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Wir, wir selbst sind die Methode

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Begriff der Subjektivierung – wenn auch genauer in seiner Auffassung, da er den Subjektbegriff nicht als eine autonome, sich selbst begründende Instanz versteht – geht eigentlich nicht weit genug in die Kritik der klassischen Subjektphilosophie hinein. Nach Louis Althusser (mit dessen Werk die Dezentrierung des modernen Subjektbegriffs gewissermassen einsetzt) bedeutet die Einfügung in eine soziale Ordnung die Unterordnung unter rationalisierende Normen, die als Festschreibung auf eine Subjektposition stattfindet. Sie ist als bewusste Entscheidung zu verstehen, die an diskursiv nachvollziehbare Schlussfolgerungen gebunden ist. Ein Individuum konstituiert sich als Subjekt nicht allein aufgrund der interpellativen Funktion eines ideologischen Apparats (das «Anrufungsmodell» von Althusser).

Affekte illuminieren sowohl unsere Macht, die Welt um uns herum zu beeinf lussen, als auch unsere Kapazität, davon beeinflusst zu werden, und das in Anschluss an die Beziehung, die zwischen diesen beiden Mächten entsteht (Clough 2007, S. IX). Man könnte in diesem Zusammenhang die Definition von Körperlichkeit des Soziologen Anthony Giddens leicht variieren und den Körper als «den in Raum und Zeit verankerten Ort des [affektiv] handelnden Selbst» bezeichnen (Giddens 1995, S. 117). Doch in solchen Konzeptualisierungen werden Affekte nicht nur in Bezug auf den menschlichen Körper theoretisiert, sondern auch in Bezug auf die entwickelten Technologien, die uns erlauben, Affekte wahrzunehmen und affektiv-körperliche Fähigkeiten zu produzieren, die über die organisch-physiologischen Einschränkungen des Körpers hinausgehen. Diese medialisierte Selbstwahrnehmung schliesst sich an die zunehmend – vor allem durch die Einführung von Bildmedien – technologisierte Wahrnehmung der Welt an. Diese Herangehensweise, die das Subjekt unter anderem als Korrelat zu medialen Apparaturen versteht, hat direkte Konsequenzen für die Erforschung des Sozialen. Denn diese Ansätze untersuchen die Bewegung in der Kritischen Theorie, weg von einer psychoanalytisch informierten Kritik des Subjekt- und

Postindustrial Design: Das postindustrielle Subjekt

etwa ohne diskursiven Gebrauch des Verstandes – operieren und eine eindeutige körperliche Präsenz aufweisen, sind oft von dem rein psychologischen Phänomen der Emotionen zu unterscheiden (Massumi 2002, S. 21). Bei Affekten handelt es sich um präindividuelle, präkognitive und vorsprachliche Komponenten der Subjektivität. Emotionen sind dagegen einem bewussten Subjekt zuzuordnen. Die Affektlogik ist eigentlich eine Logik sowohl des dezentrierten Subjekts, so wie dieses in der Subjektphilosophie der Moderne etabliert wurde, als auch des Begriffs der Ich-Identität, wie er in der Psychologie des 20. Jahrhunderts entwickelt wurde. Die unter dem Affective Turn zusammengefassten Theorien vervollständigen gewissermassen die von Foucault begonnene Formulierung der Dezentrierung des Subjektbegriffs.15 15 Auch der poststrukturalistische


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