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IMMO FutureLab:

Wir bauen Zukunft!

Neues Leben für alte Gebäude

Rückblick

‘18 10. APRIL

www.immofuturelab.at


Es muss nicht gleich das Weltkulturerbe sein. Der Erhalt des Stadt- und Landkulturerbes wäre schon mal ein Anfang. Helmut GlaĂ&#x;l | Deutscher Aphoristiker


Zukunftsbild: Altbestand Wie man alten Gebäuden neues Leben einhaucht Welche Zukunftskonzepte haben wir für bestehende Bausubstanz? Wann ist Revitalisierung auch wirtschaftlich besser als Abriss und Neubau? Und welche Alternativen gibt es da überhaupt? Diese und viele andere Fragen wurden im neuen Kongress­format IMMO FutureLab: „Wir bauen Zukunft“ beantwortet. Das IMMO FutureLab hat sich zum Ziel gesetzt das zukunftsorientierte Denken in der Branche zu fördern, neue Themen aufzugreifen und den Teilnehmern ein Forum zum Austausch zu bieten. Weiters will es der Immobilienbranche als Ideen­schmiede­­ und Innovationstreiber dienen. Der Event bot eine einzigartige Mischung aus spannenden Vorträgen, Inputs von beispielhaften Start-Ups als auch lösungsorientiertes Arbeiten in der Creative Thinking Session.

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Inhaltsverzeichnis Zukunftsbild Altbestand

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Die Initiatoren

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Moderation 6 Vorträge Keynote: Neu Denken statt abreißen

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Wichtige Schlüssel- und Erfolgsfaktoren für Revitalisierungsprojekte

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Cloud Services – mit Hilfe der Digitalisierung den Mehrwert in Bestandsimmobilien steigern

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den Revitalisierung als Chance zur Optimierung des Gebäudelebenszyklus

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Mut zur Lücke – Aspekte, Dimensionen und Effekte von Leerstandsmanagement

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Optimieren im Bestand: Internationale Best Practice-Erfahrung

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Start Up Session Der digitale Zwilling als Schlüssel zum Gebäude 4.0

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Smarte Technik auch im Altbestand – ein Widerspruch?

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Nachhaltige Nutzung von Gebäuden durch automatisierte Kommunikationswege in der Immobilienwirtschaft

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Creative Thinking Session Facility Management: Welche Anforderungen muss ein Bestands- gebäude erfüllen, um effizient bewirtschaftet werden zu können?

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Denkmalschutz - Bürde oder Mehrwert?

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Sanierungsfreundliches Mietrecht: "Forderung an die Regierung zum Mietrecht"

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Umbau richtig finanzieren: "Worauf muss man achten?" Revitalisierung vs. Neubau - Worin unterscheidet sich die Partnerwahl?

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Neue Baustoffe in alten Gebäuden

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Sanierung im laufenden Betrieb – auf was kommt es an?

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Leistbares Wohnen nur mit Bestand?

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Flexibilität in Bestandsgebäuden. Wie multifunktional/flexibel muss ein zukunftsfähiges Gebäude sein?

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Wie sieht zukunftsfähige Haustechnik im Bestand aus?

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Zur Location

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Über den Veranstalter

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Rückblick 40

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Die Initiatoren Die Initiatoren des IMMO FutureLab

Peter Engert und Wolfgang Kradischnig Ziel des IMMO FutureLab war es, das Thema Umbau ­ anzusprechen, den Teilnehmern Expertenwissen an die Hand zu geben und das zukunftsorientierte Denken in der Immobilienbranche zu fördern. Aufgrund einer derzeitig sehr niedrigen Sanierungsquote sind neue Lösungsansätze und Ideen für ­ Bestandsgebäude gefragt. Nur mit Neubau ist der Zuwachs in den Ballungsräumen nicht aufzufangen. ­ Es muss gelingen, Bestandsimmobilien mit neuem Leben zu erfüllen und damit ihren Wert massiv zu steigern. Die Initiatoren Wolfgang Kradischnig, ­Geschäftsführer der DELTA und Peter Engert, Geschäftsführer der ÖGNI eröffneten den Kongress.

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Peter Engert | Geschäftsführer ÖGNI Kritischer Umgang mit unbebauten Flächen, Verdichtung der Bausubstanz in Städten, Wiederbelebung von Ortszentren - der Umgang mit bestehender Bausubstanz wird eine der Herausforderungen für die Immobilienwirtschaft in den nächsten Jahrzehnten. Mit der Veranstaltung IMMO Future Lab wollen wir gerne den Nachdenkprozess beginnen, was dafür nötig ist, bestehender Bausubstanz neues Leben einzuhauchen.

Wolfgang Kradischnig | Geschäftsführer DELTA Die große Herausforderung im Immobilienbereich liegt nicht darin zukunftsorientier­ te Neubauten zu schaffen, sondern alte Gebäude in zukunftsfähige Gebäude zu „verwandeln“. Beim IMMO FutureLab wird in einem „Design­Thinking-Prozess“ auf Basis von Impulsvorträgen ein Lösungsbild dazu „gemalt“. Seien Sie Teil dieses einzigartigen Kreativtages, aus dem Sie bereichert und motiviert nach Hause gehen werden!

Moderation Heimo Rollett übernahm die Moderation der Veranstaltung. Mag. Heimo Rollett ist seit über 15 Jahren Immobilienjournalist. Er ist Chefredakteur ­ des Magazins „Immobilienwirtschaft“, einer Beilage der Tageszeitung Der Standard, Herausgeber einer Immobilienbuch-Edition ­ im Linde-Verlag und preisgekrönter Immobilien-Blogger. ­ Rollett hat das Online-Portal www.immobranche.at ins Leben gerufen, er ist Keynote-Speaker für Innovationen und Berater für Corporates. 6


Vorträge Keynote: Neu Denken statt abreißen Gesine Thomson | Stadtplanerin und Architektin Speaker Gesine Thomson ist international anerkannte Architektin, kreative Planerin und Abenteurerin, die sich auf kreative Prozesse und nachhaltigen Wachstum spezialisiert hat. Dabei konzentriert sie sich auf das menschliche Element im Design. Gesine Thomsen ist bekannt für ihren tiefen Respekt gegenüber den Kulturen und Gegebenheiten vor Ort.

Thema Weltweit werden noch immer Stadtentwicklungsprojekte realisiert, bei denen bestehende Ge­bäude und Strukturen zerstört und durch Neubau ersetzt werden. Doch diese Tabula-Rasa-Methode hat tiefgreifende negative Auswirkungen auf Städte und ihre Bewohner - auf sozialer, ökonomischer und ökologischer Ebene. Gesine Thomson bot stattdessen ein Gegenmodell und hielt ein Plädoyer für den Erhalt, die Aufbesserung und die Anpassung von historisch gewach­senen Strukturen und Bestandsgebäuden. Für das Wohl un­serer Städte muss es ein Umdenken geben. Und ein solches hat mancherorts auch bereits stattgefunden.

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Wichtige Schlüssel- und Erfolgsfaktoren für Revitalisierungsprojekte Wolfgang Kradischnig | Geschäftsführer DELTA Speaker Wolfgang Kradischnig ist seit 26 Jahren bei DELTA, wo Werte wie Nachhaltigkeit und partnerschaftliche Zusammenarbeit gelebt werden. Dem Wirtschaftsingenieur für Bauwesen sind der zukunftsfähige Umbau und die Revitalisierung mit Gebäudestrukturen, die mit einfachen Mitteln Umnutzungen ermöglichen, ­ besonders wichtig.

Thema Hier stellte DELTA erstmalig die Essenz aus einer Vielzahl erfolgreich abgewickelter Umbauprojekte und Revitalisierungen vor. Ebenfalls erläuterte er die Phasen bei einer Revitalisierung im Lebenszyklusprozess. Eine Kultur ­definiere sich durch ein Stadtbild und durch Gebäude, das sie ausmacht.

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Cloud Services - mit Hilfe der Digitalisierung den Mehrwert in Bestandsimmobilien steigern Jürgen Obmauer | Verkaufsleiter Österreich BELIMO Automation Handelsges.m.b.H. Speaker Jürgen Obmauer ist im Vertrieb für Belimo-Österreich tätig. Sein Schwerpunkt ist das Projektgeschäft – von der Planerbetreuung, bis zur Betreuung der Systemintegratoren. Als Innovationsführer ist es Belimo wichtig, entsprechende Mehrwerte am Markt zu kommunizieren – das Event bot dazu einen tollen Rahmen!

Thema Industrie 4.0, IoT, Smart Grid, Virtual Reality, … alles basiert grundsätzlich auf Daten, welche wir durch die Digitalisierung in großen Mengen zur Verfügung haben. Mehrwerte lassen sich aber nicht durch Rohdaten, sondern erst durch (online) Services generieren – großes Potential für mehr Komfort und Effizienz!

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Revitalisierung als Chance zur Optimierung des Gebäudelebenszyklus Martin Röck | Junior Scientist TU Graz Speaker Martin Röck ist Universitätsassistent und Doktorand in der Arbeitsgruppe Nachhaltiges Bauen der Technischen Universität­Graz. Er ist Experte für Building Infor­ mation ­Modeling (BIM) mit Schwerpunkt auf der Integration von Life Cycle Assessment (LCA) in innovativen Designprozessen für zukunftsfähige Gebäudekonzepte.

Thema Dipl.-Ing. Martin Röck von der TU Graz behandelte in seinem Vortrag Chancen und Potentiale von Revitalisierungsprojekten und deren Umsetzung mit BIM auf Gebäude- und Quartiersebene. Zusätzlich wurden aktuelle Forschungsprojekte zur Optimierung von Umweltwirkungen im Gebäudelebenszyklus vorgestellt.

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Mut zur Lücke: Aspekte, Dimensionen und Effekte von Leerstandsmanagement Angie Schmied | Mitbegründerin von NEST Agentur für Leerstandsmanagement Speaker Angie Schmied ist Mitbegründerin von NEST; einer Agentur für Leerstandsmanagement. Sie konzentriert sich auf die Entwicklung und Umsetzung von Nutzungskonzepten für unterschiedliche Arten von Räumen sowie Prozessen des Community Buildings. Zudem forscht sie zu möglichen Formen der Organisation von Nutzernetzwerken und Sockel­zonen.

Thema Die Leerstandsaktivierung leistet nicht nur einen wesentlichen Beitrag zur Deckung des vorhandenen Raumbedarfs, sondern schafft zudem einen Möglichkeitsraum für neue Formen der Nutzung. Eine Wiederbelebung unterbewerteter Räume kann in der Zukunft eine wichtige Grundlage für die stadtplanerische und architektonische Praxis bilden - sowohl für eine wachsende Stadt wie Wien als auch den ländlichen Raum.

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Optimieren im Bestand: Internationale Best Practice-Erfahrungen Marc Guido Höhne | Geschäftsführer Drees & Sommer Österreich Speaker Marc Guido Höhne ist seit 2006 für Drees & Sommer tätig, zunächst in Bulgarien und seit 2009 in Österreich. Dort betreute er als verantwortlicher Projektleiter den Neubau des WU Campus Wien. Seit 2011 ist Marc Höhne Geschäftsführer der Drees & Sommer Österreich. Seine fachlichen Schwerpunkte sind Projekt­mana­gement, Kostenund Terminmanagement, Qualitätskontrolle und die Sanierung denkmalgeschützter Museumsbauten.

Thema Wie machen wir Bestandsimmobilien attraktiv und zukunftssicher? Wie müssen Immobilien auf den Mieter- und Arbeit­nehmermarkt reagieren, um rentabel zu bleiben? Und welche Rolle spielt die Digitalisierung dabei? Um das Potenzial von Immo­ bilien voll auszuschöpfen, wird es Zeit für einen Perspektiven­wechsel. Denn in Zukunft suchen sich nicht mehr die Nutzer die für sie passenden Gebäude, sondern die Gebäude passen sich ihren Nutzern an. Die TeilnehmerInnen begaben sich mit Marc Guido Höhne auf die Best Practice-Reise.

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Start-Up Session Hier präsentierten ausgewählte Start-Ups in Kurzvorträgen ihre innovative Konzepte und Ideen:

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Der digitale Zwilling als Schlüssel zum Gebäude 4.0 Patrick Jaritz | Gründer von ARIOT – Building Intelligence Speaker Patrick Jaritz hat dem Besuch der HTL für Hochbau und dem Studium der Architektur ein MBA-Studium für Facility Management angeschlossen und beschäftigt sich mit Building Information Modeling im Gebäude­ management. Er unterrichtet Facility Management in den Studienrichtungen Bauingenieurwesen und Architektur - Green Building an der FH Campus Wien. Sein Startup-Unternehmen befasst sich mit der Digitalisierung des ­Gebäudebetriebs und entwickelt Software für das integrale Gebäudeinformationsmanagement.

Thema Um ein Gebäude zu betreiben, sind heute viele verschiedene Systeme im Einsatz, die getrennt voneinander agieren. Die meisten Vorgänge werden zudem erst im Nachhinein beurteilt. Um zu einem zukunftsfähigen Gebäudemanagement zu gelangen, sind zwei Dinge wesentlich: das Sammeln und Verknüpfen von Daten und die Echtzeit-Analyse und- Auswertung. Ein dynamisches virtuelles Modell bildet die Basis für sämtliche gebäudebezogenen Prozesse, die in den nächsten Jahren digitalisiert werden.

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Smarte Technik auch im Altbestand - ein Widerspruch? Marius Marek | Geschäftsführer von m-smartsolutions gmbh Speaker Marius Marek ist Geschäftsführer der m-smartsolutions gmbh (Wien), einem Anbieter von herstellerunabhängigen Smart Home ­Lösungen und Mitglied des Branchenverbandes ViW (Verein intelligentes Wohnen Austria). Die angebotenen Komplett­ lösungen basieren auf der intelligenten Vernetzung von Haus-, Medien- und Kommunikationstechnik.

Thema M-Smart bietet Beratung, Konzeption sowie Installation & Inbetriebnahme einer zentralen Haustechnik und Mediensteuerungslösung an. Die Lösung von M-Smart bietet eine klar strukturierte und übersichtliche Bedienoberfläche, die sich auf die wesentlichen Funktionen konzentriert, um Komponenten einfach und intuitiv über Touchpanel, Smartphone oder Tablet steuern zu können. Folgendes wurde im Vortrag umrissen: • Use-Cases für den Einsatz Smarter Technik im Alt- und Neubau • Mehrwert moderner Technologien für das Haus und die Wohneinheiten • Zukunftsfähige (IT- und Haustechnik-)Infrastruktur im Haus und deren professionelle Planung

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Nachhaltige Nutzung von Gebäuden durch automatisierte Kommunikations­wege in der Immobilienwirtschaft Alexander Roth | Geschäftsführer von iDWELL GmbH Speaker Alexander Roth ist Geschäftsführer des Wiener PropTechs iDWELL, das eine innovative CRMSoftware für die Immobilienverwaltung entwickelt hat. Der Betriebswirt studierte an der Universität Wien, an der Finanz­ universität in Moskau und am King’s College in London. Seine CRM-Expertise verhalf ihm bereits zur erfolgreichen Entwicklung der E-Commerce Plattform ­ „BlackFridaySale“.

Thema Bei iDWELL (engl. "dweller" = "der Bewohner") handelt es sich um eine innovative CRM-Software als Web und Mobile App (iOS & Android), die im Bereich der Immobilien­wirtschaft die Kommunikation zwischen allen Akteuren optimiert, Arbeitsabläufe automatisiert und Kosten signifikant senkt. Folgendes wurde im Vortrag umrissen: • Prävention von Baumängel durch optimierte Kommunikationskanäle wie E-Mail, App-Messenger oder auch in Zukunft Whatsapp • Nachhaltige Nutzung von Gebäuden durch automatisierte Prozessabwicklung im KundenserviceBereich

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Creative Thinking Session Thementische und Ergebnisse

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Facility Management: Welche Anforderungen muss ein Bestandsgebäude erfüllen, um effizient bewirtschaftet werden zu können? Tischmoderation: Gernot Bleier, Drees & Sommer

Gernot Bleier absolvierte seine akademische Ausbildung in Kufstein (Facility Management) und verfügt über 12 Jahre Erfahrung in der Facility Management Consulting-Branche. Seit 2016 ist Gernot Bleier Projektpartner bei Drees & Sommer in Wien.

Einleitung Sind Zertifikate wie beispielsweise ÖGNI, LEED etc. und eine Fülle an Daten (BIM to FIM) lediglich für den Neubaubereich notwendig oder gefordert oder aber sind diese ebenfalls relevante Hebel zur Effizienzsteigerung bei ­Bestandsgebäuden? Wo liegen die Möglichkeiten und Potentiale Bestandsgebäuden für eine effiziente Bewirtschaftung?

von

Wie wirken sich Kostenoptimierung auf der einen Seite und automatisierte Prozesse auf der anderen Seite auf die Bewirtschaftung von Bestandsgebäuden aus?

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Ergebnisse Es reicht nicht nur, Anforderungen an das Bestandsgebäude zu stellen, auch das Facility Management muss Anforderungen erfüllen und das wird bisher eher stiefmütterlich behandelt. Der Dienstleister muss nachbessern, um seine Standards zu erfüllen. Zu den Anforderungen an den Dienstleister zählen u.a. eine vorrauschauende Betriebskosten-Analyse, Kommuni­kation – speziell im Umbau/bei Sanierung, Usability, Dokumentationsstandards und deren Weiterführung in der Projekt­initiierung/-planung. Wichtig ist es zu analysieren, wo die Nutzer Berührung­spunkte mit dem Facility Management haben und wie man damit umgeht. Die Frage dabei ist, was erreicht werden soll und welche Strategie der Dienstleister fahren will (z.B. technische Anlagen optimieren, Nutzungsqualität verbessern, Energie sparen). Die Herangehensweise von Eigentümern oder Bauherren sind oft von kurzfristigem Denken geprägt. Das Facility Management wird noch immer zu spät eingebunden. Oft geschieht die Ausschreibung zwei Wochen vor der Übergabe. Der Einkauf ­erfolgt „blind“ und möglichst billig. Teilweise ist auch das Facility Management nicht fachlich qualifiziert oder verfügt nicht über passende Tools. Hier herrscht Optimierungs-, wenn nicht sogar Regulierungsbedarf. Die Frage ist, wie definiert der Eigentümer seine Ziele und was kommt beim Facility Management an. Diese Anforderungen pasieren auch diverse Schnittstellen (Asset ­Management / Property Management – Facility Management). Empfehlenswert ist eine Dokumentation zur Spezifizierung und Standardisierung für das Facility Management. Dazu gehören eine Darstellung des Lebenszyklus sowie ein Monitoring von Verbräuchen, Waren, etc. Diese sollen möglichst aktuell sein. Auf Basis dieser Ergebnisse sind Vergleiche und eine ­fundierte Entscheidung möglich. Anlage- und Wartungslisten unterstützen bei der optimalen Aufgabenerfüllung. Dadurch sollte ein Umdenken bei der Vergabe an Facility Manager stattfinden – weg von „billig“ hin zu „proaktiv“. Innovative Betriebskonzepte werden auf das Objekt und den Nutzer abgestimmt. Um dies zu gewährleisten, werden die ­Facility Manager und Betreiber also früh ins Boot geholt und es entsteht eine gewinnbringende Partnerschaft für alle. Beim ­Bestand sollte das Hauptaugenmerk auf der Nutzung liegen, um im Betrieb die Nutzerzufriedenheit halten zu können. Der ­Faktor Mensch ist dabei nicht aus den Augen zu verlieren. 19


Denkmalschutz - Bürde oder Mehrwert? Tischmoderation: Ingo Huber, DELTA & Harald Jakober, Immobilien Linz GmbH

Ing. Harald Jakober, Handlungsbevollmächtigter der Immo­ bilien Linz GmbH, sowie DI Ingo Huber, ­Geschäftsführer der DELTA Baumanagement GmbH, leiten zusammen das Projekt „Tabakfabrik Linz Bau 1 und Magazin“ seit Ende des Jahres 2015.

Einleitung Die Tabakfabrik Linz ist eine denkmalgeschützte Industrie­anlage, welche nach den Plänen von Peter Behrens und Alexander Popp zwischen den Jahren 1929 und 1935 errichtet wurde. Als erster Stahlskelettbau Österreichs im Stil der Neuen Sachlichkeit ist sie auch architekturgeschichtlich von internationaler Bedeutung. Die Tabakfabrik Linz ist ein Gesamtkunstwerk im Sinne des radikalen Funktionalismus.

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Die aktuelle moderne Tabakfabrik bietet Raum für Experimente und die konkrete Umsetzung politischer, gesellschaftlicher und sozioökonomischer Zukunftsmodelle unter Nutzung der vorgegebenen Rahmenbedingungen des Bundesdenkmalamts (BDA). Bis Ende September 2009 wurden in der Tabakfabrik ­Zigaretten hergestellt. Im Jahr 2009 hat die Stadt Linz das 38.148 Quadratmeter große Fabriksareal und den Gebäudebestand gekauft und es zum Gebiet der Stadtentwicklung erklärt, das sich sukzessive als Zentrum der Kreativwirtschaft und der Digitalisierung in der oberösterreichischen Landeshauptstadt entwickelt. Die Auf­ gaben für die Entwickler umfassen Entwicklung, Betrieb/Vermietung und Vermarktung des Areals mit seinen mehr als 80.000 Quadratmetern überdachter Nutzfläche. Eine Herausforderung sind Brandschutz und Brandabschnitte, sowie Fluchtwege. Die Sanierung der Fabrik fällt in den Zeitraum 2012 bis 2021. Die Sanierung ist eine Herausforderung für Mieter und Eigentümer. Die Fragen sind nun: wie genau sieht die Revitalisierung aus und wie wird die Entwicklung zum Mehrwert?

Ergebnisse Der Mehrwert für den Investor und Betreiber Stadt Linz entsteht durch den Erhalt der beeindruckenden und inspirierenden Umwelt der Fabrik. Dies erfolgt durch Sanierung und Erhalt des Bestandes (beispielsweise der Fassaden) sowie durch archivierende Sanierung, z.B. bei Armaturen, Beschlägen, Rohrleitungen oder Fliesenböden. Auch Fenster oder Glasbausteine werden nachgebaut, um den Flair zu erhalten. Ein Schlüssel für erfolgreiche Revitalisierung ist der enge ­Kontakt zum BDA durch regelmäßige Abstimmungen, u.a. durch Workshops, um zu den vorgeschriebenen Freigaben zu kommen. Ausnahmen sind durch das Österreichische Institut für Bautechnik (OIB) möglich. Hier wurde zB. für die Ausbildung der Fenster (Bestandsfenster ca. 6 km Fensterbänder) eine wichtige Ausnahme zu den Energiekennzahlen der OIB erwirkt, die andernfalls erhebliche Investitionskosten zu Folge gehabt hätte. Durch diese Maßnahmen wird die Marke „Tabakfabrik“ als ­Magnet der Vermarktung für Start Ups und Kreativwirtschaft

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Sanierungsfreundliches Mietrecht: "Forderung an die Regierung zum Mietrecht" Umbau richtig finanzieren: "Worauf muss man achten?" Tischmoderation: Peter Engert, ÖGNI

Nach seinem Studium der Betriebsinformatik an der Uni Wien und verschiedenen Berufsstationen bei Palmers, Agrana und Dogro zog es Peter ­Engert in die Finanzwirtschaft. Seit 2016 ist er G ­ eschäftsführer der ÖGNI, die sich die Förderung des nachhaltigen Planens, Bauens und Nutzens von Bauwerken zur Aufgabe­ gemacht hat.

Einleitung Österreich hat, wertfrei gesprochen, eine Regierung, die davon spricht, vieles verändern zu wollen und Überregulierung bekämpfen zu wollen. Wir wollen ihr bei dieser Aufgabe helfen und Ideen sammeln, was bei Immobilien künftig leichter und damit besser laufen soll. Auch zu Fragen betreffend Finanzierung war Peter Engert Ansprechpartner: ­ Fristenkonformität und Finanzierungsstruktur, Konditionen, Baukostencontrolling, Zahlungsplan, ­Risikomanagement, usw.

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Ergebnisse In Österreich gibt es eine Sanierungsquote von elenden 1,3%. Aufgrund der mangelnden Sanierungen wird unsere Bausubstanz von Jahr zu Jahr schlechter. Notwendige Investitionen ­finden nicht statt. Eigentum wird schlecht behandelt. Wir wollen unsere Baukultur und unseren Standard erhalten, jedoch fehlen für die Instandhaltung von Gebäuden die Mittel. Eine Ursache dafür ist ein veraltetes Mietrechtsgesetzt, ­dessen letzter Beschluss 1998 zurückliegt. Es tut also nicht mehr das was es sollte. Es gibt eine Vielzahl an nicht abgestimmten ­Gesetzten und Verordnungen. Änderungen sind dringend nötig. Dabei ist eine gute Balance zu halten. Ungeregeltes Mietrecht ist zu riskant, zu viele Regulierungen schränken den Markt zu sehr ein und verhindern sinnvolle Projekte. Im Moment ist Miete günstiger als Eigentum. Ein Beispiel ist die Rücklagenansparung über die Betriebskostenabrechnung. Durch eine Veränderung des Mietrechtsgesetzt in diesem Bereich werden Sanierungen möglich, von denen die ­ Mieterzukünftig profitieren können. Förderungen würden die Sa­ nierungsbereitschaft ebenfalls erhöhen und hätten einen positiven Effekt auf Sanierungsmaßnahmen für die Energieeffizienz. Durch eine veränderte Bauordnung könnte eine nachträgliche Konsenberichtigung erleichtert werden mit zum Beispiel 20 bis 30 Jahren Nachweispflicht. Das Baurecht sollte mit dem Wohnungseigentumsgesetzt gekoppelt werden für Berichtigungsverfahren. Derzeit wird die soziale Lenkung des Mietzinses vor allem für den Altbestand fast ausschließlich auf dem Rücken der Eigentümer ausgetragen. Die Regelungen von Zu- und Abschlägen gehören vereinfacht. Mietzinsförderung nach Lage wäre ­vorteilhaft. Für alte Verträge, z.B. mit Friedenszins, bedarf es einer befriedigenden Lösung für Eigentümer und Mieter.

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Revitalisierung vs. Neubau Worin unterscheidet sich die Partnerwahl? Susanne Prix, Donau-Universität Krems Susanne Prix ist Lehrgangsleiterin für den Universitätslehrgang "Sanierung und Revitalisierung" an der Donau-Universität Krems - Universität für Weiterbildung, Department für Bauen und Umwelt, den sie selbst auch 2013 absolviert hat. Im Laufe Ihres beruflichen Lebens hat sie sich in unterschiedliche Fachbereiche eingearbeitet und meist in internationalen Projekten Koordinationsund Organisationsaufgaben übernommen.

Einleitung Der Altbestand von zu sanierenden Gebäuden wächst und wird in unseren Breiten noch weiter zunehmen;­dies ist eine Tatsache, die wir nicht ändern können, was wir aber ändern können, ist unser Zugang! Den Bestand als Chance für Neues erkennen! Nicht in dem Sinne wie bisher oft praktiziert, als Fläche, die man durch Abriss für Neubau frei macht, sondern als kreative Herausforderung für alle Beteiligten; für Immobilienentwickler, die in den Kategorien von Kosten- und Nutzen­effizienz denken müssen; für Planer, die gefordert sind, auf schon Bestehendes in ihrer Planung einzugehen, für Nutzer, die lernen müssen, ihre Lebensgewohnheiten mit dem Leben in einem Altbestand zu verbinden.Risikomanagement, usw.

Ergebnisse Bestandsbauten sind Gebäude, die bereits existieren und wir tun gut daran, diesen Bestand als eine Chance zu sehen, denn er ist eine. Der Bestand in Österreich ist recht unterschiedlich. Es gibt Gebäude aus der Gründerzeit, der Biedermeierzeit, ­Gewerbebauten, Landhäuser, u.v.m. Die Ausgangsbedingungen sind also recht divers.

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Zu Beginn ist eine gute Bestandsaufnahme wichtig, denn diese weist darauf hin, welche und wie viele Beteiligte es dafür geben muss. Folgende Fragen treten dabei auf: Wie sieht der Umbauprozess aus? Wen brauche­ ich dafür? Habe ich einen Generalplan oder mehrere Einzelpläne? Lohnt sich die Finanzierung? Um welche Bestandsperiode handelt es sich? Welche Experten brauche ich für welche Themen? Am besten wird das Pro­cedere vertraglich festgehalten, damit alle Beteiligten die gleiche ­Ausgangslage haben. Oftmals scheut man sich vor den Kosten für die Sanierungsmaßnahmen, denn nach einer gründlichen Besichtigung (Begehung vor Ort ist unabdingbar) und der Bestandsaufnahme können noch einige unerwartete Arbeiten auftauchen, die mit der Bausubstanz und/ oder Bauschäden zu tun haben. Möglicherweise treten während der Arbeit auch zuvor unentdeckte Schäden auf. Hierfür sind ein gutes Risikomanagement und ein flexibel agierendes Team, das gut zusammenspielt, unabdingbar. Der Umbau eines Bestandsgebäudes bedarf guter Planung und Fingerspitzengefühls. Bei Sanierungen oder Umbauten gibt es keine Pauschalisierungen. Jedes Gebäude hat seine Geschichte und seine Eigen­heiten und ist nicht mit einem Neubau zu vergleichen. Es kann kein Standardschema darüber gelegt werden. Schön ist der Gedanke dahinter, die Geschichte eines Gebäudes zu erhalten. Dadurch erlangt das Gebäude nach der Sanierung auch erhöhte Aufmerksamkeit. Bei der Auswahl der Experten kommt es nicht nur darauf an, was sie gelernt haben oder welche Referenzen sie vorweisen können, sondern dass Ihr Herz auch für ein Objekt schlägt und sie sich darauf einlassen wollen. Es braucht erfahrene­ Leute mit Fingerspitzengefühl, die auch alte Regelwerte und Bauverfahren kennen, die früher gültig waren (z.B. Schadstoffe & Brandschutzgutachten). Die Einbindung der Behörden – sowie des BDAs – erleichtern einen Umbau und schaffen ­ sichere­ Situationen. Wer sich für den Umbau oder Sanierung entscheidet, will die Sache gut machen. Gut interagierende Expertenteams, die ­ möglichst früh in die Planung miteinbezogen werden und nicht nur das Feld sehen, sondern den Mehrwert für Eigentümer und Nutzer, führen zum Erfolg. Zuletzt braucht es Projektentwickler und Immobilienfachleute, die es verstehen, alles marketingtechnisch und imagegerecht zu vermarkten. 25


Neue Baustoffe in alten Gebäuden Tischmoderation: Reinhard Labugger, RM Engineering & Hubert Rinner, ÖGNI DI Reinhard Labugger ist Gründungsmitglied der ÖGNI. Er ist Ingenieurkonsulent für Bauingenieurwesen und Inhaber des Büros RM Engineering, welches sich schwerpunktmäßig mit nachhaltigem Planen, Bauen und Bewirtschaften beschäftigt. DI Hubert Rinner ist ÖGNI Gründungs­mitglied und Dienstleister. ER ist seit ­ vielen Jahren im Rotary-Club, unter anderem auch als Präsident, ehrenamtlich engagiert.

Einleitung Moderne Baustoffe können alter Bausubstanz schaden, da sie teilweise ganz andere Charakteristika haben, die sich mit historischer Bausubstanz nicht vertragen. Sie bergen aber auch tolle Verwendungsmöglichkeiten. Welche Chancen und Risiken gibt es hier.

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Ergebnisse Bei den Diskussionen kam die Frage auf, ob der Fokus allein auf Energieeffizient das Allheilmittel ist. Dabei kam ein deutliches „Nein“ heraus, denn im Mittelpunkt sollte man den ­Nutzer stellen. Vorab ist zu unterscheiden, ob es sich um neue oder alte Bausubstanz handelt, wie die Energieeffizienz im Moment aussieht und welche Verbesserungen im Bestand erzielt werden ­können. Wichtig ist auch zu bedenken, welche Bauschäden durch die ­Sanierung entstehen können, was vor allem bei historischen ­Gebäuden zum Tragen kommt. In der Diskussion wurde auch die Begrifflichkeiten der „Leistbar­keit“ definiert. Für wen sollen der Umbau und die damit einhergehende Wertneuerung leistbar sein? Hinzu ­ kommt, dass ­betreffend Gesetz und Auflagen Neu- und Altbau gleich ­behandelt werden, wobei hier unterschiedliche Betrachtungsweisen gefragt wären. Eine Lösung des Problems wird in der De­regulierung (für alle Branchen) gesehen, denn zu viele Bestimmungen verteuern den Bestand. Besprochen wurden auch alternative Energieansätze und ökologischer Bau. Die Behaglichkeit für die Nutzer und das Nutzerverhalten generell ist ebenso ein Aspekt, der bneachtet werden muss. Wie können beispielsweise Energienutzung und Luft­qualität verbessert werden. Die Conclusio der Diskussion war: „Es geht“. Dabei soll man den Blick aufs Ganze haben und nicht nur auf die Energieeffizienz.

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Sanierung im laufenden Betrieb – auf was kommt es an? Tischmoderation: Wolfgang Kradischnig, DELTA

Wolfgang Kradischnig ist seit 26 Jahren bei DELTA, wo Werte wie Nachhaltigkeit und partnerschaftliche Zusammenarbeit gelebt werden. Dem Wirtschaftsingenieur für Bauwesen sind der zukunftsfähige Umbau und die Revitalisierung mit Gebäudestrukturen, die mit ­ einfachen Mitteln Umnutzungen ermöglichen, besonders wichtig.

Einleitung Umbauten bei laufendem Betrieb stellen höchste Anforderungen an Nutzer und Bauteam. Es gibt eine Vielzahl von Möglichkeiten, wie ein Bauvorhaben dieser Art organisiert werden sollte. An diesem Thementisch tauschten sich Teilnehmer aus und diskutierten mit Branchenkollegen darüber, welche Erfahrungen es bei Umbauten im laufenden Betrieb gibt und welche Methoden und Werkzeuge sich bewährt haben.

Ergebnisse In den Diskussionssessions wurde vorrangig das Thema ­„Kommunikation beim Umbau“ diskutiert. Ohne gegenseitiges Verständnis gibt es kein gutes Miteinander und Schwierigkeiten auf vielen Seiten (Nutzer, Anrainer, Bauteam, …) können auftreten. Bei der Sanierung im Wohn- und Geschäftsbau muss die Verund Entsorgung auf Mieter- und/oder Nutzerseite sichergestellt sein, wenn die Baustelle läuft. Vorab muss festgestellt werden, welche Beeinträchtigungen die Mieter haben werden und ob diese eventuell sogar eine Mietreduktion rechtfertigen. Hier ist es wichtig, den Nutzern das Ergebnis des Umbaus zu kommunizieren und eventuell Alternativen anzubieten.

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Durch eine Messung der Kundenströme kann beispielsweise eine gerechtfertigte Mietreduktion (in Shopping-Centern) abgeleitet werden. Ohne klare Kommunikation und ­ Einbeziehung der Beteiligten kommt es auf der Baustelle viel eher zu Problemen mit Nutzern und Anrainern. Im schlimmsten Fall kann dies zur Erpressung führen, z.B. bei Kranüberfahrten über Fremdgrundstücke. In der Regel haben Nutzer mehr Verständnis als Anrainer. Zu Beginn des Umbaus ist eine 360 Grad-Analyse wichtig, um einen Gesamtüberblick über den Bestand zu erhalten und die Maßnahmen priorisieren zu können. Der Bauzeitplan und die Unterteilung der Bauschritte kann so ideal an die Gegebenheiten vor Ort angepasst werden. Für Beeinträchtigungen können zeitgerecht sinnvolle Maßnahmen überlegt werden (z.B. Staubschutz). Eine andere Frage ist, welche technischen Normen bei Umbauten zum Tragen kommen, welche jahreszeitbedingte ­Herausforderungen es gibt, welche Bedürfnisse der Nutzer hat, usw. Bei Beeinträchtigungen sollen alle Beteiligten ins Boot ­geholt werden. Offene Kommunikation ist gefragt. Und je früher Probleme angesprochen werden, desto ruhiger und sachlicher kann man damit umgehen und Lösungen überlegen. Dadurch lassen sich Konflikte vermeiden oder früher auflösen. Dahinter steht eine transparente Projektorganisation mit klaren Verantwortlichkeiten und Kompetenzen. Was bei Umbauten im laufenden Betrieb außerhalb des Gebäudes geschieht ist ebenso wichtig wie innerhalb des ­ ­Gebäudes. Sind Parkplätze für KFZund Fahrräder vorhanden? Sind Bushaltestellen noch verfügbar? Eine andere Frage ist, wie Mängelbehebung möglich ist, wenn das Gebäude wieder besiedelt ist. Wie geht man damit um? Auch dafür gilt es in enger Abstimmung mit den Nutzern Vereinbarungen zu treffen.

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Weiteres zu berücksichtigen ist das Thema Sicherheit. Wie kann man verhindern, dass betriebsfremde Personen ein Gebäude/ Gelände betreten? Durch Videoüberwachung der Baustelle und durch den Einsatz von Wachpersonal/Securities ist dies gut möglich. Auch Leitsysteme dienen der Sicherheit: Nutzer können so sicher (in Korridoren) durch die Baustelle geleitet werden. Wegführungen und Zugänge sollten jedoch, so weit möglich, aufrechterhalten werden. Fazit: Kommunikative Maßnahmen und eine möglichst frühe Einbeziehung aller Beteiligten sind wichtig. Mit den Nutzern abgestimmte Bauphasen und eine - insbesondere auch mit den Anrainern - abgestimmte Logistik sind wichtige Faktoren für die Problem- und Kostenminimierung (mit wenig Provisorien). Eine transparente Projektorganisation mit sozial kompetenten und umbauerfahrenen Ansprechpartnern und ein professionelles Konfliktmanagement helfen bei auftretenden Schwierigkeiten.

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Leistbares Wohnen nur mit Bestand? Tischmoderation: Elisabeth Olischar, Gemeinderätin Elisabeth Olischar ist seit 2015 Abgeordnete der ÖVP im Wiener Landtag und Gemeinderat und ist für die Themen Stadtplanung und -entwicklung, Planung, Landwirtschaft und Jugend zuständig. Stadtentwicklung ist ein sehr großes und vielschichtiges Thema – deswegen ist ihr als Raum- und Landschaftsplanerin ein interdisziplinärer Blick auf die Materie sehr wichtig – und hier spielt Wohnen und leistbarer Wohnbau eine ganz besondere Rolle.

Einleitung Dass Wien wächst, wissen wir – viele neue Stadtgebiete werden entwickelt. Die Diskussion, welche Rolle der Bestand in einer wachsenden Stadt einnimmt, ist definitiv noch zu führen, denn hier sind noch viele Fragen unbeantwortet. Folgendes wurde in der Diskussion umrissen: • Welche Maßnahmen braucht es bei innerstädtischer Verdichtung, um die Anrainer einzubeziehen? • Gibt es Alternativen zur Verdichtung? • Welche sonstigen Möglichkeiten gibt es den Anstieg der Preise bei gleichbleibendem Zuzug nach Wien zu mindern? • Leistbares Wohnen – wie definieren Sie diese Begrifflichkeit? • Welche Maßnahmen braucht es im Zuge einer Bauordnungsnovelle, um Bauen billiger zu machen? • Wie beurteilen Sie die Wohnbaupolitik Ludwigs?

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Ergebnisse Der Begriff „leistbar“ ist immer eine Frage der Perspektive. Wie kann es für Mieter und Vermieter leistbar sein? Und dann ist leistbar für Person A nicht gleich leistbar für Person B. Der Vermieter hat zum einen das Problem einer einheitlichen Gesetzgebung für Neubau und Altbau. Hier sollte bezogen auf ­ ­Gesetze und Vorlagen differenziert werden, da sie kaum 1:1 auf Altbau umlegbar sind und Besonderheiten nicht berücksichtigen. Diese Regelungen verteuern u.a. den Bestand. Diese Teuerung kann nicht auf den Mieter umgelegt werden, genauso wenig wie notwendige ­Investitionen in den Bestand. In Konsequenz wird manchmal versucht Altmieter rauszubringen, um einen Marktkonformen Mietzins verlangen zu können, was nicht zu einer zufriedenstellenden Lösung beiträgt. Das Zinshaus hat oft das Image des „Reichtums“. Stehen notwendige Sanierungen an, gibt die Bank keinen Kredit. In Folge werden viele Sanierungen nicht durchgeführt. Bestandsgebäude verfallen und das Stadtbild leidet. Durch überbordende Bestimmungen, fragwürdige Förderrichtlinien, fehlende Kredite und keine Chance, die Kosten an die Mieter weiterzugeben ist die Revitalisierung von Altbauten nicht attraktiv. Ein Lösungsansatz ist es, Altbau von gewissen Regelungen auszunehmen und unterschiedliche Betrachtungsweisen zwischen Neu- und Altbau zuzulassen. Für die Leistbarkeit wäre Deregulierung ein wichtiges Anliegen. Eine bundesweite differenzierte Förderung wäre zu überlegen. Es braucht Anreize zu einem leistbaren Preis. Für den Bestand ist zudem ein individueller Zugang nötig, da es hier viele Unterschiede gibt. Jedes Objekt braucht eine gesonderte Strate­gie, die an Zweck, Nutzung und einer Zielgruppe ausgerichtet ist. Man müsse auch nicht immer die höchste Stufe der Sanierung anstreben, um Kostenmäßig im Rahmen zu bleiben. Ein anderer Aspekt der Diskussion war „Leistbarkeit“ auf Mieterebene und der Mieterschutz. Die Frage ist, was heißt hier leistbar? Wie viel Prozent des Einkommens müssen oder dürfen für Miete aufgewendet werden? Eine Möglichkeit wäre, die Miete am Gehalt anzupassen, zumindest wenn man gemeinnützig wohnt (z.B. Gemeinde­bau, Sozialbau). Somit wird Missbrauch vorgebeugt. Eine gute Informationslage zwischen Mieter und Vermieter ist jedenfalls anzustreben, um beide Haltungen und Bedürfnisse zu verstehen.

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Flexibilität in Bestandsgebäuden. Wie multifunktional/flexibel muss ein zukunftsfähiges Gebäude sein? Moderation: Robert Wagner, Drees & Sommer

Robert Wagner verfügt über knapp 25 Jahre Erfahrung im Bereich Bau und TGA, welche er überwiegend in Großprojekten in Österreich und CEE gesammelt hat. Seit 2015 ist Robert Wagner Projektpartner bei Drees & Sommer in Wien.

Einleitung • Warum muss ein zukunftsfähiges ­Gebäude multifunktional/flexibel sein? • Wer profitiert von Multifunktionalität/ Flexibilität bzw. was ist die Motivation darin zu investieren? • Wer erwartet sich Multifunktionalität/Flexibilität? • Ist grundsätzlich jedes zukunftsfähig bzw. was ist Flexibilität wert?

Bestandsgebäude Multifunktionalität/

• Wie entscheidet man im Vorfeld über den Grad der ­erforderlichen Multifunktionalität/Flexibilität? Welche Kompetenzen sind hierfür eigentlich erforderlich und wann muss ich beginnen über Multifunktionalität/­ Flexibilität nachzudenken? • Wann braucht es Multifunktionalität/Flexibilität für Bestandsgebäude überhaupt und wann nicht?! • Was sind die typischen Fehler oder Versäumnisse in der Konzeption von multifunktionalen/flexiblen ­Bestandsgebäuden?

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• Wo sind die Grenzen der Multifunktionalität/­­ Flexi­bilität? • Was bedeutet der Grad der Multifunktionalität/ Flexibilität im Spannungsviereck von Entwickler, Investor, Nutzer und Betreiber?

Ergebnisse In der Gruppendiskussion wurde versucht „Flexibilität“ zu hinterfragen, da das Thema von verschiedenen Beteiligten unterschiedlich gesehen wird. Zu unterscheiden ist: • Die Gebäudeflexibilität, um auf Nutzungsänderungen rasch und günstig eingehen zu können • Wie flexibel ist der Nutzer und wie flexibel kann ich ihn machen. Z.B. die Arbeitsplätze in einem Büro – Smart Working, d.h. die gleiche Fläche für mehr Arbeitsplätze nutzen • Das Gebäude sollte als Ganzes flexibel sein, damit es auch wieder zurück gebaut werden kann und die Rohstoffe anderwärtig eingesetzt werden können Stadtwohnungen werden beispielsweise flexibel genutzt, u.a. für wohnen, arbeiten, pflege, als Gemeinschaftsräume. Hier ist zu Beginn zu überlegen, wie gebaut werden soll, damit das Objekt möglichst lange flexibel genutzt werden kann und wie schnell oder einfach es auf Nutzungsänderungen reagieren kann. Ein Gebäude muss im Stande sein, auch auf gesellschaftliche ­Änderungen reagieren zu können. So können sich jederzeit Familienstrukturen, Tagesabläufe oder Arbeitsabläufe verändern. Aktuell wird auf diese Veränderungen eher durch Neubau als durch Gebäudemodifikationen eingegangen. Wichtig wäre, dass die Flexibilität eines Gebäudes bereits in der Planungsphase ­berücksichtigt wird, um eine langfristige Nutzung zu gewährleisten. Unzählige Behördenvorschriften erschweren jedoch den Schritt, zukunftsfähige Gebäude anzuvisieren, da sie verunsichern.

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Für die Planung flexibler Gebäude oder die zielgerichtete Verwendung von Bestand bedarf es frühzeitiger, integraler Planung. Dies steigert die Wertigkeit des Gebäudes massiv und ver­ meidet späteren Abbruch. Man investiert quasi in die Zukunft, in dem man für Ressourcenerhalt sorgt. Der Betrachtungszeitraum sollte möglichst lange sein, damit die Flexibilität möglichst groß ist. Ein weiteres Thema war es, von „Zellengrößen“ wegzugehen. Die Arbeitswelt verändert sich, zum Beispiel durch „activity ­based working“ oder „paperless offices“. Zellenbüros werden obsolet. Familienstrukturen verändern sich. Familien werden immer kleiner, Wohngemeinschaften sind keine Ausnahmeerscheinung. Wenn ein Gebäude nicht flexibel ist, muss ich es abreißen. Ressourcenschonend ist es, wenn es lange verwendet werden kann. Dazu bedarf es zu Beginn einer Nutzungs­evaluierung bzw. Darstellung der Nutzungsmöglichkeiten für neue Mieter. Diese Erkenntnisse können gleich für die Vermarktung der Objekte eingesetzt werden. Im sozialen Bereich sollte die Rentabilität nicht an erster Stelle stehen, sondern Flexibilität, Nachhaltigkeit und Langfristigkeit. Die Versuche unterschiedliche Wohnformen zu vereinen, sollte auch von öffentlicher Hand gefördert werden.

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Wie sieht zukunftsfähige Haustechnik im Bestand aus? Wieland Moser, Käferhaus GmbH Ing. Wieland Moser Meng ist Geschäftsführer der Käferhaus GmbH und beschäftigt sich seit über 20 Jahre mit einer intelligenten Integration der gesamten Haustechnik bei hochwertigen Sanierungsprojekten. Immer im Fokus steht der Mensch mit seinen Bedürfnissen. Die wertvolle historische Bausubstanz kann bei einer nach­haltigen und angepassten Gebäude­ technik erhalten bleiben.

Einleitung Haustechnik nimmt einen immer größeren Stellenwert bei der Errichtung und im Betrieb von Gebäuden ein. Die Haustechnik wird immer komplizierter und auch für den Nutzer stellt sich immer mehr die Frage: wie viel Haustechnik brauche ich? Welche Unterschiede gibt es bei der Haustechnik im Bestand und Neubau? Welche Chancen ergeben sich daraus für den Bestand?

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Ergebnisse In der Diskussion kam man u.a. zu dem Ergebnis, dass sowieso das ganze Gebäude generalsaniert werden sollte und sich damit ganz neue Möglichkeiten für Haustechnik ergeben, z.B. Wärmepumpen. Das Aufrüsten ist oft kostspielig. Das Risiko dabei ist, dass man oft nicht das bekommt, was man erwartet. Man hat oft vorgegebene Strukturen oder gar Kontaminationen, die vorher nicht gesehen wurden, aber im Zuge eines Umbaus aufgedeckt werden. Eine gute Bestandsanalyse vorab minimiert dieses ­Risiko. Technik im Wohnbau sollte generell so simpel wie möglich ­bleiben, wobei es hier auch unterschiedliche Gewichtungen gibt. Eine Hightech Heizung ist gut. Cloud-Dienste braucht man ­weniger. Bei der Ausrüstung mit Haustechnik kommt es auch auf die Art des Gebäudes an. Bei historischen Gebäuden braucht es inno­ vative Ideen, um die Gebäude-Technik schonend in die bestehenden Strukturen zu integrieren.

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Location Architektonisch ist das Gebäude des REAKTOR vom spätklassizistischen-historistischen Stil und seiner Nutzung als Speisesaal, für Bälle, Ausstellungen, Konzerte und Vorträge als Etablissement Gschwandner geprägt. Nach dem Ende der gastronomischen Nutzung 1960, diente das Haus als Radiofabrik, an­ schließend als Requisitenlager. 2017 wurde das Gebäude saniert und nun als REAKTOR wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Das architektonische Kernstück des REAKTOR stellen die drei Säle aus unterschiedlichen historischen Bauphasen dar. Im Rahmen der Sanierung wurden vielfältig nutz­bare Infrastrukturen geschaffen, insbesondere auch ein Kino. Die vielseitig nutzbare Architektur des ehemaligen Veranstaltungsetablissements bietet mit ihren zeitlosen Qualitäten auch heute ideale Handlungsräume für Kulturschaffende, Symposien und Unternehmen.

Reaktor Wien Geblergasse 40, 1170 Wien www. reaktor.art

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Der Veranstalter Was zählt, sind die besten Ideen und innovativsten Lösungen für die Kommunikation von Immobilienunternehmen. Das Team von epmedia besteht aus SpezialistInnen, die jeden Tag über neue und erfolgversprechende Maßnahmen nachdenken und diese umsetzen. epmedia tritt als Veranstalter zahlreicher weiterer Events für die Immobilienbranche auf, wie dem Immobilienball, der re.comm und dem Immoaward Cäsar. Gemeinsam mit der Immobilien Magazin Verlag GmbH und den Medien Immobilien Magazin und immoflash ist die epmedia das größte Kommunikationsnetzwerk der österreichischen Immobilienwirtschaft. www.epmedia.at

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Rückblick

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