← Pragser Tal
Das Museum besitzt fünf Masken und einen Umhang, die beim Nikolausspiel in Prags (einem Seitental des Pustertals) getragen wurden, einem der wichtigsten und vielgestaltigsten Spiele in Südtirol. Wohlgemuth vertritt die Ansicht, dass dieses Spiel im frühen 18. Jahrhundert von Knappen aus dem Inntal ins Pragser Tal gebracht worden war und bis 1879 aufgeführt wurde 1. Die Masken sind aus geschnitztem und bemaltem Holz und stellen Luzifer, den Teufel, den Klaubauf (Babau, zwei Masken) und den Tod dar. Im Stadtmuseum befindet sich außerdem ein Umhang des „Kehraus“, ein mit Teufeln und Schlangen aus rotem Tuch geschmücktes Schellenkleid aus Leinen. Als Schellen dienten Schneckenhäuser und Nussschalen, die am Kleid locker angebracht wurden und ein dumpfes Geräusch hervorriefen 2. Außer den Masken wurde, wie Wohlgemuth notiert, bei dieser Gelegenheit auch ein zerrissenes Bärenfell verwendet, das in der Folge wegen des schlechten Erhaltungszustands beiseitegeschafft wurde. Es hatte sich um das Fell des letzten in dieser Gegend anwesenden Bären gehandelt, der wohl 1813 erschossen wurde. Wohlgemuth erzählt, wie er zu diesem Bärenfell kam: „Einmal warf mir ein Bauer vom Dachboden seines Hauses ein altes Bärenfell auf den Kopf mit den Worten ‚Da hast den letzten Bären, der 1813 im Pragsertal geschossen worden ist!‘ Dieses Bärenfell diente lange Jahre als ‚Teufelshaut‘ beim dortigen Nikolausspiel.“3 Wohlgemuth hatte zum Pragser Nikolausspiel auch weitere Informationen und den Text zusammengetragen, der heute leider nicht mehr auffindbar ist.
Luzifermaske für das nikolausspiel, 18. Jh. (?), aus Prags, Holz, geschnitzt und bemalt, Widderhörner, Stoff, Stroh und Leder. ← CM 6670 Beschreibung: geschnitzte Holzmaske, auf schwarzem Grund rot und goldgelb bemalt; mandelförmige, rot und goldgelb ummalte Augen; breite, platte Nase; aus Leder gebildeter Schnurrbart; durchbohrter Mund mit beweglichem Kinn, rote Lippen, zwei goldgelbe zähne oben und zwei spitze zähne unten seitlich der zunge; rot bemalte Wangen; anstelle der Ohren zwei schwarz gestreifte und nach vorn gedrehte Widderhörner; auf dem Kopf ebenfalls zwei schwarz gestreifte, seitlich gedrehte Widderhörner; im Maskeninneren drei kleine Kissen, davon zwei mit Stroh gefüllte in Höhe der Wangen und ein kleines am Kinn, damit die Maske besser getragen werden konnte; ledernes Dreieck zum Befestigen der Maske in Stirnhöhe. Die von Wohlgemuth gemachte zeichnung zeigt, dass sich am Hals ursprünglich auch ein dunkles Stoffstück befunden hatte, das nicht mehr auffindbar ist.