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Neue Opportunitäten nutzen Diese Entwicklung hat zur Folge, dass der Leisure-Bereich, zu dem auch die Skihotellerie gehört, einen extremen Aufschwung erfahren hat und so zunehmend das Interesse der Investoren geweckt hat. „Jetzt machen all jene ein Geschäft, die die Liquidität haben und zuschlagen. Das heißt, All-Cash-Deals ohne Banken sind jetzt das Ding – sowohl bei laufenden Projekten als auch bei fertiggestellten Hotels“, ist Jelitzka überzeugt. „Noch sieht man die Notfälle nicht“, gibt Karl Derfler, Adeqat, zu bedenken. „Die Leute sparen jetzt, das heißt, dass wenig bis kein Geld in die Wirtschaft fließt. Umgekehrt erleben wir aber auch, dass gerade jetzt sehr viele Betreiber nach Wien rein wollen, weil sie sagen, jetzt ein neues Hotel zu entwickeln, zahlt sich durchaus aus, um dann in ein paar Jahren gut am Markt dazustehen.“ Buy low, sell high ist, so Jelitzka, keine neue Erfindung, denn „jetzt ist die Zeit, um zu kaufen. Man darf dabei eben nicht vergessen, dass man eine Entwicklungszeit von mindestens drei Jahren einplanen muss, bis man das Hotel überhaupt öffnet und dann beginnt erst die Anlaufphase des Hoteliers. Gleichzeitig ist der Schaden beim Betreiber aktuell ungefähr doppelt so groß wie beim Landlord, weil der Betreiber die ganzen Fixkosten hat. Ein Dauerschuldverhältnis kann ich nicht von heute auf morgen auf null setzen.“

Vorsichtige Prognose „Die Frage ist, wie schnell vergisst der Mensch? Fakt ist, er wird vergessen, nur aktuell fühlt er sich weiter draußen am Land sicherer als in der Stadt“, antwortet Derfler auf die Frage, ob eine positive Entwicklung für die Stadthotellerie in naher Zukunft absehbar ist. Eine Prognose zu treffen ist schwierig, so Jelitzka: „Die Stadthotellerie wird ganz langsam wiederkommen, in Zukunft ist aber viel mehr die Frage der Finanzierung problematisch. Es wird Pachtverträge mit einem geringen Fixum geben, um in Zukunft das Risiko in Richtung Eigentümer zu v ­ erschieben. Und dann stellt sich die Frage, wie soll die Bank das finanzieren? Muss sich dann der Bauträger Geld am Kapitalmarkt holen über Crowdfunding oder Anleihen?“ Auch die Umwandlung von beispielsweise Hostels in Wohnen ist aufgrund der Widmungskategorien keineswegs einfach, geschweige denn

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sinnvoll. „Jede Form von gewerblicher Nutzung macht Sinn, allerdings muss sich hier die Widmungskategorie ändern“, appelliert Daniel Jelitzka an die Wiener Politik.

Investieren in schwierigen Zeiten „Eine hochtrabende Prognose ist schwierig“, wirft Sebastian G. Nitsch, 6B47 Real Estate Investors, in die Runde. „COVID-19 hat uns eine anhaltende Niedrigzinsphase gebracht und die Immobilienbranche ist sicher die Assetklasse, die am meisten profitiert.“ Dem stimmt Peter Karl, Erste Immobilien KAG, zu, fügt aber hinzu, „dass die Politik die Inflationspolitik überdenken möchte und möglicherweise eine höhere Inflation zum Entschulden einsetzen wird. Die Preise könnten weiter steigen, dabei aber die Cash-

„In Europa wird es nach Corona mehr Tourismus geben als in der Zeit davor und die Leisure-Hotellerie wird am Ende des Tages der Sieger sein.” Daniel Jelitzka, JP Immobilien

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ImmoFokus Herbst 2020  

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