fussball. Für die Schweiz. Fürs Wallis. Gianni Infantino, der von seinen älteren Schwestern früher «Piccolino» genannt wurde, ist nun ganz gross. Und kann in den kommenden Wochen, Monaten und Jahren beweisen, dass er dieser grossen Aufgabe gewachsen ist und als ein weiterer grosser Schweizer Funktionär in die l Geschichte ein­gehen wird.

FOOT-Hotline:  abo@footmagazin.ch Tel. 031 740 97 99 • Fax 031 740 97 76


Kinderhilfswerk in Tansania

Wir bringen Kinder zum Sport ! Gesucht: Sportgeräte und Bekleidung Wollen Sie Tuwapende ­Watoto, die Kinder und Jugendlichen im Alter ­zwischen 2 und 21 Jahren mit n ­ euen oder gebrauchten Sportgeräten oder -bekleidung (siehe Text) unterstützen? Dann senden Sie dieses an: Stiftung Tuwapende Watoto Ruth Büti­kofer Hinterbühl 8 3653 Oberhofen

Spenden und Patenschaften

Sind Sie bereit, einen finanziellen Beitrag zu leisten? Einmalige Spenden wie auch Patenschaften können Sie unter www. ­ tuwapende-watoto.org tätigen.Auf dieser Website finden Sie zudem viele Hintergrundinformationen über die Stiftung, deren Vision und Projekte s­ owie aktuelle Tätigkeiten. Herzlichen Dank für Ihre Mithilfe!

Der Sport, die schönste Neben­ sache des Lebens, zieht weltweit Jung und Alt in seinen Bann und sorgt für Lebensqualität. Helfen Sie der ­Stiftung Tuwapende Watoto, damit über 500 Kinder und ­Jugendliche in Tan­sania dieses Glücksgefühl er­leben dürfen und dank dem Sport attraktivere Perspektiven bekommen. «Wir lieben Kinder» – das ist die Bedeutung von Tuwapende Watoto, der 2005 gegründeten Schweizer Hilfsorganisation, die seit 2006 in Dar Es Salaam ein Waisenhaus mit momentan 28 Kindern betreibt, seither Schritt für Schritt das Angebot und die Unterstützung ausbaut und das Ziel verfolgt, Kindern eine gute Erziehung sowie Schulund Berufs­bildung zu ermöglichen und ihre Lebensqualität nachhaltig zu verbessern. «Unsere Vision für eine friedlichere Welt ist,

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Kindern und ­Jugendlichen zu besseren Zukunftschancen zu verhelfen und in ihnen das Verständnis und die Toleranz für andere zu wecken. Da helfen auch die Erlebnisse und Emotionen des Sports», sagt Ruth Bütikofer, Stiftungsratspräsidentin von Tuwapende Watoto.

Vom Kindergarten bis zur Lehre

Die Schule in Dar Es Salaam, vom Kinder­ garten bis zur 7. Klasse, wird von rund 500 Kindern besucht – Tendenz steigend. Hierfür hat die Stiftung kräftig investiert, sodass die Infrastruktur momentan 19 Klassenräume für eine Kindertagesstätte, den Kindergarten und die Grundschule, ein Verwaltungsgebäude, die Schulküche mit Speisesaal und zwei Toilettenanlagen umfasst. Erst kürzlich wurde zudem das Berufsbildungszentrum eröffnet, um den Kindern und Jugendlichen Perspektiven für das Leben nach der Schule zu bieten. Im ersten Jahr werden Schneiderund Gartenbau-Lehrlinge ausgebildet, Bäcker, später folgen andere Berufe wie ­ Elektriker, Sanitärinstallateur, Maler oder Informatiker und Webdesigner. «Es ist der

nächste Meilenstein in unserem Projekt», erklärt Ruth Bütikofer. Zur Lebensqualität und zur Schule gehört – wie in der Schweiz – der Sport. Auf dem Campus gibt es einen Fussballplatz, ein Basketball- und ein Volleyballfeld sowie einen kleinen Turnplatz, zudem wurden auch Sportnach­mittage eingeführt. «In diesem Bereich fehlen uns jedoch noch viel Ausbildungsmaterial und diverse Sportgeräte», sagt Ruth Bütikofer. Deshalb ist die ­ atoto auf Spenden Stiftung Tuwapende W finanzieller und materieller Art angewiesen. Ob neue oder gebrauchte Fuss-, Tennis-, Volley- oder Basketbälle, Frisbees, Springseile, Tennisschläger, Unihockey­stöcke, Tore oder Netze für die Tore – alles wird ­dankbar entgegengenommen. Ebenso privat gebrauchte oder bei Vereinen aussortierte Tri­ rikotsätze. «Wir garantieren, kots oder gar T dass alle Spenden zu 100 Prozent in Tansania ankommen», sagt Präsidentin Bütikofer, die wie alle anderen Stiftungsmitglieder ehrenamtlich arbeitet. Das Ziel dieses Engagements sei klar: «Wir gestalten das Leben an unserer Schule so, dass Lebensfreude spürl bar zum Ausdruck kommt!» 

Die IMS Sport AG mit ihren Print-Publikationen FOOT, Das Fussball-Magazin der Schweiz, SLAPSHOT, Das Hockey- Magazin der Schweiz, und smash, Das Tennis-Magazin der Schweiz, unterstützen die Stiftung Tuwapende Watoto mit Werbeleistungen und einem finanziellen Beitrag.


Standorte:

St. Gallen, l, Z체rich, Base Sion, Bern, Luzern

Der neue Meisterpokal geht auf Tour und macht Halt in Ihrer N채he. Erleben Sie den neuen Pokal in der Raiffeisenbank. Sichern Sie sich ein Autogramm eines Raiffeisen Super League Spielers, machen Sie mit bei der Foto-Aktion und gewinnen Sie tolle Preise.

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welovefootball.ch

Wir machen den Weg frei

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Foot – Ausgabe Nr. 7 – März/April 2016  

Das Fussball-Magazin der Schweiz

Foot – Ausgabe Nr. 7 – März/April 2016  

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