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REISE MOTORRAD

2009/6

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REISE November /

DEZEMBER

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Am Main entlang


DEUTSCHLAND: AM MAIN ENTLANG

FAHR AM MAIN... Stolz prangen diese Worte an einem Aushängeschild der kleinen Gemeinde Fahr am Main. Inmitten der langen Flussstrecke gelegen, zeigt sie sich beispielhaft für deren Schönheiten. Die Kelten gaben dem Fluss den Namen „Moin“, was soviel bedeutet wie „vorbeiziehen“. Welch ein prägnanter Begriff, gerade auch für uns Motorradfahrer. Denn zum Vorbeiziehen lädt der Main tatsächlich ein, entlang seiner weit ausgreifenden Schleifen, vorbei an einer ausgeprägten Kulturlandschaft, verwöhnt mit Sonne und Wein – was will man mehr? Text: Dr. Ingrid Gloc-Hofmann • Fotos: Helmut Hofmann, Dr. Ingrid Gloc-Hofmann

Prägnantes Wahrzeichen des Mains: die Stadt ­Würzburg. Spektakulär thront über dem Main auf einem Weinberg die Festung Marienberg. 32 REISE MOTORRAD 2009/6


WAS SONST!

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Die Polizei steht Kopf: zumindest bei ihren ­artistischen Auffüh­ rungen während der Kulmbacher Motorrad­ sternfahrt, die alljähr­ lich ein begeistertes ­Publikum anlockt. ­Ruhig hingegen, aber nur am Sonntag, geht es auf dem Gelände des Bamberger Hafens zu.

Da steht es geschrie­ ben: Die kleine Ge­ meinde Fahr am Main pflegt ein ultimatives Motto! 34 REISE MOTORRAD 2009/6

D

er Main, welch ein sonderbar sich dahinschlängelndes Gebilde. Ein Fluss, der ­ungewöhnlicherweise in Ost-West-Richtung fließt. Nicht einer Quelle entspringt er, nein, er entsteht aus dem Zusammenfluss von Rotem Main und Weißen Main. Und er endet nicht etwa in den Fluten des Meeres, sondern mündet in den Strom des Rheins. Doch dazwischen vollführt er ein fulminantes und abwechslungsreiches Spiel, durchquert mehrere Landschaftsgebiete und war Ursache zahlreicher ­historischer Stadtgründungen. Und heute hat der Main an wirtschaftlicher und touristischer Anziehungskraft nichts verloren. Im Gegenteil: Rund um seine Ufer dehnen sich Landstraßen aus, herrliche Motorradstrecken, genau das ­R ichtige für einen ausgedehnten Trip entlang des 524 Kilometer langen Flusses. Als animierendes Ereignis zum Start unserer Tour nehmen wir die Kulmbacher Motorradsternfahrt, die alljährlich im April stattfindet. Alles rund ums Motorrad einschließlich kulinarischer Leckereien wird auf dem Gelände der Kulmbacher Brauerei geboten. Besonders spannend und amüsant sind die Vorführungen der Berliner Polizeiakrobaten. Bis zu zehnt auf einer fahrenden BMW aufgeschichtet, führen die Jungs und Mädels die unglaublichsten Artistik-

formationen vor. Ein auffälliger Hingucker dabei sind ihre quietsch-grünen, eng anliegenden ­Lederkombis, die mich an die Mode der 1970er Jahre erinnern.

Das Obermainland Nur wenige Kilometer von Kulmbach entfernt, startet der Main seinen Lauf. Unterhalb des Schlosses Steinhausen, von tief hängenden Büschen verdeckt, fließen sie unspektakulär zusammen, der Rote Main und der Weiße Main. Das ist Kilometer 0 des Mains, an dieser Stelle noch ein lauschiger Fluss, der sich westwärts in mäanderartigen Bögen durch ein weites grünes Tal am Nordrand der Fränkischen Alb schlängelt. Zahlreiche Kleinstädte mit schönem historischem Stadtbild sind hier und da an seinen Ufern platziert. In Maineck, unterhalb einer ­a lten Mühle mit Fabrikruine, springt das Mainwasser über mehrere Wehrstufen und plätschert weiter, vorbei an Altenkunstadt und der karolingischen Gründung Burgkunstadt. Zum kleinen Örtchen Strössendorf windet sich die Straße hoch, ein idyllisches Anwesen, das zu Feierlichkeiten einlädt, so dass wir prompt in eine Hochzeitsfeier geraten. Das sich nun weitende Maintal macht bei Lichtenfels einen Bogen Richtung Süden. Beid-


seits des Flusses führen malerisch gelegene Landstraßen die Hänge entlang, schön zu fahren mit ihren sanften Kurven, bieten sie immer wieder reizvolle Ausblicke. Ein kunst- und kulturträchtiger Landstrich! Dominant thronen zwei mächtige Klosterkirchen über dem Maintal. Rechts Kloster Banz und links die Wallfahrtskirche Vierzehnheiligen. Von bedeutenden Baumeistern errichtet, gelten die miteinander korrespondierenden Kirchen als Meisterwerke des fränkischen Barock. Kein Wunder also, wenn hier Besucher zuhauf anzutreffen sind. Unweit sticht ein schroffer Kalkfelsen aus der sonst lieblichen Mainlandschaft heraus, der 539 m hohe Staffelberg, auf dessen Felsplateau schon die Kelten eine befestigte Siedlung errichteten. Und unterhalb liegt das schmucke Städtchen Bad Staffelstein. Ein markantes Fachwerkhaus beherbergt den Gasthof „Adam Riese“, wurde doch dieser große deutsche Rechenmeister, der das moderne Rechnen salonfähig machte, tatsächlich aber Adam Ries hieß, 1492 in Staffelstein geboren. In Richtung Bamberg schlängelt sich der Main durch eine Auenlandschaft. Er fließt nicht durch den Stadtkern, sondern am nördlichen Stadtrand entlang, dennoch ist er für die Stadt Bamberg von Bedeutung, da sich hier das nördliche Ende des Main-Donau-Kanals befindet,

Breit, fruchtbar und ­kulturträchtig präsen­ tiert sich das Maintal in Oberfranken. Oben auf der Höhe besticht Kloster Banz, ein Mei­ sterwerk des Barocks, das nicht nur wegen seiner architektoni­ schen Schönheiten lockt. Auch in den ­„Klosterstuben“ kann man angenehme ­Stunden verbringen.

Viele Namen Der Name Main geht auf die Kelten zurück. Sie nannten den Fluss Moin, was soviel bedeutete wie „vorbeiziehen“, oder Mogin. Die den Kelten nachfolgenden Römer latinisierten den Namen in Moenus. Im Mittelalter sprach man von Moyn oder Moyne, der Name Meyn erschien erstmals im 14. Jahrhundert. Und auch heute noch kursiert der Flussname dank zahlreicher Mundarten in verschiedenen ­Variationen: Maa in Oberfranken Mee im östlichen Unterfranken Maa (lokal teils nasalisiert, teils verdumpft) am ­Bayerischen Untermain Mää in der Aschaffenburger Gegend Maa (nasalisiert) im Raum Frankfurt

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Über holperiges Kopf­ steinpflaster geht es durch Sommerhausen in der Würzburger ­Region, einem der ­typischen mainfränki­ schen Weindörfer, die neben leckeren Weinen auch ein idyl­ lisches Stadtbild im Programm haben.

der eine schiffbare Verbindung zwischen Nordsee und Schwarzem Meer ermöglicht. Nördlich davon mündet der Kanal in den Main und hier entstand der erste neuzeitliche Binnenhafen des Mainlaufs. Am Wochenende liegt geruhsame Untätigkeit über dem Gelände und so nutzen wir die Gelegenheit, durch das Gewirr von Kanälen, Kaianlagen, Kränen und Hebeanlagen zu düsen, bevor es weitergeht in westlicher Richtung. Ab Bamberg ist der Main schiffbar, schiebt sich hindurch zwischen den Höhen der Hassberge und des Steigerwaldes. Da entlang führt denn auch die „Straße der Fachwerkromantik“ durch putzig verspielte Städtchen wie Eltmann, Zeil am Main oder Hassfurt am Fuße der Hassberge.

Das Maindreieck

Auch Dettelbach prunkt mit mittelalterlichen Stadtbefestigungen und der Wallfahrts­ kirche Maria im Sand. 36 REISE MOTORRAD 2009/6

Bei Schweinfurt jedoch wird die reizvolle Landschaft empfindlich gestört. Schon von weitem sieht man das Kernkraftwerk Grafenrheinfeld. Dessen riesige, mit Mainwasser betriebene Kühltürme erschlagen das umgebende Landschaftsbild. Doch dann beginnt das so genannte Maindreieck, das vor allem durch den Weinbau ­bekannt ist. Ein großer Teil der Anbaufläche des Weinbaugebietes Franken befindet sich unmittelbar in diesem Gebiet. Ein idyllischer Landstrich. Wir ziehen vorbei an romantischen Win-

zerorten, die sich wie eine Kette am Main entlang aufreihen. Der Fluss ist ein Paradies für Ausflügler und Wassersportler. Ausflugsdampfer durchqueren das Wasser und mangels Brücken verbinden alle paar Kilometer Fähren die beiden Mainufer. Flott geht es auf diese Art hinüber, kaum hat man sein Motorrad abgestellt und ­einen kleinen Obolus bezahlt, schon ist die Fähre auf der anderen Seite gelandet. Unbestreitbar ist das Maindreieck eine der schönsten Mainregionen. Die großen Bundesstraßen lassen sich meiden und so kurven wir, dem Flusslauf folgend auf kleinen Landstraßen, vorbei an den flachen, mit hellgrün leuchtendem Wein übersäten ­Hängen. Geradezu grafisch sind die Rebstöcke in ordentlichen Reihen angepflanzt und geben der Landschaft einen künst­ lerischen Touch. ­Passend zu Mainfranken, das als eine der kunsthistorisch bedeutendsten ­Regionen gilt. So kommen wir durch Städte und Dörfer, die nicht nur für bekannte Weinmarken stehen, wie etwa Volkach, Nordheim, Sommerach, Dettelbach, Kitzingen oder Sommerhausen, sondern auch lebhaft an die Vergangenheit erinnern: trutzige Mauerringe, Türme, Stadttore und fröhliche Fachwerkhäuser. Und dann das mittelfränkische Zentrum, die Residenzstadt Würzburg, deren überschwänglich barocke Bauten


von der Lebens­freude ihrer Bischöfe zeugen. Von der Alten Mainbrücke aus lassen wir uns als ­Fußgänger vom prachtvollen Panorama der Stadt beein­drucken. Hoch über dem Main, oberhalb eines steilen Weinbergs, thront die Festung ­Marienberg, beherrschend über der Stadt wie einstmals die Fürstbischöfe.

Das Mainviereck Wir haben in Karlstadt übernachtet, ein romantischer Ort mit schönen Altstadtgassen und einer perfekt erhaltenen Stadtmauer, die sich direkt an einer Parkanlage am Mainufer erstreckt. Dahinter lugen Häuserfassaden hervor und gegenüber ragt aus dem bewaldeten Hang die Ruine Karlsburg. Karlstadt gehört zwar geografisch noch zum Maindreieck, schließt sich aber landschaftlich schon dem Mainviereck an, das durch den Bayerischen Spessart gekennzeichnet ist. Ab Gemünden finden wir nur wenige Siedlungen vor, dafür eine einsame Route durch den dunklen menschenleeren Spessart, der seit jeher die menschliche Phantasie für Räubergeschichten anregte. „Das Wirtshaus im Spessart“, nach dem Roman von Wilhelm Hauff, brachte es mit Lieselotte Pulver in der Hauptrolle in den Fünfzigerjahren sogar einst zu nationalem Filmruhm. Auch der Main muss sich mühsam seinen Weg

Mal geht es durch die grün bewachsenen Weinhänge Mainfran­ kens mit ihren grafisch angeordneten Reb­ reihen, gelegentlich vorbei an Bildstöcken und dann von einem Mainufer zum anderen. Mangels Brücken be­ dienen Fähren, wie hier bei Fahr am Main, den Verkehr reibungslos.

Bocksbeutel-Weinland „Mainfranken“ oder „Fränkisches Weinland“ lautet die Bezeichnung für die Flusslandschaft zwischen Bamberg und Aschaffenburg. Der Weinanbau im Maingebiet ­begann mit der Christianisierung Frankens. Zunächst waren es nur die Mönche, die mit ihren Füßen die Trauben zerstampften, später ging der Weinanbau auf die Städte über. Heute werden rund 5.500 Hektar Rebfläche von 6.500 Winzern versorgt – ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. Drei Anbaugebiete lassen sich unterscheiden: Auf dem Muschelkalk des Maindreiecks rund um Würzburg und Volkach gedeihen ­Silvaner und Scheurebe. Der Buntsandstein im Mainviereck eignet sich für den eher seltenen Rotwein. Die nährstoffreichen Gipskeuper-Hänge des Steiger­waldes hingegen begünstigen den Anbau von Müller-Thurgau. Die fränkischen Weine sind handverlesen, denn die steilen Hänge eignen sich nicht für Maschinen. Das bürgt für Qualität, denn schon am Rebstock erfolgt eine gründliche Selektion. Das Markenzeichen ist der Bocksbeutel, eine Flasche in Form des Hodensackes eines Ziegenbocks. Ausgeschenkt wird der offene Wein traditionell als Schoppen (0,25 l). Mehr dazu bei der Touristinformation „Fränkisches Weinland“, Tel. (09 31) 37 23 35.

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Alten Gemäuern und bunten Fachwerkhäu­ sern entkommt man in der Mainregion nicht. Gegenüber dem histo­ rischen Städtchen Karl­ stadt erhebt sich die ­Ruine Karlsburg. Im hessischen Seligenstadt entdecken wir in den verwinkelten Gassen ­diese verträumte Gold­ schmiede-Werkstatt.

An den schmucken Fachwerkhäusern von Karlstadt findet man reizvolle Details wie diesen kessen Knappen. 38 REISE MOTORRAD 2009/6

durch die bewaldeten Berge bahnen. Geruhsam fahren wir die weiten Mainschleifen entlang, ­immer wieder folgen unsere Blicke Ausflugsdampfern oder Frachtkähnen. Erst weiter im ­Süden, an der Grenze zu Baden-Württemberg wird es recht lebendig. Denn da reiht sich wieder ein altes Städtchen an das andere, Wertheim mit der wildromantischen Ruine seiner mittelalterlichen Burg, deren Anfänge bis zur Zeit der ­Staufer zurückreichen. Miltenberg mit der alten Mainbrücke und den üppig verzierten Fachwerkfassaden zeugt heute noch von seinem Reichtum dank früherer Zoll- und Marktrechte. Nun aus den Tiefen des Spessarts entlassen, tauchen ­wieder Weinberge vor uns auf, doch steiler und höher als im flacheren Maindreieck, geziert von Werbetafeln für Rebsorten und allerlei Hinweisschildern zu Häckerwirtschaften. Dort wo die Spessarthügel auslaufen und in eine weite Ebene münden, liegt Aschaffenburg. Über Hochbrücken führt die Durchgangsstraße durch die Stadt und erlaubt herrliche Ausblicke auf das Stadtpanorama. Dunkel erhebt sich das massige Schloss Johannisburg über der nun ­wieder lieblichen Mainlandschaft. Daneben in einer wunderschönen Parklandschaft eingebettet, liegt das in sonnigen Farben erstrahlende Pompejanum. Mit Aschaffenburg verlassen wir

Bayern und nehmen im nahe gelegenen Seligenstadt die Fähre hinüber nach Hessen. Glaubte ich früher, Seligenstadt sei nur einer dieser ­Industrieorte an der Frankfurter Autobahn, so werden wir mehr als angenehm überrascht. Seligenstadt ­entpuppt sich als charmante Fachwerkstadt mit historischer Vergangenheit, die bis in karolingische Zeit zurückreicht. Eine Kaiserpfalz und ein Romanisches Steinhaus, in welchem Kaiser Friedrich Barbarossa 1188 Hoftag abhielt, zieren die Stadt, daneben die monumentale Einhard-Basilika und der bunte Garten der Klosteranlage. Und eine weitere Überraschung kommt hinzu: Feiern ist angesagt in den Mainstädtchen und so genießen wir nach einem köstlichen Abendmahl mit der Frankfurter „Grie Soß“ am Stadtfest „Sommer in Seligenstadt“ das hervor­ ragende ­Seligenstädter Glaabsbräu bei Livemusik mit Rocksongs der 70er und 80er, ganz nach unse­rem Gusto...

Der Untermain Von Seligenstadt bis zur Mündung, also in ­seinem ganzen hessischen Abschnitt, fließt der Main durch eine dicht bebaute Großstadtlandschaft. Nur an sehr wenigen Stellen finden sich hier noch mehrere Kilometer durchgängig un­ bebautes Flussufer. Es versteht sich von selbst, in


Frankfurt am Main ist dem nicht so! Dafür glänzt die Mainmetropole mit einer Wolken­ kratzer-Skyline à la New York, was ihr auch die Bezeichnung „Mainhattan“ eintrug. Dennoch: Die Mainufer und das Museumsufer sind mit ­begrünten Promenaden angelegt, eine beeindruckende Inszenierung von Wasser inmitten der Großstadt. Und die Frankfurter verstehen es, hier ebenso zu flanieren wie in der quirligen City. Der Börsenplatz im Finanzzentrum, der sogar mit einem Motorradparkplatz ausgestattet ist und den die Figuren „Bulle und Bär“ vor dem Gebäude der Wertpapierbörse als Symbol für steigende und fallende Aktienkurse zieren, ist ­belegt mit zahlreichen Weinständen. Man feiert nach Dienstschluss, die Massen strömen hierher und genießen im Sonnenschein die leckeren Tropfen von Weißburgunder, Rivaner oder ­R iesling. Nun geht es auf zur letzten Etappe bis Mainz. Der Main ist hier entweder zugebaut oder von dichten Bäumen eingefasst. Einen hübschen ­A nblick bildet noch die alte, an der Mündung der Nidda in den Main gelegene Stadt Höchst. Hoch ragen ihr Renaissanceturm und die karolingische Justinuskirche empor. Doch da schließt sich der Industriepark Höchst an, einer der größten Industriestandorte Deutschlands, der aus der

Die Finanzmetropole Frankfurt am Main be­ sticht nicht nur durch ihre eindrucksvolle Skyline (unten) und die Wertpapierbörse, sondern auch durch quirliges Straßenleben (oben). Ganz gemütlich hingegen fließt der Main an seinem Ende dahin und mündet bei Mainz in den Rhein (r.). Hoechst AG hervorgegangen ist. Es folgen weitere Anlagen wie der Standort der Opel-Werke in Rüsselsheim. Der Main ist kaum mehr zu sehen ob der Ansammlung von Industrie, der Verkehr wird mühsam. Erst zum Ende unserer Tour, an der Mainspitze gegenüber der Silhouette von Mainz, erleben wir den Main nochmals in voller Pracht: Umgeben von sattem Grün, lauschigen Parkanlagen und bevölkert von Booten und ­K ähnen schillert er in der Nachmittagssonne. Adieu Main! Denn nun mündet dieser abwechslungsreiche Fluss an der Grenze von Hessen zu Rheinland Pfalz in den Rhein, wo seine Wasser schließlich in Richtung Nordsee fließen. m REISE MOTORRAD 2009/6

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242

Roth

Nürnberg

Auf die Hörner genommen: Der Frankfurter Börsen-Bulle mit Hel­ men. Zeichen für steigende Kurse?

Steinau Friedrichsdorf A3

Frankfurt

27

Hammelburg

Hanau

Offenbach

Mainz

Lohr in

Darmstadt

Ma

in

R he

A63

Rüsselsheim A3

9

Karlstadt

Marktheidenfeld

469

Erlenbach

Alzey A5 A61

Sulzbach

Worms

Miltenberg

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Walldürn

Schweinfurt

A7

Hassfurt Eltmann

Dettelbach

Ochsenfurt Tauberbischofsheim

Kulmbach

Bamberg A73

Höchstadt 8

Forchheim

470

Neustadt a.d. Aisch

Bayreuth

Ebermannstadt

A3

A81 27

Burgkunstadt

A70

Zeil

Grafenrheinfeld

Kitzingen

Wertheim

Bad Staffelstein

Volkach

Würzburg

Erbach WaldMichelbach

303

173

Kronach Lichtenfels

Bad Kissingen

Gemünden

Aschaffenburg

Seligenstadt

Anreise Der Start der Tour bei Kulmbach ist, von Westen kommend, gut erreichbar über die A 70 BambergBad Berneck, Ausfahrt Kulmbach. Von hier sind es 10 km bis Kulmbach, wo man nach Mangersreuth und kurz danach nach Frankenberg zum Mainzusammenfluss abbiegt. Von Süden oder Norden anreisend, über die A 9 MünchenNürnberg-Berlin, erreicht man die A 70 am Kreuz „Dreieck Bayreuth/ Kulmbach“. Die Main-Mündung bei Mainz ist von zahlreichen ­Autobahnen in alle Richtungen umgeben. Coburg

279

A71

1

de

Highlights •B  ad Staffelstein ist ein histori­ sches Zentrum im oberfränki­ schen Landkreis. Unterhalb des schon von den Kelten besiedelten Staffelberges liegt die Stadt zudem im so genannten „Gottes­ garten am Obermain“, der viele Sehenswürdigkeiten aufweist. Dazu gehören Kloster Banz, ein Musterbeispiel des süddeutschböhmischen Barocks des beginnenden 18. Jahrhunderts, und die Wallfahrtskirche Vierzehnheiligen, ein Rokoko-Bauwerk 1743-1772 (www.bad-staffelstein.de, www.klosterbanz.de, www.vierzehnheiligen.de) Hier geht es los mit dem Main: km 0,0 am Zusammenfluss von •D  ie Straße der FachwerkroRotem und Weißem Main. mantik zwischen Bamberg und Königsberg in Bayern führt durch zahlreiche unterfränkische www.sommerhausen.de). Auf der Städtchen. Dazu lohnt durchaus ­Main­insel, im Volkacher Stadtein Abstecher in die Hassberge. teil Astheim, startet die Main•M  ainfranken, zwischen Schwein­ schleifenbahn, eine 1909 eröfffurt und dem Spessart, bezaunete Nebentrasse aus der Zeit bert nicht nur durch die meisterder königlich-bayerischen Staats­ haft angelegten Weinberge, bahn. Die Bahn ist eine Tourisla Mesola son­dern auch durch seine Win-Pralongiá musattraktion, die entlang der 2734  Grödner Joch zerstädtchen mit den bunten Mainschleife fährt, nostalgisch 2138 2121 Fachwerkhäusern und meist beangehaucht, ist man doch mit stens erhaltenen Stadtmauern Schienenbussen der 60er-Jahre und Türmen. In den Frühjahrunterwegs (www.mainschleifenbahn.de). und Sommermonaten finden • Karlstadt, so heißt es, weist das durchgehend Weinfeste statt – wohl schönste Stadtbild Mainman entkommt ihnen kaum. frankens auf. Direkt an die Main­ Die Orte bieten zudem sachkunuferpromenade schließt sich dige Exkursionen in die Weineine von spitzen Türmen unterberge und geführte Wanderun­ brochene Stadtmauer an, dahingen an (www.mainfranken-album.de, ter sieht man Häuserfassaden www.volkach.de, www.nordheim-main.de, und am gegenüberliegenden www.sommerach.de, www.dettelbach.de, Mainufer thront auf einem hohen

Kalksteinfelsen die Ruine Karlsburg. Der Tourismus ist noch recht zurückhaltend und es macht richtig Spaß, durch die schmucken Innenstadtgassen zu schlendern (www.karlstadt.de). • Spessart. Diese Region besticht durch die hohen, dunklen Waldhänge, die den Main eng einfassen. Besonders reizvoll sind die Städtchen Wertheim, Miltenberg und Klingenberg, die alle mit einer alten Handels- und Zoll­ tradition und dadurch mit einem historischen Stadtbild sowie markanten Festungen punkten. Auch hier stehen Weinfeste und Häckerwirtschaften auf der Tagesordnung (www.wertheim.de, www. miltenberg.info, www.klingenberg-main.de). •S  eligenstadt, in Hessen gelegen, ist ein lebendiges altes Städtchen, das für eine Zwischen­ übernachtung lohnt. Eine Mainfähre verbindet Hessen und ­Bayern. Für kunsthistorisch Inter­ essierte gibt es jede Menge zu sehen, eindrucksvolle Sehenswürdigkeiten aus einer über 1000-jährigen Geschichte (www. seligenstadt.de). •Z  u den großen und sehenswerten Städten an den Ufern des Mains gehören Würzburg (www.würzburg.de), Aschaffenburg (www.aschaffenburg.de), Frankfurt am Main (www.frankfurt.de) und Mainz (www.mainz.de).

A9

Auerbach

Erlangen

20 km

GPS-Download unter: www.reisemotorrad.de.

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Mainvierecks, das durch bedeutende historische Städte wie Würz­ burg, Schweinfurt, Wertheim oder Miltenberg besticht, ebenso wie durch die dunklen Wälder des Spessarts. Ab Aschaffenburg geht es dann durch die flache, dicht be­ baute Großstadtlandschaft, durch Frankfurt am Main und vorbei an Industriestandorten wie Höchst oder Rüsselsheim. Bis zur Mündung in den Rhein an der Mainzer Mainspitze nimmt der Frachtschiffverkehr hier deutlich zu.

Mit 524 km Fließstrecke ist der Main der längste rechte Nebenfluss des Rheins. Sein Ursprung liegt in der Nähe von Kulmbach im Zusammenfluss der Quellflüsse Weißer und Roter Main. Ungewöhnlicher­ weise für europäische Flüsse fließt er von Osten nach Westen. Er ­verläuft durch die Bundesländer Bayern und Hessen. Bei der Stadt Wertheim bildet er auf rund 25 km Länge die Grenze zwischen Bayern und Baden-Württemberg. Bei Mainz, an der Grenze von ­Hessen zu Rheinland Pfalz, mündet er schließlich in den Rhein. Der Flusslauf gestaltet sich ins­ gesamt sehr vielfältig, verläuft er doch entlang mehrerer fränkischer Mittelgebirge, historischer Kleinstädte und bedeutender Großstädte. In Oberfranken und entlang der Fränkischen Schweiz gibt sich der Fluss noch gemächlich. Ab Bamberg ist der Main dann auf 396 km bis zur Mündung schiffbar. Nördlich von Bamberg entstand der erste neuzeitliche Binnenhafen des Mainlaufs, dort wo sich das nördliche Ende des Main-Donau-Kanals befindet, der seit 1992 eine schiffbare Verbindung zwischen der Nordsee und dem Schwarzen Meer ermöglicht. Ab Bamberg durchfließt der Main Unterfranken entlang der Hänge des südlichen Steigerwaldes und der nördlichen Hassberge. Schließ­ lich folgt das fränkische Weinbaugebiet, dem der Fluss den Namen „Mainfranken“ gab. Dies ist das Gebiet des Maindreiecks und


Grossheubacher ­Bischofsberg: Stolz prangen im Main­ viereck die Titel so mancher namhafter Weinlagen aus den Weinbergen hervor. Die beste Werbung! Essen und Unterkunft In kulinarischer Hinsicht sind die Gerichte durchwegs als deftig und unverfälscht zu bezeichnen. Im fränkisch-bayerischen Raum liebt man herzhafte Brotzeiten, Schweinebraten oder ein ofenfrisches „Schäufele“, ein Schulterstück vom Schwein, mit haus­ gemachten Klößen. Ganz oben stehen Bratwürste, regional mit unterschiedlichen Zutaten, aber überall traditionell auf dem Rost gegrillt. Spezialitäten im hessi­ schen Raum sind „Leiterchen“ (Schälrippe vom Schweinebauch) und die Frankfurter „Grie Soß“, eine Grüne Sauce aus Kräutern und saurer Sahne zubereitet. Dazu reicht man Kartoffeln, hart gekochte Eier oder Tafelspitz. Die Regionen entlang des Mains sind touristisch recht gut ausgebaut, deshalb lassen sich Campingplätze sowie Zimmer in ­Hotels und privaten Pensionen leicht finden. Hotels und Gästehäuser sind in den Ortschaften meist ausgeschildert. Unsere Tipps: • „Staffelsteiner Hof“, Horsdorfer Straße, 96231 Staffelstein, ­Telefon (0 95 73) 330 60, www. staffelsteiner-hof.de • „Hotel Eisenbahn“, Neue Bahnhofstraße 19, 97753 Karlstadt,

T­ elefon (0 93 53) 97 46 60, www. hotel-eisenbahn.com • „ Frankfurter Hof“, Marktplatz 3, 63500 Seligenstadt, Telefon (0 61 82) 937 70, www.frankfurterhofseligenstadt.de Literatur und Landkarten •R  alf Nestmeyer, Franken, Michael Müller Verlag GmbH, Erlangen 2007, ISBN 978-3-89953-278-4, 19,90 Euro •M  airs Geographischer Verlag, Generalkarte Nr. 14, Erfurt, Bayreuth, Zwickau, ISBN 3-82972-013-0 und Nr. 13, ­Frankfurt a.M., Fulda, Würzburg, ISBN 3-8297-2012-2, jeweils 1 : 200.000, 4,95 Euro •M  airs Geographischer Verlag, Motorrad Generalkarte, Stutt­ gart, Nürnberg, Ingolstadt, ISBN 3-8297-2101-3, 1:200.000, 5,90 Euro Wichtige Adressen Die Homepage www.mainradweg.com bietet viele Infos zum Main im ­Allgemeinen, Tipps für Touren, landschaftliche und kulturelle ­Sehenswürdigkeiten sowie Unterkunftssuche. Auch unter www. main360.de findet man Infos und ­Literaturtipps. Ebenfalls inter­ essant: www.frankentourismus.de und www.hessen-tourismus.de.


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