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Fazit 169

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Alles Kultur

Sebastian Höglinger und Peter Schernhuber, Diagonale

Fotos: Heribert Corn, Julia Stix, Jürgen Hammerschmid, Marlene Rahmann

» das schief, es ist auch organisatorisch ein großer Unterschied. Eine Differenzierung könnte zu einer deutlichen Entspannung in der Kulturlandschaft führen. Die Kunst nicht als systemrelevant zu definieren, ist ein trauriges und gefährliches Phänomen weltweit.

Filmfestival Diagonale (Graz) Eine der Besonderheiten des heurigen Jahres ist, dass das Film- und Festivaljahr 2020 nahtlos ins Jahr 2021 übergeht beziehungsweise damit regelrecht verschwimmt. Anstelle des abgesagten Festivals organisierte die Diagonale zwischen den bisherigen beiden Lockdownphasen mehrere Onlinefilmreihen, Gastspiele bei steirischen Sommerkinoveranstaltungen, eine umfangreiche Diagonale-Tour durch die Bundesländer sowie ein Gastprogramm bei Österreichs größtem Filmfestival, der Viennale in Wien. Budgets können nicht im klassischen Zeitrahmen abgeschlossen werden und der Arbeitsrhythmus zwischen den zwei Festivaleditionen gerät gehörig durcheinander. Das betrifft im Übrigen auch unser Gegenüber – seien es Künstler, Techniker oder aber Fördergeber, Politiker oder die Hotellerie und die Tourismusbranche. Die Diagonale ’21 wird als Präsenzfestival geplant. Sie soll zwischen 16. und 21. März in Graz stattfinden. Derzeit erarbeiten wir – auch in Absprache mit anderen österreichischen Frühjahrsfestivals – ein strenges Covid-19-Sicherheitskonzept, das Gästen und Besuchern einen möglichst angenehmen Festivalbesuch ermöglicht. Zusammengefasst planen wir die Diagonale ’21 derzeit als modulares Festival, wobei je 80 /// FAZIT JÄNNER 2021

nach Covid-19-Lage einzelne Programmpunkte hinzu- oder wegkommen, beziehungsweise schnell und möglichst flexibel adaptiert werden können. Wir sind sehr froh und dankbar, dass die Diagonale mit vielen Finanzierungspartnern teils schon seit Jahren zusammenarbeiten darf. Der Austausch hat sich so gesehen in diesem Krisenjahr noch intensiviert. Generell lässt sich Folgendes festhalten: Wie in vielen Bereichen ist auch im Kulturbereich das heurige Covid-19-Jahr eines, aus dem wir mit einem blauen Auge hinausgehen, 2021 und auch 2022 werden für das Festival sowie die Film- und Kinobranche insgesamt die wirklichen Herausforderungen – und letztlich Weichenstellungen. Wir haben eine sehr gute Gesprächsbasis zur Politik, die von gegenseitigem Respekt und Wertschätzung getragen ist. Nach der Absage im März und bei der Entwicklung des heurigen Ganzjahresprogramms konnten wir auf die Unterstützung sowohl durch den Bund als auch die Stadt Graz und das Land Steiermark setzen. Die Covid-19-Krise hat den Kulturbetrieb gewissermaßen bis zur Unkenntlichkeit entstellt und strukturelle Probleme sichtbar gemacht, die bereits zuvor bestanden. Zugegeben polemisch und etwas überspitzt formuliert könnte man zu dem Schluss kommen, dass der zuletzt wieder vielfach gebrauchte Begriff der Kulturnation kaum mehr als eine Phrase ist. Klaus Albrecht Schröder, Direktor der Albertina (Wien) Die Entscheidung, die Museen wieder zu öffnen, ist meiner Meinung nach richtig und ich bin glücklich darüber, da es doch

Klaus Albrecht Schröder

viele Menschen gibt, denen die Kultur tatsächlich in diesen Tagen und Zeiten sehr fehlt. Ich fühle mich bestätigt, was die Einschätzung der Sicherheit in Museen betrifft: Auf der einen Seite gibt es viele Museen, die auf tausenden Quadratmetern doch mit einer überschaubaren Anzahl an Besuchern zu Rande kommen müssen und daher den nötigen hygienischen Abstand garantieren können. Auf der anderen Seite sind große moderne Museen wie die Albertina und die Albertina Modern, mit einer Klimaanlage ausgestattet, die Luftaustausch-Kapazitäten hat, wie sie üblicherweise in geschlossenen Veranstaltungsräumen für Theater oder Kabaretts in der Form nicht zur Verfügung stehen. Ich begrüße daher die Museumsöffnung und hoffe zutiefst, dass wir nicht ein weiteres Mal unsere Pforten für die Besucherinnen und Besucher schließen müssen.

Wolfgang Lamprecht

Wolfgang Lamprecht, Bank Austria Kunstforum und Lehrbeauftragter an der Universität Wien Die Herausforderung von Kunstvermittlung besteht im Allgemeinen darin, als Angebot zunehmend im Mitbewerb mit anderen Freizeitangeboten reüssieren zu müssen. Digitale Kunstvermittlung hat zudem die Aufgabe zu meistern, im Wettbewerb mit professionellen Digitalangeboten der Medien- und Entertainmentindustrie zu stehen. Die Lösung kann hier nur in der Vermittlung von inhaltlicher Qualität, verbunden mit der Möglichkeit zur aktiven Teilhabe des Publikums gefunden werden. Gleichzeitig muss digitaler Content – und auf den einschlägigen Erfahrungen der Medienbranche dürfen wir jetzt aufbauen – etwas kosten dürfen. Mit cultour.digital hat das Bank Austria Kunstforum Wien einen engagierten und hochprofessionellen Partner gefunden, der uns dabei hilft, digitale Vermittlung auf einem Niveau weiter zu entwickeln, das offenbar einzigartig ist. Gemeinsam wollen wir das Postulat des Kunst- und Medientheoreti-


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