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DRAHTESEL 2016-3

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Produkte & Technik

Der Reibrollenmotor

schwindigkeit noch einmal steigern. Wirklich negativ bemerkbar macht sich die schwere Zusatzausrüstung beim Rangieren und Verstauen des Rades. Der Gepäckträger mit integriertem Akku macht unser Puch hecklastig und das Einsteigen in die Schnellbahn erfolgt mit erhöhtem Hexenschussrisiko. Leider ist der Gepäckträger zwar massiv gebaut, erlaubt aber nur 25 Kilogramm Zuladung. Zum Anbringen von Ortlieb- Packtaschen müssen zusätzliche Streben montiert werden. Der Reibrollenmotor Der etwas günstigere Reibrollenmotor vom Kärntner Start-up Add-e wurde von Werkstattleiter Marcin Dopieralski persönlich im ARGUS-Shop montiert. Auf den ersten Blick war nicht zu erkennen, dass das geliebte Velo jetzt ein E-Bike sein soll. Unter dem Tretlager versteckt sich etwas, das wie eine futuristische Schleifmaschine aussieht, und im Flaschenhalter steckte eine neue Trinkflasche. Kein Display, keine „Auto-Batterie“ am Gepäckträger. Die Erfinder von Add-e hatten bei ihrer Konstruktion freilich nicht unser altes Puch im Sinn. Unser Mechaniker hatte daher einiges zu tüfteln und anzupassen. Beim Rollenantrieb war zu-

nächst Skepsis angebracht. Wann hat sowas das letzte Mal funktioniert? Auf Uropas Velo Solex vielleicht. Was passiert, wenn es regnet? Was bleibt vom Kraftschluss, wenn der Reifen – so wie der unsrige – einen Höhenschlag hat? Aber: Es funktioniert erstaunlich gut! Die Rolle pickt am Hinterrad, lässt auch auf Schotterwegen nicht ab und findet bei größeren Schlägen sofort wieder Anschluss. Lediglich bei niedriger Leistungsstufe und hoher Geschwindigkeit stempelt der Antrieb. Man sollte also je nach Geschwindigkeit die passende Leistungsstufe wählen. Dies geschieht, indem man an dem „Flaschenverschluss“ dreht: Flasche auf heißt mehr Leistung. Im Gegensatz zum Mittelmotor wird die Kraftentfaltung nicht so unmittelbar und direkt erlebt. Das System benötigt ein bis drei Kurbelumdrehungen und eine gewisse Trittfrequenz bis es startet, was man durch vorausschauendes Fahren kompensieren sollte. Das Ansprechverhalten kann durch den Austausch der Magnetscheibe angepasst werden. In der Sportversion lassen sich darüberhinaus Leistungsstufen- und Geschwindigkeitsbegrenzung selbst festlegen. Aus dem Stand beschleunigt der Mittelmotor besser – der Rollenan-

trieb würde mit diesem Drehmoment vermutlich durchdrehen oder uns ein „Scherzerl“ aus dem Gummi schälen. Nach einigen Metern nähern sich allerdings die Beschleunigungskurven der Systeme an. Die 600-Watt-Maximalleistung der Add-e-Sportversion katapultiert Fahrer und Maschine zu Endgeschwindigkeiten jenseits des Beherrschbaren. Nach 30 Kilometern auf mittlerer Stufe stellte Add-e dann seine Hilfeleistung kommentarlos ein: Die Flasche ist leer. Eine Ladeanzeige sucht man vergeblich. Der Radnabenmotor Die große Enttäuschung in unserem Test ist der neu entwickelte Zwei-Gang Radnabenmotor, der uns ebenfalls von Firma Schachner zur Verfügung gestellt wurde. Bei diesem VorderradAntrieb scheiterte unser Umrüstversuch an der üppig dimensionierten Nabe dieses Antriebssystems, die in der alten Gabel keinen Platz findet. Ein Einbau hätte den Tausch der Gabel erforderlich gemacht – ein Stilbruch, den wir dem Oldtimer nicht antun wollten. Wir werden diesen Antrieb jedoch in einer der nächsten Ausgaben testen und auch weitere interessante E-Umrüstkonzepte vorstellen.

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befindet sich unter der Radnabe und ist auf den ersten Blick gar nicht erkennbar. Was aussieht wie eine Getränkeflasche, ist in Wirklichkeit die Batterie


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