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Europas Sammlermagazin

12/2017 64419

• € 4,90

Schweiz CHF 8,50 | Österreich € 5,50

Lametta Metallobjekte


U2_Junge

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12:45 Uhr

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INHALT 3

TRÖDLER

ISSN 1863-0340

VERLAG

GEMI Verlags GmbH Pfaffenhofener Straße 3 85293 Reichertshausen Tel. 08441 / 4022-0 Fax 08441 / 71846 Internet: http://www.gemiverlag.de eMail: info@gemiverlag.de

GESCHÄFTSFÜHRER

Gerd Reddersen Rudolf Neumeier

CHEFREDAKTEUR

Karl Ruisinger eMail: karl.ruisinger@gemiverlag.de

REDAKTION

Nicola Fritzsch, Joscha Eberhardt, Karin Probst, Helene Stümpfle-Wolf

■ Expertenauskünfte

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MAGAZIN ■ Ausstellungen – Messen – Märkte

GLAS

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■ Die dunkle Pracht

ONLINETIPP

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■ Websites für Sammler

AUTOREN DIESER AUSGABE

Reinhard Bogena, Thomas Müller Heidrun Grigoleit, Ludger Spielberg

REDAKTIONSASSISTENZ

Heike Genz

TERMINE

Anette Wagner, Tel. 08441/4022-35 Hans Neumeier, Tel. 08441/4022-34 eMail: termine@gemiverlag.de

■ Berichte – Preise – Termine

LITHOS, SATZ, HERSTELLUNG

Westner Medien GmbH (Anschrift siehe Verlag)

SCHALLPLATTEN

ANZEIGEN

Markus Westner, Tel. 08441/4022-13 Hans Neumeier, Tel. 08441/4022-34

KLEINANZEIGEN

Heike Genz, Tel. 08441/4022-18 Marlene Westner, Tel. 08441/4022-12

KUNSTHANDWERK

VERTRIEB

Gerd Reddersen

■ Messingobjekte / Teil 2

ZEITSCHRIFTENHANDEL

VU Verlagsunion KG

MARKTVERTRIEB

Jörg Kirschbaum Mobil 0172/4436638

ABOVERWALTUNG

Gemi Verlags GmbH Postfach 85291 Reichertshausen Tel: 08441/4022-0 Fax: 08441/71846 eMail: info@gemiverlag.de

DRUCK

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LESERFORUM

AUKTIONEN

18 32

■ Schwarzes Gold für Sammler

AUTOMOBILIA

78 86

■ Opel Jahreskalender

WEIHNACHTEN

92

■ Lametta

westermann druck Gmbh

FUNDSTÜCKE

98

■ Flohmarktpreise

TERMINE UND ANZEIGEN ERSCHEINUNGSWEISE

monatlich

TITELFOTOS

Glasmuseum Frauenau Ludger Spielberg

Alle Rechte vorbehalten. Kein Teil dieser Zeitschrift darf ohne schriftliche Genehmigung des Verlages vervielfältigt oder verbreitet werden. Unter dieses Verbot fallen die gewerbliche Vervielfältigung per Kopie, die Aufnahme in elektronische Datenbanken und die Vervielfältigung auf CD-ROM.

■ ANTIKMARKTTERMINE ■ SAMMLERBÖRSENTERMINE ■ AUSLANDSTERMINE ■ REGELMÄSSIGE TERMINE ■ FLOH- UND TRÖDELMARKTTERMINE ■ KLEINANZEIGEN IN DER SAMMLERBÖRSE

Es gilt die Anzeigenpreisliste 1/11 (Preise gültig seit 01.08.2006)

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LESERFORUM 4

EXPERTISEN

■ Vase

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Ich habe eine ganze Kollektion blauer, schwerer Keramik mit Ritzdekor, vermutlich von Bitossi, insgesamt circa zehn Vasen, Schalen etc. Als Beispiel möchte ich Ihnen das größte Stück zeigen, eine rund 30 cm hohe Vase. Stammt sie wirklich von Bitossi und wann wurde sie hergestellt und wie wäre sie preislich einzuschätzen? Ursula Simon, o.O.

!

Die Bitossi Vase wurde nach einem Entwurf von Aldo Londi (1911-2003) hergestellt und gehört zur Serie Rimini Blu (Pro-

■ Bergbild

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Dieses Bergbild von Adalbert Holzer misst circa 19 cm x 12,5 cm. Unter der Lupe betrachtet stellte sich heraus, dass es leider gar kein Aquarell ist, sondern ein

Druck. Nun wundere ich mich aber über den Atelierstempel. Kommt der Druck dann vom Künstler selbst? Wieviel wäre ein Original-Aquarell wert? Matthias Müllner, o.O.

!

Wie Sie bereits selbst erkannt haben, handelt es sich bei diesem Bild tatsächlich leider nur um einen Offsetdruck. Adalbert Holzer (1881-1966, München) studierte an der Münchner Kunstakademie bei Carl von Marr. Mit seinem Künstlerfreund Otto Bauriedl verband ihn die Begeisterung für das Bergsteigen und das Malen in der Natur. Seine Aquarelle und Gemälde wurden in vielen Zeitschriften veröffentlicht, z.B. „Deutsche Alpenzeitung“ und ähnlichen Publikationen. Durch seine Kontakte zu Verlagen hatte er sicher auch die Möglichkeit, eine kleine Auflage

■ In dieser Rubrik beantworten unsere Experten Ihre Fragen zu dem einen oder anderen guten Stück. Doch leider sehen wir uns außerstande, ganze Nachlässe oder sämtliche sich in Ihrem Haushalt befindlichen Trouvaillen bewerten und schätzen zu lassen. Auch bitten wir um Verständnis, wenn es mit der Bearbeitung länger dauert. Senden Sie uns also Ihre Anfrage nur zu einem zu bestimmenden Objekt – mit detaillierter Beschreibung und gutem Foto, auf dem das Objekt ganz abgebildet ist. Noch ein Hinweis zu den Preisen, die von Fall zu Fall von unseren Experten genannt werden: Hierbei handelt es sich um Richtwerte, die anhand von Fotos allein getroffen werden und je nach Zustand des Objekts nach oben oder nach unten korrigiert werden können. Ihre Anfrage schicken Sie bitte an: duktionszeitraum 1955-1965). Es gibt allerdings auch aktuelle Neuauflagen. Durchschnittliche Vasen erzielen Preise zwischen 40 bis 80 Euro. Seltene Figürliche Keramik kann auch einige hundert Euro erzielen. Klaus-Dieter Müller, Lüneburg 12 / 17

Gemi Verlags GmbH Redaktion Leserforum Pfaffenhofener Straße 3 85293 Reichertshausen


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LESERFORUM 5

■ Gesangbuch

Offsetdrucke für sich drucken zu lassen. So ein Offsetdruck hat natürlich nur einen dekorativen Wert. Ein original Aquarell des Künstlers ist in Auktionen schon für unter 100 Euro zu haben.

?

Vor kurzem kam ich in Besitz dieses Gesangbuches. Auf dem Buchrücken steht der Name „Erna Schrader“. Ich nehme an, dass es sich dabei um die ehemalige Besitzerin handelt? Das Gesangbuch ist recht aufwändig gestaltet, mit Goldschnitt und einer Seite mit geprägten goldenen Lettern mit der Inschrift „Rufe mich an in der Noth“. Können Sie etwas mehr zu diesem Buch sagen, auch welchen Wert es heute hat? Jörg Eikmeier, Buchholz

Klaus-Dieter Müller, Lüneburg

■ Deckeldose

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Ich habe diese hübsche Dose auf dem Flohmarkt entdeckt. Sie gefiel mir auf Anhieb. Sie ist einwandfrei und hat einen Durchmesser von 17 cm, in der Höhe misst sie 7,5 cm. Wie würden Sie das Alter des guten Stückes einschätzen? Können Sie darüberhinaus auch den Hersteller ermitteln und eine Wertangabe vornehmen? Ingrid Weber, Karlsruhe

!

Gesangbücher finden sich sehr oft in Nachlässen, oft haben diese ihren Besitzer seit der Konfirmation ein Leben lang begleitet. Die handwerkliche Ausführung der Gesangbücher ist in der Regel sehr gut, so auch in diesem Fall. Der Einband aus geprägtem Leder, Goldschnitt und personalisierte Rückenvergoldung machen dieses Gesangbuch – im Vergleich zu heutigen Taschenbüchern – zu einem

!

Die hübsche Keramikdose hat eine typische 30er-Jahre Form und ist von Hand bemalt. Auf der Unterseite ist die Modellnummer angegeben. Es handelt sich also um eine im Schlickerguss-Verfahren hergestellte Keramik aus serieller Produktion. Hergestellt wurde das Gefäß von der Firma Carstens Uffrecht, vermutlich in dem Werk Gräfenroda oder Georgenthal. Aufgrund der Gussform ist die Form immer gleich, nur die anbossierte Handhabe in Blattform weicht manchmal ab. Die gleiche Deckeldose in vielen Varianten taucht immer wieder im Handel auf. Die CarstensGruppe hatte mehrere Werke in Deutschland und war mit bis zu etwa 4000 Angestellten einer der wichtigsten Hersteller von Gefäßkeramik in Deutschland. Ein Schätzpreis für diese Deckeldose wäre 15 bis 30 Euro. Klaus-Dieter Müller, Lüneburg

optisch-haptischen Erlebnis. Hergestellt wurde dieses Gesangbuch in sehr großer Auflage von der Schlüterschen Buchdruckerei in Hannover, welche noch heute in anderer Form existiert. Vermutlich erhielt Berta Schrader dieses Gesangbuch zusammen mit einem gerahmten Konfirmationsspruch anlässlich ihrer Konfirmation von einem ihrer Paten. Die Realeinkommen hatten sich in den Friedensjahren seit 1871 sehr gut entwickelt, was breiten Kreisen ermöglichte, ein aufwändig gestaltetes Gesangbuch zu erwerben. Das deutsche Kaiserreich liegt heute schon lange hinter uns, die Zahl der Kirchenbesucher nimmt kontinuierlich ab und die damals verwendete Schrifttype ist für den heutigen Leser kaum noch zu entziffern. Beide Faktoren kombiniert führen zu einem dekorativen Wert von unter 10 Euro. Klaus-Dieter Müller, Lüneburg

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GLAS 12

DIE DUNKLE PRACHT – KUNSTGLAS DER 1950ER THOMAS MÜLLER

Seit über 30 Jahren sammelt Thomas Müller Schwarzglas-Objekte. Sie stammen aus dem Thüringer Wald und Umgebung und wurden dort von neu angesiedelten, aus Böhmen vertriebenen Glasveredelern hergestellt. In den 1950er-Jahren wurden schwarze Glasvasen, -teller, -dosen und -schalen mit zeittypischen Motiven in Emaillebemalung so ansprechend verziert, dass man meinen könnte, das Wirtschaftswunder hätte im Thüringer Wald stattgefunden. Historie des Schwarzglases Beim Schwarzglas handelt es sich um mangangefärbtes, opakes Glas, das auch als Hyalith-Glas, in den USA als „Amethyst-Glass" bezeichnet wird. Gegen das Licht gehalten, ist zu erkennen, dass das schwarz wirkende Glas eine dunkelviolette Farbe hat. Es wurde erstmals 1817 in VEB Kunstglas Arnstadt

Ilmenau: Zentrum der Herstellung Viele der vertriebenen Glasmacher siedelten sich in der DDR rund um die Ilmenauer Glashütte an, die fortan – neben der Produktion technischer Gläser – den Auftrag hatte, die Rohlinge für die Veredelung herzustellen. Diese Rohlinge wurden von den Herstellerbetrieben mit den jeweils dort entwickelten Dekoren bemalt. Buchstäblich Hunderte von verschiedenen Motiven strahlen bunt vor dunklem Hintergrund. Das Kunsthandwerk ist in dieser Zeit noch fehlerlos und ansprechend. 12 / 17

der Gräflich Buquoy'schen Glasfabrik Silberberg in Südböhmen gezielt hergestellt, auch um den Vorbildern der Firma Wedgwood näher zu kommen. Analog zu den Wedgwood-Waren verzierte man die Schwarzglas-Erzeugnisse um 1900 mit einem weißen, in der Regel floralen Dekor. Dieses hob sich besonders gut vor dem schwarz wirkenden Hintergrund ab („Mary Gregory Style", „Schneemalerei"). In den 20er- und 30er-Jahren des 20. Jahrhunderts verändern sich die Dekore hin zu geometrischer Gestalt. Silbernes Dekor löst das weiße Dekor der Grün-


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GLAS 13

Mustervielfalt Die Dekore wurden von den Glasmalern „erfunden". Im Markt erfolgreiches Dekor wurde weitergeführt, unverkäufliches Dekor nicht. Im Einzelfall waren Dekore nur einem einzigen Glasmaler bzw. einer einzigen Glasmalerin zu eigen. Erst wenn diese eine Arbeitskraft nicht ausreichte, wurden weitere angelernt und das Muster in das Musterbuch aufgenommen. Neben den rein organischen Formen finden sich auch zahlreiche Dekore, die ihre Formenwurzeln in der Art-déco-Zeit haben. Die Mustervielfalt ist sehr groß. Es finden sich neben den floralen Motiven auch abstrakte, die aus floralen Ursprüngen abgeleitet sind. Neben und nach den Motiven der 1950er- und 1960er-Jahre existieren natürlich auch viele andere Motive; produziert wurden Schwarzglasvasen tatsächlich bis zur Wende. ECO Meiningen derzeit ab. Dieses setzte sich allerdings nicht nachhaltig durch, da das Silberdekor mit der Zeit anlief. Beliebt bleiben auch in dieser Zeit die goldenen Dekore; besonders hervorzuheben ist hier die belgische Glasmanufaktur Boom oder auch Doyen aus Havré-Ville.

Herstellung Das Glas wird im Schmelzofen in großen Bottichen geschmolzen, die „Hafen" genannt werden. Eine „Hafenreise" mit einer bestimmten Menge Farbglas beträgt circa 12 bis 15 Wochen. 14 Tage vor einem Hafenwechsel wird die jeweils neue Glaspartie geschmolzen. Hierbei startet man vom feinsten Kristallglas über die Farbpalette Champagner, Rosa, Bernstein, Topas bis hin zum Schwarzglas, dem letzten Produkt einer „Hafenreise". Da die Herstellung von Schwarzglas unter Verwendung von Restglas erfolgte, stufte man die Erzeugnisse später als eine Art Nebenproduktion ein. Oft fanden sie deshalb in der DDR nicht den Weg in die Angebotskataloge. Dabei ist das Schwarzglas schon deshalb kein Nebenprodukt, da es nicht leicht zu handhaben ist: Es ist blasenanfällig, aufgrund eines kleinen Ausdehnungskoeffizienten schwierig abzukühlen und auch wegen seiner Härte bzw. Sprödigkeit nicht leicht zu schleifen. Andererseits war es in der Produktion weniger anfällig: Während beim Klarglas mit 30 Prozent Ausschuss gerechnet werden musste, waren Schwarzglas-Hohlgläser nur mit 5 Prozent Ausschuss belastet. Dies erklärt sich daraus, dass Schlieren und Fehler im Glas nicht sichtbar sind. Erst beim Schleifen „bringt Schwarzglas die Fehler doppelt zurück".

Schwarzglas: Veredelungsbetrieb Die Veredelungsbetriebe, die sich auf das Bemalen mit Emaillefarben verstanden, betrieben auch einen eigenen Muffelofen. In diesem wird die per Hand aufgetragene Emaillefarbe bzw. das Dekor durch Anschmelzen haltbar gemacht. Es handelt sich um eine Technik, die sehr schwierig ist, denn das Hohlglas darf nicht wirklich anschmelzen, muss aber heiß genug werden, um den Auftrag auch haltbar einzubrennen. Dafür darf das Glas nicht wärmer werden als 600° Celsius, muss aber andererseits mindestens auf etwa 490° bis 580° Celsius erhitzt werden. Das Temperaturfenster ist also recht klein. Bleibt es zu kalt, ist das Dekor nicht haltbar, wird es zu warm, dann sinkt die Vase in sich ein. Dieser Ausschuss wird „Schmolz" genannt.

Betriebe in den 1950ern Viele der Glasmacher siedelten sich nach der Vertreibung aus Böhmen im Thüringer Wald an. In Ilmenau gründeten sich gleich mehrere Betriebe neu. Weitere finden sich in der näheren Umgebung. Etliche existierten auch nach den verschiedenen Verstaatlichungswellen als Betriebe – etwa des Glaskombinates Schmiedefeld – weiter am gewohnten Produktionsort. – Der VEB Kunstglas Arnstadt wurde von Heinrich Pietsch gegründet (Etikett HPA, später HP Kristall). Das Etikett „HW Arnstadt" (Harald Weigt), sein Nachfolger, ist auf silberbemaltem Schwarzglas nachgewiesen. Fastner und Söhne, Ilmenau

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GLAS 14

Franz Gullich, Ilmenau – Eschler & Co, Meiningen (ECO) steht für Emil Eschler. Nach 1964 wurde durch die Teilverstaatlichung der VEB Kunst- und Hohlglasveredelung Wasungen Komplementär. – Die Glasveredelung Josef Fastner und Söhne, Ilmenau, hat sich, um privat bleiben zu können, Mitte der 60er-Jahre geteilt. Der Betrieb blieb wohl als einziger privat, bis er 1990 nach der Wende geschlossen wurde. Es sind keine Etiketten bekannt; jedes Objekt ist aber am Boden nummeriert. – Die Glasveredelung Franz Gullich, Ilmenau (FG Ilmenau) bestand bis 1972. – VEB Kunst- und Gebrauchsglas Gehren, Gehren: Der Gründungsbetrieb A. Schöler, Gehren/Thüringen, ging über in VEB Kunstglas Gehren. Auf den ersten Etiketten des VEB ist er noch als „A.Sch." wiederzufinden. 1983 ging der Betrieb im Zuge der Kombinatsbildung mit drei anderen Betrieben auf im „VEB Ilmkristall Ilmenau". – Richard Leber & Co, Großenhain war wohl Glashändler, hatte aber auf seiner Ware die Ätzsignatur „Großenhain", und oft zusätzlich ein „L". Die Dekore ähneln sich sehr. Sie sind grau oder Silber mit Grau. – Glasveredelung Karl Großmann, Gehren (KG), wurde 1948 gegründet. Der Gründer stammte aus Haida, das dortige Gründerhaus hatte mehrere Etagen und ist auf dem „KG"-Etikett abgebildet. – MV Lucka steht MV für Martha Volkmer. Gegründet nach 1945 in Falkenhain, ist der Betrieb später nach Lucka umgezogen. Nach 1972 wurde er zum VEB Glasveredelung Lucka. – Die Hohlglasveredelung Oskar Mandler (Mandler Gläser) wurde später zum VEB VEB Kunstglas Gehren 12 / 17

Großenhain


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GLAS 15 HGV Ilmenau. Das Etikett „OM, Malerei, Schliff" könnte noch aus Böhmen stammen. Mit derselben Wappenform des Etiketts hieß es später darauf „Mandler Gläser". – Der Betrieb VEB Kunst- und Hohlglasveredelung Wasungen wurde ursprünglich von Josef Posselt gegründet. Nachdem die Gründer Anfang der 1950er-Jahre nach Westdeutschland übersiedelten, entstand „Kunstglas Semisch Wasungen". 1964 wurde der Staat Komplementär, 1972 erfolgte die endgültige Verstaatlichung und das Unternehmen wurde als VEB Kunst- und Hohlglasveredelung Wasungen geführt. – Der VEB Kunst- und Hohlglasveredelung Zella Mehlis war zunächst 1950 dem VEB Kunstglas Arnstadt unterstellt, ab 1952 wieder selbstständig.

Ausstellung und Forschung Die Zahl der verschiedenen Muster geht bestimmt in die Hunderte. Einen Eindruck Oben: Karl Großmann, Gehren. – Unten: Martha Volkmar, Lucka

Oskar Mandler

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GLAS 16 davon kann man im Glasmuseum Frauenau erhalten. Dort läuft bis zum 8. April 2018 eine Sonderausstellung zum Thema Schwarzglas unter dem Titel „Die Dunkle Pracht". Dort und beim Autor ist auch ein Ausstellungskatalog erhältlich, in dem die mehr als hundert Dekore der Ausstellung den unterschiedlichen Herstellern zugeordnet werden. Nachdem der erste Artikel zum Thema „Schwarzglas” 2005 im Trödler veröffentlicht wurde, hat sich manches, aber leider noch nicht viel getan: Noch immer gibt es keine – über den o.g. Katalog hinausgehende – Literatur zum Thema. Auch sonst existieren keine leicht zugänglichen Quellen, die nutzbar wären. Daher hat sich der Sammler und Autor auf den Weg gemacht und erstes Wissen über das Schwarzglas aus Thüringen zusammengetragen. Nun ist ein Anfang vorhanden und es steht die Erforschung eines neuen Sammelgebietes an. Thomas Müller ist daher für alle Hinweise und Quellenangaben dankbar. Die Redaktion des Trödler gibt selbstverständlich alle Hinweise und Kontaktwünsche weiter. Info: Dr. Thomas Müller, Telgte. Fotos: Glasmuseum Frauenau. www.schwarzglasvase.de

VEB Kunstglas Zella Mehlis

Oben: HGV Ilmenau. – Unten: VEB Kunstglas Wasungen

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ONliNeTiPP 17 n Von den mehrere Jahrzehnte für den Weltmarkt produzierenden deutschen Unternehmen haben viele auch Objekte angeboten, die heute in der Sammlerszene sehr begehrt sind. Dazu zählen z. B. Märklin in der Spielwarenbranche, Stollwerck bei Verpackungen für Süßwaren, mehrere Porzellan- und Fahrzeughersteller und selbstverständlich auch Carl Zeiss im Bereich optischer Geräte. Die unüberschaubare Vielfalt dieser Produkte kann eine einzelne Sammlung natürlich nicht bieten, weshalb die vielen privaten Sammler sich auch spezialisiert haben und ihre Kollektionen mit guten Fachkenntnissen präsentieren.

Carl Zeiss n Carl Zeiss archiv Im Firmenarchiv kann online nach Akten, Druckschriften, Fotografien und im Virtuellen Museum recherchiert werden. In dem gewaltigen Bestand sind mit Hilfe von speziellen Suchfunktionen, für die auch Anleitungen vorhanden sind, und auch nur durch Stichworteingaben/Volltext-Recherche gezielte Suchen möglich. Für Sammler dürfte besonders das Museum interessant sein, in dem sämtliche bis 1945 produzierte Geräte mit Bildmaterial und ausführlichen Beschreibungen zu finden sind. Wer nicht fündig wird, kann auch Anfragen an das Archiv richten oder vor Ort in Jena recherchieren. Neben vielen anderen Informationen bietet die Homepage auch reichlich Fakten zur Firmengeschichte und eine üppige Literaturliste. www.zeiss.de/corporate/geschichte/archiv.html

n Fernrohre und Zubehör

DDR-Zeit interessiert, sollte zum Ende der Startseite scrollen, wo mehrere Kameras mit Bildern und sehr ausführlichen Informationen vorgestellt werden. www.optiksammlung.de/Zeiss/Werrai.html

n Zeiss Objektive für die exakta Ein Sammler präsentiert hier Objekte aus der Fertigung von Zeiss für Exakta-Kameras. Mit ausgezeichneten Fotos, außerordentlichem Fachwissen, technischen Details und Datierungen kann ein sehr spezielles Sammelgebiet kaum besser vorgestellt werden. photobutmore.de/exakta/zeiss

n Ferngläser Carl Zeiss 18 Ferngläser von Zeiss aus der Zeit ab 1897 werden hier mit reichlich Bildmaterial und sehr ausführlichen Informationen vorgestellt. Abgebildet ist auch ein 44 Seiten starker Katalog von Zeiss aus dem Jahre 1952. www.fernglas-vitrine.de

n Zeiss Museum der Optik Im heutigen Hauptsitz von Zeiss, in Oberkochen, befindet sich das Museum mit über 1000 Objekten aus der 160-jährigen Firmengeschichte. Auf der Homepage wird über die zehn vorhandenen Themenfelder, Besichtigungsmöglichkeiten, Führungen, Öffnungszeiten usw. informiert. www.zeiss.de/corporate/innovation-undtechnologie/zeiss-museum-der-optik.html

Chronologisch geordnet für die Zeit bis 1960 und die Jahre danach werden Fernrohre von Zeiss vorgestellt, außerdem auch reichlich Zubehör. Die Objekte werden mit Bildern und vorwiegend knappen Beschreibungen präsentiert. www.jena-fernrohre.de

n Optisches Museum Jena Auf der Museumshomepage wird über Öffnungszeiten, Eintrittspreise, Veranstaltungen usw. informiert. Dazu kommen noch bebilderte Hinweise auf die Exponate, Ausstellungen und die Entstehungsgeschichte des Museums. Den Schwerpunkt der Präsentation und des Museums selbst bildet natürlich die Firma Zeiss. www.optischesmuseum.de/das-museum

n Optiksammlung Zeiss Kameras Hier wird eine außerordentlich große Sammlung alter Kameras präsentiert. Wer sich speziell für Zeiss-Produkte aus der 12 / 17


31_Lankes

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SCHALLPLATTEN 32

.. SCHWARZES GOLD FUR SCHALLPLATTEN-SAMMLER DEUTSCHE TAMLA MOTOWN PRESSUNGEN

€ 20-30 The Four Tops „It’s The Same Old Song 7 Inch”, erschienen 1965, Nr. „TM 1081”. Zuerst war der „poppige Soul”Track für die Supremes angedacht. Das Konzept wurde für das Vocal Quartett aus Detroit binnen 24 Stunden umarrangiert und produziert. Erst 2017 wurde die erste „Supremes”-Version (Mai 1965) veröffentlicht

€ 40-80 Marvin Gaye & Tammi Terrell „United LP”, veröffentlicht 1967, Nr. „STM 277”, dunkelblaues Label mit silberfarbenem Druck. Selten gehandelte deutsche Pressung. Der „R&B”-Track „Ain’t No Mountain High Enough”, wurde 1970 für Diana Ross zum ersten Nr.-1 Hit

€ 50-70 Marvin Gaye (1939-1984) „What’s Going On LP”, veröffentlicht 1971 Nr. „1C 062-92585”, laminiertes Cover. Das US Original erschien auf dem Motown-Sublabel Tamla Records als Konzeptalbum. Aus der Sicht eines heimkehrenden Vietnam-Veteranen setzt sich Gaye inhaltlich mit Drogenmissbrauch, Armut, Krieg und bereits 1971 mit globaler Erwärmung auseinander

€ 50-70 Marv Johnson (1938-1993) „I’ll Pick A Rose For My Rose 7 Inch”, 1969, Nr. „TM 7077”. Lediglich in der BRD und Holland erschien die „R&B-Soul”-Single mit Bildcover. Marv Johnson erlitt während eines Konzerts einen tödlichen Schlaganfall € 30-40 The Isley Brothers „Soul On The Rocks LP”. veröffentlicht 1967, Nr. „STM 275”. Fünftes Album der Gruppe aus Cincinnati, aufgenommen im legendären Hitsville Studio. Der Album-Track „Behind A Painted Smile” machte sie in England populär. Weltweit wurden sie dann bekannt mit „This Old Heart Of Mine” und „It’s Your Thing”. Letzterer Track erschien auf ihrem eigenen Label T-Neck. Er erhielt einen Grammy und wurde vom Rolling Stone Magazin in die Liste der 500 besten Songs aller Zeiten gewählt € 20-40 Michael Jackson (1958-2009) „Just A Little Bit Of You 7 Inch”, 1975 erschienen, Katalog-Nr. „1C006-96807”, geschrieben von den Erfolgsproduzenten Brian und Edward Holland. Der „Soul”-Song wurde damals aus seinem viertem Album „Forever” ausgekoppelt und für den 16-jährigen Teeny zu seinem größten Hit der letzten 3 Jahre. Er erreichte Platz 4 der „Soul”-Charts

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€ 20-30 Rick James (1948-2004) „Street Songs LP”, 1981 bei Motown/Bellaphon, Nr. „26015016”. „Disco”-beeinflusstes „Funk”Album, eingespielt von den Punk Funk Horns und der Stone City Band. Auf „Mr. Policeman” spielt Stevie Wonder Harmonika

€ 20-30 Eddie Kendricks (1939-1992) „Same LP”, veröffentlicht 1973, Nr. „1C 062-94662”. Der Mitbegründer der Temptations wurde bekannt für seinen ausgeprägten Falsett-Gesang, der technisch verstärkt das Kopfregister einsetzt


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SCHALLPLATTEN 33

€ 60-100 The Lewis Sisters „You Need Me 7 Inch”, erschienen 1966, Nr. „TM 25024”, Die „singenden Lehrerinnen” präsentieren auf der 4-Track EP „Pop” in dem streckenweise „Nothern Soul” einfließt

€ 50-70 The Marvelettes „Same LP”, erschienen 1965, Nr. „STM 274”, laminiertes Cover. Mit dem Hit „Please Mr. Postman” setzten sie bereits 1961 einen Präzedenzfall für kommende Girlgroups. Die „Girl Vocal Group” löste sich 1970 auf

€ 30-50 Martha (Reeves) & The Vandellas „Watchout! LP”, erschienen 1967, Nr. „STM 920”. Äußerst selten gehandelte und immer noch günstige „Northern Soul”-Scheibe, die vorab in den USA bei Gordy Records erschien. Dem Label des Motown Gründers Berry Gordy Jr., der Tamla Motown Ende 1964 für den USexternen Markt in Europa ins Leben rief

€ 50-60 Edwin Starr (1942-2003) „Take Me Clear From Here 7 Inch”, erschienen 1972, Nr. „1C 00693408”. Auch bei dieser Single ist die deutsche Pressung die einzige mit einem gestalteten Bildcover. Lediglich die niederländische Version hat ein unifarbenes Cover, jedoch mit schlichter Typographie

€ 90-110 The Supremes „Moonlight And Kisses 7 Inch”, 1965 auf CBS, Nr. „1719”. Den Durchbruch schafften sie 1964 mit „Where Did Our Love Go”, der neben anderen Hits, auch ins Deutsche übertragen wurde

€ 20-30 The Temptations „Cloud 9 LP”, erschienen 1969, Nr. „1C 054-90159”. Mit ihrem Hit „I Heard It Through The Grapevine” landeten sie einen häufig gecoverten Riesenhit und waren 13 Wochen auf Platz 1 der „R&B“-Albumcharts der USA

€ 200-250 Stevie Wonder „As/Contusion 12 Inch, 1980 auf Motown/EMI, Nr. „1C 05260158YZ”. Maxi-Auskopplung aus dem „Megaseller”-Album „Songs Of The Key Of Life”, das mit 150 verschiedenen Pressungen zu seinem erfolgreichsten Album wurde und zwei Grammys erhielt. Der Multiinstrumentalist steht neben Diana Ross (Supremes), Michael Jackson, Jackson 5 und den Temptations für den weltweiten Erfolg des afroamerikanischen Labels aus Detroit € 50-70 The Monitors „Greetings!... We’re The Monitors LP”, veröffentlicht 1968, Nr. „TML 11108”, Debütalbum. Kurz nach Erscheinen löste sich die Band auf. 1990 brachte man ein Reunion-Album raus. Der Sänger Richard Street arbeitete zwischenzeitlich mit den Temptations zusammen

Alle angegebenen Schallplattenpreise verstehen sich als ungefähre Richtpreise, die bei Internet-Auktionen, Schallplattenbörsen, Sammler-Foren, Festpreislisten, Privatverkäufen etc. erzielt oder angeboten wurden. Die Preise gelten in der Regel für Mint/Mint- Exemplare (neuwertig bzw. minimale Gebrauchsspuren).

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09.11.2017

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AUTOMOBILIA 86

OPEL JAHRESKALENDER REINHARD BOGENA

Jeder Mensch braucht einen Kalender: um Termine und Geburtstage einzutragen, einfach nur als Wandschmuck oder um ein bestimmtes Datum nachzuschauen und ein besonderes Ereignis einzuplanen. Am Jahresende haben sie ausgedient und werden entsorgt – meistens. Nur wenige bekommen eine Chance, die Zeit zu überdauern – weil man sie irgendwo abgelegt und vergessen hat oder weil sie besonders hübsche Motive zeigen und deshalb aufbewahrt wurden. Dazu gehören die Werbekalender der Autohersteller.

Opel Jahreskalender von 1956 mit zeitgenössischem Modell von Günthermann. – Kalenderblatt und Originalprospekt. – Kalenderblatt mit Originalprospekt vom Opel Olympia

Nostalgie nicht nur für Opel-Fahrer Kalender gehören zum Leben, sie verdeutlichen uns, wie die Zeit vergeht (auch wenn wir das leider oft auch ohne sie merken). Am Ende des Jahres wandern sie in

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aller Regel ins Altpapier, es sei denn, man ist ein Fan der dargestellten Automarke und verleibt sie einer Sammlung ein. So werden aus den einstmals als Neuwagen auf den Kalenderblättern dargestellten Fahrzeugen irgendwann Bilder von Oldtimern. Zu dieser Gattung gehören heute die Modelle, die vor mindestens drei Jahr-

zehnten frisch vom Band liefen. Meist mit „Schmetterlingen im Bauch" hatte damals jemand die Schlüssel seines neuen Wagens beim Händler entgegen genommen, kein Leasing-Modell, das nach zwei oder drei Jahren emotionslos gegen den Nachfolger getauscht werden würde und kein Fahrzeug, das sich der Besitzer wie beim Car-Sharing mit anderen Menschen teilen musste. Von Anfang an spiegelte das eigene Auto den sozialen Status wider, es war persönliches Eigentum und zeigte, dass man etwas erreicht hatte. Man war ganz einfach stolz darauf. In den Nachkriegsjahren trug es erheblich zum Wirtschaftswunder bei und wurde zu dessen Symbol. Glänzender Chrom und eine verspielte Formensprache, die sich an amerikanischen Vorbildern orientierte, zeichnete viele Fahrzeuge dieser Zeit aus. Als Tochter der General-Motors-Corporation nahm das Rüsselsheimer Opel-Werk damals einige markante Stilelemente aus den USA, von der Gestaltung des Kühlergrills bis zur Panoramascheibe, auf. Egal ob 1,75-Tonner-Lastwagen Opel Blitz (von


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AUTOMOBILIA 87 Opel vor Kurzem an die französische PSAGruppe (Peugeot) verkauft, ein Grund für uns, einen Blick auf antiquarische OpelKalender zu werfen.

Wunderbares Werbematerial Als nach den Wirren des Zweiten Weltkriegs langsam Ruhe ins Land einkehrte,

„Mit dem Auto beim Picknick” war ein beliebtes Heile-Welt-Motiv jener Tage. – Jahreskalender 1957 mit stark bespieltem Modell von Gama. – Auch dieser Opel aus Blech stammt aus dem Hause Günthermann. – Kalender 1958 mit Zeichnungen versehene Prospekte sollten potenziellen Käufern Appetit machen. Die Krönung aber war ein jeweils zum Jahresende hergestellter Kalender, der alle Fahrzeuge des aktuellen Jahrgangs vorteilhaft in Szene setzte. Selbstverständlich erhielt man ihn kostenlos; manchmal musste man danach fragen, gute Kunden bekamen ihn auch ohne Aufforderung. Wie alles Werbematerial sollte die Gestaltung eine gewisse Wertigkeit ausstrahlen, denn es war natürlich im Sinne des Herstellers, dass die Kalender beim Verbraucher an exponierter Stelle ihren Platz bekamen. Tatsächlich war es so, dass man sich am Ende eines Zeitabschnitts schon aufs nächste Motiv freute, oder man bedauerte es, sich von seinem Lieblingsbild verabschieden zu müssen. Besonders ärgerlich, wenn die Kalender im echten Gebrauch waren, keine Spiralbindung besaßen und darum die Blätter abgerissen werden mussten. Manchmal pinnte man sie noch an die Wand, seltener wurden sie gerahmt. Im Gegensatz zu den meisten Prospekten haben deshalb nur wenige überlebt; komplette Jahreskalender sind daher total selten, entsprechend

1952 bis 1960) oder die Kapitän-AdmiralDiplomat-Reihe, deren letztes Modell bis 1977 vom Band lief – die amerikanischen Einflüsse sind unverkennbar. Trotzdem galt der traditionsreiche Hersteller immer als typisch deutsche Marke. Nach einigem Hin und Her in den letzten Jahren wurde

nahmen die Opelaner ihre Produktion schon bald wieder mit Kleinlastwagen (Blitz) und dem auf einer Vorkriegskonstruktion basierenden Olympia wieder auf, gefolgt vom legendären Kapitän. Schnell konnte man sich damit eine respektable Position am Automarkt sichern – Opel wurde eine feste Größe. Mit jährlichen Veränderungen an den Modellen (heute spricht man da vom Face-Lifting) wollte der Hersteller die Kauflaune stets aufs Neue wecken. Schön gestaltete, oft noch

gering ist die Chance, sie noch zum Schnäppchenpreis zu bekommen.

Opel – eine solide Größe Einen Opel zu besitzen, bedeutete in den Nachkriegsjahren, etwas Solides zu fahren, dem Volk der Kleinwagenfahrer entronnen zu sein, ohne dass jedoch das 12 / 17


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Selbst Kühlschränke kamen aus dem Hause Opel, Typ Frigidaire. – Opel Kapitän mit Westfalia Wohnwagen in Jugoslawien. – Opel Kalender 1959. – Opel Rekord P1 Caravan im Hafen von Panama. – Kalender 1964. – Skyline von New York, wo der Opel Rekord als Buick verkauft wurde Budget schon für einen Mercedes reichte. Obwohl: So ein Kapitän war ebenfalls nicht ohne und konnte mit der Marke aus Stuttgart durchaus konkurrieren, auch was das Image betraf. Das sollte sich dann im Laufe der Jahre etwas ändern, was man aber mehr der Käuferschicht anlasten muss als der Qualität des Autos, die ohne Zweifel gegeben war. Als Tochter von General Motors hatte sich Opel eine entsprechende Firmenphilosophie zu eigen gemacht und für den Geschmack der finanzkräftigen, aber konservativen deutschen Klien12 / 17

tel ausgerechnet bei der teuren Modellreihe Kapitän, Admiral, Diplomat zu viele amerikanische Designelemente einfließen lassen. Das hatte beim Kapitän von 1958 zu einem Eklat geführt, weil sich Kunden über einen zu engen hinteren Türeinstieg beschwerten. Für ein Direktionsfahrzeug mit Chauffeur besaß dieser Opel daher schlechte Karten. Noch innerhalb eines Jahres wurde das Modell deshalb durch einen Nachfolger abgelöst.

„Hosenträger-Image” Eigentlich unverständlich, dass der Marke Opel vor allem in den Siebzigern ein „Hosenträger-Image" anhaftete. Wie schon erwähnt, kann das eigentlich nicht den Autos angelastet werden, sondern es lag


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Einmal am Opel-Seifenkistenrennen teilnehmen war der Traum vieler Jungen. – Seltenes Opel-Blitz-Modell von Berkenkamp & Schleuter. – Auch wunderschöne Omnibusse trugen das Opel-Zeichen, den Blitz. – Der Kalender von 1958 zeigt noch den Opel Kapitän von 1957 Kalenderblätter 1958 mit Opel Rekord P1 von Gama. – Die Vorlagen der Bilder im 1959er-Kalender sind gemalt. – Das 58er-Modell des Kapitän wurde nach wenigen Monaten durch ein neues Modell ersetzt


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AUTOMOBILIA 90 Kalender 1960. – Der A-Kadett sollte dem VW-Käfer Konkurrenz machen. – Die Form des A-Rekord lehnt sich an den kleinen Chevrolet aus den USA an. – Schöne Winteraufnahme mit Kapitän mehr an deren Besitzern, die gerne der konservativen Bevölkerungsschicht oder dem Beamtentum angehörten; diesen Menschen sprach man jegliche Emotionalität ab. Dabei produzierte Opel in den 60er-/70er-Jahren auch den jugendlichen Kadett „Rallye", den legendären „GT", den schnellen „Commodore GSE" und andere sportliche Fahrzeuge aus Rüsselsheim. Aber wie man's macht, es wird falsch sein. So fielen Zweit- und Dritthand-Kadetts ebenso wie der wunderbar gestylte Opel Manta Typ A oft einer Landjugend mit „Möchte-gern-Allüren" zum Opfer, was ihnen schnell ein „Proleten-Image” einbrachte. Ihre einstigen Besitzer sind heute alle im gesitteten Alter, und so spielt häufig noch ein weiteres Moment eine Rolle, nach einem bestimmten Prospekt oder alten Kalendern zu suchen. Es ist zum einen die Erinnerung an die Fahrzeuge der Kindheit und ebenso vielleicht daran, wie man schon als Jugendlicher die Händler der Umgebung abklapperte, um irgendwo einen Autokalender oder anderes Werbematerial zu ergattern, das man stolz nach Hause trug.

Sammlerstücke Viele Kalenderblätter sind vom Foto bis hin zur Druckqualität richtige Kunstwerke, das gilt gerade auch für jene gemalten Bilder in der 1959er-Ausgabe des Opel Jahreskalenders. Einzig das Format von ca. 39 x 27 cm hätte man sich vielleicht etwas größer gewünscht, aber es war ja nur Werbematerial und damit auch eine Kostenfrage. Wer sich eines dieser Exemplare zulegen möchte, sollte für einen Opel-Kalender aus der Zeit bis Ende der 60er-Jahre je nach Alter und Zustand etwa 30 bis 100 Euro einplanen. Fotos: Reinhard Bogena

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LAMETTA LUDGER SPIELBERG

„Früher war mehr Lametta", stellte bereits 1978 recht mürrisch Opa Hoppenstedt angesichts eines karg geschmückten Weihnachtsbaumes in Loriots Sketch „Weihnachten bei Hoppenstedt" fest. Das schleichende Verschwinden von Lametta als Christbaumschmuck war zu dieser Zeit schon offensichtlich und setzte sich in den folgenden Jahren beschleunigt fort. Opa Hoppenstedt hätte von Jahr zu Jahr lauter klagen können und heute würden viele Kinder seinen Spruch wohl nicht mehr verstehen.

Lametta-Liebhaber. (...) Junge Deutsche mögen kein Lametta mehr, nur ältere Jahrgänge kaufen es noch. Wissenschaftler wissen auch warum: Der Niedergang des Lametta ist demnach Ausdruck für die Reklamemarke für Praeclara Eislametta, Größe 6 cm x 4 cm. Um 1920. Die Marke ist mit ihrem aufwändigen Silberdruck selbst ein kleines Schmuckstück, denn bei entsprechendem Lichteinfall glänzen die Streifen unter den Zweigen wie Lametta. Dieser Effekt ist hier leider nicht sichtbar. – Glasschmuck, Feenhar und Lametta aus Thüringen. Bildausschnitt aus: Thüringen exportiert Spielwaren und Christbaumschmuck, Herausgeber: Industrie- und Handelskammer Thüringen, o. J., wohl 1951. – Weihnachtsidylle mit einem „Weißen Baum", ausschließlich mit Lametta, Schneebelag und Kerzen geschmückt. Postkarte, gestempelt 24.12.1915

Weihnachtstradition WELT und N24 stellten am 16.12.2009 in ihrer Online-Ausgabe fest: „Mit Lametta stirbt ein Stück Weihnachtstradition. La12 / 17

metta durfte früher an keinem klassischen Weihnachtsbaum fehlen. Heute sieht das anders aus, denn die glitzernden, dünnen Metallstreifen sind einfach nicht mehr zeitgemäß. Man schmückt den Baum eben nicht mehr so, wie es einst die Oma getan hat. Trotzdem gibt es sie noch, die treuen


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WEIHNACHTEN 93 Tüten mit Aluminiumlametta aus der DDR. 1950er-/60er-Jahre. – Tüten mit Brillant Eis-Lametta. Die Bezeichnung ist kein Qualitätsmerkmal, sondern soll, wie auch die Bedruckung andeutet, ein Hinweis auf den Effekt sein. Wohl 1930er-Jahre. – Pappschachteln mit Aluminiumlametta vom VEB Alu-Glas aus Lauscha. 1960er-Jahre medien die endgültige Einstellung der Lametta-Produktion in Deutschland: „Jetzt ist gar kein Lametta mehr" (Spiegel), „Lametta: Letzter deutscher Hersteller in Roth hört auf" (SZ), „Aus der Baum. Lametta-Produktion in Deutschland eingestellt" (Bild), „Lametta-Freunde müssen tapfer sein" (Weser Kurier), „Letzter deutscher Hersteller hört auf" (Focus), „Unbeliebte Weihnachtsdeko. Früher war mehr Lametta" (FAZ), „In Deutschland wird kein Lametta mehr produziert" (der Standard, Wien), „Kunststoff statt Stanniol" (Donaukurier). Die Aufzählung ließe sich noch weiter fortsetzen und sogar die Tagesschau berichtete. Wirtschaftlich handelte es sich um ein selbst für den Hersteller nahezu unbedeutendes Ereignis, emotional hatte es aber wohl einen Stellenwert wie die Produktion des letzten VW-Käfers in Wolfsburg. Eine derartige Medienpräsenz hatte es bis dahin in der gesamten Lamettageschichte wahrscheinlich nie gegeben, wohl aber mit zunehmendem Umweltbewusstsein der Verbraucher Diskussionen und Presseberichte über die Gefahren des metallhaltigen Weihnachtsschmucks.

Stanniollametta

Entwurzelung des Menschen im Zeitalter der Globalisierung." Ohne großes Aufsehen und wissenschaftliche Analyse stellte 2014 einer der letzten bedeutenden deutschen Hersteller, die EppsteinFOILS GmbH & Co KG, die Produktion ein und gab auf der Firmenhomepage bekannt: „Die stagnierend geringe Nachfrage nach diesem traditionellen Weihnachtsartikel hat uns zu der Beendigung der Produktion von Stanniollametta veranlasst. Nach knapp 110-jähriger Produktion des Original-Stanniollamettas wird die Fertigung zum Ende des Jahres eingestellt. Aktuell stellen Restbestände sicher, dass auch im kommenden Jahr noch einzelne Kunden beliefert werden können, jedoch ist für eine Fortführung der Produktion das Marktinteresse zu gering. Allein in den regionalen und überregionalen Medien fand das Produkt zuletzt noch wiederkehrendes Interesse, mit dem bis in die späten 80erJahre alljährlich rechnerisch weit über 20 Millionen Weihnachtsbäume geschmückt wurden. Damit geht ein Stück Industriegeschichte zu Ende, das mit der Erteilung ei-

nes kaiserlichen Patents im Jahr 1904 begonnen hatte und über Jahrzehnte zur glanzvollen Stimmung an Weihnachten beitrug." Gut ein Jahr später, Mitte Dezember 2015, verkündeten zahlreiche Print-

Klassisches Stanniollametta besteht zu circa 98 Prozent aus Blei, ist deshalb nicht kompostierbar, darf auch nicht in Müllverbrennungsanlagen geraten und deshalb nur als Sondermüll entsorgt werden. Das Umweltbundesamt rät deshalb schon seit Jahren vom Gebrauch des Stanniollamettas ab, Mediziner warnen wegen des Bleigehaltes vor dessen Verwendung und Tierfreunde fürchten, dass verspielte Vierbeiner den Glitzerstreifen zu Nahe kom-

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WEIHNACHTEN 94 ten Weltkrieg wegen wechselnder Modetrends nach und nach verschwand, wie schon lange zuvor auch der Christbaumschmuck aus Watte, Dresdner Pappe oder Zinn. Lametta erwies sich zudem bei einer sachgerechten Entsorgung des Weihnachtsbaumes auch noch als ziemlich unpraktisch. Das Schmücken des Baumes mit vielen glitzernden Streifen machte wahrscheinlich noch Freude, ihn aber gänzlich für die Müllabfuhr inmitten pieksender Nadeln wieder abzudekorieren, war lästig. So gingen die Lametta-Umsätze der Hersteller und Händler stetig aus mehreren Gründen zurück und als letztes deutsches Unternehmen entschloss sich dann auch Riffelmacher & Weinberger zur Aufgabe der Produktion. Die Existenz der Rother Firma wurde dadurch nicht bedroht und ihr üppiges Weihnachtssortiment enthält heute eine große Auswahl Folienlametta in vielen Farben. Fans von Stanni-

men oder diese gar fressen. Auch Lametta aus Aluminium und Kunststoff als Ersatz ist wegen der Umweltbelastung ebenfalls nicht unproblematisch, hängt wegen des geringeren Gewichtes nicht so gut am Baum und bietet nur eingeschränkt den beliebten metallischen Glanz. Traditionelles Stanniollametta war jahrzehntelang unabdingbarer Bestandteil des beliebten „Weißen Baumes" mit viel Silberschmuck, der aber nach dem ZweiPappumschläge mit silbernem Stanniollametta, erkennbar hinter den Sichtfenstern. Wohl 1960erJahre. – Links in der Pappschachtel schweres Stanniollametta, dessen Effekt auch durch die Eiszapfen angedeutet wird. Daneben eine Papiertüte mit Goldlametta aus Thüringen. Beide wohl 1960er-/ 70er-Jahre. – Links im Pappumschlag Stanniollametta aus Thüringen, wohl um 1970. Rechts mit 55 cm ungewöhnlich langes Goldlametta, wohl um 1980. – Aus dem Lametta-Sortiment des Spielwaren-Versandhändlers A. Wahnschaffe, Nürnberg. Katalog 1914 12 / 17

ollametta müssen jedoch auch nicht darben, denn Händler verfügen noch über ei-

nige Restbestände. Bei einen bekannten Onlineversand war im Dezember 2016 noch folgendes Angebot zu finden (Auszug): „Nostalgisches, originales, echtes schweres Stanniol Qualitäts Lametta / Bleilametta – so wie es unsere Großeltern liebten... Eine klassische und nun auch rare, kostbare Pracht. Hängt richtig schwer am Baum. Materialzusammensetzung: 98% Blei und eine 2%ige Zinnhülse... Garantiert originales, echtes, schweres Stanniol-Bleilametta – also KEIN Eislametta, welches eine andere Haptik, Materialzusammensetzung und Hängeeigenschaft aufweist! Farbe: silber matt-glänzend, Fadenlänge: ca. 55 cm, Fadenbreite 2 mm, Inhalt Mappe/Packung: 22 g."

Für Sammler Sammler horten solche Weihnachtsklassiker ohnehin schon seit Jahren weit über den Eigenbedarf hinaus und bieten ihre Überschüsse an. Nach der Produktionseinstellung und wegen der befürchteten Knappheit sind die Preise in Sammlerkreisen und im Handel für Stanniollametta deutlich gestiegen. Der Abschied vom Lametta bezieht sich allerdings nur auf die deutsche Produktion. Weltweit konnte vor Weihnachten 2016 festgestellt werden: Mehr Lametta war noch nie. Wer sich beim wahrscheinlich größten Online-Versandhandel der Welt aus China auf die Suche begab, brauchte womöglich für die Sichtung der über 16.000 Ergebnisse beim Suchbegriff „Lametta" die gesamte Adventszeit, und auch die Beschränkung auf „christmas lametta" führte noch zu fast 10.000 Angeboten mit vorwiegend aus Kunststoff gefertigtem Girlanden- und Streifenlametta sowie zu allerlei mit buntem Lametta verzierter Weihnachtsdekoration. Bislang interessierten Sammler sich vorwiegend nur für schön gestaltete Verpackungen und kauften diese auch gern leer; neuerdings ist auch der Inhalt wieder begehrt.


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Ab circa 1900 ein Muss Erstmals dürfte Lametta, in welcher Form auch immer, im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts Weihnachtsbäume geziert haben. Der Schriftsteller Theodor Storm, durch zahlreiche Dokumente als Weihnachtsfan und begeisterter Christbaumschmücker bekannt, lieferte 1880 in einem Dankesbrief einen der frühesten Hinweise: „Zunächst nur Dank für alle schönen Gaben; goldene La Metta überspann den Quasten, Sterne, Kränze aus Lametta, z. T. mit Glaskugeln und Oblaten dekoriert, aus dem großen Christbaumschmucksortiment von Capelle & Braun, Hildesheim 1903. – Lametta-Girlanden im Katalog von Ludwig Philippsohn, Dresden 1911. – Der Katalog von Conrad Glaser aus dem Jahr 1908 enthält neben Ketten und Spitzen auch zahlreiche andere Schmuckstücke aus Lametta, außerdem eine enorme Vielfalt an Christbaumschmuck aus Glas, Watte, Papier und Dresdner Pappe. – Mit aufgeklebten Engelbildern dekorierter Lamettaschmuck. Schlichte Stücke dieser Art sind in vielen Katalogen bis in die 1930er hinein zu finden. Höhe je Exemplar ca. 7 cm. – Mit Lametta und leonischen Drähten dekorierte Glasspitzen. Aus dem Katalog von Richard Ladewig, Berlin, um 1910 12 / 17


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oberen Wipfel des Baumes, silbernes den unteren Teil (...)" (Eversberg, Theodor Storms Weihnachten, Husum 1993, S. 21). Um 1900 war Lametta als Bestandteil des Christbaumschmucks gut bekannt und weit verbreitet, wie auch zahlreiche Angebote in Katalogen aus der Zeit ab 1890 belegen. Während die meisten Großhändlerkataloge nur Abbildungen mit Stichworten enthielten, boten die Versandhändler auch deutliche Beschreibungen. So der Hoflieferant A. Wahnschaffe, Nürnberg, in seinem Katalog von 1895: „Lametta (Christkindleinshaar), wird schleierartig über den Baum ausgebreitet, Silber oder Gold, 20 Pf., bunt 25 Pf. per Strang". „DekorationsSortiment aus Oblaten, Gelatin und Lametta; reizende Formen in verschiedenen Farben und sehr leicht, per Dutzend 1 M.". „Glühkugeln; eine Neuheit und Verbesserung von diesem Jahr. Im Innern der farbigen, durchsichtigen Glaskugeln sind Lamettabäumchen, welche bei Beleuchtung wunderbar glitzern, per Dutzend sortiert M. -,80". „Vollständige Christbaum-Dekorations-Sortimente bestehend aus allen möglichen Anhängesachen aus Goldpapier, Lametta (Gold- und Silberfäden), Folio, Glas, Metall, Gelatine etc. etc. in den neuesten Sorten gemischt. Ca. 18 Gegenstände, M. 2,-". Die Angebote in Händlerkatalogen lassen zwar Erkenntnisse auf die frühere Vielfalt und Beliebheit von Lametta zu, aber nur wenige oder keine Rückschlüsse auf die Hersteller. Der Spielwarenkatalog des Jahres 1956 von Franz Carl Weber aus Zürich enthält noch zahlreiche Weihnachtsartikel, die eher an Vorkriegssortimente erinnern: Lamettaschmuck und -girlanden, Pendelkerzenhalter, mit leonischen Drähten umwickelte Glaskugeln, Krippenfiguren aus Papiermaché, Kugeln und Gebäude aus beglimmertem Karton, drehbare Christbaumständer mit Musikwerk. – Stern mit Strahlen aus Lametta, aufgeklebtem Weihnachtsmannkopf aus Pappe und bemalten Glaskugeln. Um 1920. H 16 cm. – Verschiedene Lamettaartikel aus dem Katalog des Großhändlers Erich Höhn, Scheibe-Alsbach, Thüringen, 1939. – Ein für die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg typischer Sortimentskasten mit Lamettaschmuck; hier aus dem Katalog von Richard Ladewig, Berlin, um 1910 12 / 17

Hersteller Dafür bieten sich jedoch viele historische Anzeigen aus den 1920er-/1930ern an, denn die Produzenten warben eifrig in verschiedenen Fachblättern, die von Großund Einzelhändlern bezogen wurden und neben wichtigen Informationen über die Branche auch als Information für Bezugsquellen dienten. Diese Anzeigen lassen erkennen, dass die meisten Hersteller wohl im Raum Nürnberg (Roth, Allersberg, Fürth) und in Thüringen tätig waren und ihre Produkte nicht nur als Weihnachtsdekoration anboten, wie eine Anzeige aus dem Wegweiser für die Spielwarenindustrie vom Juni 1935 zeigt: „Dekorationsartikel für Karneval und Schaufenster aus Lametta und Metallfolie. Süddeutsche Christbaumschmuck- und Reflektoren GmbH, Barnsdorf bei Nürnberg." Das genannte Fachblatt verkündete im Februar 1937 mit dem „Verbot der Herstellung von Lametta (Christbaumschmuck) mit einer Zinnauflage von mehr als 3 Prozent des Gewichtes" auch eine wichtige Nachricht für die Lamettaindustrie. Zu dieser Zeit liefen die Geschäfte wohl außerordentlich gut, denn per Kleinanzeige inserierte im Stellen-

markt der Fachzeitschrift ein Hersteller: „Tüchtige eingeführte Vertreter für Stanniol-Lametta in allen Bezirken gesucht von Spezialfabrik für Lametta-Christbaumschmuck." Die genaue Anzahl der Lamettahersteller in Deutschland bis etwa 1940 dürfte nicht mehr festzustellen sein; es werden einige Dutzend gewesen sein. Im „Wer liefert was" vom Oktober 1950 werden 12 deutsche Bezugsquellen genannt, davon neun aus dem Nürnberger Raum. Wahrscheinlich gab es zu dieser Zeit auch noch weitere Anbieter. Im Katalog vom Februar 1980 der Spielwarenmesse Nürnberg, wie schon zuvor die Leipziger Messe auch eine Fachmesse für Christbaumschmuck, werden mit dem Stichwort „Lametta" noch fünf deutsche Aussteller erwähnt, außerdem noch welche aus der Schweiz, Großbritannien und Finnland. Und gut 30 Jahre später: siehe oben! Der aktuelle Duden definiert Lametta als „Christbaumschmuck aus schmalen, dünnen, glitzernden Metallstreifen." Vorwiegend so, etwa 1,5 mm breit und meistens zwischen 40 cm und 60 cm lang, ist das Weihnachtslametta bekannt und in Erinnerung. Oft mit 20 bis 30 Streifen als Zopf zusammengebunden, wurde es vom Handel in unterschiedlich attraktiv gestalteten Papiertüten, Pappumschlägen und -schachteln angeboten. Abgesehen von Breite, Länge und Materialzusammensetzung unterschieden sich die Streifen kaum von-


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WEIHNACHTEN 97 Verspiegelte und mit Glimmer bestreute Glasglocke mit Klöppel; dekoriert mit Blättern aus geprägter Pappe, einem Engelbild und reichlich Goldlametta. H 15 cm. Um 1920. – Vogelnest, bestehend aus einem mit Lametta gefüllten Drahtgeflecht und einem Vogel aus verspiegeltem und bemaltem Glas. Um 1910. H 11 cm. – Zeitschriftenwerbung für Lametta-Christbaumschmuck aus den 1920er- und -30er-Jahren. Ein Auszug aus dem üppigen Lametta-Sortiment der Firma Gilardi, Allersberg. Katalogseite von 1938

einander und bei gleichen Mengen differierten auch die Preise kaum. Für die Kaufentscheidung dürften also ansprechend gestaltete Verpackungen eine wichtige Rolle gespielt haben, zumal manche Schachteln mit Bastelhinweisen und Ausschneidebildern auf den Rückseiten noch einen kleinen Zusatznutzen boten. Deshalb ist auch bei Sammlern das Interesse an schön gestalteten Verpackungen ausgeprägt, deren qualitativer und quantitativer Inhalt eher sekundär. Hinweise auf den Packungen, die Rückschlüsse auf den Hersteller oder Datierungen ermöglichen könnten, sind selten vorhanden. Ausnahmen bilden Produkte aus der DDR, auf deren Verpackungen oft Produzent, Material und Preis angegeben sind.

Eis-Lametta Nicht Mode, sondern Symbolik war Jahrzehnte ein wichtiges Kriterium für die Auswahl des Christbaumschmucks. Im Laufe der Jahre geriet die Bedeutung vieler Schmuckstücke wohl in Vergessenheit und der kalte Silberglanz von Lametta symbolisierte ursprünglich wahrscheinlich den eisigen Winter. Silbernes Streifenlametta wurde gern quer über die Baumzweige gelegt oder hängend angebracht und damit die glitzernde Wirkung von Raureif und Eiszapfen erzielt. Wahrscheinlich ist wegen dieser Effekte auch häufig die Bezeichnung „Eis-Lametta" auf den Packungen zu finden. In Strängen mit vielen Streifen hing dieses Lametta auch von den an Pickelhauben erinnernden und beliebten Glasspitzen der Christbäume herab. Schon die Hinweise aus dem Wahnschaffe-Katalog von 1895 lassen erkennen, dass Lametta nicht nur in Streifenform Weihnachtsbäume schmückte, sondern auch vielfältig verarbeitet und mit einer großen Zahl anderer Materialien kombiniert wurde. Das dafür genutzte Lametta entstand meistens aus flach gewalztem Draht (Plätt), war sehr schmal, biegsam und wurde auf die jeweils erforderliche Länge zugeschnitten. Um stabilisierende Drähte oder Schnüre gewickelt oder miteinander verflochten, ließ sich damit eine

Vielzahl von dekorativen Ojekten herstellen, etwa Bäumchen, Ringe, Kugeln, Hufeisen, Sterne, Schweife, Bälle, Zapfen, Blumen usw. Sehr beliebt waren oft mehrere Meter lange Girlanden, die spiralartig über die Zweige des Weihnachtsbaumes gelegt wurden. Liebhabern besonders üppig geschmückter Bäume bot sich damit, wie auch viele alte Fotos zeigen, die Möglichkeit, außer an Ästen und Zweigen auch noch zwischen diesen an den Girlanden Baumschmuck anzubringen. Ornamente mit dem Hauptbestandteil Lametta, häufig dekoriert mit kleinen Papier- und Pappoblaten, Schleifenband, winzigen Kunstblumen usw. werden in deutschprachigen Katalogen bis zu den „Auslaufmodellen" in den 1960er-Jahren als „LamettaChristbaumschmuck" gekennzeichnet; in Sammlerkreisen wird dafür häufig der Begriff „Tinsel" benutzt, die englische Bezeichnung für Lametta. Dieser Schmuck hatte neben dem geringen Preis auch einige Vorteile: Anders als Glasteile überstand er unbeschadet Stürze von den höchsten Bäumen, war nicht so fragil wie Dresdner Pappe oder Papierschmuck, musste auch nicht besonders sorgfältig für eine mehrmonatige Lagerung verpackt werden. Derartiger Schmuck entstand über Jahrzehnte auch weitgehend in familiärer Heimarbeit. Das von den Verlegern gelieferte Material, also hauptsächlich Lametta, Oblaten, Schleifenband, bedruckte

Pappe, Glaskügelchen usw., wurde nach den Vorgaben der Auftraggeber zusammengefügt, manchmal auch schon in Sortimentskästen verpackt und gelangte schließlich über die Fabrik, Großhändler, Vertreter usw. zu den Endkunden. So vielseitig wie Lametta wurde kein anderes Material mit anderem Christbaumschmuck kombiniert: ähnlich wie Glasseide als Schwänze von Vögeln, Verzierung von Watte-, Pappe- und Glasschmuck, Umrandung von Schächtelchen und Bildern, als Engelfügel, Füllmaterial von Vogelnestern und Körbchen, Ruten für kleine Weihnachtsmänner usw. Der Eiseffekt war, außer bei einigen Girlanden, dafür nicht erwünscht und deshalb wurde dieser Christbaumschmuck meistens mit goldfarbigem Lametta gestaltet. Diese alten Stücke sind inzwischen nach vielen Jahrzehnten meistens gedunkelt und lassen ihren früheren Glanz nur noch erahnen. Auch in Eigenarbeit dürfte mit einfachen Handgriffen einiger Lamettaschmuck entstanden sein. Unansehnlich gewordene Stücke ließen sich mit etwas frischem Lametta wieder aufhübschen, Oblaten konnten ausgetauscht oder überklebt werden, Glaskugeln und andere Objekte boten sich zur zusätzlichen Dekoration mit Teilen von Lamettagirlanden an. Da in vielen Familien der Christbaumschmuck in der Vorweihnachtszeit selbst gebastelt wurde, dürfte auch einiger Lamettaschmuck auf diese Weise entstanden sein. Fotos: Ludger Spielberg

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21 So Köln-Ossendorf

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28 So Köln-Godorf

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Globus Handelshof IKEA OBI Porta Real Roller SELGROS

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31 So Keine Märkte wegen Silvester

Termine im Januar

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