Das Heft – Ausgabe Nr. 5 (2021) – Integration – Inklusion

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SPIEL- UND LESETIPPS

ERGREIFENDE LEKTION IN SACHEN MENSCHLICHKEIT Maria Riss, Zentrum Lesen

Mason ist zu dick und zu gross, er ist dauernd verschwitzt und er kann kaum lesen und schreiben. Dafür hat Mason ein riesengrosses Herz. Natürlich ist er eine willkommene Zielscheibe für den Spott und die Aggressionen anderer Kinder. Hätte er nicht den viel zu kleinen, aber superschlauen Calvin an seiner Seite, wäre das Leben kaum auszuhalten. Aber dann, nach einem Streit mit der Dorfbande, verschwindet Calvin plötzlich, ist wie vom Erdboden verschluckt. Schon einmal wurde

so vieles auszudrücken vermag. Er kann Dinge in Worte fassen, für die es im Grunde eigentlich keine Worte gibt. Wenn es ein lesenswertes Buch über Diversität, über Integration und gegenseitigen Respekt gibt, ist es ist wohl diese «ganze Wahrheit» von Mason Buttle. Man könnte den Inhalt dieses Buches auch als ergreifende Lektion in Sachen Menschlichkeit bezeichnen. Für Jugendliche und Erwachsene. Leslie Connor: «Die ganze Wahrheit (wie Mason Buttle sie erzählt)», Übersetzt von André Mumot, Hanser 2021 Weitere Lese-Empfehlungen gibt es unter: www.zentrumlesen.ch

KLEINE KUNST, GROSSES SPIEL

Beim Zuschauen ist es so leicht verstanden und von den Materialsets her so einladend, dass man extrem leicht ins Spiel kommt – für Spieleinsteiger*innen und mit kreativem Ausdruck Fremdelnde eine absolute Integrationsleistung. Gewinnen wird dann zur Nebensache, wenn lustige Gespräche aufklären, anhand welcher Muster jede*r gestaltet hat, ob man eher Details oder abstraktere Strukturen der Vorlage genutzt hat, wie man mit der Herausforderung von zugewiesenem Foto und Materialart fertig wurde. Die Materialien wechseln in jeder Runde durch, so dass alle mit allen Materialsets im Spiel einmal ein Foto nachgestalten müssen. Es gibt keine Wartezeiten, da man nach Fertigstellung des eigenen die anderen Werke schon zu interpretieren beginnen kann.

Mark Weisshaupt, Lernwerkstatt SPIEL

in der Gegend ein Junge vermisst, schon einmal war dieser Junge der beste Freund von Mason. Und damals, da hat man den Jungen tot unter einem Apfelbaum gefunden. Wie im Untertitel erwähnt, erzählt Mason seine Geschichte selber und aus seiner Perspektive. Er mag nicht lesen und schreiben können, aber erzählen, das kann er unsäglich gut. Er berichtet von all diesen schönen und schrecklichen Ereignissen in kurzen Abschnitten und in einfacher Sprache, die doch

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16 Fotos aus dem Stapel, fünf verschiedene Materialsets (farbige Würfelchen, Bauklötze, Stöcke mit Steinen, Schnürsenkel, Symbolkarten) und los geht’s: Jede*r gestaltet mit seinem aktuell vorliegenden Materialset ein ihm zufällig und geheim zugeordnetes Foto nach, wobei alle Spielenden alle 16 Fotos sehen können. Einer muss nun beispielsweise ein Boot auf dem Meer so mit neun Farbwürfelchen in einem kleinen Rahmen nachlegen, dass es von den anderen Spielenden unter den 16 Fotos wiedererkannt wird. Eine Andere muss zeitgleich ein Foto von einem Rad in Schneelandschaft mit Schnürsenkeln nachgestalten. Ein Dritter hat die Aufgabe, mit einer Auswahl aus Symbolkarten eine Staude Trauben den Mitspielenden anzudeuten, wobei alle immer darauf achten, dass die Nachgestaltung von den anderen möglichst eindeutig nur dem einzig richtigen, eigenen Foto zugeordnet werden kann – dann gibt es Punkte für die richtig Ratenden und die Gestalter*innen. Kreative und logische Kompetenzen werden so auf geniale Weise zugleich angesprochen - das ist «Pictures».

Das Spiel wird ab acht Jahren empfohlen (es geht eventuell auch früher) und kann (wegen der fünf Materialsets) mit drei bis fünf Personen gespielt werden. Fortgeschrittene könnten mit dem geistigen Vorläufer «Was’n das» viel Spass haben, wo noch seltsamere, lustige Materialien benutzt werden. «Pictures», ab acht Jahren, von Daniela und Christian Stöhr, PD-Verlag («Was’n das?», ab 14 Jahren, von Philippe des Paillères, Ravensburger)


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