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Jetzt Gemeinschaft! Es kann nur alle geben.

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Jetzt G   emeinschaft!

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Ein Jahresthema entsteht Andrea Iten im Gespräch mit Max Spielmann Andrea Iten: Im Oktober 2011 bist Du mit dem HyperWerk-Jahrgang der Dodici nach Senones in die Vogesen gefahren. Weshalb? Max Spielmann: Der Workshop in Senones diente der Vorbereitung des Jahresthemas 2012/13. Der jeweils zukünftige Diplomjahrgang entwickelt mit Mitgliedern der Institutsleitung ein solches Thema für sein Diplomjahr. Wir hatten im Frühjahr 2012 mit der Suche nach einer Thematik begonnen, welche die sehr unterschiedlichen Interessen aller Diplomstudierenden verbindet. Aufgefallen waren mir in den Diskussionen zwei Themen: einerseits die Gespräche zu gesellschaftlich-politischen Fragen. Zu dieser Zeit waren dies das Thema Occupy oder die Freiräume, wie das zu Ende gehende NT-Areal in Basel. Andererseits natürlich die zukünftigen Arbeitssituationen: eine Arbeitsgemeinschaft, eine eigene Firma, oder als Freelancer arbeiten? Dieses zweite Thema lässt sich nicht von den FabLabs, dem Diskurs über neue «Handwerkerstätten» trennen. Etwas erstaunte mich: Sehr häufig waren die Unterschiede der Aufbruchsstimmung von 1968 zur heutigen Situation ein Thema. Da stiessen ganz unterschiedliche Projektionen aufeinander – nicht nur in Bezug auf die Sechziger, sondern auch gegenüber der heutigen Situation. Diese wird zu einem guten Teil ja auch stark medialisiert wahrgenommen. Das eigentliche Thema fanden wir dann über die Annäherung an die individuelle, eigene Lebenssituation. Allen gemeinsam ist ein positives Verhältnis zu den Möglichkeiten der Virtualisierung;

die sozialen Medien, die von Zeit und Ort unabhängige Kommunikation oder die Einfachheit des Zugriffs auf Medien und Informationen. Dazu sammelten wir dann negative Begriffe. Da fanden sich auf dem Flipchart plötzlich Wörter wie Verbindlichkeit, Vertrauen oder Verlässlichkeit. Wir alle waren erstaunt über unsere eigenen «wertkonservativen» Begriffe. Damit war das Thema Gemeinschaft im Ansatz gefunden. AI: Kurz vor Weihnachten desselben Jahres fand dann ein weiterer Workshop mit Orhan Kipcak und mir am selben Ort statt. Was war das Ergebnis? MS: Wir beschäftigten uns sowohl theoretisch mit dem Begriff als auch ganz praktisch mit der inhaltlichen Sortierung. Welche Unterthemen bedient Gemeinschaft? Wie können sich Arbeitsgemeinschaften organisieren? Welche Konsequenzen haben neue Technologien für die Zusammenarbeit? Diese Arbeit führte sehr rasch zur Diskussion der Gemeingüter. Wie werden Güter gemeinsam bewirtschaftet – ob Open-Source-Software oder Kühe auf der Alp, ob die Ressource Wasser oder der gemeinsame Hochleistungsdrucker in einer Arbeitsgemeinschaft? Und da näherten wir uns einem spannenden Feld: Fragen des Besitzes, des Tausches, der gegenseitigen Verpflichtungen. Da tauchen dann wieder die Worte wie Verbindlichkeit, Geben und Nehmen auf. In dieses Feld gehört auch die Diskussion zum bedingungslosen Grundeinkommen. Und natürlich war jetzt der offizielle Titel des Jahresthemas gefunden: Jetzt Gemeinschaft! Es kann nur alle geben.


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