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DONNERSTAG, 20. DEZEMBER 2018

LEBEN & LEIDENSCHAFT

Artland goes Afrika Mittelständler denkt groß und plant Gesundheitszentrum in der Elfenbeinküste

VON CHRISTOPH LÜTZENKIRCHEN ANKUM. Tausende von Afrikanern verlassen derzeit ihre Heimat und träumen vom Glück in Europa. Die Probleme, die daraus erwachsen, sind bekannt. Ein Unternehmer aus Ankum bei Bersenbrück will sich damit nicht abfinden. „Mein Ziel ist es, den Menschen eine Chance zu geben, in ihrer Heimat zu bleiben“, sagt Peter Bergmann.

Der Ankumer will in dem westafrikanischen Land Elfenbeinküste ein Gesundheitszentrum aufbauen. Unter dem Dach des Zentrums in der mit drei Millionen Einwohnern größten Stadt des Landes Abidjan soll eine Dialysestation mit bis zu 20 Plätzen entstehen, eine Rettungsstation und ein pharmazeutisches Zentrum. Außerdem plant Bergmann eine mobile Augenarztpraxis. Als Chef eines Medizintechnikunternehmens mit knapp 20 Mitarbeitern – der Flores Medizintechnik in Ankum – weiß Bergmann sehr genau, wovon er re-

det. Seine Grundidee ist bestechend: Er will die Lebensbedingungen vor Ort verbessern: mithilfe einer leistungsfähigeren medizinischen Infrastruktur und indem er vor Ort profitable Unternehmen aufbaut und Arbeitsplätze für qualifizierte Menschen aus dem Land schafft. Bergmann ist kein blauäugiger Idealist; über private Kontakte hat er bereits mehrere Reisen nach Afrika unternommen und medizinische Hilfsgüter transportiert oder vermittelt. Sie umfassten Medikamentenlieferungen und medizintechnisches Gerät, einmal sogar einen ausgedienten Krankenwagen. Aufgrund seiner Erfahrungen weiß er, dass in Afrika ohne gute Kontakte nichts geht. Für seine Projekte in der Elfenbeinküste hat Bergmann sich auf vielen Ebenen Helfer und Unterstützer gesichert. Eine zentrale Rolle kommt dabei Dr. Felix Bruns zu. Mit seinem Verein „Nachhaltig gegen Hunger – contre le faim“ ist der Agrarökonom und ehemalige Ministerialrat seit 16 Jahren in der Elfenbeinküste aktiv und hat dort un-

Unter anderem eine Dialysestation soll das neue Gesundheitszentrum haben,das Peter Bergmann in der Elfenbeinküste bauen will.

ter anderem rund 4000 Schulplätze geschaffen. Der Afrikakenner sieht großes wirtschaftliches Potenzial für Bergmanns Projekt. „Das Gesundheitssystem der El-

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fenbeinküste ist schlecht bis kaum vorhanden. Aufgrund der seit einiger Zeit wieder relativ stabilen politischen Lage hat sich hier jedoch in den letzten Jahren eine Mittelschicht etabliert, die bereit und in der Lage ist, für Gesundheitsdienstleistungen zu bezahlen“, so Bruns. Namhafte Unterstützer hat Peter Bergmann auch in der Elfenbeinküste gefunden. „Es sind Menschen, denen wir vertrauen“, sagt er. Das ist sehr wichtig, denn trotz der deutlichen Verbesserung der politischen Verhältnisse in den vergangenen Jahren ist Korruption in dem Land noch immer weit verbreitet. Gemeinsam mit den lokalen Helfern hat der Ankumer Unternehmer vor Ort die Firma „ABBA“ gegründet. Sie verfügt seinen Angaben zufolge über alle behördlichen Genehmigungen, die er für die Umsetzung seiner Pläne benötigt. Der Firmenname steht für die Namen der Gründer: Das „A“ steuerte Prof. Allou Assa bei, Leiter der Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie an der Klinik Treshville in Abidjan und bis 2010 stellvertretender Gesundheitsminister der Elfenbeinküste. Das erste „B“ steht für Dr. Kofi Alassane Brou, der als Mediziner in der Entwicklungshilfe in der Elfenbeinküste tätig ist. Das zweite „B“ kommt von Peter Bergmann selbst, das abschließende „A“ von dem Rechtsanwalt Paul Akre-Tschakre aus Abidjan. Wichtige Wege sind gebahnt, Bergmann und Bruns wollen ihr Projekt nun Schritt für Schritt realisieren. Aktuell suchen sie nach einem geeigneten Grundstück in Abidjan. Es soll verkehrsgünstig liegen und die Installation einer eigenen Infrastruktur für Wasser und Strom erlauben. Außerdem ist Eile geboten, denn die Immobilienpreise in der Metropole entwickeln sich sprunghaft. „Besonders die Chinesen investieren dort riesige Summen und kaufen alles auf “, sagt Peter Bergmann. Wenn ein Grundstück gefunden ist, will er binnen eines Jahres die nötigen Gebäude errichten. Dabei sollen fertige Module aus Deutschland zum Einsatz kommen. Die technische und hygienische Qualität ließe sich so am besten sicherstellen, glaubt der Ankumer. Für die Dialysestation kooperiert er mit der börsenno-

tierten deutschen Dialysespezialistin Fresenius Medical Care. Nicht nur ein Grundstück, auch Investoren für ihr Gesundheitsprojekt suchen Bergmann und Bruns aktuell. Es soll nicht um Spenden für arme Afrikaner gehen, sondern um Investitionen in die Zukunft eines Landes mit enormem Entwicklungspotenzial. Bis 1999 sei die Elfenbeinküste das Land mit dem größten Wohlstand in ganz Afrika gewesen,

Die Initiatoren rechnen mit Investitionen zwischen drei und vier Millionen Euro.

Foto: Fresenius Medical Care

sagt Felix Bruns, dann begann ein jahrelanger Bürgerkrieg. Erst seit 2010 herrscht relative politische Ruhe. „Das Land ist etwas größer als Deutschland, hat aber nur 22 Millionen Einwohner“, so Bruns weiter. „Sie gehören zu 20 verschiedenen Volksgruppen mit jeweils eigenen Sprachen. Die Amtssprache ist Französisch, das geht auf die Kolonialgeschichte zurück.“ Im Süden würden überwiegend Katholiken leben, in der Mitte des Landes Menschen mit Naturreligionen und im Norden Muslime. Auch wirtschaftlich habe das Land etwas zu bieten. „Die Elfenbeinküste ist der größte Kakaolieferant weltweit, außerdem verfügt das Land über wertvolle Bodenschätze wie Diamanten, Gold und Öl.“ Die beiden Initiatoren Bruns und Bergmann rechnen mit Investitionen in Höhe von drei bis vier Millionen Euro. Sie sollen sich innerhalb von nur drei Jahren amortisieren; die Gewinnschwelle plant man in weniger als zwölf Monaten zu erreichen. Für den Fall, dass nicht alles nach Wunsch verläuft, wollen Bergmann und Bruns ihr Projekt für die Absicherung durch staatliche Euler-Hermes-Bürgschaften fit machen. „Ich beschäftige mich gerade mit den Vorbereitungen für einen entsprechenden Antrag“, sagt Bruns. Gemeinsam mit Peter Bergmann will er potenzielle Investoren in Kürze zu einer ersten Informationsveranstaltung einladen.

Für sein Projekt hat sich Peter Bergmann (links) auf vielen Ebenen Unterstützer gesucht. Einer ist der Agrarökonom Dr.Felix Bruns. Foto: Christoph Lützenkirchen,