Skip to main content

Südtirol Panorama - Juli 2011

Page 24

Foto: Alexander Alber

TITEL

Harald Oberrauch, Sohn von SWR-Präsident Christof Oberrauch, übernimmt zwei Betriebe mit insgesamt 1.000 Mitarbeitern und einem Umsatz von 150 Millionen Euro. Seine erste Aufgabe? Visionen für 2025 zu entwickeln

men; einige von ihnen waren bereits im Betrieb tätig. „Als die Berater anfangs erklärten, ein professionell abgewickelter Generationswechsel dauert bis zu zehn Jahre, habe ich nur gedacht: Die sind wahnsinnig“, erinnert sich Thomas Moriggl. Zehn Jahre später ist der Generationswechsel bei Moriggl zu 90 Prozent vollzogen – „und wir haben jedes einzelne Jahr gebraucht“. Wer hat die besten Voraussetzungen für die Weiterführung des Betriebes, was erhalten nicht-mitarbeitende Geschwister? Wer kann mit wem zusammenarbeiten und wohin will die dritte Generation? All diese Fragen mussten laut Moriggl in einem langwierigen, aufreibenden und sehr emotionalen Prozess geklärt werden. Vor allem eine Trennung von den beiden familienexternen Gesellschaftern und deren Auszahlung führten den Betrieb zeitweise an den Rand der finanziellen Belastbarkeit.

24

Südtirol Panorama Juli | 2011

Heute ist Thomas Moriggl überzeugt, dass sich die vielen schlaflosen Nächte gelohnt haben. Mit seinem Cousin Gunnar Moriggl bildet er ein kongeniales Führungsduo, das den Betrieb mit 70 Mitarbeitern und zuletzt 9 Mio. Euro Umsatz nach den gemeinsamen Vorstellungen weiterentwickeln kann. „Damit haben wir auch einen Wettbewerbsvorteil gegenüber vielen Mitbewerbern, die den Generationswechsel noch vor sich haben“, ist er überzeugt. TRAGÖDIEN. „Die Blutsverwandtschaft

allein reicht nicht aus, um ein Unternehmen erfolgreich weiterzuführen“, sagt Marius Eccel. Auch bei Daunenstep wurde der Übergabeprozess professionell begleitet. Eignung und Motivation des Juniors waren dabei ebenso wenig tabu wie viele andere Themen, „die ich sonst nie mit meinem Vater angesprochen hätte“. Als Mitinitiator eines Zirkels für Familienunternehmen, in dem Unternehmensnachfolger ihre Erfahrungen austauschen,

weiß Eccel, dass Übergaben nicht immer so offen ablaufen. „Anfangs sind viele Teilnehmer dieser Treffen noch sehr vorsichtig, doch wenn sie einmal zu reden beginnen, sind die meisten kaum mehr zu stoppen.“ Zweifellos stecken hinter Betriebsübergaben mehr Tragödien als Erfolgsgeschichten. Nachkommen, die andere Träume haben, Eltern, die ihren Kindern keine Entscheidungsfreiheit lassen, Geschwisterkriege, Erwartungen, Erfolgsdruck, zu viel Verantwortung – nicht ohne Grund scheitert laut internationalen Statistiken jede dritte Betriebsübernahme. Elke de Biase spielte bereits im Alter von 10 Jahren zwischen den Produktionsinseln und im Komponentenlager der Brixner Industrietechnik, mit 13 begleitete sie den Vater in den Schulferien auf Geschäftsreisen. Als sie in die Handelsschule kam, wusste sie bereits, was eine GmbH ist und wie man Rechnungen schreibt. Als sie endlich im Betrieb arbeiten konnte, stei-


Turn static files into dynamic content formats.

Create a flipbook
Südtirol Panorama - Juli 2011 by FF-Media GmbH - Issuu