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«Manchmal gibt’s Ideen, die einen einfach nicht mehr loslassen»

«Manchmal gibt’s Ideen, die einen einfach nicht mehr loslassen»

Wired Cooking will den Kochtopf-Markt aufmischen – und zwar mit Kochtöpfen, «die mehr können». 2019 hat HSG-Alumnus Jochen Ganz gemeinsam mit Dirk Uhlenhaut das Startup gegründet und seit November 2022 – nach einer intensiven Produktentwicklungszeit – können die ersten Geräte in der Schweiz ausgeliefert werden. Mit ihrem Wired Cooker sollen Hobby- wie Spitzenköche mehr Freiheit mit einem einzigen Kochtopf gewinnen und dank integrierter Heizung energie-effizienter arbeiten als mit einem Herd.

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Autor: Mario Tinner

Jochen Ganz nimmt in seinem Startup so manche Rolle ein: vom Mitgründer über den Beta-Tester bis hin zum «Geraderücker» oder auch Navigator.

Jochen Ganz nimmt in seinem Startup so manche Rolle ein: vom Mitgründer über den Beta-Tester bis hin zum «Geraderücker» oder auch Navigator.

(Bild: zVg)

«Wir haben die Vision eines universellen Kochgeräts entworfen, das eine freie Zeit- und Temperaturwahl erlaubt, und sogar stufenweise Kombinationen ermöglicht», meint Jochen Ganz stolz. Bei der heutigen Herd-Kochtopf-Kombination sei die Prozesskontrolle sehr begrenzt und erfordere eine grosse Aufmerksamkeit und Erfahrung eines oder einer Kochenden. Deshalb gibt es eine Vielzahl an spezialisierten Geräten – vom Reis-, Wasser- oder Eierkocher bis zum Sous-vide-Garer. «Ein Topf von Wired Cooking erlaubt dem Benutzer aber die vollständige Freiheit über Zeit- und Temperaturvorgaben im Kochvorgang, ohne dass eine manuelle Überwachung nötig ist», betont Ganz.

Was das genau heisst? Schokolade schmelzen bei exakt 42 Grad, Rinderfilet bei 57 Grad sous-vide-garen oder Pommes bei 160 Grad frittieren – und das alles mit einem einzigen Kochtopf. Dieser benötigt keine Herdplatte, sondern eine Steckdose. Und deshalb sei er auch effizienter – ähnlich wie ein Wasserkocher. Gesteuert wird er mit dem Smartphone.

Die Grundidee zu Wired Cooking sei schon älter gewesen. Aber manchmal gebe es Ideen, die einen einfach nicht mehr losliessen. «Kochen ist etwas Sinnliches – für viele von uns das einzig umfassend sinnliche Erlebnis im Alltag». Gleichzeitig sei es in der Hektik des Alltags schwierig, sorgfältigen Kochvorgängen die erforderliche Zeit und Musse zuzuteilen. Und genau dort setzt sein Produkt an: «Der Wired Cooker funktioniert hier unterstützend, ohne zu bevormunden.»

Vollblut-Unternehmer

In den 1990er-Jahren doktorierte Jochen Ganz als Masch.-Ing ETH im Bereich der Sonnenenergie, fand dann aber keine (Teilzeit-)Stelle, die sich mit seinem Verständnis vom Vatersein vereinbaren liess. Daraufhin gründete er kurzerhand ein eigenes Unternehmen: Er baute eine Innovations-Boutique auf, die er später verkaufen konnte. Dann folgte ein Ausflug ins Konzernleben: «Ich war CTO in einem börsenkotierten Industriekonzern, aber da fehlte mir das Unternehmerische», meint er rückblickend. Er ist seither mit viel Elan als Serial Entrepreneur und Business Angel unterwegs: «Ich habe den Antikfenster-Spezialisten Quadra Ligna aus einer Konkursmasse gerettet und neu aufgestellt, eine Solarfirma restrukturiert und mich an Startups beteiligt, wo ich mich auch im VR engagiere», so Ganz. Und sein neustes Projekt, dem er sich intensiv widmet, ist nun Wired Cooking.

Neben seinen Erfahrungen, die er als Unternehmer bereits gemacht hat, hilft ihm auch seine EMBA-Zeit an der HSG von vor knapp 10 Jahren bei seiner Arbeit: «Hat man bereits selbst ein Unternehmen von Null auf aufgebaut, kommt man zwangsläufig mit fast allen relevanten unternehmerischen Themen in Berührung. D.h. im EMBA konnte ich sehr vieles mit eigenen Erfahrungen verknüpfen – das war sehr bereichernd.»

«Kochen mit dem Wired Cooker ist dank der integrierten Heizung deutlich effizienter als mit konventionellem Herd, vergleichbar mit dem Vorteil eines Wasserkochers», erklärt Jochen Ganz.

«Kochen mit dem Wired Cooker ist dank der integrierten Heizung deutlich effizienter als mit konventionellem Herd, vergleichbar mit dem Vorteil eines Wasserkochers», erklärt Jochen Ganz.

(Bild: Manuel Rickenbacher)

Viel Aufbauarbeit

Die Produktentwicklung und die Industrialisierung hätten um einiges mehr an Zeit verschlungen, als sie zu Beginn dachten. Denn bei einem solchen Produkt liegt der Teufel eben oft im winzigen, aber hartnäckigen Detail. Und das kostet Zeit und manchmal auch Nerven, wenn etwas erst beim x-ten Anlauf funktioniert. «Aber das ist der Leidensweg, der zum Unternehmertum gehört», hält Ganz fest. Bisher besteht das Wired Cooking-Team «nur» aus zwei Personen: Jochen Ganz und sein Mitgründer Dirk Uhlenhaut setzen aber auf sehr engagierte externe Partner, um minimale Fixkosten zu haben. «Das gibt uns in der zeitlichen Entwicklung des Unternehmens gewisse Freiheiten», so Ganz. Das Ziel ist klar: «Wir wollen so schnell wie möglich mehrere Tausend Wired Cooker pro Jahr verkaufen.» So können sie sich dann auch eine arbeitsteilige professionelle Organisation leisten, um weiter nachhaltig zu wachsen.

Grosses Potential

Allein der Schweizer Kochtopfmarkt – und zwar ohne Bratpfannen – liege bei etwa 500 000 Stück pro Jahr. Hier hat Wired Cooking denn auch seit November 2022 die ersten Geräte ausgeliefert: «Damit bringen wir das Produkt zum ersten Mal zu den Kunden». Die Internationalisierung stehe aber sehr hoch auf der Prioritätenliste. Die Lieferkette sei für grosse Stückzahlen jedenfalls bereits gut vorbereitet.

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