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Mit einem Kuss in der Küche hat alles angefangen Das Speiselokal Forst ausserhalb von Thunstetten BE ist laut Lunchgate das beste Restaurant der Schweiz. Zu Besuch im bernischen Oberaargau beim Ehepaar Koch. TEXT UND FOTO RETO E. WILD

Wer ins Restaurant Forst zwischen Thunstetten und Herzogenbuchsee BE eintritt, fühlt sich privilegiert. Ein roter Teppich ziert die Treppe. Das Speiselokal befindet sich im Weiler Forst, in einem Gebäude von 1904. Am Horizont zeichnet sich die Jurakette vom Weissenstein bis zum Born ab. Hier ist das Reich des Inhaber-Ehepaars Susanne Koch (50) und ihrem Mann Andreas (53). Sie kümmert sich um die Buchhaltung, um den Service und ist die Frau für alle Notfälle. Ihr Mann ist – nomen est omen – Küchenchef. Peter Koch, der Bruder von Andreas, arbeitet als Chef de Service. Und dieses Restaurant Forst mit seinem zehnköpfigen Team erhielt von Lunchgate und dem Reservationssystem forAtable den Swiss Guest Award als bestes Schweizer Restaurant – basierend auf über 50 000 echten und nicht manipulierbaren Bewertungen von Restaurantgästen (das «GastroJournal» berichtete). «Als uns das vor ein paar Tagen telefo-

nisch mitgeteilt wurde, dachte ich, jemand machte einen Witz oder wolle uns Werbung verkaufen», sagt Susanne Koch. Denn in der neuesten Ausgabe von GaultMillau sucht man das Forst, das 14 Punkte erreichte, vergebens. Es wird nur noch im Guide Michelin empfohlen. Das Unternehmerehepaar hat – abgesehen von der Mitgliedschaft bei GastroSuisse – kein Netzwerk. «Wir waren überrascht, weil wir gar nicht wussten, dass es diese Auszeichnung gibt», sagt Ehemann Andreas Koch. «Für uns bedeutet das, dass wir auf dem richtigen Weg sind, dass unsere Gäste mit unserem Gesamtangebot zufrieden sind.» Das Speiselokal gehe auf Spezialwünsche der Gäste ein. So gibt es einen Kunden, der gerne eine Omelette mit Konfi mag – und diese auch erhält. Die Gastgeber wollen zufriedene Gäste, die sich wie zu Hause fühlen. «Offenbar machen wir das nicht schlecht», bilanziert der Küchenchef. Seine Frau begründet:

«Afternoon Tea bieten wir an, um den Nachmittag zu stärken»

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P O RT R A I T

«Wir sind ein Familienbetrieb. Jemand von uns ist immer im Betrieb. Wir haben langjährige Mitarbeiter, denen wir vertrauen können. Das merken die Gäste.» Ihr Schwager habe die Gabe, selbst alte und bärbeissige Gäste zum Lachen zu bringen. In der Höhe thront eine Jesus-Statue Das Forst besteht aus einer mit viel Holz, historischen Bildern und vier Tischen eingerichteten Gaststube, einem Haupt-

★ Tipps zum Erfolg Was empfiehlt das Ehepaar Koch den Berufskollegen? «Wichtig ist die Freude am Beruf. Das überträgt sich auf den Gast. Den muss man gerne bedienen und ihm was Gutes tun – und dabei natürlich bleiben», sagt Susanne Koch. Als es mal nicht so lief, hat das Forst Spezialwochen lanciert, beispielsweise mehrere Wochen lang Spezialitäten aus Österreich und – typisch für die Heimweh-Engländer – englische Wochen mit Fish&Chips, Shepherd’s Pie, Lachs mit Honig oder Lamm mit Minze. «Das passt zu meiner Jaguar-Leidenschaft und unseren englischen Weinen», begründet Andreas Koch.

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GastroJournal 16/2019  

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