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MESSE FRANKFURT DRIVING MOBILITY

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NEW MOBILITY IS ... Im Zeichen der Vernetzung bisher unterschiedener Branchen entstehen in rasender Geschwindigkeit neue Konzepte und Geschäftsmodelle. Welche werden sich durchsetzen?

A PEOPLE´S BUSINESS Technologie wird oft als Treiber bezeichnet, doch eigentlich sind es die kreativen Köpfe, die den Unterschied machen. Wer sind die spannendsten Vordenker weltweit?


SYNCHRONIZED LOGISTICS

PROF. DR.-ING. UWE CLAUSEN ist Leiter am Institut für Transportlogistik an der Universität Dortmund und am Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik IML. Clausen, der zuvor für die Deutsche Post und Amazon gearbeitet hatte, war wissenschaftlicher Leiter der Zukunftsstudie 2016 „Die letzte Meile“ für den Zulieferer ZF

MANN, FRAU, ROBOTER

INTERVIEW: MICHAEL HOPP

HELEN KAARLEP leitet die Testabteilung des Londoner Start-ups Starship Technologies. Die estnische Wirtschaftsingenieurin betreute Pilotversuche, bei denen in Düsseldorf und Hamburg sowie für die Schweizer Post Pakete bis zur Haustür des Empfängers per Roboter zugestellt wurden

Fotos: Nathalie Bothur, Willing-Holtz

Wie überwindet die Logistik die berühmte letzte Meile bis zur Haustür des Empfängers? Darüber unterhalten sich PROF. UWE CLAUSEN, Fraunhofer-Wissenschaftler und Leiter der ZF-Zukunftsstudie zur letzten Meile, und Roboter-Entwicklerin HELEN KAARLEP

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SYNCHRONIZED LOGISTICS

==== „ALS VERKEHRSLOGISTIKER WOLLEN WIR SYSTEMISCH AN DIE THEMEN HERANGEHEN“ ======

==== „WIR HABEN ROBOTER FÜR EINEN WETTBEWERB DER NASA ENTWICKELT – UND NACH NEUEN ANWENDUNGEN GESUCHT“ =======

Uwe Clausen, Universität Dortmund

Helen Kaarlep, Starship Technologies

gerecht zu versorgen. Da ergeben sich noch mal neue Wege, dorthin wird man dann auch mit größeren Einheiten transportieren. Frau Kaarlep, betrachten Sie Drohnen als ein Konzept, das zu Ihren Robotern in Konkurrenz steht? KAARLEP: Nein. Drohnen bewegen sich im Luftraum, einem hochgradig regulierten Bereich. Sie sind großartig darin, Lieferungen dort zuzustellen, wo unsere Roboter nicht hinkommen: auf entlegenen Inseln oder hohen

Fotos: Nathalie Bothur, Willing-Holtz

von Starship Technologies haben Skype entwickelt, eine disruptive Kommunikationstechnologie. Und sie haben überlegt, in welchen Industrien noch keine Disruption stattgefunden hat.

Berge. Aber gleichzeitig können unsere Roboter etwas, was Drohnen nicht können. CLAUSEN: Wir wissen auch nicht, inwieweit Kunden es chic finden, mit einer Drohne beliefert zu werden. Es gibt sicher Kunden, die das gern nutzen, aber es gibt auch Menschen, die es unangenehm oder sogar bedrohlich finden, wenn sozusagen Gegenstände über sie hinwegfliegen. Außerdem muss die Privatsphäre geschützt werden, und es gibt ein Unfallrisiko.

Herr Professor Clausen, Sie haben eine große Studie über „Die letzte Meile“ vorgelegt. Frau Kaarlep, Ihr Unternehmen baut einen Lieferroboter, der in der Studie als eine der Transportmöglichkeiten genannt wird. Was waren Ihre Ansätze dabei? CLAUSEN: Wir waren einerseits mit Entwicklungen konfrontiert, die einen langen Trend haben

Welche Idee steckt hinter dem Lieferroboter? KAARLEP: Unser Geschäft ist erst mal die Idee selbst, die Roboter sind nur ein Mittel. Wir bauen sie und bringen ihnen bei, auf der Straße zu funktionieren. Das ist ein Logistikkonzept mit einem Hintergrund in der Robotik. Unsere Roboter sind zu 99 Prozent autonom, und wenn etwas passiert, können sie die Kontrolle an einen Menschen übergeben. Natürlich ist es ein Roboter, aber es ist im Grunde ein ganzes Konzept. Die Idee war nicht,

und die man fortschreiben kann. Andererseits mit solchen – dazu gehören die Zustellroboter –,

einen Roboter zu bauen, sondern ein Servicekonzept zu entwickeln. CLAUSEN: Lieferroboter entsprechen der Bedarfsorientierung und der

CLAUSEN: Wir haben uns bemüht abzuschätzen,

Markt? CLAUSEN: Mit Amazon haben wir einen Onlinehändler, der sich immer

die gab’s im letzten Jahr noch gar nicht. Was die letzte Meile und die Lösungen dafür verändern,

Forderung nach einer höheren zeitlichen Flexibilität. Man trifft auf ein Konsumentenverhalten, das nicht gleichmäßig über den Tag verteilt ist. Die

wie groß der Markt ist. In Relation zur Anzahl der Haushalte in Deutschland, gut 40 Millionen mit

mehr zum Technologie- und Logistikunternehmen entwickelt. Und mit Starship Technologies etwa ein Start-up, das um eine Idee, ein Bedürfnis

sind die Randbedingungen, in Metropolen: Luftreinhaltung, Vorgaben für batterieelektrische Fahrzeuge, und die Nachfrageseite: Welche Serviceideen gibt es? Ist Same-Day-Delivery ge-

Auslastung von Lieferrobotern wird sicher im Laufe des Nachmittags zunehmen, sie wird nicht gleichmäßig über 24 Stunden verteilt sein. Wo und für welche Güter kann man die Roboter einsetzen?

steigender Tendenz, sind das zehn Zustellungen pro Jahr im Durchschnitt. Vor dem Hintergrund des weiter wachsenden Onlinehandels scheint uns das realistisch.

eben, einen Service und ein technologisches Gerät entwickelt und ganzheitlich ausbaut. Also gleichermaßen aus Erkenntnis und Erfahrung wie aus Lust auf Neues werden da Innovationen vorangetrieben. KAARLEP: Es drängen immer mehr multinationale Unternehmen in den

wünscht? Das ist eine neue Logistik, die sehr schnell mit Daten umgehen kann.

CLAUSEN: Man kann solche kleinen Roboter nicht über 40, 50 Kilometer Entfernung sinnvoll fahren lassen, man braucht eine bestimmte Zustelldich-

Welche Infrastruktur benötigt die Zustellung

Markt. Alle wollen dasselbe Problem lösen: den Auslieferungsprozess auf der letzten Meile. Starship Technologies ist ein Player, der das Potenzial

KAARLEP: Bei der Entwicklung unserer Lieferroboter waren zwei Aspekte wichtig. Wir hatten

te und eine Infrastruktur. Und natürlich auch die Akzeptanz. Insofern sind vor dem Regelbetrieb der Lieferroboter sicher noch einige Fragen zu klären.

von Lieferungen mit den Robotern? KAARLEP: Unser Konzept ist es, einen flexiblen

hat, den Same-Day-Delivery-Prozess zu revolutionieren. Zu diesem Zweck gehen wir Partnerschaften mit starken Unternehmen wie Daimler ein, um

ein Team, das Roboter für den NASA-Contest „NASA Centennial Challenge“ entwickelt hat,

KAARLEP: Bei der Akzeptanz haben wir in unseren Feldversuchen Erstaunliches herausgefunden. 80 bis 90 Prozent der Menschen ignorieren

Bereich zu haben, in dem wir eine größere Zahl an Robotern abstellen können, sie ihre Batterien

gemeinsam innovative Lieferkonzepte zu entwickeln. CLAUSEN: Die branchenübergreifende Zusammenarbeit ist sicher der

die Bodenproben auf Planeten entnehmen sollten. Wir haben überlegt, wo man diese Idee noch einsetzen kann. Das entstand aus einem bestimmten Geist heraus: Einige der Gründer

den Roboter tatsächlich komplett. Und die, die einen zweiten Blick auf ihn werfen, reagieren bemerkenswert positiv. Unsere Roboter können bis zu zehn Kilogramm Last transportieren. Sie liefern Pakete, Lebensmittel und Essen. Das sind die drei Bereiche, mit denen wir uns zurzeit beschäftigen.

laden können und von wo aus sie losgeschickt werden, um Lieferungen zuzustellen. Das kann ein fester oder ein wechselnder Bereich sein, der aber eine wenig spezifische Ausstattung braucht. CLAUSEN: Durch eine solche Infrastruktur verkürzt sich die letzte Meile. Wir werden also mehr Standorte bekommen, und wir brauchen natürlich eine Logistik, um diese dann bedarfs-

Schlüssel zu einem modernen Verkehrs- und Logistikkonzept. Güter- und Personenverkehr nutzen vielfach die gleiche Infrastruktur, werden aber getrennt voneinander gedacht und entwickelt. Als Verkehrslogistiker wollen wir systemischer an die Themen herangehen.

Herr Clausen, Sie haben errechnet, dass für circa 400 Millionen Pakete jährlich in Deutschland eine Zustellung per Roboter möglich ist. Wie sind Sie auf diese Zahl gekommen?

Auch in der Logistik gibt es neue Allianzen. Welche wichtigen Player sehen Sie auf dem

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Events – Mann, Frau, Roboter  

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