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Ventotto lebt – Mailands historische Straßenbahnen R Mobiles Leben

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(SZ) Diese Amerikaner: tun immer so, als könnte sie nichts aus dem Lot bringen, als hätten sie die ganze Welt im Griff. Dabei schaut ihnen die Unsicherheit aus jedem Knopfloch. Eben jetzt hat wieder eine große Verwirrung von ihnen Besitz ergriffen. Nachdem in der TV-Dokumentation „Mermaids: The Body Found“ angedeutet worden war, dass es Meerjungfrauen durchaus geben könne, wandten sich viele Bürger an die Öffentlichkeit, und siehe da, der Staat zeigte sich der Herausforderung – der challenge, wie man bei uns sagt – voll gewachsen. Es gibt in den USA einen dem Handelsministerium zugeordneten National Ocean Service (NOS), und diese Behörde versichert in zumindest örtlicher Zuständigkeit, dass es weder Meerjungfrauen noch andere vergleichbare Wasserwesen gebe. Um genau zu sein: Der NOS legt sich nicht direkt fest. Es sei, sagt er lediglich, bisher noch kein Beweis für „aquatic humanoids“ gefunden worden. Indem der NOS diese Wesen so nennt, gibt er zu erkennen, dass er mehr über sie weiß, als er sich anmerken lässt; möglicherweise ist ihm da auch von der CIA auf dem Wege der Amtshilfe das eine oder andere zugetragen worden. Schon bei den alten Griechen hatten die Wassergötter deutlich menschliche Züge, man denke nur an den Wogen aufwühlenden Poseidon und seinen kleinkarierten Hass auf Odysseus. Zutiefst menschlich war auch ihre Triebhaftigkeit, die in ihren Dimensionen freilich oft schon wieder ins Überirdische schlug. Dem Okeanos und seiner Tethys schreibt man zum Beispiel 3000 Söhne und 3000 Töchter zu, die sich ihrerseits alle tüchtig vermehrt haben dürften. Selbst wenn man die Verschmutzung der Meere in Anschlag bringtund zudem unterstellt, dass vieledieser Nachkommen als Beifang der Hochseefischerei zum Opfer fielen, muss man annehmen, dass es noch gewaltige Bestände von Nixen, Nymphen, Meerfrauen und verwandten Geistern gibt. Beweise? Damit ist es naturgemäß heikel bestellt. Von ihrer einstigen Offenheit den Menschen gegenüber haben sich die Götter und Halbgötter seit dem Siegeszug des Christentums verabschiedet. Meerjungfern lassen sich allenfalls ex negativo nachweisen: aus der Menge der Burschen, die als vermisst gemeldet werden, weil niemand weiß, dass sie den Holden für immer in die Tiefe folgten. In seinen Sagen aus der Oberpfalz berichtet Franz Schönwerth von einer Bäuerin, die Zweifel an der „hl. Dreyfaltigkeit“ äußerte. Das hätte sie besser nicht getan. Als sie ihr nächstes Kind gebar, hatte das drei Köpfe und wurde erst dann aus dieser Welt abberufen, als die Frau zum rechten Glauben zurückgefunden hatte. Wie man sieht, ist die Leugnung des Numinosen keine ungefährliche Sache. Vielleicht war man beim NOS unter anderem deshalb so vorsichtig, weil man Angst hatte, bei den Damen der Belegschaft könnten sich die Beine in Fischschwänze zurückbilden.

MÜNCHEN, MONTAG, 9. JULI 2012

68. JAHRGANG / 28. WOCHE / NR. 156 / 2,20 EURO

Trauriger Geburtstag Ein Mann aus Südsudan trägt die Fahne seines Landes. An dessen ersten Geburtstag gibt es wenig zu feiern. Dem jüngsten Staat der Welt ist nach seiner euphorisch begrüßten Loslösung von Sudan am 9. Juli 2011 nicht der Befreiungsschlag gelungen. Ganz im Gegenteil: Aus dem Teufelskreis von Grenzkämpfen, Korruption und Flüchtlingselend scheint es kein Entrinnen zu geben. Angesichts der katastrophalen Lage verlängerte der UN-Sicherheitsrat vor dem Jahrestag der Unabhängigkeit das Mandat für die dortige Friedensmission. Am dramatischsten ist die Situation Zehntausender Flüchtlinge aus dem Norden, die vor Kämpfen nach Südsudan geflohen sind. Einmal angekommen, finden viele von ihnen nicht genügend Trinkwasser vor. Entwicklungshelfer berichten von unzähligen Flüchtlingen, die an Dehydrierung gestorben seien. Grund für die Flüchtlingsströme gen Süden sind Gefechte zwischen den sudanesischen Streitkräften und Aufständischen, die mit der Rebellengruppe Sudanesische Volksbefreiungsarmee-Nord (SPLM-N) in Verbindung stehen. Zwischen Südsudan und Sudan ist jüngst der Streit um den Grenzverlauf und die Aufteilung der Einnahmen aus dem Ölexport eskaliert. Immer wieder kommt es zu Gefechten mit vielen Toten. Es droht ein veritabler Krieg. DAPD R Seite 4 FOTO: PAULA BRONSTEIN/GETTY

Gauck kritisiert Merkel

Alles zum neuen Layout Was sich an der SZ ändert – und was bleibt

Der Bundespräsident fordert von der Kanzlerin, ihre Europapolitik besser zu erklären. Zu den Klagen vor dem Verfassungsgericht sagt er: „Ich bin eigentlich froh, dass dieser Weg beschritten wird.“ München – Bundespräsident Joachim Gauck verlangt, dass Kanzlerin Angela Merkel ihre Europa-Politik und die Beschlüsse der EU-Gipfeltreffen besser erklärt. „Sie hat die Verpflichtung, sehr detailliert zu beschreiben, was das fiskalisch bedeutet“, sagte Gauck am Sonntagabend im ZDF. Er habe diese Aufgabe nicht. „Ich bin keine Ersatzregierung.“ Am Dienstag berätdas Bundesverfassungsgericht über Klagen gegen den Euro-Rettungsschirm (ESM) sowie den Fiskalpakt, der die Staaten zu Sparsamkeit zwingen soll. Zu den Klagen dagegen sagte Gauck, er sei „eigentlich froh, dass dieser Weg beschritten wird“. Der Bundespräsident befasste sich in dem Fernsehinterview grundsätzlich damit, wie Politiker von den Abläufen in Beschlag genommen werden und anschließend zu wenig Zeit für die Bürger hätten. „Schauen Sie, diese mühseligen Prozesse, auch die Opposition zu gewinnen“, sagte

er, „dann fehlt manchmal die Energie und die Entschlossenheit, der Bevölkerung sehr offen zu sagen, was geschieht eigentlich im Moment.“ Die Klagen gegen die Euro-Beschlüsse von Bundestag und Bundesrat befand Gauck deshalb für gut, weil sie dazu beitrügen, dass Debatten geführt würden – „in der Fachwelt, in der Politik, und nun vor unserer obersten Rechtsinstanz“. Vor einigen Wochen noch hatte Gauck den Klägern keine Chance gegeben. Damals hatte er sich zuversichtlich geäußert, dass Karlsruhe die Gesetze zum Euro passieren lassen werde. Nun jedoch sagte er, in dieser Frage hätte ihm mehr Zurückhaltung „gut gestanden“. Er sei bereit, der Kanzlerin beim Erklären ihrer Politik zu „helfen“. Einerseits war der Präsident bemüht, das Interview nicht als Konflikt mit der Kanzlerin zu inszenieren. Er sagte daher weiter, Merkel habe ihm erst vor ein paar Tagen ihr Vertrauen auf eine Weise ausge-

sprochen, die „mich doch sehr bewegt hat“. Außerdem könnte er nicht, „was sie kann und was sie gerade leistet“. Andererseits änderten solche Freundlichkeiten nichts daran, dass das Interview des parteilosen Präsidenten sofort für parteipolitischen Streit benutzt wurde. Thomas Oppermann, der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, griff es auf und sagte: „Politik zu erklären gehört gerade nicht zu den Stärken der Kanzlerin.“ CDU-Generalsekretär Hermann Gröhesah Veranlassung, Gauck mit mildem Tadel zu bedenken. Offenbar unter Anspielung auf ihn sagte er, es sei „unsere gemeinsame Verantwortung“, Politik zu erklären. Doch mit seinem Unbehagen über zu wenig Dialog zwischen Politikern und Bürgern scheint Gauck nicht allein zu sein. Der neue Ministerpräsident von SchleswigHolstein, Torsten Albig (SPD), empfindet Ähnliches. „Wir verlieren uns in Abkürzun-

gen wie EFSF und ESM, die ja selbst die nicht mehr verstehen, die darüber reden“, sagte Albig am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Irgendwann führe das zu einer Bankrotterklärung der Politik. „Daher müssen die Bürgermeister, die Landräte, die Minister alle raus und die große Europa-Geschichte erklären. Im Moment verstecken sich zu viele.“ Dezenten Druck auf das Verfassungsgericht übte Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) aus. Es hätte „heftige Folgen“, wenn das Gericht Fiskalpakt und ESM kassiere, sagte Lammert – für Deutschland und die ganze EU. „Deswegen habe ich keinen Zweifel, dass das Verfassungsgericht auch diese Zusammenhänge in die Urteilsbildung einbeziehen wird.“ Darauf waren die Richter bereits selbst gekommen: Gleich an vier Stellen findet sich in der Verhandlungsgliederung für Dienstag eine „Folgenabwägung“. SZ R Seite 4

HEUTE IN DER SZ Seite Drei Entlang der deutsch-polnischen Grenze wächst die Kriminalität – und die Wut auf Europa

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Meinung Mit dem Meldegesetz missbraucht der Staat die Daten der Bürger. Es muss gestoppt werden

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Feuilleton Die in Russland geborene Autorin Olga Martynova gewinnt den Ingeborg-Bachmann-Preis

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Wirtschaft Hermès-Enkel Guillaume de Seynes über den Unterschied von Luxus und Qualität

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Wie sinnvoll die 1,2 Milliarden Euro angelegt sind, die das Betreuungsgeld letztlich pro Jahr kosten soll, ist schon seit Monaten heftig umstritten. Jetzt wird die Summe nochmals höher – denn auch das Betreuungsgeld will verwaltet sein. Die Anträge müssen erfasst, genehmigt und ausbezahlt werden. Das aber ist, anders als die vom Bund zu übernehmende eigentliche Leistung, Ländersache. Das Thema kocht gerade dort hoch, wo alles seinen Ausgang nahm: in Bayern. Die regierende CSU hatte sich das Betreuungsgeld in den Berliner Koalitionsverhandlungen erkämpft, um einen konservativen Ausgleich gegen zu viel staatliche Kinderbetreuung zu setzen. Für jedes Kind, das nicht in eine Krippe geht, gibt es monatlich 150 Euro. Nun prescht ausgerechnet Bayerns Sozialministerin Christine Haderthauer, eine der Vorkämpferinnen für das Konzept, mit Geldforderungen vor: 134 neue Planstellen seien nötig, rech-

Seehofer stellt ein Das Betreuungsgeld muss verteilt werden – von neuem Personal nete sie intern vor. Auch höhereZahlen sollen diskutiert worden sein. Nach Gesprächen mit dem Finanzministerium ließ sie sich dann auf 50 herunterhandeln. Dadurch kämen in jedem Fall mehrere Millionen Euro auf den Landeshaushalt zu; bundesweit stünde hochgerechnet wohl ein zweistelliger Millionenbetrag im Feuer. Auch in Baden-Württemberg wird mit höheren Ausgaben gerechnet: „Sollte das Betreuungsgeld kommen, würde das auch bei uns sicher einen personellen Mehraufwand erfordern“, sagt ein Sprecher des dortigen Sozialministeriums. „Wir haben aber noch keine Kalkulationen angestellt, das würden wir erst machen, wenn es einen Beschluss gibt.“ Das Bundesfamilienministerium will zu alle-

dem gar nichts sagen. Im Gesetzentwurf heißt es nur lapidar: „Durch die Einführung erhöht sich der Vollzugsaufwand von Bund, Ländern und Kommunen.“ Für alle Gegner könnte dies willkommene Munition sein. Deswegen brachte die Nachricht auch Horst Seehofer umgehend zur Weißglut. Der bayerische Ministerpräsident betrachtet schon seit Längerem jede Kritik amBetreuungsgeldals Majestätsbeleidigung, vor allem, wenn sie aus den eigenen Reihen kommt. Nur: Als solche will Haderthauer ihre Forderungen gar nicht verstanden wissen. Die Haushaltsbeschlüsse, die in diesem Jahr in Bayern vorgezogen wurden, zwangen sie, schon jetzt ihren Stellenplanaufzustellen, samt Begründungen. Als Seehofer

dies las, strich er wutentbrannt erst einmal alles auf null zusammen. Dabei hätte Seehofer durchaus klar sein können, dass es das Betreuungsgeld nicht zum Nulltarif geben würde. Alleine im Freistaat dürfte es pro Jahr 80 000 Anträge geben. Die sollen zwar einfacher gehalten sein als beim Elterngeld. Dafür wird beim Betreuungsgeld mit mehr Änderungen während der Auszahlungszeit gerechnet: Lebensumstände ändern sich, das Kind geht vielleicht doch noch in die Krippe – und schon ist es wieder ein Fall für die Akten. Dass für all das neue Leute erforderlich sind, wie bei jedem anderen neuen Leistungsgesetz auch, sei doch „ein normaler Vorgang“, heißt es im bayerischen Sozialministerium. Beim 2007 eingeführten Elterngeld waren Stellen übrigens kein Problem: 200 Mitarbeiter sind in Bayern dafür zuständig. Aber damals war Horst Seehofer auch nicht im Wahlkampf. FRANK MÜLLER

Medien Live-Übertragungen sind für TV-Sender ein wichtiger Faktor im Wettbewerb TV- und Radioprogramm Forum & Leserbriefe München · Bayern Rätsel Familienanzeigen

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Brüssel ermahnt Rumäniens Regierung EU-Ratspräsident Van Rompuy besorgt über Missachtung der Justiz / Bundesregierung erwägt Sanktionen Warschau – Die Europäische Union will es offenbar nicht hinnehmen, dass sich neben Ungarn auch in Rumänien ein autoritäres Regime von minderer demokratischer Qualität etabliert. Führende Politiker, voran der EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy, verstärkten am Wochenende den Druck auf die neue sozial-liberale rumänische Regierung, die in den vergangenen Tagen nach rein parteipolitischen Kriterien zahlreiche Spitzenfunktionäre bis hin zu den beiden Parlamentspräsidenten ausgetauscht und außerdem die Amtsenthebung des konservativen Staatspräsidenten Traian Basescu eingeleitet hatte. Die deutsche Bundesregierung denkt offenbar bereits über Sanktionen nach, beispielsweise den weiteren Ausschluss Rumäniens aus der Schengen-Zone.

Ansatzpunkt ist vor allem die Tatsache, dass der sozialdemokratische Ministerpräsident Victor Ponta und seine liberalen Verbündeten auch die Befugnisse des Verfassungsgerichts eingeschränkt und dessen Entscheidungen mehrfach missachtet hatten. Van Rompuy äußerte sich „sehr besorgt“ hinsichtlich der Geltung des Rechts und der Unabhängigkeit der Justiz als „grundlegende Prinzipien, auf denen die EU aufbaut“. Im selben Sinne äußerten sich auch Wilfried Martens, der Präsident der Europäischen Volkspartei (EVP), und der EVP-Fraktionschef im Europaparlament, Joseph Daul. Die Sozialdemokraten hingegen hielten sich deutlich zurück. Ihr Fraktionschef Hannes Swoboda sagte, das Amtsenthebungsverfahren sei in der Verfassung vorgesehen, außerdem habe Präsi-

dent Basescu selber „über Jahre hindurch“ Rechte verletzt. Kritik kam allerdings auch aus den USA. Das dortige Außenministerium erklärte, das Vorgehen der Regierung in Bukarest gefährde das Gleichgewicht der demokratischen Kräfte und die Unabhängigkeit der Justiz. Inzwischen hat sich auch der Europarat eingeschaltet und lässt prüfen, ob die Entwicklung in Rumänien mit den Prinzipien des Rechtsstaats und der Demokratie vereinbar sei. Schon am Freitag hatten die deutsche und die französische Regierung auf diese Fragen hingewiesen. In Berlin wird nach den Worten von Bundesaußenminister Guido Westerwelle über neueSanktionsmöglichkeiten nachgedacht. „Wir brauchen Mechanismen, damit wir schneller gemeinsam reagieren

können, wenn ein EU-Partnerland Buchstaben oder Geist der europäischen Wertegemeinschaft in grober Weise missachtet“, sagte Westerwelle der FAZ am Sonntag. „Die Verfahren, die es dafür gibt, sind eindeutig zu sperrig.“ Im Fall Rumäniens könnte sich die Frage stellen, ob das Land geeignet sei, „die letzten Schritte zur vollen Integration“ in die EU zu gehen. Dies zielt offenbar auf den geplanten Beitritt zu der von Grenzkontrollen freien Schengen-Zone ab, der Rumänen und Bulgarien seit Februar 2011 von den anderen EU-Ländern verweigert wird. Der Grund sind schwerwiegende Versäumnisse bei der Reform des Justizsystems und der Bekämpfung der Korruption, die beide Länder bei ihrem EU-Beitritt 2007 versproR Seite 4 chen hatten. KLAUS BRILL

Von dieser Ausgabe an sieht die Süddeutsche Zeitung ein wenig anders aus als bisher. Schöner, moderner, klarer, übersichtlicher soll sie sein – und dabei trotzdem die alte bleiben. Das Erscheinungsbild ändert sich in vielen Kleinigkeiten. Manche sind kaum zu bemerken, manche fallen eher auf, die neuen Überschriften zum Beispiel. Doch die Zeitung als großes Ganzes, mit ihrer gewohnten Ordnung, bleibt, wie sie bislang war. R Die Details der Neuerungen auf Seite 5.

16 Milliarden Dollar für Afghanistan Tokio – Mit weiteren Milliardenhilfen will die internationale Staatengemeinschaft den Wiederaufbau in Afghanistan nach dem Abzug aller ausländischen Kampftruppen unterstützen. Bis einschließlich 2015 würden mehr als 16 Milliarden Dollar zur Verfügung gestellt, hieß es in der Abschlusserklärung der Geberkonferenz in Tokio vom Sonntag. Im Gegenzug verpflichtete sich Kabul zu konkreten Maßnahmen für mehr Demokratie und gegen die grassierende Korruption. AFP R Seite 2

Kommunen lehnen Verkauf ihrer Daten ab München / Berlin – Der Deutsche Städtetag ist gegen Änderungen des Meldegesetzes, die zu einem Verkauf der Bürgerdaten führen könnten. Ein Entgegenkommen gegenüber Adresshändlern wäre „für uns problematisch“, sagte der stellvertretende Hauptgeschäftsführer Helmut Dedy. Die Berliner Koalition hatte das neue Meldegesetz am 28. Juni im Bundestag gegen das Votum von SPD, Linken und Grünen verabschiedet. Eine Neufassung war nötig, da nun der Bund zuständig ist. SZ R Seite 6

DAS WETTER b TAGS

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n NACHTS

Die Anzahl der Schauer nimmt im Norden und Westen sowie am bayerischen Alpenrand rasch zu. Hier blitzt und donnert es häufig. Im Osten bleibt es freundlicher. Die Höchstwerte erreichen mäßig warme 17 bis 25 Grad. R Seite 15 Gewinnzahlen vom Wochenende Lotto (07.07.): 6, 10, 29, 30, 43, 49 Zusatzzahl: 34, Superzahl: 2 Toto: 2, 1, 0, 1, 0, 1, 1, -, 2, 0, 0,-, Auswahlwette: lag noch nicht vor Zusatzspiel: lag noch nicht vor Spiel 77: 3 9 0 1 6 8 0 Super 6: 7 1 1 0 1 2 R Weitere Gewinnzahlen: Wirtschaft, Seite 22 (Ohne Gewähr)

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THEMA DES TAGES

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Montag, 9. Juli 2012, Nr. 156 DEFGH

Hilfe für Afghanistan Die internationale Gemeinschaft bleibt auch nach 2014 am Hindukusch, nicht so sehr mit Soldaten, wohl aber mit Dollars. Das ist das Ergebnis der Konferenz von Tokio, zu der 56 Staaten am Wochenende ihre Vertreter schickten. Das Geld gibt es jedoch nur unter Bedingungen. Und wenn die nicht erfüllt werden? Dann fließt es wohl trotzdem

Es geht voran, versprochen Der Deal von Tokio: Die Regierenden in Kabul hoffen auf das Geld des Westens, die Geber auf die Wirksamkeit von Kontrollen VON DANIEL BRÖSSLER

D

ie Afghanen kommen nicht mit leeren Händen. Sie haben Prospekte mitgebracht. „Auf dem Weg zur Selbständigkeit“ ist das Heftchen betitelt, das alle Delegierten der Tokioter Afghanistan-Konferenz auf ihren Plätzen vorfinden. „Afghanistan ist ein armes Land, aber das muss es nicht bleiben“, lautet der erste Satz. Von Erfolgen und wirtschaftlichem Aufbau ist die Rede, vor allem aber von der „Lücke“. Die Lücke beschreibt jene Kluft zwischen Einnahmen und nötigen Ausgaben. 2015 soll sie immer noch bei gewaltigen 8,4 Milliarden US-Dollar jährlich liegen, was dann einem Drittel des Bruttoinlandsprodukts entsprechen wird. Afghanistans Präsident Hamid Karsai ist nach Tokio gereist, um den Vertretern von 56 Staaten das Versprechen abzunehmen, dass sie die Lücke weiter füllen werden – auch nach dem Abzug der internationalen Kampftruppen im Jahr 2014. Es soll diesmal besser laufen als vor zwei Jahrzehnten. Damals waren die Sowjets aus Afghanistan abgezogen und hatten das Land sich selbst und dem Chaos überlassen. Auf dem Weg zu Demokratie und Prosperität erwarte er, dass die „Freunde mit uns bleiben“, sagt Karsai. Man werde Sorge tragen, „dass das Geld Ihrer Steuerzahler transparent und effizient ausgegeben wird“. Letztlich aber ist es eine Botschaft, welche die Afghanen hören wollen. Sie lautet: „Wir lassen euch nicht allein.“ US-Außenministerin Hillary Clinton, die Afghanistan während eines Zwischenstopps in Kabul den Status eines „wichtigen Nicht-Nato-Hauptverbündeten“ erteilt hat, weiß das. Sie verspricht in Tokio, Amerikas zivile Hilfe bis 2017 „auf dem oder nahe dem Niveau der vergangenen Dekade zu halten“. Das wären zwischen 1,1 und 2,3 Milliarden Dollar. Insgesamt können die japanischen Gastgeber schließlich verkünden, dass sich die Zusagen bis 2015 auf 16 Milliarden US-Dollar summieren.

Nachdem auf dem Nato-Gipfel in Chicago im Mai 3,5 Milliarden US-Dollar jährlich für die afghanischen Sicherheitskräfte zugesagt worden waren, erhalten die Afghanen in Tokio das Versprechen, dass auch die zivile Hilfe nicht abebbt. Bis 2017 sollen sie jährlich zumindest nicht wesentlich weniger für den zivilen Aufbau bekommen als im Schnitt des vergangenen Jahrzehnts. Aus Deutschland sind als Überbringer der guten Nachricht gleich zwei Regierungsmitglieder angereist, Außenminister Guido Westerwelle und Entwicklungsminister Dirk Niebel. „Wir beabsichtigen, unsere zivile Hilfe auf dem jetzigen Niveau von 430 Millionen jährlich bis mindestens 2016 zu verstetigen“, verspricht Westerwelle. Damit bleibt Deutschland nach den USA und Japan auf Platz drei der Geber und, wie

China stellt sich offenbar eine außerordentlich spezielle Arbeitsteilung vor Westerwelle lobt, „vorbildlich“. Der Minister gibt allerdings auch zu, dass man nicht aus reinem Altruismus zahle. „Ohne eine positive Entwicklung in Afghanistan wird auch die Sicherheitslage nicht besser“, sagt er. Und dann werde auch der internationale Terrorismus wieder Fuß fassen im Land. Andere – etwa Russland und China – sind deutlich zögerlicher, wenn es darum geht, Schecks auszustellen. Insbesondere China ist eine Macht, die wirtschaftlich in Afghanistan aktiv ist und sich brennend für die Bodenschätze des Landes interessiert. „Eine Arbeitsteilung, dass die einen Geschäfte machen und die anderen für Sicherheit sorgen, das geht nicht“, bemängelt der deutsche Außenminister. Letztlich aber ist den westlichen Staaten klar, dass sie aus ihrer finanziellen Verantwortung nicht herauskommen – aus dem, was Entwicklungsminister Niebel einen „neuen Marshallplan für Afghanistan“ nennt.

Zwei Jahre noch, dann sind die Kampftruppen weg: ein amerikanischer Soldat im Gefecht, irgendwo in Afghanistan. Die Geber verbinden das allerdings mit dem Motto „quid pro quo“, also Leistung nur für Gegenleistung. In diesem Geist wird zwischen Afghanistan und seinen Spendern in Tokio eine Rahmenvereinbarung geschlossen. In ihr verpflichten sich die Afghanen in zahlreichen Bereichen zu konkreten Fortschritten, die mithilfe von 16 „Indikatoren“ nachprüfbar sein sollen. Es geht da etwa um die Schaffung einer Finanzaufsicht und Fortschritte bei der Korruptionsbekämpfung. Auch die Einhal-

tung der geplanten Termine für die Präsidentenwahl 2014 und die Parlamentswahl 2015 ist ein solcher Indikator. In den ersten Monaten 2013 soll ein Fahrplan dafür stehen. Überdies verpflichten sich die Afghanen, ihre Zoll- und Steuereinnahmen zu erhöhen. Keine „Einbahnstraße“ sei die Hilfe, formuliert Niebel. Die afghanische Regierung werde ihre Verpflichtungen einhalten müssen. Vorgesehen ist dafür ein dreistufiges Überprüfungssystem durch ein spezielles

Gremium in Kabul, durch regelmäßige Treffen hochrangiger Regierungsexperten sowie Ministertreffen alle zwei Jahre. Das erste soll 2014 in London stattfinden. Dennoch dürfte es in der Praxis schwer werden, den Afghanen den Geldhahn zuzudrehen. Bevor das passiere, meinen Diplomaten, müssten die Afghanen schon auf breiter Front versagen – denn immer werden die Geber sich fragen müssen, ob sie die Lage durch Geldentzug nicht noch schlimmer machen.

FOTO: DAVID GUTTENFELDER/AP

Ohnehin gehen die Meinungen darüber auseinander, wie viel direkte Kontrolle sinnvoll ist. Während Großbritannien dem Wunsch der Afghanen entspricht und zusagt, die Hälfte seiner Hilfe direkt in den Staatshaushalt fließen zu lassen, hält Berlin davon wenig. „Wir werden weiterhin keine Blankozusagen geben“, stellt Westerwelle am Rande der Konferenz klar. In seiner offiziellen Rede lässt er diesen Streitpunkt wohlweislich aus. Das afghanische Volk, sagt er da, „kann sich auf uns verlassen“.

Mungo raus, Dingo rein Der Abzug aus dem Land hat bereits begonnen, für einheimische Spediteure ist er ein gutes Geschäft – aber die befürchten, in ein paar Jahren den Preis dafür zahlen zu müssen Der Ort könnte in der Hölle liegen. Wolken aus Staub und Abgasen ziehen über den Platz, Motoren dröhnen. Schon morgens sind es 45 Grad im Schatten, nur dass es hier keinen Schatten gibt. Keinen Baum, kein Haus, stattdessen Laster, Kräne und Maschinen. Das ist der Bauhof von Masar-iScharif, dem zentralen Stützpunkt und Umschlagplatz der Nato-Schutztruppe Isaf in Nordafghanistan. Ahmad Muschtaba wischt sich mit dem Hemdsärmel den Schweiß von der Stirn. Aus dem Kofferraum seines Landrovers nimmt er ein Bündel Geldnoten und reicht sie einem Fahrer. Es sind Lohn und Spesen für die Reise nach Tadschikistan. Die Nato wird abziehen, zum Teil fängt sie schon damit an. Bereits jetzt geht jede Menge Material zum Beispiel aus dem Feldlager Feisabad, das geschlossen wird, auf die Reise, allein dieser Abzug umfasst 450 Container, 89 gepanzerte Fahrzeuge und 3714 Tonnen Material. „Wir sind vor der Welle“, sagt Matthias Jowzwiak, Kommandeur des Logistik-Bataillons in Masar-iScharif; es sind schon mehr Container auf der Heimreise, als ursprünglich geplant. Bis 2014 will die Bundeswehr ihre Kampftruppen abziehen, per Luft, über

Wege aus Afghanistan TURKMENISTAN

USBEKISTAN

TADSCHIKISTAN

Hairatan Masar-i-Scharif

Feisabad Kundus Baghlan

Kabul AFGHANISTAN

Islamabad

IRAN PAKISTAN

Deutschland

INDIEN

SZ-Karte; Quelle: Eigene Recherchen, Bundeswehr

zwei Landstraßen sowie mit der einzigen Bahn der Region. Und falls Pakistan seine Grenze doch nicht dauerhaft offen hält, rücken auch Amerikaner und Briten durch den Norden ab. Hinaus müssen Tausende vonSoldaten und ihrMaterial, vom MarderSchützenpanzer bis zum PC. Allein die Bun-

deswehr kommt auf fast zwei Millionen Tonnen. Das Gros des Materials soll auf dem Landweg hinausgeschafft werden, und das wird die Nato schon wegen der schieren Masse nicht selbst erledigen. Es wird, wie die Logistiker sagen, „gedschingelt“. Als Jingles bezeichnen die Soldaten die bunt bemalten und innen mit Glöckchen (daher dschingeln, vom englischen jingle für bimmeln) behängten Lastwagen. Laster wie die von Ahmad Muschtaba, einem Subunternehmer für einen deutschen Spediteur. Muschtaba macht gutes Geld. Aber er lebt gefährlich. „Meine Nachbarn in Masar wissen alle, was ich tue“, sagt er, „das lässt sich nicht verbergen.“ Die Leute raunen, und er wird bedroht: „Ich hoffe, dass unser Land stabil bleibt. Aber im Herzen weiß ich, dass es anders kommen wird. Und dann müssen wir gehen.“ Er, seine Familie und sein Dolmetscher, der eine Sammlung von Morddrohungen auf seiner Mailbox hat. Die Jingle Trucks fahren oft ohne Eskorte, manchmal ist ein Pick-up der afghanischen Polizei dabei. Bisher ist den Lkws wenig zugestoßen. Sie sind kaum von anderen Lastwagen zu unterscheiden, auf denen in Afghanistan fast alles transportiert

wird. In Baghlan meldet der Geheimdienst, Aufständische hätten eine Haftmine an einem Tanker explodieren lassen. Aber dann findet die Polizei heraus, dass der Fahrer den Anschlag vorgetäuscht hat – er wollte den Treibstoff selbst verkaufen. Vor ein paar Tagen aber sind bei Kundus, durch das eine der Abzugsrouten läuft, zwei Bundeswehrsoldaten verletzt worden, als Aufständische deren Konvoi mit Gewehren und Raketenwerfern angriffen. So entspannt, wie manche Politiker in Deutschland tun, ist die Lage noch längst nicht. Aber sie ist besser, als sie es jahrelang war. Solche Feuerüberfälle sind selten geworden. InMasar-i-Scharifschätzt BrigadegeneralAndreasMarlowdieZahlder verbliebenen „Insurgenten“ im Raum des Regionalkommandos Nord, das von der Bundeswehr geführt wird, „auf weniger als 2500“. Es seien, sagt er, „eher lokale Gruppen“. Der Nato gelanges,„hierimNordendieNetzwerkederTalibanzu schwächen“: durchdiesystematische Sicherung derDörferund natürlichdurchdieKommandoaktionenderAmerikaner gegen Taliban-Führer. In Deutschlandglauben viele, die Taliban warteten einfach darauf, dass die Nato abzieht, um dann zuzuschlagen –aber einensolchen „Master-

plan“gebe eshierim Nordennicht,sagtMarlow, die Islamisten seien viel zu sehr unter Druck. Um die Sicherheit der Straßen für denAbzug „macheichmir derzeit keine großen Sorgen“. Doch sie sind wie Nadelöhre, deshalb bestehtdortdieständige Gefahr durchSprengfallen. Erst kürzlich explodierte eine hinter Baghlan direkt an einer der beiden Abzugsstraßen, riss ein Loch in den Boden und demolierte die Schule, welche die Nato gerade instand gesetzt hatte. Fast täglich gibt es

„Ist es eine Sünde, den Fremden zu helfen, unser Land zu verlassen?“ Sprengfallen-Alarm.DiegeteertenFahrbahnen bieten einen gewissen Schutz, aber die Bomben können am Straßenrand, in Autos, Gräben, Abflussrohren verborgen sein. Der Aufwand, die Straßen zu überwachen und abzusuchen, ist schon jetzt enorm. So weit wie möglich will die Isaf die Absicherung des Rückzugs den afghanischen Regierungskräften überlassen, die allein hier im Norden inzwischen 50 000 Mann unter Waffen haben, vom Elitesoldaten bis

hin zum Dorfmilizionär. So soll die einspurige Eisenbahn nach Tadschikistan alle tausend Meter, so ist es geplant, durch einen afghanischen Stützpunkt bewacht werden. „Über Land wird ohnehin nichts Sicherheitsrelevantes transportiert“, sagt Kommandeur Jowzwiak in Masar-i-Scharif. Waffen, Munition und High-Tech aller Art werden ausgeflogen; wie etwa das Panzerfahrzeug Mungo, das nicht mehr gebraucht wird. Anderes Gerät indes wird umso dringlicher erwartet. In einer Sommernacht landet in Masar eine Transportmaschine, gewaltig wie eine Raumfähre, eine russische Antonow, gechartert von der Bundeswehr. Sieben neue, minengeschützte Dingo-Panzerwagen vom Typ A 3 rumpeln heraus, zum Einsatz in Nordafghanistan. Der Krieg ist noch nicht vorüber. Weil das so ist, prüft Unternehmer Muschtaba morgens, ob jemand eine Bombe unter sein Auto gelegt hat. Er fährt immer andere Wege. Kein Gedanke mehr, einfach über den Markt zu schlendern. Er nimmt die Gefahr mit muslimischer Gottergebenheit, aber er fragt sich: „Ist es eine Sünde, den Fremden zu helfen, unser Land zu verlassen?“ JOACHIM KÄPPNER

AUSSENANSICHT Man stelle sich vor: Infolge eines Statikfehlers stürzt in der Stadt Bergenfelde eine Fußgängerbrücke ein. Zehn Personen werden verletzt, davon zwei schwer. Der Bürgermeister gibt rasch eine Mitteilung heraus: „Der Einsturz der Brücke macht mich betroffen. Unsere Gedanken sind bei den Opfern und deren Angehörigen. Jetzt gilt es, schnell und unbürokratisch zu helfen.“ Derörtliche Baudezernent erklärt, „ein Aufsichtsversagen der genehmigenden Behörde liegt nicht vor“. Demgegenüber betont der Finanzdezernent: Die Finanzaufsicht habe alle Beteiligten rechtzeitig auf Probleme bei der Vergabe der Brückenbauarbeiten hingewiesen. Die Lokalzeitung kritisiert, dass noch kein Schuldiger für das Unglück gefunden sei. Daraufhin der Bürgermeister: „Nun gilt es, umfassend, ohne Ansehen der Personen, die Ursachen aufzuklären.“ Eine Kommission werde unverzüglich die Arbeit aufnehmen. Man sei „auf einem guten Weg“; es bräuchte aber eine „neue Kultur der Aufklärung“. Nach der ersten Sitzung spricht die Kommission von einem „Gespräch in konstruktiver Atmosphäre“. Drei Monate später: Die Brücke ist eine Ruine, Geld haben die Opfer noch nicht gesehen, die Kommission hat erst einmal getagt, die Presse berichtet über den 500. Stadtgeburtstag. Die Bürger aber denken: Wir sind belogen worden. Beim Regieren

„Betonen“, „begrüßen“, „bekräftigen“ Die Sprache der Politiker ist für den Wähler kaum noch zu verstehen. Ein Plädoyer für die offene Rede Von Ole von Beust und Verwalten geschehen Fehler, auch Unglücke – sie gehören zum Leben. Die Regierenden und Politiker finden jedoch nicht die richtigen Worte für diese Fehler und Unglücke. Sie benennen nicht, sie verbrämen; sie verklausulieren die Wahrheit im Wortschwall einer Insidersprache. Nun hat jede Branche ihr eigenes Vokabular, ist in der Kultur alles „großartig“, in der Jugendsprache vieles „krass“, wird bei Dieter Bohlen „performed“, und in der Finanzwelt wird „benchmarked“. Jugendliche, Börsenmakler oder Dieter Bohlen sind aber nur bedingt auf das Vertrauen aller angewiesen. Sie können sich selbst genügen. Ihre Ansprüche und Rechtfertigungen definieren und formulieren sie meist innerhalb ihrer eigenen Gruppe. Die Politik hingegen muss das Vertrauen (nicht unbedingt die Zustimmung) möglichst vieler Menschen gewinnen – bei Wahlen, wenn es um wichtige Projekte wie Flussvertiefungen, neue Landebahnen, Stromtrassen, Straßen geht. Wer die Sprache missbraucht, wer austauschbar, emoti-

onslos und technokratisch formuliert, dem wird nicht vertraut. Dabei werden die Phrasen meist gar nicht in der bösen Absicht der Verkleisterung oder Vertuschung verwendet. Sie sind Ausdruck der Sozialisation in der Politik.

ein. Wer ein schlechtes Wahlergebnis „ehrlich“ nennt, geht auf Nummer sicher – würde er von einer Niederlage reden, gar die eigene Trauer, den eigenen Zorn zeigen, gäbe er sich eine Blöße. Ein Verlierer, der sich selber so nennt, verliert Autorität.

Das liegt zunächst einmal an zwei Dingen: Kein Politiker wird auf Anhieb Spitzenpolitiker. In der Regel dient er sich hoch, meist von der Jugendorganisation über die

Politiker scheuen dieses Risiko. Letztlich ist das ein Reflex auf die veröffentlichte Meinung, auf die Medien. Diese ist nämlich nicht unabhängiger Beobachter der Politiker und des Politbetriebes. Sie sind Bestandteil des Betriebs, sie tragen zur Ritualisierung der Politik bei und bestrafen den, der sich nicht an die Regeln hält. Warum muss eine Regierung nach 100 Tagen im Amt bewertet werden, am besten mit Schulnoten? 100 Tage, das ist ein willkürlicher Zeitraum, meistens lässt sich nach einer derart kurzen Zeit nur wenig über die Arbeit einer Regierung sagen.

Die Phrasen werden nicht in böser Absicht verwendet. Politiker werden so sozialisiert Kommunalpolitik bis in die höheren Ebenen. Anfänger übernehmen fast zwangsläufig die herrschende Terminologie, um so die eigene Kompetenz zu beweisen (oder vorzutäuschen) – so, wie angehende Mediziner oder Juristen im ersten Semester aus Stolz und Anpassung mit Fachwörtern um sich werfen. Und dann geht man mit tausendmal gebrauchten Formeln kein Risiko

Wer sich aber als Politiker dem Ritual verweigert, als Regierungschef nicht die eigene Größe hinausposaunt, als Oppositionsführer nicht die Unfähigkeit der Regie-

rung beklagt, den strafen die Journalisten. Sie nennen dann die Regierung verzagt und die Opposition verschlafen (auch so eine Worthülse); und weil das keiner gerne über sich liest oder hört, machen die Politiker mit und produzieren pünktlich heiße Luft. Offenheit gegenüber Journalisten ist ein weiteres Risiko. Wer im Hintergrundgespräch zu deutlich wird, findet sich dann doch im Artikel wieder. In allen Gesprächen vermeide man Ironie: Die Falschmeldung ist garantiert. Journalisten verkürzen und spitzen zu – manchmal, um ein Thema besser verständlich zu machen, oft aber auch, weil es sich so besser verkauft, auch wenn der Sinn auf der Strecke bleibt. Fotos müssen übrigens immer originell sein. Höchste Vorsicht ist also geboten auf Karnevalsveranstaltungen und im Streichelzoo. Journalisten tun das, weil sie witzig sein, vor ihren Chefs glänzen oder das graue Politikgeschäft bunter machen wollen. Der Reflex der Politik ist jedoch: Bloß nicht spontan sein. Fotos müssen kontrolliert, Interviews umgeschrieben werden; Hintergrundgespräche sind Anlässe zu höchstem Misstrauen. Die meisten Bürger hätten vermutlich kein Problem damit, wenn Politiker die Floskeln meiden würden, auch um den Preis einer verzerrenden oder künstlich zugespitzten Berichterstattung. Politiker

aber erfahren im Regelfall ihre Bewertung nicht durch den normalem Bürger, sondern von Kollegen, Parteifreunden, Journalisten – die Medienmacher sind wichtiger als die Medienkonsumenten. Nur so ist zu erklären, warum die öffentliche Meinung über Karl-Theodor zu Guttenberg oder Christian Wulff lange Zeit so sehr abwich von der veröffentlichten Meinung der politischen Kaste, die Medien eingeschlossen. Die Journalisten sollten sich dieser Rolle bewusst werden – ihre faire (nicht unkritische!) Berichterstattung trägt dazu bei, dass Politiker ehrlich reden können. Die Politiker wiederum sollten versuchen, sich in ihrer Selbstbewertung nicht an der Politikkaste zu orientieren. Und manchmal hilft einfach positive Ignoranz: Es gibt eben unangenehme Berichterstattung, weil es unangenehm werden kann, offen zu reden. Ändern kann man sowieso nichts. Und oft genug ist alles morgen vergessen.

Ole von Beust (CDU), 57, war neun Jahre Erster Bürgermeister von Hamburg. Heute arbeitet er für eine Unternehmensberatung. FOTO: DAPD


DIE SEITE DREI

DEFGH Nr. 156, Montag, 9. Juli 2012

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Bauernopfer Mähdrescher verschwinden, Traktoren verschwinden: Entlang der Oder entsteht ein Krisengebiet. Das war eine schöne Idee von den offenen Grenzen in ganz Europa. Aber womöglich keine gute VON RENATE MEINHOF

Oderberg / Tywica – Sie kamen in der zweiten Hälfte der Nacht, und dass er geschlafen hat, als sie vom Hof fuhren, das kann er sich nicht vorwerfen, beim besten Willen nicht. Er kann sich eigentlich gar nichts vorwerfen, aber die Unruhe, die ihn seit dieser Heimsuchung schnürt wie der armdicke Efeu die schwankenden Bäume rings um das Gelände, kommt dennoch daher wie eine Strafe. Steffen Kögler steht in der Leere der Gerätehalle der Agrargenossenschaft Oderberg in der Uckermark. In der Nacht zum 4. April haben unbekannte Männer hier zwei Traktoren geknackt und gestohlen, 80 000 Euro vom Hof weg und über die Grenze, nach Polen. Eine Kamera hat alles aufgezeichnet, zu erkennen aber war niemand. Ein Auto davor, zwei dahinter, zur Rückendeckung, so sind sie über Land gezuckelt. Die 158 müssen sie genommen haben, durch Neuenhagen getuckert sein, durchs schlafende Altglietzen. In Hohenwutzen aber hat der Postbote sie gesehen, da ging die Uhr auf fünf. Hohenwutzen ist einen Steinwurf von Polen entfernt und der Postbote der einzige Zeuge. Nachdem er die Festplatte mit dem Film von der Polizei zurückbekommen hatte, hat Kögler sich das körnige Geflimmere östlicher Schatten noch einmal angesehen und dann gelöscht. „Denen müssten mal die Pfoten abgehackt werden“, sagt er. Wie bitte? Der Satz geht ihm leise, fast nuschelnd, über die Lippen. Ein Wut-Satz. Steffen Kögler ist kein Fremdenfeind, auch kein Sadist. Er ist ein freundlicher weltoffener Mann, in Dresden geboren, studierter Landwirt. Er hat nichts gegen Polen, gegen Ukrainer oder Litauer. Er ist nur an seiner Grenze angelangt, da, wo er dem Gift des Misstrauens nichts mehr entgegensetzen kann. Er sagt: „Wenn hier jetzt ein Pole auf den Hof kommt, dann gehen mir schon die Nackenhaare hoch.“ 80 Kilometer nordöstlich von Köglers leerer Gerätehalle wird Bauer Henryk Rogaczewski auf seinem Hof in Tywica sitzen, neben sich, auf dem Geländer der offenen Laube, den feurigen Schweif eines aus Hartplaste gegossenen Eichhörnchens, und sagen: „Ich bin erzogen worden, niemandem etwas wegzunehmen. Es ist schlimm, was da nebenan passiert, und am Ende fällt es auf den Nachbarn, auch wenn es Ukrainer waren.“ Nebenan, das ist Deutschland. Der Nachbar ist Polen. Und Polen, das ist auch Rogaczewski. Heimsuchung. Das klingt nach etwas, dem ein Mensch nur hilflos ausgeliefert ist. Was aber seit vielen Monaten in Brandenburg entlang der deutsch-polnischen Grenze geschieht, auch in Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern, das hat nichts mit einer Naturkatastrophe zu tun. In großem Stil stehlen Diebe, gut organisierte Banden aus Osteuropa, Traktoren, Mähdrescher, Bagger und Transporter. Stehlen Fische aus Fischteichen, Diesel aus Tanks, Computer aus Wohnhäusern. Klauen Airbags aus Autos, bringen kleine Unternehmer an den Rand des Ruins. Wer keinen Hund hat, kauft sich einen und lässt ihn laufen in der Nacht. Wer ein Auto hat, baut abends die Batterie aus, zur Sicherheit. Für die Sicherheit, das ist das Gefühl vieler Menschen in den Grenzregionen, sind sie selber zuständig, sie fühlen sich vom Staat allein gelassen. Kögler formuliert es so: „Wir sind hier vogelfrei, zum Ausbluten freigegeben. Ich fühl’ mich irgendwie geopfert.“ Die Landespolitiker in Potsdam haben spät reagiert. Erst als der Unternehmer Michael Branding aus Angermünde, das zum Wahlkreis des Ministerpräsidenten Platzeck und zur Heimat Angela Merkels gehört, eine Petition an den Landtag schickte. Im November war das. 80 seiner Kollegen haben einmal aufgelistet, was ihnen in letzter Zeit alles gestohlen wurde. Zusammen kamen Maschinen, Saat und Dünger im Wert von 2,2 Millionen Euro.

Er sagt: „Wir haben hier eine Wohlstandsgrenze. Schengen kam zehn Jahre zu früh.“ Reagiert haben die Politiker erst, als Wörter wie „Bürgerwehr“ fielen und als die Rechten sich des Angst-Gemenges, das da im Entstehen ist, bemächtigten. Björn Lakenmacher, Abgeordneter der CDU im Landtag, schreit fast ins Telefon, wenn man ihn nach der Situation in den Grenzregionen fragt: „Mensch, wir müssten doch gewarnt sein! Wir hatten die DVU zehn Jahre im Landtag“, sagt er, „zehn lange Jahre.“ Und das ist das Beängstigendste: dass alte Ressentiments zwischen Polen und Deutschen wieder beatmet werden, fünf Jahre nachdem Polen dem Schengenraum beitrat und die Grenzkontrollen fielen. 67 Jahre nach dem Ende der deutschen Besatzung, als kein Mensch an Versöhnung zu denken wagte. Der Pole klaut. Die Polen tun nichts, um die Diebe zu finden: Sätze wie diese bekommt man jetzt oft zu hören. „Wir haben hier eine Wohlstandsgrenze“, sagt Steffen Kögler, „und Schengen kam zehn Jahre zu früh.“ Aber das dürfe man in Europa ja nicht sagen. „Wenn so einem EU-Beamten der Mercedes geklaut wird, dann hat der ja morgen ’nen neuen. Der weiß doch gar nicht, was hier los ist.“ Der weiß vermutlich auch nicht,

gebiet, 2000 Einwohner mit, nebenbei, einer Polizeistation, die rund um die Uhr besetzt ist. „Die Rogaczewskis sind fleißige, ehrliche und ganz liebe Leute“, sagt Comolle bei der Begrüßung. Zusammen fährt man ein paar Kilometer weiter, nach Tywica, wo Rogaczewskis wohnen. Jochen Comolle ist der Kollege von Michael Branding, der mit seiner Petition an den Brandenburger Landtag den ganzen Aufruhr ins Rollen brachte. Sie führen die Brandenburger Landtechnik GmbH in Angermünde. Sind selbst bestohlen worden. 20 Prozent ihrer Umsätze macht die Firma in Polen, und Bauer Rogaczewski ist seit sieben Jahren Comolles Kunde. Man könnte auch sagen, sie sind Freunde. Comolle hat Polnisch gelernt, und jedesmal wenn er Henryk und Olga Rogaczewski besucht, freut er sich, wenn es irgendetwas Neues zu bewundern gibt auf dem Hof. Die Laube, die Gerätehalle, die gerade ein Tor bekommt, die 50 Hühner, die Storchenfamilie aus Kunststoff im Beet gleich neben der Einfahrt. Und sind ihm, Rogaczewski, denn auch schon Maschinen gestohlen worden? „Nein“, sagt er, „wir sind doch nur das Transitland, aber ich schließe abends die Halle ab und lass’ den Hund frei.“ Vor 14 Jahren hat Henryk Rogaczewski angefangen, seinen Betrieb aufzubauen, mit zwölf Hektar Land, die einst Deutschen gehörten. Sein Vater hat sie nach dem Krieg als Umsiedler bekommen. Jetzt sind es 250 Hektar, die er mit seinem Sohn bewirtschaftet und mit Comolles Maschinen.

dass die Preise für die Versicherungspolicen in der Uckermark um 20 Prozent gestiegen sind. Die Gegend. Begehrt ist sie bei Berlinern, die hier ihre Wochenendhäuser haben. Hügelig ist sie und bewaldet, und zwischen den Hügeln liegen blaue Seenaugen, die, wenn die Dämmerung ihren Vorhang aufzieht von Osten, erst in kaltes Weiß und dann in ein schlieriges Grauschwarz getaucht werden. Nachts rauschen jetzt Mannschaftswagen durch die Dörfer, im Konvoi. Sie sollen den Menschen das Gefühl von Sicherheit vermitteln. Drei der vier Brandenburger Hundertschaften der Bereitschaftspolizei, stationiert in Oranienburg bei Berlin, hat das Innenministerium seit Januar in die Grenzkreise abgeordert, ins Krisengebiet sozusagen. Nacht für Nacht in Zivil und in Uniform kontrollieren die Beamten, immer an verschiedenen Punkten, eine Grenze, die offiziell seit fünf Jahren nicht mehr kontrolliert wird.

In den „Schlachthöfen“ werden die Fahrzeuge zerlegt – für die weitere Reise nach Osten „Abordnungsterrorismus“ nennt Björn Lakenmacher das, was den Beamten zugemutet wird. Und Brandenburg will in den kommenden acht Jahren 1900 Polizeistelleneinsparen. Jede fünfte Stelle wird wegfallen. Schon jetzt kann es auf dem Land lange dauern, bis ein Beamter am Ort ist, zu dem er gerufen wird. „Die Bürger werden am Telefon hingehalten“, sagt Lakenmacher. „Müssen wir da wirklich kommen?“, solche Fragen bekämen sie zu hören. Der Krankenstand der Brandenburger Polizisten liegt bei 32 Tagen im Jahr. Polizeikommissar Fred Podschun, dem schon die Umstände, seine Hunde nämlich, nicht erlauben krank zu werden, steht an der Brücke, die die Oder überspannt und Schwedt, die Stadt, mit Polen verbindet. Es ist halb eins in der Nacht. Stille überm Land. Ein paar Lastwagen nur quälen sich Richtung Polen. Wenn sie Gas geben auf der Brücke, steigt von den tümpelgroßen Lachen der Wiesen krächzend Geflügel auf. 100 Meter hinter Podschun stehen seine Kollegen, die Autos anhalten, wenn sie ihnen verdächtig erscheinen. Aber es kommen kaum Autos. 20 Meter vor Podschun stehen andere mit Nagelgurten bereit. Versucht ein Dieb, die Grenze zu durchbrechen, werden sie die Gurte auf die Fahrbahn rollen. Dann käme auch Podschun zum Einsatz. Podschuns Umstände heißen Larry und Ricki. Larry ist ein Riesenschnauzer, Ricki ein Belgischer Malinois und Podschun der letzte Diensthundeführer, der der Uckermark geblieben ist. „Das Wichtigste ist mir eigentlich, dass die Hunde nicht abgebaut werden“, sagt Podschun und streicht über Rickis Kopf. Vor zwei Jahren hat Ricki in Neurochlitz zwei Ukrainer aus den Brombeeren gezogen. Sie hatten, als ihnen die Polizei schon auf der Spur war, den geklauten Wagen einfach stehen lassen und waren in den Wald gerannt. Und neulich hat sie sich einen Junkie vorgenommen, der als Kurier einen Wagen in Schwedt über die Grenze fahren sollte. Natürlich warnt Podschun, bevor er den Hund loslässt, zweimal. „Halt, stehen bleiben, oder ich setze den Diensthund ein.“ Diesen Satz. Aber Ausländer verstehen doch nicht unbedingt Deutsch. „Ja, dann lasse ich die Hunde bellen. Das dürfte auch ein Pole oder ein Ukrainer verstehen.“ Ein Kollege kommt dazu und sagt: „Eigentlich ist es schlimm, dass wir hier Ukrainer, Litauer und Polen unter Generalverdacht stellen, nur weil sie mit dem Auto oder Laster nach Osten fahren.“ „Haste recht“, sagt Podschun, „es sind ja auch genug Deutsche, die klauen.“ „Irgendwie ist das doch irre“, sagt der Kollege, „die Straßen sind leer, das ist in der Gegend doch das typische Bild, aber trotzdem verschwinden die Autos.“ Es klingt, als sei alles, was einmal über die Oder gekommen ist, verschwunden wie in einem großen schwarzen Loch. „Und? Wurden Sie kontrolliert?“, fragt Slawomir Konieczny und lacht, als man Zimmer 223 betritt, sein Büro in dem grauen Klotz an der Kwiatowa. Im Polizeipräsidium von Gorzów Wielkopolski, das einmal Landsberg an der Warthe hieß, ist man jeden Tag mit dem beschäftigt, was auf der anderen Seite, in der Uckermark zum Beispiel, Menschen wie Kögler an den Rand des Ruins treibt. Kommissar Slawomir Konieczny trägt eine kantige Brille und das Haar sehr kurz. Er hat schon vieles gesehen in seiner Laufbahn bei der Polizei. Was ihn neulich berührte, war ein gestohlener Tieflader, der Blutspenden zur Fracht hatte. Elf Tonnen Blutspenden, denken Sie nur! Sie haben die ganze Nacht Benzin ins Aggregat gegossen, damit die Kühlkette nicht unterbrochen wird. „Blut bedeutet doch Leben“, sagt Slawomir Konieczny, „aber heutzutage ist ja alles eine Ware.“ Die Beute der letzten Woche war ein geklauter Laster aus Frankreich, beladen mit Joghurtbechern. Und sie stoppten noch einen anderen Lkw. Konieczny zeigt auf seinen Bildschirm. Da ist die Ladefläche zu sehen, eine dunkelrote Plane zur Seite gezogen wie ein Theatervor-

Polen wie Deutsche sind die Opfer: Sie sind Krümelchen, die die große Politik vergessen hat

Oben: Steffen Kögler, Leiter der Agrargenossenschaft Oderberg. Unten links: Die deutsch-polnische Grenze an der Oder bei FOTOS: KATJA HOFFMANN Hohenwutzen. Unten rechts: Slubice, Grenzstadt von Frankfurt an der Oder. hang. Hinter dem Vorhang stehen ein kleiner Bagger und zwei Traktoren. Auf dem Weg Richtung Osten hat man das Fahrzeug gestoppt, Litauer am Steuer. Immer sind Litauer am Steuer. „Allein im Januar haben wir 40 Leute aus dem Osten festgenommen“, sagt Konieczny, „Polen ist nur ein Transitland. Aber es ist natürlich immer leichter, ein Problem auf den Nachbarn zu schieben.“ Er meint die Deutschen und ihre geklauten Maschinen. Wenn die Brandenburger ihre Polizisten einsparen, müssen sie sich eigentlich nicht wundern, sagt er und klickt das Bild weg. Es könnten Köglers Trecker sein, denkt man. Ganze Banden, sagt Slawomir Konieczny, hätten sie zerschlagen, und wer rauskomme aus dem Knast, der werde observiert. Auf diese Weise haben sie auch die „Schlachthöfe“ gefunden, alte Fabrikhallen, in denen gestohlene Fahrzeu-

gezerlegt, umgespritzt und verladen werden – für die Reise Richtung Osten, nach Litauen, zu den Weißrussen, Russen und Ukrainern, weiß Gott wohin. Dann liegt das Problem also im Osten, bei den Nachbarn? „Ja“, sagt Konieczny, „wenn Sie das sagen, dann ist das noch nicht einmal eine Provokation, das ist die Wahrheit.“ Es ärgert ihn,dass wegen der Diebstähle an der Grenze, „die alten Stereotypen“ wieder aufleben. „Es macht doch wirklich keinen Sinn, durch so etwas die Atmosphäre zu vergiften.“ Sie arbeiten täglich mit den Deutschen zusammen, sehr gut sogar. Sie haben das „Gemeinsame Zentrum“ in Swiecko, gleich hinter derGrenze. Da sitzen deutsche und polnische Beamte an einem Tisch. Es spiele keine Rolle mehr, wer woher käme. Oder doch? Am Morgen, als er ins Büro fuhr, da hat ihn etwas beunruhigt. Er hat

Radio gehört. Es ging um die deutsche Fußballnationalmannschaft. Die Deutschen sind in Danzig eingetroffen, sagte der Sprecher im lustigen Ton, „aber das Hotel haben sie noch nicht eingenommen, und auch nicht die Post“. Einerseits klingt das banal, anderseits rührt es in den Tiefen der Geschichte. Als die Deutschen im September 1939 Polen überfielen, beschossen sie nicht nur das Munitionsdepot auf der Danziger Westerplatte, sondern nahmen auch das Polnische Postamt am Heveliusplatz ein. Und so begann der Krieg. „Ich weiß ja, das mit der Post, das sollte ein Witz sein“, sagt Slawomir Konieczny, „aber mir wurde richtig übel.“ Jochen Comolle, ein hochgewachsener kräftiger Mann aus Angermünde, steht am vereinbarten Treffpunkt, der Tankstelle von Banie, einer Dorfgemeinde südlich von Stettin, polnisches Grenz-

Nach dem Krieg kam der Vater aus Deutschland wieder, wo er drei Jahre Zwangsarbeit leisten musste. Dem Sohn hat er erzählt, dass die Deutschen ihn zuallererst getestet haben, damals, ob er ehrlich ist oder eben: ein Pole. Ein Dieb, ein Betrüger. Sie haben Geld hingelegt, wie vom Zufall gestreut, so lag es da, und geschaut, ob er es nimmt. Das war der Ehrlichkeitstest, so hat der Vater es genannt. Aber er hat das Geld nicht genommen. Er ist ja Pole. Ein stolzer Mann, noch immer. Vater und Mutter wohnen im Anbau am Haus. Auf der Leine trocknen Vater Rogaczewskis schwarze filzige Hosen und die Kittelschürzen der Mutter im Wind. „Warum fällt Ihnen das jetzt ein, die Sache mit dem Ehrlichkeitstest?“ Rogaczewski überlegt. Er weiß, was drüben, auf der deutschen Seite, gerade los ist. „Weil ich dieses Gefühl kenne. Es ist kein schönes Gefühl, wenn ich mit dem Auto aus Deutschland nach Hause fahre, und ich werde angehalten und kontrolliert, obwohl ich nichts getan hab’.“ Im Grunde ist das ja wieder so etwas wie ein Ehrlichkeitstest. „Wenn Sie so wollen, ja.“ Für einen Moment stockt das Gespräch in der Laube, bis Olga Rogaczewski Kuchen bringt und Kaffee und Sliwka, gedörrte Pflaumen in Schokolade. Die zwei Männer schauen sich an, lächeln. Irgendwie sind sie beide Opfer, Comolle und Rogaczewski. Brüssels Opfer, Europas Opfer. Krümelchen einer Welt, die zu groß für sie geworden ist. Ein grenzenloser Raum, dessen ferner Osten die Trecker verschluckt, als wären sie nichts. Europa, das ihnen so viele Möglichkeiten schafft – und diesen Heidenärger. 80 Kilometer südwestlich von Rogaczewskis Laube sitzt Steffen Kögler im Büro der Agrargenossenschaft, ihm gegenüber Frau Tetzlaff, die Sekretärin. „Dann sollen sie doch Grenzkontrollen machen und es Brückenkontrolle nennen, wenn es Grenzkontrollen nicht mehr geben darf in Europa“, sagt Kögler: „Ich versteh’ nicht, wo das Problem ist!“ Die beiden haben eine ganze Weile gebraucht für diese Microdots. Die Polizei hat sie empfohlen: Microdots und die künstliche DNA. Alles, was von Wert ist, haben sie jetzt mit den Microdots bepinselt: die Drucker und das Fax, den Laptop, die Telefone. Und draußen, auf dem Hof, das Wichtigste: die Maschinen. Microdots sind kleine Plättchen aus Kunststoff, die in einem farblosen Lack schwimmen. In ihnen verborgen ist ein Code, den es nur ein einziges Mal gibt. Wenn ein Gegenstand mit den Microdots markiert ist und gestohlen wird, kann die Polizei ihn seinem Eigentümer über den Code wieder zuordnen. Sie braucht aber, um die bepinselten Stellen zu finden, spezielle Lampen. „Sieht doch aus wie ein Fliegenschiss“, sagt Kögler und fährt mit der Hand über die Microdots auf seinem Laptop. Er hat das Agrar-Kit XL eingekauft. Für Brandenburg gibt es Vorzugspreise. „Hat denn die Polizei überhaupt diese Lampen?“, fragt Frau Tetzlaff. „Und haben die Polen diese Lampen?“ Kögler schweigt. Ist auch nicht ganz leicht, sich vorzustellen, wie, als Beispiel nur, ein geklauter Mähdrescher aus Altglietzen, den die Polizei in Bialystok stoppt, von Ostpolen wieder in die Uckermark findet, nur weil er mit diesem Fliegenschiss bepinselt ist. Kögler lächelt. Wieder was, das er nicht versteht.


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MEINUNG

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Montag, 9. Juli 2012, Nr. 156 DEFGH

B Ü R G E R D AT E N

AKTUELLES LEXIKON

Abgemeldet

Sommerinterview

VON HERIBERT PRANTL

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ie Melderegister sammeln die Grunddaten der Menschen in Deutschland: Namen, Anschrift, Geschlecht, Geburtsdatum, Personenstand, Wohnort. Sie halten fest, wer wann wohin umgezogen ist, sie halten fest, wo er seinen Erst- und Zweitwohnsitz hat. Diese Daten sind die Grundlage für jegliches Handeln der öffentlichen Verwaltung; deshalb gibt es bei jedem Umzug eine Meldepflicht. Dagegen ist nichts einzuwenden. Sehr wohl aber ist etwas dagegen einzuwenden, wenn der Staat – wie es jetzt Gesetz werden soll – mit diesen Daten Handel treibt, wenn der Staat der Wirtschaft den großen Zugang zu diesen Daten öffnet. Das ist eine Form von Untreue: Der Staat veruntreut die Daten seiner Bürger. Der Bürger kann sich nicht dagegen wehren, dass der Staat seine Daten in einem Register festhält. Er muss sich aber dagegen wehren können, dass der Staat diese Daten an beliebige Interessenten weitergibt. Der Bürger muss das Recht haben, die Weitergabe dieser Daten zu verbieten. Das neue Meldegesetz gibt ihm dieses Recht aber nur als Attrappe, es verdunkelt die Weitergabe auch noch. Leider hat das sowohl die Opposition im Bundestag als auch die Öffentlichkeit, sprich: die Presse, zu spät gemerkt. Das Gesetz ist im Bundestag bereits verabschiedet. Nun wird der Bundesrat es richten müssen.

Die Bürger müssen ein klares Recht auf Widerspruch erhalten Bei der Föderalismusreform wurde seinerzeit vereinbart, dass künftig das Meldewesen zur ausschließlichen Zuständigkeit des Bundes gehört. Dagegen war und ist nichts zu sagen. Es wurde aber nicht vereinbart, dass die Melderegister künftig den Adresshändlern, Inkassounternehmen und der Werbewirtschaft zur Verfügung stehen. Aber genau so wird es nun sein, wenn das neue Gesetz in Kraft tritt: Jede interessierte Firma kann künftig systematisch, in großem Stil und gegen Geld in den großen staatlichen Adressenpool greifen. Diese neue Funktion offenbart das neue Gesetz unfreiwillig schon in seinem Titel: Es heißt nämlich „Gesetz zur Fortentwicklung des Meldewesens“. Diese Fortentwicklung besteht in einer Falschentwicklung: Das Melderecht entfernt sich vom Datenschutz; es konterkariert die Rechtslage im Bundesdatenschutzgesetz. Und es schlägt einen weiten Bogen um die informationelle Selbstbe-

stimmung, die ein ungeschriebenes Grundrecht ist. Wirtschaftsinteressen sind offenbar stärker als dieses Grundrecht. Schon bisher, in den Meldegesetzen der Länder, war dieses Grundrecht nicht besonders gut gesichert. Aber jetzt, im Bundesgesetz, sind die Sicherungen noch schwächer. Gewiss: Jedem Bürger gibt das neue Recht die Möglichkeit, Widerspruch gegen die Weitergabe seiner Daten einzulegen. Aber dieser Widerspruch kann spielend leicht umgangen werden. Der Staat darf den Firmen für „Zwecke der Werbung oder des Adresshandels“ Melderegisterauskünfte erteilen, „wenn die Daten ausschließlich zur Bestätigung oder Berichtigung bereits vorhandener Daten verwendet werden“. Das heißt: Der Widerspruch ist nichts wert. Adresshändler, so klagen Datenschutzbeauftragte, können sich künftig wertvolle Behördendaten verschaffen und danach teuer weiterverkaufen. Das neue Melderecht schreddert den Datenschutz. Aus der informationellen Selbstbestimmung wird per Gesetz informationelle Fremdbestimmung. Das Melderegister setzt das historische staatliche Interesse an der Zählung der Bevölkerung und der Erfassung privater Daten in der Gegenwart fort. Das Register, das ein Zwangsregister ist, weil niemand sich ihm entziehen kann, ist in erster Linie für die Verwaltung da, und – nach Abwägung im Einzelfall – für private Interessenten, etwa dann, wenn sie auf der Suche nach Schuldnern sind, die sich einer Geldzahlung entzogen haben. Das neue Recht verabschiedet sich vom bisherigen Hauptzweck des Meldewesens; es dient sich jetzt der Privatwirtschaft an. Das ist ein Missbrauch der Daten und ein Treubruch gegenüber dem Bürger. Es handelt sich bei diesen Daten nicht um intime Daten, sondern um bürgerliche Grunddaten. Aber der sorglose legislative Umgang damit offenbart ein grundgefährliches politisches Bewusstsein. Der Gesetzgeber hält die Interessen der Werbewirtschaft für wichtiger als die Interessen der Bürger. Wenn aber der Staat die von ihm erhobenen und ihm anvertrauten Daten nicht schützt, wie will er da glaubhaft von Google, von Aldi, Bahn und Post Datenschutz verlangen? Der Staat selbst macht mit dem neuen Melderecht aus dem Datenschutz kleine Münze. Das ist nicht nur ein Tort gegen den Datenschutz. Das ist ein Tort gegen den Grundsatz, auf dem das demokratische Gemeinwesen fußt: Der Staat ist für den Bürger da – nicht der Bürger für Staat und Wirtschaft.

Demnächst im gut sortierten Fachhandel?

SZ-ZEICHNUNG: OLIVER SCHOPF

EUROKRISE

Der Grundton von Reims VON STEFAN KORNELIUS

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ie Euro-Krise lässt inzwischen sehr viele Wahrheiten und Widersprüche zu – worin auch ihr größtes Problem liegt. Denn das Schlamassel um die Währung und die Schulden wird eines Tages nur gelöst werden können, wenn in dieser Kakofonie von Stimmen und Stimmungen am Ende ein gemeinsamer Grundton herausgehört werden kann. Auf den aber muss man sich erst einmal einigen. Da preisen am Wochenende der französische Präsident und die deutsche Kanzlerin den Wert ihrer Allianz, quasi das Fundament, auf dem Europa ruht. Gleichzeitig warnt der Präsident davor, dass sich Europa hüten müsse vor einem Duumvirat, einer alles beherrschenden Doppelspitze. Das würden die kleinen Staaten übel nehmen. Richtig, Monsieur le Président, mag da die Kanzlerin rufen, aber dennoch wird nichts gelingen, wenn man uns beide gegeneinander ausspielen kann oder wenn einer von uns sich auf Kosten des anderen profiliert – siehe auch das Gipfeltreffen der vorvergangenen Woche. Das musste schon

Nicolas Sarkozy akzeptieren; lange hat’s gedauert. Seit Beginn der Finanzkrise hatte die Politik vier Jahre Gelegenheit zu lernen, dass die Finanzindustrie von diesen Widersprüchenlebt. Sie wettet geradezu mit den Differenzen in der Politik. Und sie spürt, ob ihr ein gerüttelt Maß an Ent- und Geschlossenheit entgegengebracht wird – oder eben nicht. Bisher hat es die Politik nicht vermocht, auf dem nach oben hin offenen Vertrauensbarometer einen derart beeindruckenden Wert zu erreichen, dass die Märkte ein für allemal abgeschreckt wären und das Spekulieren sein ließen.

Europa ermüdet in der Krise – ein gefährlicher Trend Vertrauen entsteht aber nicht nur durch Sonntagsreden, sondern durch möglichst hohe Sicherheitsmauern, durch Regeln, Gesetze, Verfahren – kurzum: durch ein möglichst geschlossen handelndes politisches System. Das kann nach allem Ermessen nur eine echte Europäische Union sein – eine Union, die sich freiwillig so viele politi-

sche Muskeln verpasst, dass sich keiner mehr ran traut und mit ihrem Geld Schindluder treiben mag. Diese politische Union wird es nicht über Nacht geben. Sie kostet Zeit und benötigt viel Überzeugungsarbeit. Über Nacht kann lediglich die Währung kollabieren, was einen unbeschreibbar hohen politischen Preis einfordern würde. Das kann niemand ernsthaft wollen. Diese Alternativen sollten alle bedenken, die in diesen Tagen laut über den Euro nachdenken. Ob Präsident oder Kanzlerin, ob Verfassungsrichter oder Wirtschaftswissenschaftler – für alle gilt: respice finem, bedenke das Ende. Wer an das Ende denkt, der muss an den Anfang gehen: Reims 1962, Adenauer und de Gaulle, Europas historische Bürde, die Erfahrung aus zu viel Leid und Hass. Wenn die Währung bricht, bricht auch die Union, und vor allem brechen die emotionalen Dämme. Europa zeigt bereits Ermüdungserscheinungen, die Nerven liegen blank, die Urteile werden schärfer, die Ressentiments verletzender. Es ist kein Fehler, in diesen Tagen in Reims eine Kerze anzuzünden – und auf den Grundton zu hören.

Der Grund, weshalb es zwar ein Sommer-, aber etwa kein Winterinterview gibt, ist einfach: In den Monaten Juli und August liegt der politische Alltagsbetrieb weitgehend lahm. Eine Zeit also, in der Politiker-Gespräche mit der Hoffnung verbunden sind, nicht nur mit dem Profi sondern auch mit dem Menschen reden zu können. In der Geschichte der Sommerinterviews wurde diese Vorstellung nur selten wahr. Das Format geht zurück auf Helmut Schmidt, der 1967 als SPDFraktionschef am Brahmsee ein „Feriengespräch“ gab. Mit regelmäßigen Besuchen bei Helmut Kohl am Wolfgangsee erhob das ZDF von 1988 an das Sommerinterview zur festen Einrichtung; ARD, RTL und NTV zogen nach. Seitdem folgen die Gespräche einer immer perfekteren Choreografie: 18 Minuten, Interviewte und Interviewer in sogenannter Freizeitkleidung, blauer Himmel, weiter Blick, über Brandenburg (Merkel), Goslar (Gabriel) oder die Saarschleife (Lafontaine). Eine Inszenierung der Nichtinszenierung, zu der die ARD 2008 im Falle von Guido Westerwelle mit rund 30 Mann, fünf Kameras und einem Kran nach Würzburg reiste. Die Aussicht von ZDF-Moderator Peter Hahne, dass Politiker in dieser Situation auch „mal drauflosreden, auch mal Gefühl zeigen, sich verplappern“, hat sich nicht erfüllt. Nicht einmal bei Bundespräsident Joachim Gauck, der am Sonntagabend den Reigen der Sommerinterviews 2012 eröffnete. JHD

BLICK IN DIE PRESSE

Neue Zürcher Zeitung über die Weltkonjunktur

„Man sollte sich an das erinnern, was der Ökonom Kenneth Rogoff beim Studium von 800 Jahren Schuldenkrisen festgestellt hat: Nach einer Immobilien- und Bankenkrise dauert es im Schnitt sieben Jahre, bis sich die Wirtschaft erholt hat. Jetzt stehen wir im Jahr vier. Die Bank of England hat nun beschlossen, erneut für 50 Milliarden Pfund Staatsanleihen aufzukaufen; die USA nutzen das gleiche Rezept, auch wenn es immer weniger stark wirkt. Europa wird etwas Ähnliches aufsetzen müssen, um Italien und Spanien über die Runden zu bringen. “

The Independent über die Parlamentswahl in Libyen

GAUCK UND MERKEL

VON KURT KISTER

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oachim Gauck belehrt mindestens so gerne, wie er zuhört. Am liebsten, so mutmaßt man nach Gaucks ersten hundert Tagen im Amt, hört er zu, um anschließend umso einfühlsamer belehren zu können. Das ist nicht unbedingt unpassend für einen Bundespräsidenten, der ja in erster Linie mit dem Wort wirken soll – wenn er das denn kann. Nun hat Gauck der Kanzlerin nahegelegt, sie solle „sehr detailliert“ erläutern, worum es bei der Euro-Rettung geht. Gauck findet offenbar, dass Merkel das bisher versäumt hat. Er benotet sie also: nicht ausreichend, fünf. Zum anderen meint er, der Ego-Pädagoge, man müsse schwierige Sachen den Leuten nur erklä-

ren, dann wären sie schon dafür. Es stimmt, Merkel ist nicht die größte Erklärerin. Sie spricht oft, als befinde sie sich vor dem Haushaltsausschuss. Daraus aber zu schließen, das Euro-Problem werde nicht genug erklärt, ist falsch. Wer bereit ist, sich in Fernsehen, Radio, Zeitungen und Internet Politik überhaupt auszusetzen, der findet Erklärungen aller Positionen. Kein Thema ist so umstritten, keines wird so heftig diskutiert. Nicht die Erklärungen fehlen, sondern die Bereitschaft, den Erklärungen zuzuhören. Die Politikmüdigkeit ist groß in Deutschland – das sieht man an der sinkenden Wahlbeteiligung, an Eskapismus jeder Art, sogar an der Verachtung für den politischen Betrieb. Gerade für den Bundespräsidenten läge hier ein wichtiges Aufgabenfeld.

RUMÄNIEN

Ponta in die Mangel VON KLAUS BRILL

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an sollte nicht glauben, in MittelundOsteuropaseien manche Parteien sozialdemokratisch, liberal oder konservativ, bloß weil sie sich so nennen. Die Schemata westlicher Provenienz taugen hier nicht viel. Auch 20 Jahre nach dem Fall des Kommunismus ist die weltanschauliche Orientierung weniger wichtig als der Zugriff auf die Macht. Klientelistische Verflechtungen, geschäftliche Seilschaften und der persönliche Geltungsdrang zählen oft mehr als Prinzipien. Rumänien ist dafür ein gutes Beispiel. Sein Präsident Basescu hat einst als Chef der Demokratischen Partei geschwankt, ob er sich in Europa den Sozialdemokraten oder der Volkspartei zugesellen soll –

er landete bei der EVP. Weshalb ihm jetzt Europas Konservative und Christdemokraten kräftig beispringen und seinen sozialdemokratischen Gegenspieler Victor Ponta angreifen, der handstreichartig alle Macht im Lande an sich reißt und dabei demokratische Grundregeln missachtet. Es ist gut und wichtig, dass EU-Vertreter in dieser Art Alarm schlagen – man wünscht sich, sie hätten es im Fall des Ungarn Viktor Orbán ebenso frühzeitig und ebenso laut getan. Gleiches gilt jetzt umgekehrt für Europas Sozialdemokraten. Sie sollten dem Rumänen Ponta keinen Genossenrabatt gewähren, sondern ihn in die Mangel nehmen. Das Volk Rumäniens ist darauf angewiesen, dass seine Herrscher auf der EU-Ebene auf demokratische Prinzipien verpflichtet werden.

J U G E N D U N D A L KO H O L

Hundertprozentig dumme Idee VON NINA BOVENSIEPEN

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er Zehlendorfer Lukas W. hat nach seinem Tod eine Karriere der traurigen Art gemacht. Wann immer über den exzessiven Alkoholkonsum von Jugendlichen diskutiert wird, ist schnell von dem 16-Jährigen die Rede, der 2007 nach mindestens 45 Tequila ins Koma fiel und später starb. Und wann immer dramatische Fälle des Komasaufens bekannt werden, wird ebenso schnell nach Verboten und strengeren Gesetzen gerufen. Jetzt dringen aus dem Familienministerium Überlegungen, im Kampf gegen das Trinken das Ausgehverbot für Jugendliche zu verschärfen. Konkret sollen junge Leute öffentliche Veranstaltungen, bei denen Alkohol ausgeschenkt wird, nach 20

Uhr nicht mehr ohne einen Erziehungsberechtigten besuchen dürfen. Der Vorschlag mag für manche Pädagogen und Verbotsverfechter verlockend klingen. Dennoch ist zu wünschen, dass er dort verschwindet, wo manch ähnlich unsinnige Idee bereits gelandet ist: im Papierkorb. Denn es braucht wahrlich keine neuen Reglementierungen. Kein Jugendlicher lernt den vernünftigen Umgang mit Bier, Wein und Schnaps über noch mehr Verbote. Vorbilder können hier viel mehr bewirken. Eltern, die sich nicht ans Steuer setzen, wenn sie mal ein Glas zu viel getrunken haben. Lehrer, die Alkohol nicht verteufeln, aber die Gefahren auch nicht verharmlosen. Und Politiker, die nicht mit seltsam realitätsfernen Ideen in den Kampf gegen das Komasaufen ziehen.

Sie waren Freunde, doch dann kam der arabische Frühling – und ein Befehl: Die berüchtigten Republikanischen Garden sollten den Aufstand des Volkes niederschlagen, ordnete Syriens Präsident Baschar alAssad an. Sein Jugendfreund Manaf Tlass sollte den Befehl umsetzen. Der Endvierziger war einst zusammen mit Assad zum Militär gegangen, mittlerweile befehligte Tlass als General die 105. Brigade. Mit harter Hand ging er gegen Aufständische vor – zunächst zumindest. Denn vergangenes Jahr soll Tlass sich erstmals geweigert haben, auf Demonstranten zu schießen. Sein Freund Assad soll ihn daraufhin unter eine Art Hausarrest gestellt haben. Vor einigen Tagen floh Manaf Tlass nun über die Türkei nach Frankreich – der erste Assad-Vertraute, der sich aus Syrien absetzt. Der Zerfall des inneren Machtzirkels, so deuten Beobachter, hat begonnen. Die Desertion von Tlass bedeutet das Ende einer langen Familienfreundschaft. Der Vater von Manaf Tlass, Mustafa Tlass, war von 1972 an Verteidigungsminister unter Hafis al-Assad, dem Vaterdes heutigen syrischen Präsidenten. Für beide Seiten eine perfekte Symbiose: Die Assads, die der Minderheit der Alawiten angehören, gewannen mit der Familie Tlass sunnitische Vor-

FOTO: AFP

Belehrer aus Bellevue

PROFIL

Manaf Tlass Früherer Assad-Vertrauter, nun auf der Flucht vor dem Regime zeigefreunde. Und der angesehene TlassClan wurde mit guten Geschäften belohnt. Baschar al-Assad und Manaf Tlass sollten die Zusammenarbeit ihrer Väter fortsetzen. So verhalf Verteidigungsminister Mustafa Tlass Baschar al-Assad nach dem Tod von dessen Vater im Jahr 2000 ins Amt. Der neue Machthaber machte seinen Jugendfreund Manaf Tlass im Gegenzug zum Offizier der Republikanischen Garden, der Eliteeinheit Syriens. Viele Bilder aus den vergangenen Jahren und Jahrzehnten zeigen Manaf Tlass

und Baschar al-Assad Seite an Seite: einen attraktiven Offizier neben seinem schüchternen Jugendfreund. Der Aufstieg des einen war stets eng verbunden mit dem Aufstieg des anderen. In Damaskus soll Tlass – ein erklärter Liebhaber teurer Zigaretten, schneller Autos und schöner Frauen – mit seiner Frau Tala Kheir ein regelrechtes Jetset-Leben geführt haben. Der Endvierziger war einer der größten Nutznießer des Regimes Assad. Im Konflikt mit den mehrheitlich sunnitischen Aufständischen suchte der Sunnit Tlass den Dialog, der Alawit Assad setzt hingegen auf Gewalt. Der autokratische Staatschef ließ auch Rastan angreifen – eine Oppositionshochburg, zugleich die Heimatstadt von Tlass. Schon länger gab es Gerüchte, dass der General geflohen sei, mittlerweile wurden sie auch von regierungsnahen Medien bestätigt. Tlass soll mittlerweile in Paris eingetroffen sein, wo auch sein Vater lebt. In einem Statement, dessen Echtheit bislang noch nicht bestätigt wurde, verurteilt Manaf Tlass die „Verbrechen des Regimes Assad“. Seine alten Kameraden im syrischen Militär ruft der General dazu auf, ebenfalls zu desertieren. Das Schreiben endet mit dem Gruß „Lang lebe Syrien!“. FREDERIK OBERMAIER

„Der Nationale Übergangsrat hat theoretisch seit dem Sturz Gaddafis das Land regiert. Ohne zentrale Polizei und ohne Armee konnte er jedoch nicht die bewaffneten Rebellengruppen in Schach halten. Im Osten des Landes besteht immer noch ein tiefes Misstrauen gegenüber dem Westen, der Hochburg der Anhänger Gaddafis. Mit dieser Wahl sollte die neugewonnene Freiheit gefeiert werden, doch bislang hat Libyen wenig Grund zur Freude.“

Le Monde kommentiert den Untersuchungsbericht zum Absturz der Air France 2009 über dem Atlantik

„Weder das Wetter noch die vereisten Geschwindigkeitssonden oder die Fehlentscheidungen einer überforderten Crew hätten alleine den Absturz verursachen können. Die Verbesserung der Sicherheit in Flugzeugen hat zu Konflikten zwischen Mensch und Maschine geführt. Das ist das eigentliche Problem. In normalen Situationen funktionieren Automatismen besser als der Mensch. Doch der muss in einer Notlage die letzte Instanz sein. Er muss der Herr an Bord bleiben.“

HERAUSGEGEBEN VOM SÜDDEUTSCHEN VERLAG VERTRETEN DURCH DEN HERAUSGEBERRAT

EIN JAHR SÜDSUDAN

Katastrophe mit Ansage VON TOBIAS ZICK

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aum geboren, hat sich die junge Nation selbst die Nabelschnur abgeklemmt – ein fataler Fehler. Im Januar stellte die Regierung Südsudans die Ölförderung komplett ein, 98 Prozent der Staatseinnahmen brachen so weg. Nun fehlt das Geld, um das Allernötigste zu schaffen, was einen Staat ausmacht. Das Land droht der erste pre-failed state der Welt zu werden: ein Staat, der schon gescheitert ist, ehe er überhaupt anfängt zu existieren. An diesem Montag vor einem Jahr brach auseinander, was nie wirklich zusammengehörte: Der Süden Sudans spaltete sich vom Norden ab; in einem Referendum hatten fast 99 Prozent der Menschen dort für die Unabhängigkeit gestimmt. Mit Tänzen und Gebeten feierten sie das neue Zeitalters, berauscht von der Aussicht auf eine friedliche Zukunft nach jahrzehntelangem Bürgerkrieg mit zwei Millionen Toten. Die Weltgemeinschaft begrüßte den 193. Staat in ihren Reihen. Und der Präsident Sudans, Omar al-Baschir, tönte, sein Land werde die neuen Nation bestmöglich unterstützen: „Ihr Erfolg wird auch der unsere sein.“ Weniger verbrämt hätte er sagen können: Die beiden Landesteile können nicht miteinander, siekönnen aber auch nicht ohne einander. Denn der Großteil der Ölfel-

der liegt im Süden, die Pipelines aber verlaufen durch den Norden. Nach wenigen Monaten entzweiten sich die beiden Länder wegen der Frage, welchen Anteil die Regierung in Khartoum für den Transport des Öls einbehalten darf. Daraufhin drehte Südsudan alle Hähne zu. Nun treibt der Förderstopp beide Länder in Richtung Ruin: Auch in Khartoum sind große Teile der Staatseinnahmen weggebrochen, das Regime von al-Baschir schlägt Studentenproteste nieder.

Flüchtlinge, Wassernot, Kämpfe im Inneren: Der Staat bröckelt Südsudan selbst, eines der ärmsten Länder der Welt, wird zermürbt von Flüchtlingskatastrophen: Zehntausende Menschen aus grenznahen Regionen fliehen in den Süden, vor Bomben aus Khartoum und vor immer neuen Gefechten um Grenzverlauf und Öleinnahmen. In den Flüchtlingslagern sterben Kinder, weil Trinkwasser fehlt und die Malaria grassiert. Außerdem bekämpfen sich Angehörige verschiedener Ethnien in der Region Jonglei, befeuert von rivalisierenden Politikern – sie zerstören das bisschen stattliche Identität, das erst wachsen soll. Die UN-Mission in Südsudan attestiert der Regierung in Juba Versagen: Weder kann sie Zivilisten schützen noch Täter zur Verantwortung ziehen.

Versagen in vielerlei Hinsicht offenbarte Präsident Salva Kiir höchstpersönlich, als er in einem Brief an Staatsbeamte schrieb: „Wir haben für Freiheit, Gerechtigkeit und Gleichheit gekämpft. Nun ... haben wir offenbar vergessen, wofür wir gekämpft haben und uns stattdessen die Taschen gefüllt zulasten unserer Leute.“ Vier Milliarden Dollar aus Öleinnahmen waren verschwunden, das 250-Fache dessen, was Deutschland dieses Jahr an humanitärer Hilfe für beide Länder zahlt. Allzu viele Taten hat Kiir seinem Anti-Korruptionspathos nicht folgen lassen – andernfalls dürfte er selbst nicht mehr im Amt sein. Das Öl hat sich, wie schon für viele andere Staaten, längst als Fluch erwiesen. Doch Südsudan hat derzeit praktisch nur das Öl. Und für das Öl gibt es bis auf Weiteres keinen Handelsweg, der nicht durch Sudan führte. Der Spielraum für die internationale Gemeinschaft, beide Seiten zu einer Einigung zu drängen, wird immer enger – und doch gibt es dazu keine Alternative. Zahlungen aus dem Ausland müssen an klare Bedingungen geknüpft werden: Größtmögliche Transparenz im Umgang mit dem Ölgeld, Eindämmung von Korruption und von inneren ethnischen Konflikten. Sonst wird sich die Krise Südsudans weiter verschärfen – und die Weltgemeinschaft ein neues Desaster mit Ankündigung erleben.

CHEFREDAKTEUR: Kurt Kister STELLVERTRETENDER CHEFREDAKTEUR: Wolfgang Krach MITGLIED DER CHEFREDAKTION, INNENPOLITIK: Dr. Heribert Prantl AUSSENPOLITIK: Stefan Kornelius; INNENPOLITIK (STELLV.): Detlef Esslinger, Jan Heidtmann; SEITE DREI: Alexander Gorkow; INVESTIGATIVE RECHERCHE: Hans Leyendecker; KULTUR: Andrian Kreye, Dr. Thomas Steinfeld; WIRTSCHAFT: Dr. Marc Beise, Hans-Jürgen Jakobs; SPORT: Klaus Hoeltzenbein; WISSEN: Dr. Patrick Illinger; GESELLSCHAFT UND PANORAMA: Tanja Rest; WOCHENENDE: Gerhard Matzig; MOBILES LEBEN: Jörg Reichle; BEILAGEN: Werner Schmidt; MÜNCHEN, REGION UND BAYERN: Christian Krügel, Ulrich Schäfer; Sebastian Beck, Peter Fahrenholz, Christian Mayer ARTDIRECTOR: Christian Tönsmann; Stefan Dimitrov; BILD: Jörg Buschmann GESCHÄFTSFÜHRENDE REDAKTEURE: Marc Hoch, Dr. Hendrik Munsberg, Stefan Plöchinger (Online) CHEFS VOM DIENST: Dr. Alexandra Borchardt, Carsten Matthäus CHEFKORRESPONDENT: Stefan Klein LEITENDE REDAKTEURE: Prof. Dr. Joachim Kaiser, Nikolaus Piper, Evelyn Roll Die für das jeweilige Ressort an erster Stelle Genannten sind verantwortliche Redakteure im Sinne des Gesetzes über die Presse vom 3. Oktober 1949. ANSCHRIFT DER REDAKTION: Hultschiner Straße 8, 81677 München, Tel. (089) 21 83-0; Nachtruf: 21 83-7708; Nachrichtenaufnahme: 21 83-481; Fax 21 83-97 77; E-Mail: redaktion@sueddeutsche.de. BERLIN: Nico Fried; Robert Roßmann, Claus Hulverscheidt (Wirtschaft), Französische Str. 47, 10117 Berlin, Tel. (0 30) 20 38 66 50; ERFURT: Christiane Kohl, Marktstr. 38 a, 99084 Erfurt, Tel. (03 61) 6 01 16 05; DÜSSELDORF: Bernd Dörries, Bäckerstr. 2, 40213 Düsseldorf, Tel. (02 11) 54 05 55-0; FRANKFURT: Helga Einecke, Kleiner Hirschgraben 8, 60311 Frankfurt, Tel. (0 69) 2 99 92 70; HAMBURG: Ralf Wiegand, Poststr. 25, 20354 Hamburg, Tel. (0 40) 46 88 31-0; KARLSRUHE: Dr. Wolfgang Janisch, Sophienstr. 99, 76135 Karlsruhe, Tel. (07 21) 84 41 28; STUTTGART: Dr. Roman Deininger, Rotebühlplatz 33, 70178 Stuttgart, Tel. (07 11) 24 75 93/94 HERAUSGEBERRAT: Dr. Johannes Friedmann (Vorsitz); Albert Esslinger-Kiefer, Dr. Thomas Schaub, Dr. Christoph Schwingenstein GESCHÄFTSFÜHRER: Dr. Detlef Haaks, Dr. Karl Ulrich ANZEIGEN: Jürgen Maukner (verantwortlich), Anzeigenaufnahme: Tel. (0 89) 21 83-10 10 ANSCHRIFT DES VERLAGES: Süddeutsche Zeitung GmbH, Hultschiner Straße 8, 81677 München, Tel. (0 89) 21 83-0, DRUCK: Süddeutscher Verlag Zeitungsdruck GmbH, Zamdorfer Straße 40, 81677 München


POLITIK

DEFGH Nr. 156, Montag, 9. Juli 2012

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HBG

Das neue Layout der SZ Klarer, lesbarer, aufgeräumter – und doch unverkennbar

Die gute Zeitung hat Zukunft

E XC E L S I O R

S Z-T E X T

Jede Reform muss zum besonderen Charakter der SZ passen Wenn Albrecht Dürer heute seine apokalyptischen Reiter noch einmal in Holz schneiden würde, dann sähe man hinter Tod, Teufel, Kriegsgurgel und Pestilenz einen Berater reiten, der von seinem italienischen Designerpferd aus eine Powerpoint-Präsentation machte. Gerade in der Verlags- und Zeitungsbranche sind derzeit viele Unternehmensberater, Design-Consultants und Digital-Nerds unterwegs. Sie fordern, dass man alles kürzer, bunter und netzaffiner machen solle, weil es die gute, alte Zeitung praktisch nicht mehr gebe. Das ist Humbug. Zwar ist richtig, dass die alte Zeitung keine Zukunft hat, nicht nur weil ihr Informations- und Meinungsmonopol schon lange vor dem Internet durch Radio und Fernsehen zerschlagen wurde. Die gute Zeitung aber wird bleiben, weil sie eben mehr ist als nur ein Medium der Verbreitung von „Content“. Sie ist ein Tages-Buch, jeden Tag eine Seite in einem nie abzuschließenden gesammelten Werk, und vor allem hat sie für ihre Leser einen Charakter. Sie ist mehr als eine Ware.

Es findet kein Facelift statt, kein Chirurg wird die SZ botoxen In der Verlagssprache, die manchmal auch von denen benutzt wird, die ihre Zeitung lieben, redet man nicht vom „Charakter“, sondern von der „Marke“. Auch in Ordnung, man nenne es, wie man will: Marke, Charakter, Identität. Jedenfalls ist eine Zeitung wie die SZ, die ein paar hunderttausend Menschen zum Teil seit Jahrzehnten kaufen und, das sagen die Statistiker, mehr als 1,3 Millionen Leute jeden Tag lesen, etwas Besonderes. Etwas Besonderes aber muss man pflegen – durch gute Arbeit, intensive Recherche, bestmögliches Schreiben und durchaus auch (Achtung, Verleger und Geschäftsführer !) durch als unzeitig empfundene Investitionen. Und man muss die Zeitung hin und wieder an die Gegenwart anpassen, gerade weil sich in ihr täglich die Veränderungen in Politik, Wirtschaft, Kultur und Sport manifestieren. Diese Layout-Reform ist eine solche Anpassung.

Manche Redakteure, zumal wenn sie den Zusatz „Chef“ in der Funktionsbezeichnung tragen, neigen dazu, die Zeitung nach ihrem Bilde formen zu wollen. Das ist nicht so gut, nicht nur weil viele Chefs eine deutlich kürzere Halbwertszeit haben, als das glücklicherweise beim durchschnittlichen Zeitungsabonnenten der Fall ist. Der große Relaunch unter Assistenz eines österreichischen oder spanischen Design-Schamanen erfreut oft die Leser mäßig und hebt die Abozahlen wenig. Die SZ ist den anderen, längeren Weg gegangen. Wir haben zuerst in der Redaktion und dann unter den Lesern erforscht, was bleiben soll, was verändert werden kann, und was gemacht werden muss. Die Schaffung einer neuen Schrift war uns dabei ein sehr wichtiges Anliegen. Die neue Schrift wird zur Identität dieser Zeitung, zur Marke beitragen, sie wird sogar ein bestimmender Teil des Charakters werden. Über Jahre hat sich manches eingeschlichen, was zuerst vielleicht nur Nachlässigkeit war und dann zur Ressort-Eigenheit wurde. Acht verschiedene KommentarFormen, jede Menge Autorenzeilen, krumme Kästen und sonderbare Umtextungen eigenartig geschnittener Bilder – all das haben wir geordnet, aufgeräumt und manches schaffen wir auch ab. Nein, das ist kein Facelift, bei dem der Schönheitschirurg versucht, seine Patientin um Gottes und der Zeiten Werk zu betrügen. Die SZ wird nicht gebotoxt, nicht verschnitten, und Silikon kriegt sie auch nicht. Sie bekommt eine neue Garderobe, die zu ihr und vor allem zu ihren Lesern und Freunden passt. Diese Zeitung wird bleiben, was sie ist: Wir wollen aktuell sein und da, wo wir nicht schneller sein können als die Elektronischen, wollen wir die Dinge eher wissen – Exklusivität schlägt heute Schnelligkeit. Die herausragend geschriebenen Stücke sollen in der SZ stehen, die provozierenden, die ironischen, die scharf analysierenden – auch und gerade die langen Texte. Die Süddeutsche soll jene Zeitung bleiben, die man lesen muss, wenn man wirklich gerne Zeitung liest. Und dazu soll diese Layout-Reform beitragen. KURT KISTER

Grundrauschen Die SZ hat sich nach langer Zeit für eine andere Schrift entschieden Mit der aktuellen Ausgabe bekommt die Süddeutsche Zeitung nicht nur ein neues Layout, sondern auch neue Schriften. Man mag das nicht auf den ersten Blick bemerken. Und doch ist es ein enormer Schritt für eine Zeitung. Das Schriftbild ist so etwas wie das Grundrauschen der Gestaltung. Man bemerkt es erst, wenn es stört. Ganz zu Beginn der Neugestaltung analysierte eine Typografin eine Titelseite der SZ und zählte dort ganze 20 Schriften. Hier hat das grafische Grundrauschen schon fast den Pegel des Lärms erreicht. Das lag unter anderem daran, dass die SZ bisher drei sehr unterschiedliche Grundschriften verwendete, die Helvetica, die Excelsior und die Times. Nun wird es nur noch eine Grundschrift geben, die SZ Text, aus der sich alle anderen ableiten. So wird nun aus dem Lärm wieder ein angenehmes Grundrauschen. Es war jedoch nicht nur wichtig, Ruhe ins Schriftbild zu bringen. Die bisherigen Schriften waren für eine moderne Zeitung auch ein wenig veraltet. Sowohl die Times als auch die Excelsior wurden im Jahre 1931 geschnitten. Damals wurden Zeitungen noch im Bleisatz produziert. Was früher funktionierte, kommt heute immer öfter an seine Grenzen, insbesondere bei digitalen Ausgaben. Die SZ Text kann man auf

allen Ausgaben der SZ verwenden, ohne dass sie hässliche Pixelklumpen bildet. Schriften müssen aber nicht nur funktionieren, sie sind auch eine Form der Kommunikation. 1956 gestaltete der Schweizer Grafiker Max Miedinger die Helvetica als kraftvollen Ausdruck für die Moderne. Er nahm die strengen Linien der Architektur und des Designs auf, schaffte Ordnung in einer bis dahin schnörkeligen Schriftenwelt. Für die Süddeutsche Zeitung war die Helvetica lange Jahre ideal. Doch die Aufgaben der Zeitung haben sich verändert. Journalisten müssen heute nicht nur berichten und informieren, sie müssen verstärkt analysieren, erzählen, einordnen und auch unterhalten. Das alles vermittelt die aus der SZ Text entwickelte Überschriften-Schrift SZ Sans, ohne an Autorität zu verlieren. Es war enorme Feinarbeit, welche die Schriftgestalter Henning Skibbe und Nils Thomsen leisteten. Einige Änderungen sind mit bloßem Auge kaum zu sehen, die Wirkung ist subtil. Genau das ist die Kunst der Typografie. Der Charakter bleibt, aber die Schrift ist besser zu lesen. Die neuen SZSchriften folgen keiner Mode, sie bauen auf Traditionen auf, mit denen die Süddeutsche Zeitung groß geworden ist. Mit ihnen ist die SZ optisch im 21. Jahrhundert angekommen. ANDRIAN KREYE

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Feinarbeit: Alle Buchstaben der neuen SZ Text wurden aus der Excelsior heraus entwickelt. Manche Änderungen sind mit bloßem Auge kaum zu erkennen.

GRAFIK: SZ

Was sich ändert – und was bleibt Die neue Gestaltung ist Ergebnis eines langen Denk- und Experimentierprozesses. Wenn vieles zunächst gar nicht auffällt und manches gewohnt erscheint, entspricht das einem unserer wichtigen Ziele VON CARSTEN MATTHÄUS

F

ragt man zehn SZ-Leser, wie die Zeitung aussehen sollte, erhält man mehr als zehn Meinungen. Wir haben gut 1200 Leser befragt, einzeln und in Gruppen. Dabei wurde deutlich, dass die SZ auch gestalterisch eine sehr starke Marke ist: Vielen gefällt sie so, wie sie ist – was manche vermeintlich hübsche Änderung überflüssig macht. Vieles wird, vieles muss erhalten werden, weil es zur Süddeutschen Zeitung gehört wie die Nase zum Gesicht. Das sind die sechs Textspalten auf der Seite und die Linien zwischen den Spalten. Das sind der Blocksatz und die auf Mitte gesetzten Überschriften. Das ist auch die seltsam erscheinende Variation der Rubriken, also der Überschriften. So wird auf der Titelseite und in den nachrichtlichen Teilen eine Überschrift ohne Serifen verwendet – ohne die kleinen Füßchen und Häkchen an den Buchstabenenden. Die Überschriften im Feuilleton haben dagegen Serifen. Wir haben mit einheitlichen Überschriften experimentiert, aber das sah nicht nach SZ aus. Noch weniger möglich ist es, an der Grundstruktur der Süddeutschen Zeitung zu rütteln. Die Titelseite mit dem Streiflicht links oben, dem Inhaltskasten links unten, dem Seite-1-Kasten unter dem Aufmacher, die Seite 2 mit dem Thema des Tages, die Seite Drei, die Meinungsseite, die Abfolge der Hauptbücher Politik, Feuilleton und Sport – das alles ist im besten Sinne gewohnt und soll auch so bleiben. Wir haben auch nicht am Format der Zeitung, an den Zeilenabständen gedreht oder die Textmengen verändert. Das mag dem einen

oder anderen Leser vielleicht anders vorkommen, da wir auf manchen Seiten weniger und dafür etwas größere Bilder verwenden. Und damit sind wir bei den Änderungen, die sich eigentlich alle mit dem schönen Wort „Klarheit“ überschreiben lassen. Das Schriftbild ist durch die neue Typografie klarer und sauberer geworden. Damit verbessert sich die Lesbarkeit – was uns die überwiegende Mehrheit der Testleser bestätigt hat. Das Layout der Seiten ist klarer geworden, weil jede Seite einem einfachen Prinzip folgt. Ein Text (wie der, den Sie gerade lesen) rückt optisch ins Zentrum der Seite, weil seine Überschrift – im Unterschied zu den anderen Texten auf der Seite – zwei Unterzeilen statt einer Unterzeile hat. Dieses Aufmacherprinzip gibt den Seiten eine bessere Struktur und setzt durch das Mehr an Weißraum auch optische Akzente.

Alle Kommentare tragen nun den vollen Namen des Autors, und das Thema ist sofort erkennbar Gleiches gilt für die Zwischentitel, die nun linksbündig und ohne horizontale Trennlinien gesetzt werden. Sie schaffen automatisch etwas mehr Luft im Artikel, ohne dass wir etwas an der Textlänge ändern mussten. Auch die Meldungsspalten im Flattersatz erfüllen den Zweck, die inhaltsschweren Zeitungsseiten optisch etwas aufzulockern. Eine Testleserin bemerkte positiv, die neu gestaltete SZ sei nun „besser faltbar“. Wir überlassen es jedem einzelnen Leser zu beurteilen, ob dies der Fall ist und ob dies bei der Lektüre hilft.

Mit der neu gestalteten SZ sagen wir den Leserinnen und Lesern nun auch deutlicher, was was und wer wer ist. Das beginnt mit den Autorenzeilen. Weil viele Leser „ihre“ SZ-Autoren kennen und über die Jahre schätzen gelernt haben, werden die Namen nun über die gesamte Zeitung hinweg in einheitlicher Form geschrieben. Kürzel werden wir nur noch sehr selten und nur noch bei einspaltigen Texten verwenden. Kommentare laufen nun grundsätzlich unter dem vollen Namen des Autors und werden über die gesamte Zeitung einheitlich ausgezeichnet. Man erkennt sie an der grünen Themenzeile, die dem Leser auch schneller klarmacht, worum es in dem Kommentar geht. Aufgeräumt haben wir auch bei allen anderen wiederkehrenden Elementen wie Informationskästen, Rubrik- und Kolumnentiteln. Wer Systematik schätzt, kann sich freuen. Die Seitenzahlen werden in den Inhaltskästen und auf den Seiten größer und deutlicher, sodass man sich leichter in der Zeitung zurechtfinden kann. Die Köpfe von Sonderseiten haben alle einen einheitlichen Schriftschnitt, wie man in dieser Ausgabe am Mobilen Leben (Seiten 33 bis 36) sehen kann. Alle Beilagen werden besser als Teil einer Familie erkennbar sein. Unmissverständlich war das Votum der Leser bei Fragen zur Blattstruktur. Die Außenansicht auf eine andere Seite zu stellen, das fanden die meisten nicht gut. Viele Leser wünschten sich die „Wissen“-Seite täglich, daher erscheint sie in Zukunft sechsstatt bisher fünfmal die Woche, wie bisher immer am Ende des Feuilleton-Buches. Vor dem „Wissen“ werden wir an fünf Erscheinungstagen die neu gestaltete Seite

„Forum & Leserbriefe“ platzieren. Damit erhält diese wichtige Seite, die bisher durchs Blatt gewandert ist, ihren festen Platz. Ebenfalls aus Gründen der besseren Systematik steht die „Medien“-Seite nun immer direkt vor dem täglichen Fernsehund Hörfunk-Programm. Langjährige Leser werden sich erinnern, dass dies früher schon einmal so war.

Sagen oder schreiben Sie uns, wie Sie die Neuerungen finden Gemeinsam mit der Reform des Layouts haben wir auch die Regionalausgaben etwas verändert. Sie sind nun in ihrer Gestaltung dem Hauptblatt deutlich ähnlicher und in sich klarer gegliedert. Das erste Buch beginnt überall mit den wichtigsten Themen aus München und der Region, im zweiten Buch geht es um den jeweiligen Landkreis oder das Stadtviertel, das dritte Buch behandelt die Themen aus Bayern. Nicht nur durch die Befragungen wissen wir, wie wichtig die Meinungen unserer Leser sind – so unterschiedlich sie sein mögen. Schreiben Sie uns deshalb, wenn Sie Anmerkungen haben. Die E-Mail-Adresse dafür ist: gestaltung@sueddeutsche.de. Sie können uns natürlich auch Briefe per Post schicken, umgezogen sind wir diesmal nicht. Oder Sie besuchen uns im SZ-Hochhaus. Dort haben wir eine Ausstellung vorbereitet, die nicht nur die SZ im Wandel der Zeiten zeigt, sondern bei der man auch die neue Gestaltung mit der bisherigen vergleichen kann. Unsere Adresse finden Sie – wie gewohnt – auf der Titelseite links unten.

DIE GESTALTUNG DER SZ IM WANDEL DER ZEIT

Die Anfangsjahre In den ersten Jahren liegt der Gesamtumfang der Süddeutschen Zeitung in der Regel bei vier bis sechs, in Ausnahmefällen bei acht Seiten. Die Schriftgröße liegt bei sechs Punkt (zum Vergleich: Diese Schrift hat 8.4 Punkt), um möglichst viele Texte unterzubringen. Die Zeitung kostet damals 20 Pfennige. Die Überschriften erscheinen zunächst noch in der Frakturschrift National, weil noch keine anderen Typen verfügbar sind. Das Streiflicht erscheint erstmals am 12. Juni 1946. (Im Bild: Erste SZ vom 6. Oktober 1945)

Die 50er- und 60er-Jahre Mit der serifenlosen Gill in den Überschriften und der Serifenschrift Excelsior in den Texten bekommt die SZ schon in den 50er-Jahren ihr unverkennbares Gesicht. 1965 wird die Gill durch die Helvetica ersetzt. Mitte der 60erJahre führt Chefredakteur Hermann Proebst auch die Struktur der ersten Seiten ein, die bis heute gültig ist: Die Seite 4 wird zu einer reinen Meinungsseite mit Leitartikel, Karikatur und Kommentaren, die Seite Drei wird für Reportagen reserviert. (Im Bild: SZ vom 23. November 1963)

Die 70er-Jahre In dieser Zeit werden neue Standards eingeführt. Das Aktuelle Lexikon ist seit 1974 im Blatt, die SZ Kostprobe seit 1975 – sie war die erste Gastro-Kritik einer überregionalen Tageszeitung. Die wesentliche Neuerung ist aber das Ressort Region. Die Stadt München wächst und erfordert eine anspruchsvolle Lokalberichterstattung. 1977 wird die SZ um sieben Regionalausgaben erweitert, in den Kreisstädten um München herum werden neue Redaktionen installiert. (Im Bild: SZ vom 18. Oktober 1977)

Die 80er-Jahre Die SZ ändert sich in dieser Zeit radikal, auch wenn das zunächst eher im Hintergrund geschieht. 1984 wird von Blei- auf Fotosatz umgestellt, das Druckzentrum in Steinhausen geht in Betrieb. Damit verbessern sich die Möglichkeiten, den Lesern mehr Aktualität zu bieten. 1987 wird überdies ein Redaktionssystem eingeführt, mit dem die Redaktion schneller produzieren kann. Seit Juni 1988 wird die SZ sechsspaltig und im größeren nordischen Format gedruckt. (Im Bild: SZ vom 11. November 1989)

Von den 90er-Jahren bis heute In den 90er-Jahren kommt vor allem Farbe in die Zeitung. Zuerst mit dem Süddeutsche Zeitung Magazin, das seit dem 11. Mai 1991 immer freitags der SZ beiliegt. Mitte 1996 wird das erste Farbfoto auf der Titelseite gedruckt. 2002 entsteht die Rubrik Außenansicht, jetzt.de wird zu einer eigenen Seite in der SZ, für große Interviews wird die letzte Seite im SZ Wochenende reserviert. Seit Juni 2010 erscheinen die Regionalausgaben in einer neuen Struktur. (Im Bild: SZ vom 22. Juli 1996)


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POLITIK

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Großer Unternehmer, kleiner Landrat

INLAND Metzger wieder gescheitert Stuttgart – Der frühere Grünen-Politiker Oswald Metzger ist abermals mit dem Versuch gescheitert, Bundestagskandidat für die CDU zu werden. Bei der Nominierungsversammlung des CDU-Kreisverbands Ravensburg kam der 57 Jahre alte Finanzexperte nur auf den dritten Platz. Es gewann am Ende klar der Außenpolitiker Andreas Schockenhoff, der das Ravensburger Direktmandat seit 1990 hält und im internen Wahlkampf von Bundestagsfraktionschef Volker Kauder unterstützt wurde. Metzger schied nach dem zweiten Wahlgang mit 187 Stimmen aus (18 Prozent); neben Schockenhoff mit 407 Stimmen erreichte der Gastwirt Hans-Jörg Leonhardt mit 271 Stimmen die Stichwahl. Metzger zeigte sich „enttäuscht“. Nach dem Wechsel zur CDU war er 2008 bereits zwei Mal bei Bundestagsnominierungen unterlegen, erst in Biberach, dann in Friedrichshafen. 2010 verlor Metzger die Ravensburger Oberbürgermeister-Wahl nur knapp. Am Samstag sagte Metzger, er werde „weiter politisch in der Union unterwegs sein“. Eine neue Bewerbung für ein Mandat plane er nicht, wolle sie aber auch nicht ausschließen. RDE

Schwere Panne beim BKA Berlin – Durch eine Software-Panne sind beim Bundeskriminalamt (BKA) und bei der Bundespolizei über Monate hinweg Beweismittel in Ermittlungsverfahren gelöscht worden. Betroffen seien Daten aus der sogenannten Telekommunikationsüberwachung (TKÜ), wie sie in Ermittlungen gegen Schwerkriminelle und Terroristen gesammelt werden. Das berichtet die Zeitung Bild am Sonntag. Gelöscht worden seien Daten von abgehörten Telefongesprächen, mitgelesenen E-Mails, Kurzmitteilungen (SMS) und Telefaxen sowie der Lokalisierung von Mobiltelefonen (Funkzellenabfrage). Das BKA bestätigte den Bericht. Es seien aber jeweils nur einzelne Mosaiksteinchen betroffen und keine kompletten Ermittlungsunterlagen gelöscht worden, hieß es. DPA

Schröder-Köpf kandidiert Hameln – Doris Schröder-Köpf ist am Samstag auf die Landesliste der niedersächsischen SPD für die Landtagswahl 2013 gewählt worden. Die prominenteste Bewerberin für ein Mandat und Frau von Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder erhielt von den Delegierten eines SPD-Landesparteitags in Hameln für

Listenplatz zwölf 90 Prozent der Stimmen. Schröder-Köpf (FOTO: DPA) sprach von einem „glänzenden Ergebnis“. Zum Spitzenkandidaten gewählt wurde Hannovers Oberbürgermeister Stephan Weil. Er wird damit Herausforderer von Ministerpräsident David McAllister (CDU). Die Delegierten bestätigten den 53-Jährigen zudem als Landeschef der Partei im Amt. Das niedersächsische Parlament in Hannover wird Anfang 2013 neu gewählt. DPA

Vorwürfe gegen Steuerfahnder Hamburg – Die Schweizer Justiz will nach einem Bericht des Magazins Spiegel neue Beweise für ihre Vorwürfe gegen nordrhein-westfälische Steuerfahnder gefunden haben. Nach der Auswertung von Mobilfunkdaten sähen die Schweizer ihren Verdacht belegt, dass die Fahnder im Jahr 2010 beim Ankauf einer CD mit Daten deutscher Steuersünder Unterlagen nachbestellt hätten. Die Auswertung des Mobiltelefons ihres Mittelsmanns könne ihnen jetzt zum Verhängnis werden, da die Anstiftung zum Datenklau auch in Deutschland strafbar sei. Die Schweiz wirft den drei beteiligten Steuerbeamten Beihilfe zur Wirtschaftsspionage und Verstoß gegen das Bankgeheimnis vor. DPA

Streit über das Elterngeld Berlin – Nach dem Vorstoß von UnionsFraktionschef Volker Kauder (CDU) zur Überprüfung des Elterngelds wird die Debatte über staatliche Hilfen für Familien schärfer. Am Wochenende sprachen sich auch die FDP und der Bund der Steuerzahler dafür aus, alle familienpolitischen Leistungen zu überprüfen. Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) sagte, die finanziellen Leistungen müssten auf ihre Wirksamkeit und Zielgenauigkeit hin überprüft werden. „Das verlangt schon die Haushaltssituation“, so die stellvertretende FDP-Vorsitzende in der Welt am Sonntag. FDP-Generalsekretär Patrick Döring forderte, auch das Betreuungsgeld auf den Prüfstand zu stellen. Das Betreuungsgeld sei „wie alle anderen Leistungen darauf zu überprüfen, ob es den Zielen einer modernen Familienpolitik gerecht wird“. Der Präsident des Steuerzahlerbundes, Reiner Holznagel, sagte den Zeitungen der WAZ-Mediengruppe: „Das Elterngeld hat seine Wirkung voll und ganz verfehlt, das Vorhaben ist gescheitert. Wir fordern eine Rückkehr zum alten Erziehungsgeld.“ KNA

Montag, 9. Juli 2012, Nr. 156 DEFGH

Peter Lepper ist in der Vulkaneifel ein starker Mann: Zu seinem Imperium gehören eine Firmen- und eine Wählergruppe, außerdem eine Zeitung. Dann beschloss er, einen Politiker nicht mehr zu mögen – woraufhin sein Blatt anfing, den Mann aus dem Amt zu schreiben. Mit Erfolg VON JAN BIELICKI

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einz Onnertz hat lange nicht mehr gut geschlafen, und gesundheitlich ging es ihm in den vergangenen zwei Jahren auch nicht richtig gut. Onnertz, 62, ist Landrat in Daun. Heilklimatischer Kurort nennt sich das Eifelstädtchen, doch wenn Onnertz die Atmosphäre in seinem Landkreis Vulkaneifel beschreibt, spricht er von „einem vergifteten Klima“. In der vergangenen Woche zog er die Konsequenzen: „Ich kann nicht mehr“, sagte Onnertz und kündigte an, Ende März in den Ruhestand zu gehen. Gewählt wäre er noch bis 2015. Von der politischen Stimmung im kleinsten Landkreis von Rheinland-Pfalz fühlt sich der parteilose Landrat aus dem Amt getrieben. Die „Blockadepolitik“ eines gegen ihn gerichteten Bündnisses im Kreistag und die „Hetzkampagne“ eines Anzeigenblatts nennt Onnertz als Hauptgründe für seinen angekündigten Rückzug. Und tatsächlich werfen die Ereignisse, die zu dem Schritt führten, ein exemplarisches Licht darauf, wer in dieser deutschen Provinz die Macht hat: lokale Politik, lokale Wirtschaft, lokale Presse – oder jemand, der Einfluss in allen drei Bereichen ausübt?

„Eine unterirdische Hetzkampagne“ sahen dagegen die Krimiautoren Kramp und sein Kollege Michael Preute, unter dem Pseudonym Jacques Berndorf als Verfasser von Eifel-Krimis bekannt, in den Praktiken der Eifel-Zeitung. Sie gründeten eine Facebook-Gruppe, verteilten einen offenen Brief an Lepper und 10 000 Aufkleber für Briefkästen mit der Aufschrift: „Keine Eifel-Zeitung“. In der Zeitung fanden sich daraufhin Artikel, die sich über „eine Horde Wildgewordener“ und „Soziopathen“ empörten. Leserbriefe, zum Teil mit wortgleichen Passagen erschienen, sie legten Preute nahe: „Sie können gerne auswandern!“ Seine Aussage, Lepper selbst verfasse Artikel in der Eifel-Zeitung, konnte Preute vor Gericht aber nicht belegen. „Können Sie sich vielleicht vorstellen, dass ich gar keine Zeit habe, mich um die Eifel-Zeitung zu kümmern?“, mit diesen Worten wies Lepper in einem Brief an Preute jede Verantwortung für Inhalte des Blattes zurück.

„Wir haben uns geduzt, ein Supertyp, wenn auch etwas cholerisch“ „Wenn man jeden Donnerstag als Idiot hingestellt, mit unverschämten und ungeheuerlichen Unterstellungen, mit Untreuevorwürfen, mit anonymen Anzeigen konfrontiert wird, an denen natürlich nichts dran ist, dann gibt man irgendwann auf“, begründet Onnertz seinen Rücktritt. Donnerstags nämlich finden etwa 70 000 Eifeler die Eifel-Zeitung in ihrem Briefkasten – und darin seit mehr als einem Jahr fast jede Woche Artikel, die den Landrat scharf angehen. Sitz der Redaktion ist ein Haus, das in Daun jeder kennt: In dem Gebäudekomplex im Industriegebiet des Ortsteils Rengen hat der bekannteste Unternehmer des Landkreises sein Hauptquartier: Peter Lepper regiert von hier aus ein Firmen-Imperium, in dem weltweit etwa 2700 Mitarbeiter – darunter 650 in Daun – unter anderem Digitalempfänger, Autoradios, Navigationsgeräte, aber auch Rohrleitungen für Autos herstellen. Der heute 66-Jährige hat die höchst erfolgreiche Unternehmensgruppe rund um die Marke Technisat selber aufgebaut – und dazu gehört auch ein 50-Prozent-Anteil an der Eifel-Zeitung. Lepper gilt als Konzernherr, der sich engagiert in der Region. Für seine großzügige Unterstützung von Behindertenorganisationen hat er, was die Eifel-Zeitung gerne herausstellt, das Bundesverdienstkreuz bekommen. Und in der Lokalpolitik mischt er persönlich mit: Lepper sitzt im Kreistag, für eine Gruppierung, die sich Bürgerunion Vulkaneifel (BUV) nennt. Gründer und Vorsitzender des Vereins, der unter derselben Adresse wie Technisat und die EifelZeitung firmiert: Peter Lepper. Diese Ballung unternehmerischer, politischer und medialer Aktivitäten haben dem Unternehmer im Landkreis einen sehr speziellen Ruf eingebracht. „Wir nennen ihn Leppusconi“, spottet Ralf Kramp, Autor von Regionalkrimis und einer der schärfsten Kritiker des Unternehmer-Politikers

Ein „Journalist“, der für andere Journalisten nicht zu sprechen ist

Auch im Wald trägt er Anzug und Krawatte und macht sich recht breit: Peter Lepper, 66, von seinen Gegnern auch „Leppusconi“ genannt. Landrat Heinz Onnertz (kleines Bild) hat in der vergangenen Woche aufgegeben. FOTOS: THOMAS RABSCH/LAIF; TRIERISCHER VOLKSFREUND im Landkreis. Landrat Onnertz freilich hatte in Lepper lange Zeit einen eifrigen Unterstützer. Dass er, der parteilose Richter, der hier lange unangefochten regierenden CDU 1999 das Amt des Landrats abnehmen konnte, hatte er auch der Hilfe von Leppers Eifel-Zeitung zu verdanken, wie er selber zugibt. Sie wurden Freunde: „Wir haben uns geduzt, zusammen Geburtstage gefeiert“, sagt Onnertz. Für ihn war Lepper „ein Supertyp“, wenn auch „etwas cholerisch“. Noch vor drei Jahren, als es Lepper selber mit seiner BUV in den Kreistag zog, machten Leppers Plakate Wahlkampf mit dem populären, 2007 mit Zweidrittelmehrheit im Amt bestätigten Landrat: „Wer BUV wählt, unterstützt Onnertz.“ Damals noch waren es die Vertreter der örtli-

chen CDU, die sich heftigen Attacken der Eifel-Zeitung ausgesetzt sahen. Doch dann zerbrach die Freundschaft. „Ich weiß nicht, warum“, sagt Onnertz, „ich muss irgendetwas gemacht haben, was ihm nicht gepasst hat.“ Tatsächlich gilt der Ex-Richter als Mann, der sich in seine Entscheidungen nur ungern hereinreden lässt. Von den fünf BUV-Leuten im Kreistag und in der Eifel-Zeitung schlug Onnertz seit 2010 zunehmend Kritik entgegen, und diese Angriffe wurden zunehmend persönlich. In Andeutungen stellte die Zeitung den Landrat zuletzt gar unter den Verdacht der Untreue, weil der Hobbypilot Onnertz die Kosten, die bei seiner unbezahlten Mithilfe an einem auch als Werbeträger gedachten Luftbildband entstanden waren,

von der örtlichen Kreissparkasse begleichen ließ. Für Onnertz sind diese Anwürfe „eine unfassbare Sauerei“ – zumal Prüfer des Innenministeriums den Verdacht ausgeräumt hatten und der anonyme Verfasser des Artikels es nicht für nötig hielt, den Landrat um eine Stellungnahme zu bitten. Ein von Lepper und führenden Vertretern von BUV und CDU unterzeichneter „Leserbrief“ machte sich die Kampagne der Zeitung ausdrücklich zu eigen: „Der Öffentlichkeit wurde dank der Eifel-Zeitung klar gemacht, was hinter der ach so beschaulichen Fassade des Landrates wirklich los ist.“ Das sei „keinesfalls ein Aufruf zur Hetze“, sagt der Dauner CDU-Chef Gordon Schnieder, aber „bloß lieb und nett sein, reicht für einen Landrat nicht aus“.

Für Journalisten ist Lepper trotz Anfragen ebenso wenig zu erreichen wie Peter Doeppes, der als verantwortlich zeichnende geschäftsführende Mitgesellschafter des Blattes; auch für die SZ nicht. Dafür zog die Eifel-Zeitung mit Häme und Unterstellungen über eine Journalistin des Südwestrundfunks her. Die Reporterin des Magazins „Zur Sache Rheinland-Pfalz“ hatte einen Brief ausgegraben, in dem Lepper die Mitarbeiter seiner Unternehmen fragte, „ob Sie nicht doch bereit sein könnten, Mitglied der Bürgerunion Vulkaneifel zu werden.“ Ein Interview bekam die Journalistin nicht, dafür wurde sie heimlich aus dem Firmengebäude heraus fotografiert, als sie Straßen-Interviews machte. Die Fotos garnierten ein paar Tage später die Eifel-Zeitung unter der Überschrift: „SWR-Reporterin pervertiert Öffentlichkeit und versagt kläglich“. „Wer ist Ihr Auftraggeber?“, fragte der anonyme Verfasser und unterstellte ihr „perfide Methoden“. Auch Heinz Onnertz bekam nach dem Rücktritt noch einmal sein Fett weg: „Wenn man andauernd traurig und enttäuscht ist, darf man kein Landrat werden“, schrieb die Eifel-Zeitung und warf ihm „weinerliches Hinwegtäuschen“ vor. Wie der Landrat den Rückzug erklärte, erfuhr der Leser aber nicht. Das Blatt druckte nur die Stellungnahmen seiner Gegner ab.

Bahr dringt auf einen Kompromiss

Städte lehnen Meldegesetz ab

Gereizte Stimmung vor neuer Verhandlungsrunde von Hebammen und Krankenkassen

„Schutz der personenbezogenen Bürgerdaten ist ein kostbares Gut“

Berlin – Die Stimmung ist gereizt, fast schon feindselig. Seit Monaten schon zoffen sich die Hebammen mit dem Spitzenverband der Krankenkassen. Es geht ums Geld. Um das, was die Kassen zu geben bereit sind und das, was die Hebammen zu verdienen glauben. An diesem Montag soll es eine neue Verhandlungsrunde geben. Allerdings stehen sich beide Seiten nach wie vor unversöhnlich gegenüber. Kaum jemand glaubt daran, dass sich Kassen und Hebammen aus eigener Kraft einig werden. Nachdem Kanzlerin Angela Merkel den Hebammen Unterstützung zugesagt hatte, würden sich diese ohnehin nicht auf einen Kompromiss einlassen. Das alles kann Gesundheitsminister Daniel Bahr nicht passen – schlechte Stimmung unter den Hebammen nicht und dass die Kanzlerin sich um seinen Job kümmern will, schon gar nicht. Der FDP-Politiker hat deshalb vor der neuerlichen Runde gefordert, endlich einen Kompromiss zu finden. „Die flächendeckende Versorgung mit Hebammenleistungen ist nicht nur mir wichtig“, sagte er der Süddeutschen Zeitung. „Deshalb sind jetzt Kassen und Hebammen in der Pflicht, den Verhandlungsprozess zu einem guten Ende zu führen.“ Die Kassen verhandeln mit den Hebammen über eine ganze Reihe von Themen, die wichtigsten sind die Anhebung der Gebühren und der Ausgleich für die stark gestiegenen Prämien für die Berufshaftpflicht der Geburtshelferinnen. Die Kassen bieten zusätzlich 1,3 Millionen Euro im Jahr an, die Hebammen wollen vier Millionen Euro. Die Kassen haben bereits mehrmals den vollen Ausgleich der gestiegenen Haftpflicht-Versicherungen angeboten, die für etwa 3000 Hebammen Anfang Juli um 550 auf 4200 Euro im Jahr gestiegen sind. Die Hebammen-Verbände halten das Angebot nicht für tragfähig und wollen eine gänzliche andere Regelung. Andernfalls gebe es schon bald keine Hebammen mehr, stehe der gesamte Berufsstand vor dem Aussterben.

Nach Darstellung der Kassen entbehrt das jeglicher Realität. So sei die Anzahl der Hebammen zwischen 2009 und 2011 gestiegen und ihre Honorierung sei seit 2007 um mehr als 30 Prozent angehoben worden. Die Konfliktparteien haben bereits eine Art Mediatorengespräch mit Bahr hinter sich. Doch der Konflikt schwelt trotzdem unvermindert weiter. Zuletzt hätten die Hebammen-Verbände noch nicht einmal mehr auf Terminvorschläge der Kassen reagiert, heißt es in einem Schreiben des GKV-Spitzenverbandes. Die Hebammen hingegen kontern, der Verband habe vertrauliche Informationen weitergegeben und eine – offenbar unerwünschte – Verhandlungspartei eingeladen, den Fachverband für Hausgeburtshilfe. „Die Regierung hat vielen Forderungen der Hebammen Rechnung getragen“, sagte Bahr. Immerhin könnten Kassen und

Hebammen-Verbände inzwischen miteinander verhandeln. Das ging lange Zeit nicht. Zudem hat die Regierungskoalition die Kostensteigerungen bei der Berufshaftpflicht ausdrücklich zum Bestandteil der Verhandlungen gemacht. „Wir haben alle Voraussetzungen geschaffen, dass faire Verhandlungen stattfinden können“, betonte Bahr. Gegenseitige Vorwürfe würden keinen weiterbringen. Sollten Kassen und Hebammen kein Ergebnis erzielen, wird es zu einem Schlichtungsverfahren kommen. So sieht es das Gesetz vor. Als Schlichterin ist die ehemalige Justizministerin Herta Däubler-Gmelin (SPD) vorgesehen. Bahr hofft jedoch, diese Situation vermeiden zu können. Er setzt stattdessen auf eine Einigung. „Ich erwarte jetzt, dass Kassen und Hebammen zu einem Ergebnis kommen“, sagte der Gesundheitsminister. GUIDO BOHSEM

Die Hebammen befürchten, dass sie durch die explodierenden Versicherungskosten über kurz oder lang ausrangiert werden. FOTO: : VARIO IMAGES

München/Berlin – Der Deutsche Städtetag lehnt das neue Meldegesetz ab, mit dem die Weitergabe von Meldedaten durch die Kommunen bundeseinheitlich geregelt werden soll. „Unser Interesse geht nicht dahin, mit Adressen zu handeln“, sagte der stellvertretende Städtetags-Hauptgeschäftsführer Helmut Dedy der Süddeutschen Zeitung. Für die deutschen Städte sei „der Schutz der personenbezogenen Daten ihrer Bürgerinnen und Bürger ein kostbares Gut“. Ein Entgegenkommen gegenüber den Adresshändlern im neuen Bundesmeldegesetz wäre „für uns problematisch“. Dedy verwies darauf, dass die kommunalen Meldebehörden schon jetzt gesetzlich verpflichtet seien, auf Anfrage Auskünfte aus dem Melderegister zu erteilen. Dafür erheben sie eine Aufwandsgebühr. Der Bundestag hatte das neue Meldegesetz am 28. Juni mit den Stimmen der schwarz-gelben Koalition gegen das Votum von SPD, Linke und Grünen ohne Aussprache verabschiedet. Das Gesetz war notwendig geworden, nachdem die Zuständigkeit für das Melderecht im Zuge der Föderalismusreform von den Ländern auf den Bund übergegangen war. Erst jetzt regt sich lautstarker Widerspruch der Opposition vor allem gegen jene Bestimmungen, welche die Weitergabe von Meldedaten zu Zwecken der Werbung und des Adresshandels regeln. Nach dem neuen Gesetz müssen Firmen bei Anfragen an Meldebehörden angeben, wenn sie die gewünschten Daten zu Werbezwecken verwenden wollen. Jeder Bürger kann dieser Weitergabe pauschal widersprechen. Neu im Gesetz ist auch, dass die Meldeämter die Bürger auf diese Widerspruchsmöglichkeit hinweisen müssen, etwa dann, wenn sich jemand bei der Behörde ab- oder neu anmeldet. Der Widerspruch ist wirkungslos, wenn die anfragende Firma bereits bei ihr vorhandene Daten über eine Person korrigieren will. In dem ursprünglich vom Bundeskabinett beschlossenen Gesetzentwurf war

noch eine sogenannte Einwilligungslösung vorgesehen. Das heißt, bei jeder Datenabfrage hätte das Einverständnis des betroffenen Bürgers eingeholt werden müssen. Gegen dieses Verfahren hatte die Werbewirtschaft Front gemacht, weil es für sie erheblichen Mehraufwand bedeutet hätte. Auch Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) meldete Bedenken gegen das neue Gesetz an. Sie halte eine Lösung, nach der Daten nur mit der Einwilligung der Betroffenen weitergegeben werden dürften, für den besseren Weg, sagte sie der Berliner Zeitung.

SPD und Grüne warfen Union und FDP schwarz-gelbe Klientelpolitik vor SPD und Grüne warfen Union und FDP schwarz-gelbe Klientelpolitik vor. Grünen-Fraktionschefin Renate Künast sagte: „Mal wieder bedient Schwarz-Gelb eine Klientelgruppe und deren Profitinteressen und stellt den allgemeinen Daten- und Verbraucherschutzhinten an.“ Der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Fraktion, Thomas Oppermann, kündigte am Sonntag in Berlin an, die SPD werde das Gesetz im Bundesrat aufhalten. Die Länderkammer will im Herbst über das zustimmungspflichtige Gesetz beraten. Der Berichterstatter der Unionsfraktion für das Gesetz, der Bundestagsabgeordnete Helmut Brandt, sagte der SZ, die Widerspruchslösung sei für jeden, der nicht wolle, dass seine Daten weitergegeben werden, ein probates Mittel. In Bezug auf den Adressenhandel habe sich nichts geändert; es gälten dieselben datenschutzrechtlichen Bestimmungen wie bisher. Der FDPPolitiker Manuel Höferlin sagte, die Datenschutzprobleme, die bei der Nutzung von rechtmäßig oder erst recht von unrechtmäßig erworbenen Daten der Werbewirtschaft bestünden, ließen sich im Melderecht nicht lösen. JKÄ, BLE R Seite 4


POLITIK

DEFGH Nr. 156, Montag, 9. Juli 2012

HF3

Spanier, Griechen, Zyprer

Ausgehverbot für Jugendliche

Auf zwei Gipfeln sollen Details der Euro-Rettung besprochen werden

Massive Kritik an Vorschlag von Familienministerin Schröder

Nikosia – Die Lage in den Krisenländern ist weiterhin prekär, nach einer Phase des Optimismus angesichts der Beschlüsse des jüngsten EU-Gipfels verfielen die Märkte gegen Ende der Woche wieder in Katerstimmung. Europas Politiker bemühen sich deshalb, möglichst vor den Sommerferien im August über alle Anträge auf Hilfen aus dem Euro-Rettungsfonds zu entscheiden. Dazu sind neben dem regulären Treffen der Euro-Finanzminister an diesem Montag zwei zusätzliche Gipfel im Juli geplant. Es steht einiges an: Details zur Rettung der spanischen Banken, die Fortführung und Anpassung des griechischen Hilfspakets sowie der Antrag Zyperns auf Bankenhilfe. Zudem sollen die Konditionen des irischen Hilfspakets nachverhandelt und über Details der geplanten europäischen Bankenaufsicht beraten werden. Und schließlich stehen einige Personalentscheidungen an. Um das ganze Programm abzuarbeiten, werden sich die Finanzminister noch einmal am 20. Juli treffen. Fünf Tage später sollen die Staats- und Regierungschefs dann nach Brüssel kommen, was allerdings noch nicht ganz feststeht. Nach Informationen hoher EU-Diplomaten gefährden neue Spannungen unter den Euro-Ländern die Treffen. Finnland, aber auch die Niederlande stellen die Beschlüsse des jüngsten Gipfels infrage, wonach bestimmte Hilfen aus den Euro-Rettungsfonds ohne zusätzliche Auflagen geleistet werden können. Das betrifft vor allem den von Italien geforderten Aufkauf von Staatsanleihen. Finnlands Premier Jyrki Katainen kündigte dies in einem Brief an das EU-Parlament an. Aus Den Haag kam die Forderung, über jede einzelne Hilfe neu abstimmen zu wollen.

Berlin – Familienministerin Kristina Schröder (CDU) stößt mit einer Initiative zur Verschärfung des Jugendschutzes auf entschiedenen Widerstand des Koalitionspartners FDP. Schröders Beamte wollen das Jugendschutzgesetz um eine Bestimmung erweitern, derzufolge Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren sich nach 20 Uhr nicht mehr auf öffentlichen Veranstaltungen aufhalten dürfen, wenn dort Alkohol ausgeschenkt wird. Bisher gibt es eine solche Anwesenheitsbeschränkung nicht. Das Familienministerium will damit dem verstärkten Alkoholmissbrauch durch Jugendliche („Komasaufen“) entgegenwirken. Das von FDP-Chef Philipp Rösler geführte Wirtschaftsministerium lehnt den Vorschlag ebenso ab wie die FDP-Bundestagsfraktion und sieht, so ein interner Vermerk, keine „Kompromissmöglichkeiten“.

Zwei Ministerien streiten darüber, ob der Vorschlag bereits ein Gesetzentwurf ist oder nicht

Ratspräsident Herman Van Rompuy werde nur dann zu dem Gipfel einladen, wenn die Gefahr gebannt sei, dass die beiden Länder über die Gipfel-Beschlüsse nachverhandeln wollten, hieß es am Sonntag im Umfeld der zyprischen Ratspräsidentschaft. Die Entscheidung soll in den nächsten Tagen fallen.

Im Vorsitz der Euro-Gruppe wollen sich Berlin und Paris nun offenbar abwechseln Frankreich und Deutschland streiten, wer Luxemburgs Premier Jean-Claude Juncker als Vorsitzender der Euro-Gruppe nachfolgen soll. Junckers Amtszeit läuft am 18. Juli ab. Von dieser Entscheidung hängt auch ab, wer künftig den sechsten Platz im Direktorium der Europäischen Zentralbank (EZB) einnimmt und wer den Euro-Rettungsschirm ESM führen wird. Vorgesehen sind der Luxemburger Zentralbankchef Yves Mersch und der deutsche Klaus Regling. Eine Zwischenlösung zeichnet sich ab. Danach führt Juncker weitere sechs Monate die Euro-Gruppe. Dies soll am 20. Juli beschlossen werden. Anschließend soll der Posten politisch aufgewertet werden. Der Chef der EuroGruppe soll mit den Chefs des Internationalen Währungsfonds und der EZB am G-20-Tisch sitzen. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat vor Monaten Finanzminister Wolfgang Schäuble ins Gespräch gebracht, dem Frankreichs Präsident François Hollande Minister Pierre Moscovici entgegenstellt. Im Gespräch ist für die nächste Amtszeit nun eine Art rotierender Vorsitz, den sich zunächst Paris und Berlin teilen. GAM

Harte Zeiten Griechenlands Regierung will privatisieren und Auflagenfrist strecken

FOTO: FOTO: MICHEL SPINGLER/AP

Ein Wangenkuss als Siegel In Reims feiern Merkel und Hollande die deutsch-französische Freundschaft. Niemand dürfe sich davon ausgegrenzt fühlen, hatte der Präsident zuvor gewarnt

Endlich! In Paris wird erstmals die Arbeitskleidung für Badenixen offiziell vorgestellt: der Bikini. Heute sorgen schnell trocknende Chemiefasern im Zweiteiler für beste Passform und einen tollen Strand-Look.

sei eine Herkulesaufgabe, die Europa aber bewältigen könne. Merkel würdigte das Wirken des damaligen Bundeskanzlers Konrad Adenauer und des ehemaligen französischen Staatspräsidenten Charles de Gaulle für die Verständigungspolitik zwischen den einstigen Kriegsgegnern Frankreich und Deutschland. Am 8. Juli 1962 hatten Adenauer und de Gaulle in einer Versöhnungsmesse die Aussöhnung der Nachbarländer besiegelt und Jahrzehnte der Feindseligkeit begraben. Merkel und Hollande verliehen der deutsch-französischen Freundschaft am Sonntag mit einem gegenseitigen Kuss auf die Wange Ausdruck. Hollande verurteilte die Schändung von mindestens 40 Gräbern deutscher Soldaten auf einem Friedhof in Nordfrankreich. „Keine dunklen Mächte, geschweige denn törichte Handlungen, können die tiefe Bewegung der französisch-deutschen Freundschaft ändern“, so der Präsident. Das Innenministerium in Paris bezeichnete die Taten als „vollkommen inakzeptabel“. Den Angaben zufolge wurden in SaintÉtienne-à-Arnes im Département Arden-

Jetzt werden sogar schon Koffer auf Diät gesetzt: Ein Hightech-Kunststoff aus Deutschland macht Reisekoffer leichter und erspart so das Übergepäck.

nes die Ruhestätten von Gefallenen aus dem Ersten Weltkrieg geschändet. Merkel hatte am Samstag betont, schon de Gaulle und Adenauer hätten gesagt, die deutsch-französische Freundschaft sei ein unerlässlicher Schritt auf dem Weg zu einem vereinigten Europa. Auch Hollande hatte in einem Interview am Samstag die guten Beziehungen Frankreichs und Deutschlands hervorgehoben, jedoch gemahnt, es dürfe kein „deutsch-französisches Direktorium“ in Europa geben. Zwar sei in Europa nichts möglich, wenn Frankreich und Deutschland sich nicht einig seien, sagte der französische Präsident, fügte aber hinzu: „Wir dürfen unsere Beziehung nicht wie ein Direktorium verstehen, in dem Frankreich und Deutschland allein für Europa entscheiden.“ Darin sei er sich mit Merkel einig. „Manchmal konnten sich bestimmte Länder ausgeschlossen oder gezwungen fühlen, einen Kompromiss zu akzeptieren, der bereits von unseren beiden Ländern ausgehandelt wurde“, sagte Hollande. Man müsse die anderen jedoch einbinden. SZ R Seite 4

2010

Reims – Ungeachtet ihrer Differenzen in der Euro-Krise haben Bundeskanzlerin Angela Merkel und der französische Staatspräsident François Hollande die Besonderheit der Freundschaft zwischen Deutschland und Frankreich hervorgehoben. Beide Politiker feierten am Sonntag in Reims in Frankreich den 50. Jahrestag der deutschfranzösischen Aussöhnung. „Wenn wir einig sind, können wir alle Herausforderungen bewältigen, zum Wohle beider Völker, zum Wohle Europas“, sagte Merkel nach einer Zeremonie in der Kathedrale zur Erinnerung an die Versöhnungsmesse 1962. Das Treffen mit Hollande nannte sie „ein wunderbares Zeichen“ des Miteinanders. Auf Französisch fügte die CDU-Vorsitzende hinzu: „Es lebe die deutsch-französische Freundschaft.“ Thema beim Treffen zwischen Merkel und Hollande war auch die europäische Schuldenkrise, die zuletzt zu Spannungen zwischen Berlin und Paris geführt hatte. „Was vor zwanzig Jahren versäumt worden ist, ist die politische Vollendung der Wirtschaftsund Währungsunion“, sagte Merkel. Das

Athen – Der griechische Premierminister Antonis Samaras hat seine Landsleute auf schwere Zeiten eingestimmt. Das Land habe abermals die Ziele des Fiskalpaktes verfehlt und müsse jetzt bei den Reformen Gas geben, sagte der konservative Politiker in seiner ersten Regierungserklärung im Athener Parlament. Nach dreitägiger Debatte der Regierungspläne wollte sich Samaras am Sonntagabend einer Vertrauensabstimmung stellen. Samaras’ Koalition verfügt über 179 der 300 Mandate. „Wir haben kein Problem damit, Reformen zu beschließen. Wir haben kein Problem, Ziele zu erreichen. Aber wir müssen einen Ausweg aus der Rezession finden“, sagte der 61-jährige Regierungschef. An diesem Montag wollen die TroikaKontrolleure erste Ergebnisse ihrer Überprüfung der griechischen Staatsfinanzen vorlegen. Laut übereinstimmenden Medienberichten sind die ersten Erkenntnisse negativ. Wenn Athen nicht bald spektakuläre Privatisierungen durchführt, ein neues vereinfachtes Steuergesetz vorlegt und den Staat weiter verschlankt, werde es keine weiteren Geldspritzen geben, meldete die griechische Zeitung Kathimerini unter Berufung auf Warnungen der Troika. Ein weiteres Euro-Gruppen-Treffen wurde für den 20. Juli anberaumt. Samaras’ Ziel ist eine zeitliche Streckung der Sparauflagen: „Wir wollen die Ziele (des Sparpaktes) nicht ändern. Wir wollen die Mittel ändern“, sagte der Premier. Das größte Problem sei die Arbeitslosigkeit, weil sie den „sozialen Frieden“ bedrohe. Jeder zweite junge Grieche ist derzeit ohne festen Job. Der Premier kündigte die

Ein neuartiger Rohstoff auf Siliziumbasis steigert die Klickraten. Nicht von Webseiten, sondern von Urlaubern. Denn auf die Flash-Speicher in ihren Kameras passen dank des neuen Materials noch mehr Urlaubsbilder.

Für viele ist die Lage zum Schreien: Fast jeder zweite junge Grieche ist derzeit ohne festen Job. FOTO: REUTERS Privatisierung staatlicher Infrastrukturunternehmen und den Verkauf staatlichen Besitzes an. Zudem wolle man die Rückkehr aus dem Land geflossenen Kapitals ermöglichen. Einzelheiten nannte er nicht. Der an der Regierung beteiligte Pasok-Parteichef Evangelos Venizelos regte an, die Frist zur Erreichung eines ausgeglichenen Haushalts um drei Jahre hinauszuzögern. Bei der Opposition stießen die Spar- und Privatisierungspläne auf scharfe Kritik: „Ich habe den Eindruck, ein Verkaufsinserat für das Land zu lesen“, sagte Alexis Tsipras, der das Bündnis der radikalen Linken (Syriza) anführt. DPA, AFP

2027

Herzlichkeit, auch ein bisschen für die Galerie: Angela Merkel und François Hollande in Reims.

2000

1946

Neben den inhaltlichen Meinungsverschiedenheiten gibt es auch Streit darüber, wie weit das Verfahren überhaupt schon gediehen ist. Während das Wirtschaftsministerium von einem Gesetzentwurf aus dem Hause Schröder spricht, der sich bereits offiziell in der sogenannten Ressortabstimmung zwischen den beteiligten Ministerien befinde, bestreitet dies das Familienministerium. Es gebe nicht einmal einen Referenten-, geschweige denn einen Gesetzentwurf, versicherte eine Sprecherin. „Und Überlegungen auf Arbeitsebene kommentieren wir nicht.“ Tatsächlich kursiert ein ausgearbeiteter Gesetzesvorschlag aus dem Familienministerium vom 2. Juli, der auch die Überschrift „Gesetzentwurf“ trägt. In der FDP wird die Stellungnahme des Schröder-Ministeriums so gedeutet, dass man dort angesichts des massiven Widerstands nun versuche abzuwiegeln. Nach den Plänen des Familienministerium sollen sich Jugendliche unter 16 Jahren nach 20 Uhr und Jugendliche über 16 Jahren nach 24 Uhr nur noch in Begleitung von Eltern oder Erziehungsbeauftragten auf Veranstaltungen mit Alkoholausschank aufhalten dürfen. Das beträfe Musikkonzerte, Weihnachtsmärkte oder die Fanmeilen bei großen Sportveranstaltungen, aber auch Vereinsfeste. Ausnahmen soll es für Brauchtumsveranstaltungen oder Jahrmärkte geben können. Zugleich soll das Alter der Begleitpersonen von derzeit 18 auf 21 Jahre heraufgesetzt werden. „Da dürfte eine 20-Jährige zwar Wodka kaufen, aber nicht ihren 13-jährigen Bruder bei einem Kinderfilm um 19 Uhr ins Kino begleiten“, sagte dazu der jugendpolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Florian Bernschneider. „Solch unsinnige Regelungen“ lehne die FDP ab. Nach Ansicht des Wirtschaftsministeriums ließe sich das geplante Verbot in der Praxis kaum umsetzen. Es greife in die private Lebensgestaltung ein und hätte nachteilige Auswirkungen auf die Veranstalter. Auch komme es zu Alkoholexzessen häufig gerade nicht bei öffentlichen Veranstaltungen, sondern eher im privaten Rahmen. Der FDP-Nachwuchs, die Julis, hat für den Vorschlag nur Spott übrig. „Kristina Schröder sollte den Mut haben, den Weg zu einer echten Altersstaffelung bei der Sperrstunde zu gehen: Zwölfjährige sollten bereits mittags wieder zu Hause sein, 16-Jährige eben um 16 Uhr“, erklärte Juli-Chef Lasse Becker. PETER BLECHSCHMIDT R Seite 4

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2015

Auch wenn junge Leute es heute kaum für möglich halten – schon lange vor dem World Wide Web konnte man in Europa surfen: auf faserverstärkten Surfbrettern mit Kunststofffoliensegeln.

2009

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1972

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POLITIK

HBG

Festtag

AUSLAND Mursi ruft Parlament zurück Kairo – Ägyptens islamistischer Staatschef wagt den Konflikt mit den hinter den Kulissen herrschenden Generalen. Der erst vor wenigen Tagen ins Amt eingeschworene Präsident Mohammed Mursi forderte das vom Verfassungsgericht aufgelöste Unterhaus auf, wieder zu seinen Sitzungen zusammenzukommen. Beide Kammern des Parlaments werden von Islamisten beherrscht. Da Ägyptens Justiz unter dem gestürzten Diktator Hosni Mubarak nicht wirklich unabhängig war, scheint klar zu sein, dass die Auflösung des Parlaments im Juni in geheimer Absprache mit den damals noch offiziell als Militärrat herrschenden Generalen getroffen wurde. Die Offiziere hatten im Juni kurz vor der Machtübergabe an den Wahlsieger Mursi einen Teil der legislativen Vollmachten vom aufgelösten Parlament auf sich selbst übertragen. Mursis Entscheidung läuft somit auf einen Konflikt mit den Generalen und der Justiz hinaus. Das Verfassungsgericht hatte das Unterhaus wegen Fehlern im Wahlgesetz aufgelöst. Die Wahl soll wiederholt werden, ein Termin steht nicht fest. Ob die Auflösung rechtmäßig ist, soll demnächst von einem anderen obersten Gericht geklärt werden. AVE

Massenprotest in Mexiko Buenos Aires – Zehntausende Mexikaner haben am Wochenende erneut gegen das Wahlergebnis protestiert. Enrique Peña Nieto von der Revolutionspartei PRI wurde von der Wahlbehörde zwar auch nach der Neuauszählung von mehr als der Hälfte der Stimmen als künftiger Präsident bestätigt. Demnach bekam er 38,2 Prozent, und Andrés Manuel López Obrador von der linken PRD 31,6 Prozent. Das Wahlgericht hat für die Prüfung des Resultats bis September Zeit. Unterdessen gratulierten Peña Nieto die Staatschefs Hugo Chávez aus Venezuela und Raúl Castro aus Kuba. López Obrador und die Studentenbewegung „Yo soy 132“ werfen Peña Nieto und der PRI jedoch Wahlbetrug vor. López Obrador spricht von „millionenfachem Stimmenkauf“ und nannte die Abstimmung „schmutzig, ungleich und voller Unregelmäßigkeiten“. Peña Nieto weist die Vorwürfe zurück. PB

Empörung nach Handschlag Belgrad – Ein Händeschütteln zwischen dem abgewählten serbischen Präsidenten Boris Tadic und dem kosovarischen Regierungschef Hashim Thaci (Foto: AP) am Samstag in der kroatischen Stadt Dubrovnik hat für Aufruhr und Proteste in Serbien gesorgt. Der designierte serbische Ministerpräsident Ivica Dacic bezeichnete den Besuch von Tadic beim „Croatia Summit“ als „absolut rätselhaft“. Es dürfe nicht sein, dass das frühere Staatsoberhaupt während seiner Amtszeit alle kosovarischen Politiker boykottiert habe und jetzt offen mit ihnen zusammentreffe, zitierten die Medien Dacic am Sonntag in Belgrad. Tadic selbst bestritt, dass die Begrüßung von Thaci „historisch“ gewesen sei und er damit indirekt die Unabhängigkeit der früheren serbischen Provinz anerkannt habe. „Tadic sorgte für eine Sensation“, titelte am Sonntag die Zeitung Novosti. Tausende Bürger zeigten sich in Leserbriefen und Mails geschockt. „Schande!“, „Verrat!“ und „Er hat Kosovo anerkannt“, hieß es darin. DPA

Freilassungen in Myanmar Rangun – Nach Protesten gegen die Festnahme von gut 20 Studentenführern in Myanmar haben die Behörden alle Aktivisten wieder freigelassen. Die Studentenführer kamen am Samstagabend nach etwa 24 Stunden wieder auf freien Fuß, wie ein Regierungsvertreter sagte. Die größte Verhaftungswelle in Myanmar seit der Auflösung der Militärjunta im März 2011 hatte Zweifel am Reformkurs der neuen Führung aufkommen lassen. Die Studentenführer waren am Freitag festgenommen worden, am Abend vor einer Kundgebung zur Erinnerung an die Niederschlagung eines Studentenprotests gegen die Militärherrschaft vor genau 50 Jahren, am 7. Juli 1962. Trotz der Festnahmen versammelten sich am Samstag mehr als 300 Demonstranten vor dem Sitz der Studentenbewegung „Generation 88“ in Rangun zu der Kundgebung. AFP

Protest gegen Nato-Routen Lahore – In der pakistanischen Stadt Lahore haben am Sonntag mehrere tausend Menschen gegen die Wiedereröffnung von Nachschubrouten der Nato demonstriert. Angeführt wurden die Proteste von islamistischen Hardlinern. In einem „langen Marsch“ gegen die Versorgungswege wollten sie eigenen Angaben zufolge noch im Laufe des Tages in die Hauptstadt Islamabad fahren. Die pakistanische Regierung hatte am Dienstag zugestimmt, die Versorgungsrouten der Nato nach Afghanistan wieder zu öffnen. Zuvor hatten sich die USA für Luftangriffe entschuldigt, bei denen im November 24 pakistanische Soldaten ums Leben gekommen waren. (Seite 2) DAPD

Montag, 9. Juli 2012, Nr. 156 DEFGH

Trotz gewalttätiger Proteste und Boykottaufrufen gehen viele Libyer zur ersten Abstimmung seit Jahrzehnten. Die Wahlbeteiligung liegt bei 60 Prozent, die Stimmung ist ausgelassen. Doch einigen ist das alles nicht geheuer – zu sehr hat Gaddafi einst die Parteien verteufelt VON SONJA ZEKRI

Derj – Natürlich gibt es auch ein paar, die dem Tag nichts abgewinnen können, Najea Ali zum Beispiel. Dabei hat sie das Ihre dazu beigetragen, dass es überhaupt so weit kommen konnte, zu den ersten freien Wahlen mit politischen Parteien in Libyen seit 60 Jahren. Früher hat Najea in der Bibliothek in Bengasi gearbeitet. Seit vor 17 Monaten der Aufstand gegen Gaddafi ausgebrochen ist, aber fegt sie – mit einer Weste in Alarmorange, weißem Kopftuch und Arbeiterhandschuhen – die Straße vor dem Gerichtsgebäude: Die Wiege des Aufstandes soll immer vorzeigbar sein, auch und gerade an einem Tag wie diesem. Obwohl Najea nicht wählen wird: „Ich brauche keine Wahl, wir haben wirklich Wichtigeres zu tun“, hat sie jüngst gesagt. Die Wirtschaft, Sicherheit, und, natürlich, Sauberkeit, die „zweite Revolution“. Andere in Bengasi geben ihrem Protest brutaler Ausdruck. Am Vorabend des Wahltages griffen Unbekannte einen Hubschrauber an, der Wahlunterlagen bringen sollte, ein Wahlhelfer starb. Dutzende der 1500 Wahllokale konnten gar nicht erst öffnen, weil die Sicherheitslage es nicht erlaubte, davon acht in Bengasi. Der ölreiche Osten um Bengasi, die Cyreneika, fühlt sich abgehängt, dabei hat doch hier alles begonnen. Kurz vor der Wahl versuchte der Nationale Übergangsrat, die radikalen „Föderalisten“ in Bengasi zu besänftigen: Die nun in einer komplizierten Kombination aus Mehrheits- und Verhältniswahlrecht zusammengesetzte 200-köpfige Generalversammlung soll zwar eine neue Regierung ernennen und gesetzgebende Befugnisse haben, aber sie wird nicht mehr die Verfassungskommission wählen. In der Generalversammlung ist der Westen, Tripolitanien, mit 100, der Osten mit 60 und der Süden, also Fezzan, mit 40 Sitzen vertreten. In der Verfassungsgebenden Versammlung sollen die drei Provinzen jeweils 20 Mandate erhalten – aber nach Ansicht der Kritiker im Osten ist das nur Makulatur. Und doch, nach 42 Jahren Operettendiktatur, nach einer blutigen Befreiung und einem für viele mängelbehafteten Übergang feierte Libyen am Samstag seine politische Wiederauferstehung. Das Fernsehen übertrug live aus den Wahllokalen, ergriffene Menschen sagten „Dies ist ein großes Fest“ vor den Kameras, Polizisten, Bürger, Rebellen ließen sich anstecken. In den großen Städten hatten die Parteien die wenigen Tage Wahlkampf genutzt, um die Straßen mit einem Plakatkonfetti zu überziehen und die Wähler mitzureißen. Aber Polizei und Armee waren in Alarmbereitschaft, die Nervosität war mit Händen zu greifen.

Ein Libyer gibt in Tripolis seine Stimme ab. Insgesamt treten bei der ersten freien Abstimmung seit Jahrzehnten 3700 Kandidaten für die 200-köpfige Generalversammlung an. Das Wahlergebnis wird erst in einigen Tagen bekannt gegeben. FOTO: GIANLUIGI GUERCIA/AFP In Derj, einem Nest 600 Kilometer südlich von Tripolis in der Nähe der tunesischen Grenze, ist das alles weit weg. Hier ist alles etwas kleiner, bescheidener, klarer. Ab und an ein Plakat, hier und dort eine Wahlanleitung an einer Tankstelle. Nur die Begeisterung ist dieselbe. Anders als in den aufwendig umworbenen Städten mit ihren vielen Namen und Listen – insgesamt treten 3700 Kandidaten an – können die 5000 Einwohner von Derj aus gerade drei Unabhängigen auswählen. 140 neugegründete Parteien treten bei der Wahl an, darunter Islamisten wie die Muslimbrüder oder die „Heimat“-Partei des Militärkommandeurs von Tripolis, Abdel Hakim Belhaj, oderdie liberale Allianz um Mahmud Dschibril, einst hoher Wirtschaftsfunktionär un-

terGaddafi, dann eine Art Premier im Nationalen Übergangsrat, nun Vorsitzender des Parteienbündnisses. Bis Derj aber hat es keiner von ihnen geschafft. „Die Sache mit den Parteien ist den Menschen hier sowieso unheimlich, nachdem Gaddafi Parteien so verteufelt hat“, sagt Mohammed Kumalli, der bis vor kurzem in einem Krankenhaus gearbeitet hat: „Es ist ja schon schwer zu begreifen, was da überhaupt gewählt wird.“ Fatma Mamma Farij, 42, siebenfache Mutter, widerspricht: „Ich habe es gesehen, habe es mir erklären lassen, ich weiß genau, was da passiert.“ Sie wird ihre Stimme dem Akademiker unter den drei Kandidaten in Derj geben: Ein Gebildeter ist jetzt das Richtige. In Tripolis rätseln die Menschen über die vielen neuen Fi-

guren, in Derj sind die Kandidaten lange bekannt. In den winzigen Gemeinden ist der Ruf, auch der Name das größte Kapital. Doch obwohl alles irgendwie in der Familie bleibt, laufen am Samstag auch in den sonnenverbrannten Häusern von Derj die Fernseher rund um die Uhr. So etwas kannten wir bis jetzt nur aus dem Irak und Afghanistan, sagen die Menschen. Mohammed greift noch weiter aus: „Mit dem heutigen Tag beginnt Libyens Zukunft, heute wird eine neue Seite aufgeschlagen.“ Libyen müsse an eine starke Regierung glauben, an einen Neubeginn, Einheit, Gemeinsinn. Der ist bitter nötig. Mohammed ist Tuareg, Angehöriger jenes Nomadenvolkes, das sich über verschiedene Länder verteilt – und das in Libyen als Anhänger Gaddafis

Deutsche Polizisten für Schweizer Kantone

Annan reist nach Syrien, Assad lehnt Rücktritt ab

Eidgenössischer Gewerkschafter will gegen ausländische Rechtsbrecher ausländische Gesetzeshüter einsetzen Zürich – Kellner aus Kassel, Fachärzte aus Frankfurt, Optiker aus Osnabrück – es gibt kaum einen Bereich des Schweizer Wirtschaftslebens, in dem heute keine Deutschen arbeiten. Nicht nur von den höheren Löhnen werden die Gastarbeiter angelockt, sondern zunehmend auch von dem in der Schweiz häufig besseren Arbeitsklima. Inzwischen haben die Gäste aus dem „Großen Kanton“, wie die Schweizer die Bundesrepublik nennen, sogar die Almen erobert: Immer mehr deutsche Sennerinnen und Senner melken im Sommer hoch oben in den Bergen die Kühe und rühren den Käse an. Nun soll eine weitere Grenze fallen, jedenfalls wenn es nach dem Willen von Jean-Marc Widmer geht. Der Vorsitzende der schweizerischen Polizeigewerkschaft hat angesichts der dramatischen Personalknappheit in seiner Truppe nun in einem Interview mit der Massenzeitung Sonntagsblick die Einstel-

lung von Ausländern als Polizisten gefordert. In erster Linie denke er an Deutsche, aber auch Österreicher oder Franzosen kämen in Frage, sagte er. In den vergangenen Jahren nahm auch in der Schweiz die Zahl

Die einjährige Ausbildung soll mit einem Schweizer Pass belohnt werden der Verbrechen deutlich zu. Im Vergleich zu anderen europäischen Staaten ist die Eidgenossenschaft zwar noch immer ein Hort der Sicherheit. Was aber zählt, ist das subjektive Empfinden der Einheimischen, und die fühlen sich zunehmend unsicher und bedroht. So wuchs die Anzahl der Diebstähle im vergangenen Jahr um 16 Prozent auf 580 angezeigte Fälle pro Tag. Die Zahl der Einbrüche – vor allem in Genf und im Kanton Waadt – stieg um fünf Prozent.

Die Schweizer Polizisten fühlen sich daher überfordert, weshalb Widmer annähernd eine Verdoppelung der Sicherheitstruppe auf 31 000 Uniformierte verlangt. Da es eher unwahrscheinlich ist, diese Menge aus Schweizer Bürgern zu rekrutieren, will der Polizeigewerkschafter sie im Ausland anwerben. Und weil in den meisten Kantonen nur Schweizer Bürger Polizeiaufgaben erfüllen dürfen, rüttelte Widmer gleich an einem weiteren Tabu: Nach einer einjährigen Ausbildung sollen die ausländischen Polizisten beschleunigt eingebürgert werden – „bevor sie vereidigt werden mit einer Ausnahmeregelung“. Pikant an der Situation ist zudem, dass die ausländischen Gesetzeshüter verstärkt ausländische Rechtsbrecher bekämpfen sollen. Denn ein großer Teil des Anstiegs der Kriminalitätsrate ist auf „Kriminaltouristen“ zurückzuführen: Banden, die aus den Banlieues französischer Großstädte wie Lyon

galt. Es gab Spannungen, aber viele Tuareg wählten dennoch, anders als die afrikanischstämmigen Tabu im Westen. Sie galten Gaddafi immer als unzuverlässig, vielen hatte er die Staatsbürgerschaft aberkannt. Schließlich drohten sie mit einem Boykott, weil viele nicht wählen konnten, obwohl sie den Aufstand gegen Gaddafi von Anfang an unterstützt hatten. Am Ende war die Wahlbeteiligung nicht so triumphal wie gedacht. Zwar hatten sich 80 Prozent der 2,8 Millionen Wahlberechtigten registrieren lassen, aber nur 60 Prozent gaben laut Wahlbehörde ihre Stimme ab. Libysche Medien meldeten einen Vorsprung der Dschibril-Allianz in Tripolis und Bengasi. Das endgültige Resultat wird erst in einigen Tagen bekannt gegeben.

oder Marseille nach Genf oder Basel kommen. Sie schlagen zu und verschwinden wenig später wieder über die grüne Grenze. Aber auch immer mehr Asylbewerber werden schweizerischen Polizeistatistiken zufolge straffällig. Es ist verständlich, dass der Vorschlag des obersten Schweizer Polizisten nicht einhellig auf Zustimmung stößt. Konservative Politiker befürchten eine Überfremdung und die Abgabe von Hoheitsrechten an Fremde, die Linke sieht die Gefahr von Lohn-Dumping, wenn Billig-Polizisten aus Deutschland und anderen Ländern angestellt würden. In Bern, Schaffhausen und Basel-Land – die Polizei ist in der Schweiz Kantonssache – wurden entsprechende Vorstöße bereits abgelehnt. Nur zwei Kantone erlauben Ausländer in Uniform, jedoch auch nur in überschaubarem Rahmen: In Basel-Stadt sind es 15 bis 25, in Schwyz zwei Personen. WOLFGANG KOYDL

Beirut – Der UN-Sondergesandte Kofi Annan ist am Sonntag überraschend zu Gesprächen mit Syriens Präsident Baschar alAssad in Damaskus eingetroffen. Annan hatte zuvor das Scheitern seiner bisherigen Bemühungen um ein Ende der Gewalt in Syrien eingestanden. Er regte jedoch neue Überlegungen an. Das syrische Militär führte am Wochenende ein Marinemanöver durch. Einen Rücktritt lehnte Assad derweil erneut ab. Ein Präsident sollte „vor nationalen Herausforderungen nicht davonlaufen“, sagte der syrische Staatschef der ARD in einem Interview. Zugleich warf er den USA die Unterstützung der Rebellen vor. Bei der internationalen Syrien-Konferenz in Paris, die von Russland und China boykottiert wurde, hatten die Teilnehmer am Freitagabend eine UN-Sicherheitsratsresolution gegen Syrien gefordert. Eine solche Resolution scheiterte bisher stets am Widerstand der Vetomächte Russland und China. SZ R Seite 4

Faire Wahl in fragiler Demokratie In Timor-Leste gewinnt die Partei von Premier Xanana Gusmão die Abstimmung – die Wunden der Vergangenheit sitzen jedoch tief Bangkok – Zu einer absoluten Mehrheit hat es nicht gereicht. Dennoch darf sich Xanana Gusmão bestätigt fühlen. In TimorLeste (Ost-Timor) haben die Bewohner am Wochenende ein neues Parlament gewählt und die Partei des ehemaligen Widerstandskämpfers erneut zur stärksten Kraft bestimmt. Nach Angaben von Vertretern der Wahlkommission kann Gusmãos „Nationaler Kongress für den Timoresischen Wiederaufbau“ (CNRT) mit 31 der 65 Parlamentssitze rechnen. Der CNRT ist demnach wie bisher auf die Bildung einer Koalition angewiesen. Die oppositionelle Fretilin-Partei brachte es auf 24, die Demokratische Partei (PD) auf acht Sitze – sie könnte somit auch weiterhin in der Regierungskoalition bleiben. Beobachter halten aber auch eine Minderheitsregierung oder eine große Koalition der nationalen Einheit aus CNRT und Fretilin-Partei für möglich. Die offiziellen Wahlresultate sollen erst in einigen Tagen bekannt gegeben werden. 21 Parteien hatten sich an der Abstimmung beteiligt, nur vier schafften nach dem vorläufigen Ergebnis den Sprung über die Drei-Prozent-Hürde. Doch schon jetzt werten Beobachter den Verlauf der Abstimmung als Erfolg für die fragile Demokratie des kleinen, südostasiatischen Staates. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon sprach von einer „friedlichen und ordnungsgemäßen“ Wahl. Auch offizielle Beobachter des südostasiatischen Staatenbundes Asean erklärten, der Urnengang sei frei und fair über die Bühne gegangen. Bei

Bandasee

Dili

Baucau

TIMOR-LESTE INDONESIEN Timorsee 150 km SZ-Karte

„Friedlich und ordnungsgemäß“: Auszählung von Stimmzetteln nach der Parlamentswahl in Timor-Leste. FOTO: DPA der letzten Parlamentswahl vor fünf Jahren war es noch zu Unruhen gekommen. Auch die Präsidentschaftswahlen in TimorLeste waren im April friedlich verlaufen, als der frühere Guerillaführer Taur Matan Ruak den Friedensnobelpreisträger José Ramos-Horta auf dem Posten des Staatschefs ablösen konnte. Der noch junge Staat Timor-Leste befindet sich in einer Übergangsphase. Noch immer sind in dem Land Sicherheitskräfte der Vereinten Nationen stationiert, um für Stabilität zu sorgen. Falls es nach den Parla-

mentswahlen nun friedlich bleibt, soll die Polizeimission der UN genau wie die von Australien geführte Stabilisierungstruppe bis Ende des Jahres auslaufen. Timor-Leste blickt auf eine überaus bewegte Geschichte zurück: Nach dem Ende der portugiesischen Kolonialherrschaft im Jahr 1975 dauerte es nur neun Tage, bis die indonesische Armee einmarschierte und das Gebiet zu einer Provinz von Indonesien erklärte. Zwei Jahrzehnte voller Brutalität folgten, etwa 200 000 Menschen kamen als Folge der Besatzung und während des

blutigen Guerilla-Krieges ums Leben. 1999 entschieden sich die Menschen in TimorLeste in einem von den Vereinten Nationen gestützten Referendum mit überwältigender Mehrheit für die Unabhängigkeit von Indonesien. Zur Ruhe kam das Land dennoch nicht: Von der indonesischen Armee unterstützte Milizen überzogen Timor-Leste mit einer Gewaltwelle. 2002 wurde das Land von der internationalen Staatengemeinschaft völkerrechtlich anerkannt. Innenpolitische Streitigkeiten halten die Nation jedoch seither in

Atem. Auch sitzen die Wunden der Vergangenheit noch tief. Der bisherige und wohl auch künftige Premierminister Xanana Gusmão war 17 Jahre lang als Guerilla-Kämpfer aktiv, bevor ihn die indonesischen Besatzer verhafteten und ins Gefängnis steckten. Nach der Unabhängigkeit wurde er zum ersten Präsidenten Timor-Lestes gewählt, seit der Abstimmung im Jahr 2007 agiert er als Premierminister. Der charismatische 66-Jährige wird von vielen Landsleuten wegen seiner Zeit als Widerstandskämpfer wie ein Held verehrt. Kritiker bemängeln allerdings die nach wie vor weit verbreitete Korruption in seiner Regierung. Gusmãos ehemalige Justizministerin wurde jüngst wegen Missmanagements zu einer Haftstrafe von fünf Jahren verurteilt. Zwar besitzt das Land beträchtliche Ölund Gasvorkommen, doch noch immer lebt die Mehrheit der Timorer unter der absoluten Armutsgrenze. Aus den Ressourcen-Geschäften hat der Staat bereits Einnahmen in Höhe von zehn Milliarden USDollar erzielt. Gusmão warb im Wahlkampf vor allem mit dem Versprechen, er werde das Geld nutzen, um massiv in die marode Infrastruktur des Landes zu investieren: von dem Geld sollten Straßen, Häfen und ein Flughafen gebaut werden – auch kündigte der Premier an, es werde bald mehr Strom- und Wasserleitungen geben. Nicht nur seine Wähler werden aufmerksam verfolgen, ob er die Ankündigungen einhalten wird. TOBIAS MATERN


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Fashion Week Berlin Die schönsten Kollektionen, die irrsten Stars, die wichtigsten Trends – das war der Modegipfel an der Siegessäule

Reise um die Welt in vier Tagen Bei der Berliner Fashion Week haben die Designer dem Eskapismus gehuldigt: Nichts wie weg hier – nach Südamerika, in die Sandwüste oder besser gleich ins Weltall. Impressionen vom Laufsteg VON ANNE GOEBEL

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Wir drei haben uns lieb: (von li.) Socialite Poppy Delevigne, Schauspielerin Kate Bosworth und Regisseur Michael Polish bei der Hugo-Show. FOTO: PEOPLE IMAGE

„Weiß nicht, wer war das?“ Beim Promi-Schaulaufen geht hier und da der Überblick verloren Hollywoodstar Kate Bosworth im Regen, Dieter Bohlen hält vom landenden Helikopter aus die Fotografen auf Trab, das britische Model Lily Cole im grünen Gras des Tiergartens: Berlin ist während der Mercedes Benz Fashion Week ein einziger Laufsteg, und wenn man das Spektakel der vor jeder Schau theatralisch eintreffenden Gäste ein paar Mal beobachtet hat, können einem die Designer leidtun. Geht es überhaupt um Mode? Wobei die geladenen Front Row-Besucher natürlich Bestandteil des Marketingkonzepts sind. Kaum etwas kann eine Kollektion besser befeuern als das pandämonische Lichtgewitter der Fotoblitze um Mario Testino und das Model Joan Smalls (Rena Lange), Iris Berben (Dawid Tomaszewski), Sonja Kirchberger (Michael Michalsky) oder Kate Bosworth und das Londoner Partymädchen Poppy Delevigne, die als blondes Star-und-Starlet-Duo die Schau von Hugo Boss besuchten. Der schwäbische Konzern ist berüchtigt dafür, alljährlich besonders exklusive Namen auf der Berliner Liste zu führen – da kann es schon passieren, dass beim Backstage-Empfang nicht alle den Überblick behalten. Die Schauspielerin Jessica Schwarz, eben noch

voll des Lobes für die Kollektion, wird nach ihrem Sitznachbarn während der Schau gefragt. „Weiß nicht, wer war es?“ Tja, es war Anthony Delon – allerdings fest im Griff seiner blondbezopften Begleiterin. „Berlin seems quite cool“, lässt der Sohn von Alain Delon seinerseits wissen, bevor er sich wieder hinter seiner Sonnenbrille verschanzt. Die Modewoche ist auch eine große Berlin-Schau, und die Stadt setzt ihre besten Locations in Szene. Der Designer Marc Jacobs beehrt als Schirmherr eines Talentwettbewerbs den exklusiven China Club; die Dachterrasse des Lokals Pauly Saal soll bei einer Party des Labels Mongrels in Common eingeweiht werden, was zwar ins Wasser fällt, aber drinnen an der Bar trotzdem ein Erfolg ist. Und bei den zwei traditionellen Highlights herrscht ohnehin jedes Mal so drangvolle Enge, dass die Gäste von dem Ort, an dem sie nicht zuletzt sich selber feiern, kaum etwas mitbekommen. Bei der „Fashion Night“ von Vogue und MercedesBenz im Borchardt schlängeln sich die Kellner akrobatisch mit Schnitzeln und Kartoffelsalat durch die schwitzende Menge. Und Michael Michalsky bringt am letzten Abend im Tempodrom das Modevolk zum Tanzen. Wunde Füße? Gilt nicht. GOEB

Rosenresli

Blogspot

Ohne Zopf nix los: Ruetz-Models. Das wichtigste Teil für Sommer 2013 kostet gar nichts, man muss nur warten können – auf lange Haare. Wenn es eine Konstante gab auf den Laufstegen dieser Fashion Week, dann war’s der Zopf (Foto: Getty). Geflochtene Haare, in der klassischen Schulmädelvariante oder zum Kranz gewunden, haben es den Designern angetan. Vom Couturehaus Escada, das die Mannequins in sportlichen Streifen über den Runway schickte, bis zu Berliner UndergroundLabels: Rosenresli überall. So richtig lieblich war das aber in den wenigsten Fällen gemeint, eher als irritierend mädchenhafter Kontrapunkt für kühle Strandspaziergängerinnen oder androgyne WeltstadtGirls. Lena Hoschek präsentierte, samt kreideweißem Makeup im Stil des mexikanischen Totenkults, die Frida-Kahlo-Version. Bei Mongrels in Common, der Lieblingsmarke intellektueller Hauptstadthipster, krönte künstliches Flechtwerk die Baseballkappen. Die Zeit läuft, der Sommer verrinnt schnell – wachsen lassen! GOEB

Ohne Handys nix los: Bloggerinnen. In der Lounge an der Siegessäule stehen weiße Sofas, die grundsätzlich belegt sind, eine Blondine in Ozeangrün gibt Gratissprudel aus, und man fragt sich: Wer hat hier früher eigentlich gesessen, Notizen gemacht, das ganze Wasser getrunken – bevor die Blogger kamen? Jede Saison besuchen noch mehr E-Reporter (Foto: dpa) die Fashion Week, die Zahl der Trendportale ist heillos unübersichtlich. Bei schwülen Temperaturen hetzen die Schnellschreiber mit gerecktem Smartphone von Show zu Show, lassen im Dunkeln ihre Geräte glühen wie Eulenaugen und schicken noch vor dem Schlussapplaus erste Postings aus Berlin um den Globus. Tempo geht im Zweifelsfall vor Gehalt („Hach, so mag ich das“ über die Kollektion von Kaviar Gauche), doch die fundierten Beiträge nehmen zu. Die Designer, wichtige Einkäufer werten wahrscheinlich jede einzelne Zeile aus, und spätnachts im Grill Royal können da gereifte Moderedakteurinnen mit Kelly Bag schon mal in die Sinnkrise geraten. GOEB

er nächste Sommer wird eine Reise, und esgeht weit weg. In Wüstenregionen, tief nach Mexiko oder Ägypten, oder gleich bis in die Sterne. Die Flucht an entfernte Orte: Das war ein übergreifendes Thema bei den wichtigen Schauen der Berliner Fashion Week für Frühjahr/Sommer 2013. Und so vorsichtig man sein sollte in der Mode mit dem Herausfiltern der großen Zusammenhänge – diesmal schien es verblüffend schlüssig zu gelingen. Auf der einen Seite weiches Leder, fließendeStoffe in der neuen Palette der Naturfarben mit Sand und Safran, warmen Rottönen, dazu Palmen- und Kakteendrucke, aztekisch anmutende Kaleidoskopmuster. Ein Lateinamerika-Trip auf die andere Seite des Planeten. Sofern es nicht darum ging, ihn ganz zu verlassen. Als unterkühltes Weltraumwesen in Kleidkonstrukten mit ausgestanzten Gittern, metallisch glänzenden Einlagen. Eskapismus im Laufstegzelt an der Siegessäule: Kleidung hat schon immer die Sehnsucht befriedigt nach anderen Zeiten und Räumen, insofern war die Mode für vier Tage ganz bei sich. Schon zum Auftakt hatte Escada Sport, nicht gerade bekannt für Experimentelles, mit dem „Huipil“ Akzente gesetzt. Die eckig geschnittene Kurztunika, ursprünglich in Mexiko oder Guatemala verbreitet, ist die Antwort des Couturehauses auf den Trend zu Bauchfrei – ein Trend von der Straße, natürlich musste die Antwort umso erlesener ausfallen: tiefrotes Lammleder, bestickte Seide. Die sanften Farbnuancen, bei Escada von „Nectarina“ bis Wasserblau, brachten die Minimalisten von Perret Schaad auf andere Weise schön zur Geltung. Die Berliner kontrastierten Kastenpullis aus Mohair-Gemisch in Schilf mit flatternden altrosa Hosen(-röcken).

Eisblau, Minzgrün und gefrostetes Rosa – so kühl kann Farbe sein Pastell dominierte auch bei den Lokalmatadoren mit maximaler Promidichte: Guido Maria Kretschmer, dessen volksfesthafte Schau von Szenenapplaus begleitet wurde, und Michael Michalsky, der sich im Tempodrom für ein schwangeres Mannequinauf dem Catwalk beklatschen ließ. Ersterer schneiderte seinen Models knappe Spenzer in schillernden Wüstensandfarben auf den Leib. Michalsky setzte in seiner Männerkollektion auf SiebenachtelHosen zu engen Sakkos und zeigte danach den Spree-Glamour, von dem er nicht lassen mag. Blütenprints, bodenlang schwingende Kleider, faustgroße Swarovski-Applikationen. Lieber coole Leuchtsignale statt Glitzer? Die Tirolerin Rebekka Ruetz gab der Farbe Gelb allen Raum und ließ sie in schmucklos fließenden Jerseykleidern oder als überbreite Gürtel strahlen. Hugo Boss zeigt seine Show traditionell an besonderen Orten der Stadt, und mit dem Erika-Hess-Eisstadion, erbaut in den sechziger Jahren, passte der Ort diesmal besonders gut zur Kollektion. Geradlinige Schnitte, schmale Hosen, das sind die Erkennungszeichen der schwäbischen Marke, die sich mit Tönen von Eisblau und Minzgrün bis gefrostetem Rosa unterkühlt zeigte. Für futuristische Nuancen – bei tropischen Temperaturen – sorgten Experimente mit metallisch glänzendem HighTech-Material. Mal war das irisierende Textil wie ein Schutzschild in schmale Kleider gefügt. Mal ließ ein silberfarbenes Top in Kastenform die Trägerin wie eine düstere Barbarella des Zweiten Jahrtausends aussehen. Selbst Rosa kann wehrhaft wirken, wenn gekreuzte Bänder über der Brust einem knielangen Dress mit leicht ausgestelltem Rock alles mädchenhafte nehmen.

Drei Prognosen für den kommenden Sommer: giftiges Gelb bei Kaviar Gauche (großes Bild), Kaleidoskop-Prints bei Dawid Tomaszewski (oben) und ein vom Tschador inspirierter Gesichtsschmuck des Rumänen Mihai Dan Zarug. FOTOS: GETTY, DAPD, DPA Dagegen sah die Show von Kaviar Gauche gefällig aus, obwohl sich auch das Berliner Label mit seiner „Toxic Touch“-Kollektion auf die Suche nach einer Formensprache für rigoros starke Frauen machte. Zwischen Lichtsäulen schritten die Models in transparenten Kleidern mit Bustiers und kantigen Schösschen durch Wabernebel. Hier tendierte das allgegenwärtige Gelb zu giftigem Neon, dazu hartes Schwarz – und dröhnende Beats. Die Musik machte es gar nicht so einfach, sich auf die wabenförmigen Applikationen aus Netzstoff, die ausgelaserten Sechsecke zu konzentrieren, die den finster blickenden Mannequins den Look von Astronautinnen kurz vor dem Countdown gaben. Am Schluss dann der weiche Bruch – flamencoähnliche Rüschenröcke. Auch die Berlinerin sehnt sich nach südlicher Opulenz.

„Zwischen Feenwesen und Avatar“ sieht Dorothee Schumacher ihre Kollektion angesiedelt, dabei ist eine Mischung herausgekommen, der das harmlos Rosazarte früherer Arbeiten abgeht. Zu sehr schmalen Hosen drapierte die Mannheimerin übergroße Tops aus fließenden Stoffen. Schö-

. . . und am Arm die Bizeps-Bag, dann haben starke Frauen beide Hände frei nes Nachtblau zu Türkis und Oliv kombiniert sie mit Kaleidoskop-und Palmendrucken. Durch die gebrochene Palette, die wirkt, als sei allen Nuancen eine Prise warmes Zimt beigemischt, machen sogar die unschuldig wehenden Flügelärmel keinen naiven Eindruck. Erst recht nicht, wenn an

den Arm ein „Bizeps-Bag“ geschnallt ist: Das sind kleine Börsen für Frauen, die beide Hände für wichtigeres als eine Tasche brauchen. Als Meister im Neuerfinden erwies sich erneut Karsten Fielitz für Rena Lange. Der Designer lieferte ein gekonntes Spiel mit Sommertweed ab, einem klassischen Textil der Münchner: Mal überraschend zum lässigen Blouson verarbeitet, mal spannend strukturiert durch Stickerei und Makramee-ähnliche Strickelemente. Da blieb nicht mehr viel vom adretten Image des braven Cocktailjäckchens. Und Fielitz’ leger überschnittenes Minikleid aus zart orangefarbenem Material- und Blütenstoffmix hielten manche gar für eines der schönsten Stücke in Berlin. Passend wäre es: Neue Ideen mit Bodenhaftung – genau dafür steht die Fashion Week.

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LEUTE Justin Bieber, 18, Teenie-Star (Foto: dpa), ist nach einer Hochgeschwindigkeits-Verfolgungsjagd mit Paparazzi zu einer Geldstrafe verdonnert worden. Nach Polizeiangaben vom Freitag wurde der Sänger auf dem Freeway 101 nordwestlich von Los Angeles erwischt, wie er mit seiner Luxuslimousine Fisker Karma davonraste. Der Stadtrat Dennis Zine, der den Vorfall zufällig als Augenzeuge verfolgte, sagte der Website TMZ, Bieber sei mit 160 Stundenkilometern unterwegs gewesen. „Bieber fuhr wie ein Verrückter. Er hat sich durch den Verkehr geschlängelt und ständig die Spur gewechselt. Ich fuhr 100 km/h, und er ist an mir vorbeigesaust wie eine Rakete.“ Als Bieber angehalten wurde, hätten vier Fotografen sein Auto belagert.

Wie bitte? Beim Betrachten dieses Bildes wissen wir gar nicht, worüber wir zuerst entsetzt sein sollen. Da wären zum einen die rüden Umgangsformen der beiden Herren, die ihre Handschellen offenbar auf dem Abendbrottisch vergessen haben und darum einschneidendere Maßnahmen ergreifen mussten. Da wäre außerdem die Generation Facebook, die den Like-Button bestimmt auch noch mit gefesselten Händen trifft, die Grundzüge der Orthografie aber erkennbar in die Tonne getreten hat. Ist der jungen Dame, als sie sich das T-Shirt übergestreift hat, denn gar nicht aufgefallen, dass sich hier zwei Buchstaben in gröbster Unordnung befinden? Dass sie nun Gefahr läuft, nicht mehr verstanden zu werden? Uns, die wir uns den Feinheiten der deutschen Rechtschreibung verpflichtet fühlen, wäre das jedenfalls nicht passiert. Zu schlechter Letzt scheint es auch mit Facebook unaufhaltsam bergab zu gehen. Nicht 1000, auch nicht 20 000, nein: Sage und schreibe 30 Seelen sind am Samstag zu einer Grillparty am Ufer des Bodensees erschienen. Gut, der Fairness halber muss man sagen: 2500 hatten sich auf Facebook für das Geburtstagsfest im Strandbad angemeldet, waren von der Stadt Konstanz aber wieder ausgeladen worden. Blieben die 30 Griller als Filetstück des Widerstands. Weil die Zufahrtswege zum Strandbad in panischer Furcht genauso geschlossen worden waren wie das Strandbad selbst, grillten sie eben: neben dem Strandbad. Aber nicht lange, wie man hier sieht. Fazit: gumm delaufen. TAR

Herbert Feuerstein, 75, Komiker, darf nur mit Erlaubnis seiner Gattin Rollen akzeptieren. „Es gibt bei mir so was wie eine Vorinstanz, das ist meine liebe Frau. Die muss ich fragen, bevor ich ein Angebot annehme“, sagte Feuerstein der Nachrichtenagentur dapd. Für die Rolle als nörgelnder Rentner im Kinofilm „Bis zum Horizont, dann links!“ gab es laut Feuerstein schnell grünes Licht. Seine Frau habe das Drehbuch gelesen und gesagt: „Ja, das bist du!“ Barney Frank, 72, ist als erster Abgeordneter des US-Kongresses die Homo-Ehe eingegangen und hat seinen langjährigen Freund geheiratet (Foto: dpa). Wie die Zeitung The Boston Globe berichtete, gaben sich der Politiker der Demokratischen Partei und sein 30 Jahre jüngerer Freund Jim Ready am Samstagabend in einem Vorort von Boston das Ja-Wort. Gouverneur Deval Patrick habe die Ehe vor rund 300 Freunden und FamilienAngehörigen geschlossen. Zu den Gästen zählten dem Bericht zufolge unter anderem US-Senator John Kerry und die demokratische Minderheitsführerin im Repräsentantenhaus, Nancy Pelosi. Barney Frank war einer der ersten US-Politiker auf Bundesebene, die sich offen zu ihrer Homosexualität bekannten. Margot Käßmann, 54, frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, hat eine Schwäche für den Musiker Bruce Springsteen. „Ich bin seit 40 Jahren Springsteen-Fan“, sagte Käßmann der Frankfurter Rundschau. „Seine Musik habe ich während meines ersten Amerika-Aufenthaltes entdeckt, 1974/75.“ Das sei für sie ein sehr prägendes Jahr gewesen. Noch nie sei aus ihrer Familie jemand nach Amerika geflogen. „Ja, und dann Springsteen! Er steht für das Amerika, das ich einfach klasse finde. Mit seinem Einsatz für die Arbeiterbewegung, den ,hard working man‘, von dem er in ,American Land‘ singt.“ Käßmann ist Botschafterin für das Reformationsjubiläum im Jahr 2017. Barack Obama, 50, US-Präsident, hat einer Restaurant-Besitzerin in Ohio kein Glück gebracht. Wenige Stunden, nachdem sie Obama in „Ann’s Place“ in Akron empfangen hatte, klagte Josephine Ann Harris (Foto: dapd) über Schwindel und Müdigkeit. Die 70-Jährige wurde ins Krankenhaus eingeliefert, wo ihr Tod wegen Herzversagens festgestellt wurde. Obama hatte auf seiner Wahlkampftour durch Pennsylvania und Ohio im „Ann’s Place“ Halt gemacht und dort zusammen mit drei Fabrikarbeitern gefrühstückt. Obamas Sprecher Jay Carney sagte auf dem Rückflug, der Präsident habe die Tochter der Verstorbenen angerufen und ihr sein Beileid ausgesprochen.

FOTO:FELIX KAESTLE/DAPD

Paradies unter Wasser

Razzien gegen Rechtsextreme

An der russischen Schwarzmeerküste erholen sich gewöhnlich die Touristen. In diesem Jahr aber ist eine Flutkatastrophe über die Region hereingebrochen – mehr als 150 Menschen sind bereits gestorben VON FRANK NIENHUYSEN

Moskau – So schön war es in Russlands Süden, bis der Regen kam und die Sintflut. Der Kurort Gelendschik braucht nicht viele Worte für seine Werbebotschaft: „Eine Märchenstadt, eine Traumstadt“. Mit drei Wasserparks werden Touristen vom südrussischen Schwarzmeerort umgarnt, mit Hotels „europäischen Niveaus“ und Stränden „für jeden Geschmack“. Tiefblau das Wasser, dunkelgrün im Hintergrund die sanften Ausläufer des Kaukasus-Gebirges. Ende des Sommers bis zur Herbstmitte gilt als die beste Reisezeit, weil es dann kaum Niederschläge gibt. Doch jetzt ist erst Anfang Juli, und das Unwetter tobte sich aus wie noch nie zuvor in der Region. Ein paar Tage sollten die Urlauber das Baden an den Stränden unterlassen, empfahl am Sonntag Russlands oberster Gesundheitsschützer Gennadij Onischtschenko. Aber das war noch das geringste Problem in Gelendschik, in dem knapp zehn Menschen starben, fünf von ihnen an Stromschlägen, ausgelöst durch Wasser, das außer Rand und Band geriet. Präsident Wladimir Putin machte sich vom Helikopter aus ein Bild von Gelendschik und seiner Umgebung. Mehr als 150 Menschen sind bei den Überschwemmungen im Gebiet von Kras-

nodar bisher getötet worden. Tagelang hatte es ohne Unterlass geregnet, über Nacht wurden die Menschen von Erdrutschen, Schlammlawinen und Hochwasser überrascht. Und die Zahl der Toten dürfte noch steigen. Etwa 5000 Häuser wurden überflu-

Abgesoffen: Szenerie in der südrussischen Stadt Krymsk. FOTO: AFP

tet, mehr als 250 Häuser zerstört, Autos kippten um und wurden in die Flussarme getrieben. Fast 30 000 Menschen waren am Sonntag in der Region ohne Strom, Ferienlager mussten evakuiert werden, Reisende saßen fest, weil der Zugverkehr stillgelegt wurde. Betroffen war auch die strategische Hafenstadt Noworossijsk, wo zwei Menschen in Folge des Hochwassers starben. Und es gibt diese tragische Geschichte eines Polizisten, Wjatscheslaw Gorbunow. Er rettete zwei Kinder aus den Fluten, fünf und sechs Jahre alt waren sie, und dann wollte er nach ihren Verwandten suchen, als eine kräftige Wasserwelle sein Boot umwarf. Gorbunow starb. Am stärksten von der Katastrophe betroffen war die Stadt Krymsk, mit den meisten Toten. Und natürlich wurde am Sonntag die Frage gestellt, wieso das alles passieren konnte. Die Regenfälle Ende der Woche brachten in wenigen Stunden so viel Wasser wie sonst in einem ganzen Monat, bis zu sieben Meter hoch sollen sich die Wellen getürmt haben. Und doch gingen Gerüchte um, dass es trotz der Wucht der Natur auch Mitschuldige geben könnte. Präsident Putin selber ordnete bei seinem Besuch in den heimgesuchten Gebieten eine Untersuchung an. Darüber, ob die Menschen zu spät gewarnt worden sein könnten, denn erst spät und nur leise er-

klangen offenbar die Sirenen. Und ob die Betreiber eines Stausees womöglich fahrlässig eingegriffen haben in die beginnende Tragödie. Anwohner berichteten, dass die Schleusen des nahe gelegenen Stausees geöffnet worden seien und dies die Überschwemmung mit verursacht hätte. Der Gouverneur von Krasnodar, Alexander Tkatschew, wurde daraufhin ziemlich unwirsch und twitterte: „Hören Sie auf damit, solche Dummheiten zu verbreiten. Ein solches Hochwasser hat es hier noch nie gegeben.“ Immerhin räumten die örtlichen Behörden ein, dass Wasser routinemäßig aus dem Stausee abgelassen worden sei; doch dies sei keinesfalls der Grund für die Überschwemmungen gewesen. Einige Flutopfer zeigten sich besorgt, sie könnten nun allein gelassen werden in den Trümmern, vergessen vom russischen Staat. Doch die russische Führung versprach schnelle Hilfe. Schon an diesem Montag sollten die betroffenen Menschen etwa 250 Euro für das Allernötigste erhalten, zwei Millionen Rubel (50 000 Euro) erhalten Angehörige von Todesopfern aus dem Staats- und dem Regionalhaushalt. Dieser Montag wurde für ganz Russland zum Tag der Trauer erklärt. Die Menschen hoffen nun, dass der Regen bald aus dem Sonnengebiet verschwindet und so bald auch nicht mehr wieder kommt.

Bitte recht freundlich

Der ESC 2013 gastiert in Malmö

Monacos Fürst Albert und seine Frau Charlène besuchen Berlin und dürfen eine Spree-Fahrt mit Guido Westerwelle machen Berlin – Das Land, dem sie nun ihren ersten gemeinsamen Besuch abstatten, hat den beiden nicht immer die charmantesten Schlagzeilen beschert. „Charlène: So kämpft sie um ihr Glück“ etwa, oder „Schwimmt Fürst Albert die Liebe davon?“, oder auch: „Böse Intrige im Fürstenpalast?“ Und das nur wenige Monate nach der Märchenhochzeit! Weshalb die Schlagzeile für diesen Montag nicht lauten sollte: „Sie kommen“. Sondern vielmehr: „Sie kommen trotzdem“. Kurz nach ihrem ersten Hochzeitstag besuchen Fürst Albert von Monaco und seine Frau Charlène also in dieser Woche Deutschland. Der Besuch in Berlin und Stuttgart solle die engen Beziehungen zwischen Deutschland und Monaco vertiefen, teilte das Fürstenhaus vorab mit. Für Adels-

Anhänger gibt es nur wenige Gelegenheiten, einen Blick auf Charlènes neue Kurzhaarfrisur zu erhaschen: Olympia-Schwimmerin hin oder her, das Bad in der Menge ist ihre Sache nicht. Das Fürstenpaar wurde bereits am Sonntag in Berlin erwartet. Der 54-jährige Albertund die 20 Jahre jüngereCharlène wohnen im Hotel Adlon. Für Montag sind Treffen mit Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) und Außenminister Guido Westerwelle (FDP) geplant. Westerwelle empfängt die Monegassen zu einer Spree-Rundfahrt. Mit an Bord sind auch Westerwelles Mann Michael Mronz sowie „geladene Gäste aus Politik und Gesellschaft“. Bundespräsident Joachim Gauck und seine Lebensgefährtin Daniela Schadt treffen die fürstlichen Gäste gleich zweimal: zur Be-

grüßung am Montagmorgen – und zum abendlichen Festessen in Schloss Bellevue. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) läuft am frühen Nachmittag mit dem hohen Besuch durchs Brandenburger Tor. Albert II. wolle nicht nur Sightseeing und Smalltalk machen, heißt es. Besonders in dem Gespräch mit Schäuble dürften Themen zur Sprache kommen, die früher brisant waren, heute aber als weithin entschärft gelten. So war es Berlin über Jahre ein Dorn im Auge, dass reiche Deutsche Monaco als Steueroase nutzten. Seit 2010 existiert ein Steuerinformationsabkommen zwischen den Ländern. Beim aktuellen Treffen dürfte also Einvernehmen herrschen. Am Dienstag fliegen Albert und Charlène dann weiter nach Stuttgart. SZ

Fürst Albert II. und Charlène.

Potsdam – Die Polizei hat am Wochenende in Nordrhein-Westfalen, Berlin und Brandenburg Razzien gegen Rechtsextreme durchgeführt. Eine Sprecherin des Brandenburger Polizeipräsidiums in Potsdam bestätigte am Samstag einen entsprechenden Bericht von Spiegel Online. Von einem Zusammenhang mit der Terrorgruppe „Nationalsozialistischer Untergrund“, die für zehn Morde verantwortlich gemacht wird, war nicht die Rede. Dem Bericht zufolge standen die Razzien im Zusammenhang mit Ermittlungen gegen eine bislang unbekannte Gruppe gewaltbereiter Neonazis. Fünf Beschuldigten werde die Bildung einer bewaffneten Gruppe sowie der Verstoß gegen das Waffengesetz vorgeworfen. Am Samstag hätten Polizisten Wohnungen sowie Räume eines rechtsextremen Versandhandels durchsucht. Beamte stellten Computer, Unterlagen, Schreckschusspistolen und ein Luftdruckgewehr sicher. Einzelheiten nannte die Sprecherin nicht und verwies auf die Staatsanwaltschaft Neuruppin, die den Einsatz leitete. Unter der Leitung der Staatsanwaltschaft Neuruppin und des Landeskriminalamtes Brandenburg seien 56 Beamte im Einsatz gewesen. Die Polizei sei der Gruppe auf die Spur gekommen, nachdem sie im März einen Toten in einer Pension entdeckt habe. Der „einschlägig bekannte Rechtsextremist“ sei an einem Herzanfall gestorben, neben der Leiche hätten Polizisten einen Rucksack mit Waffen entdeckt. Weitere Einzelheiten wurden nicht genannt. DPA

FOTO: AFP

Hamburg – Der Eurovision Song Contest 2013 findet in der südschwedischen Stadt Malmö statt. Das gab der zuständige schwedische Fernsehsender SVT am Sonntag bekannt, wie der Norddeutsche Rundfunk mitteilte. Um die Austragung hatte sich auch Stockholm beworben. „Wir sind unglaublich stolz und glücklich“, freute sich Bürgermeister Ilmar Reepalu den Angaben zufolge. Der ESC fand bereits 1992 in Malmö statt. „Wir werden ein toller Gastgeber für Europas beliebteste Fernsehsendung werden“, sagte der Produzent des nächsten ESC, Martin Österdahl. Den Ausschlag habe unter anderem die gute Infrastruktur Malmös gegeben, wo auch Teile des schwedischen ESC-Vorentscheids ausgetragen werden. Am 26. Mai hatte die Sängerin Doreen den ESC mit ihrem Lied „Euphoria“ für Schweden gewonnen. DAPD

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FEUILLETON

DEFGH Nr. 156, Montag, 9. Juli 2012

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Die Unglaublichen

HEUTE

Das Animationsstudio Pixar bringt mit dem Computer Ratten, Superhelden und Kuschelmonster auf die Welt. Und die Menschen? Sie lachen und sind gerührt. Eine Ausstellung in Bonn zeigt, warum niemand dem Charme der digitalen Geschöpfe widerstehen kann

Feuilleton Haus der Zukunft: Die gnadenlos gegenwärtigen Entwürfe des Architekten Sou Fujimoto

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VON JAN FÜCHTJOHANN

Literatur

P

ixar ist eine Firma, die Filme verkauft. Filme mit Menschen, Tieren, Ratten, Superhelden, Spielzeugfiguren, Kuschelmonstern. Das Geschäft läuft gut. Betrachtet man die Bilanz von Hits und Misserfolgen, ist Pixar die profitabelste Firma in der Geschichte des modernen Kinos. Das Besondere dabei ist, dass für diesen Erfolg weder Menschen, Tiere, Ratten, Superhelden, Spielzeugfiguren und schon gar keine Kuschelmonster jemals gefilmt werden. Alles, was sie zeigen wollen, erschaffen sie bei Pixar selbst, im Computer. Auch Wolken, Fertighäuser, Hundehaufen, Grashalme, Sandkörner und Luftblasen in Filmen wie „Toy Story“ oder „Finding Nemo“ entstehen so – eben alles. Pixar ist nicht nur die erfolgreichste, sondern auch die technischste, digitalste, am weitesten vom natürlichen Abbild des Menschen entfernte Firma, die es derzeit im Filmgeschäft gibt. Nur glaubt man das zunächst nicht, wenn man die Ausstellung „Pixar – 25 Years of Animation“ in der Bundeskunsthalle Bonn besucht. Da kriegt man vor allem traditionelles Kunsthandwerk zu sehen. Ein sogenanntes „Zoetrop“ zum Beispiel. Das ist eine Ende des 19. Jahrhunderts erfundene Jahrmarktsattraktion: mehrere Hundert Figuren stehen auf einer schnell rotierenden Scheibe und beginnen unter dem Flackern eines Stroboskops zu tanzen wie in einem riesigen Daumenkino. Es sind alles Pixarfiguren, aber sie bestehen aus etwas ziemlich Handfestem und Angreifbaren. Es könnte Plastik sein.

„Allahs Töchter“: Nedim Gürsel beschwört den Islam seiner Kindheit herauf

Wissen Gebt das Horn frei: Reduziert eine Legalisierung des Handels die Nashorn-Wilderei?

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Neu auf DVD Forum

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R www.sz.de/kultur

Er bewahrt sich den Humor Gabriel García Márquez wird wohl kein Buch mehr schreiben

Von „Toy Story“ bis „Ratatouille“ – Pixar ist die profitabelste Firma in der Geschichte des Kinos Die anderen Räume zeigen gezeichnete Entwürfe, mit Bleistift, Filzstift, Pastellkreide oder Tusche angefertigte Skizzen, auch sie höchst analog. Hätte Leonardo da Vinci den Plastikraumfahrer Buzz Lightyear und den Schrottplatz-Roboter Wall-E entwerfen wollen, hätte er sie nicht grundsätzlich anders zu Papier gebracht. Nun ja, vielleicht wäre Buzz’ Lächeln noch etwas monalisahafter geraten. Digitale Animation ist unglaublich teuer, und darum werden viele Studien und Vorarbeiten auch bei Pixar eben immer noch von Hand gemacht. Dass man sich durch die alten Techniken in eine Reihe mit der altehrwürdigen Kunstgeschichte stellt, ist aber nicht nur ein Nebeneffekt. Es ist hier Programm. Denn das Selbstverständnis der Firma Pixar gründet nicht darauf, die technisch avancierteste Pixelschmiede des 21. Jahrhunderts zu sein. Ganz im Gegenteil, man tut alles, um sich als der menschlichste und kreativste Ort in der amerikanischen Filmindustrie zu präsentieren. John Lasseter, der rundliche, stets im Hawaii-Hemd posierende Gründer und Mastermind, drückt es so aus: „In diesem Studio geht es von oben bis unten um die Menschen.“ Warum? Weil hier menschliche Emotionen verkauft werden, nichts sonst. Die Menschen sollen beim Anblick dieser Filme lachen, weinen, fluchen, stöhnen, lieben. Und die Kreativen, deren Job es ist, diese Zuschauer zu fesseln, müssen der Technik Pixel für Pixel eine Seele einhauchen: So wie John Lasseter es selbst getan hat, mit seiner Schreibtischlampe. Die hüpft vor jedem Pixar-Film herum, guckt niedlich, quietscht – und stampft das „i“ von

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Auch Meister der digitalen Animation skizzieren noch viel von Hand: Entwurf für „Findet Nemo“ (2003), Tinte, Filzstift und Korrekturflüssigkeit auf Fotokopie. „Pixar“ in den Boden. Die Idee mit der Lampe hatte Lasseter Mitte der achtziger Jahre. Kein Geringerer als Apple-Gründer Steve Jobs investierte damals zehn Millionen Dollar in das noch völlig unbekannte Animationsstudio, das als erstes entschlossen auf die damals neue Digitaltechnik setzte. Von da an machte Pixar es dann einfach wie die Lampe: Mit unwiderstehlichem Charme stampfte das Studio die Konkurrenz einfach in Grund und Boden. Dreizehn Spielfilme wurden seitdem produziert: „Toy Story“, „A Bug’s Life“, „Toy Story 2“, „Monsters, Inc.“, „Finding Nemo“, „The Incredibles“, „Cars“, „Ratatouille“, „Wall-E“, „Up“, „Toy Story 3“ und „Cars 2“. Nummer 13, „Brave“, kommt in Deutschland am 2. August unter dem Titel „Merida – Legende der Highlands“ in die Kinos. Und die Menschlichkeit? Ist eben alles andere als nur eine fixe Idee. Oft genug, eigentlich fast immer, gelingt Pixar tatsächlich das eigentlich Unmögliche: von allen geliebt zu werden. 602 Millionen Dollar spielt ein Pixarfilm im Durchschnitt ein, deutlich mehr als jedes andere Studio; 26 Oscars, sieben Golden Globes, drei

Grammys und ein Ehrenlöwe aus Venedig stehen in der Firmenzentrale; und die Seite rottentomatoes.com, die für jeden Film Hunderte Rezensionen sammelt und auswertet, zeigt Höchstwerte der Zustimmung: Für „The Incredibles“ 97 Prozent, für „Up“ 98 Prozent, und für „Toy Story“ sogar unglaubliche 100 Prozent. Damit das so bleibt, muss Imagepflege betrieben werden. Die Bonner Ausstellung, die Pixar bei der Selbstdarstellung völlig freie Hand lässt, ist Teil davon: eine mit großem Aufwand betriebene Beschwichtigung. In jeder Phase der Produktion, bei jedem Detail sei menschlicher Witz und Geist entscheidend, heißt es. Aber das Schaubild in der Ausstellung, das erklärt, wie Pixar-Filme denn nun eigentlich gemacht werden, wirkt unfassbar technokratisch. Es füllt eine etwa zwölf Meter lange Wand und zeigt sechs Haupt- und mehrere Dutzend Unterabteilungen, von der Drehbuchentwicklung bis zum Rendering. „Stark vereinfacht natürlich“, sagt eine Pixar-Sprecherin. Tatsächlich kann schon das digitale Rendering eines einzigen künstlichen Pixar-Bildes zwischen sieben

und vierzig Stunden dauern: Eine Filmsekunde enthält 24 solcher Bilder. Es gibt Leute bei Pixar, die wochenlang nichts anderes machen, als monatelang über ein paar Sekunden nachzudenken, in denen man sieht, wie sich ein bisschen Fell bewegt oder Regen tropft. Hunderte Spezialisten, viele davon mit Doktortitel, arbeiten jahrelang Hand in Hand an tausend speziellen, unendlich arbeitsteiligen Aufgaben, damit ein einziger Film entsteht. Kein Wunder, dass bereits der zweite Pixar-Erfolg „A Bug’s Life“ in einem Ameisenstaat spielt. Die Wahrheit ist also ein bisschen kalt. Was uns bei Pixar rührt und von Herzen lachen lässt, ist eine total hergestellte, radikal künstliche Welt. Nichts, aber auch gar nichts bleibt darin dem Zufall überlassen: Kein Baum, kein Blatt und keine Augenbraue, die nicht modelliert und auf ihre emotionale Wirkung getestet wurde. Animation bedeutet: zum Leben erwecken, Seele einhauchen. Oberflächlich betrachtet geschieht bei Pixar genau das. Die Animatoren erwecken Schreibtischlampen, Spielzeug und Roboter zum Leben, hauchen digitalen Fischen, Ameisen und

FOTO: DISNEY/PIXAR

Menschen eine Seele ein. So bringen sie uns zum Weinen und zum Lachen, und dafür lieben wir sie. Sie rühren unser Mitleid, unseren Humor, unsere großen Gefühle. Wie sie das tun, bleibt in Bonn jedoch eher verborgen. Denn es sind eben nicht nur Zeichner und Wasserfarbenmaler, die das Publikum dazu bringen, sich endlich wieder wie Menschen zu fühlen. Es sind auch komplexe Algorithmen und bis ins letzte ausgetüftelte Arbeitsabläufe. Und eigentlich gibt es gar keinen Grund, das zu verstecken. Anders als die Romantiker behaupten, steht das Technische dem Menschlichen nämlich gerade nicht im Wege. Es ist auch nicht nur ein Hilfsmittel, im Gegenteil: Ohne ausgereifte Technik wäre das Menschliche hier gar nicht möglich. Animation heißt also auch, dass kalte Roboter uns eine Seele einhauchen. Und das ist doch, trotz allem, tatsächlich eine schöne Kunst.

Pixar – 25 Years of Animation, Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland, Bonn, bis 6. Januar 2013. Info: www.bundeskunsthalle.de.

Über den Gesundheitszustand von Gabriel García Márquez wird schon lange spekuliert, es war zuletzt ja still geworden um den 85 Jahre alten Schriftsteller. Nun wurde sein jüngerer Bruder konkret. „Körperlich geht es ihm gut, aber er hat einige Probleme mit dem Gedächtnis“, berichtete Jaime García Márquez bei einem Vortrag am Freitag in der kolumbianischen Hafenstadt Cartagena. „In unserer Familie leiden wir alle unter seniler Demenz.“ Auch er selbst habe kleinere Schwierigkeiten, erläuterte Jaime García Márquez, 72 – bei seinem Bruder seien die Symptome fortgeschritten. Er glaubt, dessen Lymphdrüsenkrebs 1999 sei der Auslöser gewesen. „Die Chemotherapie hat ihm das Leben gerettet, doch sie hat auch viele Neuronen, Abwehrkräfte und Zellen zerstört, und so hat sich dieser Prozess beschleunigt.“ Gerüchte vom baldigen Tod des berühmtesten Autors Lateinamerikas wies er zurück. „Manchmal hat man den Eindruck, als ob manche wollten, dass er stirbt. Aber wirhaben ihn noch. Er bewahrt sich den Humor, die Freude und den Enthusiasmus, den er immer hatte.“ Jaime García Márquez gehört in Cartagena zur Leitung der Journalistenschule Fundación Nuevo Periodismo Iberoamericano, die Gabriel García Márquez gegründet hatte. Der Verfasser von Welterfolgen wie „Hundert Jahre Einsamkeit“ und „Liebe in den Zeiten der Cholera“ besitzt dort auch ein Haus, wohnt jedoch seit 1961 hauptsächlich in MexikoStadt. Zur Welt kam er 1927 in Aracataca, der Vorlage für sein mythisches Macondo. Auf die Frage von spanischen Schülern, ob der Literaturnobelpreisträger von 1982 neue Bücher schreiben werde, antwortete Jaime García Márquez: „Leider werden wir diese Gelegenheit nicht mehr haben.“ Zuletzt veröffentlichte der Kolumbianer 2010 die Textsammlung „Yo no vengo a decir un discurso“ (Ich komme nicht, um eine Rede zu halten). 2004 war die Erzählung „Erinnerung an meine traurigen Huren“ erschienen, 2002 der erste Teil seiner Memoiren „Leben, um davon zu erzählen“. Der zweite Teil der Autobiografie wird offenbar nicht fertig werden können. Jaime García Márquez erzählte, er telefoniere täglich mit Gabriel García Márquez. Die Gespräche sollen dabei helfen, Erinnerung aufzufrischen: „Manchmal weine ich“, sagte er. „Aber ich spüre ein schmerzhaftes Glück, weil ich das Privileg habe, mit ihm zu sprechen.“ PETER BURGHARDT

Bloß nicht wegschlürfen lassen Viel Harmlosigkeit – und eine Riesenüberraschung: Die in Russland geborene Schriftstellerin Olga Martynova gewinnt in Klagenfurt den Ingeborg-Bachmann-Preis „Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar“, lautet der wohl bekannteste Satz von Ingeborg Bachmann. Ob die Wahrheit auch den Teilnehmern des nach ihr benannten Lese-Marathons zumutbar ist, war wie immer die große Frage in Klagenfurt. Um die Suche nach dem „haltbaren Satz im Bimbam der Worte“ ging es bereits im schönen Eröffnungsvortrag von Ruth Klüger. Die Literaturwissenschaftlerin und HolocaustÜberlebende sprach über den Wahrheitsbegriff im Werk von Ingeborg Bachmann. Dabei machte sie geltend, dass die Wahrheit der Literatur für Bachmann nicht aufging im bloßen Abbilden der Wirklichkeit. Worum sie rang, veranschaulichte Ruth Klüger am Beispiel der Erzählung „Ein Wildermuth“. Während die Experten in einem Mordprozess um lauter Details streiten, zuletzt dreht sich alles um einen Knopf, verfehlen diese „Knopfologen“ jene innere Wahrheit, die mit Ideen und Visionen einhergeht. In Klagenfurt musste man sich bis zum Ende des ersten der drei Lesetage gedulden, bevor die Juroren beweisen konnten, dass sie nicht nur Knopfologen sind, sondern dass Visionäre in ihnen stecken. Allerdings geschah dies auf dem Rücken eines Textes, der den Grundsatzstreit nicht lohnt. Die Berliner Musiktherapeutin Sabine Hassinger hatte einen sperrigen Text vorgetragen, in dem sie ihre Familiengeschichte aufarbeitet. Während der Kritiker Hubert Winkels unumwunden zugab, genervt zu sein von diesem literarischen Memory-Spiel, das sich der Lesbarkeit verweigere, hielt die Neu-Jurorin Corina Caduff dagegen, das sei ein Text, den man eben nicht konsumistisch wegschlürfen könne,

sondern durcharbeiten müsse. Allerdings verspüre sie dazu nicht die geringste Lust, so ihre überraschende Wendung. Stattdessen stellte sie die Frage nach der Zeitgemäßheit solcher Sprachexperimente und rief damit ihre österreichischen Jury-Kollegen Daniela Strigl und Paul Jandl auf den Plan, die nach Artenschutz fürs Experimentelle riefen. Winkels wollte sich jedoch mit dem österreichischen Avantgarde-Index als Generalunterstellung von Poetik nicht zufrieden geben, und ganz ähnlich hielt der Jury-Vorsitzende Burkhard Spinnen die „Uneinholbarkeit der Avantgarde qua Definition“ für einen allzu bequemen Standpunkt. Zum Keulenschwingen gab es schon deshalb ansonsten wenig Anlass, als über den meisten Texten das Verdikt der Harmlosigkeit schwebte. Den Auftakt hatte der in Finnland lebende Übersetzer und Schriftsteller Stefan Moster gemacht mit einer etwas betulichen Vater-Tochter-Geschichte. Im Kern steht eine Ferienerinnerung an die Jugendzeit, da man, Camus im Rucksack, dem Interrail-Existenzialismus frönte. Eine pathetisch gepimpte Petitesse, achtbar, aber nicht rundweg überzeugend. Ebenso wenig wie Hugo Ramnecks „Kettenkarussell“, eine Erzählung über eine Jugend in Kärnten, in der ein Jahrmarkt als Projektionsfläche für die Sehnsucht nach dem anderen, dem wilden, wahren Leben dient. Stilistisch und symbolisch trägt Ramneck einfach zu dick auf. Zu dünn trägt dagegen die kaum 24-jährige Schweizerin Mirjam Richner auf. Zwei junge Lehrerinnen werden in „Bettlägerige Geheimnisse“ von einer Lawine verschüttet. Der Text zieht seinen Reiz einzig aus dem Kontrast zwischen girliehaf-

tem Plapperton und abgründigen EndzeitPhantasien; in ihre Hanni-und-Nanni-Phase fand sich Cornelia Caduff von dieser koketten Böse-Mädchen-Geschichte zurückgeworfen. Es folgte mit Andreas Stichmanns Romanauszug „Der Einsteiger“ der erste stimmige und im vollen Sinn zeitgenössische Text des Wettbewerbs. Er handelt von einer Identitätserschleichung. Ein junger Loser, exemplarisch für eine chancenlose Generation, will sich als sanfter Vampir das bürgerliche Idyll einer Kleinfamilie zu eigen machen. Mimikry statt Massaker, eine Art „Occupy im Kleinen“ urteilt

Olga Martynovas Siegertext heißt „Ich werde sagen: Hi!“ FOTO: JOHANNES PUCH

Juror Paul Jandl. Die Tendenz zu Kindheits- und Übergangsgeschichten verfestigte sich am zweiten Tag, der eine klare Qualitätsoffensive darstellte. Inger-Maria Mahlke erzählte vom Karrieresprung einer alleinerziehenden Mutter von der Backshop-Jobberin zur Domina, die in der strengen Kammer ihrer Entfremdung gewahr wird. Für die Unerbittlichkeit und kalte Konsequenz dieser Geschichte gab es viel Lob, auch wenn sich bei einigen Juroren die Poren der Empathie schlossen. Die 25 Jahre alte Österreicherin Cornelia Travnicek genoss Welpenschutz. Ihr Roman-Auszug „Junge Hunde“ zeugt von demselben sympathischen Pragmatismus, der sie zwecks Existenzsicherung gerade einen Bubble-Teashop eröffnen ließ. Unangestrengt und mit großer Wärme erzählt sie eine leichte Sommergeschichte mit Tiefgang, die vom Ende der Kindheit handelt. Selbst Theorie-Freak Hubert Winkels hatte seinen regressiven Spaß an dieser „Kontrafaktur des Dschungelbuchs“ mit hohem Knuddelfaktor, die wie erwartet den Publikumspreis erhielt. Und auch keine Überraschung war, dass Olga Martynova den mit 25 000 Euro dotierten Hauptpreis einsammeln konnte. Denn ihre Lesung hatte am zweiten Tag für einhellige Begeisterung gesorgt. Die Autorin selbst und ihr Text „Ich werde sagen: Hi!“ waren allerdings schon eine Riesen-Überraschung. Denn dieses humoristische Textgespinst auf den Spuren von Daniil Charms lässt sich zunächst so gar nicht greifen. Olga Martynova katapultiert einen mitten hinein in den Mikrokosmos einer deutschen Kleinstadt. Munter purzeln da die Zeit- und Realitätsebenen durcheinander,

verdichten sich bestimmte Motive beiläufig im leichten Parlando des Erzählens. Im Mittelpunkt steht ein junger Picaro namens Moritz; erotisch und auch sonst orientierungslos, reist er in der eigenen Stadt durch verschiedene Zeiten und Kulturen. Hier wurde eine Autorin ausgezeichnet, die nicht in ihrer Muttersprache schreibt und die in der so ganz anderen literarischen Tradition Osteuropas steht. Ein Text von großem Witz und großer Poesie, der zu Recht die Zuhörer betört hat.

Verschlungen war der Weg zur Wahrheit und sagte doch zur Richtigen „Hi“ Ziemlich überraschend war es beim Voting zu einer Stichwahl zwischen Olga Martynova und dem aus Polen stammenden Matthias Nawrat gekommen: Dabei war Nawrat zuvor nicht unverdient für seine Erzählung „Unternehmer“ gezaust worden. Die Gewalt der ökonomischen Verhältnisse schildert Nawrat am Beispiel einer Familie, die davon lebt, Elektroschrott auszuschlachten. Doch mangelt es dieser vergifteten Schwarzwald-Idylle im WernerSchwab-Sound an erzählerischer Engführung, weil der Autor seinen vielversprechenden Beginn in einer konventionellen Coming-Of-Age-Geschichte aufgehen lässt. Nawrat erhielt einen der Nebenpreise, ebenso Lisa Kränzler. Die junge Freiburgerin spürt in „Willste abhauen“ dem sexuellen Erwachen zweier Kindheitsfreundinnen nach und deren ambivalenten Gefühlen zwischen Zärtlichkeit und sadistischer

Schmerzlust. Dabei ist der kesse, aufgekratzte Ton das einzig Originelle an dieser schon so oft gelesenen Pubertätsprosa. An die Forderung, sich besser an einem überschaubaren Sujet abzuarbeiten, hatte sich einzig der Schweizer Simon Froehling nicht gehalten. Doch seinem großen Thema Organspende zeigte er sich nicht gewachsen. Der letzte Lesetag hatte einem den Abschied von Klagenfurt leicht gemacht. Da gab es eine zwar intelligente, aber auch seelenlose Literaturbetriebssatire von Matthias Senkel. Und der in Japan lehrende Leopold Federmair glänzte mehr als bildender Künstler denn als Autor. Er fotografierte die Jury während der Diskussion, um damit gegen die Usancen zu protestieren. Umbiegen konnte er das ziemlich vernichtende Urteil über seine Geschichte, in der es um eine schon im Ansatz gescheiterte Bonnie-und-Clyde-Beziehung auf dem Lande geht, nicht. Und als die Wienerin Isabella Feimer das Leiden einer verlassenen Frau buchstäblich mit dem eines kopflosen Huhns verglich, hatte zum Glück nicht nur die weibliche Schmerzensprosa ein Ende, sondern auch der Masochismus des Publikums. In Anspielung auf Ingeborg Bachmanns Erzählung „Drei Wege zum See“ hatte Ruth Klüger den Literaturtagen eingangs gewünscht, dass sie Wege zum See finden. Und sie meinte damit nicht nur Wege zum Wörthersee, sondern auch solche zum Wörtersee, also zur Wahrheit. Was erstere betrifft, so waren 120 Fahrräder an die Bachmann-Crowd verliehen worden. Der Weg zur Wahrheit dagegen war verschlungener, aber am Ende hat er zur Richtigen „Hi“ gesagt. CHRISTOPHER SCHMIDT


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FEUILLETON

Montag, 9. Juli 2012, Nr. 156 DEFGH

Wiener Pappnasen Studentenrevolte am legendären Max-Reinhardt-Seminar

Alles über den Filmemacher, wenig über den Menschen – eine Szene aus der Woody-Allen-Doku.

FOTO: VERLEIH

Ein Lebenswerk aus gelben Zetteln Robert B. Weide beschäftigt sich mit Woody Allens künstlerischem Schaffen. Leider beschränkt er sich auch darauf. Doch immerhin ist er bis zum Nachttisch vorgedrungen – der birgt Filmstoff VON MARTINA KNOBEN

A

ls Allan Stewart Konigsberg im Alter von 16 Jahren für seine Witze erstmals Geld bekam, änderte er seinen Namen in Woody Allen. Er ging noch zur Schule und wollte nicht gehänselt werden für Gags, die unter seinem echten Namen in der Zeitung erschienen. Damals wurde aus dem schmächtigen jüdischen Jungen mit den rötlichen Haaren, der viel Klarinette spielte, ein Entertainer – ein stiller, unsichtbarer Unterhalter zunächst, der Pointen für andere schrieb. Diese waren allerdings so genial, dass der junge Woody bald mehr als seine Eltern verdiente. Zwischen dem Künstler Woody Allen und der Kunstfigur, die er erschaffen hat in zahllosen Sketchen, Interviews und Filmauftritten, lässt sich nach einer Karriere von mehr als fünfzig Jahren schwer unterscheiden, Robert B. Weides Filmbiografie „Woody Allen: A Documentary“ ist in dieser Hinsicht auch keine große Hilfe. Fast zwei Jahre lang hat Weide den Regisseur begleitet, sich in Allens umfangreiches Werk gewühlt, mit zahlreichen Weggefährten und -gefährtinnen gesprochen und anhand dieser Interviews und prägnanter Filmausschnitte Allens künstlerischen

Werdegang nachgezeichnet – der Mensch Woody Allen aber bleibt unsichtbar. Kein Wunder eigentlich bei einem Workaholic, der seit seinem Einstieg ins Filmgeschäft, 1965, als er für „Was gibt’s, Neues Pussy“ das Drehbuch schrieb, im Jahresabstand einen Film dreht, der Erzählungen, Theaterstücke und Kolumnen schreibt und begeistert Jazz spielt. Leben und Ar-

Die Drehbücher tippt Allen auf einer Schreibmaschine. Er hat sie sich mit 16 gekauft beit scheinen für ihn eins zu sein, das legt eine Sequenz in Allens Schlafzimmer nahe: Da breitet der Filmemacher einen Haufen gelber Zettel auf seinem Bett aus, Notizen und Gekritzel, die er „Meine Sammlung“ nennt. „Jedes Mal, wenn ich ein neues Projekt beginne, sitze ich hier und schaue es durch.“ Was er nicht braucht, landet wieder in der Nachttischschublade. Der Einblick in Woody Allens Zettelwirtschaft zählt zu den persönlichsten, charmantesten Momenten in Weides Film, dem der Regisseur über die reichlich affirmative Nacherzählung des Künstlerlebens hinaus leider kein Thema gegeben hat. Da-

bei hätte einiges nahe gelegen – das Nostalgische etwa, das sich in Allens Art zu arbeiten ebenso findet wie in seinen Filmen. Wie ein letztes Rückzugsgefecht des Analogen in einer durchdigitalisierten Welt mutet etwa die Art und Weise an, wie Allen seine Drehbücher schreibt: immer noch auf derselben Olympia-Schreibmaschine, die er sich als 16-Jähriger kaufte, einem deutschen Modell, das zuverlässig funktioniere „wie ein Panzer“ und ihn wohl überleben werde, wie Allen sagt. Das praktische „Copy and paste“, das Kopieren und Ersetzen, wie man es vom Schreiben am Computer kennt, führt er mit Schere und Tacker aus. Wenn er einen Absatz verschieben will, den er auf seiner Schreibmaschine getippt hat, schneidet er ihn aus und heftet ihn an anderer Stelle im Drehbuch wieder ein. Nostalgische Gefühle lösen auch die New-York-Bilder aus, die Weides Dokumentarfilm eröffnen und die Erzählung von Allens Kindheit begleiten. Ob und wie sich dessen Amerikabild geändert hat – nach 9/11, Bankenkrise und Occupy-WallStreet – hätte man thematisieren können, aber auch dieses Feld wird von Weide nur kurz berührt. Im Zentrum des Films steht Allens beeindruckendes Œuvre und die Erinnerungen vieler Beteiligter an ihre Arbeit

mit dem Künstler. Die Schauspieler Diane Keaton, Mariel Hemingway, Scarlett Johansson, Penelope Cruz, Naomi Watts und SeanPenn, Allens Schwester undProduzentin Letty Aronson, seine Freunde Martin Scorsese und Dick Cavett, der frühere Manager Jack Rollins und viele andere kommen zu Wort und machen Allens künstlerische Entwicklung nachvollziehbar, auch die scheinbaren Brüche in dessen Filmografie. Den großen Bruch im Leben Woody Allens aber beleuchtet dieser Dokumentarfilm kaum: den Skandal, als das Verhältnis mit Soon-Yi, der Adoptivtochter seiner damaligen Frau Mia Farrow, ans Licht kam; Weide geht nur kurz darauf ein. Es gibt keinen Blick hinter die Kulissen, sondern wieder den manischen Künstler Woody Allen. In der heißen Phase der Trennung drehte er seinen letzten Film mit Mia Farrow, „Ehemänner und Ehefrauen“, 1992. Darin deklinieren die beiden als Filmpaar noch einmal alle Streitthemen einer Ehe durch.

Woody Allen: A Documentary, USA 2011 – Regie, Buch: Robert B. Weide. Kamera: Buddy Squires, Bill Sheehy, Anthony Savini, Neve Cunningham, Nancy Schreiber. Schnitt: R.B. Weide, Karoliina Tuovinen. Musik: Paul Cantelon. NFP, 113 Minuten.

Bestattungen im Landkreis München heute, Montag, 9. Juli 2012

Rosi Lohrey-Bauer

14.00 Kirchmann Werner, technischer Angestellter, 91 Jahre

„geborene“ Haas * 7. August 1947 † 8. Juli 2010

Wir sind unendlich traurig.

Das Leben ist nur der Weg, auf dem wir wandeln. Das Ziel liegt darin, die Erinnerung in den Herzen derer, die wir liebten, weiterleben zu lassen.

Ursula Abendschein Dominik und Tobias Abendschein Renate Abendschein und Sylvia Heier mit Familie, Brigitte Lebede mit Familie, Robert Abendschein mit Familie, Klaus Abendschein mit Familie Dr. Christoph Abendschein, Hugo und Rita Riegg Thomas Riegg mit Familie, Martina Weingärtner mit Familie

Der Wortgottesdienst findet am Samstag, dem 14. Juli 2012, um 14.00 Uhr in der kath. Kirche St. Vitus, Maisach statt. Anschließend Urnenbeisetzung auf dem Friedhof in Frauenberg. Anstelle zugedachter Blumen und Kränze bitten wir um eine Spende für den Förderverein Palliativmedizin an der Universität München e.V., Kto. 3 959 090, Spardabank München, BLZ 700 905 00.

Gemeindefriedhof Steinebach-Buchteil:

12.00 Gröver Anneliese, Buchhalterin, 92 Jahre 15.00 Urnentrauerfeier Bahn Franz, Diplom-Physiker, 82 Jahre

Bestattungen Landeshauptstadt München Friedhofverwaltung – Telefon 2319901 heute, Montag, 9. Juli 2012

12.00 Klein Liselotte, Lehrerin, 88 Jahre 12.00 Klein Heinrich Peter, Lehrer, 89 Jahre 13.00 Löffler Katharina, chemisch-pharmazeutische Betriebsassistentin, 98 Jahre 14.00 Heinrich Ursula, 84 Jahre 14.30 Gruber Gertraud,Verkäuferin, 73 Jahre

In Liebe: Claudia Meyer, geb. Weber Gisela Meyer Thomas und Sabine Meyer Franz und Hildegard Weber mit Familie Joachim und Christa Meyer Daniela und Rainer Pietschmann mit Kindern Werner und Hiltraud Haitz und alle Angehörigen

14.00 Küster Dorothea, medizinisch-technische Assistentin, 77 Jahre

Gemeindefriedhof Taufkirchen:

Waldfriedhof, Alter Teil: Erdbestattungen:

+ 4. Juli 2012

Gemeindefriedhof Hohenbrunn:

Ich vermisse Dich! Deine Ilona

Die Trauerfeier findet am Mittwoch, dem 11. Juli 2012, um 14.00 Uhr in der St. Stephans-Kirche in Söcking statt. Die Urnenbeisetzung ist anschließend im Gemeindefriedhof Söcking. Von Beileidsbekundungen am Grab bitten wir Abstand zu nehmen.

München/Frauenberg

Friedhof Gräfelfing:

Elektromeister * 21. Mai 1958 + 1. Juli 2012

* 24. April 1969

gangshalle der Tate Modern getragen und dort zusammengebaut. Eine „Liberate Tate“-Sprecherin sagte, in Zeiten der Klimakrise sollten Tate-Besucher nicht genötigt werden, Ölkonzerne wie BP zu legitimieren. BP sponsert britische Kultureinrichtungen, darunter Tate, National Gallery und Royal Opera House, mit jährlich rund einer Million Pfund. Das Rotorblatt wurde von Sicherheitskräften des Museums entfernt. MEA

Demonstranten haben das Rotorblatt einer Windturbine in die Londoner Tate Modern getragen und gefordert, es der permanenten Sammlung des Museums hinzuzufügen. Die Gruppe „Liberate Tate“ wollte damit ihren Protest gegen die finanzielle Unterstützung der Tate-Galerien durch den Ölkonzern BP zum Ausdruck bringen. Die Demonstranten hatten das 16,5 Meter lange und anderthalb Tonnen schwere Bauteil am Samstag in Einzelteilen in die Ein-

Friedhofverwaltung – Telefon 2319901

Bernd Abendschein

Michael Meyer

Dass Stefan Bachmann demnächst in Köln wohnt, missfiel dem Rektor. Dann könne er sich nicht gleichzeitig in Wien engagieren. Aber war Brandauer nicht erfolgreich, obwohl er in anderen Städten auftrat und Filme gedreht hat? Wien hat außer Fiaker auch einen Flughafen. Was nützt es, dass Frau Krassnigg in Wien herumhockt? Diese Schulen brauchen Lehrende, die im Theaterleben eine Rolle spielen. Und Bachmanns Kölner Imperium kann den Studenten nur nützen. Inzwischen solidarisierten sich bei einem Schauspielschultreffen auch die Studenten anderer Institute mit ihren Wiener Kommilitonen. Man befürchtet inzwischen sogar, dass Anna-Maria Krassnigg à la longue als Institutsleiterin vorgesehen ist. Möglich ist alles in Wien, solange man Rektoren wie Hasitschka nicht in die Schranken weist. Er hat das Zeug dazu, das Max-Reinhardt-Seminar endgültig gegen die Wand zu fahren. Fazit: Das Verfahren muss neu aufgelegt werden. Denn das Ergebnis gefährdet Institut und Studierende zugleich. Und wenn ein Rektor nicht mehr weiß, was sein Amt von ihm fordert, wenn er nicht nur kompetent und demokratisch verwalten kann, muss man über seine Zukunft nachdenken. Der Rektor ist dann als unkündbarer Beamter zwar eine Last für den Steuerzahler. Aber nicht mehr für die Kunst, um die es schließlich geht. HELMUT SCHÖDEL

Klimaschützer protestieren in der Tate Modern gegen einen Ölkonzern

an meine liebe Mutter

Alles hat seine Zeit; die Zeit der Liebe, der Freude und des Glücks, die Zeit der Sorgen und des Leids. Es ist vorbei. Die Liebe bleibt.

Hier lernten Senta Berger und Christoph Waltz. Und jetzt?

Demo im Foyer

In Memoriam

Für uns alle unfassbar verließ uns plötzlich und unerwartet mein geliebter Mann, unser herzensguter Vater und mein jüngster Sohn

Die Wiener Kultur befindet sich nicht selten im Würgegriff von Entscheidungsträgern, die einem wie Pappnasen vorkommen müssen. Der Aufstand der Studenten ist also mehr als verständlich. Sie haben sich sogar an Bundeskanzler Faymann gewendet, und Elfriede Jelinek lässt wissen, dass es sich bei dieser Wiener Causa „um finsterstes 19. Jahrhundert“ handelt. Das ist es nämlich, was wir von des Rektors Lippen lesen. Er hat sich erdreistet, den erstgereihten Kandidaten, den Regisseur und designierten Direktor des Kölner Schauspiels, Stefan Bachmann, selbstherrlich abzulehnen und eine Theatermacherin auf Lebenszeit zu berufen, deren hervorragendste Eigenschaft ihre Bedeutungslosigkeit ist. Natürlich ist sie fest entschlossen, gegen das Institut ihren Job anzutreten, schließlich wird sie kein zweites Mal so ein Angebot bekommen. Aber wie unterrichtet man Studenten gegen ihren Willen?

Für junge Leute, die zum Theater wollen, ist es von großem Vorteil, an einem Institut zu studieren, von dessen Ruf sie schon schon beim ersten Vorsprechen profitieren können. Die Berliner Ernst-Busch-Schule lag da über Jahre weit vorne. Aber während man sich anderswo um Konkurrenzfähigkeit bemühte, schien irgendwo hinterm Wald das einst so berühmte Max-Reinhardt-Seminar in Wien aus der Zeit gefallen zu sein. 1929 von dem Regisseur und Theaterdirektor Max Reinhardt als international orientiertes „Schauspiel- und Regieseminar“ gegründet, lebte es nur noch von dem Konfetti von einst und dem Ruhm seiner großen Schüler. Von Monica Bleibtreu und David Bennent, Walter Schmidinger, Paulus Manker, Christoph Waltz, Hans Neuenfels, Elisabeth Orth, Maria Becker, Anna Badora bis zu Senta Berger, Nicole Heesters oder Christiane Hörbiger und Louise Martini. Allerdings verdanken wir der Lehr- und Entdeckertätigkeit von Klaus-Maria Brandauer als Professor große junge Schauspielerinnen wie Birgit Minnichmayr und Johanna Wokalek. Brandauer hatte verstanden, dass ein Professor an solchen Instituten zugleich ein Mentor sein muss, der nicht nur für Ausbildung, sondern auch für die Förderung der Studierenden da sein muss. Zwar sind solche Seminare nicht zugleich Agenturen, aber auf dem Weg ins Gewerbe sollten sie helfen können. Was aber nur funktioniert, wenn die Lehrenden zugleich erfolgreich ihrer eigenen Berufung folgen, über Kontakte verfügen und über einen Horizont. Denn in zu vielen Schulen wird Gnadenbrot auf Lebenszeit gewährt, zu Ungunsten der Schüler. Fehlgeschlagene Karrieren blockieren die Posten. Wenn sonst nichts geht: Professor werden. Brandauer lehrt übrigens nicht mehr am MaxReinhardt-Seminar, das jetzt negative Schlagzeilen macht. Das Max-Reinhardt-Seminar gehört zur „Universität für Musik und darstellende Kunst Wien“, die von Rektor Werner Hasitschka geleitet wird, der eine wesentliche Regieprofessur zum Verdruss aller Betroffenen an eine gewisse, schon als Gastprofessorin ungeliebte Anna-Maria Krassnigg, Leiterin einer Wiener Kleinbühne, vergeben hat. Ihre Arbeit spielt selbst in Wien keine Rolle, aber im stadtüblichen Kampf gegen Qualität, Können und Leistung ist Hasitschkas autoritäre Fehlentscheidung genauso wie sein aufgeblasenes Herrschaftsgebaren – „read my lips“, sagte er, um seinem Winkelzug Gewicht und Endgültigkeit zu verleihen – durchaus üblich.

Waldfriedhof, Neuer Teil, Lorettoplatz: Erdbestattungen:

9.30 Böck Irmgard, 72 Jahre 10.00 Schramm Christel, Lehrerin, 75 Jahre Waldfriedhof, Neuer Teil, Lorettoplatz: Feuerbestattung:

13.00 Prof. Dr. med. Thönen Hans, Neurobiologe, 84 Jahre Westfriedhof: Urnentrauerfeier:

13.00 Kellner Marianne, Hausfrau, 83 Jahre Nordfriedhof: Erdbestattungen:

12.00 12.30 14.00 14.30 15.00

Astfalk Rolf, Taxifahrer, 70 Jahre Schmitz Walburga, städtische Angestellte, 81 Jahre Link Anneliese, Steuerberaterin, 83 Jahre Trischler Edith, kaufmännische Angestellte, 90 Jahre Mini Christa, Sachbearbeiterin, 65 Jahre

Nordfriedhof: Feuerbestattungen:

9.00 Zenz Rainer, Windkrafttechniker, 42 Jahre 9.45 Graßl Elisabeth, Montagehelferin, 88 Jahre

Nordfriedhof: Urnentrauerfeiern:

10.30 Tauscher Hermann, Postbeamter, 64 Jahre 11.15 Koslowski Gabriele,Versicherungsangestellte, 60 Jahre Ostfriedhof: Erdbestattungen:

13.00 13.30 14.30 15.00

Büchl Siegfried, Hotelkaufmann, 87 Jahre Linhuber Hans-Lois, Arzt, 62 Jahre Schönbrunn Hildegard, Angestellte, 84 Jahre Parrinello Rosa, Hausfrau, 84 Jahre

Ostfriedhof, Krematorium:

10.45 Preitler Josef, kaufmännischer Angestellter, 62 Jahre 11.30 Wamala Jairus-Rogers, technischer Zeichner, 72 Jahre 13.00 Collignon Elfriede, Kontoristin, 70 Jahre Ostfriedhof, Krematorium: Urnentrauerfeiern:

8.30 Macher Peter, Pförtner, 65 Jahre 10.00 Jung Andreas, 52 Jahre Friedhof am Perlacher Forst: Erdbestattung:

9.45 Zinsmeister Rudolf, Bankangestellter, 91 Jahre Friedhof Lochhausen:

12.00 Urnentrauerfeier Zorn Ursula, Hausfrau, 85 Jahre Friedhof Sendling:

9.30 Urnentrauerfeier Giglberger Emma, Hausfrau, 86 Jahre Friedhof Untermenzing:

9.30 Urnentrauerfeier Mooser Johannes, Schreiner, 61 Jahre


FEUILLETON

DEFGH Nr. 156, Montag, 9. Juli 2012

Leben ohne Zwangsjacke

NEU AUF DVD The Last Sunset „Que una paloma triste muy de manana le va a cantar a la casita sola . . .“, singt der Mann am Lagerfeuer, Kirk Douglas, ein Mann in Schwarz, ein Killer, der sich bei einem Viehtreck verdingt von Mexiko nach Texas, und das tut auch Rock Hudson, der Sheriff, der ihn verfolgt. Die traurige Taube, die Seele eines Mannes, der an seiner Leidenschaft starb, im berühmten Lied „Cucurrucucu Paloma“: In „El Perdido / The Last Sunset“ von 1961 ist es keine Selbstverständlichkeit mehr, Männer zu beobachten wie sie handeln, bei ihrem Miteinander, das meist auch ein Gegeneinander ist. Es ist Tragödie im Spiel, unerbittlich, antikisch. Douglas hat den Film produziert, im Anschluss an seinen „Spartacus“, und hat als Drehbuchautor Dalton Trumbo mitgebracht, einen der verurteilten Hollywood Ten. Robert Aldrich hat den Film konsequent als sein erstes Alterswerk inszeniert, er war 42.

„El Perdido/ The Last Sunset“ Koch Media

Lighthorsemen Ein Kriegsfilm, 1987, von Simon Wincer, der sich an „Lawrence of Arabia“ orientiert. Aber im Mittelpunkt der Action steht ein leidenschaftlicher Liebesbrief. Palästina, 1917, die Briten gegen die Türken / Deutschen. Man will die Stadt Beersheba einnehmen, spielt dem Gegner ein Dokument in die Hand, das einen angeblichen Angriff auf Gaza suggeriert. Um das glaubwürdig zu machen, wird ein fingierter Brief beigefügt von einer jungen Offiziersfrau an ihren Mann im Feld, über ihr neugeborenes Kind. Ein Offizier lässt ihn von einer Krankenschwester imaginieren und schreiben, eine bizarre erotische Szene. Am Ende reiten die australischen Lighthorsemen eine mörderische Attacke gegen Kanonen und MGs.

„Lighthorsemen – Blutiger Sturm“ Pandastorm

Phase 7 Die Kriege der Zukunft finden in den Städten statt. Buenos Aires zum Beispiel, eine Seuche, ein Mietshaus wird unter Quarantäne gestellt. Phase 7 – bei den UN ist die höchste bislang Phase 6. Es beginnt gemächlich, man muss schnell mal nachzählen, wie viele überhaupt im Haus leben, ein junges Paar zelebriert ein lustvolles Abendessen, sie ist schwanger im siebten Monat. Natürlich bedeutet Nachbarschaft im Herzen Feindseligkeit, Frontlinien werden gezogen. Einstein sagt, der Dritte Weltkrieg werde mit Stöcken und Steinen gefochten, meint einer der Kombattanten. Und wird korrigiert: Es war der Vierte Weltkrieg, von dem Einstein sprach.

„Phase 7“ Koch Media

Livid Pflanzen müssen atmen, sagt die Krankenpflegerin, die täglich die Wohnungen der Alten abklappert, um ihnen rasch eine Spritze zu verpassen, aber keine Zärtlichkeit, und die junge Lucy, die sie begleitet, öffnet das Fenster in der Villa von Mrs. Vessel, die bewegungslos im Bett liegt. Pflanzen, Gemüse, künstlich am Leben gehalten, fahl und grau. Das ist der Horror von „Livid“ von Julien Maury/Alexandre Bustillo. Ich will nicht enden wie mein Vater, der Fischer, sagt Lucys Freund, drum steigen die Teenager nachts in die VesselVilla ein, auf der Suche nach dem Vermögen. Und ein anderer Horror beginnt, Chimären, Spielfiguren, vampirische Ballerinas (von der Tanzakademie Freiburg!), und eine Sehnsucht nach Luft und Freiheit. FRITZ GÖTTLER

„Livid“ Sunfilm

HF2

„Wenn eine Wand nicht länger eine Wand ist, könnte eine neue Architektur entstehen“, glaubt der japanische Architekt Sou Fujimoto. Seine Entwürfe, jetzt in Bielefeld zu sehen, sind gnadenlos gegenwärtig VON LAURA WEISSMÜLLER

V

or der Kunsthalle Bielefeld steht seit einigen Wochen ein gewaltiger Holzwürfel. Als hätten dort Riesen Jenga gespielt, sind seine 4,20 mal 4,20 Meter großen Seitenflächen nicht geschlossen, sondern von schmalen Fenstern durchbrochen. Denn der Kubus ist ein nachgebautes Ferienhäuschen. Trotzdem wird der Besucher, der es betritt, sich erst einmal nicht zurecht finden. Kein Flur begrüßt ihn hier, kein Zimmer gibt seine Funktion preis. Der Gast muss selbst bestimmen, was er in, auf und unter den geschichteten Massivholzbalken tut. Erst sein Handeln macht sie zur Stufe, zum Regal, zu Stuhl oder Tisch. Ein Grundbausatz zum Leben sozusagen. „Wenn eine Wand nicht länger eine Wand ist, könnte eine neue Architektur entstehen“, sagt Sou Fujimoto, einer der derzeit interessantesten Architekten aus Japan. Wie diese aussehen könnte, zeigt zum ersten Mal in Europa eine sehr stimmige Ausstellung in der Kunsthalle Bielefeld. Der Ort hätte nicht besser gewählt werden können. Denn für die erste eigene Ausstellung des Direktors Friedrich Meschede wurde das Museum von Philip Johnson – das erste Tageslichtmuseum der Nachkriegszeit in Deutschland – von sämtlichen Einbauten befreit. Der Bau darf jetzt wieder über die großen Fensterfassaden den Dialog nach Draußen führen.

So könnte es aussehen, das Haus der Zukunft Es sind nicht allein die Entwürfe, die von Sou Fujimoto so faszinieren. Es ist vor allem die Fähigkeit dieser Architektur, Fragen zu stellen. Und zwar Fragen, die scheinbar schon längst gelöst worden sind – wie können wir wohnen? Was ist ein Haus, wie funktioniert eine Stadt? Fujimoto nennt die Ideen zu seinem Raumbegriff denn auch „Primitive Future“: Er möchte zu den Anfängen der Architektur zurückkehren, um sie noch einmal neu definieren zu können. Denn gerade die altbewährten Antworten führen ja dazu, dass Wohnen heute sehr viel mit Vorschriften von Gestern zu tun hat. Hier muss das Schlafzimmer sein, dort kann nur das Sofa stehen und schräg gegenüber passt nichts anderes hin als der Einbauschrank. Unsere Wohnungen führen sich auf wie kleine Diktatoren und die Möbel, die wir stolze Besitzer am vorgeschriebenen Ort positionieren, sind die Zwangsjacken dazu. Aber wie könnte es aussehen, das Leben ohne Zwangsjacke? In der Arbeitswelt wird das bereits fleißig erprobt. Das Fraunhofer-Institut in Stuttgart forscht über das Büro der Zukunft, das den Bedingungen des 21. Jahrhunderts Rechnung trägt. Fortschrittliche Firmen versuchen über die Architektur, ihren Mitarbeitern ein angenehmes Arbeitsumfeld zu schaffen. Das machen sie nicht aus Nächstenliebe. Wer sich wohlfühlt, arbeitet erwiesenermaßen effektiver und fördert so den Umsatz des Unternehmens. Was Henry Ford mit dem Fließband gelang – die Produktivität des einzelnen Arbeiters zu erhöhen –, schaffen heute fließende Übergänge zwischen Schreibtisch und Labor, Chill-out-Ecken statt Konferenzräume und eine Architektur, die Begegnungen schafft. Das hört sich blumig an und ist auf den ersten Blick auch nicht so gut sichtbar wie ein Fließband. Doch dafür bringt es mehr Gewinn: Das Pharmaunternehmen Novartis versucht etwa, durch einladend gestaltete Treppenhäuser und zahlreiche Cafés auf dem firmeneigenen Campus in Basel, seine Mitarbeiter miteinander ins Gespräch zu bringen. 80 Prozent der Forschung sei Kommunikation heißt es hier – ein schnell geteilter Geistesblitz kann dem Unternehmen also Millionen bringen. Im privaten Bereich lässt sich durch ein angenehmes Umfeld deutlich weniger verdienen. Vermutlich ist das auch der Grund, warum sich unsere Wohnbedingungen so zeitlupenartig zäh verändern. Kein Gewinn, keine Forschung und die träge Masse war noch nie für Erfindungen gut. Während wir selbst aus dem 21. Jahrhundert gar nicht herauskommen – digitale Revolution! Globalisierung! Klimakatastrophe! –, dürfen unsere Häuser also noch so tun, als befänden wir uns im letzten, gerne auch im vorletzten Jahrhundert. Gelebt wird heute, aber unter den Wohnbedingungen der Vergangenheit. Muss das so sein?

Ein Haus wie ein offenes Regal: Erst die Bewohner vom House NA in Tokio sortieren die Funktion in die aufgestapelten Glaskuben ein. Viel Möbel brauchen sie dafür nicht – die Räume von Fujimoto sind auch so Lebensort. FOTO: IWAN BAAN Nein, sagt Fujimoto und hält eine Architektur dagegen, die sich gnadenlos der Gegenwart verschrieben hat und zwar weil erst der Bewohner ihr die Funktion vorgibt. Wie beim „Final Wooden House“, das der 1971 geborene Fujimoto 2008 für eine vierköpfige Familie baute, ist das auch so im Entwurf für das „Haus der Zukunft“, das allein aus einer Serie von 35 cm hohen Stufen bestehen soll und keinen Unterschied macht zwischen Architektur und Mobiliar. Oder in dem House NA: Das schmale Stadthäuschen funktioniert im Prinzip wie ein offenes Regal. Erst die Bewohner sortieren die Aufgaben in die Glaskuben ein, die hier übereinander gestapelt sind. Die Vor- und Rücksprünge, die sich durch die unterschiedlichen Größen der Zimmer ergeben, können als Balkon oder Dachterrasse benutzt werden. Maximales Leben in minimalen Räumen könnte man dazu sagen. Die Auftraggeber von House NA seien es gewohnt gewesen, sich im Haus wie Nomaden zu bewegen, so Fujimoto. Daraus sei die Idee entsprungen, sich hier wie von Ast zu Ast zu bewegen. Was bei der Erklärung

mitschwingt und was alle Häuser von Fujimoto besitzen, ist eine Freiheit für den Bewohner. Das hat auch damit zu tun, dass seine Architektur nicht ständig zum nächsten Shoppingtrip im Möbelhaus animiert. Hier braucht es nicht die große Sitzlandschaft, um sich zuhause zu fühlen. Die Räume sind Lebensort genug, auch ohne Mobiliar. Dadurch können sie mit extrem wenig Platz auskommen, ohne beengt zu wirken. Im Gegensatz zu unseren Quadratmeter fressenden Standardhäusern, die erst gefüllt werden wollen, bevor das Zuhausegefühlt dort einziehen darf. Fragt sich nur, was dabei eigentlich wen bedingt – werden die Wohnungen immer größer, weil die Möbel stets mächtiger ausfallen? Oder bläst sich das Mobiliar weiter auf, weil es den wachsenden Raum bespielen muss? Wer ein Bauhaussofa neben einen heutigen Entwurf stellt, könnte jedenfalls glauben, dass der Mensch gewaltig gewachsen ist. Die Wohnfläche pro Kopf hat sich in Deutschland seit 1965 mehr als verdoppelt. Damals standen jedem 22 Quadratmeter zur Verfügung. Unmenschlich klein? Vielleicht nicht.

Denn was Sou Fujimotos Arbeit auszeichnet und was sie mit Architektur von Bow-Wow oder Sanaa gemein hat, ist eine extreme Offenheit. Innen und Außen werden hier verschränkt. Nicht nur die Blickbeziehungen nach Draußen wie im JohnsonBau weiten den Raum, sondern das Dazwischen, das gewöhnlich Innen und Außen trennt, wird zur Architektur aufgewertet. Dadurch entsteht neuer Raum. Öffentliche Durchgänge sind hier gleichzeitig kleine Gärten, Vorplätze fungieren als Terrassen. Bezeichnend, dass es oft schwer fällt genau zu definieren, wo das Haus anfängt und wo das Draußen aufhört. Was im paranoiden Zeitalter der Gated Community auf keinen Fall passieren soll, ist hier das Ziel. Ein radikales Plädoyer für mehr Öffentlichkeit, das auch für unsere Städte gelten sollte. Denn mehr Kommunikation schafft mehr Ideen – nicht nur in der Forschung.

Sou Fujimoto. Futurospektive, Kunsthalle Bielefeld, bis 2. September, Infos unter www.kunsthalle-bielefeld.de.

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NACHRICHTEN AUS DEM NETZ Im Anaheim Convention Center kam es vergangene Woche zuunschönen Szenen. Hysterische Teenager standen stundenlang für ein Autogramm an, SecurityMitarbeiter sorgten sich derweil um ihre Schützlinge, 7000 Menschen drängelten durch die viel zu kleinen Hallen der Youtube-Konferenz VidCon. Kein Wunder, schließlich waren die ganz großen Namen angereist. Shane Dawson etwa. Wer diesen Namen noch nie gehört hat, muss sich keine Sorgen machen. Es bedeutet nur, dass man die riesige Bildermaschine Youtube nicht mit allzu viel Ehrgeiz erkundet. Denn immer wenn der junge Herr Dawson – frisurtechnisch trifft er genau dieMitte von Indie- und Backstreetboy – einen neuen Clip auf die Plattform lädt, bekommen mehr als zweieinhalb Millionen Abonnenten eine Benachrichtigung. Insgesamt wurden seine Videos bereits mehr als 700 Millionen Mal abgerufen. Während die jugendlichen Fans also quietschten, diskutierten ein paar ältere Herrschaften über die Richtung, die Youtube in Zukunft nehmen wird. Das Problem: Wer es hier zu etwas bringen will, war bislang auf fremde Hilfe angewiesen. Justin Bieber zum Beispiel wurde zwar auf Youtube entdeckt. Zum Star machten ihn jedoch Plattenfirmen, die auch schon zu Michael Jacksons Zeiten existierten. Erst die Zugkraft der traditionellen Medienmaschinerie sorgte für den Durchbruch. Im Jahr Sieben nach der Gründung wollen sich die Youtube-User endgültig von den analogen Marktmechanismen emanzipieren. Gleichzeitig wird das Wachstum der Plattform – mittlerweile werden 72 Stunden Videomaterial pro Minute hochgeladen – zu einem Problem. Der Erfolg macht es unwahrscheinlich, in der Flut aus Katzen-Content, Schminktipps und LadyGaga-Parodien entdeckt zu werden. Zufälliger Ruhm wird immer seltener. Vielleicht ist es unausweichlich, dass sich die Masse der Youtube-Entertainer in Los Angeles sammelt. Genau wie früher hoffnungsvolle junge Menschen ihre Heimat verließen, um in Hollywood den Durchbruch zu suchen, ziehen auch ihre 2.0-Erben nach Kalifornien. Nicht, um zufällig von den Castingagenten der großen Studios entdeckt zu werden. Sondern, um sich auch analog zu vernetzen. Heraus kommen Start-Ups wie die Maker Studios. „Für Künstler, von Künstlern“, so lautet ihr Motto. Die Gründer sehen ihr Geschäft als logischen Endpunkt einer großen Ahnenreihe. Genau wie eine Gruppe von Stummfilmstars um Charlie Chaplin 1919 das Studio United Artists gründete, um die eigenen Filme besser zu vermarkten, wollen die Maker Studios dafür sorgen, dass sich Youtube aus sich selbst heraus professionalisiert. Mittlerweile hat man ein 6000 Quadratmeter großes Studio aufgebaut und beschäftigt 200 Mitarbeiter. Man hat sich perfekt an die Youtube-Umwelt angepasst. Die Regeln lauten: Bedient Nischen, seid nah am Fan, vernetzt euch. Die Maker Studios bieten zukünftigen Talenten einen simplen Deal an. Sie stellen Equipment – Beleuchtung, Kameras und Green Screens – ebenso zur Verfügung wie die Unterstützung professioneller Autoren und Regisseure. Dafür wird ein gewisser Anteil an den Werbeeinnahmen, die durch die Videoabrufe generiert werden, einbehalten. Irgendetwas zwischen einem und drei Dollar bezahlt Youtube pro 1000 Views. Wenn nur genügend Inhalte rausgeschleudert werden, entsteht aus einer vermeintlich banalen Online-Videothek schnell ein veritables Geschäftsmodell. Allein im Mai 2012 wurden die Maker-StudioClips 876 Millionen Mal angesehen, Tendenz steigend. Die oberste Regel lautet: Die Masse ist Trumpf. MICHAEL MOORSTEDT

Ein Norweger und Susan Sarandon Der norwegische Film „The Almost Man“ („Mer eller mindre mann“) des Regisseurs Martin Lund hat den Hauptpreis beim 47. Karlsbader Filmfestival gewonnen. Der Film erzählt von einem Mann Mitte dreißig, der sich trotz der bevorstehenden Geburt seines ersten Kindes die Illusion unbeschwerter Jugendlichkeit bewahren will. Den zusätzlich vergebenen Kristallglobus für außergewöhnliche Verdienste um das internationale Kino erhielt die Oscar-Preisträgerin Susan Sarandon („Die Hexen von Eastwick“). DPA

Erfrischend sinnlos – und diese Energie! Das Minifestival „Marstallplan“ des Bayerischen Staatsschauspiels zeigt sechs Stücke in zwei Tagen. Zwei von ihnen sind richtiges Kušej-Theater Das Residenztheater in München hat einen „Marstallplan“. Das klingt nach Aufbauhilfe fürs Theater, und tatsächlich könnte man es als Hinweis darauf deuten, dass sich der Marstall, ein ehrwürdiger Klenzebau, der eine Nebenspielstätte des Residenztheaters beheimatet, in einem etwas maroden baulichen Zustand befindet. Andererseits ist das, was auf der kleinen Marstall-Bühne übers Jahr stattfindet, eine Art Aufbauhilfe für das Residenztheater unter dem Intendanten Martin Kušej. Die Bühne ist die beliebteste der drei Spielstätten des Staatsschauspiels, gerade weil hier Dinge stattfinden, die im Staatstheater der vergangenen zehn Jahre nicht zu erleben waren. Hier spürt man am schönsten den Wandel, den Kušej in seiner ersten Saison teils ersehnte, teils erfüllte, hier ist der Altersdurchschnitt des Publikums so jung, wie es sich jeder Intendant erhofft, und schließlich gibt es hier die besten Partys, die sich

auch mal auf den Platz davor ausdehnen und so einen eigentlich recht toten Winkel in der Münchner Innenstadt beleben. Der „Marstallplan“ im engeren Sinn ist indes ein Minifestival, bei welchem sechs junge Regisseure, Regieassistenten am Haus, erste eigenständige Arbeiten präsentieren. Ihr Thema lautet Hochstapelei. Das sollte man aber nicht so eng sehen, schließlich tut auf einer Bühne jeder so, als wäre er ein anderer. Die Ergebnisse, die noch bis Ende Juli zu sehen sind, fallen extrem heterogen aus. Zwei der kleinen Aufführungen will man aber auf jeden Fall wiedersehen, eine so, wie sie ist, die andere ließe sich noch ein bisschen ausbauen, dann könnte es herrlich werden. Allerdings müsste David Gieselmann dazu sein Stück „Container Paris“ zu Ende schreiben. Was man nur hoffen kann. Bislang diffundiert seine temporeiche Farce am Ende in eine Stoffsammlung, aber was davor passiert, weist Giesel-

mann als einen sehr begabten Komödienschreiber aus, ein Talent, wie man es nicht sehr häufig unter jungen Autoren findet. Ein Mitarbeiter einer Logistikfirma soll einen Container finden, von dem niemand weiß, wo er ist und was er enthält. Seine beherzte Gattin hilft ihm, ein Erotikmodel tut es ihr gleich und will sich ständig auszie-

Heiner Müllers „Hamletmaschine“ als Ein-Mann-Stück mit abgestürztem Pop-Jesus hen, ein Pfarrer taucht auf und wird aus dem Text gestrichen, und so weiter, immer irrer, immer überraschender. Robert Gerloff hat für seine Inszenierung den Requisitenfundus geplündert, lässt ständig Mobiliar hin- und herschieben, raus und rein, verliert dadurch anfangs ein bisschen das Dialogtempo aus den Augen. Doch die Auffüh-

rung fängt sich schnell, die Schauspieler formen Meisterwerke der Figurenüberzeichnung, bis es völlig anarchisch wird, ungefähr so, wie man sich Kušejs neues Staatsschauspiel erhofft hat, auch wenn es dort natürlich nicht immer so erfrischend sinnlos zugehen kann. Aber die Energie stimmt. Wie auch bei Robert Niemann. Dieser wundersame Schauspieler spielt in der Regie von Katrin Plötner allein Heiner Müllers „Hamletmaschine“. Als Bänkelsänger in einem Glitzerfrack oder mit einer Clownsmaske vor dem Gesicht, dann mit einem Beil in der Hand über die Bühne rasend. Heiner Müllers Text wird dabei so transparent wie selten, er entwickelt sich zum Panoptikum eines Gauklers, der die vielen Rollen und Figuren, die nur angerissen, angedeutet, zitiert werden, wie Kulissen über seine eigene Identität schiebt. Hamlet, der Rockstar, steht dann mit sei-

ner Gitarre auf einer Treppe, eine kreischende Horde Jugendlicher strömt ins Theater, Hamlet fällt in die Masse, die ihn seiner Kleider entledigt und gleich darauf so brüsk verschwindet, wie sie kam. Übrig bleibt ein abgestürzter Pop-Jesus, jeder Träume beraubt. Solche Radikalität fehlt den anderen Aufführungen. Comic- Superhelden benutzen Max Frischs grüblerische „Fragebogen“ als Quizfragen ans Publikum, Shenja Lacher liest sehr schön Bulgakows visionärverrückte Erzählung „Hundeherz“, aber liest halt nur. Gernot Grünewald inszeniert eine spielerisch-akademische Veranstaltung zum Wesen der Hochstapelei und Gregor Turecek macht, in einer Kooperation mit der Theaterakademie, aus Kathrin Rögglas „Wir schlafen nicht“ eine Tennisveranstaltung. Zu mehr taugt dieser abgestandene, oberflächliche Text über ArbeitsEGBERT THOLL realitäten auch nicht.


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LITERATUR

Montag, 9. Juli 2012, Nr. 156 DEFGH

Wiederholung, Kopie, Plagiat

Die Göttinnen und die Bagdad-Bahn

Am Berliner Literaturhaus stritt man um Schreiben unter Einfluss

In seinem neuen Roman „Allahs Töchter“ beschwört Nedim Gürsel den Islam seiner Kindheit herauf – und erzählt von den offenen Wunden der Modernisierung in der Türkei

Dass Schriftsteller mitunter das Leben plagiieren, ist weithin bekannt und auch weiter kein Problem, solange ihnen das nicht gerichtlich nachgewiesen werden kann, wie es in der Geschichte der Bundesrepublik bisher lediglich Klaus Mann und Maxim Biller passiert ist. Ihre Romane „Mephisto“ und „Esra“ wurden daraufhin aus dem Verkehr gezogen. Selbst wenn Autoren andere Autoren plagiieren, ist das nicht in jedem Falle problematisch, schließlich ist es im Grunde gerade die Literaturgeschichte, die dem einzelnen Werk wie eine Art literarisches HiggsFeld seine Masse verleiht. Derzeit jedoch ist das gesellschaftliche Klima so, dass selbst dann, wenn sich wie am vergangenen Wochenende im Berliner Literaturhaus Wissenschaftler und Autoren zum unverfänglichen Leseabend mit anschließendem Podium treffen, zur Sicherheit ein Jurist mit am Tisch sitzt. Literaturwissenschaftlich ist die Sache ja seit langem entschieden: Das Originalgenie ist eine kulturgeschichtlich vergleichsweise junge kulturelle Phantasie des Westens und die Weltliteratur selbstredend ein großes Gespräch zwischen Individuen, Kulturen und Epochen, in dem Echos und Zitate den Ton bestimmen. Für Goethe, den Erfinder des Weltliteratur-Begriffes, war das Plagiat folglich nur ein Problem unbegabter Autoren und damit schon im Ansatz marginal. Dass die Grenze zwischen „wiederkehrend“ und „kopiert“ ohnehin kaum festzulegen ist, sieht man zum Beispiel daran, wie nach Bühnengesprächen der Moderator immer „das Podium öffnet“ und ins Publikum fragt, ob vielleicht, ehm, noch Fragen oder, ehm, Anmerkungen sind und dann diese peinlich undemokratische Stille entsteht: Das ist immer gleich und trotzdem natürlich immer gleich echt. Diese Plagiatsdebatte hat auch deshalb so etwas Bedrückendes, weil sich Künstler plötzlich zu profanen Verwertungsmechanismen äußern müssen, wobei sie doch in Deutschland zuvor jahrhundertelang einen Status als quasi-sakrale Schöpferinstanzen kultiviert haben, die sich im Zweifelsfall eher den kollektiven Dämonen stellen würden als dem Wettbewerb. Noch unangenehmer ist vielleicht, dass sie sich darauf auch noch so übereifrig einlassen, wobei Masken fallen, die man lieber weiter an ihrem Platz gesehen hätte.

„Was wäre denn, wenn man das Urheberrecht in Zukunft wie das Patentrecht denkt?“ Der berüchtigte Aufruf „Wir sind die Urheber“ vor einigen Wochen zum Beispiel lief all jenen Erkenntnissen diametral zuwider, die sich in literaturwissenschaftlichen Instituten seit mehr als dreißig Jahren hinter den Schlagworten „Intertextualität“, „Einflussangst“ oder „Exophonie“ versammeln. „Urheben“ impliziert schließlich, dass da tatsächlich jemand den Anfang macht und so viel Naivität können die Literaturforscher im besten Falle nur milde übersehen. Gleichwohl gilt natürlich, was die Gastgeberin Anne-Kathrin Reulecke sagte: „Wir müssen ein System finden, das den subjektiven Urheber entlohnt, ohne dass wir dafür in der Texttheorie dreißig Jahre zurückgehen müssen.“ Dafür müssen neue Modelle her, und die wichtigen Anstöße könnten ausgerechnet vom Schwarm ausgehen. Im Berliner Literaturhaus jedenfalls kam der bemerkenswerteste Einfall aus dem Publikum: „Was wäre denn“, fragte ein Herr in dem roten Polohemd das verblüffte Podium, „wenn man das Urheberrecht in Zukunft wie das Patentrecht denkt?“ Das hatte man tatsächlich noch nie gehört: Was wäre also, wenn man das fertige Produkt nicht in seiner abschließenden Form schütze, sondern sozusagen als Matrize für die weitere Bearbeitung lizenziere – schließlich lasse die sich in der digitalen Gegenwart ohnehin nicht mehr kontrollieren? Vielleicht war das die wichtigste Lektion des Abends: So richtig Bewegung kam in die Debatte erst, als sich das Publikum artikulierte. FELIX STEPHAN

VON STEFAN WEIDNER

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enn man dieses Buch gelesen hat, weiß man endlich, was man als westlicher Leser selbst in den gelungensten Romanen aus der islamischen Welt immer vermisst hat, ohne es je so recht benennen zu können: Den Einblick in die fundamentalen Vorstellungswelten, den aus Mythen und Legenden gespeisten geistigen Unterbau der Menschen, von denen wir lesen. Dass wir so selten davon erfahren, verwundert genau besehen nicht, sind doch diese Vorstellungswelten für Autoren und Leser eine unhinterfragte Gemeinsamkeit. Es braucht einen wie Nedim Gürsel, um diesen Urgrund sichtbar zu machen. Einerseits schreibt Gürsel als muslimisch sozialisierter Autor für ein westliches Publikum; andererseits schreibt er als Verwestlichter für die türkischen Muslime, die selber in der Regel nur ein gebrochenes, bestenfalls restauratives Verhältnis zur eigenen Tradition haben. 1951 geboren, verbrachte Gürsel seine Kindheit in der Türkei, Jugend- und Ausbildungsjahre jedoch in Paris, wo er heute lebt und an der Sorbonne lehrt. Fast alle seine mittlerweile fünf Bücher auf Deutsch bezeugen, wie sich Gürsel auch deshalb in die Vergangenheit der osmanisch-islamischen Kultur versenkt, weil sie ihm keine selbstverständliche Tradition mehr ist: sei es in seinem (deutschen) Erstling über Mehmet II., den Eroberer Istanbuls, sei es in seiner Nacherzählung der anatolischen Legenden, „Sieben Derwische“.

Als frommer Muslim wollte der Großvater den Islam gegen die europäischen Mächte verteidigen Ganz besonders gilt dies für „Allahs Töchter“. Der Roman paart die – größtenteils autobiographische – Geschichte einer Kindheit geschickt mit der Darstellung des verlorenen kollektiven Imaginationsraums. Vermessen wird dabei nichts weniger als Religion, Geschichte, Nation mitsamt der bis heute offenen Wunde, die die Entstehung der modernen Türkei hinterlassen hat. Die Schlüsselfigur dafür ist der Großvater, denn das Kind Nedim wuchs bei den Großeltern auf und kam dadurch in den Genuss einer Verschiebung im Generations- und Sozialisationsgefüge der modernen Türkei, die seine nicht mehr osmanisch geprägten Altersgenossen nicht erfahren haben und die ihn überhaupt erst zu den besonderen Blicken und Einsichten befähigt, die wir als Leser jetzt so bewundern. Haci, Mekkapilger, wurde der Großvater genannt. In Wahrheit kam er nur bis Medina, und das als Gazi, wörtlich „Eroberer“: Er war Veteran. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er für das wankende Osmanische Reich, und Medina war die letzte Station der mit deutscher Hilfe gebauten Berlin-BagdadBahn und damit ein wichtiges Angriffsziel. Wann hat man in der türkischen Literatur überhaupt je davon gelesen? Gürsel gelingt es, an dieser in der Türkei wohlverdrängten Geschichte ein ganzes Bündel von Traumata aufzuarbeiten. Als frommer Muslim glaubte der Großvater den Islam gegen die europäischen Großmächte – verkörpert in Lawrence’s britisch-arabischen Truppen – zu verteidigen; zugleich aber kämpfte er gegen niemand anderes als die Nachfahren des Propheten. Gürsel referiert die Aufzeichnungen seines Großvaters, die er nur mit Hilfe eines Spezialisten für osmanische Handschrift entziffern kann. Wo die Grenze zwischen den Gedanken des Großvaters, der in Medina einen Arm verliert, und denen Gürsels zu ziehen wäre, wissen wir nicht. Aber was wir lesen, entspringt einem zutiefst humanen Geist, ist eine Art erzählerischer Versöhnung von Islam und Pazifismus, gerade weil die problematischen Seiten dieser Versöhnung nicht verschwiegen werden: „Wenn er ‚Nicht ihr habt sie getötet, sondern Allah hat sie getötet‘ vor sich hinmurmelte, dann überlegte er, ob er diesen und ähnliche Verse im Koran nicht kritisch hinterfragen sollte, doch dann bereute er diese Anwandlung. Allein Allah konnte wissen, was am besten, was am richtigsten war.“

„Du hast jene Fahrt auf den Holzbänken der dritten Klasse nicht vergessen, die vor dem Fenster vorbeiziehenden kahlen Hügel, die Kinder, die ,Zeituuung, Zeituuung!‘ schreiend dem Zug nachrannten.“ Reisende und die Bagdad-Bahn, 1935. FOTO: ULLSTEIN BILD Gürsels Buch ist aber noch viel mehr. Die Beschwörung der Kindheit im Schoß der Großmutter mündet in eine Nacherzählung der volkstümlichen Mythen des Islams, vor allem der Legenden über den Propheten. „Und wenn ich“, schreibt Gürsel, „geklaut habe, dann habe ich aus der gemeinsamen arabischen Überlieferung ge-

Noch einmal wird hier erzählt, wie der Islam die sinnenfrohe Welt der Heiden aus der Kaaba vertrieb klaut, ohne auf einen falschen Weg einzubiegen“. Die „geklauten“ Erzählungen entstammen der „offiziellen“ Mohammed-„Biographie“ (tatsächlich eher eine Sammlung von Heiligenlegenden) von Ibn Ishaq aus dem achten Jahrhundert. Nach und nach führt das Andenken an die Kindheit so zu einer Art religiöser Wiederverzauberung: Selbst der von französischer Aufklärung durchtränkte Autor kann sich dem Charme der einst aus dem Mund der Großmutter gehörten Geschichten nicht entziehen. Für uns abendländische Leser liegt der Reiz an anderer Stelle:

dass wir von diesen Legenden, die sonst nur der Spezialist kennt, überhaupt erst einmal erfahren. Sie prägen nämlich das Islambild der meisten Muslime mehr als die – den meisten Muslimen nur schwer zugänglichen – Texte in Koran und Hadith. Literarisch hat diese Nacherzählung der in der islamischen Welt weitverbreiteten Mythen freilich einen kleinen Haken: Mohammed wird von einer so penetranten Aura des Guten, Schönen, und – last but not least – Erfolgreichen umwabert, dass der Text zwar viele Kuriosa, aber wenig Spannung bietet. Mit den titelgebenden „Töchtern Allahs“, den heidnischen Göttinnen des vorislamischen Mekka, die in den berüchtigten „Satanischen Versen“ erwähnt werden, setzt Gürsel einen Kontrapunkt. Aus der Perspektive der religiösen Verlierer(innen) wird noch einmal erzählt, was geschah, als der Islam die sinnenfrohe Welt der vorislamischen Heiden aus dem Tempel – der Kaaba – vertrieb. Dass religiöse Eiferer in der Türkei wegen dieser Passagen vor Gericht zogen, wundert jedoch. Es mag Gläubigen nicht passen, dass die heidnischen Göttinnen auf einmal eine eigene Stimme bekommen. Doch im Endeffekt un-

terhält der Roman ein affirmatives Verhältnis zu der vom Erzähler heraufbeschworenen Religion seiner Kindheit. Zwar kann der Glaube von Fanatikern und Nationalisten missbraucht werden – Gürsel liefert zahlreiche Beispiele dafür –, ein integraler und letztlich positiver Bestandteil der türkischen Identität, so die Kernaussage des Buchs, ist er gleichwohl. Damit ließe sich dieser Roman in gewisser Weise sogar in die religiös-imperiale Renaissance einreihen, die die Türkei seit Erdogans Amtsantritt prägt und zu der auch die Wiederentdeckung des osmanischen Erbes zählt, von der Gürsel am Beispiel des eigenen Lebens berichtet.

Nedim Gürsel: Allahs Töchter. Roman. Aus dem Türkischen von Barbara Yurtadas. Suhrkamp Verlag, Berlin 2012. 346 Seiten, 24,95 Euro.

EIN AUFSATZ

Verdeutscht Wie Idee und Bezeichnung der „Uraufführung“ entstanden Das Schauspielhaus Zürich präsentierte 2007 ein Spektakel der besonderen Art. Gezeigt wurde eine Produktion des Theaterkollektivs Rimini Protokoll mit dem Titel: „Uraufführung: Der Besuch der alten Dame“. Das Stück widmete sich der Uraufführung von Dürrenmatts „Besuch der alten Dame“ 1956. Aber ist eine Uraufführung nicht schlechterdings unwiederholbar? Nun, jedenfalls ermutigte die Inszenierung dazu, das Konzept der Uraufführung neu zu überdenken – was meist ausbleibt, wenn man Michael Ott und Christoph Lepschy glauben darf. In ihrem Aufsatz „Uraufführung. Anmerkungen zu einem nur scheinbar trivialen Anfangsbegriff“ (in: „Urworte. Zur Geschichte und Funktion erstbegründender Begriffe“, Wilhelm Fink Verlag 2012, 274 S., 39,90 Euro) zeichnen die beiden Autoren nach, was vor lauter Selbstverständlichkeit unverständlich wurde: die Geschichte der Uraufführung. Die Uraufführung reiht sich dabei in dem von Michael Ott und Tobias Döring herausgegebenen Sammelband in eine interessante Reihe von Ursprungsbegriffen ein: „Urknall“, „Ureinwohner“, „Urgeschichte“, „Ursuppe“, „Urgestein“ . . . Die Uraufführung sei eine „erstmalige öffentliche Aufführung eines vorher nie gespielten dramatischen oder musikalischen Werkes“, meint das „Deutsche Theaterlexikon“. Ergiebiger erweist sich dagegen das „Grimmsche Wörterbuch“. Unter dem Stichwort „Uraufführung“ heißt es 1936: „Seit beginn des 20. jhs. für fr. première aufgekommen.“ Und vorher? Griechische Tragödien wurden ursprünglich nur einmalig, während der Feierlichkeiten zu Ehren des Gottes Dionysos, gespielt; erst später wurden im klassischen Athen auch Wiederaufführungen im Theater zugelassen. Im Mittelalter hatten geistliche Spiele einen festen Platz im sakralen Kontext, wo sie immerzu wiederholt wurden. Performanz, Varianz des Mythos und kultische Wiederkehr dominierten lange Zeit das Aufführungsgeschehen. Bei Aristoteles deutete sich dann an, was später auch die Weimarer Klassik prägte: der Primat des Textes gegenüber der Aufführung. Nun wurde davon gesprochen, dass ein dramatisches Werk „zum erstenmal gegeben“ (Goethe) werde. Von „Uraufführung“ ist allerdings auch hier noch keine Rede. Solange der Text gegenüber der Darstellung wesentlich ist, wird eher eine Veröffentlichung als eine Aufführung umjubelt. Das änderte sich erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts – vor allem durch die Schriften Richard Wagners und Friedrich Nietzsches. „Die Verzauberung ist die Voraussetzung aller dramatischen Kunst“, meinte Nietzsche, für den, ebenso wie für Wagner, der Zuschauer ein gewichtiger Teil des „Gesamtkunstwerks“ war, das sich nur in Aufführungen als Ereignis realisieren ließ. Mit dieser Aufmerksamkeitsverschiebung ist die Entstehung der Uraufführung aus dem Geiste der Moderne markiert, noch nicht jedoch der Siegeszug der Bezeichnung. Dieser hat vorwiegend politische Gründe: 1885 wurde im Kaiserreich der Allgemeine Deutsche Sprachverein begründet, der sich die „Reinigung der deutschen Sprache von unnötigen fremden Bestandteilen“ zur Aufgabe machte. 1901 konstatierte das Vereinsblatt: „Die Deutsche Bühnengenossenschaft führt mehrere Verdeutschungen ein. Für ‚Première‘ wird ‚Uraufführung‘ gesagt.“ Die Premiere verblasste sodann im Deutschen zur ersten Aufführung der neuen Inszenierung eines Stücks im Sinne des Regietheaters – für eine Premiere brauchte es nun kein neues Stück, keinen neuen Text mehr. Während die Uraufführung konzeptionell eine Erfindung der modernen Emphase des Ereignisses ist, ist sie also terminologisch ein Produkt nationalistischer Sprachreinigungspolitik. Heute fällt hingegen so manche Zweitaufführung der „gefräßigen Logik derdauernden kulturellen Wiederholung von Erstmaligkeit“ zum Opfer. Dieses Problem hatte Friedrich Dürrenmatt nicht: Sein „Besuch der alten Dame“ wurde sogar zweimal uraufgeführt – in den Jahren 1956 und 2007. PHILIP KOVCE

Das Vermeiden kann auf Dauer nicht vermieden werden Denken durch die Hintertür: Mit Freude am konstruktiven Unsinn stellt Andreas Urs Sommer verdeckte Ermittlungen über ungeschriebene philosophische Werke an Dichter sind Lügner, meinte Platon. Philosophen sind auch nicht besser. Schlimmer noch, sie sind Betrüger. Das könnte der Leser des vorliegenden Lexikons während der Lektüre meinen. Wahres, überprüfbares Weisheitswissen bietet der schöne Band aus der „Anderen Bibliothek“ gerade nicht. Im Gegenteil. Es geht nicht um lexikalisches Wissen, eher um Stil. Und deshalb ist dieses Lexikon eine gute und anspruchsvolle Hinführung zu philosophischem Denken, keine Einführung in Werke. Es handelt sich nicht um eine philosophische Hintertreppe, wir erfahren nichts von Xanthippe, der Gattin des Sokrates oder Heideggers Pluderhosen, sondern nähern uns durchs Souterrain dem Denken. Da liegt nämlich das Ungehobene, Unveröffentlichte, Ungedachte. Der Verfasser des „Lexikons der imaginären philosophischen Werke“ wählt einen barock anmutenden Titel und spielt den Gedanken durch: Was wäre, wenn gewisse unentdeckte, ungeschriebene Werke der Philosophen nicht unentdeckt geblieben wären?, und er spekuliert über ganz andere Werke von Seneca und Schelling, Husserl

und Leibniz. Das Unverfasste vermag so aus der Fassung zu bringen, freudvoll zu irritieren. Es geht einerseits um das Weiterdenken, Gegendenken und Andersdenken bekannter Meisterdenker, aber auch um das Initiativwerden und Entdecken schlechthin. Denn Entdecken ist nur die andere Seite des Verdeckens. Es überrascht also nicht, dass Urs Andreas Sommer unter dem Stichwort „Philosophieverwaltungswissenschaft“ am Ideal der aufgeklärten Kommunikationsgemeinschaft zweifelt. Ihr hält er die „Investigative Philosophie“ entgegen: „Vielleicht gewinnt Philosophie als Kombination von verdeckter Ermittlung und Enthüllungsjournalismus gegenwärtig ein neues öffentliches Profil.“ Wer enthüllt, verhüllt zugleich. Insofern ist Weisheitsliebe immer auch ein Stück weit Freude am Unsinn und inspirierte Tölpelei. Und da ist Glück. Wer schwere philosophische Texte gewohnt ist, wird diese Freude am konstruktiven Unsinn spüren. Was wäre etwa, wenn der Dominikaner Thomas von Aquin das zweiseitige Fragment „De plenitudine“ hinterlassen hätte, über die ontologische Fülle, die Seinsfülle,

die letztlich in Leibesfülle mündet? Sommer hat, um im Bild zu bleiben, philosophische Autoren auf die Waage gelegt und seinen Spaß dabei. Was wäre, fragt er weiter, wenn die Ehefrauen der Philosophen Fragmente hinterlassen hätten ( „fragmenta uxorum philosophorum“), oder die „Bewerbungsakten“ auf Lehrstühle von Plato bis Schelling erhalten geblieben wären? Der Autor ordnet dann die möglichen Werke in den Korpus der bestehenden Werke ein, nennt Erstveröffentlichung, spekuliert über Rezeption und Wirkung, nennt Referenzen, potentielle Quellen. Der Freiburger Philosophieprofessor und Nietzsche-Kommentator Andreas Urs Sommer will eine Geistesgeschichte des Ungedachten bieten. Er räumt dem Möglichen über das Wirkliche lustvoll Vorrang ein. Es geht also weniger um kanonisiertes Wissen als ums Gegenteil, das Offenhalten für Alternativen. Das alles ist aber keine humoristische Abrechnung mit der Systemversessenheit der Disziplin oder dem Überhang idealistischer Forschung. Es bietet eine „Philosophie der Homöopathie“, eine Entlastung in heilender Absicht. Der Autor

ist ein freundlicher Anstifter, ein sympathischer Krimineller, ein philosophischer Betrüger, ein verdeckter Ermittler. Wüsste man nicht, dass er gebürtiger Schweizer ist, würde man ihn im Umfeld des „AlpenBeckett“ Thomas Bernhard vermuten. Unter dem Lemma „Tote sprechen. Mit Toten sprechen“ spekuliert Sommer über eine Abhandlung zur Theorie der Geschichte der Philosophie des namhaften Philosophiehistorikers Karl Vorländer. Der Respekt vor den Vätern dürfe nicht verhin-

Der Autor dieses „Lexikons“ ist ein sympathischer Betrüger dern, stets erneut anzufangen. Philosophie müsse praktiziert werden als „Erhabenheitsvernichtungsmaschine“. Die Historie wird gleichwohl in ihr Recht gesetzt. „Deshalb dürfe Philosophiegeschichte nicht als die Disziplin verstanden werden, in der die toten Philosophen ihre Stimme erheben, sondern als die Disziplin, in der die Lebenden die Toten im Zaume hielten und gegen ihre eigene, lebendige Stimme behaupteten.“

Sommer macht sich auch lustig über ein unbekanntes Werk von Mark Zuckerberg mit dem Titel „Sharing“: US-Kommunitarismus und Urchristentum teilen sich darin das Teilen; franziskanische Einflüsse führen zur Devise: „Teilt, auf dass ihr nicht geteilt werdet.“ Der Lexikograph imaginärer Werke erinnert aber auch an vergessene, tatsächliche Autoren wie Philipp Mainländer (1841-1876), der eine „Philosophie des Schmerzes“ gut hätte geschrieben haben können. In ungleichmäßig langen Einträgen geht es hier mal um die „Grenzen der Person“ von Lars Gustafsson oder „Ordnung machen“ von Joseph Alois Schumpeter. Das kann man als maniriert ablehnen oder als nietzscheanischen Stilizismus bewundern. Ein gehöriges Pfund Esprit und Geschichtskenntnis gehört allemal dazu. Anders als „Die philosophische Hintertreppe“, mit der Schülergenerationen gequält wurden, bietet Sommer eine Art Hintertür, einen Fluchtweg, dass alles auch anders sein könnte. Von „Angstkult“ bis „Vergessenkönnen“ kann man in diesem imaginären Lexikon blättern. Der philosophisch

weniger vorgebildete Leser wird sich gelegentlich angestrengt fühlen, der einschlägig vorgebildete Leser wird sich gelegentlich auf die Schenkel klopfen vor Freude am respektlos ehrfurchtsvollen Umgang mit den Altvorderen. Andreas Urs Sommer führt vor: Es macht Spaß Philosophiegeschichte zu betreiben, aber nicht um der Historisierung willen. Er lehrt uns, stets auch mit dem Ungeschriebenen zu rechnen. Das Vermeiden könne auf Dauer nicht vermieden werden. Philosophieren kann man nicht ohne ihre Betreiber, ohne Philosophen. Ein Glück, dass dieses Lexikon nicht ungeschrieben blieb. Dass es nicht nur darauf ankommt, anders zu denken, sondern auch anders zu leben, diese wertvoll unakademische Einsicht ist dem Buch als Motto vorangestellt. Sie stammt von der unimaginären Frau des Autors, die keine Xanthippe sein kann. MICHAEL KÖHLER

Andreas Urs Sommer: Lexikon der imaginären philosophischen Werke. Die Andere Bibliothek (Band 326), Berlin 2012. 360 Seiten, 32 Euro.


FORUM & LESERBRIEFE

DEFGH Nr. 156, Montag, 9. Juli 2012

15

HF3

PFLEGE

VAT I K A N

„Da musst du selber schauen“

Schlimme Nachricht

Zum Artikel „Am Ende nur Schrecken“ vom 22. Juni über Sadismus in einem saarländischen Altenheim:

„Auf dem Weg nach Rom“ vom 30. Juni: Heute mussten wir hören: Bischof Gerhard Ludwig Müller wird oberster Glaubenshüter im Vatikan! Eine schlimme Nachricht für alle Christen, die darauf hoffen, dass die katholische Kirche sich endlich der Alltagssorgen der Menschen beherzt annimmt. Die Ausgrenzung der Laien aus seinen diözesanen Gremien ist noch in unguter Erinnerung. Mit der Disziplinierung kritischer Priester schuf er in seiner Diözese ein Klima der Angst. Im Umgang mit den evangelischen Christen erwarb er sich keinen guten Namen. Wir brauchen in der Kirchenleitung nicht in erster Linie profilierte Theologen, sondern Menschen, die sich fragen: „Wie hätte Jesus in dieser konkreten Situation oder an diesem Menschen gehandelt?“ Hans Oehler, Bad Kreuznach

In einer modernen (funktional-differenzierten) Gesellschaft wie der unseren haben autoritäre Tendenzen kaum eine Chance sich durchzusetzen. Es scheint aber, dass dies auf die Ebene der Organisationen nicht unmittelbar übertragbar ist, und mithin auch nicht auf Pflegeeinrichtungen. Hier herrschen mitunter Zustände, die noch einer tribalen Gesellschaftsform entstammen und von (Pflege-)Organisationen weiterhin tradiert werden. Gerade in Organisationen, die existenzielle Aufgaben wie die der Pflege multimorbider und dementer Menschen fachkompetent bearbeiten sollen, scheint es dann besonders auffällig, wenn es zu Eskalations-Szenarieren kommt. In einer Gesellschaft, deren politisches Führungspersonal die massenhafte Berufung von Langzeitarbeitslosen für die Pflege zum politischen Programm erhebt, sind die politisch-kulturellen Grundlagen für weitere Exzesse in der Pflege gelegt. Kein Politiker käme beispielsweise auf die Idee, mit einer vergleichbar programmatisch angelegten Intention Langzeitarbeitslose für das Versicherungs- und Bankengewerbe zu gewinnen. Daneben werden zentrale Aspekte organisational verankerter Verantwortung ausgeblendet. So sind mehr als 40 Prozent des Managementpersonals in den Pflegeeinrichtungen formal und materiell nicht hinreichend für ihre Aufgaben qualifiziert und dürfen lediglich auf der Basis von behördlich erteilten dauerhaften Ausnahmegenehmigungen ihr Handwerk verrichten. Im industriellen Sektor wäre so etwas unvorstellbar. Die Bearbeitung der nicht selten schwerwiegenden Folgen, die zwangsläufig aus den herausfordernden Betreuungsaufgaben in der Pflege entstehen können, delegieren nicht wenige Leitungskräfte von Pflegeeinrichtungen dann auf ihre Mitarbeiter. „Da musst du selber schauen, wie du damit zurechtkommst, wenn dich die Pflege von Frau M. überfordert“ (Originalzitat einer Leitungskraft). Die Kollateralschäden der Überforderung werden also besten-

Ende einer Knechtschaft

Euro-Rettungsschirm und Fiskalpakt vor Gericht: Das Bundesverfassungsgericht verhandelt am morgigen Dienstag über mehrere Eilanträge.

FOTO: DAPD

„Des einen Freud, des anderen Leid“ – doch wer freut sich hier und wer leidet? Die Regensburger freuen sich mit Sicherheit: Elf Jahre Knechtschaft gehen zu Ende. Es waren Gott sei Dank nicht 40 biblische Jahre, doch es waren elf Jahre zu viel! Der bayerische Steuerzahler freut sich sicher auch – unabhängig davon, welcher christlichen Konfession oder Religion er angehört. Denn er muss nicht mehr Geld dafür zahlen, dass dieser rechtmäßige Nachfolger der Apostel unumschränkten Totalschaden anrichtet. Das wird jetzt in Rom geschehen. Marcus Schrömer, München

WÄ H R U N G S U N I O N U N D G R U N D G E S E T Z

Steter Lauf über die Hürden des Rechts

Z

u den Artikeln „Das Finale nach dem Ende“ (29. Juni), „Merkel wappnet sich für Prozess in Karlsruhe“ (26. Juni), „Recht, Macht, Volk“ (25. Juni), „Mehr Europa unter dieser Nummer“ (23. Juni) und „Wichtiger als der Euro“ (20. Juni):

Grenzlinie überschritten Eine ernsthafte politische Diskussion zu einer Volksabstimmung wäre immerhin ein Fortschritt, sofern damit anerkannt würde, dass der bisherige Weg der Euro-Politik, den Dietrich Murswiek als „Aneinanderreihung von Rechtsbrüchen“ beschreibt, nicht akzeptabel ist. Doch damit verbinden sich neue Verfassungsprobleme. Heribert Prantl erwähnt hier nicht von ungefähr das Euro-Urteil des Bundesverfassungsgerichts von 1998, das die gegen die mit inhomogenen Staaten geschlossene und deshalb vom Kollaps bedrohte Währungsunion gerichteten Verfassungsbeschwerden als „offensichtlich unbegründet“ kurzerhand ebenso verwarf wie die gegen die schon damals desolate und rudimentäre Informationspolitik der Bundesregierung ankämpfende Verfassungsbeschwerde. Nachträglich wird man bedauern, dass das Gericht vor der Dramatik der auch dem Grundgesetz drohenden Gefahr die Augen schloss und der damals unter starkem außenpolitischen Druck stehenden Bundesregierung nicht das Mittel lieferte, „So nicht!“ zu sagen und damit frühzeitig der Malaise zu begegnen. Doch das ist Historie; die Euro-Politik setzte wie bisher und vom Verfassungsrecht nicht behindert, ihren Lauf über die Hürden des Rechts fort: Die im Vertrag aus gutem Grund verbotene Finanzierung der Schulden von Mitgliedstaaten durch die Union oder andere Mitgliedsstaaten sah sich auf den Kopf gestellt, die vom Vertrag als Hüterin einer stabilen Währung konzipierte Europäische Zentralbank verwandelte sich unversehens in einen Financier von Schuldenstaaten. Der vereinzelten Kritik schlug die monotone Rhetorik entgegen, die Währungsunion sei ein Schritt zur politischen Integration Europas, gegen die nur Nationalisten und Traditionalisten sein könnten. Als sich indessen das Fiasko der Währungsunion abzeichnete, wechselte

Überlastet Die Aussage, dass viele Pflegekräfte überfordert sind, ist schlichtweg eine Unverschämtheit. Es handelt sich vielmehr um Überlastung. Es sind einfach zu wenig Pflegekräfte auf den Stationen tätig, obwohl Pflegebedürftige und deren Angehörige monatlich zwischen 3000 und 4000 Euro bezahlen. Elisabeth Findeisen, Fürstenfeldbruck

falls im Privatbereich der Mitarbeiter beund verarbeitet. Die Pflege leidet nicht nur unter Fachkräftemangel und einer chronischen, ebenfalls politisch verantworteten Unterfinanzierung, sondern unter zum Teil erheblichen Kompetenzdefiziten im Management. Getragen werden diese Zustände von einer Politik, die sich ihre blinden Flecken des Nichtwissens selbst konstruiert. Manfred Borutta, Roetgen Abonnement: www.sz.de/abo Die Süddeutsche Zeitung wird als Zeitung und digital vertrieben. Sie erscheint werktäglich, freitags mit SZ Magazin. Monatsbezugspreise inkl. Umsatzsteuer: ZeitungbeiZustellungfreiHaus:inBayern 45,90Euro,außerhalbBayerns 48,90 Euro, für Studierende 23,90 Euro (nach Vorlage einer Bescheinigung). Weitere Preise (z.B. im Ausland) und Bestellung online. SZ Digital (inkl. SZ E-Paper): 29,99 Euro, Vorzugspreis für Abonnenten 7,50 Euro. Bankverbindung: Postbank München 5 54 18 03, BLZ: 700 100 80. Das Abonnement kann schriftlich mit einer Frist von vier Wochen zum Monatsende bzw. zum Ende eines vorausberechnetenBezugszeitraumes gekündigt werden. Abonnenten- und Leserservice: Telefon(089) 21 83-80 80,Fax (089) 21 83-82 07, www.sz.de/abo und www.sz.de/digital (Bestellung, Information, Service) SUEDDEUTSCHE ZEITUNG (USPS No. 0541550) is published daily except Sunday and holidays by Sueddeutsche Zeitung GmbH. Subscription price for USA is $ 590 per annum. K.O.P.: German Language Pub., 153 S Dean St, Englewood, NJ 07631. Periodicals postage is paid at Englewood, NJ 07631 and additional mailing offices. Postmaster: Send address changes to: SUEDDEUTSCHE ZEITUNG, GLP, POBox 9868, Englewood, NJ 07631.

die bisherige Sprachregelung die Fahnen: Nunmehr ist aus den politischen Lagern zu vernehmen, zur Rettung des Euro seien zusätzliche europäische Kompetenzen und Behörden mit unmittelbaren Kontrollund Durchgriffsrechten unerlässlich. Man kann nur hoffen, dass das Bundesverfassungsgericht den Mut aufbringt, sich nicht mehr mit den seit jenem im Unbestimmten lavierenden Maastricht-Urteil von 1993 dringlicher werdenden Mahnungen zu begnügen, den Mitgliedsstaaten der Europäischen Union müsse „ein angemessener Raum zur politischen Gestaltung der wirtschaftlichen, kulturellen und sozialen Lebensverhältnisse verbleiben“, sondern klipp und klar erklärt, die Entmündigung des parlamentarischen Gesetzgebers und die Entleerung der grundgesetzlichen Verfassungssubstanz habe die Grenzlinie der grundgesetzlichen Ordnung überschritten und sei „unzulässig“ ( Art. 23 Abs. 1 Satz 3, Art. 79 Abs. 3 Abs, 3 GG). Das Grundgesetz ermächtigt nicht zur Aufhebung seiner selbst, vielmehr bedürfe dies – falls inhaltlich überhaupt zulässig – einer anderen Verfassung, die, wie auch Prantl hervorhebt, nur unmittelbar vom ganzen Volk als Inhaber des pouvoir constituant beschlossen werden kann ( Art. 146

Wahnsinn Wir würden immer ärmer werden. Immerhin haben schon mehr als 12 000 Menschen Verfassungsbeschwerde eingereicht. Es bleibt zu hoffen, dass dieser Wahnsinn noch gestoppt werden kann. Johannes Auer, Dortmund

GG). Vor allem aber könnte eine solch klarstellende Entscheidung verhüten, dass die Bürger eines Tages des ohnehin ungeliebten europäisch-bürokratischen Regiments über Völker mit eigener Geschichte, eigener Tradition, eigener Kultur, eigener Mentalität und eigener Lebensweise vollends überdrüssig werden und dann eine tragische Situation des Zerfalls Europas entstehen könnte, bei dem wertvolles europäisches Porzellan zerbräche. Von oben errich-

tete und mit straffer Zentralgewalt agierende Vielvölkerstaaten sind vom Scheitern nicht verschont und neigen dazu, unter erheblichen Konvulsionen in ihre Einzelteile zu zerfallen. Prof. Hans Rupp,Mainz

Schularbeiten machen! Es sind die vom Volk gewählten Politiker Deutschlands, welche die lebendige Ausübung demokratischer Rechte in der Breite unserer Gesellschaft verhindern. Im Angesicht des Irrtums „Euro“ und seiner furchtbaren Praxisergebnisse beabsichtigen nun CDU, CSU, SPD, Grüne und FDP Deutschland mit dem Begriff „Abgabe von nationalen Souveränitätsrechten“ im Grundgesetz festgeschriebene Beteiligungsrechte des Volkes zugunsten einer EU zu entreißen. Rechte, die nie wieder rückholbar sein werden! Diese Rechte sollen einer EU zu einem Zeitpunkt übertragen werden, in der sich 27 Länder durch grundlegende Unterschiedlichkeiten in der politischen Entwicklung und in den Reglements der Sozialstaatlichkeit, im Wirtschaft- und Steuerrecht – um nur einige zu nennen – auszeichnen. Ehe das Volk im ersten Schritt „um seine Staatsgewalt, die von ihm auszugehen hat“, gebracht wird, hat als Erstes die EU für die gesamte Breite eines Staatswesens „Schularbeiten“ zu machen: Diese Arbeit sollte allerdings nicht von der derzeit agierenden Politik konzipiert werden. Wissenschaftler der Staatsrechte und der Wirtschaft und Finanzen gehören damit befasst. Erst wenn über das Ergebnis in allen 27 EU-Mitgliedsstaaten Volksabstimmungen abgehalten wurden, kann Deutschland sich im Wissen oder Ahnen, wohin die Reise der EU nun geht, der Frage in ausgesprochener Gründlichkeit zuwenden, ob an diese EU überhaupt Rechte des Souverän abgetreten werden sollten. Ulrich Schönian, Evessen

Absolute Immunität Der fehlende Zwang zur Übernahme von Verantwortung ist die Grundursache für die derzeitige Finanzkrise. Unsere Politiker haben das Bankensystem derart entregelt, dass dieses durch hierdurch entstehende Gewinnchancen geradezu gezwun-

gen war, unverantwortlich zu spekulieren. Durch Bankenrettung wurde dann das letzte Quäntchen Risiko bei Fehlspekulation abgefedert, und nun soll es mit dem ESM eine Organisation richten, deren Entscheider absolute Immunität genießen und sich deshalb nie verantworten müssen. Richard Geist, München

Das Volk wird ruhiggestellt Die vorgesehenen Gesetze zum Fiskalpakt und zum Rettungsschirm ESM „ebnen“ den Weg, dass es zum Zusammenbruch Deutschlands und Europas kommen wird. Ganze Generationen werden darunter schwerst zu leiden haben. Unsere Kinder und Enkel werden fragen, warum habt „ihr“ nicht Widerstand geleistet, wie es doch das Grundgesetz mit seinem „Recht auf Widerstand“ jedes Deutschen vorgesehen hat? Das Bundesverfassungsgericht wird wieder keinen Mut haben, eine Volksabstimmung zu verlangen. Dass das Gericht nur „einige Tage“ benötigt, über vorläufigen Rechtsschutz gegen die anstehenden Euro-Gesetze zu entscheiden, zeigt erschreckend auf, wie man die Eilanträge abschmettern wird, wie auch die „Hauptsachen“. Dass der Bundespräsident um NichtUnterzeichnung ersucht wurde, dient nur der „Ruhigstellung“ des Volkes. Nie wird dieses Gericht eine Volksabstimmung verlangen. Wilhelm Markgraf, Schwabach

Weg in die totale Abhängigkeit Bundeskanzlerin Angela Merkel möchte uns weismachen, dass der ESM bei den Finanzmärkten Vertrauen und Stabilität schafft. Ein Vertrag, bei dem ein Gouverneursrat den Ausgabekurs beispielsweise auf das Zehnfache des Nennwertes festlegen kann. Das wären dann für Deutschland statt 190 Milliarden Euro plötzlich 1,9 Billionen Euro, ohne dass dafür der Bundestag noch einmal gefragt werden müsste. Der muss dann „unwiderruflich und uneingeschränkt“ innerhalb von sieben Tagen das Kapital liefern und/oder dafür haften. Das öffnet Tür und Tor für den direkten Weg in die totale Abhängigkeit und Knechtschaft der Finanzmärkte oder den beschleunigten deutschen und europäischen Staats-

bankrott. Mit ihrem derzeitigen Handeln bringt Merkel nicht nur unser Steuergeld in große Gefahr, sondern auch unsere genauso hart erarbeitete Demokratie. Wenn wir Deutschen eins aus unserer Geschichte gelernt haben sollten, dann ist es, unserer Regierung rechtzeitig Einhalt zu gebieten. Und eins noch: Warum tritt der ESM schon zum 1. Juli 2012 in Kraft und der Fiskalpakt für mehr Haushaltsdisziplin erst im Januar 2013? Da kann viel Geld den Bach hinunterlaufen. Michèle Forstmaier, Lengdorf

Weichgespült Immer mehr werden unser Grundgesetz und die Demokratie weichgespült. Man muss sich fragen, ob alle – Volk und Legislative – es sich nicht zu leicht machen. Aber: „Was tun?“ sprach Zeus! Johanna Brückmayer, Dachau

Sie wissen nicht, was sie tun Der Artikel „Merkel wappnet sich für Prozess in Karlsruhe“ hinterlässt in Bezug auf unsere politische Führung erkennbar den Eindruck: „Sie wissen nicht mehr, was sie tun.“ Vielleicht hat es die liebe Frau Bundeskanzlerin Angela Merkel ja bereits vergessen, aber der „Schlachtruf“ der Bürger der ehemaligen DDR – „Wir sind das Volk!“ – dieser Ruf gilt auch jetzt und für alle Bürger des vereinigten Deutschlands! Gerade in Fragen des eigenen, im Grundgesetz verfassten nationalen Staatsverständnisses. Josef Stümpfl, Tutzing Leserbriefe sind in keinem Fall Meinungsäußerungen der Redaktion. Wir behalten uns vor, die Texte zu kürzen. Es können nur Zuschriften veröffentlicht werden, die sich auf benannte Artikel der Süddeutschen Zeitung beziehen. Zuschriften ohne Angabe des vollen Namens und der vollständigen Adresse können wir leider nicht bearbeiten. Bitte geben Sie für Rückfragen auch immer Ihre Telefonnummer an. Fax: 089/21 83-85 30 forum@sueddeutsche.de

DAS WETTER Teils freundlich, teils wechselhaft 25° bis30°

Nur mäßig-warme und relativ feuchte Meeresluft erreicht uns heute in Mitteleuropa. Allerdings lässt die Schauerund Gewittertätigkeit in einigen Gebieten vorübergehend nach.

20° bis25°

Aussichten

über30°

19° 13°

Südwestwind 30 km/h

Kiel

Hamburg

Rostock

21° 13°

5° bis10°

Berlin

Münster

Köln

22° 12° 23° 12° 25° 9°

Genf

22° 12°

20° 13°

Zürich

15° bis20° 10° bis15°

22° 13°

18° 14°

Deutschland

Wetterlage

0° bis5°

24° 13°

Die Zahl der Schauer nimmt im Norden und Westen sowie am bayerischen Alpenrand rasch zu. Hier blitzt und donnert es häufig. Im Osten und später auch zwischen dem Oberrhein und dem Oberpfälzer Wald bleibt es freundlicher, hier sind Schauer eher die Ausnahme. Die Höchstwerte erreichen 16 bis 24 Grad. Es weht ein schwacher bis mäßiger, an der Nordsee frischer, in Böen starker Wind.

-5° bis0° -10° bis-5°

Dresden

Dienstag

Mittwoch

Donnerstag

unter-10°

Frankfurt

21° 12° Stuttgart

24° 11°

23° 12° 21° 12°

Westwind 15 km/h

24° 12°

28° 16°

München

Sonne und Mond Wien

Salzburg Innsbruck

(Angaben für München)

23° 13°

05:23 21:14

23:46 12:08

11.07.

19.07.

26.07.

Wetterhistorie München Maximum 1972: 34,5°C / Minimum 1903: 6,4°C Quelle: www.wetterkontor.de

Nu ullgraadg greenze:: 3700 0m

02.08.

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Europa wolkig Schauer Schauer Schauer wolkig Schauer wolkig Schauer heiter Schauer Schauer Schauer wolkig Gewitter Schauer Schauer wolkig wolkig Schauer Schauer Schauer Schauer wolkig wolkig wolkig wolkig Schauer Schauer wolkig Schauer wolkig Gewitter Schauer wolkig Schauer Schauer Schauer Schauer wolkig Schauer Schauer Schauer

24° 20° 12° 20° 24° 20° 23° 20° 15° 18° 23° 23° 18° 21° 21° 23° 24° 23° 21° 20° 23° 20° 24° 24° 24° 17° 20° 24° 23° 24° 23° 19° 20° 25° 20° 21° 19° 21° 22° 20° 21° 4°

Europa

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Luft 17° 18° 17° 36° 33° 30° 30° 33° 34° 36° 26° 34° 35°

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Wasser 15° 17° 17° 21° 27° 25° 22° 28° 27° 25° 22° 27° 25°

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12.00 Uhr UTC heiter Gewitter Schauer heiter sonnig Schauer heiter Gewitter Schauer wolkig Gewitter wolkig sonnig sonnig sonnig sonnig sonnig wolkig heiter sonnig Gewitter Schauer heiter Gewitter Schauer sonnig Gewitter Schauer Schauer wolkig Gewitter wolkig wolkig heiter wolkig heiter Schauer wolkig sonnig sonnig heiter sonnig Regen

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WISSEN

HF3

Montag, 9. Juli 2012, Nr. 156 DEFGH

Gebt das Horn frei Würde ein legaler Handel die Nashorn-Wilderei eindämmen? Auch Barendina hat ihr Horn verloren. Diebe schnitten dem Rhinozeros vor wenigen Monaten das vermeintlich kostbare Stück ab. Doch an dieser Beute dürften sie wenig Freude gehabt haben: Barendina ist kein lebendes Tier, sondern eine NashornSkulptur aus Fiberglas auf dem Gelände eines Zuchtzentrums in Südafrika. Dass nun sogar Kunststoff-Hörner geklaut werden, zeigt, wie groß das Problem der Wilderei in Südafrika ist. Viele private Tierparkbesitzer und Wissenschaftler schlagen nun einen neuen Weg vor, um die Jagd auf Rhinozeros-Hörner zu stoppen. Der Hornhandel solle freigegeben werden, fordern sie. Wird die Nachfrage legal bedient, entzieht das dem illegalen Handel den Boden, so lautet die Theorie. Neuerdings denkt auch die Umweltministerin Südafrikas öffentlich über die Freigabe des Handels mit Rhinozeroshorn nach. Seit 2008 ist die Wilderei in Südafrika sprunghaft gestiegen, von etwa zwölf toten Tieren pro Jahr auf 448 erlegte Nashörner 2011. Mittlerweile werden fast täglich zwei Nashörner abgeschlachtet, 2012 starben bereits 251 Tiere. Schmuggler bringen die Hörner nach China und Vietnam, wo Nashornpulver als Heilmittel gilt. Auf dem Schwarzmarkt bringt ein durchschnittlich großes, sieben Kilogramm schweres Horn etwa 350 000 Euro ein. Das macht es wertvoller als Gold oder Kokain. „Wird die Wilderei-Rate nicht gedrosselt, werden bereits 2016 mehr Nashörner getötet als geboren werden“, sagt Markus Hofmeyr, leitender Tierarzt bei der südafrikanischen Nationalparkbehörde. „Hält das Tempo an, sind die Tiere 2050 ausgerottet.“ Ein Blick nach Asien zeigt, dass diese Warnung nicht übertrieben ist: Zwei der drei asiatischen Nashornarten sind durch Wilderei annähernd ausgerottet, die dritte Art gilt als hochgradig gefährdet. 83 Prozent der insgesamt 25 000 afrikanischen Rhinozerosse leben in Südafrika. Rund 5000 Breitmaulnashörner sind im Besitz privater Tierparkeigentümer. Ihr Schutz ist schwierig und teuer: Die Gebiete in denen die Tiere leben, sind weitläufig, die Zäune müssen täglich kontrolliert werden, Muttertieren wird oft ein Leibwächter zur Seite gestellt. Deshalb enthornen die meisten Farmer ihre Tiere mittlerweile. Doch manche Tiere werden trotz Hornstumpen Opfer der brutalen Schlächterei. Viele Nashornfarmer haben sich der Private Rhino Owners Association angeschlossen und fordern nun die Freigabe des Hornhandels. Schätzungsweise 20 Tonnen Horn lagern in Südafrika, ein großer Teil im Besitz privater Nashornfarmer. „Wir können den Bedarf an Horn 15 bis 30 Jahre lang bedienen“, sagt John Hume, der größte Nashornfarmer der Welt, der allen seinen 764 Nashörnern die Hörner abschneiden hat lassen. „Das gelagerte Horn ist Millionen wert. Der beste Weg, die Zukunft der Nashörner zu sichern, ist, lebendige Tiere wirtschaftlich wertvoll zu machen.“ Rhinohorn wächst wie menschliche Fingernägel nach und könnte somit fortlaufend „geerntet“ werden. Die Bekanntmachung der Umweltministerin hat eine hitzige Debatte ausgelöst. Tierschutzorganisationen wie OSCAP (Outraged SA Citizens Against Poaching) und der WWF machen darauf aufmerksam, dass die Rechnung der Legalisierungsanhänger einige Unbekannte enthält. So wird davon ausgegangen, dass der legale Verkauf des Horns zu einem Preissturz führen wird, der die Wilderei unattraktiv macht. Die Freigabe des Hornhandels könnte die Nachfrage aber auch weiter anheizen, wie unlängst beim Elfenbein geschehen. Und kann die Nachfrage legal nicht bedient werden, wird weiter gewildert werden. Vorerst bleibt der Handel mit Horn ohnehin verboten, denn für ein neues Handelsabkommen müssten sich zwei Drittel der Abstimmungsberechtigten für eine Änderung des Artenschutzabkommens aussprechen. Experten vermuten, dass eine solche Änderung mehrere Jahre beanspruchen würde. JULIETTE IRMER

Entlang dem Äquator, wo die Passatwinde beider Erdhälften aufeinandertreffen, kommt es in großer Höhe zu heftigen Unwettern. Das Wolkenband ist ein Symptom der Intertropischen Konvergenzzone.

FOTO: NASA

In Teufels Küche Vor drei Jahren verschwand ein Airbus über dem Atlantik. Die Untersuchung des Unfalls hat bis jetzt gedauert, das Ergebnis ist bitter: Vereiste Geschwindigkeitsmesser und verwirrte Piloten rissen 228 Menschen in den Tod VON PATRICK ILLINGER

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ollte es Orte geben auf dieser Erde, die man getrost als Hölle bezeichnen kann, so zählt die Intertropische Konvergenzzone gewiss dazu. Diese nur wenige hundert Kilometer schmale Tiefdruckrinne windet sich entlang dem Äquator einmal um die Erde. Sie markiert die Grenze, an der die Passatströmungen beider Hemisphären aufeinandertreffen. Während dieser unter Seeleuten auch Kalmen genannte Gürtel am Boden für Flauten sorgt, türmen sich in höheren Luftschichten ständig gewaltige Gewitterwolken auf. Wie in einer Waschmaschine wälzen sich massive Luftschichten um, die Temperaturen steigen und fallen innerhalb weniger Minuten. Regen, Eis und Schnee sind allgegenwärtig. Die Luft ist von Blitzen aufgeladen, es riecht nach Ozon, der Funkverkehr knistert, und aus Flugzeugrümpfen züngeln blaue Elmsfeuer. Es ist schon ein Wunder moderner Technik, dass Dutzende Flugzeuge täglich diese Waschküche unbeschädigt durchqueren. So plante es auch ein Airbus A330 der Air France, der sich am Pfingstmontag des Jahres 2009 auf dem Weg von Rio de Janeiro nach Paris machte. Man schrieb den 31. Mai. An Bord des Fluges AF447 waren 216 Passagiere, neun Besatzungsmitglieder und drei Piloten. Es war ein Flug wie viele andere an diesem Tag. Doch dieser sollte der Hölle nicht entkommen. Der Flug endete als einer der rätselhaftesten Unfälle in der Geschichte der Luftfahrt. Das zunächst spurlose Verschwinden des nur vier Jahre alten Airbus der Air France war so unbegreiflich, dass erst neuneinhalb Stunden nach dem letzten Funkkontakt mit der Maschine ein Suchflugzeug ausrückte. Die Piloten des Fluges AF447 hatte weder einen Notruf abgesetzt, noch gab es andere Hinweise auf eine Katastrophe. Fast wäre es ein Fall für irre Verschwörungstheoretiker geworden, die auch an die Macht des Bermudadreiecks glauben. Sieben Tage nach dem Verschwinden der Maschine wurden erste Wrackstücke und Leichen gefunden. Die Hauptbestandteile des Airbus sowie der Flugschreiber und der Cockpit-Stimmenrekorder wurden im vergangenen Jahr mit Tauchrobo-

tern vom Meeresgrund geborgen. Mehr als drei Jahre nach dem Unfall hat die französische Flugsicherheitsbehörde BEA nun ihren abschließenden Untersuchungsbericht vorgelegt. Es ist das beklemmende Protokoll einer vermeidbaren Katastrophe, zu der Mensch und Maschine beigetragen haben. Es gab technische Ausfälle, allen voran vereiste Geschwindigkeitsmesser. Es gab aber auch heillose Verwirrung im Cockpit: einen Kapitän, der sich kurz vor der kritischen Unwetterphase zu einer Ruhepause zurückzog, und einen verunsicherten, 32-jährigen Kopiloten, der nach dem Ausfall der automatischen Steuerung den Airbus mit fatalen Lenkbewegungen in eine instabile Fluglage brachte. Doch der Reihe nach.

„Wir sind mitten drin“, sagt der Pilot mit besorgter Stimme Gut drei Stunden nach dem Start in Rio de Janeiro hatte der Airbus den brasilianischen Luftraum verlassen und flog in 35 000 Fuß Höhe in nordnordöstlicher Richtung über dem Atlantik. Im Cockpit saß der 58-jährige Kapitän sowie rechts von ihm ein 32-jähriger Kopilot. Der dritte Pilot hatte Pause. Die aufgezeichneten Gespräche zeigen, dass die vorausliegende Wetterlage dem jüngeren Piloten ganz und gar nicht behagt. Mehrmals spricht der Kopilot die Situation an, kommentiert die hoch liegende Wolkendecke sowie die Signale des bordeigenen Radars. Er schlägt sogar vor, auf eine in der Passagierluftfahrt unübliche Flughöhe von 36 000 Fuß zu steigen. Noch weiter oben konnte die vollbetankte A330 in dieser Phase nicht fliegen. Doch der Kapitän reagiert kaum. Erste Turbulenzen quittiert er zwar mit einem „uhhh“, und auch die Elmsfeuer erwähnt er. Doch insgesamt ist der Routinier so wenig besorgt, dass er kurz vor dem Erreichen der Intertropischen Konvergenzzone beschließt, sich zur vorgesehenen Ruhepause zurückzuziehen. Diese Entscheidung spricht für Gelassenheit und Erfahrung, doch die Bedenken seines jüngeren Kollegen ignoriert er. Seinen Platz links im Cockpit nimmt nun, dreieinhalb Stunden nach dem Start in Rio, ein weiterer Kopilot ein, der zuvor in der Ruhekabine pausiert hatte. Der 37-Jäh-

rige hat sowohl auf Airbus-Langstreckenjets wie auch auf der Südamerika-Line dreimal so viele Flugstunden absolviert wie der Kapitän. Letzterer hatte erst zwei Jahre zuvor seine Zulassung für die A330 erhalten. Doch bei der Übergabe kommt es zu einem weiteren Versäumnis: Der Kapitän bestimmt keine klare Kommandostruktur für die Phase seiner Abwesenheit. Und so bliebt der junge Kopilot auf dem rechten Platz der pilot flying, kurz PF, wie es in der Fliegersprache heißt. Nur wenige Minuten nachdem der Kapitän sich in das Ruheabteil zurückgezogen hat, verschlechtert sich das Wetter. „Die Intertropische Konvergenzzone“, murmelt der Kopilot, „wir sind mitten drin.“ Der Kabinenbesatzung rät er dazu, sich selbst hinzusetzen. Beide Piloten kommen überein, um zwölf Grad vom Kurs abzuweichen, um den übelsten Wolkentürmen zu entgehen. Im selben Moment wundert sich der jüngere Pilot über den Geruch im Cockpit und verdächtigt seinen Kollegen, an der Klimaanlage gedreht zu haben. Doch der klärt ihn auf: Der Geruch sei Ozon, wie er nach elektrostatischen Entladungen entsteht. Sogar im Cockpit riecht es nach den heftigen Gewittern des tropischen Atlantiks. Die Temperatur der Außenluft steigt zudem so schnell, dass es im Cockpit plötzlich heißer wird. Auf dem Stimmenrekorder ist auch zu hören, wie Eiskristalle gegen die Frontscheiben des Airbus prasseln.

Nach mehr als einer Woche tauchten die ersten Spuren des Unglücks auf. FOTO: DPA

Wenige Sekunden später erfüllt ein Warnton das Cockpit, und die Maschine kippt leicht nach rechts. Die automatische Steuerung hat sich selbständig abgeschaltet. Der Pilot rechts reagiert, wie es das Lehrbuch vorschreibt. „Ich habe die Kontrolle“, ruft er, dem Kollegen signalisierend, wer nun steuert. Gleichzeitig reißt er heftig am Steuerknüppel, der bei AirbusFlugzeugen ein „Sidestick“ ist, ähnlich wie ein Joystick bei Computerspielen.

Die Crew hat jedes Verständnis ihrer Situation verloren Beide Piloten erkennen nicht, welche simple Ursache den Ausfall des Autopiloten bewirkt hat: Die aus dem Rumpf ragenden Staudruckrohre der Geschwindigkeitsmesser waren vereist und lieferten sinnlose Werte. Angespannt aufgrund vorangegangener Besorgnis und schon eine Weile von dem Wunsch erfüllt, höher zu steigen, reißt der Kopilot nun am Steuerknüppel herum. Er tut alles, um die Maschine nach oben zu ziehen, „abrupt und exzessiv“, wie es im Abschlussbericht des Unfalls heißt. Das mag in den ersten Sekunden der Überraschung eine natürliche Reaktion sein. Doch selbst als die Warnsysteme aufgrund der steil nach oben gezogenen Nase einen drohenden Strömungsabriss signalisieren, zieht der rechts sitzende Pilot den Steuerknüppel des mehr als 200 Tonnen schweren Airbus weiterhin nach oben. Sein Kollege bemerkt die heftigen Steuerbefehle offenbar nicht. Hier könnte das Cockpitdesign der Airbus-Maschinen eine Rolle spielen. Die Sidesticks eines Airbus bewegen sich unabhängig voneinander. Ein Umstand, den so manche Boeing-Piloten beklagen, wenn sie auf Maschinen der AirbusFamilie umschulen. Der jüngere Pilot reagiert jedenfalls ähnlich fatal wie ein Autofahrer, der bei plötzlichem Glatteis heftig bremst, Gas gibt oder das Lenkrad herumreißt. Der Anstellwinkel des Airbus wird immer steiler, in weniger als einer Minute erreicht die Maschine eine instabile Fluglage. Die für den Auftrieb verantwortliche Luftströmung an den Tragflächen reißt ab. Aufgrund der kinetischen Energie folgt der Airbus nun den physikalischen Gesetzen eines geworfenen Steins. Er steigt noch auf fast 39 000

Fuß, um dann mit zunehmender Geschwindigkeit zu sinken. Die Piloten haben zu diesem Zeitpunkt jedes Verständnis ihrer Situation verloren. In einem von mehreren Warntönen beschallten Cockpit und umgeben von scheinbar erratischen Instrumentenangaben, verfolgen sie weder die beim Ausfall der Geschwindigkeitsmesser vorgesehene Standardprozedur, noch reagierten sie auf den drohenden Strömungsabriss. Sie wissen schlicht nicht mehr, ob es rauf oder runter geht und was sie glauben sollen. In diesem Moment setzt auch noch ein berüchtigter aerodynamischer Effekt ein, der in der Fliegerei „Buffet“ heißt. Die Turbulenz der abreißenden Luftströmung versetzt hierbei das Flugzeug in heftiges Rütteln. Zusammen mit einer penetranten synthetischen Stimme, die auf den Strömungsabriss hinweist, müsste der Cockpitbesatzung klar werden, dass es um einen Strömungsabriss geht. Die Piloten halten jedoch offenbar auch eine überhöhte Geschwindigkeit für möglich. Eine Minute und 20 Sekunden nach dem Ausfall des Autopiloten fragt der links sitzende, erfahrenere Pilot: „Verstehst du, was passiert, oder nicht?“ Der andere bekennt: „Ich habe keine Kontrolle mehr über das Flugzeug.“ Die Verwirrung lässt nicht nach, als kurz darauf der Kapitän in das Cockpit zurückkehrt. Auch ihm gelingt es in dem Durcheinander von Warntönen, dem heftig rüttelnden Flugzeug und angesichts zweier von Verzweiflung getriebener Kopiloten nicht zu verstehen, in welcher Lage sich die Maschine befindet. Die weitere Stimmaufzeichnung zeugt von heilloser Verwirrung, und teils gegenlautenden Ratschlägen aller drei Piloten. Mehrmals verlangt der linkssitzende Pilot, die Kontrolle zu bekommen. Das Flugzeug beschreibt unterdessen mit extrem hochgezogener Nase einen langen Dreiviertelkreis, während es sich mit 200 Kilometern pro Stunde unaufhaltsam der Meeresoberfläche nähert. Die „zunehmend aus dem Gleichgewicht geratene Besatzung“ habe vermutlich niemals verstanden, dass sie es mit dem einfachen Verlust von drei Geschwindigkeitsmessern zu tun hatte, beklagt der abschließende Flugunfallbericht. Die Maschine sei im Moment des Aufpralls vollständig – und intakt – gewesen.

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WIRTSCHAFT

DEFGH Nr. 156, Montag, 9. Juli 2012

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HBG

O LY M P I A I N L O N D O N

Die Gier nach Geld VON ANDREAS OLDAG

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ondon ist in Party-Laune. Die Queen machte den Anfang, als sie sich im Juni anlässlich ihres 60-jährigen Thronjubiläums vor einem Millionenpublikum über die Themse schippern ließ. Vor wenigen Tagen feierten ihre Untertanen die Fertigstellung von Europas höchstem Gebäude. 310 Meter reckt sich der kühne Büro- und Apartmentblock „The Shard“ (der Glassplitter) des Stararchitekten Renzo Piano in den Himmel. In knapp drei Wochen werden die Olympischen Spiele eröffnen. Ein Großereignis, bei dem sich die Metropole wiederum selbst feiert. Während die Insel immer noch in der schwersten Wirtschaftskrise seit 1945 steckt und die Regierung von den Briten in Zeiten der Härte ein Sparopfer nach dem anderen fordert, scheint London wie ein Raumschiff über den Problemen zu schweben. Die Hauptstadt profitiert von der Euro-Krise. Sie ist der sichere Hafen fürReiche aus den wirtschaftlich taumelnden südeuropäischen Staaten, die ihr Geld in Immobilien stecken. So kennen die Preise für Luxus-Apartments nur eine

Ernsthaft traut sich niemand, den Boni-Bankern Grenzen zu setzen Richtung: nach oben. Das mag man alles als zynisch empfinden. Nur: Bürgermeister Boris Johnson, der den pragmatischen Geschäftssinn seiner Londoner nur allzu genau kennt, kümmert das wenig. Er lud jetzt sogar Franzosen ein, die entnervt der sozialistischen Hochsteuerpolitik des neuen Präsidenten François Hollande entrinnen wollen, sich hier niederzulassen. Schon immer gelang es London, Menschen aus aller Welt anzulocken. Rund ein Drittel der Londoner ist nicht auf der Insel geboren. Wer kommt, sucht aber nicht nach einem bequemen sozialen Netz. Vielmehr bringen die Menschen seit jeher Improvisationstalent und Unternehmergeist nach London mit. Ergebnis ist ein sozialer und gesellschaftlicher Schmelztiegel, der die trei-

bende Kraft einer seit Jahren boomenden Wirtschaft ist. Darin unterscheidet sich London von anderen europäischen Hauptstädten. Paris steht für den überholten Etatismus, dass das Glück der Bürger in einer staatlichen Regelungswut liegt. Berlin kommt aus seiner Provinzialität nicht heraus, wenn schon „Bierbikes“ als Ausweis eines florierenden Tourismusgeschäfts gelten müssen. Armseligkeit ist eben nicht immer sexy. Allerdings hat der London-Boom auch seine Schattenseiten. Es ist die Hybris, die Schwester des Erfolgs, mit ihren sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Implikationen. Ein Besuch des weltbekannten Kunstmuseums „Tate Modern“ zeigt dies exemplarisch: Hier feiert sich der millionenschwere Impresario Damien Hirst mit seinen Formaldehydpräparaten. Ob es überhaupt noch um Kunst geht, ist zweitrangig. Hauptsache, die Kasse klingelt. Der exzessive Kommerz passt zum Lebensgefühl in der Stadt, das immer mehr von der Gier nach Geld und Reichtum geprägt ist. Die Banker haben es vorgemacht. Seit dem „Big Bang“, dem Urknall der großen Börsen-Liberalisierung Mitte der 80er Jahre, steht die Stadt für einen entfesselten Finanzmarktkapitalismus. Hier sind die toxischen Wertpapiere und Derivate kreiert worden, die die Welt an den Rand des wirtschaftlichen Abgrunds brachten. Nun wird zwar auch in der britischen Regierung viel über strengere Aufsicht geredet. Doch ernsthaft traut sich niemand, den Boni-Bankern Grenzen zu setzen. Mit welcher Chuzpe sie weiter zocken, zeigt der Skandal um Zinsmanipulationen bei der Großbank Barclays. Jahrelang haben Händler am Interbankenzins Libor gedreht, auch zum Schaden von Kunden. Die Gesellschaft zahlt einen Preis für die Gier ihrer Eliten. London wird immer mehr zu einer Zweiklassengesellschaft, deren sozialer Kitt mürbe ist. Es gehört wenig Phantasie dazu, sich vorzustellen, dass die Jugendunruhen, die im vergangenen Sommer die Stadt erschütterten, jederzeit wieder ausbrechen können. Das könnte auch die Olympia-PartyLaune trüben. Das Raumschiff London muss auf die Erde zurückkommen.

Ein Hauch von Gold, ganz künstlich: Ein Modell wirbt für eine Londoner James-Bond-Ausstellung.

„Goldfinger“ vor dem Aus Die Experten von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble wollen mit radikalen Mitteln gegen einen cleveren Steuertrick vorgehen. Dem Fiskus entgehen bisher dadurch 300 Millionen Euro im Jahr VON GUIDO BOHSEM

Auf der Strecke Siemens will für Kalifornien Loks bauen, doch das Projekt stockt Sacramento – Hinter dem Werkszaun sprießt der Wildwuchs der verpassten Chancen. Dichtes Gras bedeckt die Fläche neben der Montagehalle, auf der ein großer Anbau Platz gefunden hätte. Peter Tuschinski steht unter dem tiefblauen Himmel Kaliforniens, und wechselt schnell das Thema: „Da drüben geht‘s hinein.“ Tuschinski ist Strategie-Direktor im

Ein neuer ICE von Siemens. Er könnte auch in Kalifornien fahren. FOTO: IMAGO Siemens-Werk in Sacramento. Er schreitet die Produktionsstraße ab. Stahlgerüst für Stahlgerüst. Jeder Schritt bringt mehr Form und Farbe. Am Ende stehen frisch lackierte Züge. In einem Gewerbegebiet außerhalb von Kaliforniens Hauptstadt Sacramento produziert Siemens Loks und Straßenbahnen. Ein mühsames Geschäft im Autoland Amerika. Dabei gab es einmal so etwas wie eine Aufbruchstimmung, erst fünf Jahre ist das her. Es war die Zeit, als ein junger Kandidat, ein gewisser Barack Obama, Wandel versprach und die größte Wirtschaftsmacht der Welt einer grünen Ära entgegenblickte. Was daraus geworden ist, dokumentiert die Brache hinter dem Werkszaun. Doch nun keimt doch wieder etwas Hoffnung auf. Am Freitag genehmigte das kalifornische Parlament den Bau des ersten Abschnitts einer geplanten Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Los Angeles und San Francisco. Der Ausbau der Zugverbindungen ist ein Prestigeprojekt von Obama. Gleich zu Beginn seiner Präsidentschaft reservierte er acht Milliarden Dollar als Anschubfinanzierung für Bahnprojekte. Bei Siemens rieben sie sich schon die Hände, und die Marketingabteilung entwarf ein Poster: „Die Wirtschaft wächst mit 220 Meilen pro Stunde.“ Der Traum, den ICE endlich auch in Amerika verkaufen zu können, schien Wirklichkeit zu werden. Obamas Ziel ist es, innerhalb von 25 Jahren 80 Prozent der Amerikaner Anschluss an Schnellzugstrecken zu bieten. Die Tras-

sen sollen an der Ostküste, in Florida, im mittleren Westen und in Kalifornien verlaufen. „Wir machen keine kleinen Pläne“, verkündete der Präsident und appellierte an den nationalen Ehrgeiz. Doch die meisten Projekte stehen still. Selbst in Kalifornien ist der Bau längst nicht gesichert, die Widerstände sind massiv. Zwar hatten sich die Wähler bei einer Volksabstimmung im Jahr 2008 für das Bahnprojekt ausgesprochen, inzwischen aber ist die Meinung gekippt. Obamas Streckennetz ist zum Schlachtfeld des amerikanischen Kulturkampfs geworden. Für Liberale verkörpern Hochgeschwindigkeitszüge die Zukunft der Mobilität, für Konservative sind sie ein Zeichen der Verschwendung. Die Demokraten wollen die Bahn fördern; die Republikaner blockieren sie, wo sie nur können. In Florida, Wisconsin und Ohio weigerten sich republikanische Gouverneure, Fördermittel in Milliardenhöhe anzunehmen. Obamas Traum, in seiner ersten Amtszeit die Jungfernfahrt eines HighSpeed-Zugs zu erleben, ist vorerst geplatzt. Und mit ihm die Expansionspläne von Siemens. Peter Tuschinski kennt die Diskussion genau und weiß sich diplomatisch auszudrücken: „In Amerika fehlt der Konsens bei Infrastrukturprojekten.“ Das ist die eine Wahrheit. Die andere ist: Es fehlt das Geld. Die große Rezession von 2008 und 2009 hat gewaltige Löcher in die Etats der Bundesstaaten gerissen. Beispiel Kalifornien. Im laufenden Haushalt fehlen 16 Milliarden Dollar. Und auf einmal soll Geld da sein für ein Bahnprojekt, das am Ende fast 100 Milliarden Dollar kosten könnte? Das ist den Wählern, die im Herbst über Steuererhöhungen abstimmen sollen, nur schwer zu vermitteln. Solange der politische Streit andauert, muss sich Siemens mit kleineren Aufträgen über Wasser halten. Die Deutschen ersetzen die rostigen Loks der staatlichen Bahngesellschaft Amtrak. Hinzu kommen Aufträge für Straßenbahnen in Denver, Portland und anderen Städten. Ganz langsam reift hier die Überzeugung, dass die Zukunft in den Ballungsräumen liegt, in der Wiedererschließung der Innenstädte. Und dass die Zersiedlung des Landes durch die Errichtung immer neuer Vororte ein ökologischer Wahnsinn ist.

Um Obamas Bahnnetz ist ein Glaubenskrieg ausgebrochen Doch damit bricht eine neue Front in der politischen Auseinandersetzung auf. Letztlich, ereifern sich die Bahngegner, stehen nicht nur Steuermittel auf dem Spiel, sondern der American Way of Life. Viele Konservative sehen die Stadtflucht als Errungenschaft. Das Leben in den Suburbs sei ein Teil der amerikanischen Identität, der nicht geopfert werden dürfe, schon gar nicht für den Umweltschutz. Und Siemens? Der Konzern, der eigentlich nur Züge verkaufen wollte, hat sich in einen Glaubenskrieg verstrickt. MORITZ KOCH

FOTO: AFP

Berlin – Die Geschichte hat alles, was ein Wirtschaftskrimi braucht. Ausländische Tarnfirmen, Gold, Steuertricks, millionenschwere Transaktionen, reiche Anleger und ein florierendes Geschäft. Mit radikalen Mitteln will Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) jetzt gegen ein legales Steuerschlupfloch vorgehen, das seinen Steuerexperten schon seit längerem großes Kopfzerbrechen bereitet. 300 Millionen Euro verliert der Fiskus nach Berechnungen der Bundesländer durch den cleveren Trick in jedem Jahr, Tendenz steigend. Geld, das in den Ausbau vonKita-Plätzenfließen könnte. Im Finanzausschuss kündigten Schäubles Experten nun an, wie sie den Steuervermeidern das Geschäft vermiesen wollen. Seit etwa drei Jahren registrieren die Finanzämter immer häufiger ein neues Anlagemodell für Steuersparer, das einen besonderen Reiz für Spitzenverdiener hat. In Expertenkreisen tragen diese Steuervermeider bereits einen Spitznamen. Sie werden „Goldfinger“ genannt. Die „Goldfinger“ gründen in einem anderen Land der europäischen Union eine Personengesellschaft. Diese Firma hat nur einen einzigen Zweck. Sie kauft und verkauft Gold und alleine dadurch können die

Inhaber der Firma die Steuerlast in Deutschland deutlich senken. Das geht so: Im ersten Jahr kauft die Firma im großen Stil Gold für das sogenannte Umlaufvermögen ein. Auf diese Art und Weise verbucht, beschert das Gold dem Unternehmen und seinem Inhaber tiefrote Zahlen im Ausland. Diese Verluste kann er bei seiner Steuererklärung in der Bundesrepublik geltend machen. Das Goldgeschäft senkt also die Steuern, die er auf seinen Verdienst, seine sonstigen Zinserträge und Einnahmen zahlen muss. Hauptsächlich wird die Methode angewandt, um die Besteuerung von Sondereinkünften zu neutralisieren, Gewinne aus Anteilsverkäufen zum Beispiel oder hohe Abfindungszahlungen. Nach Einschätzung der Finanzexperten der Länder schaffen es die Anleger, die Steuerlast auf null zu senken. Schon das alleine hört sich profitabel an. Doch das ist erst der Anfang des Tricks. Denn – kaum zu glauben – auch der Verkauf des Goldes bringt steuerliche Vorteile. Der Verkauf des Edelmetalls aus dem Umlaufvermögen beschert der ausländischen Personengesellschaft einen Gewinn. Dieser Gewinn wird aber nicht auf die sonstigen Einnahmen angerechnet . Die Gewinne aus der ausländischen Personengesellschaft unterliegen lediglich dem sogenannten Progressionsvorbehalt. Das heißt, die

zusätzlichen Einnahmen bewirken lediglich, dass der Steuersatz steigt. Ein Beispiel – ein kinderloser Alleinstehender zahlt auf sein Einkommen von 60 000 Euro im Jahr einen durchschnittlichen Steuersatz von 29,9 Prozent. Bei einem zusätzlichen Einkommen mit Progressionsvorbehalt von 20 000 Euro steigt der Satz auf 33,5 Prozent. Er ist aber nicht auf 80 000 Euro zu zahlen, sondern lediglich auf die ursprünglichen 60 000 Euro. Die Steuererleichterung beträgt 6700 Euro.

Viele Anleger haben es geschafft, ihre Steuerlast auf null zu senken Auf den Steuertrick übertragen, ist eine solche Ersparnis harmlos. Die Summen sind viel höher. Denn zwei Faktoren kommen hinzu. Zum einen ist der Goldpreis aufgrund der europäischen Finanzkrise stetig gestiegen. Das heißt, die ausländischen Gesellschaften haben das Gold in der Regel teurer verkauft, als sie es erworben haben. Zum Zweiten wirkt sich der Steuertrick für Spitzenverdiener besonders günstig aus. Verdienen die „Goldfinger“ als Alleinstehender deutlich über 250 000 Euro im Jahr, liegt ihr durchschnittlicher Steuersatz nahe am höchstmöglichen Wert. Das

Die Schulden der anderen

heißt, der Progressionsvorbehalt steigert in diesem Fall die durchschnittliche Steuerbelastung allenfalls marginal. Bislang sind die Finanzbehörden daran gescheitert, das Schlupfloch der „Goldfinger“ zu schließen. Zunächst hatten die Finanzbehörden das Vorgehen als Steuersparmodell verboten, was Erfolg versprach. Doch im Oktober 2010 untersagte das hessische Finanzgericht dieses Vorgehen. Die Richter argumentierten, dass es sich nicht um ein breit angelegtes Steuersparmodell handele, sondern um individuelles Handeln. Das Vorgehen könne daher nicht pauschal untersagt werden. Im Finanzausschuss präsentierten Schäubles Experten nun einen weiteren Ansatz, um das Treiben der Steuervermeider zu unterbinden. Auf Anfrage der Linken-Finanzexpertin Barbara Höll, teilte das Ministerium mit, dass es bei dieser Anlageform künftig eine Rückverrechnung gibt. Der Steuersparer kann seine Verluste wie bislang geltend machen. Verkauft er das Gold aber nach einem, zwei oder drei Jahren wieder, wird dieser Gewinn in das Jahr des ursprünglichen Verlustes zurückgetragen, mithin dort verrechnet. Ein entsprechender Gesetzesentwurf soll nun folgen. Einen Nachteil hat das Vorhaben. Die Zinsgewinne, so der Berliner Steuerprofessor Frank Hechtner, werden weiter nicht besteuert.

Mehr Information Veränderte Kursseite am Montag

Erbittert streiten Ökonomen und Politiker über Euro-Bonds und Bankenunion München – Die Kanzlerin lehnt gemeinsame Euro-Anleihen strikt ab. Doch nach Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) schließt nun auch Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen die Einführung solcher Euro-Bonds nicht mehr kategorisch aus. „Wenn es eine vollständige, gemeinsame Fiskalpolitik mit einer wirksamen Schuldenkontrolle gibt, dann sind gemeinsame Anleihen eine Option“, sagte die stellvertretende CDU-Vorsitzende dem Spiegel. Solange diese Voraussetzungen nicht geschaffen seien, sei es aber „ völlig absurd“ auch nur über Gemeinschaftsanleihen zu diskutieren. Angela Merkel (CDU) hatte sich zuletzt beim EU-Gipfel Ende Juni vehement gegen entsprechende Forderungen aus Spanien und Italien gewehrt. Kritiker von EuroBonds fürchten, dass sich Deutschland übernehmen könnten, wenn es für einen großen Teil der Schulden anderer Staaten haften würde. Sie warnen, dass Länder wie Spanien und Italien nicht mehr bereit sind, ihre Politik umzukrempeln, sobald die Zinsen an den Märkten deutlich zurückgehen. Die Risiken des Nichtstuns könnten allerdings noch größer sein. In einem Sondergutachten zur Schuldenkrise warnen die „Fünf Wirtschaftsweisen“, also der Sachverständigenrat, vor einem dogmatischen Nein gegenüber jeglichen Formen einer Vergemeinschaftung von Risiken. Diese Position lasse sich angesichts der Dramatik der Lage nicht halten. Die Ökonomen beraten die Regierung in wirtschaftlichen Fragen; sie glauben, dass alle anderen Optionen mit „mindestens ebenso hohen Risiken“ verbunden seien. Deutschland drohten bei einem unkontrollierten Auseinanderbrechen des EuroRaums „erhebliche Verluste“. Auf atemberaubende 2,8 Billionen Euro beliefen sich

die Auslandsforderungen Deutschlands gegenüber dem Euro-Raum Ende 2011. Die Auslandsforderungen der Deutschen Bundesbank im Rahmen des ZentralbankenAbrechnungssystems Target (530 Milliarden Euro Ende 2011) seien darin noch nicht enthalten; sie stünden bei einem Kollaps der Währungsunion ebenfalls im Feuer. Schließlich würde die Rückkehr zur D-Mark Deutschland eine massive Aufwertung bescheren. Zur langfristigen Lösung der Staatsschuldenkrise schlägt der Sachverständigenrat einen zeitlich befristeten und mit Bedingungen versehenen Schuldentilgungspakt im Euro-Raum vor. Nötig seien aber auch eine „zentrale paneuropäische Bankenaufsicht“ sowie Regelungen zur Restrukturierung und Abwicklung von Banken – gespeist aus einer Bankenabgabe.

Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) ätzt gegen die Experten. FOTO: DPA

Das brauche aber Zeit. Eine gemeinsame Einlagensicherung ist „nicht zwingend“ Bestandteil des vom Sachverständigenrat vorgeschlagenen Ordnungsrahmens. Diese Position ist allerdings – ebenso wie der bisherige Kurs der Kanzlerin – heftig umstritten unter Deutschlands Ökonomen. Etwa 190 deutschsprachige Volkswirte hatten die Beschlüsse des jüngsten EuroGipfels massiv kritisiert. Die Fachleute um Ifo-Chef Hans-Werner Sinn und den Dortmunder Wirtschaftsstatistiker Walter Krämer hatten in einem offenen Brief gewarnt, die geplante Bankenunion schaffe neue Haftungsrisiken für deutsche Steuerzahler, es drohten riesige Verluste. „Die Sozialisierung der Schulden löst nicht dauerhaft die aktuellen Probleme“, heißt es in dem Schreiben. Der linke Ökonom Peter Bofinger, Mitglied des Sachverständigenrats, hat dem widersprochen und vor den unabsehbaren Konsequenzen einer Serie von Bankenpleiten in Italien und Spanien gewarnt, „von der auch die deutsche Wirtschaft erheblich beeinträchtigt würde“. Nach dem massiven Streit der Ökonomen um den richtigen Kurs im Krisenmanagement ging Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) zum Gegenangriff über. Für die Politik hätten sich die Experten in der Krise als nicht hilfreich erwiesen. „Von allen denkbaren Verfahren in der Bewältigung dieser Krise in den vergangenen Monaten ist das am wenigsten taugliche die Umsetzung von Expertenempfehlungen gewesen.“ Zwar hätten sich Fachleute zu jeder denkbaren Option geäußert. Es gebe aber in keiner wichtigen Frage eine gemeinsame Expertenmeinung. „Würden sich darauf politische Entscheidungsinstanzen verlassen wollen, würden sie damit ihre Entscheidungsunfähigkeit zu Protokoll geben.“ CATHERINE HOFFMANN

Mit dem neuen Layout der SZ verändert sich auch die Rückseite des Wirtschaftsteils am Montag. Die Geld-Kolumne Wochenschau widmet sich noch stärker der Entwicklung bestimmter Anlagen, für die Leser ihr Interesse bekundet haben. Sie wird in die Wochenübersicht wichtiger Börsenkurse integriert. Bei den Wochenkursen haben wir das Angebot überprüft: Bei amerikanischen Aktien wird nicht mehr der Dow-Jones-Index abgebildet, stattdessen die umsatzstärksten Aktien in Deutschland. Künftig veröffentlichen wir eine Auswahl an Anleihen: Staatsanleihen aus Industrieländern und Emerging Markets sowie Anleihen von Instituten wie der KfW und Unternehmensanleihen. Damit soll sich der Service für die Leser verbessern. R Seite 22

HEUTE Montagsinterview Hermès-Erbe Guillaume de Seynes über komplizierte Familienverhältnisse

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Politik und Markt Franz Beckenbauer soll für russisches Gas werben, es geht um viel Geld

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Unternehmen Ein interner Bericht legt erstmals die Profite der Formel 1 offen R www.sz.de/wirtschaft

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WIRTSCHAFT

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Montag, 9. Juli 2012, Nr. 156 DEFGH

„Wir machen keinen Luxus, wir machen Qualität“ Der Hermès-Enkel Guillaume de Seynes arbeitet in sechster Generation beim Pariser Luxusunternehmen und ist der zuständige Generaldirektor für die Produktion. Er erklärt den Erfolg der weltweit bekannten Marke, spricht über die komplizierten Familien-Verhältnisse und die Aussichten, den Großaktionär LVMH abzuwehren In der Handwerkstradition scheint es ähnlich zu sein. Auch die Täschner und Sattler überliefern ihr Können. Ist das die eigentliche Stärke von Hermès: die Traditionen bewahrt zu haben? Nein, damit wären wir nicht weit gekommen. Unsere Stärke ist es, Tradition und Moderne zu vereinen. Der beste Kunsthandwerker braucht den Künstler, der ihn herausfordert. Aus dem Dialog zwischen den beiden entstehen Kreationen.

INTERVIEW: MICHAEL KLÄSGEN

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uillaume de Seynes, 54, rötlichgrauer Vollbart, Siegelring, empfängt herzlich-unprätentiös in einem überraschend kleinen Büro. Als Produkt-Chef und Generaldirektor des Pariser Luxuskonzerns Hermès ist er für die 3000 Kunsthandwerker zuständig und täglich in den Werkstätten unterwegs. Zehn von ihnen, darunter Täschner, Sattler und Seidennäherinnen, hat er auf Welttournee geschickt. Nach Seoul, Madrid, Zürich und München – dort zeigen sie Mitte Juli im Terrassensaal des Münchner Hauses der Kunst ihr Können.

Bei dem wohl bekanntesten Produkt von Hermès, der Kelly Bag, hat man wie bei anderen Gegenständen den Eindruck, dass auch der Stil der Marke protestantisch geprägt ist: schlicht und nüchtern, mal von den Farben abgesehen. Die Tasche wurde von meinem Großvater, dem Sohn eines Pastors, entworfen. Sein Foto steht dort hinten auf dem Regal. Sie haben recht, es wäre ihm nie in den Sinn gekommen, ein großes H für Hermès oder ein auffälliges Logo darauf abzudrucken. Der Stil des Hauses ist bei aller Buntheit des Leders oder der Seidentücher funktional, praktisch, handlich. Wir machen keine wallenden Abendkleider. Das ist nicht unsere Welt. Sie machen auch keine auffällige Werbungoder setzen Berühmtheiten als Werbeträger ein. Nein, das passt nicht zu uns. Wir zählen zwar viele berühmte Menschen zu unseren Kunden, worüber wir uns freuen, aber ihre Namen geben wir nicht preis. Auch hier üben wir uns in Diskretion.

MONTAGSINTERVIEW SZ: Monsieur de Seynes, ist es nicht widersprüchlich: Die Welt steckt in der Krise, aber Ihr Haus macht regelrechte Umsatz- und Gewinnsprünge. Und zwar mit Gegenständen, die vor Jahrzehnten ersonnen wurden und die ein Vermögen kosten: Handtaschen für 4000 Euro, Seidentücher für 800 Euro. Es soll sogar Sonderanfertigungen geben von Jacken für eine Million Euro. Guillaume de Seynes: Nein, nein, eine Million dann doch nicht. Unsere teuersten Kleidungsstücke sind aus Krokodilleder und kosten etwa 100 000 Euro, auch das ist viel Geld. Trotzdem rennen Ihnen die Kunden die Geschäfte ein. Warum? Was ist das Besondere an Ihren Tüchern und Taschen? Wenn man ganz weit zurückgeht, hat das was mit den Werten zu tun, die sie verkörpern und die sich nicht verändert haben. Der Gründer von Hermès hat sie mit der Eröffnung des ersten Geschäfts in Paris 1837 geschaffen. Er war übrigens ein Deutscher. Thierry Hermès aus Krefeld. Er wollte das unangefochten beste Pferdegeschirr herstellen und suchte dafür nach dem hochwertigsten Leder. Das tun wir noch heute: Wir wollen das beste Material und sind bei der Verarbeitung fast besessen perfektionistisch. Klingt simpel. Ist es aber nicht. Dazu gehört viel Erfahrung. Wir haben Menschen im Haus, die mit den Händen fühlen können, welches Krokodilleder das beste ist. Manche vererben dieses Talent sogar. Wir arbeiten mit bestimmten Gerbern seit drei Generationen zusammen. Qualität kann man nicht verordnen, man muss sie sich hart erarbeiten und dann sorgsam pflegen, über Generationen hinweg. Als mein Urgroßvater von der Sattlerei auf Ledertaschen umgestiegen ist, galt wieder die Qualität als das oberste Prinzip. So war es bei jedem Übergang zur nächsten Generation. Höchste Qualität ist unsere Philosophie geworden. Und die Grundlage dafür legte ein junger Deutscher vom Niederrhein. Wir können nicht mit letztendlicher Sicherheit sagen, ob er ein Nachfahre französischer Hugenotten war, die nach der Aufhebung des Edikts von Nantes aus Frankreich geflüchtet waren. Oder ob er deutsche Vorfahren hatte. Krefeld ist ja linksrheinisch und war 1801 von Frankreich besetzt, auch wenn es deutsches Staatsgebiet war. Sein Vater unterhielt ein Kabarett in der Stadt. Thierry zog, als er Mitte 20 war, zunächst in die Normandie und eröffnete dann in Paris seine Sattlerei. Jedenfalls war er Protestant und zählte damit zu einer kleinen Minderheit in Frankreich. Hat dies das Unternehmen geprägt? Mein Urgroßvater hatte drei Töchter, und sie alle heirateten Protestanten, meine Großmutter sogar einen Pastor. Wir sind davon überzeugt, dass viele unserer Werte daher rühren: die Liebe zum Detail, das Streben nach Perfektion, das Tradieren von Werten über Generationen hinweg – auch eine gewisse Diskretion und Bescheidenheit.

Ist das die Nische von Hermès im Luxusmarkt? Den „wahren zeitlosen Luxus“ jenseits der schnelllebigen Mode zu repräsentieren? Ein Code für Insider? Wir machen keinen Luxus, auch wenn unsere Kunden es dafür halten. Aber wir mögen das Wort nicht. Wir machen Qualität. Mein Großvater sagte einmal, Luxus ist, was sich reparieren lässt und deswegen nicht leicht vergänglich ist. Das bezeichnet man heute als Nachhaltigkeit und ist groß in Mode. Er hat das in den 50er Jahren gesagt, als noch niemand den Begriff verwandte, er für uns aber schon Alltag war. Viele unserer Kunden lassen ihre Sachen bei uns reparieren. Dabei bemerken wir, welch emotionale Bindung sie zu dem jeweiligen Gegenstand haben, weil er ihnen zu einer bestimmten Gelegenheit geschenkt wurde oder aus einem anderen Grund ans Herz gewachsen ist. So etwas entsteht nur, wenn sie viel Zeit mit einem Gegenstand verbringen. Womit wir wieder bei den Anfängen wären. Auch das Pferdegeschirr wurde nicht nur für die Dauer von sechs Monaten hergestellt.

Guillaume de Seynes strebt nach Perfektion. Wie können Sie die Werte überhaupt am Leben halten? Ich persönlich bekenne mich offen dazu. Mein Großvater stellte gern Protestanten und deren Kinder ein, die er kannte. Das hat sich inzwischen alles geändert. Heute muss jeder die richtige Qualifikation vorweisen. Aber der Geist des Hauses ist der

gleiche geblieben. Er ist allgegenwärtig. Alle Führungskräfte leben ihn. Es geht darum, dass man etwas erhalten hat, das man an die nächste Generation weiterreicht. So sind wir erzogen worden. Das erscheint nicht sehr zeitgemäß, denn es ist viel Geld im Spiel. Aber wem diese Geisteshaltung fremd ist, der kommt nicht zu Hermès.

FOTO: ANDREAS SOLARO/AFP

Was macht Hermès, damit die nächste Generation in einer globalisierten Welt ebenfalls diese Grundwerte annimmt? Ich habe selber keine Kinder, aber die siebte Generation ist sehr zahlreich. Der Älteste ist 28, wir führen sie über Praktika und Führungsseminare heran, aber es gibt keine Verpflichtung, hier später zu arbeiten.

Worin unterscheiden Sie sich von Ihren Konkurrenten? Ich glaube nicht, dass wir einen Konkurrenten haben, der die gleiche Bandbreite von Objekten anbietet. Wir haben 50 000 Referenzen, von denen jedes halbe Jahr 30 000 überarbeitet werden. Keiner hat die gleiche Obsession für Qualität wie wir. Ist das der Grund, warum Sie so allergisch reagierten, als der weltweit größte Luxuskonzern Louis Vuitton Moët Hennessy (LVMH) vor anderthalb Jahren gegen Ihren Willen ein großes Aktienpaket kaufte? Passen beide zueinander? Die Familie wehrt sich dagegen, weil sie die Kontrolle nicht verlieren will. Jeder kann sich natürlich Hermès-Aktien kaufen, es kommt aber darauf an, wie. Wie Sie wissen, untersucht die Börsenaufsicht derzeit noch, ob der Einstieg von LVMH legal war. LVMH-Chef Bernard Arnault schlich sich gewissermaßen mithilfe von verdeckten Finanzoperationen heimlich bei Hermès ein. Wie will sich die Familie gegen eine Übernahme schützen? Die Familienmitglieder haben insgesamt 52 Prozent der Hermès-Aktien in eine Holding eingebracht, die in einem ersten Schritt für eine Dauer von 20 Jahren ge-

gründet worden ist. Das ist ein klares Zeichen des Zusammenhalts, und niemand aus der Familie zögerte, sich daran zu beteiligen. Bis auf einen Ihrer Cousins . . . . . . dem wir aber nicht böse sind und der trotzdem bei uns im Verwaltungsrat sitzt. Verhindert die Holding eine feindliche Übernahme oder erschwert sie diese nur? Sie macht eine feindliche Übernahme unmöglich. Sie blockiert 50 Prozent des Kapitals von Hermès. Dagegen kann man nichts machen. Was ist mit den restlichen Aktien der Familie? Es bleiben etwa zwölf Prozent, die nicht in derHolding sind, für welche die anderen Familienmitglieder aber ein Vorkaufsrecht besitzen. Es ist insofern absehbar, dass die Holding ihre Anteile weiter aufstockt. Und jetzt warten Sie, was Herr Arnault macht? Gegenwärtig soll er 22 Prozent halten. Wir wissen nicht genau, wie viele Anteil er hält, aber wir haben alles getan, um uns vor unliebsamen Eingriffen zu schützen. Was ist die größte Gefahr für den Zusammenhalt der Familie? Um die Unabhängigkeit zu wahren, müssen wir als Allererstes Geld verdienen. In einem Familienunternehmen wird es dann schwierig, die Einheit der Mitglieder zu garantieren, wenn die Gewinne zurückgehen und Fragen über die Strategie auftauchen. Aber die Gefahr besteht nicht, weil wir eine klare Strategie haben, die weltweit aufgeht. Ist es nicht bemerkenswert, dass der Luxus in Frankreich beheimatet ist? Die größten Luxus-Konzerne der Welt finden sich in Paris: LVMH, Hermès, PPR mit Gucci. Andererseits ist ein anderer Luxusbereich in Deutschland zu Hause: die Autoindustrie. Frankreich war vor dem Krieg dort auch stark; ich weiß nicht, warum es diese Position verloren hat. Sie selber fahren ein italienisches Fabrikat. Stimmt, einen Maserati. Sie tragen aber Hermès? Wir nennen uns Hermès Paris und fühlen uns eher pariserisch als französisch. Dass Thierry Hermès nach Paris zog, war kein Zufall. Paris war damals schon die Stadt des Luxus und der Mode, hier residierten die französischen Könige und Kaiser Napoleon. Paris ist eine Geisteshaltung, ein Treffpunkt für Talente und ein Ort des Austausches – zumindest war es das im 19. Jahrhundert. Man muss nicht Franzose sein, um Pariser zu werden. Auch Jacques Offenbach kam von Köln hierher, und es gibt wohl keine Musik, die mehr nach Paris klingt als die seine. Die Geschichte unseres Unternehmens wäre jedenfalls anders verlaufen, wenn Thierry Hermès beispielsweise nach Madrid gegangen wäre. Oder in Krefeld geblieben wäre, auch wenn es damals die Stadt des Samts und der Seide war. Davon muss man ausgehen. Guillaume de Seynes Er ist der Urenkel von Émile Hermès (1871 bis 1951) und damit einer der Vertreter der sechsten Hermès-Generation. Er wurde 1957 in Paris geboren, studierte Jura, Politik und Wirtschaft. Von 1984 bis 1990 verantwortete er das internationale Lizenzgeschäft der französischen Modemarke Lacoste. Anschließend richtete er die Markenstrategie des Champagnerhauses Mumm Cordon Rouge neu aus und wechselte dann zum Konkurrenten Henriot. 1997 kam er zu Hermès und übernahm den Bereich Uhren in der Schweiz. Seit 2006 ist er Vizepräsident von Hermès International. Gegenwärtig leitet er als Generaldirektor die Bereiche Produktion und Kapitalinvestition. Hermès machte 2011 einen Umsatz von 2,84 Milliarden Euro und einen Nettogewinn von 660 Millionen Euro.

Im Schatten des Booms Südkoreas Wirtschaft wächst schnell, aber die kleinen Leute haben nichts davon. Viele von ihnen sind hoch verschuldet Seoul – Südkorea hat große Pläne. Das Land will seinen Mittelstand stärken und Betriebe fördern, um die Wirtschaft, die in den vergangenen fünfzig Jahren rasant gewachsen ist, auf stabilere Beine zu stellen. In der Außenwirtschaft möchte es zum Brückenkopf für ganz Nordost-Asien werden. Und für arme Länder zum Vorbild für Wirtschaftsentwicklung und Nachhaltigkeit. In Seoul hat man sich daran gewöhnt, überschwängliche Pläne zu machen, aber das Land ist noch lange nicht soweit. Und in ökologischen Bewertungen steht Südkorea weltweit auf Rang 27 – viel zu weit hinten für ein Land, dessen Regierung ständig von „grünem Wachstum“ redet. Das Muster Japans, das Südkorea als Wachstumsmodell diente, kombinierte Planwirtschaft mit freiem Markt: Der Staat legte in Abstimmung mit der Industrie fest, welche Zweige gefördert und welche durch Protektionismus geschützt werden: Erst waren es Turnschuhe und T-Shirts, die für Absatzerfolge sorgten. Dann kam die Schwerindustrie, der Bau von Schiffen und Autos, die Elektronik. Heute sind es die Biotechnologie und erneuerbare Energien. Anders als die sowjetische Planwirtschaft funktionierte das japanische Modell nicht mit Zwang, sondern Zuschüssen. An der Basis herrschte freier Markt. Das Modell wurde in den 1930er-Jahren in der Mandschurei entwickelt, das damals

ein japanisches Protektorat war. Es hat sich auch in Taiwan und China bewährt. Doch Japan ist es nicht gelungen, sein Modell der Zeit nach dem raschen Wachstum anzupassen. Die Koreaner sind sich dessen bewusst, sie wollen die Fallen vermeiden, in die Japan getappt ist. Sie haben erkannt, dass Südkorea künftig mehr Kreativität braucht und sich das Land nach außen öffnen muss.

Die neuen Selbständigen sind eigentlich Arbeitslose über 50 Außerdem macht sich die Regierung Sorgen über die wachsende Kluft zwischen arm und reich. Die Ungleichheit sieht zunächst gar nicht so dramatisch aus. Die Hälfte des südkoreanischen Vermögens gehört Familien, die weniger als 100 000 USDollar besitzen. Die Zahl der Dollar-Millionäre ist gering, nur ein halbes Prozent der Haushalte gehört in diese Gruppe. Dennoch ist der Wohlstand verglichen mit anderen OECD-Staaten sehr ungleich verteilt. Die Finanzkrise hat das noch verstärkt: Die Zahl der Selbständigen ist seit 2008 auf 29 Prozent aller Erwerbstätigen gestiegen, aber das ist kein Grund zur Freude. Denn viele der neuen Selbständigen sind Menschen über 50, die ihren Job verloren haben. Sie halten sich mit Imbissbuden und kleinen Läden über Wasser und gehö-

ren nun zu den drei Vierteln der 3,35 Millionen Firmen, die weniger als fünf Leute beschäftigen. Diese Kleinfirmen am Rande der Armut generieren zusammen nur sechs Prozent des gesamten Einzelhandelsvolumens. Viele dieser Selbständigen haben hohe Schulden. Ohnehin stehen Millionen von Südkoreanern wegen der hohen Immobilienpreise bei Banken in der Kreide: Eine koreanische Durchschnittsfamilie ist mit 146 Prozent ihres Jahreseinkommens verschuldet. Am anderen Ende des Firmenspektrums stehen die Chaebol, von Familien kontrollierte Mischkonzerne wie Samsung, Hyundai und Lotte. Die 30 größten Konzerne beschäftigen weniger als zehn Prozent aller Arbeitnehmer, generieren aber 70 Prozent des Sozialprodukts. Das gelingt ihnen nicht nur wegen ihrer herausragenden Leistungen. Sie verdanken ihren Aufstieg auch dem Filz und der Macht, mit der sie sich Vorteile verschaffen. Präsident Lee Myung-bak, der sich selbst in einem Chaebol hochgedient hatte, rief die großen Unternehmen auf, ihre „soziale Verantwortung“ wahrzunehmen. Seine mögliche Nachfolgerin Park Geun-hye von der konservativen Saenuri-Partei verspricht eine „Demokratisierung der Wirtschaft“. Die Chaebol ernteten die Früchte des Wachstums, „aber die SME und die normalen Leute haben nichts davon“, sagt

Parks Wirtschaftsberaterin Lee Hye-hoon. Die Wirtschaft müsse gerechter werden. Südkorea ist eine Erfolgsgeschichte, die öffentliche Hand ist nur mit 30 Prozent des Sozialprodukts verschuldet, nach dem Lehman-Schock von 2008 ist die Wirtschaft schon 2010 wieder gewachsen. Dennoch spricht man in Südkorea angesichts der Spaltung zwischen den Chaebol und der übrigen Wirtschaft von einer Krise. Will das Land nicht stagnieren wie Japan, muss es sich international besser einbinden. Dazu hat die Regierung sechs ökonomische Sonderzonen geschaffen, in denen nicht nur Güter frei verkehren, „sondern auch Menschen aus aller Welt gemeinsam arbeiten, leben und forschen“, sagt Lee Kyung-sik, der Direktor für die Planung der Sonderzonen. Den Investoren der Sonderzonen kommt die Regierung mit Steuererleichterungen, teilweise sogar mit Direktzahlungen entgegen. Außerdem verspricht sie ausländischen Firmen „Freihandel mit 80 Prozent der Weltwirtschaft“. Derzeit seien es etwa 60 Prozent. Südkorea ist das einzige Land, das mit der Europäischen Union und mit den USA ein Freihandelsabkommen unterhält. Der Handel mit der EU ist seit Inkrafttreten dieses Vertrages um zwei Drittel gestiegen. Bis 2014 will Seoul sich auch mit China auf das Freihandelsabkommen einigen. CHRISTOPH NEIDHART

Fischer in Namhae, eine Insel vor Südkorea. Sie arbeiten hart und verdienen wenig. Die Kluft zwischen Armen und Reichen wächst. FOTO: BLOOMBERG


DEFGH Nr. 156, Montag, 9. Juli 2012

Peking – China muss nach Einschätzung der Regierung die zuletzt schwächere Konjunktur mit einer entsprechenden Politik stützen. Die derzeitige wirtschaftliche Situation sei zwar im Allgemeinen stabil, es gebe aber relativ deutliche Abwärtsrisiken, zitierte die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua am Sonntag Regierungschef Wen Jiabao. „Wir sollten die Stärke der politischen Feinsteuerung erhöhen“, sagte er. Die Äußerungen lassen darauf schließen, dass die Regierung weitere Schritte im Kampf gegen die Konjunkturflaute unternehmen wird. Für 2012 reduzierte das Land seine Wachstumsprognose im März auf 7,5 Prozent - es wäre die niedrigste Rate seit 1990. Erst vor wenigen Tagen hatte die chinesische Zentralbank überraschend die Zinsen gesenkt, und das bereits zum zweiten Mal binnen vier Wochen. Für den kommenden Freitag werden mit Spannung die Daten zur Wirtschaftsentwicklung im zweiten Quartal erwartet. REUTERS

SPD kritisiert „Schlingerkurs“ Berlin – Die SPD hat die in der schwarzgelben Koalition vereinbarte Anhebung der Einkommensgrenzen für Minijobs kritisiert und der Koalition einen Schlingerkurs vorgeworfen. „Man kann nicht Minijobs attraktiver machen und gleichzeitig auf den Prüfstand stellen“, sagte SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles in Berlin. Zuvor hatten sich Union und FDP geeinigt, die seit langem vereinbarte Anhebung der Einkommensgrenzen für rund 7,5 Millionen Minijobber zum 1. Januar 2013 in Kraft treten zu lassen. Aus den 400-Euro-Jobs würden dann 450-Euro-Jobs. Zugleich stellte der Unions-Arbeitsmarktexperte Peter Weiß aber Minijobs generell infrage gestellt. Nahles nannte die Erhöhung der Geringfügigkeitsgrenze falsch. Minijobs führten kaum in reguläre Beschäftigung und seien für viele Frauen „eine Sackgasse des Niedriglohns ohne Aufstiegsmöglichkeiten“. Die Zahl der Minijobs steigt seit einiger Zeit: Im Dezember 2011 gab es 7,507 Millionen geringfügig entlohnte Beschäftigte. REUTERS ANZEIGE

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Mehr Geld für Leiharbeiter Berlin – Die Gewerkschaft Verdi will im August mit den Zeitarbeitsunternehmen über eine Annäherung der Löhne von Leiharbeitern an die der Festangestellten in Dienstleistungsbranchen sprechen. Die stellvertretende VerdiVorsitzende Andrea Kocsis sagte der Wirtschaftswoche, bei dem Gespräch am 20. August solle ausgelotet werden, wie Branchenzuschläge aussehen könnten. Am Ende müssten auch Beschäftigte mit kurzen Verleihzeiten von solchen Zuschlägen profitieren. Kocsis will zunächst über Regelungen für drei Branchen sprechen, die aber noch nicht ausgesucht seien. Insgesamt betreut Verdi Arbeitnehmer in zwei Dutzend Wirtschaftszweigen. Vor Verdi haben bereits die IG Metall und die IG BCE Zuschläge für Leiharbeiter ausgehandelt. Von diesem November an erhalten beispielsweise Leiharbeiter in der Metall- und Elektroindustrie auf ihr Grundentgelt einen stufenweisen Zuschlag von bis zu 50 Prozent. REUTERS

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Eine Frage der Ehre

POLITIK UND MARKT China will eingreifen

WIRTSCHAFT

Fußball-Legende Franz Beckenbauer hat einen neuen Job: Demnächst wird er als Botschafter der russischen Gasindustrie auftreten und damit auch für Gazprom. Russland erhofft sich eine Verbesserung des ramponierten Image, doch es gibt Kritik an dem offenbar gut dotierten Engagement VON FRANK NIENHUYSEN

Moskau – Es gibt diese Bilder noch nicht, und man muss sich schon etwas anstrengen, sie im Kopf künstlich zu erzeugen. Sich vorzustellen, wie Franz Beckenbauer in der Weite Sibiriens auf einem Gasfeld steht, im Gebiet von Tjumen, umgeben von einem Röhrengeflecht, auf dem Kopf einen Schutzhelm. Walerij Jasew kann sich das sehr gut vorstellen, er hat Beckenbauer dazu eingeladen. Eine Antwort hat er bisher nicht erhalten, doch das macht ihn deshalb nicht gleich unruhig. Jasew wird noch sehr lange mit Beckenbauer zu tun haben, denn der hat bei ihm einen Vertrag unterzeichnet. Die Rede ist von mindestens fünf Jahren, Jasew aber sagt dazu nur: „Es ist ein langfristiger Vertrag, alles andere ist vertraulich.“ Jasew ist Präsident der Russischen Gasgesellschaft (RGO), ein kräftiger Mann, der in seinem Büro in der Moskauer Innenstadt an einem gediegenen Tisch Platz genommen hat. Er macht diesen Job schon seit zehn Jahren, er sagt, er denke immerzu an Gas, aber irgendwann dachte er auch an den deutschen Fußball-Helden: „Beckenbauer ist eine Legende, in Deutschland, ja in ganz Europa.“ Und nun soll der FußballEuropameister von 1972, der Weltmeister von 1974, der Weltmeister-Trainer von 1990 für Gas werben. Für Gas als Energieform allgemein, aber natürlich auch für Gas aus Russland. „Franz wird der neue Sport-Zar von Russland“, schrieb die Bild-Zeitung im Mai, als Beckenbauer auf dem European Business Congress im slowenischen Portoroz als Partner der RGO vorgestellt wurde. „Russland ist ein bedeutender Zukunftsmarkt und RGO eine der wichtigsten Wirtschaftsinstitutionen Europas, die den Sport auch international enorm unterstützt“, sagte Beckenbauer damals. „Für mich ist es eine Ehre, mit einem solchen Partner zusammenzuarbeiten.“ Und dann wurden sie genannt, die Ereignisse: die Olympischen Winterspiele in Sotschi 2014, das erste Formel-1-Rennen in Sotschi im selben Jahr, die Eishockey-Weltmeisterschaft in Russland 2016, und, als Krönung, die Fußball-WM 2018. Beckenbauer hält viel vom Sport in Russland und war als Mitglied des Exekutivkomitees des Fußballweltverbands Fifa bei der WM-Vergabe an Russland stimmberechtigt. Aber es geht nicht nur um Sport, sondern vor allem um Stimmung für die Energiebranche. Welche Aufgaben und Projekte Beckenbauer konkret übernehmen soll, wird derzeit ausgearbeitet. Vom Herbst an wird er an Gas-Konferenzen teilnehmen, Interviews geben, Pressekonferenzen abhalten, vielleicht auch einige kleinere Artikel schreiben. Er wird dazu auch nach Russland reisen, aber es geht vorwiegend um den Markt in Europa. „Bei uns in Russland ist mit dem Ruf des Gases alles in Ordnung“, sagt Jasew. Russlands Bild als Energielieferant hat im Westen unter den sogenannten Gaskriegen mit der Ukraine in den vergangenen

Bei der Europameisterschaft 1972 gewann Deutschland mit Franz Beckenbauer (re.) das Endspiel gegen die damalige Sowjetunion.

FOTO: BAUMANN/PA

„Wir brauchten da keine Hilfe.“ Die RGO umfasst insgesamt etwa 120 Firmen. Gazprom, unter anderem Hauptsponsor von Schalke 04, ist die mit Abstand wichtigste. Warum Russlands größter Konzern nicht selber als Vertragspartner von Beckenbauer auftritt, obwohl Gazprom-Chef Alexej Miller in Slowenien den Abschluss verkündete, ist unklar. Nur so viel: „Er hat die Kontakte zwischen der RGO und Beckenbauer begrüßt“, sagt Jasew. „Formal ist die Gasgesellschaft unabhängig, aber jeder weiß, dass Gazprom die Fäden in der Hand hält“, sagt Renata Jambajewa, Wirtschaftsredakteurin bei der Zeitung Kommersant. „Vielleicht wäre Gazprom wegen seines Images im Westen nicht so ideal gewesen.“ Vor allem im zurückliegenden Streit mit der Ukraine, als diese zum Verdruss Moskaus noch zielstrebig in die EU und in die Nato strebte, galt der Konzern als verlängerter Arm des Kremls. Als er später im Westen seinen Ruf verbessern wollte und als Sponsor bei Schalke einstieg, war das Unbehagen zu-

nächst groß in Deutschland. Dies hat sich weitgehend gelegt, aber auch Beckenbauers Engagement sehen manche kritisch. „Wer sich zum Botschafter von Gazprom machen lässt, manövriert sich ins politische Abseits und hilft nur dem Regime von Wladimir Putin“, sagt der Europaabgeordnete Werner Schulz. Für Gazprom geht es derzeit jedenfalls um viel in Europa, das seine Abhängigkeit von russischem Gas gern verringern will. Die EU kämpfe gegen das russische Gas wie Don Quichotte gegen die Windmühlen, klagte Gazprom-Chef Miller kürzlich. Er selber wiederum kämpft um mehr Einfluss in Deutschland, seinem wichtigsten Markt auf dem Kontinent. Der russische Gas-Monopolist will nicht länger nur den Rohstoff liefern, sondern auch in Deutschland selber Strom herstellen und die Kunden direkt beliefern, als Konkurrent der heimischen Konzerne RWE und Eon. Die Strategie der russischen Gaspolitik ist also komplex, und sogar mit Franz Beckenbauer muss sie nicht gleich spielend aufgehen.

Jahren gelitten, als es in einigen EU-Ländern sogar zu Engpässen kam. Derzeit hat Russland eher andere Sorgen, auch wenn der Bau der Pipeline Nabucco, die von der EU unterstützt wurde und russisches Gebiet umgehen sollte, nun aus Kostengründen doch nicht wie geplant verwirklicht wird. „Der Markt in Europa ist umkämpft“, sagt Jasew, „außer Russland liefern auch Norwegen, Algerien, Malaysia; und Katar bringt Flüssiggas. Die Konkurrenz ist hart, deshalb ist das Image nicht gleichgültig.“ Beckenbauer kann da sicher mit Leichtigkeit helfen. „Für das russische Gasgeschäft in Europa dürfte sich das auszahlen. Beckenbauer wird die Gasgesellschaft einem breiteren Publikum bekannt machen, vor allem in den Massen- und in den Lifestyle-Medien“, sagt Ilja Rettere, MarketingExperte bei Brand-Jet in Moskau. Auch wenn der Vertrag die RGO einiges kosten dürfte. Die Summe verrät Jasew nicht. „Beckenbauer wird es vermutlich wenig erscheinen“, sagt er. „Es wird viel sein“, sagt dagegen eine Quelle, die Gazprom nahe-

steht. „Aber dass sich nun deshalb die Nachfrage nach russischem Gas erhöht, bezweifle ich.“ Die Gasgesellschaft hat zunächst auch an andere gedacht: an Führungspolitiker, an Künstler. Aber sie blieb bei Beckenbauer. Jasew hat ihn als „sehr sympathischen Menschen“ kennengelernt, aber es hat doch eine kleine Weile gedauert, bis Beckenbauer in das Geschäft einwilligte.

Es hatte eine Weile gedauert, bis das Geschäft zustande kam „Nicht dass er uns gleich in die Arme gefallen wäre. Er hat es sich eben eine gewisse Zeit überlegt“, sagt Jasew. Dass der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder beim ersten Kontakt eine Rolle gespielt haben könnte, der als Vorsitzender des Aktionärsausschusses der Ostsee-Pipeline-Gesellschaft Nord Stream mit Gazprom zusammenarbeitet, weist der RGO-Präsident zurück.

Skandale, Mythen, Rätsel Bankgeschäfte zwischen Marienbildern: Die Vatikanbank will endlich transparenter werden und öffnet ihre heiligen Büros Rom – Paolo Cipriani zeigt stolz das weiße T-Shirt, das sie ihm geschenkt haben: „Anti-Geldwäsche-Experte“ darauf. Doch so optimistisch sich der seit 2007 amtierende Generaldirekter des Istituto per le Opere Religiose (IOR) – besser bekannt als Vatikanbank – auch gibt: Hinter der düsteren Fassade des Turms Nicolo IV in der Vatikanstadt herrscht gespanntes Warten. Die Banker des Papstes haben ihren Transparenzbericht bei Moneyval in Straßburg eingereicht, er ist mit Anmerkungen zurückgekommen. Vier Wochen bleiben dem IOR jetzt, darauf zu reagieren. Dann entscheidet sich, inwieweit das Gremium des Europarats dem Vatikanstaat mit seinem geheimnisumwitterten Geldinstitut IOR bestätigt, wirksam Systeme gegen Geldwäsche und verdeckte Terrorismusfinanzierung anzuwenden. Würden die Prüfer von Moneyval am Ende ihre Daumen senken, wäre das ein Schlag für das Ansehen von IOR und Vatikanstaat, dem der Papst erst 2010 ein Geldwäschegesetz verschrieb. Erstmal in die Ferne gerückt wäre auch die von Benedikt XVI. angestrebte Aufnahme in die „Weiße Liste“ der OECD mit den Ländern, die die Standards zur Bekämpfung von Geldwäsche einhalten.

Arbeitskampf in Norwegen

Keine normale Bank: Es fängt damit an, dass das IOR nicht auf Profit aus ist

Oslo – Eine Verschärfung des Arbeitskampfes legt möglicherweise die norwegische Ölbranche demnächst lahm. Die Öl- und Gasproduktion könne ab Dienstag zum Erliegen kommen, erklärten sowohl Gewerkschaften als auch Arbeitgeber, nachdem am Morgen die Tarifgespräche für die rund 7000 Beschäftigten auf den Bohrplattformen vor der Küste nach 13 Stunden zum dritten Mal gescheitert waren. „Der Streik geht weiter. Das ist eine sehr ernste Situation“, sagte der Chefunterhändler des Branchenverbands OLF, Jan Hodneland. Der seit zwei Wochen andauernde Arbeitskampf war am Donnerstag mit der Arbeitgeber-Drohung eskaliert, von Dienstag an alle Beschäftigten auszusperren. Hauptstreitpunkt ist die Gewerkschaftsforderung nach einer Vorruhestandsmöglichkeit ab einem Alter von 62 Jahren. REUTERS

Die italienische Zeitung Il Fatto Quotidiano wollte schon wissen, die MoneyvalExperten hätten zunächst acht von 16 Kernpunkten des IOR für ungenügend erfüllt erachtet, dann aber mit neun gegen sieben Stimmen ein positives Urteil gefällt. Und auffälligerweise habe sich Italiens Finanzaufsicht zuvor eines Statements enthalten. Den Bankern des IOR war klar, dass es höchste Zeit ist, in die Offensive zu gehen. Und so haben sie vor einigen Tagen einen einmaligen Schritt getan und ausgesuchte Vatikanjournalisten in ihre heiligen Hallen im Palazzo Sisto V. neben dem Turm gebeten. Die Schleier alter Geheimnisse sollten, wie Cipriani sagte, vom Institut fallen. Denn wenn auch schon mythisch, sind die thrillerreifen Skandale der achtziger Jahre unvergessen, als die Banca Ambrosiana das IOR mit seinem damaligen Chef Erzbischof Paul Casimir Marcinkus, für krimi-

nellste Geschäfte nutzte. Banca-Ambrosiana-Chef Roberto Calvi endete 1982 „selbstermordet“ an einem Strick unter der Londoner Black Friars’s Bridge, „Bankier Gottes“ hatte man ihn genannt. Das ist lange her, und beim IOR hat sich seither viel geändert. Dachte man zumindest. Aber um den Nicolo-IV-Turm kreisen wieder Zweifel und Gerüchte, auch wenn es bei den jüngsten Vorgängen keinen Toten gab, sondern nur einen geschassten IORPräsidenten. Ettore Gotti-Tedeschi bekam vor sechs Wochen vom Aufsichtsgremium das Misstrauen erklärt, unter anderem wurde ihm „seltsames Verhalten“ vorgeworfen. Er ist auch verdächtig, vertrauliche Schriftwechsel an Medien lanciert zu haben – einer der Stränge der Vatileaks- Affäre um veröffentlichte Vatikandokumente. Gotti-Tedeschi weist das zurück. Als Hintergrund des Zerwürfnisses gilt ein Streit zwischen ihm und dem mächtigen Kardinal Staatssekretär Tarcisio Bertone, auch um die Transparenz , die jetzt bei Moneyval zählt: Bertone, Nr. 2 des Vatikan und Chef-des IOR-Aufsichtsrates, wollte demnach nicht, dass die Transparenzregeln auch rückwirkend gelten - vor April 2011, als der Vatikan Moneyval beitrat. Rätseln ließ auch, was im März geschah. Da kündigte die Mailänder Filiale von J.P. Morgan dem IOR ein Konto für tägliche Transaktionen, weil die Vatikanbanker bestimmte Informationen nicht geliefert hätten. Ein Missverständnis sei das, sagt IOR-Generaldirektor Cipriani dazu, im Grunde so wie der Ärger um 20 Millionen Euro aus eigenen Mitteln, die das IOR Ende 2010 auf sein Konto bei J.P. Morgan in Frankfurt schicken wollte. Die italienische Bankenaufsicht griff damals ein, das Geld wurde vorübergehend eingefroren. Diese Angelegenheit ist weitgehend gelöst, Cipriani zufolge hatte das IOR alle nötigen Informationen zu der Sache geliefert. Im Verwaltungstrakt im Palazzo Sisto herrscht die Atmosphäre lautloser Diskretion von Privatbanken, hinter einer undurchsichtig satinierten Glastür liegt der Büroflur, in den Entréeräumen sind eine ansehnliche Goldmünzenkollektion mit Papstkonterfeis ausgestellt und ein paar alte Kassenbücher. Dem 58-jährigen Cipriani merkt man im mit Mariendarstellungen geschmückten Vortragssaal an, dass er Journalisten nicht gewohnt ist. Er verlässt

sich sehr auf sein Manuskript. Vor allem Basiswissen über das IOR mit seinen 112 Mitarbeitern liefert er, dennoch ist das fast revolutionär, erinnert sich doch niemand, dass ein IOR-Direktor je freiwillig so viele Informationen herausgegeben hätte. Das IOR ist keine normale Bank. Es fängt damit an, dass das IOR nicht auf Profit aus ist. Sie investierten sehr konservativ, erklärt Cipriani, fünf Prozent höchstens in Aktien, ansonsten vor allem in Staatsanleihen bester Bonität. Eine Bilanz veröffentlicht das IOR nicht – bisher nicht. Am Freitag legte der Vatikan seinen Wirtschaftsbericht für 2011 vor. Da sind 49 Millionen Euro ausgewiesen, die das IOR dem Papst für wohltätige Werke bereitstellt – das dürfte ziemlich genau der Gewinn sein. Sechs Milliarden Euro Einlagen habe das IOR, und nein, sagt Cipriani, eine Kapitalflucht habe entgegen anderen Behauptungen nicht stattgefunden, ehe die Transpa-

renzregeln in Kraft traten. Mit Off-shoreBanken unterhielten sie keine Beziehungen, und strengstens werde jede auffällige Geldbewegung und jede Kundenidentität geprüft. So genau sei der Kundentest, beteuert Cipriani, dass es gar keine Strohmänner geben könne. Kunde des IOR kann nicht jeder werden. Das ist Vatikan- und Kircheninstitutionen in aller Welt vorbehalten, Klöstern, autorisierten Ordensleuten, Geistlichen, Diözesen, Pfarreien, frommen Stiftungen, Vatikan- Angestellten und -Pensionären und schließlich den beim Vatikan akkreditierten Diplomaten. Der Papst selbst gehört nicht zu den 33 000 Kunden des IOR, das keine Kreditkarten hat und dessen Automatenkarten nur an den Geldautomaten des Instituts in der Vatikanstadt funktionieren. Ciprianis Botschaft ist klar: Das Geldinstitut ist rein wie ein frisch gewaschenes Ministrantenhemd. ANDREA BACHSTEIN

Der Petersplatz in Rom: Die Vatikanbank war lange ein verschwiegenes Institut. Doch damit soll jetzt Schluss sein. FOTO: BLOOMBERG

Italiens Wirtschaft schrumpft Vorsichtiger Optimusmus bei der römischen Zentralbank Rom – Italien steckt nach Einschätzung der Zentralbank dieses Jahr tiefer in der Rezession als gedacht. Zentralbankchef Ignazio Viscosagte der Zeitung Corriere della Sera, er rechne mit einem Schrumpfen der heimischen Wirtschaft um zwei Prozent statt wie bislang um 1,5 Prozent. Erste Anzeichen für eine Erholung dürften Ende des Jahres wahrnehmbar sein, sagte er dem Blatt. „2012 wird negativ sein, aber ich denke nicht, dass sich die Situation darüber hinaus verschlimmert“, zitierte die Zeitung Visco, der auch im Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) sitzt. Die Sparprogramme von Regierungschef Mario Monti lobte er als richtige Schritte. Er räumte zugleich ein, es gebe keine schnelle Lösung für die Schuldenprobleme Italiens. Die Monti-Regierung rechnet für dieses Jahr mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung um 1,2 Prozent. Der Arbeitgeber-Verband Confindustria erwartet sogar ein Minus von 2,4 Prozent. Italien steckt seit Mitte vergangenen Jahres in einer Rezession. Die Wirtschaft wurde auch durch diverse Sparpakete belastet. Die Renditen der zehnjährigen italienischen Anleihen kletterten vergangene Woche auf mehr als sechs Prozent und verteuern damit die Refinanzierungskosten des Landes, wenn dieses neue Anleihen ausgibt. Monti hat die Finanzminister der Euro-Zone einmal mehr aufgefordert, Maßnahmen gegen die wieder anziehenden Renditen von Staatsanleihen in einigen Ländern zu ergreifen. Der Anstieg sei beunruhigend. Italien hat nach Einschätzung von EZBDirektoriumsmitglied Jörg Asmussen ein Wachstumsproblem. Sich beim politischen Handeln allein auf die Verbesserung der öffentlichen Finanzen zu konzentrieren, reiche nicht aus, sagte Asmussen der italienischen Zeitung La Stampa vom Samstag. Internationale Institutionen sähen das längerfristige Wachstumspotenzial des Landes inzwischen bei nahe Null. Zugleich bescheinigte Asmussen Italien große Fortschritte bei der Verbesserung seiner Staatsfinanzen. Verfolge Italien diesen Kurs weiter, könne es durchaus ohne finanziellen Beistand der Euro-Partner auskommen. REUTERS


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WIRTSCHAFT

HBG

UNTERNEHMEN MTU freut sich über Airbus Frankfurt – Der Triebwerksbauer MTU profitiert von der Nachfrage der Fluggesellschaften nach spritsparenden Flugzeugen. Das zweite Quartal sei gut gelaufen, sagte MTU-Finanzchef Reiner Winkler der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. „Der Auftragseingang liegt deutlich über dem Vorjahr, die zivile Instandhaltung arbeitet unter Vollauslastung“. MTU sei zuversichtlich, die Gewinn- und Umsatzziele für 2012 zu erreichen. Der Konzern profitiere vor allem von den vielen Bestellungen für den Airbus A320 neo . Für die modernisierte Version des Airbus-Verkaufsschlagers A320 liefert MTU Triebwerkskomponenten. Obwohl viele Airlines Verluste machten, spüre MTU nichts von der Krise. REUTERS

Montag, 9. Juli 2012, Nr. 156 DEFGH

ZWISCHEN DEN ZAHLEN

Geldmaschine Formel 1 254

Mehr Rennen, mehr Erlöse, sagenhafter Gewinn Angaben in Millionen Dollar 201

Gewinn

Gesamterlös

Koma-Saufen mit Shakespeare

474

Zahlungen der Rennstrecken Fernsehgelder Werbung und Sponsoring Sonstiges

1429

2010

449

480

297 512

2011

474

299

224

1522 489

579 235

1636

2012

505

523

329

Geld für Siemens und Areva Paris – In dem Streit um Probleme beim Bau eines finnischen Atomkraftwerks haben die Konzerne Siemens und Areva vom Internationalen Schiedsgerichtshof 125 Millionen Euro zugesprochen bekommen. Der finnische Energieversorger TVO müsse zudem die Kosten des Prozesses zahlen, teilte der französische Kraftwerksbauer Areva mit Verweis auf die Entscheidung des in Paris ansässigen Schiedsgerichts jetzt mit. Der Bau des Kraftwerks Olkiluoto 3 verzögert sich schon seit langem, der Betreiber und das Baukonsortium weisen sich gegenseitig die Schuld dafür zu. Siemens hatte sich bereits im vergangenen Jahr vom Atomgeschäft verabschiedet. DPA

Fischer bleibt Familienfirma Waldachtal/Stuttgart – Nach dem gescheiterten Generationswechsel beim Dübelhersteller Fischer hat der alte und neue Chef klargestellt, dass die Gruppe ein Familienunternehmen bleiben soll. „Ungeachtet der Tatsache, dass mein Sohn ausgeschieden ist und ich die Geschäftsführung wieder übernommen habe, muss es das Ziel bleiben, dass jemand aus der Familie das Unternehmen weiterführen kann“, sagte Klaus Fischer der Stuttgarter Zeitung. Möglich sei auch, dass ein externer Manager die Firma eine Zeit lang führe. Klaus Fischer hatte im April überraschend die Leitung wieder von seinem Sohn übernommen, der erst gut ein Jahr zuvor eingestiegen war. DPA

660 247

2013

496

323

1795 559

752 284

1966

2014

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552

Ein vertraulicher Investoren-Bericht einer asiatischen Großbank beschreibt, wie prächtig die Geschäfte des Motorsportspektakels laufen. Und wie der Rennzirkus mit neuen Austragungsorten weiter florieren soll.

*Ebitda; Gewinn vor Steuern, Zinsen, Abschreibungen SZ-Grafik: Ilona Burgarth; Quelle: Investoren-Report über die Formel 1

Rasende Geschäfte Schnelle Autos, steigende Milliardenerlöse und schöne Frauen an der Rennstrecke: Ein interner Bericht für Investoren legt erstmals die Profite der Formel 1 offen. Und zeigt, wie die privaten Investoren dabei vom Geld der Steuerzahler profitieren VON KLAUS OTT

München – Es gibt Menschen, die planen langfristiger als andere. Bernie Ecclestone ist so einer. 81 Jahre ist er alt, aber als Chef der Formel 1 abtreten will er noch lange nicht. „Wenn ich hundert werde, dann bin ich definitiv weg“, sagte der Brite jetzt der Zeitung Daily Mail. Ein Nachfolger, der ihn ersetzen könnte, ist für den großen Boss, der in Wirklichkeit nur 1,58 Meter misst, ohnehin nicht in Sicht: „Es gibt keinen, den ich genug verachte, dass ich es ihm wünschen würde.“

Ecclestone, der Zyniker. Man weiß nie so genau, wann er etwas ernst meint und wann nicht. Warum sollte er auch gehen? Er verdient ja nicht schlecht an seinem Rennzirkus. Egal ob Sebastian Vettel als Erster ins Ziel fährt, Lewis Hamilton, Fernando Alonso oder ein anderer: Die eigentlichen Gewinner der Formel 1 stehen auf keinem Siegertreppchen. Sie heißen Blackrock und CVC Capital Partners, Norges und Bambino, Waddell & Reed – und natürlich der Meister selbst: Bernie Ecclestone. Die großen Teilhaber jener Gesellschaft, die das Rennspektakel vermarktet, haben eine

Durch Sport mehr Glück und Verstand.

Gewissheit: Sie gewinnen immer. Wie profitabel die Formel 1 wirklich ist, war bislang stets ein wohlgehütetes Geheimnis. Jetzt sind erstmals Einzelheiten bekannt geworden, die nicht bekannt werden durften. Nachzulesen in einem als „vertraulich“ gekennzeichneten Investorenbericht einer asiatischen Großbank für den ursprünglich in Singapur geplanten und dann abgesagten Börsengang des Formel-1-Vermarkters, der der Süddeutschen Zeitung vorliegt. Das 63-seitige Papier, mit dem finanzkräftige Kapitalanleger für den Kauf der Renn-Aktien gewonnen werden sollten, prognostiziert steigende Milliardenerlöse und stabile Gewinne von durchschnittlich 500 Millionen Dollar pro Saison (siehe Grafik). Und – ganz nebenbei – legt es offen, wie die privaten Investoren vom Geld der Steuerzahler profitieren. Demnach funktioniert das System so: Hauptgeldgeber der Formel 1 sind die Betreiber der Rennstrecken, die von Jahr zu Jahr mehr und mehr für das Recht bezahlen, Vettel, Alonso, Schumacher und all die anderen Piloten bei sich im Kreis fahren zu lassen. „Promotion Fee“ heißt die Gebühr, die Ecclestone eintreibt. 2005 zahlte ein Rennstreckenbetreiber durchschnittlich 15,6 Millionen Dollar pro Veranstaltung. In diesem Jahr sind es bereits 28,9 Millionen Dollar, 2013 sollen es schon 33 Millionen Dollar sein. Das besagt der Investorenbericht, der nicht von der Formel 1 selbst stammt, aber einem Insider zufolge auf Angaben der Renn-Vermarkter basiert und die Schlussfolgerungen der Bank wiedergibt. Einer Bank, die beim Börsengang dabei sein sollte.

Staaten zahlen, Aktionäre kassieren – so soll es weitergehen Die „Promotion Fees“ werden in dem Papier als sichere Geldquelle eingeschätzt. Grund: Die Rennstreckenbetreiber seien häufig staatliche Einrichtungen oder vom jeweiligen Land unterstützte Veranstalter, beispielsweise Automobilklubs. 16 der 20 Rennen in diesem Jahr würden staatlich gefördert. Das „Schöne“ für die Formel-1-Aktionäre sei, so steht es wörtlich in dem Papier, dass „die Promotion Fees sicher vor Rezessionen sind“. Die Aufgaben sind demnach klar verteilt: Die öffentliche Hand zahlt. Die Investoren machen dagegen den Reibach. Die Verträge mit den Strecken laufen meist viele Jahre. Die Formel 1 trägt laut Investorenreport keinerlei Risiko, falls bei einer Wirtschaftskrise weniger Zuschauer kämen und die Ticketerlöse zurückgingen. Die „Promotion Fees“ seien festgeschrieben. Der Report schildert in aller Offenheit,

wie Ecclestone die Rennstrecken gegeneinander ausspielt. Falls einer der Betreiber nicht mehr mitmachen wolle, weil ihm das Spektakel zu teuer werde – kein Problem. „Da ist immer irgendein anderer Interessent“, heißt es in dem Papier. Kein Zufall: Als die westlichen Industriestaaten 2008/2009 von der Bankenkrise heimgesucht wurden und in die Rezession gerieten, stieg das durch seine Erdölvorräte reich gewordene Abu Dhabi am Persischen Golf als neuer Austragungsort ein. Und Ecclestone habe längst die nächsten Zukunftsmärkte im Blick. Russland mit einem Rennen in Sotschi im Jahr 2014, Südafrika 2015 – und erst recht China. Auch auf Brasilien und Indien setze der Impresario. Und auf die USA. Das werde verhindern, dass die Formel 1 unter der „europäischen Schuldenkrise“ leide. Staaten zahlen, Aktionäre kassieren, so soll es weitergehen. Mit noch mehr Rennen, bei denen die Boliden mit Spitzengeschwindigkeiten von mehr als 300 km/h über die Strecken rasen. Noch mehr Spektakel, das ist die Zauberformel der Formel 1. Vor knapp einem Jahrzehnt fanden nur 16 Rennen statt, heute sind es bereits 20, weitere sollen hinzukommen. Und bei den „Promotion Fees“ seien laut Investoren-Report bis zu 60 Millionen Dollar drin, die ein Streckenbetreiber für ein einziges Wochenende zahle, an dem Vettel & Co. bei ihm ein Gastspiel geben – begleitet von attraktiven Damen. Zusätzliche Rennen, das bedeutet zusätzliche Kosten für Ferrari, Red Bull, McLaren, Force India, Lotus, Sauber, Toro Rosso und Williams, die sich bis 2020 an die Formel 1 gebunden haben. Mercedes verhandelt noch. Voraussichtlich 63 Prozent, also fast zwei Drittel der Erlöse, werden laut Investorenreport künftig an die Teams fließen, so viel wie nie zuvor. CVC Capital Partners, Hauptaktionär der Formel 1, will sich zu dem Investorenreport der asiatischen Großbank nicht äußern. Auch nicht dazu, dass der Rennzirkus und seine Betreiber über die „Promotion Fees“ von Steuergeld profitieren. Es bleibt also lukrativ. Gefährlich werden könnten Ecclestone nur die Münchner Staatsanwälte, die wegen eines mutmaßlichen Schmiergeldgeschäfts ermitteln, das der Brite abstreitet. Zufall oder nicht: Der in Singapur vorgesehene Börsengang der Formel 1 wurde ausgerechnet abgesagt, als die Münchner Justiz immer mehr den Eindruck gewann, der Renn-Chef habe vor Jahren einen damaligen Spitzenbanker bestochen. Für die Großaktionäre der Formel 1 bedeutet das, dass sie ihre Anteile einstweilen nicht versilbern können. Aber das muss Ecclestone und seine Partner nicht weiter stören. Ihnen bleiben ja die Profite. Die Aktionäre gewinnen immer. R Sport

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In zwei Wochen gastiert die Formel 1 auf dem Hockenheimring. Wann danach wieder ein Rennen in Deutschland stattfindet, ist ungewiss. Nächstes Jahr wäre der Nürburgring in der Eifel dran. Doch ein neuer Vertrag mit Formel-1-Chef Bernie Ecclestone liegt bislang nicht vor und wird so schnell auch nicht zustande kommen. „Es gibt derzeit keine Gespräche mit Ecclestone“, sagt ein Sprecher des rheinland-pfälzischen Innenministeriums in Mainz. Aus Regierungskreisen heißt es, man sei derzeit zurückhaltend, was ein Treffen mit dem Briten angeht. Das liege zum einen an den Schmiergeld-Vorwürfen gegen Ecclestone. Und zum anderen an der ungelösten Situation am Nürburgring. Rheinland-Pfalz hat den privaten Betreibern der Rennstrecke gekündigt, die wehren sich, und frühestens Ende Oktober könnte das Land den Ring übernehmen. Seit 2003 hat die Mainzer Regierung die Formel-1-Rennen dort mit mehr als 50 Millionen

Euro subventioniert, doch so soll es nicht weitergehen. „Der Geldhahn für die Formel 1 wird zugedreht“, verkündete die grüne Wirtschaftsministerin Eveline Lemke bereits 2011 vor dem bislang letzten Rennen auf dem Ring, das die Steuerzahler 13,5 Millionen Euro kostete. Im Doppelhaushalt 2012/13 sind keine Mittel mehr eingeplant. Ohne Steuergeld klafft aber eine riesige Lücke im Budget. Etwa 20 Millionen Euro kassierte die Formel 1 dem Vernehmen nach pro Rennen als sogenannte Fahrerfeldgebühr. Diese Gebühr verlangt sie auch weiterhin. Ecclestone will den Betreibern des Rings nun angeblich erlauben, eigene Sponsoren zu werben, was das Defizit auf unter zehn Millionen Euro pro Rennen senken könnte. Die privaten Betreiber, Kai Richter und Jörg Lindner von der Nürburgring Automotive GmbH, telefonieren regelmäßig mit dem Briten. Das jüngste Gespräch war am vergangenen Mittwoch – Neuigkeiten gab es keine. MARC WIDMANN

Sir John Falstaff gehört mit zu den süffigsten Charakteren, die der britische Dramatiker William Shakespeare aufzubieten hatte. Zeitlos die Figur, zeitlos der Lebensstil. Der dicke Komödienheld aus „Heinrich IV“ und „Die lustigen Weiber von Windsor“ ist Schwerenöter, lautstarker Genießer und hemmungsloser Säufer in einem. Alles durchaus Themen, die so erfrischend aktuell sind, dass auch der heutige Leser (und Genießer) etwas mit ihnen anfangen kann. Eigentlich war es da nur eine Frage der Zeit, wann der Dicke und sein Dichter endlich auch von der heutigen Konsumwelt vereinnahmt werden würden. Zugegeben, es dauerte 400 Jahre, aber dafür war die Sache am Ende rund: Die österreichische Getränkefirma Jackson International Trading hatte beschlossen, ihre Bier- und Scotch-Produkte Royal Shakespeare und damit indirekt nach dem Autor des guten alten Falstaff zu benennen. Die Verbindung von Hochprozentigem und hoher Literatur hat einen gewissen Charme. Statt auf einen stupiden Obstler als Absacker könnte man auf „einen Royal Shakespeare“ gehen. Auch „Koma-Saufen mit Shakespeare“ würde einem im Grunde profanen Vorgang die nötige Würde – um nicht zu sagen: Fallhöhe – bescheinigen. Aber wie immer, wenn jemand eine kreative Idee hat, warten irgendwo schon die Nörgler, Spielverderber und Pedanten. In diesem Fall die Schauspieler des Theaterensembles Royal Shakespeare Company. Zugegeben, auch die haben ein paar triftige Gründe, sich auf Shakespeare zu berufen. Aber deswegen gleich zum EU-Markenschutzamt rennen und sich beschweren? Das ist ziemlich kleinlich. Die Österreicher sahen das auch so und wehrten sich vor einem EU-Gericht gegen die Vereinnahmung Shakespeares durch die Royal Shakespeare Company. Ihr Argument: Getränkehersteller und Theatergruppe seien zwei unterschiedliche Betriebe und stünden nicht in Konkurrenz miteinander. Die einen (die mit den Getränken) richteten sich an eine breite Öffentlichkeit. Die Theaterleute nur an eine Elite. Hier die Breiten, da die Wenigen – mit ein bisschen Humor hätten die Richter das Ding auf sich beruhen lassen können. Stattdessen lehnten sie die Klage ab. Das Theaterensemble habe sich sein Image hart erarbeitet. Sein Image hart erarbeitet? Das hat Falstaff auch. So what. THOMAS FROMM

Neue Freunde Nach der Schlammschlacht: Yahoo und Facebook schließen Allianz Sunnyvale/Menlo Park – Facebook und Yahoosind neuebeste Freunde: Mit dem gegenseitigen Versprechen, enger denn je zusammenzuarbeiten, beendeten die beiden Internetkonzerne eine monatelange Schlammschlacht um Patente. Die Allianz umfasst die einträgliche Werbung, die Verbreitung von Inhalten sowie Veranstaltungen. Die Patente dürfen nun von der jeweils anderen Seite genutzt werden. „Ich bin zufrieden, dass wir das in einer positiven Art und Weise gelöst haben“, sagte die bei Facebook für das Tagesgeschäft zuständige Managerin Sheryl Sandberg. Wäre Yahoo mit seiner Klage erfolgreich gewesen, hätte es teuer für Facebook werden können. Auch Yahoo-Interimschef Ross Levinsohn zeigte sich zufrieden, dass die Auseinandersetzung nun beendet ist. Der Konflikt hatte das Silicon Valley in Atem gehalten und Yahoo in ein schlechtes Licht gerückt. Yahoo hatte den Streit im Frühjahr vom Zaun gebrochen, kurz vor dem Börsengang von Facebook. Der Internet-Pionier warf seinem jüngeren Rivalen vor, Ideen abgekupfert zu haben, und klagte. Facebook reagierte mit einer Gegenklage. Um die eigene Position zu stärken, scheute das soziale Netzwerk keine Kosten und kaufte für 550 Millionen Dollar Patente auf, die ursprünglich AOL gehört hatten. Auch von IBM erwarb Facebook geschützte Ideen. Die gütliche Einigung hat gleich mehrere Vorteile: Zum einen bleibt beiden Seiten ein langwieriges und teures Gezerre vor Gericht erspart. Zum anderen erhöhen sie mit der Partnerschaft bei Werbung und Inhalten ihre Schlagkraft. Yahoo leidet unter der Marktmacht des Rivalen Google und Facebook muss nach seinem Börsengang beweisen, dass das soziale Netzwerk ordentlich Geld verdienen kann. Die beiden Unternehmen sind zusammen eine Macht im Internet: Facebook kommt auf mehr als 900 Millionen Nutzer, Yahoo auf etwa 700 Millionen. Das bedeutet, dass Inhalte und Werbungweit gestreut werden können – ein Bonuspunkt im harten Internetgeschäft. Der Pakt ist damit auch ein Angriff auf den Suchmaschinen-Primus Google und dessen Anzeigengeschäft. Die Streithähne pflegten bis zur Klage eigentlich ein gutes Verhältnis. FacebookNutzer können Inhalte von Yahoo-Seiten mit ihren Freunden teilen. Die Stimmung drehte sich, als Scott Thompson zu Jahresanfang den Chefposten bei Yahoo übernahm. Sein Kalkül war es, Facebook kurz vor dem Börsengang unter Druck zu setzen – wohl in der Hoffnung auf einen reichen Geldsegen. Doch Thompson stolperte über einen falschen Titel in seinem Lebenslauf und musste gehen. „Die neue Führung von Yahoo konzentriert sich wieder auf Innovationen und darum, den Nutzern großartige Produkte zu bringen“, stichelte FacebookManagerin Sandberg. DPA


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GELD

DEFGH Nr. 156, Montag, 9. Juli 2012

In Deutschland zugelassene Qualitätsfonds im Wochenvergleich – mitgeteilt von vwd group Name

Währung

Ausg. 06.07.

RĂźcknahme 06.07. 29.06.

ZWG

ISIN Name

Währung

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32,07 40,31

30,54 38,39

30,92 38,46

0,34 DE0009807800 hausInvest 0,05 DE0008007998

Adviser I Funds, SICAV Alb&Cie Optiselect

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168,95 160,90 157,20

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47,90 41,14 42,39

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45,96 40,66 41,89

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70,78 14,42 87,56 88,79 57,75 64,38 49,72 77,24 54,33 51,46 104,32 98,63 48,74 49,75 50,37 86,16 117,97 76,85 168,04 51,84 54,93 146,58 55,29 78,22 100,30 512,13 105,63 65,77 72,49

67,41 14,00 85,01 84,56 55,00 61,31 48,27 74,63 52,24 49,01 100,31 93,93 47,32 49,75 50,37 82,06 113,43 73,19 160,04 50,33 53,85 139,60 53,16 76,31 95,52 487,74 100,60 62,64 69,04

65,45 13,79 84,12 81,82 53,19 59,29 47,69 73,30 51,02 47,72 100,39 90,83 46,66 49,75 50,34 78,96 110,98 70,52 153,41 49,34 53,70 135,75 51,75 75,66 89,26 472,34 97,15 60,78 66,79

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0,30 LU0212363658 0,22 LU0319455936 0,23 LU0307990381 CS EUROREAL*

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7,21 176,88 10,55 139,65 76,09 90,28 338,03 60,13 110,31 103,35 49,42 125,34 131,69 107,51 10,33 -

7,21 168,46 10,24 133,00 72,47 85,98 321,93 58,38 107,10 98,43 47,07 119,37 125,42 107,51 10,13 101,96

6,98 163,62 10,12 126,20 69,98 84,67 306,55 57,68 105,89 96,67 44,78 115,89 118,06 107,53 10,14 97,92

0,00 0,00 0,08 0,00 0,00 0,00 0,00 0,69 4,10 0,79 0,00 0,10 0,00 1,52 0,16 0,00

BW Portfolio 20 BW Portfolio 40 BW Portfolio 75 BW Zielfonds 2020 BW Zielfonds 2025 BW Zielfonds 2030 DekaFonds DekaFonds TF Deka-MegaTrends CF Deka-MegaTrends TF DekaRent-intern.TF DekaRent-Internat. Eur. Disc.Strat.CF Eur. Disc.Strat.TF EuropaBond CF EuropaBond TF GlobalChampions CF GlobalChampions TF LBBW Bal. Konzept LBBW Exportstrat. LBBW-Rentenf.Euro Mainfranken Strate MF Weltkonz. kons. MF Wertkonz. ausg. RenditDeka RenditDeka TF S-BayRent-Deka UmweltInvest CF UmweltInvest TF

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66,35 37,22 51,29

64,42 35,45 48,85

63,41 33,83 46,52

1,43 0,00 0,00

LU0178440839 LU0414045822 LU0165915215 LU0342688198 LU0250028817 LU0353377335 LU0081500794 LU0140355917 LU0482909818 LU0360457955 LU0294651343 LU0348784041 LU0224575943 LU0293294277 LU0665630819 LU0096450639

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48,73 76,18 51,23 47,98 45,67 36,48 55,09

48,25 72,55 49,74 47,98 44,34 34,74 52,47

48,16 69,48 49,44 47,96 44,02 33,60 50,31

CHF

83,73

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24,24 7,93 33,75 34,35 19,24 97,78 20,49 52,08 30,15 20,24 108,81 107,40 24,16 141,19 16,84 14,76 101,40 113,68 108,58 113,67

23,31 7,59 32,30 32,79 18,54 94,02 19,89 51,56 30,15 19,65 103,63 105,29 23,46 134,47 16,35 14,12 100,90 108,27 106,45 111,44

22,66 7,33 31,13 32,16 18,33 93,70 19,80 51,42 28,63 19,05 103,48 104,22 23,22 126,36 15,64 13,56 100,80 106,40 105,37 110,53

0,83 0,00 0,34 0,81 0,95 0,00 0,00

0,32 0,00 0,26 0,12 0,27 1,19 0,35 0,82 0,00 0,23 1,96 2,78 1,20 0,00 0,04 0,00 1,23 0,00 1,53 3,29

www.

DE0008471699 DE0008471608 DE0008471798 DE0008471780 DE0008471616 DE0008471764 DE0008471715

DE0008481136 DE0009847301 DE0008481193 DE0008485129 DE0008481086 DE0009847467 DE0008481052 DE0008481144 DE0005322176 DE0009847327 DE0009847483 DE000A0F5HA3 DE0008481078 DE0007248627 DE0009847350 DE0009847343 DE000A0NGJV5 DE000A0EAFX1 DE000A0Q8HP2 DE000A0YAX56

.lu

â‚Ź â‚Ź

67,49 3,92

64,28 3,72

63,30 3,62

LI0016742681

86,46

0,03 DE0009751404

CSAM Immobilien KAG mbH â‚Ź

54,00

51,43

55,75

0,02 DE0009805002

â‚Ź â‚Ź â‚Ź â‚Ź â‚Ź â‚Ź â‚Ź â‚Ź â‚Ź â‚Ź â‚Ź â‚Ź â‚Ź â‚Ź â‚Ź â‚Ź â‚Ź â‚Ź â‚Ź â‚Ź â‚Ź â‚Ź â‚Ź â‚Ź â‚Ź â‚Ź â‚Ź â‚Ź â‚Ź

41,82 40,36 36,54 34,18 32,43 32,47 65,19 157,04 40,51 35,93 122,38 19,89 36,90 33,90 115,40 40,95 104,80 97,00 44,56 45,94 42,47 106,34 100,45 99,48 21,69 27,31 51,02 66,77 61,86

41,00 39,57 35,82 33,51 31,79 31,83 61,93 157,04 39,05 35,93 122,38 19,31 35,57 33,90 112,04 40,95 101,01 97,00 43,69 44,10 41,23 106,34 100,45 99,48 21,06 27,31 49,23 64,36 61,86

40,43 38,64 34,46 32,67 30,45 30,40 60,05 152,38 37,70 34,71 120,78 19,05 34,71 33,10 110,52 40,41 96,97 93,17 42,27 42,20 40,90 104,20 99,80 98,47 20,83 27,02 48,70 62,45 60,06

0,34 0,42 0,16 0,36 0,14 0,05 0,00 0,00 0,00 0,00 0,97 0,18 0,00 0,00 3,14 1,00 0,00 0,00 0,00 0,01 0,43 0,00 0,48 0,41 0,16 0,18 1,03 0,00 0,00

Deka International (Lux.) Corp.Bd. Euro CF Corp.Bd. Euro TF Deka-Conv.Akt. TF Deka-Conv.Aktien CF Deka-Conv.Rent. TF Deka-Conv.Renten CF Deka-Gl.Con.Rent. CF Deka-Gl.Conv.Re.TF DekaLux-BioTech CF DekaLux-BioTech TF DekaLux-MidCapTF A GlobalResources CF GlobalResources TF Wandelanleihen CF Wandelanleihen TF

â‚Ź â‚Ź â‚Ź â‚Ź â‚Ź â‚Ź â‚Ź â‚Ź â‚Ź â‚Ź â‚Ź â‚Ź â‚Ź â‚Ź â‚Ź

52,60 50,74 146,12 163,63 50,04 52,30 46,20 44,34 176,86 165,63 41,95 83,38 78,89 49,55 46,95

51,07 50,74 146,12 157,72 50,04 50,41 44,53 44,34 170,47 165,63 41,95 80,37 78,89 48,11 46,95

50,32 50,02 140,31 151,35 49,53 49,87 43,44 43,28 159,53 155,09 40,59 76,37 75,00 47,25 46,13

0,85 0,72 0,00 0,00 0,24 0,38 0,69 0,60 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00

Währung

Ausg. 06.07.

RĂźcknahme 06.07. 29.06.

ZWG

DJE-Absolut I â‚Ź 221,28 221,28 217,82 DJE-Absolut P â‚Ź 221,30 210,76 207,48 DJE-Absolut XP â‚Ź 91,73 91,73 90,28 DJE-Ag&Ernährung I â‚Ź 133,27 133,27 132,00 DJE-Alpha Global I â‚Ź 170,17 170,17 168,35 DJE-Alpha Global P â‚Ź 167,37 160,93 159,22 DJE-Asien Hi D XP â‚Ź 144,86 144,86 140,49 DJE-Asien High D I â‚Ź 142,37 142,37 138,09 DJE-Asien High D P â‚Ź 145,82 138,88 134,71 DJE-Div&Sub.IH-CHF CHF 111,70 111,70 108,58 DJE-Gold&Ressour I â‚Ź 179,47 179,47 168,69 DJE-Gold&Ressour P â‚Ź 181,64 172,99 162,61 DJE-InterCash I â‚Ź 128,08 128,08 127,64 DJE-InterCash P â‚Ź 128,16 126,89 126,46 DJE-Real Estate I â‚Ź 819,42 811,31 812,66 DJE-Real Estate P â‚Ź 8,17 7,78 7,80 DJE-Renten Glob I â‚Ź 149,90 149,90 149,12 DJE-Renten Glob P â‚Ź 148,73 145,81 145,11 DJE-Renten Glob XP â‚Ź 127,44 127,44 126,76 DJE-Zins&Divid I â‚Ź 102,53 102,53 101,01 DJE-Zins&Divid P â‚Ź 106,37 102,28 100,88 DJE-Zins&Divid XP â‚Ź 103,71 103,71 102,15 Gamma Concept â‚Ź 187,73 180,51 176,66 GoldPort Stab.Fd.I CHF 124,31 123,08 119,78 GoldPort Stab.Fd.P CHF 125,25 119,29 116,11 LuxPro-Euro Rent I â‚Ź 1041,83 1016,42 1009,85 LuxPro-Euro Renten P â‚Ź 105,76 103,18 102,52 LuxTopic-Akt.Eu A â‚Ź 17,99 17,13 16,35 LuxTopic-Akt.Eu B â‚Ź 943,65 943,65 900,77 LuxTopic-Bk.Schill â‚Ź 16,37 15,59 15,43 LuxTopic-DJE Cosmo â‚Ź 149,95 142,81 140,90 LuxTopic-Flex â‚Ź 157,48 149,98 143,84 LuxTopic-PaciďŹ c P â‚Ź 20,35 19,38 19,02

0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 11,18 0,05 1,00 0,85 1,38 0,10 0,09 0,11 12,96 0,84 0,00 26,97 2,53 0,00 0,00 0,09 2,11 0,00 0,17

DWS Investment S.A.

Best Inv.Chance Best Inv.Wachst. Business Basic EUR Euro Cash EUR Europaf. Aktien Europaf. Plus EUR Europaf. Renten Global Player EUR H&S FM Global 100 H&S FM Global 60 Protekt Plus Sydbank VV Dyn Sydbank VV Klass VL Invest EUR

54,10 52,02 50,65 50,64 48,93 47,93 52,30 52,04 51,80 56,77 56,77 56,72 46,20 44,42 43,21 51,06 49,57 48,65 54,74 53,15 52,43 27,73 26,66 25,61 101,17 96,35 93,11 105,78 102,70 100,29 126,56 121,99 121,52 42,23 40,22 39,27 46,64 44,42 44,09 32,38 31,13 30,35

LU0159550408 LU0159548683 LU0229080576 LU0350836184 LU0159550747 LU0159549145 LU0374457033 LU0374456811 LU0374456654 LU0383655254 LU0159550820 LU0159550077 LU0159551125 LU0159549814 LU0200037074 LU0188853955 LU0159550580 LU0159549574 LU0229080659 LU0553169458 LU0553164731 LU0553171439 LU0124662932 LU0344733745 LU0323357649 LU0211481055 LU0304837403 LU0165251116 LU0592234537 LU0165251629 LU0185172052 LU0191701282 LU0188847478

0,00 0,00 0,62 0,00 0,00 0,71 1,21 0,00 0,30 0,66 0,58 0,27 0,07 0,06

DWS Eurorenta DWS Fl Rt Nts DWS Global Value DWS Gold plus DWS Rend.Opt. DWS Rend.Opt.4 S DWS VermMan-Bal DWS VermMan-Def DWS VermMan-Dyn DWS VermMan-Pro80 DWS Zinseinkommen

â‚Ź 52,00 50,48 50,05 â‚Ź 83,23 82,40 82,37 â‚Ź 147,42 140,40 136,61 â‚Ź 2129,10 2067,08 2005,64 â‚Ź 73,56 73,56 73,55 â‚Ź 103,37 103,37 103,35 â‚Ź 98,49 94,70 93,21 â‚Ź 106,03 102,93 102,91 â‚Ź 94,43 89,93 88,08 â‚Ź 86,54 82,41 82,20 â‚Ź 104,71 101,66 101,28

0,42 0,58 0,00 0,00 0,20 0,35 0,74 1,81 0,53 0,81 1,33

Stiftung Wachstum R Wandelanl.Global P

DJE Investment S.A.

â‚Ź â‚Ź â‚Ź

104,10 103,07 101,62 120,97 115,21 111,37 125,41 119,44 117,07

Währung

FT EuropaDynamik P FT EuroRendite FT Frankfurter-Eff. FT Gl.InfraSt.Div.P FT InterSpezial UnternehmerWerte

Ausg. 06.07.

â‚Ź â‚Ź â‚Ź â‚Ź â‚Ź â‚Ź

RĂźcknahme 06.07. 29.06.

ZWG

179,08 170,55 165,38 53,99 52,42 52,19 147,23 140,22 135,67 62,50 59,52 57,36 24,55 23,38 22,42 46,50 44,29 43,15

0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00

ISIN Name

DE0008478181 DE0009761692 DE0008478058 DE000A0NEBS3 DE0008478009 DE000A0KFFW9

FRANKFURT-TRUST Invest Luxemburg AG FT Em.Cons.Dem.P FT EmergingArabia* FT EuroCorporates Nik.Bel.Gl.AT(EUR)

â‚Ź â‚Ź â‚Ź â‚Ź

60,25 30,27 56,06 93,46

57,38 28,83 54,43 89,01

55,72 28,12 53,88 86,76

0,00 0,11 0,42 0,00

Währung

Ausg. 06.07.

RĂźcknahme 06.07. 29.06.

ZWG

â‚Ź â‚Ź â‚Ź â‚Ź â‚Ź â‚Ź â‚Ź â‚Ź

47,30 45,30 36,10 59,42 37,13 95,32 49,75 53,83

45,26 43,56 34,38 56,59 35,36 90,78 49,75 52,01

0,06 DE000A0JDAV9 0,06 DE0009782763 0,00 DE0009782789 0,00 DE0001619997 0,00 DE000A0JDAY3 0,00 DE0009754119 0,80 DE0009754192 1,93 DE000A0HMMW7

Floor EuroAktien GlobalBalance DF GlobalChance DF Nachhaltigkeit A Osteuropa A ProInvest ProZins A RealReturn A

LU0632979331 LU0317905148 LU0137338488 LU0334775037

MK Luxinvest

Telefon +49 911 180 - 1009 Generali FondsStrategie Dynamik â‚Ź

IAM - Top Mix Welt* 45,35

45,35

43,29

â‚Ź

11,19

â‚Ź

62,22

58,98

58,98

www.bnymellonkag.com Balanced* Europa* Eurorent* Megatrend* Triselect*

â‚Ź â‚Ź â‚Ź â‚Ź â‚Ź

54,03 32,76 56,50 42,47 44,38

51,46 31,20 54,85 40,45 42,27

50,71 29,56 54,46 38,69 41,66

0,34 0,00 0,88 0,00 0,09

DE0008006263 DE0009770289 DE0008006255 DE0005317374 DE0009770370

10,34

0,04 LU0211525950

MVM SICAV Generali Komfort Balance Dynamik Europa Dynamik Global Wachstum

â‚Ź â‚Ź â‚Ź â‚Ź

52,42 43,92 40,46 48,50

52,42 43,92 40,46 48,50

50,71 41,87 38,73 46,51

0,07 0,00 0,71 0,00

HansaInvest Lux S.A. MultiAStr-Balanc P MultiAStr-Growth P MultiAStr-Income P

â‚Ź â‚Ź â‚Ź

9,07 6,81 9,46

8,72 6,49 9,18

8,59 6,38 9,09

Hauck & Aufhäuser

â‚Ź 5,12 4,88 4,86 0,00 LU0134237253 LU0100842029 MVM LUX S-frontr g LU0100847093 Nomura Asset Management LU0100847929 Telefon 069 153093-020 Internet www.nomura-asset.de LU0100846798

Asia PaciďŹ c Asian Bonds 0,05 LU0105418833 Euro Convertible 0,00 LU0105425887 Fundamental Europe 0,11 LU0105418759 Fundamental Japan Japan Equity Medio Rent Real Protect Real Return

â‚Ź â‚Ź â‚Ź â‚Ź â‚Ź â‚Ź â‚Ź â‚Ź â‚Ź

103,37 98,45 95,37 67,51 65,54 64,27 46,35 45,00 44,66 37,58 35,79 34,81 38,76 36,91 36,62 30,63 29,17 28,84 71,11 69,72 69,42 114,41 112,17 111,68 613,85 601,81 599,20

0,00 1,30 0,00 0,00 0,00 0,00 0,43 11,66 69,15

DE0008484072 DE0008484429 DE0008484098 DE0008484445 DE0008484411 DE0008484122 DE0008484106 DE0008484452 DE0008484361

NORAMCO Asset Management www.haig.lu CF Eq.-Global Opp. CF Eq.HAIG-Flex CF Eq.-Pharma CF Eq.-Resources H&A Lux Wandel H&A Lux Wandel CI HAIG Eq.Val. Inv.B MMT Glbl Select MMT Glbl Value MMT Prem Value VermĂśgensauf.HAIG

â‚Ź â‚Ź â‚Ź â‚Ź â‚Ź â‚Ź â‚Ź â‚Ź â‚Ź â‚Ź â‚Ź

71,06 42,95 65,74 22,61 68,66 50,91 57,26 36,03 44,39 44,29 13,31

67,68 40,90 62,61 21,53 66,66 49,43 54,53 34,31 42,28 42,59 12,99

Telefon 0800 9932847 Internet www.noramco.de 65,68 39,23 60,99 20,25 65,39 48,48 52,34 33,94 40,97 42,96 12,30

0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,69 0,00

LU0266124972 LU0105452691 LU0100181295 LU0100181535 LU0195337604 LU0204014780 LU0100177426 LU0108788612 LU0346639395 LU0121596844 LU0144224713

Ideal Invest Sicav Ideal Global A

â‚Ź

78,27

74,54

67,26

0,00 LU0098624041

International Fund Mgmt. S.A. LBBW Bal. CR 20 LBBW Bal. CR 40 LBBW Bal. CR 75 Ludwigsburg BoG 1 Ludwigsburg BoG 2 Ludwigsburg BoG 3

â‚Ź â‚Ź â‚Ź â‚Ź â‚Ź â‚Ź

40,52 39,73 39,16 40,58 39,78 38,84 41,10 40,29 38,75 104,10 100,58 100,60 103,92 100,41 100,39 103,80 100,29 100,28

0,40 0,30 0,07 0,00 0,00 0,00

LU0097711666 LU0097712045 LU0097712474 LU0306023408 LU0321011867 LU0334107355

Quality Fd.Europe Quality Funds USA

â‚Ź â‚Ź

3,33 LU0323577766 1,29 LU0323578491 6,40 LU0366179009

-

128,22 150,32 100,61 1521,39 116,87 97,45 96,46 1157,79 86,90 93,98 93,81 93,08

127,42 147,94 99,01 1505,99 115,79 96,54 95,56 1153,10 86,11 93,11 92,92 92,21

0,57 1,54 0,58 0,00 0,57 0,67 0,66 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00

MEAG MUNICH ERGO KAG mbH

9,27 5,62

8,88 5,44

0,00 LU0131669946 0,00 LU0113590789

Norddeutsche Landesbank Luxembourg S.A. N.Lux Renten Cap.* N.Lux Renten Dis.*

â‚Ź â‚Ź

70,11 41,97

70,11 41,97

69,45 41,57

1,68 LU0078525416 1,02 LU0072178972

Oppenheim Asset Management Albatros EUR MedBioHealth EUR OP Akt.Marktneutra OP DAX-Werte OP Euroland Werte OP Food OP Global Securiti OP GlStr Worldwide SOP NonEuQuaAnl.R Special Opp. Spezial 3 Top Ten Balanced Top Ten Classic

â‚Ź â‚Ź â‚Ź â‚Ź â‚Ź â‚Ź â‚Ź â‚Ź â‚Ź â‚Ź â‚Ź â‚Ź â‚Ź

60,15 169,26 104,82 174,27 51,16 210,38 79,89 112,66 53,93 37,63 95,86 55,64 65,25

57,29 161,20 101,77 165,97 48,72 200,36 76,09 112,66 52,36 35,84 93,07 53,76 62,14

56,26 154,66 101,03 160,19 47,33 193,88 73,64 109,49 51,40 35,53 91,83 52,84 60,92

0,05 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,39 0,72 0,00 0,00 0,00 0,00

DE0008486465 LU0119891520 DE000A1JBZ51 DE0008486382 DE0009778563 DE0008486655 DE0008486606 LU0389034462 DE000A1JBZ77 LU0099601980 DE0008486051 LU0099591223 LU0099590506

PEH Quintessenz Sicav

IPConcept Fund Management S.A.

Convert. America* $ Convert. Europe D* â‚Ź Convert. Europe I* â‚Ź Convert. Far East* â‚Ź Convert. Glb.D Acc* â‚Ź Convert. Glb.I Acc* â‚Ź Convert. Glb.I Dis* â‚Ź Convert. Japan* â‚Ź Man AHL Trend CHF D* CHF Man AHL Trend EUR D* â‚Ź Man AHL Trend EUR I* â‚Ź Man AHL Trend GBP D* ÂŁ

9,76 5,92

Q Europa Q Goldmines Q Renten Global I* Q Renten Global P

â‚Ź â‚Ź â‚Ź â‚Ź

52,85 50,82 49,21 67,95 65,34 62,25 109,31 105,11 105,11 106,60 102,50 102,12

0,00 0,00 0,00 0,00

LU0070356083 LU0070355788 LU0350900451 LU0350899695

PEH SICAV Empire P In Link Bds Fl I In Link Bds Fl P Renten EvoPro P RentenEvoProVR2 d RentenEvoProVRdist Strat Flexibel P Strat.Flexibel I

â‚Ź â‚Ź â‚Ź â‚Ź â‚Ź â‚Ź â‚Ź â‚Ź

82,85 79,66 77,67 104,95 100,91 100,08 103,77 99,78 98,96 106,96 102,85 102,60 47,58 46,42 46,31 48,74 47,55 47,44 67,11 64,53 62,63 102,68 98,73 95,81

0,06 3,59 3,14 0,63 0,29 0,30 0,08 0,32

LU0086120648 LU0498681898 LU0498681468 LU0291408713 LU0432813052 LU0343003991 LU0086124129 LU0451530025

PEH Trust Sicav Trust Balanced Trust Chance Trust Rendite Plus

â‚Ź â‚Ź â‚Ź

90,91 86,98 101,02

87,41 83,63 97,13

85,86 80,99 97,08

0,00 LU0336716443 0,00 LU0336716872 0,00 LU0336722177

Pioneer Investments

Tel. 0800 8881928 Internet www.pioneerinvestments.de PF-Commod.Alpha T* PF-Glob.Ecology T* PF-Glob.Select T* PF-US.Pioneer Fd T* PI German Equity PI Tot.Ret.A*

â‚Ź â‚Ź â‚Ź â‚Ź â‚Ź â‚Ź

49,07 47,18 43,64 163,96 156,15 152,10 56,44 53,75 52,21 4,82 4,59 4,47 123,84 117,94 114,50 47,94 46,54 46,17

2,22 0,00 0,00 0,00 0,00 1,07

LU0313643024 LU0271656133 LU0271651761 LU0133643469 DE0009752303 LU0149168907

RREEF Investment GmbH

grundb. europa RC â‚Ź 43,57 41,49 41,46 0,07 DE0009807008 â‚Ź 56,09 53,42 53,36 0,12 DE0009807057 LU0246000094 grundb. global RC LU0114314536 Sarasin Multi Label SICAV LU0686794354 www.sarasin.de LU0061927850 LU0245991913 New Energy EUR* â‚Ź 4,80 4,52 4,40 0,00 LU0121747215 LU0623725164 Siemens Kapitalanlagegesellschaft LU0626621824 LU0063949068 EuroCash â‚Ź 12,45 12,45 12,43 0,25 DE0009772632 LU0428380470 Euroinvest Aktien â‚Ź 8,42 8,10 7,78 0,00 DE0009772582 LU0424370004 Euroinvest Renten â‚Ź 14,81 14,52 14,41 0,04 DE0009772590 LU0428380124 Global Growth â‚Ź 3,66 3,52 3,38 0,00 DE0009772657 LU0428380553 0,03 DE000A0KEXM6 SKAG Balanced â‚Ź 13,19 12,81 12,67 0,26 DE000A0MYQX1 SKAG Euroinv.Corp. â‚Ź 13,10 12,72 12,57 Weltinvest Aktien â‚Ź 8,52 8,19 7,86 0,00 DE0009772624

Star Capital

FRANKFURT-TRUST

0,00 LU0130077059

BNY Mellon Service KAG

10,63

0,35 LU0136762910

Berenberg Funds-of-Funds Balance Select*

44,75 42,91 33,02 55,06 33,23 85,28 49,74 51,32

ISIN Name

Generali Fund Management S.A.

Aktien Global F â‚Ź 161,28 153,60 147,88 0,00 LU0320532970 Aktien Global I â‚Ź 159,36 151,77 146,12 0,00 LU0097333701 Aktien Global P â‚Ź 127,44 121,37 116,87 0,00 LU0366178969 apo Medical Opp. â‚Ź 74,76 71,20 68,82 0,00 LU0220663669 ME Fonds PERGAMONF â‚Ź 1362,57 1297,69 1190,76 0,00 LU0179077945 ME Fonds Special V â‚Ź 1633,29 1555,51 1516,65 2,93 LU0150613833 Stabilit.Gold&ResP â‚Ź 47,94 45,66 41,91 0,00 LU0229009351 Stabilit.Sil&WeiĂ&#x;P â‚Ź 49,58 47,22 42,87 0,00 LU0265803667 Umweltfonds DE â‚Ź 68,27 65,02 62,31 0,00 LU0360172109 Wandelanl.Global F â‚Ź 143,41 136,58 133,86 2,77 LU0097335235 Wandelanl.Global I â‚Ź 144,88 137,98 135,22 3,00 LU0320533861 LU0003549028 Wandelanl.Global P â‚Ź 125,41 119,44 117,07 6,40 LU0366179009 LU0034353002 KanAm Grund Kapitalanlagegesellschaft mbH LU0133414606 LU0055649056 grundinvestFonds â‚Ź 51,87 49,17 49,16 0,00 DE0006791809 LU0069679222 US-grundinvest Fd. $ 5,63 5,34 5,34 0,00 DE0006791817 LU0225880524 LU0309483435 KAS Investment Servicing GmbH LU0309482544 ComfortInvest C â‚Ź 42,00 40,00 38,35 0,10 DE0002605318 LU0309483781 ComfortInvest P â‚Ź 46,94 44,70 42,85 0,06 DE0002605367 LU0309484086 ComfortInvest S â‚Ź 55,82 54,19 53,22 0,59 DE0002605300 LU0649391066 MultiManager 1 â‚Ź 60,64 58,87 57,82 0,12 DE0007013583 0,17 DE0007013591 MultiManager 2 â‚Ź 59,72 57,70 56,34 MultiManager 3 â‚Ź 59,60 57,31 55,30 0,50 DE0007013609 LU0195140214 0,07 DE0007013617 MultiManager 4 â‚Ź 54,37 52,03 50,04 LU0195139711 MultiManager 5 â‚Ź 48,24 45,94 44,00 0,00 DE0007013625 LU0210301635 H&S FM Global 100 â‚Ź 101,17 96,35 93,11 0,30 DE0002605359 LU0179220412 H&S FM Global 60 â‚Ź 105,78 102,70 100,29 0,66 DE0002605342 LU0179219752 Sydbank VV Klass â‚Ź 46,64 44,42 44,09 0,07 DE0002605334 LU0363466045 Sydbank VV Dyn â‚Ź 42,23 40,22 39,27 0,27 DE0002605326 LU0145655824 FM Core Ind.Select â‚Ź 59,07 56,80 54,44 0,06 DE0007013658 LU0273158872 LU0179217541 LU0195137939

DE0009797787 DE0009797779 DE0009797746 DE0009797795 DE0009797720 DE0009797712 DE0009797704 DE0009797753 DE0002605359 DE0002605342 DWS Invest SICAV DE0007019879 DE0002605326 DWS Inv.AlpS FC â‚Ź 119,71 119,71 119,24 0,00 DE0002605334 DWS Inv.AlpS LC â‚Ź 119,02 115,45 115,01 0,00 DE0009797738 DWS Inv.BRIC+ LC â‚Ź 186,49 177,17 169,52 0,00 DWS Inv.Conv.FC â‚Ź 136,35 136,35 135,31 0,87 Deutsche Postbank Int. S.A. (Lux) DWS Inv.Conv.LC â‚Ź 133,38 129,38 128,41 0,00 Nach Auskunft des Emittenten wurde das Ertragsausgleichsverfahren fĂźr die u.g. DWS Inv.DFIS FC â‚Ź 111,38 111,38 110,99 1,91 Fonds angewendet. DWS Inv.EURB S LC â‚Ź 137,94 133,80 133,71 2,07 PB Dyn.Best Garant â‚Ź - 51,99 51,47 0,00 LU0336084545 DWS Inv.GlAgr LC â‚Ź 132,38 125,76 121,86 0,00 PB Dyn.DAXÂŽ â‚Ź 83,52 80,89 78,13 0,07 LU0074279729 DWS Inv.InSt Pl LC â‚Ź 123,26 119,56 119,30 1,31 0,35 LU0432109477 DWS Inv.TD EUR LC PB Dyn.DAXÂŽ Gar.II â‚Ź - 51,65 50,62 â‚Ź 113,82 108,12 106,58 0,00 PB Dyn.Garant 2013 â‚Ź - 49,98 49,96 0,00 LU0252591499 Flossbach & Storch PB Dyn.Innovation â‚Ź 17,60 16,96 16,33 0,00 LU0111266267 0,00 LU0353730392 PB Dyn.KlimaGarant â‚Ź - 49,73 49,53 PB Dyn.Protekt â‚Ź 52,01 50,01 49,67 0,50 LU0483311063 PB Dyn.Vision â‚Ź 44,57 42,96 41,41 0,00 LU0130393993 PB Dyn.Zuk.Gar. â‚Ź - 53,46 53,25 0,00 LU0372819135 Telefon +49 221 33 88 290 Internet www.fvsag.com 0,00 LU0387940785 PB Dyn.Zuk.Gar. II â‚Ź - 53,65 53,44 PB Str. Prt.+ III â‚Ź 106,94 102,83 102,01 0,93 LU0592966559 Aktien Global P â‚Ź 127,44 121,37 116,87 0,00 LU0366178969 PB Strat. Prt.+ II â‚Ź 118,38 113,83 113,23 1,05 LU0401737738 Ausgewogen R 2,17 LU0323578145 â‚Ź 121,21 115,44 112,56 PB Strat. Rt Medi â‚Ź 50,09 48,63 48,42 0,62 LU0268918090 Bond DiversiďŹ k P 5,75 LU0526000731 â‚Ź 118,03 114,59 112,50 0,46 LU0268917522 Bond Opport. P PB Strat. Rt Short â‚Ź 51,54 51,54 51,44 â‚Ź 113,09 109,80 108,92 2,46 LU0399027613 PB Vermog + Chance â‚Ź 43,30 41,84 41,13 0,42 LU0313082835 Defensiv R â‚Ź 119,22 113,54 111,45 2,69 LU0323577923 PB Vermog + Ertrag â‚Ź 47,98 46,36 46,01 0,18 LU0313082678 Fundament P* 0,00 DE000A1JMPZ7 â‚Ź 107,77 102,64 100,38 PB Vermog + Wachst â‚Ź 45,38 43,85 43,31 0,29 LU0313082751 Multiple Opp. R 0,00 LU0323578657 â‚Ź 168,53 160,50 154,44

0,00 LU0140029017 0,00 LU0208670512

â‚Ź â‚Ź â‚Ź â‚Ź â‚Ź â‚Ź â‚Ź â‚Ź â‚Ź â‚Ź â‚Ź â‚Ź â‚Ź â‚Ź

ISIN Name

DE000DK094G4 DE000DK094H2 DE000DK094J8 DE000DK0ECN3 DE000DK0ECP8 DE000DK0ECQ6 DE0008474503 DE000DK2D7T7 DE0005152706 DE0005152714 DE000DK1A6Q9 DE0008474560 DE000DK0AYM7 DE000DK0AYN5 DE000DK091G0 DE0009771980 DE000DK0ECU8 DE000DK0ECV6 DE000DK094K6 DE0009771964 D W S Investmentfonds DE0008480682 DE000DK2CE40 DE000DK1CHT1 DE000DK1CHU9 DE0008474537 Telefon 01803 10111011 Telefax 01803 10111050 DE000DK2D640 DWS Investment GmbH DE0008480773 DE000DK0ECS2 DWS Akkumula â‚Ź 591,50 563,33 547,29 0,95 DE0008474024 DE000DK0ECT0 DWS Akt.Strat.D â‚Ź 168,73 160,69 154,53 0,26 DE0009769869 DWS Bonus Aktiv â‚Ź 45,38 43,63 42,82 0,00 DE0005152458 DWS Convertibles â‚Ź 125,97 122,30 119,86 0,52 DE0008474263 DE0009809566 DWS Cov Bond F â‚Ź 50,29 49,06 48,66 0,87 DE0008476532 DE0007483612 DWS EUR Strat(R) â‚Ź 41,53 40,51 40,36 0,84 DE0009769778 DWS Eurol Strat R â‚Ź 35,68 34,80 34,56 0,64 DE0008474032 DWS Europ. Opp â‚Ź 162,09 154,37 149,23 0,01 DE0008474156 LU0112241566 DWS Eurovesta â‚Ź 87,20 83,04 80,62 0,00 DE0008490848 LU0112250559 DWS Flexizins + â‚Ź 67,85 67,85 67,83 0,36 DE0008474230 LU0133666759 DWS ImoFl VeM(GS) â‚Ź - 93,77 93,83 0,91 DE000DWS0N09 LU0133666676 DWS Inter GenuĂ&#x; â‚Ź 36,49 35,42 34,59 1,46 DE0008490988 LU0133666247 DWS Inter-Renta â‚Ź 16,02 15,55 15,27 0,15 DE0008474040 LU0133666163 DWS Investa â‚Ź 93,21 88,77 85,73 0,48 DE0008474008 LU0245287742 DWS Klimawandel â‚Ź 28,22 26,87 25,80 0,00 DE000DWS0DT1 LU0245302137 DWS PlusInv.(W) â‚Ź 39,18 37,31 36,31 0,00 DE0009769943 LU0348461467 DWS Select-Invest â‚Ź 217,32 206,97 200,15 0,35 DE0008476565 LU0348461897 DWS Top 50 Asien â‚Ź 107,06 102,94 99,72 0,00 DE0009769760 LU0075131606 DWS Top 50 Europa â‚Ź 96,09 92,39 89,22 0,01 DE0009769729 LU0349172485 DWS Top 50 Welt â‚Ź 61,45 59,09 57,32 0,00 DE0009769794 LU0349172725 DWS Top Dividende â‚Ź 91,43 87,07 84,58 0,01 DE0009848119 LU0158528447 DWS Vermbf.I â‚Ź 90,31 86,00 83,48 0,02 DE0008476524 LU0158529254 DWS Vermbf.R â‚Ź 17,72 17,20 16,99 0,29 DE0008476516 DWS Vors.AS(Dyn.) â‚Ź 84,32 81,07 79,32 1,09 DE0009769885 DWS Vors.AS(Flex) â‚Ź 81,16 78,04 76,38 0,97 DE0009769893 DWS Zukunftsress. â‚Ź 50,60 48,19 46,40 0,00 DE0005152466

Telefon 0180 3040500 Internet www.postbank.de

Axxion S.A.

M-AXX InCap Taurus Mwert Sup.Abs.Ret.

79,74

IE0032828273 IE0000597124 IE0031399342

AmpegaGerling Investment Gerl Substanz Pa Gerl. Global Aktien Gerling AS Gerling Flex Gerling Global Gerling Pf.Tot.Ret Gerling Rendite Gerling Reserve GerlingEuroStar 50 GerlPf MuETFStr Pa GerlPf Real Estate JF Renten W. KAPITAL PROZINS MPC Europa Meth. PF Glob ETF Aktien terrAssi.Akt.I AMI terrAssisi Rent IA TOP TREND AMI Zan.Eu.Cor.B.AMI P* Zantke Eu.HY AMI Pa*

0,00

Deutsche Postbank Fonds

Alte Leipziger Trust â‚Źuro Short Term Aktien Deutschland AL Trust â‚Źuro Relax Trust â‚Źuro Cash Trust â‚Źuro Renten Trust Aktien Europa Trust Global Invest

0,05 DE0009807016

DE0008471038 DE0008471079 DE0009769554 DE0008471061 DE0008471483 DE0008475005 DE0008476037 DE0008471921 DE0009789867 DE0009789834 DE0009797332 DE0008471012 DE0008471111 DE0008471442 DE0008476276 DE0008471467 LU0103682513 DE0008475021 DE0008475070 DE0008476250 DE0008471913 DE0008481763 DE0009797407 DE0008471400 DE0008475096 DE0008475013 Deka Immobilien Investment DE0008475062 DE0009789842 Deka Immob Europa â‚Ź 49,11 46,66 46,63 0,15 DE0008481821 Deka Immob Global â‚Ź 59,40 56,43 56,40 0,44

Allianz Global Investors Ireland Ltd. Emg Mrkt Bd AE Gl. Em. Mkts Eq. A US Equity A

40,59

Deka

Allianz Global Investors Luxembourg S.A AGIF B St E IE AGIF Eu EqD ATE AGIF EuBd AE AGIF Gl AgTr AE AGIF GlEcoT AE All Comm Stra A Emerging Europe A Eur Bd TR AE Euro HiYield Bd A Europe 25 ATE Mlt.AsiaAct.A(EUR) Oriental Income AT RCM BRIC Stars A RCM Enh ST Euro AT RCM Renminbi Cur A Sm.Cap Europa AE

ISIN Name

Credit Suisse CS Euroreal A CHF*

0,00 0,29 0,48 0,00 0,01 0,00 0,67 2,42 0,32 0,00 4,22 0,00 1,05 0,99 0,91 0,00 2,23 0,00 0,00 0,66 1,16 0,00 1,38 1,39 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00

40,62

- 189,04 178,50

Allianz Global Investors KAG mbH

Adifonds A Adirenta P Adireth Adiverba A Aktien Europa A Concentra AE Europazins AE Fl Rentenfd AE Flex Eur Ba AE Flex Eur Dy AE Flexi Immo A Fondak A Fondirent Geldmarkt AE Geldmkt SP AE Global Eq.Dividend Horizont Def Industria AE Interglobal A Kapital + AE Mobil-Fonds AE Nebenw. Deutschl.A Reale Werte A Rentenfonds AE Rohstofffonds A Thesaurus AT VermĂśg. Deutschl. A Wachstum Euroland A Wachstum Europa A

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Alceda Fund Management NV Strat-Kons. P NV Strat-Kons. POA NV Strat-Kons. POT

RĂźcknahme 06.07. 29.06.

Commerz Grundbesitz-Invest

Aberdeen Immobilien KAG DEGI EUROPA DEGI Internat.

Ausg. 06.07.

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0,00 0,00 0,00 27,21 1,59 59,53 0,35 1,08

LU0159551042 LU0159550150 LU0229080733 LU0194682679 LU0159520088 LU0174656271 LU0423128866 LU0356605427

Tel.: 09281 72583020

Basis-Fonds I FMM-Fonds FT AccuGeld PT FT AccuZins FT Euro High Div.

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138,68 138,68 138,44 354,00 337,14 333,14 71,33 71,33 71,32 279,26 271,13 267,39 46,56 44,34 43,06

Spezial: InnovationCity Ruhr Themen

Termine

Der Initiativkreis City Ruhr macht ernst mit Klimaschutz und Energieeffizienz. Ziel ist es, das gesamte Ruhrgebiet mittel bis langfristig zu einer Niedrigenergieregion zu machen. In der Pilotphase ist Bottrop zunächst Musterstadt, in der Energiesparprojekte und innovative Umwelttechnologie auf ihre Praxistauglichkeit geprßft werden sollen.

Erscheinungstermin: 29. August 2012

Bottrop wird zur Musterstadt der Zukunft: Was steckt hinter der Idee Innovation City, wer sind die Initiatoren, wer macht mit, was sind die wichtigsten Projekte – ein Ăœberblick. Von wegen Hinterwäldler: Auch an den klassischen (und teilweise ziemlich zurĂźckgebliebenen) Zechensiedlungen in Bottrop geht die „Zukunftsstadt“ nicht vorbei. Die Welheimer Mark bedient alle gängigen Klischees Ăźber den „Ruhrpott“. Jetzt geht es ab ins 21. Jahrhundert: „Zero Emission Park“ geht den alten Bottropern noch nicht so leicht Ăźber die Lippe. Aber sie verstehen, was damit gemeint ist: Gebäudesanierungen, innovative Energieversorgung. Vorreiter sein, das macht den Bottropern SpaĂ&#x; – eine Reportage aus dem Revier.

Anzeigenschluss: 14. August 2012 (Ă„nderungen vorbehalten)

2,68 2,15 0,59 7,97 0,00

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SC Allocator SC Argos SC Huber-Strategy1 SC Priamos SC SIC.Ger.Masters SC SIC.Starpoint

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1227,76 1403,27 1005,22 1201,16 79,58 1380,92

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5,55 21,22 3,49 0,00 0,00 0,00

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â‚Ź 1470,02 1427,20 1407,75

BBBank Chance Uni.* BBBank Kont.Uni.* BBBank Wach.Uni.* BBV-Fonds-Union* BBV-Invest-Union* Condor-Fd.Union* DelbrĂźck Renten Geno AS:1* GenoEuroClassic* GenoEuroClassic II* Invest Euroland* Invest Global* KCD Uni. Aktien* KCD Uni.Renten+* KCD-Union Nachh.Mix* LIGA-Pax-Aktien-U.* LIGA-Pax-Bal.S.U.* LIGA-Pax-K-Union* LIGA-Pax-Rent-Unio* MĂźnch.Bk.Glob.Sel.* Priv.Fonds:Flex.* Priv.Fonds:FlexPro* Priv.Fonds:Kontr.p* PrivFd:Kontrolliert* Stuttg.Bk.Rentinv.* SĂźdwBk.Interselect* SĂźdwestbk.-Inter.* Uni21.Jahrh.-net-* UniBalancePlus* UniDeutschland* UniDeutschland XS* UniEu.Renta-net-* UniEuroAktien* UniEuroBond* UniEuropa-net-* UniEuroRenta* UniEuroRentaHigh Y* UniFonds* UniFonds-net-* UniGlobal* UniGlobal-net-* UniJapan* UniKapital* UniKapital-net-* UniNordamerika* UnionGeldmarktfonds* UniRak* UniRak -net-* UniReits* UniRenta* UniStrat: Ausgew.* UniStrat: Dynam.* UniStrat: Flex net* UniStrat: Konserv.* UniStrat:Flexibel* UniStrat:Offensiv* UniTrend: Gbl-net-* UniTrend: Global*

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ISIN Name

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Deutschl. 2016 III* Ern. Ener. (2018)* LIGA-Pax-Cattol.-U* LIGA-Pax-Corp.-U.* UGaTop: Europa III* UGTEuropa* UGTEuropa II* UI Local EMBonds* UIGl.High.YieldBds* UniAsia* UniAsia Pacif. net* UniAsia PaciďŹ c A* UniDividAss net A* UniDividendenAss A* UniDyn.Eur-net A* UniDyn.Europa A* UniDyn.Gl.-net- A* UniDynamic Gl. A* UniEM Fernost* UniEM IMMUNO 90* UniEM Osteuropa* UniEMGlobal* UniEuReal Zins-net* UniEurKapital-net-* UniEuroAspirant* UniEuroKapital* UniEuropa* UniEuropaRenta* UniEuroR.Corp.2012* UniEuroRenta 5J* UniEuroRenta Co.16* UniEuroRenta Co.17* UniEuroRentaCor.A* UniEuroSt.50 A* UniEuroSt.50-net* UniEurRentRealZins* UniFavorit: Renten* UniGa:Er.Energ 2018* UniGaExt:D 2019 II* UniGar: Deut.2017* UniGar: EmMkt 2018* UniGarExt: Deut.2019* UniGarPl: Eur.2018* UniGarTop: Eur.IV* UniGlobal II A* UniM.&S.Caps:Eur.* UniMarktf. A* UniMarktf. -net- A* UniOptima* UniOptimus-net-* UniProt.Europa II* UniProtect:Europa* UniRak Nachh.A* UniRak Nachh.A net* UniRenta Corp A* UniRentaEURPlus 5J* UniReserve: Euro A*

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992,09 992,09 991,90

0,61 LU0059863547

Union-Investment Real Estate UniImmo:Dt.*

â‚Ź

96,36

91,77

91,73

0,14 DE0009805507

UniImmo:Europa*

â‚Ź

59,45

56,62

56,60

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UniImmo:Global*

â‚Ź

52,77

50,26

50,21

0,00 DE0009805556

Universal-Investment BW-Renta-Internat.*

â‚Ź

42,61

41,57

41,06

0,56 DE0008483678

BW-Renta-Univ.*

â‚Ź

25,96

25,33

25,17

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Concept Aurelia Gl*

â‚Ź

127,65 121,57 118,41

0,00 DE000A0Q8A07

G&P-Univ.Aktien A*

â‚Ź

H&A Akt.Eurol.-UI*

â‚Ź

J. FĂźhr-UI-Aktien*

â‚Ź

83,86

79,87

77,86

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J. FĂźhr-UI-Renten*

â‚Ź

44,17

43,30

42,77

1,01 DE0009790790

SC BondValue UI*

â‚Ź

71,63

69,54

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Trend-Uni- Glbl*

â‚Ź

112,55 107,19 104,86

0,00 DE0009767392

Universal AS Fd. I*

â‚Ź

61,97

59,59

59,59

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WM Akt. Gl. UI*

â‚Ź

66,79

63,61

62,80

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WM Akt. Gl. US$*

$

247,59 235,80 233,27

0,00 DE0009781898

50,16

47,77

47,22

0,04 DE0009767301

115,73 110,22 108,96

0,00 DE0008491341

VERITAS INVESTMENT TRUST GmbH A2A Defensiv

â‚Ź

12,99

12,49

12,34

0,06 DE0005561666

A2A Offensiv

â‚Ź

14,90

14,06

13,58

0,00 DE0005561658

A2A Wachstum

â‚Ź

14,94

14,23

13,89

0,00 DE0005561641

ETF-Dachf. Quant

â‚Ź

29,09

27,70

27,07

0,02 DE0005561625

ETF-Dachf.EM+Money â‚Ź

18,47

17,76

17,57

0,02 DE0009763326

ETF-Dachfd AktienP

â‚Ź

11,34

11,34

10,94

0,00 DE0005561682

ETF-Dachfd RentenP

â‚Ź

11,92

11,92

11,86

0,10 DE0005561690

ETF-DACHFONDS P

â‚Ź

12,11

12,11

11,80

0,00 DE0005561674

ETF-Dachfonds VDH

â‚Ź

12,38

12,38

12,07

0,00 DE000A0MKQL5

ETF-PTFOLIO GLOBAL

â‚Ź

10,63

10,63

10,09

0,00 DE000A0MKQK7

RWS-BALANCE

â‚Ź

14,72

14,15

13,91

0,03 DE0009763383

RWS-DYNAMIK

â‚Ź

21,71

20,68

19,99

0,00 DE0009763334

RWS-ERTRAG

â‚Ź

14,27

13,85

13,73

0,05 DE0009763375

VERI-Europa

â‚Ź

18,13

17,10

17,18

0,00 DE0009763276

VERIFONDS

â‚Ź

135,19 128,75 128,47

0,37 DE0009763235

VERIFONDS Europa

â‚Ź

32,44

31,19

31,32

0,00 DE0009763268

VERI-GLOBAL

â‚Ź

14,23

13,55

13,59

0,00 DE0009763342

VERI-LIQUIDE

â‚Ź

30,52

30,37

30,37

0,12 DE0009763250

VERI-VALEUR

â‚Ź

59,13

55,78

56,08

0,00 DE0009763201

0,00 LU0301152442

VERSIKO AG

Klima

â‚Ź

34,38

32,74

31,31

New Energy EUR*

â‚Ź

4,80

4,52

4,40

0,00 LU0121747215

Ă–kotrend Bonds

â‚Ź

53,56

51,75

52,05

1,92 LU0183092898

Ă–koTrust

â‚Ź

106,35 101,29

98,36

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Ă–koVision Classic

â‚Ź

100,43

95,65

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Ă–koVision Europe

â‚Ź

32,04

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29,34

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Ă–koVision Gar.20C

â‚Ź

111,43 106,12 105,21

0,92 LU0332822906

Water For Life C

â‚Ź

108,30 103,14

0,00 LU0332822492

98,71

Wallberg Invest S.A. Wallb.Real Asset P

â‚Ź

9,33

8,89

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0,06 LU0322787366

WWK Investment S.A. WWK Sel-Balance

â‚Ź

12,11

11,53

11,26

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â‚Ź

10,28

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â‚Ź

10,21

9,91

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WWK Sel-EuRe C I

â‚Ź

9,56

9,56

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WWK Sel-TopTen

â‚Ź

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Investoren verklagen Deutsche Bank Frankfurt – Die Deutsche Bank sieht sich im Skandal um die Festsetzung des Marktzinssatzes Libor mit Klagen von Investoren konfrontiert. Eine zum Frankfurter Bankhaus Metzler gehörende Kapitalanlagegesellschaft habe sich in New York an mehreren Sammelklagen gegen die Deutsche Bank und andere Banken beteiligt, die der Manipulation des Marktzinssatzes Libor bezichtigt werden, bestätigte ein MetzlerSprecher am Sonntag einen Bericht des Spiegel. Dem Magazin zufolge lässt die Deutsche Bank seit Monaten von externen Prüfern untersuchen, ob ihre Händler an Manipulationen beteiligt waren. Die Anlagegesellschaft von Metzler verwaltet Publikums- und Spezialfonds. „Wir sind verpflichtet, rechtlich vorzugehen, weil wir eine Vermögensbetreuungspflicht für die Fondsanleger haben“, so der Sprecher. Der Zinssatz Libor zeigt an, zu welchen Konditionen sich Banken Geld leihen. Er basiert auf individuellen Angaben der Großbanken und dient als Referenz für Kredite an Unternehmen, Privatpersonen und weitere Finanztransaktionen in einem Volumen von 360 Billionen Dollar. REUTERS MO

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Montag, 9. Juli 2012, Nr. 156 DEFGH

Euro-Entscheidung im Soldatenkino Am Dienstag verhandelt das Verfassungsgericht in einem Notquartier über den Rettungsfonds. Für Zuschauer gibt es da kaum Platz – obwohl das Interesse in der Öffentlichkeit enorm ist VON SIMONE BOEHRINGER

München – Die Entscheidung über die Zukunft des Euro fällt womöglich in einem ehemaligen Soldatenkino. In dieses seit einem Jahr genutzte Ausweichquartier hat das Bundesverfassungsgericht für kommenden Dienstag, 10 Uhr, zu einer mündlichen Verhandlung geladen: die Antragsteller mehrerer Verfassungsbeschwerden, die Presse und die interessierte Öffentlichkeit. Die drei Richterinnen und fünf Richter des Zweiten Senats müssen darüber urteilen, ob der neue europäische Rettungsschirm ESM, den der Bundestag am letzten Freitag im Juni mit einer Zweidrittelmehrheit gebilligt hat, gegen die Budget-Hoheit des Parlaments verstößt. Die Beschwerdeführer haben einen Antrag auf Erlass einer einstweiligen Verfügung gestellt, damit Bundespräsident Joachim Gauck das ESMGesetz nicht unterschreibt. Ohne Unterschrift ist es nämlich nicht rechtskräftig, und die ESM-Gegner können weiter juristisch gegen die Entscheidung des Bundestages vorgehen. Die Kritiker, aber auch Tausende von Bundesbürgern halten die Verträge für gefährlich, weil sie Deutschlands Entscheidungsbefugnisse in wichtigen finanziellen Fragen zugunsten des neuen ESM beschneiden.

„Das ist wie bei einem Rockkonzert, die Ersten bekommen noch Karten“ Ein weitreichendes Thema also, das viele Menschen angeht. Doch nur zwei Dutzend Bürger werden dabei sein können am Dienstag in Karlsruhe – weil im Soldatenkino schlicht der Platz fehlt. Seit einem Jahr ist der „Amtssitz Waldstadt“, eine ehemalige Luftwaffenkaserne in Karlsruhe, das Notquartier des höchsten deutschen Gerichts. Und das umgebaute ehemalige Kino ist mit 114 Sitzplätzen der größte Sitzungssaal darin. „Die verfügbaren Plätze fürs Publikum waren noch am ersten Tag weg, wir hatten

Aktenberge: Der Widerstand gegen den Rettungsschirm ESM ist groß. auf Anhieb 90 Anmeldungen“, sagt der Gerichtssprecher, der für die Registrierung der Zuhörer zuständig ist. So etwas habe er selten erlebt. Das Hauptgebäude des Verfassungsgerichts, das noch bis 2014 saniert wird, hätte immerhin 300 Menschen Platz geboten. Live-Übertragungen, wie

FOTO: REUTERS

beim Fußball, etwa als Public Viewing in ein anderes Gebäude oder gar ein kostengünstiger Livestream via Internet sind bei Gerichtsverhandlungen gesetzlich verboten. Es helfe also nichts, man könne kaum auf die Schnelle einen anderen Saal organisieren, meint der Sprecher, schließlich ha-

DIE WOCHENSCHAU

Und wie geht es auf dem deutschen Aktienmarkt weiter, Herr Ehrhardt?

6700

Dax Stand am 6.7.12: 6410,11 Punkte

6400

6100 SZ-Graphik, smallCharts Quelle: Reuters

5800

Apr. 2012

Mai

Juni

Wie gewonnen, so zerronnen Angetrieben durch die jüngsten EU-Gipfelbeschlüsse zur Lösung der Schuldenkrise, gelang dem Dax ein fulminanter Wochenstart. Doch am Freitag musste der deutsche Leitindex wieder deutliche Einbußen hinnehmen. Die enttäuschende Entwicklung auf dem US-Arbeitsmarkt drückte den Dax sechs Punkte unter den Schluss vom vergangenen Freitag.

Jens Ehrhardt, Gründer der Münchner Vermögensverwaltung DJE Kapital AG, ist seit 35 Jahren im Geschäft. Zum Jahresanfang war er ausgesprochen zuversichtlich für den Aktienmarkt. „Ich dachte, jetzt kann man sich voll reinhängen“, sagt er. In seinen eigenen Fonds fuhr er die Aktienquote bis zum Anschlag hoch. Die Voraussetzungen für einen Boom an der Börse schienen nach dem Einbruch im August des Vorjahres ideal: Die Europäische Zentralbank hatte mit einer Geldspritze von einer Billion Euro für die Banken den Markt geflutet. Ein guter Teil davon wanderte in Aktien, zumal andere Anlagen wenig Rendite brachten. Vor allem aber schien die Geldspritze die europäische Schuldenkrise zu beruhigen. „Ich glaubte, dass in Spanien und Italien erst einmal für längere Zeit Ruhe ist“, sagt Ehrhardt. Also erhöhte er dieAktienquote und empfahl auch anderen Anlegern, an der Börse einzusteigen.

Der Dax dürfte zwischen 6100 und 6600 Punkten pendeln Die ersten Monate des Jahres gaben ihm Recht: Bis März kletterten Aktien wie selten zuvor. Der Deutsche Aktienindex Dax legte allein in diesen Wochen um 20 Prozent zu, er war schon knapp davor, den Stand vor dem Einbruch im August zu erreichen. Doch dann war es mit der Zuversicht vorbei. Ab Mitte März ging es nur noch nach unten. „Ich bin damals schon skeptisch geworden und habe die Aktienquote verringert“, sagt Ehrhardt. Inzwischen, drei Monate später, sieht er sich in dieser Skepsis voll bestätigt: „Man darf im Moment für Aktien nicht allzu optimistisch sein.“ Daran ändert auch die Rally vom vorletzten Freitag nichts, als die Börse die Ergebnisse des EU-Gipfels feierte. Der Dax legte danach von 6100 auf bis zu 6600 Punkte zu. Inzwischen ist wieder Ernüchterung eingekehrt, wie der vergangene Freitag zeigte: Schwache Daten vom USArbeitsmarkt und die aggressiven Aktionen der Notenbanken führten den Anlegern vor Augen, in welch schwierigen Zeiten sich die Börsen befinden. Zum Schluss hatte der Dax fast zwei Prozent verloren und war auf gut 6400 Punkte zurückgefallen. „Die Unsicherheit ist wieder groß“, sagt Ehrhardt. Sie komme vor allem daher, dass niemand wisse, wie es in der Schuldenkrise weitergehe. Kommt es zu Transferunion und Euro-Bonds – oder

7,0

Staatsanleihe Spanien Laufzeit 10 Jahre, Angaben in Prozent

6,5

6,0 SZ-Graphik, smallCharts Quelle: Reuters

5,5

Apr. 2012

Mai

Juni

bricht die europäische Währung auseinander? Der Münchner Vermögensverwalter ist skeptisch für den Euro: „Deutschland kann nicht unendlich viel Geld in den Süden schicken, auf der anderen Seite wird Spanien irgendwann vor der Frage stehen: Jobs oder Euro?“ Da es in der Gemeinschaftswährung keinen Korrekturmechanismus gebe, bleibe dann möglicherweise nur mehr der Austritt. Abhängig ist das von Beschlüssen der Politik – und die sind schwer vorhersehbar. „Der Job des Vermögensverwalters ist nicht einfacher geworden“, sagt Ehrhardt. Früher habe man sich nach den Notenbanken richten können: Wurde der Geldhahn aufgedreht, ging es nach einiger Zeit auch an den Börsen nach oben. Das ist in diesen hochpolitischen Zeiten vorbei. „Die Schuldenkrise führt auch zu einer stärkeren Unsicherheit, wie sich die Konjunktur in Europa entwickelt“, sagt Ehrhardt. Konjunktursorgen gibt es zudem in den USA. Dort laufen zum Jahresende Steuersenkungsprogramme aus, eine Verlängerung kann sich Präsident Obama wegen der hohen Verschuldung eigentlich nicht leisten. Und wehe, wenn die Nachfrage der Amerikaner nachlässt, sie hat die Weltwirtschaft zuletzt halbwegs am Laufen gehalten. All das führt dazu, dass Jens Ehrhardt dem Aktienmarkt bis Jahresende kein großes Potential nach oben einräumt. Er sieht den Dax weiter zwischen 6100 und 6600 Punkten pendeln. Das ist aber nicht ganz schlecht: „Einen Einbruch wie im letzten August sehe ich nicht, die deutsche Konjunktur ist nach wie vor sehr stabil.“ HARALD FREIBERGER

„Die Unsicherheit ist wieder groß“, sagt Jens Ehrhardt. FOTO: BILDFOLIO

Die Hoffnung schwindet Die Hoffnung der Rentenanleger auf eine baldige Eindämmung der Euro-Krise schwindet: Die Renditen zehnjähriger spanischer Anleihen überstiegen zum Wochenschluss erneut die Sieben-Prozent-Marke. Anleger waren enttäuscht, dass die EZB am Donnerstag zwar die Zinsen gesenkt, aber keine weiteren Geldspritzen für die Banken in Aussicht gestellt hatte.

be das Gericht „eine Verpflichtung zur sparsamen Verwendung von Steuergeldern“. Bei der Verhandlung zum ESM geht es ebenfalls um Steuergelder – und um deren verfassungskonforme Verwendung. Nur die Summen sind andere: Das Jahresbudget des Verfassungsgerichts beläuft sich auf etwa 25 Millionen Euro, beim ESM geht es um ein Volumen von 700 Milliarden Euro, wofür Deutschland mit bis zu 190 Milliarden Euro haftet, falls die Kreditnehmer des Rettungsschirms ihre Schulden nicht bedienen können. Vor fast 20 Jahren ist die Nachfrage nach Plätzen beim Bundesverfassungsgericht schon einmal ähnlich groß gewesen. Damals entschied das Gericht noch an seinem Stammsitz in der Innenstadt vor immerhin 350 Zuhörern, dass der erste EU-Vertrag von Maastricht sehr wohl mit dem Grundgesetz vereinbar sei. „Auch damals haben sicher einige Bürger keinen Platz mehr bekommen“, sagt der Gerichtssprecher. „Das ist wie bei einem Rockkonzert auch, die Ersten bekommen noch Karten, die anderen nicht.“ Tatsächlich ist eine Gerichtsverhandlung nicht wirklich vergleichbar mit einem Rockkonzert. Die Sicherheitsvorkehrungen sind andere, die Fan-Gemeinden auch. Trotzdem hat die SZ mal pro forma bei alternativen Veranstaltungshallen nachgefragt: Die größte Arena in Karlsruhe, die Europahalle, ist am Dienstag nicht frei: „Schulsport, den ganzen Vormittag“, heißt es auf Anfrage. Die maximal 9000 Plätze dort wären wohl auch hoch gegriffen. Aber das Badische Staatstheater müsste laut Spielplan noch Kapazitäten haben. Zur Auswahl stehen das kleine Haus mit 330 Plätzen oder das große Haus, in dem etwa 1000 Menschen Platz finden. Eine Gerichtsverhandlung im Theater? Damit dürften sich die Richter des Zweiten Senats um Andreas Voßkuhle wohl schwertun. „Wir sind die Justiz, kein Event-Veranstalter“, sagt der Gerichtssprecher schon mal vorab. Dann wohl doch lieber das ehemalige Soldatenkino, „Amtssitz Waldstadt“. Spannend wird es in jedem Fall.

Gewinnzahlen Glücksspirale: 10 Euro auf Endziffer 1; 20 Euro auf Endziffern 63; 50 Euro auf Endziffern 461; 500 Euro auf Endziffern 8 607; 5000 Euro auf Endziffern 17 381; je 100 000 Euro auf die Endziffern 533 444 und 067 145. Prämienziehung: je 7500 Euro monatlich auf die Losnummern 8 071 248 und 1 013 345. SKL - Das Millionenspiel: 2 Millionen Euro auf die Losnummer 2 146 797; 100 000 Euro auf die Losnummer 0 318 936; 50 000 Euro auf die Losnummer 1 494 202; 10 000 Euro auf die Losnummer 2 998 212; 1 000 Euro auf die Endziffern 0 669; je 450 Euro auf die Endziffern 76, 81 und 82. Es sind keine Ergänzungszüge angefallen. ARD-Fernsehlotterie (nur Mega-Lose): 1 Million Euro auf Losnummer 6 146 589; 100 000 Euro auf Endziffern 668 895; 10 000 Euro auf Endziffern 62 886; 1000 Euro auf Endziffern 7 083; 10 Euro auf Endziffern 68. Wochenziehung: Mini One Clubman auf Losnummer 0 100 728; Mini Cooper Cabrio auf Losnummer 8 660 020; 3-tägige Reise für 2 Erwachsene und 2 Kinder in den Europa Park Rust auf Losnummer 2 504 764; Wellness-Woche für 2 Personen im Hotel „Dollenberg“ im Schwarzwald auf Losnummer 0 725 010; 100 000 Euro auf Losnummer 9 670 298. Eurojackpot: Gewinnzahlen (5 aus 50): 10, 22, 24, 33, 38 Eurozahlen (2 aus 8): 2, 6 1. Rang (5+2) unbesetzt, im Jackpot 12.008. 478,00 Euro, 2. Rang (5+1) 1 x 300.211,90 Euro, 3. Rang (5) unbesetzt, 4. Rang (4+2) 19 x 3.792,10 Euro, 5. Rang (4+1) 294 x 194,00 Euro, 6. Rang (4) 339 x 106,20 Euro, 7. Rang (3+2) 1.304 x 39,10 Euro, 8. Rang (3+1) 12 744 x 19,30 Euro, 9. Rang (2+2) 17 906 x 12,10 Euro, 10. Rang (3) 16 977 x 12,10 Euro, 11. Rang (1+2) 88.571 x 8,10 Euro, 12. Rang (2+1) 179.688 x 7,60 Euro. (Ohne Gewähr)

Weniger Datenklau Frankfurt – Datendiebe kommen an deutschen Geldautomaten immer seltener zum Zug. Das sagte Margit Schneider von der Euro Kartensysteme GmbH der Nachrichtenagentur dpa. Im ersten Halbjahr manipulierten Kriminelle 253 Geldautomaten, um Kartendaten und Geheimnummer (PIN) auszuspähen. Im Vorjahreszeitraum waren es mit 532 noch mehr als doppelt so viele, im Gesamtjahr 2011 gab es 768 Manipulationen. DPA


SPORT

DEFGH Nr. 156, Montag, 9. Juli 2012

HBG

Im Windschatten

Asphalt gesucht

Sebastian Vettel steht beim Heimrennen in Hockenheim unter Zugzwang: Den Großbritannien-Grand-Prix gewinnt sein Teamkollege Mark Webber vor Ferrari-Fahrer Fernando Alonso. Auch in der Gesamtwertung sind die beiden voraus

Heftiger Regen lässt die Zuschauer in Silverstone im Matsch versinken Silverstone – Es sind die realen Nachrichten, keine Satiresendung: „Es wird heute den ganzen Tag über regnen. Meistens aber nur leicht“, meldet Radio Silverstone, „und bei Temperaturen zwischen 16 und 18 Grad können wir von einem wirklichen Sommertag sprechen.“ Das war am Sonntagmorgen – dem schönsten Tag des Grand-Prix-Wochenendes. Für den Großen Preis von Großbritannien 2012 war die Zuschauerkapazität extra von 90 000 auf 125 000 aufgestockt worden, weil sich das Verkehrskonzept 2011 so gut bewährt und es eine Million Pfund für neue Straßen gegeben hatte. Der Silverstone Circuit liegt auf einem alten Militärflugplatz in Buckinghamshire. Jenseits der Piste spielt sich das Leben allerdings zu großen Teilen auf Wiesen ab. Und die waren nach dem regenreichsten Juni seit Beginn der Wetteraufzeichnungen vollgesogen wie ein Schwamm. Zu Beginn der Rennparty reichte dann ein morgendlicher Landregen, um Zuschauer, Autos und das Wohnmobil des Rennfahrers Jenson Button im Matsch versinken zu lassen. 80 000 Fans strömten am Freitag zum ersten Training und lösten eine Verkehrslawine aus, welche die Ordner überraschte. Spontan änderten sie an neuralgischen Stellen die Wegführung und sorgten so für ein Rundum-Chaos. Manch einer benötigte für 20 Kilometer Anfahrt sechseinhalb Stunden. Streckenchef Richard Phillips wusste sich nicht anders zu helfen, als die zur Qualifikation erwarteten Besucher aufzufordern, nicht zu kommen, sofern sie keinen Parkplatz mitgebucht hätten.

VON RENÉ HOFMANN

Silverstone/München – Sein Schlussspurt war unwiderstehlich. Auf den letzten der 52 Runden in Silverstone hat Red-BullFahrer-Mark Webber den Ferrari-Lenker Fernando Alonso abgefangen und den Großen Preis von Großbritannien gewonnen, das neunte von geplant 20 Formel-1-Rennen der Saison 2012. Für den 35-Jährigen Australier war es der neunte Sieg seiner Formel-1-Karriere. Webber avanciert zum Mann für die Klassiker: Der Triumph ist der zweite für ihn in diesem Jahr; Ende Mai war er in Monte Carlo der Schnellste gewesen. In der WM-Wertung festigte Webber damit seinen zweiten Gesamtrang: Mit 116 Punkten wird er hinter Alonso geführt, der auf 129 Zähler kommt. Sebastian Vettel bewegt sich im Windschatten dieser beiden Rivalen: In der Gesamtwertung ist er mit 100 Punkten Dritter. Den Rang belegte er nach einem unauffälligen Rennen auch in Silverstone. „Ein guter Tag für mich und für das Team“, so fasste Webber seinen Arbeitstag zusammen. Zum ersten Mal in diesem Jahr standen beide Red-Bull-Fahrer auf dem Siegerpodest – ein Resultat, das nach der zum Teil chaotischen Qualifikation (siehe Text rechts) einigermaßen überraschend kam: Webber hatte auf Startplatz zwei geparkt, Vettel zwei Ränge dahinter. Alonso war von der Pole Position aus gestartet und hatte 48 Runden lang angeführt.

Dritter am Start, Siebter im Ziel: Im Trockenen wird Michael Schumacher durchgereicht Als Dritter der Qualifikation hatte einmal mehr Michael Schumacher auf sich aufmerksam gemacht. Im Rennen konnte der Mercedes-Fahrer seinen starken Eindruck aber nicht bestätigen. Er wurde Siebter hinter Felipe Massa, der im zweiten Ferrari Platz vier belegte, und den beiden Lotus-Fahrern Kimi Räikkönen (Fünfter) und Romain Grosjean (Sechster). Die McLarenMänner Lewis Hamilton und Jenson Button enttäuschten bei ihrem Heimrennen; sie wurden als Achter und Zehnter abgewunken. Nico Hülkenberg (Force India/Zwölfter), Nico Rosberg (Mercedes/15.) und Timo Glock (Marussia/18.) blieben ohne WM-Punkte. Das Überraschendste am Rennverlauf aber war: Nach tagelangem Dauerregen fiel kein einziger Tropfen. „Das war für uns heute wichtig“, gab Red-Bull-Teamchef Christian Horner zu, der seine zwei Fahrer mit unterschiedlichen Reifen-Strategien losziehen ließ, um Alonso möglichst stark unter Druck zu setzen. Worüber Horner sich ebenfalls freuen konnte, auch wenn er es nicht so freimütig bekannte: Webbers Formhoch erhöht den Druck auf Vettel. Der Titelverteidiger, der langfristig an den Rennstall gebunden ist, muss sich strecken, um seinem Anspruch als Führungskraft gerecht zu werden. Webbers Kontrakt läuft zum Saisonende aus. In Silverstone hatte er schon vor zwei Jahren mit einem Sieg geglänzt, nach dem er am Funk wegen einer vermeintlichen Benachteiligung Richtung Teamführung geätzt hatte: „Nicht schlecht, für einen Nummer-zwei-Fahrer, oder?“ Der Titelkampf hatte sich damals auf ihn, Alonso und Vettel zugespitzt. Das gleiche Szenario ist auch dieses Jahr denkbar.

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30 000 Tickets konnten von ihren Besitzern nicht genutzt werden

In der Zuschauerrolle: Sebastian Vettel kann beim Formel-1-Rennen in Silverstone nicht in den Kampf um die Spitze eingreifen. Nach einer völlig verregneten Qualifikation wird der Titelverteidiger von Startplatz vier aus im Rennen Dritter. Der Sieger kommt allerdings aus derselben Garage: Red-Bull-Kollege Mark Webber. FOTO: NIGEL RODDIS/AP Alonso setzte in Großbritannien seine eindrucksvolle Serie fort: Der Spanier ist der einzige Pilot, dem es in diesem Jahr in jedem Rennen glückte, Punkte zu sammeln. Zu der Konstanz, die Alonso schon länger auszeichnet, gesellt sich nun noch zunehmend technische Brillanz: Sein Ferrari, der zum Saisonbeginn im März noch als Fehlkonstruktion galt, wird schneller und schneller; eine Entwicklung, die sich auch in Felipe Massas sechstem Startplatz spiegelt. „Wir werden weiter kämpfen“, versprach Teamchef Stefano Domenicali, der damit haderte, dass seine Rennwagen mit den beiden von Einheitslieferant Pirelli zur Verfügung gestellten Reifenmischungen nicht so zurechtkamen wie die Wagen von Red Bull. Der Umgang mit den Gummiwalzen – er ist in diesem Jahr ein Schlüsselfaktor, der die WM entscheiden kann.

Sebastian Vettel glückte zwar die beste Punkteausbeute seit seinem Sieg Mitte April in Bahrain. Zum Strahlen aber war ihm nicht zumute, auch wenn er erklärte: „Alles in allem können wir zufrieden sein. Gerade nach dem Ausfall im letzten Rennen war es ein Aufschwung.“ Beim Großen Preis von Europa vor zwei Wochen in Valencia war er in Führung liegend mit einem Defekt an der Lichtmaschine ausgeschieden; Webber hatte als Vierter zwölf Punkte gesammelt. Einen guten Anhaltspunkt, wer in diesem Jahr welche Möglichkeiten hat, bietet die Konstrukteurswertung: in dieser ist Red Bull mit 216 Punkten komfortabel voraus, gefolgt von Ferrari (152), Lotus (144), McLaren (142) und Mercedes (98). Auch diese Konstellation erinnert an das Jahr 2010, das mit einem furiosen Finale und Vettels erstem Titel endete.

„Wenn die Leute es mir nicht sagen würden, wüsste ich gar nicht, wer wie viele Punkte hat und wo ich in der WM-Wertung stehe“, behauptete Vettel: „Das Ziel ist es, am Ende ganz oben zu stehen. Wie man dahin kommt, ist egal.“ Den nächsten Anlauf, es auf dem Siegertreppchen ganz nach oben zu schaffen, wird er am 22. Juli nicht weit von seinem Heimatort Heppenheim entfernt unternehmen: auf dem Hockenheimring, beim Großen Preis von Deutschland. Vor zwei Jahren, als der Rennzirkus zum letzten Mal auf der Strecke gastierte, hatte es einen Eklat gegeben. Damals hatte Ferrari-Fahrer Felipe Massa auf Geheiß des Teams den Sieg seinem in der WM-Wertung besser platzierten Teamkollegen Fernando Alonso überlassen, was diesen im Titelrennen entscheidend vorangebracht hatte. Vettel war Dritter geworden.

Auf einen Aufschwung beim Heimrennen hofft auch die Mercedes-Mannschaft, die Silverstone ernüchtert verließ. „Im Regen wäre mehr als Startplatz drei möglich gewesen, heute aber war leider nicht mehr als Platz sieben drin“, bilanzierte Michael Schumacher das Wochenende, an dem sein Auto eine Form gezeigt hatte, die ähnlich wechselhaft war wie das Wetter. Die vielen schnellen Kurven, die es in Silverstone gibt, liegen den Formel-1-Autos von Mercedes nicht. Je mehr Benzin sich im Tank befindet, desto deutlicher tritt der Schwachpunkt hervor. Noch drastischer als Schumacher gab dies sein Teamkollege Nico Rosberg wieder: „Das war generell schwierig. Ich war schlicht zu langsam“, meinte er. Für Hockenheim wünscht sich Schumacher von seinen Fans deshalb nur eines: „Bringt Regen mit!“ R Wirtschaft

Findige Hausbesitzer wiesen flugs ihre Hinterhöfe als „garantiert asphaltiert“ aus. 30 000 Tickets sollen trotzdem erstattet werden müssen, was eine Million Pfund kosten würde. Als die Qualifikation wegen zu starken Aquaplanings für 92 Minuten unterbrochen werden musste, forderten die Zuschauer die Piloten auf, mit ihnen La Ola zu proben. Überraschend prügelte Formel-1- Vermarkter Bernie Ecclestone nicht auf die Veranstalter ein, er stibitzte der BBC-Reporterin nach dem Interview nur den Regenschirm. Im Jahr 2000, als das Rennen leichtsinnigerweise im April angesetzt war, erreichten die Eltern von David Coulthard die Strecke erst lange nachdem ihr Sohn als Sieger abgewunken worden war. Damals zeterte Ecclestone so sehr, dass flugs ein vierspuriger Autobahnzubringer gebaut wurde. Diesmal ließ Ecclestone so etwas wie Mitleid anklingen: „Es ist nicht der Fehler der Veranstalter, dass es regnet.“ Jacques Rogge, der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), wurde bei seinem Antrittsbesuch in der Formel 1, die sich kürzlich prinzipiell den IOC-Regularien unterworfen hat, mit der Prognose empfangen, dass es bis September durchregnen würde. Rogge konterte charmant: „Ich wohne in Belgien, was soll ich sagen? Alles, was bei uns runterkommt, sind die Reste aus England.“ Just ein paar Tage vor dem Rennen in Silverstone waren Pläne für einen künftigen City-Grand-Prix in London vorgestellt worden. Eine prima Idee. Da gibt es prinzipiell keine Parkplätze – und im Stau steht auch jeder. ELMAR BRÜMMER

Rossi am Hinterrad

Wie einst Dieter Braun

Stefan Bradl wird Fünfter auf dem Sachsenring – in Zukunft soll sein Motorrad vom Werksteam besser unterstützt werden

Moto3-Pilot Sandro Cortese gewinnt den Deutschland-Grand-Prix

Hohenstein-Ernstthal – Er wolle doch mal wissen, hatte Stefan Bradl kurz vor dem Start gesagt, ja, er wolle doch mal sehen, „ob heute nicht noch etwas passiert“. Tatsächlich sollte so einiges passieren, Weltmeister Casey Stoner etwa stürzte in der letzten Runde bei einem ungewohnt unkonzentrierten Überholmanöver und der einstmals so großartige Valentino Rossi verzweifelte am Hinterrad von Bradl. Aber das hatte Bradl zu diesem Zeitpunkt ja nicht erahnen können. Nein, Bradl dachte eher an die düsteren Wolken, die am Sonntag in Richtung Sachsenring zogen, er dachte an den Regen. Er hoffte auf das Wasser, das fallen sollte, um die ohnehin so anspruchsvolle Rennstrecke in eine fast schon unbeherrschbare zu verwandeln. Und er dachte daran, dass er sich spätestens seit diesem Wochenende ja irgendwie als Spezialist für Regenrennen erwiesen hatte, als er beim Qualifying seine Honda lange Zeit am schnellsten durch die Pfützen in den Senken des Sachsenrings steuerte und die PolePosition erst in der letzten Minute der Qualifikation verlor. Erst als der Regen nicht mehr fiel, fuhren fünf Fahrer noch schneller als Stefan Bradl.

Rennen, obwohl um ihn herum kaum Überholmanöver stattfanden. Gleich von Beginn an fuhr er auf seiner Honda eine Sekundelangsamer pro Runde als dieSpitzengruppe um die Honda-Werkspiloten Casey Stoner und den späteren Sieger Dani Pedrosa, deren Tempo nur Jorge Lorenzo (Yamaha) auf Rang drei halten konnte. Doch Bradl war immerhin eingekeilt in einer Verfolger-Gruppe von konstant sieben Fahrern, in der er sich vortrefflich behauptete. Zumal gleich hinter ihm drei Ducatis lauerten, darunter die von Rossi und Nicky Hayden. „Ich habe die Ducati deutlich hinter mir gehört“, sagte Bradl später, und ja, ein bisschen stolz sei er dann schon gewesen, dass „ich einen Mann wie Rossi hinter mir lassen konnte, das ist etwas Besonderes“.

Zwölf Runden vor Schluss zog dann Pedrosa an Stoner vorbei, der mit seinem Motorrad kurz ins Schlingern geraten war, und Bradl profitierte sechs Runden vor Schluss von einem Fahrfehler von Cal Crutchlow, der sich zu einem kleinen Ausritt ins Kiesbett genötigt sah. Nun lag Bradl wieder auf Platz sechs, und von hinten raste Rossi immer dichter an ihn heran. In der letzten Runde wagte der neunmalige Weltmeister dann ein Überholmanöver, er schob sich in der Kurve an Bradl vorbei, doch Bradl zog nach innen und versperrte den Weg. Und weil vorne, kurz vor dem Ziel, noch Stoner stürzte, wurde Bradl eben Fünfter. In seiner ersten Saison in der Königsklasse hat Bradl nun sieben Top-Ten-Platzierungen in acht Rennen herausgefahren,

Acht Rennen, sieben Top-Ten-Platzierungen Doch am Sonntag blieb es trocken auf diesem engen Kurs, auf dem Überholmanöver so schwierig sind, und Bradl fuhr als Fünfter durch das Ziel, womit er sein bislang bestes Ergebnis in der MotoGP egalisierte, aus dem Rennen in Le Mans – damals hatte es, natürlich, geregnet. Es war auch ein guter Start, den Stefan Bradl bei seinem Heim-Grand-Prix hinlegte, er fuhr gleich vor auf Platz fünf. Doch nach der dritten Runde reihte er sich ein auf jenem siebten Rang, auf dem er für lange Zeit verweilen sollte. Ja, aus Sicht von Bradl wurde es tatsächlich ein spannendes

Zufrieden nach dem Auftritt in der Heimat: Stefan Bradl genießt die Ehrenrunde auf dem Sachsenring in Hohenstein-Ernstthal. FOTO: JAN WOITAS/DPA

nur einmal, beim Grand-Prix in Assen, blieb er nach einem Sturz ohne Punkte. Mit 62 Punkten liegt er damit in der Gesamtwertung weiterhin auf Rang neun. Eine ordentliche Leistung, nach der er sich nun Hoffnung machen darf, in der nächsten Saison auf ein Werksmotorrad zu steigen.

Die Optimierungen sollen schneller kommen Denn am Rande des Rennens am Sachsenring mischte sich am Samstag auch Lucio Cecchinello, Bradls Teamchef bei LCRHonda, in die Debatte ein, ob Bradl in der kommenden Saison den Platz von Casey Stoner in Hondas Werksteam übernehmen sollte. „Wir müssen uns mehr auf das Material konzentrieren, das wir haben“, sagte Cecchinello zwar, dies sei „für Stefan die beste Lösung in seinem ersten Jahr in der MotoGP.“ Denn sobald er sein Motorrad „zu hundert Prozent verstanden hat, können wir jeden Sonntag um das Podium mitfahren. Mit dem Material, das wir jetzt schon haben.“ Doch dann fügte er eher beiläufig an, Honda sei „übrigens“ inzwischen „so zufrieden und positiv überrascht“ von Bradl, dass Cecchinello gegenüber angedeutet worden sei, dass LCR ein Motorrad mit Werksunterstützung angeboten bekommen könnte. Optimierungen, die Honda kontinuierlich entwickelt, würden LCR „nicht wie jetzt drei bis vier Wochen, sondern vielleicht schon eine Woche später“ zur Verfügung gestellt. Es wäre ein gewiefter, wenn auch fragwürdiger Kompromiss: Der Spanier Marc Márquez, der als Wunschkandidat von Hondas Werksteam und dessen spanischem Hauptsponsor gilt, dürfte nach einem Wechsel aus der Moto2 auf dem besten Motorrad sitzen. Bradl wiederum hätte bei LCR zumindest annähernd das gleiche Material. Obwohl es Bradl war, der 2011 Weltmeister wurde. Als er schneller war als Márquez. PHILIPP SCHNEIDER

Hohenstein-Ernstthal – Das Unwetter zog erst auf, als die kleinste aller Rennserien der Motorradfahrer starten sollte. Moto3-Pilot Sandro Cortese aus Berkheim an der Iller musste sich also ein wenig gedulden vor dem größten Moment seiner Karriere. 30 Minuten lang hatte es unaufhörlich auf die Strecke geregnet, doch als der 22-Jährige dann endlich startete, war es zumindest aus dramaturgischer Sicht ein Glück, dass er erst im Anschluss an den gleichaltrigen MotoGP-Piloten Stefan Bradl auf die Piste rollte, der spätestens seit der vergangenen Saison sein Vorbild ist. Denn ausgerechnet Cortese gelang in diesem Jahr der große Sieg, den sich in der vergangenen Saison alle von Bradl erhofft hatten, dem damals Führenden in der Moto2, der später auch Weltmeister wurde. 41 Jahre nach Dieter Braun hat Sandro Cortese tatsächlich für den Heimsieg eines deutschen Motorrad-Piloten auf dem Sachsenring gesorgt. Nach dem Rennen überkam Cortese die große Freude, leidenschaftlich küsste er seine erstmals zu einem Grand Prix mitgereiste Freundin. Zuvor hatte er sich mit der deutschen Fahne im Arm von den Fans feiern lassen. Und fortan wird Cortese in der Gemeinschaft mit Braun, Toni Mang oder Ralf Waldmann genannt werden, der 1997 auf dem Nürburgring letztmalig für einen deutschen WM-Heimsieg gesorgt hatte. Von der Pole Position gestartet, war Cortese nach dem heftigen Gewitterguss sehr vorsichtig die knapp 100 Kilometer Renndistanz angegangen. Nach zehn Runden hatte er bereits zehn Sekunden Rückstand auf die scheinbar uneinholbar davongefahrene Spitze. Doch plötzlich wurde Cortese immer schneller. „Es war wichtig, die Ruhe zu bewahren. Ich habe dem Motorrad vertraut. Ich habe einfach ein bisschen gebraucht, um mich ins Rennen reinzufahren. Ich denke, ich habe einfach bewiesen, dass ich nicht nur im Training schnell bin

oder im Regen oder im Trockenen, sondern dass ich auch bei solchen Bedingungen extrem schnell bin“, sagte Cortese: „Ich bin unvorstellbar glücklich. Ich kann das selbst noch gar nicht glauben.“ Weil Sandro Cortese vor dem zweitplatzierten en Alexis Masbou (Honda) und dem Spanier Luis Salom (KTM) gewann, schob er sich mit nun 148 Punkten zudem in der WM-Gesamtwertung an seinem Konkurrenten Maverick Vinales (FTR/130) vorbei. Der Spanier war nach einem überraschend schwachen Qualifying nur von Position 24 aus ins Rennen gegangen und 17. geworden. Seit acht Jahren fährt Cortese bereits Motorrad, die meiste Zeit erfolglos. Erst im vergangenen Jahr war ihm beim GrandPrix in Tschechien sein erster Sieg gelungen. DPA/SID/SZ

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Sechste Wahl Louis van Gaal kehrt als Trainer der Niederlande zurück – nicht jedem gefällt das

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Wieder nichts für die Ewigkeit Wladimir Klitschko schlägt Tony Thompson k. o., muss sich aber Fragen stellen Ergebnisse R www.sz.de/sport

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Montag, 9. Juli 2012, Nr. 156 DEFGH

Die Mär von den 500 Tests Armstrongs Argumente im Doping-Verfahren sacken in sich zusammen

„Das ist ein aufregender Tag“: Der Brite Bradley Wiggins führt das Feld bei der Tour de France erstmals im Gelben Trikot an.

FOTO: YORICK JANSENS/DPA

Flüche von der Insel Bei der Tour de France haben zahlreiche Fahrer nach Stürzen aufgeben müssen. An der Spitze bahnt sich der erwartete Zweikampf zwischen Bradley Wiggins und Titelverteidiger Cadel Evans an. VON ANDREAS BURKERT

Belfort/Porrentruy – Bradley Wiggins ist Nassrasierer, man erkennt das auch an diesem Mittag in Belfort am Feinschliff in seinem Gesicht. Ein Perfektionist ist da offenkundig ins Freie getreten, aber so geht ja auch die Geschichte dieses hochgewachsenen Athleten und seiner Sky-Mannschaft, die 2009 antrat, binnen fünf Jahren den ersten britischen Tourgewinner zu formen, mit neuen, wissenschaftlichen Trainingsmethoden, wie es heißt, und dank der vielen Millionen des Tycoons Rupert Murdoch. Nur drei Jahre später ist die Planerfüllung in Sicht, Bradley Wiggins, 31, klettert im Gelben Trikot der Tour de France aus dem Bus. Hinter der Absperrung auf der Rue Dreyfus Schmidt rufen die ostfranzösischen Zaungäste seinen Namen, er sagt: „Das ist ein aufregender Tag. Aber das Ziel ist es, das Trikot auch in Paris zu haben.“

Nach dem Massensturz muss der Holländer Wouter Poels künstlich ernährt werden Schon nach der ersten Bergetappe sind die Zweifel nicht mehr allzu groß, dass der in London lebende Engländer in zwei Wochen ganz oben stehen dürfte. Der Samstag vermittelte jedenfalls diesen Eindruck, Wiggins belegte auf der für die Tour gepflasterten Skipiste von La Planche des belles Filles den dritten Platz, zeitgleich mit dem Titelverteidiger Cadel Evans aus Aus-

tralien und gleich hinter seinem britischen Teampartner Christopher Froome. Evans war umzingelt von Männern im schwarzen Dress mit dem blauen Brustring, auch seine australischen Helfer Michael Rogers und Richie Porte hatte Wiggins lange an seiner Seite. Evans attackierte, wie dann auch am Sonntag, als der erst 22-jährige Thibaut Pinot beim hektischen Abstecher in die Schweiz nach Porrentruy den ersten Tageserfolg für Frankreich einfuhr: Wiggins folgte und behauptete Gelb. Vom Zweikampf zwischen Wiggins und Evans war man vor dem Start der Tour ausgegangen; vor dem ersten langen Zeitfahren am Montag in Besançon (41,5 km) ist nicht gewiss, ob Evans danach noch in Reichweite sein wird. Wiggins, der drei Olympiasiege als Verfolger auf der Bahn aufzuweisen hat, ist favorisiert beim Kampf mit der Uhr. Bei der WM 2011 hat er sich nur Tony Martin beugen müssen (der Besançon nun tatsächlich trotz Kahnbeinbruchs erreicht hat). Im Juni, bei der TourGeneralprobe in Frankreich, der schweren Dauphiné-Rundfahrt, besiegte Wiggins den Deutschen. Evans lag über die 53,5 Kilometer knapp zwei Minuten zurück. Das sind die sportlichen Voraussetzungen für die weiteren Tour-Wochen. „Es kann bis Paris noch so viel passieren“, sagt Wiggins, sonderlich beunruhigt wirkt er irgendwie nicht. Unterwegs nach La Planche hatte er sogar mal gegrinst, während Evans Grimassen des Leidens schnitt. Was passieren kann, hat Wiggins 2011 erlebt, als er mit Schlüsselbeinbruch ausschied. Die Gefah-

Aachen – Die erste Entscheidung über die Besetzung der Olympia-Mannschaft fiel bei den Springreitern schon am Samstag im Rahmen des CHIO in Aachen. TeamWeltmeisterin Janne-Friederike Meyer aus Schenefeld wurde mit Lambrasco ebenso nominiert wie Marcus Ehning (Borken) mit Plot Blue, Christian Ahlmann (Marl) mit Codex One sowie Philipp Weishaupt (Riesenbeck) mit Monte Bellini. „Unser Kader hatte sich mit dem Ausfall von CarstenOtto Nagel und dem Verzicht von Ludger Beerbaum schon früh verkleinert. Einzig der Ersatz-Reiter wird nach dem Großen Preis von Aachen noch nominiert“, sagte Bundestrainer Otto Becker. Den Große Preis, den Höhepunkt des CHIO, gewann am Sonntagnachmittag der Brite Michael Whitaker auf dem Wallach Gig Amai vor dem Außenseiter Thomas Voß (Schülp) auf Carinjo und Meredith Michaels-Beerbaum (Thedinghausen) auf Bella Donna. Vorjahressiegerin Janne-Friederike Meyer hatte auf einen Start verzichtet: Knapp drei Wochen vor Olympia sollte ihr 14 Jahre alter Wallach Lambrasco geschont werden. Die weiteren Olympia-Reiter gingen mit Zweitpferden in den Parcours. Ebenfalls am Samstag hatte Vielseitigkeits-Bundestrainer Hans Melzer seinen Kader bekannt gegeben. Angeführt wird er von Welt- und Europameister Michael Jung (Horb) mit Sam oder Leopin sowie der EM-Zweiten Sandra Auffarth (Ganderkesee) mit Opgun Luovo. Zudem nehmen Ingrid Klimke (Münster) mit Abraxxas, Dirk Schrade (Sprockhövel) mit Hop and Skip oder King Artus sowie Peter Thomsen (Lindewitt) mit Horseware’s Barny teil. „Das war die schwierigste Aufgabe, seit ich im Amt bin. Allerdings hatten wir das Geländeprofil in London genau studiert und feste Vorstellungen, welche Pferde wir mitnehSID men wollen“, sagte Melzer.

Als Wiggins zum Argwohn befragt wird, sagt er nur: „This is fucking stupid.“ Evans und Wiggins sind bisher durchgekommen, es wird auf ihr erwartetes Duell hinauslaufen. Noch trennen sie nur zehn Sekunden. Der Italiener Vincenzo Nibali, nur 16 Sekunden zurück, ist ein guter Kletterer, doch die 100 Zeitfahrkilometer bis Paris sind nicht seine Spezialität. Andere Kandidaten wie Jurgen van den Broeck (Belgien) oder die RadioShack-Kapitäne Frank Schleck (Luxemburg) und Andreas Klöden verloren schon am Samstag Zeit, der Cottbuser zudem die Nerven: Nur vier Kilometer sei er blockiert gewesen, korrigierte er am Abend den eigenen Presse-

dienst, dem er in der ihm eigenen Art attestierte, dort würde „eine Scheiße geschrieben“. Auch vor Porrentruy brach er ein. Und so darf man sich schon mal einstellen auf die Details der Geschichte von Team Sky und Wiggins, sofern der TourVierte von 2009 nicht noch in der dritten Woche in den Pyrenäen einbricht. Derbe Flüche gehören übrigens auch zu seinem Repertoire, mehrmals hat er zuletzt Fernsehteams zusammengestaucht, einfach so. Und bei der Präsentation in Lüttich ließ er den Moderator stehen, weil der partout ein paar Sätze aus Wiggins durchaus respektablem Französisch-Wortschatz hören wollte. „Warum soll ich Französisch reden?“, sagte er und drehte dem live zugeschalteten TV-Publikum den Rücken zu. „It’s fucking amazing“, das waren Wiggins’ erste Worte im Gelben Trikot. Toll sei auch die Vorstellung seiner Mannschaft gewesen, lobte er. In der Tat, deren Leistungen verblüfft schon seit einem Jahr. Froome, 27, belegte bei der Vuelta 2011 Rang zwei, Wiggins war damals Dritter. Bei der Tour fahren die Himmelsstürmer vom flachen Eiland en bloc in die Rampen, wie das früher die Teams von Banesto, Telekom und US Postal vorführten. Die Geschichten dieser Teams sind inzwischen neu erzählt worden, sie handeln jetzt weniger von der Arbeit eines früheren australischen Ruderund Schwimmtrainers wie bei Sky, sondern von unerlaubten Mitteln. Als Wiggins am Sonntagabend zum Argwohn befragt wird, der nun ihn begleitet, sagt er: „This is fucking stupid.“ Und geht.

strongs von der Tour 1999, deren wissenschaftliche Validität bestätigt ist. Sportjuristisch wurde die Akte geschlossen, weil die Befunde bei Nachtests ermittelt und dabei die Urinproben aufgebraucht wurden; B-Proben waren nicht mehr möglich. „Für mich steht außer Zweifel, dass Armstrong 1999 gedopt war“, sagt der Pionier des EpoNachweises, Michael Ashenden. Den australischen Blutexperten hat Armstrong nie verklagt. Dazu gesellt sich der Verdachtsfall bei der Tour de Suisse 2001, den das Lausanner Labor bestätigte, Kortison-Eskapaden in Armstrongs Anfängen, die drei frühe Kollegen mit bösen Erkrankungen in die Knie zwangen. Nur Lance kam nach einer Krebserkrankung ins Geschäft zurück, stärker denn je. Auch gibt es überhöhte Testosteronwerte, Zeugen sahen Spritzen und Rezepte. Und laut Usada sind auch Armstrongs Proben von 2009/10 nicht koscher. Deshalb gewinnt ein anderer Verdacht Kontur. Jüngst berichtete der US-Sender ABC, mit dem Verfahren befasste Usada-Offizielle würden befürchten, Armstrong habe ihnen Privatdetektive an die Fersen gesetzt. Armstrongs Team, so ABC News weiter, habe auf Anfrage nicht reagiert. UsadaVertreter sehen darin und in ähnlichen Vorgängen in der Vergangenheit die letzte Bestätigung für ihre Strategie, Zeugennamen und andere Beweise gegen Armstrong erst im letzten Moment auf den Tisch zu legen. Wie weit der Arm des Texaners reicht, Freund ehemaliger Staatschefs von Washington bis Paris, könnte gerade die jüngste Detektiv-Story zeigen: Wer im UsadaUntersuchungsausschuss sitzt, soll eigentlich strikt geheim sein. THOMAS KISTNER

Heimsieg für Spitz

Weiteres Zugeständnis

Mountainbikerin holt elfte Meisterschaft

Jan Ullrich räumt Doping im Radsport ein

Bad Säckingen – Mountainbike-Olympiasiegerin Sabine Spitz fährt als deutsche Meisterin zu den Sommerspielen nach London. Die 40-Jährige aus Murg-Niederhof holte sich bei den nationalen Titelkämpfen in ihrer Geburtsstadt Bad Säckingen auf der Cross-Country-Distanz über 19,5 Kilometer überlegen in 1:22:17 Stunden den elften Titelgewinn. Auf den Plätzen zwei und drei folgten Adelheid Morath (Freiburg) und Silke Schmidt (Eppelborn). „Es ist ein unglaubliches Gefühl, vor eigenem Publikum zu fahren und zu gewinnen. Es war gigantisch“, sagte Spitzdie wie Morath auch bei Olympia London startet. Bei den Männern siegte Manuel Fumic (Kirchheim) nach 27,3 Kilometern in 1:30:19 Stunden vor Jochen Käß (Bietenhausen) und Robert Mennen (Nörvenich). Es war sein zweiter Titel nach 2008. Titelverteidiger und Europameister Moritz Milatz (Freiburg) gab nach einem Sturz auf. DAPD/DPA

Metz/Bielefeld – Jan Ullrich hat erstmals zugegeben, dass während seiner RadsportKarriere Spitzenleistungen offensichtlich nur mit Doping möglich waren. Auf die Frage, ob es Zeiten im Radsport gab, in denen man ohne Doping nicht vorne mitfahren konnte, antwortete der Tour-de-FranceSieger von 1997: „Ja, klar gab es diese Zeiten, ich hab sie ja selbst mitgemacht.“ Der 38-Jährige war im Februar vom Sportgerichtshof Cas wegen Dopings im Rahmen der Fuentes-Affäre für zwei Jahre bis zum 22. August 2013 gesperrt worden. Das Verfahren dauerte sechs Jahre. Erneut sagte Ullrich, dass er das Cas-Urteil akzeptiert habe: „Ich habe Fehler gemacht und die Strafe verdient. Aber die Verfahren dauern zu lange. Meins hat sechs Jahre gedauert. Das ist für mich aber Vergangenheit. Man muss nach vorn schauen und auch Vertrauen haben, dass jetzt im Radsport alles in Ordnung ist.“ DPA

Pflichtbewusste Ballerinen

Ersatzmann fehlt noch Reiter nominieren ihre Kader für London

ren dieses Wettbewerbs offenbarten sich am Wochenende erneut, als das Bulletin nach dem Massensturz vom Freitag ständig erweitert wurde. 18 Fahrer mussten aufgegeben, besonders schlimm erwischte es den Holländer Wouter Poels mit Nierenriss, inneren Quetschungen und Rippenbrüchen; er wird künstlich ernährt. „Ich kriege das Geräusch von Knochenbrüchen nicht aus meinem Ohr“, sagte der Ire Daniel Martin nach dem Gemetzel. Am Sonntag meldete sich auch Johannes Fröhlinger ab. Der Gerolsteiner hat einen Mittelhandbruch erlitten. Auf Etappe acht purzelte dann Spaniens Olympiasieger Samuel Sanchez über den Asphalt: Schlüsselbein- und Handbruch. Aus und vorbei.

München – Dem größten Rad-Heros der Geschichte droht der Absturz, Lance Armstrong weiß, er steckt tief in der Bredouille. Das zeigen seine massiven Rundumschläge gegen Fahrer, die im Verdacht stehen, dass sie bei der US-amerikanischen AntiDoping-Agentur Usada gegen ihn ausgesagt haben. Lust auf Blutrache unterstellt er den Zeugen, doch führt schon die Motivforschung ins Leere : Rache wofür? Sind die Kollegen nicht selbst stets gut gefahren mit ihm, dem ewigen Anführer, der sieben dick prämierte Tour-Titel einfuhr? Ebenso substanzlos ist das zweite Kernargument, das Armstrong und Mitstreiter nun ständig in die Debatte werfen: Mehr als 500 Dopingtests habe der Texaner in seiner Karriere absolviert – alle seien negativ gewesen. Auf die Zeugenaussagen muss bis Prozessbeginn in den USA im Herbst gewartet werden. Doch die von Armstrong zum Mythos erhobene halbe Tausendschaft an Dopingtests lässt sich ohne Verfahren eruieren – wofür gibt es die Statistiken der Usada und des Radweltverbandes UCI? Der erste Blick in die seit 2001 archivierten Individual-Daten der Usada zeigt: Hoppla, Armstrong zählt ja tatsächlich zu den am häufigsten untersuchten Sportlern Amerikas – zu Buche stehen 71 Kontrollen. Jedoch ist die Rede von Kristin Armstrong, die US-Radfahrerin holte Gold im Zeitfahren bei Olympia 2008 in Peking. Der Blick auf Lance zeigt bescheidene 29 Kontrollen an; 19 mehr, als die Wasserballerin Elizabeth Armstrong aufweist. Da ist die Statistik von manchem Lance-Gegner weit imposanter. Bei Levi Leipheimer führt die UsadaWebsite 62 Kontrollen an, bei Georg Hincapie 60, bei David Zabriskie 47. Mehr Tests hatten sie auch im direkten Vergleichszeitraum: Leipheimer 40, Hincapie 38. Die Mär vom Saubermann mit 500 Tests sackt auch andernorts in sich zusammen. 2004, im Jahr vor Armstrongs letztem Tour-Sieg, publizierte die französische Sportzeitung L’ Equipe die Testzahlen der UCI, Armstrong kam auf insgesamt 63 Kontrollen. L’Equipe gehört zum Pariser Amaury-Konzern, der über die Amaury Sport Organisation Veranstalter der Tour ist – da dürften die Zahlen korrekt sein. Macht im relevanten Bereich der UCI- und Usada-Dopingfahndung 92 Tests. Das ist weit entfernt von den 500, mit denen Armstrong gern hantiert. In Radsportforen braut sich anhand dieser Daten ein Proteststurm zusammen; Hilfestellungen für die Ankläger. Ebenso entlarvend fällt die Überprüfung der Behauptung „negative Tests“ aus. Da sind sechs positive Epo-Proben Arm-

Kienles Reifeprüfung

Es geht auch ohne Totilas, den Wunderhengst: Für das Olympia-Team der Dressurreiter haben sich ausschließlich Frauen qualifiziert Aachen – Wenn Kristina Sprehe sagt, „ich bin gut zufrieden“, dann ist das nach den Maßstäben ihrer emsländischen Heimat ein Jubelausbruch. Damit ist nach Ansicht der jungen Aufsteigerin aber auch das Wichtigste gesagt. Mit dem elfjährigen Hengst Desperados gewann die Dressurreiterin Sprehe in Aachen Grand Prix und Grand Prix Special, die beiden Prüfungen, die bei den Olympischen Spielen in London über die Mannschaftsmedaillen entscheiden werden. Die 25 Jahre alte Studentin hat ihre Nerven in vielen Championaten stählen können, als Ponyreiterin, als Juniorin und als Junge Reiterin – ein schnurgerader Weg von dem Tag, an dem die Vierjährige ihr erstes Shetlandpony bekam, bis hin zum Auftritt in London in drei Wochen. Helen Langehanenberg, 30, gewann auf dem nicht weniger imposanten zwölfjährigen Hengst DamonHill amSonntag die dritte Olympia-Prüfung, die Musik-Kür, und plauderte vergnügt in die Mikrofone: „Das war einfach brillant. Ich bin überglücklich, Dami hat sich von Tag zu Tag gesteigert, er freute sich richtig auf die Kür.“ Dorothee Schneider, 43, wiederum musste sich die Tränen aus den Augen wischen, als die zehnjährige Rappstute Diva Royal ruhigen Schrittes das Viereck verließ und die Noten durchgegeben wurden: Platz drei hinter Langehanenberg und Sprehe. „Ich könnte heulen“, sagte sie und tat es dann auch: „Ich kriege gleich die Schnappatmung. Wenn mir jemand im Frühjahr erzählt hätte, ich wäre im Olympiateam, den hätte ich für verrückt erklärt. Da werden heute Abend etliche Korken knallen.“ Freude hat halt viele Gesichter. Steile Karrieren sind in der Dressur selten. Erst im Dezember 2011 ging die von Dorothee Schneider selbst ausgebildete Diva Royal in der Frankfurter Festhalle ih-

„Das war einfach brillant“: Helen Langehanenberg freut sich auf ihrem Pferd Damon Hill über ihre gute Vorstellung in Aachen. FOTO: DAVID HECKER/DAPD re erste Weltcupprüfung. Der im April plötzlich verstorbene Bundestrainer Holger Schmezer sagte damals: „Wir haben Dorothee Schneider unter Beobachtung.“ Wie bei der deutschen Meisterschaft in Balve im Juni bei den Offiziellen die Erkenntnis reifte, dass hier ein potenzielles Olympiapaar auftrat, das erlebte Schmezer nicht mehr. Nach dem krankheitsbedingten Ausfall von Matthias Rath und Totilas rückte Dorothee Schneider schließlich als Nummer vier ins Team für Aachen, konnte sich für Platz drei in der Olympia-Mannschaft qualifizieren und damit Anabel Balkenhol mit Dablino noch auf den vierten Platz verdrängen. Für die Mannschaft werden nur

drei Reiter gewertet, es gibt kein Streichergebnis, der vierte startet also von Anfang an als Einzelreiter. Als fünftes Paar wird Monica Theodorescu auf Whisper mit nach England ins Trainingsquartier fahren, sie kann bis zwei Stunden vor Prüfungsbeginn noch eingewechselt werden, falls ein Reiter oder Pferd erkrankt ist. Aber nur dann. Dorothee Schneider weiß, dass sie Diva Royal nach den Spielen der Besitzerin zurückgeben muss. Die Nachwuchsreiterin Stella-Charlotte Roth wird sie übernehmen, sie hat mit der braven Rappstute schon Erfolge in der U25-Klasse errungen. Das spricht für das unkomplizierte Temperament von Diva Royal, die – anders als es

Rundumschlag: Lance Armstrong wehrt sich mit allerlei seltsamen Attacken gegen Doping-Vorwürfe. FOTO: DAPD

der Name suggeriert – eher als pflichtbewusste Ballerina denn als zickige Diva rüberkommt. Locker, mühelos und ohne spektakuläre Verrenkung zieht sie ihre Bahn, die Ohren wippen entspannt im Takt, und sie scheint sich auch bei den schwierigsten Lektionen wenig anzustrengen. Bundestrainer Jonny Hilberath, der bis Jahresende die Nachfolge von Schmezer übernahm, freut sich auf die Olympiareise mit seiner hochmotivierten Damenriege: „Schließlich ist das keine Hausfrauenabteilung, mit der ich losfahre.“ Es sind Dressurprofis im besten Sinne, die klassische Reitkunst demonstrieren. Der deutsche Reiterverband muss nicht fürchten, von Tierschützern wegen der „Rollkur“ an den Pranger gestellt zu werden, einer von Fachleuten als nicht pferdegerecht eingestuften Trainingsmethode mit dem Ziel der totalen Unterwerfung des Pferdes. Und dann fällt doch noch der Name Totilas. Der schwarze Wunderhengst ist zwar vorzeitig aus dem Olympiarennen ausgeschieden und fehlte in Aachen, aber er sorgte dennoch für Aufregung in der Soers. Daran war Springreiter Ludger Beerbaum schuld, der Totilas in einem Interview nicht nur als „ganz normales Pferd“ entlarvte, sondern auch der Familie Linsenhoff unterstellte, so reich zu sein, dass sie das Millionenpferd „auf den Grill legen und aufessen“ könnte, wenn sie wollte. So was kam in den feinen Pferdesport-Kreisen natürlich nicht gut an. Ohne Totilas wird die Jagd nach Olympiagold für die deutschen Reiterinnen schwerer, aber aussichtslos ist sie nicht. Ob ihnen Totilas fehlen wird, wurden sie gefragt. Langes Schweigen. „Darüber haben wir noch gar nicht nachgedacht. Wir geben unser Bestes.“ Etwas Diplomatie gehört eben auch zum Geschäft. GABRIELE POCHHAMMER

EM-Zweiter beim Ironman in Frankfurt Frankfurt/Roth – Der Belgier Marino Vanhoenacker hat das Duell der schnellsten Eisenmänner der Welt klar gegen Andreas Raelert aus Rostock gewonnen und sich in Frankfurt zum Ironman-Europameister gekrönt. Im Rampenlicht stand bei einem verregneten Rennen allerdings der Überraschungs-Zweite Sebastian Kienle. Der Physik-Student aus Karlsruhe legte mit einem furiosen Rennen bei seinem erst vierten Langdistanz-Start in 8:09:55 Stunden eine Reifeprüfung der besonderen Art ab. „Ich glaube, jetzt mache ich erst einmal einen siebenjährigen Dornröschen-Schlaf“, sagte Kienle, 28. Zwar versuchte der Radspezialist, den zwischenzeitlichen Rückstand von 2:20 Minuten auf den führenden Vanhoenacker aufder Laufstrecke noch wettzumachen, doch ein Toilettengang von Kienle ließ den Traum vom Triumph am Main platzen. Beim zeitgleichen Rennen in Roth holte sich Favorit Timo Bracht mit einem zweiten Platz den EM-Titel der Europäischen Triathlon-Union (ETU). Der 36-Jährige aus Eberbach kam nach 8:03:28 Stunden hinter dem Südafrikaner James Cunnama (7:59:59) ins Ziel. „Ich musste hart kämpfen, vor allem beim Laufen“, sagte Bracht. Vanhoenacker erreichte in 8:03:31 Stunden rund sechs Minuten vor Kienle den Frankfurter Römerberg. „Es hab viele Zweifel heute. Die Bedingungen mit dem Regen beim Radfahren und der Kälte waren schwer“, sagte der 35-Jährige, der seinen Hauptkonkurrenten Andreas Raelert diesmal nicht fürchten musste. Nach einem Sturz mit dem Rad landete LangdistanzWeltrekordler Raelert in 8:17:36 hinter dem Spanier Clemente Alsono-Mckernan (8:14:04) auf Rang vier. Bei den Frauen glückte Caroline Steffen aus der Schweiz (8:52:33) die Titelverteidigung. Zweite wurde Anja Beranek aus Fürth (9:05:41). SID


SPORT

DEFGH Nr. 156, Montag, 9. Juli 2012

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Mit Darwins Hilfe

DEUTSCHE IN WIMBLEDON

Interessante Aussichten

HBG

Agnieszka Radwanska zeigt modernes Frauentennis, aber gegen die Wucht von Serena Williams nützt das wenig. Die Amerikanerin, die die Einzelkonkurrenz zum fünften Mal gewann, ist die älteste Wimbledon-Siegerin seit Martina Navratilova

VON MICHAEL NEUDECKER

ser Frau, ihrer Kraft. 17 Asse schlug sie im Finale, im gesamten Turnier waren es unglaubliche 102, das ist mehr, als jemals eine Frau in Wimbledon schaffte und drei Mal so viel wie die Nummer zwei dieser Statistik, Sabine Lisicki. Radwanska spielt Tennis mit einem beeindruckenden Ballgefühl und einer hohen Spielintelligenz, aber was nützt das schon, gegen eine wie Williams, die den Ball derart unnachgiebig ins Feld drischt, dass die Zuschauer oft raunen, wenn sie einen Punkt macht? Einmal, im dritten Satz, gelang ihr das perfekte Aufschlagsspiel: vier Punkte, vier Asse, mehr geht nicht. Der Stärkere gewinnt, sagt Darwin, und wenn Serena Williams spielt, ist Tennis ein bisschen Verhaltensbiologie. „Sie schlägt so gut auf“, sagt Radwanska, „es war schwer für mich.“ Agnieszka Radwanska steht im nunmehr fünften Jahr hintereinander konstant in den Top 15 der Weltrangliste, und wenn sie gewonnen hätte, wäre sie die erste Polin auf Rang Nummer eins geworden. So ist nun die Weißrussin Viktoria Asarenka Nummer eins (während Serena Williams auf Rang vier vorrückt), aber Radwanska war nicht unglücklich, „es waren die schönsten zwei Wochen meiner Karriere“, findet sie. Serena Williams sieht das ähnlich, „ich kann das noch gar nicht glauben“, sagte sie, als das Match eine halbe Stunde alt war. Fünf Siege sind in Wimbledon kein Rekord, es gibt noch einige, die in den Bestenlisten vor ihr stehen, ganz vorne steht Martina Navratilova, die hier neun Mal gewann. Aber sie ist gleichgezogen mit Venus Williams, ihrer Schwester, und Serena Williams hat zuletzt oft betont, wie viel ihr das bedeuten würde. „Ich wollte immer das haben, das Venus hatte“, sagte sie ins Mikrofon auf dem Centre Court, „sorry, Venus“, da lachten die Leute, auch Venus Williams lachte, die oben saß, in der Gästebox, zusammen mit Vater, Mutter und noch ein paar Verwandten. „Danke an euch“, sagte Serena Williams, dann erstickten ein paar Tränen ihre Stimme. Serena Williams antwortet oft cool auf Reporterfragen, aber das muss nicht heißen, dass sie nicht überwältigt wäre, wenn sie gewinnt.

VON MICHAEL NEUDECKER

F

ederer gegen Murray im Wimbledonfinale, in England hat das schon vor dem ersten Aufschlag für Begeisterung gesorgt, ein Schweizer und ein Brite, das sind die beiden, denen sie hier am lautesten zujubeln. Früher haben sie auch den Deutschen applaudiert, aber das ist lange her, die Deutschen waren Steffi Graf und Boris Becker, und die beiden spielen schon lange nicht mehr. Es ist seitdem das ein oder andere Mal in der einen oder anderen Zeitung erwähnt worden, wirklich ganz selten nur, dass dem deutschen Tennis Boris Becker und Steffi Graf sehr fehlen, und natürlich fielen die Namen der beiden auch jetzt wieder ganz gelegentlich, während dieser zwei Wimbledon-Wochen 2012. Dieses Mal aber klangen die Sätze so: Es war das erste Mal seit Becker et al. 1997, dass zwei deutsche Männer im Viertelfinale standen; das erste Mal seit Graf et al. 1987, dass zwei Frauen im Viertelfinale waren; das erste Mal überhaupt, dass vier Deutsche ins Viertelfinale kamen, und Angelique Kerber hatte Chancen, als erste Deutsche seit 1999 ins Finale einzuziehen. Wimbledon 2012 brachte den Deutschen vor allem diese Botschaft: Das deutsche Tennis lebt wieder. In drei Wochen findet in Wimbledon das olympische Tennisturnier statt, und weil es während Olympia gerade in Deutschland immer weniger um Dabeisein als vielmehr um das Gewinnen von Medaillen geht, hat Wimbledon 2012 auch eine neue Frage aufgeworfen: die nach den Medaillenchancen der deutschen Tennisspieler. Bei den Frauen gibt es schon länger diesen Auftwärtstrend, die Frauen haben gute Chancen, eine Madaille zu gewinnen, die vergangenen beiden Wimbledonwochen haben das nur noch dicker unterstrichen. Der Erfolg von Philipp Kohlschreiber und Florian Mayer aber kam überraschend, die deutschen Männer spielen mitunter stark, aber selten so konstant, dass sie auffallen. Beide sind 28 Jahre alt, sie stehen nicht mehr am Anfang ihrer Entwicklung. Wimbledon 2012 war für die deutschen Männer wohl nicht mehr als eine Momentaufnahme, wenn auch, das immerhin, eine sehr schöne. Und was Olympia angeht: Kohlschreiber kann durchaus für eine weitere Überraschungsorgen – aber eben nur er. Florian Mayer hat seinen Olympia-Start abgesagt, weil er nicht in seinen Turnierplan passt, und Tommy Haas, der sich zuletzt in guter Form zeigte und in Wimbledon erst nach großem Kampf Kohlschreiber unterlag, er wurde gar nicht nominiert.

Serena Williams Serena Williams hat 14 Grand-Slam-Turniere gewonnen: fünf in Australien und in Wimbledon, drei bei den US Open, einen in Paris. Sie rückt damit den drei Rekordhaltern der Profiära (seit 1968) näher: Steffi Graf siegte 22 Mal, Chris Evert und Martina Navrartilova jeweils 18 Mal. Bei Serena Williams kommen 13 Titel im Doppel (jeweils mit ihrer Schwester Venus) sowie zwei im Mixed hinzu. Die im September 1981 geborene Amerikanerin ist die erste über 30-jährige GrandSlam-Siegerin, seitdem Martina Navratilova 1990 im Alter von 33 Jahren und 263 Tagen in Wimbledon triumphierte. Sie war die erste über 30-jährige Finalistin seit Steffi Grafs Endspielteilnahme bei Wimbledon 1999. Neun der zehn derzeitigen Top-10-Spielerinnen haben zumindest ein Grand-Slam-Turnier gewonnen. Einzige Ausnahme: die Weltranglistensiebte Angelique Kerber. Nureine aktive Spielerin hat mehr Turniersiege erzielt als die 42 von Serena Williams – ihre Schwester Venus, die auf 43 kommt.

Marray schreibt Tennis-Geschichte London – Der britische Tennisprofi Jonathan Marray hat als erster Brite seit 76 Jahren den Doppeltitel in Wimbledon gewonnen. An der Seite seines dänischen Partners Frederik Nielsen gewann Marray das Finale gegen Robert Lindstedt (Schweden) und Horia Tecau (Rumänien) 4:6, 6:4, 7:6 (5),6:7 (5), 6:3. Lindstedt/Tecau verloren damit ihr drittes Wimbledonfinale in Serie. Die Aufgeregtheit, die in Großbritannien seit dem Finaleinzug des Schotten Andy Murray herrscht, wurde dadurch noch zusätzlich verstärkt. Die Briten warten seit 76 Jahren auf einen Sieg eines Landsmanns im Wimbledonfinale, und die Sehnsucht war am Sonntag überall in England zu spüren. Die Ticketpreise auf dem Schwarzmarkt kletterten auf 32 000 englische Pfund für eine Eintrittskarte, Preise zwischen 3500 und 5500 Pfund waren völlig normal, zu diesem Preis war der Weiterverkauf sogar legal: Für 27 500 Pfund kann man eine fünf Jahre gültige Dauerkarte für den Centre Court erstehen, Vip-Versorgung und Lounge-Zutritt inklusive. Wer seinen Platz aber nicht selbst besetzen kann, hat die Erlaubnis, sein Ticket für ein Spiel weiterzuverkaufen. Auch die Fernsehanstalten rechnen mit großem Zuspruch: Die britische BBC geht von rund 25 Millionen Zuschauern vor den Fernsehern aus, und in zahlreichen Kinos in England und Schottland wurde das Finale gegen Rekordsieger Roger Federer, das bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe noch nicht beendet war, live übertragen: in 3D. SZ/SID

London – Irgendjemand wollte wissen, was sie vor 15 Jahren gesagt hätte, wenn man ihr erzählt hätte, dass sie fünf Wimbledon-Titel gewinnen würde, da grinste Serena Williams. Reporter stellen gerne solche Was-hätten-Sie-gesagt-wenn-Fragen, sie sollen dem Befragten die Gelegenheit geben, die Überraschung über einen besonderen Erfolg zu beschreiben, die Fassungslosigkeit, die Begeisterung, und meistens sagen die Sportler, dass sie voller Überraschung reagiert hätten, voller Fassungslosigkeit und, ja, voller Begeisterung. Die Antwort ist erwartbar, aber das macht nichts, denn so etwas passt ja immer wunderbar in eine Geschichte über etwas Spektakuläres: Wenn die Wucht des Sieges vor allem den überrumpelt, der gewonnen hat. Serena Williams antwortet selten das Erwartbare, das ist ihr zu langweilig. Serena Williams grinste, dann sagte sie: „Ich hätte Ihnen natürlich geglaubt.“

Frauen: Endspiele seit 2000 2000 V.Williams (5) – Davenport (USA/2) 6:3, 7:6 (3) 2001 V.Williams (2) – Henin (Belgien/8) 6:1, 3:6, 6:0 2002 S.Williams (USA/2) – V.Williams (1) 7:6 (4), 6:3 2003 S.Williams (1) – V.Williams (4) 4:6, 6:4, 6:2 2004 Scharapowa (Rus/13) – S.Williams (1) 6:1, 6:4 2005 V.Williams (14) – Davenport (1) 4:6, 7:6 (4), 9:7 2006 Mauresmo (Frankreich/1) – Henin (3) 2:6, 6:3, 6:4 2007 V.Williams (23) – Bartoli (Frankr./18) 6:4, 6:1 2008 V.Williams (7) – S.Williams (6) 7:5, 6:4 2009 S.Williams (2) – V.Williams (3) 7:6 (3), 6:2 2010 S.Williams (1) – Swonarena (Rus/21) 6:3, 6:2 2011 Kvitova (CR/8) – Scharapowa (5) 6:3, 6:4 2012 S.Williams (6) – Radwanska (Polen/3) 6:1, 5:7, 6:2

Vor etwas über einem Jahr war Serena Williams noch in der Klinik: Lungenembolie

Serena Williams hat schon mit 17 ihren ersten Grand-Slam-Titel gewonnen, die US Open, es war früh zu sehen, dass sie eine große Tennisspielerin werden kann, sie wusste es, alle wussten es. Sie hat danach noch einige weitere Titel gewonnen, ihr Sieg im Wimbledonfinale am Wochenende war ihr 14. Grand-Slam-Sieg und ihr fünfter in Wimbledon, und doch kam dieser Titel jetzt ein wenig überraschend: Sie ist ja nicht mehr 17, sondern 30, sie hatte gesundheitliche Probleme in letzter Zeit, und inzwischen sind andere fürs Gewinnen zuständig, jüngere Spielerinnen, wie Agnieszka Radwanska. Radwanska ist 23, sie kommt aus Polen, und sie zeigte in diesen zwei Wochen, wie modernes Frauentennis geht: platziert, taktisch klug, stoisch.

Vier Aufschläge, vier Asse, vier Punkte: Mehr geht nicht Es lag auch an Agnieszka Radwanska, dass das Frauenfinalein Wimbledon ein gutes wurde, eines, das auf hohem Niveau ausgetragen wurde, jedenfalls nach dem ersten Satz, den Serena Williams orkanartig spielend 6:1 gewann. Radwanska gewann den zweiten Satz 7:5, und zu Beginn des dritten Satzes, bis zu Williams’ Break zum 3:2, war wirklich unklar, wer siegen würde. Dass es dann doch Serena Williams war, dass sie nun die älteste Wimbledon-Gewinnerin seit Martina Navratilova 1990 ist, das lag nicht an Radwanska, sie konnte nichts dafür. Es lag an Williams, an der Wucht die-

Leicht wie eine Feder: Serena Williams präsentiert sich im Sprung mit der Siegerschale, der sogenannten Venus Rosewater Dish. Für die Amerikanerin war es bereits der fünfte Einzelsieg in Wimbledon. FOTO: GLYN KIRK/AFP

Als sie nach zwei Stunden und zwei Minuten ihren ersten Matchball verwandelt hatte, sank sie zu Boden, sie lag eine Weile auf dem Rücken, die Hände im Gesicht, dann stand sie auf, schüttelte Radwanska die Hand und sprintete hoch, durch die Publikumsreihen hindurch zur Gästebox. Ihr Vater fotografierte, er hielt sich ein riesiges Teleobjektiv vors Gesicht, ihre Mutter filmte und fotografierte mit ihrem Handy, sie schöpften die ganze Bandbreite moderner Medien aus, um diesen Moment im Leben von Serena Williams festzuhalten. Es war ja ein besonderer Moment, sagt Serena Williams: „Jeder Titel ist speziell, aber dieser hier ist superspeziell“, wegen dieser Krankheitsgeschichte, sie lag vor etwas über einem Jahr noch in der Klinik. Kurz nach ihrem Wimbledonsieg 2010 war sie in München in eine Glasscherbe getreten, es folgten mehrere Operationen, eine Lungenembolie, es musste ein Blutgerinsel entfernt werden. „Sie ist eine Kämpferin“, sagt Venus Williams, „und jede von uns beiden glaubt, dass uns nichts aufhalten kann.“ Auf dem Court ohnehin nicht, nicht an diesem Wochenende zumindest. Am Samstagabend traten die Williams-Schwestern noch zum Doppelfinale an, gegen die Tschechinnen Hlavackova/Hradecka. Es war 22:48 Uhr Ortszeit, als Venus Williams den Matchball verwandelte, „Doppel macht noch mehr Spaß als Einzel“, sagte Serena Williams, kurz bevor sie die Anlage verließen, da ging es schon auf Mitternacht zu. Es war ein langer Tag für Serena Williams, aber sie wirkte nicht, als sei sie müde.

„Ich muss mir dauernd die Sprüche der anderen Jungs anhören“ Daniel Nestor ist fast 40 Jahre alt, er hat als Doppelspieler 79 Turniere gewonnen und zehn Millionen Dollar Preisgeld. Ein Gespräch über Anerkennung, Alter und Julia Görges Daniel Nestor sitzt auf der Terrasse für die Spieler in Wimbledon, seine Freundin sitzt hinter ihm, ansonsten beachtet ihn kaum jemand. Dabei ist Nestor, 39, der erfolgreichste Tennisspieler der Geschichte, er hat 79 Titel gewonnen; nur eben keinen einzigen davon im Einzel. Daniel Nestor ist Doppelspezialist, er ist natürlich der beste Doppelspieler der Welt. (Zur besseren Orientierung: John McEnroe hat 78 Doppeltitel gesammelt.) Der 1992 in Belgrad geborene Kanadier Nestor hat über zehn Millionen Dollar an Preisgeld gewonnen, aber im Einzel kam er nie in die Top 50 der Welt-

„Diejenigen, die mich veräppeln, schlage ich eben im Doppel.“ rangliste, im August 1999 erreichte er als 58. seine beste Platzierung. Im Doppel ist er hingegen die Nummer eins. Da drängen sich ein paar Fragen auf. SZ: Herr Nestor, Sie haben in Wimbledon im Mixed mit der Deutschen Julia Görges gespielt. Sie hat gesagt, für sie sei das phantastisch, geradezu unglaublich, mit Ihnen auf dem Platz stehen zu dürfen. Wie war es für Sie? Daniel Nestor: Wenn ich im Doppel weit komme, ist es schwierig für mich, auch noch Mixed zu spielen, das ist mir dann zu viel. Aber wir (Nestor und sein weißrussischer Partner Max Mirnyi, Anm.) haben ja im Doppel hier schon in der zweiten Runde

verloren, also ging das. Ihr Trainer hat mich gefragt, ich habe sie bisher nur vom Sehen gekannt, aber sie ist eine großartige Spielerin. Sie spielt sehr aggressiv, hat einen guten Aufschlag, es ist mit ihr fast wie im Männerdoppel.

dem Ellbogen. Da hab ich entschieden, nur noch Doppel zu spielen. Im Doppel haben Sie keine Schmerzen? Nein, ich hatte 2005 noch mal eine Operation, aber das war kein Problem. Ich fühle mich gut, wenn ich Doppel spiele.

Was macht mehr Spaß: Doppel oder Mixed? Doppel ist stressiger, du musst deinen Job machen, Mixed macht man mehr aus Spaß. Ich feiere im Doppel ja nicht so, wenn ich gewinne, die Leute fragen mich dann immer: Warum feierst du nicht, warum springst du nicht herum? Aber für mich ist das einfach nur eine riesengroße Erleichterung, gewonnen zu haben. Ich kann mich da noch nicht so ausgelassen freuen. Sie haben kurz vor Wimbledon Ihren 79. Titel gewonnen, aber keinen einzigen davon im Einzel . . . . . . oh ja, ich weiß, das höre ich oft. Okay, dann wissen Sie ja, dass diese Frage unvermeidlich ist: Warum sind Sie so gut im Doppel, und, nun ja, nicht ganz so gut im Einzel? Ach, ich war nicht schlecht, ich hab’ ein paar Matches gewonnen (85 von 203, Anm. d. Redaktion), ich war schon talentiert. Aber ich war physisch nicht so stark wie die anderen, ich konnte nie mehrere Matches in ein paar Tagen spielen, und ich war oft verletzt. 1999 hatte ich eine Schulteroperation, danach kam ich zurück, habe Einzel gespielt, aber dann hatte ich Probleme mit

Aus heutiger Sicht war das eine glückliche Fügung, oder? Sie haben im Doppel mehr als zehn Millionen Dollar verdient. Natürlich! Ich hatte eine großartige Karriere, ich bin immer noch gesund, das macht mich sehr glücklich. Und am Ende des Tages war ich sowieso schon immer ein besserer Doppel- als Einzelspieler. Wie ist das in der Kabine? Nehmen Sie die Kollegen ernst, obwohl Sie nur im Doppel spielen? Natürlich machen die anderen Jungs oft Scherze, ich muss mir dauernd Sprüche anhören, wie: Hey, du bist ja nur ein halber Tennisspieler, weil du nur auf der Hälfte des Courts spielst. Solche Sachen. Aber ich bin niemand, der die Dinge zu ernst nimmt. Die Jungs, die mich veräppeln, schlage ich dann eben auf dem Platz im Doppel. Das ist okay für mich. Sie haben einen Stern auf dem Walk of Fame in Toronto und einen kanadischen Orden verliehen bekommen. Sind Sie ein Star in Kanada? Naja, es kommt vor, dass Leute meinen Namen kennen, meine Ergebnisse stehen ja auch schon seit sehr langer Zeit regel-

mäßig in den Zeitungen. Aber es ist nicht so, dass sie mich auf der Straße erkennen und ich ständig angesprochen werde. Finden Sie, Sie sollten berühmter sein, angesichts Ihrer Karriere? Mmmh . . . (Nestors Freundin im Hintergrund nickt eifrig und ruft: „Auf jeden Fall!“) . . . ja, aber ich kann mich ja wirklich nicht beschweren. Sie haben mir diesen Stern gegeben und auch noch den Orden verliehen. Also, das ist schon alles okay so, wie es ist.

Gehört seit vielen Jahren zu den besten Doppelspielern der Welt: Daniel Nestor, 39, in Belgrad geborener Kanadier, kam im Einzel nie über Platz 58 hinaus – im Doppel hat er achtstellige Dollar-Beträge erspielt. FOTO: JULIAN FINNEY/GETTY

Sie sind jetzt seit 21 Jahren Profi, werden im September 40 Jahre alt, und Sie haben alles gewonnen, was es für Sie zu gewinnen gibt. Wie lange wollen sie noch weitermachen? Keine Ahnung. So lange es mir Spaß macht, spiele ich. Wenn Sie mich vor fünf Jahren gefragt hätten, ob ich mit 40 noch spiele, hätte ich gesagt: Auf keinen Fall . . . . . . mit 40 gilt man im Sport als alt. Aber ich fühle mich nicht alt. Ich lerne immer noch ständig dazu und werde besser. Ich bin einfach jemand, der den Wettkampf liebt. Es gibt Sportler, die zu früh aufgehört haben und unglücklich sind, weil sie den Wettkampf vermissen. Das will ich nicht. Außerdem gibt es ja auch in anderen Sportarten 40-Jährige, die noch spielen. Und, wissen Sie: Ich bin ja nur Doppelspieler. INTERVIEW: MICHAEL NEUDECKER


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Montag, 9. Juli 2012, Nr. 156 DEFGH

„Kein Geheimplan“

Der Problemjob

DFL äußert sich zur Torlinientechnik Berlin – Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) hat einen Medienbericht über angeblich bereits feststehende Details zur Einführung der Torlinientechnik zurückgewiesen. „Es gibt weder einen Beschluss noch einen Geheimplan. Der Ligavorstand wird sich mit dieser Thematik frühstens im Rahmen seiner nächsten Sitzung im September beschäftigen und dabei alle Handlungsoptionen erörtern“, sagte ein Sprecher der DFL. Die Bild am Sonntag hatte zuvor berichtet, dass sich die DFL mit den Vereinen bereits darauf verständigt habe, künftig den Chip im Ball (GoalRef) und nicht das unter anderem aus dem Tennis bekannte Hawk-Eye-System einzusetzen. Nach dem Bericht soll die kostengünstigere Variante in der Bundesliga und der zweiten Liga frühestens in der Saison 2013/2014 eingesetzt werden. Doch die DFL teilte mit: „Bisher liegt dem Ligaverband noch nicht einmal ein schriftlicher Bescheid der Fifa in dieser Angelegenheit vor.“ Das auf einem Magnetfeld im Tor basierende System ist mit einem Preis von etwa 125 000 Euro nur halb so teuer wie das Hawk-Eye. Ob die 36 Profivereine die durch die Regeländerung entstehenden Kosten selbst tragen müssen, ist weiterhin ungeklärt. Die DFL verwies zunächst auf die„zuständigen Gremien“. Bayer Leverkusens Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser sieht derweil einen Weg, wie die Vereine finanziell entlastet werden könnten. „Dank des neuen Fernsehvertrags erhalten wir ab der Saison 2013/2014 viel mehr Geld. Ich bin dafür, dass ein Teil des Geldes eingefroren und dann zweckgebunden ausgegeben wird“, betonte Holzhäuser in der Bild am Sonntag: „Bevor die zusätzlichen Millionen vom Fernsehen wieder in die Taschen der Berater und Spieler wandern, sollte man davon die neue Torlinien-Technik finanzieren.“ Der Vorschlag soll zeitnah von den Klubs diskutiert werden. SID

Nach längerer Bedenkzeit wird Didier Deschamps Frankreichs Trainer Wenn sich Didier Deschamps am heutigen Montag offiziell für zwei Jahre als Trainer der französischen Fußball-Nationalmannschaft engagiert, erwartet ihn ein Berg an Arbeit, der einen Vergleich mit dem Mont Blanc nicht zu scheuen braucht. Streitereien zwischen den Spielern, eine desaströse Außendarstellung und sportliche Offenbarungseide pflastern seit Jahren den Weg der Bleus. Deschamps hat nun bis zur WM 2014 Zeit, diese atemberaubende Talfahrt zu stoppen. Im Erfolgsfall winkt ihm eine Vertragsverlängerung bis zur EM 2016 im eigenen Land. Zum Glück gibt es die Tour de France. Drei Wochen lang genießen die Franzosen an ihren Fernsehgeräten nicht nur die Schönheiten ihres Landes, sondern identifizieren sich auch mit ihren Helden. Die liefern nicht nur erfolgreiche Platzierungen ab, sondern stellen sich nach jeder noch so auszehrenden Etappe freundlich den Fragen der Reporter. Welch ein Kontrast zur Europameisterschaft in Polen und der Ukraine, als die französische Nationalmannschaft ein Bild der Tristesse abgab – auf und neben dem Rasen. Inzwischen gibt es nicht wenige französische Fußballfreunde, die „ras le bol“ haben von diesem Team – die Faxen dicke. Die französische Sportzeitung L’Équipe erkannte jüngst gar „Zeichen einer Scheidung“ zwischen den Bleus und ihren Fans.

Nicht wenige französische Fans haben „ras le bol“ von diesem Team – die Faxen dicke

„Wenn ich dir nichts mehr zu sagen habe, hast du ein Problem.“ – Louis van Gaal, 60, taucht wieder auf.

Sechste Wahl

FUSSBALL 25 Millionen für Schürrle Bundesligist Bayer Leverkusen hat nach eigenen Angaben ein Angebot des Champions-League-Siegers FC Chelsea über 25 Millionen Euro für seinen Nationalspieler André Schürrle abgelehnt. Das berichtete der Kölner Express. „Wir hatten von Chelsea ein sehr konkretes Angebot für Andre von jenseits der 20 Millionen Euro Ablöse vorliegen. Die Summen wurden zwischen den Klubs schon hin- und hergeschoben. Wir haben uns letztlich für André entschieden“, sagte Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser. „Er ist für uns sportlich zu wertvoll. Er hat auch klar zu erkennen gegeben, dass er gerne bei uns bleiben würde.“ Interesse meldete Bayer derweil an Angreifer Luuk de Jong von Twente Enschede und Rechtsverteidger Daniel Carvajal (Real Madrid) an. SID

Schmidt statt Schmidt Stephan Schmidt kommt für Roger Schmidt: Nach Informationen der Welt am Sonntag hat Fußball-Zweitligist SC Paderborn einen Nachfolger für den zum österreichischen Meister RB Salzburg gewechselten Erfolgstrainer gefunden. Der 35 Jahre alte Stephan Schmidt hatte zuletzt als U19-Trainer des Bundesligisten VfL Wolfsburg gearbeitet und 2011 mit den Niedersachsen die deutsche A-Jugend-Meisterschaft gewonnen. SID

FOTO: CHRISTOF STACHE/AFP

Louis van Gaal ist wieder da: 15 Monate nach seiner Entlassung beim FC Bayern München übernimmt der 60-Jährige das Traineramt bei der niederländischen Nationalelf. Die Reaktionen in seiner Heimat fallen teilweise reserviert aus Amsterdam – Die Zeit ohne Amt hatte Louis van Gaal ganz offenkundig gut getan. Bei seiner Vorstellung als neuer Nationaltrainer der Niederlande wirkte der 60-Jährige jedenfalls, als habe er seine komplette Arbeitslosigkeit in einem Wellnesshotel verbracht. Lebhaft, frisch und dynamisch präsentierte er sich – und mithin genau so, wie sich das ganze Land den Fußball seiner Auswahlmannschaft vorstellt. „Das ist die Herausforderung, auf die ich gewartet habe“, sagte van Gaal, der bereits zwischen 2000 und 2002 als Bondscoach gearbeitet hatte. Offiziell vorgestellt wird er am 10. August

„Van Gaal ist nicht wirklich bekannt als jemand, der leicht mit Stars umgehen kann“ in Zeist. Nur fünf Tage später sitzt er beim Freundschaftsspiel in Belgien erstmals auf der Bank. Assistenztrainer wird Danny Blind, der 1995 unter van Gaal die Champions League mit Ajax Amsterdam gewann. Van Gaal wurde von vielen Fans und Experten freundlich begrüßt, aber auch kritische Stimmen ließen nicht lange auf sich warten. Weniger deshalb, weil er in seiner ersten Amtszeit die Qualifikation zur WM 2002 verpasst hatte. Sondern vor allem, weil der Fußball, den die holländische Mannschaft zuletzt beim punktlosen Vor-

runden-Aus bei der EM spielte, bei vielen Beobachtern ganz böse Erinnerungen an das weckte, was der FC Bayern München unter van Gaal vor dessen Entlassung im April 2011 gezeigt hatte: ein statisches Spiel, kaum Positionswechsel, wenig Überraschungsmomente. Zudem wird darüber debattiert, wie der Übungsleiter, der „General“ genannt wird, wohl mit der Ansammlung nicht ganz pflegeleichter Prominenz in der Auswahl zurecht kommt. Als BayernTrainer von 2009 bis 2011 wurde ihm unter anderem sein problematisches Verhältnis zu einigen wichtigen Spielern, wie etwa Franck Ribéry, zum Verhängnis. Ähnlich schwierige Verhältnisse erwarten van Gaal im Oranje-Team: Während der EM klagten Bundesliga-Torschützenkönig Klaas-Jan Huntelaar und Rafael van der Vaart lautstark über ihre Reservistenrolle. Auch Regisseur Wesley Sneijder zögerte nicht, öffentlich Veränderungen in der Startformation zu beantragen. Dementsprechend reserviert reagierte die niederländische Presse auf das Wiedersehen mit van Gaal. „Mit der Entscheidung für den Alt-Trainer von Ajax, FC Barcelona, AZ, Bayern München und Oranje überrascht der Verband“, schreibt De Telegraf: „Van Gaal ist in seiner Karriere nicht wirklich bekannt geworden als jemand, der leicht mit Stars umgehen kann.“ Auch De Volkskrant wirft die Frage auf, „wie er

mit den erfahrenen Spielern umgeht“, da er bislang „am besten mit gehorsamen, jungen Spielern“ zurechtgekommen sei. Die Fußball-Prominenz des Landes begrüßte van Gaal da schon freundlicher, einmal abgesehen von Ronald Koeman vielleicht, dem Trainer von Feyenoord Rotterdam, der selbst auch auf der Kandidatenliste des niederländischen Fußball-Verbandes KNVB gestanden hatte. „Ich war nicht verfügbar, wie viele andere Trainer auch. Er war die sechste Wahl, glaube ich“, sagte Koeman, schob allerdings hinterher, dass er den Spruch nicht ganz ernst gemeint ha-

Nun wartete das ganze Land gespannt auf die erste Äußerung von Johan Cruyff be: „Ich finde das schon gut so.“ Marco van Basten, Nationaltrainer von 2004 bis 2008, zeigte sich „überrascht“ von der Entscheidung, hielt van Gaal jedoch für „eine gute Wahl“. Nun wartete das ganze Land noch gespannt auf die erste Äußerung von Johan Cruyff; schließlich sind Cruyff und van Gaal in Holland, was J.R. Ewing und Digger Barnes in Dallas sind, und die holländischen Fans warten auf den nächsten Teil des Streits wie die Fernsehzuschauer auf die nächste Intrige. Den vergangenen Höhepunkt hatte Cruyff Ende 2011 gesetzt, als

er van Gaals Engagement als Sportdirektor bei Ajax Amsterdam gerichtlich verhinderte. Zuletzt hatte dann van Gaal für ein Kuriosum gesorgt, als er seinem Gegenspieler mit einer ganzseitigen Anzeige in verschiedenen Zeitungen zum 65. Geburtstag beglückwünschte: „Es ist eigentlich nicht zu erwarten, dass ich ihm gratuliere. Aber ich denke, dass ich die geeignete Person bin. Johan verdient sehr viel Respekt.“ Es hieß, Cruyff wolle sich am Montag zum neuen Bondscoach äußern. Einstweilen reden gerne andere, Demy de Zeeuw etwa, der einst bei Alkmaar unter van Gaal spielte – und sich nun offenbar Hoffnung auf eine Rückkehr ins Nationalteam macht, in dem er nach der WM 2010 unter Bert van Marwijk keine Berücksichtigung mehr fand. Für seine extreme Lobhudelei („sehr netter Mann, superguter Trainer“) wird er jedenfalls in den Fußball-Foren schon als „Schleimer“ beschimpft. „Bei Louis ist kein Platz für Egos und eigene Unternehmungen“, sagte de Zeeuw, 29. „Alle an einem Strang ziehen zu lassen, ist seine Stärke.“ Die Nominierung sei gut, „wenn die Spieler tun, was von ihnen verlangt wird. Van Gaal sagte immer: Wenn ich dir nichts mehr zu sagen habe, hast du ein Problem.“ Beim FC Bayern musste der Trainer allerdings eine Abwandlung dieser Regel kennenlernen: Er bekam ein Problem, weil er sich nichts sagen ließ. SZ/SID

Dabei hatte Nationaltrainer Laurent Blanc bei der EM das vom Französischen Fußballverband vorgegebene Ziel, nämlich den Einzug ins Viertelfinale, durchaus erreicht. Es ist jedoch die Art und Weise, wie sich die Équipe tricolore präsentierte, die den Franzosen sauer aufstößt wie ein korkender Bordeaux. Allen voran das blamable 0:2 im letzten Gruppenspiel gegen die bereits ausgeschiedenen Schweden. Dass dann im Viertelfinale gegen den späteren Europameister Spanien nichts zu holen war, konnten viele Fans verschmerzen. Niemand erwartet mehr Wunderdinge von den Männern in Blau. Zu offensichtlich ist die Tatsache, dass diese Spielergeneration nicht die Qualitäten hat wie die goldene Generation, die 1998 und 2000 Welt- und Europameister wurde. Französische Weltklassespieler vom Schlage eines Zinedine Zidane, Laurent Blanc, Didier Deschamps oder Bixente Lizarazu sind derzeit rar. Doch ist es eben nicht die Qualität allein, die dieser Mannschaft fehlt. Schließlich hat sie in Franck Ribéry vom FC Bayern München und Karim Benzema, dessen Trainer José Mourinho ihm vor wenigen Wochen eine „Weltklasse-Saison“ bei Real Madrid bescheinigte, durchaus internationale Stars in ihren Reihen. Das Problem sind vielmehr die Spieler selbst. Nach der „Schande von Knysna“ bei der WM 2010, als sich die Nationalspieler weigerten, zum Training zu erscheinen, und einfach im Mannschaftsbus sitzen blieben, hatte der Verband drastische Sperren gegen mehrere Spieler verhängt.

Xhaka darf bleiben Granit Xhaka vom Fußball-Bundesligisten Borussia Mönchengladbach bleibt im Sommer bei seinem Verein und muss nicht mit der Schweiz am olympischen Fußballturnier teilnehmen. Die Mönchengladbacher gaben die Einigung mit dem Schweizerischen Fußballverband (SFV) am Sonntag bekannt. „Es waren harte, aber faire Verhandlungen“, sagte Sportdirektor Max Eberl. „Wir sind froh, dass Granit hier in Mönchengladbach bleibt.“ Für den Spieler sei diese Entscheidung „erfreulich und wichtig“. DAPD

Kein Punktabzug für Pescara Der italienische Erstliga-Aufsteiger Pescara Calcio darf nun doch ohne Punktabzug in die neue Fußball-Saison starten. Der wegen seiner Verwicklung in den Wett- und Manipulationsskandal ursprünglich mit einem Zwei-PunkteAbzug bestrafte Serie-A-Rückkehrer kam im Berufungsprozess mit einer Geldstrafe in Höhe von 30 000 Euro davon. Das teilte der nationale Verband FIGC mit. Begnadigt wurde auch Drittligist Albinoleffe. Das Handicap von 15 Punkten Abzug wurde auf neun Zähler reduziert. SID

Buffon kauft ganzen Klub Gianluigi Buffon, Kapitän der italienischen Fußball-Nationalmannschaft, ist zum einzigen Aktionär des italienischen Viertligisten Carrarese Calcio aufgerückt. Der 34 Jahre alte Torhüter des Serie-A-Meisters Juventus Turin hatte den Verein seiner toskanischen Geburtsstadt Carrara vor zwei Jahren mit Cristiano Lucarelli und anderen Aktionären vor der Pleite gerettet und ihn anschließend in die vierte Liga geführt. Buffon sagte, er hoffe nun, finanzstarke Unternehmer für sein Projekt gewinnen zu können. Sein Ziel sei, mit dem Klub künftig junge italienische Talente zu fördern. SID

Nahe beieinander Eine Leverkusener Konstruktion, die funktionieren kann: Hyypiä hat die Reputation, Lewandowski den Trainerschein und das Fachwissen Leverkusen – Es geht um zwei ungleiche Männer, die sich zusammenraufen müssen. Der eine ist charakterlich ein bisschen hüftsteif, der andere provokant entspannt. Die Umstände haben sie aneinander gekettet, und aus den Konfrontationen der beiden ungleichen Charaktere entstehen allerhand Running Gags. Sascha Lewandowski findet die US-Sitcom „Two and a half Men“ recht amüsant, „ein bisschen seicht“, sagt er, und doch ist es eine jener Serien im Fernsehen, bei denen er nicht gleich weiterschaltet. Auch beim Bundesligisten Bayer Leverkusen vermutet mancher zwei ungleiche Typen, die sich arrangieren müssen. Der eine hat eine große Karriere als Fußballer hinter sich, besitzt aber noch keinen Trainerschein. Der andere hatte keine Karriere als Fußballer, gilt aber als Fachmann für Trainingsgestaltung und Spielstrategie. Die Umstände haben den finnischen Ex-Profi Sami Hyypiä und den vormaligen Nachwuchscoach Sascha Lewandowski als Trainerduo beim Bundesligisten Bayer Leverkusen aneinander gekettet, aber aus der Konfrontation der beiden entstehen keine Running Gags, und es gibt auch kein eitles Gerangel. „Wir sind gar nicht so unterschiedlich“, sagt Lewandowski, „das versucht man uns zwar gelegentlich einzureden, aber in den wesentlichen Punkten sind Sami und ich so nahe beieinander, dass wir beschlossen haben, okay, wir machen das sehr gerne in dieser Konstellation weiter.“ Hyypiä, 38, als „Teamchef“ und Lewandowski, 40, als „Cheftrainer“ haben einen Vertrag für drei Jahre unterschrieben. Sie stehen nun mit längerer Perspektive gleichberechtigt an der Spitze von Bayers Profimannschaft, und es entspricht offenbar einer von Hierarchien geprägten Mentalität, dass die Öffentlichkeit gerne darüber spekuliert, wer von den beiden denn nun der

heimliche Chef sei und dass so ein gleichberechtigtes und möglicherweise sogar freundschaftliches Miteinander im Haifischbecken Bundesliga doch nur schwerlich möglich sei. Es könnte ja vielleicht doch ein bisschen so zugehen wie in der USSerie mit den Radaubrüdern, aber wenn man Lewandowski mit dieser Parallele provoziert, wirft er den Kopf in den Nacken und lacht schallend. „Ich wusste ja damals tatsächlich nicht, was mich erwartet“, sagt er über jene kurzfristige Entscheidung am 1. April, als er mit Hyypiä zum NachfolgerDuo für den entlassenen Robin Dutt ernannt worden war. „Natürlich hätte es sein können, dass Sami und ich in den grundlegenden Fragen komplett unterschiedlich denken“, sagt Lewandowski heute, „aber es hat sich herausgestellt, dass wir sehr ähnlich ticken.“

Hyypiä ist der Mann mit der öffentlichen Reputation, Lewandowski jener mit dem erforderlichen Trainerschein und einem großen Know-How. „Schon damals“, als jugendlicher Fußballer bei Eintracht Dortmund, sagt Lewandowski, „habe ich eine Affinität zum Trainerjob entwickelt, weil ich das Gefühl hatte, das Spiel ganz gut zu verstehen“. Mit 17 Jahren hat der gebürtige Dortmunder die D-Jugend seines Heimatklubs Eintracht trainiert, danach die B-Jugend der SG Wattenscheid, die A-Jugend beim VfL Bochum und schließlich die A-Jugend von Bayer Leverkusen, wohin er vor fünf Jahren wechselte und alsbald zum Nachwuchs-Cheftrainer avancierte. Lewandowski hat eine Karriere als Jugendtrainer hingelegt und 2009 seinen FußballLehrerschein mit der Note 1,5 abgelegt. Er hat nach der Bochumer A-Jugend (2004

Unverhofft und über Nacht an die Spitze: Sascha Lewandowski (links) und Sami Hyypiä (rechts) mit Assistenztrainer Jan-Moritz Lichte. FOTO: GETTY

und 2005) auch die Leverkusener A-Jugend (2010) ins Endspiel um die deutsche Meisterschaft geführt und sagt vor Beginn der neuen Saison, er wäre auch nicht böse gewesen, wenn er weiterhin im NachwuchsBereich tätig geblieben wäre. Er hat nicht mit den Hufen gescharrt und nicht ungeduldig auf die Chance gewartet, ins Profigeschäft aufzusteigen, aber er wacht jetzt auch nicht jeden Morgen auf und wähnt sich im Fußballparadies. Lewandowski kennt die Herausforderung, die Chance, den Druck und vor allem die harte Arbeit, die zum Erfolg nötig ist. Dass er neuerdings Autogramme geben muss und auf dem Weg zum Trainingsplatz dutzendfach fotografiert wird, „das gehört dazu“, sagt er, „aber ich bräuchte das nicht“. Trotzdem erfüllt er die Wünsche der Fans mit Charme und großer Freundlichkeit. Wer so unverhofft und über Nacht an die Spitze einer Bundesliga-Mannschaft berufen wird, ist über geteilte Verantwortung vielleicht nicht mal unglücklich. Lewandowski gestaltet die taktische Vorbereitung der Mannschaft auf das nächste Spiel. Hyypiä hält die finale Ansprache, unmittelbar bevor es dann raus geht ins Stadion. Man stellt sich das ein bisschen so vor wie bei Jürgen Klinsmann und Joachim Löw damals an der Spitze des Nationalteams. „Jeder hat seine Stärken, keiner macht hier den Zampano“, sagt Lewandowski über Hyypiä und sich. Und trotzdem: Ist so eine Konstellation mit zwei gleichberechtigten Trainern wirklich eine Lösung für länger, kann das dauerhaft funktionieren? „Ja, klar“, antwortet Lewandowski und schüttelt kaum merklich den Kopf, als fände er die Frage absurd. Mehr gibt es zu diesem Thema aus seiner Sicht dann auch nicht zu sagen. Alles andere ist bloß Stoff für eine ulkige FernsehseULRICH HARTMANN rie.

Viel zu tun: Deschamps muss eine neue FOTO: AFP Einheit schaffen. Die Grande Nation, in der gutes Benehmen wichtiger ist als vieles andere, hatte auf Besserung gehofft. Doch dann das: Auch bei der gerade zu Ende gegangenen EM fielen einige Spieler aus der Rolle, beschimpften sich in der Kabine oder verweigerten Trainer Laurent Blanc ostentativ den Handschlag. Auf die Spitze trieb es Samir Nasri, der einen Journalisten der französischen Nachrichtenagentur AFP als Sohn einer Dame aus dem horizontalen Gewerbe betitelte. Nasri muss sich zusammen mit drei Mannschaftskollegen Ende Juli vor der Disziplinarkommission des Französischen Verbands verantworten. Angesichts dieser Umstände ist es kein Wunder, dass sich Didier Deschamps von Verbandspräsident Noël Le Graët eine Woche Bedenkzeit auserbeten hatte, bevor er die Nachfolge Blancs antrat, der von sich aus das Handtuch geworfen hatte. Der 43-jährige ehemalige Kapitän der Nationalmannschaft, der zuletzt Olympique Marseille trainierte, muss nun die Generation seiner sportlichen Erben zu einer neuen Einheit zusammenschweißen. Schon am 15. August erwartet Frankreich das Team aus Uruguay zu einem Freundschaftsspiel. Noch schwieriger dürfte es allerdings sein, die Gunst der verprellten Fans zurückzugewinnen – und die Bleus wieder aus dem Schatten der Tour de France herauszuführen. PETER HACKER


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DEFGH Nr. 156, Montag, 9. Juli 2012

Wieder nichts für die Ewigkeit

MELDUNGEN James will sein zweites Gold Las Vegas – LeBron James und Kobe Bryant führen das Basketball-Aufgebot der USA bei Olympia in London an. Der zwölf Spieler umfassende Kader von Nationalcoach Mike Krzyzewski besteht ausschließlich aus Profis der nordamerikanischen Liga NBA. In James, Bryant, Carmelo Anthony, Chris Paul und Deron Williams sind fünf Spieler dabei, die bereits vor vier Jahren in Peking die Goldmedaille gewannen. Das ist auch bei den Spielen in London (27. Juli bis 12. August) das Ziel des Rekord-Olympiasiegers – selbst wenn in Chris Bosh (Bauchmuskel) und Dwyane Wade (Knie/beide Miami), Dwight Howard (Orlando/Bandscheibe) und Derrick Rose (Chicago/Kreuzbandriss) vier namhafte Akteure ihre Teilnahme abgesagt haben. „Ich bin sehr zuversichtlich“, sagte Bryant, 33, von den Los Angeles Lakers. James könnte das Jahr seines ersten NBA-Titels mit dem zweiten Olympiagold seiner Karriere krönen. „Das ist das, was ich erwarte, und das, was ich will“, sagte der 27-Jährige von Miami Heat. In London bekommen es die Amerikaner in der Vorrunde mit Russland, Litauen, Argentinien, Frankreich und Tunesien zu tun. SID

Hockey-Männer lernen dazu Utrecht – Die deutschen Hockeyspieler haben drei Wochen vor den Olympischen Spielen in London ihr vorletztes Testspiel gegen die Niederlande 2:4 (2:2) verloren. Vor 1500 Zuschauern in Utrecht trafen Christopher Zeller (8.) und Christopher Wesley (26.) zweimal zur zwischenzeitlichen DHB-Führung. „Die Niederländer haben ihre Chancen besser genutzt. Aber es ist gut, wenn wir hier noch dazulernen. Das bringt uns für London weiter“, sagte Kapitän Max Müller. Am Montag trifft der 18-köpfige deutsche Kader ein weiteres Mal auf die Niederlande, die bei den Spielen in London Vorrundengegner der Deutschen sein werden. SID

Poewe setzt sich durch Paris – Am zweiten Tag des internationalen Schwimm-Meetings in Paris haben Sarah Poewe und Caroline Ruhnau für die Glanzlichter aus deutscher Sicht gesorgt. Europameisterin Poewe setzte sich am Samstag über 200 Meter Brust in 2:28,75 Minuten durch. Eine Stunde zuvor hatte sich die Wuppertalerin über die nicht-olympische Sprintdistanz der Essenerin Ruhnau geschlagen geben müssen, die nach 31,52 Sekunden knapp vor Poewe (31,68) anschlug. Einen weiteren zweiten Rang für das deutsche Team erkämpfte am Samstag der Frankfurter Jan-Philip Glania über 200 Meter Rücken (2:00,70 Minuten). Markus Deibler (Hamburg) wurde über 200 Meter Lagen in 2:02,28 Minuten Dritter. 14 Schwimmer aus dem 27-köpfigen deutschen Olympia-Kader nutzten drei Wochen vor Beginn der Spiele das Pariser Meeting für einen letzten Formtest. Die Doppel-Weltrekordler Britta Steffen und Paul Biedermann verzichteten auf Starts in der französischen Hauptstadt. SID

Turnerinnen auf Platz drei Bukarest – Die deutschen Turnerinnen haben beim Vierländerkampf in Bukarest Platz drei belegt. Beim Sieg der Riege aus Rumänien (180,20 Punkte) kam das Team um Bundestrainerin Ulla Koch am Samstag auf 167,30 Zähler. Zweiter wurde Italien (169,45). Koch zeigte sich zufrieden und sprach von einem „super Wettkampf mit absoluten Top-Bedingungen“. Die Bundestrainerin sieht die Auswahl des Deutschen Turner-Bunds (DTB) „auf dem richtigen Weg für Olympia“. Auch in der Einzelwertung dominierten die Rumäninnen. Larisa Iordache setzte sich mit 60,85 Zählern vor ihrer Teamkollegin Sandra Izbasa (59,15) durch. Elisabeth Seitz (Mannheim) wurde als beste Deutsche mit 56,90 Punkten Sechste. DAPD

EM-Titel für Segler Buhl Hourtin – Der deutsche Segler Philipp Buhl hat seinen ersten EM-Titel in der Laser-Klasse gewonnen. Der Sonthofener sicherte sich bei der Europameisterschaft in Hourtin/Frankreich den Gesamtsieg. Der 22-Jährige hatte bereits die Laser-Klasse der Kieler Woche vor seinem Trainingskameraden Simon Grotelüschen gewonnen; diesmal nutzte die Abwesenheit einiger Spitzensegler, die sich bereits auf die Olympischen Spiele vorbereiten. Auch der Lübecker Grotelüschen war bei der EM nicht angetreten. Buhl hatte die Olympia-Teilnahme verpasst. SID

Später Trost für Michael Müller Galway – Der Kieler Vorschiffsmann Michael Müller hat sich nach dem verpassten Gesamtsieg beim Volvo Ocean Race an Bord der Hochseejacht „Puma“ mit dem Erfolg im abschließenden Hafenrennen getröstet. Die Crew um Skipper Ken Read (USA) setzte sich am Samstag in Galway/Irland gegen den Gesamt-Zweiten „Camper“ aus Neuseeland (Chris Nicholson) und den französischen Gesamt-Sieger „Groupama“ (Franck Cammas) durch. Bereits nach der neunten und letzten Etappe des Rennens rund um die Welt hatte die „Groupama“ als Gewinner festgestanden. Die „Puma“ war auf diesem Teilstück auf Rang drei abgerutscht. SID

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Kurz vor Schluss der sechsten Runde schlägt Weltmeister Wladimir Klitschko seinen Herausforderer Tony Thompson k. o. – die Diskussion über seinen Rang in der Geschichte des Schwergewichtsboxens beendet er damit nicht VON BENEDIKT WARMBRUNN

Bern – In dieser Nacht kam die eine sich stets wiederholende Frage zuerst auf Englisch, sie kam auch noch auf Ukrainisch, auf Deutsch und sogar auf Schweizerdeutsch. Wladimir Klitschko strich sich mit seiner rechten Hand über das Kinn, er kennt die Frage schon. Sie nervt ihn, da auch er keine gute Antwort auf sie weiß. Es ging wieder einmal um die Sache mit der Ewigkeit. In dieser Nacht antwortete für ihn Emanuel Steward, sein Trainer. Er lobte die Balance des Boxers Wladimir Klitschko, wie dieser an den Gegner heran- und wieder wegrücke; er sagte, dass kein anderer Boxer so viel Kraft in einen einzigen Schlag legen könne. Und dann fügte Steward hinzu, man möge doch bitte einen Blick auf Klitschkos Kampfrekord werfen, der spreche für sich, weiterhin. Da steht jetzt: 61 Kämpfe, 58 Siege, 51 davon vorzeitig, nur drei Niederlagen. Der jüngste Erfolg von Wladimir Klitschko, 36, war da gerade eine Stunde alt, er hatte Tony Thompson besiegt, durch einen Knock-out sechs Sekunden vor Ende der sechsten Runde.

„Ich wusste, dass ich schneller, stärker, besser bin“, sagte Klitschko nachher Seit einigen Jahren gilt Wladimir Klitschko nun als der beste Schwergewichtsboxer der Welt, er ist in drei von vier wichtigen Verbänden Weltmeister, im vierten ist dies sein Bruder Vitali. Seitdem folgen Wladimir Klitschko jedoch auch die Diskussionen, ob er eine Leistung für die Ewigkeit zeige, ob er also einer der besten Schwergewichtsboxer der Geschichte sei – oder einfach nur der beste Schwergewichtsboxer in einer Zeit ohne Konkurrenz. Diese Diskussionen um seine Hinterlassenschaft kreisen meist um den Stil von Klitschko, es ist ein kluger, analytischer Stil, aber er ist eben auch etwas verhalten. Doch so überlegen wie Klitschko ist, fordern die Zuschauer mehr Risiko, mehr harte Schläge, mehr Spektakel. Der Weltmeister im Schwergewicht muss nicht nur seineKämpfe gewinnen, das ist eine alte Regel, sondern auch seine Zuschauer. Ihre Emotionen. Nur so bleibt er für immer. Am vergangenen Samstag versuchte Klitschko in Bern gegen Thompson, diese Gier nach Sensation des Publikums zu befriedigen. Er war bemüht, allein, es war wieder kein historischer Beitrag. „Manche Dinge kann ich noch besser machen“, sagte Klitschko. Der Weltmeister der Verbände WBA, WBO und IBF war nicht erfreut, gegen Thompson boxen zu müssen, er hatte diesen bereits im Juli 2008 in Hamburg durch einen Knock-out in der elften Runde besiegt. Seitdem hatte der Amerikaner in fünf Kämpfen fünfmal vorzeitig gewonnen, er wurde von der IBF zum Pflichtherausforderer ernannt. Dazu ist er ein unbequemer Gegner, er boxt in der unüblichen Rechtsauslage, also mit der rechten Hand als Führhand. Klitschko war sichtlich bemüht, diesen zweiten Kampf gegen Thompson zu einem unterhaltsamen werden zu lassen, er wartete fast nur auf Gelegenheiten, seine rechte Gerade im Gesicht des Gegners landen zu lassen. Für seine Verhältnisse war das eine offensive, aggressive Art. „Ich wusste, dass ich schneller, stärker, besser bin“, sagte Klitschko.

Kaymer enttäuscht bei Open de France Paris – Golfprofi Marcel Siem hat den zweiten Sieg in seiner Karriere auf der European Tour gefeiert. Dank einer starken 67er-Schlussrunde gewann der Ratinger am Sonntag die Open de France. Nach zwei 68er-Runden und einem schwächeren 73er-Durchgang gelang dem 31-Jährigen auf dem schwierigen Par-71-Kurs bei Paris mit insgesamt 276 Schlägen noch der Sprung von Platz vier auf eins. Eine halbe Million Euro bedeuteten das bislang höchste Preisgeld für Siem, der sich mit diesem überraschenden Erfolg im Endspurt auch noch für die British Open Mitte Juli in Royal Lytham & St Annes qualifizierte. Seinen bisher einzigen European-TourTriumph hatte Siem im Januar 2004 bei der Dunhill Championship in Johannesburg/Südafrika erreicht. „Es tut gut, nach langer Zeit wieder ganz oben zu stehen“, sagte der Rheinländer noch sichtlich benommen nach der Siegerehrung. Mit diesem Erfolg dürfte er auch sein Ziel geschafft haben, in die Top 100 der Weltrangliste vorzustoßen. Vor allem aber hat es Siem auch Kritikern gezeigt, die nach seinen vielen verpassten Siegchancen bei anderen Turnieren zuvor nicht mehr an ihn geglaubt hatten. „Zuletzt habe ich in Köln einen Ball an einer entscheidenden Bahn ins Wasser geschlagen“, erinnerte sich Siem im Moment seines größtes Erfolges auch an eines seiner vielen Malheurs. Vor zwei Wochen hatte er bei der BMW International Open tatsächlich mal wieder dem Druck nicht standgehalten. Martin Kaymer, noch 14. der Weltrangliste im Golf, hat derweil enttäuscht. Der 27-Jährige aus Mettmann schaffte zwar mit Mühe den Cut, qualifizierte sich also für die Schlussrunden auf dem Platz Le Golf National. Doch diese Zusatzschichten bewältigte er derart schlecht, dass er von allen Profis, die den Cut geschafft hatten, Letzter wurde. 78 und 77 Schläge benötigte er am Wochenende jeweils für den 18-LochKurs, der 2018 Austragungsort des Ryder Cups sein wird. Am Ende hatte Kaymer 16 Schläge über Par. Nicht wirklich besser erging es dem Weltranglisten-Dritten Lee Westwood. Der Engländer verletzte sich, als er auf dem Weg zum ersten Loch während einer Unterhaltung mit einem Caddie ausrutschte. „Dieses Turnier ist bei den letzten Malen wie ein Fluch für mich gewesen“, sagte Westwood, der eine Leistenverletzung erlitt und auf dem 58. Rang ins Klubhaus kam. Der Deutsche Alex Cejka hatte am Freitag den Cut für die beiden Schlussrunden verpasst. SZ/SID/DPA

Südkoreanerin führt bei der US Open Nieder mit dir! Wie in ihrem ersten Duell schickt Wladimir Klitschko (rechts) den Amerikaner Tony Thompson vorzeitig zu Boden. FOTO: DANIEL MAURER/DAPD „Ich hätte früher gewinnen können“, sagte der Champion, „aber ich wollte nicht husch-husch machen.“ Thompson dagegen lockte ihn, er ließ die Hände an den Hüften baumeln und bot so scheinbar ein leichtes Ziel. Viele Schläge von Klitschko pendelte er aus, selbst traf er auch hin und wieder, wenngleich nie wirkungsvoll. So tasteten sich beide Boxer aneinander heran, das war wenig spektakulär, „doch von Runde zu Runde spürte ich, dassdie Distanz kürzer wird“, sagte Klitschko. In der vierten Runde gab es ein paar kurze, wilde Schlagwechsel, in der fünften traf Thompson den Titelverteidiger mit einer Links-Rechts-Kombination – und lag dennoch eine halbe Minute vor dem Ende nach einer rechten Geraden Klitschkos auf dem Boden. Er rettete sich in die Pause.

In der sechsten Runde boxte Thompson mit beiden Fäusten am Kinn, das ging lange gut, bis kurz vor Schluss zumindest, als ihn Klitschko mit einer Rechts-LinksRechts-Links-Kombination traf. Die Summe der Schläge raubte Thompson die Kraft, er fiel, stand auf, konnte aber nicht aufrecht bleiben. „Wäre ich richtig draufgegangen, hätte ich früher gewinnen können“, sagte Klitschko, „aber ich wollte nicht husch-husch machen.“ Es war ein souveräner Sieg, aber es war keiner, der in Erinnerung bleiben wird. Auch Klitschko selbst war unzufrieden. Nur zögerlich reckte er seine Faust in den Himmel. Bei der Verkündung des Ergebnis-

seskniff er die Lippen zusammen. Er lächelte nicht. Er wusste, dass wieder diese Fragen kommen würden. Später auf der Pressekonferenz ging es auch um Klitschkos Zukunft, der für mehr Glanz weiterhin ein guter Gegner fehlt. Im November oder Dezember werde Klitschko wieder boxen, sagte sein Manager Bernd Bönte, er wollte aber nur verraten, dass der Kampf nicht in den USA stattfinden wird. 2013 wäre ein Duell mit einem der britischen Talente David Price oder Tyson Fury möglich. Es sind alles keine Aussichten, die die Fragen letztgültig beantworten könnten. Und in der letzten Reihe gähnte die Frau von Tony Thompson laut und lang.

sonderes in der Luft. Das schafft Aufmerksamkeit, darauf wollen sie ungern verzichten. Man spürt das gerade jetzt, vor den Spielen in London, da die Szene eine leichte Panik erfasst hat, weil Dreifach-Weltrekordler Usain Bolt seinen letzten Start vor den Spielen in Monaco abgesagt hat und sich nach München zum FC-Bayern-Arzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt begeben hat. Bolt-Trainer Glen Mills spricht von einem „leichten Problem“. Aber was heißt schon leichtes Problem, wenn es um den Oberschenkel eines millionenschweren, allseits gefeierten Welt-Jamaikaners geht? Keiner weiß, was passieren wird in London. Es wirkt ja nicht einmal mehr ein gesunder Bolt unangefochten, seit sein Trainingspartner Yohan Blake ihn bei den ja-

maikanischen Meisterschaften über 100 und 200 Meter auf Platz zwei verwiesen hat. Und ob Olympia diesmal wirklich der richtige Ort ist für Weltrekord-Erwartungen? Dazu braucht es meistens stabiles Sommerwetter, und die Leichtathleten haben Zweifel, ob sie das in der britischen Hauptstadt vorfinden, in der es auch im August gerne kühl und regnerisch ist. Trotzdem sind die vielen Rekord-Verdächtigen natürlich auch in London Hingucker, und gerade Sally Pearson, 25, könnte nach ihren atemraubenden Vorleistungen in London Aufsehen erregen. Rudishas OlympiaRennen über die 800 Meter werden von Taktik geprägt sein, ihm wird es ums Gold gehen, nicht um die Zeit. Im Hürdensprint hingegengibt es keine taktischen Positions-

Für Vermarkter sind die Rekord-Verdächtigen ein Segen

„Ich liebe es, die Gejagte zu sein“: Sally Pearson in Paris

FOTO: DPA

Kohler – Deutschlands beste Golferin Sandra Gal hat bei der US Open in Kohler (USBundesstaat Wisconsin) vor der Schlussrunde eine Spitzenplatzierung im Visier. Die 27 Jahre alte Düsseldorferin spielte am dritten Tag der mit 3,25 Millionen US-Dollar dotierten Veranstaltung auf dem Par-72-Kurs zwar nur eine 74er Runde, verbesserte sich mit insgesamt 215 Schlägen aber dennoch um einen Rang auf den geteilten dritten Platz. Mit einer glänzenden 65er-Runde übernahm die Südkoreanerin Choi Na Yeon mit nunmehr 208 Schlägen die Führung beim dritten Major-Turnier des Jahres, das sich in der Nacht auf Montag (MEZ) entschied. Die Norwegerin Suzann Pettersen, die das Spielerfeld zur Halbzeit angeführt hatte, erwischte einen schwachen Tag und fiel nach einer 78erRunde mit insgesamt 217 Schlägen auf den geteilten siebten Rang zurück. SID

Behrenbruchs Wut

In der Leichtathletik sind gerade ein paar historisch leistungsstarke Leute unterwegs – zum Beispiel die Hürdensprinterin Sally Pearson

Es sind derzeit schon ein paar historisch starke Leute unterwegs in der Leichtathletik. Sally Pearson ist nur eine davon. Der Amerikaner Ashton Eaton hat zuletzt bei den US-Trials trotz Regenwetters den elf Jahre alten Zehnkampf-Weltrekord auf 9039 Punkte verbessert. Und 800-MeterWeltmeister David Rudisha aus Kenia sagtein Paris nach seinem Sieg in 1:41,54 Minuten, er habe seinen eigenen Weltrekord von 1:41,01 nur wegen der nassen Bahn und des etwas zu trägen Tempomachers verpasst; seit er 2009 anfing, sich den Uralt-Weltrekord von Wilson Kipketer (1:41,11, 1997) vorzunehmen, hat er sechs der zehn besten je erzielten 800-Meter-Zeiten vorgelegt. Für die Vermarkter des olympischen Kernsports sind diese Leute ein Segen. Wenn sie da sind, liegt immer irgendwas Be-

Siem siegt in Paris

Gals Chance

Was Besonderes in der Luft München – Die tieferen Gedanken machen alles nur komplizierter, vor allem wenn es sich um die Gedanken zu einem Weltrekord handelt, der seit 1988 besteht, seit der Zeit also, als die Leichtathletik schwer verseucht war mit Steroid-Doping. Also lässt die Hürdensprinterin Sally Pearson aus Gold Coast in Australien die tieferen Gedanken lieber weg. Der 24 Jahre alte Weltrekord der Bulgarin Yordanka Donkova ist ein schönes Ziel für sie, weil es spektakulär ist und weil es in Reichweite liegt. Im vergangenen Jahr, als sie in Daegu Weltmeisterin wurde, kam sie ihm schon nahe, als sie im Finale 12,28 Sekunden schaffte. Am Freitag beim Diamond-League-Meeting in Paris ist sie die 100 Meter Hürden immerhin in 12,40 gerannt, was ihren Status als Gold-Favoritin für Olympia bestätigt sowie ihre Chancen, an einem guten Tag die 12,21 zu unterbieten. Ob sie den Weltrekord brechen könne? Ohne zu sinnieren, sagt Sally Pearson: „Das hoffe ich ganz bestimmt.“

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spiele, dazu ist die Distanz zu kurz. Sally Pearson sagt: „Ich gebe 100 Prozent für diese Goldmedaille. Und ich wäre sehr enttäuscht mit allem, was weniger ist.“ Wenn Sally Pearson nach verletzungsfreiem Formaufbau im Olympia-Finale 100 Prozent gibt, könnte das nach den jüngsten Eindrücken Weltrekord bedeuten.

Eine Jugend ohne Überfluss – kein Nachteil für die Arbeitsmoral Sally Pearson kommt aus etwas eingeschränkten Verhältnissen, und es geht ihr mittlerweile auf die Nerven, dass in jedem Artikel über sie drinsteht, wie entbehrungsreich alles war für ihre alleinerziehende Mutter und für sie. „Das ist keine traurige Geschichte“, hat Sally Pearson im Mai im Weekend Australian Magazine klargestellt. Aber man kann wohl trotzdem sagen, dass ihre Arbeitsmoral nicht gebremst war durch eine Jugend im Überfluss. Sally Pearson war früher Turnerin, ehe Sharon Hannan ihr Leichtathletik-Talent entdeckte und behutsam förderte. Seit Pearson 13 ist, ist sie bei Hannan, und die Trainerin muss mit ihr wirklich sehr nachhaltig gearbeitet haben. Der deutsche Hürdensprint-Bundestrainer Rüdiger Harksen schwärmt jedenfalls ausführlich über Pearson: „Was die technische Qualität angeht, ist sie das Maß aller Dinge. Blitzsaubere Hürdenattacke, ganz schnell zwischen den Hürden. Sie läuft stabil. Da wackelt nichts.“ Dazu kommt bei Pearson eine enorme Grundschnelligkeit, die sich in ihrer 100-MeterBestzeit von 11,14 Sekunden ausdrückt. Und sie hat kein Problem damit, Favoritin zu sein, sie sagt sogar: „Ich liebe es, die Gejagte zu sein.“ Ihre Landsleute erwarten viel von ihr, aber auch darüber macht sich Sally Pearson nicht zu tiefe Gedanken. Sie hält die Dinge einfach. Das ist ein Vorteil, wenn man im Hürdensprint etwas Besonderes schaffen will. THOMAS HAHN

Zehnkämpfer erhebt Dopingvorwürfe Leipzig – Zehnkampf-Europameister Pascal Behrenbruch ist noch immer sauer auf den Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) und erhebt zudem gegen internationale Kontrahenten pauschale Dopingvorwürfe. „Ich habe schon seit jeher das Gefühl, dass Russen, Weißrussen oder Ukrainer was nehmen. Mein Trainer, der früher für Russland gestartet ist, sagte mir aber, dass die Osteuropäer genauso über uns denken“, sagte Behrenbruch in einem Interview mit der Bild am Sonntag und bekräftigte: „Ich bin ziemlich sicher, dass sie was nehmen.“ Er könne allerdings damit leben, meinte der 27-Jährige: „Schließlich können wir uns in Deutschland auch als WM-Siebter eine schöne Wohnung und ein Auto leisten, die Ukrainer wohnen dann immer noch mit ihren Eltern auf einem Zimmer. Da ist der Anreiz, kriminell zu werden und zu dopen, natürlich viel größer.“ Der Frankfurter trainiert seit Herbst 2011 in Tallinn bei Andrej Nasarow, dem ehemaligen Coach von Erki Nool, dem Olympiasieger von Sydney 2000. Immer noch verärgert ist Behrenbruch über den DLV, der ihn im Herbst 2011 aus dem Kader warf. „Ich habe es allen gezeigt und meine ganze Wut in die EM gelegt. Und ich habe noch genügend Wut im Bauch für die Olympischen Spiele“, sagte der mittlerweile in Estland lebende Athlet. Für Estland zu starten, schloss er aber aus: „Ich bin ja nicht sauer auf meine Heimat Deutschland, sondern war enttäuscht vom DLV. Wenn ich ehrlich bin, macht mich das immer noch wütend.“ Bei Olympia in London hält Behrenbruch Silber oder Bronze für realistisch; Gold hänge wohl zu hoch. Weltrekordler Ashton Eaton (USA/9039 Punkte) sei, wenn er keine großen Fehler macht, zu stark. Behrenbruch hat vor zehn Tagen in Helsinki mit persönlicher Bestleistung von 8558 Punkten den EM-Titel gewonnen und ist damit aktuell die Nummer zwei der Weltjahresbestenliste. DAPD/DPA


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SPORT

HBG

Montag, 9. Juli 2012, Nr. 156 DEFGH

AKTUELLES IN ZAHLEN American Football German Football League, 11. Spieltag Dresden Monarchs – Braunschweig FFC 51:21, Rhein-Neckar Bandits – Wiesbaden Phantoms 28:16, Schwäbisch Hall Unicorns – Franken Knights 70:39, Lübeck Cougars – Hamburg Blue Devils 17:29, Düsseldorf Panther – Berlin Adler 30:31. Gruppe Nord: 1. Kiel 14:2 Punkte, 2. Berlin Adler 12:2, 3. Düsseldorf, 4. Dresden je 10:6, 5. Braunschweig 6:12, 6. Berlin Rebels 4:8, 7. Lübeck 2:10, 8. Hamburg 2:14. Gruppe Süd: 1. Schwäbisch Hall 12:2, 2. Stuttgart 10:4, 3. Franken Knights 10:8, 4. Rhein-Neckar 8:4, 5. Marburg 8:4, 6. Saarland 5:9, 7. Wiesbaden 2:12, 8. München 1:13.

Basketball Frauen, EM-Qualifikation, 8. Spieltag Gruppe A Portugal – Ungarn 53:73, Israel – Weißrussland 60:58. – 1. Weißrussland 5:2 Siege, 2. Ungarn, 3. Ukraine je 4:2, 4. Israel 3:3, 5. Portugal 0:7. Gruppe C Slowakei – Litauen 60:58, Niederlande – Slowenien 71:64. – 1. Slowakei 5:1, 2. Litauen 5:2, 3. Slowenien 4:3, 4. Niederlande 2:4, 5. Belgien 0:6. Gruppe D Deutschland – Spanien Schweden – Bulgarien 1. Schweden * 2. Spanien * 3. Deutschland 4. Rumänien 5. Bulgarien

55:61 (22:36) 71:54 (46:31) 7 7 6 6 6

61 52 33 24 06

Deutschland ausgeschieden.

528:458 480:401 374:375 389:433 337:441

13 12 9 8 6

Gruppe E Griechenland – Lettland 63:49, Luxemburg – Italien 66:88. – 1. Italien 5:1, 2. Griechenland 4:2, 3. Lettland 4:3, 4. Finnland 3:3, 5. Luxemburg 0:7.

Beach-Volleyball World Tour, in Gstaad, Frauen Finale: May-Treanor/Walsh (USA) – Keizer/van Iersel (Niederlande) 2:0 (21:10, 21:13). Um Platz 3: Kuhn/Zumkehr (Schweiz) – Mouha/ Gielen (Belgien) 2:0 (21:18, 21:16). Halbfinale: Mouha/Gielen – Keizer/van Iersel 1:2 (19:21, 21:19, 8:15), Kuhn/Zumkehr – May-Treanor/Walsh 0:2 (13:21, 14:21). Deutsche Platzierungen: 9. Borger/Büthe (Stuttgart), Holtwick/Semmler (Berlin), Goller/Ludwig (Hamburg), 25. Banck/Walkenhorst (Kiel/Herne). Männer Finale: Gibb/Rosenthal (USA) – Cerutti/Rego (Brasilien) 2:0 (21:17, 21:17). Um Platz 3: Paolo/Lupo (Italien) – Rogers/Dalhausser (USA) 2:0 (21:19, 21:18). Halbfinale: Gibb/Rosenthal – Rogers/Dalhausser 2:0 (21:10, 21:18), Cerutti/Rego – Paolo/Lupo 2:0 (21:12,21:13). Deutsche Platzierungen: 9. Dollinger/Windscheif (Kiel/Iserlohn), Klemperer/Koreng (Hamburg/Kiel), 17. Erdmann/Matysik (Potsdam/Berlin).

Boxen Kampfabend in Bern, Stade de Suisse Schwergewicht, WBO-/WBA-/IBF-/IBO-Titelkampf: W. Klitschko (Ukraine) – Thompson (USA) technischer K.o. in der 6. Runde. Mittelgewicht: Szili (Ungarn) – Urbanski (Polen) Sieg, einstimmige Entscheidung (8/8 Rd.).

Golf

Leichtathletik

PGA-Tour in White Sulfur Springs (6,1 Millionen Dollar, Par 70) Nach der 3. Runde: 1. Simpson 196 (65/66/65), 2. Kelly 198 (69/67/62), 3. Duke (USA, 66/68/65), Holmes (65/68/66), Bejan (70/62/67), alle 199, 6. Ted Potter 200 (69/67/64), 7. Adams (67/70/64), Flores (64/68/69, alle USA), Wi (Südkorea, 67/66/ 68), DeLaet (Kanada, 67/70/64) alle 201. – Am Cut (141) gescheitert: 78. Woods 140 (71/69), 98. Mickelson (alle USA) 142 (71/71). – Ohne deutsche Beteiligung.

Diamond-League-Meeting in Paris, Männer 100 m (windstill): 1. Gay 9,99 Sek., 2. Gatlin (beide USA) 10,03, 3. Lemaître (Frankreich) 10,08. – 800 m: 1. Rudisha (Kenia) 1:41,54 Min. (Weltjahresbestleistung = WJB), 2. Reina (Spanien) 1:45,62. – 5000 m: 1. Gebremeskel 12:46,81 (WJB), 2. Gebrhiwet (beide Äthiopien) 12:47,53, 3. Kiplangat Koech (Kenia) 12:48,64. – 400 m Hürden: 1. Culson (Puerto Rico) 47,78 Sek., 2. Greene (Großbritannien) 47,84. – 3000 m Hindernis: 1. Kipsiele Koech 8:00,57 Min., 2. Kipruto 8:01,73, 3. Mutai 8:03,15, 4. Birech (alle Kenia) 8:03,43. – Stabhoch: 1. Lavillenie (Frankreich) 5,77 m, 2. Filippidis (Griechenland) 5,62, 3. Otto (Köln) 5,62, 4. Mohr (Wattenscheid) 5,52, Holzdeppe (Zweibrücken) ohne gültigen Versuch. – Drei: 1. Sands (Bahamas) 17,23. – Kugel: 1. Armstrong (Kanada) 20,54, 2. Kovacs (USA) 20,44, 3. Christensen (Dänemark) 20,02. Frauen 200 m (windstill): 1. Ahoure (Elfenbeinküste) 22,55 Sek., 2. Knight (USA) 22,64. – 400 m: 1. Montsho (Botswana) 49,77, 2. Williams-Mills (Jamaika) 49,95. – 1500 m: 1. Selsuli (Marokko) 3:56,15 Min. (WJB), 2. Cakir (Türkei) 3:56,62. – 100 m Hürden: 1. Pearson (Australien) 12,40 Sek. (WJB), 2. Crawford (USA) 12,59. – 3000 m Hindernis: 1. Ghribi (Tunesien) 9:28,81 Min. – Hoch: 1. Lowe (USA) 1,97 m, 2. Choloscha (Ukraine) 1,95, 5. Jungfleisch (Kornwestheim) 1,92. – Weit: 1. Sokolowa (Russland) 6,70, 2. Proctor (Großbritannien) 6,65. – Diskus: 1. Samuels (Australien) 61,81, 2. Perkovic (Kroatien) 61,46.

European PGA-Tour in Paris (3,15 Mio. Euro/Par 71) Endstand: 1. Siem (Ratingen) 276 (68/68/73/67), 2. Molinari (Italien) 277 (71/68/74/64), 3. Jacquelin (Frankreich) 278 (68/71/70/69), 4. Lynn (England, 67/72/72/68), Poulter (England, 72/69/69/ 69), Howell (England, 70/70/67/72) alle 279, 7. Steele (USA, 70/70/71/69), Stenson (Schweden, 68/73/69/70) je 280, 9. Kjeldsen (Dänemark, 70/ 71/71/69), Rose (England, 71/73/68/69) je 281; 70. Kaymer (Mettmann) 300 (73/72/78/77). – Am Cut gescheitert: 97. Cejka (München) 148 (73/75). Frauen, US Open in Kohler/Wisconsin (3,25 Millionen Dollar, Par 72) Nach der 3. Runde: 1. Choi Na Yeon (Südkorea) 208 (71/72/65), 2. Yang Amy (Südkorea) 214 (73/72/69), 3. Gal (Düsseldorf, 71/70/74), Miyazato (Japan, 71/71/73), Thompson (USA, 70/73/72) alle 215.

Hockey Männer, Testspiel in Utrecht Niederlande – Deutschland 4:2 (2:2) Deutsche Torschützen: Zeller, Wesley.

World Challenge in Madrid, Männer 100 m (+ 2,1 m/s): 1. Hyman (Kaimans) 9,95 Sek., 2. Cole (Jamaika) 9,98, 3. Burns (Trinidad und Tobago) 10,08. – 400 m: 1. Borlée (Belgien) 45,09, 2. Rooney (Großbritannien) 45,17, 3. Gregan (Irland) 46,09. – 800 m: 1. Lopez (Spanien) 1:45,78

Min., 2. Marco (Spanien) 1:45,98, 3. Mulder (USA) 1:46,20. – 110 m Hürden (+ 2,4 m/s): 1. Payne (USA) 13,22, 2. Wilson (USA) 13,26, 3. Clarke (Großbritannien) 13,29. – 400 m Hürden: 1. Gaymon (USA) 49,63, 2. Green (Großbritannien) 49,65, 3. Thomas (Australien) 50,42. – Weit: 1. Watt (Australien) 8,26 m, 2. Tomlinson (Großbritannien) 8,06, 3. Kouletio (Spanien) 8,05. – Stabhoch: 1. Rewenko (Ukraine) 5,50 m, 2. Czerwinski (Polen) 5,40, 3. Bychkov (Spanien) 5,30. – Kugel: 1. Lauro (Argentinien) 20,30 m, 2. Kovacs (USA) 19,56, 3. Véliz (Kuba) 19,48. – Hammer: 1. Pars (Ungarn) 80,85 m, 2. Sokyrski (Ukraine) 78,91, 3. Melich (Tschechien) 78,55. Frauen 200 m (+ 1,7 m/s): 1. Calvert (Jamaika) 22,68 Sek., 2. McLaughlin (Jamaika) 22,70, 3. Williams (St. Kitts und Nevis) 22,85. – 400 m: 1. Dunn (USA) 50,83 Sek., 2. Williams (Jamaika) 51,10, 3. Pygyda (Ukraine) 51,27. – 800 m: 1. Markelowa (Russland) 2:00,10 Min., 2. Beckwith (USA) 2:00,35, 3. Tscherkassowa (Russland) 2:01,06. – 100 m Hürden (+ 4,3 m/s): 1. Jones (USA) 12,70, 2. Ali (USA) 12,80, 3. Kondakowa (Russland) 12,82; 6. Hildebrand (Kornwestheim) 13,17. – Hoch: 1. Beitia (Spanien) 1,92 m, 2. Kononowa (Russland) 1,90, 3. Iljustsenko (Estland) 1,87. – Drei: 1. Zychozka (Ukraine) 14,28 m, 2. Sarrapio (Spanien) 13,71, 3. Potapowa (Russland) 13,64. – Kugel: 1. Tarassowa (Russland) 18,76 m, 2. González (Kuba) 18,35, 3. Ducó (Chile) 17,88.

Moderner Fünfkampf Europameisterschaft in Sofia, Männer 1. De Luca (Italien) 5888 Pkt., 2. Kasza (Ungarn) 5836,3. Demeter (Ungarn) 5824, 4. Prades (Frankreich) 5820, 5. Frolow (Russland) 5812, 6. Tibolya (Ungarn) 5780, 7. Nakonetschnji (Ukraine) 5772, 8. Moiseew (Russland) 5744, 9. Lesun (Russland) 5724, 10. Karjakin (Russland) 5712; 23. Borrmann (Berlin) 5560, 29. Nobis (Berlin) 5492, 34. Dogue (Potsdam) 5292. Frauen 1. Asadauskaite (Litauen) 5468, 2. Chochlowa 5452, 3. Buriak (beide Ukraine) 5400; 26. Trautmann (Darmstadt) 5024, 28. Döring (Berlin) 4972.

Motorsport

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Formel 1, 9. Saisonrennen, Grand Prix von Großbritannien in Silverstone Nach 52 Runden à 5,891 km (306,198 km): 1. Webber (Australien) Red Bull 1:25:11,288 Std. (Schnitt: 215,683 km/h), 2. Alonso (Spanien) Ferrari + 3,060 Sek., 3. Vettel (Heppenheim) Red Bull 4,836, 4. Massa (Brasilien) Ferrari 9,519, 5. Räikkönen (Finnland) Lotus 10,314, 6. Grosjean (Frankreich) Lotus 17,101, 7. Schumacher (Kerpen) Mercedes 29,153, 8. Hamilton (England) McLaren Mercedes 36,463, 9. Senna (Brasilien) Williams 43,347, 10. Button (England) McLaren Mercedes 44,444, 11. Kobayashi (Japan) Sauber 45,370, 12. Hülkenberg (Emmerich) Force India 47,856, 13. Ricciardo (Australien) Toro Rosso 51,241, 14. Vergne (Frankreich) Toro Rosso 53,313, 15. Rosberg (Wiesbaden) Mercedes 57,394, 16. Maldonado (Venezuela) Williams, 17. Kovalainen (Finnland) Caterham, 18. Glock (Wersau) Marussia, 19. Pic (Frankreich) Marussia alle + 1 Runde, 20. de la Rosa (Spanien) HRT, 21. Karthikeyan (Indien) HRT beide + 2 Runden. – Ausfälle: Petrow (Russland) Caterham (1. Runde/Einführungsrunde), di Resta (Schottland) Force India (3. Runde/Kollision), Perez (Mexiko) Sauber (12. Runde/Kollision). – Schnellste Rennrunde: Kimi Räikkönen (Lotus) 1:34,661 Min. – Pole Position: Fernando Alonso (Ferrari) 1:51,746 Min. Fahrer-Wertung (nach 9 von 20 Rennen) 1. Alonso 129, 2. Webber 116, 3. Vettel 100, 4. Hamilton 92, 5. Räikkönen 83, 6. Rosberg 75, 7. Grosjean 61, 8. Button 50, 9. Perez 39, 10. Maldonado 29, 11. di Resta 27, 12. Schumacher 23, 13. Massa 23, 14. Kobayashi 21, 15. Senna 18, 16. Hülkenberg 17, 17. Vergne 4, 18. Ricciardo 2. Team-Wertung (9/20) 1. Red Bull 216, 2. Ferrari 152, 3. Lotus 144, 4. McLaren Mercedes 142, 5. Mercedes 98, 6. Sauber 60, 7. Williams 47, 8. Force India 44, 9. Toro Rosso 6. – Nächstes Rennen: GP von Deutschland am 22. Juli in Hockenheim. Motorrad, Grand Prix von Deutschland auf dem Sachsenring, Moto3-Klasse Nach 27 Runden (99,117 km): 1. Cortese (Berkheim) KTM 45:36,868 Minuten, 2. Masbou (Frankreich) Honda 0:00,635 Minuten zurück, 3. Salom (Spanien) Kalex 0:03,998, 4. Miller (Australien) Honda 0:04,051, 5. Vazquez (Spanien) FTR 0:12,119, 6. Khairuddin (Malta) KTM 0:25,174, 7. Faubel (Spanien) Kalex 0:25,499, 8. Grünwald (Waldkraiburg) Honda 0:26,087, 9. Sissis (Australien) KTM 0:29,675, 10. Kornfeil (Tschechien) FTR 0:29,891, 11. Finsterbusch (Krostitz) Honda 0:33,178; 1 Runde zurück: 26. Hanus (Nürnberg) Honda. – Ausgeschieden: Schrötter (Vilgertshofen) Mahindra, Folger (Schwindegg) Ioda. WM-Stand (nach 8 von 17 Läufen): 1. Cortese 148, 2. Vi ales (Spanien) FTR 130, 3. Salom 104, 4. Masbou 71, 5. Fenati (Italien) FTR 65, 6. Khairuddin 59, 7. L. Rossi (Frankreich) FTR 56, 8. Rins (Spa-

nien) Suter 54, 9. Kent (Großbritannien) KTM 42, 10. Antonelli (Italien) FTR 42; 25. Finsterbusch 7, 27. Folger 5, 29. Schrötter 4, 30. Hanus 3. Moto2-Klasse Nach 29 Runden (109,4 km): 1. Marquez (Spanien) Suter 41:32,467 Minuten, 2. Kallio (Finnland) Kalex 0:02,093 Minuten zurück, 3. De Angelis (San Marino) FTR 0:02,567, 4. Espargaro (Spanien) Kalex 0:05,990, 5. Lüthi (Schweiz) Suter 0:06,139, 6. Corsi (Italien) FTR 0:11,051, 7. Smith (GB) Tech 3 0:11,409, 8. Simeon (Belgien) Tech 3 0:14,808, 9. Corti (Italien) Kalex 0:20,769, 10. Aegerter (Schweiz) Suter 0:25,141; 19. Neukirchner (Stollberg) Kalex 0:45,667, 24. Wahr (Nagold) IAMT 1:14,334, 26. Reiterberger (Obing) MZ-RE eine Runde zurück. WM-Stand (8/17): 1. Marquez 152, 2. Espargaro 109, 3. Lüthi 107, 4. Iannone (Italien) Speed Up 104, 5. Redding (Großbritannien) Kalex 86, 6. Kallio 72, 7. Smith 56, 8. Corti 52, 9. Rabat (Spanien) Kalex 51, 10. De Angelis 48; 21. Neukircher 8. MotoGP Nach 26 Runden (118,10 km): 1. Pedrosa (Spanien) Honda 41:28,396 Minuten, 2. Lorenzo (Spanien) Yamaha 0:14,996 Minuten zurück, 3. Dovizioso (Italien) Yamaha 0:20,669, 4. Spies (USA) Yamaha 0:20,740, 5. Bradl (Zahling) Honda 0:27,893, 6. Rossi (Italien) Ducati 0:28,050, 7. Bautista (Spanien) Honda 0:28,246, 8. Crutchlow (Großbritannien) Yamaha 0:28,447, 9. Barbera (Spanien) Ducati 0:29,053, 10. Hayden (USA) Ducati 0:29,226. WM-Stand (7/18): 1. Lorenzo 160, Punkte, 2. Pedrosa 146, 3. Stoner (Australien) Honda 140, 4. Dovizioso 92, 5. Crutchlow 85, 6. Rossi 71, 7. Bautista 67, 8. Hayden 65, 9. Bradl 62, 10. Spies 61.

Pferdesport CHIO in Aachen, Dressur, Mannschaft Dressur, Grand Prix Special: 1. Sprehe (Dinklage/Desperados 11) 81,000 Prozent; 2. Helen Langehanenberg (Havixbeck/Damon Hill NRW) 80,622; 3. Victoria Max-Theurer (Österreich/Augustin OLD) 77,600; 4. Dorothee Schneider (Framersheim/Diva Royal) 77,378; 5. Nathalie SaynWittgenstein (Dänemark/Digby) 76,622; 6. Valentina Truppa (Italien/Eremo del Castegno) 75,378; 7. Anna Kasprzak (Dänemark/Donnperignon) 75,333; 8. Beatriz Ferrer-Salat (Spanien/Delgado) 75,067; 9. Patrick van der Meer (Niederlande/Uzzo) 74,800; 10. Anabel Balkenhol (Rosendahl/Dablino FRH) 73,978; 11. Imke SchellekensBartels (Niederlande/Hunter Douglas Toots) 72,689; 12. Anne van Olst (Dänemark/Exquis Clearwater) 72,067; 13. Patrik Kittel (Schweden/Toy Story) 71,600.14; Marlies van Baalen (Niederlande/Miciano) 71,333; 15. Marcela Krinke Susmelj (Schweiz/Smeyers Molberg) 71,111. Großer Dressurpreis von Aachen 1. Langehanenberg (Havixbeck/Damon Hill NRW) 85,150 Prozent, 2. Sprehe (Dinklage/Desperados 11) 84,700, 3. Schneider (Framersheim/Diva Royal) 81,100, 4. Max-Theurer (Österreich/Augustin OLD) 80,975, 5. Sayn-Wittgenstein (Dänemark/Digby) 79,750, 6. Truppa (Italien/Eremo del Castegno) 78,500, 7. Kasprzak (Dänemark/Donnperignon) 77,425, 8. van Olst (Dänemark/Exquis Clearwater) 74,400, 9. Kittel (Schweden/Toy Story) 73,275, 10. van der Meer (Niederlande/Uzzo) 73,175, 11. Anna Merveldt (Irland/Coryolano) 72,575, 12. Marlies van Baalen (Niederlande/BMC Miciano) 72,350. Springen Springprüfung mit Siegerrunde 1. Ahlmann (Marl/Lorena 111) 0 Fehler/50,80 Sekunden, 2. Kraut (USA/Teirra) 0/50,86, 3. Beerbaum (Riesenbeck/Chaman) 0/53,17, 4. Tebbel (Emsbüren/ Cooper 75) 0/57,83, 5. de Miranda (Brasilien/AD Ashleigh Drossel Dan) 4/52,12, 6. Sprunger (Schweiz/JL’s Komparse) 4/53,59, 7. Bettinger (Mönchengladbach/Quannan-R) 8/55,54, 8. Whitaker (Großbritannien/Viking) 8/55,63, 9. Michaels-Beerbaum (Thedinghausen/Checkmate 4) 8/56,02, 10. Twomey (Irland/Romanov) 8/57,24.

41,60, 5. Nicholson (Neuseeland) Nereo 43,60, 6. Fox-Pitt (Großbritannien) Neuf des Coeurs 46,60, 7. Schrade (Sprockhövel) King Artus 47,20, 8. Jung (Horb) Leopin 47,60, 9. Ostholt (Warendorf) Little Paint 48,20; 13. Thomsen (Flensburg) Horseware’s Barny 55,80, 15. Schrade (Sprockhövel) Hop and Skip 57,20, 18. Klimke (Münster) Abraxxas 61,80, 23. Ostholt (Warendorf) Franco Jeas 70,40, 25. Meier (Neu-Anspach) Karascada 73,40, 27. Thomsen mit Horseware’s Cayenne 82,20, ... 31. Beecke Kaack (Schmalensee) Judy 100,20. Nationenpreis: 1. Deutschland (Jung/Leopin, Auffarth/Opgun Luovo, Schrade/King Artus, Klimke/Abraxxas) 136,40, 2. Großbritannien 141,00, 3. Schweden 176,80, 4. Neuseeland 217,60, 5. Frankreich 233,60, 6. Niederlande 304,60, 7. Australien 1126,60.

Radsport Tour de France, 6. Etappe Épernay – Metz (207,5 km): 1. Sagan (Slowakei/ Liquigas) 4:37:00 Std., 2. Greipel (Hürth/Lotto), 3. Goss (Australien/Orica Green Edge), 4. van Hummel (Niederlande/Vacansoleil), 5. Haedo (Argentinien/Saxo Bank), 6. Henderson (Neuseeland/ Lotto), 7. Petacchi (Italien/Lampre), 8. Paolini (Italien/Katusha) alle gleiche Zeit, 18. Klöden (Mittweida/Radioshack), 36. Knees (Bonn/Sky), 52. Grabsch (Wittenberg/Omega), 61. Voigt (Grevesmühlen/Radioshack) alle 0:04 Min. zur., 63. Hondo (Ascona/ Lampre) 0:16, 64. Sieberg (Bocholt/Lotto) 0:21, 66. Burghardt (Zschopau/ BMC) 0:32, 87. Gretsch (Erfurt/Argos-Shimano), 106. Martin (Cottbus/Omega) beide 2:09, 152. Fröhlinger (Freiburg/Argos-Shimano), 178. Nerz (Wangen/Liquigas) beide 13:24. 7. Etappe Tomblaine – Planche des Belles Filles (199 km): 1. Froome (Großbritannien/Sky) 4:58,35 Stunden, 2. Evans (Australien/BMC Racing) 0:02 Sekunden zurück, 3. Wiggins (Großbritannien/Sky) gleiche Zeit, 4. Nibali (Italien/Liquigas) 0:07, 5. Taaramae (Estland/Cofidis) 0:19, 6. Zubeldia (Spanien/RadioShack), 7. Rolland (Frankreich/Europcar), 8. Brajkovic (Slowenien/Astana) beide 0:46, 9. Mentschow (Russland/Katjuscha) 0:50, 10. Monfort (Belgien/RadioShack) 0:56, 11. Roche (Irland/AG2R) 1:06, 12. F. Schleck (Luxemburg/RadioShack) 1:09, 13. Porte 1:14, 14. Rogers (beide Australien/Sky) 1:24, 15. Pinot (Frankreich/FDJ) gleiche Zeit, 20. Cancellara (Schweiz/ RadioShack) 1:52, 32. Klöden 2:19, 55. Nerz 4:07, 65. Martin 5:01, 87. Burghardt 8:00, 92. Knees 8:59, 103. Voigt 9:48, 111. Grabsch 10:36, 112. Hondo 11:00, 141. Gretsch 13:17, 161. Sieberg 17:34, 162. Greipel, 166. Fröhlinger gleiche Zeit. Gesamt 1. Wiggins 34:21:20 Stunden, 2. Evans 0:10 Sekunden zurück, 3. Nibali 0:16, 4. Taaramae (Estland/Cofidis) 0:32, 5. Mentschow 0:54, 6. Zubeldia 0:59, 7. Monfort 1:09, 8. Roche (Irland/AG2R) 1:22, 9. Froome 1:32, 10. Rogers (Australien/Sky) 1:40, 11. Cancellara (Schweiz/RadioShack) 1:43, 12. Sanchez (Spanien/Euskaltel) 2:02, 13. Van den Broeck (Belgien/Lotto) 2:11, 14. Chavanel (Frankreich/Quickstep) 2:22, 15. Costa (Portugal/Movistar) 2:25; 16. Klöden 2:29, 54. Burghardt 12:40, 75. Voigt 18:25, 82. Hondo 19:52, 90. Knees 21:11, 96. Grabsch 21:20, 97. Greipel 21:25, 111. Martin 24:39, 117. Nerz 25:21, 123. Sieberg 26:30, 157. Gretsch 34:54, 158. Fröhlinger 35:32. Punktewertung (Grünes Trikot) 1. Sagan 217 Punkte, 2. Goss 185, 3. Greipel 172. Bergwertung (Gepunktetes Trikot) 1. Froome 20, 2. Evans 16, 3. Wiggins 12. Nachwuchswertung (Weißes Trikot) 1. Taaramae 34:21:52 Stunden, 2. Van Garderen (BMC) 2:37 Minuten zurück, 3. Gallopin (Frankreich/RadioShack) 2:41. Teamwertung 1. Sky 103:05:23, 2. RadioShack 1:37 Minuten zurück, 3. Katjuscha 5:54.

Segeln

Springprüfung, Best of Champions 1. Ehning (Borken/Noltes Küchengirl) 0/ 47,50, 2. Schwizer (Schweiz/Verdi III) 0/47,90, 3. Kutscher (Riesenbeck/Satisfaction FRH) 4/49,43, 4. Kraut (USA/Belmont) 4/49,94, 5. Bengtsson (Schweden/Ninja La Silla) 4/57,60, 6. Hough (USA/Coristar) 8/54,54.

Offene EM in Hourtin/Frankreich, Laser Endstand nach 10 Wettfahrten: 1. Buhl (Sonthofen) 20 Pkt., 2. Brunning (Australien) 37, 3. Komissarow (Rusland) 41, 4. Maegli (Guatemala) 46, 5. Stalheim (Schweden) 51, 6. Alsogaray (Argentinien) 57, 7. Wright (Kanada) 64, 8. Bernaz (Frankreich) 72; 33. Gielen (Lindau) 165, 48. Hermann (Berlin) 212, 49. Froh (Schwerin) 216.

Großer Preis von Aachen 1. Whitaker (Großbritannien) mit Gig Amai 0 Fehler im Stechen/49,73 Sekunden, 2. Voss (Schülp) Carinjo 0/54,27, 3. Michaels-Beerbaum (Thedinghausen) Bella Donna 4/56,96, 4. Dreher (Eimeldingen) Embassy, 4/73,61 nach zwei Umläufen, 5. Ahlmann (Marl) Taloubet Z 4/74,68, 6. Kraut (USA) Cedric 4/76,75; 9. Ehning (Borken) Copin 4/78,79, 12. Tebbel (Emsbüren) Light On 5/87,15, 16. Beerbaum (Riesenbeck) mit Chiara 8/80,50.

Laser Radial Endstand nach 10 Wettfahrten: 1. Cebrian (Spanien) 34, 2. Drosdowskaja (Weißrussland) 39, 3. Donertas (Türkei) 43, 4. Gunni (Dänemark) 52, 5. Mihelic (Kroatien) 58, 6. de Turckheim (Frankreich) 58, 7. Murphy (Irland) 59, 8. de Kerangat (Frankreich) 60; 13. Weger (Kleinmachnow) 92, 14. Rattemeyer (Kiel) 92, 29. Ertelt (Etterzhausen) 137.

Vielseitigkeit Einzelwertung: 1. Burton (Australien) mit Underdiscussion 38,80 Minuspunkte, 2. Jung (Horb) Sam 40,60, 3. Collett (Großbritannien) Rayef 40,60, 4. Auffarth (Ganderkesee) Opgun Luovo

Tennis Wimbledon (19,96 Mio. Euro/Rasen), Männer Halbfinale: Murray (Schottland/4) – Tsonga (Frankreich/5) 6:3, 6:4, 3:6, 7:5.

Doppel, Halbfinale: Lindstedt/Tecau (Schweden/Rumänien) – Melzer/Petzschner (Österreich/Bayreuth) 6:4, 6:7 (10), 6:4, 6:3, Marray/ Nielsen (Großbritannien/Dänemark) – B.Bryan/ M.Bryan (USA) 6:4, 7:6 (9), 6:7 (4), 7:6 (5). Finale: Marray/Nielsen (Großbritannien/Dänemark) – Lindstedt/Tecau (Schweden/Rumänien/5) 4:6, 6:4, 7:6 (5), 6:7 (5), 6:3. Frauen Finale: S. Williams (USA/6) – A. Radwanska (Polen/3) 6:1, 5:7, 6:2. Doppel, Halbfinale: S.Williams/V.Williams (USA) – Huber/Raymond (USA/1) 2:6, 6:1, 6:2, Hlavackova/Hradecka (Tschechien/6) – Pennetta/Schiavone (Italien) 2:6, 6:3, 6:4. Finale: S. &.V. Williams (USA) – Hlavackova/Hradecka (Tschechien/6) 7:5, 6:4. Mixed Halbfinale: Raymond/M. Bryan (USA/2) – Srebotnik/Zimonjic (Slowenien/Serbien/3) 6:3, 6:4, Wesnina/Paes (Russland/Indien/4) – Huber/B. Bryan (USA/1) 7:5, 3:6, 6:3.

Triathlon Ironman in Frankfurt, Männer Nach 3,8 km Schwimmen, 180 km Radfahren, 42,195 km Laufen: 1. Vanhoenacker (Belgien) 8:03:31 Stunden, 2. Kienle (Karlsruhe) 8:09:55, 3. Alonso-McKernan (Spanien) 8:14:04, 4. Raelert (Rostock) 8:17:36, 5. Raphael (Hannover) 8:18:17. Frauen 1. Steffen (Schweiz) 8:52:33, 2. Beranek (Fürth) 9:05:41, 3. Abraham (Großbritannien) 9:21:08, 4. Dietrich (Darmstadt) 9:22:07, 5. Goos (Belgien) 9:28:03. Ironman in Roth, Männer Nach 3,8 km Schwimmen, 180 km Radfahren, 42,195 km Laufen: 1. Cunnama (Südafrika) 7:59:59, 2. Bracht (Eberbach) 8:03:28, 3. Aigroz (Schweiz) 8:08:01, 4. Brown (Neuseeland) 8:10:05, 5. Bayliss (Großbritannien) 8:13:01. Frauen 1. Joyce (Großbritannien) 8:45:04, 2. Tajsich (München) 8:49:47, 3. Gajer (Hannover) 8:57:02, 4. Crawford (Neuseeland) 8:59:35, 5. Martin (München) 9:01:10.

Turnen Frauen, Länderkampf in Bukarest Team: 1. Rumänien 190,20 Pkt., 2. Frankreich 169,20, 3. Deutschland 167,30, 4. Italien 160,35. Einzel: 1. Iordache (Rumänien) 60,85, 2. Izbaza (Rumänien) 59,15; 6. Seitz (Mannheim) 56,90, 11. Hill (Chemnitz) 54,35, 16. Berger (Ulm) 52,70, 17. Pia Tolle (Stuttgart) 52,45.

Volleyball Männer, Weltliga in Sofia, Gruppe E USA – Bulgarien 3:0 (25:21, 25:16, 25:17). – Endstand: 1. USA 1:1 Siege/5:3 Sätze/4 Punkte, 2. Bulgarien 1:1/3:4/3, 3. Deutschland 1:1/4:5/2. – Deutschland ausgeschieden. Gruppe F Kuba – Brasilien 3:0 (25:19, 26:24, 25:22), Brasilien – Polen 2:3 (25:23, 23:25, 25:23, 17:25, 10:15), Polen – Kuba 3:0 (25:23, 25:20, 25:23). – Endstand: 1. Polen 2:0/6:2/5, 2. Kuba 1:1/3:3/3, 3. Brasilien 0:2/2:6/1. Halbfinale USA – Kuba 3:0 (25:23, 25:22, 25:23), Polen – Bulgarien 3:0 (25:23, 25:20, 25:18). Finale USA – Polen.

Sport im Fernsehen Montag, 9. Juli 8.45 – 10.30 und 11.30 – 14 Uhr, Eurosport: Snooker, Australian Open, 1. Runde (Best of 9). 14 – 17.45 Uhr, Eurosport: Tour de France, 9. Etappe: Arc et Senans – Besançon (41,4 km, Einzelzeitfahren). 19– 21Uhr, Eurosport: Fußball, U19-EM inEstland, 3. Spieltag, Gruppe B, Frankreich – England.

Der Toto-Tipp 27. Veranstaltung 1 Kansas City – Houston Dynamo 0:2 2 2 Seatlle Sounders – Colorado Rapids 2:1 1 3 Chivas USA – Vancouver Whitecaps 0:0 0 4 Real Salt Lake – Portland Timbers 3:0 1 5 FC Dallas – San Jose Earthquakes 0:0 0 6 Botafogo RJ – EC Bahia 3:0 1 7 I.P. Alegre – Belo Horizonte 2:1 1 8 Ponte Preta – Palmeiras Sao Paulo 9 Atletico Goianiense – Club Nautico 0:1 2 10 GIF Sundsvall – Atvidabergs FF 3:3 0 11 Syrianska FC – Djurgardens IF 1:1 0 12 Gefle IF – GAIS Göteburg 13 AIK Solna – BK Häcken Göteborg (ohne Gewähr)

KURZ GEMELDET

Außerdem in dieser Ausgabe:

SPIEGEL-Gespräch

»Hände weg vom Grundgesetz« Euro-Krise: Der Rechtsprofessor Udo Di Fabio warnt vor einer Volksabstimmung über die Verfassung

SPIEGEL-Leser wissen mehr.

Seydou Keita, 32, Fußball-Mittelfeldspieler, wird den spanischen Fußball-Pokalsieger FC Barcelona nach vier Jahren und 14 Titeln verlassen. Der Nationalspieler aus Mali soll in seinem bis Juni 2014 laufenden Vertrag eine Ausstiegsklausel besitzen, die es ihm erlaubt, Barça ablösefrei zu verlassen, wenn er weniger als die Hälfte der Saisonspiele absolviert hat. Laut Medienberichten steht Keita vor einem Wechsel zum chinesischen Klub Dalian Aerbin. OSC Lille, französischer Fußballlklub, verpflichtet Salomon Kalou vom Champions-League-Sieger FC Chelsea nach Lille. Der 26 Jahre alte Angreifer von der Elfenbeinküste, dessen Vertrag in Chelsea nicht verlängert worden war, unterschrieb beim französischen Meister von 2011 einen Vierjahresvertrag. Kalou hatte während seines sechsjährigen Engagement beim Londoner Klub in 156 Ligaspielen 36 Tore erzielt. Ryan Giggs, 38 Jahre alter Fußball-Profi aus Wales, führt die britische Mannschaft bei den Olympischen Spielen in London (27. Juli bis 12. August) als Kapitän an. Für den Offensivspieler, der seit 1990 für Manchester United spielt und mit dem englischen Rekordchampion zwölf Meistertitel sowie zwei Mal die Champions League gewonnen hat, sind die Olympischen Spiele das erste große internationale Turnier. Sein Debüt als Kapitän des Teams von Trainer Stuart Pearce gibt Giggs am 20. Juli bei einem Testspiel gegen Brasilien. Gianfranco Zola, 46, ist neuer Teamma-

nager des englischen Fußball-Zweitligisten FC Watford. Der frühere italienische Nationalspieler, der mit der Squadra Azzurra 1994 WM-Zweiter geworden und zuletzt bei West Ham United tätig gewesen war, erhält einen Zweijahres-Vertrag. Tottenham Hotspur, englischer FußballErstligist, hat den belgischen Nationalspieler Jan Vertonghen vom niederländischen Meister Ajax Amsterdam verpflichtet. Die Ablösesumme für den 25 Jahre alten Innenverteidiger beläuft sich im Maximalfall auf 12 Millionen Euro. Diego Forlan wechselt von Inter Mailand zum brasilianischen Klub Internacional Porto Alegre. Der 33-jährige Uruguayer war vor einem Jahr zu Inter gewechselt. In der Serie A erzielte der 33-jährige Stürmer in 22 Spielen aber nur zwei Tore. Zuvor spielte Forlan unter anderem für Manchester United und Atletico Madrid. FC Porto, Portugals Fußball-Meister, hat den kolumbianischen Stürmer Jackson Martinez, 25, verpflichtet. Er kommt für eine Ablöse von neun Millionen Euro vom mexikanischen Klub Jaguares de Chiapas und erhält beim Champions-League-Sieger von 2004 einen Vierjahres-Vertrag. Martinez, der sich eine Ausstiegsklausel über 40 Millionen Euro in den Kontrakt schreiben ließ, muss allerdings noch den Medizin-Check bestehen. Devis Mangia ist der neue Trainer von Italiens U21-Fußball-Nationalteam. Der 38 Jahre alte Ex-Coach des italienischen

Erstligisten US Palermo ersetzt Ciro Ferrara, der Aufsteiger Sampdoria Genua übernommen hat. Mangia hatte Palermo bis Dezember 2011 trainiert. Dennis Diekmeier, 22, Fußball-Profi vom Bundesligisten Hamburger SV muss vorerst pausieren. Der Rechtsverteidiger trainierte aufgrund von Kapselproblemen im Sprunggelenk nicht mit dem Team. Christian Cantwell, Olympiazweiter im Kugelstoßen von 2008 aus den USA, hat sich mit 22,31 Metern an die Spitze der Weltjahresbestenliste gesetzt. Der 31-Jährige siegte bei einem Meeting in Champaign/Illinois, für ihn war es der sechstbeste Wettkampf seiner Karriere. Die Rangliste 2012 führte bisher sein Landsmann Reese Hoffa mit 22,00 Metern an. Martina Strutz hat eine Woche nach dem Gewinn der EM-Silbermedaille auch beim Stabhochsprung-Meeting in RottachEgern ihre Olympia-Form unter Beweis gestellt. Die 30 Jahre alte Neubrandenburgerin siegte mit übersprungenen 4,60 m vor Kristina Gadschiew (Zweibrücken/4,60) und der Schwedin Malin Dahlström (4,50). Ray Allen, Basketball-Profi, wechselt in der Profiliga NBA von den Boston Celtics zum amtierenden Meister Miami Heat. In Florida unterschrieb der erfolgreichste Drei-Punkte-Werfer in der NBA-Geschichte einen Vertrag über drei Spielzeiten. Der Kontrakt des 36-Jährigen ist mit 9,7 Millionen Dollar dotiert. 2008 hatte Allen mit den Boston Celtics den Titel gewonnen.

Branko Jorovic, Basketball-Profi, kehrt nicht mehr zu den Phantoms Braunschweig zurück. Die Verhandlungen des Bundesligaklubs mit dem Serben über eine Vertragsverlängerung sind gescheitert. Jorovic hat nach Angaben der Niedersachsen für ein Jahr beim bosnischen Ligazweiten Igokea Aleksandrovac unterschrieben. Derzeit hat Braunschweig nur sechs Spieler für kommende Saison unter Vertrag. Die deutschen Basketballerinnen haben die Qualifikation für die nächste EM in Frankreich (15. bis 30. Juni 2013) verpasst. Durch die 55:61-Niederlage am Samstag gegen Spanien und den Sieg von Schweden gegen Bulgarien (71:54) kann die Mannschaft von Bundestrainer Andreas Wagner keinen der beiden vorderen Tabellenplätze mehr erreichen. Tabellenführer Schweden und der Gruppenzweite Spanien haben die EM-Teilnahme sicher. Die abschließenden Partien bestreiten die drittplatzierten Deutschen in Bulgarien (11. Juli) und gegen Schweden (14. Juli). Chancenlos war das deutsche MännerTrio Delf Borrmann, Alexander Nobis (beide Berlin) und Patrick Dogue (Potsdam) im EM-Finale der Modernen Fünfkämpfer in Sofia. Beim Sieg des Italieners Riccardo De Luca (5888 Punkte) war Borrmann mit 5560 Zählern bester Deutscher auf Rang 23. Nobis wurde 29. (5492), Dogue (5292) Drittletzter der 36 Finalteilnehmer. Silber und Bronze gingen an die Ungarn Robert Kasza (5836) und Bence Demeter (5824).


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MÜNCHEN · BAYERN

DEFGH Nr. 156, Montag, 9. Juli 2012

Seehofer gratuliert Bayerns SPD

O LY M P I A - B E W E R B U N G

Auf zum zweiten Anlauf

120. Geburtstag: Ministerpräsident spricht von „echter Volkspartei“

VON CHRISTIAN KRÜGEL

M

ünchen sollte den zweiten Anlauf für eine Olympia-Bewerbung unbedingt starten. Zu gut sind einfach die Perspektiven, die Olympia der saturierten Landeshauptstadt und ihrem Umland geben könnte: neue Sportstätten, neue Wohnungen, endlich Investitionen in die Infrastruktur. 50 Jahre nach 1972 könnten die Spiele 2022 den Modernisierungsschub bringen, den diese Region braucht. Aber es müsste diesmal eine andere Bewerbung sein: eine der Bürger und nicht der alten Männer. Denn die Kandidatur von 2018 war vor allem ein Lieblingsprojekt von Deutschlands höchstem Olympia-Funktionär Thomas Bach und von Münchens Oberbürgermeister Christian Ude. Der erste brauchte in seiner Bewerbungsmappe zum IOC-Präsidenten noch eine saubere und sympathische Olympia-Bewerbung aus Deutschland. Der zweite, OB Ude, wollte seiner letzten, reichlich blassen Amtszeit durch die Vision eines olympischen Münchens doch noch Glanz verleihen. Olympia 2018 hätte ihnen wunderbar gepasst, Olympia 2022 eher nicht – weshalb ausgerechnet sie selbst die vorübergehend aufflammende Olympia-Euphorie in Oberbayern abwürgten. Bach schielte bei seinem Nein zu einem zweiten Anlauf auf die sportpolitischen Konstellationen im Vorfeld der IOC-Präsidenten-Wahl. OB Ude kann für sein neues Lieblingsprojekt, das Schmieden einer Regierungskoalition für Bayern, keinen Streit mit den Grünen über Olympia brauchen. Der amerikanische Verzicht auf Spiele 2022 lässt Münchens Chancen jetzt aber so steigen, dass sich Bach und Ude fast nicht verweigern können. Deswegen sollten sie jetzt den einzig richtigen Weg beschreiten: Die Bürger befragen, ob sie eine Bewerbung wollen. Wenn die Wähler Ja sagen, ist es ein gemeinsames, demokratisch legitimiertes Projekt, endlich unabhängig vom Willen älterer Herren.

Ruf nach Bürgerbegehren zu Olympia wird lauter München – Die Chance Münchens auf eine zweite Bewerbung für Olympische Winterspiele hat am Wochenende zu Debatten insbesondere unter Grünen und OlympiaGegnern geführt. Dabei wird der Ruf immer lauter, vor einer offiziellen Kandidatur Bürgerbegehren in München und Garmisch-Partenkirchen durchzuführen. Die neue Hoffnung auf Winterspiele wurde vergangene Woche durch den Verzicht der USA auf eine Bewerbung für 2022 genährt. Damit ist die Wahrscheinlichkeit relativ hoch, dass diese Spiele in Europa stattfinden werden. Doch bislang gibt es noch keinen Bewerber, der als klarer Favorit gilt. St. Moritz, Oslo, Barcelona und Lemberg in der Ukraine erwägen eine Kandidatur. Thomas Bach, Präsident des Deutschen Olympische Sportbunds (DOSB), spekulierte deshalb am Freitag über eine deutsche Bewerbung. Die bayerische Staatsregierung kündigte umgehend durch Sportminister Ludwig Spaenle (CSU) an, eine erneute Bewerbung tragen zu wollen. Heftigen Widerstand gab es bislang von Seiten der Grünen. Sie könnten aber im Herbst 2013 sowohl im Bund als auch in Bayern in dieRegierungsverantwortung kommen – und so das Vorhaben torpedieren. Das Nein der Partei ist aber offenbar nicht mehr ganz so kategorisch. GrünenLandesvorsitzender Dieter Janecek schrieb am Wochenende auf Facebook:

Sommernachtstraum

Ein Drink, ein Strohhalm und dazu das warme Licht der untergehenden Sonne: Zu Tausenden strömten die Menschen am Wochenende zu den Open-Airs in München und der Region – so auch am Samstag zum ersten Konzerttag von „Klassik auf dem Odeonsplatz“ mit den Münchner Philharmonikern und der Cellistin Sol Gabetta. Atemberaubend schöne Musik vor atemberaubend schöner Kulisse – so wurde eine Sommernacht zum Traum. FOTO: ROBERT HAAS

Für 20 000 Wohnungen drohen höhere Mieten Der Bund will Grundstücke wesentlich teurer verkaufen, als das in der Vergangenheit üblich war Genossenschaften in München warnen, dass dadurch die Preise bald erneut kräftig steigen könnten VON MICHAEL TIBUDD

München – Ein weiteres Mal ist günstiger Wohnraum in München in Gefahr. Nach Angaben von Genossenschaften könnten die Mieten für bis zu 20 000 Wohnungen in der Stadt schon bald kräftig steigen. Dabei handelt es sich um Wohnungen auf Grundstücken, diebisher Genossenschaften überlassen sind und die relativ günstig vermietet werden. Weil der Bund die Grundstücke teilweise verkaufen und dabei möglichst hohe Preise erzielen will, sind die Genossenschaften alarmiert. „Der Bund verkauft seine Grundstücke neuerdings zum Höchstpreis“, sagt Xaver Kroner vom Verband bayerischer Wohnungsunternehmen (VdW), der Genossenschaften und kommunale Wohnungsunternehmen vertritt. Auf diese Weise müssten die Genossenschaften mit der privaten Immobilienwirtschaft konkurrieren. „Damit sind viele Genossenschaften in ihrer Existenz bedroht. Sie können das entweder nicht finanzieren oder müssten die Mieten extrem anheben“, so Kroner. Die Wohnungen befinden sich auf Grundstücken, die den Genossenschaften im sogenannten Erbbaurecht überlassen sind. Das ist ein Stück weit wie Eigentum – mit dem wichtigen Unterschied, dass das Erbbaurecht irgendwann, oft erst nach Jahrzehnten, ausläuft und das Grundstück an den eigentlichen Eigentümer zurückfällt. Die frühere Bundesbahn und die Bundespost überließen ihre Grundstücke häufig Genossenschaften, die darauf Wohnungen für die Bahn- und Postbeamten bau-

Für diesen Komplex in Neuhausen hat der Bund Ende 2010 noch 1200 Euro pro QuaFOTO: ROBERT HAAS dratmeter verlangt. Jetzt fordert er 2700 Euro. ten. Die Mieten dort waren günstig. Eine billige Wohnung galt als Teil des Gehalts. Seit der Bund Mitte der 1990er Jahre die Post privatisierte und die Bahn in eine Aktiengesellschaft umwandelte, veräußert er in der Regel auch die Grundstücke, wenn das Erbbaurecht ausläuft. „Bislang hat der Bund in den Preisverhandlungen Vernunft walten lassen, ohne dass man die Grundstücke verschenkt hat“, berichtet Kroner. „Jetzt herrscht offenbar die klare Vorgabe, den maximalen Preis herauszuholen.“

Kroner spricht von einer „Lex München“, nirgendwo sonst setze der Bund auf ein Bieterverfahren, bei dem die Genossenschaften mit der privaten Immobilienwirtschaft in Wettbewerb treten müssten. Was das in der Praxis bedeutet, berichtet Bernhard Reinhart, Vorstand der Eisenbahner-Baugenossenschaft München Hauptbahnhof, einer von sieben Eisenbahner-Genossenschaften in München. Ihr gehören rund 2400 Wohnungen in der Stadt, 1500 davon stehen noch auf Erbbaugrund-

stücken. Für ein Grundstück in Neuhausen, auf dem 112 Wohnungen sind, habe der Bund Ende 2010 noch 1200 Euro pro Quadratmeter verlangt. Nach der neuen Preispolitik verlange er 2700 Euro, was in etwa dem Marktpreis für unbebaute Grundstücke entspricht. „Damit würde uns allein das Grundstück mehr als 14 Millionen Euro kosten“, sagt Reinhart. Weil der Gebäudebestand saniert werden müsse, kommen ohnehin Kosten von mindestens 15 Millionen Euro auf die Genossenschaft zu. „Dann müssten wir 22 Euro pro Quadratmeter Miete verlangen“, so Reinhart. Das wäre selbst für Münchner Verhältnisse extrem teuer; als aktuellen Durchschnittswert gibt der Maklerverband IVD rund 13 Euro pro Quadratmeter an. Reinharts Genossenschaft verlangt heute zwischen sechs und zehn Euro pro Quadratmeter. Das Bundesverkehrsministerium, das für die Verwertung der Bahngelände zuständig ist, bestätigt die Praxis. „Erbbaurechte, die kurz vor dem Auslaufen stehen, werden öffentlich gegen Höchstgebot ausgeboten“, heißt es in einer Stellungnahme. Das gebiete die Bundeshaushaltsordnung. Es gebe zwar bundesweit ein Modell, nach dem Genossenschaften Erbbaurechte günstig kaufen könnten. „Dieses Modell gilt aber ausdrücklich wegen der hohen Bodenwerte nicht für München“, heißt es. Eine „Lex München“ existiert also tatsächlich. Allerdings könne jede Genossenschaft Grundstücke zum Höchstgebot kaufen. „Das können sich Genossenschaften nicht leisten“, sagt Xaver Kroner. Er prophezeit: „Für viele wird das das Aus bedeuten.“

Spurlos verschwunden Eine 31-jährige fuhr mit ihrer Familie in den Urlaub nach Kroatien, ist dort aber wohl nie angekommen. Die Polizei tappt im Dunkeln VON SUSI WIMMER

Wieder im Rennen? Eine oberbayerische Bewerbung für 2022 könnte unerwartet gute Chancen haben. FOTO: JÖRG KOCH, DAPD „Sollte tatsächlich eine erneute Olympiabewerbung 2022 angestrebt werden, halte ich vorgeschaltete Bürgerbegehren in München und Garmisch für zwingend, um von Anfang an Klärung in den Prozess zu bringen.“ Er stellt aber klar: „Ein freiwilliger Verzicht auf das Projekt ist meine erste Präferenz.“ Co-Landesvorsitzende Theresa Schopper verweist in einem FacebookKommentar darauf, dass zwei Bürgerbegehren in Garmisch und München auch zu unterschiedlichen Voten führen könnten. Wie gut Münchens Chancen überhaupt sind, könnte sich schon bald bei Olympia in London zeigen. Dort gibt es am 2. August im „Deutschen Haus“ einen MünchenEmpfang . Offizieller Anlass ist der 40. Jahrestag der Spiele von 1972. Die Organisatoren wollen den geladenen IOC-Mitgliedern aber auch zeigen, dass die olympische Idee in München weiterlebt. Neben dem Olympiapark gehören auch die Agentur Bayern Tourismus sowie einige Wintersportverbände und ehemalige Sponsoren dazu. Auch Katarina Witt wird kommen: Sie hatteder Bewerbung für 2018 erst Schwung gegeben und München zu einem zweiten Start ermuntert. KC, DPA R Kommentar

Ingolstadt – Das Seestüberl in Flachau ist rustikal und schlicht, malerisch gelegen in den österreichischen Bergen im Salzburger Land, umgeben von vielen kleinen Badeseen und üppigen Wiesen mit Butterblumen. Zwei Kriminalbeamte der Polizei Ingolstadt waren unlängst dort zu Gast, weniger wegen des Bergidylls und der Frittatensuppe, sondern wegen eines mysteriösen Kriminalfalls: Am 12. Juni 2012 meldete ein Ingolstädter seine 31-jährige Lebensgefährtin Taprap Chettana offiziell als vermisst. Sie sei während des gemeinsamen Urlaubs auf der kroatischen Insel Rab nicht von einem Strandspaziergang zurückgekehrt, gab er an. Die Polizei allerdings hegt den Verdacht, dass die Frau nie am Urlaubsziel in Kroatien ankam. Sie ermittelt zusammen mit den Salzburger Kollegen in Flachau, wo die Familie auf der Fahrt nach Süden Station gemacht hatte – und zwar wegen eines möglichen Tötungsdeliktes. Das Appartement auf Rab war gebucht, der giftgrüne VW-Bus gepackt: Am Montag, 4. Juni, brach Taprap Chettana kurz vor Mitternacht mit ihrem 34-jährigen Lebensgefährten und ihren beiden Kinder, zwei und fünf Jahre alt, in Richtung Kroatien auf. Die Frau stammt aus Thailand, lebte bereits seit Jahren in Ingolstadt. Zu den familiären Verhältnissen des unverheirateten Paares will sich die Polizei nicht äußern. Die Beziehung allerdings soll „belastet“ gewesen sein, ist aus Polizeikreisen zu hören. Der Campingbus allerdings gab ziemlich früh den Geist auf: Bereits in Radstadt in Österreich musste der Lebensge-

fährte eine VW-Werkstatt ansteuern. So schnell war der Wagen wohl nicht zu reparieren, jedenfalls bezog die Familie für vier Tage Quartier im Seestüberl in Flachau. Am 9. Juni ging die Fahrt weiter. Der grüne Campingbus blieb zurück, stattdessen reiste die Familie mit einem Mietwagen weiter, einem roten Mercedes Vito mit Anhänger. In den frühen Morgenstunden des 10. Juni erreichte man die Unterkunft in Lopar auf der Insel Rab. Am Abend des 12. Juni erstattet der Mann Vermisstenanzeige bei der örtlichen Polizei: Seine Lebensgefährtin sei von einem Strandspaziergang nicht zurückgekehrt, gab er an. Die Polizei setzte eine große Suchaktion nach Taprap Chettana in Gang.

Länderübergreifend werden nun drei Polizeien eingeschaltet: Kroatien, Österreich und Deutschland sind in den Vermisstenfall involviert, der im Laufe der Zeit immer mehr Ungereimtheiten an den Tag fördert: Im Appartement in Lopar findet sich keine einzige DNS-Spur von Taprap Chettana. Kein Haar, keine Hautschuppe, nichts. Weder Angestellte noch Appartement-Betreiber noch Wirte oder sonstige Personen können bezeugen, dass die Thailänderin sich in Lopar aufgehalten hat. Niemand hat sie dort gesehen. Jetzt überprüft die Polizei auch die Grenzen, sichtet Kameraaufnahmen von den Kontrollstation. Sie findet den roten Mercedes Vito auf einem Bild. Am Steuer sitzt der

Die Befragung der Töchter und des Lebensgefährten führte zu keinem verwertbaren Ergebnis Ihr Lebensgefährte aber scheint es plötzlich ganz eilig zu haben: Ohne mögliche Suchergebnisse abzuwarten, packt er die Sachen zusammen, setzt die beiden Kinder ins Auto und verlässt die Insel noch in derselben Nacht. Die kroatische Polizei leitet eine Großfahndung ein. Wenig später wird der Mann an einem kleinen Grenzübergang zu Slowenien vorläufig festgenommen. In Kroatien wird er intensiv von der Polizei vernommen, er erzählt immer wieder die Geschichte von dem Strandspaziergang. Tags darauf, am 13. Juni, erstattet auch der Vater des 34-Jährigen eine Vermisstenanzeige bei der Polizei in Ingolstadt.

Seit 12. Juni ist Taprap Chettana aus Ingolstadt als vermisst gemeldet. FOTO: DPA

Ingolstädter. Der Beifahrersitz aber ist leer. Hans-Peter Kammerer, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern, formuliert es vorsichtig: „Es gibt keinen Beleg, dass die Frau in Kroatien eingereist ist.“ Für die Staatsanwaltschaft in Ingolstadt reichen die Ungereimtheiten aus, um wegen eines möglichen Tötungsdeliktes zu ermitteln. Die beiden Kinder von Taprap Chettana werden aus der Obhut ihres Lebensgefährten genommen. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft hat das Jugendamt die Vormundschaft für die Töchter übernommen, sie befinden sich momentan in einem Jugendheim. Sie wurden bereits in Kroatien von der Polizei befragt, aber wohl ohne verwertbare Ergebnisse. Der Mann befindet sich auf freiem Fuß, für einen dringenden Tatverdacht fehlen der Polizei die Fakten. Ermittler aus Ingolstadt recherchieren im Seestüberl in Flachau. Der grüne Campingbus wird untersucht, die Salzburger Polizei arbeitet nach einem Fahndungsaufruf Zeugenhinweise ab. „Es gibt drei Personen, die die Frau hier gesehen haben, alleine, etwa drei bis vier Tage vor der Vermisstenmeldung“, sagt Michael Rausch von der Salzburger Polizei. Mittlerweile hat die Polizei den Radius ihrer Erhebungen und Suchaktionen über den Ort Flachau hinaus ausgeweitet. „Wir sind im ganzen Raum EnnsPongau zugange“, verrät Rausch. Und obwohl mittlerweile fast vier Wochen seit dem Aufenthalt der Thailänderin vergangen sind, würden sich immer noch Zeugen melden. Es könnten die letzten Personen sein, die Taprap Chettana lebend gesehen haben.

Regensburg – Mit demonstrativem Kampfeswillen hat die Bayern-SPD gut 14 Monate vor der Landtagswahl ihr 120-jähriges Bestehen gefeiert. Unter den Gratulanten bei einem Festakt in Regensburg war neben dem SPD-Bundesvorsitzenden Sigmar Gabriel auch der derzeitige Hauptgegner, Bayerns Ministerpräsident und CSU-Chef Horst Seehofer. Seehofer würdigte in seinem Grußwort die Verdienste der SPD für Freiheit und Demokratie in Bayern und Deutschland. Keine andere Partei sei so lange mit der bayerischen Geschichte verwoben wie die SPD. Seehofer erinnerte unter anderem daran, dass die SPD einst als einzige Partei gegen das Ermächtigungsgesetz der Nationalsozialisten gestimmt hatte. Zudem sei die SPD immer „Schutzmacht für die kleinen Leute“ gewesen. „Die BayernSPD ist eine echte Volkspartei“, sagte der CSU-Vorsitzende. Mit Blick auf die Landtagswahl betonte Seehofer, auch wenn man im Wettbewerb stehe, müsse die Wertschätzung füreinander darunter nicht leiden. Zu den Sozialdemokraten sagte er: „Ich wünsche Ihnen auch viel Erfolg - über das Ausmaß des Erfolges lassen Sie uns nächstes Jahr streiten.“ Viele lobten Seehofers Auftritt. Sein Herausforderer bei der Landtagswahl, Münchens Oberbürgermeister und SPD-Spitzenkandidat Christian Ude, sprach von einem „herausragend positiven Beispiel politischer Kultur“. Die Sozialdemokraten schworen sich voll auf die Landtagswahl ein. Nach 55 Jahren Opposition sei es an der Zeit, dass die SPD ihre Positionen auch in der Regierung durchsetzen könne. „Das muss die Zukunft von der Vergangenheit unterscheiden“, rief Ude. „Wir müssen künftig auch Wahlen gewinnen.“ Bayern solle sozialer, demokratischer und toleranter werden. SPD-Landeschef Florian Pronold mahnte in einem Frontalangriff auf die CSU: „Der Freistaat darf niemals die Beute einer einzigen Partei sei.“ DPA

CSU-Kritik an Seehofers Koalitionsdrohung München – CSU-Chef Horst Seehofer muss sich wegen seiner Drohung mit einem Bruch der schwarz-gelben Koalition im Bund Kritik aus den eigenen Reihen gefallen lassen. „Konservativen würde man weniger verzeihen, wenn sie sich aus der Verantwortung stehlen“, sagte Unionsfraktionsvize Johannes Singhammer dem Magazin Der Spiegel. Auch der ehemalige CSUChef Erwin Huber warnte seinen Nachfolger an der Parteispitze vor politischen Experimenten: „Die große Mehrheit der CSUWähler will diese Koalition und diese Kanzlerin – und keine politischen Experimente.“ Seehofer hatte in einem Stern-Interview Anfang vergangener Woche die Koalition in Berlin wissen lassen, dass die CSU weitere Rettungszahlungen an Schuldenstaaten ohne Auflagen nicht mittragen werde – und ohne die CSU habe die Koalition keine Mehrheit. Später ruderte Seehofer zurück: Er habe das Wort Koalitionsbruch nie in den Mund genommen und er habe auch nicht die Absicht, dies zu tun. DPA

Sperrung der S-Bahn ohne größere Probleme München – Die Sperrung der Münchner S-Bahn-Stammstrecke am vergangenen Wochenende hat keine größeren Verkehrsprobleme verursacht. Der Schienenersatzverkehr (SEV) zwischen den Haltestellen Pasing und Ostbahnhof mit insgesamt 60 Bussen lief planmäßig, lediglich am Samstagmittag zur Hauptverkehrszeit gab es Verzögerungen. Laut Bernhard Weisser, dem Geschäftsleiter der Münchner S-Bahn, nutzten weit weniger Fahrgäste die S-Bahn als sonst, viele stiegen auf andere Verkehrsmittel um. Die S-Bahn verkehrte nur sehr eingeschränkt zwischen Pasing, Haupt- und Ostbahnhof. Vor allem die mehr als 200 Helfer an den Haltestellen der Stammstrecke wurden von allen Seiten gelobt. Sie waren rund um die Uhr in drei Schichten vor Ort, um die Fahrgäste zu beraten. Auch der Einzelhandel zieht ein positives Fazit. Wolfgang Fischer von City-Partner lobte die „logistische Großtat“. Die Auswirkungen der Streckensperrung auf den Einzelhandel seien zwar spürbar gewesen, jedoch nicht so stark wie befürchtet. Laut Bahn liegen die Bauarbeiten an den Gleisen gut im Zeitplan. Auch an den folgenden sechs Wochenenden wird die Stammstrecke jeweils von Freitagabend, 19.30 Uhr, bis Montagfrüh, 4 Uhr, gesperrt sein. CRO

Sturm bläst Festzelt davon München – Nach heftigen Gewittern mit Starkregen und Sturmböen waren Polizei und Feuerwehr in Teilen Oberbayerns am Wochenende im Dauereinsatz. Bäume stürzten um, Keller liefen voll Wasser und Straßen wurden überflutet. Besonders dramatisch verlief ein Unwetter im Landkreis Weilheim-Schongau. In Raisting wurde ein Festzelt vom Sturmwind in die Höhe gehoben und etwa 25 Meter weit mitgerissen. Während sich zwei Gäste gerade noch rechtzeitig in Sicherheit bringen konnten, schafften das vier Menschen nicht mehr. Sie wurden von umherfliegenden Teilen getroffen und verletzt, eine 52-jährige Frau trug so schwere Verletzungen davon, dass sie im Unfallklinikum Murnau versorgt werden musste. SZ


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JETZT.DE

HBG

Montag, 9. Juli 2012, Nr. 156 DEFGH

Viel Schatten und wenige Worte: Mit dem Zeichenstift nimmt Paula Bulling ihre Leser mit in den Alltag der Flüchtlinge.

ILLUSTRATIONEN: BULLING / AVANT VERLAG

„Es gibt keine zuverlässigen Daten“ Bei der Recherche über das Leben von Asylbewerbern in Deutschland hat die Illustratorin Paula Bulling eine Grauzone betreten, aus der sie nun eine dunkle Bildergeschichte gemacht hat. Was sie nicht zeichnen konnte: Wie es ist, jahrelang in einem Flüchtlingsheim aufzuwachen INTERVIEW: MARK HEYWINKEL

Wer nach Deutschland flieht, den erwartet oft der Aufenthalt in einem Asylbewerberheim – auf unbestimmte Zeit. Die 26-jährige Paula Bulling zeichnet in ihrer Graphic Novel ein beklemmendes Bild von diesem Leben im Lager. jetzt.de: Paula, für deine Graphic Novel „Im Land der Frühaufsteher?“ hast du mehrere Asylbewerberheime in SachsenAnhalt besucht. Ist es da wirklich so trostlos, wie du es darstellst? Paula Bulling: Es ist sogar noch schlimmer, als ich es gezeichnet habe. Diese Heime sind meist weit ab vom Schuss. Viele sind in ehemaligen Kasernen, Pionierheimen oder Fabriken untergebracht. Die Heime, die ich gesehen habe, ähneln sich frappierend: Trostlose Zimmer, die immer gleichen Resopalmöbel, schlechte sanitäre Anlagen und so weiter. Was man nicht zeichnen kann, ist die Permanenz, Tag für Tag

wieder an diesem Ort aufzuwachen. Es gibt Leute, die zehn,15 Jahre oder länger in so einem Heim ausharren müssen. Als Besucherin bleibt man zwangsläufig an der Oberfläche. Wie bist du mit diesem Thema in Berührung gekommen? Das war im Grunde ein Zufall. Ich war mit einer guten Freundin vier Wochen in Syrien. Danach haben wir einen Vortrag von syrischen Menschenrechtsaktivisten gehört, die nach Deutschland geflüchtet sind. Eigentlich sollte es dabei um die Syrien-Problematik gehen, aber die Redner haben unerwarteter Weise ihre Lebensbedingungen im Flüchtlingsheim in Thüringen thematisiert. Bei der Begehung dieses Heims habe ich dann den Filmemacher Maman Salissou Oumarou kennengelernt. Durch den Kontakt zu ihm hat sich die Möglichkeit ergeben, in diese Welt hineinzugucken. Ich habe ungefähr ein halbes Jahr ziemlich intensiv recherchiert

und bin regelmäßig in verschiedenen Heimen gewesen. Wie viele Asylbewerberheime gibt es eigentlich? Darüber gibt es meines Wissens keine zuverlässigen Daten. In Sachsen-Anhalt müssen es etwa 30 sein, man kann davon ausgehen, dass es in jedem Landkreis eines gibt. Ich habe mal mit einer Mitarbeiterin von Pro Asyl darüber gesprochen, weil ich eine deutschlandweite Übersichtskarte machen wollte. Aber auch sie konnte mir keine Zahlen nennen. Es gibt auch keinen deutschlandweiten Vergleich der Situation für Flüchtlinge. Niemand kann dir sagen, ob es in Baden-Württemberg freundlicher oder restriktiver zugeht als in Bayern – außer den Flüchtlingen selbst. In der Bayerischen Asylverordnung steht, mit den Lagern wolle man „die Bereitschaft zur Rückkehr in das Heimatland fördern“. Das klingt ja ziemlich hef-

tig. Weshalb ist der Widerstand gegen diese Behandlung von Flüchtlingen nicht stärker? In Leipzig soll gerade das zentrale Flüchtlingsheim aufgelöst und in mehrere kleine Heime in verschiedenen Stadtteilen aufgeteilt werden. Jetzt wehren sich Bürger massiv dagegen, dass diese Heime in ihre Viertel kommen, weil sie Angst davor haben, dass ihr Eigenheim an Wert verliert. Das ist für mich ein typisches Beispiel für die latenteAngstund dierassistischen Vorurteile,denenFlüchtlinge hier begegnen.Davon abgesehen gibt es durchaus Widerstand gegen die Zustände, es gibt Netzwerke von Flüchtlingsorganisationen. Ich hoffe, dass das ThemainZukunftnocheine breitereÖffentlichkeit erreichen wird. In einer Szene im Buch lässt du dir allerdings von einem Kumpel vorwerfen, mit einem solchen Comic auch nichts ändern zu können. Zweifelst du an der Stelle etwa selbst an der pädagogischen Wirkung

der Graphic Novel? Was er mir vorwirft, ist, als weißer Mensch die Geschichten von schwarzen Menschen zu repräsentieren und damit das gängige Schema zu wiederholen, in dem Weiße sich die Definitionsmacht anmaßen. Ursprünglich warich gar nicht darauf aus, meineeigene Person zu thematisieren, aber ich wollte zeigen, dass ich von einem subjektiven Standpunktaus berichte.Ichkannnur schildern, was ich gesehen habe, nicht für die Menschen sprechen. Deshalb habe ich versucht, meine eigene Rolle in dem Buch mit zu hinterfragen.

ellen Markt dafür vermutlich auch kleiner, ja. Aber man kann sich nicht dazu zwingen, sich allzu sehr von dem zu entfernen, wer man ist. Und am Ende gibt dir ein Comic auch mehr kreativen Freiraum als eine beinharte Dokumentaion, oder? Im Comic gibt es kein Footage wie im Film. Alles, was ich zeichne, ist bereits durch meineErinnerung gefiltert.Ein paar kleineStellen in dem Buch sind auch frei erfunden. Aber ich sage dir nicht, welche.

Paula Bulling wurde 1986 in Berlin geboren und studierte an der Hochschule für Kunst und Design in Halle an der Saale. „Im Land der Frühaufsteher“ ist ihr Debüt auf dem Gebiet der Graphic Novels und im Avant-Verlag erschienen.

Graphic Novels sind in Deutschland noch immer ein Nischenprodukt. Und der Stil von „Im Land der Frühaufsteher“ ist sehr skizzenhaft und experimentell. Warum hast du nicht einen massentauglicheren Weg gewählt, um auf das Thema hinzuweisen? Das Buch hat keine Mainstream-Comicästhetik, das stimmt. Das macht den potenzi-

POP-POESIEALBUM

Das magische Dreieck

GEHEIME GESETZE (1)

Paul Smith

Das Hipster-Triangle ist das wichtigste Symbol zum Jungsein. Warum?

Der witzige Dialekt

Der Sänger von MaximoPark hat unseren Fragebogen ausgefüllt

Spitzname: Smithy Alter: 33 Job: Musiker Früher wollte ich sein wie: Morrissey Stattdessen war ich: Ein schlacksiger Teenager mit schüttem Haar. Wenn ich heute in den Spiegel schaue, sehe ich: Jemanden, der unaufhörlich älter wird. Ich gehöre auf die Bühne, weil: Unsere Songs mich dort hingeführt haben. Meine Eltern haben mir beigebracht: Hart zu arbeiten. Und dass Höflichkeit nichts kostet. Sie waren stolz auf mich, als: Ich die Uni mit einem Master abgeschlossen habe. Sie waren enttäuscht von mir, als: Ich keinen Vollzeit-Job fand, der mir gefiel. Das erste Mal verliebt war ich: Mit 17. In ein sehr süßes Mädchen. Das letzte Mal gelogen habe ich, als: Mich jemand fragte, ob ich eine Band mag und ich die Wahrheit verschwieg, weil ich die Person mochte. Mein größter Triumph: Vom Liedersingen leben zu können. Mein größter Fehler: Nicht so viel zu lesen wie ich sollte. Größte Angst: Menschen zu verlieren. Wenn mein Leben verfilmt würde, trüge das Werk den Titel: A Northern Soul

Alte Elternsorge: Heranwachsende könnten vor lauter Bildschirm Anstarren viereckige Augen bekommen. Eine momentan berechtigtere Sorge wäre allerdings, dass junge Menschen bald womöglich aus dreieckigen Augen in die Welt gucken und das unabhängig von ihrem Medienkonsum. So ominpräsent, wie das Dreieck seit einiger Zeit ist. Es ist daher bereits vom Hipster Triangle die Rede. Beim Hipster Triangle handelt es sich, aufgepasst Freunde der Geometrie, fast immer um ein gleichseitiges Dreieck, dessen Spitze nach oben zeigt. IndieBands verwenden es für ihr Album-Artwork. Junge Menschen lassen es sich unter die Haut stechen und formen auf Partyfotos aus Daumen und Zeigefingern ein Dreieck vor ihrem Gesicht (In diesem Fall funktioniert das mit der Gleichseitigkeit nur näherungsweise). Im Netz kursieren animierte GIFs, die das Triangle mit Weltraumnebeln, Gebirgspanoramen und Waldlandschaften zusammenbringen. Im Urban Dictionary ist das Symbol sogar schon als Synonym für Hipster verzeichnet. Es gibt Tumblr-Blogs, auf denen die Dreieck-Ästhetik dokumentiert wird und T-Shirts, die sich über das Hipster -Triangle lustig machen oder Liebeserklärungen an das Zeichen darstellen. Möglicherweise sind die aber auch in bester Hipster-Manier ironisch gemeint. Man mag eigentlich gar nicht mehr viele Worte über den Hipster verlieren, nicht einmal mehr den Ausdruck verwenden, so ermüdend oft ist die Mainstreamhaftigkeit seines Anti-Mainstream-Gehabes und seine Lebenswelt zwischen Röhrenjeans, Fixie-Bike und Analog-Fotografie beschrieben worden. Umso überraschender: Obwohl seit Acid House und dem Smiley kein ähnlich enge Verbindung zwischen einem Symbol und einer Subkultur bestand, gibt es auf die Frage, was es denn mit diesem Dreieck auf sich hat, bisher nur Mutmaßungen in Internet-Foren: Ist es ein ironischer Hipsterwitz, weil sich Dreiecke so schön zu Mosaiken legen lassen, sich also ins große Ganze einfügen, Hipster genau das aber

fürsich ablehnen? Oder haben dieIlluminaten mit ihrem von einem Dreieck umrahmten allsehenden Auge ihre Finger im Spiel? Eine Gewissheit gibt es allerdings: Die Band Yacht hat den Hype um das Dreieck in Hipster-Zirkeln wenn nicht begründet, dann auf jeden Fall potenziert. Yacht-Frontmann Jona Bechtolt kommt aus Portland, die Band ist bei DFA Records gesignt und macht elektronische Musik mit Kuhglocken und Handclaps. Mehr Hipster geht quasi nicht. Das Symbol ist nicht nur ihr Markenzeichen, Yacht treten als geradezu kultische Verehrer des Dreiecks auf. Die Band hat auf ihrer Website sogar eine Official Tattoo Policy veröffentlicht, in der sie eine akzeptable Nutzung der Band-Ikonographie beschreiben: nur die Außenlinien des Dreiecks tätowieren lassen, bitte auf

den Unterarm oder in den Nacken, keinesfalls aber in der Steißbeinregion, und nicht größer als drei Inch, danke. Bleibt noch die Frage: Soll das Hipster Triangle eigentlich irgendetwas ausdrücken? In der Formenlehre gilt das Dreieck als spannungsvoll und dynamisch. Christen denken bei Dreiecken an die Dreifaltigkeit und säkularisierte Polen an die Herrentoilette. Das Dreieck ist symbolisch dermaßen überladen, dass es in seiner Vieldeutigkeit für rein gar nix stehen braucht. Besonders hübsch ist jedenfalls diese Interpretation: Amerikaner sagen gelegentlich „Don’t be a square“, was man wörtlich mit „Sei kein Viereck“, treffender aber mit „Seikein Langweiler“ übersetzen kann. Völlig logisch, dass man da lieber ein Dreieck sein will. JULIANE FRISSE

Gleichschenklig und überall: Das Dreieck hat in der popkulturellen Ästhetik momentan allen anderen geometrischen Formen den Rang abgelaufen.

Unsere neue Kolumne widmet sich ungeschriebenen Regeln des Alltags Gesetz: Thematisierte Dialekte müssen sofort von allen Anwesenden dilettantisch imitiert werden. Fehlendes Talent zur Mundart kann dabei durchaus mit Lautstärke ausgeglichen werden. Und sächsisch kann jeder.

In der Regel sind Talente ungleich verteilt: Manch einer kann alles. Viele können wenig. Geborene Entertainer steppen, erzählen Witze und ahmen doofe Promis nach – und das alles perfekt. Das Fußvolk überlässt diesen Gebenedeiten notgedrungen die Bühne, und sei diese nur ein Biertisch oder der Raucherhof. Wer sie nicht aus dem Effeff beherrscht, hält sich zurück mit Flickflacks, Zaubertricks und FreestyleRaps – zumindest im nüchternen Zustand. Nur ein Geheimes Gesetz erlaubt, nein, befiehlt die Ausnahme: Wenn Dialekte imitiert werden, müssen alle mitmachen. Auch und besonders die Untalentierten. Sobald eine rheinische Frohnatur ihr Kölsch vorsingt oder ein Hochnorddeutscher „über den spitzen Stein stolpert“, machen das alle nach. Gibt einer endlich den Franz Beckenbauer, antworten seine Zuhörer auf schlechtem Bayrisch: „Joah guad, äh, schau mer mol.“ Dieser Reflex braucht nicht mal einen menschlichen Trigger: Erwähnt jemand eine Stadt wie Erfurt oder Stuttgart, Saarbrücken oder Aachen, probiert man fröhlich und in ganzer Runde die dort vermutete Mundart aus. Dabei

kommt es weder auf die authentische Härte des fränkischen Rrrrs noch die charakteristische Weichheit der alemannischen Konsonanten an. Es zählt nicht die Fertigkeit, sondern die Entschlossenheit, einige vermeintlich typische Sätze so hörbar zu färben, dass alle den Gag kapieren. Mangelndes Talent bei diesem Treiben darf nicht beschämt verflüstert, sondern muss ebene mit Lautstärke ausgeglichen werden. Wenn man nur vehement genug mit einem „Ja nüüü!“ anzeigt, dass man Sächsisch zu sprechen meint, lässt sich sicher jemand zu einem korrespondierenden „ei verbibbsch!“ herab. Denn Sächsisch kann jeder. Gemeinsam macht man sich lustig, oder besser: lächerlich. Und aus der Sprachverstümmelung des Dialekts, sonst verpönt und vermieden, wird ein Mannschaftssport. Aber wieso diese freiwillige Entblößung? Wollen wir Deutsche damit unsere Einigkeit in Vielfalt feiern? Oder ist es doch eher aggressiver Lokalpatriotismus, wenn man fremde Zungenschläge verunstaltet? Ganz im Gegenteil: Im Nachmachen von Dialekten zeigt sich die versöhnende Kraft der Talentfreiheit. „Ich kann es nicht“, gestehen der schwäbelnde Berliner, der berlinernde Frankfurter, der hesselnde Hannoveraner ein, „aber ich versuche es trotzdem, und alle machen mit!“ Auf der Bühne des Dialektes darf eben jeder kurz ein Star sein, und so lange es niemand in der Runde richtig kann, sind wir alle gleich. Was dem Japaner sein Karaoke, ist uns der dilettantische Dialekt. So ist der Deutsche vielleicht am meisten Demokrat im Moment gemeinsamen Scheiterns. Spricht man diesen Satz auf Sächsisch, klingt er übrigens gar nicht mehr so fies. FRIEDEMANN KARIG

R Neue Folgen „Geheime Gesetze“ ab nächster Woche immer mittwochs auf jetzt.de.

VERANTWORTLICH: CH. HELTEN (I.V.)


SCHULE UND HOCHSCHULE

DEFGH Nr. 156, Montag, 9. Juli 2012

HBG

Profiteure des Geldregens

Studieren nach Guttenberg

Geisteswissenschaften gewinnen bei Exzellenzförderung hinzu

Der Plagiatsfall des früheren Verteidigungsministers und der Verdacht gegen Annette Schavan verunsichert Studenten, was noch erlaubt ist. Trotz zusätzlicher Regeln schummeln einige Kommilitonen weiter - ein Besuch in Regensburg

Die Kritik begleitete die Exzellenzinitiative von Anfang an: das große Förderprogramm von Bund und Ländern benachteilige die Geistes- und Sozialwissenschaften. Während also Ingenieurwissenschaftler, Mediziner oder Physiker noch mehr Geld für ihre Forschung erhalten, für eine Arbeit, von der man sich lukrative Erfindungen verspreche, würden Philosophen, Historiker oder Soziologen weiter benachteiligt, hieß es schon in der ersten Runde der Exzellenzinitiative 2006. Und die Zahlen gaben den Kritikern recht: Von 18 Graduiertenschulen zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses kamen in dieser ersten Runde gerade einmal vier aus diesem Bereich. „Die Erfolgsquoten spiegeln ganz bestimmt nicht die Leistungsfähigkeit der Geistes- und Sozialwissenschaften wider“, sagte damals der Berliner Politologe Michael Zürn. In der zweiten Runde der Exzellenzinitiative wurden vor drei Wochen weitere 2,4 Milliarden Euro Forschungsmittel an Universitäten verteilt - und diesmal kann die federführende Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) auch den Geisteswissenschaften gute Nachrichten bieten: Nach neuesten Zahlen der DFG profitieren Projekte von Geistes- und Sozialwissenschaft-

Forschungsförderung im Überblick So werden die Zuschüsse der Exzellenzinitiative 2012 bis 2017 verteilt, in Prozent Geistes- und Sozialwissenschaften Ingenieurwissenschaften Lebenswissenschaften Naturwissenschaften ohne Zuordnung

Graduiertenschulen für Nachwuchswissenschaftler

36 13 29 18 4 Exzellenzcluster (Großforschungsprojekte)

14 21

VON ROLAND PREUSS

M

anchmal zeigt sich der Wandel nur an Kleinigkeiten, und bei Stephan Bierling sind es die MusikCDs. Seit dieser Geschichte mit Herrn Guttenbergs Doktorarbeit brennt Bierling keinen einzigen Song mehr auf Disc. Er will nicht den leisesten Verdacht wecken, er ignoriere das, was er selbst propagiert: die geistigen Leistungen anderer zu respektieren. Stephan Bierling ist Politik-Professor an der Universität Regensburg, und man kann sagen, dass er auf Schummeleien bereits früher sehr geachtet hat. Schon vor dem Auffliegen des dreisten Plagiats in Karl-Theodor zu Guttenbergs Doktorarbeit Anfang 2011 mussten die Studenten und Doktoranden seines Instituts eine eidesstattliche Versicherung abgeben, dass sie ihre Arbeiten selbst geschrieben und Übernommenes sauber belegt haben. Das gilt selbst für Hausarbeiten.

0 10 20 30 40 50 60 70 80 90 100 110 120 130 140 150 160 170 180 190 200 210 220 230 240 250 260 270 280 290 300 310 320 330 340 350 Seitenzahlen

56 Seiten mit dem Verdacht auf Plagiate (das sind 17,23 Prozent) in den Kategorien A & B in der Doktorarbeit von Prof. Dr. Anette Schavan aus dem Jahr 1980 Plagiat Kategorie A (schwerwiegender)

Plagiat Kategorie B (nicht ganz so gravierend)

nicht einberechnete Seiten

Quelle: http://schavanplag.wordpress.com/Martin Heidingsfelder, Stand: 4. Mai 2012; Bearbeitung SZ

Der Professor droht Schummlern mit dem Ende des Studiums. Seit Guttenberg hat er mehrmals nachgelegt. Man kann das auf seiner Homepage gut verfolgen. Ein Plagiat könne „zum Ende des Politik-Studiums führen“, steht da, „vielleicht können Sie später nicht mal mehr Verteidigungsminister werden“. Selbst Positionspapiere und Info-Blätter zu Referaten dürften nicht aus dem Internet „zusammengestückelt“ werden. Die Ermahnungen an Studenten kommen von allen Seiten: von Professoren, von den Fakultäten, die oft strengere Vorschriften etwa zur Plagiatskontrolle erlassen haben, aber auch aus den Medien, die seit Guttenberg immer wieder über Plagiatsfälle berichten: Mehrere Politiker wurden überführt, weitere verdächtigt – seit Mai sogar Bundesbildungsministerin Annette Schavan, deren Doktorarbeit nach Vorwürfen von Internetaktivisten (siehe Grafik) derzeit von der Universität Düsseldorf geprüft wird. „Aber ich merke bei meinen Studenten keine Verbesserung“, sagt Bierling. Er findet weiterhin so viele Abschreiber wie zuvor. Im Schnitt ist es zwar nur ein Plagiator pro Semester, aber die sind ähnlich unausrottbar wie Seminarschwänzer.

„Ich sehe nicht mehr die Grenze zwischen Plagiat und Fehler im wissenschaftlichen Arbeiten“, sagt Jerome Baldowski.

Fellanza Podrimja sieht das Hauptmotiv fürs Abschreiben in „Zeitmangel und Bequemlichkeit“.

Matthias Jobst fühlt sich gut darüber informiert, was noch erlaubt ist - und was nicht. FOTOS (3): R. PREUß

Haben all die Plagiatsaffären, die Rücktritte, die Kontrollsoftware also nichts gebracht? Gibt es keinen Wandel im Kopf der Kommilitonen? Ein paar Antworten lassen sich bei Bierlings Studenten finden. 19 von ihnen sitzen an diesem Vormittag unter Neonröhren, vom pinken SpaghettiträgerTop bis zum Jackett mit Einstecktuch ist modisch alles vertreten. „Ich hoffe, Sie haben die Texte gelesen, auch wenn sie lang sind“, sagt Bierling in die Runde. Er erntet

Nicken und stumme Blicke. Studieren ist mitunter harte Arbeit, selbst wenn man sich sein Fach aus Interesse ausgesucht hat. Und das scheuten eben manche Studenten, das habe sie bei anderen „auch schon mitgekriegt“, sagt die Seminarteilnehmerin Fellanza Podrimja. Dann werde abkopiert – „aus Zeitmangel und Bequemlichkeit.“ Nach dem Kurs zum wissenschaftlichen Arbeiten am Studiumsbeginn fühlt sie sich gut gerüstet, Plagiate zu ver-

meiden. Die großen Plagiatsfälle hätten daran allerdings nichts geändert. Sie haben allenfalls Befremden hinterlassen. Wenn Autoren Kleinigkeiten angekreidet würden, so wie im Fall Schavan, sei das „Zufall und eine Hetzjagd“, findet Podrimja. Der Schavan’sche Grenzfall wissenschaftlicher Redlichkeit hat ihren Kommilitonen Jerome Baldowski vor allem verunsichert. „Ich sehe nicht mehr die Grenze zwischen Plagiat und Fehler im wissenschaftli-

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chen Arbeiten“, sagt er. Der Bildungsministerin werden einzelne wörtlich übernommene Sätze und sogar Halbsätze vorgeworfen, die sie teilweise zwar mit Fußnote belegt, aber nicht mit Zitaten gekennzeichnet hat. Kann man sich da noch sicher sein, dass in der eigenen Arbeit alles sauber ist? „Die Studenten fragen viel nach und setzten Fußnoten auch dort, wo es nicht unbedingt nötig ist“, sagt die Doktorandin Gerlinde Groitl, die Bierlings Studenten mitbetreut. Doch die Plagiatsfälle hätten an ihrer Arbeitsweise kaum etwas geändert, da sind sich die Studenten einig. „Auf Genauigkeit wurde von Anfang geachtet“, sagt Matthias Jobst – und schiebt doch ei-

Die Hausarbeit aus dem Internet kostet nur 12,99 Euro nen Einwand nach. „Wenn man postmodern argumentiert, ist es schwierig, Originalität für sich reklamieren“, sagt er. Bei solchen Sätzen wittert Professor Bierling schnell Gefahr. Ein laxer Umgang mit gedanklichen Leistungen würde teils philosophisch verschleiert, die PiratenPartei befördere diese Mentalität, sagt er. „Das ist nicht kriminelle Energie, sondern eine Generation, der keiner beibringt, was geistiges Eigentum ist.“ Erst vor wenigen Wochen hat Bierlings Mitarbeiter Verdächtiges in einer Hausarbeit entdeckt, die Spur führte zum Internetportal Hausarbeiten.de. Dort werden fertige Arbeiten verkauft, als Appetizer gibt es oft die Einleitung zu lesen, und die ähnelte ungemein dem, was bei Bierling auf dem Schreibtisch lag. Also investierte der Professor die 12,99 Euro, um die Arbeit zu kaufen und entdeckte – ein volles Plagiat. Für den jungen Mann ist das Politikstudium damit tatsächlich beendet. Aber nicht allein wegen des Plagiats. Es war bereits sein zweiter Versuch einer Hausarbeit – und nach dem ist Schluss. Wer dagegen das erste Mal mit einem Plagiat erwischt wird, kann es noch einmal probieren. Das Risiko ist also überschaubar – und sinke weiter, sagt Bierling. Von Herbst an kann er zwar ein Plagiat auf die Note der nächsten Arbeit anrechnen. Doch dann werden die Studenten wegen neuer Vorschriften sogar drei Versuche frei haben.

Verrückt nach DNA

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Die Universität Frankfurt bietet guten Schülern Sommerkurse bei Professoren – das Projekt soll Begabte an die Hochschule locken

26 SZ-Grafik: Mainka; Quelle: DFG

lern deutlich stärker als bisher. Bei den Graduiertenschulen stehen sie mit 36 Prozent der geförderten Einrichtungen mittlerweile auf Platz eins der Forschungsbereiche und haben damit die Lebenswissenschaften, also Medizin, Biologie und verwandte Fächer überholt (Grafik). Einen leichten Rückgang haben die Geisteswissenschaftler allerdings bei den großen Forschungsverbünden, den Exzellenzclustern, zu verzeichnen: Hier stammen nur noch 14 Prozent der Vorhaben statt bisher 16 Prozent aus ihrem Themenbereich. Diese standen bei den Clustern von jeher an letzter Stelle – das ist traurig, aber damit zu erklären, dass ihre Vorhaben nicht so für forscherübergreifende Programme geeignet seien, wie etwa Naturwissenschaften, wie der damalige Chef des Wissenschaftsrates und künftige DFG-Präsident Peter Strohschneider sagte. Eine Analyse von Texten oder Daten lässt sich eben leichter alleine meistern als etwa die Entwicklung neuer Biokraftstoffe. Zusammengerechnet aber, sagt der scheidende DFG-Präsident Matthias Kleiner, stellen Geistes-und Sozialwissenschaften „insgesamt das zweitgrößte Kontingent, noch vor den Natur- und den Ingenieurwissenschaften“. Das war zu Beginn der Initiative nicht zu erwarten. ROLAND PREUSS

J

ohannes hält sich lieber zurück. Auch wenn er einen Kopf größer ist als seine Kollegin Katharina, ist klar: Sie hat das Sagen im Labor. Das Mädchen gibt die Anweisungen, spritzt hier mal eine Flüssigkeit in ein Gefäß , wirft da die Zentrifuge an. Siehat sichtlich Spaß an dem kleinen Laborversuch. Die Beiden machen mit beim „Schülercampus “ der Universität Frankfurt. „Total faszinierend“ findet Katharina den kleinen Einblick in die Biochemie, auch wenn der Labormantel ein paar Nummern zu groß ist, und ihre Hände ein wenig zu klein für die blauen Plastikhandschuhe. Katharina will lernen, deswegen steht sie bei Badewetter im Labor, obwohl sie jetzt Sommerferien haben könnte. Aus ganz Deutschland hat die Universität Anfang Juli 80 Schüler für eine Woche nach Frankfurt eingeladen, meist aus der Oberstufe. Zum ersten Mal veranstaltete die Uni den Schülercampus, der in seiner Größe bundesweit einzigartig ist. Die Schüler sollten einen Einblick in die Arbeit der Geistes- oder Naturwissenschaften erhalten. Eine wilde Mischung: Die Ethnologie bot „Menschenrechte und Demokratie“, in der Festkörperphysik ging es um „Experimentieren knapp oberhalb des Gefrierpunktes“, die Japanologie wagte „Drei Blicke nach Ostasien“ und Katharina und Johannes beschäftigten sich mit „Forschung

an der Grenze zwischen Chemie und Biologie“. Katharina ist 16 Jahre alt und erst in der 10. Klasse. Aber ihr Chemie-Wissen kann es mit dem eines Studenten im ersten Semester aufnehmen. DNA-Analyse, Polymerase-Kettenreaktion, Aggerose-Gelelektrophorese: Sie redet so schnell, dass die Wörter durcheinanderwirbeln und sie wieder von vorne anfangen muss. Ihre Begeisterung ist ehrlich und ansteckend. „Die Schüler arbeiten auf Studentenniveau“, sagt Professor Armin Lühken. Er leitet den Biochemie-Kurs und freut sich über die Schüler. „Sie erarbeiten sich das Wissen sehr schnell, das hatten wir auch gehofft“. Denn die Schüler wurden nach einem eigenen verfahren ausgewählt, mussten ein Motivationsschreiben und eine Empfehlung der Schule einreichen und gute Noten vorweisen. Die ausgewählten Schüler durften Uni-Luft schnuppern, machen Exkursionen, besuchen Vorlesungen und fachübergreifende Seminare. Denn auch das wollte die Uni beim Schülercampus: Eine Verbindung von Geistesund Naturwissenschaften. Der Chemie-Didaktiker Lühken hofft, die Erfahrungen dieser Woche für zukünftige fächerübergreifende Lehrveranstaltungen an der Uni nutzen zu können. „Hier laufen die Didaktiken immer noch sehr getrennt voneinander“, sagt er. „Aber eigentlich muss man ein zentrales Thema aus verschiedenen

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In den Sommerferien freiwillig ins Labor: die 16-jährige Katharina bei der chemischen Analyse. FOTO: PAUL WAGNER

Winkeln betrachten, das muss auch an der Uni gelernt und gelehrt werden.“ Mehr Platz für die Geisteswissenschaften wünschen sich vor allem die Schulen, sagt Karin Schulmeyer, Organisatorin des Schülercampus. „Wenn man ehrlich ist, ist nämlich das Orientierungsangebot der Geisteswissenschaften viel geringer als bei den Naturwissenschaften“. Zwar seien die MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) in der Vergangenheit gestärkt worden, aber für die geisteswissenschaftlich interessierten Schüler gebe es noch zu wenige Angebote. Dabei bemerkt Schulmeyer derzeit ein immer stärkeres Interesse der Jugendlichen an eben diesem Gebiet. In Frankfurt ist der Studiengang Ethnologie beliebt wie nie: „Die jungen Leute sind interessiert an Themen wie globaler Gerechtigkeit, kulturellem Austausch und Problemen“. Jung-Chemikerin Katharina weiß, dass die Geisteswissenschaften nichts für sie sind. Für sie kommt nur ein naturwissenschaftliches Studium in Frage („Sprachen sind echt nicht mein Ding“). Dass Chemie, Physik und Mathe noch immer als Männerdomäne gelten, macht ihr nichts aus. In Frankfurt ist von einer männlichen Übermacht sowieso nichts zu spüren: An allen Kursen nehmen mehr Mädchen als Jungs teil. Sie allewerden sich keine Sorgen um ihre Zukunft machen müssen: Katharina ist

bestens vorbereitet, weißalles über ihren Versuch und braucht kaum Hilfe. Ist der Schülercampus also eine Veranstaltung für Schüler, die sowieso begabt sind? Betreibt die Uni Elitenförderung? Kathrin Schulmeyer findet diesen Begriff zu plakativ. „Klar“, sagt sie, „wird hier nur ein kleiner Kreis gefördert“. Aber die Schüler wurden weniger nach Können ausgewählt, sondern viel mehr nach echtem Interesse. Für die breite Masse an Schülern biete man ebenso Informationsveranstaltungen, sagt Schulmeyer. Aber was bringt der Schulercampus der Uni? Dass er bundesweite Aufmerksamkeit für die Frankfurter Uni schaffen soll, stellt Schulmeyer nicht in Frage. Sie hofft, dass einige der Schüler nach dem Abitur in Frankfurt studieren. Aber sie verweist auch auf die Vorteile für die Teilnehmer des Schülercampus: Orientierungshilfe und die hohe Qualität der Angebote Über die freut sich auch Katharina. Das Forschen macht ihr sichtlich Spaß. Mit Johannes zusammen hat sie erfolgreich DNA verglichen, wie es auch die Kriminalisten im Fernsehen machen. Sie ist froh, dass sie hier beim Schülercampus ihre Interessen ausleben kann, ohne gleich schief angeschaut zu werden. Ihre Augen strahlen hinter der blauen Schutzbrille wenn sie sagt: „Die Leute hier sind genauso verrückt wie ich.“ MATHIAS WEBER


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Ich bin doch nicht blöd.


DEFGH

Nr. 156, Montag, 9. Juli 2012

MOBILES LEBEN

Starker Sound Ein neues System für Rundumklang soll mehr Besucher in die Kinos locken

Ventotto lebt

UNTERWEGS

Ein Hoch auf den Beifahrer

In Mailand leisten 130 alte Straßenbahnwagen von 1928 unverdrossen ihren Dienst, jetzt sollen sie restauriert werden – bis hin zur originalen Vorkriegsfarbe VON HENNING KLÜVER

W

er zum ersten Mal nach Mailand kommt, dem fällt er sofort auf: ein alter Wagen der StraßenbahnLinie 1, blassgelb, der sich stockend durch den Verkehr in der eleganten Via Manzoni müht. Er rattert ein wenig schaukelnd an der Scala vorbei und legt sich gemächlich quietschend in die Kurve Richtung Piazza Cordusio und das Bankenzentrum der Stadt. „Guck mal, eine Museumsbahn“, ruft eine kleine deutsche Besucherin, die vielleicht aus München, Stuttgart oder Hannover modernere, vollklimatisierte Wagen mit elektronischen Türsystemen und digitalen Bildschirmen kennt. Diese Mailänder Tram dagegen hat mehr als 80 Jahre auf dem Buckel und sieht ganz anders aus. Der gelbe Lack ist in Ehren verblichen, die Türen aus Teak klappen mit ihrem Druckluftmechanismus leise zischend nach außen auf. Drinnen sind Sitzbänke aus dunkel lackierten Holzsprossen mit dem Rücken zur Außenwand des Fahrgehäuses angeordnet. 29 Sitzplätze bieten sie. Von Hand zu öffnende Schiebefenster ziehen sich über dem Metallchassis um den ganzen Wagen herum. Unter der Decke aus Lärchenholz hängen Lampen mit einem glockenartigen Schirm aus geripptem Glas – die Glühbirnen könnte man einzeln herausdrehen. Und auf Hinweisschildern wird man nicht nur aufgefordert, sich gut festzuhalten, sondern – „vietato sputare“ – auch nicht auf den Boden zu spucken. Die Leute, die auf den Holzbänken sitzen oder im hinteren Teil stehen und sich an den Haltegriffen festhalten, sind keine Museumsbesucher. Es sind ganz normale Fahrgäste der Mailänder Verkehrsbetriebe ATM, die auf einigen Linien besonders im Innenstadtbetrieb weiterhin Wagen der alten Tram-Bauserie 1500 einsetzen, wie sie Peter Witt in den zwanziger Jahren zunächst für amerikanische Städte entwickelt hatte. 1928 wurden diese zweiachsigen Triebwagen zum ersten Mal in Mailand eingesetzt und werden deshalb hier zärtlich „Milano Ventotto“ genannt. Die Mailänder lieben ihre alte, unverwüstliche Tram, von derheute noch 130 Wagen täglich unterwegs sind. Das entspricht etwas mehr als einem Drittel des ganzen Wagenparks der Mailänder Verkehrsbetriebe. In der lombardischen Metropole sind

Gruß aus der Vergangenheit: Holzbänke und Deckenlampen. FOTO: MATTHIAS LUEDECKE

Vielleicht liegt es ja an mir, aber mit Beifahrern habe ich keine guten Erfahrungen gemacht. Wenn ich Unterhaltung möchte, sind sie stumm wie ein Fisch, wenn ich Ruhe bräuchte, quasseln sie in einer Tour und in Momenten, in denen der Verkehr meine volle Aufmerksamkeit fordert, stoßen sie unvermittelt schrille Angstschreie aus. Die Landkarte kann sowieso kaum noch einer lesen. Wozu also braucht man es überhaupt, dieses seltsame Wesen auf dem Nebensitz? Dabei haben doch unsere Eltern damals, als man noch leidenschaftlich trampte, so ihre schönsten Begegnungen gemacht, haben Freundschaften fürs halbe Leben in fremden Autos geschlossen. Aber heute: nur noch Dauerquatscher oder verbissene Schweiger mit hohem Nerv-Faktor. Vielleicht sollte man sie ja vor längeren Fahrten ein Formular ausfüllen lassen, darin müssen die Anwärter auf unsere mobile Gesellschaft frank und frei beantworten, welche Musik sie mögen und welchen Käse, in welche Länder sie niemals reisen würden oder bei welchem Moderator sie sofort den Fernseher abschalten. Ein kurzer Abriss der zuletzt gelesenen Bücher erhöht allemal die Chancen, von uns mitgenommen zu werden. Theoretisch kann sich damit jeder Mitnehmer seinen Traum-Beifahrer backen, also einen, der unterwegs nur ganz selten laut singt, vor Kreuzungen niemals darauf hinweist, wer Vorfahrt hat, und darauf verzichtet, den Euro-Rettungsschirm in allen Details zu erklären. Übrigens munkelt man, dass die unberechenbarsten Beifahrer im eigenen unmittelbaren Umfeld zu suchen sind, langgediente Ehepaare werden das bestätigen. Professionelle Streithansel schätzen dabei das Auto als Ort von Auseinandersetzungen ganz besonders, schließlich ist dem mitfahrenden Kontrahenten ja der Fluchtweg verbaut, den besonders gerne der männliche Teil sonst gerne beschreitet, wenn es eng wird. Eine Garantie ist das aber nicht. Ich nenne keine Namen, aber es gibt auch Leute, die leider, obwohl am Steuer und noch nicht am Ziel, die Flucht bevorzugen. In dem Fall, den ich meine, war es besonders fies, dass der wütende Fahrer mitten in der Stadt einmal im schönsten Streiten stoppte, auf die Straße sprang und im nächsten U-Bahn-Schacht verschwand. Das Perfide daran: Seine Beifahrerin besaß keinen Führerschein. Die beiden sind übrigens nicht mehr zusammen. ANGELIKA BOESE

zurzeit insgesamt sechs verschiedene Generationen von Straßenbahnen im Einsatz – bis hin zum Typ Sirio/Sirietto aus dem Jahr 2002. Die ATM stellt aus der alten Serie außerdem Sonderwagen für den Verkehrsunterricht bereit, Touristen können abends in der Restaurant-Tram auf einer Stadtrundfahrt das feste Menü für 50 Euro genießen, und in der Vorweihnachtszeit vermittelt ein über und über mit glitzernden Eislichtern überzogener Wagen eine märchenhafte Atmosphäre. Doch die Ventotto ist vor allem ein Alltagsgefährt – und soll es auch bleiben, wie Ingenieur Simone Prosperi erklärt, der das Ausbesserungswerk in der Via Teodosio leitet. Hier unterzieht man die alten Wagen nach und nach einer Generalrevision, bei der bis 2014 alle 130 Wagen mit einigen technischen Neuerungen ausgestattet werden. Zum Beispiel mit einer elektronischen Fernsteuerung für Weichen, denn auch heute kann man manchmal den Fahrer sehen, wie er aus seinem Führerstand klettert und mit einer langen Eisenstange die Weiche verstellt. Und wo das Dach über der Holzdecke noch wie früher mit einem geölten Segeltuch bedeckt ist, wird die Bedeckung jetzt durch Polyesterharz ersetzt.

Die alte Bahn erreicht zwar nur 40 km/h, aber „sie ist stark wie ein Esel“, sagt ein Fahrer Im Großen und Ganzen allerdings, so der Ingenieur, handelt es sich bei der vier Monate dauernden Revision in Wirklichkeit „um eine Restaurierung“. Die Wagen, die zuletzt in Orangerot angestrichen waren, erhalten ihr altes traditionelles gelbbeiges Outfit der Vorkriegszeit zurück. Die Bänke, die früher aufklappbar waren, werden wie 1928 aus Ulmenholz hergestellt, die Seitenwände mit Eiche verkleidet. In Wagen, die seit den späten achtziger Jahren nicht mehr in der Werkstatt waren, hat man in den schmalen Räumen zwischen Verkleidung und Sitzen manchmal auch Dokumente gefunden, die Fahrgäste verloren hatten. Die haben nicht schlecht gestaunt, als man sie jetzt ausfindig machen und ihnen Ausweise oder Briefe von vor mehr als 20 Jahren zurückgeben konnte. Natürlich hatten sie längst neue Ausweise, aber „es war wie ein Gruß aus der Vergangenheit“, erzählt Simone Prosperi, „und wir hatten unseren Spaß“. Die Ventotto ist ein ungeheuer robustes und zugleich spartanisch ausgerüstetes Fahrzeug. Es ist mit vier Elektromotoren, jeweils zwei pro Achse, mit einer Maximalkraft von je 750 Volt ausgerüstet. Die Achsen sind – für die zwanziger Jahre war das eine Neuigkeit – auf einer beweglichen Halterung angebracht, so können die Wagen auch relativ enge Kurven meistern, eine Kunst, an der sogar die Wagen der modernen Jumbotram scheitern. Die alte Tram erreicht zwar nur eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 40 Stundenkilometern (Reisegeschwindigkeit 11,8 km/h gegenüber von 26,8 km/h der U-Bahn), aber sie ist „stark wie ein Esel“, sagt Giuseppe Longhin, der sie seit zwanzig Jahren fährt. Wenn im Einsatz die Technik einer neuen Jumbobahn ausfällt, dann wird eine Ventotto hingeschickt, um den modernen Zug abzuschleppen. Dieser „Esel“ braucht

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Bahn frei: Bis heute verkehrt die „Milano Ventotto“ in der lombardischen Metropole. Sie ist robust und zäh und legt sich gemächlich quietschend auch in enge Kurven. Die schafft nicht einmal die moderne Jumbobahn. FOTO: JOANA KRUSE/VISUM

Leichter bauen mit Meerrettich

den anrichten. Auf jeden Fahrer kommen im Durchschnitt fünf oder sechs – zum Glück meist leichtere – Unfälle pro Jahr. Die ATM ist ein modernes, zukunftsorientiertes Unternehmen mit 9000 Mitarbeitern, das im Mailänder Großraum mit 123 Linien (Tram, Bus, Metro) jährlich rund 600 Millionen Fahrgäste befördert. Zugleich betreibt es Verkehrseinrichtungen auch im Ausland, zum Beispiel die U-Bahn von Kopenhagen. Dennoch will man nicht auf den charakteristischen alten Wagen, die „Milano Ventotto“, verzichten. Die gehören inzwischen zu Mailand wie der

Bisher hat man sie achtlos weggeworfen, die bis zu 150 Zentimeter langen Stängelfasern des Meerrettichs. Nun aber gibt es möglicherweise Verwendung dafür, glauben Werkstoff-Ingenieure an der Westsächsischen Hochschule Zwickau. Die Fasern würden sich eignen, Kunststoffe zu verstärken. Die Hohlstruktur der Meerrettichfasern sei nur halb so dicht wie die von Hanf, Flachs oder Sisal und deshalb ideal für Leichtbauteile, die in der Autoindustrie zur CO2-Reduktion eingesetzt werden. Bauteile wie etwa eine Motorhaube könnten damit leicht und dennoch stabil gefertigt werden. MID

jedoch viel Fahrgefühl, zumal der Wagen eine lange Bremsstrecke hat. Allein eine mechanische Klotzbremse, die auf die Räder wirkt, bringt eine Ventotto zum Halten. Neuere Straßenbahnen sind längst auch mit einer elektrodynamischen Motorbremse ausgestattet. Als Fahrer müsse man deshalb, so erzählt Longhin, das Verhalten der anderen Verkehrsteilnehmer viel mehr mit einbeziehen. Eine zurückhaltende, sehr defensive Fahrweise sei angebracht. Die wünscht er sich aber auch von den Autofahrern, denn wenn es mal kracht, dann kann die robuste Tram ganz schönen Blechscha-

Dom und die Scala, sagt ein Unternehmenssprecher. Und einige Wagen hat das Unternehmen kürzlich sogar ins Ausland verkauft, etwa nach Lissabon und nach San Francisco. Auch den meisten Fahrern macht ihr Job „richtig Spaß“. Allerdings neiden sie manchmal den Kollegen in den Bussen oder neuen Bahnen einen klimatisierten Arbeitsplatz. So wie die Ventotto gebaut ist, spürt man im Winter die Kälte und im Sommer die Hitze. Doch dann winken Touristen freundlich zu oder fotografieren die Tram. Das haben die anderen nicht.

Jeder Zentimeter zählt Im Milliardengeschäft der fliegenden Mittelklasse sind sparsame Jets gefragt, doch die Umrüstung auf die neuen Motoren verläuft nicht ohne Probleme Airbus A380, Airbus A350, Boeing 747-8, Boeing 787 – die neuen Verkehrsflugzeuge beherrschen die aktuellen Schlagzeilen. Dennoch machen diese Modelle nur einen kleinen Teil des Marktes aus. Die Mehrheit der mehr als zwei Milliarden Menschen, die jedes Jahr eine Flugreise absolvieren, fliegt stattdessen in kleineren Maschinen. Sie sind zweistrahlig, haben nur einen Mittelgang und bieten Platz für etwa 150 bis 180 Passagiere. Diese „Mittelklassewagen der Lüfte“ sind für die beiden größten Hersteller Airbus undBoeing die Brot-und-Butter-Flugzeuge, mit denen sie das große Geld verdienen und andere Programme subventionieren. Mehr als 5100 Maschinen der A320-Familie sind bisher ausgeliefert worden, die gegenwärtige Boeing-737-Generation ist in knapp 4000 Exemplaren unterwegs. Und obwohl beide Typen in die Jahre kommen – die A320 fliegt seit 25 Jahren, die aktuelle Version der 737 seit 15 Jahren, das Urmodell ist gar schon 44 Jahre alt – verkaufen sie sich weiter wie geschnitten

Brot: Weit mehr als 3000 unerfüllte A320-Aufträge stehen noch bei Airbus in den Auftragsbüchern, etwa 2500 737-Bestellungen bei Boeing. Airbus fährt daher gerade die Produktion der A320-Familie in Hamburg und Toulouse so hoch wie noch nie: Alle 6,5 Arbeitsstunden wird eine A320 fertiggestellt. „Solche Fertigungsraten hat es im zivilen Flugzeugbau noch nie gegeben, das kann man nur mit dem Bau von Militärflugzeugen in Kriegszeiten vergleichen“, sagt Airbus-Programmchef Tom Williams. Kein Wunder also, dass die beiden Hersteller nicht daran interessiert sind, anstelle ihrer bisherigen Bestseller bald teure Nachfolgemodelle auf den Markt zu bringen. Die Masse der Passagiere wird deshalb auch die nächsten Jahrzehnte mit Flugzeugen unterwegs sein, die in ihren Ursprüngen aus den Sechziger- oder Achtzigerjahren stammen. „Ich sehe vor 2030 keinen Nachfolger für die A320“, sagt etwa AirbusVerkaufschef John Leahy. Die Hersteller argumentieren, dass es früher nicht möglich sei, ausreichend technologischen Fortschritt zubieten.Erstdieser würdekostspielige Neuentwicklungen rechtfertigen und etwa den Spritverbrauch um 20 Prozent und mehr senken können. Die Fluggesellschaften aber, gebeutelt von hohen Ölpreisen und Emissionsabgaben, fordern seit Langem zeitgemäßere Angebote. Airbus und Boeing haben sich daherzuKompromissenentschlossenund bie-

ten jetzt überarbeitete Versionen ihrer bisherigen Modelle mit moderneren und größeren Triebwerken an. Ganz so einfach ist das aber nicht, das Hauptproblem besteht darin, größere Triebwerke unter den Tragflächenvon bestehenden Flugzeugen unterzubringen, die seit Jahrzehnten mit kleineren Motoren fliegen. „Wir müssen das so simpel wie möglich machen“, weiß Jim Albaugh, der Ende Juni überraschend abgelöste Chef von Boeings Zivilsparte. Das ist kaum möglich – gerade für Boeing. Die Ur-737 von 1968 hatte zwei Motoren mit gerade mal 1,37 Metern Durchmesser,dafürist dieStruktur des Flugzeugs ausgelegt. Modernste Triebwerke, vor allem der revolutionäre Getriebefan von Pratt & Whitney, messen aber mehr als zwei Meter. Schon die bisherigen 737- Triebwerke von CFM sind gut an den fischmaulähnlichen, unten abgeflachten Einlässen zu erkennen – Ausdruck des Dilemmas: Bei den niedrig angebrachten Tragflächen wird der Abstand zwischen Triebwerk und Boden gefährlich klein. Mindestens 43 Zentimeter Freiraum müssen es sein, um nicht mit den Lampen der Bahnbefeuerung zu kollidieren. Daher kann Boeing für ihre erneuerte 737-MAX-Familie auch nicht den Getriebefan als Antriebsoption anbieten. Stattdessenbehilftsichder Herstellermit verbesserten CFM-Motoren, die nicht mehr als 1,73 Meter Durchmesser aufweisen. Ob dafür das Fahrwerk modifiziert werden muss, steht noch nicht endgültig fest. Airbus hält

Neu aufgelegt: Die Brot-und-Butter-Jets von Airbus (A320, oben) und Boeing (B737) erhalten künftig neue, weniger sprithungrige Triebwerke.

mitder A320neo (neo für „NewEngine Option“, neue Triebwerksoption) dagegen und kann bei minimalen Veränderungen am Flugzeug auch den Getriebefan einbauen. Da die Airlines keine andere Wahl haben, ordern sie: Airbus konnte binnen Kurzem für die A320neo rund 1300 Festbestellungen entgegennehmen, dazu noch Hunderte Optionen. Boeing zögerte lange mit der Entscheidung für die 737 MAX und hinkt beim Absatz noch hinterher, mit insgesamt rund 1000 Orders und Optionen liegt der Anteil an Festaufträgen deutlich unter denen für die A320neo. Diese Woche beginnt im britischen Farnborough die Luftfahrtschau, auf der weitere Kaufzusagen für beide Modelle erwartet werden. Dann wird sicher auch der Streit wieder losgehen, welches Modell im Vergleich zu welchem wie viel Sprit sparen kann – die entscheidende Frage. Airbus behauptet, die A320neo sei acht Prozent sparsamer als die 737-8 MAX. Boeing, wo noch nicht einmal das Design der neuen Familie verabschiedet wurde, verkündet genau das Gegenteil. Der Markt ist groß genug für beide, plus künftige neue Wettbewerber etwa aus China, Russland und Kanada. Airbus rechnet damit, dass in den nächsten zwei Jahrzehnten auf dem Weltmarkt 27 000 Flugzeuge dieser Größenordnung verkauft werden, Boeing kalkuliert sogar mit 32 500. Ein Milliardenspiel,beidem wenigeZentimeter Bodenfreiheitfür dieTriebwerksgondeln dieentscheidende Rolle spielen. ANDREAS SPAETH


34 MOBILES LEBEN

Montag, 9. Juli 2012, Nr. 156 DEFGH

Die Beschleunigung des Laderaums Neue BMW Dreier Touring und ActiveHybrid 3 – mehr Platz, mehr Effizienz, mehr Geld: zwei Modelle mit großen Ambitionen und kleinen Fehlern. Technik und Platzangebot überzeugen, doch in Anmutung und Materialqualität liegt die Konkurrenz aus Stuttgart und Ingolstadt eindeutig vorn VON GEORG KACHER

E

r ist der Liebling aller Dreier-Kunden und im Großraum München fast so häufig im Straßenbild vertreten wie anderswo der Golf: Der kompakte Touring von BMW ist in fünfter Generation nicht nur erwachsener geworden, er übertrifft mit 495 Liter Laderaumvolumen sogar den A4 Avant und die C-Klasse. Das Fassungsvermögen hat gegenüber dem Vorgänger um 35 bis 115 Liter (bei umgeklappten Rücksitzen) zugelegt. Leichter zu beladen ist der Kofferraum außerdem, denn die Ladekante wurde auf 62 cm abgesenkt und die lichte Breite wuchs auf 95 cm. Die Heckklappe öffnet und schließt aufpreisfrei elektrisch. Und wenn man 570 Euro für den schlüssellosen Komfortzugang ausgibt, dann reicht eine Wischbewegung mit dem Fuß, und die Ladeklappe schwingt automatisch nach oben. Die Heckscheibe kann wie gehabt separat geöffnet werden, das Abdeckrollo verschwindet bei Nichtgebrauch in einem Staufach im Kofferraumboden, die Fondsitze sind im Verhältnis 40:20:40 geteilt und umlegbar, ein Verstausystem mit Schiene, Gurt und vier Fixierpunkten macht Schluss mit dem Tohuwabohu im Frachtfach. Alles richtig gemacht – sogar an Aussparungen für die Köpfe der Fondpassagiere hat man gedacht. Wir fuhren den Touring als 328i (ab 39 150 Euro) mit Luxury-Paket, Sportautomatik, adaptivem Fahrwerk und variabler Sportlenkung. Die Luxury Line bietet für einen Aufpreis von 3720 Euro Ledersitze, 19-Zoll-Alus und innen wie außen viel Chrom. Leider fällt der neue Dreier in Bezug auf Anmutung und Materialqualität gegen den Mercedes und vor allem den A4 deutlich ab. Die Oberflächen wirken zwar nicht ganz so billig wie im Einser und im X1, aber bei Narbung, Haptik, Passung (Handschuhfach!) und in Bezug auf die Werkstof-

MARKEN & MODELLE

Form und Inhalt: Den BMW Dreier wollten schon bisher viele Kunden am liebsten als Kombi. Der neue Touring dürfte da keine Ausnahme machen. fe besteht Handlungsbedarf. Vor allem die in hellen Farben gehaltene Modern Line untergräbt mit schlecht ablesbaren Instrumenten und fragwürdigen Applikationen längst gefestigte Markenwerte. Weil wir schon beim Kritisieren sind: Der Langsamfahrkomfort der Notlaufreifen ist mager, die Sportlenkung (200 Euro) ist speziell in der Position Sport+ des Fahrerlebnisschalters ausgesprochen giftig untersetzt, das adaptive Fahrwerk (1100 Euro) erweitert das Spektrum nicht gleichmäßig, sondern einseitig in Richtung mehr Dynamik, die

an sich überlegenswerte Sportbremse (700 Euro) gibt es nur in Verbindung mit dem teuren Sportpaket (4100 Euro). Die Modellbezeichnung 328i klingt nach Sechszylinder, doch unter der Haube tun stattdessen abgezählte vier Zylinder Dienst – das aber mit Begeisterung. Mit dem 245 PS starken 2,0-Liter-Motor spurtet der Kombi in 6,0 Sekunden von null auf 100 km/h, ist 250 km/h schnell und konsumiert nach EU-Norm 6,5 l/100 km. Das drehfreudige Turboaggregat klingt allerdings kerniger und angestrenger als der

klassische Reihensechser. Der überlebt nur im 335i (2013), im M3 (2014) und im noch nicht bestätigten M340i mit 340 PS. Ab November ist der Touring mit sechs verschiedenen Motorisierungen vom 316d (ab 32 350 Euro) mit schlanken 116 PS bis zum 258 PS starken 330d (ab 46 150 Euro) bestellbar. Ja, richtig, der Top-Diesel mit dem optimierten Sechszylinder ist fast 5000 Euro teurer als der nur 13 PS schwächere 328i. In Wartestellung lauern der 218 PS starke 325d, der 335d mit 286 PS und der 320d EfficientDynamics mit 163 PS, die alle im

Mit gutem Beispiel hinterher Der neue Fiat 500L wandelt optisch auf den Spuren des Mini Countryman

Kaum hat Mercedes den neuen CLS Shooting Brake der staunenden Öffentlichkeit präsentiert legt die Hochleistungsdivision AMG mit der hauseigenen Variante des Edel-Kombis nach. Der CLS 63 AMG Shooting Brake kombiniert aus dem inzwischen gut gefüllten Teileregal den bekannten V8-Biturbo mit 5,5 Liter Hubraum und einem beeindruckenden Leistungsspektrum von 386 kW (525 PS) bis 410 kW (557 PS) mit dem automatisierten Siebengang-Sportgetriebe und dem AMG Sportfahrwerk. Man fährt damit einen der größten Laderäume (1550 Liter) in dieser Leistungsklasse spazieren, muss aber damit rechnen, dass sich der Kontostand um mindestens 117 513 Euro dezimiert. Die besonders exklusiv ausgestattete Edition 1 verlangt sogar 128 639 Euro. Interessenten müssen sich gedulden, die Markteinführung ist erst für Oktober vorgesehen.

Mini lebt es vor, Fiat macht es nach: Lifestyle als Verkaufsanregung, und das mit immer mehr Modellen einer Baureihe. Die Italiener verlassen sich dabei auf den 500. Die Retro-Knutschkugel, seit fünf Jahren auf dem Markt, fand bislang mehr als 800 000 Käufer. Im Oktober schicken die Italiener nun eine weitere 500er-Variante an den Start, den 500L, wobei L nicht für langweilig, sondern schlicht für Large (groß) steht. Dabei ist der knapp über vier Meter lange Minivan eigentlich gar keine echte Variante. Denn der 500L ist weder technisch mit dem Cinquecento verwandt, noch sieht er ihm wirklich ähnlich. Viel eher erinnert er optisch an den Mini Countryman. Aber gut kopiert ist nun mal besser als schlecht erfunden. Technisch jedenfalls basiert der neue Fiat aufder Plattform des Grande Punto und so wie es aussieht, werden für den Kleinen mindestens 15 600 Euro verlangt, ist aus der Turiner Zentrale zu hören. Offiziell will man das erst später verkünden.

Mag die Form auch auf Vorbehalte stoßen, tadellos ist jedenfalls das Interieur. Es wirkt modern, frisch, aufgeräumt und funktional. In der höchsten Ausstattung bekommt man eine hübsch lackierte Armaturentafel wie im 500. Raumangebot und Platzverhältnisse überzeugen. Auch hinten können Erwachsene sitzen ohne Wadenkrämpfe oder Beulen am Kopf. Hinter sich wissen sie einen Kofferraum von 343 Litern Fassungsvermögen, der sich mittels der verschiebbaren Rückbank auf 400 Liter erweitern lässt. Praktisch: Der doppelte Ladeboden lässt verschmutzte Utensilien unsichtbar verschwinden. Lehnen und Sitzflächen sind 60:40 geteilt und können umgeklappt gegen die Rückseite der Vordersitze gestellt werden. Für langes Ladegut (bis 2,40 Meter) lässt sich sogar die Beifahrerlehne waagerecht nach vorne klappen. Ist bis auf den Fahrersitz alles flach gelegt, passen 1310 Liter in den 500L. Die Motoren stammen allesamt aus

Ob der Sommer gerade angefangen hat, oder schon vorbei ist, muss sich noch zeigen. Honda bietet jedenfalls den Allrounder CBF 1000F bereits jetzt zum Sommerschlussverkaufspreis an. Die 107 PS-starke sportliche Tourenmaschine kostet also 9990 Euro, das sind 1165 Euro weniger als regulär. Unter den neuen Supersportwagen der letzten Zeit gehört der McLaren MP4-12C zu den positivsten Überraschungen. Hohes technisches Niveau trifft auf beste Materialien, solide Verarbeitung und eine geradezu beispielhafte Spreizung der Fahreigenschaften zwischen Alltagstauglichkeit und Rennstreckenreife. Jetzt legt der Hersteller nach. Mit dem 12C Spider will man Konkurrenten wie dem Ferrari Italia Spider die Stirn bieten. Der V8-Doppelturbo mit 625 PS, der seine Kraft über ein

Doppelkupplungsgetriebe überträgt, sollte dafür ausreichen, die mögliche Höchstgeschwindigkeit wird mit 333 km/h angegeben. Um sie zu erreichen, empfehlen wir unbesehen, das Hardtop vorher (elektrisch) zu schließen. Dass der 12C Spider mindestens 231 650 Euro kostet, wird für die gewünschte Exklusivität sorgen. Und noch ein Sonderangebot: Den Viertakt-Roller Kisbee von Peugeot gibt es bis zum 30. September für 1299 Euro. Der Viertakt-Motor mit 50 cm3 leistet immerhin 3,7 PS und begnügt sich mit 6,5 Liter. Das reicht für 200 km mit einer Tankfüllung. JRE

Kleiner Bulle: Der neue Fiat 500L bietet Platz und einen wandelbaren Innenraum.

dem Konzern-Regal. Es sind zwei Benziner und ein Diesel, nächstes Jahr soll ein weiterer Selbstzünder folgen. Die meisten Kunden dürften sich für den 1,4-Liter-Vierzylinder-Benziner mit 95 PS entscheiden. Er ist zwar kein Musterbeispiel an Agilität und Durchzugsvermögen, doch läuft er ruhig und reicht allemal fürs Vorankommen. Sogar, ohne viel zu schalten: Nicht einmal langsames Abbiegen mit weniger als 30 km/h erzwingt den niedrigen zweiten Gang. Da kann das angebliche Öko-Motörchen TwinAir nicht mithalten. Der nur 900 Kubikzentimeter kleine Zweizylinder leistet dank Turboaufladung zwar 105 PS, ist aber nicht stadtfreundlich übersetzt. Zudem vermittelt sein knurriges Geräusch kein souveränes Fahrgefühl und er verbraucht deutlich mehr, sobald Leistung verlangt wird. Der Normwert von 4,8 Liter blieb jedenfalls auf ersten Testfahrten Illusion. Dieselfreunden bietet Fiat den bekannten 1,3-Liter-Vierzylinder mit 85 PS an, der 4,2 Liter verbrauchen soll. Beide Benziner fahren mit Sechsganggetriebe, der Diesel ist mit fünf Gängen unterwegs. Eine Automatik gibt es für den 500L nicht. Schier Unerschöpfliches bietet der kleine Fiat, wenn es darum geht, aus 333 Kombinationen von Karosserietönen, Dachfarben und Felgen-Design seinen ganz persönlichen 500L zu komponieren. Hinzu kommen aus dem Zubehörprogramm „Lineaccessori“ über weitere 100 Zutaten. Und wie weit Italiens Automarke Nummer eins künftig das Thema Lifestyle und Genuss treibt, zeigt erstmals ein Feature an Bord, das bald auch in anderen Modelle zu finden sein wird. In Zusammenarbeit mit Lavazza entstand eine handliche Kaffeemaschine. Klein wie eine Halbliter-Thermosflasche wird sie in eine spezielle Docking-Station gesteckt und brüht unterwegs frischen EsMICHAEL SPECHT presso.

Verlauf des nächsten Jahres auf den Markt kommen sollen. Schon im Spätherbst startet der permanente xDrive-Allradantrieb. Der um 40 Kilo leichtere und zehn Prozent verwindungssteifere neue Dreier Touring ist wendig, flink, agil, immer noch relativ kompakt, übersichtlich, auch ohne Sportline oder M-Paket erfreulich dynamisch, dabei stets gutmütig und beherrschbar. Die Sportautomatik mit den intuitiven Schaltpaddeln am Lenkrad würden wir uns ohne weiteres gönnen, aber schon die spröden 19-Zöller müssen nicht unbedingt

sein, außer für die Optik natürlich. Und bei Lenkung und Fahrwerk wirkt die Normalabstimmung harmonischer als die schärfer gewürzten Aufpreis-Alternativen. Das bestätigt auch der entsprechend bestückte ActiveHybrid 3 (ab 52 300 Euro), der trotzdem sehr sportlich bewegt werden kann. Wer die Systemleistung von 340 PS und 450 Nm voll ausnutzt, den beschleunigt der Hybrid in hurtigen 5,3 Sekunden von null auf 100 km/h. Trotz 135 Kilo Mehrgewicht und Sechs- statt Vierzylinder liegt der Mixverbrauch mit 5,9 l/100 km fast einen Liter unter dem 328i. In der Praxis darf mit Werten um acht Liter gerechnet werden – nicht schlecht für einen Saubermann, der von null auf 100 km/h gegenüber dem M3 nur eine halbe Sekunde einbüßt. Apropos einbüßen: Das Kofferraumvolumen ist zwar um 90 Liter geschrumpft, doch der Akku unterm Boden baut flach genug für eine ebene Durchlade. Natürlich hätte ein Vierzylinder-Hybrid besser zum Dreier gepasst, aber BMW hat sich nun mal im ersten Schritt auf den Full Hybrid mit Sechszylinder konzentriert, der auf den Benziner-Märkten USA und China besser ankommt. 2014 soll der erste weißblaue Plug-in-Hybrid vorgestellt werden. Der kann dann auch gezielt auf Knopfdruck elektrisch fahren und segeln, emissionsfrei zwischen 30 und 50 km (China) zurücklegen und in mehreren Stufen rekuperieren. Das 2012er-Modell ist trotzdem eine interessante Alternative für Technik-affine Kunden mit grünem Gewissen, denn der Full Hybrid erzieht einerseits den Gasfuß behutsam zum Umdenken, und er geht andererseits bei Vollgas so gut wie ein V8. Es braucht nicht viel Übung, um geschmeidig im E-Modus anzufahren, bis zu vier Kilometer weit mit maximal 75 km/h emissionsfrei dahinzugleiten oder durch einfaches vom Gas gehen bis Tempo 160 in den Segelbetrieb zu wechseln.

KURZ GEFAHREN

Erleichtert Mitsubishi Outlander: weniger Gewicht, bessere Motoren Mitsubishi ist eher eine automobile Randerscheinung in Deutschland, zu den wenigen Modellen, die man kennt, gehört, wenn schon, der Outlander. Im September kommt jetzt die dritte Generation des SUV auf den Markt. Das Design haut einen eher nicht vom Hocker, aber wenigstens vermeidet es alle Kantenexzesse. Klar und funktional geht es auch innen zu: Reduzierung auf das Wesentliche, keine Gimmicks, gute Materialien und schöne Oberflächen. Das Platzangebot für bis zu sieben Personen ist großzügig, vorne wie hinten sitzt man sehr bequem, mit viel Übersicht. Die zweite Sitzreihe lässt sich in Längsrichtung verschieben, die dritte Bank (Aufpreis) liegt versenkt im Boden und ist mit wenigen Handgriffen hervorgeholt. Leider hat der Neue die praktische horizontal geteilte Klappe des Vorgängers nicht mehr. Zu teuer und zu schwer, sagt Mitsubishi. Mehr als 100 Kilo hat der Neue abgespeckt, die Antriebe wurden optimiert. Den alten 2,4-Liter-Benziner mit 177 PS schickte man aufs Altenteil, den Diesel ebenfalls. Nun hat man die einfache Wahl zwischen einem Diesel und einem Benzi-

ner, beide leisten 150 PS. Mit dem sehr niedrig verdichteten 2,2-Liter-Selbstzünder bietet man nach eigenen Angaben den sparsamsten SUV im Segment. Außerdem ist der neue Outlander deutlich leiser geworden, er fährt sich handlicher und federt komfortabler. Dazu passt bestens die neu entwickelte (optionale) Sechsgangautomatik. Die gibt es aber nur für Diesel und Allrad. Sowieso ist die Aufpreispolitik recht unverfroren. Beispiel: Wer Assistenzsysteme wie Abstandsradar, Auffahrwarnung und Spurhaltung an Bord haben möchte, muss sich für den Dieselmotor mit Automatik und die höchste Ausstattung Instyle entscheiden. Benzinerkäufer gehen leer aus. MICHAEL SPECHT

2.0 Vierzylinder-Benziner 2WD: 110 kW/150 PS; max. Drehmoment 195 Nm bei 4100/min; 0-100 km/h: 10,6 s; Vmax: 190 km/h; Verbrauch: 6,9 l; CO2: 157 g/km. 2.2 Vierzylinder-Diesel: 110 kW/ 150 PS; max. Drehmoment 380 Nm bei 1750-2500/min; 0-100 km/h: 9,7 s; Vmax: 200 km/h; Verbrauch: 5,5 l; CO2: 143 g/km. Kofferraumvolumen 591 bis 1741 Liter; Gewicht 1380-1555 kg.

Vorsicht, Falle Baustellen sind die Gefahrenzone Nummer eins auf den Autobahnen. Neueste Crashversuche verdeutlichen das Risiko Reisezeit, Stauzeit: Im vergangenen Jahr summierten sich 189 000 Autobahnstaus auf eine Gesamtlänge von fast einer halben Million Kilometer. Schuld daran waren und sind vor allem Baustellen. Autobahnen sind zwar an sich die sichersten Straßen, doch an Baustellen werden sie sogar gefährlicher als der Stadtverkehr: Enge Fahrspuren, das Durcheinander von gelben Markierungen und regulären weißen Spurbegrenzungen sowie Arbeiter und schweres Gerät neben der Fahrbahn sorgen für Irritation und Ablenkung. Kommen Nässe, Dunkelheit oder Blendung durch Gegenverkehr hinzu, wird es schwierig, dem Spurverlauf zu folgen. Nur 19 Prozent der Befragten fühlen sich in Autobahnbaustellen sicher, ergab die Studie Verkehrsklima in Deutschland 2010. Jeder sechste Fahrer bekommt es danach sogar mit der Angst zu tun – nicht unbegründet, wie die Unfallstatistik zeigt: Rund sieben von 100 Unfällen auf Autobahnen passieren in und um Baustellen, meist mit gravierenden Folgen. Wer einen Lkw in einer engen Spurverschwenkung ohne Leitplanken touchiert, kann leicht im Gegenverkehr landen. In aktuellen Crashtests rekonstruierten Dekra und die Versicherungsgruppe Axa eine solche Baustellensituation im schweizeri-

schen Wildhaus. Vor der Kollision drängte ein Transporter den links neben ihm fahrenden Kleinwagen auf die Gegenfahrbahn. Dieser prallte mit zirka 50 km/h in ein entgegenkommendes Fahrzeug mit demselben Tempo. Bei der heftigen Frontalkollision wurde der Kleinwagen von dem Transporter auf der rechten Spur eingeklemmt. Aufgrund der Sandwich-Positi-

on kollabierte die Fahrgastzelle, Sicherheitsgurt und Airbag konnten ihre Wirkung nicht richtig entfalten – mit potenziell tödlichen Folgen. Schon ein kurzer Moment der Unaufmerksamkeit kann auf den teils nur zwei Meter breiten Fahrspuren zum Verhängnis werden. Erschwerend kommt hinzu, dass viele (Gelände-)Wagen inklusive

Außenspiegel bereits mehr als zwei Meter Breite messen. Damit dürften sie in den meisten Autobahnbaustellen gar nicht die linke Spur befahren. Wer durch häufige Staus aber zu spät dran ist, reagiert auf die Bummelei oft genervt. Viele Fahrzeuglenker, die sich über Baustellen aufregen, neigen nicht nur zu unbedachten Überholmanövern, sondern auch zum rasanten Gasge-

Wenn’s kracht, dann richtig: Die Crashtests von Dekra und Axa simulieren eine Kollision zwischen drei Fahrzeugen in einer Baustelle. Ein Transporter drängt dabei einen mit 50 km/h neben ihm fahrenden Kleinwagen in den Gegenverkehr ab.

ben, wenn das Ende der Baustelle in Sicht ist – eine zusätzliche Gefahrenquelle. Ärger kann auf langen Fahrten genauso gefährlich werden wie Müdigkeit oder Ablenkung. In Kombination mit ungewohnten, teils schwer erkennbaren Verkehrsführungen sorgen diese Faktoren selbst bei geübten Fahrern für Stress. Wo das menschliche Auge bisweilen überfordert ist, kommen elektronische Systeme zur Spurführung noch viel eher an ihre Grenzen. Klassische Spurhalteassistenten arbeiten mit einer Kameratechnik, die sich von beschädigten Markierungen leicht in die Irre leiten lässt. Im Rahmen der Forschungsinitiative „Aktiv“ demonstrierte Continental daher vor zwei Jahren einen innovativen „Baustellenassistenten“, der Radar- und Kameratechnologie miteinander kombiniert. Das System erkennt sowohl Fahrspurbegrenzungen als auch vorausfahrende, auf gleicher Höhe befindliche sowie vor dem Fahrzeug ein- und ausscherende Verkehrsteilnehmer. Der Fahrer wird mit Rückmeldungen am Lenkrad intuitiv in Richtung Fahrbahnmitte geführt. Zudem warnt es ihn vor drohendem Auffahren und leitet notfalls eine aktive Gefahrenbremsung ein. Einsatzbereit ist der Assistent laut Continental JOACHIM BECKER aber nicht vor 2016.


MOBILES LEBEN 35

DEFGH Nr. 156, Montag, 9. Juli 2012

Klangexplosion im Kinosaal

TECHNIK & TRENDS Und plötzlich ist da wieder eine Treppe: Menschen mit Behinderung fällt es oft schwer, sich im Alltag ohne Hilfe zu bewegen. Mit der App MyHandicap versucht die gleichnamige gemeinnützige Stiftung, eine umfassende Datenbank öffentlicher Orte und ihrer Barrierefreiheit anzulegen, die sich vom Smartphone aus abrufen lässt. Bisher gab es die App nur für Apples iPhone, nun wurde auch eine Version für Handys mit Googles Betriebssystem Android fertiggestellt. Sie kann unter der Adresse www.myhandicap.de/myadress.html kostenlos heruntergeladen werden. Auch die Nutzung der App ist kostenlos.

Denkt man an Mehrkanal-Sound im Kino, denkt man an Dolby. Nun haben die Soundspezialisten ein neues Verfahren entwickelt, das die Zuschauer noch mehr als bisher in Bann ziehen soll. Doch damit das Publikum „Atmos“ erleben kann, müssen die Kinos erst umgerüstet werden VON HELMUT MARTIN-JUNG

E

s ist die perfekte Szene für jeden Trailer, vor allem aber für diese exklusive Vorführung im brandneuen Kinosaal von Dolby im Londoner Stadtviertel Soho: In „Mission Impossible IV“ rasen die Protagonisten während eines Sandsturms in Dubai in ihren Autos aufeinander zu. Beide können noch rechtzeitig abspringen, aber eines der Autos fliegt mit aufheulendem Motor über Hauptdarsteller Tom Cruise hinweg, der sich gerade noch so wegduckt, bevor ihn das Auto erwischen kann. Noch nie hat man diese Szene akustisch so realitätsnah mitbekommen wie hier. In dem kleinen Kinosaal steckt Dolbys jüngste Entwicklung, die, so hofft man, die Zuschauer in die Kinos locken wird: „Atmos“ ist ein neues Verfahren, Rundumklang im Kino zu verwirklichen.

Bis zu 15 Stunden lang soll die mobile Freisprecheinrichtung ohne Aufladen funktionieren, die der deutsche Hersteller Blaupunkt anbietet. Die BT Drive Free 112 kommt mit SonnenblendenClip, KFZ-Ladegerät und USB-Ladeka-

Per Computerprogramm werden einzelne Soundereignisse im Raum platziert Neu daran ist nicht nur, dass erstmals auch Lautsprecher an der Decke eingesetzt werden. Sie lassen das fliegende Auto und das Heulen des Sandsturms perfekt über die Köpfe der Zuschauer rasen. Mit dem System erhalten die Soundverantwortlichen in den Studios auch ein Werkzeug, das sie in die Lage versetzen soll, Raumklang ganz anders zu gestalten als bisher. Die Sounds im Kino stammen in den meisten Fällen nicht vom Dreh selbst, sondern werden erst bei der Post-Production an riesigen Mischpulten aus Hunderten einzelner Spuren zusammengefügt. Um einzelne Soundereignisse für Systeme mit Raumklang zu bearbeiten, verwenden die Sounddesigner bisher Joysticks ähnlich denen, die man vom Computer kennt. Bei Atmos gibt es dafür eine Software, auf deren Oberfläche einzelne Soundereignisse und ihr Verlauf im Raum während einer Szene platziert werden können. Bis zu 128 davon können nun im Raum verteilt werden, und das mit größerer Präzision als bisher, sagt Hubert Henle von Dolby. Damit das funktioniert, müssen auch die Voraussetzungen im Kino stimmen. In vielen Sälen gibt es heute schon eine Vielzahl von Lautsprechern, und für Atmos braucht man eher mehr als weniger. Wie viele Lautsprecher nötig sind, hängt immer von der Größe des Kinosaals ab. In dem kleinen Vorführraum in London zum Beispiel sind 34 Lautsprecher eingebaut, dazu fünf Tieftöner, sogenannte Subwoofer, einer davon auch an der Decke. In größeren Filmtheatern, die für Atmos umgebaut werden, könnte ihre Zahl auf mehr als hundert steigen. Den Rest erledigt die Software von Dolby. Je nachdem, wo die Soundverantwortlichen die Klänge platziert haben, werden sie im Kinosaal dann auch wiedergegeben – egal, ob es darin nun 30 oder 120 Lautsprecher gibt. Die Steuerung im Kino über-

bel und kann zwei Handys parallel verwalten. Sofern das via Bluetooth verbundene Mobiltelefon es unterstützt, ermöglicht das Blaupunkt-Gerät Sprachanwahl. Die Preisempfehlung für das Gerät beträgt 39 Euro. Der digitale Videorekorder für iPad und iPhone, Tizi+, und der mobile TVEmpfänger Tizi können nun auch mit einer externen Antenne verbunden werden, was die Empfangsqualität in Gegenden mit schwachem Signal verbessert. Hersteller Equinux (www.tizi.tv) bietet dazu für 9,90 Euro einen Adapter an, in den man Antennen einstöpseln kann. Wo bewegt sich welches Klangereignis im Raum hin? Mit Dolbys neuem System Atmos kann dies einfacher, aber auch präziser festgelegt werden als bisher, sagt der Hersteller. Auch bei älteren Filmen könnte der Sound noch einmal neu abgemischt werden, was aber einigen Aufwand bedeutet. nimmt ein spezieller Server-Rechner von Dolby, in dem digitale Signalprozessoren arbeiten. Um dieses System erstmals einzurichten, hat Dolby ein standardisiertes Messverfahren entwickelt und zumindest jetzt, wo man sich noch in der Probephase befindet, nimmt Dolby seine Kunden auch an die Hand und hilft ihnen mit eigenen Technikern bei der Einrichtung. Noch bis Jahresende sollen weltweit etwa 20 Kinosäle auf Atmos aufgerüstet sein, darunter auch zwei in Deutschland, ein Kino in Berlin und eines in München. Ist ein Saal erst einmal kalibriert, brauchen die Kinobetreiber nur noch die fertigen Digital Cinema Packages abzuspielen. In diesem standardisierten Format sind alle Audio- und Videodaten verpackt. Auf Anlagen, die nicht umgebaut sind, wird der Sound im herkömmlichen Verfahren ausgegeben. Für die Vorführung hatte Dolby einige Soundexperten sowie den Regisseur Rodrigo Cortés und dessen Soundtechniker gebeten, einige Szenen jüngerer Filme neu zu be-

arbeiten. Auch wenn die spektakulären Actionszenen nicht fehlen durften, noch beeindruckender gerieten gerade die leisen Szenen. Da ist etwa der Schaukelstuhl, der sich in „Die Frau in Schwarz“ plötzlich von alleine in Bewegung setzt. Der Sound dazu besteht aus zehn einzelnen Spuren (Henle: „Das können Sie so niemals aufnehmen“). Doch der Kinobesucher bekommt das gar nicht mit. Im Kontext des Films wirkt das Geräusch unheimlich, und das wird noch verstärkt dadurch, dass es bei einem Schnitt plötzlich aus der gegenüberliegenden Ecke des Raumes kommt. Und dann ist da noch Hauptdarsteller Daniel Radcliffe, der ein mechanisches Spielzeug nach dem anderen aufzieht – ein jedes von ihnen ist deutlich an einer anderen Stelle des Zimmers zu hören – in solchen eher ruhigen Szenen spielt das neue System seine Vorteile fast noch eindrucksvoller aus. So hübsch die Effekte aber auch sein mögen – werden die Kinobetreiber, gebeutelt durch Zuschauerschwund und Investitionen in die Digitaltechnik, nun auch noch

Geld ausgeben für besseren Sound? Bei Dolby rechnet man fest damit. Künstlerisch ergäben sich ganz neue Möglichkeiten, und das Publikum könne die neue Technik nur im Kino erleben. Zumindest vorerst –denn ganz ausschließen will man natürlich nicht, dass es irgendwann auch Geräte für Heimnutzer geben wird, inklusive Lautsprechern für die Decke. Atmos eignet sich übrigens nicht nur für neue Produktionen,

Der Softwarekonzern Microsoft will dafür sorgen, dass viele Kunden möglichst früh auf das neue Windows 8 umsteigen. Wer jetzt noch einen PC mit Windows 7 kauft, erhält für 14,99 Dollar ein Update. Das neue System wird außerdem auch für Kunden verbilligt abgegeben, die eine Lizenz von Windows XP, Vista oder 7 haben. Für 40 Dollar kann man sich die Pro-Version von Windows 8 herunterladen. Wann Windows 8 auf den Markt kommt, ist noch nicht bekannt, man rechnet damit im Herbst. MA

auch ältere können neu abgemischt werden – die Originaldaten seien in den allermeisten Fällen noch vorhanden, sagt Henle. So könnte beispielsweise Francis Ford Coppolas „Apocalypse Now“, dessen Tonmeister Walter Murch dafür das 5.1-Tonverfahren Channel Array erfand und prompt einen Oscar erhielt, davon durchaus profitieren – allein die Hubschrauberflüge zu Wagners Walkürenritt wären es wert.

www.dasweltauto.de

äng l r e v e i t n a Gar

erung

Schnell hin, bevor alle weg sind. Die jungen Gebrauchten von Volkswagen. Golf ,2 L Trendline 77 kW TSI 2 Und jetzt auch von oben: In diesem Kinosaal sind auch an der Decke Lautsprecher angebracht – eine der Besonderheiten des neuen Soundsystems Atmos. Bald werden auch in Deutschland Kinos damit ausgestattet werden.

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Unter Verschluss Ein Zusatzprogramm macht Einträge bei Facebook und Co. nur für Berechtigte lesbar Geschrieben ist geschrieben, geklickt ist geklickt: Wer im Überschwang der Gefühle Tweets, Blogs oder Einträge auf sozialen Netzwerken veröffentlicht hat, tut sich oft schwer, sie wieder aus der Welt zu schaffen. Doch irgendwann können unbedachte Äußerungen auf den Autor zurückfallen, etwa wenn der Personalchef in Facebook über den Bewerber recherchiert. Wave Systems, ein amerikanisches ITUnternehmen, versucht nun, dem Nutzer wieder mehr Kontrolle zurückzugeben. Wave ist bisher eher als Unternehmen der Sicherheitstechnologie bekannt. Mehr als 60 Millionen Laptops weltweit arbeiten mit einem Crypto-Chip von Wave. Nun wagen sich die Amerikaner an Software: „Scrambls“ heißt das kleine Zusatzprogramm für Internet-Browser wie Firefox oder den Internet Explorer. Die Grundidee dahinter ist ziemlich einfach: Ist die Software installiert, erscheint in der Browser-Werkzeugleiste eine neue Schaltfläche für Scrambls. Draufgeklickt, kann man wählen, ob man den gesamten Text oder nur Teile eines Textes verschlüsseln will. Dazu müssen die zu chiffrierenden Textabschnitte am Anfang und am Ende mit zwei at-Zeichen (@@) gekennzeich-

net werden. Heraus kommt dabei ein Buchstabensalat. Allerdings ergibt die Prozedur nur Sinn, wenn alle Empfänger der Nachricht ebenfalls Scrambls installiert haben – und man diese Adressaten explizit für die eigenen Postings freischaltet. In der Praxis dürfte es nicht leicht sein, die oft zahlreichen Facebook-Freunde zu überzeugen, diese etwas

„Wir wissen, dass wir mit Daten sehr sensibel umgehen müssen“ umständliche Software zu nutzen. Ein Vorteil von Scrambls ist aber, dass man verschlüsselte Nachrichten mit einem Klick an Empfänger in verschiedenen sozialen Netzwerken schicken kann. Mit Scrambls lassen sich Adressaten auch in Gruppen fassen. Allerdings – und das mag manchen für Datenschutz sensiblen Benutzer irritieren – ist dafür eine Registrierung auf der Scrambls-Website nötig. Zwar werden nur eine E-Mail-Adresse und ein Passwort abgefragt. Aber auch vor der Nutzung von Scrambls muss man sich im Plug-in mit E-Mail-Adresse und Pass-

wort einloggen. „Wir wissen, dass wir damit sehr sensibel umgehen müssen“, sagt Joseph Souren, Europa-Chef des 1988 gegründeten Unternehmens. Der technische Vorgang der Verschlüsselung erfolgt auf dem eigenen Rechner, der Scrambls-Server stellt dann nur die Schlüssel bereit. „Wir lesen nicht mit und wir speichern nichts“, versichert Souren. Danach werden die – jetzt verschlüsselten – Daten zu Facebook & Co. hochgeladen. Auch die sozialen Netzwerke haben keinen Zugriff auf den Inhalt, sondern speichern nur den Buchstabensalat. Scrambls ist für die private Nutzung kostenlos, es können bislang nur Texte verschlüsselt werden. Wave arbeitet an einer Version, mit der auch Foto- und Video-Dateien geschüttelt und gerührt werden können. Dann, ist Souren überzeugt, wird Scrambls auch für Unternehmen interessant. Unklar ist bislang, wie Facebook und andere Dienste auf verschlüsselte Nachrichten reagieren. Leben die sozialen Netzwerke doch davon, dass die Nutzer Einblicke in ihr Privatleben gewähren. „Die User von Facebook werden sicher nicht 100 Prozent ihrer Posts verschlüsseln“, vermutet Souren. OTTO FRITSCHER

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ist nur im Jahr nach Ablauf der Herstellergarantie in Kombination mit einer Finanzierung kostenlos. Ausgenommen sind getunte Fahrzeuge, Fahrschulwagen sowie gewerbsmäßige Personenbeförderungswagen. Angebot gültig bis zum 31.08.2012. 2 Beispiel für einen jungen Gebrauchten aus dem Bestand der Marke Volkswagen PKW. Ein Finanzierungsangebot der Volkswagen Bank GmbH, Gifhorner Str. 57, 38112 Braunschweig, für Privatkunden und gewerbliche Einzelabnehmer mit Ausnahme von Sonderabnehmern. Für Laufzeiten von 12 bis 48 Monaten. Nähere Informationen bei Ihrem Volkswagen Partner. Abbildung zeigt Sonderausstattung gegen Mehrpreis.


36 MOBILES LEBEN

Montag, 9. Juli 2012, Nr. 156 DEFGH

Verbreitert

GESEHEN & GELESEN

Draußen spielen

Der Deutsche ist aus seiner Kleidung rausgewachsen Es gibt wissenschaftliche Studien, denen man einfach dankbar sein muss. Die einem mit unbestechlichem Zahlenmaterial erklären, warum das Hemd spannt und sich der Gürtel eben nicht enger schnallen lässt. Also: Danke, liebes Textilforschungszentrum Hohenstein! Danke, liebe Ergonomiefirma Human Solutions GmbH! Euer gemeinsames Reihenmessungs-Projekt „Size Germany“, sozusagen die Vermessung der Deutschen, sorgt für Erleichterung: Du bist nicht allein! Wir alle sind in die Breite gegangen! Na, Gott sei Dank. Der menschliche Körper hat sich im Laufeder vergangenen Jahrzehnte verändert. Um aktuelle Durchschnittsmaße als Grundlage für Konfektionen zu bekommen,habenWissenschaftler2009mitHilfe von 3-D-Scannertechnologie die Armund Beinlänge sowie Hüft- und Brustumfang von 13 362 Männern, Frauen und Kindernzwischen sechsund 87 Jahrengemessen – nun reagiert die Bekleidungsund Schuh-Industrie der Outdoorbranche darauf. Die Zahlen: Seit der letzten

Das Spektakuläre an den Neuheiten in der Outdoorbranche offenbart sich erst auf den zweiten Blick: neue Materialien, mehr Umweltbewusstsein, schlaue Details

Die Menschen zieht es ungebrochen nach draußen in die Berge, aufs Rad, aufs Wasser. Die Zahlen der größten Branchenmesse belegen den Drang ins Freie.

VON THOMAS BECKER

Z Wenn das Maßband um den Bauch mehr anzeigt, ist das Evolution. Mehr nicht. FOTO: AVANTI Messung 1994 haben sich Frauen endgültigvomSchönheitsidealdersechzigerJahre, der Wespentaille, verabschiedet. Der Taillenumfang hat sich um 4,1 Zentimeter verbreitert, die Hüften um 1,8 Zentimeter; der Brustumfang ist um 2,3 Zentimeter gewachsen. Die letzte Messung der Männer liegt schon 30 Jahre zurück. Ihre Taille ist 4,4 Zentimeterbreiter geworden, dieHüften3,6 ZentimeterunddieBrust7,3 Zentimeter massiver. Auch die durchschnittliche Größe hat sich verändert: Frauen sind rund einen Zentimeter, Männern um 3,2 Zentimeter größer geworden. Obwohl die Umstellung von Maßen in der Konfektion durchaus aufwendig ist, haben viele Outdoor-Hersteller sie vor allem in den Frauenkollektionen berücksichtigt. Funktionswäsche-HerstellerOdlo hat zum Beispiel die Schnitte um ein bis zwei Zentimeter erweitert, in den Größen XL und XXL sogar um drei bis vier Zentimeter, das entspricht also annähernd einer Größe. Auch unsere Füße sind in den letzten 20, 30 Jahren merklich gewachsen, sagen die Forscher. Sie sind zwar nicht länger, dafür aber auffällig breiter geworden. Heinz Feuerecker, Chef-Designer beim Schuh-Spezialisten Lowa, führt das auf das weit verbreitete Tragen von Sneakern und Sportschuhen zurück. Dadurch seien die Vorderfüße breiter und platter geworden und die Ferse generell etwas schlanker. Lowa war übrigens eine der ersten Marken, die sich schon in den achtziger Jahren mit der Entwicklung frauenspezifischer Leisten für Outdoor-Schuhe befasst hat. Der Sohlenumriss des Frauenschuhs ist schlanker geschnitten, die Zehenpartie länger und sowohl Ferse als auch unterer Sohlenbereich schlanker. Verkürzt und etwas gemein könnte man also zusammenfassen: Frauen und Füße sind in die Breite gegangen, Männer auch noch in die Höhe. Jedenfalls muss niemand mehr ein schlechtes Gewissen haben,wenndieHosespannt.DieEvolution ist schuld. THOMAS BECKER

urück zur Natur. Das verlangte JeanJacques Rousseau schon vor rund 250 Jahren. Dass sein Ausspruch mal sinnbildlich für die Entwicklung eines ganzen Wirtschaftszweiges stehen würde, hätte sich der französische Philosoph wohl auch nicht träumen lassen. Und doch beschreibt das Zitat die Entwicklung der Outdoorbranche recht gut. Vom 12. bis 15. Juli stellen die Marktführer und Branchengrößen auf der Händlermesse Outdoor in Friedrichshafen ihre Premieren der Saison 2013 vor: von Bekleidung und Schuhen über Rucksäcke und Schlafsäcke bis hin zu

Camping- und Kletterausrüstung. Mit 907 Ausstellern aus 39 Nationen erreicht die 19. Messeauflage Rekordniveau. Schwerpunktthemen der Messe sind Nachhaltigkeit, Corporate Social Responsibility (CSR), Kinder beim Bergsport, der demografische Wandel, seine Auswirkungen auf die Freizeitindustrie und die Bekleidungstrends der Zukunft. Für die Händler sind die Zeiten der zweistelligen Zuwachsraten vorbei, sagt Matthias Basedow, Marketingsprecher der European Outdoor Group: „Das heißt nicht, dass Outdoorsport weniger im Trend liegt, sondern dass der Markt eine gewisse Größe erreicht hat und die prozentualen Zu-

Columbia Omni-Heat Frostbeulen können sich auf Knopfdruck wärmen: Kleine akkubetriebene Heizelemente werden in Bekleidung, Schuhe oder Handschuhe integriert und leiten die Wärme dorthin, wo sie am dringendsten benötigt wird: bei Jacken an die Handgelenke und in den Rückenbereich. Die Wärmezufuhr lässt sich per Knopfdruck in drei Stufen regeln, die Akkus lassen sich problemlos per USB oder am Stromnetz aufladen.

wachsraten nicht ins Unermessliche steigen. Gerade der deutsche Markt, der trotz Krise so stark war, ist relativ gesättigt. Hier haben wir einen harten Wettbewerb.“ In Deutschland waren die Outdoor-Umsätze in den vergangenen fünf Jahren um 44 Prozent gestiegen – und machten mittlerweile mehr als 20 Prozent des Gesamtumsatzes der Sportartikelbranche aus. Dieses phänomenale Wachstum ist wohl Geschichte, und dennoch ist der Trend zur Bewegung an der frischen Luft ungebrochen, ist Outdoor- und Funktionsbekleidung längst im Straßenbild unserer Städte angekommen. Trailrunning im Sommer und Skitourengehen im Winter sind die Sportar-

ten, die weiterhin den meisten Zulauf haben. Auch wenn spektakuläre Innovationen allmählich rar werden, sind doch dank immer ausgereifterer Technologien wieder ein paar kleine, feine Neuerungen zu entdecken: federleichte Jacken, selbstkühlende Hemden, Helme aus Styropor. Sogar Kork wird mittlerweile verarbeitet. Eltern werden mit Freuden hören, dass Kinderbekleidung nun mitwachsen kann, bei manchen Anbietern an den Säumen und Ärmeln um fünf Zentimeter oder durch eine Naht, die einfach aufgetrennt wird und Ärmel und Hosenbeine um eine komplette Konfektionsgröße größer werden lässt. Die SZ stellt einige Neuheiten vor.

aufgepumpt werden, zum Beispiel auf den ersten Metern einer Wandertour. Ist man wenig später gut aufgewärmt und möchte gerne etwas ausziehen, lässt man einfach Gas ab, bevor man schwitzt, und die Isolierwirkung nimmt ab. Zwiebeltechnik ohne Zwiebel, sozusagen.

steht aus einem laminierten, wasserdichten und nicht elastischen Spanntuch, Aluminiumgestänge und zwölf Nylonfüßen. Mit weniger Aufwand lässt sich wohl kein Bett im Kornfeld aufbauen.

Sirocco von Petzl Wer in die Kletterwand steigt, kann auf Gewicht gut verzichten. 165 Gramm wiegt dieser Kletterhelm des französischen Herstellers Petzl. Selbst am Gurtband wurde Gewicht gespart: Es lässt sich mit einer Hand schließen – per magnetischer Schnalle.

Omni Freeze

Berghaus Vapour Storm Die erste Goretex-Funktionsjacke mit wasserdichtem Belüftungssystem. Die zum Patent angemeldete Front-, Seiten- und Rücken-Belüftung funktioniert hier nicht wie gewöhnlich per Reißverschluss oder Druckknopf, sondern durch eine Art Schuppensystem, das zwar Luft, aber keine Feuchtigkeit eindringen lässt. Regen perlt an mehreren Nähten wie an einer Regenrinne ab.

Ultra Mountain FL ZPole Stöcke sind eigentlich immer im Weg, es sei denn, man braucht die sperrigen Dinger gerade zum Wandern oder auf Skitouren. Diese neuen von Black Diamond sind nur 591 Gramm schwer und sind zu einem kompakten Zorro-Z faltbar.

FOTO: DPA

Klymit Pulaar Jacket

Therm-a-Rest Ultralite

Kommt schwer modisch daher, doch die Noppen-Optik auf Brust und Rücken ist weniger für Laufstegschönheiten gedacht als für Frischluftfreunde, die was gegen Kälte haben – denn Luft ist ein prima Isolator. Die wasser- und winddichte Jacke kann bei Bedarf aus einer Kartusche mit Gas (Argon)

Ein Bett, das auch in einen Rucksack oder eine Fahrradtasche passt: Nur 1,24 Kilo leicht und 41 x 15 Zentimeter klein – im gefalteten Zustand, 61 x 188 Zentimeter im aufgebauten Zustand. Vergleichbare Produkte der Konkurrenz sind mehr als doppelt so schwer. Das Ultralite Feldbett be-

Aufsteigen. Aufschreiben. Absteigen.

Es ist fast zu schön, um warm zu sein: die Columbia-Reihe mit eingebauter Klimaanlage. Die Kleidung kühlt, wenn’s heiß und feucht wird. Um das zu erreichen, enthalten kleine blaue Ringe im Material ein spezielles, kühlendes Polymer. Kommen diese Ringe mit Schweiß oder Feuchtigkeit in Berührung, quellen sie einer Gänsehaut ähnlich auf und erzeugen ein sofortiges, anhaltend kühlendes Gefühl.

Wandernde Kinder haben eine bestechende Logik. Wenn sie eine Gondelbahn sehen und daneben einen Fußweg, dann steuern sie auf die Gondel zu. Sie schauen auf die Menschen, die zu Fuß gehen und fragen: Warum machen die das? Tja, warum. Kindern braucht man dann nicht mit frischer Luft und schönem Wald zu kommen, oder einem guten Gefühl. Wer solche Argumente ins Feld führt, wird schon auf dem Parkplatz die Frage hören: Und wann sind wir da? Ein bisschen Einfallsreichtum ist also gefragt, wenn man Kinder zum Bergwandern animieren will, und der kommt einem am Ende auch selber zugute, weil man so tatsächlich die spannendsten Ecken ausfindig machen wird. Bernd Riffler und Michael Kleemann haben einen Führer mit 25 Wandertouren in den Oberbayerischen Hausbergen zusammengestellt, auf denen es Kindern nicht langweilig wird. Die Autoren geben zu Beginn generelle Tipps für Wanderungen mit Kindern und bieten dann einen Überblick über Sehenswürdigkeiten, die Kinder interessieren können. Die Touren reichen vom Zauberwald bei Ramsau über die kinderfreundliche Riesenhütte bis hinüber in die Partnach- und Höllentalklamm im Wetterstein – Wasser zieht ja immer. Für die meisten Touren allerdings sollten die Kinder schon etwas größer sein, denn eines haben alle gemeinsam: Wenigstens ein bisschen Ausdauer und Freude am Draußensein muss man schon haben. BILU

Michael Kleemann, Bernd Riffler: Mit Kindern in die Oberbayerischen Hausberge. J. Berg Verlag; 96 Seiten; etwa 100 Abbildungen; 9,95 Euro. Im Englischen gibt es einen schönen Ausdruck fürs Verlieben: „Falling in Love“. Den unkontrollierbaren Absturz, der darin enthalten ist, nimmt Kai Schächtele wörtlich. Seit dem Tag, an dem ihm sein Vater die Stützräder abmontierte und die Hofeinfahrt hinunterschubste – und dem darauf folgenden Aufprall auf dem Pflaster – ist es um Schächtele geschehen: Fahrrad fahren bedeutet für ihn das höchste Gefühl von Freiheit, auch wenn es manchmal wehtut. Inzwischen lebt der Junge vom Land in der Großstadt, und als Fahrrad fahrender Schwabe in Berlin gehört er gleich zu zwei Minderheiten, die es im Alltag nicht einfach haben. Selbstherrliche Autofahrer und sadistische Verkehrsplaner machen ihm das Leben schwer. Als Gegenentwurf dazu zeichnet Schächtele das Bild des Radlers als romantischer Desperado, der auch mal blau im Sattel sitzt, bei Rot über die Ampel düst und es einfach nicht verstehen kann, dass das Mädchen, das er auf der Mittelstange seines wunderschönen Fahrrads nach Hause kutschiert, lieber im Cabrio eines anderen Typen säße. Seine Bekenntnisse sind voller Witz und Tiefgang und verkehrspädagogisch garantiert nicht wertvoll – also amüsant. Dabei rechnet er gleich noch nonchalant mit dem Mythos der moralischen Überlegenheit des Radfahrers gegenüber anderen Verkehrsteilnehmern ab. Wer nach der Lektüre dieses Buches immer noch lieber mit dem Auto im Stau steht statt zu radeln, dem ist nicht zu helfen. JT

Kai Schächtele: Ich lenke, also bin ich. Bekenntnisse eines überzeugten Radfahrers. Heyne Verlag; 225 Seiten; 8,99 Euro.

Schluss ist erst am Mount Everest – zumindest höhentechnisch. Bis es soweit ist, dient Ihnen dieses Buch als Aufzeichnungshilfe Ihrer Berg- oder Wandertouren. Von A wie Aufstieg über H wie Höhenmeter bis W wie Wetter – hier können Sie Ihre Touren detailgenau dokumentieren und Ihre Erlebnisse festhalten. Jetzt für 9,90 Euro überall im Handel, unter www.sz-shop.de und im Service Zentrum der Süddeutschen Zeitung, Fürstenfelder Str. 7, 80331 München.

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MEDIEN

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Hassen geht nicht Ein Film über Kindesmissbrauch – durch Mütter

Und plötzlich konnte man die Welt von allen Seiten einsehen. Die Möglichkeit einer Live-Übertragung war vor einem halben Jahrhundert wie ein technologisches Wunder. Der erste Mensch, den man am 23. Juli 1962 in Europa sehen konnte, obwohl er gerade in den USA sprach, war John F. Kennedy. FOTO: DPA

Er ist noch immer da Vor 50 Jahren wurde der erste Telekommunikations-Satellit ins All geschossen. Live-Übertragungen sind heute nicht nur Standard, sondern für Fernsehunternehmen ein wichtiges Angebot im Wettbewerb der Medien geblieben VON BERND GRAFF

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ine kleinere Rhetorik-Münze gab es dafür damals nicht: „Diese Errungenschaft ist ein herausragendes Beispiel auf einem der bedeutendsten Gebiete des menschlichen Strebens. Obwohl sie nur ein Vorspiel ist, öffnet sie die Vision einer Ära der internationalen Kommunikation. Es gibt kein bedeutenderes Gebiet als das der menschlichen Kommunikation, und wir müssen die nun verwirklichten Vorteile nutzen und dieses Medium fortan weise und effizient einsetzen, um eine größere Verständigung der Menschen weltweit zu erreichen.“ Nein, die Rede ist ausnahmsweise mal nicht vom Internet. John F. Kennedy, der 35. Präsident der Vereinigten Staaten, hatte nicht nur die Vision von Menschen auf dem Mond, sondern er sprach am 11. Juli 1962 von einem Satelliten. Das war – vor 50 Jahren – wirklich ein Ereignis: Der Telstar 1, der einen Tag zuvor von Cape Cana-

Auf der Spitze einer „Thor-Delta“-Rakete saß ein 60-Millionen-Dollar-Bällchen veral auf der Spitze einer Thor-Delta-Raketeins All geschickt wurde, war der erste zivile Telekommunikations-Satellit, der neben Telefon-, Fax,- und Daten-Transfers auch die Live-Berichterstattung fürs Fernsehen zwischen den Kontinenten Europa und Amerika ermöglichte. Das war ein kleines Wunder damals und erklärt Kennedys Technologie-Hymne. Zwar kannte die Welt schon Live-Bilder, die Krönung der englischen Königin Elisabeth II. am 2. Juni 1953 etwa war so in die Welt gesendet worden. Doch Live-Schal-

tungen zwischen Kontinenten gab es zuvor nicht – die Signale für die transkontinentale Fernsehberichterstattung liefen bis dahin über Überseekabel, mehrfach verstärkt und natürlich zeitversetzt. Nun aber blickte man wie über einen im Weltraum montierten Spiegel direkt auf den anderen Teil der Erde und schien jenen Satz belegt zu sehen, der auf den Rückspiegeln amerikanischer Fahrzeuge zu lesen ist: „Die Objekte in diesem Spiegel sind näher, als sie zu sein scheinen.“ Die Menschen waren entsprechend aus dem Häuschen. Denn, wie Kennedy schon sagte, man fühlte, dass mit diesem „Vorspiel“ die Zukunft bereits begonnen hatte. Die Berichterstattung über das Wunderding der Technik umfasste denn auch Illustrationen, die jedes Perry Rhodan-Heft als Titelbild hätten schmücken können: Man sah den kugelförmigen Satelliten wie eine kleine geschwätzige Geschwistererde neben unserem Planeten schweben, Linien verdeutlichten die Mikrowellen-RadioStrahlen, die von einem Kontinent auf ihn zuliefen und in Richtung des anderen wieder abstrahlten. Man zeichnete ihn auch als Stern, der hoch über der Ionosphäre den Sonnenpartikeln trotzte. Er hatte Ohren und Augen, mit denen er New York, Paris und Lissabon gleichzeitig fixierte. Man verstand das alles nicht damals, konnte es auch nicht verstehen, wohl auch nicht, dass er seine Energie von 3600 Solar-Panels bezog, die auf seiner Außenhaut angebracht waren. Telstar 1 war eine 60 Millionen Dollar teure, damals unbegreifliche, aber verwirklichte Raumstation der Kommunikation, die schwerelos auf einer elliptischen Bahn um unseren Planeten kreiste. Von jetzt an konnte jeder seine Stimme über das All schicken, jetzt war also der Homo Faber sel-

ber im Weltall, und sein Auge erblickte die Welt. Zuerst aber gab es eine kleine Sendepanne: Zwar wollte man am 23. Juli 1962 eine Pressekonferenz Kennedys als erstes Ereignis live übertragen. Doch statt des Präsidenten, yes, it’s live, sah man einen Ausschnitt aus dem Baseballspiel der Philadelphia Phillies und der Chicago Cubs. Erst nach ein paar Sekunden schaltete man um auf Kennedy in Washington. Ganz so einfach lief das alles noch nicht. Telstar 1, dessen (wegen der Solar-Panels) gefleckt anmutende Erscheinung tatsächlich dem

„Telstar 1“ kreist blind und taub um die Erde, das Ding macht keinen Muckser mehr „Adidas Telstar“ als Vorbild diente, jenem Fußball aus zwölf schwarzen Pentagonen und20 weißenHexagonen, der 1970 als offizieller Spielball der Weltmeisterschaft in Mexiko diente, flog rund um die Erde. Er eierte elliptisch. Anders als Satelliten, die eine geosynchrone Umlaufbahn um unseren Planeten haben, deren Umlaufzeit um die Erde also deren Rotationsdauer entspricht, ging das 77,2 Kilogramm schwere Kügelchen mit einem Durchmesser von 88 Zentimetern gewissermaßen seiner eigenen Wege, und zwar mit Entfernungen von der Erde, die zwischen 952 und 5933 Kilometern maximal schwankten. Darum konnten erste Live-Übertragungen nicht länger als 20 Minuten dauern, danach riss die Verbindung ab. Erst zweieinhalb Stunden später war das Kerlchen dann wieder ansprechbar. So lange dauerte seine Erdumrundung. Aber, so lautete das Vorhaben damals, man würde weitere von der Weltraumbehörde Nasa und dem

Telekommunikationskonzern AT&T entwickelte Blechkugeln ins All jagen, und die könnten sich den Dauerübertragungsdienst da oben unter sich aufteilen. Daraus wurde nichts. Zum einen entdeckte man sehr bald, dass kontinuierliche Übertragungen wohl besser von geostationär positionierten Satelliten erfolgen müssten. Zum anderen hatten die Amerikaner ihren Kommunikationsball unwillentlich und unwissentlich mit dem Start selber beschädigt. Am 9. Juli 1963 hatten sie einen Starfish Prime genannten Kernwaffentest in einer Höhe von 400 Kilometern über der Erde durchgeführt. Und genau durch diese Wolke aus radioaktiv verseuchten Partikeln hatte man einen Tag später die ThorDelta-Rakete mit ihrem Telstar 1 geschickt. Das haben seine Transistoren nicht verkraftet. Schon nach vier Monaten fiel der Satellit vorzeitig aus. Zwar konnte man ihn Anfang Januar 1963 noch einmal kurzzeitig in Dienst nehmen. Doch einen Monat später versagten seine Funktionen. Der offiziellen amerikanischen Registrierung von All-Objekten zufolge ist Telstar zwar heute zwar immer noch im Orbit, allerdings mit erloschenen Augen und tauben Ohren. Er macht seit fast fünfzig Jahren keinen Muckser mehr. Man spricht von einem Stück „Zombie Space Junk“. Telstar 1 ist ein erloschener TechnologieStern, aber er stand für eine Sternstunde der Menschheit. Da hatte Kennedy einfach recht. Denn mit der Echtzeit der Bilder erfahren die Menschen die Echtheit der Welt. Die Globalisierung der live übertragenen Ereignisse dokumentiert eine sonst nur schwer einzusehende Wahrheit, die man jedoch seitdem nicht mehr ignorieren kann: Es gibt nur einen Globus, und wo auch immer etwas geschieht, nun geht es uns alle an.

Wenn in diesen Tagen von einem Tabubruch die Rede ist, darf man zu Recht misstrauisch werden. In den meisten Fällen handelt es sich um die verkaufsfördernde Maßnahme eines Verlages, der einem Autor zu Ruhm und sich zu Umsatz verhelfen will. Dabei gibt es wirklich Themen, über die man nicht spricht, die schon bei Erwähnung automatisierten Widerstand erzeugen. Sexueller Missbrauch ist lange so ein Thema gewesen. Inzwischen hat man sich aber daran gewöhnt, dass von Männern berichtet wird, die sich an Kindern vergangen haben. Ganz anders verhält es sich, wenn die Rede ist von Müttern, die ihre Kinder missbraucht haben sollen. Da greift das Tabu noch, denn diesen Missstand gibt es im öffentlichen Bewusstsein allenfalls als Spurenelement. Missbraucht wird von Männern. Fertig. Genau dieser Einstellung sah sich auch der achtjährige Axel gegenüber, als er berichtete, dass seine Mutter an ihm herumgespielt, ihn mit Schlägen zu intimen Berührungen genötigt habe. Der Vater hat ihn dafür verprügelt, in der Schule galt der Achtjährige als Mutterverführer, im Dorfgefüge als „der Allerunterste“. Axel ist heute selbst Vater. Sehr spät ist das, was er als Heranwachsender lange verdrängt hat, wieder in ihm hochgekommen. Sein erster Therapeut hat seine Geschichte nicht geglaubt. Inzwischen versucht er nicht nur, seine Geschichte öffentlich, im Internet, zu verarbeiten, er steht auch Stephanie N. Linke Rede und Antwort vor der Kamera. Die WDR-Autorin hat sich Axels Geschichte angenommen und noch ein weiteres Opfer gefunden. Auch Andrea berichtet vom Missbrauch durch ihre Mutter. Stets ist nur ein Viertel ihres Gesichts zu sehen. Auch Axel hat in Wahrheit andere Haa-

re, eine andere Stimme. Deutlich wird, dass es nicht um Anklage gehen soll, sondern um Aufklärung. Und es sind ohnehin die Worte, die schwerer wiegen als die Bilder in dieser Dreiviertelstunde. Axel und Andrea berichten beide auf ihre Art von einer bedrückenden Kindheit, vom späteren Verdrängen der Übergriffe, von der Rückkehr der lange zur Seite geschobenen Realität. Sie erzählen von dem Zwiespalt, in den Kinder geraten, wenn sie von der Mutter, der sie sich doch so gerne nahe fühlen wollen, missbraucht werden. Fertig mit dem Thema sind beide bis heute nicht. Andrea hat weiter Kontakt zu ihrer Mutter: „Weil sie meine Mutter ist“, sagt sie. Axel entschied sich, seine Mutter „so zu behandeln, als würde sie nicht mehr leben“. Sagt er. Stephanie N. Linke lässt ihre beiden Protagonisten reden. Sie lässt keinen Zweifel daran, dass sie ihnen glaubt. Recherchen der Redaktion haben Belege für die Stimmigkeit der Darstellung zutage gefördert. Nur gelegentlich werden die Betroffenen unterbrochen von einer Off-Stimme oder von Stellungnahmen zweier Therapeutinnen. Der Film erzählt aus der Opferperspektive. Die Mütter kommen selbst nicht zu Wort, sie sind nur unrühmlich Handelnde in den Berichten. Gegen Ende erwähnt Axel einen Brief, in dem seine Eltern ihn um Vergebung gebeten haben. Vergeben könne er ihnen aber nicht, erklärt er. Trotzdem spürt er immer noch so etwas wie Bindung. „Es geht nicht, die Mutter zu hassen“, sagt er. Die Mutter hassen, das wäre mehr als ein Tabubruch.

Schemenhaft

Lauter Protest

ZDF: Kein Strandstudio für die Fußall-WM 2014 in Brasilien

Radio-Feature über Norwegens Black-Metal-Milieu

Es kommt nicht so oft vor, dass sich Gremien des öffentlich-rechtlichen Rundfunks mit Fußball beschäftigen müssen. Doch am vergangenen Freitag nahm ZDF-Intendant Thomas Bellut vor dem Fernsehrat des Senders auch Stellung zu den Leistungen der Sportredaktion während der Europameisterschaft. Das ZDF begleitete das internationale Turnier, das in Polen und der Ukraine stattfand, von Usedom aus, wo am Wasser eine Bühne aufgebaut worden war. In der Anmutung glich das Außenstudio eher einer gestrandeten Bohrinsel, auf der Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein und Experte Oliver Kahn in weiter Ferne schienen. Chefredakteur Peter Frey versuchte zwar, die Planung zu erklären. Bellut allerdings versprach nun, am Ende einer Diskussion mit den Räten, die Berichterstattung von der Weltmeisterschaft 2014 nicht an Strände zu verlegen – die WM wird in Brasilien ausgetragen. Mit seiner Stationierung auf Usedom blieb das ZDF den Gastgeberländern auf rätselhafte Weise fern. Zwar waren die Einschaltquoten wie immer bei EM- oder WMSpielen hoch. Doch das Wasser im Hintergrund, meinte ZDF-Chef Bellut, sei ein Problem gewesen: „Das sah einsam aus“, und nur schemenhaft sei Polen im Hintergrund zu sehen gewesen. Das ist dann Realsatire – über andere Themen konnte der Intendant weniger humorvoll berichten. So muss das ZDF bis Jahresende etwa hundert Stellen abbauen und damit 75 Millionen Euro einbringen. Die Anstalt hat immerhin mehr als 3500 Beschäftigte. Künftig, sagte Bellut, gehe es vor allem um die Frage, wo sich das ZDF strategisch verkleinern und reduzieren könne. Vermutlich bei den Digitalkanälen, das hatte der ZDF-Intendant zuletzt wiederholt angedeutet. Der Vorsitzende des ZDF-Fernehrates, CDU-Politiker Ruprecht Polenz, wurde für weitere vier Jahre im CHK Amt bestätigt.

Als in den neunziger Jahren in Norwegen Kirchen niederbrannten, führte die Suche nach den Brandstiftern in die Black-MetalSzene des Landes. Zwei Musiker aus dem Milieu, einer radikalen Sparte des Heavy Metal, haben überdies gemordet. Und seit jeher gibt es keine klare Abgrenzung zum Neofaschismus. Heutzutage jedoch beraten Black-Metall-Vertreter das norwegische Außenministerium. Wie es dazu gekommen ist? Black Metal ist zu einer Marke geworden, international bekannt. Sein Land, sagt einer von Raphael Smarzochs Gewährsleuten in seinem Radio-Feature Schwarze Schafe, komme weltweit nur in die Medien, wenn ein MunchGemälde gestohlen oder der Nobelpreis verliehen werde. Oder wenn es um Black Metal gehe. Das Außenministerium hat den Kontaktzur Szene gesucht,um sich zu informieren – und das Botschaftspersonal schulen zu können. In Black Metal drückt sich ein typischer Generationenkonflikt aus, nur dass die Auflehnung sich hier gegen eine tolerante, weltoffene, sozialdemokratisch geprägte Elterngeneration richtet – und damit zwangsläufig auf Nation, Mythen und den Einzelnen zielt. Wie viel davon ein Spiel mit Symbolen ist und wann es ideologisch wird, lässt sich nicht immer genau sagen. Die Qualität von Smarzochs Sendung ist, dass er erst einmal allen zuhört und nicht von vorne herein verharmlost oder verdammt. Am Ende steht aber doch eine klare Erkenntnis: In Norwegen hat sich ein brutales Milieu entwickelt, das zwar nicht deckungsgleich mit der Black-Metal-Szene ist, aber ein Teil von ihr. Und in dem in Teilen ein Gedankengut vorherrscht, das dem des Massenmörders Anders Breivik stark ähnelt. SFI

HANS HOFF

Die Story: Mama, hör auf damit! Wenn Mütter ihre Kinder missbrauchen, ARD, 22.45 Uhr.

Schwarze Schafe, WDR 3, 23.05 Uhr.

VERANTWORTLICH: CHRISTOPHER KEIL

SZ-RÄTSEL Schwedenrätsel

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Str8ts: So geht’s

Lösungen vom Wochenende

Die Ziffern 1 bis 9 dürfen pro Spalte und Zeile nur einmal vorkommen. Zusammenhängende weiße Felder enthalten direkt aufeinander folgende Zahlen, die aber in beliebiger Reihenfolge stehen (Straßen). Weiße Ziffern gehören zu keiner Straße, blockieren jedoch diese Ziffern sowohl in der Zeile als auch in der Spalte. Tipps im Internet unter: www.sz-shop.de/str8ts © 2010 Syndicated Puzzles Inc. 9.7.2012

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Arte

3sat

9.55 Wetterschau 10.03 Brisant 10.30 Sein bester Freund. Drama, D 1962 12.00 Tagesschau 12.15 Buffet. Leben und genieĂ&#x;en. Frank Buchholz bereitet heute zu: Saibling mit Meerrettichmousse, Gurkenspaghetti und Wildkräutersalat 13.00 Mittagsmagazin 14.00 Tagesschau 14.10 Rote Rosen 15.00 Tagesschau 15.10 Sturm der Liebe 16.00 Tagesschau 16.10 Giraffe, Erdmännchen & Co. 17.00 Tagesschau 17.15 Brisant 18.00 Verbotene Liebe 18.50 GroĂ&#x;stadtrevier. Das Geheimnis des Hafenpastors 19.50 Gesichter Olympias 19.55 BĂśrse

5.30 Morgenmagazin 9.00 heute 9.05 Volle Kanne â€“ Service täglich 10.30 Die Rosenheim-Cops. Ein Geständnis zu viel 11.15 SOKO Wismar. TĂśdlicher Zauber 12.00 heute 12.10 drehscheibe Deutschland 13.00 Mittagsmagazin 14.00 heute â€“ in Deutschland 14.15 Die KĂźchenschlacht 15.00 heute 15.05 Topfgeldjäger 16.00 heute â€“ in Europa 16.10 Die Rettungsflieger. Sturzflug 17.00 heute 17.10 hallo Deutschland 17.45 Leute heute 18.05 SOKO 5113. Wer hat Angst vorm schwarzen Mann 19.00 heute 19.20 Wetter 19.25 WISO. Magazin

6.30 Tiere und Pflanzen 6.45 Natur und Technik 7.00 Viens jouer avec nous 7.15 Tele-Gym 7.30 Wetterfernsehen 9.00 TeleGym 9.15 Seehund, Puma & Co 10.05 Sturm der Liebe 10.55 Rote Rosen 11.45 Verbotene Liebe 12.30 Der Sonntags-Stammtisch 13.30 Von Mäusen und Lßgen. TV-KomÜdie, D 2011 15.00 Land, Leute, Leidenschaft 15.30 Wir in Bayern 16.45 Rundschau 17.00 Mßhlengeschichten 17.30 Schwaben & Altbayern / Frankenschau aktuell 18.00 Abendschau 18.45 Rundschau 19.00 Unkraut 19.45 Dahoam is dahoam. Mit dickem Hals

5.10 Explosiv â€“ Weekend 6.00 Punkt 6. Infomagazin 7.30 Alles, was zählt 8.00 Unter uns 8.30 Gute Zeiten, schlechte Zeiten 9.00 Punkt 9. Infomagazin 9.30 Mitten im Leben! 10.30 Mitten im Leben! 11.30 Unsere erste gemeinsame Wohnung. Paare suchen ihr Zuhause 12.00 Punkt 12. Mittagsjournal 14.00 Mitten im Leben! 15.00 Verdachtsfälle 16.00 Familien im Brennpunkt 17.00 Betrugsfälle 17.30 Unter uns 18.00 Explosiv. Das Magazin 18.30 Exclusiv. Das Starmagazin 18.45 RTL aktuell 19.05 Alles, was zählt 19.40 Gute Zeiten, schlechte Zeiten

7.15 Die Glamour-Clique â€“ Cinderellas Rache. KomĂśdie, USA 2008 9.00 Freaky Friday â€“ Ein voll verrĂźckter Freitag. KomĂśdie, USA 2003 10.40 Nicht noch ein Teenie-Film! KomĂśdie, USA 2001 12.25 Malcolm mittendrin 12.50 Malcolm mittendrin 13.15 Scrubs â€“ Die Anfänger 13.45 Scrubs â€“ Die Anfänger 14.10 Scrubs â€“ Die Anfänger 14.40 The Big Bang Theory 15.05 The Big Bang Theory 15.35 How I Met Your Mother 16.00 How I Met Your Mother 16.30 How I Met Your Mother 17.00 taff 18.00 Newstime 18.10 Die Simpsons 19.05 Galileo

10.00 LenĂ&#x;en & Partner 11.00 Richterin Barbara Salesch 12.00 Annica Hansen â€“ Der Talk 13.00 Britt. Gnadenlose Wahrheit â€“ heute fliegst Du auf! 14.00 Zwei bei Kallwass 15.00 Familien-Fälle 16.00 Richter Alexander Hold 17.00 Niedrig und Kuhnt. SchuldgefĂźhle 17.30 Niedrig und Kuhnt. Schreckensherrschaft 18.00 Pures Leben â€“ Mitten in Deutschland. Menschen und ihre auĂ&#x;ergewĂśhnlichen Geschichten. Ich suche meinen Vater in Mosambik 18.30 Ab durch die Mitte. Das schnellste Quiz der Welt 19.15 Push. Das SAT.1 Magazin

9.50 Simon Templar 10.35 KĂźnstler hautnah 11.05 FabergĂŠ 12.00 Elizabeth I. â€“ MĂśrderin auf dem Thron 12.50 Arte-Journal 13.00 X:enius 13.25 Die kulinarischen Abenteuer der Sarah Wiener in GroĂ&#x;britannien 14.10 Kindheitserinnerungen. Biografie, F 2006 14.30 Die schĂśne Hochzeit. KomĂśdie, F 1982 16.05 X:enius 16.30 Auf den Spuren des Britischen Weltreichs (1/3) 17.30 Simon Templar. Das Ungeheuer von Loch Ness 18.20 Die Lena und der Ruf der Taiga 19.05 Alte Schachteln (1) 19.10 Arte-Journal 19.30 Unsere Ozeane (1/4) Dokumentationsreihe

5.10 Junge Wilde (2/3) 6.20 Kulturzeit 7.00 nano 7.30 Alpenpanorama 9.00 ZIB 9.05 Kulturzeit 9.45 nano 10.15 3 nach 9 12.15 Sonntags 12.45 Schätze der Welt â€“ Erbe der Menschheit 13.00 ZIB 13.15 Das Geheimnis der Pferdesprache 14.00 Der Pferdetänzer 14.45 Pferde des Windes 15.35 Badeparadiese (1/4) 16.20 Badeparadiese (2/4) 17.00 Badeparadiese (3/4) 17.45 Badeparadiese (4/4) 18.30 nano spezial 19.00 heute 19.20 Kulturzeit kompakt 19.30 Museums-Check mit Markus Brock. Gast: Dagmar Koller. Dokumentationsreihe

20.00 Tagesschau 20.15 Erlebnis Erde Naturdokumentation. Die RĂźckkehr der Elefanten 21.00 Hart aber fair Besser wegschauen und stillhalten â€“ darf uns Syrien so egal sein? Zu Gast: JĂźrgen TodenhĂśfer (Buchautor, Nahost-Kenner, war bis vor wenigen Tagen in Syrien unterwegs), JĂśrg Armbruster (Korrespondent der ARD fĂźr den Nahen und Mittleren Osten, lebt in Kairo), Claudia Roth, Avi Primor (von 1993-1999 israelischer Botschafter in Deutschland), GĂźnter FĂśrschner 22.15 Tagesthemen 22.45 Mama, hĂśr auf damit

20.15 Tod einer SchĂźlerin TV-Drama, D 2010. Der Gymnasiallehrer Alex Berger lässt sich nach einer Feier auf ein sexuelles Abenteuer mit der 18-jährigen SchĂźlerin Katja ein. Am nächsten Morgen wird sie tot aufgefunden. Alles deutet auf ein Sexualverbrechen hin, denn Katja ist schon das zweite junge weibliche Mordopfer in der Region. Die Polizei vermutet einen Serientäter. Berger beteuert, nicht fĂźr Katjas Tod verantwortlich zu sein. 21.45 heute-journal 22.15 Largo Winch â€“ TĂśdliches Erbe Thriller, F/B 2008. Mit Tomer Sisley, Kristin Scott Thomas

20.15 Blickpunkt Sport Reportagen â€“ Analysen â€“ Interviews. Gala „Pro AmateurfuĂ&#x;ballâ€? aus NĂźrnberg 21.00 Rundschau-Magazin 21.15 Geld & Leben Das Sozialmagazin. Mainfranken: Wie ein Dorf FairTrade-Gemeinde wurde / Fairer Handel: Wie verlässlich sind GĂźtesiegel? / Regionalvermarktung: Arbeitsplätze durch Qualität / Radlwerkstatt: Hilfe zur Selbsthilfe / Integrationsprojekt: Biergarten mit sozialem Engagement 21.45 Lebenslinien Porträtreihe. Das Geheimnis des Schmetterlings 22.30 Im Banne des ewigen Eises Der Polarforscher Erich von Drygalski

20.15 Mietprellern auf der Spur (3/3) Moderation: Vera Int-Veen Doku-Soap 21.15 Wir retten Ihren Urlaub (3/3) Einsatz fĂźr den RTL Ferienreporter Dokumentationsreihe 22.15 Extra â€“ Das RTL Magazin Kampf gegen Kinderprostitution: Wie Extra-Reporter einen Täter stellen und wie die RTL-Zuschauer mit ihren Spenden den Kindern helfen / Doppelt abkassiert im Urlaub: ĂźberflĂźssige Versicherungen, unverschämte Tankregelungen: wie Mietwagen-Verleiher tricksen und wie Sie unnĂśtige Kosten erkennen

20.15 Fringe â€“ Grenzfälle des FBI MauerblĂźmchen. Mysteryserie. Mit Anna Torv, Joshua Jackson, John Noble. Wegen eines Gendefektes werden Eugenes Zellen verändert. Nun kann er sich perfekt seiner Umgebung anpassen. Er braucht die Pigmente seiner Mitmenschen, doch fĂźr die Spender bedeutet das den Tod. 21.15 Fringe â€“ Grenzfälle des FBI RĂźckkehr ins Ungewisse Mysteryserie. Mit Anna Torv, Joshua Jackson, John Noble 22.15 Supernatural ĂœbernatĂźrliche Weihnachten Mysteryserie

20.00 Nachrichten 20.15 Mit Herz und Handschellen Todfeinde. Krimiserie. Die etwas chaotische Nina und der in geregelten Verhältnissen lebende Leo schieben zusammen Dienst auf einer Polizeiwache. Als sie eine Wohnung fĂźr Nina suchen, stirbt vor ihren Augen ein Hauswart. 22.15 Planetopia Wissensmagazin Milliardengrab GroĂ&#x;baustelle â€“ Warum die Kosten so oft explodieren / Verarzten im Minutentakt â€“ Hochbetrieb in der Notaufnahme / Täter in Freiheit â€“ Wie Hinterbliebene mit dem JustizSchock leben

20.15 Der aus dem Regen kam Psychothriller, I/F 1969. Mit Charles Bronson, Marlène Jobert, Annie Cordy. Regie: RenÊ ClÊment. Mellie tÜtet in Notwehr einen Verbrecher, der sie vergewaltigt hat und wirft die Leiche ins Meer. Ein Geheimagent, der dem Vergewaltiger seit längerem auf den Fersen war, nimmt nun Mellie aufs Korn. 22.10 Cruising Kriminalfilm, USA 1980. Ein SerienmÜrder wßtet in der New Yorker Schwulenszene und tÜtet seine Sexualpartner. Der junge Cop Steve Burns wird auf den MÜrder angesetzt und soll als KÜder dienen. Seine Identität verschwimmt.

20.00 Tagesschau 20.15 Das RainaldGrebeKonzert (1/2) Konzert. Aufzeichnung aus dem Mainzer unterhaus 21.00 Alfons und Gäste Talkshow mit dem franzÜsischen Kabarettisten. Zu Gast: Olaf BÜhme, LaLeLu 21.30 Bauerfeind Best of Summer 2012. Mitwirkende: Peter Maffay, Benjamin von Stuckrad-Barre, Mieze Katz, Nazan Eckes, Helmut Dietl, Klaas Heufer-Umlauf, KÜnig Boris, Sandra Maischberger, Katrin Mßller-Hohenstein, Oliver Welke 22.00 ZIB 2 22.25 kreuz und quer

23.30 Westware aus dem Ostknast 0.15 Nachtmagazin 0.35 Tatort Kaltes Herz. TV-Kriminalfilm, D 2010. Mit Klaus J. Behrendt, Dietmar Bär, Tessa Mittelstädt. Regie: Thomas Jauch 2.10 Hart aber fair Diskussion 3.25 Westware aus dem Ostknast Dokumentation 4.10 Die schÜnsten Bahnstrecken Europas Fßhrerstands-Mitfahrten

23.55 heute nacht 0.10 Madly in Love â€“ VerrĂźckt vor Liebe TV-Romanze, D/CH 2010 Mit Muraleetharan Sandrasegaram, Laura Tonke, Anton Ponrajah. Regie: Anna Luif 1.30 ZDF-History Geschichtsdokumentation. Israels Atombombe 2.15 SOKO 5113 Wer hat Angst vorm schwarzen Mann. Krimiserie 3.00 WISO Wirtschaft & Soziales 3.45 Global Vision Reportagereihe

23.15 Rundschau-Nacht Nachrichten â€“ Berichte â€“ Wettervorhersage 23.25 Lese-Zeichen BĂźchermagazin. Tagebuch aus dem Inneren der syrischen Revolution â€“ Samar Yazbek: „Schrei nach Freiheitâ€? / KĂźnstler, Literat, FuĂ&#x;ballfan â€“ Ror Wolf: „Die VorzĂźge der Dunkelheitâ€? 23.55 Die allerbeste Sebastian Winkler Show Show. Best of 0.25 on3-sĂźdwild Jugendsendung 1.25 Dahoam is dahoam

23.30 30 Minuten Deutschland Alltag der ungewĂśhnlichen Deutschen. Klick dich glĂźcklich! Der neue Online-Shopping-Boom 0.00 RTL-Nachtjournal 0.30 10 vor 11 Kulturmagazin. SchĂśnbergs Dr. Faust: Das einzigartige Musikdrama 'Die glĂźckliche Hand' an der Staatsoper Stuttgart 0.55 Extra â€“ Das RTL Magazin 2.05 Mietprellern auf der Spur (3/3) 3.00 Wir retten Ihren Urlaub (3/3)

23.15 Supernatural Hexenzauber. Mysteryserie 0.05 Vampire Diaries Ein Herz von Finsternis Mysteryserie 1.00 Fringe â€“ Grenzfälle des FBI MauerblĂźmchen. Mysteryserie 1.50 Fringe â€“ Grenzfälle des FBI RĂźckkehr ins Ungewisse Mysteryserie 2.40 Supernatural ĂœbernatĂźrliche Weihnachten

23.00 „Focusâ€?-TV-Reportage 23.30 Mit Herz und Handschellen Todfeinde. Krimiserie 1.30 Edel & Starck Alter vor SchĂśnheit 2.20 Edel & Starck Ein Freund, ein guter Freund Anwaltsserie 3.05 Zwei bei Kallwass Beziehungskonflikte im Gespräch 3.50 Niedrig und Kuhnt 4.15 Niedrig und Kuhnt Schreckensherrschaft. Mit Cornelia Niedrig

23.45 Metropolis Metropolenreport: Salzburg / Crowdfunding in Hollywood â€“ Der neue Film von Bret Easton Ellis und Paul Schrader / Die Häkelwelt des Zac Monday / Mina Tindle verzaubert 0.40 Eine andere Zeit Dokumentarfilm, F 2009 1.20 Was Du nicht siehst Dokumentationsreihe. Kanarische Inseln 1.40 Paranoland Drama, F 2009 Mit Alice Vial, Selim Clayssen

23.00 kreuz und quer Aus Kirche und Gesellschaft. Kol Ishah â€“ Der Rabbi ist eine Frau 23.35 Reporter Menschen, Schicksale, Abenteuer. BĂśses Mädchen gesucht â€“ Beobachtungen beim Tatort-Casting 0.00 10vor10 Nachrichtenmagazin 0.30 Pixelmacher Netzkultur 1.00 Seitenblicke â€“ Revue Kult und Kultur des Beisammenseins 1.30 Panorama Immer dabei â€“ Adabeis

Phoenix

BR-alpha

RTL 2

Vox

Kabel 1

Deutschlandfunk

NDR 10.30 buten un binnen â€“ Die Woche 11.00 Hallo Niedersachsen 11.30 Sambia 12.15 In aller Freundschaft 13.00 Einfach genial! 13.30 Eisenbahn-Romantik 14.00 NDR aktuell 14.15 Bilderbuch 15.00 NDR aktuell 15.15 Mayotte 16.00 NDR aktuell 16.10 Inselgeschichten 17.10 Leopard, Seebär & Co. 18.00 Regional 18.15 Die Nordreportage 18.45 DAS! 19.30 Regional 20.00 Tagesschau 20.15 Markt Spezial 21.00 Norddeutsche Dynastien 21.45 NDR aktuell 22.00 Dalli Dalli 23.05 „Rudis Tagesshowâ€? extra 23.35 Zusammen ist man weniger allein. TragikomĂśdie, F 2007 1.05 Gefragt â€“ Gejagt

SWR 13.30 Planet Wissen 14.30 Mein Schatz ist aus Tirol. Heimatfilm, D 1958 16.00 SWR Landesschau aktuell 16.05 Kaffee oder Tee 17.00 SWR Landesschau aktuell 17.05 Kaffee oder Tee 18.00 SWR Landesschau aktuell 18.15 Der Chef aus Moskau 18.45 SWR Landesschau Baden-Wßrttemberg 19.45 SWR Landesschau aktuell 20.00 Tagesschau 20.15 Linda geht tanzen. TV-KomÜdie, D 2011 21.45 SWR Landesschau aktuell 22.00 Sag die Wahrheit 22.30 Meister des Alltags 23.00 Spätschicht 23.30 Ein Fall fßr Fitik-Yarisan 0.30 Kesslers Expedition (2/4) 1.15 betrifft ... 2.00 Sag die Wahrheit

MDR 10.48 Vor Ort um vier 11.20 Kripo live 11.45 MDR um zwÜlf 12.30 Ein Sommer auf Sylt. TV-KomÜdie, D 2010 14.00 Dabei ab zwei 14.30 Das tapfere Schneiderlein. TV-Märchenfilm, D 2008 15.30 Unterwegs in Sachsen 16.00 Hier ab vier 16.30 Hier ab vier 17.00 Hier ab vier 17.30 Hier ab vier 17.45 MDR aktuell 18.00 Wetter fßr 3 18.05 Brisant 18.54 Unser Sandmännchen 19.00 Regional 19.30 MDR aktuell 19.50 Liebe geht durch den Magen (1/8) 20.15 Fßr immer Afrika. TV-Familienfilm, D 2007 21.45 MDR aktuell 22.05 Fakt ist ...! 22.50 Alamo. Western, USA 1960 1.30 Hart aber fair

6.00 Infomercial 7.00 Infomercial 8.00 Die Schnäppchenhäuser 9.00 Frauentausch 11.00 Family Stories 12.00 Berlin â€“ Tag & Nacht 12.55 Privatdetektive im Einsatz 13.55 Family Stories 14.50 Der TrĂśdeltrupp 15.45 Der TrĂśdeltrupp 16.45 Der TrĂśdeltrupp 17.00 Privatdetektive im Einsatz 18.00 X-Diaries 19.00 Berlin â€“ Tag & Nacht 20.00 RTL II News 20.15 Die Wollnys â€“ Eine schrecklich groĂ&#x;e Familie! 21.15 Die Wollnys â€“ Eine schrecklich groĂ&#x;e Familie! 22.15 Das Aschenputtel-Experiment 23.55 Villa Germania â€“ Forever Young 0.55 exklusiv â€“ die reportage 1.45 Ă„rger im Revier

14.15 Mein lieber Schwan 15.00 Schätze der Welt â€“ Erbe der Menschheit 15.15 Les grandes dates de la science et de la technique 15.30 nano 16.00 alpha-Campus Classics 16.30 on3-sĂźdwild 17.30 Alpen â€“ Donau â€“ Adria 18.00 Grundkurs Mathematik 18.30 Die Tagesschau vor 25 Jahren 18.45 Rundschau 19.00 Ich machs! 19.15 Grips Deutsch 19.30 Alpha Ă–sterreich 20.15 Länder â€“ Menschen â€“ Abenteuer 21.00 AlphaForum 21.45 Planet Wissen 22.45 Klassiker der Weltliteratur. Johann Wolfgang von Goethe (2) 23.00 Macht im Mittelalter 23.45 Capriccio 0.15 Alpha-Forum

Tele 5

WDR 11.10 Giraffe, Erdmännchen & Co. 12.00 Eisbär, Affe & Co. 12.45 WDR aktuell 13.00 Servicezeit Reportage 13.30 In aller Freundschaft 14.15 Mord ist ihr Hobby 15.00 Planet Wissen 16.00 WDR aktuell 16.15 Daheim und unterwegs 18.00 Lokalzeit 18.05 Hier und heute 18.20 Servicezeit 18.50 Aktuelle Stunde 19.30 Lokalzeit 20.00 Tagesschau 20.15 Der GroĂ&#x;e Haushaltscheck extra (3/5) 21.00 Markt 21.45 WDR aktuell 22.00 Die Story 22.45 Die glorreichen sieben. Western, USA 1960 0.45 Jazzline. Aufzeichnung der Leverkusener Jazztage vom 4.-12.11.2011 aus dem Forum (Leverkusen)

Largo Winch – TĂśdliches Erbe ZDF, 22.15 Uhr. Der Milliardär Winch kommt unter dubiosen Umständen ums Leben. PlĂśtzlich stellt sich heraus, dass er einen Adoptivsohn hatte. Doch der (Tomer Sisley, l.) will von der Erbschaft und dem Chefposten im Firmenimperium des Toten nichts wissen. Deshalb gerät er in eine VerschwĂśrung, und das wiederum ist ganz nach seinem Geschmack. FOTO: T. BRÉMONT/ZDF

HR

Kinderkanal 10.40 Henry der Schreckliche (1/106). Start 11.00 Marsupilami â€“ Im Dschungel ist was los (1/52) 11.50 Shaolin Wuzang (1/26). Start 12.35 Enyo (1/26). Start 13.00 Cosmic Quantum Ray (1/26). Start 13.20 Mini Ah! 13.30 Die Sendung mit der Maus 13.55 Fluch des Falken 14.10 Schloss Einstein â€“ Seelitz 15.00 Die Hauptstadtpraktikanten 15.25 Meine peinlichen Eltern 16.20 Hier ist Ian 17.05 Pat & Stan 17.10 Jibber Jabber 17.35 Flipper und Lopaka 17.55 Bernard 18.00 Gawayn 18.15 Babar und die Abenteuer von Badou 18.40 ZoĂŠs Zauberschrank 18.50 Unser Sandmännchen

12.45 In aller Freundschaft 13.30 Der KĂślner Zoo 14.00 Eisenbahn-Romantik 14.30 Arizona â€“ Grand Canyon Nationalpark 15.15 Die Dachse von RĂźgen 16.00 hallo hessen 16.45 Hessenschau kompakt 17.00 hallo hessen 17.50 Hessenschau kompakt 18.00 Maintower 18.20 Brisant 18.50 service: zuhause 19.15 Alle Wetter! 19.30 Hessenschau 20.00 Tagesschau 20.15 Kein schĂśner Land 21.00 Russisch Roulette (1/2). TVThriller, A/D 2012 22.25 Hessenschau kompakt 22.45 Der Fahnder 23.35 Das Leben vor meinen Augen. Thriller, USA 2007 0.55 Die Leica-Geschichte 1.40 Hessen-Reporter

RBB

Super RTL

13.30 In aller Freundschaft 14.15 Rumpelstilzchen. TV-Märchenfilm, D 2009 15.15 Tiere bis unters Dach (5/26) 15.45 Unsere Zehn Gebote 16.00 rbb aktuell 16.05 Buffet 16.50 kurz vor 5 17.00 rbb aktuell 17.05 Nashorn, Zebra & Co. 17.55 Unser Sandmännchen 18.00 rbb um 6 18.25 rbb wetter 18.30 ZiBB 19.25 rbb wetter 19.30 Abendschau / Brandenburg aktuell 20.00 Tagesschau 20.15 Tatort. Liebe macht blind. TV-Kriminalfilm, D 2006 21.45 rbb aktuell 22.15 Polizeiruf 110. TÜdliche Träume. TV-Kriminalfilm, DDR 1990 23.45 Was die Briten lieben (2/5) 0.30 Abendschau

Zusammen ist man weniger allein NDR, 23.35 Uhr. Philibert nimmt die kranke Camille (Audrey Tatou) auf. Dort wohnt allerdings auch Franck (Guillaume Canet) – der ist zunächst vom Neuzugang wenig begeistert. Denn Camille wirbelt die Männer-WG durcheinander, in die auch noch Francks Oma einzieht. Aus dem Chaos schält sich schlieĂ&#x;lich ein romantischer Gegenentwurf zur groĂ&#x;städtischen Singlewelt. FOTO: AP

"AYERISCHES &ERNSEHEN

ˆ "2 :IPPERLEN

5.45 Joyce Meyer â€“ Das Leben genieĂ&#x;en 6.20 Making of eines aktuellen Kinofilms 6.55 Homeshopping 7.25 Joyce Meyer â€“ Das Leben genieĂ&#x;en 7.55 Missionswerk Karlsruhe 8.00 Homeshopping 12.30 Making of eines aktuellen Kinofilms 12.55 Tele 5 Filmfest MĂźnchen Special 13.15 Star Trek â€“ Das nächste Jahrhundert 15.15 Star Trek â€“ Deep Space Nine 16.15 Stargate 17.10 Star Trek â€“ Das nächste Jahrhundert 19.10 Star Trek â€“ Deep Space Nine 20.15 Tank Girl. ActionkomĂśdie, USA 1995 22.15 Invader â€“ Besuch aus dem All. Sci-Fi-Film, USA 1997 0.20 APEX. Sci-Fi-Film, USA 1994

15.10 Die Superhelden-Helfer (5/26) 15.40 Banana Cabana 16.05 Die Superschurkenliga 16.35 Mr. Bean â€“ Die Cartoon-Serie 16.55 Zig & Sharko â€“ Meerjungfrauen frisst man nicht! 17.10 Sally Bollywood (2/26) 17.40 Cosmo und Wanda 18.00 Cosmo und Wanda 18.20 Fillmore 18.50 Gummibärenbande (1/65) 19.20 Phineas und Ferb 19.45 Disney Pair of Kings â€“ Die KĂśnigsbrĂźder 20.15 Dr. Dolittle â€“ Million Dollar Mutts. Familienfilm, USA/CDN 2009 22.10 Mein Leben und ich 22.40 Mein Leben und ich 23.10 Mein Leben und ich 23.40 Golden Girls 0.20 Shop24Direct Schlagernacht

5.45 Mieten, kaufen, wohnen 6.45 Mieterzoff 7.45 Verklag mich doch! 9.45 Mieten, kaufen, wohnen 10.50 Nachrichten 10.55 Mieten, kaufen, wohnen 12.00 Shopping Queen 13.00 Verklag mich doch! 15.00 Shopping Queen 16.00 Menschen, Tiere und Doktoren 16.55 Menschen, Tiere und Doktoren 18.00 Mieten, kaufen, wohnen 19.00 Das perfekte Dinner 20.00 Prominent! 20.15 CSI: NY 21.15 CSI: NY 22.15 Burn Notice 23.10 Standoff (2/18) 0.05 Nachrichten 0.25 CSI: NY 1.20 CSI: NY 2.00 Burn Notice 2.45 The Closer 3.40 Close to Home 4.20 Schneller als die Polizei erlaubt

ORF 2

8.05 Unsere kleine Farm 9.10 Ein Engel auf Erden 10.10 Charmed â€“ Zauberhafte Hexen 11.05 Ghost Whisperer â€“ Stimmen aus dem Jenseits 12.00 Unsere kleine Farm 13.00 Ein Engel auf Erden 14.00 Charmed â€“ Zauberhafte Hexen 14.55 Ghost Whisperer â€“ Stimmen aus dem Jenseits 15.50 Cold Case â€“ Kein Opfer ist je vergessen 16.45 News 16.55 Two and a Half Men 17.25 Two and a Half Men 17.50 Abenteuer Leben â€“ Täglich neu entdecken 19.00 Achtung, Kontrolle! 20.15 Collateral. Actionthriller, USA 2004 22.40 Collateral Damage. Actionthriller, USA 2002 0.35 Collateral. Actionthriller, USA 2004

Sky Cinema

12.20 Bewusst Gesund â€“ Ă–sterreich speckt ab 12.45 Seitenblicke 12.50 Wetterschau 13.00 ZIB 13.15 Frisch gekocht mit Andi und Alex 13.40 Alisa â€“ Folge deinem Herzen 14.20 Um Himmels Willen 15.10 Sturm der Liebe 16.00 Die Barbara-Karlich-Show 17.00 ZIB 17.05 Heute in Ă–sterreich 17.40 Sommerzeit 18.30 Konkret 18.51 Infos und Tipps 19.00 Bundesland heute 19.22 Money Maker 19.30 Zeit im Bild 19.49 Wetter 19.55 Sport 20.05 Seitenblicke 20.15 WeiĂ&#x;blaue Geschichten 21.05 Thema 22.00 ZIB 2 22.30 Kulturmontag 23.00 les.art 0.00 Woodstock. Dokumentarfilm, USA 1970

N24

5.00 Bunraku. Fantasyfilm, USA 2010 7.05 Beginners. Drama, USA 2010 8.50 Michael Jackson â€“ the Life of an Icon. Dokumentarfilm, USA 2011 11.25 Wasser fĂźr die Elefanten. Drama, USA 2011 13.20 Making of... 13.30 Prom â€“ Die Nacht deines Lebens. KomĂśdie, USA 2011 15.15 Auch Liebe wird erwachsen. TV-Drama, USA 2010 16.45 Born to Be a Star. KomĂśdie, USA 2011 18.25 Restless. Drama, USA 2011 19.55 Sky Magazin 20.10 Zapping 20.15 Gregs Tagebuch II â€“ Gibt's Probleme? KomĂśdie, USA 2011 22.00 Wasser fĂźr die Elefanten. Drama, USA 2011 23.55 Making of... 0.05 Sky Magazin

n-tv

5.15 Fight Science: Mensch vs. Tier 12.45 BĂśrse am Mittag 13.05 Ăœberleben hinter Gittern 14.05 Die Krokodile von Katuma 15.05 Wissen 16.05 Costa Concordia: Chronologie einer Katastrophe 17.05 S.O.S.! Ăœberlebenskampf im Eismeer 18.15 BĂśrse am Abend 18.25 Wissen 19.05 sonnenklar. tv 20.15 Geheimnisse der Tiefe: TĂśdlicher Sog 21.15 Zukunft ohne Menschen 22.15 Der Nostradamus-Effekt: 2012 – Das Ende der Welt 23.15 Die Science Fiction Propheten (5) 0.10 Legenden der Vergangenheit 1.05 Geheimnisse der Tiefe: TĂśdlicher Sog 1.45 Zukunft ohne Menschen

Eurosport

"2 DE

8.50 TelebĂśrse 12.10 TelebĂśrse 12.30 News Spezial 13.10 TelebĂśrse 13.30 News Spezial 14.10 TelebĂśrse 14.30 News Spezial 15.20 Ratgeber â€“ Test 15.40 TelebĂśrse 16.10 Wir Deutschen â€“ Vom Reich zur Republik 19331945 (1) 17.05 Wir Deutschen â€“ Vom Reich zur Republik 1933-1945 (2) 18.20 TelebĂśrse 18.35 Ratgeber â€“ Hightech 19.10 „Spiegelâ€?TV Magazin 20.05 Die Nazi-Jäger 21.05 Wir Deutschen â€“ Vom Reich zur Republik 19331945 (1) 22.03 Wir Deutschen â€“ Vom Reich zur Republik 1933-1945 (2) 22.45 TelebĂśrse 23.10 Bespuckt, beschimpft, bedroht 1.00 Amerikas Jugendknast 1.40 Die Nazi-Jäger

Sport 1

8.30 Rallye. SeidenstraĂ&#x;en-Rallye Moskau_Gelendschik 8.45 Snooker. Australian Goldfields Open. 1. Turniertag, 1. Runde (Best of 9). Live aus Bendigo 10.30 Snooker 11.30 Snooker. Australian Goldfields Open. 1. Turniertag, 1. Runde (Best of 9). Live aus Bendigo 14.00 Radsport. Tour de France. 9. Etappe: Einzelzeitfahren Arc-et-SenansBesançon (41,5 km). Live 17.45 FuĂ&#x;ball 19.00 FuĂ&#x;ball. U19-EM. 3. Spieltag, Gruppe B: Frankreich â€“ England. Live aus Tallinn (EST) 21.00 Kampfsport 21.05 Wrestling 21.35 Kampfsport 21.45 Wrestling 22.45 WATTS 23.00 Snooker 0.00 Rallye

5.00 Sport-Clips 5.20 Sport-Clips 6.00 Poker 7.00 Poker 8.00 Teleshopping 11.00 Normal 11.30 Teleshopping 12.00 Teleshopping 12.15 Teleshopping 13.00 Teleshopping 13.30 Teleshopping 14.00 Teleshopping 14.30 Sport-Quiz 17.30 Triathlon 18.00 Bundesliga-Hits 18.15 Bundesliga pur Klassiker 19.15 Bundesliga pur Klassiker 20.15 Turbo 21.15 Turbo 22.15 Die PSProfis â€“ mehr Power aus dem Pott 23.15 Motorsport â€“ News 23.45 Golftotal News 0.00 Sport-Clips 0.30 Sport-Clips 0.45 Teleshopping 1.00 Sport-Clips 1.05 Teleshopping 1.20 Sport-Clips 1.50 Teleshopping

5.05 Informationen am Morgen 6.35 Morgen an dacht. Bischof Clemens Pickel, Saratow 9.05 Kalenderblatt 9.10 Europa heute 9.35 Tag fĂźr Tag. Aus Religion und Gesellschaft 10.10 Kontrovers. Viel zu geheim – welche Reformen braucht der Verfassungsschutz? 11.35 Umwelt und Verbraucher 12.10 Informationen am Mittag 14.10 Deutschland heute 14.35 Campus & Karriere 15.05 Corso 16.10 BĂźchermarkt. U.a.: Mathias Gatza: Der Augentäuscher 16.35 Forschung aktuell 17.05 Wirtschaft und Gesellschaft 17.35 Kultur heute 18.10 Informationen am Abend 18.40 Hintergrund 19.15 Andruck. Politische Literatur 20.10 Musikjournal 21.05 Jazz live. HubertNuss-Trio 22.05 Rock et cetera. Die Band The Jezabels 22.50 Sport 23.10 Das war der Tag 0.05 Fazit 1.05 Nacht-Radio. Milestones. Jan Garbarek 2.05 Nachtkonzert

Deutschlandradio Kultur 5.05 Ortszeit 6.23 Wort zum Tage. Pfarrerin Sabine Steinwender-Schnitzius 9.07 Radiofeuilleton 9.55 Kalenderblatt 12.07 Ortszeit 13.30 Kakadu. Infotag 14.07 Radiofeuilleton 16.50 Elektronische Welten 17.07 Ortszeit 18.07 Weltzeit 18.30 Da capo 19.07 Fazit am Abend 19.30 Zeitfragen. Wie der Zeitgeist die deutsche Rechts- und Innenpolitik verändert 20.03 RichardStrauss-Festival Garmisch-Partenkirchen. ErĂśffnungskonzert. Mozart: OuvertĂźre zur Oper „CosĂŹ fan tutte“; Richard Strauss: Erste Sonatine F-Dur, „Aus der Werkstatt eines Invaliden“; Zweite Sonatine Es-Dur, „FrĂśhliche Werkstatt“ (German Winds, Leitung: Mark Mast) 21.33 „Ganz die Deine“. HĂśrspiel nach Claudia PiĂąeiro 22.30 Ortszeit 23.05 Fazit 0.05 Neue Musik. Dilettantismus als Provokation. Dieter Roth (1930–1998) 1.05 Nachtgespräche 2.05 Tonart. Jazz

WDR 5 6.05 Morgenecho 6.55 Kirche. Pastor Christof Lenzen, Eschweiler 9.05 ZeitZeichen 9.20 Tagesgespräch 10.05 Neugier genĂźgt 12.05 Scala. Darin: Die Celler Schule 13.05 Mittagsecho 14.05 Lilipuz 15.05 LebensArt. Live mit HĂśrerInnen und Experten. Fremde Länder, fremde BĂźcher, fremde Musik. Mit Kultur auf Reisen 16.05 Leonardo – Wissenschaft und mehr 17.05 Westblick 18.05 Profit. Wirtschaftsmagazin 18.30 Echo des Tages 19.05 Politikum. Das Meinungsmagazin 19.30 Bärenbude. Verwandlung im Supermarkt 20.05 Das Feature. Odyssee im Euroraum: Griechenlands Irrfahrten. Warum sie lange andauern werden (Wh. vom Sonntag 11.05) 21.05 Scala (Wh. von heute 12.05) 22.05 Leonardo (Wh. von heute 16.05) 23.05 Ausgewählt. Wh. aus „Neugier genĂźgt“ 23.30 Berichte von heute 0.05 Nachtaktiv – Wiederholungen vom Tage

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KULTUR7ELT

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12.00 Vor Ort 12.30 Thema 13.45 Thema 15.00 ZDF-History 15.45 ZDF-History 16.30 ZDF-History 17.15 Das Superschiff 17.30 Vor Ort 18.00 Die Spur der Schätze 18.30 Leonardo â€“ Das Universalgenie (1/2) 19.15 Leonardo â€“ Das Universalgenie (2/2) 20.00 Tagesschau 20.15 Die Geschichte des Lebens (1/4) 21.00 Die Geschichte des Lebens (2/4) 21.45 heute-journal 22.15 Katharina die GroĂ&#x;e (1/2). Eine deutsche Prinzessin wird Zarin. Dokumentarfilm 2006 23.00 Katharina die GroĂ&#x;e (2/2). Dokumentarfilm 2006 23.45 Ticket nach Telluride 1.05 Stau, Stress und Blechlawine (1) Dokumentation

0ODCAST


MONDAY, JULY 9, 2012

Copyright © 2012 The New York Times

Articles selected for

Female And Single, In Iran Unmarried Women Gain Wider Acceptance By THOMAS ERDBRINK TEHRAN

W PHOTOGRAPHS BY BORYANA DZHAMBAZOVA FOR THE INTERNATIONAL HERALD TRIBUNE

In Congo, Women Burdened by Loads and Life Cesarine Maninga, above, carries a heavy load, for which she earns a dollar or two a day. Women have become human pack animals in Congo.

By BORYANA DZHAMBAZOVA and PAULIN BASHENGEZI

BUKAVU, Democratic Republic of Congo — At around 6 in the morning Cesarine Maninga straps a 50-kilogram sack of charcoal to her back and trudges off toward Bukavu, capital of South Kivu province in eastern Congo. Ms. Maninga, 43, is just one of hundreds of women who ply this trade each day, lugging loads of up to 100 kilograms for short distances. On this morning, she hopes to sell makala — dry charcoal used for heating and cooking. She will walk almost 10 kilometers with her load, a trek she makes at least twice a week. “I don’t have a choice,” she said, with bitter resignation. “I have to feed my family” — 11 children and an unemployed husband. Women like Ms. Maninga are a common sight in Bukavu: female carriers are human pack horses. Several international surveys have rated Congo as the world’s worst place to be a woman. According to a study published in the American Journal of Public Health last year, 48 Congolese women are raped every hour. For years, various militia and rebel groups have used rape as a weapon to destroy communities. Across eastern Congo during years of war, women have acquired an added burden, that of bearing heavy loads. Horses, donkeys and trucks are too expensive, residents say. The roads, if any, are nearly impassable, except

on foot. In the city, the bearers shuttle goods between the lakeside harbor and the market, and make deliveries for well-off shoppers. They carry cassava and bananas; sugar cane and flour; charcoal, sand and firewood. Each woman carries hundreds of kilograms per week. There are no meal or rest breaks — just more kilometers to walk for one or two dollars a day, barely enough for a measure of flour or rice. In this region, where war in the 1990s deci-

mated what industry and agriculture existed, food is mostly transported from elsewhere, and thus relatively expensive. And it was the years of war — when men were killed or returned to find no work — that gave eastern Congo its legions of female bearers. Four million to five million people died in bloodshed and because of disease and starvation, and many men were off fighting. Even after male survivors returned, women continued to bear the loads to feed their families.

Although the literacy rate here is around 67 percent of the adult population, according to Unesco, many girls don’t go to school at all because their parents struggle to pay the school fees. Women are poorly represented in political institutions. That is slowly changing here, but not quickly enough for female activists. “Unfortunately, it has become a fashion in D.R.C.,” said Solange Lwashiga, executive secretary of a local nongovernmental group, the South Kivu Congolese Women Caucus for Peace. “Women have replaced machines. Women have replaced vehicles.” Esperance Lubondo, who owns boats that carry goods into Bukavu’s harbor, tired of seeing women crowding in to unload her vessels. “This job is so dehumanizing,” she said. She has established an Association of Women Carriers to improve conditions. Funded by donors and tiny contributions from members, the group offers women members microloans between $50 and $100 so they can abandon the bearing business and try to build up another way to make a meager living. “There are women in the D.R.C. who are entrepreneurial,” Ms. Lwashiga said. “So if you give like $10 to a Congolese woman, I tell you that in a month, you’ll find $30.” Stella Yanda, who heads a nongovernmental group called Initiatives Alpha, said this

Continued on Page 4

HEN SHOUKOUFEH, AN English literature student from a backwater town, set out to rent an apartment for herself here in the capital, she first stopped at a jewelry store and picked up a $5 wedding ring. Accustomed to living with lies to navigate the etiquette of Iranian society, where women are traditionally expected to live with their parents or a husband, the 24-year-old would prominently flash her fake gold band to real estate agents and landlords who would otherwise be reluctant to lease an apartment to a single woman. “To them and my neighbors, Female Factor my roommate and I are two mar- Articles in this ried women away from their hus- series examine the bands to pursue our studies,” she most recent shifts in women’s power, explained. “In reality, we are of prominence and course both single.” impact on societies There are no official statistics around the world, and try to measure on the number of women living the influence of by themselves in big cities in women on early 21st century Iran. development. But university professors, real To see other estate agents, families and many articles from the young women all say that a phe- series: nytimes.com/ nomenon extremely rare just 10 Search “female” years ago is becoming common- and “factor” place, propelled by a continuous wave of female students entering universities and a staggering rise in divorces. The shift has left clerics and politicians struggling to deal with a generation of young women carving out independent lives in a tradition-bound society, away from the guidance of fathers and husbands. Desperate to stop the trend, the government introduced a campaign to promote quick and cheap marriages — but it backfired, experts said, by cheapening an institution deeply anchored in Iran’s ancient culture. That has left the young women to develop strategies Continued on Page 4

World trends

Russia-Syria bonds, personal and political.

3

money & busIness

Vying for mineral riches in Mongolia. IntellIgence:

5

arts & styles

From the bayou, a film of raw power.

6

In china, lit tle economic clout for women, Page 2.

Change the World? Game On The world is fortunate to have bona fide geniuses seeking global peace, a cure for cancer and unlimited clean energy. But ordinary people can change the world as well: just ask the cellphone-wielding multitudes who upended the Arab world. LENS The good news is that some methods for fixing the world don’t include getting shot at by government tanks or whacked in the head by riot police. In a few cases, you won’t even have to leave your most comfortable chair. Jane McGonigal believes that compulsive gamers can be a force for transformation and problem solving. She and other proponents of “gamification” believe that the intense focus of gamers can be channeled into real-world issues. In a 2010 talk for the Web site TED, she estimated that For comments, write to nytweekly@nytimes.com.

humans spend three billion hours a week gaming. “If we want to solve problems like hunger, poverty, climate change, global conflict and obesity,” she argued, the hours should rise to 21 billion. “What games do successfully,” she told The Times, “is help you tap into certain gamer traits like optimism, resilience and learning from failure that are really useful to have when you’re tackling a tough challenge.” Last year, the collective work of gamers solved a problem in 15 days that had vexed H.I.V. researchers for 15 years. Working off a Web site called Foldit, the gamers were able to map an important H.I.V.related enzyme by following a gamelike process developed by the computer scientist Zoran Popovic. Non-gamers may opt to put their money where their ideals are. Social impact bonds were created to entice investors to spur social change, The Times reported. In Peterborough, England, a group called Social Finance has raised about $8 million from investors to combat recidivism in released

Making a difference, by online gaming or public shaming. prisoners. If, in two years, the reconviction rates fall, the British government will pay back the investors with interest. (The lower the reconviction rates, the better the profit for investors.) Other countries, including the United States, Australia, Canada and Israel, are exploring the bonds as well. If armchair gaming and check writing are still too physical, there is always thinking. Good thoughts, that is. James Atlas wrote in The Times that a Buddhist retreat he attended in Vermont focused on how our thoughts create many of humanity’s biggest problems. “What’s affecting the world is the unhealthy state of mind,” a teacher stressed, according to Mr. Atlas,

citing a litany of nasty problems that arise from human attitudes: “violence, horror, bias, ecological catastrophe, the entire range of human pain.” The more minds that are calmed through meditation, Buddhists argue, the more peaceful the planet. Other spiritual warriors prefer a bit of legwork. Sister Nora Nash of the Sisters of St. Francis in Philadelphia has been leading her colleagues into the halls of power to question the moral practices of companies like Goldman Sachs, McDonald’s and Wells Fargo, The Times reported. Using their retirement fund, they buy just enough shares to submit resolutions at shareholder meetings. They also press to meet with executives, and, if necessary, ratchet up some old-fashioned public shaming. “We’re not here to put corporations down,” Sister Nora told The Times. “We’re here to improve their sense of responsibility.” And maybe, in their own quiet way, to change the world. KEVIN DELANEY

FOLDIT

Ordinary people can be forces for transformation. A Web site called Foldit let gamers to collectively map an important H.I.V.-related enzyme in only 15 days.


2

MONDAY, JULY 9, 2012

SÜddEUtSchE zEItUng O P I n I O n & c O M M E n tA RY

e d i to ri a ls o f the t i m es

PAUl kRUgMAn

Europe’s Great Illusion

Immigrants And Small Business Immigrants are known as entrepreneurial people, for obvious reasons: those with the ambition and energy to uproot themselves and build new lives in a distant land are well equipped to build businesses and the economy, too. That is the common wisdom, anyway, which a new study from the Fiscal Policy Institute strikingly confirms. The study, based on American census data, looks at owners of small businesses across the country and paints a broad and detailed picture of immigrant entrepreneurship. The study found that there were 900,000 immigrants among small-business owners in the United States, about 18 percent of the total. This percentage is higher than the immigrant share of the overall population, which is 13 percent, and the immigrant share of the labor force, at 16 percent. Small businesses in which half or more of the owners were immigrants employed 4.7 million people in 2007, the latest year for which data were available, generating $776 billion in receipts. They accounted for 30 percent of the growth in small businesses — those with fewer than 100 employees — between 1990 and 2010. Immigrant entrepreneurs are concentrated in professional and business services, retail, construction, educational and social services, and leisure and hospitality. They own restaurants, doctor’s offices, real-estate firms, groceries and trucktransportation services. More of them come from Mexico than any other country, followed by Indians, Koreans, Cubans, Chinese and Vietnamese. California has the

highest percentage of immigrants among small-business owners at 33 percent, followed by New York (29 percent), New Jersey (28 percent), Florida (26 percent) and Hawaii (23 percent). The study did not look at immigrants’ legal status, but because it covered only incorporated firms, not off-the-books operations, it presumably included few, if any, business owners without papers. By rousingly affirming the centrality of immigration in the American economy, the study exposes a fault line running through the Republican Party, which mythologizes small-business owners while treating immigrants with hostility bordering on fury. There is no shortage of conservative business owners who celebrate the immigrant contribution to America — Mayor Michael Bloomberg of New York and Rupert Murdoch are two — but Republican leaders, including the party standard-bearer, Mitt Romney, have allied themselves with extremist efforts to limit immigration and hound and harass millions of unauthorized immigrants out of the country. In G.O.P. strongholds like Arizona — and Alabama, home to sleepy small towns where Latino-owned bodegas and laundries are among the only signs of economic life downtown — anti-immigrant policies are threatening to strangle economic growth. If Republicans started believing their own rhetoric about small-business owners, they would see immigration not as a sea of troubles but as a deep well of capitalist energy, waiting to be fully tapped.

Crippled, Chaotic Pakistan For years, Pakistan has ignored the Obama administration’s pleas to crack down on militants who cross from Pakistan to attack American forces in Afghanistan. Recent cross-border raids by Taliban militants who kill Pakistani soldiers should give Islamabad a reason to take that complaint more seriously. Last month, General Ashfaq Parvez Kayani, Pakistan’s army chief of staff, raised the issue in a meeting with General John Allen, the commander of American and NATO forces in Afghanistan. He demanded that NATO go after the militants on the Afghan side of the border, according to Pakistani news reports. General Allen demanded that Pakistan act against Afghan militants given safe haven by its security services, especially the Haqqani network, which is responsible for some of the worst attacks in Kabul. Fighting extremists should be grounds for common cause, but there is no sign that Pakistan’s military leaders get it. They see the need to confront the Afghan-based insurgency that threatens their own country and has killed thousands of Pakistani soldiers and civilians. But they refuse to cut ties with the Haqqanis and other militants, who give Islamabad leverage in Afghanistan and are the biggest threat to American efforts to stabilize that country. Pakistan’s political system is growing ever more dysfunctional, even as the need to take on the border chaos becomes more urgent. Obama administration officials are “reaching the limits of our patience,” Defense Secretary Leon Panetta said recently. But the United States cannot just walk away. It needs Pakistan’s help in reopening a critical supply route to Afghanistan and in urging the Taliban to engage in peace talks so that combat troops can be withdrawn from Afghanistan by the end of 2014. It also

needs to monitor Islamabad’s growing nuclear arsenal. Some in the United States Congress want to designate the Haqqanis as a terrorist organization. That would be unwise because such a move could lead to Pakistan’s being designated a terrorist state subject to sanctions and make cooperation even harder. The United States has no choice but to try to work with Pakistan, including the army, when it can. Officials hope the crisis in relations caused by the killing of Osama bin Laden and other events will pass. Meanwhile, they are holding the Pakistanis more at arm’s length and setting narrower goals; President Obama declined to hold an official meeting with President Asif Ali Zardari at the NATO summit meeting in Chicago in May. The United States has little choice but to continue drone attacks on militants in Pakistan. It has urged India to become more involved in Afghanistan and on June 28, a conference was held in New Delhi to urge companies to invest there. That makes sense as long as India’s activities are transparent. Pakistan is paranoid about India, which it sees as a mortal adversary. After 2001, Pakistan had a chance to develop into a more stable country. It had strong leverage with the United States, which needed help to defeat Al Qaeda and the Taliban in Afghanistan. Pakistan received billions of dollars in aid and the promise of billions more, which Washington has begun to suspend or cancel. But the army continues its double game — accepting money from the Americans while enabling the Afghan Taliban — and the politicians remain paralyzed. Soon, most American troops will be gone from Afghanistan. And Pakistan will find it harder to fend off its enemies, real and perceived.

A Court Rules for the Planet A federal court decision on June 26 upholding the Environmental Protection Agency’s landmark rulings to control greenhouse gases was a decisive victory for the Obama administration and a devastating blow to polluters. It vindicated the administration’s strategy of controlling emissions through regulation and showed good sense at a time when both the agency and the science of global warming are under relentless Congressional attack. The unanimous decision by a three-judge panel of the United States Court of Appeals for the District of Columbia covered dozens of suits from industry groups and 14 states challenging four rules that are components

IMPRESSUM Die Beilage erscheint in Zusammenarbeit zwischen der New York Times und der Süddeutschen Zeitung. Verlag: Süddeutsche Zeitung GmbH, Hultschiner Straße 8, 81677 München Druck: Süddeutscher Verlag Zeitungsdruck GmbH, Zamdorfer Straße 40, 81677 München Redaktion: Kurt Kister (verantwortlich)

of the administration’s effort to limit greenhouse gases. The most important of these — the bedrock from which the other rules flowed — was the agency’s “endangerment finding” in 2009 that carbon dioxide and other greenhouse gas emissions constitute a danger to public health and could thus be regulated under the Clean Air Act. The judges said the agency’s reading of its authority had been “unambiguously correct” and that the agency had based its case on careful research and sound science. The court upheld three related regulations, including the first round of clean car and fuel economy standards covering model years 2012-16, issued by the E.P.A. and the Transportation Department in 2009 and aimed at significantly reducing greenhouse gases from cars and light trucks while improving fuel efficiency. It also upheld rules establishing a timetable for controlling emissions from stationary sources like power plants and “tailoring” those controls so that only the largest emitters are covered. President Obama had hoped that Congress would tackle greenhouse gases through legislation. When that did not happen, the administration had to use its authority under the clean air laws. With that power firmly ratified, the E.P.A. can now move ahead with the second round of clean car standards proposed last year and a final rule on power plants. Both will be good news for the planet.

Chinese parents will help a male relative buy a home before a daughter. Searching real estate listings in Hong Kong. ALEX HOFFORD FOR THE INTERNATIONAL HERALD TRIBUNE

IntEllIgEncE/LETA HONG FINCHER

Missing Out on a Real Estate Boom Shanghai Wendy is a sales manager in Shanghai, and until last year, she was in control of her destiny. Wendy, whose name has been changed to protect her identity, had saved tens of thousands of yuan after graduating from a university and was about to realize her dream of home ownership by making a down payment on an apartment in Shanghai. Then her parents persuaded her to help her male cousin buy a house instead. “My biao ge is already 34 and has been unable to find a wife,” says Wendy, a 28-year-old only child, referring to her older male cousin. “My parents thought that if we helped him buy a home, he might be able to get married.” Despite China’s market reforms over the past few decades, most women still have little economic clout. Gender discrimination has prevented the advancement of women to senior management positions, caused the income gap between men and women to increase sharply, and shut women out of housing wealth as the government now tries to deflate a real estate bubble. China’s gender wealth gap is more than an issue of fair treatment. If left unaddressed, it may drag down the already slowing economy. Women’s full economic potential must be realized, particularly as China’s population ages and its workforce shrinks. China may have been praised for blasting its first woman into space recently, but the next generation of leaders — set to take power starting later this year — shows no sign of taking systemic gender inequality seriously. Wendy’s story complicates the argument that the Chinese government’s draconian one-child policy has been a boon for urban daughters. The thinking is that young women in China today are the most Leta Hong Fincher is a doctoral candidate in sociology at Tsinghua University in Beijing, where she focuses on gender inequality. Send comments to intelligence@nytimes.com.

educated in Chinese history, and part of the reason for their educational achievement is that they do not have to compete with a brother for parental investment. The theory may be true with regard to education, which can be attributed to the Maoist principle of gender equality. But when it comes to the large sums of money involved with the purchase of residential real estate, young urban women still have to compete with other men in their extended family. If parents have both a son and daughter, they routinely buy a home only for the son. That pattern of favoritism is troubling enough, but what is even more stunning is that some parents have declined to help their only child make a down payment on a home specifically because she is female. Instead, the parents of these

In China, few women benefit from the riches made in real estate. women will spend substantial sums — often more than 100,000 yuan or tens of thousands of dollars — to buy a home for another male relative. Take Linda, whose name has also been changed. Linda is a 27-year-old IT officer in Shanghai, whose parents helped her male cousin pay for a home with cash. Meanwhile, Linda’s parents declined to make even a small contribution toward the down payment on a home for her. Does Linda feel a sense of injustice? No, she says, as the idea that it is essential for the man in the extended family to own a home was ingrained from an early age. “My parents have no obligation to help me buy a home, but my biao ge has nowhere to live,” Linda told me. These stories illustrate just one way in which women in China were shut out

of what is arguably the biggest accumulation of real estate wealth in history, worth more than $17 trillion in 2010, according to the bank HSBC. Even with tight regulations on buying property, China still has the largest residential real estate market in the world and the home ownership rate recently hit 90 percent, according to China’s central bank (although ownership rates in big cities are lower). Property is the biggest source of wealth in cities like Shanghai, according to recent data by Hurun Report and Gao Fu Wealth Management. The only way that ordinary residents can afford to buy homes is by pooling assets, and in a deeply patriarchal society, that means real estate wealth is largely channeled toward men. The latest government survey on women shows that roughly two thirds of men own or jointly own property, compared with about one third of women. But these numbers obscure the extent to which property is owned solely by men. Much of China’s male-owned residential real estate has been heavily financed by women with their hard-earned savings. Certainly, some women in China are able to resist the powerful social forces compelling them to cede ownership of their most valuable asset — property — to men. I am hopeful that more parents will realize the importance of helping daughters, as well as sons, buy a home. But for now, stories like that of Wendy are too common. Wendy is anxious to marry for fear of becoming a sheng nü — or “leftover” woman — doomed to spinsterhood, even though she is two years shy of 30. She has turned down a lucrative promotion because her fiancé wants her to spend more time with him, and they are now shopping for a home. She will help with the down payment and mortgage, even though her fiancé has so far not agreed to add her name to the deed. Meanwhile, Wendy’s male cousin has yet to find a bride. But thanks to the money she and her parents gave him, he is now the owner of a new home.

nIchOlAS d. kRIStOf

Africa on the Rise MASERU, Lesotho Generations around the world have learned to pity Africa. It’s mainly seen as a quagmire of famine and genocide, a destination only for a sybaritic safari or a masochistic aid mission. So here’s another way to think of Africa: an economic dynamo. Is it time to prepare for the African tiger economy? Six of the world’s 10 fastest-growing economies between 2001 and 2010 were in Africa, according to The Economist. The International Monetary Fund says that between 2011 and 2015, African countries will account for 7 of the top 10 spots. Africa isn’t just a place for safaris or humanitarian aid. It’s also a place to make money. Global companies are expanding in Africa; vast deposits of oil, gas and minerals are being discovered; and Goldman Sachs recently issued a report, “Africa’s Turn,” comparing business opportunities in Africa with those in China in the early 1990s. I’m writing this column in Lesotho, a mountainous kingdom (it was snowing the day I arrived!) in southern Africa, on my annual win-a-trip journey. The winner this year, Jordan Schermerhorn, an engineering student at Rice University in Houston, Texas, and I visited garment factories that make clothing for American stores. This country is Africa’s biggest apparel exporter to America. One set of factories we visited, belonging to the Nien Hsing Textile Company, a giant Taiwanese corporation, employs 10,000 people in Lesotho, making this its biggest operation in the world. Workers turn out blue jeans for Levi’s and other American companies, and Alan Han, a senior company official, said quality is comparable to that of factories in Asia.

China does get the promise on the continent. Everywhere you turn in Africa these days there are Chinese businesspeople seeking to invest in raw materials and agriculture. But American businesses seem to be only beginning to wake up to the economic potential here. Why does that matter? Because trade often benefits a country more than aid. I’m a strong supporter of aid, but economic growth and jobs are ultimately the most sustainable way to raise living standards. The United States Congress has badly

A trip begins in a nation symbolic of a continent’s promise. bungled the picture by delaying renewal of a provision of the Africa Growth and Opportunity Act, or AGOA. This promotes trade by providing duty-free access to the American market. It isn’t an aid program but an initiative to help Africa create jobs through exports. Some 300,000 jobs in Africa have been created because of AGOA, according to the Brookings Institution, but, in the last few months, countless Africans have been laid off because of the delay in renewal. American importers don’t want to place orders unless they are sure that the provision will be renewed and the clothing can enter duty-free. In Lesotho alone, about 5,000 garment workers have lost their jobs because of this maddening

Congressional delay. African countries have botched trade because of corruption, onerous rules and uncompetitive minimum wages. The minimum wage for garment workers is about $37 per month in Bangladesh, compared with about $120 in Lesotho. Or consider infuriating red tape. In Swaziland, it takes 12 procedures and 56 days to start a company, according to the World Bank’s superb “Doing Business” report for 2012. In Niger, it takes 326 days to build a warehouse. In Senegal, it takes 43 procedures and more than two years to enforce a legal claim. Some of the otherwise most impressive countries in Africa, like Rwanda, also undermine themselves with their political repression. Ethiopia’s dictator, Meles Zenawi, is doing an excellent job of raising health and living standards, but he also presides over a security service that kills and rapes with impunity — and imprisons journalists who report on abuses. All in all, though, Africa is becoming more democratic, more technocratic and more market-friendly. One of the problems with journalism is that we focus on disasters. In Africa, that means we cover famine in Somalia and genocide in Sudan, terrorism in Nigeria and warlords in Congo. Those are important stories, but they can also leave a casual reader convinced that all of Africa is lurching between genocide and famine. So that’s why I decided to start this win-a-trip journey in a delightful country like Lesotho that just had a democratic change of power. Its streets are safe, and it is working on becoming one of the first countries in the world with an electric grid 100 percent reliant on renewable energy. It’s a symbol of an Africa that is rising.

MaDRiD Over the past few months I’ve read a number of optimistic assessments of the prospects for Europe. Oddly, however, none of these assessments argue that Europe’s German-dictated formula of redemption through suffering has any chance of working. Instead, the case for optimism is that failure — in particular, a breakup of the euro — would be a disaster for everyone, including the Germans, and that in the end this prospect will induce European leaders to do whatever it takes to save the situation. I hope this argument is right. But every time I read an article along these lines, I find myself thinking about Norman Angell. Who? Back in 1910 Angell published a famous book titled “The Great Illusion,” arguing that war had become obsolete. Trade and industry, he pointed out, not the exploitation of subject peoples, were the keys to national wealth, so there was nothing to be gained from the vast costs of military conquest. Moreover, he argued that mankind was beginning to appreciate this reality, that the “passions of patriotism” were rapidly declining. He didn’t actually say that there would be no more major wars, but he did give that impression. We all know what came next. The point is that the prospect of disaster, no matter how obvious, is no guarantee that nations will do what it takes to avoid that disaster. And this is especially true when pride and prejudice make leaders unwilling to see what should be obvious. Which brings me back to Europe’s still extremely dire economic situation. It comes as something of a shock, even for those of us who have been following the story all along, to realize that more than two years have passed since European leaders committed themselves to their current economic strategy — a strategy based on the notion that fiscal austerity and “internal devaluation” (basically, wage cuts) would solve the problems of debtor nations. In all that time the strategy has produced no success stories; the best the defenders of orthodoxy can do is point to a couple of small Baltic nations that have seen partial recoveries from Depression-level slumps, but are still far poorer than they were before the crisis. Meanwhile the euro’s crisis has metastasized, spreading from Greece to the far larger economies of Spain and Italy, and Europe as a whole is clearly sliding back

Total disaster is still an option under Germandictated fiscal austerity. into recession. Yet the policy prescriptions coming out of Berlin and Frankfurt have hardly changed at all. But wait, you say — didn’t last month’s summit meeting produce some movement? Yes, it did. Germany gave a little ground, agreeing both to easier lending conditions for Italy and Spain (but not bond purchases by the European Central Bank) and to a rescue plan for private banks that might actually make some sense (although it’s hard to tell given the lack of detail). But these concessions remain tiny compared with the scale of the problems. What would it really take to save Europe’s single currency? The answer, almost surely, would have to involve both large purchases of government bonds by the central bank, and a declared willingness by that central bank to accept a somewhat higher rate of inflation. Even with these policies, much of Europe would face the prospect of years of very high unemployment. But at least there would be a visible route to recovery. Yet it’s really, really hard to see how such a policy shift could come about. Part of the problem is the fact that German politicians have spent the past two years telling voters something that isn’t true — namely, that the crisis is all the fault of irresponsible governments in Southern Europe. Here in Spain — which is now the epicenter of the crisis — the government actually had low debt and budget surpluses on the eve of crisis; if the country is now in crisis, that’s the result of a vast housing bubble that banks all across Europe, very much including the Germans, helped to inflate. But now the false narrative stands in the way of any workable solution. Yet misinformed voters aren’t the only problem; even elite European opinion has yet to face up to reality. To read the latest reports from European-based “expert” institutions, like the one released last month by the Bank for International Settlements, is to feel that you’ve entered an alternative universe, one in which neither the lessons of history nor the laws of arithmetic apply — a universe in which austerity would still work if only everyone had faith, and in which everyone can cut spending at the same time without producing a depression. So will Europe save itself? The stakes are very high, and Europe’s leaders are, by and large, neither evil nor stupid. But the same could be said, believe it or not, about Europe’s leaders in 1914. We can only hope that this time is different.

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sÜddeutsche zeitung

MONDAY, JULY 9, 2012

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world trends

Russians and Syrians Are Tied by History and Marriage By ELLEN BARRY

AYMAN OGHANNA FOR THE NEW YORK TIMES

Consumerism in Iraq may mask underlying problems. Maximall, one of several new malls.

Iraq’s Oil Finances New Malls By TIM ARANGO

BAGHDAD — They are good places to escape the desert heat, and in a conservative Islamic culture, they are one of the few places where young couples openly flirt or women smoke cigarettes in public. American-style malls, fixtures in most of Iraq’s wealthy Persian Gulf neighbors, have come late to war-torn Baghdad as a consumer society fueled by the country’s booming oil profits begins to flourish. Big malls are being built across the capital. The largest will include a fivestar hotel and a hospital, and at one already in operation, a truck arrives each week carrying frozen Big Macs from a McDonald’s in Jordan. The construction boom is generally hailed as proof of Iraq’s progress and return to normalcy, more than nine years after the American invasion and six months after the last combat troops departed. But economists and other experts see a dark side. They say the emerging consumer culture masks fundamental flaws in an economy that, like those of other energy-rich countries like Saudi Arabia and Qatar, stifles productive enterprise by relying almost solely on oil profits and the millions of government salaries those profits finance as part of the country’s vast patronage system. “Basically, Iraq is trying to build a consumer society, not on state capitalism like in China, but on socialism,” said Marie-Hélène Bricknell, the World Bank’s representative in Iraq. One of Washington’s aims was to develop a free-market economy here. Yet with so much oil wealth at hand, Iraq’s leaders have taken few steps to develop a private sector. More than 90 percent of Iraq’s government revenues derive from oil, and with oil production rapidly expanding, the country’s annual revenues could triple over five years, to more than $300 billion. One of the greatest questions the country faces is what it will do with all that cash. Diplomats are generally pessimistic

MOSCOW — There are about 20,000 Russian wives in Syria, the human legacy of a cold war alliance that, starting in the 1960s, mingled its young elites in Soviet dormitories and classrooms. This unusual diaspora offers some insight into the many-stranded relationship between the two countries, one that makes the Kremlin reluctant to cast off Syria’s president, Bashar al-Assad. Russia has strategic interests in Syria, including arms contracts that amount to $700 million a year, and a tiny port on the Mediterranean Sea that is its last military base outside the former Soviet Union. But there is also a human factor, set in motion 50 years ago when social ties were forged among young people who met in college. Walk into any government ministry or corporate headquarters in Syria and you will almost certainly find men who spent their 20s in Russia; many brought home wives and raised children in Russianspeaking households. “They are wives of the elite, who can have some influence, but it’s a soft influence,” said Nina Sergeyeva, who until recently led an organization of Russian expatriates from her home in Latakia. “The elite of Syria, the men, are very oriented toward Russia.” As the conflict in Syria continues to defy a diplomatic solution, there are an estimated 30,000 Russian citizens living there, most women and children, Russian government officials estimate. This is an issue that Moscow has confronted before in the Middle East, when the collapse of Soviet-allied governments left Russian citizens stranded. But it has not faced anything on these proportions, or in the age of social media, when the plight of ethnic Russians could prove a serious embarrassment to Moscow. “Based on the recent experience of evacuation from Lebanon and Palestine in recent years, problems always arise — though there we weren’t talking about thousands or tens of thousands of people, but several hundred,” said Yelena Suponina, a Moscow political analyst specializing in the Middle East. The task of evacuating Russians from Syria, she said, “would be 100 times worse.” The Russian population in Syria dates to an experiment begun in 1963, when the socialist Baath Party came to power. The Soviets provided education to top students from Asia, Africa and Latin America, mixing them with Soviet classmates in work brigades and “evenings of friendship.” The goal was to forge a global, pro-Soviet

Roksana Dzhenid married her Syrian husband Wa’el in 2000 and now lives in Moscow. With her, she said, he escaped the intense family ties of marriages in Syria. OLGA KRAVETS FOR THE NEW YORK TIMES

intellectual elite; the immediate result was weddings. Young women emigrated as the wives of doctors, professors and officials; “the Soviet side said farewell to them and essentially gave them up for lost,” said Natalya Krylova, a historian who has published widely on Russian populations in Africa. Syrian-Russian unions were especially common — and not just for geopolitical reasons, husbands and wives said in interviews. Many Syrian men felt genuinely transformed by their time in Russia; they also sought to avoid paying a bride-price as is customary in the Middle East. Mahmoud al-Hamza, who met his wife, Nadezhda, in a Moscow park in 1971, said that in order to marry a Syrian, “you need an apartment, you need to pay money, you need to buy gold, and for a Russian woman you just need a wedding ring.” Soviet women had their own reasons to

Baghdad fails to develop a healthy private sector. MENAHEM KAHANA/AGENCE FRANCE-PRESSE — GETTY IMAGES

that the money will be used either to help develop a private sector or to pay for an ambitious public works program — something the country, where 40 percent of the population lacks access to safe drinking water, desperately needs. Instead, experts worry it will finance more corruption and add to the government payroll. The Iraqi Ministry of Planning says that almost a third of the labor force works for the government. That is more than five million people, and the number is rising. Because government salaries are much higher than those in the private sector, independent businesses operate at a disadvantage. The World Bank ranks Iraq 153rd out of 183 countries on the ease of doing business. “Building a consumer society on top of nothing is like building a bubble that will burst in the future,” Ms. Bricknell said. With the shopping malls, she said, “you are putting a veneer over a rotting core, basically.” For now, though, that veneer looks pretty good in a place that has suffered so much. Lamiya al-Rifaee, 40, a mother and a businesswoman, was shopping recently at a mall that had a security check. She complained that the mall was not as big or as fancy as the ones she had visited in Dubai, United Arab Emirates, or Turkey. But for Iraq, she said, it is a good start. Here, she said, “I can watch my kids playing safely and get whatever I need in the stores.” She added, “Iraqi women really have the shopping disease.” “People have to have fun,” said Mathem Shakir, the chief engineer of a $25 million mall project on the edge of the upper-class neighborhood of Mansour. It will feature Western brands like Ecco shoes, a video-game arcade, restaurants and a bowling alley. “People have to have the same things as everyone else in the world.” Yasir Ghazi and Omar al-Jawoshy contributed reporting.

Villagers and supporters want to designate the agricultural terraces of Battir and their Roman-era irrigation system as a World Heritage site. BAttir journAl

Ancient Marvel of Farming Is Under Threat By ISABEL KERSHNER

BATTIR, West Bank — In this scenic Palestinian village in the West Bank hills near Bethlehem, just south of Jerusalem, a week is said to last eight days. That is because Battir’s eight extended families take daily turns watering their crops from the natural springs that feed their ancient agricultural terraces, a practice they say has worked for centuries. The water flows through a Roman-era irrigation system down into a deep valley where a railway track — a section of the Jaffa-Jerusalem railway built in Ottoman times — roughly marks the 1949 armistice line between the West Bank and Israel. The area is dotted with tombs and ruins upon ruins of bygone civilizations. As the World Heritage Committee of the United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization met in St. Petersburg, Russia, through July 6, this pastoral area was thrust into the spotlight as the villagers and conservation experts continued a fight to save it. The experts say the Battir terraces are under imminent threat because Israel plans to build a section of its West Bank security barrier right through the valley, parallel to the railway track. They were seeking to have Battir nominated as a World Heritage site on an emergency basis, a move that might persuade Israel to change its plans for the construction. The formal submission of the case was blocked at the last minute on the grounds that it had come too late. Instead, the Palestinian delegation to Unesco pushed a higher-profile, more political effort to have Bethlehem’s Church of the Nativity, the traditional birthplace of Jesus, and

pilgrimage route put on the list of sites on an emergency basis. “If Battir is submitted only next year, it may be too late,” said Giovanni Fontana Antonelli, the cultural heritage program specialist at the Unesco office in Ramallah, in the West Bank. “If the wall goes through the valley, it will totally destroy the integrity of the site,” he added. “The work of human beings there needs to be valued,” he said. “It is the work of centuries.” Israel says its system of fences and walls, razor wire and patrol roads is essential to prevent Palestinian suicide bombers from reaching Israeli cities. “Nobody thinks that Israel’s security concerns are not legitimate or important,” said Gidon Bromberg, the Israeli director of Friends of the Earth Middle East. But, he added, “there are alternative ways to bring about security without destroying 4,000 years of cultural heritage for the Israelis, the Palestinians and all of humanity.” On a recent evening, Mohannad Abu Hassan, a schoolteacher, was working a small triangular plot in the valley with his son Muhammad, 12. Water poured in from one corner as they turned the rich soil planted with green beans, zucchini, eggplant and chard. In the old core of the village, children bathed in the cool waters of the central spring. Akram Bader, the mayor of Battir, recently traveled to Unesco headquarters in Paris to push his case and plans to go to St. Petersburg. “For three months I couldn’t sleep,” Mr. Bader said. “I cannot imagine my village divided. If we have lived in peace these last 60 years, we can live the same way forever.”

Some wives of Syria’s elite have roots in the Soviet Union. pursue Syrians — nondrinkers who, thanks to the Baath Party’s ties to the Communists, traveled freely in and out of the Soviet Union. A new wave of marriages followed the Soviet collapse, as young women sought a way out of economic chaos. “Let all the world hear this: Russian men, maybe not all of them, but more than half of them are gigolos,” said Roksana Dzhenid, who married Wa’el, a businessman, in 2000, and lives with him in Moscow. He benefited too, she noted, by escaping the intense fam-

ily ties that come with a Syrian bride. “If there is a quarrel, what will a Russian woman do? She will cry,” she said. “Maximum, she will go to her friend and say, ‘He is such and such.’ And what will an Arab woman do? She will gather a posse of all her relatives. She may run at night to her husband’s mother and sister and start yelling.” Taha Abdul Wahed, a journalist who married a Russian woman and lives outside Damascus, said the phenomenon was so visible that in recent years, even young men who have never set foot in Russia have started “to call us very seriously and say, ‘Help me marry a Russian.’ ” Russian-Syrian families were drawn into a bitter conflict 16 months ago, when Mr. Assad’s government began a harsh crackdown on antigovernment protests. The opposition has since become an armed insurgency. Russia blames outside elements for

the bloodshed and stands staunchly behind the government, continuing to supply Syria with arms and blocking international efforts to force Mr. Assad from office. Among the thorniest issues is that, after 50 years of intermarriage, the line between who is Russian and who is not may be difficult to find, if it exists at all. Svetlana N. Zaitseva, 62, who lives in the Syrian port city of Tartus, was 19 when she met her husband, a linguistics student living in the same dormitory in what was then Leningrad. A mother of three and grandmother of four, she is clinging to the hope that the conflict will end; but even if it escalates into war, she said, she would still choose to stay in Syria to the end. “It cannot be otherwise,” she said. “We have become part of this place. Our children are here, who are citizens of Syria, and our grandchildren. Everything here is ours.”


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MONDAY, JULY 9, 2012

sÜddeutsche zeitung world trends

Indian Women Fight Against Toilet Injustice By JIM YARDLEY

THE NEW YORK TIMES

The Women Of Juárez Fear Wave Of Killings

PHOTOGRAPHS BY SHAUL SCHWARZ FOR THE NEW YORK TIMES

Reaction to the deaths of 60 women in Ciudad Juárez has been muted. Posters of the missing. Elvira González holds a picture of her dead daughter.

By DAMIEN CAVE

CIUDAD JUÁREZ, Mexico — First, there were just a few bones and body parts, found in a valley beyond the sprawl of this wild city. At least four women had been killed and dumped, the authorities said. Then, in the same area, investigators made another discovery early this year: a dozen more dead women and girls. Most disappeared in 2009 and 2010, and when last seen alive many were teenagers, good students with bright smiles of possibility. In death, however, they have become apparitions. Idalí Juache’s mother still insists her daughter is missing, though the police linked her DNA to cranial fragments in the valley’s grave. Elvira González said she felt what seemed like her daughter’s spirit at home, before finding out she had been dumped in the grave. “I never believed this was how she would be brought back to us,” Ms. González said, fighting tears in her modest kitchen. “I always believed she’d be given back to us alive.” Ciudad Juárez became infamous for a wave of attacks beginning in the 1990s that left hundreds of women dead over the course of a decade. International attention moved on, but the killings have continued. About 60 women and girls have been killed this year; at least 100 have been reported missing over the last two years. Officials say there have already been more women killed in 2012 than in any year of the earlier so-called femicide era. This time, though, the response has been underwhelming. “People haven’t reacted with the same force as before,” said Gustavo de la Rosa, a human rights investigator for Chihuahua State. “They think it’s natural.” Mexican authorities have made prom-

ises to prioritize cases like these for years, and in the wake of international pressure, prosecutors now argue that more of the killings are being solved. But arrests and convictions are exceedingly rare. For the victims found in the mass grave in the Juárez Valley, even the most basic details were still a mystery months later: forensic teams said they were not even sure how many women were buried there. “It’s a more vulnerable group,” said Hector Hawley, the forensics investigator documenting the crime scenes of most of the women killed in Ciudad Juárez. “These are not people we expect to see killed.” In his view, the stunning tally of women killed is mostly caused by the increased local involvement in gangs and drugs; and jealous men. He opened a file on his computer show-

ing one of the 18 women killed in April. “She was stabbed 63 times,” Mr. Hawley said. “The killer had to be on drugs.” He opened another file, showing a woman, shot dead, in a garbage pile. “She was pregnant,” he said. “We think she owed her bosses money for something, drugs maybe.” He clicked through several other cases showing women young and old, mostly shot and killed at close range. He and two investigators in his office said they did not have any specific information about the women found in the mass grave, but they warned against seeing their deaths as the product of a single cause. “In Juárez, there’s everything,” Mr. Hawley said. “There are jealous husbands, jealous fathers-in-law, there are women killing women.” After surveying 155 killings out of 340 documented between 1993 and 2003, a government committee found that roughly half were prompted by motives like domestic violence, robbery and gang wars, while a little more than a third involved sexual assault. Victims’ advocates argue that the killings found in the valley fall on the more bizarre end of the spectrum. Francisca Galván, a lawyer who has been working with the parents of missing girls, said that Ms. González’s daughter, Perla, 15, was last seen downtown talking to a middleaged man. Several other girls from the grave, along with some still missing, also disappeared from locations nearby, Ms. Galván said. All were around the same age and several looked very similar. Posters hanging all over the city show that they had long, straight dark hair and skinny frames. “The authorities, they don’t want to see the truth,” Ms. Galván said. “Life here just has so little value.”

Her own theories run the gamut: maybe the girls were targeted for organ theft, maybe the killers arrived as part of the surge in deportations that has sent thousands of immigrant criminals to Ciudad Juárez from the United States. American officials in El Paso said they were shaking their heads, too; when drug gangs are involved in high-profile killings, paid informers usually call with tips. But not in the case of the Juárez Valley grave. For the parents, the authorities have done far too little explaining. Ms. González said that one state investigator claimed to

A dozen Mexican victims in a mass grave, but few clues for investigators. speak to the spirit of her missing daughter. She said he came to her house before the identifications were announced. After lingering in Perla’s room, he told her she wanted to give her a message: “I’m on my way.” “Tell me where you are — where should we look for you?” Ms. González said she shouted. But it was no use: “I can’t say,” came the reply from the investigator. Two weeks later, the authorities told Ms. González that Perla was dead. She said that the message — real or fake — could only have come from the devil because it increased her pain. “Here, the only one who gives us justice and obedience to the law is God,” she said. “And there’s no escaping.”

MUMBAI, India — Men and women here in India’s largest city, a congested, humanity-soaked metropolis of roughly 20 million residents, would seem bound by at least one common misery: far too many people sharing far too few toilets. But there is a difference — unlike men, women often have to pay to urinate. So for months, social advocates like Minu Gandhi have canvassed the city, arguing that this disparity amounts to blatant discrimination and asking women to start demanding a right most of them had never contemplated: the Right to Pee. “We all feel this is a basic civic right,” Ms. Gandhi said, “a human right.” Recent census data found that more than half of Indian households lacked a toilet, a rate that has actually worsened in the past decade despite India’s growing wealth, as slums and other substandard housing have proliferated in growing cities. Yet what is unique about the so-called Right to Pee campaign — whose catchy title was coined by the Mumbai media — is the argument that the bathroom in India is governed by a double standard. Like men, women in villages often must urinate outdoors, in fields. But unlike them, they sometimes endure taunting and even sexual assault. Many rural women urinate in small groups, before dawn, to protect against harassment. In Mumbai, formerly Bombay, millions of people depend on public toilets, which are usually in dark and filthy buildings. The municipal government provides 5,993 public toilets for men, compared with only 3,536 for women. Men have an additional 2,466 urinals. (A 2009 study found an even greater imbalance in New Delhi, the national capital, with 1,534 public toilets for men and 132 for women.) Almost always, a male attendant oversees these toilets, collecting fees. Petty corruption is rampant in India, and public toilets are no exception: men must pay to use a toilet but can use urinals free (based on the premise that urinals, usually just a wall and a drainage trench, do not need water). But women are regularly charged to urinate, despite regulations saying they should not be. “Even if you say you are only urinating, they say, ‘How do we know?’ ” said Yagna Parmar, another social activist involved in the campaign. “So they ask for money.” Inside a slum known as Shivaji Nagar, at least 350,000 people — perhaps twice that many — live beside one of the city’s largest dumps. The exact number of public toilets is unclear but, by one estimate, the ratio is no better than 1 toilet for every 300 people. Women must adapt their daily routines: many visit the bathroom early in the morning to avoid lines and leering. They avoid drinking much water. And they carry change. A miniscandal erupted in New Delhi last month over the country’s Planning ComSruthi­Gottipati­contributed­reporting.­

mission spending roughly $54,000 to refurbish its toilets. The campaign began last year when social advocates gathered from around the state of Maharashtra, which includes Mumbai. “Initially, this was considered a little frivolous,” said Mumtaz Sheikh, one of the organizers. “But we told people, ‘No, this is an important issue, and we want to work on it.’ ” Women now constitute almost half the city’s work force, yet many of them work in jobs with no access to a toilet. Activists have collected more than 50,000 signatures supporting their demands that the local government stop charging women to urinate, build more toilets, keep them clean, provide sanitary napkins and a trash can, and hire female attendants. Dr. Kamaxi Bhati, a physician and a researcher, linked the toilet situation in Mumbai directly to female health problems, especially a high incidence of urinary tract and bladder infections. Dr. Bhati said drinking water was vital to stave off such infections, yet many women tried to reduce water intake to limit how often they had to urinate. Not drinking enough water is doubly dangerous, given that temperatures

A lack of toilets is linked to health issues like bladder infections. can reach triple digits in Mumbai. “It’s the responsibility of the government to provide toilets,” she said. “Suppose my child has diarrhea. What do I do if I can’t pay?” Municipal officials were willing to release statistics on the number of public toilets in the city but otherwise refused to comment on the issue. The toilet fees might be considered nominal, ranging from 2 to 5 rupees (about 4 to 9 cents). Yet the poverty line is so low that the government recently defined the urban poor as those living on less than 29 rupees a day. “It’s expensive for me,” Shubhangi Gamre said of the cost to visit the toilet. She lives in Shivaji Nagar and earns about $27 a month working in a tiny drugstore. “It cuts into our food money. How can we afford everything?” Last month, social advocates met with city officials who told them of new plans to build hundreds of public toilets for women across the city. Some local legislators are now vowing to build toilets for women in every one of their districts. “Of course it’s a good feeling,” said Supriya Sonar, a member of the campaign, saying that the Right to Pee group is now lobbying for women to be hired in the proposed projects. “Our actual work starts now.”

Bearing Loads to Make a Meager Living Con­­tin­­ued­from­Page­1

BORYANA DZHAMBAZOVA FOR THE INTERNATIONAL HERALD TRIBUNE

Cesarine Maninga carried a load of charcoal to help feed her family.

would also help end what she sees as double discrimination. “For the same amount of goods, men are paid better than women,” she said, getting 1,000 Congolese francs, or about $1, while women barely make 500. Ms. Yanda and Ms. Lwashiga also want to see a law that would cap the weight of bundles allowed at 50 kilograms. Carrying jobs are not easy to get. At Beach Muhanzi, one of Bukavu’s biggest markets, female carriers wait for hours. “We carry the sand from boats to the market,” said Jeanette Cibalonza. “We carry around 50 kilos of sand” a day. Another woman, who said she had been carrying for 32 years, said her earnings were just enough for a daily plate of corn

Women bear up to 100 kilograms for a dollar or two a day. flour and vegetables. Carrying heavy loads inevitably affects the women’s health — from muscle soreness and cramps to sharp back and neck pains or even brain damage from ropes tied around the forehead to share the weight. Ms. Maninga returns home exhausted. She complains of constant headaches and backaches; she once broke her arm carrying a bundle.

“Sometimes I carry this bag without eating anything, and when I take it off I feel dizzy,” she said, but added, “I’m used to it, and I cannot stop.” Ms. Lwashiga agrees. “I don’t see this job disappearing any time soon, unless we have women in decision-making levels,” she said. Ms. Maninga will earn around $3 for her load of charcoal but must wait several days to get paid. Until she has the whole sum, she cannot buy a new load to sell. On days when she fails to sell her burden, she has to carry it back to her shack in the mountains. Now, she must wait for her next load. There is precious little to eat at home, and she has mouths to feed. The hardest part of her day is yet to come: creating something out of almost nothing.

PRASHANTH VISHWANATHAN FOR THE NEW YORK TIMES

Women are often forced to pay to use the restroom in India, cutting into their money for food and goods. Open toilets in the Shivaji Nagar slum of Mumbai.

In Tradition-Bound Iran, Some Single Females Are Slowly Gaining Greater Acceptance Con­­tin­­ued­from­Page­1 to fend for themselves in a society where social codes are often based on deep suspicion of female sexuality. Shoukoufeh, who would not give her full name for fear of losing her lease, said that prying eyes often peek through the cracks of doors whenever she walks down the hallway. But she said she draws strength from her parents, who support her choice to live alone. “They know I want to be independent,” she said decisively. “They understand times have changed.” In the not-so-distant past, single women had to endure severe social stigmatization, suspected of having loose morals or dismissed as spinsters who were failing to fulfill their role in life. But that is changing in the big cities, in large part because of their sheer numbers, but also because of the prevalence of satellite television, social media and cheap foreign travel, many Iranians say, which have helped to change attitudes. University enrollments have been rising strongly in Iran over the last decade, and Somaye­Malekian­contributed­­reporting.­

women now account for nearly 60 percent of the total. Having broadened their horizons in four years of college, many women have trouble finding husbands they consider their equals. In the same period, divorces have increased by 135 percent, forcing society, if not its leaders, to begin to accept single women. “Many of my friends, especially those who came from small towns to study in Tehran, are living by themselves,” Shoukoufeh said. “For many girls of my age group, living single is the norm now.” Big city life, with its opportunities and freedoms, has created new ambitions, she said , and allowed her and her friends to lead lives completely different from their parents’. “When my mother was young, finding a husband and having children was the only measurement of success,” said Shoukoufeh, who is planning to leave Iran to pursue her studies. “Now — at least to me — it is the least important factor.” For those in power, who promote motherhood as a holy virtue, but also see higher education as a nationwide ambition, marriage is the only solution for the growing number of single women.

In Iran, it is easier for women to live alone in cities. A fashion show in Tehran.

MORTEZA NIKOUBAZL/REUTERS

“Young people who are not married are nude, as marriage is like divine clothes to cover them,” a leading ayatollah, Kazem Saddighi, said last month in a sermon. He also urged all Iranians to have children and follow the example of the household of the Prophet Muhammad.

In Iran’s Shiite theocracy, Fatima Zahra, the daughter of the prophet and a widely admired saint, is a role model of womanhood. According to Islamic tenets, she was a mother and guardian of her family, but also politically active and ready to sacrifice herself for her husband, Ali, the founder of Shiism.

Iranian society is still far from many Western countries, where marriage and motherhood are increasingly seen as optional. But to prevent a shift in that direction, Iran’s Supreme Council of Cultural Revolution, which sets out social policies, ordered in 2006 that marriage be made as cheap and easy as possible. A key objective set out then was to “reduce expectations and formalities” so that families are “encouraged to help their children to marry.” Traditional wedding ceremonies are elaborate and expensive in Iran, which makes it hard for many singles — men or women — to marry even if they want to. Desperate to stop the trend, the government introduced a campaign to promote quick and cheap marriages, which backfired. “Instead of making marriage more attractive, they turned it into fast food,” said Mohammad Amin Ghaneirad, the head of the Iranian Sociological Association. “Because of this attitude, marriages are dissolved as easily as they are solemnized.” In the past, divorced women were condemned to lives of solitude, hidden away at their parents’ houses, where society expected them to remain.

More education and a higher divorce rate alter society’s expectations. But the enormous increase in broken marriages and the higher wages that come with a university degree are allowing many women to redefine success. “To my surprise, my parents also wanted me to live by myself,” said Nazanin, 35. Her income as a manager of a cosmetics company allowed her to rent an apartment after she left her husband because of his drug addiction. “I strongly believe in God,” she said. “He wanted this for me. My single life is so much better.” At her work everybody is divorced, said Nazanin, who did not want her family name mentioned. She recently moved into a new apartment building where everybody is over 30 and single. “Society has no option but to accept us,” she said. “I hope the state will follow.”


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money & business

Microsoft Takes Aim at Hardware By NICK WINGFIELD

PHOTOGRAPHS BY GILLES SABRIE FOR THE NEW YORK TIMES

Mongolia’s Powerful Neighbors Covet Its Minerals By DAN LEVIN

TAVAN TOLGOI, Mongolia — “All you need to mine here is a shovel,” said an awestruck Indian investment manager as he and dozens of international mining industry executives and other eager investors gazed at the immense coal pit gouged out of the earth below. Not only does Mongolia have enough coal to fuel China’s huge demand for 50 years, but this nation of herders also has troves of copper, gold, uranium and other minerals the world covets. Landlocked between China and Russia, Mongolia’s three million people face a geopolitical quandary: every path to prosperity leads through their mighty neighbors’ territory. And Moscow and Beijing intend to make Mongolia pay dearly for the privilege. That reality is abundantly clear here at Tavan Tolgoi. Beneath the earth lies the world’s largest untapped coal deposit, only 225 kilometers from the Chinese border. Fearing China may gain undue political influence, the Mongolian government has spent years in a diplomatic dance over who will get to develop an estimated 816-millionmetric-ton portion of the deposit, much of it coking coal essential to making steel. The two main bidders are Shenhua Energy, a Chinese state-owned enterprise; and the American-based Peabody Energy, with offices in Brisbane, Australia. A RussianMongolian consortium and companies

Global mining executives are vying to develop Tavan Tolgoi, which may hold the largest untapped coal deposit in the world. Ulan Bator, the capital of Mongolia.

from Japan and South Korea are also interested. The United States, a major donor and diplomatic ally, is pushing on behalf of Peabody, and observers say the future of Mongolian-American relations hinges in large part on what happens in the final deal. China is increasing the diplomatic pressure as well. But infighting in Mongolia’s democracy has thrown into turmoil efforts to forge a mining agreement over Tavan Tolgoi. “We’re a small country sandwiched between two elephants,” said Puntsag Tsagaan, a presidential adviser on mining. “We can’t go to war and fight, so we have

to secure our economic growth through diplomacy.” But Mongolia’s rowdy nationalists have grown increasingly powerful. And they have much to complain about. The taint of corruption clings to every government deal with a world power or multinational corporation. The Mongolian press reports horror stories about pastureland fouled by mining. Most Mongolians have enjoyed little of the riches extracted from their land. Many are upset at a 2009 deal giving Ivanhoe Mines of Canada a 66 percent share of Oyu Tolgoi, the world’s largest untapped deposit of copper and gold. Ivanhoe, whose majority owner is Rio Tinto of

Australia, is spending over $4 billion to develop the mine. Parliament finally passed long-languishing legislation that prohibits foreign stateowned enterprises from buying a majority of Mongolia’s “strategic” industries without government approval. Parliamentary candidates made the new deal a campaign issue in June 28 elections, vowing that much more of the profits will stay in Mongolia this time. But without more foreign help, the mines will remain untapped. Mongolians are forced to accept an average of 30 percent less than their commodities are worth on the open market, analysts say. “If China closed the borders, we would starve to death,” said Zolboo Bataa, 34, an account manager for a multinational construction equipment company in Ulan Bator, the Mongolian capital. “We’re trying to make a deal with world powers that’s in line with our national interest,” the Mongolian president, Tsakhia Elbegdorj, said. “Reaching a consensus is complicated.” To help break Beijing’s grip, Ulan Bator has embraced a $7 billion railroad expansion through Russia that will give Mongolia direct access to more customers. “Mongolia is without a doubt getting more respect from world powers,” said John Johnson, an executive based in Beijing with CRU, a mining consultancy. “Because it’s got something everybody needs.”

SEATTLE — When the iPad came out more than two years ago, Microsoft executives were startled to learn Apple had bought large quantities of high-quality aluminum from an Australian mine to create the distinctive iPad cases, according to a former Microsoft employee involved in the discussions. The executives were stunned by how deeply Apple was reaching into the global supply chain to secure innovative materials and to corner the market on those supplies. Microsoft’s executives worried that Windows PC makers were not making the same kinds of bets. The incident was one of many that pushed Microsoft to create its own tablet computer, the Surface, unveiled in June. It is the first time the company is selling its own computer hardware, competing directly with the PC makers that use its Windows operating system. For hardware makers, the PC market has long been a struggle because Microsoft and Intel, maker of the microprocessors that power most computers, have long extracted most of the spoils from the industry, leaving slim profits for the companies that make them. Manufacturers pay hefty fees to license Windows from Microsoft, putting pressure on them to make computers as cheaply as possible using commodity parts. That, in turn, has limited their ability to take risks on hardware innovation. Furthermore, with the iPad, Apple has proved there are advantages to designing hardware and software together. When separate companies handle those chores, integrating hardware and software can be more challenging. “You’ve got this sclerotic partnership structure where the partners don’t have any oxygen to be innovative,” said Lou Mazzucchelli, a former technology analyst who is now an entrepreneur for a venture capital fund backed by the state of Rhode Island. “I believe Microsoft was painted into a corner,” he said. “If they didn’t move soon, Apple would have so much of a lead, it would be almost impossible to catch them.” Even before the iPad was announced in early 2010, Microsoft understood that computers were on the verge of a transformation, to touch-based controls from keyboards and mice. A decade earlier, Bill Gates, Microsoft’s chairman, had even introduced a forerunner to the iPad — called the Tablet PC — but the product, manufactured by other hardware companies, was clunky. It was a flop. Later, with rumors swirling about Apple’s pending introduction of the iPad, the Hewlett-Packard Company and Microsoft scrambled to create a new tablet computer. When it came to making a finished device though, the H.P. tablet began to change for the worse, according to the former Microsoft executive and a former

Frustrated with its PC partners, Microsoft plans its own tablet. H.P. executive who worked on the project. The product was “completely ruined” as H.P.’s manufacturing organization began to procure the parts they believed would be sufficient to power the device, the former Microsoft employee said. In the end, the H.P. tablet was thick, the Intel processor it used to made the device hot, and the software and screen hardware did not work well together, causing delayed responses to touch action on its screen. That kind of problem was unacceptable, especially after Steven P. Jobs, then Apple’s chief executive, unveiled the first iPad, to glowing reviews, just three weeks after the H.P. device was shown. Microsoft worked with other hardware pa rtners to devise products that would be competitive with the iPad, but it ran into disagreements over designs and prices. “Faith had been lost” at Microsoft in its hardware partners, including by Steven Sinofsky, the powerful president of Microsoft’s Windows division, according to the former Microsoft executive. H.P. fumed at Microsoft for not doing more to create Windows software that was better suited to touch-screen devices. Microsoft refused to commit significant resources to help H.P., partly because the company was devoting its energy to Windows 8, a new version of its operating system being tailored for touchscreen devices. In April 2010, H.P. acquired Palm, maker of the WebOS operating system for mobile devices, and made its own tablet. But it sold poorly. Microsoft, in turn, began to invest more in developing its own tablet hardware. Steven Guggenheimer, a Microsoft corporate vice president, said in a statement the company’s hardware partners were not a factor in Microsoft’s decision to create a tablet computer of its own. In a nod to Apple’s work with aluminum, Microsoft began to closely study materials that could be used to create a distinctive case for a tablet. It gravitated toward magnesium, a lightweight metal that felt good to testers when held in their hands, the former Microsoft executive said. In June, Microsoft executives spent a portion of their presentation describing the magnesium case of Surface, strong and scratch-resistant. “The case is oneof-a-kind,” Mr. Sinofsky said, holding the gray device in his hands.

To Be More Effective at Work, Don’t Forget to Take That Break By PHYLLIS KORKKI

Keep your fingers on the keyboard and your eyes on the screen. Because the more time you put in, the more you’ll get done, right? Wrong. Growing evidence shows that taking regular breaks from mental tasks improves productivity and creativity — and that skipping breaks can lead to stress and exhaustion. Mental concentration is similar to a muscle, says John P. Trougakos, an assistant professor at the University of Toronto Scarborough and the Rotman School of Management. It becomes fatigued after sustained use and needs a rest before it can recover, he says — much as a weight lifter needs rest before doing a second round of repetitions at the gym. Breaks can induce guilt because they’re “this little oasis of personal time that we get while we’re selling ourselves to someone else,” Professor Trougakos says. But

A brief mental vacation serves to recharge the mind and spirit. that’s just the point. Employees generally need to detach from their work and their work space to recharge their internal resources, he says. Options include walking, reading a book in another room or taking the all-important lunch break, which provides both nutritional and cognitive recharging. It’s shortsighted not to take this time, or for managers to discourage it, he says. Try to take a break before hitting the bottom of your mental barrel, Professor Trougakos says. Symptoms of overdoing it include drifting and daydreaming.

There is no need to take a break if you’re on a roll, Professor Trougakos advises. Working over an extended period can be invigorating — if it’s your choice. What drains your energy most is forcing yourself to go on, he says. But too many breaks can abet procrastination, he warns. “Anything at an extreme level,” he says, “is not going to be good.” Most workers don’t take enough breaks — especially breaks involving movement, says James A. Levine, a professor of medicine at the Mayo Clinic in Rochester, Minnesota. He has done studies showing that workers who remain sedentary throughout the day are impairing their health. “The design of the human being is to be a mobile entity,” says Dr. Levine, who is also a proponent of standing, and even walking, while working and during meetings. Dr. Levine is a supporter of nap breaks, but only if they are allowed by management, he says. Otherwise, nappers can be

perceived as slackers — even though research shows that naps improve productivity. When it comes to productivity and concentration, everyone has a different capacity. Management should encourage employees to devise individually effective break routines, Dr. Levine says. But he also has some guidelines: try working in intense 15-minute bursts, punctuated by breaks, in cycles repeated throughout the day. This works because “the thought process is not designed to be continuous,” he says. “Long hours don’t mean good work — highly efficient, productive work is more valuable.” They also encourage those flashes of genius that employers value so much, he adds, noting that Albert Einstein is thought to have conceived the theory of relativity while riding his bicycle. When you come down to it, Dr. Levine says, “the work should break up the break.”

DAMIAN DOVARGANES/ASSOCIATED PRESS; ABOVE, JAMES BEST Jr./THE NEW YORK TIMES

Steven Sinofsky, a Microsoft president, presented the magnesium-encased Surface tablet in Los Angeles in June. Microsoft is itself producing the device.

Personalized Web Marketing Is Spreading, but Many Customers Find It Offensive By NATASHA SINGER

YUKO SHIMIZU

Dmitri Siegel, until last year a marketing executive at clothing chain Urban Outfitters, thought he had a novel idea to personalize the company’s Web site for frequent customers. He would make it easier for female shoppers to peruse women’s apparel and for men to concentrate on men’s clothing by altering the site’s product displays to match a user’s gender. “If you could just stop marketing dresses to men, it would be amazing,” Mr. Siegel said in June about his thoughts at the time. With the help of a Web site optimization company called Monetate, Mr. Siegel experimented with gender personalization on the site. But it backfired. Many female Urban Outfitters customers regularly bought men’s items and they took offense. “We saw customer frustration at being targeted outweigh any benefit,” said Mr. Siegel, now the vice president of global

e-commerce at Patagonia. “If you got it wrong once, it outweighed getting it right 10 times.” Greater personalization is now finetuning e-commerce with tailored shopping experiences. Retailers look at customers’ locations, past purchases and current online activities to customize content to individuals in real time. But many people are unaware that sites may show them material different from what their neighbors see. Personalization should be similar to conversations, says Mahender Nathan, vice president for ecommerce at Godiva. “In conversation, if you think it’s odd that you know something about someone that they didn’t share with you, don’t use it,” he said. Half of the largest online retailers in the United States used some personalization last year, compared with about 33 percent the year before, according to Internet Re-

A balance between knowing consumers and scaring them. tailer’s Top 500 Guide. And e-tailers are turning to a handful of specialty software companies like Monetate to help them analyze customer data and segment their audiences for special treatment. Monetate, based in Conshohocken, Pennsylvania, has designed technology that marketing executives can use to modify or run experiments on their Web sites using natural language, not computer code. A marketer can instantly customize a site to appeal to, say, customers from Los Angeles, people who are interested in watches,

big spenders — or high-end Los Angeles watch collectors — offering those particular audiences $50 off a purchase of $500 or more. The system can compare the actions of shoppers who receive tailored offers to those of people who did not. The dashboard charts the results, displaying the impact of site changes on new customer acquisition, average purchase amount per customer, overall sales and return on investment. Kurt Heinemann, chief marketing officer of Monetate, says personalization is just the latest incarnation of old-fashioned customer service. “It’s like a 1950s retailer, where people knew their customers and could steer them to things they knew they would like,” he said. “You perform better by tailoring the experience.” But when personalization gets too personal, as Urban Outfitters’ executives

learned, it can come too close for many consumers’ comfort. Hyper-customization may produce reactions similar to the “uncanny valley” effect in robotics in which people find themselves repulsed by humanoids that too closely resemble humans. Retailers say they are grappling with how to make customization helpful without being invasive. Right now, for example, Patagonia is experimenting with customization, showing waterproof gear to customers in Seattle during rainstorms and surfer boardshorts to users in Southern California. Knowing a customer’s location, Mr. Siegel says, enables Patagonia to be more precise about delivery times. “There’s a lot of hype around personalization. I am deeply skeptical,” Mr. Siegel said. “The big question right now is: ‘Is it right for my business, is it right for my customer?’ ”


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In a Mythical Bayou, Genuine Passions By RACHEL ARONS

MONTEGUT, Louisiana — The filmmaker Benh Zeitlin has an intuitive way of letting real people and places work their way into the mythical stories of his imagination. His short film “Glory at Sea” (2008) is about a band of mourners who build a boat from storm debris and rescue their loved ones trapped underwater. Mr. Zeitlin, 29, a New York City native, had planned to shoot that film abroad, but on a 2006 visit to New Orleans, he felt the story in his head connect with the period after Hurricane Katrina, which devastated the city in 2005. The premise was that the residents of a community could band together in a “wild, reckless movement of hope,” he said recently. “And I felt that start to happen when I got down here.” Mr. Zeitlin’s first feature film, “Beasts of the Southern Wild” (now showing in the United States; featured at the Munich film festival on June 30; in wide release through summer and fall in Europe), creates another richly imagined universe rooted in his connection to an actual place and the people there. The debut won awards at Sundance and Cannes. Writing in The New York Times, Manohla Dargis said the film

was “hauntingly beautiful both visually and in the tenderness it shows toward the characters,” and The Times’s A. O. Scott called it “a blast of sheer, improbable joy.” Shot on a limited budget with nonprofessional actors in remote southern Louisiana, “Beasts” is set in a mythologized bayou called the Bathtub, a harsh utopia cut off from civilization by a levee but pulsating

A defiant spirit in the harsh utopia of the Louisiana gulf. with natural beauty and the raucous, defiant spirit of its inhabitants. At the film’s core is tiny Hushpuppy (Quvenzhané Wallis, only 6 at the time of shooting) and her magical way of making sense of her world: the absence of her mother; the failing health of her father, Wink (Dwight Henry); and the storm that threatens to wash her world away. When developing his film, Mr. Zeitlin

traveled outside of New Orleans, where he now lives, in search of real-life cultures on the front lines of storms and coastal erosion. “When you look at the map, you can see America kind of crumble off into the sinews down in the gulf where the land is getting eaten up,” said Mr. Zeitlin. “I was really interested in these roads that go all the way down to the bottom of America and what was at the end of them.” What he found were the bayou fishing towns of Terrebonne Parish. Relatively unscathed by Katrina but hit hard by subsequent hurricanes, Terrebonne has a vibrant culture that extends to the edge of the Mississippi Delta’s vanishing wetlands. On his first trip he drove down a narrow road, half-sunk in water, leading to the tiny Isle de Jean Charles. Only 40 years ago the thriving home of French-speaking American Indians, the island, with two dozen families left, is disintegrating into the Gulf of Mexico. Isle de Jean Charles provided Mr. Zeitlin’s reference points for the Bathtub’s surreal ecological precariousness and its residents’ fierce commitment to remaining. Mr. Zeitlin and Lucy Alibar adapted the script from her play, and Mr. Zeitlin said his goal was to capture “emotional facts” that

the reality of land loss or hurricane damage alone fail to convey. “What is the feeling of going through this loss of a place or of a parent or of a culture? How does that feel, and how do you respond emotionally to survive that?” Mr. Zeitlin, whose parents are folklorists, inherited their passion for finding art and poetry in ordinary life. He developed the script over eight months in Terrebonne and was all but adopted by a family there. Despite the film’s elements of myth and fantasy, scenes in the Bathtub channel the feeling of hanging out in a bayou bar, at a crab boil, and at one of South Louisiana’s exuberant celebrations, one of the most powerful ways the region copes with tragedy. “I didn’t put anyone or anything in the movie that I didn’t have awe and love and respect for,” Mr. Zeitlin said. The film’s intimacy has much to do with the nonprofessional actors. Mr. Henry is a baker, and Quvenzhané Wallis, a “sprite who holds the camera’s attention with a charismatic poise that might make grownup movie stars weep in envy,” said The Times, was chosen from some 3,500 Louisiana children . The crew, a small army of artists and filmmakers from across the country (“Beasts”

‘‘Beasts of the Southern Wild’’ depicts the magical ways ordinary people face hardship. Quvenzhané Wallis, near left.

FOX SEARCHLIGHT PICTURES

is a production of the film collective Court 13), built the Bathtub with found artifacts and rusted-out equipment from the surrounding area, and the spirit of self-sufficiency and resourcefulness that characterizes rural southern Louisiana suffused the set. On the first day of the shoot the Deepwater Horizon oil rig exploded in the gulf, and the filmmakers were getting word that the approaching oil could shut down the fishing

industry for years. “I was rewriting scenes as we were going based on moments that we were experiencing with this sort of dread,” Mr. Zeitlin said. But the story he put on screen remained fundamentally hopeful: a modern-day Louisiana folk tale about the power of a tiny subculture — obscure, imperiled, but with more holidays than anyplace else on earth — to fight back against terrific forces of nature.

Sifting Through Songs For the Man Inside It’s there, fat and juicy, right on the track listing of the new Chris Brown album, “Fortune” — a song called “Don’t Judge Me.” Since pleading guilty in 2009 to assaulting Rihanna, his girlfriend at the time, Mr. Brown has released three good to very good albums, each an opportunity for listeners to scavenge essay closely for hints about his inner life. A song called “Don’t Judge Me” screams out for deeper consideration. Maybe Mr. Brown is finally ready to share. No genre seems to demand this sort of magnifying glass as frequently as R&B these days. Mr. Brown, Usher and R. Kelly, the three biggest male stars in R&B, each of whom has a new album out, have each grappled with a major moral crisis in recent years that has shaped the direction of their careers. Their travails have left stains on their images. For Mr. Brown the Rihanna attack remains a cloud over him, even as his popularity has grown. R. Kelly has largely changed tacks since he was acquitted in 2008 of child-pornography charges, emphasizing neutered classic soul over the more salacious music he specialized in previously. Only Usher has faced his controversies — allegations of infidelity, a nasty divorce — though to be fair, they were moral and personal, not criminal allegations. All three artists, though, highlight the seeming impossibility of listening at a remove. Of these three, only Usher even offers that possibility. Over the years Usher’s voice has congealed into one of the most soothing in R&B, and on his often-great new album “Looking 4 Myself,” he covers a range of styles. Usher’s vocals betray the smallest amount of trouble, even as his lyrics convey the most, though this is probably his least intimate record

JON CARAMANICA

since his 2004 smash “Confessions.” He’s the most malleable R&B star, and also the most at ease. “Climax,” the first single from this album, is pure unflustered seduction in the singing, but the lyric is tragic. “I gave my best/it wasn’t enough,” he coos. “We made a mess of what used to be love/so why do I care at all?” Usher is the rare artist emboldened by his missteps. R. Kelly, on the other hand, seems to have been cowed by his. Mr. Kelly’s implicit response to this issue has been to cleanse his music altogether. Usher has done the opposite, cleansing himself through confession. “Write Me Back,” Mr. Kelly’s new album, is for him tepid — which is to say, technically accomplished, but lacking the snakelike vocal slither and moist subject matter that mark him at his most virtuosic. His legal issues, though resolved, seem to have taken away Mr. Kelly’s ability to be romantically forceful or to use any of the unfortunate metaphors that link sex to violence. Mr. Brown has been the least articulate in response to his actions, sneaking resentful lyrics onto his albums while still largely failing to address in public the events that almost made him a pariah. The slick and energetic “Fortune” continues that trend, and no, “Don’t Judge Me” is not about his public image. At least not that part of his public image. “You’re hearing rumors about me,” he sings, “and you can’t stomach the thought/of someone touching my body/ when you’re so close to my heart.” Even Mr. Brown’s confessions are boasts of his sexual prowess. Listening to Mr. Brown at the deepest level balances aesthetic pleasures, when they happen, with superegolike selfprotection against aligning oneself too closely with someone who’s done such heinous things.

R&B’s biggest male stars: Usher, Chris Brown and R. Kelly.

SAMIR HUSSEIN/GETTY IMAGES FOR AMERICAN EXPRESS, LEFT; ROBYN BECK/AGENCE FRANCE-PRESSE, CENTER; CHAD BATKA FOR THE NEW YORK TIMES

Opening A Door To Pop Art By TED LOOS

Some time in the mid-1970s Dorothy Lichtenstein stopped by her husband’s studio on the Bowery one day after lunch, expecting to find him at work on a new painting. But instead of creating, the Pop master Roy Lichtenstein was intent on an act of destruction. Using a matte knife, Lichtenstein — who had long been a household name for his Benday dot paintings of the 1960s — was slashing away at several earlier works, small and colorful abstractions dating to the late ’50s. “He had dug them out of somewhere and was just cutting them up,” Ms. Lichtenstein recalled recently. “So his assistant and I yelled, ‘Stop!’ ” They managed to grab a few of the paintings and tucked them away. Now three of them, lent by Ms. Lichtenstein from her large trove of her husband’s works, are appearing in “Roy Lichtenstein: A Retrospective,” a major exhibition of work by the artist, who died in 1997, on view at the Art Institute of Chicago until September 3. “In a way I’m hesitant to lend them since Roy was destroying them,” Ms. Lichtenstein, 72, said, seated in the living area of the large West Village complex, created from several buildings, that serves as her New York residence and also houses her husband’s last studio and the Roy Lichtenstein Foundation. Ms. Lichtenstein added that she assumed he simply wasn’t happy with the early pieces, but that they may round out the public’s perception of his work. “I think it’s good to have them there,” she

COURTESY OF THE ESTATE OF ROY LICHTENSTEIN; TOP, KEVIN RYAN

Roy Lichtenstein’s widow backs a major retrospective. said. “He wasn’t someone who suddenly emerged fully formed in 1961. He had a somewhat tortured career as an artist before that. He used to describe putting his works on the roof of his old car, driving in from Ohio and going from gallery to gallery.” Merely by saving them in the first place, Ms. Lichtenstein helped shape the Chicago show, which features more than 170 works and will eventually travel to the National Gallery of Art in Washington, the Tate Modern in London and the Pompidou Center in Paris. She lent dozens more works for the exhibition from her personal holdings, which number in the hundreds. Ms. Lichtenstein had been feeling that her husband was due for a “really major show”; his last full retrospective was in 1993, at the Guggenheim Museum, when Lichtenstein was still alive. The Chicago show has many of the Pop paintings that audiences may already

know, like “Drowning Girl” (1963), but James Rondeau, chairman of the contemporary department at the Art Institute, said that he was particularly pleased to feature nearly 50 works on paper, a medium that was not included in the 1993 show. Ms. Lichtenstein encouraged Mr. Rondeau to pore through 70 boxes of works on paper that are kept in storage. “She had never given access to those before,” he said. The focus on drawings pleased Ms. Lichtenstein, she said, because they “show Roy’s hand more” and make clear that he wasn’t just an artist who appropriated from comic books, but a master of composition in his own right. But she said she never tries to guide the hand of curators in terms of content. “I always love to see somebody else’s ideas and interpretations,” she said. “I’ll see things in a new light.” On special occasions, however, she will get involved behind the scenes, if she knows works that the curators want to include are in other hands. For “Picasso and American Art,” a 2006 show at the Whitney Museum of American Art in New York, she wrote two letters to collectors who own major Lichtensteins, encouraging them to lend. “I knew how important Picasso was to Roy,” she said. One

Dorothy Lichtenstein, top, said her husband was a master of composition in his own right, not just an artist who appropriated from comic books. Study for ‘‘The Red Horseman.’’ letter succeeded; the other did not. For the Chicago show Ms. Lichtenstein knew that Agnes Gund, the collector and president emerita of the Museum of Modern Art, was being asked to lend one of the most famous works of the Pop era, “Masterpiece” (1962), in which a blonde tells a square-jawed artist, “Why, Brad darling, this painting is a masterpiece!” Ms. Lichtenstein said that she surprised Ms. Gund, a friend, by offering another Lichtenstein work of the same size and shape so that she wouldn’t have a blank space on her wall for the run of the exhibition. “Masterpiece” did end up in the Chicago show. Mr. Rondeau said that such diplomacy and effectiveness were typical of Ms. Lichtenstein’s efforts. “She’s dedicated a huge amount of her life to protecting Roy’s legacy,” he said. “Not all artists’ spouses choose to manage and maintain that mantle. She feels it acutely and acts on it. She sees this as her job.”

Selling ‘Jane Eyre’ to Teens Enamored of Vampires and Violence By JULIE BOSMAN

Teenagers are still reading the classics. They just don’t want them to look so, well, classic. That is the theory of publishers who are wrapping books like “Emma” and “Jane Eyre” in new covers: provocative, modern jackets in bold shades of scarlet and lime green that are explicitly aimed at teenagers raised on “Twilight” and “The Hunger Games.” The new versions are replacements for the traditional covers that have been a trademark of the classics for decades, those familiar, dour depictions of women wearing frilly clothing. In their place are images like the one of Romeo in stubble and a tight white tank top on a new Penguin edition of “Romeo and Juliet.” The covers are intended to tap into the soaring popularity of the young-adult genre, the fastest growing category in publishing. In the last decade, publishers have poured energy and resources into books for teenagers, releasing more titles each year. Bookstores have followed suit, creating

and expanding special sections devoted to them. After the “Twilight” books by Stephenie Meyer became a sensation, paranormal romances boomed. In the last few years, the “Hunger Games” trilogy has inspired dozens of dystopian novels. HarperCollins released a cover for “Wuthering Heights” with a stark black background, a close-up of a red rose and an inscription that reads “Bella & Edward’s favorite book.” (Critics called it a “Twilight” rip-off.) Sales of some young-adult versions have been strong. The HarperCollins edition of “Wuthering Heights” has sold 125,000 copies since it was released in 2009, an extraordinary number that sent the book back to the best-seller lists. Because many classics titles like “Pride and Prejudice” and “Persuasion” are in the public domain, any publisher can release a version, leaving the text inside the books untouched while redesigning the cover. Now the new versions of the classics are fighting for space on the young-adult shelves of bookstores. In March, Splinter, an imprint of Sterling

Updating classic literature for modern sensibilities, without changing a word. Publishing, began releasing its Classic Lines series, paperback editions of classic novels with French flaps and delicate illustrations on the jackets that look like watercolors. Alli Brydon, the editor of the series, dismissed more traditional covers as too “Victorian” and “old-fashioned” for teenagers. On the jacket of one classic edition of “Jane Eyre,” for instance, a woman is staring mournfully into the distance, her skin nearly the same yellowish hue as the wall behind her, a black coat hiding her neck. “It doesn’t show her brazen qualities, and it doesn’t show her bravery,” said Ms. Brydon, who oversaw a Classic Lines cover for the novel featuring a bright purple sketch

of the book’s heroine with her chin held up jauntily. “A lot of the old covers don’t convey some of the feminist ideas that the books hold.” The traditional covers also make young protagonists look much older than their true age, while the newer ones portray characters like Elizabeth Bennet in “Pride and Prejudice” as the young adults they actually are, making them more appealing to young readers. Nevertheless, some teenagers have rejected the new editions. At Book Passage, a store with two outlets in the San Francisco Bay Area, a display of repackaged classics did not sell well, said owner Elaine Petrocelli. “If kids want to read ‘Emma,’ they want to buy it in the adult section, not the teen section,” she said. “Kids don’t want to feel like they’re being manipulated.” Tess Jagger-Wells, a 15-year-old high school sophomore from San Rafael, California, said she counted “Jane Eyre” among her favorite books, a story she loved for its oldfashioned, “charming” moments that “you

PATRICIA WALL/THE NEW YORK TIMES

Publishers hope to sell the classics in new covers to younger readers. Splinter’s paperback series. had to wait for — they weren’t just handed to you.” For classics like that and “Pride and Prejudice,” Tess said she preferred her hardcover editions with their flowery covers to the more modern versions.

“It’s fun to have the originals in your house to look at and show people,” she said. “It kind of goes with the feeling of the classic as something that’s treasured, something that you want to keep. The new covers make the books look like cheap romance novels.”


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