KUNST – WIRTSCHAFT – WISSENSCHAFT

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KUNST – WIRTSCHAFT – WISSENSCHAFT Neue Wege der Zusammenarbeit

Der Ansatz Eine weithin anerkannte Definition beschreibt Kultur – im Gegensatz zur unberührten Natur – als das vom Erich Wolf, Günther Pedrotti, Mirjana Peitler Menschen geschaffene, veränderte und gestaltete. Dies meint Glaubens- und Moralvorstellungen oder Gesellschaftsstrukturen ebenso, wie technische Leistungen, Wirtschaft, Landschaftsgestaltung oder wissenschaftliche Arbeiten. Auch die Kunst ist ein Teil davon; nicht mehr, aber auch nicht weniger. Insofern, als jeder Kulturleistung ein erdenkender, schöpferischer Kern zugrunde liegt, ist unsere Fähigkeit zum Neu-Erfinden, zur Umgestaltung und zur Weiterentwicklung in allen unseren Lebensbereichen ganz wesentlich abhängig von unserer Wahrnehmung und Vorstellungskraft – dem kreativen Potential. Dies können wir entwickeln, verfeinern, oder eben verkümmern lassen mit fatalen Auswirkungen. Die Befassung mit Kunst fördert unsere Fähigkeiten in besonderer Weise! Da sie keine zu erreichenden Ziele und keinen festgelegten Weg vorgibt, können wir uns hier völlig frei geistig bewegen, probieren, erfahren. Es gibt keine "Fehler". Inhaltlich steht die Kunst ausserhalb der Bewertungssysteme und bietet uns so einen fast "paradiesischen" Spielraum. Wo sonst noch können wir zwang- und angstfrei phantasieren (im besten Sinn des Wortes), wo uns ganz einlassen auf die Entdeckung der Vielfalt und unseres eigenen Innersten? Begreifen wir die Kunst als unser universelles Laboratorium, als das, was sie schon immer war: die hephaistische Schmiede unserer Zukunft. Gerhard Flekatsch

Die Kick-Off Veranstaltung auf Schloss Hainfeld am 18.11.2011 Ein geladener Kreis von UnternehmerInnen, WissenschaftlerInnen und KünstlerInnen kam am 18.11.2011 auf Schloss Hainfeld zusammen, um Rahmenbedingungen und Ansätze für eine spezielle Form der Kooperation zu diskutieren. Das von der Kultur Service Gesellschaft Steiermark unterstützte Projekt begründet einen systematisierten Gedankenaustausch zwischen der Wirtschaft, der Wissenschaft und der Kunst. Als Erweiterung der bereits stattfindenden theoretischen Diskurse über dieses Thema wird hier eine „Expert Group“ Komplementärfelder und Interessensüberschneidungen aufzeigen und daraus konkrete Kooperationsprojekte entwickeln und umsetzen. WirtschaftsmanagerInnen, WissenschaftlerInnen und KünstlerInnen, die Interesse an interdisziplinärer Kooperation haben, sind herzlich zur Teilnahme eingeladen. Zentrale Anliegen sind: der Zugewinn an Kenntnis über Methodik und Denkansätze in anderen Systemen, das Ausloten möglicher Schnittpunkte, gemeinsamer und/oder ergänzender Interessen und Tätigkeitsfelder, Brainstorming über Kooperationsansätze. Die wechselseitige Nutzung von Kompetenzen, sowie die Übertragung von in der Kunst erprobten Methoden und Praktiken in andere Systeme werden in dieser interdisziplinären Zusammenarbeit neue Aspekte eröffnen und innovative Prozesse generieren.


Durch die konsequente Befassung mit Kunst – wie Martin Krusche in seinem Impulsstatement bemerkte – verändert sich das Gehirn, das Denken. Wir lernen, die eingefahrenen Denkwege zu verlassen und nutzen die Ideen und Impulse, die aus den neu entdeckten Querverbindungen entstehen. Unsere Wahrnehmung wird geschärft. Der Unternehmer Horst Fickel plädiert in seinem Statement für die Entwicklung von Strukturen, in denen wir Fehler auch zu Lernzwecken und zu neuen Betrachtungsweisen nutzen können. Mirjana Peitler brachte wertvolle Erfahrungen aus ihrer Doppelkompetenz als Kunsthistorikerin und als Technikerin ein. Schliesslich betonte der ebenfalls anwesende Sammler Erich Wolf, daß dieser Prozess nicht lokal begrenzt bleiben darf, sondern sich über die Landesgrenzen hinaus entwickeln muß. Die Befassung mit Kunst als integrierte Methodik in unternehmerischen Prozessen, wissenschaftlichen Arbeitsmodellen oder sozialen Gestaltungen zu verstehen und nicht als "verhübschenden Kulturluxus" eröffnet uns allen neue Vorstellungen, innovative Impulse. Und die benötigen wir in dieser Zeit der Umgestaltung dringend. Es haben bereits einige Unternehmen und auch ein universitäres Institut Interesse an der Zusammenarbeit bekundet. Die erste Arbeitssitzung wurde bereits für Ende Jänner 2012 in den Räumen der KWB (Biomasseheizungen) festgelegt.

Ausstellung: Bilder im Kopf Um den Besuchern dieser Veranstaltung auch konkrete Erfahrung mit Kunst zu ermöglichen, wurde zeitgleich die Ausstellung: BILDER IM KOPF gezeigt. Arbeiten von Eva Ursprung, Gerhard Flekatsch, Martin Krusche und Günther Pedrotti befassen sich in durchaus unterschiedlichen Zugängen mit hochinteressanten Aspekten der Wahrnehmung. Unsere Vorstellungen prägen unser Leben. Welche Bilder haben wir im Kopf? Wie kommen wir zu neuen Bildern und wie vermitteln, deuten und interpretieren wir sie? Das menschliche Gehirn versucht im Prozess der Wahrnehmung die aufgenommene Information durch Abgleich mit Erinnerungen zu interpretieren. Also sehen wir eher das "Gewohnte". Künstlerische Arbeiten brechen häufig mit diesen Sehgewohnheiten und ein "zweiter" Blick, eine bewusstere Auseinandersetzung ermöglicht es uns, erweiterte Zusammenhänge, neue Deutungen und Blickwinkel zu erfahren. Das mag manche anfangs irritieren aber eröffnet jenen, die sich damit auseinandersetzen, jedenfalls neue Einblicke und Zusammenhänge.

Performance: fish – and no chips Im Verlauf des Programmes fand eine Performance statt, in der der Künstler Gerhard Flekatsch (unterstützt vom Gastronomen Robert Opocensky) das Kochen auf eine Leinwand verlegte. Dabei wurden die Spuren des Zubereitungsprozesses auf der Leinwand sichtbar und konserviert. Diese visuellen Eindrücke konnten in der Folge von den Besuchern dann auch auf ihre geschmackliche Qualität verkostet werden, denn das unkonventionelle Buffet bestand aus den in der Performance zubereiteten Speisen. So wurde auch die Verbindung zwischen einzelnen Sinneswahrnehmungen erlebt.

Die Ausstellung ist an folgenden Tagen öffentlich zugänglich: 25.–27. November, 2.–4. Dezember jeweils von 11:00 – 17:00 Uhr Schloss Hainfeld, Leitersdorf 1, 8330 Feldbach Kontakt: Gerhard Flekatsch, gerhard@flekatsch.at


Zu den ausstellenden KünstlerInnen: Eva Ursprung Eva Ursprung arbeitet an der Schnittstelle zwischen Kunst und Gesellschaft. In ihren oft kollektiven Projekten forscht sie am Menschen, interveniert in Alltagsbereiche, stellt Beziehungen her. Die verwendeten künstlerischen Medien orientieren sich am jeweiligen Inhalt: nach Bedarf arbeitet sie mit Klang, Fotografie, Video, Installationen, Objektkunst, Aktionen, Performances, Kunst im elektronischen, öffentlichen und sozialen Raum. Die Website: www.ursprung.mur.at

Gerhard Flekatsch Bildender Künstler, Gründer und künstlerischer Leiter des interkulturellen Dialoges "naher osten – naher westen". Mein zentrales Anliegen ist die Begegnung; von Menschen, Denkmodellen, Erfahrungen oder kulturellen Praktiken. Dabei geht es immer um die Begegnung eines selbst mit dem anderen. Das persönliche Erlebnis ist der Antrieb für diesen Prozess. Wo hört das "ich" auf? Wo beginnt das "andere"? Was passiert in diesem Grenzbereich? Wie unterscheidet sich die eigene Wahrnehmung von der der anderen? All das wird in Form von installativen Arbeiten, Videos und Bildern thematisiert. Die Website: www.flekatsch.at

Martin Krusche Der Gleisdorfer Künstler Martin Krusche hat mit „kunst ost“ das überhaupt erste LEADER-Kulturprojekt der Steiermark realisiert. Dabei geht es im Kern darum, der Gegenwartskunst regional mehr Terrain zu verschaffen und über die „Kulturspange“ einen grenzüberschreitenden Austausch voranzubringen. Krusches Orientierung meint eine Position, die mit „Provinz war gestern!“ skizziert werden kann. Zum Projektteam gehört auch Kunsthistorikerin Mirjana Peitler-Selakov, die einerseits als Kuratorin wirkt, andrerseits als Diplomingenieurin der Elektrotechnik den Bereich „Frauen, Macht und Technik“ aufgebaut hat. Die Website: www.kunstost.at

Günther Pedrotti Pedrotti versucht Fragwürdigkeiten in unseren Alltags- und ästhetischen Systemen auf zu zeigen. Dabei generiert zumeist das Material „Wasser“ mit seinen Eigenschaften eine Art „mechanischen Zensor“. Pedrotti geht in seinen Werken immer an jene Grenze, wo mit Hilfe dieser physikalischen Gesetze, die ästhetischen und physischen Gesetzte gleichermaßen als mechanische Hebel erscheinen; um mit deren Funktionieren eine Bestätigung für die Richtigkeit des Werkes ab zu geben. Die Website: www.guenther-pedrotti.com

Ausstellung „Bilder im Kopf“ in den Räumen von Schloss Hainfeld

Gerhard Flekatsch mit Robert Opocensky: Performance


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