Generaldirektor Thomas Siegmund leitete die Kleinmünchner von 1974 bis 1977. Sein großer Verdienst war die Totalerneuerung der Spinnerei in den Jahren 1974–1976.
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und die Kleinmünchner (KAG) waren konzernintern stets in einem Wettbewerbsverhältnis zueinander. Beide hatten eine Belegschaft von je rund 500 Mitarbeitern. Als sich der Führungswechsel bei der Kleinmünchner im Sommer 1977 abzeichnete, schrieb Hans Brandner an Dionys Lehner im Juli einen Brief, in dem die Zukunftschancen der KAG als Spinnerei und Weberei als fragwürdig bezeichnet wurden. Der Standort Linz schien aus der Sicht der RTW wegen des Mangels an „billigen und fleißigen Arbeitskräften“, des „lohnbildenden Großbetriebs Voest und der Arbeitsmentalität der Großstadtbevölkerung“ ungünstig. Im Schreiben wurde unter anderem für die KAG der Vorschlag gemacht: „Übersiedlung des textilen Maschinenparks nach Reutte; Verkauf von Gebäude und Grund – damit Stärkung der textilen Position RTW. In Reutte Errichtung der seinerzeit geplanten Spinnerei Lechtal
mit Finanzierungshilfe des Landes und Bundes im Zuge des Industrialisierungsprogrammes Lechtal.“ Dionys Lehner beantwortete diesen Vorschlag mit der Feststellung: „Lassen wir die beiden Unternehmungen drei bis vier Jahre miteinander im Wettlauf. Derjenige, der siegt, wird in der Folge die Konzernzentrale.“ Dieses Rennen ist klar zugunsten der Kleinmünchner ausgegangen.
Die Restrukturierungsphase Zuerst wurde ein leitendes Team zusammengestellt. Die direkt zum Vorstand rapportierenden Stellen wurden von 14 auf fünf reduziert. Michael Voggeneder wurde mit spürbar reduziertem Gehalt für den Bereich Infrastruktur wieder angestellt, allerdings mit einer Cash-FlowBeteiligung, die es ihm später erlaubte, die persönlichen finanziellen Abstriche wieder zu kompensieren. Wolfgang Buhl war zuständig für den Bereich Spinnerei, Helmut Grießmayer für die Weberei, Franz Lemmerhofer für die Finanzen. Manfred Kubera war anfänglich für interne Weichenstellungen stabähnlich organisiert. Später durchlief er die Abteilungen Infrastruktur, Weberei und Spinnerei. Seit 2011 ist er Mitglied des Aufsichtsrats der Linz Textil. Alle Herren des genannten Teams sind trotz verschiedener Abwerbungsversuche aufgrund des späteren Erfolgs der Firma bis zu ihrer Pension bei der Linz Textil geblieben. Das war für den Aufbau einer soliden Firmenkultur wichtig. Jede dieser Führungskräfte hat ein relevantes Verdienst, dass die Firma das Jubiläum „175 Jahre Linz Textil“ erfolgreich erreichen konnte. Für das Ziel, die Firma in schwarze Zahlen zu führen, standen aufgrund der Finanzlage höchstens zwei Jahre zur Verfügung. Um die Weichenstellungen zu beschleunigen, wurde sofort