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ChrisCare

Magazin für Christen im Gesundheitswesen 2/2010

Macht undOhnmacht Ohnmacht Macht und WERTE

AKTUELL

LEITUNG

SEGEN

SORGEN

TRANSFORMATION

IMPULSE

RATIONIERUNG

STREIT

HEBAMMEN

VOR

BERNER KONGRESS HAUSGEMEINSCHAFT

INNERE HEILUNG

PHYTOTHERAPIE

SPIRITUALITÄT VAN GOGH

HUMOR PATIENTEN

ZUWENDUNG

DENKEN

Juni 2010 // € (D/A) 5,80 // SFr (CH) 10.30 // www.chriscare.info // ISSN 1869-9944 // ZKZ 18 381

LIEBE DEM

AUS

PFLEGE INFORMATION HAUSARZT


Inhalt S. 4

Leserbriefe

S. 5

Bildbetrachtung Vincent van Gogh

S. 6

Wenn die Spitze dient

S. 10

Die Macht der Visionen

S. 12

Hier herrscht ein anderer Geist

S. 14

Krankenhausseelsorge in der Psychiatrie

S. 16

Die positiven Seiten der Macht

S. 18

Naturheilkunde ohne Esoterik

S. 20

Pflege braucht Hilfe

S. 21

Therapeutische Hausgemeinschaften

S. 22

Heilung, ein vorletzter Wert

S. 26

Interview: Rationierung im Gesundheitswesen

S. 28

Hausarzt trotzt der Ohnmacht

S. 29

Gebet um innere Heilung

S. 30

Interview: Mein Weg hat eine Berufung und ein Ziel

S. 32

Mit der Waffe des Humors

S. 33

Droht das Aus für die Hausgeburt?

S. 34

Nachrichten

S. 37

Tagungen & Konferenzen

S. 38

Christen im Gesundheitswesen (CiG)

S. 40

Rezension / Impressum

Herausgeberkreis

Inhal t

Dr. theol. Astrid Giebel (Berlin), Krankenschwester, Referentin Diakonie Bundesverband; Pastor Frank Fornaçon (Ahnatal), Redaktion ChrisCare; Bettina Gundlach (Aumühle), Ärztin im Sozialpsychiatrischen Dienst, Vorstand CiG; Günther Gundlach (Aumühle), Geschäftsführer CiG; Sr. Anna Luisa Kotz (Stuttgart), Pflegedirektorin; Annette Meussling-Sentpali, Dipl.-Pflegewirtin, MScN, Referentin Caritasverband (München), Fortbildung Caritas; Dr. med. Georg Schiffner (Aumühle), Internist, Vorsitzender CiG; Hans-Arved Willberg (Karlsruhe), Theologe und Pastoraltherapeut; Dr. med. Monika Windsor (Berlin), Anästhesistin, palliative care

Fachbeirat Dr. theol. Peter Bartmann (Berlin), Gesundheitsökonom Diakonie Bundesverband; Reinhild Bohlmann (Hofgeismar), Bund freiberuflicher Hebammen Deutschlands BfHD e.V.; Prof. Dr. med. Andreas Broocks (Schwerin), Ärztl. Direktor Carl-Friedrich-Flemming-Klinik HELIOS-Kliniken; Ulrike Döring (Wiesbaden), Vorsitzende Arbeitsgemeinschaft christlicher Schwesternverbände und Pflegeorganisationen in Deutschland e.V.; Paul Donders (Niederlande), Leitung xpand international; Prof. Dr. theol. Ralf Dziewas (Bernau), Theologisches Seminar (Fachhochschule) (Elstal); Heribert Elfgen, (Aachen), Physiotherapeut, Dipl. Musiktherapeut; Clauda Elwert (Karlsruhe), Physiotherapeutin, Leiterin Zentrum für Gesundheit, Therapie, Heilung; Sr. Hildegard Faupel (Travenbrück), Theologin, Pädagogin; Dr. med. Martin Grabe (Oberursel), Chefarzt Psychosomatik Klinik Hohe Mark, Vorsitzender Akademie für Psychotherapie und Seelsorge e.V.; Dr. med. René Hefti (CH), Chefarzt SGM Klinik Langenthal, Ltg. Forschungsinstitut Spiritualität & Gesundheit; Sr. M.Basina Kloos, Franziskanerin, Generaloberin (Waldbreitbach); Reinhard Köller (Hamburg), Arzt für Allgemeinmedizin, Naturheilverfahren; Pfarrer Ulrich Laepple (Berlin), Referent Arbeitsgemeinschaft Missionarische Dienste; Dipl.-Kfm. Cord Meyer (Reinbek), Hauptgeschäftsführer Albertinen-Diakoniewerk e.V.; Dr. med. Gabriele Müller (Frankfurt a. M.), Anästhesistin am Schmerz- und Palliativzentrum Rhein-Main; Rolf Nussbaumer (Herisau), Schule für christlich ganzheitliche Heilverfahren; Weihbischof Thomas Maria Renz (Rottenburg), Diözese Rottenburg-Stuttgart; Pastor Dr. theol. Heinrich-Christian Rust (Braunschweig), Leiter Geistliche Gemeinde Erneuerung im BEFG; Dr. med. Claudia Schark (Tübingen), Internistin, Geriatrie, Oberärztin Reha-Klinik Böblingen; Oberin Andrea Trenner (Berlin), Oberin Johanniter Schwesternschaft; Dr. phil Michael Utsch (Berlin), Psychotherapeut, Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen


EDITORIAL

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Liebe Leserin, lieber Leser, „Es geht in diesen Monaten um die Macht im Gesundheitswesen“, konstatiert die Berliner Morgenpost am 17. März. Die Zeitung geht der Frage nach, ob im Gesundheitswesen Macht hat, wer Gewinne einfährt (wie die Klinikgruppe Vivantes) oder wer durch wissenschaftliche Arbeit Weltruf genießt (die Charité). Michael de Ridder zitiert in seinem Buch „Wie wollen wir sterben?“ eine Mutter über das Gespräch mit dem behandelnden Arzt ihres verunglückten Sohnes: “Hier sprach Macht, nicht Menschlichkeit und Mitgefühl.“ Experten sind sich einig, dass Gewalt in der Pflege entsteht, weil ein Machtgefälle existiert. Pflegebedürftigkeit steht dem Expertenwissen scheinbar ohnmächtig gegenüber. Pflegende wiederum fühlen sich den Rahmenbedingungen ihres Berufes ohnmächtig ausgeliefert, werden ihren eigenen Ansprüchen an eine gute Pflege nicht gerecht, hetzen von Patient zu Patient und fallen fast in Ohnmacht, wenn im größten Alltagsstress der Medizinische Dienst unangemeldet zur Prüfung in der Tür steht. Wir alle fühlen uns ohnmächtig angesichts des Leids und der Endlichkeit von (Lebens-) Zeit und Geld - wenn wir das Fortschreiten der Krankheit nicht verhindern, Arbeitsbedingungen nicht verbessern, Zuwendung nicht ausreichend geben können. „Das ist Ohnmacht vor dem Diktat der begrenzten Zeit. Zu oft muss ich mich darunter beugen“, schreibt Hartmut von Schnurbein in diesem Heft und fragt: „Bin ich wirklich dem allen ohnmächtig ausgeliefert?“ Martin Grabe formuliert, was viele von uns denken: „Wie viel besser könnte es doch sein, mit Christen in einer wirklich christlichen Einrichtung zusammenzuarbeiten (...), wo Liebe statt Macht regiert“ aber auch: „Wir Menschen sind keine Wesen, die auf dieser Erde in einem hierarchiefreien Raum göttlicher Liebe zurechtkommen.“ Bettina Gundlach berichtet vom Gefühl der Ohnmächtigkeit und Hilflosigkeit als schlimmstem Zeichen von Krankheit und Günther Riedl ergänzt in `Meine Sicht` trefflich: „Der Arzt als Machthaber über Diagnosen, Herr über allfällige Kontrollen, macht die Ansage, wer sich wie krank zu fühlen hat und wie lange er ihm noch gibt.“ Die Autoren dieser Ausgabe setzen sich aus unterschiedlichen Blickwinkeln (und manchmal mit einem Augenzwinkern) mit Macht und Ohnmacht, wie wir sie täglich erleben, auseinander. Was meinen Sie? Schreiben Sie, was Sie zum Thema denken. Ihre Annette Meussling-Sentpali Dipl.-Pflegewirtin MScN, Mitglied im Herausgeberkreis PS: Wie gut, dass in allem die Macht Gottes durchscheint, der an der Seite der Ohnmächtigen ist.


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LESERBRIEFE

Leserbriefe Ihre Meinung: Es gibt Hoffnung: Und schon wieder eine neue Zeitung? Muss das sein? Ich meine JA! Diese Zeitschrift muss sein, denn sie setzt in sehr ansprechender Weise die „andere Seite“ der Medizin und Pflege ins Wort und Bild: dass es Hoffnung gibt und Heilung und das auf sehr unterschiedliche Weise, ohne die erlittenen Realitäten außer Acht zu lassen. Der beeindruckende Herausgeberkreis und Fachbeirat versprechen eine ausgewogene Mischung in inhaltlicher und konfessioneller Hinsicht. Susanna Ehren-Meyjohann, Ravensburg Gleich dreimal Pflege: Interessante, inhaltlich gute und gelungene Zeitschrift. Besonders erfreulich, dass die Pflege mit drei Artikeln vertreten war. Das fand ich gut! Heribert Elfgen, Aachen Nachdenkenswert: Die Zeitschrift ChrisCare finde ich gut. Eine gute Mischung. Mir haben besonders die „kleinen, nachdenkenswerten Inputs“ gefallen wie z.B. der von Antoine de Saint-Exupéry. Davon könnte ruhig noch mehr enthalten sein. Weiterhin haben mir persönliche Erfahrungsberichte gut gefallen wie z.B. von Sr. Stephanie. Rika Stückrath, Kolkhagen Bitte mehr: ChrisCare ist zum Weiterempfehlen, deshalb haben wir auch noch ein paar bestellt. Eva-Maria und Thomas Mieth, Freiberg Keine fromme Unterhaltung bitte: Insgesamt hatte ich einen guten Eindruck von dem Heft. Es ist ansprechend gestaltet und die Beiträge sind gut. Dass dabei der Gesundheitskongress einen guten

Raum einnahm, war sicher richtig. Ein wenig bin ich nun gespannt, wie es weitergehen wird. Die Mitschwestern, denen ich es zum Lesen weitergegeben habe, hat es angesprochen und es kamen positive Rückmeldungen. Das Layout der Titelseite, vor allem die Gestaltung der Schrift im unteren Teil hat mich dagegen nicht angesprochen - fand ich irgendwie langweilig, habe aber nicht wirklich eine Idee, wie es besser sein könnte. Vielleicht ist mir die Schriftfarbe einfach zu blass und zu kontrastarm? Was ich mir erhoffe..., dass es trotz Erfahrungsberichten nicht zu subjektiv wird und dann eher wie nette, fromme Unterhaltung wirkt. Darin sehe ich immer wieder eine Gefährdung kirchlich-christlicher Veröffentlichungen. Da sind mir dann doch Artikel, die Widerspruch provozieren oder Themen, die kontrovers gesehen werden können, lieber und bringen mehr persönliche Auseinandersetzung in die Gänge. Sr. Rosa Maria Lochmiller, Kloster Siessen Mag keine christlichen Zeitschriften: Ehrliche Antwort zu ChrisCare: Für absolute Einsteiger, die noch gar nichts in diesem Zusammenhang kennen und evtl. jung zum Glauben kamen, sicher ein sehr gutes Heft. Für mich persönlich: Ich mag keine so kurzen Auslegungen und Texte, mag auch keine christlichen Zeitschriften. Sie sind mir viel zu allgemein und wirken einfach nur stark abgekürzt. Ganz ehrlich: ich fand´s inhaltlich darum langweilig, bei wunderschöner „Verpackung“. Gisela Stange, Bremen

Ermutigend: Hat mir gut gefallen. Ich finde, die Berichte sind ermutigend, gut lesbar und regen zum Nachdenken an. Martha Halbach, Wuppertal

Praxisbezug motiviert: Im Ganzen gefällt mir ChrisCare gut mit der Zusammenstellung verschiedener Berichte als Grundidee. Es ist gut, wenn die Pflege und Therapeuten reichlich zu Wort kommen. Ob sehr wissenschaftliche, theologische Grundsatzartikel so gerne gelesen werden, bezweifle ich. Ich denke, vor allem Praxisbezug mit Beispielen ist motivierend. Dr. med. Hartmut v. Schnurbein, Kaufering Mut zur Auseinandersetzung: Erst einmal herzlichen Glückwunsch zum neuen, ansprechend gestalteten Heft. Im Kontext des Heft-Themas „Wissenschaft bestätigt die Heilkraft des Glaubens“ und des Vortrags von Dr. Hefti auf dem Gesundheitskongress in Kassel stieß ich in der medizinischen „Boulevard-Presse“ (CardioNews 3/2010) auf den Artikel „Fester Glaube: Schützt Gott das Herz?“ Dieser ist süffisant-glaubenskritisch aufgemacht, bezieht sich aber auf eine Studie in einer renommierten, ernstzunehmenden Zeitschrift (Circulation 2010;122:659-666). Ich fände es gut, wenn ChrisCare sich mit diesem Circulation-Artikel, der zu einem anderen Ergebnis kommt, als wir es uns vielleicht wünschen würden, ehrlich, aber auch methodenkritisch auseinandersetzen könnte. Dr. med. Gerhard Nemitz, Braunschweig Anm. d. Redaktion: in ChrisCare 3/2010 werden wir diese Anregung aufgreifen.


BILDBETRACHTUNG

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Asyl mit Kreuz Vincent van Gogh Wo, bitte schön, befinden wir uns hier gerade? In einer Pilgerherberge, einer Notunterkunft oder einem Obdachlosenasyl? In Vincent van Goghs Gemälde „Der Krankensaal des Hospitals von Arles“ aus dem Jahr 1889 wären unterschiedliche Situationen vorstellbar – wenn der Titel nicht wäre. Nicht zwingend ersichtlich ist, dass es sich um ein Hospital handelt. Der breite ockerfarbene Gang hat sogar etwas Straßenähnliches. Auf ihm eilen zwei Ordensschwestern entlang. Mehrere Männer in Straßenkleidung halten sich ebenfalls dort auf. Sie tragen Jacken, Mäntel, Hüte, Mützen; vermutlich ist es kalt. Wie soll es der kleine Ofen im Vordergrund auch schaffen, diesen weitläufigen Saal nur ansatzweise zu erwärmen? Einige Patienten haben sich direkt neben den Ofen gesetzt. Sie wärmen sich die Hände, sie beschäftigen sich, einer liest Zeitung. Die Haltung dieser Menschen wirkt alltäglich, unspektakulär. Zu beiden Seiten des breiten Korridors sind Bettnischen zu sehen. Bei den meisten sind die Vorhänge zugezogen. Das mögen Vorkehrungen sein, um die Intimsphäre der Betroffenen zu schützen. Zugleich jedoch werden Fragen wach wie: „Was spielt sich hinter diesen Vorhängen ab? Warum dürfen diese Menschen nicht teilhaben am Leben der übrigen Patienten?“ Das Verborgene weckt stets Fantasien. Woran liegt es, dass dieses Bild nicht die typische Krankenhausatmosphäre ausstrahlt – zumindest das, was wir damit assoziieren? Zunächst sticht natürlich der Kontrast zur heute gewohnten Form von Patientenunterbringung sofort ins Auge: ein großer, weitläufiger Krankensaal ohne

den für uns selbstverständlichen Komfort. Im Rahmen damals üblicher Lebensverhältnisse gesehen, wirkt er jedoch überaus hell, sauber und aufgeräumt. Weiterhin fehlt das harte „medizinische“ Weiß. Blau und Ockertöne Vincent van Gogh, Der Krankensaal des Hospitals von Arles, 1889, Öl dominieren. auf Leinwand, Sammlung Oskar Reinhart «Am Römerholz», Winterthur Sogar die Vorhänge vor den Bettnischen sind Weiter: Krankheit wird in unterin einem ganz hellen Türkis gehalten. schiedlichen Situationen und Phasen Möglicherweise ist die Farbwahl der erlebt – auf dem Gang oder hinter Schaffensperiode geschuldet. Denn dem Vorhang. In den Schrecken, der in Südfrankreich wollte van Gogh oft hinter dem vordergründig Harm„dem nördlichen Winter entgehen“ losen lauert, wird selten jemand einund hoffte, „hier die blauen Töne und geweiht. Aber manchmal ist es, als heiteren Farben des Südens zu finob so ein Vorhang zur Seite gezogen den“. Zugleich wird anschaulich, was würde und die Besucherin gebeten Farben bewirken, wie sie Wirklichkeit würde, Platz zu nehmen am Bett. mitgestalten. Schließlich der Glaube: Ganz am Was für ein Bild von Krankheit vermitEnde des Krankensaals ist das Kreuz telt dieses Gemälde? Ich finde mehzu erkennen. Ich sehe darin einen rere meiner Erfahrungen darin wieder. Hinweis, dass der Glaube Gestalt Zunächst erst einmal: auch in einem gewonnen und bedürftigen Menschen Krankenhaus passiert viel Alltägliches einen Raum geschaffen hat ganz in – entgegen dem aufgeregten Bild, Entsprechung zu Mt.25, 40: Was ihr für einen meiner geringsten Brüder das Fernsehserien vermitteln. Nach getan habt, das habt ihr mir getan. meiner Erfahrung brauchen Menschen in Zeiten von Krankheit, Angst und Verunsicherung das Gewohnte. Das gibt Halt. Die Konfrontation mit einer Grenzsituation ist so Kräfte zehrend, dass Menschen sich dem Pastorin Ulrike Förster, gar nicht so lange aussetzen können. Krankenhausseelsorgerin, Sie brauchen darin Unterbrechungen Zeisigwaldkliniken BETHANIEN, Chemnitz durch den ganz normalen Alltag.


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Wenn die Spitze dient Macht es einen Unterschied, wenn Christen im Gesundheitswesen arbeiten?

Dienend leiten Im Gesundheitswesen zu arbeiten, ist oft nicht die reine Freude. Fast alle Mitarbeiter haben zu leiden: unter Kostendruck, damit verbundener Zeitnot und überbordenden Dokumentationsaufgaben. Und dann kommen zwischenmenschliche Probleme hinzu, gerade unter starkem Arbeitsdruck bleibt das nicht aus.

• Ein Assistenzarzt hat ein flaues Gefühl im Magen, wenn er an den nächsten Tag denkt, weil er schon weiß, dass sein Chef ihn im OP wie der demütigen wird. Und geht er auf seine neue Station, bekommt er dort nicht mal einen Kaffee ab, weil derzeit Krieg zwischen seinen Kolle gen und dem Pflegeteam herrscht.

• Es gibt noch immer Stationen, wo um halb drei mit der Morgenwä sche begonnen werden muss, um bis zum Frühdienst durchzukommen.

• Eine ältere Krankenschwester kommt mit dem neuen Klinik-Infor mationssystem nicht zurecht. Sie hätte sich lieber um die Patienten gekümmert, sitzt jetzt aber statt dessen noch viel länger als die anderen am Computer. Die Sta tionsschwester zeigt ihr immer deutlicher, dass sie sie als Belas tung empfindet.

• Eine Patientin muss stundenlang darauf warten, bis ihr jemand beim Anziehen ihrer Strümpfe hilft, weil keiner Zeit hat, obwohl sie immer wieder darum bittet. • Ein Hausarzt bekommt hunderte Seiten lange Richtlinien, die binnen 10 Tagen umgesetzt sein sollen. • Ganze Pflegeteams werden in Fremdgesellschaften „outgesourct“ und arbeiten dann zu geringeren Gehältern und in schwächeren Besetzungen im gleichen Kranken- haus wie vorher.

Es gibt eine Menge strukturelle,und noch mehr zwischenmenschliche Probleme in unseren Arbeitsbereichen, auch wenn sie angeblich der Gesundheit dienen sollen. Wir stehen unter Druck, und es gibt Menschen, die uns den Druck machen. Ein harter Ausleseprozess findet statt, und seine Ränder sind mit Burnout-Opfern und Frühberenteten gesäumt.

Hier kommt unter Christen immer wieder einmal die Sehnsucht auf: Wie viel besser könnte es doch sein, mit Christen in einer wirklich christlichen Einrichtung zusammenzuarbeiten. Wo die Maßstäbe der Bibel gelebt würden, wo die Mitarbeitenden einen befreienden Glauben kennengelernt haben und wo Liebe statt Macht regiert. Immer wieder wurden solche Versuche in der Vergangenheit auch einmal gestartet, mehr oder weniger enthusiastisch.

Andererseits ist überdeutlich: auch Christen stoßen schnell an ihre Grenzen, wenn sie versuchen, einen idealen Arbeitsplatz, eine ideale Einrichtung zu schaffen. Wir Menschen sind keine Wesen, die auf dieser Erde in einem hierarchiefreien Raum göttlicher Liebe zurechtkommen. Wir alle, auch als Christen, sind nicht nur vom Heiligen Geist gesteuert, auch nicht nur von unserem vernünftigen Großhirn. Neurophysiologisch gesehen reden die darunter liegenden Hirnteile ein sehr gewichtiges Wort mit: Von hier werden unsere Affekte und Gefühle gesteuert, hier wird entschieden, ob unser Körper in den Kampf- oder Flucht-


Praxisimpuls

modus gefahren wird, hier entsteht Aggression oder Begehren. Manche Theologen würden das als „alte Natur“ bezeichnen, die sich immer mal meldet, andere als Erbsünde. Und das heißt: es wird auf dieser Erde – unter diesen allgemein menschlichen Voraussetzungen, mit denen wir alle umzugehen haben - nie die ideale christliche Einrichtung geben. Ich bin nicht der Ansicht, dass das ein Anlass sein sollte, frustriert die Flinte ins Korn zu werfen (oder das Stethoskop in die Ecke). Gerade dass da eine Spannung besteht, nicht nur in Bezug auf andere Menschen und vielleicht bedrohliche äußere Systeme, sondern immer ebenso in uns selbst, das eröffnet einen breiten Raum für kreatives Handeln. Das Leben wird nur dadurch spannend, dass immer wieder Lösungen gesucht und gefunden werden müssen, dass nicht von vornherein alles klar ist. Und als Christen sind wir automatisch, noch viel bewusster und stärker als andere Menschen, in diese Spannung hineingeworfen zwischen Ideal und Wirklichkeit, zwischen Liebe und Egoismus, Paulus würde sagen: zwischen Geist und Fleisch. Trotz allem Gesagten stelle ich immer wieder ermutigt fest, dass wir aus dem christlichen Glauben entscheidende Grundlinien entnehmen können, die sich segensreich auswirken.

Dienend leiten Jesus sagt: „Wer unter euch groß sein will, der sei euer Diener; und wer unter euch der Erste sein will, der sei euer Knecht, so wie der Menschensohn nicht gekommen ist, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und gebe sein Leben zu einer Erlösung für viele.“ (Mt. 20) Normalerweise ist es in Hierarchien so: Jeder versucht, bei seinem Chef

zu punkten, weil das für die Karriere am besten ist oder zumindest am wenigsten Ärger bringt. Das heißt, die Aufmerksamkeit ist vor allem nach oben gerichtet. Das kann heißen, • dass in der Pflege sehr ausführlich dokumentiert wird, weil das von Vorgesetzten gesehen und kontrol liert wird, die Patienten aber oft lange warten können, wenn sie geklingelt haben – weil das nicht gesehen wird. • oder dass ein Arzt über Jahre mit schlechtem Gewissen herumläuft, weil er immer einen Stapel alter Entlassungsbriefe im Schrank hat, die dringend zu schreiben wären. Für die einweisenden Ärzte, die den Brief brauchen, um fehlerfrei nach behandeln zu können, ist das ausgesprochen schlecht. Weil sein Oberarzt aber einen zu großen Ver antwortungsbereich hat, ist er schon froh, dass unser Kollege weitgehend selbstständig die Patienten der großen Station versorgt. Dafür bräuchte man nämlich eigentlich eine halbe Stelle mehr. Von den Briefen merkt er nichts.

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stehen die Mitarbeitenden, die mit den Kunden zu tun haben, das sind in unserem Fall dann entweder die Patienten oder die Einweiser. Dienendes Leiten hieße nun, die Pyramide auf den Kopf zu stellen. Vorgesetzter sein heißt dann, als allerwichtigste Aufgabe eine Frage zu beantworten: wie unterstütze ich meinen Mitarbeitenden darin, seine Arbeit möglichst gut tun zu können? Ich will ihnen ein außerklinisches Beispiel erzählen, wo ich dieses Prinzip zum ersten Mal richtig verstanden habe.

• oder für eine Zahnarzthelferin, die gerade in einer Praxis begonnen hat. Weil die ältere Kollegin befürchtet, dass die Neue sie verdrängen könnte, lässt sie sie nur an Routi neaufgaben heran, erklärt ihr nicht das PC-Programm und steckt dem Arzt gelegentlich, wie ungeschickt sich die Neue doch anstelle.

Wir hatten vor Jahren ein kleines, heruntergekommenes Haus gekauft, und weil unser Geld damit restlos verbraucht war, mussten wir alle Renovierungen selber machen. Zum Glück halfen uns einige Freunde. Dabei merkte ich ganz schnell, dass die Stimmung auf dem Bau nur dann im grünen Bereich blieb, wenn ich die Arbeit dieser Freunde weit über meine eigene stellte. Zuerst ärgerte ich mich, weil ich selbst ständig gestört wurde. Martin, wie soll ich denn hier jetzt weitermachen? Martin, hast du noch eine Flexscheibe? Martin, der Mörtel ist schon wieder alle. Letzteres hieß dann im Klartext: alles stehen und liegen lassen, sofort zum Baumarkt fahren und Nachschub besorgen. Allmählich dämmerte mir das Prinzip. Natürlich war ich der Chef. Schließlich war es unser Haus und ich wusste auch am besten, wie es werden sollte.

Klassische Hierarchien, die wie eine Pyramide auf die Vorgesetzten hin ausgerichtet sind, führen dazu, dass Mitarbeitende nicht nach ihrer eigentlichen Aufgabe, ihrer Berufung fragen, sondern erlernen, welche Handlungsweisen den größten Gewinn beim Vorgesetzten bringen. Ganz unten in dieser Pyramide

Aber dass zwei oder drei Freunde bereit waren, sich tagelang für mich einzusetzen, funktionierte nur, wenn sie das Gefühl hatten, effektiv etwas Wichtiges zu schaffen. Sich mit dem harten Baugeschäft herumschlagen mochten sie nur, wenn sie sich dabei optimal unterstützt und gesehen fühlten. Ganz anders erging es mir


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mit einem Bekannten, den ich allein arbeiten ließ. Nach einem halben Tag war er weg und wir mussten später noch eineinhalb Tage lang die Spuren abschmirgeln, die er hinterlassen hatte. Dienendes Leiten heißt: Menschen befähigen, im besten Sinne sie selbst zu sein. Durch klare Strukturen, durch Bereitstellung von Ressourcen, durch Motivation, durch Begleitung, durch Zielausrichtung. Im Falle unserer Beispiele würde das vor allem heißen, dass die Vorgesetzten mit ihren Mitarbeitenden reden. Eine Stationsleiterin, die merkt, dass die als sinnlos empfundene Dokumentation ihren Leuten die Motivation nimmt, wird sich dafür einsetzen, dass diese so weit wie möglich vereinfacht und der Realität angepasst wird. Alleine schon, dass sie das ernsthaft versucht, wird ihr Team motivieren. Ein Oberarzt, der das Prinzip des dienenden Leitens umsetzen möchte, wird nicht zusehen, wie monatelang ein Stationsarzt auf 1½ Stellen arbeiten muss. Er wird auch organisieren, dass dieser einen oder zwei Diktiertage bekommt, um seine BriefAltlasten loszuwerden. Wenn er ihm vermittelt, wie man Diktate organisieren kann, wird die Arbeitszufriedenheit des Stationsarztes deutlich zunehmen. Er wird das Gefühl haben, seine Sache gut zu machen. Langfristig werden die Einweiser einen wesentlich besseren Eindruck von der Klinik bekommen. Und die eifersüchtige ältere Kollegin der Zahnarzthelferin wird weiter viele Arbeiten alleine machen müssen, wenn sie nicht in die Einarbeitung der Kollegin investiert. Hier wäre aber auch der Arzt gefragt. Wenn er mit seiner älteren Helferin sprechen würde, hätte er schnell von ihren Ängsten erfahren, aufs Abstellgleis geschoben zu werden. Diese Ängste könnte er dann entkräften und sie darin unter-

stützen, eine richtig gute Ausbilderin für die junge Kollegin zu werden. Sie müsste verstehen, dass sie dann gut ist, wenn sie gut ausbildet. Also dient. Am stärksten wirkt sich ein dienender Führungsstil also an der offiziellen Spitze aus. Mitarbeitende, die noch die klassische Hierarchie im Kopf haben, kapieren dann oft auch, dass sie am besten punkten können, wenn sie ebenfalls dienen, also bereitwillig ihre Leute darin unterstützen, ihre Aufgabe gut zu machen. Im Gesundheitsbereich profitieren alle davon, aber besonders auch die Patienten und die Einweiser. Eigentlich hat dieser Führungsstil nur Vorteile, könnte man sagen. Aber er bedeutet auch, und das ist das Schwere daran, immer wieder die naheliegende Variante zu überwinden: Ich bin der Boss, und die anderen müssen sich bei mir beliebt machen. Sondern: Unser Ziel, unsere Berufung ist das Wichtige am Job. Und funktionieren kann es nur, wenn es für mich ein hoher Wert ist, dass andere Menschen sich unter meiner Leitung zu ihren besten Möglichkeiten hin entwickeln können. Wenn ich das allerdings erst einmal erlebe, werde ich damit auch nicht wieder aufhören wollen, ich werde immer mehr an Gottes Idee für ihr Leben glauben.

Beziehung halten Wir alle sind von einem Netz von Beziehungen umgeben. Nun gibt es aber auch Menschen, da ist dieses Netz zerrissen. Es gibt ein Hier und ein Drüben. Es gibt Leute, die sind okay, und es gibt Feinde. Es gibt z. B.

vernünftige Berufsgruppen im Krankenhaus, dazu gehört natürlich immer meine eigene, und es gibt Gruppen, die sind ja wohl durchgeknallt. Mit denen kann man überhaupt nicht mehr vernünftig reden. Manchmal ist es Konkurrenz, die zu Feindschaft und Vorurteilen führt. In den meisten Fällen ist es aber, dass wir uns nicht kennen. Dass meine Fantasien darüber, welche miesen Motive hinter dem Verhalten des anderen stehen, deshalb so ins Kraut schießen können, weil ich nicht mit ihm spreche. Manchmal habe ich

Der Patient am unteren Ende der Hierarchie?

auch nicht die geringste Lust, meine Fantasien korrigieren zu lassen. Da kommt eine Schulpraktikantin auf eine Station. Die Schwestern haben vor längerem nach einer schlechten Erfahrung die Pflegedienstleitung wissen lassen, dass sie keine Schulpraktikanten mehr wollen. Als das Stationsteam von der Praktikantin erfährt, sind alle sauer. Als die neue kommt, eine nette, arbeitswillige, nichtsahnende Schülerin, bekommt sie zwei Wochen lang nur mürrische Anweisungen und muss ihre Pausen im Patienten-Aufenthaltsraum verbringen, weil sie nicht in den SchwesternPausenraum darf. Krankenschwester möchte sie nach diesem Praktikum nicht mehr werden. Oder eine Verwaltungsdirektorin und ein neuer


PRAXISIMPULS

Ärztlicher Direktor, die nicht miteinander können, nach kurzer Zeit praktisch nicht mehr miteinander reden und stattdessen Verbündete sammeln für die nächste Auseinandersetzung. Vorher hatte es in der Stadt eine gut laufende Hospizarbeit gegeben, die maßgeblich vom Krankenhaus ausging und unterstützt wurde. Diese geht darüber fast kaputt und viele ehrenamtliche Mitarbeitende bleiben frustriert zurück. Was können Christen in solchen Situationen anders machen? Sie sind Menschen, die wissen, dass es jemanden gibt, der die Beziehung zu ihnen trotz vieler Gründe noch immer nicht abgebrochen hat, sondern, egal was sie ihm Trauriges anbieten, trotzdem aus vollem Herzen ihr Vater im Himmel sein möchte. Menschen, die allen Ernstes von Gott in Anspruch nehmen, dass er ihnen ihre Lebensschuld vergibt, haben damit auch ein wirksames Instrument in der Hand, die Schuld anderer zu relativieren. Der Anspruch, den Jesus in die Welt gebracht hat, seine Feinde zu lieben, bedeutet: die Beziehung nicht abreißen zu lassen, von mir aus keine Feinde zu haben. Natürlich, in einer Beziehung können und müssen wir uns auseinandersetzen, in Sachfragen werden wir immer wieder unterschiedlicher Meinung sein, auch zu unserer Meinung stehen; manchmal wird es auch Sendepausen geben. Aber Christen sind Menschen, denen es immer wieder der Mühe wert ist, sich klarzumachen, dass dieser schwierige, zänkische, vielleicht persönlichkeitsgestörte Mensch, mit dem ich da im Beruf zu tun habe, eben doch auch ein Mensch ist. Ein Wesen, für das Jesus tatsächlich gestorben ist. Mein bester Freund Jesus, den ich da auch nicht verstehe, und dem ich abgeraten hätte. Aber nun ist es passiert. Er hat es schon

getan. Und deshalb kann ich nicht mehr wirklich Feind sein. Glauben Sie mir: Es passiert etwas Gutes um Menschen herum, die so denken, die immer wieder deeskalierend mit beruflicher Anmache umgehen und die Beziehung nicht wegwerfen.

Dankbar sein Dankbar sind Mitarbeitende im Gesundheitswesen normalerweise nicht. Weil sie unter Strom stehen. Wer Druck hat, sich beeilen muss, hat Sorgen. Ob er all die Anforderungen heute überhaupt noch schaffen kann, ob Patientin A noch mal vertröstet werden kann, weil Notfall B dazwischen gekommen ist, wie ich der Kollegin klarmache, dass noch so viel Arbeit liegengeblieben ist. Was passiert jetzt, wenn ein Christ in dieses Szenario kommt? In der Regel Folgendes: Es gibt einen mehr, der sich Sorgen macht. Christen, von Christus Erlöste, haben dagegen allen Grund, dankbar zu sein. Vor allem dafür: dass sie für Zeit und Ewigkeit in die Gemeinschaft mit Gott hineingeboren sind, in Freundschaft mit Gott leben dürfen. Aber auch für all das Schöne, das unendlich viele Schöne, das sie umgibt. Unsere Freunde, die Natur, die Kunst, unsere Wohnung, die wir uns richtig schön machen dürfen. Aber dankbar sein kann ich nur unter einer Voraussetzung: dass ich innehalte, hinsehe, achtsam bin, innerlich und äußerlich Raum schaffe, an den Geber denke. Auf einmal kann es dabei passieren, dass ich sogar dankbar werde für meine Arbeit. Also, nicht weil es sich aus dogmatischen Gründen gehörte, so etwas im Gebet zu erwähnen, sondern richtig. Wenn Sie in solch einem Gefühl der Dankbarkeit wieder bei der Arbeit auftauchen, sind Sie dort ein kleines Wunder. Sie schaffen richtig was und Ihre Kollegen finden

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Sie nett. Wer gute Stimmung mitbringt, macht es allen leichter, sich selbst am meisten. Aber das ist nicht durch einen dogmatisch begründeten Entschluss zu erreichen. Sondern nur dadurch, dass Sie und ich, wir alle, uns Zeit nehmen, wirklich genug Zeit nehmen, um das Beste zu tun, was dieses Leben für uns bereit hält: genießen, was unser Schöpfer uns laufend schenkt. Hier und da, und überall. In diesem Sinne tun wir unserem Gesundheitswesen das Beste, wenn wir uns selbst zu richtigen Genießern entwickeln. Sind wir unterwegs zur idealen christlichen Einrichtung? Leider nein. Dazu steckt zu viel Unideales in jedem von uns selbst. Auch christliche Einrichtungen werden deshalb nie ideal. Aber trotzdem machen Christen, die im Gesundheitswesen arbeiten, einen riesigen Unterschied aus. Sie können, um mit Jesus zu reden, zur Quelle lebendigen Wassers in ihrem Wirkungsbereich werden. Aber eben genau das: zur Quelle - die nur dann sprudeln kann, wenn sie an die unermesslichen Vorräte frischen Wassers tief im Berg angeschlossen ist. Christen können vertrocknete Regionen zum Leben erwecken. Sie können dienend leiten. Sie können Beziehungen halten und sie können dankbar sein.

Dr. med. Martin Grabe, Oberursel, Chefarzt Psychosomatik, Klinik Hohemark, Vorsitzender Akademie für Psychotherapie und Seelsorge. Auszug aus einem Vortrag auf dem Christlichen Gesundheitskongress 2010.


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Konfessionelle Krankenhäuser befinden sich derzeit in turbulenten Transformationsprozessen: Auf der einen Seite müssen sie sich unter den gegenwärtigen ökonomischen Rahmenbedingungen auf dem Gesundheitsmarkt behaupten, auf der anderen Seite sind sie ihrem kirchlichen Grund- und Heilungsauftrag verpflichtet. Diese Spannung auszubalancieren gleicht oft einem schwierigen Drahtseilakt. Gelingen kann diese Aufgabe nur, wenn sich die Verantwortungsträger in ihrem Handeln an der Idee Gottes orientieren, die er den Menschen zugedacht hat. Fachlich ausgedrückt: Verantwortliche in kirchlichen Gesundheitseinrichtungen brauchen eine Vision.

Turbulenter Transformationsprozess Die Macht der Vision und die Ohnmacht der Leitbilder Die Zumutungen Gottes

Menschen. Und Gott hat nicht selten

Evangelisierung konkret

Das Wort Vision leitet sich aus dem

Menschen mit neuen Zumutungen

Fragen wir nach dieser eigentlichen

lateinischen „videre“ ab und heißt

herausgefordert. Das gilt nicht nur für

Identität und der Tiefendimension

„sehen“. Ein künftiger Zustand wird

einzelne Menschen und Gemeinschaf-

kirchlicher Gesundheitseinrichtungen,

also bereits geschaut und damit

ten, sondern auch für Einrichtungen

ist es hilfreich, sich mit dem Thema

erschaffen. Visionen beinhalten Ziele

des Gesundheitswesens. Die vielen

„Evangelisierung“ zu beschäftigen.

und Pläne, die sich Menschen geben,

Aufbrüche in der Kirchengeschichte

Obgleich Evangelisierung ein in Mode

um die Zukunft zu gestalten. Voraus-

können lebendig von diesen Zumu-

gekommenes Wort ist, ist es jedoch in

schauende Planung ist unersetzlich,

tungen Gottes erzählen. Visionen

keiner Weise ein neuer oder modischer

weil ohne sie keine zielgerichtete Ent-

reifen also nicht nur, indem Menschen

Gedanke in der kirchlichen Tradition.

wicklung möglich wäre. Eine Vision im

eigene Pläne entwickeln, sondern

Seit dem Beginn der Kirche wurzelt

biblischen Sinne beinhaltet weitaus

indem sie sich der spirituellen Tiefe

ihre tiefste Identität in der Evangelisie-

mehr als nur menschliches Planen,

von Visionen hingeben und damit

rung als ihrem zentralen Thema. Evan-

sie ist ebenso die geistig und geistlich

immer neu das Wort Gottes in ihre

gelisierung - so Evangelii Nuntiandi, ein

erschaffene Zukunft. Visionen zu ent-

eigenen Pläne, in die gegenwärtige

bereits 1975 veröffentlichter Grundsatz-

wickeln bedeutet dann, aus der Tiefe

Situation und Zeit, hineinlesen. So

text des damaligen Papstes Paul VI.

einer geistlichen Mitte heraus die

durchkreuzen die Träume Gottes die

- bedeutet, „die Frohbotschaft in alle

Zukunft zu erschaffen, denn Visionen

eigenen. Im Hören auf das Wort Got-

Bereiche der Menschheit zu tragen,

sind immer zugleich Geschenk und

tes gilt es zu fragen, ob wir als Person

und sie durch den Einfluss von innen

Zumutung Gottes an seine Kirche und

und als Gemeinschaft auf der Spur

her umzuwandeln und die Menschheit

den einzelnen Menschen. In diesen

des Lebens sind, die Gott uns Men-

selbst zu erneuern“.

oft provozierenden Zumutungen wird

schen zugedacht hat. Es gilt zu fragen,

der Traum Gottes mit und für die

ob die eigenen Pläne in der biblischen

Und weiter heißt es im Text: „Weil

Menschen durchsichtig.

Tradition verwurzelt sind oder ob sich

der Bruch zwischen Evangelium und

vielleicht ganz anders gelagerte Inter-

Kultur als das Drama unserer Zeit-

In diesem Sinn sind Visionen gleich-

essen eingeschlichen haben.

epoche verstanden wird, muss das

sam das Einfallstor Gottes für die

Evangelium alle Kulturen von innen her


Beitrag

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Glücklich seid ihr, die ihr zu einer mitmenschlichen Unternehmenskultur beitragt. Ihr werdet wachsen an Liebe. Glücklich seid ihr, die ihr den Zwängen einer zunehmenden Ökonomisierung etwas entgegensetzt. Ihr werdet zu einer menschengerechten Entwicklung beitragen. Glücklich seid ihr, die ihr dem Machtmissbrauch in euren Unternehmen widersteht. Ihr werdet eine machtvolle Alternative sein. Glücklich seid ihr, die ihr euch zu ethischem Handeln selbst verpflichtet. Ihr werdet die Sachzwänge des scheinbar Faktischen durchbrechen. Glücklich seid ihr, die ihr nicht einseitig die Interessen der Aktionäre bedient. Ihr werdet Zeugen dafür sein, dass Gottes Reich umfassend ist. Glücklich seid ihr, die ihr die kleinen Schritte wagt und die Spannung zu den großen Zielen aushaltet. Ihr werdet durch den Mut zum Fragment den Weg zur Menschlichkeit finden. Glücklich seid ihr, die ihr immer neu um eine evangeliumsgemäße Struktur eurer Organisation ringt. Ihr werdet schöpferische Kräfte entdecken. Glücklich seid ihr, die ihr nicht nur redet, sondern handelt. Ihr werdet Orte der Hoffnung sein.

durchdringen. Die Kirche kann es nicht

verständigen. In diesem

hinnehmen, dass ihre Sendung nur auf

Sinn stellen Ulrich und

den Bereich des Religiösen beschränkt

Fluri fest: „Das Bemühen

wird, weil sie sich nicht für die zeitlichen

um (...) ein unterneh-

Probleme des Menschen interessiert“

mensethisches Leitbild,

(EN 34). Es geht also darum, dass alle

das eine gemeinsame

Lebensbereiche von der Botschaft des

Wertebasis aller Füh-

Evangeliums erfasst werden und die

rungskräfte darstellt, ist

Kluft zwischen der Lebenswirklichkeit

keineswegs Ausdruck

und der Glaubenswirklichkeit überwun-

eines weltfremden

den wird. Gegenstand der Entwicklung

Idealismus, der mit den

ist dabei nicht nur der einzelne Mensch,

wirklichen ‚Alltagskriterien’

sondern auch das „kollektive Bewusst-

des unternehmerischen

sein der Menschen, die Tätigkeit, in

Handelns unvereinbar

der sie sich engagieren, ihr konkretes

wäre, sondern schafft im

Leben und ihr jeweiliges Milieu“ (EN

Gegenteil überhaupt erst

18). Es geht nicht darum, flächende-

das normative Fundament

ckend Menschen zu bekehren, sondern

einer durchdachten, klaren

durch die Kraft des Evangeliums sollen

und dauerhaft tragfähigen

die Urteilskriterien, die bestimmenden

Managementkonzeption.“

Werte, die Interessenspunkte und

In diesem Sinn ist ein Leit-

die Denkgewohnheiten am Inhalt des

bild eine gute Investition

Evangeliums ausgerichtet werden.

für die Zukunft.

Die Unternehmensentwicklung kirchli-

Oft werden Leitbilder,

cher Gesundheitseinrichtungen ist dann

nachdem sie entwickelt

gleichsam ein Ernstfall der Evangeli-

sind, im wahrsten Sinne

sierung - Evangelisierung konkret. Im

des Wortes „verabschie-

Kontext kirchlicher Einrichtungen geht

det“. Dieser Umgang mit

es dabei immer um das Bezeugen des

Leitbildern spricht nicht

Evangeliums in der Welt. Eine moderne

gegen deren Entwicklung, sondern

Wer diesen Weg beschreitet, der von

Unternehmensentwicklung unter

hinterfragt die Motivation der Ver-

Erfolg und Scheitern geprägt ist, darf

diesem Leitstern ist dann ein konkreter

in der Zuversicht handeln, dass etwas

Versuch, das jüdisch-christliche Erbe zu

antwortlichen. Die Umsetzung von Leitbildern ist ein anspruchsvoller

kontextualisieren und es für die heutige

Prozess der Organisationsentwicklung

Gottes mit den Menschen ansichtig

Welt aufzuschließen. Es ist der Versuch,

und bedarf eines langen Atems und

und erfahrbar wird. In Anlehnung an die

das Evangelium in einem modernen

eines abgestimmten Vorgehens im

Seligpreisungen kann gesagt wer-

Organisationskontext ansichtig und

Management. Es ist eine Querschnitt-

den: Glücklich seid ihr, die ihr zu einer

durchsichtig werden zu lassen.

aufgabe im Unternehmen, die sich

mitmenschlichen Unternehmenskultur

beispielsweise auf folgende Bereiche

beitragt. ... (siehe oben)

Der Weg vom Wort zur Tat

erstreckt: das Qualitätsmanagement,

In der Regel findet sich die Vision einer

die Personalentwicklung, Formen der

Einrichtung in einem Leitbild. Das

Ethikberatung, das geistliche Profil

Leitbild klärt, woher eine Einrichtung

einer Einrichtung, die Seelsorge und

kommt und für was sie steht. Wenn-

die Gestaltung der medizinisch-pflege-

gleich die Entwicklung von Leitbildern

rischen Leistungen. Dabei sollten kirch-

bisweilen im Ruf steht, den Weg vom

liche Einrichtungen die Bedeutung von

Wort zur Tat nicht zu finden, bleibt es

Organisationsstrukturen nicht unter-

eine fundamentale Aufgabe kirchlicher

schätzen. Nicht nur Personen, sondern

Unternehmen, sich über ihre Ziele und

ebenso Strukturen und Prozeduren

ihre gemeinsamen Werte, in denen das

sind Träger oder Verhinderer bestimm-

Christliche zum Ausdruck kommt, zu

ten Verhaltens.

von den Verheißungen und dem Traum

Universitäts-Professor Dr. Michael Fischer, Zentrale Leitbildkoordination/ Qualitätsmanagement (St. FranziskusStiftung, Münster), Institut für Qualität und Ethik (UMIT in Hall/Tirol)


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Hier herrscht ein anderer Geist Christliche Ethik in der institutionalisierten Diakonie

rale Aufgabe. Dazu bedarf es auch der entsprechenden Weltanschauung, die ich teilen kann. GM: Spielt christliche Ethik auch im Arbeitsalltag eines Diakoniedirektors eine Rolle?

Krankenhäuser und Seniorenheime nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten erfolgreich führen und gleichzeitig christliche Werte umzusetzen – geht das überhaupt? Günter Mahler hat Mag. theol. Elimar Brandt gefragt, den geschäftsführenden Direktor der Immanuel Diakonie Group (IDG), die in Berlin, Brandenburg, Thüringen und Graz/ Österreich in 65 Einrichtungen 2.300 Mitarbeitende beschäftigt. GM: Könnten Sie, Herr Brandt, in gleicher Weise bei einem öffentlichen Träger arbeiten? EB: Nein, das könnte ich nicht. Ich bin aus Überzeugung Pastor. Ich sehe meine Aufgabe als Geschäftsführer immer auch als eine pasto-

EB: Das hängt davon ab, inwieweit ich durch christliche Ethik durchwirkt bin. Mein Charakter ist davon bestimmt und geprägt. Deshalb: Was immer ich auch anpacke, auch an formalistischen Vorgängen, das gehe ich immer an als ein Mensch, der vom Evangelium durchdrungen ist. Durch diese Prägung gehe ich davon aus, dass meine Art der Geschäftsführertätigkeit – also Verantwortung zu tragen, Gespräche zu führen und Entscheidungen zu treffen – davon immer mit bestimmt wird. Ich muss mich, wo immer ich bin, authentisch als Christ, als Jünger Jesu zeigen. Und ich muss mich nie schämen müssen darüber, dass jemand mir vorwerfen kann: „Und det is n Pastor“. GM: Wie kann in den Einrichtungen der IDG der Spagat zwischen wirtschaftlichem Druck und dem Arbeiten nach christlich-ethischen Grundwerten gelingen? EB: Wir müssen uns auf der einen Seite wie jedes andere Krankenhaus oder jede Altenpflegeeinrichtung und jeder Kindergarten wirtschaftlich verhalten. Wir kriegen nicht mehr Geld als andere für erbrachte Leistungen. Für uns war es in dieser Situation ein entscheidender Prozess, dass wir gesagt haben: Wir wollen mit den Mitarbeitenden zusammen einen Wertekanon entwickeln.

GM: Nun sind in den Einrichtungen der IDG zum Beispiel in Brandenburg 80% der Mitarbeitenden ohne christliche Sozialisation. Kann man denen einfach christliche Grundwerte überstülpen? EB: Genau an dieser Stelle haben wir uns gefragt: wie kriegen wir einen „Spirit“ in die Einrichtungen, der geprägt ist von den Aussagen des biblischen Menschenbildes. Wir haben nach einem Modell gesucht, das ganz klar geprägt ist von den jüdisch-christlichen Wurzeln des biblischen Menschenbildes. Das ist uns begegnet in der OttawaCharta* und der daraus abgeleiteten Gesundheitsförderung, so wie das von der Weltgesundheitsorganisation vorgegeben ist. Hier habe ich die geistliche Ausrichtung entdeckt, die gerade den Mitarbeitenden, die nicht kirchlich sozialisiert sind, eingängig ist und einleuchtet. GM: Sie arbeiten in ihren Einrichtungen mit dem Managementmodul der Balanced Scorecard**. Was bringt dieses Modul in den Fragen nach Wirtschaftlichkeit versus inhaltliche Fragen? EB: Die Balanced Scorecard wird ja in vielen Firmen angewandt, das hat nichts mit christlicher Existenz oder einer freikirchlichen Einrichtung zu tun. Wir haben diese Balanced Scorecard genommen und sie ist „getauft“. Damit haben wir ein Managementmodul, mit dem wir das, was wir an Erkenntnissen gewonnen haben, sowohl wirtschaftlich wie auch inhaltlich Schritt für Schritt über 20 klar definierte Ziele umsetzen und das Ganze auch messbar machen können.


INTERVIEW

GM: Was soll die Arbeit nach den Zielen der Balanced Scorecard letztendlich bringen? EB: Wir wollen im „Haifischbecken Gesundheitsmarkt“ einen anderen Stil entwickeln und dadurch für die Patienten und Patientinnen und auch für die Mitarbeiterschaft etwas darstellen, was eine andere ethische Grundlage hat. Gott sei Dank fragt unser Träger (Die Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde Berlin, Schöneberg, Hauptstraße, Anm. der Redaktion) nicht danach, die Rendite so zu erwirtschaften, dass Aktionäre zu bedienen sind. Natürlich müssen wir auch einen Ertrag erwirtschaften, um am Markt zu bleiben. Aber wir können das mit einer anderen Gesinnung tun. GM: Nun frage ich mich, wie diese andere Gesinnung im Pflegealltag, in dem Leistungen nach genau vorgegebenen Minutentakten absolviert werden müssen, zum Tragen kommen soll. EB: Das ist schon abartig, dass hier die Pflegenden unter einen Druck gesetzt werden, der nichts anderes mehr zulässt, als die genau vorgeschriebenen Handreichungen zu geben. Hier erlebe ich am stärksten, dass auch die Mitarbeitenden oft überfordert sind, das, was sie an ethischen Überzeugung haben, auch an die Frau, an den Mann zu bringen. Sie können es eigentlich nur tun, indem sie etwas Eigenes, Ehrenamtliches einsetzen. GM: Das klingt jetzt aber doch gefährlich nach Selbstausbeutung. EB: Ich bin davon überzeugt: es gibt auch in der IDG wie in einer Baptistengemeinde enorm viel ehrenamtliches Handeln, was natürlich nicht ausgenutzt werden und sich in Richtung Ausbeutung entwickeln darf. Aber es wird viel

aus Überzeugung von Mitarbeitenden an dieser Stelle eingesetzt. GM: Die Zeiten werden härter. Wird Ihnen nicht Angst und Bange wenn Sie an die Zukunft des Gesundheitswesens denken – vor allem an die Finanzierbarkeit? EB: Für mich ist ausschlaggebend, dass wir bei der solidaren Finanzierung bleiben. Politische Aktivitäten, welche die Solidargemeinschaft aufbrechen wollen, sind gefährlich und für mich als Christ überhaupt nicht nachzuvollziehen. Wir müssen als Kirchen dafür eintreten, dass die solidarische Finanzierung des Gesundheitswesens erhalten bleibt. GM: Trotz Alledem werden in Zukunft nicht mehr alle Leistungen, die machbar wären, bezahlbar sein. EB: Wir werden uns damit auseinandersetzen müssen, ob jede medizinische Leistung, die möglich ist, auch zu jeder Zeit anzuwenden ist. Da könnten wir als Christen auch beispielhaft sein in der Weise, unser Leben nicht immer in die Hände der Ärzte zu legen. Wir müssen uns immer wieder fragen: muss ich jede medizinische Leistung in einem hohen Alter annehmen oder kann ich auch darüber nachdenken, ob der Ertrag dieser Leistung mein Leben wirklich verbessert. Verlängern kann es nach unserer Überzeugung ohnehin kein Mensch. GM: Sie haben jetzt viel von der Solidargemeinschaft gesprochen. Hier die Nagelprobe: Hat die IDG eine Betriebskrankenkasse und ist Elimar Brandt privat versichert? EB: Wir haben keine Betriebskrankenkasse entwickelt, weil wir gesagt haben: wir wollen auch an dieser Stelle in der großen Solidargemeinschaft bleiben. Ich persönlich bin immer ganz bewusst in

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einer gesetzlichen Krankenkasse – der AOK - geblieben, um damit auch ein Signal zu geben: Das ist die Kasse, die am stärksten für die Mühseligen und Beladenen eintritt. Dann darf ich, der ein bisschen mehr verdienen darf als Andere und der ich von meinem ganzen Umfeld her auch nicht ständig die Kasse benötige, mich nicht von der Solidargemeinschaft verabschieden. GM: Schlussfrage: Wird das Führen der IDG-Einrichtungen nach den Maßstäben der christlichen Ethik von den Kunden auch honoriert? EB: Das, was als Echo zu uns kommt ist: „Wenn man in Ihr Haus kommt, herrscht dort eine andere Atmosphäre“. Das beschreibt für mich Wesentliches. Das bringen Leute vielleicht nicht direkt mit christlicher Wertesetzung in Verbindung. Aber sie sagen: Hier ist irgendwie ein anderer Geist. GM: Herr Brandt, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Günter Mahler, Pressesprecher der Immanuel Diakonie Group, Geschäftsführer com!mediaGmbH Das ganze Gespräch ist unter folgender Adresse als Podcast zu hören und herunterzuladen: www.immanuel.de/ immanuel-diakonie-gmbh/bereiche/ unternehmenskommunikation/podcast

* Ottawa-Charta der Weltgesundheitsorganisation zur Gesundheitsförderung ** Die Balanced Scorecard ist ein Konzept zur Dokumentation der Ergebnisse aus Messungen der Aktivitäten eines Unternehmens im Hinblick auf seine Vision und Strategien


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Krankenhausseelsorge in der Psychiatrie

Macht und Ohnmacht eines Seelsorgers Die Rolle des Krankenhausseelsorgers ist, zumal in der Psychiatrie, komplex. Wie andere Mitarbeiter (Ärzte, Schwestern, Pfleger, Therapeuten usw.) auch steht er zwar für ein spezifisches Aufgabenfeld (Gottesdienst, Seelsorge, Fortbildung usw.). Gleichwohl bleibt seine Rolle oft genug merkwürdig unbestimmt. Auch nach vielen Jahren seelsorgerlicher Praxis begegnet mir zuweilen die verschämte Frage, was ich „da eigentlich mache“. Nicht ganz zu Unrecht. Ich selber habe mich das oft genug gefragt. Meine Antworten sind bis heute vorläufig. Ich bin – sozusagen – alles auf einmal: Seelsorger, Pastor, Theologe, Prediger, Therapeut, Priester, Prophet, Mann für alle Fälle (manchmal fürs Grobe), Hofnarr, Sterbebegleiter, Alleinunterhalter, Freizeitgestalter, Mystagoge, Fortbilder u. v. m. Und doch, so mein Gefühl, bin ich nichts richtig ganz. Das „Ein-Mann-Service-Unternehmen“ (so eine Supervisorin über die Krankenhausseelsorge) erscheint mir zuweilen recht dilettantisch geführt. Könnte dies auch ein Vorteil sein? Könnte es der Sache zugute kommen, inmitten der auf Ordnung, Struktur und Regeln bedachten Institution Krankenhaus so etwas wie ein lebensfroher Dilettant zu

sein? Einer, der chronisch zwischen den Stühlen sitzt und doch dort (gerade dort!) sich am richtigen Platz weiß? Ich will mir die Dinge nicht künstlich schön reden. Aber ich gebe zu, dass mir jene Kollegen in der Krankenhausseelsorge am wenigsten geheuer sind, die allzu fest auf einem Stuhl sitzen, nämlich auf dem der Institution. Natürlich wird manches leichter, wenn man sich als Teil der Einrichtung versteht. Natürlich ist es verständlich, wenn auch der Seelsorger die Diagnosemodelle der Medizin kennt und teilt. Natürlich tut es gut, zu einem therapeutischen Team zu gehören. Selbstverständlich genießt man es, von der Leitung eines Hauses gesehen, angefragt, wertgeschätzt zu werden. In diesem Rahmen wird die Stellung der Seelsorge unangefochtener, „mächtiger“ – und die Arbeit „macht“ sich leichter. Aber: Macht macht auch verführbar. Wer sich auf die Seite der „Mächtigen“ schlägt, muss wissen, was er tut. Er muss den möglichen Preis kennen, der dafür zu zahlen ist. Dies gilt insbesondere für die Seelsorge in der Psychiatrie. Hier ist unbedingt und immer wieder zu fragen: kann ich zwei Herren, den „Mächtigen“ und den „Ohnmächtigen“, zugleich

dienen? Oder verlangt die seelsorgerliche Arbeit nicht grundsätzlich ein gerütteltes Maß an Parteilichkeit, gerade hier? Übrigens: Auch Ohnmacht kann verführbar machen. Wer sich allzu entschlossen auf die Seite der „Ohnmächtigen“ schlägt, wer nur und ausschließlich deren Sache zu führen glaubt, versteift sich zuweilen auf die Rolle eines „Rächers der Enterbten“, die der Seelsorge ebenso wenig zugute kommt. Dass auch (und gerade!) auf dem Hintergrund dieser Parteinahme ungesunde Allmachtsphantasien gedeihen können, erwähne ich nur nebenbei. Gleichwohl bin ich überzeugt: Krankenhausseelsorge muss – grundsätzlich – parteiisch sein. Ihre Adressaten sind die „Ohnmächtigen“, d.h. diejenigen, die sich – aus welchen Gründen auch immer – nicht (mehr) zu helfen wissen. Mit dieser Orientierung weiß sie sich an der Seite Jesu, der sich den „Kranken, mit mancherlei Leiden und Plagen Behafteten, den Besessenen, Aussätzigen, Mondsüchtigen und Gelähmten“ (vgl. Mt. 5,24) in besonderer Weise zugewandt hat. Dass die „Kranken“ (und nicht die „Starken“, „Mächtigen“) den Arzt, den Seelsorger, den Therapeuten brauchen, hat für Jesus programmatische Bedeutung (vgl. Mt. 9,12).


SEELSORGE

Diese Parteinahme scheint mir in der psychiatrischen Welt unverzichtbar. Natürlich gibt es nicht die Psychiatrie (ebenso, wie es nicht die Kirche gibt). Aber vor allem in den „klassischen“ psychiatrischen Einrichtungen (Großkrankenhäusern, Landeskliniken etc.) imponieren und befremden immer noch spezifische Machtverhältnisse. In ihrem Rahmen wird mit der menschlichen Würde vielfach nicht eben zimperlich umgegangen. Eine ehemalige Patientin schrieb mir vor kurzem über ihren Psychiatrieaufenthalt vor wenigen Jahren: „Ich stimmte Ihnen in jedem Fall voll zu, dass Leid vermieden werden könnte, wenn in der Klinik ein Gespräch auf Augenhöhe angeboten und Spirituelles nicht gleich in die Ecke der Schizophrenie gestellt würde. Leider habe ich auch die Ablehnung meines Aufsuchens der Seelsorge durch das Klinikpersonal erfahren... die einzige Ärztin, die mir auch eine Ansprechpartnerin war, ... wurde vom übrigen Personal nicht so ganz ernst genommen. Die Chefarztvisiten ... habe ich eher als Machtdemonstration erlebt, bei der wir Patient Zootiere waren.“ „So soll es nicht sein unter euch“ sagt Jesus definitiv und fährt fort: „... sondern wer unter euch groß sein will, der sei euer Diener; und wer unter euch der Erste sein will, der sei euer Knecht.“ (Mt. 20,26f.). Für unseren Zusammenhang heißt das: Seelsorge im Sinne Jesu stellt herrschende Machtverhältnisse in Frage. Indem sie „auf Augenhöhe“ arbeitet, akzentuiert, versinnbildlicht sie die unverlierbare Würde aller Gotteskinder. Indem sie spirituelle Bedürfnisse und Sehnsüchte der ihr anvertrauten Menschen unbedingt ernst nimmt, stellt sie sich oft genug – vor allem in psychiatrischen Einrichtungen – in einen diametralen Gegensatz zur „herrschenden“ Meinung. Insofern eignet der „Hirtenkunst“ (wie das griechische Wort für Seelsorge zu übersetzen ist) etwas

Prophetisch-Subversives, Widerständiges, das sich in den gewohnten Klinikalltag nur schwer einfügen will. Das heißt freilich nicht, dass wir Seelsorger nun dauernd gegen den Stachel (der Institution) zu löcken haben. Wir müssen keine Konflikte provozieren – Irritationen (auf beiden Seiten), Unstimmigkeiten, Missverständnisse kommen bloß leider von selber, wenn wir unsere Arbeit wirklich ernst nehmen. Spätestens dann, wenn es ums „Eingemachte“, um die Grundlagen des christlichen Menschenbildes geht. Wer als Seelsorger in der Psychiatrie ohne solche Konflikte auskommt, macht sich verdächtig und sollte sich gelegentlich fragen, was er eigentlich verkehrt macht. Nein, wir dürfen (bei aller Sehnsucht nach Harmonie) nicht der Versuchung erliegen, das Menschen- und Lebensrecht der „Ohnmächtigen“ zu Gunsten einer besseren Kooperation mit den „Mächtigen“ aufs Spiel zu setzen. Das Paradoxe dabei ist: gerade damit, mit ihrem entschlossenen Eintreten für den „anderen“ (den – wie auch immer – Not leidenden Menschen) sowie für den „ganz Anderen“ (den Gott, dessen bedingungslose Liebe sich in Christus offenbart hat), stellt sich die Seelsorge auch in den Dienst der Einrichtung. Weil sie die „Ohnmächtigen“ (und ihre Anliegen) zur Sprache bringt, mahnt sie den Träger an seinen ethischen Auftrag, der jenseits einer religiösen Orientierung Grundlage der klinischen Behandlung sein muss. Mit anderen Worten: Die Klinik braucht den Seelsorger, sie braucht sein „Wächteramt“, sie braucht seine „Ohnmacht“, um sich die Sensibilität für die „Ohnmächtigen“, die ihm anvertraut sind, zu bewahren (oder sie erst neu zu gewinnen). Wie kann man als Seelsorger in dieser verzwickten Rolle überleben? Ich staune selbst oft darüber, dass ich nun schon seit 20 Jahren diese Arbeit tue

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– mit großer Freude und Dankbarkeit übrigens. Denn, merkwürdig genug, die Position an der Seite der Ohnmächtigen ist so schwach nicht, wie man als Außenstehender meinen könnte. In der „community of the weak“, kommen Qualitäten zum Zuge, die sich in der Gemeinschaft der „Starken“, der Gewinner und Leistungsträger nur selten finden – Liebe, Vertrauen, Trost, Barmherzigkeit, Nachsicht, Milde. „...wenn ich schwach bin, so bin ich stark“, sagt Paulus (2. Kor. 12,10). Ich verstehe das so: In der „Schwäche“, im immer neuen Eingeständnis der eigenen Bedürftigkeit, im Bewusstsein von Unvollkommenheit und Schuld und in der beharrlichen Sehnsucht nach dem ganz Anderen, nach Heil, Heilung, Ganzheit, Gott wird neuer Raum frei das Wirken des Geistes Gottes, der unser Leben heilsam auf den Kopf stellt.

Pastor Dr. Ronald Mundhenk, Krankenhausseelsorger AMEOSKlinikum Heiligenhafen

Mundhenk, Lebt Gott in der Psychiatrie? Paranus Verlag 181 Seiten, € 16,80


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Macht und Ohnmacht in der Patientenbegegnung

Die positiven Seiten der Macht - ein Plädoyer aus der Praxis Ich spüre Hilflosigkeit und Ohnmacht, wenn ich an die Grenzen meiner Macht stoße. Krankheit erleben: Früher dachte ich, das Schlimmste ist die damit oft verbundene Isolation – egal ob von außen, z.B. durch andere, erzwungen oder selbst gewählt. Heute glaube ich, noch schlimmer ist das Gefühl von Ohnmacht und Hilflosigkeit im Erleben von Krankheit. Darum erfahre ich sowohl als Kranke als auch als Ärztin immer dann eine Wende im Krankheitsprozess als „Weg in Richtung Heilung“, wenn ich als Kranke wieder „Macht“ erlange oder als Ärztin dem Gegenüber helfe, wieder Macht über sich in diesem Prozess zu erhalten, z.B. die Verantwortung zu erkennen und zu ergreifen, indem mit der Krankheit anders umgegangen wird. Beide haben die Aufgabe der Entscheidung: Wie gehe ich mit meiner Krankheit um? Wie gehe ich mit

der Machtlosigkeit des Patienten um bzw. wie helfe ich ihm, wieder Macht zu erlangen? …also Macht im positiven Sinne von Möglichkeit zur Einflussnahme und Gestaltung! Schon der Arzt, Psychologe und Psychotherapeut Alfred Adler (1870-1937) hat erkannt, wie wichtig das „Dazugehören“ und das „Selbständigsein“ für den Menschen ist. Er postuliert drei grundlegende Bestrebungen eines jeden Menschen, die zu einer gesunden Persönlichkeitsentwicklung und Lebensentfaltung als Individuum und zum Leben in der Gemeinschaft gehören: unser Streben nach Überlegenheit (Macht), nach Gemeinschaft und nach Aktivität. Durch eine gesunde Entwicklung dieser Strebungen werden wir im Laufe des Lebens dazu befähigt, Mangellagen zu überwinden und Leben und Gemeinschaft sinnvoll (für uns als Individuum und für die Gesellschaft) zu gestalten. Dazu gehört natürlich genauso auch der freiwillige Verzicht auf Machtausübung. Adler versteht das Machtprinzip als positive Antriebskraft.

In der Psychiatrie erlebe ich als extremes Beispiel von Machtausübung die Unterbringung nach dem PsychKG (Psychisch-Kranken-Gesetz). Dabei wird der Patient all seiner Macht beraubt, ihm wird die Freiheit entzogen und er wird gegen seinen Willen „zwangsweise“ für einen gewissen Zeitraum in ein psychiatrisches Krankenhaus zur stationären Behandlung eingewiesen. Sehr sorgsam gilt es, die Voraussetzungen zu prüfen und Macht für den Patienten zu seinem Schutz und nicht gegen ihn anzuwenden. Wie ermutigend ist es, wenn wir in einer Krisensituation zwar gegen den Willen des Patienten entscheiden und er sich dann aber einige Zeit (Tage oder Wochen) später bei uns bedankt, dass ihm diese Entscheidung abgenommen wurde, da er sich selbst nicht mehr in der Lage dazu sah, inzwischen aber die Richtigkeit der Entscheidung erkennen kann. Weil es ihm wieder besser geht, da die Behandlung hilft und er wieder „Macht“ über sich selbst erhalten


Erfahrungen

Anderenfalls steuere ich mit Riesenschritten auf einen Burnout zu und erliege dem Irrglauben, ich könnte vollkommen werden, wie es nur Gott selbst ist. Ich glaube vielleicht sogar, ich sollte – zumindest als Christ – folgende Eigenschaften aufweisen: Allzuständigkeit und Allverantwortlichkeit, Allmacht, Allwissenheit und Allgegenwart, die ein Bemühen um göttliche Tugenden verkörpern, deren Nichterfüllung umschlägt in Schuld, Depression, Selbstzweifel und Frustration. (Das wird oft mitverschuldet von einer irrigen Auslegung des Bibelverses: „Seid vollkommen, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist“, Matthäus 5, 48).

hat im Sinne von Zukunftshoffnung oder einfach Besserung seines seelischen Zustands.

Wertschätzung gegenüber dem Menschen Ebenfalls erlebe ich in der Psychiatrie besonders, wie elementar, lebensnotwendig und heilsam es für den Menschen ist, wichtig zu sein für jemand anderen. Das ist eine Wahrheit, die sicher für jeden Kranken, aber auch für jeden „Gesunden“ gilt! Insofern haben Macht und Machtausübung sehr viel mit dem Rahmen von Gering- oder Wertschätzung zu tun, in dem die Macht eingesetzt bzw. ausgeübt wird. Wie gehe ich als Ärztin mit meinen Grenzen um im „Helfer-sein“ und „Helfen-wollen“? Wenn ich akzeptiere, dass ich nicht jedem helfen kann und soll, wird es leichter, dort wirklich zu helfen, wo ich es kann und soll. Dann gestalte ich Macht im positiven Sinne und nehme Einfluss.

Wir sprechen ja meist nicht gern von Macht, erst recht nicht, wenn wir als Christen leben. Dabei wird soviel Macht gerade im Leben und Gestalten von Beziehungen ausgeübt, zum Positiven oder auch Negativen hin im Bereich von Grenzen – entweder im Aufzeigen, Schützen und Verteidigen von Grenzen oder aber auch in Form von Machtmissbrauch durch Grenzüberschreitungen.

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müssen, angewiesen sein auf elementare Hilfen, z.B. bei der Körperhygiene oder Nahrungsaufnahme und Ausscheidung, die mehr oder auch weniger sensible Übermittlung von Diagnosen und Prognosen usw. Überall geben wir Macht auf, fühlen wir uns vielleicht hilflos und ohnmächtig ausgeliefert. Wir können dabei aber genauso auch die Erfahrung machen von Dankbarkeit für Zuwendung und Hilfe. Jeder, der schon einmal Patient war in unserem Gesundheitswesen, kennt diese und andere Formen von Machtausübung und die damit verbundenen Grenzverletzungen – wenn wir darin einwilligen und sie als notwendig annehmen, können wir sie als heilsame Kraft erfahren.

Macht gibt es überall

Mein Konfirmationsspruch, der mich schon lange begleitet und mir in den Fragen zu Macht und Ohnmacht immer wieder eine große Hilfe ist, lautet: „Gott gebe mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.“ (Friedrich Oetinger, zugeschrieben)

Und wie sieht es da im Alltag des Gesundheitswesens aus? Es wird vielleicht von der Macht des Geldes gesprochen oder von Macht in Hierarchien. Dabei wird überall Macht ausgeübt, werden bei jeder Operation, bei fast jeder pflegerischen Handlung wie ganz selbstverständlich Grenzen überschritten, unsere Haut oder andere Organe versehrt, unser Körper und unsere Seele verwundet, aber genauso wiederhergestellt und geheilt, möglichst und hoffentlich auch dabei oder zumindest anschließend! Einige konkrete Beispiele: Dazu gehören lange Wartezeiten, sich preisgeben müssen, sich ausziehen

Bettina Gundlach, Aumühle, Ärztin im Sozialpsychiatrischen Dienst, seelsorgerliche Lebensberaterin (BTS, BI), Mitglied im Vorstand Christen im Gesundheitswesen und im Herausgeberkreis von CiG


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Phytotherapie Naturheilkunde ohne Esoterik

Roter Sonnenhut

Viele von den in der Natur anzutreffenden Heilpflanzen wurden schon seit Jahrtausenden für Heilzwecke eingesetzt. Heutzutage ist man in der Lage, mit modernen Methoden hochkomplexe pflanzliche Wirkstoffgruppen aufzuspalten und viele der aus der traditionellen Kräuterheilkunde angepriesenen Wirkungen wissenschaftlich zu bestätigen. Stimmen die aus den Überlieferungen herrührenden positiven Erfahrungen aber auch wirklich mit den in wissenschaftlichen Studien erzielten Resultaten überein? Und können Heilpflanzen, wie dies von verschiedenen Seiten postuliert wird, bedenkenlos eingesetzt werden? Pflanzliche Heilmittel, sogenannte Phytopharmaka, bestehen aus Substanzen, die sich aus genau definierten Pflanzenteilen zusammensetzen. Beispiel: Johanniskraut ist eine Pflanze, von der in wissenschaftlichen Studien eine antidepressive

Wirkung mehrfach bestätigt wurde. Früher glaubte man, dass der Wirkstoff Hypericin für diese Wirkungen verantwortlich ist. Untersuchungen ergaben aber eindeutig, dass Hypericin nur einen Teil der Wirkung ausmacht. Nach dem neuesten wissenschaftlichen Stand muss davon ausgegangen werden, dass eine breite Wirkstoffkombination, die in ihrer Vielfalt noch nicht vollständig bekannt ist, für die antidepressive Wirkung verantwortlich ist. Definition: Die Phytotherapie ist eine Wissenschaft, die sich mit der Vorbeugung und der Behandlung von Krankheiten durch Pflanzen, Pflanzenteile und deren Zubereitung befasst. Für die Phytotherapie im engeren Sinne kommen nur Pflanzen in Frage, die definierte und nachweisbare Wirkstoffe enthalten. In diesem Therapiebereich stellt der Extrakt als Ganzes den Wirkstoff dar, denn keine Einzelsubstanz kann die Wirkung des

Gesamtextraktes imitieren. Einige Heilpflanzen können zur Vorbeugung gegen Krankheiten eingesetzt werden. Andere finden Verwendung bei Befindlichkeitsstörungen, Unruhezuständen, Magen-Darmbeschwerden, rheumatischen Erkrankungen u.v.a. Im Allgemeinen sind es leichtere bis mittelschwere Krankheiten, die mit Heilpflanzen gelindert und teilweise auch geheilt werden können. In der Phytotherapie werden Pflanzen nach den Erkenntnissen der modernen Naturwissenschaften geprüft und eingesetzt. Parallel zu den wissenschaftlichen Forschungen wird auch dem Aspekt der Empirie (wissenschaftlich hergeleitetes Erfahrungswissen) entsprechend Rechnung getragen: Erfahrungen, die beispielsweise in der ärztlichen Praxis gemacht werden, finden in der Bewertung ebenfalls Berücksichtigung wie die Ergebnisse unzähliger klinischer Studien, die mit pflanzlichen Heilmitteln durchgeführt werden.


Alternative Heilverfahren

Kontext: Die Phytotherapie ist sowohl Teilgebiet der Medizin als auch ein Bereich innerhalb des alternativmedizinischen Spektrums. Viele Phytotherapeutika können als Ergänzung zu oder zur Unterstützung von chemischen Mitteln eingesetzt werden. Andere lassen sich vereinzelt auch als Alternative zu diesen verabreichen. Mit anderen Worten ausgedrückt: Mit Phytotherapeutika können therapeutische Lücken teilweise geschlossen, aber auch ergänzende Möglichkeiten angeboten werden. Ich bin überzeugt, dass durch den gezielten und kompetenten Einsatz von Phytotherapeutika in gewissen Situationen auch auf synthetische Medikamente verzichtet werden kann. Beispiel aus der Praxis: Tinkturen selber herstellen am Beispiel des Roten Sonnenhuts. Extrakte dieser Pflanze stimulieren das körpereigene Anzeige

Immunsystem und werden eingesetzt zur Vorbeugung und Behandlung grippaler Infekte. Und so wird es gemacht: Wir verwenden den Roten Sonnenhut (Echinacea purpurea), eine mehrjährige Heilpflanze. In den Monaten Juli-August kann sie zur Tinkturherstellung frisch verwendet werden. Die ganze Pflanze (mit Ausnahme der Wurzel) wird frühmorgens geerntet und deren Bestandteile in ca. 1 cm grosse Stücke zerschnitten. Diese schütten wir in ein dunkelbraunes oder dunkelgrünes Glas, bis es voll ist. Mit ca. 64%igem Alkohol wird der Inhalt bis zum Flaschenrand übergossen. Die Flasche wird mit einem Glasdeckel oder Korkzapfen verschlossen. Nach 2 Wochen wird die Lösung abgeleert und filtriert. Die erhaltene Tinktur kann ca. zwei Jahre verwendet werden.

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Gott hat uns viele wirksame Heilpflanzen zur Verfügung gestellt, durch die wir Krankheiten lindern und teilweise sogar heilen können. Ein kompetenter und verantwortungsbewusster Einsatz von Heilpflanzen setzt voraus, dass wir über deren Wirkungen, Nebenwirkungen und potentielle Wechselwirkungen, aber auch über die Einsatzmöglichkeiten und Grenzen informiert sind.

Rolf Nussbaumer, Herisau, Leiter der Schule für Christlich Ganzheitliche Heilverfahren


20 Hintergrund

Pflege braucht Hilfe „Ich kündige“ „Jetzt reicht es mir, ich kündige“, denkt die Altenpflegerin, als ihre Chefin den Dienstplan zum dritten Mal ändert. Zwei Kolleginnen sind krank und die Patienten müssen versorgt werden. Die Mitarbeiterin hat den Eindruck, immer die erste zu sein, die zusätzliche Aufgaben erledigen muss. Ihrer Pflegedienstleitung geht es nicht anders. „Jetzt reicht es, ich gehe“, denkt auch sie. Mehrfach hat sie in den letzten Wochen den Geschäftsführer auf den ungenügenden Stellenplan hingewiesen. Doch der zuckt nur mit den Schultern. „Wie soll ich die zusätzlichen Kosten darstellen?“ Er hat Sorge, dass die Patientenzahl einbrechen könnte. Schließlich hat gerade ein privater Anbieter am selben Ort eine Werbekampagne gestartet. Dessen Heim ist neu. Die Preise sind niedriger. Ob man denn nicht 400-EuroKräfte gewinnen könne, rät er der zornigen PDL. Doch der Markt ist leergefegt. Was vor Ort gilt, liegt auch deutschlandweit im Trend. 43,5% der Pflegekräfte erwägen, den Arbeitsplatz zu wechseln, 31,2% wollen ganz aus dem Beruf ausscheiden (Pflegeforum 3/09) In Krankenhäusern ist jede vierte Pflegekraft burnout gefährdet. Das Pflegethermometer des Instituts für angewandte Pflegeforschung (dip) offenbart Jahr für Jahr das zunehmende Dilemma in der Pflege: 10 000 Mitarbeiter wurden befragt. Ende Mai wurden die Ergebnisse in Berlin vorgestellt. Projektleiter Prof. Michael Isfort: „Das, was in den vergangenen Jahren bei den Krankenhausärzten

mit einem deutlichen und anhaltenden Ausbau von mehr als 20 000 Stellen richtig gemacht wurde, ist bei der Krankenhauspflege durch einen massiven Stellenabbau schief gelaufen und wird nun immer folgenschwerer für die Beschäftigten und die Patienten!“ Die Studie zeigt, dass der massive Stellenabbau zu einer Ausdünnung und Überalterung in der Pflege mit der Folge hoher Arbeitsbelastungen bei steigenden Patientenzahlen geführt hat. Allarmierend für die Patienten: „In Krankenhäusern, in denen eine besonders ausgedünnte Personaldecke oder ein weiterhin betriebener Personalabbau in der Pflege und höhere Patientenzahlen zusammentreffen und damit der Anteil der hoch belasteten Pflegenden größer ist, treten vermehrt Probleme in der Patientenversorgung und -sicherheit auf.“ Lichtblicke zeigen sich hingegen im veränderten Verständnis und den Perspektiven im Pflegeberuf. Isfort betonte, „dass die verbliebenen Pflegekräfte sehr professionell darangehen, die Versorgung für alle Patienten trotz der schwierigen Bedingungen so gut wie irgend möglich aufrecht zu erhalten“. Insbesondere die jüngeren Pflegekräfte gehen mit guten Entwicklungsmöglichkeiten in den Beruf und trotzen somit den schwierigen Bedingungen. Unter anderem strebt jede zweite Pflegekraft unter 25 Jahren eine akademische Weiterqualifizierung an. Ermutigt werden Pflegende z.B. vonRuth Banner, Schillingsfürst, PDL in der

ambulanten Pflege: „Stimmt, die Pflege braucht Hilfe. Jedoch ist kein Beruf so nah an den Bedürfnissen der Menschen. Es kommt sehr viel zurück. Sich auf Menschen einzulassen macht sehr viel Freude.“ Es besteht dringender Handlungsbedarf, damit aus dem Gedanken an die Kündigung nicht der Ausstieg aus dem Beruf wird. Wenn sich Klima und Arbeitsbedingungen wandeln, wird auch am kommenden Wochenende jemand für die Patienten da sein. Frank Fornaçon

Stellungnahme. Der Deutsche Pflegerat nimmt die beschriebenen Tatsachen in den Pflegeberufen in seiner letzten Pressemitteilung mit großer Sorge zur Kenntnis. Er warnt seit langem vor den skizzierten Entwicklungen, und bietet den Verantwortlichen in Politik und Trägerebene den Dialog an, um eine nachhaltige Sicherung der pflegerischen Versorgung zu garantieren. Leider wird wiederum aus Geldmangel die Pflege der Pflegenden vernachlässigt. Die Konsequenzen werden wir noch deutlich spüren. Dieser großen Herausforderung sollten wir Christen uns in besonderen Maße stellen, indem wir für die Bedürfnisse der Betroffenen kämpfen und uns berufspolitisch engagieren. Irmgard Hautum Pflegedienstleiterin, Kreisklinik Roth Mittelfranken, Mitglied im DBfK (Deutscher Berufsverband) und in der BALK (Verband Bundesarbeitsgemeinschaft Leitender Pflegekräfte)


ModelL

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Modell gemeinsamen Lebens Die Therapeutische Hausgemeinschaft Riehen „Erst der Aufbau von Lebensgemeinschaften zwischen Behinderten und Nichtbehinderten, Gesunden und Kranken, Jungen und Alten, Männern und Frauen kann die soziale Isolation der gegenwärtigen Segregationsgesellschaft überwinden“, schreibt der Theologe Jürgen Moltmann. In Riehen bei Basel wird seine Vision umgesetzt. Die Diakonischen Hausgemeinschaften bieten Lebensraum für 45 Menschen, davon 10, die eine Wohnbegleitung nötig haben. Ensemble, Sunnehus, Läbeshus oder Schärme heißen die Häuser, in denen gemeinsames Leben eingeübt werden kann. Hier werden Menschen mit psychischen Problemen nach einem Aufenthalt in einer Klinik oder einem Sozialheim aufgenommen, Strafentlassene sind willkommen und „junge Erwachsene mit Schwierigkeiten in der Vergangenheit“. So heißt es im Konzept der Wohngemeinschaften. Die begleiteten Bewohner sollen zu selbstständiger Umsetzung einer Tagesstruktur befähigt werden, unter anderem dadurch, dass sie möglichst 50% ihrer Zeit außerhalb beschäftigt sind. Die meisten arbeiten an einem geschützten Arbeitsplatz. Besonderen Wert legen die Initiatoren auf fachliche externe Begleitung. Jeder begleitete Bewohner hat einen externen Therapeuten und bei Bedarf auch einen Seelsorger. Die gemeinsam gelebten Werte beschreiben die KonzeptGrundlagen: „Unsere Grundhaltung orientiert sich am christlich-ethischen Gedankengut. Die Gemeinschaft ist jedoch nicht an eine bestimmte Konfession gebunden. In der Begleitung arbeiten wir konfessionell neutral. Die Bewohner sind in der Wahl ihres Glaubens und ihrer Weltanschauung frei. Die Würde des Mitbewohners

ist für uns zentral. Unabhängig von unserer Geschichte, unserer persönlichen Situation, Weltanschauung und Zukunftsperspektiven begegnen wir einander mit Achtung und Wertschätzung. Ob mit oder ohne Wohnbegleitung: Wir wollen einander ermutigen, unseren Beitrag für die Entwicklung der Gemeinschaft und Gesellschaft zu leisten. Die Wahrung der Privatsphäre wird unter anderem durch ein abschließbares Zimmer gewährleistet. Ohne Rücksprache öffnet die Leitung die Türe nur in Notfällen. Die Privatsphäre in der KommuFröhliches Fest in der Hausgemeinschaft nikation mit Menschen außerhalb der Gemeinschaft wird gefördert, unter anderem Diakonische Hausgemeinschaften: 4 durch einen Telefon- und Mitlebende: 45 Internet-Zugang im eigeDavon Mitlebende mit Wohnbegleitung: 10 nen Zimmer. Kommt es zu Konflikten zwischen dem Leiterpaar und den Bewohnern, die Interessierte teilnehmen. In einem nicht gelöst werden können, stehen Zeitschriftenartikel aus dem Jahr externe Beschwerdestellen zur Ver2008 heißt es: „Spannend, was hier fügung. Die meisten Mitbewohner, we­sentlich zum Gelingen der Gemeinsind in Ausbildung oder berufstätig schaft beiträgt: liebende Leiter, die ihr und leben freiwillig gemeinschaftHerz und Leben mit den Menschen lich. Einmal im Monat sind an einem teilen.“ Mehr Informationen: Freitagabend alle zu einem Gotteswww.offenetuer.ch dienst eingeladen, an dem auch Frank Fornaçon Freunde aus der Nachbarschaft und

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Hintergrund

Heilung - ein vorletzter Wert Was heißt Heilung?

In erster Linie wissen kranke Menschen selbst, was es heißt, wieder gesund zu sein. Zwar „schreiben Ärzte krank“, damit wir schneller wieder gesund werden. Eine eigentliche Gesundheitsbescheinigung ist hingegen in der Medizin nicht vorgesehen, obwohl Versicherungen derartige Auskünfte immer wieder verlangen – aus nahe liegenden Gründen. Gesund ist also jeder lebende Mensch bis zum Erweis des Gegenteils. Andererseits gilt auch die alte Internisten-Weisheit: Es gibt keine Gesunden, sondern nur schlecht untersuchte Patienten. Trotz der Kompetenz von Medizin, Pflege und Psychotherapie für das Feststellen und Behandeln von Krankheiten ist in erster Linie jeder Einzelne für die Definition von Heilung zuständig. Doch von Heilung ist nicht nur in Krankenhaus und Arztpraxis die Rede, sondern auch in der Sprache des Glaubens, in Bibel und Kirche.

Fragen wir also: Sind gläubige Menschen gesünder? Die Fachliteratur der Forscher und die Massenmedien verkünden uns seit einigen Jahren: Gläubige leben gesünder und länger, ja: Auch unabhängig vom Glauben und ohne Wissen der Person, für die gebetet wird, „wirkt“ das Fürbitt-Gebet, sogar aus der Ferne. Berühmt geworden ist die STEP-Studie, in der Patienten vor einer Bypass-Operation (Einsetzen kleiner Blutgefäße, mit denen Verengungen der Herzkranzgefäße umgangen werden) und danach untersucht werden. Die Forscher erwarteten, dass Patienten, für die ohne ihr Wissen gebetet wurde, die Operation besser vertrugen, als solche, für die nicht gebetet wurde und die ebenfalls darüber nicht informiert waren. Dieser „Nachweis“ gelingt den Autoren allerdings in keiner Weise. Sie müssen vielmehr wichtige „Nebenwirkungen“ einräu-

men: Patienten, die wussten, dass für sie gebetet wird, hatten häufiger Komplikationen nach ihrer BypassOperation, statistisch gesehen mehr, als durch Zufall zu erwarten gewesen wäre. Zugegeben: Die STEP-Studie ist ein ziemlich extremes Beispiel für die „Erforschung“ der „Wirksamkeit“ des Glaubens, in diesem Fall des Glaubens der Beter. Denn die Patienten sollten sich ja in religiöser Hinsicht möglichst „neutral“ verhalten. Für eine derartige Forschung wäre es zum Beispiel hinderlich, wenn Angehörige auf die Idee kämen, mit den Patienten zu beten... Fragen wir also allgemeiner, welche Ergebnisse die Erforschung des Faktors F (F steht für „faith“: Glauben) in Bezug auf Gesundheit und Medizin erbracht hat. Der Freiburger Theologie- und Psychologieprofessor Klaus Baumann spricht von einem vielfach nachgewiesenen positiven Zusammenhang zwischen Spiritualität/ persönlicher Religiosität einerseits und körperlicher Gesundheit sowie psychischem Wohlbefinden andererseits. Allerdings handelt es sich um einen eher schwachen Zusammenhang. Nach Baumann wirkt der religiöse Glauben durch mehrere „Funktionen“, welche die Religionen haben: 1. ordnende Kraft, 2. Bewältigung, aber auch Provokation von Ängsten, 3. konfliktregulierende und sozialisierende Wirkung.

Jesus, der verwundete Heiler Zur Zeit Jesu waren Wunderheiler nicht selten. Und auch Jesus traf den neutestamentlichen Berichten zufolge immer wieder auf die Erwartung, spektakuläre Wunderheilungen zu vollbringen. Er verweigerte sich regelmäßig der Schau- und Sensationslust der Menge. Er wollte in erster Linie Überraschungs-Zeichen geschehen lassen, damit in der Hei-


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lung einzelner Menschen oder von kleinen Gruppen wie den Besessenen oder Aussätzigen das anbrechende Reich des Vaters sichtbar wird. Was heißt es, dass Jesus der verwundete Heiler ist, und was heißt dies für das Geschehen der Heilung allgemein? In vielen neutestamentlichen Heilungsgeschichten begegnet Jesus Menschen, die sich in ihrer Krankheit schwach fühlen und ganz auf seine Stärke vertrauen, z.B. der Gelähmte am Teich Bethesda oder die blutflüssige Frau in Markus 5: Sie möchte nur den Saum seines Gewandes berühren, in seinem Rücken, im Gedränge, ohne dass er es merkt. Er aber nimmt wahr, „dass eine Kraft von ihm ausströmt“. Zur Heilung gehört die – meist überraschende oder provokative – Verwandlung des bewussten Heilungswunsches und die Mobilisierung der unbewussten Ebene. Auf Seiten des Kranken ist dies die Mobilisierung des inneren Heilers („Steh auf, nimm deine Bahre und geh!“). Aber auch der Heiler hat neben seiner starken, wirksamen, kompetenten, bewussten Fassade eine unbewusste Seite. Dies ist seine Wunde. Jesus „entdeckt“ im Lauf seines kurzen Lebens die schreckliche Realität des Foltertodes am Kreuz, die auf ihn zukommt. Die Jünger, die junge Kirche und das entstehende Neue Testament überwinden nach und nach ihren Widerstand gegen seine Leidensankündigungen und deuten im Nachhinein das Kreuz als Heilungsweg.

Unheilbar krank und dennoch heil – kann das sein? Unter „Heilung“ verstehen wir häufig die Wiederherstellung des Zustandes vor der Erkrankung, also eine Art Rückkehr in eine Zeit, in der alles in Ordnung war. Dieses „kurative“ (von lateinisch curare: heilen) Modell von Heilung ist geeignet für eine völlig „ausgeheilte“ Lungenentzündung oder für die Genesung nach einer Blinddarmoperation (abgesehen von einer kleinen Narbe...). Was ist jedoch mit den – in der Praxis weitaus häufigeren – Fällen, in denen eine völlige Wiederherstellung der Gesundheit nicht mehr möglich ist? Die Medizin der letzten 100 Jahre hat im Vergleich zur früheren Geschichte der Menschheit riesige Erfolge aufzuweisen. Und doch wird durch viele „Heilungen“ lediglich eine akute Erkrankung in eine chronische überführt, die im Sinne des kurativen Ansatzes „unheilbar“ ist. Dadurch werden dem Betroffenen, z.B. bei einer Krebserkrankung, vielleicht wertvolle Lebensjahre geschenkt. Wir müssen also bei jeder


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„Heilung“, von der wir hören, nach dem Verlauf fragen, nach dem, was sie die Betroffenen an Geld, Zeit und Belastung kostet und was sie ihnen „bringt“. Eine nützliche Unterscheidung stammt aus der englischen Sprache, in der „heilen“ to cure oder to heal heißen kann. To cure ist die völlige Beseitigung eines Krankheitszustandes und die Rückkehr zum gesunden Zustand vor der Erkrankung, z.B. durch völliges Abtöten von Erregern mit einem Antibiotikum. Leider wird das „kurative“ BehandAnzeige

lungsziel in der Mehrzahl der Fälle nicht erreicht. Heilung ist nur selten eine Erfolgsstory. Was aber bedeutet „to heal“, sprachlich verwandt mit dem deutschen Wort „heil“, das für die Ganzheit und das Glücken und die Rettung des Lebens steht? „Heil“ bedeutet Hoffnung für im Sinne des kurativen Heilungsmodells „unheilbar“ Kranke. Inzwischen akzeptiert auch die erfolgsverwöhnte moderne Medizin, dass es nicht nur das „kurative“ Behandlungsziel gibt, sondern auch das palliative. „Palliativ“ (von griechisch/ lateinisch „Mantel“) bedeutet, dass Symptome wie Schmerzen, Übelkeit, Verstopfung oder Durchfall gelindert werden. Im Vordergrund steht nicht die Lebensverlängerung (Lebens-Quantität), sondern die Lebens-Qualität, dies allerdings möglicherweise für Monate oder gar für Jahre. In der Praxis stehen das kurative und das palliative Behandlungsprinzip oft ergänzend nebeneinander. Zu Beginn steht die kurative Therapie ganz im Vordergrund, später wird die palliative Therapie immer wichtiger. Die Weltgesundheitsorganisation spricht von „Palliative Care“, weil die Sorge (care) für die kranken Menschen nicht nur Aufgabe der Medizin ist, sondern auch von Krankenpflege, Sozialarbeit, Seelsorge und Psychotherapie. Deshalb gibt es seit kurzem eine eigene Professur für Spiritual Care an der Medizinischen Fakultät der Universität München.

„Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!“ So lautet die letzte Zeile in dem Gedicht „Stufen“ aus Hermann Hesses Roman „Das Glasperlenspiel“. Auf den ersten Blick ist es irritierend: Das Herz vor dem Abschied ist krank, es kann durch den Abschied gesund und heil werden. Und doch spüren wir die tiefe Wahrheit, die in dieser Formulierung liegt. Heilung geschieht nicht durch Festhalten, Beharren, jedenfalls nicht auf mittlere und längere Sicht. Heilung ist vielmehr Lassen, Versöhnung mit der Endlichkeit. Der christliche Glaube sah in der Heilung von Krankheiten und in der Wiederherstellung von Gesundheit nie einen letzten, sondern immer nur einen vorletzten Wert. Die Sorge um kranke Menschen, um ihr Leib- und Seelenheil, gehört seit dem Lehren und Handeln Jesu zur christlichen Glaubenspraxis. Wenn aber Heilung nur ein vorletzter Wert ist, dann müssen wir uns von der Allmachtsfantasie der therapeutischen „Wirksamkeit“ verabschieden. Dieser Abschied bedeutet nicht nur, dass wir die Grenzen unseres heutigen Wissens und unserer heutigen Fähigkeiten akzeptieren – wir sind ja mit Recht stolz auf die Erfolge unserer Medizin! – sondern unsere menschlichen Grenzen überhaupt. Unsere Sterblichkeit ist nicht nur vorübergehender Schönheitsfehler der noch nicht vollkommenen wissenschaftlichen Erkenntnis, sondern unausweichlicher Teil unseres Menschseins.

Professor Dr. Eckhard Frick SJ Katholischer Priester, Arzt und Psychoanalytiker. Lehrt psychosomatische Anthropologie an der Hochschule für Philosophie der Jesuiten in München und ist Professor für Spiritual Care an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Literatur zum Thema: „Sich heilen lassen“ (Würzburg ²2007), „Psychosomatische Anthropologie“ und „Spiritualität und Medizin“ (beide Stuttgart 2009). www.spiritualcare.de


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Rationierung im Gesundheitswesen Fragen von Frank Fornaçon an Dr. med. Monika Windsor Wenn Mitarbeiterinnen und Patientinnen sich verstehen, ist das ein Gewinn für beide

Unverständlicherweise haben bisher die Kassen in Berlin nicht den Vorteil einer ambulanten Versorgung honoriert: Ambulante „Mehrkosten“ werden im stationären Bereich mehr als gespart. Allerdings ist jetzt durch die neue Gesetzgebung zur Spezialisierten ambulanten Palliativversorgung (SAPV) Bewegung in die Situation gekommen, so dass für die Zukunft eine echte Verbesserung zu erwarten ist.

Dr. Monika Windsor ist Anästhesistin und hat sich mit 50 Jahren der Palliativmedizin zugewandt, weil sie ein ganzheitliches Ansehen und Umgehen mit Menschen in so einer wichtigen Lebensphase anzog. Zuerst arbeitete sie fünf Jahre auf einer Palliativstation, um zu lernen. Inzwischen ist sie seit mehr als sechs Jahren in Berlin ambulant tätig. Sie ist unterwegs, um schwerstkranke Tumorpatienten zu Hause zu besuchen und so zu vermeiden, dass sie ins Krankenhaus eingewiesen werden müssen. Die meisten möchten am liebsten zu Hause bleiben. ChrisCare fragte nach ihren Erfahrungen mit der wirtschaftlichen Seite ihrer Tätigkeit. Wann begegnete Ihnen in der palliativmedizinischen Versorgung zum ersten Mal das Problem, dass fehlendes Geld optimale Versorgung von Patienten verhinderte? Ich arbeite mit einer allgemeinmedizinischen Praxis zusammen, die den Schwerpunkt Palliativmedizin hat. Immer wieder werden hohe Regressforderungen gestellt, da wir angeblich zuviel (über unser Budget hinaus) ausgeben würden für Schmerzmedikamente oder für physiotherapeutische Maßnahmen (wie manuelle Lymphdrainage, Atemtherapie, Krankengymnastik). Wenn man beispielsweise 70 000 Euro/100.000 SFr auf einmal zahlen soll, ist das ein Schock. Das kann den wirtschaftlichen Ruin bedeuten, der auch die menschliche Existenz des Arztes vernichten kann. Palliative Care Teams können deutlich Kosten sparen gegenüber einer herkömmlichen Versorgung im Krankenhaus. Wie honorieren die Kassen diese Sparmaßnahmen?

Wie gehen Ihre Patienten mit den Ressourcen um? Gibt es eine Mentalität, alles mitnehmen zu wollen, was irgendwie möglich ist? Patienten sind sehr unterschiedlich, auch in ihren Ansprüchen. Was die Behandlung ihrer Erkrankung angeht. Da wollen einige ganz viel: Antibiotika, Blutkonserven, hochkalorische Ernährung u. ä., andere sind „mit etwas Tee“ zufrieden. Dazwischen gibt es alle Spielarten. Das finde ich legitim und ich denke, das sinnvolle Maß kann im vertrauensvollen Gespräch zwischen Patient und Arzt herausgefunden werden. Hier sehe ich auch die „Sparmöglichkeiten“. Nicht selten wollen Patienten noch weitere kostspielige Untersuchungen und wenig nützliche Behandlungen, weil ihnen die Krankheit Angst macht. Auch manche Ärzte verordnen „vorsichtshalber“ eine Untersuchung oder eine Behandlung, da es müheloser ist, Papiere auszufüllen als eher schwierige und zeitraubende Gespräche zu führen, die überdies nicht bezahlt werden. Haben die Patienten ein gutes therapeutisches Team, zu dem


INTERVIEW

sie Vertrauen entwickeln, merken sie, dass manches unnötig und beschwerlich ist und sie können im Gespräch Unsicherheiten abbauen. Ich würde nie behaupten, dass „etwas sich nicht mehr lohnt“. Ich sage lieber, dass es in diesem speziellen Fall nicht erforderlich ist oder mehr Belastung als Vorteil bringt. Wenn ein Vertrauensverhältnis besteht, nehmen die Patienten und Angehörigen diese Einschätzung an. Ein anderer Aspekt ist, dass manche Leute jede kleine Ausgabe (z.B. jede Heilsalbe, jede Slipeinlage) verschrieben haben wollen. Da würde ich eher streng reagieren. Es gibt Dinge, die gar nicht verschreibungsfähig sind wie z. B. die meisten Salben. Palliative Care liegt Ihnen ja nicht aus wirtschaftlichen Interessen am Herzen. Was motiviert Sie? Bisher ist die ärztliche Versorgung in der Palliativmedizin in Berlin äußerst schlecht bezahlt. Das kann wirklich kein Grund sein. Die letzte Strecke, die „Zielgerade“ im Dasein eines Menschen ist vielleicht die wichtigste und entscheidendste für sein Leben. Ich versorge ihn nicht nur mit Medikamenten, sondern begleite einen Menschen in seinen Bezügen, mit seinen physischen, psychischen, seelischen Reaktionen und Entwicklungen. Das ist jedes Mal einmalig. Dabei vielleicht eine Hilfe zu sein – wie am Anfang des Lebens ein guter Geburtshelfer – scheint mir wichtig. Ich bin zufrieden, wenn ich den Eindruck gewinne, dass auch trotz „Klippen und hoher Wellen“ eine gute „Landung“ gelungen ist. Sie gehören zu den Fokolaren. Was bedeutet Ihre Zugehörigkeit zu dieser katholischen Laienbewegung unter dem hier behandelten Aspekt der Rationierung für Sie?

Eine der Grundlagen der Fokolarbewegung ist, das Wort Gottes, das Evangelium, Stück für Stück nicht nur zu hören, sondern auch in die Tat umzusetzen. Wenn in diesem Zusammenhang von Geld die Rede ist, kommt mir immer zuerst der Satz: „Suchet zuerst das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit und alles andere wird euch dazugegeben werden“. (Mt. 6, 33) Glaube ich das wirklich? Habe ich den Mut, es auszuprobieren? Inzwischen versuche ich diesen Lebensstil seit 37 Jahren umzusetzen und habe immer gesehen: Wenn ich nicht an Geld, materiellen Dingen oder auch meiner „großartigen“ Meinung hänge, wenn ich großzügig bin, bereit, auch zu verlieren, lässt Gott sich nicht „lumpen“. In meiner Beziehung zum Patienten heißt das, ich versorge ihn nach meinen Möglichkeiten optimal, -trotz schlechter Bezahlung „buttere“ ich sozusagen in hohem Maße unbezahlte Zeit für Gespräche zu und bin überzeugt, dass durch diesen Aufbau einer guten Patienten-Arzt-Beziehung viele Gelder etwa für unnötige Diagnostik und Therapien gespart werden. Ich nehme mir aber auch die Freiheit, wenn ich eine weitere Untersuchung für medizinisch nötig halte oder auch für die Beruhigung und den Selbstwert des Patienten, diese zu verordnen. Dabei nehme ich auch das Risiko einer Regressforderung in Kauf! Diese konnte ich jedoch bisher abwenden.

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Check-up oder den Einzelteilaustausch ist. Es beruhigt mich ungemein, wenn ich in meinen Begegnungen merke, dass der Mensch immer Mensch bleibt. Er ist ein komplexes Wesen, für dessen Wohlergehen die gute Beziehung zum anderen Menschen unabdingbar ist. Das ist durch kein Geld, keine Wellness-, Fitnessoder Gesundheitskultur zu ersetzen. Christen in der Palliativarbeit haben eine besondere Verantwortung in der spirituellen Begleitung von Patienten. Worauf kommt es an? Als Christ sehe ich jeden Menschen als einmaliges Geschöpf Gottes, d.h. ich bin daran interessiert, eine positive Beziehung aufzubauen und mich so für ihn einzusetzen, als ob er ein Verwandter wäre. Da Menschen verschieden sind, lassen sie mich natürlich unterschiedlich tief in ihr Inneres blicken. Ich habe gute Erfahrung darin gemacht, mit Offenheit deutlich auch spirituelle Themen anzusprechen, wie z. B. eine Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod – in welcher Form auch immer, ein Vertrauen, dass etwas Schönes kommt. Mein Eindruck ist, dass Menschen vielleicht nicht geübt, aber doch interessiert sind, über Lebenssinnfragen zu sprechen.

Welche Entwicklung haben Sie im Spannungsfeld von Patienteninteresse und Finanzmitteln erlebt? Mir kommt vor, dass wir einer Tendenz entgegenwirken müssen. Mein Eindruck ist, dass sich die Medizin wie viele Aspekte in der Gesellschaft immer mehr mechanisiert. Die Automatisierung und Mechanisierung schreiten voran, d.h. wir vertrauen immer mehr auf eine Apparatemedizin und vergessen allmählich, dass der Mensch eben kein Auto für den

Dr. med. Monika Windsor, Berlin, Fachärztin für Anästhesie, Palliativmedizin, Mitglied im Herausgeberkreis ChrisCare Weitere Informationen zur Ambulanten Palliativmedizin: www.palliative.ch www.homecareberlin.de www.DGPalliativmedizin.de


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Praxisbericht

Hausarzt trotzt der Ohnmacht Christliche Heilkunde im Berufsalltag Dr. von Schnurbein und sein Team

sind der eigentliche Auslöser für chronische Schmerzen, Hauterkrankungen, Verdauungsbeschwerden, Herzprobleme und die vielen psychosomatisch bedingten Beschwerden? Ansatzweise finde ich den Zugang, möchte tiefer einsteigen, um wirklich ursächlich zu helfen – gleichzeitig löst der Zeitverzug im Wartezimmer Unruhe aus, die mich unter Druck bringt!

Der bevorstehende drastische Mangel an Hausärzten hat die Öffentlichkeit alarmiert. Mit einer Flut von Vorschlägen, wie man diesen Beruf wieder attraktiv machen kann, versucht man der Misere zu begegnen. Auch unter den Hausärzten ist das Jammern und Klagen verbreitet. Zugegeben, auch mich stört und ärgert vieles: die immer engeren Reglementierungen in der Verordnung von Arznei- und Hilfsmitteln, die Kontrollen über nahezu alle Tätigkeiten, die überbordende Dokumentationspflicht, das gesetzlich vorgeschriebene Qualitätsmanagement, die undurchschaubaren Vergütungsregelungen, drohende Regresse, um nur einiges zu nennen.Ganz besonders belastet aber der ständige Zeitdruck im Praxisalltag. Zu viele Menschen müssen jeden Tag beraten, untersucht und behandelt werden. Auch das ist im bestehenden System wirtschaftlich notwendig, um den Betrieb mit Angestellten zu führen sowie den eigenen Lebensunterhalt zu sichern. Bei so vielen Patienten möchte und müsste ich mehr Zeit haben, um näher an den Kern ihrer Beschwerden, an die eigentliche Ursache zu kommen. Welche persönlichen Spannungen, ungelösten Konflikte und Probleme

Das ist die Ohnmacht vor dem Diktat der begrenzten Zeit! Zu oft muss ich mich darunter beugen, und so geht es allen Kollegen. Bin ich also wirklich alledem ohnmächtig ausgeliefert? Nein, ich kann doch selbst gestalten! Ich habe die Freiheit, zu bestimmen, wem ich wie viel an Zeit und Zuwendung widme. Und es besteht eine langjährige, vertraute Beziehung zwischen Hausarzt und Patienten. Wir kennen die Familie, oft auch die Lebens- und Arbeitsbedingungen, daran können wir anknüpfen. Ich kann mich entscheiden, dem anderen nicht nur medizinischfachlich, sondern mit meinem ganzen Mensch-Sein zu begegnen, ihm zuhören, ihn beraten, trösten und begleiten bis hinein in sein Sterben. Jeder Patient kommt mit Fragen, mit einer Not, sei sie körperlich oder psychisch. Er sucht Hilfe, gleichzeitig aber besonders Verständnis und Annahme in seiner Gebrochenheit, einen Menschen, der sich Zeit nimmt. Mit einer Christlichen Heilkunde verbinde ich zuerst den Wunsch, mich in meinem Berufsalltag an Jesus zu orientieren. Hier finde ich keine philosophische Theorie, sondern Lebenspraxis. Jesus nahm sich Zeit für Begegnung, wandte sich ohne Vorurteile den Menschen am Rande zu, heilte sie körper-

lich und in ihrem ganzen Sein, durch vollkommene Annahme und uneingeschränkte Liebe. Er sagt zu seinen Jüngern bei der Fußwaschung: „Ein Beispiel habe ich euch gegeben, damit ihr tut, wie ich euch getan habe.“ In Matthäus 25, 40 lesen wir, dass er selbst uns in den Kranken begegnet. Das bewegt mich immer wieder. Wir haben also in unserem Beruf einen sehr kostbaren Auftrag. Es ist ungemein wichtig, dass ich mich daran orientiere. Der Alltag überrollt uns zu schnell! Wir dürfen es nicht zulassen, dass das Gesundheitssystem uns die Kraft und unsere Glaubensbeziehung raubt. Wenn es mir gelingt, in dieser Haltung zu leben und zu arbeiten, weichen alle Gefühle von Ohnmacht. Dann erlebe ich Erfüllung und tiefe Befriedigung, mitten im unveränderten Zeitdruck und allen bekannten widrigen Umständen. Die nachhaltigsten Begegnungen erleben wir immer wieder im Gebet mit Patienten. Es kann geschehen, dass wir am Ende eines Gespräches über die Chemotherapie die gefürchteten Nebenwirkungen und alle Angst vertrauend vor Gott bringen oder die Not eines Schicksalsschlages, einer Beziehungskrise oder einer unheilbaren Krankheit ihm klagen, im Bewusstsein unserer eigenen Hilflosigkeit. Wenn wir dann seinen Trost und Frieden spüren und Patienten gestärkt hinausgehen, erfüllt mich tiefe Dankbarkeit. Ich wünsche mir, dass wir Resignation, Enttäuschung und Ohnmacht hinter uns lassen und die Macht der Liebe Jesu ergreifen, in uns aufnehmen und weitergeben an Patienten, Kollegen und Mitarbeiter. Dr. med. Hartmut von Schnurbein, Kaufering, Hausärztlicher Internist, Mitglied im Bundesweiten Leitungskreis, Christen im Gesundheitswesen e. V.


Heilung

Gebet um innere Heilung Gott, ich weiß nicht,

Da ist so viel Enttäuschung über

wie ich Dich anreden soll,

dumpfes aneinander Vorbeileben.

noch nicht einmal,

Da sind abgebrochene Träume,

ob Du mich überhaupt hörst.

Worte, die verletzen,

Zweifel leben in mir,

Wunden, die nicht heilen wollen.

ob Du da bist, ob Du für mich da bist.

Ich denke an meinen beruflichen Werdegang.

Aber ich habe gehört von Dir

Mancher Weg wurde mir verbaut,

als Quelle heilender Liebe.

manche Chance gestohlen.

Das hat Körner der Sehnsucht

Mir hat wehgetan,

unter meinen Zweifel gestreut.

wenn Konkurrenten mir vorgezogen,

Wie die Frau, die nach Jesu Gewand fasst,

meine Leistungen übergangen,

ungewiss, ob es hilft,

meine Fähigkeiten unterschätzt wurden.

nur mit einem Funken Hoffnung,

Mein eintöniger Berufsalltag hat mich

so will ich mich jetzt, Gott,

bitter und stumpf werden lassen.

nach Deiner heilenden Liebe ausstrecken. Ich will vor Dir aussprechen,

Ich denke auch an Verletzungen

was mir so wehgetan hat und noch weh tut.

durch Kirche und Christen: so viele hohle Worte,

Ich denke an meine Kindheit zurück,

so wenig glaubwürdiges Leben.

spüre noch jetzt den Mangel

Ich denke auch an Verletzungen,

an bedingungsloser Liebe,

die ich mir selber zufügte:

Zuwendung und Anerkennung.

durch ständiges Herumnörgeln an mir,

Manches Wort meiner Eltern

durch Selbstverneinung

sitzt in mir wie ein Stachel.

und Selbstüberforderung.

Ihr Versuch, mich an sie zu binden, ihre Erwartung, dass ich meine Aggressionen

Gott, da ist so viel,

gegen sie unterdrücke.

was in mir weint.

Ihr Streit, der mich erschreckte,

Manches kann ich

ihr Überfordern und Korrigieren,

noch nicht aussprechen.

das ohnmächtige Wut in mir weckte.

Und noch immer weiß ich nicht,

All das hat mein Selbstwertgefühl verletzt.

ob du für mich bist.

Ich ahne, Gott, wo meine Eltern durch

Aber wenn, dann bitte ich dich jetzt:

Vernachlässigung oder Überbehütung

Komm du mit der Kraft

meine Lebensentwicklung hemmten.

deiner heilenden Liebe in mein Leben.

Und vielleicht liegt es

Nimm die Verbitterung und den Groll

an meinem eigenen Vater,

aus meinen schmerzhaften Erinnerungen.

dass ich zu Dir, Gott, noch nicht

Fang an, meine Wunden zu heilen.

Vater sagen kann. Amen. Ich denke an meine Ehe oder an mein Alleinsein, an den Partner, den ich habe, oder an den, den ich vermisse.

Aus „Entdeckungen im Land des

Da ist so viel Verbitterung in mir

Glaubens – SPUR8“, Glaubenskurs

über versäumte Möglichkeiten

der Arbeitsgemeinschaft Missionarische

und unerfüllte Sehnsüchte.

Dienste (www.a-m-d.de)

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Interview

Trotz Krankheit gebraucht Mein Weg hat eine Berufung und ein Ziel Rika Stückrath, Jahrgang 1975, ist verheiratet und lebt mit ihrem Mann in der Nähe von Lüneburg, sie ist Mitarbeiterin bei CiG. Nach einer Ausbildung zur Erzieherin hat sie ein Studium der Sozialpädagogik absolviert und macht zur Zeit per Fernstudium noch eine zweijährige Ausbildung zur Gesundheitsberaterin. 1992 wurde sie in einer Baptistengemeinde getauft und lebt seitdem als bewusster Christ. Sie leidet seit ihrer Jugend unter zunehmender Arthrose in den Knien, Hüften und den Wirbelgelenken aufgrund von mehreren angeborenen Fehlstellungen. Mehrere OPs waren nötig. Seit 2005 leidet Rika Stückrath aufgrund einer Borreliose, die vermutlich seit 1998 in ihrem Körper ist, unter Gelenkschmerzen, Nervenschmerzen, Schwäche und Erschöpfung. Als Folge der Borreliose bekam sie entzündliches Gelenkrheuma. Sie ist aufgrund ihrer Erkrankungen zurzeit nicht berufstätig.

Rika Stückrath in ihrem Büro

Wie gingen Sie als Christ mit den Anfängen Ihrer Erkrankung um? Ich klagte Gott an und war enttäuscht, aber ich suchte auch nach Gott und suchte vor allem Antworten und wollte Gott näher kommen, trotz allem. So besuchte ich auch 2002 erstmals ein „Wochenende für Kranke und Angehörige“ von Christen im Gesundheitswesen und danach noch

vier weitere. Außerdem besuchte ich die „Lebensschule“ der Anskarkirche. 2007 erlebte ich dann in einer Seelsorgeschulung eine Berufung in der Art, dass Gott mich trotz meiner Krankheit gebrauchen möchte und zwar in der Arbeit mit anderen chronisch Kranken. Wie sah diese Berufung konkret aus? Gott gab mir ein Bild und machte mir klar, dass ich viel weiterzugeben habe, vor allem an Erfahrung durch meine Krankheitsgeschichte. Ich gründete deshalb 2007 eine christliche Selbsthilfegruppe für chronisch Schmerzerkrankte, die von eher kirchenfernen Menschen gut in Anspruch genommen wurde. Ich gab „Themen zum Nachdenken“ und „christliche Sprüche“ in die Gruppe, über die wir dann nachdachten und sprachen, was sie uns in unserem Leben zu sagen haben. Nach jedem Mal bekamen die Anwesenden diesen Spruch mit nach Hause, als Ermutigung für den Alltag. Wie sieht diese Berufung heute aus? Ich muss mit meinen Kräften sehr „haushalten“ und habe mich deswegen entschieden, meine Beratungstätigkeit auf das Internet zu verlegen. Vor kurzem habe ich die „Gesundheitsberatung online“ gegründet (www.gesundheitsberatung-online.com), da ich immer wieder mit anderen Betroffenen per Telefon oder E-Mail Kontakt habe. Dabei kommt mir meine Erfahrung, aber auch meine derzeitige Ausbildung sehr zugute. Was sind Ihre Ziele und Wünsche mit dieser Online-Gesundheitsberatung? Mein Ziel dieser Gesundheitsberatung ist es, dass chronisch Kranke Hilfe bekommen, im Alltag mit ihrer Erkrankung besser umgehen zu

können und trotzdem ein sinnvolles Leben zu haben. Außerdem wünsche ich mir, dass sie durch mich in Kontakt zu Jesus kommen und sie auch erkennen und erleben, dass Gott und der Glaube eine Stütze in der Krankheit sein können. So wie ich es erlebt habe und erlebe. Zudem war ich bisher dreimal als Mitarbeiterin bei den „Wochenenden für Kranke und Angehörige“ dabei. Auch da gebraucht mich Gott trotz oder gerade wegen meiner eigenen Erfahrungen mit chronischen Erkrankungen. Welches Bibelwort ist Ihnen persönlich auf diesem ungewöhnlichen Weg wichtig geworden? Ich habe für meine Berufung in der Lebensschule von Gott wie auch nochmal in der Seelsorgeschulung durch jemand anderen das gleiche Bibelwort bekommen, und zwar: „Der Geist des Herrn ist auf mir, weil der Herr mich gesalbt hat. Er hat mich gesandt, den Elenden gute Botschaft zu bringen, die zerbrochenen Herzen zu verbinden, zu verkündigen den Gefangenen die Freiheit, den Gebundenen, dass sie frei und ledig sein sollen.“ (Jesaja 61, 1) Der Vers gibt mir immer wieder Halt und vor allem Sinn für die Zukunft und erinnert mich daran, dass mein Weg eine Berufung und ein Ziel hat. Was wünschen Sie sich für die Zukunft? Ich wünsche mir, dass die „Gesundheitsberatung online“ schnell bekannt und gut genutzt wird und so viele chronisch Kranke Hilfe und Begleitung auf ihrem Weg bekommen und auch zu Jesus finden. Herzlichen Dank für das Gespräch! Die Fragen stellte Anne-Katrin Rathje


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Albertine Assor,

Deine Augen sahen mich... Ungeschminkte Ansichten einer Hamburger Mutterhaus-Oberin. Albertine Assors (1863-1953) Notizen gewähren Einblick in das Leben einer sozial engagierten Frau, die ihren Glauben leben will und sich dabei in einer von Männern geprägten Welt behauptet. Heute trägt das Albertinen Diakoniewerk ihren Namen.

Ahnatal, Verlag Frank Fornaçon, 2. Auflage 2007, ISBN 978–3940232-00-7, 9,80 Euro (D) Bestellungen im Buchhandel oder direkt beim Verlag: www.verlagff.de, Fornacon-Medien@web.de.


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Praxisbericht

Mit der Waffe des Humors Regelmäßig zu Gast auf Station Ein Lächeln huscht über die Gesichter der Bewohner des Michael-HerlerHeims in Singen, die im Eingangsbereich auf Besuch und Neuigkeiten warten: Matthildaa ist wieder da, Matthildaa mit zwei A am Ende, wie sie nicht müde wird zu betonen. Als Clown kommt die schelmische Dame mindestens einmal im Monat ins Haus, bringt gute Laune mit und lässt eine heitere Stimmung zurück. „Für unsere Bewohner ist Matthildaa eine willkommene Abwechslung“, erklärt einer der Wohnbereichsleiter des Hauses. Als Clown haben sie die Chance, Themen anzusprechen, die im direkten Gespräch nicht zur Sprache kommen. Das Schwere kann man dann auch einmal leicht sagen. Und Gelächter steckt an. Wo Matthildaa auftaucht, da freuen sich die Bewohner gemeinsam mit den Mitarbeitern. Die Besuche der professionellen Spaßmacherin finanziert das Pflegeheim vor allem durch Spenden: „Ohne unsere Freunde wäre das Leben im Heim nicht so reich.“ Matthias Frank, der Heimleiter, ist froh, dass die Clownbesuche von Spendern unterstützt werden. Kinder lachen oft und gern, durchschnittlich 400mal am Tag. Aber vielen Alten ist anscheinend das Lachen vergangen, durchschnittlich lachen sie nur 15mal pro Tag, und manche haben das Lachen ganz verlernt. Damit sich das ändert, sind in Deutschland und der Schweiz inzwischen zahlreiche Clowns auf Tournee, zum Beispiel der freischaffende Begegnungsclown Marcel Briand. Er ist seit 15 Jahren in pflegenden Institutionen der Schweiz unterwegs. Seine humorvolle Interaktion beschreibt er auf seiner Homepage

(www.nachttopf.ch) als „Begegnung zwischen Menschen. Eine Begegnung, die geprägt ist von Offenheit, von Wohlwollen und von der Sehnsucht, die der Clown in uns weckt; der Sehnsucht nach einer Freiheit jenseits von Konfessionen, Norm und Alltagssorgen; der Sehnsucht für einen kleinen Moment zu entfliehen, für die Länge eines längst vergessenen Traumes.“ „`Hier wird nicht gelacht, hier geht es den Menschen schlecht.´ sagte eine Vorgesetzte einmal zu mir“, berichtet die Humorforscherin und Pflegewissenschaftlerin Dr. Iren Bischofberger, Aarau. Sie erinnert sich weiter an einen Patienten, der sagte: „Stell dir vor, du bist krank, und keiner hat Humor.“ Dabei sprach er aus, „was schon lange in mir schlum-

Marcel Briand, Begegnungs-Clown

merte. Krankheit ist kein Grund für ein Leben ohne Humor. Ganz im Gegenteil – kranke Menschen möchten mit Schmunzeln, Frotzeln, Necken, Lachen, Kichern umgeben sein – wie Sie und ich. Fortan wollte ich an der Vision eines heiteren Gesundheitswesens arbeiten, ganz nach dem

Clown Matthildaa

Motto: Achtung! Humor kann Ihrer Krankheit schaden!“ Dass Humor auch von der Wissenschaft ernst genommen wird, zeigt eine Studie der Universitären Psychiatrischen Kliniken der Universität Basel unter dem Titel «Humortherapie bei Patienten mit Altersdepressionen oder Alzheimerkrankheit». Besonders bei Patienten, die unter Altersdepressionen litten, wirkte die regelmäßige Teilnahme an Humorgruppen befreiend. Frank Fornaçon

Kontakt: Buntes Bundes Bündnis, Clowns in Kliniken und Seniorenheimen e.V.: www.bububue.de HumorCare Gesellschaft zur Förderung von Humor Pflege, Therapie und Beratung in der Schweiz: www. humorcare.ch und in Deutschland: www.humorcare.com Stiftung Humor und Gesundheit, Schweiz, www.humor-pflege.ch


Hintergrund

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Muttersorgen Droht das Aus für die Hausgeburt?

Das Storchennest in Hofgeismar thront nicht auf einem Strommasten, sondern liegt etwas versteckt in einer Seitenstraße. Hier treffen sich auch keine Klapperstörche, sondern Frauen mit Bauch und Kinderwagen. Das Storchennest ist eine Hebammenpraxis mit Geburtshaus. Dort gibt es Beratung, Gruppen und Kurse. Lange vor der Geburt werden hier Mütter und Väter auf ihre Rolle als Eltern vorbereitet. Und im Anschluss finden sie hier Rat und Tat. Wie ist das mit dem Stillen? Was, wenn der Kleine nicht durchschläft? Und wie geht man miteinander um, wenn plötzlich ein Säugling in der Besucherritze liegt.

Unterwegs zu Müttern in Not Von der nordhessischen Kleinstadt aus fahren fünf Hebammen über die Dörfer, bis hinauf nach Westfalen, wo vor allem die Frauen aus frommen Aussiedlerfamilien auf den Hebammenbesuch warten. Wenn man schon sechs Kinder hat, weiß man zwar, wie das geht, ein Kind auf die Welt zu bringen, aber weiß man auch, wie man die Zahl der Kinder angemessen begrenzt? Hier ist Beratung nötig, um Frauen vor dem gesundheitlichen Ruin zu bewahren. Im Auftrag des Sozialamtes beraten die Hebammen des Storchennests auch Frauen in schwierigen Lebenslagen. Da ist die 16jährige, deren Eltern zur Abtreibung drängen. Sie selbst will aber unbedingt Mutter werden. Was sagt man einer Frau, deren Mann ihr kaum Geld zum Leben gibt, geschweige denn für Windeln? Für viele Mütter ist die Hebamme die einzige Freundin. Das Vertrauen entsteht nicht zuletzt in der gemeinsam durchlebten Entbindung.

wenn bei Reinhild Bohlmann das Telefon klingelt, sind es immer öfter keine Schwangeren, deren Wehen einsetzen, sondern Kolleginnen. Die haben Angst. Nicht vor der nächsten Geburt, sondern vor dem wirtschaftlichen Aus. Die Versicherungen haben zum 1. Juli 2010 die Haftpflichtprämien für jede freiberufliche und damit unabhängige Hebamme auf 3.689 Euro heraufgesetzt. 20mal mehr als 1992. Eine Hausgeburt wird von den Krankenkassen mit 537 Euro vergütet, eine Beleggeburt mit 237 Euro und eine Fehlgeburt mit 160 Euro. Durchschnittlich begleitet eine freiberufliche Hebamme 20 Geburten im Jahr. Das heißt, dass am Ende fast nichts übrig bleibt. „Das bedeutet das Ende der natürlichen Geburt im eigenen Zuhause“, erklärt Reinhild Bohlmann. Sie gehört zum Vorstand des deutschen Verbandes freiberuflicher Hebammen. „Dabei sind die Risiken der ambulanten Geburt deutlich niedriger als der Geburt im Krankenhaus, weil wir Frauen in schwierigen Lagen selbstverständlich nicht daheim entbinden.“

Wahlrecht der Frauen. Und es zerstört das flächendeckende Reinhild Bohlmann Netz kompetenter Hebammen auf dem flachen Land. „Geburt wird dann nur noch als Notfall gesehen, der einen Rettungshubschrauber in Bewegung setzt, weil keine Hebamme mehr am Ort zur Verfügung steht.“ Dem drohenden Ende ihres Berufsstandes versuchen die freiberuflichen Hebammen auf politischer Ebene entgegenzutreten. Eine Petition soll den Deutschen Bundestag wachrütteln (www.hebammenfuerdeutschland.de). Reinhild Bohlmann selbst wird in absehbarer Zeit in den Ruhestand gehen, aber sie kämpft für ihre Kolleginnen. „Ich habe in 20jähriger Praxis so vielen Frauen körperlich, seelisch und geistlich beistehen können. Ich wünsche es vielen werdenden Müttern, dass sie gut betreut werden, auch über den 1. Juli hinaus und ich wünsche den Müttern, dass ihr Recht auf Selbstbestimmung bleibt, so dass jede Frau ihren Entbindungsort selbst auswählen kann.“

Protest in Berlin

Frank Fornaçon

Das Ende der ambulanten Geburt bedeutet, so ist die Hebammenpolitikerin überzeugt, das Aus für das

Mehr über die Arbeit im Storchennest

Vor dem wirtschaftlichen Ruin Seit einigen Wochen fährt die Chefin des Storchennests nur noch mit Sorgen beladen über Land. Ihr Smart ist ihr zweites Büro. Und

unter: www.storchennest-hofgeismar.de


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CHRISTEN IM GESUNDHEITSWESEN

Nachrichten Käßmann: Macht München: In einem Bericht vom Ökumenischen Kirchentag berichtet das Hamburger Abendblatt aus einer Veranstaltung „Frauen und Macht“ mit Margot Käßmann, der ehemaligen Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland: „Ich habe versucht, mit Macht so umzugehen, dass ich Transparenz halten kann“, wird sie zitiert. Und „sie bekennt, dass sie in ihren Ämtern oft schlaflose Nächte gehabt hat. ´Macht macht Angst`. Dennoch machte sie Mut, Verantwortung zu übernehmen.“ Auf die Frage aus dem Publikum, „Bedeutet Machtverlust Ohnmacht?“ Antwortet Käsman „Machtverlust bedeutet auch Freiheit, finde ich.“

Ärztezufriedheit: Geld reicht nicht Hamburg: Eine 2009 durchgeführte Studie mit 49 deutschen Klinikärzten zeigt: Geldleistungen spielen nur eine untergeordnete Rolle für die Zufriedenheit. Der für die Arbeitsplatzattraktivität als am wichtigsten beurteilte Aspekt ist wenig überraschend der Bürokratieabbau: 76% Prozent der Befragten halten diesen Aspekt für „sehr wichtig“, 24% Prozent für „wichtig“. Auf Rang zwei folgen gleichauf die Unterstützung durch Vorgesetzte sowie selbständiges Arbeiten, auf Rang drei die mitarbeiterorientierte Führung. Auch der Faktor Anerkennung hat eine hohe Bedeutung: Sogar 78% Prozent der befragten Klinikärzte halten dieses Kriterium für „sehr wichtig“. Insgesamt liegt dieser Wert auf Rang vier, gemeinsam mit der Arbeit im Team. Ein subjektiv als gut empfundenes Gehalt liegt hinsichtlich der Wichtigkeit nur auf Rang sechs im Vergleich aller Einzelkriterien; knapp 60% Prozent halten dies für „sehr wichtig“. Eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben, die häufig in der öffentlichen Diskussion thematisiert wird, folgt erst auf Rang zehn. Aus der Kurzstudie geht hervor, dass Führungsmethoden eine besonders hohe Relevanz für die Arbeitsplatzattraktivi-

tät im Kliniksektor haben. Unter den ersten fünf Rangplätzen liegen allein drei Einzelkriterien aus diesem Bereich: Unterstützung durch Vorgesetzte, mitarbeiterorientierte Führung, Arbeit im Team. www.mhcsearch.de/news

Statistik: 774.000 Wiesbaden: Im Jahr 2008 arbeiteten 774.000 Gesundheits- und Krankenpflegerinnen und -pfleger in Deutschland. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) zum Internationalen Tag der Pflegenden mitteilt, stellen sie die mit Abstand größte Berufsgruppe von den insgesamt 4,6 Millionen Beschäftigten im deutschen Gesundheitswesen dar. Rund zwei Drittel (66,3%) der Gesundheits- und Krankenpflegerinnen und -pfleger (ohne Hebammen und Entbindungspfleger sowie Krankenpflegehelferinnen und -helfer) arbeiteten im Jahr 2008 in Krankenhäusern, 13,8% in der ambulanten und 8,6% in der (teil-) stationären Pflege. Zwischen 2000 und 2008 blieb ihre Beschäftigtenzahl im Krankenhausbereich fast konstant (+ 4.000 beziehungsweise + 0,9%). In ambulanten Pflegeeinrichtungen stieg sie dagegen um 35.000 beziehungsweise 48,8% und in (teil-)stationären Pflegeeinrichtungen um 13 000 beziehungsweise 24,8% an. Ein Großteil der Gesundheits- und Krankenpflegerinnen und -pfleger sind teilzeit- oder geringfügig beschäftigt, im Jahr 2008 waren es 43,9%. www.destatis.de

Altersmythen: Entzaubert Zürich: Die Hilfsbereitschaft von Menschen hängt nicht von ihrer religiösen Einstellung ab. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie unter 962 Erwachsenen in Zürich. Untersucht wurde die Bereitschaft, gesundheitlich eingeschränkten älteren Erwachsenen konkret zu helfen, zum Beispiel durch Einkäufe. In der von der Stadt Zürich herausgegebenen Zeitschrift Intercura 102/2009 heißt es über die von Noan Hertig angefertigte Studie, viel ent-

scheidender seien individuelle soziale Normen, Persönlichkeitsfaktoren und situative Faktoren: „Freiwilligenprogramme müssen dem hohen Bedürfnis von Pensionisten nach Freiheit, nach Autonomie, autonome Gestaltungsmöglichkeit und nach Eingebundensein in ein Team Beachtung schenken.“ Die Studie untersuchte außerdem die Frage, ob die Spiritualität nur für religiös orientierte Gläubige relevant sei. Im Gegensatz zu dieser ursprünglichen Annahme hatte Spiritualität für alle Patienten Alltagsrelevanz. Im Untersuchungsergebnis wird festgehalten: „Wurden Pflegende in monatlichen Rapporten auf die spirituelle Dimension und spirituellen Bedürfnisse sensibilisiert, ergaben sich im Vergleich der Befragung vor und nach der Einführung solcher Rapporte: - eine erhöhte Eigenkompetenz der Pflegenden, - ein erweitertes Verhaltensspektrum der Pflegenden, - ein positives Feedback der Angehörigen.“ Als drittes Ergebnis zeigte sich, dass die Annahme, ältere Menschen seien religiöser als junge, falsch ist. Ältere besuchten zwar häufiger den Gottesdienst, zeigten aber in ihren religiösen Grundüberzeugungen wenig Unterschied zu Jüngeren.

Institut: Spiritualität und Entwicklung Waldbreitbach/Vallendar: Dass kirchliche Trägerschaften auch in der heutigen Zeit notwendig sind, steht für Schwester M. Basina Kloos außer Frage. Deshalb, so die Generaloberin der Waldbreitbacher Franziskanerinnen, müssen zunehmend weltliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, engagierte Frauen und Männer also, in den bisher ordenseigenen sozialen Einrichtungen Verantwortung übernehmen. Das umso mehr, weil die Orden in der heutigen Zeit mit zunehmender Überalterung und fehlendem Nachwuchs zu kämpfen haben. Weil viele Ordensobere an die „Autorität der Laien“ glauben, ist es „um so wichtiger, sie mit dem vertraut zu machen, was uns wesentlich ist“,


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betonte Schwester M. Basina Kloos in ihrer Ansprache anlässlich der Gründung des Institutes für Spiritualität und Entwicklung Ende April im Bildungsund Tagungshaus auf dem Waldbreitbacher Klosterberg. Das Institut will dazu beitragen, eine überzeugend gelebte christliche Werteorientierung auf der Grundlage klarer Visionen in christlichen Unternehmen weiter zu entwickeln und zu vertiefen. Dazu gehört als zentrales Anliegen, die Menschen mit den Gründern ihrer jeweiligen Gemeinschaft und deren Charismen näher vertraut zu machen, denn die Spiritualität des Ordens soll die Menschen beseelen, die in den Einrichtungen Verantwortung übernehmen beziehungsweise tragen und sie in ihrem Tun und Entscheiden leiten. Im Institut arbeitet ein fünfköpfiges theologisch-pädagogisches Team von Frauen und Männern. Führungskräfte, die gelernt haben und bereit sind, christliche Werte in ihren beruflichen Alltag einfließen zu lassen, werden - so formulierte es Pater Jürgen Steffes-Ollig stellvertretend für das Team - so „das Evangelium in den Einrichtungen spürbar machen“ und helfen, die kirchliche Einrichtung im Sinne der katholischen Soziallehre glaubwürdig zu positionieren.

Medizin mit Herz und Seele Bern: «Beten Sie mit mir vor der Operation?» Mit dieser Frage sah sich der erfahrene Herzchirurg Thierry Carrel eines Tages unversehens konfrontiert, als er am Bett einer Patientin stand, die einen komplexen Eingriff am Herzen vor sich hatte. «In dieser neuen und bis heute einmaligen Situation wurde mir bewusst, dass ich in meiner Ausbildung in keinerlei Weise darauf vorbereitet worden war», erzählte Carrel in einem öffentlichen Vortrag am 2. Europäischen Kongress über Spiritualität und Medizin in Bern. Unsicher, wie er reagieren solle, habe er zur Bibel gegriffen und der Patientin aus dem Buch des Propheten Ezechiel von der Verwandlung

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den? Thierry Carrel hob in Anlehnung an die Auffassung der katholischen Kirche die positive Sichtweise hervor, dass der Mensch durch Leid reife und erkenne, was im Leben wirklich wesentlich ist.

Inselspital in Bern: Tagungsort des 2. Europäischen Kongresses über Spiritualität und Medizin

des «steinernen in das fleischerne» Herz vorgelesen. Patientinnen und Patienten äussern ihre spirituellen Bedürfnisse selten so spontan, wie es diese praktizierende Katholikin getan hat, weiß Thierry Carrel aus eigener Erfahrung. Deshalb sei eine besondere Sensibilität des Arztes gefragt. In dieser Hinsicht sind die USA einen Schritt weiter. Dort gehört die spirituelle Anamnese – die Abklärung der spirituellen Vergangenheit des Patienten – zur ärztlichen Ausbildung. Carrel, der Direktor der Universitätsklinik für Herz- und Gefässchirurgie am Inselspital, forderte deshalb, möglichst viele Akteure des Gesundheitswesens mit dieser ganzheitlichen Perspektive vertraut zu machen. Ziel müsse eine Humanisierung der Medizin sein, eine tiefgründigere Betrachtung von Krankheit nicht nur aus technischer, sondern auch aus psychologischer und spiritueller Sicht.

Leid öffnet Blick für das Wesentliche Das «Warum» und «Wozu» unserer Existenz sind Fragen, die uns Menschen umtreiben. Im Gegensatz zu den Tieren wollen wir wissen, weshalb wir existieren und welchen Sinn unser Leben hat. Besonders brennend werden solche Fragen, wenn eine schwierige Lebenssituation eintritt – beispielsweise eine lebensbedrohende Diagnose. Warum lässt Gott dies zu? Warum sind die einen bis ins hohe Alter gesund, während andere von Krankheiten heimgesucht wer-

Die Medizin hat laut Carrel jedoch keinen einfachen Zugang zu spirituellen Aspekten, da diese nach naturwissenschaftlichem Verständnis nicht eindeutig nachweisbar sind. «Die heilsame Wirkung spiritueller Handlungen wie Gebet oder Seelsorge ist aber heute nicht mehr zu bezweifeln», verwies der 50-jährige Herzspezialist auf die zunehmende Zahl von Studien, die einen positiven Einfluss der spirituellen Dimension auf den Krankheitsverlauf nachweisen. Daniela Baumann

Gemeinsam: Gegen die Resignation München: „Das wichtigste am Ökumenischen Kirchentag ist, dass er überhaupt stattfindet“, kommentiert Günther Gundlach, der Geschäftsführer von Christen im Gesundheitswesen (CiG), seine Eindrücke aus München. Dort waren CiG und ChrisCare mit einem Stand auf der Agora vertreten. „Interessant waren eine Reihe von Gesprächen mit Apothekern, die sich von den christlichen Berufsverbänden nicht ausreichend beachtet fühlen“, erinnert sich Gundlach, der gerade für diese Berufsgruppe mehr Aufmerksamkeit fordert. „Wir haben als Christen gemeinsam etwas zu bieten“ ist er überzeugt und wünscht sich, dass die konfessionellen Profile zugunsten gemeinsamer Aktionen in den Hintergrund treten. „Wir müssen zusammen der Resignation entgegentreten,“ ist Gundlach überzeugt. An seinem Stand seien zahlreiche Mitarbeitende aus der Pflege gewesen, die kaum noch Hoffnung auf eine Veränderung ihrer beruflichen Lage hätten. Neben CiG waren zahlreiche Einrichtungen in München dabei, die sich an Christen in


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stünden mehr und mehr Probleme für die Gesundheitssysteme dieser Länder.

meint kommentierend: „Zu ergänzen ist sicherlich, dass hier eine intensive seelsorgerliche Begleitung von großer Bedeutung sein dürfte, da offensichtlich ein hohes Maß an persönlichem Glauben nicht automatisch zu friedvollerem Lebensausgang führt.“

Gesundheitsberufen wenden, wie die Katholische Ärzteschaft, das Deutsche Institut für ärztliche Mission oder die Barmherzigen Brüder. Allerdings zeigte das Programmheft, dass unter den Veranstaltungen sich nur wenige mit dem Grenzgebiet von Medizin, Pflege, Kirche und Glaube beschäftigten.

Glaube: Wollen Gläubige länger leben? Hamburg: Macht der Glaube den Verzicht auf lebensverlängernde Maßnahmen schwerer? Eine 2009 veröffentlichte amerikanische Studie mit 345 Patienten in weit fortgeschrittenem Tumorstadium hat den Einfluss religiöser Bewältigungsstrategien auf den Wunsch nach lebensverlängernden Maßnahmen untersucht. Dabei zeigte sich, dass etwas mehr als die Hälfte der Patienten (178) der Überzeugung waren, ihre Religion könne ihnen bei der Krankheitsverarbeitung sehr viel helfen. Ein hohes Niveau für positive religiöse Bewältigungsstrategin (z.B „die Liebe und Fürsorge Gottes suchen“) war allerdings auch mit einer hohen Rate an negativen verbunden (z.B. „Warum hat Gott mich verlassen?“). Diese Patientengruppe traf signifikant seltener Vorausverfügungen (Patientenverfügungen: 29,4 vs. 68,1%), wünschte trotz medizinisch unheilbarer Erkrankung häufiger intensive lebenserhaltende Maßnahmen und verstarb entsprechend häufiger auf der Intensivstation. Die Autoren fordern dazu auf, dass Ärzte im Gespräch mit terminal Kranken auf deren religiöse Bewältigungsstrategien Rücksicht nehmen. Dr. Georg Schiffner, Vorsitzender von Christen im Gesundheitswesen,

fileadmin/user_upload/handbuch_texte/ pdf_Kingma_Krankenschwestern.pdf

Spiritualität: Ein Medikament? Witten: Die Schweizer Musik- und Psychothearpeutin Dr. Dr. Monika Renz (St. Gallen) greift in einem Beitrag für die in Witten erscheinende Zeitschrift P&S (2/2010) eine naive Instrumentalisierung des Glaubens an. Nachdem sich die Suche nach der heilenden Kraft von Religion und Glaube in den

Schweiz: Beliebtes Zuwanderungsland Berlin: Der Anteil ausländischer Krankenschwestern steigt in vielen Teilen der Welt. Immer mehr Länder sind auf die Zuwanderung von Pflegekräften angewiesen. Eine Studie des BerlinInstituts für Bevölkerung und Ent-

Viele Länder sind auf ausländische Krankenschwestern angewiesen Anteil an ausländischen Krankenschwestern in Prozent

Intensive Gespräche beim Ökumenischen Kirchentag

Mehr unter: http://www.berlin-institut.org/

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wicklung aus dem Januar 2010 zeigt: „Gut ausgebildetes Pflegepersonal stellt einen wachsenden Anteil an den Migrationsströmen. Die enorme Nachfrage, die durch den sich verschärfenden Mangel an Krankenschwestern in den Industrieländern entstanden ist, hat internationale Anwerbungskampagnen ausgelöst.“ So waren im Jahr 2000 in der Schweiz fast 70% der Krankenschwestern Ausländerinnen, in Dänemark sogar fast 80%. Unter den Ländern, deren Krankenschwestern zu einem großen Teil im Ausland arbeiten gehören die Philippinen mit etwa 45% und Haiti mit 95% der Krankenschwestern dieser Länder. Mittlerweile gibt es, so das Berlin-Institut einen wachsen Transfer von Mitarbeitern aus den armen Ländern des Südens in den wohlhabenden Norden. Dadurch ent-

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USA zu einer Welle ausgeweitet hat, stehe auch die europäische Medizin vor der Frage, ob der Glaube zu Gesundheitszwecken instrumentalisiert wird. Renz kritisiert, dass seit den 90er Jahren Spiritualität vor allem als erbrachte Leistung verstanden werde. Gebet und Gottesdienstbesuch wurden statistisch messbare Instrumente, um Gesundheit zu fördern. Dagegen sei „Spiritualität Erfahrung mit einem äußersten Geheimnis, einem ewig Anderen. Ich spreche von Erfahrung im Unfassbaren, aber mit fassbarer Wirkung.“ Renz, die die Psychoonkologie am Kantonsspital St. Gallen leitet, rät: „Nein zu sagen, zum Boom, aber Ja zum Kernanliegen der Spiritualität als Suche nach dem, was letztlich heilt. Heilsein ist etwas anderes als medizinisches Gesundheit“.


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Tagungen & Konferenzen 4. - 5.6. 2010: Berlin, Die Zukunft der Primärversorgung für eine neue Praxis im Gesundheitswesen, www.eaberlin.de 10. - 20.6. 2010: Bad Homburg v.d.H., Internationale Konferenz Religiöser Pluralismus in der Klinikseelsorge (Zielgruppe Theologen, Mediziner, Pflegende), Projekt Medizinethik in der Klinikseelsorge der Goethe-Universität, www.ethik.uni-frankfurt.de

Meine Sicht 27. - 29.9. 2010: Zürich, Palliative- und Organisationsethik: Mehr Leben als du ahnst! Spiritualität und Sinnfindung in der Begleitung und Betreuung pflegebedürftiger, kranker und sterbender Menschen und ihrer Angehörigen. www.weiterbildung-palliative.ch/veranstaltungen 24. - 25.9. 2010: Marburg, Akademie für Psychotherapie und Seelsorge, Jahrestagung, www.akademieps.de

18. - 20.6. 2010: Dassel, Jahrestagung Christen im Gesundheitswesen e.V., Siehe ich will Neues schaffen. Wenn Gott und Menschen zusammenarbeiten. www.cig-online.de

1. - 3.10. 2010: Kloster Drübeck, Arbeitsgemeinschaft christlicher Mediziner (SMD) | Tagungen, 55. Tagung der ACM für Ärzte und Medizinstudenten, www.smd.org

18. - 20.6. 2010: Wittenberg, „Viele Gebrechen umgeben den Greis” (Horaz) Zum Umgang mit dem Altern in Medizin, Kultur und Religion, www.ev-akademie-wittenberg.de

4. - 8.10. 2010: Schwanberg Das Verkosten der Dinge von Innen. Exerzitien. Ökumenisches Angebot für Mitarbeitende im Gesundheitswesen. burkhard.seeger@bethesta-stuttgart.de

9.7. 2010: Köln, Jubiläum „Gut für die Pflege“, 10 Jahre Deutsches Institut für angewandte Pflegeforschung, www.dip.de

20. - 27.10. 2010: Jerusalem/Ein Bokek, Workshop Klimaheilbehandlung am Toten Meer für Ärzte und medizinisches Fachpersonal, www.schechinger-tours.de

18. - 20.8. 2010: Amden, Gebetsretraite Gebetshaus mit Karin Briggen, www.cdkschweiz.ch

23. - 24.10. 2010: Salzburg, Internationaler Kongress für Pflegeberufe, Verantwortung – Last oder Lust? Kath. Verband für Pflegeberufe u.a., www.kathpflegeverband.de

4.9. 2010: Aarau, 50. Jubiläum, Theologisch-Diakonisches Seminar, www.tdsaarau.ch 2. - 4.9. 2010: Zürich, Jahrestagung 2010 der Akademie für Ethik in der Medizin, Medizinethik in einer globalisierten Welt. (In Zusammenarbeit mit dem Institut für Biomedizinische Ethik der Universität Zürich). www.aem-online.de 4. - 5.9. 2010: Herblingen, Saline Solution-Seminar: Umsetzen eines authentischen christlichen Lebensstils im medizinischen Alltag, www.ageas.ch/saline-solution 27. - 29.9. 2010: Freiburg i.Br., 1. Freiburger Symposium zu Grundfragen des Menschseins in der Medizin: „Abschaffung des Schicksals?“ Menschsein zwischen Gegebenheit des Lebens und medizin-technischer Gestaltbarkeit. www.menschsein-medizin.de

29. - 31.10. 2010: Rotenburg/Fulda, Fachgruppentreffen „Hebammen“, www.cig-online.de 29.10. 2010: Rhein-/Maingebiet, Symposium Wie wollen wir alt werden? Evangelischer Fach- und Berufsverband für Pflege und Gesundheit, www.efaks.de 29. - 31.10. 2010: Berlin, Gute Psychotherapie - eine Frage der Weltanschauung? Evangelische Akademie zu Berlin www.eaberlin.de 29. - 31.10. 2010: Kloster Nütschau, Wochenende für Kranke und Angehörige. www.cig-online.de 6. - 7.11. 2010: Emmetten, Aufatmen – Auftanken, Herbsttagung der Arbeitsgemeinschaft christlicher Ärztinnen und Ärzte in der Schweiz, www.ageas.ch

MACHT ODER OHNMACHT IM GESUNDHEITSWESEN - DU HAST DIE WAHL! Macht hat, wer viel macht, z.B. „amtliche“ Sprüche über andere oder ihnen die Hintertür zu oder den Deckel auf sie drauf. Und wenn einer Arzt ist, macht er die Ansage, wer sich wie krank zu fühlen hat und wie lang er ihm noch gibt. Ehemals Halbgott in Weiß, dessen unkritische Verehrung nachgelassen hat, ist er doch Machthaber über Diagnosen, vor allem die des Verdachts, und Herr über allfällige Kontrollen. Wer sich als Patient (= Leidender) lebenslang den angesagten Verdachtsmomenten unterwirft, obwohl ihm nichts fehlt außer Entschlossenheit, sich zu wehren – überlässt es den Kontrollmächten, ihm Sicherheit vorzugaukeln. (Nichts gegen Vorsorgen! Der Arzt soll den Vorsorglichen aber keine Nachsorgen bereiten.) Kontrollverlust bewirkt Internetrecherchen, die alle Befürchtungen übertreffen: Du bist noch kränker, als Du dich fühlst... Um es versuchsdeutsch zu sagen: Das macht keinen Sinn! Alternative? Mach doch aus der MACHT das MATCH, spiel den Ball zurück und sag dem Arzt, der wissen will: Wie geht’s uns denn heute? - Mir geht’s gut, aber Sie wirken so gestresst! Mir fehlt eigentlich nichts, denn ich habe alles, was ich brauche, das weiß ich, und Wissen ist Macht. Ich habe vielerlei Freude, gute Beziehungen, Zeit - und Sinn, sie zu füllen. Macht in der Summe: Gesundheit. Macht oder Ohnmacht? Es liegt an Dir. Was für ein Wesen bist Du? Du bist ein Gesundheitswesen! Jeder kann das sein. Mach was draus! Leb es aus in jeder Beziehung. Wer sich einsetzt, merkt, wieviel hilfreiche Macht in so einem lebendigen Gesundheitswesen steckt. Warum sich Sorgen machen - statt für sich und andere aus jedem Tag was Schönes?   Dr. med. Günther Riedl, Uelzen, Mitarbeiter Christen im Gesundheitswesen


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CHRISTEN IM GESUNDHEITSWESEN

Wo treffen Sie Christen, die vom Fach sind? Die Arbeit von CHRISTEN IM GESUNDHEITSWESEN stellt sich vor

CHRISTEN IM GESUNDHEITSWESEN (CiG) e.V. ist eine bundesweite konfessionsverbindende Initiative von Mitarbeitern unterschiedlicher Berufsgruppen im Gesundheitswesen: Günther Gundlach, Pflegende, Ärzte, Geschäftsführer Therapeuten, MitarChristen im Gesundheitswesen beiter aus Management und Verwaltung, Seelsorger, Sozialarbeiter und weitere Berufsgruppen des Gesundheitswesens. Sie bietet in rund 40 Regionen Deutschlands ein Forum zu berufsbezogenem Erfahrungsaustausch und Gebet sowie Bearbeitung grundlegender Themen aus Pflege und Therapie auf der Basis des christlichen Glaubens. Sie verbindet Christen aus katholischen,

CiG-Denkanstöße Nr. 1 Plädoyer für eine Christliche Heil kunde / 12 Thesen zur Christlichen Heilkunde Nr. 2 Skizzen zu Krankheit – Gesundheit – Heilung / Gesundheitsfördernder Lebensstil Nr. 3 Krankheit was geht in uns vor? / Wenn Gefühle laut werden / Entspannung und Wahrnehmung Nr. 4

Biblischer Heilungsdienst in der ärztlichen Praxis / Hilfen zur Patientenbegleitung / Das evangelistische Patientengespräch

Nr. 5 Alternative Heilverfahren aus christ licher Sicht Nr. 6

Reise in ein fremdes Land – als Christen Demenzkranke begleiten / Pflege und Seelsorge – zwei Seiten einer Medaille

Broschüren ca. 32 Seiten, Preise je Heft, zuzüglich Versandkosten Ab 6 Heften € 2/SFr 2.85, ab 3 Heften € 2,50/SFr 3.60, Einzelpreis: € 3/SFr 4.20 Bestellungen: www.cig-online.de; info@cig-online.de; Tel. (0049) (0) 4104 4982, Fax (0049) (0) 4104 7269

Susanne Kleider, Referentin der Akademie Christen im Gesundheitswesen

evangelischen und anderen christlichen Kirchen und Gemeinden. Basis der Zusammenarbeit sind die Bibel, das apostolische Glaubensbekenntnis sowie die Achtung des Einzelnen in seiner jeweiligen Konfessionszugehörigkeit. Wir CHRISTEN IM GESUNDHEITSWESEN

wollen • einander fördern, unseren Glauben im Berufsalltag zu leben • zur Neubelebung an der Bibel orientierter Werte im Gesundheits wesen beitragen • Patienten und Kollegen die heilende Liebe Jesu Christi erfahrbar machen • in Einheit mit Kirchen und Gemeinden den biblischen Auftrag von Diakonie/ Caritas und Heilungsdienst in unserem Land wahrnehmen. Die ökumenische Arbeit von CHRISTEN IM GESUNDHEITSWESEN verbindet seit über 20 Jahren Christen im Umfeld des Gesundheitswesens – inzwischen rd. 10.000 in regionaler als auch in bundesweiter Vernetzung.

wird. Kontakt zu den Regionalgruppen vermittelt die Geschäftsstelle. Die bundesweit ausgerichtete Arbeit von Christen im Gesundheitswesen wird von Mitarbeitern aus unterschiedlichen Gesundheitsberufen verantwortet und geleitet. In der Geschäftsstelle in Aumühle bei Hamburg wird die Arbeit koordiniert. Hauptamtliche, geringfügig Beschäftigte und rd. 130 Ehrenamtliche sorgen für die Umsetzung von Projekten und unterstützen die Arbeit des bundesweiten Vorstandes. Förderkreis Die Arbeit von CiG finanziert sich wesentlich aus Spenden. Ein Kreis von z.Z. 450 Förderern bildet hierfür die Grundlage, indem sie den gemeinnützigen Verein jeweils mit einem Mindestbeitrag von 60 € im Jahr finanziell unterstützen. Förderer können an den Fortbildungsseminaren der CiG-Akademie für den ermäßigten Beitrag teilnehmen und erhalten das CrisCare-Abo kostenfrei. CHRISTEN IM GESUNDHEITSWESEN e.V.

Das Rückgrat unserer Arbeit sind die CiGRegionalgruppen, die von Mitarbeitern vor Ort geleitet und verantwortet werden und die sich in unterschiedlichen z.B. monatlichen Abständen treffen. Beruflicher Austausch, biblischer Impuls und Gebet sind wiederkehrende Bestandteile der Treffen. Einige Gruppen bieten Regionalveranstaltungen an, zu denen öffentlich eingeladen

Bergstraße 25, 21521 Aumühle, Tel. 04104-4982, Fax 04104-7269 Email: info@cig-online.de Internet: www.cig-online.de

„CiG-Wochenenden für Kranke und Angehörige“ ausgezeichnet Unsere „Wochenenden für Kranke und Angehörige“ haben den 2. Platz bei der


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Verleihung des Christlichen Gesundheitspreises belegt, der erstmalig während des Christlichen Gesundheitskongresses 2010 verliehen wurde. Das Preisgeld von 1.000 Euro / 1.425 SFr. wird ausschließlich für Gäste verwendet, denen aus finanziellen Gründen eine Teilnahme sonst nicht möglich wäre. Damit ist ein Bereich der CiG-Arbeit gewürdigt worden, in dem sich seit 1996 mehrmals jährlich ehrenamtlich Mitarbeiter aus Gesundheitswesen und Gemeinde für chronisch Kranke und deren Angehörige engagieren. Das nächste Wochenende „Gesunder

Anne-Kathrin Rathje und Dr. med. Christian Wermann erhalten von Dr. med. Martin Grabe den Gesundheitspreis

Umgang mit Krankheit – Schritte der Heilung gehen“ findet vom 29. - 31. Oktober 2010 im Kloster Nütschau, Schleswig-Holsten, statt. Laden sie gern hierzu Menschen in Ihrem Umfeld ein! Weitere Infos: www.cig-online.de.

Die Teilnehmer kamen überwiegend aus spezialisierten Diensten für Demenzkranke, vielfach in leitender Tätigkeit, aber auch aus Klinik, Arztpraxis, Pflegeheim, Hospizarbeit sowie aus der Gemeindearbeit. Da das christliche Menschenbild ein erweitertes und spezifisches Verständnis von Fragen der Krankheit und Gesundheit ermöglicht, bringt auch eine hiervon geprägte christliche Heilkunde eine echte Horizonterweiterung in der Begleitung demenzkranker Menschen mit sich. Wie sich dies in der Praxis auswirken kann, wurde an zahlreichen Erfahrungsberichten deutlich. Der Seminartag hat aufs Neue gezeigt, wie segensreich die Verbindung von fachlicher Kompetenz und christlichem Glauben sein kann. In vergleichbarer Weise finden christlichfachliche Fortbildungsangebote zu weiteren Schwerpunktthemen in der CiG-Akadmie statt, z.B.: „Als Christen Sterbende begleiten“, „Alternative Heilverfahren aus christlicher Sicht“, „Als Christen schmerzkranke Menschen begleiten und behandeln“, „Christliche Spiritualität in der Geriatrie“. Das Seminar „Christliche Heilkunde – eine Erweiterung von Medizin und Krankenbegleitung“ führt in allgemeine Grundlagen und Praxis ein, wie sie

Berufliche Fortbildung mit christlicher Perspektive Innerhalb der Akademie Christen im Gesundheitswesen bieten wir seit 12 Jahren Fortbildungen zu spezifischen Themen mit christlicher Perspektive an. So fand am 8. April 2010 in Hamburg ein Seminartag „Als Christen Demenzkranke begleiten“ statt in Zusammenarbeit von Elim-Diakonie Freie evangelische Gemeinde (FeG) und CiG. Rund 50 Teilnehmer verbrachten zusammen einen außergewöhnlichen Fortbildungstag mit fachlich hochqualifizierten Vorträgen aus medizinischer, pflegerischer und seelsorgerlicher Perspektive, Reflexion eigener Erfahrungen in Workshops sowie Ermutigung in Andacht und Segnung.

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Termine 5. 6. 2010 Braunschweig, CiG-Akademie Tagesseminar, „Als Christen schmerzkranke Menschen begleiten und behandeln“ 18. - 20. 6. 2010 Jahrestagung Christen im Gesundheitswesen e.V., Siehe ich will neues schaffen. Wenn Gott und Mensch zusammenarbeiten. Referenten: Sr. M. Damm, Nauen, Pfarrer C. Heim, Nauen, Dassel/Solling, www.cig-online.de 3. 7. 2010 Lindau, CiG-Akademie Tagesseminar in Kooperation mit Gemeinschaft Immanuel, Ravensburg und Gemeinschaft der Franziskanerinnen von Kloster Sießen „Als Christen Demenzkranke begleiten“ 10. - 12. 9. 2010 Schmochtitz / Sachsen, „Treffen für Mitarbeiter aus Gesundheitsberufen“ 25. 9. 2010 Hamburg, CiG-Akademie Tagesseminar für leitende Pflegekräfte „Christliche Werte in der Teambildung und Teamleitung“ 29. - 31. 10. 2010 Rotenburg a.d.Fulda, CiG-Akademie, Treffen der Fachgruppe „Hebammen“ 29. - 31. 10. 2010 Nütschau, CiGAkademie, „Gesunder Umgang mit Krankheit-Schritte der Heilung gehen“ 6. 11. 2010 Dresden, CiG-Akademie Tagesseminar „Alternative Heilverfahren aus christlicher Sicht“ 13. 11. 2010 Augustfehn, CiG-Akademie Tagesseminar „Authentisch leben – christliche Werte im Berufsalltag umsetzen“ 11. 12. 2010 Karlsruhe, CiG-Akademie, „Licht in der Welt“, Oasentag

Dr. med. Georg Schiffner, 1. Vorsitzender von CiG, referiert im Seminar „Als Christen Demenzkranke begleiten“.

in Gesundheitswesen und Gemeinde von Bedeutung sind. Darüber hinaus bereichern Erfahrungsseminare das AkademieAngebot, z.B.: „Burn out – Prophylaxe“, „Gesundheit in der Lebensmitte“, „Männergesundheit“, „Gott begegnen in Bewegung und Tanz“, „Wochenenden für Kranke und Angehörige“.

Besuchen Sie uns auf unserer Homepage www.cig-online.de, hier finden Sie weitere Termine und Informationen!

Die Veranstaltungen der Akademie werden dezentral meist in Zusammenarbeit mit den CiG-Regionalgruppen angeboten. Wenn Sie in Ihrer Region ein Seminar initiieren wollen, nehmen Sie gern mit uns Kontakt auf. Weitere Infos: www.cig-online.de.


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Bestellen Sie Heft 1 2010 und lesen Sie unter anderem:

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Schwester Stefanie, Die Wirklichkeit des Himmels schmecken, Ein Erfahrungsbericht Dr. Claudia Schark, Angenehme Überraschung, Gespräche und Gebete mit Kranken Dr. Michael Utsch, Hauptsache spirituell? Zur Unterscheidung eines neuen Trends Dr. Astrid Giebel, Spiritualität in der Pflege Hans-Arved Willberg, Jesus - ein ganz normaler Arzt Dr. René Hefti, Wissenschaft bestätigt Heilkraft des Glaubens Frank Fornaçon, Wer von Gott spricht, ist verdächtig

Bestellungen zum Einführungspreis von Euro 1,20/SFr. 2,00 je Exemplar zuzüglich Versandkosten. Bestellanschrift auf der letzten Seite


2/2010 CHRISCARE

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Rezension Stefanie Schardien, Sterbehilfe als

technologischen Entwicklung kommen

Spiritualität in der Pflege, hg. von

Herausforderung für die Kirchen, Eine

erneut Fragen auf. Dabei sind vor allem

Klaus-Dieter K. Kottnik und Astrid

ökumenische Untersuchung konfessi-

die Kirchen gefragt, die sich mit dem

Giebel. Neukirchen 2010.

oneller Positionen, Gütersloh/Leipzig,

Geheimnis des Lebens beschäftigen. In

In der Einlei-

2007, 497 Seiten, 44,95 €

einer immer differenzierteren kirchlichen

tung schreibt

Landschaft ist daher eine ökumenische

der Präsident

Untersuchung äußert hilfreich, wie sie

des Diakoni-

Stefanie Schardien mit ihrer Disser-

schen Werkes

tation vorgelegt hat. Die Professorin

„Der Glaube

für evangelische Theologie in Hildes-

an Gott gibt

heim untersucht neben biblischen und

offensichtlich

dogmengeschichtlichen Texten vor

in akuten oder

allem die kirchlichen Stellungnahmen

lang anhalten-

zur Sterbehilfe. Dabei berücksichtigt sie

den Belas-

internationale Aspekte genauso wie die

tungsphasen Halt, stützt Patienten

in Deutschland zahlenmäßig kleineren

in ihrer psychischen und physischen

Kirchen, wie die Anglikaner und die

Verfassung und vermindert Ängste.“

protestantischen Freikirchen. Dabei

Christlicher Pflege müsse es um die

vermeidet die Autorin, allzu stark auf die

leib-seelische Einheit des Menschen

Vereinheitlichung der Positionen hinzu-

gehen. Aber wie pflegt man in Einklang

arbeiten und plädiert für eine Ökumene

von Fachlichkeit und Spiritualität? Der

der Profile auch in den ethischen Fragen

Sammelband dokumentiert die Vorträge

um Sterben und Tod. Das Buch eröffnet

und Seminare eines von der EKD und

An den Grenzen des Lebens besteht

einen sehr interessanten Zugang zur

dem Diakonischen Werk veranstalteten

Klärungsbedarf. Wann beginnt, wann

Vielfalt kirchlicher Standpunkte. Man

Symposiums. Die Vielfalt der Autoren

endet das menschliche Leben und wer

lernt beim Lesen deren Grundlagen

(u. a. Christoffer Grundmann, Monika

darf wie darüber verfügen? Die poli-

und Ausprägungen kennen und übt sich

Renz, Heike Lubatsch) und Themen (z.

tische Debatte ist inzwischen wieder

darin, eigene Antworten zu formulieren.

B. Kraftquellen für Mitarbeitende, Eine

abgeflaut, nachdem der Deutsche

Ein Nachdenkenswertes und Informa-

Spiritualität der Not, Spiritualität und

Bundestag die Patientenverfügung

tives Buch für alle, die den Beitrag der

Ökonomie) bietet einen guten Über-

geregelt hat. Aber mit jeder neuen

Kirchen schätzen.

blick über den Diskussionsstand.

FF

FF

Impressum Herausgeber und Verlag: ChrisCare erscheint im Verlag Frank Fornaçon, Ahnatal, und wird von Christen im Gesundheitswesen e.V. herausgegeben. Chefredaktion: Frank Fornaçon (FF) (V.i.S.d.P.) Korrektorat Julia Fornaçon/Günther Riedl. Die Beiträge wurden sorgfältig ausgewählt, dennoch übernimmt die Redaktion keine Haftung für die Inhalte. Verantwortlich ist der jeweilige Autor. Für unverlangt eingesandte Manuskripte und Fotos übernimmt der Verlag keine Haftung. Copyright: Christen im Gesundheitswesen e.V. Redaktionsanschrift: Verlag Frank Fornaçon, Am Gewende 34, 34292 Ahnatal, Deutschland, (+49) (0) 5609 80626, Fornacon-Medien@web.de, www.verlagff.de Gestaltung: Frank.Communication, Maggistraße 7, 78224 Singen, Deutschland, www.frank-com.de Druck: Graphische Werkstatt von 1980 GmbH, Yorkstraße 48, 34123 Kassel, Deutschland Anzeigenverwaltung Deutschland: Verantwortlich: Günther Gundlach, Christen im Gesundheitswesen e.V., Aumühle, Bergstraße 25, 21521 Aumühle, T. (+49) (0) 041 04 49 82, info@cig-online.de, www.cig-online.de. Anzeigenverwaltung Schweiz: Niklaus Mosimann, bvMedia Christliche Medien, Witzbergstrasse 7, PF 384, CH-8330 Pfäffikon ZH, (+41) (0) 043 288 80 15 werben@bvmedia.ch,

www.bvmedia.ch. Es gilt die Anzeigenpreisliste Nr. 1/2010. Trotz sorgfältiger Prüfung kann der Verlag keine Verantwortung für die veröffentlichten Anzeigen, Beilagen und Beihefter übernehmen. ChrisCare erscheint jeweils in der Mitte eines Quartals. Bei einem Teil der Auflage: BKK Diakonie Preise: Einzelheft € (D/A) 5,80/SFr (CH) 10.30, Jahresabonnement (4 Ausgaben) € (D/A) 19,20/ SFr (CH) 31.30, jeweils zuzüglich Versandkosten. Anschriftenänderungen sind rechtzeitig vor Erscheinen des nächsten Heftes ChrisCareAboservice oder bvMedia mitzuteilen. Die Deutsche Post sendet ChrisCare nicht automatisch an die neue Anschrift. Bestellungen aus Deutschland und Österreich: ChrisCare-Aboservice, Bergstraße 25, 21521 Aumühle, info@cig-online.de, T. (+49) (0) 4104 4982, F. (+49) (0) 4104 7269, Vertrieb auch über die J.G.Oncken Versandbuchhandlung, Postfach 20 01 52, D 34080 Kassel, 0561 5 20 05-0, Zeitschriften@oncken.de Bestellungen aus der Schweiz: bvMedia Christliche Medien, Witzbergstr. 7, Postfach 384, CH-8330 Päffikon ZH, Telefon 043 288 80 10, Fax 043 288 80 11, abo@bvmedia.ch, www.bvmedia.ch,

Konto Deutschland und Österreich: Christen im Gesundheitswesen, Evangelische Darlehnsgenossenschaft Kiel, BLZ 210 602 37, Konto 126217 Konto Schweiz: Postkonto 85-622703-0, IBAN CH90 0000 8562 2703 0, BIC: POFICHBEXXX ISSN 1869-9944 Heft 2 2010: Fotonachweis: Titel: styf - fotolia.com, Seite 2, 14, 16, 32 oben: Frank.Communication.; S. 6: Albertinen Hamburg; S. 8: Rainer Sturm - pixelio. de; S. 10: lassedesignen - fotolia.com; S.12 Text: Nachdruck mit freundlicher Genehmigung des Oncken Verlages; S. 21: Hausgemeinschaft Riehen; S. 22: Petra Wanzki - fotolia.com; S. 26: Windsor; S. 27: Christine Kisorsy; S. 32: Briand; S. 33: Andreas P fotolia.com; S. 35: Insel-Spital; S. 36, 37, 38, 39: CiG; S. 44: photocase.com Quellennachweis: Wenn keine Quelle angegeben wird, ist der Inhaber der Rechte leider nicht zu ermitteln gewesen. Die Rechte bleiben gewahrt. Inhaber von Rechten werden gebeten, sich an die Redaktion zu wenden. Aus Gründen der leichteren Lesbarkeit wird in der Regel die männliche Form einer Berufsbezeichnung gewählt. Heft 3/2010 erscheint im August/September 2010.


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