Engeler Verlag, Herbst 2021

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Engeler Alle Titel 2010–2020

Neuerscheinungen 2021


Elke Erb Büchnerpreis 2020

Elke Erb Sonanz 5-Minuten-Notate

Elke Erb Sonnenklar Meins: Das Hündle kam weiter auf drein

Während zweier Jahre hat Elke Erb sich einer täglichen Übung hingegeben: Innerhalb von fünf Minuten aufzuschreiben, was ihr in den Kopf und unter die Feder kommt, absichtslos und so eigenwillig, wie ihr Publikum es an ihr liebt. «Unter den sich wiederholenden Motiven», schreibt Elke Erb zu ihrem Selbstversuch, «zeigten sich schon bei der Niederschrift irritierende Obsessionen. Im Moment ihres Eintritts in das Notat agierten sie autonom. Erst während der Bearbeitung erkannte ich nach und nach, daß diese halbautomatischen Wortfolgen sogar aktuelle, schlechthin existentielle und theoretische Themen und Aufgaben behandelten, hell und schnell, im Vergleich etwa zur Traumarbeit, geführt von Reiz wie Lust.»

Die drei roughbooks 006 [«Meins», Juni 2010], 028 [«Das Hündle kam weiter auf drein», Juni 2013] und 032 [«Sonnenklar», Februar 2015] von Elke Erb in einem roughbook-Sonderband, herausgegeben von Urs Engeler und Christian Filips zum 80. Geburtstag von Elke Erb am 18. Februar 2018.

ISBN 978-3-906050-50-8 Taschenbuch, Blacklist 001 18 x 11,5 cm, 320 Seiten Euro 20,- / sFr. 25.-

Elke Erb: «Meins. ... wie ja wieder vorhin, als nach der Undeutlichkeit / ein prall sichtbares kieselnarbiges Stück Landweg mir / vorkam, // also muß ich doch, Fazit, kann ich auch denken: / das außen Sichtbare, – nein: es zu sehen, trügt, // – oder ist halt, was es ist – so nicht Meins, / wie es mir guttut / schöntut, doch: gefällt, // sondern nur insgesamt Meins: das da – mit dem, was fehlt.» ISBN 978-3-906050-38-6 roughbooks 006/28/32 15,5 x 13,5 cm, 296 Seiten Euro 17,- / sFr. 20.-

Aus den Tagebüchern: 1997 – Das neue Buch von Elke Erb

Elke Erb Gedichtverdacht

Der jüngste Gedichtband von Elke Erb beginnt mit einem älteren Text, «Die Olympiade» von 1970, wie alle Texte in diesem Buch im Sommer, den Elke Erb jeweils in Wuischke verbringt, «aus dem Tagebuch geholt» und hier zum ersten Mal veröffentlicht: «Jammerschade, dass es nicht gelingt, diesen Traum zu erzählen ...» Das letzte Gedicht, «Das mit dem Baum» vom «12.12.18, halb sieben», ist den Bäumen gewidmet: «Sie werden mich übersterben. / Meine Handflächen meinen: Schade um sie.» Von Traum zu Baum, dem Faden der Geduld entlang, mit dem Elke Erb das Alltäglichste und das Wunderbarste miteinander verbunden hat. Das ist «Poesie»: «Ich sagte plötzlich beim Frühstück mit den beiden hier auf dem Land: / Man ist ja irgendwie immer elf, und Geli: stimmt, sie sei immer 12. / Ei!» ISBN 978-3-906050-44-7 roughbooks 048 15,5 x 13,5 cm, 94 Seiten Euro 15,- / sFr. 18.-

Elke Erb Aus den Tagebüchern: 1997 Herausgegeben von Steffen Popp

Dass ihre Gedichte vielfach auf Tage­ buchnotizen zurückgehen, hat Elke Erb oft beschrieben. «Gedichte und andere Tagebuchnotizen», der Untertitel ihres Gedichtbands «Mensch sein, nicht» (Urs Engeler Editor 1998) stellt das besondere Verhältnis dieser beiden Formate in ihrem Werk noch einmal heraus. Auch in den Datierungen, die Erb ihren Gedichten stets beigibt, kommt das Tagebuch immer wieder zum Vorschein: «20.9.70/aus dem Tage­buch geholt am 17.2.2017» heißt es da (in «Gedichtverdacht»), oder «1965 / (Text original, empathisch ververst 15.3.13)» (in «Das Hündle kam weiter auf drein»). Die Arbeit an ­Notiz- und Tage­büchern begleitet Erbs Schreiben nicht nur, sie ist ein integraler Teil davon. Ihr poetisches «Leben im Kommentar» (Gabriele Wix), jene unablässige Selbstbeobachtung, die mit der Beobachtung des eigenen Verfahrens in eins fällt, ist selbst in ein Leben in der Notiz, in Prozesse (hand) schriftlicher Dokumentation­und Reflexion eigener Erfahrung eingebettet. Die beharrliche Suche nach «poesiefähigen» Notaten in zum Teil lange zu-

zrückliegenden Aufzeichnungen gehört dazu, die Kunst des Findens, die Transformation der Notiz in den poetischen Text. Wie aber ist es um die Notate bestellt, die nicht gefunden, nicht ins Gedicht geholt werden, die sich ihm aus nicht immer leicht erfindlichen Gründen entziehen, andere Wege gehen? Die Publikation eines vollständigen Tagebuchs aus den Jahren 1996 bis 1998 zeigt Erbs Blick und Griff vor dem Gedicht, den Arbeits- und Eigensinn der Erbschen Notiz, unnachahmlich wie ihre Poesie.­ ISBN 978-3-906050-82-9 Taschenbuch, Neue Sammlung 007 18 x 11,5 cm, ca. 160 Seiten ca. Euro 14,- / sFr. 18.ca. September 2021


Arno Camenisch Zwölf Bücher in zwölf Jahren

Arno Camenisch Sez Ner

Arno Camenisch Hinter dem Bahnhof

Arno Camenisch Ustrinkata

Arno Camenisch Fred und Franz

Arno Camenisch Las flurs dil di

Arno Camenisch Nächster Halt Verlangen

Arno Camenisch beschreibt in seinem Erstling das Leben von Hirten und Sennen während eines Sommers auf der Alp Stavonas am Fusse des Piz Sezner in der Surselva des Kantons Graubünden. Er erzählt in kurzen Prosastücken von Kühen und Schweinen, Katzen und Hunden, der Polenta und dem Käse, dem Alkohol und den Rauchwaren, von Wind und Wetter, Mann und Frau, den Leuten aus dem Unterland und den Bauern aus den Tälern Graubündens. Dass Camenisch seine Texte nicht übersetzt, sondern auf Rätoromanisch und auf Deutsch schreibt, gibt ihnen ihren ganz eigenen Klang, in der Rauheit und Melodiösität, Kraft und Zartheit eine suggestive Verbindung eingehen.

Es ist ein kleiner Ort, dem Arno Camenisch nach dem Erfolgsbuch «Sez Ner» seine Aufmerksamkeit zuwendet, ein kleines Dorf in einem engen Tal zwischen hohen Bergen – und doch sind der Schraubenladen und das Coiffeurgeschäft, sind der Bahnhof und der Stammtisch in der Helvezia die ganze Welt, in der jeder und ­alles seinen Platz und seinen Namen hat. Es geht ums Zähne klopfen und um die Züge, die ein Mal die Stunde das Tal hinabfahren, um Jasskanonen und Dorftrompeten, um die Sau vom Adolfdallamaria und den Eierlikör vom Dichter, um die Grossmutter, die schief steht, und um die Särge vom Grossvater. Es ist ein Kind, das diese vertraute und zugleich seltsam schräge Welt der Erwachsenen sieht, sein direkter Blick schafft Nähe, es täuscht mit seiner Unbekümmertheit über die Abgründe hinweg, die sich hier auftun.

Es ist der letzte Abend in der Helvezia, der Alkohol fliesst in Strömen wie der junge Rhein, und wes des ­Herzen voll ist, des geht der Mund über: Jetzt heisst es Austrinken! Noch einmal sitzen sie um den runden Tisch, die Tante, die Silvia, der Otto und der Luis, der Giachen und all die andern, die noch leben oder schon lange tot sind. Arno Camenisch hört ihren tragischen und zugleich komischen Geschichten genau zu, mit seinem präzisen Sinn für den Klang und die Eigentümlichkeiten ihrer Sprache hält er diese von Tod und Vergessen, von Naturgewalten und menschlichen Abgründen, von Hochwassern und Liebeswirren, von Steinschlägen und Händeln bedrohte Welt lebendig. Es geht alles zu Ende, aber so lange einer noch erzählt, ist das letzte Glas nicht ausgetrunken!

Mit dem Anfang beginnt auch das Ende, sagt der Franz zum Fred. Der trauert der Maria nach. Franz scheint etwas durchtriebener und findet selber doch kein Ende mit der verheirateten Magdalena. In 24 alltäglichen Szenen lässt Arno Camenisch die beiden ungleichen Brüder im Geiste über den Lauf der Welt räsonieren und über das, was sie am Laufen hält, die Liebe – das Finden und Verlieren, das Festhalten und Loslassen. In Bildern klar wie Glas und mit seinem unverwechselbaren Ohr für das Tragische und das Komische in grossen wie in kleinen Reden schreibt Arno Camenisch über eine Freundschaft, die so verlässlich ist wie der Gang der Jahres­zeiten: am Ende steht man immer wieder an einem neuen Anfang.

Arno Camenisch raquenta frisch e freh sur dall’amur e tgei che resta, sche l’amur ei sflurida. Il Fred ed il Franz, dus utschals bravamein schrägs, ein frabiziechel ed han buca la lieunga en sac. Nus accumpignein els dus cun lur tics e trics tras differentas scenarias, nua ch’ei han endamen sur dall’amur. Il Fred vegn buca d’emblidar la ­Maria ed il Franz ei empau in da filibergas. Ei va pils dus muments clav d’ina amur – l’entschatta e la fin. Cun «Las flurs dil di» presenta Camenisch in cudisch da spoken word, plaid plidau, in grond matg flurs d’expressiuns, e quei cul drive e groove e sound schi tipic da Camenisch.

«Nächster Halt Verlangen» versammelt die Kolumnen, die Arno Camenisch 2013 und 2014 für «Die Südostschweiz» geschrieben hat. Wie in einem Songbook erzählt Arno Camenisch in 14 Geschichten aus dem Leben eines reisenden Poeticus, getreu seinem Leitspruch: Die Geschichten liegen auf den Strassen, man muss sie nur finden, nicht erfinden. So kommt er nach Neapel und Bogotà, nach Lemberg und Lissabon und von Hongkong zurück nach Tavanasa, auf den Kunkels­pass und von dort direkt nach Paris. Schöne Polizistinnen, dicke ­Zöllner, Kellner wie Kühlschränke und gefährliche Frauen sind seine ständig ­ wechselnden Begleiter, von einer Bredouille in die andere, in der der arglose Tramp aus den Bündner Bergen oft nicht weiss, wie ihm geschieht, denn immer versteht man nicht alles. Und ist es nicht wahr, so ist es gut geflunkert.

ISBN 978-3-906050-01-0 Gebunden, Schutzumschlag 18,5 x 12 cm, 216 Seiten Euro 19,- / sFr. 25.-

ISBN 978-3-906050-02-7 Gebunden, Schutzumschlag 18,5 x 12 cm, 96 Seiten Euro 19,- / sFr. 25.-

ISBN 978-3-033-03028-2 Gebunden, Schutzumschlag 18,5 x 12 cm, 100 Seiten Euro 19,- / sFr. 25.-

ISBN 978-3-906050-06-5 Gebunden, Schutzumschlag 18,5 x 12 cm, 80 Seiten Euro 19,- / sFr. 25.-

ISBN 978-3-906050-05-8 Gebunden, Schutzumschlag 18,5 x 12 cm, 90 Seiten Euro 19,- / sFr. 25.-

ISBN 978-3-906050-18-8 Gebunden, Schutzumschlag 18,5 x 12 cm, 64 Seiten Euro 16,- / sFr. 19.-


«Es ist immer wieder beeindruckend, in welcher Kürze Arno Camenisch Lebensgeschichten erzählen kann.»

Arno Camenisch Die Kur

Arno Camenisch Die Launen des Tages

Arno Camenisch Der letzte Schnee

Arno Camenisch Herr Anselm

Arno Camenisch Goldene Jahre

Arno Camenisch Der Schatten über dem Dorf

Ein Mann und eine Frau, im Herbst ihres Lebens, verschlägt es wegen eines Tombola-Gewinns in ein nobles Fünf-Stern-Hotel im schönen Engadin. Während sie in diesen paar Tagen und Nächten ihre Sehnsüchte wieder aufleben spürt und aufblüht, fühlt er sich wie auf seinem letzten Gang. Zum Glück hat er seinen Plastik­ sack dabei, der auf alle Lebenslagen eine Antwort enthält. In 47 Bildern begleiten wir die beiden und werden Zeugen ihrer Lebensbilanz – wo kommen wir her, was wollten wir werden und wo gehen wir hin? Die Liebe, das Leben und der Tod stellen ihnen die zeitlosen Fragen, auf die sie ihre eigenen Antworten haben, bevor es endgültig dunkel wird. Arno Camenisch zeigt sich in seinem Roman als Meister ebenso skurriler wie menschlich vertrauter Geschichten, die auf das absolut existentielle Minimum reduziert sind.

Nach «Nächster Halt Verlangen» legt Arno Camenisch mit «Die Launen des Tages» den zweiten Band mit Geschichten von unterwegs vor. Der Reisende gerät von einem Verhängnis ins nächste, denn das Leben schlägt dann zu, wenn man es am wenigsten erwartet. Begegnungen machen das Leben aus, und es ist die Liebe, die es am Laufen hält. Um die Liebe kreisen diese Geschichten, die wie Gewitterleuchten sind und unberechenbar wie das Wetter, es kann in jedem Augenblick in ein bedrohliches Donnerwetter oder in ein Lichtspektakel kippen, und am Ende ist meistens alles ein bisschen anders, als man meinte.

Ein Winter in den Bündner Bergen. Was tun, wenn der grosse Schnee ausbleibt – und mit ihm die Gäste? Paul und Georg stehen wie jedes Jahr an ihrem alten Schlepplift, so schnell bringt den ordentlichen Georg nichts aus der Ruhe und den grossen Fabulierer Paul nichts zum Schweigen. Zu allem fällt ihm eine Geschichte ein, um das grosse Verschwinden aufzuhalten und die verkehrte Welt wieder ins Lot zu bringen. Er redet über die Kapriolen des Wetters und über das Glück des Lebens, er spricht über seine grosse Liebe Claire und über den Sohn, der macht, was er will. Er erzählt vom Leben in den Bergen, von Vorfahren und Vorbildern, von Sieg und Niederlage, Schule und Erziehung, und räsonniert über die zeitlosen Fragen nach Herkunft und ­Zukunft, während der Schlepplift im Hintergrund regelmässig rattert wie der Lauf der Welt.

Nach 33 Jahren ist Herr Anselm – die treue Seele auf dem «Schiff», wie er seine Schule nennt – auf der Ehren­ runde: Die Schule in einem kleinen Dorf in den Bündner Bergen soll geschlossen werden. Wir begleiten Herrn Anselm nach einem trockenen und heissen Sommer an einem Nachmittag zu Beginn eines Schuljahres und hören ihm zu, wie er mit seiner verstorbenen Frau über das Wetter und das Wasser spricht, über die Vorbilder, die uns geprägt haben, und die Werte, die uns verbinden. Sein Mono­ log erzählt mit grosser Liebe, viel Witz und einem ebenso frischen wie herzenswarmen Blick von einer Welt, die verschwindet. Bildstark und präzise schreibt Arno Camenisch auf seine unverkennbar eigenwillige Art vom Werden und Vergehen in einem Tal im Wandel der Zeit.

Seit 51 Jahren betreiben Margrit und Rosa-Maria ihren Kiosk samt Zapfsäule und Leuchtreklame. Er ist die Zentrale im Dorf, bei Margrit und Rosa-Maria kommen alle vorbei und sie haben alles gesehen, schicke Autos und alte Mopeds, die Tour de Suisse und Prominenz aus dem Boulevard, Betrüger, die sie übers Ohr hauen wollten, genauso wie Filmstars. Am liebsten sind ihnen aber die Liebespaare und die frisch Verliebten. Bei Margrit und Rosa-Maria geht über die Ablage, was das Herz begehrt, und im Gegenzug hören sie, was die Herzen bewegt. Arno Camenisch erzählt mit viel Witz und grosser Liebe von einer Welt im Wandel – aber solange Margrit und Rosa-Maria ihren Kiosk mit Leuchtreklame und Zapfsäule bedienen, bleibt die Welt ein wunderbar schöner und heller Ort.

Arno Camenisch erzählt in seinem Roman von einem Dorf in Graubünden, das von einer Tragödie überschattet wird. Die Tragödie geschah eineinhalb Jahre, bevor der Erzähler auf die Welt kam. Davon handelt dieses Buch, es ist Arno Camenisch persönlichstes Buch, in einem berührenden Ton und mit grosser Klarheit erzählt Arno Camenisch vom Leben und vom Tod und von den Menschen, die von uns gingen und die wir weiter im Herzen tragen. Es ist ein Buch über den Umgang mit Verlust und das Vergehen der Zeit, und es ist ein Buch über die Zuversicht, dass mit dem Frühling die Sonne wieder ins Leben zurückkehrt.

ISBN 978-3-906050-43-0 Gebunden, Schutzumschlag 18,5 x 12 cm, 96 Seiten Euro 19,- / sFr. 25.-

ISBN 978-3-906050-36-2 Gebunden, Schutzumschlag 18,5 x 12 cm, 101 Seiten Euro 19,- / sFr. 25.-

ISBN 978-3-906050-22-5 Gebunden, Schutzumschlag 18,5 x 12 cm, 96 Seiten Euro 19,- / sFr. 25.-

ISBN 978-3-906050-19-5 Gebunden, Schutzumschlag 18,5 x 12 cm, 96 Seiten Euro 19,- / sFr. 25.-

ISBN 978-3-906050-35-5 Gebunden, Schutzumschlag 18,5 x 12 cm, 100 Seiten Euro 19,- / sFr. 25.-

ISBN 978-3-906050-80-5 Gebunden, Schutzumschlag 18,5 x 12 cm, 103 Seiten Euro 19,- / sFr. 25.25. Februar 2021


Rosmarie Waldrop Erinnerungen an Edmond Jabès

Rosmarie Waldrop übersetzt von Elke Erb, Th. Schestag, A. Cotten roughbook 055

Rosmarie Waldrop Rehearsing the Symptoms Das Proben der Symptome übersetzt von Ann Cotten

Rosmarie Waldrop Voller Fehl Edmond Jabès – erinnert und wiedergelesen

Edmond Jabes (1912-1991) gilt als einer der wichtigsten französischen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. Geboren in Kairo, ließ er sich in Frank­ reich nieder, nachdem er mit anderen Juden während der Suez-­ Krise­1956 aus Ägypten vertrieben wurde. Rosmarie Waldrop ist seine wichtigste englische Übersetzerin. Im Laufe ihrer langen Zusammenarbeit und Freundschaft mit Jabes entwickelte Waldrop ein sehr nuanciertes Verständnis für sein Werk, das wiederum ihre Entwicklung als Schriftstellerin und Übersetzerin beeinflusste. «Voller Fehl» ist ein Essay mit einem dreifachen Fokus: Es ist eine Erinnerung an Jabes, wie Waldrop ihn kannte, es ist sowohl eine Hommage an als auch eine Erläuterung von Jabes’ Werk, und es ist eine Meditation über den Prozess des Übersetzens. Der Text verwebt diese Themen miteinander und evoziert Jabes’ eigenes Interesse an den Themen Exil und Nomadentum; Mensch, Gott, Welt und Buch; das Wort zwischen Schrei und Schweigen; die Wunde der Individuation; Metaphorisches Judentum; Aphorismus und Atem; Übersetzung:

Verrat, Usurpation, «Transluciferation»; Meta-Erzählung. Diskontinui­ tät. Musik; Rhythmus. Poesie nach Auschwitz. Paul Celan; Wörter aufbrechen, «Mobilisation des Buchstabens; «Buch» vs. Roman (Jabès) vs. Schreiben (Derrida); Aphorismus, Fragment, explodiertes Buch; das Zerbrechen der Tafeln, die Gefäße. Diaspora; 7, rue de l’Epée de Bois; Gesichter auf Kieselsteinen; Topographie des Schreibens; Max Jacob; Die orientalische Technik, eine Frage zu beantworten; … so sind die ersten Abschnitte von «Voller Fehl» überschrieben. Aus dem Amerikanischen und dem Französischen übersetzt von Urs Engeler 978-3-906050-67-6 Broschur, Theorie Band 16 22 x 14 cm, 168 Seiten ca. Euro 22,- / sFr. 29.ca. Juni 2021

Rosmarie Waldrop Ein Schlüssel zur Sprache Amerikas A Key Into The Language of America übersetzt von Elke Erb und Marianne Frisch

Die Sprache Amerikas: Das ist nicht nur Kriegsdrohung und Börsenkrach. Das waren zuerst die Sprachen der Ureinwohner, die als erster Roger Williams in seinem Buch «A Key Into The Language of America» im Zusammenhang mit den indianischen Lebensweisen und Bräuchen beschrieb. Dieses Buch legte Rosmarie Waldrop ihrer Erkundung der heutigen Lebens-Sprachen Amerikas zugrunde: Indem sie seine Struktur übernimmt – zu jedem Aspekt menschlichen Lebens gibt Williams eine Wortliste, anthropologische Beobachtungen und ein Gedicht – montiert sie ein vielfach gebrochenes Kaleidoskop des Verhältnisses zum «Anderen» als Frau oder Fremden. ISBN 978-3-905591-82-8 Gebunden, Schutzumschlag 18,5 x 12 cm, 144 Seiten Euro 17,- / sFr. 29.-

Rosmarie Waldrop Hölderlin Hybride übersetzt von Thomas Schestag

Rosmarie Waldrop Das Proben der Symptome übersetzt von Ann Cotten

Der Zyklus von Prosagedichten geht aus von Sätzen oder von gram­ matikalischen Satzmustern von Friedrich Hölderlin, die, nach ihrer Auswanderung in die amerikanische Sprache, durch die Übersetzung von Thomas Schestag wieder ihren Weg zurück in die deutsche Sprache finden. «Was tun», schreibt Schestag zu dieser zweisprachigen Ausgabe, «Aus­wandernde der Sprache, die sie mitnehmen. Die sie mitnimmt. Einwandernd. An. Wie nehmen sie, wie nimmt sie, Sprache wahr. Wie. Genau. Was gehört, im Augen­blick des Aufbruchs, wem. Migranten, Wörter, Wandersprachen. Die viel­leicht dort, von wo sie ausgehn, mitgenommen, nur dem Anschein nach zuhause, eingeboren, angestammt, verwurzelt waren. Warten. Denn welches Wort, unter Wörtern, wäre keines, das aufbricht. Weglos. Unterwegs.»

«Das Proben der Symptome» zeigt Rosmarie Waldrop in Bestform, unvergleichlich fein und konzentriert in treffsicheren Sätzen. Ihre Kunst schenkt Motive und Wendungen,­die das Herz wie mit dem Schraubenzieher umdrehen, zugleich vertraut und fremdelnd mit Welt wie mit Jenseits. „Alles Metaphysische,“ schreibt sie, „lebt in der Grammatik“, die Grammatik aber lebt im Körper, der Körper im Geist. Diese ménage à trois portraitiert sie hier in der guise von Symptomen, situiert in ihrem Leben, in Miniaturen, deren Statements alle Scharniere sind, Türen, Stimmen; wo die Wirklichkeit landen kann, willkommen, orientierend, lebend, mitten im Realismus, mitten in der Möglichkeit, mitten im gewissen, zeitoffenen Tod. Diese Sammlung von 11 „Symptomen“, einzeln wie als Ganzes frappierender Text, wird immer ärger, je öfter man ihn liest.

978-3-906050-47-8 roughbook 033 15,5 x 13,5 cm, 80 Seiten Euro 12,- / sFr. 15.-

978-3-906050-68-3 roughbook 055 15,5 x 13,5 cm, 48 Seiten ca. Euro 8,- / sFr. 10.-


Dagmara Kraus Dichtung, Übersetzung, Reflexion zur Poesie

Dagmara Kraus kleine grammaturgie

Dagmara Kraus wehbuch (undichte prosage)

Dagmara Kraus Aby Ohrkranf’s HUNCH POEM

In diesem Gedichtband steigt Dagma­ ra Kraus in eine Quelle, die selten für Gedichte genutzt wird: die munter sprudelnden Plansprachen, wie sie immer wieder erfunden werden, dem polyglotten Chaos in einer Zunge zu antworten. Vier dieser Plansprachen begegnen uns namentlich: «Myrana» von Josef Stempfl, «Volapük» von Johann Martin Schleyer, etwas un­ ausgegorenes «Tcatcalaqwilizi» und vor allem «Langue bleue», nach ihrem Erfinder Léon Bollack auch «Bolak» genannt. Dessen Wunsch war, dass Bücher in Langue bleue in blauer ­ ­Farbe gedruckt werden – den Wunsch haben wir ihm zumindest für Gedichte in Langue bleue erfüllt.

Die Welt ist ein Jammertal – und daraus zieht Dagmara Kraus in ihrem «wehbuch» das grösste Vergnügen. Hier wird nach Kräften gejammert und gewehklagt, dass es eine Lust ist. Es wird geëeklagt und geoimoit. Es wird geotototoit und geïoit und bis nach Sais und Saft el-Hanna gepopaxt. Wir hören «heulematronen» zetern; es trauert «kenet-nasch (zehneinhalb), seit sechzig monden jungstudentin der freien klagekunst bei benetnasch» mit den «marabumimen» um Pharao­ nen. Wir sind im alten Ägypten, wo die Kunst des Klagens das ganze Leben durchweht, und lassen uns in die Welt der Moden führen, nach China, ins pullomantische Rom, durch ein Möbelkaufhaus oder die Bibel, bis das Ganze, angeblasen von zwei Orgelbälge(r)n, in einem einzigen Wehlaut explodiert.

Ein Text buckelt und verbuckelt sich; ein Text tut schön und ergeben, liebedienert einem Meister, den er gleichwohl a tergo a gibbi zu entstellen versucht: «Aby Ohrkranf ’s HUNCH POEM» ist ein Gibbus­ gedicht in fünfundzwanzig Aufzügen, großen­teils in ‚Gibbirish’ (sic) gehalten, einem anmakaronisierten Englisch mit pseudoirischem Klangstich, entstanden auf der Folie – d’après la bosse sozusagen – von Frank O’Haras LUNCH POEMS, deren Auswahl mit Buckeln, hunches (d.h. «Gibbi» bzw. «Kyphoi») zersetzt und ziemlich verhunzt wurde, weil es von L zu H nur ein kleiner Sprung wär’ für den Henscheid, aber ein Rückwärtssalto war über drei Buchstaben, um Diderots apokolokynthelnder Forderung nachzukommen, «dasz der buckligte in allen theilen seines körpers buckeln soll» (Knebel).

978-3-906050-29-4 roughbook 026 15,5 x 13,5 cm, 66 Seiten Euro 15,- / sFr. 18.-

978-3-906050-13-3 roughbook 036 15,5 x 13,5 cm, 100 Seiten Euro 15,- / sFr. 18.-

978-3-906050-37-9 roughbook 046 15,5 x 13,5 cm, 104 Seiten Euro 16,- / sFr. 19.-

Miron Białoszewski M’ironien Poetiken des Sprungs

Miron Białoszewski M’ironien Aus dem Polnischen übersetzt von Dagmara Kraus

Miron Białoszewski (1922-1983) erster Gedichtband von 1956 wurde sofort als literarisches Ereignis angesehen. Wie aus dem Nichts tauchte ein reifer, origineller Dichter auf, der überraschend neue Themen aus der Alltagswelt in die Poesie einbrachte. Ende der 50er Jahre häuften sich die Sprach­ experimente einer «linguistische Poesie», deren wichtigster Vertreter Białoszewski war. In den 60er Jahre entwickelte er eine in Vers gesetzte Prosa, die in die «Erinnerungen aus dem Warschauer Aufstand» (1970) mündete. Die Auswahl aus Białoszewskis Werk enthält vor allem Gedichte, daneben ein paar Prosastücke sowie zwei poetologische Texte, die sich auf die Experimente mit der poetischen Sprache beziehen. 978-3-906050-46-1 roughbook 054 15,5 x 13,5 cm, ca. 250 Seiten ca. Euro 18,- / sFr. 24.April 2021

Dagmara Kraus «Vom Sichersten ... ins Bläueste» – Poetiken des ‹Sprungs›

Emblem des Emergenten, gilt der «Sprung» als Denkbild für die unvermittelte Transition. Seit Jahrtausenden scheint er darum eine figura non grata der Reflexion zu sein. Während er fast gänzlich aus dem philosophischen Diskurs verbannt wurde, hat er in der Poesie seit Pindar Konjunktur. Als unabdingbarer Katalysator eines Versgeschehens verantwortet er Finten, Volten, Witz und Pointe im Gedicht. «Der Sprung macht den Vers, nicht der Schritt», ließe sich in Abwandlung eines Aphorismus ­Heiner Müllers behaupten. Unter den literarischen Gattungen entspricht die ­Poesie dem Sprung am besten. Von den Gegebenheiten der Physik gelöst, vermag sie den Sprung als Sprung zu sich kommen lassen –genuine ars saltandi dort, wo sie die Schwerkraft, ihre Fälle und Stürze auszuklammern versteht, um stattdessen dem «long floating leap» (Robert Bly), dem suspendierten Sprung – einem Sprung im Zenit – Raum zu gewähren. In einer Reihe von detaillierten Lektüren folgt Dagmara Kraus poeti­ schen Sprüngen, Sätzen, Hiatus und

Salti, vorwärts und rückwärts, durch Werke der Poesie des 20. und 21. Jahrhunderts. Untersucht werden Texte von Alejandra Pizarnik, Inge Müller, John Barton Wolgamot, Monchoachi, Rodney Graham, Frédéric Forte, Konrad Bayer und Oskar Pastior. Ob utopisch oder existentiell, Phantasma oder Lebensnotwendigkeit: der Sprung wird in den analysierten Textpassagen als Metapher, Struktur, Konzept auf solch unterschiedliche Weise dekliniert, dass er als höchstproteischer nicht auf einen synthetischen Nenner zu bringen ist. Gleichwohl zeigt sich in allen ausgewählten Mani­festationen, getreu der Idee Walter Benjamins, „die Rettung“ halte sich «an den kleinen Sprung in der kontinuierlichen Katastrophe». 978-3-906050-60-7 Broschur, Theorie Band 17 22 x 14 cm, ca. 320 Seiten ca. Euro 32,- / sFr. 45.ca. August 2021


Hans-Jost Frey Eleonore Frey

Patrick Frey

Hans-Jost Frey Henrici

Eleonore Frey Unterwegs nach Ochotsk

Eleonore Frey Waldleute

Patrick Frey Die Wanderung

Patrick Frey Eine Tätowierung mit Folgen

«Henrici» zeigt den Zürcher Literaturwissenschaftler von einer anderen Seite: In 63 kurzen Geschichten lässt Hans-Jost Frey sein alter ego Henrici anhand alltäglicher Situationen und geläufiger Redewendungen über das nachdenken, was wir allzuoft gedankenlos tun und sagen, und das von A wie Ausland bis Z wie Zukunft.

Ochotsk liegt am Eismeer, es ist kalt dort und wahrscheinlich immer dunkel, warum sollte irgend jemand nach Ochotsk wollen? Die Menschen in ­Eleonore Freys Roman – die Buchhändlerin Sophie, die am liebsten eben jenes Buch verkauft, das «Unterwegs nach Ochotsk» heisst, und der Schriftsteller Robert, der nur dieses eine Buch geschrieben hat und in jeder Frau seine Schwester sucht, oder die ältere, etwas verwirrte und in Robert verliebte Frau, der Hausarzt Otto, der als Schiffsarzt nach Ochotsk will, und Sophies Onkel und Chef –, sie alle stehen etwas verloren im Leben, sie leiden eher an Kälte in der Seele als an Kälte auf der Haut. Sie sehnen sich nach einem andern Leben. Doch so zufällig sie auch mit- und nebeneinander leben: sie geben sich gegenseitig etwas Wärme und Halt und finden fast beiläufig ein kleines bisschen Glück auf ihrem Weg nach Ochotsk.

Eine Gruppe alter Frauen und Männer geht in den Wald, den Tod zu suchen. Mit dem Eintritt in den Wald verlieren sie ihre Namen, aber nicht ihre Geschichte. Eleonore Frey erzählt von der Frau mit dem Kopftuch in den Herbstfarben der Wälder ihrer Heimat, von dem Blinden, der die Stille hört, dem Wiedergänger, der zum zweiten Mal auf dem Weg in den Wald ist, von der Frau mit dem weissen Schopf und der Märchenfrau, die dem Kind, das sie im Wald finden, sagt: «Du wirst dein Leben lang erinnern müssen, was du gelebt hast. Je älter du wirst, desto mehr. Ich will bei euch bleiben, sagte das Kind, und wenn ihr alle gestorben seid, bin ich gross und gehe rund um die Welt.» Mit Eleonore Freys Prosa gehen wir immer tiefer in diesen Wald, der uns an unser Leben erinnert und doch mit jedem Schritt unvertrauter wird, traumhaft wahr und betörend schön.

Patrick Frey ist Autist. In seinen Geschichten erzählt er – ein grosser Freund von Tieren und begeisterter Weltreisender – von Menschen und Tieren, die nichts Geringeres als eigentliche Lebensreisen unternehmen. In der Form von Märchen und Sagen erzählt Patrick Frey von seinen Lebenserfahrungen und seinem Umgang mit Versuchungen, Illusionen, Täuschungen und dem, was Menschen glücklich macht. Das Rechte zu erkennen und die Wahrheit zu sagen sind dabei zwei zentrale Motive seines Schreibens. Patrick Frey, geboren 1969 in Paris, lebt in Bern und arbeitet in Köniz als Gärtner. Er ist der Sohn von Eleonore und Hans-Jost Frey.

ISBN 978-3-906050-07-2 Gebunden, Schutzumschlag 18,5 x 12 cm, 128 Seiten Euro 19,90 / sFr. sFr. 29.-

ISBN 978-3-906050-34-8 Gebunden, Schutzumschlag 18,5 x 12 cm, 80 Seiten Euro 19,- / sFr. 25.-

Patrick Frey sucht das Glück. «Sobald es wärmer wurde, zog er aus und begab sich auf die Walz, ähnlich wie früher die Wandergesellen. Doch er wollte nicht wie diese Erfahrung in seinem Beruf sammeln, sondern mit Leuten ins Gespräch kommen, erfahren, was sie taten, wie sie ihren Lebensweg gingen. Er stellte sich vor, dass er jeweils einige Zeit bei den Leuten bleiben und ihnen gegen Kost und Logis zur Hand gehen würde. Er suchte das Glück.» Die Figuren in den Geschichten von Patrick Frey haben sich aufgemacht, die Gesellschaft zu verändern, und finden dabei sich selbst. Die Erkenntnis seiner Figuren auf ihrer Lebensreise ist: Änderst Du nicht zuerst Dich selbst, änderst Du nichts. Patrick Frey ist ein feiner Beobachter unserer Zeit und Gesellschaft, und es ist berührend zu lesen, mit welchen klaren moralischen Massstäben er urteilt und nach Lösungen sucht.

ISBN 978-3-906050-09-6 Gebunden, Schutzumschlag 18,5 x 12 cm, 84 Seiten Euro 19,00 / sFr. sFr. 25.-

ISBN 978-3-906050-28-7 Gebunden, Schutzumschlag 18,5 x 12 cm, 88 Seiten Euro 19,- / sFr. 25.-

ISBN 978-3-906050-81-2 Taschenbuch, Neue Sammlung 005 18 x 11,5 cm, 118 Seiten ca. Euro 14,- / sFr. 18.ca. Mai 2021


Werner Hamacher Was zu sagen bleibt

Werner Hamacher Was zu sagen bleibt

Der Band umfasst die beiden (zuvor als roughbooks erschienenen, aber vergriffenen) Texte «Für – die Philologie» und die «95 Thesen zur Philologie». Besonders die «Thesen» haben unter Philologen und Philosophen Diskussionen ausgelöst, die in dem in den USA erschienenen Buch «Give the Word. Responses to Werner Hamachers’s 95 Theses on Philplogy» (University of Nebraska Press) dokumentiert sind. Auf diese Antworten antwortete wiederum Werner Hamacher in seiner bisher auf Deutsch unveröffentlichten Studie «Was zu sagen bleibt», die als Summe seines sprachphilosophischen und philologischen Denkens verstanden werden kann.

Jean Daive W. Erzählung des Gleichgewichts 4 Aus dem Französischen und mit einem Essay von Werner Hamacher

Stephan Broser Flugsand um die Sphinx. Freud mit Freud zu lesen herausgegeben von Werner Hamacher

W ist die Aufschrift auf einem Papier­ bündel und einem Paket, in dem eine störende Schwester, ein stummer Vater, eine entfernte Mutter auf die Post gebracht und verschickt werden, um vom Adressaten – einem Leser – Stück für Stück einverleibt zu werden. W, ein gezahnter Buchstabe, ist sein Biß. W, das Gedicht, ein paranalytischer Parcours, eine Übung in gehemmter Dissoziation, eine stenographische Erzählung von einem, der sich zur Sprache zu bringen versucht und, da er viele ist, nur zu verschiedenen, geteilten und widersprüchlichen Sprachen kommen kann.

ISBN 978-3-906050-49-2 Broschur, Theorie Band 14 22 x 14 cm, 208 Seiten Euro 22,- / sFr. 29.-

ISBN 3-938767-06-1 Gebunden, Schutzumschlag 19,5 x 15,5 cm, 184 Seiten Euro 19,- / sFr. 36.-

Das Wunderbare liegt verstreut in den kanonischen Texten von Freud, überrascht und freigelegt von der Feenfeder des Autor-Lesers. Die Erzählung von Stephan Broser führt uns in ein Wonderland, wo nichts sich von selbst versteht, wo es an jeder Kehre des Textes aufzumerken gilt – und innezuhalten an allen Ecken und Enden der Begrifflichkeit. Das vorliegende Buch stellt das Freudsche Textgefüge vor dessen eigene implizite Fragen. Welche Bewandtnis hat es mit der Kastration, mit dem Ödipuskomplex und seinem Zerschellen – sobald man diese in Berührung bringt mit der Erzählung ihrer eigenen Metaphern – und sobald man mehr als nur eine Sphinx in Betracht zieht. roughbook 009 15,5 x 13,5 cm, 130 Seiten Euro 12,- / sFr. 15.-

Jean Daive

Jean Daive fut bâti / ward gebaut übersetzt von Werner Hamacher

«fut bâti» ist der zweite Gedichtband von Jean Daive. Werner Hamacher hatte ihn 1979/80 übersetzt und dem Suhrkamp Verlag zur Veröffentlichung angeboten, wo bereits «Decimale Blanche», die «Weiße Dezimale» in der Übersetzung von Paul Celan, erschienen war. Suhrkamp lehnte ab. Aus dem Nachlass von Werner Hamacher im Deutschen Literaturarchiv in Marbach herausgegeben von Urs Engeler, zweisprachig Französisch und Deutsch, mit einer Vorbemerkung von Werner Hamacher. «Ward gebaut spannt sich aus in der Perspektive vom Schrei bis zum Satz, siebenmal unterbrochen von sieben Zyklen, bis zum Rück-Schrei von Körper und Erinnerung, der siebenmal versucht, ein Substantiv zu artikulieren, Sprache zu finden.» (Jean Daive) ISBN 978-3-906050-40-9 roughbook 047 15,5 x 13,5 cm, 178 Seiten Euro 18,- / sFr. 21.-

Gedichte aufmerksam wurde. Daives erster Gedichtband, «Décimale blanche» («Weiße Dezimale», 1967), sollte Celans letzte große Übersetzung bleiWas sah, was dachte Paul Celan ben. auf seinen Spaziergängen durch die Straßen von Paris im Mai 68? Was Aus dem Französischen bedeutete ihm das Deutsche und von Anke Baumgartner Deutschland? Wie übersetzte er seine ISBN 978-3-906050-57-7 eigenen Gedichte ins Französische? Taschenbuch, Blacklist 009 Wie schrieb er, womit, wann und wo? 18 x 11,5 cm, 216 Seiten Wie erlebte er die psychiatrische Kli- Euro 14,- / sFr. 17.nik, die Trennung von seiner Frau Gisèle, den Umzug in eine neue Wohnung? Jean Daives Zeugnis macht Celans schwierigen, zunehmend verschatteten Lebensweg lesbar, er begleitet ihn im Gang ihrer Gespräche entlang der in jener Zeit geschriebenen Gedichte. Dabei geht es immer auch um Fragen des Verhältnisses von Sprache und Welt, nicht nur in Bezug auf Übersetzung und Übersetzbarkeit, sondern als Antwort der Literatur auf die Ereignisse des Lebens, auf die grundsätzliche Lesbarkeit oder Unlesbarkeit der Welt. Jean Daives sehr intimer Bericht ist eines der wenigen Lebenszeugnisse zu den späten Jahren von Paul Celan vor dessen Selbsttötung. Die beiden Dichter sind sich Ende der sechziger Jahre begegnet, nachdem Celan auf Daives

Jean Daive Unter der Kuppel Erinnerungen an Paul Celan


Thomas Schestag erlaubt, entlaubt

Thomas Schestag erlaubt, entlaubt

philo:xenia, herausgegeben von Thomas Schestag

Was ist Dichtern zu sagen erlaubt? Was erlauben sie sich? Was überhaupt ist im Umgang mit Sprache weder geboten noch verboten, sondern erlaubt? Und nicht zuletzt: Wer erlaubt (sich) solche Fragen? Wer so fragt, berührt nicht nur die undurchsichtige Herkunft und Ausrichtung poetischer ­Lizenz, sondern setzt ins Niemandsland zwischen Poesie und Recht, zwischen Denken und Dichten, zwischen Sprache und Rechtssprache aus. Der Versuch, solchen Fragen auf den Grund zu gehen und ihren Rechtsgrund freizulegen, nimmt Fühlung mit der Grund- und Bodenlosigkeit des Zugangs zur Sprache, der Sphäre des Rechts, wie der Literatur.

«Alle Sprachen sind Fremdsprachen. Jede angeboren oder anerzogen, Eigen- oder Muttersprache genannte begegnet nicht nur als eine erste Fremdsprache, sondern bleibt als erste fremde zugleich die fremdeste – unheimliche Heimat –, erstbeste Fremde, und Erinnerungsmal (unerinnerbar) der Fremdheit aller Sprachen.» Inhalt: Walter Benjamin, Zur «Lam­ pe» [1932]. Faksimile der Handschrift und Transkription, mit Kommentar zum Entstehungskontext von Davide Giuriato. / Peter Fenves, Niemands Sache. Die Idee der «Res Nullius» und die Suche nach einer Kritik der Gewalt. / Thomas Schestag, Philologische Gedichte. / Philippe Lacoue-Labarthe, Vier Vorträge und ein Nachwort: Phantomphilosophie; Dankrede; Das okzidentale Grauen; Geburt ist Tod; Nachwort.

ISBN 978-3-905591-69-0 Taschenbuch, Neue Sammlung 004 18 x 11,5 cm, 150 Seiten ca. Euro 14,- / sFr. 18.ca. Juni 2021

ISBN 978-3-938767-74-0 Broschur, 22 x 14 cm, 280 Seiten Euro 19,- / sFr. 36.-

Birgit Kempker Catman ist betriebsbereit

Birgit Kempker Catman ist betriebsbereit Die Sammlung catman in drei Heften und drei Bögen

Birgit Kempker schreibt weiter. Über Mutter und Kind, über die Liebe, über Frau sein und Mann. Über Realität. Über Denken, Schreiben und Lesen. Mit Witz, Weisheit, Lust und Zartsinn. Oder in ihren eigenen Worten zu ihrem ersten, endlich wieder erzählenden Buch nach zehn Jahren: «Catman ist Parzifal. Catman ist ein Hybrid. Er wurde hervorgebracht und bringt sich hervor. Maman ist ihm Schutz und Schild. Doch er blüht unter ihrem Dach nicht recht auf und findet keine Frau. Maman stirbt und Catman tritt in ihren Fussstapfen eine Reise nach Indien an. Zunächst schreibt er ihre Tinte alle. Dabei begegnet ihm eine Frau. Er nennt sie Flamingo. Ihr Vater ist frisch in der Herzklinik gegenüber vom Haus seiner Mutter in Bad Segeberg gestorben. Sie wird ihren Vater auf dem Bänkchen vor Catmans Mutterhaus durch die verschiedenen Zonen des Todes begleiten und auf Catman warten. Es dämmert Catman, dass auch er wie Maman Künstler ist, langsam begreift er sein Schicksal. Wir töten

nicht. Wir konsumieren. Dabei hinterlassen wir Häufchen. Manche sind dazu da, diese Häufchen zu kultivieren. So ist Catman. Vielleicht wird er nicht heiraten, aber lieben.» ISBN 978-3-906050-31-7 Geheftet, insgesamt 122 Seiten mit Originalzeichnungen Das Versteck 774 21 x 29,7 cm Euro 38,- / sFr. 48.-


Ulf Stolterfoht

Ulf Stolterfoht fachsprachen I-IX

Ulf Stolterfoht holzrauch über heslach

Ulf Stolterfoht handapparat heslach

Ich veröffentliche diesen ersten Gedichtband von Ulf Stolterfoht zum dritten Mal, weil ich selten mit solchem Wohlgefallen dem befremdlich vertrauten Eigenleben der Sprache gelauscht habe. Es stöbert, steubt, stubbst und stabreimt, so daß ich spüre: Es gibt Zusammenhang, ich selbst bin Fleisch von diesem Fleische, in mir sprießt Sprache genau so. Wie könnte sonst aus all der Sprache, die schon vor mir war und außer mir ist, ich werden? Aus der Begegnung von Fachsprachen der Geologen, Grammatiker, Philosophen und Poeten mit dem eigenen krummen Denken setzt Stolterfoht Gedichte zusammen, deren Schönheit überraschend und deren Witz der Sinn des Unverstandenen ist.

«holzrauch über heslach» ist ein langes, ethnologisches Gedicht. In neun Teilen berichtet es von einem Bezirk im Süden Stuttgarts, wesentlich sprachlich errichtet, seiner Gründung und Besiedlung durch einen Stamm von Katzenartigen, ihren Kämpfen und Ritualen, ihrer Sprache, ihren Drogen und ihrer Musik, bis hin zum Untergang dieser autochthonen Population im Jahre 1979. Es ist daneben ein «quasi-autobiographisches» Gedicht über die gesellschaftlichen und politischen Träume, die fast zur gleichen Zeit in einem anderen Stadtteil Stuttgarts zerplatzten. Vor allem aber, schrecklich zu sagen, ist «holzrauch über heslach» ein Text über andere Texte, dies alles «vor einem mittleren indoeuropäischen Ohr» und unterlegt mit einer Ton­ spur aus John Fahey, Derek Bailey und Captain Beefheart.

«holzrauch über heslach», so hiess «ein langes, ethnologisches Gedicht» über einen Stadtteil in Stuttgart und ein «quasi-autobiographisches Gedicht über gesellschaftliche und ­ politische Träume» von Ulf Stolterfoht. Der «handapparat heslach» versammelt die Quellen und Materialien zu diesem epochalen Werk aus einer untergegangenen Epoche zum Nutzen späterer Stämme.

ISBN 978-3-906050-58-4 Taschenbuch, Blacklist 008 18 x 11,5 cm, 128 Seiten Euro 12,- / sFr 15.-

ISBN 978-3-906050-53-9 Taschenbuch, Blacklist 004 19 x 15 cm, 124 Seiten Euro 15,- / sFr. 18.-

ISBN 978-3-906050-62-1 roughbook 018 15,5 x 13,5 cm, 96 Seiten Euro 12,- / sFr. 14.-

Ulf Stolterfoht und der Lyrikkurs des Literaturinstituts Leipzig präsentieren: Cowboylyrik

«Also, das war so: nach den Leipziger Lyrikseminaren sassen wir freitags immer in der Gaststätte Protzendorf, und irgendwann habe ich erzählt, dass es die Krönung meiner lyrischen Laufbahn bedeutete, wenn ich einmal beim grossen Festival der Cowboy-­ Lyrik in Elko/Nevada auftreten dürfte, mit Jeansjacke, Schnauzbart und Kotletten. Die Studierenden empfanden ähnlich, und so wurde gemeinschaftlich beschlossen, ein Seminar ausschliesslich der Cowboy-Dichtung zu widmen – mit rund fünfzig Lyrik-Volltreffern von Konstantin Ames, Tobias Amslinger, Julia Dathe, Diana Feuerbach, Claudia Gülzow,­ Gregor Guth, Sascha Kokot, Christian Kreis, Sascha Macht, Kerstin Preiwuss, Bertram Reinecke, Gerald Ridder, Eva Roman, Michael Spyra, Katharina Stooss, Mirko Wenig und Choleda Jasdany.» ISBN 978-3-9938767-73-3 roughbook 003 17 x 12 cm, 62 Seiten Euro 8,- / sFr. 14.-

Ulf Stolterfoht Ammengespräche

Ulf Stolterfoht Die 1000 Tage des BRUETERICH

Ulf Stolterfoht spricht mit der Amme: «Im März 1998 erreichte mich ein eigenartiger Brief. Vom ‹Skandal sprechendes Zeugs› war da die Rede, von ‹Ammenlogik› und ‹dialogischer Ausschüttung› sowie von ‹Text massenhaft›, wobei man sich offensichtlich von mir erhoffte, zum weiteren Anwachsen dieser Textmasse beizutragen, und dies zu einem in Aussicht gestellten Zeilenhonorar von ‹DM wenig Geld›. Das klang verlockend.» (Aus dem Vorwort)

1000 Tage lang, vom 10. September 2010 bis 5. Juni 2013, erschien unter der Adresse http://ulfstolterfoht. wordpress.com die linke ­Tageszeitung BRUETERICH TM. Allnächtlich, um genau 00:01h, fanden sich der aktuelle Beitrag und ein liebevoll ausgewähltes Musikstück in den elektronischen Briefkästen der Leser. Unter dem Motto «Und wenn man Sie fragt: Wo haben Sie’s zum ersten Mal gehört? Dann sagen Sie, ganz schlicht, ganz keusch und ganz husch-husch: Auf BRUETERICH TM!» formierten sich so tausend kleine Fünfzeiler zum monumentalen Systemgedicht. Der vorliegende roughbooks-Band dokumentiert das immer weiter ausfransende Textgeschehen erstmals und vollständig auf Papier.

roughbook 010 15,5 x 13,5 cm, 82 Seiten Euro 12,- / sFr. 15.-

978-3-906050-66-9 roughbook 029 15,5 x 13,5 cm, 282 Seiten Euro 18,- / sFr. 24.-


Christian Filips Adalbert von Goldschmidt

Urs Engeler Robert Kelly John Giorno

Robert Kelly Die Sprache von Eden

Die Sprache von Eden ist ein weit ausgreifendes, psychoanalytisches Gedicht. In diesem verdichteten, montierten Gesprächsprotokoll vermischen sich die Stimmen eines Analytikers mit den Stimmen seiner Patienten: Das hochbegabte Kind ­ spricht mit der Stimme des ewig abwesenden Vaters, der die stets verrückte Mutter umgebracht haben soll. Sind wir alle nicht der lebende Beweis für diesen Vorfall? Darüber herrscht einstweilen noch keine Einigkeit. Wir müssen nachdenken. Aber schon nähert sich lärmend der Rasenmäher von Atlantis, die U-Bahn der Toten rattert herein und die große kabbalistische Frage steht im Raum: Wie viele sprechen in jedem Einzelnen von uns? Aus dem Amerikanischen übersetzt von Urs Engeler 978-3-906050-11-9 roughbook 041 15,5 x 13,5 cm, 140 Seiten Euro 12,- / sFr. 15.-

außerdem online und umsonst: Robert Kelly Gewissheiten Die Maximen des Martin Traubenritter Aus dem Amerikanischen übersetzt von Urs Engeler https://indd.adobe.com/view/120 693aa-d3ba-4c6f-9cd5-6feed1e11 f09 Robert Kelly Doors / Türen Aus dem Amerikanischen übersetzt von Urs Engeler http://www.metambesen.org/wpcontent/uploads/2020/08/Doors-_Tu%CC%88ren.pdf Robert Kelly Interview Aus dem Amerikanischen übersetzt von Urs Engeler http://www.engeler.de/robert_kelly _interview.pdf

John Giorno Wichse

John Giornos frühe Gedichte sind Bei­ spiele von found ­poetry: isolier­te­Szenen des amerikani­schen Alp­traums, alltägliche Bericht­­erstattungen aus dem American Book of the Dead. Das lange Gedicht «Cum» von 1970 dehnt das gefundene Material aus und intensiviert es durch seine Wiederholung und Montage in zwei Spalten: Staatliche Gewalt durch Polizei und Armee, die Gegengewalt von revolutionären Kräften und Terroristen, Drogenrausch und Drogenelend, sexuelle Akte und religiöse Riten, Wissenschaft und Science-Fiction, ­ das alles steht mit-, neben- und untereinander, unvermittelt und durch die schiere Gleichzeitigkeit ihrer Gegenwart miteinander verbunden. ­ Es sind grelle Bilder, deren Schockmomente transzendiert werden durch ihre Montage und Wiederholung. Aus dem Amerikanischen übersetzt von Urs Engeler ISBN 978-3-906050-70-6 Das Versteck 227 Broschiert, 56 Seiten Euro 20,- / sFr. 25.-

Christian Filips Der Unsterblichkeitsclown Adalbert Ritter von Goldschmidt (1848-1906) – Ein Dichterkomponist im Wiener Fin de Siècle

«Jeder kennt ihn. Wer ihn das erste Mal sieht, fragt. Und man vergisst ihn nicht wieder. Er fällt auf. Nicht eigentlich so sehr durch die kräftige Schönheit seiner Erscheinung, als vielmehr durch einen besonderen und seltenen Geschmack, der ihr allein gehört, durch eine befremdliche Mischung sonst unverbundener Reize.» So charakterisiert Hermann Bahr 1894 in seinen «Studien zur Kritik der Moderne» den Dichterkomponisten Adalbert von Goldschmidt und erkennt in ihm den Künstlertypus des kommenden Jahrhunderts. Er vereine die «trunkene Kraft der französischen Romantik», die «prasselnde Rakete» des Wiener Salons und den «wilden Zwang faustischer Begierden», wie ihn die Deutschen mögen. Ein Künstler der kommenden Moderne sei dieser Goldschmidt, weil er als «Musiker, Maler, Dichter» die «Sondierung der Künste» zu überwinden suche. Doch kaum war das neue Jahrhundert da und die Moderne angebrochen, schon vergaß man diesen Prophe-

ten der neuen Zeit derart gründlich, dass heute kaum noch Spuren seines Werks zu finden sind. In keinen anderen Komponisten seiner Generation wurden derart hohe Erwartungen gesetzt. Kein anderer wurde mit solchem Spott überschüttet, als übersteigerter Dandy, «Herr Adabei», als «Millionärkomponist» oder «Börsenjude» abgetan. In den letzten sechzig Jahren lässt sich keine Notenedition seiner Musik nachweisen. Keines seiner Stücke ist gegenwärtig in einer öffentlichen Aufführung verfügbar. Und die Musikwissenschaft hat ein Werk, das immerhin über 200 Kompositionen in allen Gattungen umfasst und von Komponisten-Freunden wie Franz Liszt oder Saint-Säens geschätzt wurde, bislang so gut wie gar nicht erforscht. In diesem Buch wird zum ersten Mal der Versuch unternommen, Leben und Werk des Dichterkomponisten zu beschreiben und ihn musikhistorisch und ideengeschichtlich im Kontext des Wiener Fin de Siècle einzuordnen. Dabei erweist sich, dass Goldschmidt nicht einfach ein Wagner-Epigone war, sondern ein genialer Dilettant, ein Zukunftsmusiker ganz eigener Prägung. Er selbst prophezeite seinen Manuskripten, sie seien «dem ewigen S­ chlafe geweiht»,

und bezeichnete sich ironisch als «Unsterblichkeitsclown». In seinem Spätwerk erweist er sich mit seinen «Allegorien der Leere», mit «Buschiaden auf die Meistersinger», mit demolierten Walzern und anonym veröffentlichten Kuckuckseiern als Geistesverwandter von Erik Satie. An seinen jüngeren Freund Arnold Schönberg schreibt Goldschmidt 1904: «An meine Auferstehung glaube ich wahrlich nicht mehr, im übrigen pfeife ich drauf». Dieses Buch lädt dazu ein, Goldschmidts Werke neu zu entdecken und gemeinsam mit ihm auf den Wunsch nach Unsterblichkeit zu pfeifen. ISBN 978-3-906050-61-4 Broschiert, Theorie Band 15 22 x 14 cm, 330 Seiten Euro 24,- / sFr. 29.-


Christian Filips Heiße Fusionen Pier Paolo Pasolini

Christian Filips Heiße Fusionen

Christian Filips Heiße Fusionen, Beta-Album

Gesänge von der Krisis. Abwehrsatz. Act/act. Ad hoc. Mit czene-klappern criselend. Merger und Marter. Von den weltweiten Übernahmen, die nicht nur die Sprachen und ihr Bedeuten erschüttern. Bedenkenträger. Dazwischen etwas irre, etwas zu private Instant Krisen. Jetzt aber! Gedankentanker. Dann wieder Heischesätze, hoffnungsfroh: einfache Schönheiten, die nicht und niemals ausbleiben dürfen. O Welt! O Leben! Mango-Monopol! O, tiefer Schlummer der getroffenen Entscheidung (J.S. Mill).

Zwischen den ersten «Heißen Fusionen» [roughbook 005] und den zweiten «Heißen Fusionen» [roughbook 045] liegen 8 Jahre. 2010 beendete Christian Filips die ersten «Heißen Fusionen» auf ihren letzten beiden Seiten mit dem Versprechen: «Dies ist ein Buch, das sich verändert, von Mal zu Mal. Als ein Kind der digitalen Revolution, die seine Existenz in Frage stellt, übernimmt es sich stets. Wird übernommen.» Und nun wurde es in der Tat übernommen: von einem dubiosen Arkadischen Kollektiv, das sich dazu bekennt, die Erstausgabe vollständig fusioniert und zudem ihren Verfasser in Risikokapital verwandelt zu haben. Das Ergebnis steht im Wort. So tief das lyrische Subjekt in die Kreide geraten ist, es wird seine Schuldigkeit noch lange nicht anerkennen!

roughbook 005 15,5 x 13,5 cm, 76 Seiten vergriffen > Neuausgabe: Christian Filips Heiße Fusionen, Beta-Album ISBN 978-3-906050-45-4 roughbook 045 15,5 x 13,5 cm, 132 Seiten Euro 15,- / sFr. 18.-

ISBN 978-3-906050-45-4 roughbook 045 15,5 x 13,5 cm, 132 Seiten Euro 15,- / sFr. 18.-

Pier Paolo Pasolini Dunckler Enthusiasmo Friulanische Gedichte übersetzt von Christian Filips

Pier Paolo Pasolinis erste Buchveröffentlichung war der Gedicht­ band «Poesie a Casarsa» von 1942, geschrieben in der Sprache des Städtchens Casarsa im Friaul. Pasolinis Liebe galt einer von ihm nie gesprochenen Muttersprache, einer Sprache des Begehrens nach einer anderen, eigenen, vor allem nicht väterlichen und nicht faschistischen Herkunft. In seiner letzten Buchveröffentlichung zu Lebzeiten «La nuova gioventù» von 1975 wiederholt Pasolini seine frühes­ ten Gedichte und erhebt dabei ihre Sprache zur Sprache des Paradieses, zur Sprache des Eros der «bessern Jugent», zur Sprache auch seines poli­ti­schen Kampfes gegen den ­Übergang einer archaischen, agrarischen Ordnung in ein neues, globalisiertes System der Massenkultur. ISBN 978-3-906050-56-0 Taschenbuch, Blacklist 07 19,5 x 15,5 cm, 328 Seiten Euro 22,- / sFr. 29.-

Laura Riding Paul Bogart Christian Prigent

Laura Riding PARA-RIDING Aus dem Englischen übersetzt von Christian Filips und Monika Rinck

Paul Bogaert Der Soft-Slalom Aus dem Flämischen übersetzt von Christian Filips

Christian Prigent Die Seele Aus dem Französischen übersetzt von Christian Filips

Das Jahr der Suppe. Das Atmosphäre im Büro ist angespannt. Namen müssen erdacht werden und die Klimaanlage funktioniert nicht wie sie soll. Im Badeparadies herrscht ein enthusiastisches, ja erregtes Klima, vor allem in den Rutschen. Bis der Bademeister in Schwierigkeiten gerät. Er wird verhört von Ertrunkenen und persönlichen Coaches. Der Bademeister versucht sich zu konzentrieren. Aber das Niveau ist gesackt. Das Böse ist geschehen. In «Der Soft-Slalom» richtet Paul Bogaert den Fokus auf den diplomierten Arbeiter in seiner erhitzten Glocke, der bei jedem kleinen Scheiß auf Abruf von hier nach da sputet, in der «possierlichen Langes-Schöpfnetz-Choreographie».

Prigents Poesie geht auf die Barrikaden gegen das «parler faux» des Massenjargons und fühlt sich dem Prinzip des «trouver la langue» im Sinne Rimbauds verpflichtet. Eine Sprache, die vorgibt, Welt als konsumierbare Einheit zu entwerfen, ist für Prigent bloß Maskerade. In der Auseinandersetzung mit dem traditionsreichen, historisch stark vorgeprägten Konzept der Seele kettet und verkettet er Diskurse und eröffnet einen poetischen Echoraum, in dem die großen Stimmen vor allem Artauds, Baudelaires und Verlaines rekonstruiert und dekonstruiert werden. Zugleich ist das Buch eine Art seelischer Biographie, wobei die Seele stets eine Artikulation der Sprache selbst zu sein scheint: der Sprache dort, wo sie schweigt, aussteigt, sich nichtet, in die Krise gerät.

Das Reiten und PARA-Reiten hebt an! Auf zum Parforce-Ritt mit Laura (Riding) Jackson (*1901 New York City, †1991 Wabasso). Doch halt, halt, halt ... Da erschallt er auch schon, der böse Widerruf aus Nottinghams Wäldern: Es müsse endlich Schluss sein mit der Poesie! Christian Filips und Monika Rinck haben sich beim Übersetzen und Überschreiben von Laura Ridings Gedichten und Essays zunehmend gefragt, ob sie aufhören sollen mit dem Dichten und sich einfach der hier verheissenen besseren Lebensart widmen. Dabei stellte sich mit der Zeit das Verfahren des PARA-Ridings ein. Das Überschreiben von Texten, die, um wahr zu sein, nicht bleiben durften, wie sie waren. Und vielleicht gerade so wieder das wurden, was sie roughbook 027 nicht mehr zu sein versprachen: Ge- 15,5 x 13,5 cm, 66 Seiten Euro 9,- / sFr. 11.dichte. roughbook 015 15,5 x 13,5 cm, 190 Seiten Euro 12,- / sFr. 15.-

ISBN 978-3-906050-20-1 roughbook 031 15,5 x 13,5 cm, 188 Seiten Euro 15,- / sFr. 18.-


Christian Filips Mitherausgeber der roughbooks seit 2010

Halldór Laxness Halldórsson Ich bin ein Bauer und mein Feld brennt Aus dem Isländischen übersetzt von Christian Filips

Attila József Liste freier Ideen Aus dem Ungarischen übersetzt von Christian Filips und Orsolya Kalász

Die Gewässer Islands sind leergefischt, der Aluminium-Kurs stürzt ins Bodenlose. Die Regierung beschließt, den Dichter Halldór Laxness Halldórsson, Enkel des Nobelpreisträgers Halldór Laxness, zu verstaatlichen. Die mit seinen Werken im Ausland erzielten Einnahmen sollen auf lange Sicht die geschwächte Wirtschaft des Landes stabilisieren. Unterstützen auch Sie mit dem Kauf dieses Gedichtbands die angeschlagene Ökonomie des europäischen Nordlichts, der größten kleinsten Insel der Welt. Es ist eine Investition, die sich lohnt. Jedes dieser Gedichte bietet neben Gewalt, Konzepten, Sex, geliebten Vehikeln und Drogen mindestens einen Einfall, der hundert Millionen Euro netto wert ist, wenn er realisiert würde.

«Krepier – Karierte Decke – ich denke – coito ergo sum – ich schwanz-denke, also bist du.» Die am 22. Mai 1936 im Budapester Café Japan entstandene «Liste freier Ideen» ist das Resultat eines radikalen Selbstversuchs, an dem mehrere Persönlichkeiten des ungarischen Dichters Attila József maßgeblich beteiligt waren. Sie beginnt mit einer Schimpfrede auf eine Tischdecke im Kaffeehaus, entledigt sich sogleich des gesicherten cartesianischen Bewusstseins und gibt sich dem regressiven Denken und Reden des Unbewussten hin. So lallt und grunzt die Liste fröhliche Glossolalien, hält dann aber mit einem Mal inne, stellt Überlegungen zur Psychologie der Arbeit und zum Wesen des Geldverkehrs an und reflektiert ihre eigene Prozesshaftigkeit. In unendlichem Regress verzehrt die Liste immer wieder ihre Autorschaft, sich selbst und den Leser, empfängt hier und da auch einen Kaffeehausbesucher, was zu einer kurzen Unterbrechung ihrer Niederschrift führt. Dann nimmt sie ihre obsessive Arbeit

ISBN 978-3-906050-21-8 roughbook 040 15,5 x 13,5 cm, 86 Seiten Euro 13,50 / sFr. 16.-

Alle roughbooks von 000 bis 055, von 2008 bis 2021

wieder auf, flucht über die große An- Hannah Arendt’s Liebste Gedichte strengung, regrediert immer weiter und will zurück in den polymorph Mit diesem schmalen Büchlein, klandestin zu einer Ausstellung für Hanna amourösen Zustand im Mutterleib. Arendt 2006/7 im Literaturhaus Berlin erschienen und von Marie Luise ISBN 978-3-906050-30-0 Knott kompiliert, nahmen die roughroughbook 043 books ihren Anfang. Für Hannah 15,5 x 13,5 cm, 76 Seiten Arendt sind Gedichte Zeugen, auch Euro 15,- / sFr. 18.Freunde. Als Sechsjährige konnte sie Heinrich Heines «Die Grenadiere» auswendig: Ob Brecht, Goethe, Hofmannsthal, Morgenstern oder Rilke – in allen Lebenslagen haben Gedichte sie begleitet: Als sie 1950 Heidegger nach über zwanzig Jahren wiedersah, zitierte sie aus Goethes «Diwan». 1952, bei der Fahrt über den Gotthard, kam ihr Hofmannsthals «Reiselied» in den Sinn. Als ihr Mann Heinrich Blücher starb, notierte sie drei Verse aus Brechts «Ballade vom Mazeppa» in ihr Denktagebuch. Die vorliegende kleine Sammlung bietet einen Ausschnitt aus dieser «gemeinsamen Gegenwart» (Char), die mit jedem Hören und Lesen eines Gedichtes neu beginnt. roughbook 000 18 x 12 cm, 64 Seiten vergriffen

Tim Turnbull Es lebt!

Michael Stauffer Soforthilfe

Tim Turnbull, geboren und aufgewachsen in North Yorkshire, arbeitete im Forstwesen und sang in diversen Punk-, Ska- und Industrialbands, bevor er sich der Dichtung zuwandte. Seit 1994 slamt, liest und performt er seine Gedichte, die in drei schmalen Büchern gesammelt erschienen sind. Turnbull macht keinen Unterschied zwischen Schreiben «for stage or page». Für seine Auftritte ist er 2006 mit dem neu ausgelobten Arts Foundation’s Performance Poetry Fellowship ausgezeichnet worden. Erste deutsche Übersetzungen entstanden 2004 für «Poesie der Nachbarn». Mit «Es lebt!» haben die deutschen Dichter Norbert Hummelt, Birgit Kempker, Norbert Lange, Ulf Stolterfoht, Hans Thill und Jan Wagner das gesamte Œuvre von Tim Turnbull übersetzt.

Dies ist ein Buch zur Beruhigung. Dass es auch anderen so geht. Dies ist ein Buch zur Ermutigung, dass auch andere so sind. Es ist ein tröstliches Buch über kleine Sachen, die normal seltsam sind. (Urs Engeler) Der Empfänger verweigert die Annahmen, so ging es mir zuerst mit diesem Buch. Mit der Zeit stellte sich aber ein Mögen, sogar ein Gernhaben ein. So in der Art: Man hat einen geistig behinderten Hund, und man getraut sich nicht, diesen Hund an öffentliche Anlässe mitzunehmen. Es ist nicht die Größe des Hundes, sondern das Verhalten des Hundes, das einen zögern lässt, den Hund mitzunehmen. Schließlich empfindet man den geistig behinderten Hund als idealen Spielgefährten, den man überallhin mitnehmen kann. (Peter Stamm) Das kompakteste und umfassendste Buch für Schule, Beruf und Weiterbildung. (Daniel de Roulet)

ISBN 978-3-9938767-58-0 roughbook 001 17 x 12 cm, 184 Seiten Euro 12,- / sFr. 19.-

ISBN 978-3-9938767-64-1 roughbook 002 15,5 x 13,5 cm, 128 Seiten Euro 12,- / sFr. 19.-


«Unrasierte Gäste, rebellisch, unerschrocken und deshalb hochinteressant.»

Ulf Stolterfoht und der Lyrikkurs des Literaturinstituts Leipzig präsentieren: Cowboylyrik

«Also, das war so: nach den Leipziger Lyrikseminaren sassen wir freitags immer in der Gaststätte Protzendorf, und irgendwann habe ich erzählt, dass es die Krönung meiner lyrischen Laufbahn bedeutete, wenn ich einmal beim grossen Festival der Cowboy-Lyrik in Elko/Nevada auftreten dürfte, mit Jeansjacke, Schnauzbart und Kotletten. Die Studierenden empfanden ähnlich, und so wurde gemeinschaftlich beschlossen, im Wintersemester 2008/09 ein Seminar ausschliesslich der Cowboy-Dichtung zu widmen. Nun stellte sich schnell heraus, dass uns die entsprechenden Gedichte zwar einigermassen leicht von der Hand gingen, die übrigen Bewerbungsanforderungen für Elko unsere Möglichkeiten aber weit überstiegen: Wir hätten die Gedichte übersetzen und auf CD brennen lassen müssen, darüber hinaus wäre es erforderlich gewesen, auf einem separaten Blatt unsere besondere Beziehung zum Ranching und Cowboying offenzulegen. Statt nun jedoch zu kapitulieren, reifte der Plan einer umfassenden Dokumentation unserer Bemühungen in Buchform – und zack, hier ist er

schon: ein kugelsicherer Leseknaller mit rund fünfzig Lyrik-Volltreffern von Konstantin Ames, Tobias Amslinger, Julia Dathe, Diana Feuerbach, Claudia Gülzow, Gregor Guth, Sascha Kokot, Christian Kreis, Sascha Macht, Kerstin Preiwuss, Bertram Reinecke, Gerald Ridder, Eva Roman, Michael Spyra, Katharina Stooss, Mirko Wenig und Choleda Jasdany.» ISBN 978-3-9938767-73-3 roughbook 003 17 x 12 cm, 62 Seiten Euro 8,- / sFr. 14.-

Werner Hamacher Für – Die Philologie

Christian Filips Heiße Fusionen

Elke Erb Meins

Es gibt einen anti-philologischen Affekt. Unter den Geisteswissenschaften gilt die Philologie zunehmend als das kleinliche, immer etwas verkniffen betriebene, weltfremde und im Zweifelsfall weltfeindliche Geschäft von Spezialisten, die sich anmassen, als Disziplin auszuüben, worin jeder, der lesen kann, selbstverständlich ein Meister sein sollte.

Gesänge von der Krisis. Abwehrsatz. Act/act. Ad hoc. Mit czene-klappern criselend. Merger und Marter. Von den weltweiten Übernahmen, die nicht nur die Sprachen und ihr Bedeuten erschüttern. Bedenkenträger. Dazwischen etwas irre, etwas zu private Instant Krisen. Jetzt aber! Gedankentanker. Dann wieder Heischesätze, hoffnungsfroh: einfache Schönheiten, die nicht und niemals ausbleiben dürfen. O Welt! O Leben! Mango-Monopol! O, tiefer Schlummer der getroffenen Entscheidung (J.S. Mill).

«... wie ja wieder vorhin, als nach der Undeutlichkeit / ein prall sichtbares kieselnarbiges Stück Landweg mir / vorkam, // also muß ich doch, Fazit, kann ich auch denken: / das außen Sichtbare, – nein: es zu sehen, trügt, // – oder ist halt, was es ist – so nicht Meins, / wie es mir guttut / schöntut, doch: gefällt, // sondern nur insgesamt Meins: das da – mit dem, was fehlt.»

ISBN 978-3-9938767-75-7 roughbook 004 17 x 12 cm, 94 Seiten vergriffen > Neuausgabe: Werner Hamacher Was zu sagen bleibt ISBN 978-3-906050-49-2 Broschiert, Theorie Band 14 22 x 14 cm, 208 Seiten Euro 22,- / sFr. 29.-

roughbook 005 15,5 x 13,5 cm, 76 Seiten vergriffen > Neuausgabe: Christian Filips Heiße Fusionen, Beta-Album ISBN 978-3-906050-45-4 roughbook 045 15,5 x 13,5 cm, 76 Seiten Euro 12,- / sFr. 15.-

roughbook 006 15,5 x 13,5 cm, 140 Seiten vergriffen > Neuausgabe:

Die drei roughbooks 006 [«Meins», Juni 2010], 028 [«Das Hündle kam weiter auf drein», Juni 2013] und 032 [«Sonnenklar», Februar 2015] von Elke Erb in einem roughbook-Sonderband, herausgegeben von Urs Engeler und Christian Filips zum 80. Geburtstag von Elke Erb am 18. Februar 2018. Elke Erb Sonnenklar Meins, das Hündle kam weiter auf drein ISBN 978-3-906050-38-6 roughbooks 006/28/32 15,5 x 13,5 cm, 296 Seiten Euro 17,- / sFr. 20.-

Dt.-Dt.-Übersetzungswerkstatt

Die nicht ausschöpfbare Vielfalt der Wörter und Silben und ihrer Verbindungen ist die Quelle für das, was Dichter machen, wenn sie dichten: Sie machen das Wort besonders, sie machen es eigen, sie machen es eigensinnig. Gedichte sind eigensinniges Sprechen; sie laden uns ein, diesem Eigensinn zu folgen. Die Einladung der Deutsch-Deutschen-Übersetzungs­ werkstatt potenziert den poetischen Eigensinn durch eine überraschende Versuchsanordnung: Sie lädt jeweils zwei Dichter dazu ein, den Eigensinn des andern in den eigenen anderen Sinn, in das eigene Sprechen, in das eigene Dichten und Trachten zu überführen. Die Paarungen sind: Urs Allemann und Sabina Naef, Christoph W. Bauer und Christian Uetz, Oswald Egger und Barbara Hundegger, Elke Erb und Raphael Urweider, Ulf Stolterfoht und Peter Waterhouse, Anja Utler und Jan Wagner. roughbook 007 15,5 x 13,5 cm, 250 Seiten vergriffen


«Eigensinn und Improvisationskunst: roughbooks erprobt innovative Modelle für die Publikation von Lyrik.»

Werner Hamacher 95 Thesen zur Philologie

Stephan Broser Flugsand um die Sphinx Freud mit Freud zu lesen herausgegeben von Werner Hamacher

Zuerst als Fortsetzung im roughblog (https://roughbooks.wordpress. com) erschienen, dann in stark veränderter Das Wunderbare liegt verstreut in Fassung als roughbook 008. den kanonischen Texten von Freud, überrascht und freigelegt von der roughbook 008 Feenfeder des Autor-Lesers. Die Er15,5 x 13,5 cm, 106 Seiten zählung von Stephan Broser führt uns vergriffen > Neuausgabe: in ein Wonderland, wo nichts sich von selbst versteht, wo es an jeder Kehre Werner Hamacher des Textes aufzumerken gilt – und inWas zu sagen bleibt nezuhalten an allen Ecken und Enden ISBN 978-3-906050-49-2 der Begrifflichkeit. Das vorliegende Broschiert Buch stellt das Freudsche Textgefüge 22 x 14 cm, 208 Seiten vor dessen eigene implizite Fragen. Euro 22,- / sFr. 29.Welche Bewandtnis hat es mit der Kastration, mit dem Ödipuskomplex und seinem Zerschellen – sobald man diese in Berührung bringt mit der Erzählung ihrer eigenen Metaphern – und sobald man mehr als nur eine Sphinx in Betracht zieht. roughbook 009 15,5 x 13,5 cm, 130 Seiten Euro 12,- / sFr. 15.-

Ulf Stolterfoht Ammengespräche

Konstantin Ames Alsohäute

Mechthild von Magdeburg: Je tiefer ich sinke, je süsser ich trinke

Deins 31 Reaktionen auf Elke Erb

Ulf Stolterfoht spricht mit der Amme: «Im März 1998 erreichte mich ein eigenartiger Brief. Vom «Skandal sprechendes Zeugs» war da die Rede, von «Ammenlogik» und «dialogischer Ausschüttung» sowie von Text massenhaft», wobei man sich offensichtlich von mir erhoffte, zum weiteren Anwachsen dieser Textmasse beizutragen, und dies zu einem in Aussicht gestellten Zeilenhonorar von «DM wenig Geld». Das klang verlockend.» (Aus dem Vorwort)

Zwei hellbeige Würmchen auf der linken Hand. Eines der b­ eiden frisst sich in Höhe eines tieferen Zeigfingerknöchels unter die Haut. Das Fleisch quillt. Kein Schmerz. Ich wache auf. Es ist 7:24 h am 15.3. Also noch 15 Tage vor 29 Jahren; oder 16 vor 94.

Im Mittelpunkt dieses Buches stehen die Begine Mechthild, genannt von Magdeburg (ca. 1208–1282), und ihr Buch «Das fliessende Licht der Gottheit». Kommt das mystische Werk der ersten Frau, die in deutscher Sprache dichtete, bei heutigen Lesern noch an? Poe­ tische Annäherungen von Franz Josef Czernin, Oswald Egger, Werner Frisch, Barbara Köhler und Monika Rinck, herausgegeben von Mechthild Rausch.

Elke Erb hat den Preis der Literaturhäuser 2011 gewonnen. Wir gratu­lieren ihr mit einem Lesebuch, das 31 Lektüren zu Texten von Elke Erb versammelt. Mit Beiträgen von ­Tobias Amslinger, Nora Bossong, Ann ­Cotten, Ulrike Draesner, ­ Peter E ­nzinger, Christian Filips, ­ ­ Claudia Gabler, Guido Graf, Annett Gröschner, ­ Martina Hefter, Norbert H ­ ummelt, Jayne-Ann Igel, B ­irgit Kempker, Barbara Köhler, ­Ursula ­Krechel, Jan Kuhlbrodt, Bert ­ Papenfuß, Steffen Popp, Kerstin ­Preiwuß, Ilma Rakusa, Bertram Reinecke, M ­ onika Rinck, Thomas Schestag, ­Ulrich ­Schlotmann, Tom Schulz, Daniela Seel, Christian Steinbacher, Hans Thill, Raphael Urweider, Ernest Wichner, Uljana ­ Wolf, herausgegeben von Urs Engeler und Christian Filips.

roughbook 010 15,5 x 13,5 cm, 82 Seiten Euro 12,- / sFr. 15.-

ISBN 978-3-906050-85-0 roughbook 011 15,5 x 13,5 cm, 58 Seiten Euro 8,- / sFr. 10.-

roughbook 012 15,5 x 13,5 cm, 116 Seiten Euro 12,- / sFr. 15.-

roughbook 013 15,5 x 13,5 cm, 152 Seiten vergriffen


Robert Kelly Die Skorpione

Laura Riding, PARA-RIDING

H.D.: Denken und Schauen : Fragmente der Sappho

Luzius Keller Quarta lingua quadrophon

Ulf Stolterfoht handapparat heslach

Als «intelligent, menschenähnlich und nur bei kurzwelligem ultraviolettem Licht sichtbar» schildert Mrs Eulalie Prentergest ihrem Psychiater die «Skorpione» genannten Wesen, von denen sie sich bedrängt fühlt. Eine rätselhafte Botschaft bringt den Arzt und Ich-Erzähler des ­Romans, eine abenteuerliche Mischung aus James Bond, Timothy Leary und Hugh Hefner, dazu, mit seinem Rolls Royce nach Florida aufzubrechen, um der Sache auf den Grund zu gehen. Im Rahmen einer klassischen «road ­novel» wird er vom Suchenden zum Gesuchten, auf den Spuren der Phantasmen seiner Patientin bald eingeholt von einer ebenso genüsslich wie cool zelebrierten Paranoia.

Das Reiten und PARA-Reiten hebt an! Auf zum Parforce-Ritt mit Laura (Riding) Jackson (*1901 New York City, †1991 Wabasso). Doch halt, halt, halt ... Da erschallt er auch schon, der böse Widerruf aus Nottinghams Wäldern: Es müsse endlich Schluss sein mit der Poesie! Christian Filips und Monika Rinck haben sich beim Übersetzen und Überschreiben von Laura Ridings Gedichten und Essays zunehmend gefragt, ob sie aufhören sollen mit dem Dichten und sich einfach der hier verheissenen besseren Lebensart widmen. Dabei stellte sich mit der Zeit das Verfahren des PARA-Ridings ein. Das Überschreiben von Texten, die, um wahr zu sein, nicht bleiben durften, wie sie waren. Und vielleicht gerade so wieder das wurden, was sie nicht mehr zu sein versprachen: Gedichte.

Der Band zeugt von der intensiven Beschäftigung der Autorin H.D. mit der Gestalt der Sappho, in die sie selbst sich einzuleben begonnen hat und der sie ihr ganzes eigenes Werk zuschreiben wird. Er besteht aus der Notizensammlung «Notes on Thought and Vision» von 1919, dem Essay «The Island. Fragments of Sappho» von 1920 und einer Reihe von Gedichten aus der Gedichtsammlung «Heliodora and Other Poems» von 1924. In ihren Aufzeichnungen versucht H.D. sich klarzumachen, was sie unter künstlerischer Arbeit versteht. Was geht dabei eigentlich in ihrem Kopf – und in ihrem Körper – vor sich? Denken und Schauen: ist es Inspiration oder harte Gehirnarbeit? Ist es eine Weise, eine Kunst des Wahrnehmens? Ist es Liebe? Ist es für Frauen leichter als für Männer? Wo und wie kommt der Körper ins Spiel?

Vier Miniaturen zu vier rätoromanischen Gedichten von Andri Peer («Furnatsch»), Luisa Famos («Il rudè» und «Lügl a Ramosch»), Vic Hendry («anemona alva») und deren Übersetzung ins Deutsche, Französische und Italie­nische.

«holzrauch über heslach», so hiess «ein langes, ethnologisches Gedicht» über einen Stadtteil in Stuttgart und ein «quasi-autobiographisches Gedicht über gesellschaftliche und ­ politische Träume» von Ulf Stolterfoht. Der «handapparat heslach» versammelt die Quellen und Materialien zu diesem epochalen Werk aus einer untergegangenen Epoche zum Nutzen späterer Stämme.

Aus dem Amerikanischen übersetzt von Lorenz Oehler roughbook 014 15,5 x 13,5 cm, 170 Seiten Euro 12,- / sFr. 15.-

Aus dem Englischen übersetzt von Christian Filips und Monika Rinck roughbook 015 15,5 x 13,5 cm, 190 Seiten Euro 12,- / sFr. 15.-

Aus dem Amerikanischen übersetzt von Günter Plessow roughbook 016 15,5 x 13,5 cm, 120 Seiten Euro 15,- / sFr. 18.-

roughbook 017 15,5 x 13,5 cm, 62 Seiten vergriffen

ISBN 978-3-906050-62-1 roughbook 018 15,5 x 13,5 cm, 96 Seiten Euro 12,- / sFr. 14.-

Bertram Reinecke Sleutel voor de hoogduitsche Spraakkunst

Gemeinsam ist den Gedichten dieses Bandes, dass sie alle fremde Textquellen verwenden. Ein Grossteil sind Centos. Bei diesem Verfahren werden Texte vollständig aus ganzen Zeilen fremder Texte zusammengesetzt. Dieses Verfahren war von der ­Antike bis zu Conrad Celtis in der ­lateinischen Lyrik im Gebrauch, geriet danach aber etwas in Vergessenheit. Im Kontext der Ästhetik der Moderne mit ihren Cut-up und Montagetechniken gewinnt es jedoch wieder an Aktualität. Die Spannweite der Quellen reicht von der Antike, von mittelalterliche Urkunden, gelehrten Traktaten der Renaissance- und Barockzeit über ­Sprachlehrbücher­ und vergessene Dramen des 19. und frühen 20. Jahrhunderts bis zu Gedichten der Gegenwart. ISBN 978-3-906050-87-4 roughbook 019 15,5 x 13,5 cm, 84 Seiten Euro 12,- / sFr. 15.-


«Das ist typisch für die von Urs Engeler und Christian Filips herausgegebene roughbooks-Reihe mit dem handlichen, beinahe quadratischen Format,

Wolfgang Schlenker doktor zeit

Der Dichter und Übersetzer Wolfgang Schlenker ist im September 2011 in Müncheberg bei Berlin aus dem Leben geschieden. Ich habe zwei Bücher mit Wolfgang Schlenker gemacht, 2000 ­ seinen Gedicht­ band «nachtwächters morgen», und kurz darauf seine Übersetzung von Gedichten von Emily Dickinson, «Biene und Klee». 2008 haben wir begonnen, über ein weiteres Buch mit Gedichten zu sprechen, das ich dann aber nicht mehr machen wollte, weil ich schon damals spürte, dass mein Verlag Urs Engeler Editor es nicht mehr lange würde machen können. Jetzt ist Wolfgang Schlenker tot, und ich lebe mit den roughbooks weiter. Ich veröffentliche die beiden Zyklen, die mir Wolfgang Schlenker damals als Teil eines neuen Gedichtbandes «doktor zeit» gezeigt hat, unter diesem Titel als roughbook 020 im Frühling 2012. roughbook 020 15,5 x 13,5 cm, 56 Seiten vergriffen

Bruno Steiger Der Trick mit dem Sprung aus dem Stuhl

Howard Phillips Lovecraft und Schuldt, Anita Ekberg und Lars Gustafsson erweist der Autor in seinen Prosameditationen ebenso die Reverenz wie dem Clown Adrian Wettach («Grock») und dem (fiktiven) Gitarristen Viktor Ullmer. Nebst Gedichten und einem umfänglichen Romanfragment vermittelt ein provisorisches Destillat aus den derzeit entstehenden «Letzten Notizen» weitere Einblicke in Steigers Ansatz eines «kritischen» Schreibens, in welchem Literatur als Grenzphänomen zur Geltung kommen soll: als Spiel zwischen den diffusen Realien von Welt und Entwurf. roughbook 021 15,5 x 13,5 cm, 198 Seiten Euro 15,- / sFr. 18.-

Chris Bezzel isolde und tristan

Nicolas Pesquès Die Nordseite des Juliau

Konstantin Ames sTiL.e(ins) Art und Weltwaisen

Øyvind Rimbereid prostym nozhom

Zur DNA der deutschen Literaturavantgarde gehört Chris Bezzel: «bezzel / wie berta emil zeppelin zeppelin emil ludwig. / berta wie die dicke berta. / emil wie emil und die detektive. / zeppelin wie zeppelin. / zeppelin wie luftschiff. / emil wie emil ludwig. / ludwig wie ludwig van beethoven.» Bezzel gehörte zu den Lektoren des Lektorenaufstandes im Suhrkamp Verlag, er war Mitglied des Bielefelder colloquium neue poesie und Professor für Linguistik in Hannover. Sein Buch «Kerbtierfesser» ist legendär. roughbook 022 bringt unveröffentlichte Texte aus nahezu 35 Jahren: Gedichte und Prosa, Isolde und Tristan, Quark und Kunst, feingeistig und unflätig, obskur und obszön.

Warum hat Cézanne immer w ­ ieder denselben Berg gemalt? Die Frage bringt Pesquès dazu, selbst ein ähn­ liches Projekt zu starten. D ­ ie Bücher, die Nicolas Pesquès der bescheidenen Erhebung Juliau im Ardèche-Gebirge ge­ ­ widmet hat, bilden einen Erfahrungsraum, in dem wir die instabile Verbindung zwischen Worten und Objekten ausloten können. Die Veränderlichkeit des Objekts, des erfahrenden Menschen, die unterschiedlichen Spiele, die die Sprache bietet, werden immer wieder noch einen Anlauf nötig machen. Immer wieder wird der Berg durch Sprache ausradiert, wird nicht in Sprache erschaffen, entzieht sich der Erfassung. Und so wird das Juliau-Projekt zu einem, in dem der Schreiber das Schreiben und den Schreiber selbst untersucht, das Gebrauchen der Sprache, ihre Eigendynamik, ihre Eigenkräfte.

Ames zweiter Gedichtband. Stilblüten. Stilblut für Tittentinte. Tittentinte als Pornographieallegorie. «Totale Tinte» als Titel für eine Polemik. «Ames» für einen Künstlernamen halten. Ames heißen und deswegen nach Ames/Iowa reisen. Auf Stilblüten warten, während alles unter dem Titel «Stilblüten» steht. Es wovon wimmeln lassen, weil es stabt. Es gibt zu wenige zu wendige Kinder in diesem Land. Es gibt zu viele, die Selbstbewusstsein auf ihren Nachwuchs baun. Es gibt zu viele, die Gedichte schreiben. Es gibt zu viele, die auf ihren einen Stil ihr Selbstbewusstsein baun. Armselig die, die nur eines Stiles sind! Es muss möglich sein, projektiv zu dichten, ohne ein poeta vates sein zu müssen. Stil könnte eine Eierschale sein. Und dann wäre es erlaubt anzuklopfen.

Als Bert Papenfuß das lange Gedicht «Solaris korrigiert» des Norwegers Øyvind Rimbereid zur Übersetzung vorschlug, brannte im Golf von Mexiko gerade eine Ölplattform. Fast 36 Monate später hat er Rimbereids Synthese aus Stavanger-Dialekt, Lowland Scots, Englisch, Niederländisch und Dänisch, gemischt mit Formen der Altnordischen Sprache, diesen «sprachlichen Zirkel um Ekofisk», in eine Mixtur aus Pommersch Platt, Russisch, Polnisch, Kaschubisch und Mittelhochdeutsch transportiert: Der glückliche Fall der Übersetzung einer synthetischen Nordseesprache in eine utopische Ostseesprache, die im Feuerschein des Originals lesbar wird.

roughbook 022 15,5 x 13,5 cm, 88 Seiten Euro 10,- / sFr. 12.-

Aus dem Französischen übersetzt von Lisa Spalt roughbook 023 15,5 x 13,5 cm, 58 Seiten Euro 9,- / sFr. 11.-

ISBN 978-3-906050-86-7 roughbook 024 15,5 x 13,5 cm, 114 Seiten Euro 14,- / sFr. 17.-

Aus dem Norwegischen übersetzt von Tone Avenstroup und Bert Papenfuß roughbook 025 15,5 x 13,5 cm, 158 Seiten Euro 15,- / sFr. 18.-


und der schlichten großen Schrift: Lyrik schwarz auf weiß, einfach und unumwunden. Hier bekommt man nur das, was draufsteht. Das ist bei Gedichten,

Dagmara Kraus kleine grammaturgie

Paul Bogaert Der Soft-Slalom

Elke Erb Das Hündle kam weiter auf drein

Ulf Stolterfoht Die 1000 Tage des BRUETERICH

In diesem Gedichtband steigt Dagmara Kraus in eine Quelle, die selten für Gedichte genutzt wird: die munter sprudelnden Plansprachen, wie sie immer wieder erfunden werden, dem polyglotten Chaos in einer Zunge zu antworten. Vier dieser Plansprachen begegnen uns namentlich: «Myrana» von Josef Stempfl, «Volapük» von Johann Martin Schleyer, etwas un­ ausgegorenes «Tcatcalaqwilizi» und vor allem «Langue bleue», nach ihrem Erfinder Léon Bollack auch «Bolak» genannt. Dessen Wunsch war, dass ­Bücher in Langue bleue in blauer Farbe gedruckt werden – den Wunsch haben wir ihm zumindest für Gedichte in Langue bleue erfüllt.

Das Jahr der Suppe. Das Atmosphäre im Büro ist angespannt. Namen müssen erdacht werden und die Klimaanlage funktioniert nicht wie sie soll. Im Badeparadies herrscht ein enthusiastisches, ja erregtes Klima, vor allem in den Rutschen. Bis der Bademeister in Schwierigkeiten gerät. Er wird verhört von Ertrunkenen und persönlichen Coaches. Der Bademeister versucht sich zu konzentrieren. Aber das Niveau ist gesackt. Das Böse ist geschehen. In «Der Soft-Slalom» richtet Paul Bogaert den Fokus auf den diplomierten Arbeiter in seiner erhitzten Glocke, der bei jedem kleinen Scheiß auf Abruf von hier nach da sputet, in der «possierlichen Langes-Schöpfnetz-Choreographie».

Die neue Sammlung von Texten umfasst die Jahre 2005 bis 2012. Sie erscheint aus Anlass der Verleihung des Ernst-Jandl-Preises für Lyrik an Elke Erb.

1000 Tage lang, vom 10. September 2010 bis 5. Juni 2013, erschien unter der Adresse http://ulfstolterfoht. wordpress.com die linke ­Tageszeitung BRUETERICH TM. Allnächtlich, um genau 00:01h, fanden sich der aktuelle Beitrag und ein liebevoll ausgewähltes Musikstück in den elektronischen Briefkästen der Leser. Unter dem Motto «Und wenn man Sie fragt: Wo haben Sie’s zum ersten Mal gehört? Dann sagen Sie, ganz schlicht, ganz keusch und ganz husch-husch: Auf BRUETERICH TM!» formierten sich so tausend kleine Fünfzeiler zum monumentalen Systemgedicht. Der vorliegende roughbooks-Band dokumentiert das immer weiter ausfransende Textgeschehen erstmals und vollständig auf Papier.

978-3-906050-29-4 roughbook 026 15,5 x 13,5 cm, 66 Seiten Euro 15,- / sFr. 18.-

Aus dem Flämischen übersetzt von Christian Filips roughbook 027 15,5 x 13,5 cm, 66 Seiten Euro 9,- / sFr. 11.-

roughbook 028 15,5 x 13,5 cm, 62 Seiten vergriffen > Neuausgabe:

Die drei roughbooks 006 [«Meins», Juni 2010], 028 [«Das Hündle kam weiter auf drein», Juni 2013] und 032 [«Sonnenklar», Februar 2015] von Elke Erb in einem roughbook-Sonderband, herausgegeben von Urs ­Engeler und Christian Filips zum 80. Geburtstag von Elke Erb am 18. Februar 2018. Elke Erb Sonnenklar Meins, das Hündle kam weiter auf drein ISBN 978-3-906050-38-6 roughbooks 006/28/32 15,5 x 13,5 cm, 296 Seiten Euro 17,- / sFr. 20.-

978-3-906050-66-9 roughbook 029 15,5 x 13,5 cm, 282 Seiten Euro 18,- / sFr. 24.-

Hans-Jost Frey und Franz Josef Czernin Sätze

Hans-Jost Frey und Franz Josef Czernin sind seit langer Zeit im freundschaftlichen Gespräch miteinander verbunden, im vertrauten unter vier Augen und im schriftlich geführten, von dem das Buch «Briefe zu Gedichten» zeugte. Die Sätze, die hier vorliegen, haben sie sich in den vergangenen Jahren zugeworfen, mit keiner andern Absicht, als ihren unendlichen Text in Bewegung zu halten und voranzutreiben. roughbook 030 15,5 x 13,5 cm, 132 Seiten Euro 15,- / sFr. 18.-

Christian Prigent Die Seele

Prigents Poesie geht auf die Barrikaden gegen das «parler faux» des Massenjargons und fühlt sich dem Prinzip des «trouver la langue» im Sinne Rimbauds verpflichtet. Eine Sprache, die vorgibt, Welt als konsumierbare Einheit zu entwerfen, ist für Prigent bloß Maskerade. In der Auseinandersetzung mit dem traditionsreichen, historisch stark vorgeprägten Konzept der Seele kettet und verkettet er Diskurse und eröffnet einen poetischen Echoraum, in dem die großen Stimmen vor allem Artauds, Baudelaires und Verlaines rekonstruiert und dekonstruiert werden. Zugleich ist das Buch eine Art seelischer Biographie, wobei die Seele stets eine Artikulation der Sprache selbst zu sein scheint: der Sprache dort, wo sie schweigt, aussteigt, sich nichtet, in die Krise gerät. Aus dem Französischen übersetzt von Christian Filips ISBN 978-3-906050-20-1 roughbook 031 15,5 x 13,5 cm, 188 Seiten Euro 15,- / sFr. 18.-


wenn es gut läuft, viel mehr als drinsteht.»

Elke Erb Sonnenklar

Rosmarie Waldrop Hölderlin Hybride

Rainer René Mueller POEMES – POETRA

Die neue Sammlung von Texten umfasst zum einen die Jahre 2013 und 2014, andererseits «geholte» Texte von 1968 bis 2012 sowie Reiseaufzeichnungen.

Der Zyklus von Prosagedichten, 2003 erschienen in dem Band «Blindsight», geht aus von Sätzen oder von grammatikalischen Satzmustern von Friedrich Hölderlin, die, nach ihrer Auswanderung in die amerikanische Sprache, durch die Übersetzung von Thomas Schestag wieder ihren Weg zurück in die deutsche Sprache finden.

«Anfang der achtziger Jahre schien Rainer René Mueller dabei zu sein, als junger Dichter im Literaturbetrieb zu reüssieren [...] Auf die günstige Ausgangssituation folgte dann aber, was äußere Erfolge angeht, nicht viel. Rainer René Muellers poetische Position, die Errungenschaften Celans aufgreift und weiter entwickelt, sein Arbeiten mit einer querliegenden, stockenden Sprache drang nicht durch, seine Stimme schien verloren zu gehen und kaum jemanden gestreift zu haben. Mir war sie wichtig, sie ist mir wichtig geblieben», schreibt der Herausgeber Dieter M. Gräf in seinem Nachwort zu den Gedichten von Rainer René Mueller, die dieser aus seinem Gesamtwerk als seine wichtigsten ausgewählt hat.

roughbook 032 15,5 x 13,5 cm, 60 Seiten vergriffen > Neuausgabe: Elke Erb Sonnenklar Meins, das Hündle kam weiter auf drein

Die drei roughbooks 006 [«Meins», Juni 2010], 028 [«Das Hündle kam weiter auf drein», Juni 2013] und 032 [«Sonnenklar», Februar 2015] von Elke Erb in einem roughbook-Sonderband, herausgegeben von Urs ­Engeler und Christian Filips zum 80. Geburtstag von Elke Erb am 18. Februar 2018. ISBN 978-3-906050-38-6 roughbooks 006/28/32 15,5 x 13,5 cm, 296 Seiten Euro 17,- / sFr. 20.-

Aus dem Amerikanischen übersetzt von Thomas Schestag ISBN 978-3-906050-47-8 roughbook 033 15,5 x 13,5 cm, 60 Seiten Euro 12,- / sFr. 15.-

978-3-906050-10-2 roughbook 034 15,5 x 13,5 cm, 108 Seiten Euro 14,- / sFr. 17.-

Hans Thill in riso / der dürre Vogel Bin / kälter als / Dunlop

Die Gedichte in Hans Thills neuem Band gehen von Gedichten von Petrarca und von John Donne, von Daniel Heinsius und von Paul Fleming, von Hölderlin und von Trakl u.v.a.m. aus und schreiben diese fort. Indem sie auf die mehr oder minder fremden Sprachen ihrer Vorredner hören, auf ihr Spanisch, Französisch, Englisch, Holländisch, Italienisch und Deutsch, hören sie nicht auf, seltsam schimmernde Schätze aus ihrem Sprachgrund zu heben und in die eigenen Gefilde fortzuschreiben, ganz im Sinne von John Donnes Zeile «And makes one little room an everywhere»: Und mach, dass wir in kleinsten Zimmern richtig / zum Liegen kommen. Ich bin die Stimm, die / durch die Wände kriecht. Ich bin der dürre Vogel … 978-3-906050-12-6 roughbook 035 15,5 x 13,5 cm, 102 Seiten Euro 14,- / sFr. 17.-

Dagmara Kraus wehbuch (undichte prosage)

Erín Moure O Cadoiro

Die Welt ist ein Jammertal – und daraus zieht Dagmara Kraus in ihrem «wehbuch» das grösste Vergnügen. Hier wird nach Kräften gejammert und gewehklagt, dass es eine Lust ist. Es wird geëeklagt und geoimoit. Es wird geotototoit und geïoit und bis nach Sais und Saft el-Hanna gepopaxt. Wir hören «heulematronen» zetern; es trauert «kenet-nasch (zehneinhalb), seit sechzig monden jungstudentin der freien klagekunst bei benetnasch» mit den «marabumimen» um Pharao­ nen. Wir sind im alten Ägypten, wo die Kunst des Klagens das ganze Leben durchweht, und lassen uns in die Welt der Moden führen, nach China, ins pullomantische Rom, durch ein Möbelkaufhaus oder die Bibel, bis das Ganze, angeblasen von zwei Orgelbälge(r)n, in einem einzigen Wehlaut explodiert.

Die Kanadierin Erín Moure begibt sich mit O Cadoiro auf die Spuren der galicischen Troubadourdichtung, die im 13. Jahrhundert mit der Tradition der geistlichen Lieder brach. Diese Dichtung war «an ein menschliches Gegenüber gerichtet, nicht an Gott. Ihr ‹human turn› steht am Beginn der modernen Lyrik, all das Fieberhafte und zugleich Filigrane in der Hinwendung an ein direktes Gegenüber – die Abwendung von Gottes Liebe, ihrer behaupteten endlosen Fülle, hin zu einer säkularen Liebe, die niemals ausreichend sein kann.» Erín Moure schreibt gewissermaßen unter Einfluss, sie schreibt saudade, ihre Gedichte entstehen durch Lektüre anderer Gedichte, sie nähren sich an deren Verlangen nach dem geliebten Anderen.

978-3-906050-13-3 roughbook 036 15,5 x 13,5 cm, 100 Seiten Euro 15,- / sFr. 18.-

Aus dem Erinschen übersetzt von Uljana Wolf ISBN 978-3-906050-23-2 roughbook 037 15,5 x 13,5 cm, 144 Seiten Euro 15,- / sFr. 18.-


H.D. Sea Garden

Rechtzeitig zum 100. Geburtstag dieses Grundbuchs der literarischen Moderne erscheint «Sea Garden» von H.D. in der Übersetzung von Günter Plessow. So eigentümlich, wie im Titel Meer und Garten nebeneinanderstehen, verbindet sich in den Gedichten der jungen H.D. Archaik mit Klassik und Moderne, Mythos mit Naturbeobachtung: das Salz der Seerose blüht. Aus dem Amerikanischen übersetzt von Günter Plessow ISBN 978-3-906050-25-6 roughbooks 038 15,5 x 13,5 cm, 122 Seiten Euro 15,- / sFr. 18.-

Magnus William-Olsson Homullus absconditus [Hypno-Homullus]

Halldór Laxness Halldórsson Ich bin ein Bauer und mein Feld brennt

Etwa zwei Jahre lang stand Monika Rinck immer wieder unter kaum merklicher, methodischer Hypnose. Die Intelligenz eines Hummelschwarms half ihr dabei, in dieser Zeit den Gedichtband «Homullus absconditus» des Dichters Magnus William-Olsson in gleich mehrere Sprachen zu übertragen. Die so entstandenen Übersetzungen, Paraphrasen und Echos gewähren Einblicke in ein schwedisches Zimmer, das man sonst nur betreten kann, wenn man in der Lage ist, sich an mehreren Orten gleichzeitig aufzuhalten. An diesem atopischen Ort versammeln sich der Sozialismus und das Kapital, Lämmermenschen, Penthousesilea, Hieronymus und Augustinus und das unbändige Tier der Libido.

Die Gewässer Islands sind leergefischt, der Aluminium-Kurs stürzt ins Bodenlose. Die Regierung beschließt, den Dichter Halldór Laxness Halldórsson, Enkel des Nobelpreisträgers Halldór Laxness, zu verstaatlichen. Die mit seinen Werken im Ausland erzielten Einnahmen sollen auf lange Sicht die geschwächte Wirtschaft des Landes stabilisieren. Unterstützen auch Sie mit dem Kauf dieses Gedichtbands die angeschlagene Ökonomie des europäischen Nordlichts, der größten kleinsten Insel der Welt. Es ist eine Investition, die sich lohnt. Jedes dieser Gedichte bietet neben Gewalt, Konzepten, Sex, geliebten Vehikeln und Drogen mindestens einen Einfall, der hundert Millionen Euro netto wert ist, wenn er realisiert würde.

Unter Hypnose aus dem Schwedischen übersetzt von Monika Rinck ISBN 978-3-906050-24-9 roughbook 039 15,5 x 13,5 cm, 76 Seiten Euro 13,50 / sFr. 15.-

Aus dem Isländischen übersetzt von Christiánður Filipsson ISBN 978-3-906050-21-8 roughbook 040 15,5 x 13,5 cm, 86 Seiten Euro 13,50 / sFr. 15.-

Robert Kelly Die Sprache von Eden

Mara Genschel Cute Gedanken

Attila József Liste freier Ideen

Die Sprache von Eden ist ein weit ausgreifendes, psychoanalytisches Gedicht. In diesem verdichteten, montierten Gesprächsprotokoll vermischen sich die Stimmen eines Analytikers mit den Stimmen seiner Patienten: Das hochbegabte Kind spricht mit der Stimme des ewig abwesenden Vaters, der die stets verrückte Mutter umgebracht haben soll. Sind wir alle nicht der lebende Beweis für diesen Vorfall? Darüber herrscht einstweilen noch keine Einigkeit. Wir müssen nachdenken. Aber schon nähert sich lärmend der Rasenmäher von Atlantis, die U-Bahn der Toten rattert herein und die große kabbalistische Frage steht im Raum: Wie viele sprechen in jedem Einzelnen von uns?

«Unter +1 319 930 6339 hätte mich», schreibt Mara Genschel zur Entstehung ihres roughbooks, «zwischen dem 20.08. und dem 02.11.2016 tele­ fonisch erreichen können, wer im Bilde gewesen wäre, dass ich das Angebot angenommen hatte, für diesen Zeitraum in der 430 North Clinton Street, Iowa City, IA 52242 (USA) offiziell die deutsche Literatur zu repräsentieren. Mein sehr preiswertes amerikanisches Mobiltelefon blieb allerdings ungenutzt, bis ich entdeckte, dass sich die Lernkurve seiner rustikalen Korrekturfunktion mit meiner Fehlbarkeit sowohl als nationale Repräsentantin wie auch als Akademikerin Amerikanerin auf Zeit aufschlussreich engführen ließ – und das Gerät mich um immer noch eine Peinlichkeit oder Dummheit übertraf.»

Die am 22. Mai 1936 im Budapester Café Japan entstandene «Liste freier Ideen» ist das Resultat eines radikalen Selbstversuchs, an dem mehrere Persönlichkeiten des ungarischen Dichters Attila József maßgeblich beteiligt waren. Sie beginnt mit einer Schimpfrede auf eine Tischdecke im Kaffeehaus, entledigt sich sogleich des gesicherten cartesianischen Bewusstseins und gibt sich dem regressiven Denken und Reden des Unbewussten hin. So lallt und grunzt die Liste fröhliche Glossolalien, stellt Überlegungen zur Psychologie der Arbeit und zum Wesen des Geldverkehrs an und reflektiert ihre eigene Prozesshaftigkeit.

Aus dem Amerikanischen übersetzt von Urs Engeler 978-3-906050-11-9 roughbook 041 15,5 x 13,5 cm, 140 Seiten Euro 12,- / sFr. 15.-

978-3-906050-26-3 roughbook 042 15,5 x 13,5 cm, 96 Seiten Euro 15,- / sFr. 18.-

Aus dem Ungarischen übersetzt von Christian Filips und Orsolya Kalász ISBN 978-3-906050-30-0 roughbook 043 15,5 x 13,5 cm, 76 Seiten Euro 15,- / sFr. 18.-


Dieses Buch trägt diesen Titel

Dieser Gedichtband wäre gern erschienen. Aber er hat sich hinter einem anderen versteckt, der nicht gerne gesehen wird. Von Jahr zu Jahr wird dieser Gedichtband teurer und selbstbewußter werden. Aber noch ist er sehr scheu, so scheu, dass er seine Verfasserin lieber verschweigt. Wenn Sie diese Gedichte lesen, werden Sie danach vergeblich versuchen, dieselbe zu sein: Denn dieses Buch trägt diesen Titel. ISBN 978-3-906050-39-3 roughbooks 044 15,5 x 13,5 cm, 80 Seiten Euro 15,- / sFr. 18.-

Christian Filips Heiße Fusionen, Beta-Album

Dagmara Kraus Aby Ohrkranf’s HUNCH POEM

Jean Daive fut bâti / ward gebaut

Elke Erb Gedichtverdacht

Jerome Rothenberg Polen/1931

Zwischen den ersten «Heißen Fusionen» [roughbook 005] und den zweiten «Heißen Fusionen» [roughbook 045] liegen 8 Jahre. 2010 beendete Christian Filips die ersten «Heißen Fusionen» auf ihren letzten beiden Seiten mit dem Versprechen: «Dies ist ein Buch, das sich verändert, von Mal zu Mal. Als ein Kind der digitalen Revolution, die seine Existenz in Frage stellt, übernimmt es sich stets. Wird übernommen.» Und nun wurde es in der Tat übernommen: von einem dubiosen Arkadischen Kollektiv, das sich dazu bekennt, die Erstausgabe vollständig fusioniert und zudem ihren Verfasser in Risikokapital verwandelt zu haben. Das Ergebnis steht im Wort. So tief das lyrische Subjekt in die Kreide geraten ist, es wird seine Schuldigkeit noch lange nicht anerkennen!

Ein Text buckelt und verbuckelt sich; ein Text tut schön und ergeben, liebedienert einem Meister, den er gleichwohl a tergo a gibbi zu entstellen versucht: Aby Ohrkranf ’s HUNCH POEM ist ein Gibbusgedicht in fünfundzwanzig Aufzügen, großenteils in «Gibbirish» (sic) gehalten, einem anmakaronisierten Englisch mit pseudoirischem Klangstich, entstanden auf der Folie – d’après la bosse sozusagen – von Frank O’Haras LUNCH POEMS, deren Auswahl mit Buckeln, hunches (d.h. «Gibbi» bzw. «Kyphoi») zersetzt und ziemlich verhunzt wurde, weil es von L zu H nur ein kleiner Sprung wär’ für den Henscheid, aber ein Rückwärtssalto war über drei Buchstaben, um D ­ iderots apokolokynthelnder Forderung nachzukommen, «dasz der buckligte in allen theilen ­seines körpers buckeln soll» ­(Knebel).

«fut bâti» ist der zweite Gedichtband von Jean Daive. Werner Hamacher hatte ihn 1979/80 übersetzt und dem Suhrkamp Verlag zur Veröffentlichung angeboten, wo bereits Decimale Blanche, die «Weiße Dezimale» in der Übersetzung von Paul Celan, erschienen war. Suhrkamp lehnte ab. Aus dem Nachlass von Werner Hamacher im Deutschen Literaturarchiv in Marbach herausgegeben von Urs Engeler, zweisprachig Französisch und Deutsch, mit einer Vorbemerkung von Werner Hamacher zur Ankündigung des Buches. «Ward gebaut spannt sich aus in der Perspektive vom Schrei bis zum Satz, siebenmal unterbrochen von sieben Zyklen, bis zum Rück-Schrei von Körper und Erinnerung, der siebenmal versucht, ein Substantiv zu artikulieren, Sprache zu finden.» (Jean Daive)

Der jüngste Gedichtband von Elke Erb beginnt mit einem älteren Text, «Die Olympiade» von 1970, wie alle Texte in diesem Buch im Sommer, den Elke Erb jeweils in Wuischke verbringt, «aus dem Tagebuch geholt» und hier zum ersten Mal veröffentlicht: «Jammerschade, dass es nicht gelingt, diesen Traum zu erzählen ...» Das letzte Gedicht, «Das mit dem Baum» vom «12.12.18, halb sieben», ist den Bäumen gewidmet: «Sie werden mich übersterben. / Meine Handflächen meinen: Schade um sie.» Von Traum zu Baum, dem Faden der Geduld entlang, mit dem Elke Erb das Alltäglichste und das Wunderbarste miteinander verbunden hat. Das ist «Poesie»: «Ich sagte plötzlich beim Frühstück mit den beiden hier auf dem Land: / Man ist ja irgendwie immer elf, und Geli: stimmt, sie sei immer 12. / Ei!»

In seinen Gedichten beschwört der 1931 in New York geborene US-amerikanische Dichter Jerome Rothenberg das Jahr seiner Geburt, die Sprache seiner Ahnen, die Orte seiner Herkunft. Rothen­berg ist nach Polen gereist, um dort nach den Spuren seiner jüdischen Vorfahren zu suchen. Seine vielsprachige Ethnopoesie folgt einem Prinzip der «Grand Collage» (Robert Duncan) und beginnt mit der Beschwörung einer Sprache, die fast ausgelöscht wurde. Das polnische Jiddisch von 1931 ist wenige Jahre später zu einer Sprache der Geister, der Dibbuks, der ermordeten Juden geworden. In seiner obsessiven Ahnenfeier sucht Rothenberg die Dokumente und Sprechweisen seiner Vorfahren auf, überblendet die Zeiten und folgt den Emigranten in die «Amerikakatastrophe».

ISBN 978-3-906050-45-4 roughbook 045 15,5 x 13,5 cm, 132 Seiten Euro 15,- / sFr. 18.-

978-3-906050-37-9 roughbook 046 15,5 x 13,5 cm, 104 Seiten Euro 16,- / sFr. 19.-

Aus dem Französischen übersetzt von Werner Hamacher ISBN 978-3-906050-40-9 roughbook 047 15,5 x 13,5 cm, 178 Seiten Euro 18,- / sFr. 21.-

ISBN 978-3-906050-44-7 roughbooks 048 15,5 x 13,5 cm, 94 Seiten Euro 15,- / sFr. 18.-

Aus dem Amerikanischen übersetzt von Norbert Lange ISBN 978-3-906050-42-3 roughbook 049 15,5 x 13,5 cm, 232 Seiten Euro 20,- / sFr. 25.-


Die neuesten roughbooks Paul Bowles, Miron Białoszewski, R. Waldrop roughbook 055

Rosmarie Waldrop Rehearsing the Symptoms Das Proben der Symptome übersetzt von Ann Cotten

Svein Jarvoll Thanatos

Abscheu. Politische Gedichte aus dem alten China

Carla Cerda Loops

Svein Jarvolls «polyphones Gedicht» «Thanatos», 1984 veröffentlicht, lässt in unterschiedlichen Zeiten, Epochen und Stilen die Verstorbenen zu Wort kommen: In einer Art Gryphius-Deutsch kündet es von des Menschen Sterblichkeit; es singt Cants de Mort à la Ausiàs March; es erzählt von Odysseus’ in der Unterwelt stattfindender Begegnung mit seiner Mutter Antikleia und stattet der Anakreontik und der aphoristischen Dichtung Stippvisiten ab. Mal liedhaft, mal belehrend, mal mit melancholisch-obszönem Vokabular jonglierend, bewegt sich das Gedicht durch ebenjene lebenssatte Todeslandschaft, in der auch Jarvolls barock-postmoderner Roman «Eine Australienreise» von 1988 spielen wird.

«Um mich von wichtigeren Dingen abzulenken, habe ich in den letzten Wochen einige antike politische Gedichte aus dem Chinesischen übersetzt. Diese werde ich nun regelmäßig unter dem Betreff «Tagesgedicht» versenden. Damit soll nicht zuletzt die notwendig gewordene Abschottung ein wenig durchbrochen werden.» Mit diesen Worten begann eine E-Mail, die der Sinologe Thomas O. Höllmann am 22. März 2020 unter dem Eindruck der Corona-Pandemie an einen kleinen Kreis ­lyrikaffiner Freunde und Bekannter verschickte. Das roughbook 051 versammelt die digitale Ritualfolge nun zu einer Anthologie aus insgesamt 60 Texten, die von der analytischen Klarheit und sprachlichen Wucht der Poesie zeugen und von der ­«respektvollen Rücksichts­losigkeit» der Übersetzung.

Wer diese Loops, die uns unter dem Namen *Carla Cerda* erreicht haben, lesen will, muss fundamental die Perspektive wechseln, das Buch anders halten, die aktuelle Seite um 90 Grad drehen, den Kopf neigen oder sich auf ihn stellen. Aber das reicht noch nicht! Denn wir haben es bei den Subjekten «Sor Juana» und «Bambi» offenbar mit Brain-Computer-Interfaces zu tun, die das Buchformat der roughbooks geentert haben: «ich befinde mich mit einigen noch unentdeckten Teilchen in einem Labor der ACI Systems Alemania. Die automatische Bilderkennung nennt sie ‹Bambi›, aber das ist offensichtlich falsch.» Um die hier entworfenen Textbilder erkennen zu können, empfiehlt es sich, dieses Buch wieder und wieder zu lesen, rückwärts wie vorwärts. Kommt auf einen Versuch an. In diesem Sinn: COPY THIS SITE!

Aus dem Norwegischen von Matthias Friedrich ISBN 978-3-906050-41-6 roughbook 050 15,5 x 13,5 cm, 100 Seiten Euro 15,- / sFr. 18.-

Aus dem Chinesischen von Thomas O. Höllmann ISBN 978-3-906050-64-5 roughbook 051 15,5 x 13,5 cm, 164 Seiten Euro 15,- / sFr. 18.-

ISBN 978-3-906050-65-2 roughbook 052 15,5 x 13,5 cm, 50 Seiten Euro 8,- / sFr. 10.-

Paul Bowles Fast nichts übersetzt von Jonis Hartmann

Miron Białoszewski M’ironien übersetzt von Dagmara Kraus

Rosmarie Waldrop Das Proben der Symptome übersetzt von Ann Cotten

«Die einzige Zeitform ist die Zukunft und Zwecklosigkeit wird vorausgesetzt.» Die mit diesem zweisprachigen Buch vorliegenden Gedichte von Paul Bowles umfassen sämtliche zu Lebzeiten veröffentlichte Lyrik des legendären Autors von «The Sheltering Sky» (dt. «Himmel über der Wüste»), übersetzt und herausgegeben von Jonis Hartmann. Die Lektüre dieser Texte schützt vor den mentalen Überfällen der «Stahlechsen» und anderer reptiloider Phantasmen. In ihnen finden sich scharfsichtige Analysen der «Riffelglaskammern, in denen wir leben», immer noch. «Die Dinge werden so weitergehen für / Immer. Nein / Kein Ding soll entzwei.»

Miron Białoszewski (1922-1983) erster Gedichtband von 1956 wurde sofort als literarisches Ereignis angesehen. Wie aus dem Nichts tauchte ein reifer, origineller Dichter auf, der überraschend neue Themen aus der Alltagswelt in die Poesie einbrachte. Ende der 50er Jahre häuften sich die Sprach­ experimente einer «linguistische Poesie», deren wichtigster Vertreter Białoszewski war. In den 60er Jahre entwickelte er eine in Vers gesetzte Prosa, die in die «Erinnerungen aus dem Warschauer Aufstand» (1970) mündete. Die Auswahl aus Białoszewskis Werk enthält vor allem Gedichte, daneben ein paar Prosastücke sowie zwei poetologische Texte, die sich auf die Experimente mit der poetischen Sprache beziehen.

«Soll ich schauen, anstatt mich mit den feinen Unterschieden zu beschäftigen, die meinen Augen entgehen? Zuhören, statt mir über die Größe meiner Ohren den Kopf zu zerbrechen? Aber kann ich meinen Garten bestellen, ohne zu einem Kohlkopf zu werden? Dünnen sich die Komplikationen zu einer letzten Schlichtheit aus? Maximale Annäherung an einen geraden Pfad im gekrümmten Raum? Gaswolken, die langsam zusammenfallen? Mit nur einem möglichen Ausgang? Aber im Unterschied zu einem schwarzen Loch behalte ich mein Haar. Während ich mich auf die fraglose Dunkelheit zubewege.»

978-3-906050-48-5 roughbook 053 15,5 x 13,5 cm, 144 Seiten Euro 15,- / sFr. 18.Dezember 2020

978-3-906050-46-1 roughbook 054 15,5 x 13,5 cm, ca. 250 Seiten ca. Euro 18,- / sFr. 24.April 2021

978-3-906050-68-3 roughbook 055 15,5 x 13,5 cm, ca. 50 Seiten ca. Euro 8,- / sFr. 10.April 2021


Franz Kafka Svein Jarvoll aus Norwegen, übersetzt Guy Davenport von Matthias Friedrich Die Aeroplane in Brescia

Svein Jarvoll Die Melbourne-Vorlesungen 40 Essays

Svein Jarvoll, zugleich Autor und Protagonist dieses Traktats, ist ins Victorian Writers’ Centre nach Melbourne eingeladen, um über sein Lieblingsthema, die Labyrinthologie, zu sprechen. Als Weithergereister aus einer erdachten Antike, in der Disziplinen wie die Mathematik, die Archäologie, die Philologie oder die Thanatologie als Stoffreservoirs dienen, führen Jarvoll seine Darlegungen nicht nur in die harschen nordnorwegischen Schneelandschaften und in die flimmernde Wüstenlandschaft Australiens oder auf die Spuren des Dichters Konstantinos Kavafis, sondern auch durch seinen persönlichen Irrgarten, der sich als das älteste Labyrinth der Welt entpuppt. Aus dem Norwegischen von Matthias Friedrich ISBN 978-3-906050-33-1 Taschenbuch, Neue Sammlung 002 18 x 11,5 cm, 170 Seiten Euro 14,- / sFr. 18.Januar 2021

Svein Jarvoll Eine Australienreise

Svein Jarvoll Thanatos

Svein Jarvolls einziger Roman, einer der wesentlichen Texte der norwegischen Postmoderne, erzählt zwei aufeinander zulaufende Geschichten: die des norwegischen Odysseus Mark Stoller und die der Australierin Emmi. Beide Geschichten arbeiten an einer neuen Kosmologie, die die vertikale Struktur der «Commedia» Dantes in eine horizontale Ordnung verkehrt. Alle Figuren, denen sie auf ihren Reisen begegnen, sprechen in einer Sprache, der ihr eigener Tod schon eingeschrieben ist. Aber sie sind nicht berauscht vom Sterben, sondern vom Leben. «Eine Australienreise» bietet eine europäische Kulturgeschichte des Todes und reicht von griechischen Dichtern über Dante und Joyce bis hin zu Listen erfundener Bücher, surrealistischen Dialogen oder eingeworfenen Gedichten.

Svein Jarvolls «polyphones Gedicht» «Thanatos», 1984 veröffentlicht, lässt in unterschiedlichen Zeiten, Epochen und Stilen die Verstorbenen zu Wort kommen: In einer Art Gryphius-Deutsch kündet es von des Menschen Sterblichkeit; es singt Cants de Mort à la Ausiàs March; es erzählt von Odysseus’ in der Unterwelt stattfindender Begegnung mit seiner Mutter Antikleia und stattet der Anakreontik und der aphoristischen Dichtung Stippvisiten ab. Mal liedhaft, mal belehrend, mal mit melancholisch-obszönem Vokabular jonglierend, bewegt sich das Gedicht durch ebenjene lebenssatte Todeslandschaft, in der auch Jarvolls barock-postmoderner Roman «Eine Australienreise» von 1988 spielen wird.

Aus dem Norwegischen von Matthias Friedrich ISBN 978-3-906050-59-1 Taschenbuch, Blacklist 010 18 x 11,5 cm, 486 Seiten Euro 22,- / sFr. 29.-

Aus dem Norwegischen von Matthias Friedrich ISBN 978-3-906050-41-6 roughbook 050 15,5 x 13,5 cm, 100 Seiten Euro 15,- / sFr. 18.-

Franz Kafka Guy Davenport Die Aeroplane in Brescia

«Die Aeroplane in Brescia» ist einer der frühesten Texte von Franz Kafka, der beschreibt, wie Kafka und Max Brod 1909 eine Flugshow mit den damals berühmtesten Flugkünstlern besuchen. Guy Davenport folgt den beiden mit dem ebenso kleinen wie grossen Unterschied, dass Davenport Kafka und seine Zeit um das besser kennen kann, was erst in der historischen Rückschau Kontur gewinnt. «Kaum sieht man hin, schon fliegt er von uns weg, fliegt über die Ebene, die sich vor ihm vergrößert, zu den Wäldern in der Ferne, die jetzt erst aufzusteigen scheinen. Lange geht sein Flug über jene Wälder, er verschwindet, wir sehen die Wälder an, nicht ihn. Hinter den Häusern, Gott weiß wo, kommt er in gleicher Höhe wie früher hervor, jagt gegen uns zu; steigt er, dann sieht man die unteren Flächen des Biplans dunkel sich neigen, sinkt er, dann glänzen die oberen Flächen in der Sonne. Er kommt um den Signalmast herum und wendet gleichgültig gegen den Lärm der Begrüßung, geradeaus dorthin, von wo er gekommen ist, um nur schnell wieder klein und einsam zu werden.»

«Die Aussicht, die sie den ganzen Nachmittag betrachtet hatten, war plötzlich gewaltig, und auf einer Kuppe gab es einen Wald, den sie auch nicht wahrgenommen hatten. Curtiss flog über den Wald, war außer Sicht. Sie blickten aufmerksam zum Wald hinüber, und dann realisierten sie, dass er nun hinter ihnen war. Seine Maschine war hinter einigen Bauernhöfen aufgetaucht. Dann war er über ihnen. Die Unterseite seiner Flügel sah seltsam vertraut und gleichzeitig vollkommen fremdartig aus, wie ein Schiff in einem Hafen. Und während sie seinen schmucken Doppeldecker betrachteten, war er schon wieder über dem Wald, klein und melancholisch. Diesmal wandten sich alle, um nach den Bauernhöfen zu sehen. Weil sie warteten, schien ihnen die Runde das zweite Mal länger, aber wieder war er, so plötzlich wie zuvor, aus dem Nichts aufgetaucht.» Aus dem Amerikanischen und mit einer Nachbemerkung von Martin Zingg ISBN 978-3-906050-63-8 Taschenbuch, Neue Sammlung 001 ca. 18 x 11,5 cm, 76 Seiten ca. Euro 10,- / sFr. 14.ca. April 2021

Martin Zingg Selbstanzeige

Martin Zingg ist eine im literarischen Leben der Schweiz nicht zu übersehende Figur, er ist bekannt als Rezensent, als Moderator von Veranstaltungen, als Herausgeber von Zeitschriften und Büchern und als Lektor. Neben diesen vielfältigen literarischen Tätigkeiten ist der Öffentlichkeit aber eine Seite von Martin Zingg fast vollständig verborgen geblieben, paradoxerweise seine literarischste: der Autor. Höchste Zeit also, den Autor Martin Zingg durch diese «Selbstanzeige» den Leserinnen und Lesern zur Kenntnis zu bringen. Sein Buch versammelt 25 Prosa­ stücke, deren Protagonisten – allesamt eigentliche Sprachakteure – von den kleinen und den grossen Kalamitäten, Peinlichkeiten und Fährnissen ­ihrer Existenz berichten. ISBN 978-3-906050-08-9 Gebunden, Schutzumschlag 18,5 x 12 cm, 112 Seiten Euro 19,90 / sFr. 27.-


Heinz-Peter Geißler Ich geh mir einen Vogel fangen u.a.

Ich komme heute nicht mehr heim Ich habe einen Traum Als ich die Poesiezeitschrift «Zwi- Ich will ein guter Vogel sein schen den Zeilen» herausgab, kam mir 2000 per Post ein Gedichtzyklus Nachts schlafe ich in meinem Baum ins Haus, der mir in seiner ganzen Dann esse ich vom Winterbrot traurigen Schönheit als einer der ein- Auf einem alten Weidezaun dringlichsten in Erinnerung geblieben ist: «Ich geh mir einen Vogel fangen». 20 Jahre später rief sich Heinz Peter Am Himmel wird es früher rot Geißler wieder bei mir in Erinnerung Ich fliege über einen Weg mit einer Prosa, auf dem Weg zum Unten liegt ein Ruderboot Gedicht, und mit Gedichten, die fast noch weher sind als die «Vogellieder» von damals. Es spricht oder singt ein Ich weiß nicht, wie es weitergeht Ich, wie verloren in einem Traum: Jemand zieht an einem Strick Leichter ist, ein Vogel zu fangen, als Die Morgenglocken läuten spät einer zu sein. Es ist ein schrecklicher Kampf zwischen Mensch und V ­ ogel, Da öffnet sich die Tür ein Stück ein Kampf um Leichtigkeit und Freiheit, und nicht ist ausgemacht, wer Ich hole meine Federn ein ihn gewinnt und die Schwere be- Und zieh mich in mein Nest zurück zwingt. Heinz Peter Geißler Ich geh mir einen Vogel fangen u.a.

ISBN 978-3-906050-83-6 Taschenbuch, Neue Sammlung 003 18 x 11,5 cm, 82 Seiten ca. Euro 10,- / sFr. 14.ca. April 2021

Kurt Marti Wortwarenladen

Kurt Marti Wortwarenladen

Der Schweizer Dichter-Pfarrer (1921 –2017) Kurt Marti hat während seiner Lektüren immer wieder Wort­ listen angefertigt, die er «Wortwarenladen» nannte: «Ausgebreitet wie auf dem Ladentisch findet sich darin z.B. eine Auswahl von ‹Zeit›-Wörtern: das ‹Zeitmeer› von Klopstock, das ‹Zeitgewimmel› von Hölderlin, der ‹Zeit­ sand› von Nelly Sachs, die ‹Zeitkloake› von Kuno Raeber, die ‹Zeitmulde› von Mariella Mehr. Ein anderer ‹Wortwarenladen› führt ‹­Sonnen›-Wörter, ein dritter ‹Hör›-Wörter. Seit den ‹alfabeeten› (‹gedichte, alfabeete, cymbalklang›, 1966) zeugen solche Sammlungen von Martis unstillbarer Lust auf unverbrauchte Wörter, die sich eignen, Baumaterial für seine Denkund Spracharbeit zu sein.» (Fredi Lerch) Das Buch «Wortwarenladen», das diese Listen zum ersten Mal veröffentlicht, erscheint zur Kurt Marti-­ Ausstellung im Zürcher Strauhof. ISBN 978-3-906050-84-3 Taschenbuch, Neue Sammlung 006 18 x 11,5 cm, 220 Seiten ca. Euro 14,- / sFr. 18.ca. Juli 2021

MOND Bleichmond(ASchmidt) Dotterball(FHardekopf) Geisterlicht(JPaul) Glanzlicht(MHannsmann) Goldblick(JPaul) Hochmond(ASchmidt) Kupfermond(FWura) Lunasilber(JPaul) Mondatem(EArendt)  mondblau(WMehring) Mondblick(AStramn)  monddurchsickert(HvHof  mannsthal) Mondenflechte(JBobrowski) Mondeswonne(ThDäubler) Mondfinger(ChrBusta)   mondfingrig(EArendt) Mondflocken(ThDäubler) Mondgespinst(ChrBusta)   mondglanzflüchtig(EArendt) Mondharmonika(ASchmidt) Mondheit(ThDäubler)  mondhörig(PHuchel)  mondkalt(ASchmidt) Mondknospe(ELasker-Schüler) Mondleib(ChrLavant)

mondlich(Goethe)   mondlichtkühl(DKühn) Mondmilch(ASchmidt) Mondperle(FMayröcker) Mondquelle(AMombert) Mondrad(FMayröcker) Mondrose(FMayröcker)  mondsam(ASchmidt) Mondschnee(JPaul)   mondschwer(EArendt) Mondsflitter(JPaul) Mondsglut(JPaul) Mondspan(PCelan) Mondspiegel(PCelan) Mondton(PWaterhouse)   mondtot(CEinstein) Mondtotenlicht(ASchmidt) Mondung(ThDäubler) Nachtgesell(=Mond)(GvdVring) Nachtsonne(JPaul) Ockermond(ASchmidt) Schlafbuhle(=Mond)(CBrentano)


Neue Sammlung Programm 2021

Franz Kafka Guy Davenport Die Aeroplane in Brescia

Svein Jarvoll Die Melbourne-Vorlesungen 40 Essays

Heinz Peter Geißler Ich geh mir einen Vogel fangen u.a.

«Die Aeroplane in Brescia» ist einer der frühesten Texte von Franz Kafka, der beschreibt, wie Kafka und Max Brod 1909 eine Flugshow mit den damals berühmtesten Flugkünstlern besuchen. Guy Davenport folgt den beiden mit dem ebenso kleinen wie grossen Unterschied, dass Davenport Kafka und seine Zeit um das besser kennen kann, was erst in der historischen Rückschau Kontur gewinnt.

Svein Jarvoll, zugleich Autor und Protagonist dieses Traktats, ist ins Victorian Writers’ Centre nach Melbourne eingeladen, um über sein Lieblingsthema, die Labyrinthologie, zu sprechen. Als Weithergereister aus einer erdachten Antike, in der Disziplinen wie die Mathematik, die Archäologie, die Philologie oder die Thanatologie als Stoffreservoirs dienen, führen Jarvoll seine Darlegungen nicht nur in die harschen nordnorwegischen Schneelandschaften und in die flimmernde Wüstenlandschaft Australiens oder auf die Spuren des Dichters Konstantinos Kavafis, sondern auch durch seinen persönlichen Irrgarten, der sich als das älteste Labyrinth der Welt entpuppt.

Als ich die Poesiezeitschrift «Zwischen den Zeilen» herausgab, kam mir 2000 per Post ein Gedichtzyklus ins Haus, der mir in seiner ganzen traurigen Schönheit als einer der eindringlichsten in Erinnerung geblieben ist: «Ich geh mir einen Vogel fangen». 20 Jahre später rief sich Heinz Peter Geißler wieder bei mir in Erinnerung mit einer Prosa, auf dem Weg zum Gedicht, und mit Gedichten, die fast noch weher sind als die «Vogellieder» von damals. Es spricht oder singt ein Ich, wie verloren in einem Traum: Leichter ist, ein Vogel zu fangen, als einer zu sein. Es ist ein schrecklicher Kampf zwischen Mensch und ­Vogel, ein Kampf um Leichtigkeit und Freiheit, und nicht ist ausgemacht, wer ihn gewinnt und die Schwere bezwingt.

Aus dem Amerikanischen und mit einer Nachbemerkung von Martin Zingg ISBN 978-3-906050-63-8 Taschenbuch, Neue Sammlung 001 ca. 18 x 11,5 cm, 76 Seiten ca. Euro 10,- / sFr. 14.ca. April 2021

Aus dem Norwegischen von Matthias Friedrich ISBN 978-3-906050-33-1 Taschenbuch, Neue Sammlung 002 18 x 11,5 cm, 170 Seiten Euro 14,- / sFr. 18.Januar 2021

ISBN 978-3-906050-83-6 Taschenbuch, Neue Sammlung 003 18 x 11,5 cm, 82 Seiten ca. Euro 10,- / sFr. 14.ca. April 2021

Thomas Schestag erlaubt, entlaubt

Patrick Frey Eine Tätowierung mit Folgen

Kurt Marti Wortwarenladen

Was ist Dichtern zu sagen erlaubt? Was erlauben sie sich? Was überhaupt ist im Umgang mit Sprache weder geboten noch verboten, sondern erlaubt? Und nicht zuletzt: wer erlaubt (sich) solche Fragen? Wer so fragt, berührt nicht nur die undurchsichtige Herkunft und Ausrichtung poetischer ­Lizenz, sondern setzt ins Niemandsland zwischen Poesie und Recht, zwischen Denken und Dichten, zwischen Sprache und Rechtssprache aus. Der Versuch, solchen Fragen auf den Grund zu gehen und ihren Rechtsgrund freizulegen, nimmt Fühlung mit der Grund- und Bodenlosigkeit des Zugangs zur Sprache, der Sphäre des Rechts, wie der Literatur.

Patrick Frey sucht das Glück. «Sobald es wärmer wurde, zog er aus und begab sich auf die Walz, ähnlich wie früher die Wandergesellen. Doch er wollte nicht wie diese Erfahrung in seinem Beruf sammeln, sondern mit Leuten ins Gespräch kommen, erfahren, was sie taten, wie sie ihren Lebensweg gingen. Er stellte sich vor, dass er jeweils einige Zeit bei den Leuten bleiben und ihnen gegen Kost und Logis zur Hand gehen würde. Er suchte das Glück.» Die Figuren in den Geschichten von Patrick Frey haben sich aufgemacht, die Gesellschaft zu verändern, und finden dabei sich selbst. Die Erkenntnis seiner Figuren auf ihrer Lebensreise ist: Änderst Du nicht zuerst Dich selbst, änderst Du nichts. Patrick Frey ist ein feiner Beobachter unserer Zeit und Gesellschaft, und es ist berührend zu lesen, mit welchen klaren moralischen Massstäben er urteilt und nach Lösungen sucht.

Der Schweizer Dichter-Pfarrer (1921 –2017) Kurt Marti hat während seiner Lektüren immer wieder Wort­ listen angefertigt, die er «Wortwarenladen» nannte: «Ausgebreitet wie auf dem Ladentisch findet sich darin z.B. eine Auswahl von ‹Zeit›-Wörtern: das ‹Zeitmeer› von Klopstock, das ‹Zeitgewimmel› von Hölderlin, der ‹Zeit­ sand› von Nelly Sachs, die ‹Zeitkloake› von Kuno Raeber, die ‹Zeitmulde› von Mariella Mehr. Ein anderer ‹Wortwarenladen› führt ‹­Sonnen›-Wörter, ein dritter ‹Hör›-Wörter. Seit den ‹alfabeeten› (‹gedichte, alfabeete, cymbalklang›, 1966) zeugen solche Sammlungen von Martis unstillbarer Lust auf unverbrauchte Wörter, die sich eignen, Baumaterial für seine Denkund Spracharbeit zu sein.» (Fredi Lerch) Das Buch «Wortwarenladen», das diese Listen zum ersten Mal veröffentlicht, erscheint zur Kurt Marti-­ Ausstellung im Zürcher Strauhof.

ISBN 978-3-906050-69-0 Taschenbuch, Neue Sammlung 004 18 x 11,5 cm, 150 Seiten ca. Euro 14,- / sFr. 18.ca. Juni 2021

ISBN 978-3-906050-81-2 Taschenbuch, Neue Sammlung 005 18 x 11,5 cm, 118 Seiten ca. Euro 14,- / sFr. 18.-

ISBN 978-3-906050-84-3 Taschenbuch, Neue Sammlung 006 18 x 11,5 cm, 220 Seiten ca. Euro 14,- / sFr. 18.ca. Juli 2021

ca. Mai 2021


Neue Sammlung Programm à suivre

Elke Erb Aus den Tagebüchern: 1997 Herausgegeben von Steffen Popp

Dass ihre Gedichte vielfach auf Tage­ buchnotizen zurückgehen, hat Elke Erb oft beschrieben. «Gedichte und andere Tagebuchnotizen», der Untertitel ihres Gedichtbands Mensch sein, nicht (Urs Engeler Editor 1998) stellt das besondere Verhältnis dieser beiden Formate in ihrem Werk noch einmal heraus. Auch in den Datierungen, die Erb ihren Gedichten stets beigibt, kommt das Tagebuch immer wieder zum Vorschein: «20.9.70/aus dem Tage­buch geholt am 17.2.2017» heißt es da (in Gedichtverdacht), oder «1965 / (Text original, empathisch ververst 15.3.13)» (in Das Hündle kam weiter auf drein). Die Arbeit an N ­ otiz- und Tage­büchern begleitet Erbs Schreiben nicht nur, sie ist ein integraler Teil davon. Ihr poetisches «Leben im Kommentar» (Gabriele Wix), jene unablässige Selbstbeobachtung, die mit der Beobachtung des eigenen Verfahrens in eins fällt, ist selbst in ein Leben in der Notiz, in Prozesse (hand) schriftlicher Dokumentation­und Reflexion eigener Erfahrung eingebettet. Die beharrliche Suche nach «poesiefähigen» Notaten in zum Teil lange zu-

zrückliegenden Aufzeichnungen gehört dazu, die Kunst des Findens, die Transformation der Notiz in den poetischen Text. Wie aber ist es um die Notate bestellt, die nicht gefunden, nicht ins Gedicht geholt werden, die sich ihm aus nicht immer leicht erfindlichen Gründen entziehen, andere Wege gehen? Die Publikation eines vollständigen Tagebuchs aus den Jahren 1996 bis 1998 zeigt Erbs Blick und Griff vor dem Gedicht, den Arbeits- und Eigensinn der Erbschen Notiz, unnachahmlich wie ihre Poesie.­

Mütze Eine Zeitschrift für Literatur

#1 / Juni 2012

#2 / September 2012

#3 / Dezember 2012

#4 / Juni 2013

#5 / September 2013

#6 / Februar 2014

ISBN 978-3-906050-82-9 Taschenbuch, Neue Sammlung 007 18 x 11,5 cm, ca. 160 Seiten ca. Euro 14,- / sFr. 18.ca. September 2021


#7 / Juli 2014

#8 / Oktober 2014

#9 / März 2015

#10 / November 2015

#11 / Februar 2016

#12 / Juni 2016

#13 / Juli 2016

#14 / November 2016

#15 / Februar 2017

#16 / Juni 2017

#17 / September 2017

#18 / Oktober 2017


#19 / Dezember 2017

#20 / Juli 2018

#21 / September 2018

#22 / Dezember 2018

#23 / April 2019

#24 / Juli 2019

3-4 Hefte pro Jahr 52 Seiten pro Heft Einzelheft 7,- Euro für Deutschland (incl. Porto und Verpackung), 9,- Euro für Ausland (incl. Porto und Verpackung), 9.- Franken für die Schweiz (incl. Porto und Verpackung)

#25 / September 2019

#26 / März 2020

#27 / Juni 2020

#28 / November 2020

#29 / Februar 2021

Abonnement (5 Hefte, incl. Porto, Verpackung) Deutschland 30,- Euro, Ausland 40- Euro, Schweiz 40.- Franken


Blacklist ältere Erfolgstitel neu aufgelegt

Elke Erb Sonanz. 5-Minuten-Notate

Edna St. Vincent Millay Love is not all

Ulf Stolterfoht holzrauch über heslach

E. E. Cummings 39 Alphabetisch

Marianne Moore Kein Schwan so schön

Während zweier Jahre hat Elke Erb sich einer täglichen Übung hingegeben: Innerhalb von fünf Minuten aufzuschreiben, was ihr in den Kopf und unter die Feder kommt, absichtslos und so eigenwillig, wie ihr Publikum es an ihr liebt.

Kompromißloser Freiheitsdrang, Rebellion gegen das Establishment, gegen weltliche und religiöse Autoritäten und gesellschaftliche Konventionen, bringen in Millays Leben ein hohes Maß jener Formlosigkeit, der ihr Dichten als Ordnungskraft beikommen will. Sie ging hetero- und homosexuelle Verbindungen ein, in denen sich Sexualität, emotionale Zuneigung und intellektuelle und dichterische Verbundenheit auf komplexe Weisen überlagern konnten. Von ihrem Ehemann ist zu Millays Affären die Aussage überliefert, er toleriere alle Freiheiten, die sich seine Frau nähme, solange diese ihrer dichterischen Kreativität nicht abträglich seien.

holzrauch über heslach ist ein langes, ethnologisches Gedicht. In neun Teilen berichtet es von einem Bezirk im Süden Stuttgarts, wesentlich sprachlich errichtet, seiner Gründung und Besiedlung durch einen Stamm von Katzenartigen, ihren Kämpfen und Ritualen, ihrer Sprache, ihren Drogen und ihrer Musik, bis hin zum Untergang dieser autochthonen Population im Jahre 1979. Es ist daneben ein «quasi-autobiographisches» Gedicht über die gesellschaftlichen und politischen Träume, die fast zur gleichen Zeit in einem anderen Stadtteil Stuttgarts zerplatzten. Vor allem aber, schrecklich zu sagen, ist holzrauch über heslach ein Text über andere Texte, dies alles «vor einem mittleren indoeuropäischen Ohr» und unterlegt mit einer Tonspur aus John Fahey, Derek Bailey und Captain Beefheart.

Die Sammlung von E. E. Cummings Gedichten zeigt einen Querschnitt durch das lyrische Gesamtwerk des Dichters. «Cummings heute zu übertragen, da die meisten seiner extravaganten Stilmittel und extrem pathetischen poetischen Forderungen überholt scheinen, heißt unter die Oberfläche zu sehen. Ein jedes besseres Gedicht hat den Anspruch, Körper zu sein. Es wölbt sich mir zu, um Entfernung zu verringern. Wortschöpfungen, Syntaxbrüche, Lettern-Fakes... alles, was die Dichter stiften, ist dabei als Einladung zu verstehen. Bei Cummings allerdings bemüht sich der Gedichtkörper unter Einsatz aller Kräfte um Sinnlichkeit. Jeder Buchstabe, jedes Komma erhält eine einmalige Präsenz. Das Lautliche wird Bild, das Bildliche Laut.» (Mirko Bonné)

«Vers: Prosa: ein Muster oder ähnliches von Übersetzung für die, auf denen Vollständigkeit wie ein Fußeisen lastet», schreibt Marianne Moore in ihrem Aufsatz «Vorwort zu einem Marianne Moore Lesebuch», das dieser Auswahl ihrer Gedichte vorangestellt ist. Kein Fußeisen der Vollständigkeit also, sondern ein neuerlicher Anlauf, Marianne Moore zu übersetzen und dem hiesigen Publikum vorzustellen. «Wie würde es mir vorkommen, wenn es jemand anderes geschrieben hätte?», fragt sie sich, «Hält es die Aufmerksamkeit fest? «Hat es menschlichen Wert?» Oder sieht es aus, als hätte man niemals von ‹Klarheit, Kraft und Leichtigkeit› gehört oder irgend eine Hilfe von Vor-Denkern erhalten? Ist es kriecherischer Singsang oder hat es ‹Muskeln›?»

ISBN 978-3-906050-50-8 Taschenbuch, Blacklist 001 18 x 11,5 cm, 320 Seiten Euro 20,- / sFr. 25.-

Aus dem Amerikanischen übersetzt von Günter Plessow ISBN 978-3-906050-51-5 Taschenbuch, Blacklist 002 18 x 11,5 cm, 232 Seiten Euro 16,- / sFr. 19.-

ISBN 978-3-906050-53-9 Taschenbuch, Blacklist 004 19 x 15 cm, 124 Seiten Euro 15,- / sFr. 18.-

Aus dem Amerikanisch übersetzt von Mirko Bonné ISBN 978-3-906050-54-6 Taschenbuch, Blacklist 005 18 x 11,5 cm, 96 Seiten Euro 10,- / sFr. 12.-

Aus dem Amerikanisch übersetzt von Jürgen Brôcan ISBN 978-3-906050-55-3 Taschenbuch, Blacklist 006 18 x 13,5 cm, 146 Seiten, Euro 14,- / sFr. 18.-

Pier Paolo Pasolini Dunckler Enthusiasmo Friulanische Gedichte übersetzt von Christian Filips

Pier Paolo Pasolinis erste Buchveröffentlichung war der Gedicht­ band «Poesie a Casarsa» von 1942, geschrieben in der Sprache des Städtchens Casarsa im Friaul. Pasolinis Liebe galt einer von ihm nie gesprochenen Muttersprache, einer Sprache des Begehrens nach einer anderen, eigenen, vor allem nicht väterlichen und nicht faschistischen Herkunft. In seiner letzten Buchveröffentlichung zu Lebzeiten «La nuova gioventù» von 1975 wiederholt Pasolini seine frühes­ ten Gedichte und erhebt dabei ihre Sprache zur Sprache des Paradieses, zur Sprache des Eros der «bessern Jugent», zur Sprache auch seines poli­ti­schen Kampfes gegen den Ü ­ bergang einer archaischen, agrarischen Ordnung in ein neues, globalisiertes System der Massenkultur. ISBN 978-3-906050-56-0 Taschenbuch, Blacklist 07 19,5 x 15,5 cm, 328 Seiten Euro 22,- / sFr. 29.-


Ulf Stolterfoht fachsprachen I-IX

Jean Daive Unter der Kuppel

Svein Jarvoll Eine Australienreise

Ich veröffentliche diesen ersten Gedichtband von Ulf Stolterfoht zum dritten Mal, weil ich selten mit solchem Wohlgefallen dem befremdlich vertrauten Eigenleben der Sprache gelauscht habe. Es stöbert, steubt, stubbst und stabreimt, so daß ich spüre: Es gibt Zusammenhang, ich selbst bin Fleisch von diesem Fleische, in mir sprießt Sprache genau so. Wie könnte sonst aus all der Sprache, die schon vor mir war und außer mir ist, ich werden? Aus der Begegnung von Fachsprachen der Geologen, Grammatiker, Philosophen und Poeten mit dem eigenen krummen Denken setzt Stolterfoht Gedichte zusammen, deren Schönheit überraschend und deren Witz der Sinn des Unverstandenen ist.

Was sah, was dachte Paul Celan auf seinen Spaziergängen durch die Straßen von Paris im Mai 68? Was bedeutete ihm das Deutsche und Deutschland? Wie übersetzte er seine eigenen Gedichte ins Französische? Wie schrieb er, womit, wann und wo? Wie erlebte er die psychiatrische Klinik, die Trennung von seiner Frau Gisèle, den Umzug in eine neue Wohnung? Jean Daives sehr intimer Bericht ist eines der wenigen Lebenszeugnisse zu den späten Jahren von Paul Celan vor dessen Selbsttötung. Die beiden Dichter sind sich Ende der sechziger Jahre begegnet, nachdem Celan auf Daives Gedichte aufmerksam wurde. Daives erster Gedichtband, Décimale blanche (Weiße Dezimale, 1967), sollte Celans letzte große Übersetzung bleiben.

Svein Jarvolls einziger Roman, einer der wesentlichen Texte der norwegischen Postmoderne, erzählt zwei aufeinander zulaufende Geschichten: die des norwegischen Odysseus Mark Stoller und die der Australierin Emmi. Beide Geschichten arbeiten an einer neuen Kosmologie, die die vertikale Struktur der «Commedia» Dantes in eine horizontale Ordnung verkehrt. Alle Figuren, denen sie auf ihren Reisen begegnen, sprechen in einer Sprache, der ihr eigener Tod schon eingeschrieben ist. Aber sie sind nicht berauscht vom Sterben, sondern vom Leben. «Eine Australienreise» bietet eine europäische Kulturgeschichte des Todes und reicht von griechischen Dichtern über Dante und Joyce bis hin zu Listen erfundener Bücher, surrealistischen Dialogen oder eingeworfenen Gedichten.

ISBN 978-3-906050-58-4 Taschenbuch, Blacklist 008 18 cm x 11,5 cm, 128 Seiten Euro 12,- / sFr 15.-

Aus dem Französischen von Anke Baumgartner ISBN 978-3-906050-57-7 Taschenbuch, Blacklist 009 18 x 11,5 cm, 216 Seiten Euro 14,- / sFr. 17.-

Aus dem Norwegischen von Matthias Friedrich ISBN 978-3-906050-59-1 Taschenbuch, Blacklist 010 18 x 11,5 cm, 486 Seiten Euro 22,- / sFr. 29.-


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