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Bedarfsermittlung in der beruflichen Rehabilitation

Teilhabebedarf passgenau feststellen – Stendaler Forscher entwickeln Toolbox

Foto: Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation e. V. (BAR)

Die berufliche Rehabilitation ermöglicht Menschen mit Behinderung oder gesundheitlicher Einschränkung weiterhin am Arbeitsleben teilhaben zu können. Doch so individuell die Situationen der Betroffenen sind, so unterschiedlich sind die Maßnahmen, die von Rehabilitationsträgern unternommen werden, um einen Rehabilitationsbedarf festzustellen. Mithilfe eines Forschungsprojekts der Hochschule Magdeburg-Stendal und der Bundesarbeitsgemeinschaft der Berufsbildungswerke soll im Auftrag der Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation e. V. ein Konzept entwickelt werden, das den Reha-Prozess künftig erleichtert.

Sie wollen die Ermittlung des Teilhabebedarfs transparenter machen (v. l. n. r.): Judith Ommert (BAR), Tobias Wenzel (Hochschule Magdeburg-Stendal), Dr. Michael Schubert (BAR), Prof. Dr. Matthias Morfeld (Hochschule Magdeburg-Stendal), Sarah Viehmeier (BAR), Mathias Sutorius (BAR), Julia Pfülb (BAR), Rainer Lentz (BAG BBW), Ann-Kathrin Poth (BAR). Nicht nur Menschen mit einer dauerhaften Behinderung, sondern auch Menschen, denen aufgrund eines Unfalls oder einer Krankheit der Verlust ihrer Erwerbsfähigkeit droht, haben das Recht auf berufliche Rehabilitation und gehören zur Zielgruppe der Untersuchung, die von Dr. Matthias Morfeld, Professor für System der Rehabilitation an der Hochschule Magdeburg Stendal, geleitet wird. Eine von ihm erstellte Machbarkeitsstudie aus dem Jahr 2014 ergab eine große Bandbreite an Verfahren und Instrumenten, die der Bedarfsermittlung zur Teilhabe am Arbeitsleben dienen. Insgesamt 400 verschiedene Methoden – vom Intelligenztest über die Lebensqualitätserhebung bis hin zu speziellen Verfahren wie Tests zur Schulter-Arm-Beweglichkeit – wurden von den befragten Akteuren genannt. Ein Großteil dieser Instrumente 6

soll nun analysiert, geordnet und systematisiert werden. Die Kosten des dreijährigen Projekts in Höhe von 1,5 Millionen Euro werden vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) aus Mitteln des Ausgleichsfonds getragen. 192.000 Euro fließen in die wissenschaftliche Begleitung und Untersuchung an der Hochschule Magdeburg-Stendal. Ende 2019 werden die Forschungsergebnisse vom BMAS vorgestellt. Weiterhin könnte das Projekt relevant für die Entwicklungen des Bundesteilhabegesetzes sein. „Ein wesentliches Projektergebnis wird sein, Licht ins Dunkel der Verfahren zur Bedarfsermittlung zu bringen, und dass wir im Sinne der Menschen mit Behinderung die Bedarfsermittlung wesentlich transparenter gestalten werden“, gibt Morfeld einen Ausblick.

Zu den Leistungsträgern bzw. den Leistungserbringern einer Rehabilitation zählen unter anderem die Bundesagentur für Arbeit, die Deutsche Rentenversicherung oder auch Werkstätten für behinderte Menschen. Da es bezüglich der Bedarfsermittlung keine bundeseinheitliche Herangehensweise gibt, existieren weite fachliche Spielräume bei der Entwicklung und Nutzung der Instrumente. Mithilfe der wissenschaftlichen Untersuchung soll bis Ende 2019 ein Katalog entstehen, der es den einzelnen Akteuren erleichtern soll, die bestmögliche Rehabilitation für die jeweiligen Betroffenen in ihren individuellen Situationen zu finden. Der Katalog soll die Bedarfsermittlung moderner und vergleichbarer gestalten. „Wir versuchen erstmal verschiedene Kriterien, nach denen wir die Bedarfsermittlung bewerten wollen und die auch im

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treffpunkt campus 90 (Juni 2016)  

#90, Magazin der Hochschule Magdeburg-Stendal

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