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FURIOS 04 – Verhältnisse

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Titel: Verhältnisse

ties«, über 600 Stück an der Zahl. Beim Onlineauftritt der Universität St. Gallen, eine der europäischen Kaderschmieden für Wirtschafts- und Rechtswissenschaften, ist der Gesamtüberblick über das studentische Angebot ebenfalls nur wenige Mausklicks entfernt. »Es ist wirklich schade«, sagt Nils Ludwig, Vizepräsident des Internationalen Clubs an der FU. »Wir verbringen viel Zeit mit Öffentlichkeitsarbeit und trotzdem kennen uns viele nicht.« Dabei klingt das Konzept der studentischen Organisation gut. »Mit Veranstaltungen wie Regionalabenden oder Stammtischen bringen wir Studenten zusammen, die sich austauschen und Sprachen lernen können«, legt Nils das Hauptanliegen dar. Trotzdem ist das Interesse und Engagement der Studenten gering. Neben der fehlenden Unterstützung machen die Organisatoren das Bachelor/Master-System verantwortlich. »Vielen, die ihr Studium ernst nehmen, fehlt die Zeit, sich an der Uni zu engagieren«, gibt Tatjana Zieher von der FU-Hochschulgruppe der Jusos zu bedenken. Der Zwang zum Durchstudieren ist groß. Dennoch entstehen ambitionierte Projekte wie die »Anwesenheitsnotiz«. Den drei studentischen Gründern geht es

Furios 04/2010

nicht nur darum, in Schubladen verstaubte Hausarbeiten wiederzubeleben. »Unser Ziel ist es, ein großes Netzwerk aufzubauen«, begeistert sich Johanna. »Wir möchten Studenten zum wissenschaftlichen Austausch bewegen.« Da die FU solche Projekte angeblich nicht unterstützen kann, springt die Ernst-Reuter-Gesellschaft (ERG), Dachverband der Alumni-Vereinigungen, ein. Mit einem Budget von 250 000 Euro sind die Grenzen jedoch eng gesteckt. »Wir können den Studenten nur den Anschub finanzieren und Mut machen«, beschreibt Wedigo de Vivanco, Geschäftsführer der ERG, das finanzielle Problem. Mit rund 2700 Alumni ist die Vereinigung im internationalen Vergleich sehr klein. Die Universität St. Gallen zählt an die 19 000 Ehemalige und hat damit allein aus den Mitgliedsbeiträgen das dreifache Budget. Die Alumniarbeit an der FU befindet sich in einem Teufelskreis. Wenig Geld heißt wenig Präsenz. Wenig Präsenz zieht ein geringes Interesse der Studenten nach sich, womit die Mitglieder ausbleiben. »Bisher konnte sich in Deutschland keine Alumni-Kultur entwickeln«, so de Vivanco. »Bis vor wenigen Jahren haben die Studenten mehrmals den Studienort gewechselt. Wem gehört dann ihre Loyalität?« Doch de Vivanco räumt ein: »Das Problem liegt auch in der Mentalität. In den letzten

Jahren ist das Interesse gewachsen, ein Umdenken findet statt.« Momentan entsprechen die Netzwerke der FU gerade dem Minimum für ein soziales und politisches Campusleben. Auch die Alumni-Arbeit steckt noch in den Kinderschuhen. Keine optimale Situation, um sich als »Internationale Netzwerkuniversität« zu rühmen. Was genau mit dem Begriff »Netzwerk« gemeint ist, scheint den Verantwortlichen selbst nicht klar. Der Meinung ist auch der stellvertretende Direktor des »Centre for International Cooperation« Dr. Herbert Grieshop: »Als man das Konzept erarbeitete, wurde die Bezeichnung bewusst offen gehalten.« Dass der Netzwerkgedanke an der FU unausgegoren ist, scheint auch Präsident Alt bewusst zu sein. So setzt er in seiner Mailantwort vorsichtshalber ein paar Gänsefüße: »Unser »Netzwerk«-Konzept bezieht sich auf den Anspruch, universitäre Partnerschaften weltweit zu entwickeln.« Auf diese Weise stelle die Universität für alle Statusgruppen weltweite Kontakte zur Verfügung. »Meine Studierenden in Germanistik«, so Alt, »können etwa im Master für ein oder zwei Terms nach Cambridge gehen, ohne Studiengebühren entrichten zu müssen«. Das Netzwerk biete den Studenten Vorteile, die der normale Programmaustausch nicht eröffne. Im Vordergrund steht die Internationalisierung. Das sieht auch de Vivanco so: »Wir suchen Kontakt zu FU-Alumni im Ausland. Ein Netzwerk, das sich positiv für die FU ausspricht, ist viel wert.« Verglichen mit den Elitestandorten »Oxbridge« in England und der »Ivy League« in Amerika ist das Budget der FU schwach. Trotzdem ist Alt optimistisch: »Wir versuchen, das nach Kräften durch gute Ideen auszugleichen.« In der Regel gilt aber: Bevor man sich auf internationales Parkett begibt, will das Laufen gelernt sein. Die Bezeichnung »Internationale Netzwerkuniversität« ist hohl. Denn von innen heraus fehlen die nötigen Netzwerke, um sich auf der Metaebene erfolgreich vernetzen zu können. In den Worten von Alt braucht unser beziehungsloser Campus vor allem: Ideen. Und die präsidiale Bereitschaft, auch Taten folgen zu lassen.

Anchalee Rüland studiert Geschichte und Politikwissenschaft im zweiten Semester. Für FURIOS findet sie immer Zeit, trotz Bachelor.

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