Routenempfehlung Römer an der Donau (Auto)

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Auto-Kulturreise an der Donau „Römer“


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Auto-Kulturreise an der Donau „Römer“

„Faszination Donau - römisch erleben“ Die Donau ist mit 2.888 km Länge der zweitgrößte Strom Europas. Auf der Reise von ihrem Ursprung im bayerischen Schwarzwald zu ihrer Mündung im Schwarzen Meer durchquert sie zehn Staaten. Kein Wunder also, dass dieser Fluss seit jeher Kulturen verbindet. Ob als Naturraum, Grenzfluss, Handelsweg, Reiseroute, Heerstraße, … Die einst überragende Bedeutung des Donaustromes ist heute etwas in Vergessenheit geraten, ihr Mythos übt jedoch ungebrochen eine starke Faszination aus. Die Donau - die Lebensader Europas! Auf dieser Auto-Kulturreise entlang der österreichischen Donau begeben wir uns auf die Spur der römischen Faszination der Donau. Über 450 Jahre bildete der mächtige Strom als „nasser“ Limes die Nordgrenze des römischen Imperiums. Neben den Raffinessen des römischen Militärwesens erleben wir, wie die Besatzer fernab ihrer Heimat versuchten, ein Stück Rom zu schaffen. Originale Bauwerke und Funde laden zum Entdecken ein, anschauliche Replikationen und Animationen zum Verstehen. Viel Spaß auf dieser Zeitreise! Ausgangsort: Endort: Gesamtlänge: Dauer:

Passau Hainburg ~ 360 km 5 Tage

Tipp: In Hinblick auf die Öffnungszeiten der Museen empfiehlt es sich, diese Reise an einem Mittwoch zu beginnen. Die Reiseplanung ist als Vorschlag zu verstehen, den Sie gerne nach Ihren persönlichen Vorlieben adaptieren können. Sehenswürdigkeiten, die als zusätzliche Insidertipps oder Varianten angeführt sind, wurden unter Klammer „()“ gesetzt. Vergessen Sie trotzdem nicht, sich Zeit zum Genießen zu nehmen - weniger ist oft mehr!

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Die Route - Tag 1: Mittwoch „Von Passau nach Linz“ Diese Kulturreise startet in der wundervollen Dreiflüssestadt Passau - dem römischen Zollgrenzort Batavis. Das hiesige Römermuseum ist gleich das erste Highlight dieser Tour! Von Passau fahren wir vielfach auf der ehemaligen Trasse der Limesstraße durch das naturbelassene Herz eines der längsten Durchbruchstäler des Donaulaufes. Ein verborgenes Natur-Highlight, befinden sich darin doch letzte Urwaldreste und das sagenhafte Naturwunder der Schlögener Donauschlinge! Hier lässt sich ein wenig die ursprüngliche Abgeschiedenheit der Region zu römischer Zeit nachspüren. Infolge geht die Fahrt quer durch das für seinen Gemüseanbau bekannte Eferdinger Becken. Zum Abschluss durchbrechen wir noch das kurze, waldreiche Engtal der Linzer Pforte und stehen alsbald in Linz, dem römischen Lentia. Höhepunkte: - Passau - „Batavis - Eine Zollgrenzstation“ - Römermuseum Kastell Boiotro - „Ein Highlight!“ - Kraftwerk Jochenstein - „Ein Meilenstein der Limesstraße“ - Schlögener Donauschlinge - „Ein Naturwunder!“ Startpunkt: Passau

Endpunkt: Linz

Länge: ~ 85 km

Fahrzeit: ~ 1:30 h

Routenempfehlung: Passau - Engelhartszell - Eferding - Wilhering - Linz

- Tag 2: Donnerstag „Von Linz in den Strudengau“ Diese Etappe führt uns von Linz - dem römischen Handelsknotenpunkt Lentia - zunächst in das nahe gelegene Enns, einem Highlight dieser Reise! Zu römischer Zeit befand sich dort die blühende Verwaltungsstadt Lauriacum und ein Legionslager. Das hiesige LauriacumMuseum ist eine der bedeutendsten römischen Schausammlungen Österreichs und ein Erlebnis für sich! Weiter geht es nach der Donauüberquerung bei Mauthausen über die fruchtbare Schwemmlandebene des Machlandes. In Mitterkirchen erlaubt uns das Keltendorf authentische Einblicke in die Kultur der einheimischen Bevölkerung jener Tage. Im romantischen Donaustädtchen Grein endet schließlich diese Etappe am Beginn des legendären Strudengaus. Höhepunkte: - Linz - „Lentia - Handelsknotenpunkt & Kastell“ - Enns - „Lauriacum - Durch Legionsgarnison zur Verwaltungsstadt“ - Museum Lauriacum - „Ein Highlight!“ - Basilika St. Laurenz - „Die Wiege des oberösterreichischen Christentums“ - Keltendorf Mitterkirchen - „Keltische Kultur, Rinderbarone & Hallstätter Salz“

Startpunkt: Linz

Endpunkt: Grein

Länge: ~ 65 km

Fahrzeit: ~ 1:15 h

Routenempfehlung: Linz - Ebelsberg - Enns - Mitterkirchen - Grein

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- Tag 3: Freitag „Der legendäre Strudengau & die vielbesungene Wachau“ Vom mittelalterlichen Städtchen Grein fahren wir durch das waldreiche Durchbruchstal des Strudengaus, einst die gefährlichste Schifffahrtspassage des Donaulaufes! Noch heute erzählen verborgene Zeichen von den längst versunkenen Gefahren. Nach Persenbeug wird die Landschaft wieder breiter und ruhiger. Im idyllischen Donaustädtchen Pöchlarn treffen wir auf den Stützpunkt der Donauflottille Arelape. Nach Melk beginnt sich das Donautal wieder zu verengen und die vielbesungene Wachau - eine UNESCO-Welterbelandschaft beginnt. Der mächtige Donaustrom, üppige Weinberge, wehrhafte Kirchen, sagenumwobene Burgen, ... Ein Erlebnis für sich. Tagesziel ist schließlich Mautern, das römische Favianis. Es begeistert mit den eindrucksvollsten Überresten einer römischen Befestigungsanlage in Österreich - ein Highlight! Höhepunkte: - Fahrt durch den Strudengau - „Gefürchtet!“ - Pöchlarn - „Arelape - Ein Stützpunkt der Donauflottille“ - Mauternbach - „Eine Römerstraße & Gleisrillen“ - Mautern -„Favianis - Eine eindrucksvolle Befestigung!“ Startpunkt: Grein

Endpunkt: Mautern

Länge: ~ 82 km

Fahrzeit: ~ 1:45 h

Routenempfehlung: Grein - Persenbeug - Pöchlarn - Melk - Bacharnsdorf - Mauternbach - Mautern

- Tag 4: Samstag „Durch das Tullnerfeld nach Wien“ Mit dem heutigen Tag verlassen wir die engen Durchbruchstäler des Oberlaufes der Donau. Die Landschaft wird weiter, die Berge niedriger. Von Mautern fahren wir durch die weitläufige Ebene des Tullnerfeldes. Den mächtigen Donaustrom begleiten ausgedehnte Auwälder, dahinter breitet sich ein Mosaik aus fruchtbaren Feldern aus. In Traismauer entdecken wir die markanten Überreste des römischen Limesortes Augustianis. Kurz darauf sind wir in der bekannten Gartenstadt Tulln, dem Stützpunkt einer römischen Spezialeinheit. Das Tullner Römermuseum ist dabei ein Highlight! Nach kurzer Fahrt steht uns in Zeiselmauer ein Erlebnis der besonderen Art bevor - ein begehbares Kastell! Im Anschluss noch durch das kurze „Durchbruchstal“ der Wiener Pforte und wir erreichen die weltberühmte Donaumetropole Wien, das römische Vindobona. Höhepunkte: - Traismauer - „Augustianis - ein römischer Limesort“ - Tulln - „Comagenis - Spezialeinheit & Donauflottille“ - Römermuseum Tulln - „Ein Highlight!“ - Zeiselmauer - „Ein begehbares Kastell der Superlative“ Startpunkt: Mautern

Endpunkt: Wien

Länge: ~ 78 km

Fahrzeit: ~ 1:45 h

Routenempfehlung: Mautern - Traismauer - Zwentendorf - Tulln - Zeiselmauer - Klosterneuburg - Wien

- Tag 5: Sonntag „Von Wien nach Hainburg“ Die letzte Etappe dieser Reise ist zugleich ihr Höhepunkt! Unter der Weltstadt Wien liegt die versunkene Großstadt Vindobona. Das Wiener Römermuseum lässt diese förmlich wieder erstehen - ein Highlight. Im Anschluss folgen wir den weitläufigen Donauauen in Richtung Osten. Hier versteckt sich die letzte große Flussaulandschaft Mitteleuropas, der Nationalpark Donau-Auen! Nördlich davon liegt die weite Ebene des bäuerlichen Marchwww.donau-oesterreich.at


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felds. Am südlichen Hochufer stand zu römischer Zeit eine pulsierende Kaiserstadt mit über 50.000 Einwohnern: das legendäre Carnuntum! Auf dem Areal von rund 10 km² erlauben mehrere Ausgrabungsstätten und ein Museum spannende Einblick in jene Zeit. Weltweit einzigartig ist dabei die Römerstadt Carnuntum in dem mehrere funktionsfähige Römerbauten rekonstruiert worden sind! In Hainburg endet diese Reise schließlich mit wundervollen Panoramablicken vom keltischen Braunsberg. Nach all den Tagen am Strom kommt da schon ein wenig Wehmut auf. Das neue Wissen um die Faszination „Donau" lässt jedoch auch lächeln. Bis zum nächsten Mal, denn neue Augen sind es, die eine wahre Entdeckungsreise ausmachen. Höhepunkte: - Wien - „Vindobona-Legionslager & Großstadt“ - Römermuseum Wien - „So lebte man in Vindobona“ - Petronell-Carnuntum - „Die Stadt der Kaiser“ - Römerstadt Carnuntum - „Römische Architektur hautnah erleben“ - Heidentor - „Ein Triumphalmonument“ - Museum Carnuntinum - „Das Schatzhaus von Carnuntum“ Startpunkt: Wien

Endpunkt: Hainburg

Länge: ~ 50 km

Fahrzeit: ~ 1:15 h

Routenempfehlung: Wien - Petronell-Carnuntum - Bad Deutsch-Altenburg - Hainburg

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Die Römer an der österreichischen Donau Die Epoche der Römer an der österreichischen Donau Der österreichische Donauraum war von 15 v. Chr. - 488 n. Chr. Teil des römisches Imperiums. Die Eingliederung erfolgte mit der Annexion des keltischen Königreiches Noricum, der Abzug nach dem Zusammenbruch des Weströmischen Reiches. Die Römer kommen in den Donauraum Im Jahr 15 v. Chr. beschloss Kaiser Augustus - der erste römische Kaiser - das Reich nach Norden zu erweitern. Sein Beweggrund: die Schaffung einer sicheren Nordgrenze zwischen Gallien im Westen und dem Balkan im Osten. Die Donau bot sich dabei als perfekte Grenzlinie gegenüber den germanischen Stämmen im Norden an. Die Besetzung des südlich der Donau gelegenen keltischen Königreiches Noricum verlief erstaunlicherweise ohne großen Widerstand. Vielleicht lag es daran, dass die Römer bereits zuvor mit der hiesigen Bevölkerung intensive Handelsbeziehungen (Eisen, Gold, ...) pflegten oder auch, weil sie die einheimische Führungsschicht in die lokale Verwaltung mit einbezogen. Zu jener Zeit waren nur die Beckenlandschaften um Linz und Wien stark besiedelt, den restlichen Donauraum prägten dichte, fast menschenleere Wälder. Diese landschaftlichen Gegebenheiten machten eine durchgehende militärische Befestigung überflüssig. Vereinzelte Militärstützpunkte zur Überwachung der Donauübergänge reichten aus, um Präsenz zu zeigen. Unter Kaiser Claudius (10 v. Chr.-54 n. Chr.) wurde schließlich das erste große Militärlager an der Donau errichtet: Carnuntum! Dort kreuzte die legendäre Bernsteinstrasse - sie verband die Ostsee mit dem Mittelmeer - den Donaustrom. Überdies waren in dieser Region die germanischen Stämme sehr präsent. Die nächsten Truppenlager wurden an Fernstraßen im Inneren der Provinz errichtet. So konnten im gegebenen Fall rebellische Einheimische in Schach gehalten und gleichzeitig die Grenze rasch erreicht werden. Der Donaulimes - Entstehung und Fall Unter den flavischen Kaisern (69 n. Chr.-96 n. Chr.) erfolgte ein Strategiewechsel. Nun sollte eine durchgängige Kette von Befestigungen - später „Limes“ (= Weg, Schneise) genannt die Grenze sichern. Wehrhafte Holz-Erde-Kastelle mit auf das umliegende Gelände abgestimmten Besatzungen entstanden. In unwegsamem Gelände war Infanterie stationiert, in der Ebene Reiterei. Obendrein patrouillierte eine Donauflottille jede Flussmeile zumindest einmal am Tag. Unter Kaiser Hadrian (76-138) wurden schließlich die Truppenlager im Inneren der Provinz aufgelassen und alle Mann an den Limes verlegt. Im 2. Jhdt. n. Chr. begann man, die Militärlager auf Steinbauweise umzustellen. Ab dem Jahr 167 drangen die Markomannen auf Landsuche immer wieder weit in das Römische Reich ein. Infolge befehligte Kaiser Mark Aurel ab 172 schließlich höchstpersönlich von Carnuntum aus Feldzüge gegen den germanischen Norden. Eine weitere taktische Reaktion auf die schweren germanischen Übergriffe war die Errichtung eines großes Legionslager in Lauriacum (= Enns).

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Im 3. Jhdt. n. Chr. endet die anfangs friedliche Koexistenz mit den germanischen Stämmen vollends. Eine Neuorganisation der römischen Grenzverteidigung folgte: - Die Befestigungen der Kastelle wurden verstärkt. Dabei baute man auch die Eck- bzw. Zwischentürme zu weit vorragenden Fächer- bzw. U-Türmen um. Das Ziel: bessere Einwirkungsmöglichkeiten auf das Vorfeld. - Die Limes-Wachtürme wurden an strategisch wichtigen Punkten zu wehrhaften Kleinkastellen umgebaut. - Man reduzierte die stationären Grenztruppen in den Limeskastellen, dafür standen im Hinterland mobile Eingreiftruppen als Verstärkung bereit. Die Grenztruppen bestanden dabei mehrheitlich aus einheimischen Wehrbauern und Nichtrömern, das mobile Feldheer hingegen nur aus römischen Bürgern. Rückversicherung und Kostenersparnis zugleich! - Soldaten durften nun Ehen schließen und in der militärischen Siedlung außerhalb des Militärlagers wohnen. Zudem erhielten sie nach Abschluss ihrer Dienstzeit unabhängig von ihrer Herkunft volle Bürgerrechte. Im 5. Jhdt. n. Chr. nahmen die germanischen Übergriffe derart zu, dass sich die Militärs, ihre Familien und die zivile Bevölkerung dauerhaft in die Kastelle zurückzogen. Die Siedlungen vor den Militärlagern wurden aufgegeben. Nach dem Zusammenbruch des Weströmischen Reiches traten die Römer letztendlich im Jahr 488 n. Chr. ihren Rückzug an und verließen den Donauraum. Der Donaulimes und seine Befestigungen Nach aktuellem Forschungsstand bestand die Befestigung des Donaulimes im heutigen Österreich aus: - 4 Legionslager:

Enns, Albing, Wien, Carnuntum

- 16 Kastelle:

Oberranna, Schlögen, Eferding, Linz, Wallsee, Mauer, Pöchlarn, Mautern, Traismauer, Zwentendorf, Tulln, Zeiselmauer, Klosterneuburg, Schwechat, Fischamend, Höflein

- Mind. 16 Wachtürme Eine römische Erkenntnis: Danubius und Istros sind ident! Die Donau spielte bereits im antiken Griechenland eine bedeutende Rolle, wurde doch ihr Unterlauf vom Schwarzen Meer bis hinauf zum Eisernen Tor stark befahren. Die Katerakte des Eisernen Tores stellten allerdings ein so großes Schifffahrtshindernis dar, dass der Flussverlauf oberhalb davon für lange Zeit unklar blieb. Der griechische Geschichtsschreiber Herodot bezeichnet die Donau übrigens als Istros und hält sie für den größten Fluss der Erde. Die Römer brachten schließlich Klarheit über den Oberlauf. Sie erkannten auch, dass es sich beim Danubius und dem Istros um ein und denselben Fluss handelt. Davor und danach Als die Römer in den Donauraum kamen, trafen sie auf die Kelten. Deren Name wurde vom griechischen Geschichtsschreiber Herodot geprägt und bezeichnet alle Stämme im weiten Umfeld der Donauquelle. Die Kelten waren also nie eine geschlossene Volksgruppe, sondern unabhängige Stämme mit ähnlicher Kultur oder ähnlicher Sprache. Der Name „Donau“ www.donau-oesterreich.at


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leitet sich im Übrigen vom keltischen Wort „Danubius“ - einem keltischen Flussgott der Donau - ab. Nach den Römern folgte die Zeit der Völkerwanderung aus der schließlich das Fränkische Reich als neue Großmacht - der Vorläufer des Heiligen Römischen Reiches - hervorging. Damit verlagerte sich das politische Schwergewicht vom Mittelmeerraum in das Herz Europas.

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Die Sehenswürdigkeiten Tag 1: Mittwoch „Von Passau nach Linz“ Passau - „Batavis - Eine Zollgrenzstation“ Die bayerische Dreiflüssestadt Passau zählt zu den schönsten Donauorten dieser Kulturreise. Ihre Altstadt begeistert mit wundervoller Lage zwischen den Strömen - Donau, Inn und Ilz und italienisch barockem Flair. Einfach sagenhaft! Schon im 2.-1. Jhdt. v. Chr. bestand auf der Altstadt-Halbinsel eine befestigte keltische Siedlung mit annähernd gleicher Ausdehnung wie die spätere Stadt im Hochmittelalter. Durch die Dreiflüsselage spielte überregionaler Handel eine große Rolle - vor allem mit Salz, feuerfestem Geschirr und Graphit. Das Salz kam vom legendären Dürrenberg in Hallein und das Geschirr wurde durch die Beimengung von Graphit aus dem nahgelegenen Kropfmühl besonders feuerfest. Um 50 v. Chr. gaben die Kelten diese Stadtsiedlung aus bislang unbekannten Gründen wieder auf. Als die Römer 15. v. Chr. ihr Reich bis an die Donau ausweiteten, spielte Passau zunächst keine Rolle. Erst als Kaiser Claudius (41-54 n. Chr.) die Provinzen neu organisierte, grenzte der Inn nun nicht nur die Provinzen Rätien und Noricum, sondern auch den gallischen und den illyrischen Zollbezirk voneinander ab. In dieser Zeit dürfte in Passau auf der AltstadtHalbinsel eine befestigte Zollstation entstanden sein, die später durch ein Kastell am Domberg ergänzt wurde. Um diese Anlage entwickelte sich eine blühende Handelssiedlung. Fast „zeitgleich“ entstand um 90 n. Chr. auf norischem Ufer das Kastell Boiodurum, das den Donaulimes befestigte. Dieses bildete den Siedlungskern für die heutige Innstadt. Um 250 n. Chr. wird das römische Passau durch einfallende germanische Stämme völlig zerstört. Infolge entwickelt sich auf der Halbinsel die Festungsstadt Batavis in der Militär- und Zivilbevölkerung zusammenleben. Der Namen „Passau“ leitet sich im Übrigen von „Batavis“ ab. Auf norischer Seite wird um 300 n. Chr. weiter innaufwärts das burgartige Kastell Boiotro errichtet. Es diente wahrscheinlich zur Sicherung eines Brückenkopfes und des Hafens. Um 375 scheint dieses neue Kastell wieder aufgegeben worden zu sein, sodass im 5. Jhdt. der Hl. Severin darin ein Kloster einrichten konnte. Kaum bekannt: Die Römer zogen Meersalz dem Steinsalz der Alpen vor. Der damit verbundene Absatzrückgang machte den Salzbergbau am Dürrenberg in Hallein unrentabel, sodass dieser schließlich eingestellt wurde. Wer hätte das gedacht? Tipp: Ein Rundgang durch die mittelalterliche Innstadt und die barocke Altstadt lässt die einstigen Römerörtlichkeiten erahnen. Um diese leichter zu erkennen, empfiehlt sich zuvor ein Besuch des Römermuseums Kastell Boiotro! - Römermuseum Kastell Boiotro - „Ein Highlight!“ Das Römermuseum Kastell Boiotro ist ein Erlebnis für sich! Die Ausstellung lässt mit spannend inszenierten Fundstücken aus Passau nicht nur die städtische Entwicklung jener Zeit anschaulich nachvollziehen, sondern auch in die Welt der Römer eintauchen. Ein Highlight dieser Reise! Apropos „Boiotro“: Das historische Museumsgebäude ruht tatsächlich auf den Fundamenten des römischen Kastells Boiotro.

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Besonderheiten, auf die Sie achten sollten: - Eine hochwertige 3D-Animation lässt die drei römischen Kastelle Passaus quasi wieder erstehen. Dabei lassen sich auch die Redimensionierungen der Limeswehrbauten im Laufe der Jahrhunderte sehr gut erkennen. - Das Modell einer Prahme (= Lastkahn) mit Treidelmast lässt die Technik entdecken, wie anno dazumal Lastboote stromaufwärts gezogen wurden. Diese Boote konnten übrigens bis zu 20 Tonnen befördern. - Eine Replikation der Tabula Peutingeriana - mehr dazu im Anhang unter dem Exkurs „Die römischen Straßen“ - gewährt Einblicke in das Kartografiewesen der damaligen Zeit und zeigt das gewaltige Straßennetz des Römischen Reiches! - Ein Modell einer Groma (= Vermessungsinstrument) lässt die Möglichkeit der Perfektion römischer Baukunst besser verstehen. - Zahlreiche Spiele geben Rückschlüsse auf die römische Lebensart. Tipp: Das Museum bietet spannende Einblicke in die Welt der (Donau-)Römer. Quasi ein Muss für jeden römischen Donaufahrer! Adresse: Öffnungszeiten: Kontakt: Verweildauer:

Römermuseum Kastell Boiotro, Lederergasse 43, D-94032 Passau März-November Di-So 10.00-16.00 Uhr www.stadtarchaeologie.de 1-? Stunden (je nach Detailinteresse)

- Kirche St. Severin - „Eine Kirche aus römischer Zeit“ Am Westende der Innstadt befindet sich die turmlose Severinskirche. Sie wurde im Mittelalter nach dem Hl. Severin von Noricum benannt, der um 460 n. Chr. in den Ruinen des nahgelegenen Römerkastells Boiotro eine Klosterzelle errichtet hat. Zu jener Zeit bestand diese Kirche schon. Ihr Standort dürfte also auf einen uralten Kultplatz zurückgehen. Severin hat diese Urkirche übernommen und dem heiligen Johannes dem Täufer geweiht. Heute zählt das Gotteshaus und der umliegende Friedhof zu den ältesten durchgängig genutzten Kultstätten Deutschlands. Sagenhaft, oder? Mehr vom Wirken des Hl. Severin erfahren wir später in Mautern, dem Sterbeort des Heiligen. Auch auf diese Besonderheiten sollten Sie achten: - In der Kirche veranschaulicht ein Plan deren architektonische Entwicklung seit frühchristlichen Tagen. Damit können Sie auch jene Teile der Kirche erkennen, die schon der Hl. Severin gekannt hat! - Das Kirchengebäude ist eine Saalkirche (= einschiffiges Gotteshaus ohne Säulen) mit hölzerner Flachdecke - eine Rarität! - Der römische Gedenkstein aus dem 3. Jhdt. n. Chr. unter der Empore erinnert an die lange Tradition dieser Kirche. - Die ältesten Grabsteine am Friedhof um die Kirche stammen aus dem 13. Jhdt.! - Der wundervolle Kontrast zwischen dem gotischen Chorraum und dem modernen, 7 m hohen (!) Steinkreuz hinter dem Altar.

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Tipp: Ein Besuch des Gotteshauses und des Friedhofes lohnt sich – so etwas bekommt man nicht alle Tage zu sehen! Adresse: Öffnungszeiten: Kontakt: Verweildauer:

Kirche St. Severin, Am Severinstor, D-94032 Passau täglich www.pfarrei-innstadt.de 15 Minuten

(Kraftwerk Jochenstein -„Ein Meilenstein der Limesstraße“) Etwas stromabwärts des Kraftwerks Jochenstein steht am Treppelweg ein Replikat eines römischen Meilensteins der Limesstraße! Der Originalstein stand hier einst irgendwo im Umfeld 15 Römische Meilen (ca. 22,5 km) von Boiodurum entfernt. Der exakte Verlauf der Limesstraße ist in diesem Abschnitt leider nicht mehr rekonstruierbar. Zu Beginn des 3. Jhdts. wurden die Befestigungsanlagen des Donaulimes auch mit einer Straße verbunden, der Limesstraße. Ursprünglich militärisch konzipiert, entwickelte sich diese zu einer wichtigen West-Ost-Verkehrsroute. Vor allem hier im steilen Donauengtal erleichterte diese das Vorwärtskommen enorm. So verläuft die Nibelungenstraße noch heute vielfach auf der Trasse der einstigen Limesstraße. Mehr zu den römischen Straßen finden Sie im Anhang. Adresse: Öffnungszeiten: Verweildauer:

Kraftwerk Jochenstein; am südlichen Treppelweg rund 700 m stromabwärts Außenbesichtigung 20-30 min (mit Spaziergang dorthin)

Fahrt durch das Obere Donauengtal -„Die letzten Hang- und Schluchturwälder“ Eher unbekannt: Zwischen Passau und Aschach befinden wir uns in einer der längsten von insgesamt neun Durchbruchsstrecken entlang der Donau. Dieses Engtal erstreckt sich über 90 km(!), von Hofkirchen in Bayern bis nach Aschach in Oberösterreich. Während die Talflanken westlich von Passau flacher und niedriger ausgeprägt sind, ragen diese hier steil und bis zu 300 m auf. Kurz nach der Schlögener Donauschlinge befindet sich im Übrigen die höchste Uferflanke des gesamten Donaulaufes - der Burgstall! Eine verborgene Rarität dieses Donauengtals sind die großen naturnahen (= urwaldartigen) Hang- und Schluchtmischwälder! In den schwer zugänglichen Donauleiten konnten diese überdauern, während die umliegende Landschaft stark vom Menschen geprägt wurde. Heute sind diese Hang- und Schlucht-Urwälder in Mitteleuropa eine herausragende Besonderheit, zudem ist deren große Ausdehnung im gesamten europäischen Donauraum einmalig! Mehr über die Naturschätze der Donauleiten finden Sie unter www.donauleiten.com. Schon bemerkt? Die urigen Hangmischwälder befinden sich hauptsächlich am Nordufer der Donau, während das Südufer von Fichten dominiert wird. Da stellt sich doch die Frage: „Wieso ist das so?“ Auflösung siehe Anhang.

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(Oberranna - „Ein verborgenes Kleinkastell“) In Oberranna weist am östlichen Siedlungsende eine verblichene Tafel auf ein römisches Kleinkastell (Innenmaße 12,5x17 m) hin. Zu sehen ist vor Ort leider außer einer privaten Dauerbaustelle nichts. Es soll sich bei diesem Kleinkastell um Stanacum handeln. Darüber wir jedoch heftig diskutiert, ebenso wie über die Funktion der Anlage: Sicherung der Ranna-Mündung, Flankenschutz für das Kleinkastell Schlögen, …? Seine runden Ecktürme lassen auf eine Entstehung im 4. Jhdt. n. Chr. schließen. Trotz einer größeren Grabung und einer Notgrabung weiß man nicht sehr viel über die Anlage. Was jedoch als gesichert betrachtet werden darf, ist, dass die Nibelungenstraße hier der Trasse der einstigen Limesstraße folgt. Adresse:

Oberranna, 4085 Wesenufer-Waldkirchen

Schlögener Donauschlinge - „Ein Naturwunder!“ In Schlögen stehen wir am Donauufer auf Augenhöhe mit dem sagenhaften Naturwunder der Schlögener Schlinge. Die Donau hat sich hier tief in die Landschaft eingegraben und wechselt innerhalb weniger Kilometer gleich zweimal ihre Richtung um nahezu 180 Grad - einfach sagenhaft! Kein Wunder, dass die Schlögener Schlinge damit „das“ Naturhighlight der österreichischen Donau und eines der bekanntesten Naturschauspiele des gesamten Donaulaufs ist. Einst zählte die Schlögener Schlinge ob ihrer reißenden Strömung und tückischen Felsen zu den gefährlichsten Stellen des Donaustroms. Adalbert Müller beschreibt diese um 1856 in seiner Reisebeschreibung sehr eindrucksvoll: „... kaum findet man bis zum Strudel hinab eine stärkere Strömung. Der Grund des Bettes ist felsig, einzelne Massen, die Vorsicht des Schiffers auffordernd, ragen wie Ungeheuer aus den Wellen hervor, sich an ihnen schäumend und mit dem Geräusch eines Wasserfalls brechen.“1 Mit dem Bau des Donaukraftwerks Aschach im Jahre 1964 versanken auch die Ungeheuer der Schlögener Schlinge in den tiefen Wassern des Rückstaus. Der Strudel, den Adalbert Müller erwähnt, bezeichnet übrigens die gefürchteten Wasserstrudel (= Struden) des Strudengaus. Mythos Donauschifffahrt! Tipp: Die ganze Faszination und Einzigartigkeit dieses Naturwunders wird erst so richtig in der Draufsicht vom Aussichtspunkt „Schlögener Blick“ bewusst. Er lässt still werden, staunen, demütig sinnieren, ... - ein magischer Ort! Der Schlögener Blick ist vom Hotel „Donauschlinge“ in rund 20-30 minütigem, teils steilem Spaziergang erreichbar. Die Mühe lohnt sich aber! Alternativtipp für Personen, die nicht so gut zu Fuß sind: Der Schlögener Blick kann auch von einem Donausteig-Parkplatz oberhalb in 15 Minuten Gehzeit fast eben erreicht werden.

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Quelle: Buch „Naturerlebnis Donautal“

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Adresse: Öffnungszeiten: Kontakt: Verweildauer:

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Hotel „Donauschlinge“, Schlögen 2, 4083 Haibach an der Donau Außenbesichtigung www.donauschlinge.at 1-1,5 h (mit Spaziergang zum Aussichtspunkt „Schlögener Blick“)

Schlögen - „Kleinkastell mit Patrouillen-Hafen“ In Schlögen entdecken wir vor dem südwestlichen Nebeneingang des Hotel „Donauschlinge“ die Mauerreste eines römischen Lagertors - das Kleinkastell Ioviacum! Die Anlage wurde zwischen 175 und 200 n. Chr. errichtet und bot mit einer Größe von rund 0,65 Hektar rund 150 Soldaten Platz. Das dazugehörige Lagerdorf (= vicus) befand sich auf der gegenüberliegenden Bachseite (heute Campingplatz). Funde von römischen Schiffsländen lassen hier auch einen Stützpunkt der Schiffspatrouillen vermuten. Tipp: Eine Informationstafel zeigt vor Ort die Lage und Ausdehnung des Kleinkastells! Adresse: Öffnungszeiten: Kontakt: Verweildauer:

Hotel „Donauschlinge“, Schlögen 2, 4083 Haibach an der Donau Außenbesichtigung www.donauschlinge.at 10 Minuten

Fahrt durch das Eferdinger Becken - „Auen & Gemüse“ Zwischen Aschach und Ottensheim öffnet sich das Donautal zum weitläufigen Eferdinger Becken. Eine faszinierende Kulturlandschaft: die mächtige Donau mit ihren üppigen Auen, ein Mosaik aus fruchtbaren Feldern, stattliche Vierkanthöfe, ... Einst durchzogen hier zahlreiche Donauarme eine urwaldartige Sumpflandschaft. Ein höllischer Abschnitt für die Schiffsleute jener Zeit, die hierdurch ihre Boote stromaufwärts ziehen mussten. Heute ist der Strom gezähmt und das Umland kultiviert. Das Eferdinger Becken ist nun weithin bekannt für seine Fruchtbarkeit und vor allem seinen Gemüseanbau. (Eferding - „Wo ist das Kastell Ad Mauros?“) Eferding liegt im Zentrum des gleichnamigen Landschaftsbeckens einige Kilometer südlich des Donaustromes. Die drittälteste Stadt Österreichs begeistert mit ihrem einzigartigen mittelalterlichen Hauptplatz! Das wundervolle Gesamtensemble erzählt von Wohlstand und Herrschaft. Zu römischer Zeit soll hier das Kastell Ad Mauros den Donaulimes gegen die freien Germanenstämme nördlich der Donau befestigt haben. Trotz zahlreicher Kleinfunde konnte dessen genauer Standort aufgrund starker Bodenzerstörung im Zuge mittelalterlicher Überbauung noch nicht gefunden werden. Das Kastell wurde vermutlich im 1. Jhdt. n. Chr. errichtet und diente in der Spätantike einer Reitereinheit als Garnison. Eferding war damals übrigens ein wichtiger Straßenknotenpunkt: Hier mündete die Straße aus Ovilavis (= Wels; unter Kaiser Diokletian Provinzhauptstadt) in die Straße entlang des Donaulimes. Zudem dürfte die Siedlung an einem Seitenarm der Donau gelegen und somit auch über einen kleinen Hafen verfügt haben. www.donau-oesterreich.at


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Zum Nachdenken: Das Kastell Ad Mauros (Eferding), das Kastell Lentia (Linz) und das Legionslager Lauriacum (Enns) liegen in relativ kurzen Abständen. Das könnte ein Indiz für einen Brennpunkt am Donaulimes sein!? (- Schloss Starhemberg - „Das Stadtmuseum - Funde aus der Römerzeit“) Das stattliche Schloss Starhemberg liegt in einer Parkanlage am Nordende des Stadtplatzes von Eferding und schafft im Stadtkern herrschaftliches Flair. In ihm ist auch das Stadtmuseum untergebracht, in dem mehrere Ausstellungsräume lokale Funde aus römischer Zeit präsentieren. Adresse: Öffnungszeiten: Kontakt: Verweildauer:

Schloss Starhemberg, Kirchenplatz 1, 4070 Eferding 1. Mai bis 30. September; So; Fei 10.00-12.00 Uhr und 14.30-17.30 Uhr www.starhemberg.com 30 Minuten (nur römischer Teil der Ausstellung)

Fahrt durch die Linzer Pforte - „Donaudurchbruch & Ein verborgener Wachturm“ Zwischen Ottensheim und Linz fahren wir durch ein kurzes naturbelassenes Donauengtal. Diese waldreiche Durchbruchstrecke verbindet das landwirtschaftliche Eferdinger Becken mit dem städtischen Linzer Becken - daher auch ihr Name „Linzer Pforte“. Kaum vermutet, gehört dabei der Kürnberg (südlich der Donau) geologisch eigentlich zur Böhmischen Masse (nördlich der Donau) und wurde von der Donau nur abgetrennt. Apropos Kürnberg! In dessen steiler Waldflanke verbergen sich rund 50 Höhemeter über der Donau die Mauerreste eines römischen Limes-Wachturmes. Mehrere Infotafeln geben vor Ort Aufschluss über dessen ursprünglichen Aufbau. Beeindruckend ist auch die Platzwahl: Das Blickfeld deckte den Großteil dieses Donauengtales ab. Geheimtipp: In der Kürnbergflanke verläuft eine sehr stimmungsvolle Etappe des Weitwanderweges „Donausteig“, welche übrigens auch am Römerturm „Hirschleitengraben“ vorbei führt. Es lohnt sich, der Faszination Donau auch mal zu Fuß zu folgen!

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Tag 2: Donnerstag „Von Linz in den Strudengau“ Linz - „Lentia - Handelsknotenpunkt & Kastell“ Linz ist heute weltbekannt als vielfältige Kulturstadt von europäischem Format und wird ob seiner faszinierenden Symbiose von Industrie und Kultur bestaunt. Der Name „Linz“ leitet sich vom keltischen Wort „lentos“ ab, was soviel wie „biegsam, gekrümmt“ bedeutet. Wenn man den Verlauf der Donau hier betrachtet, wird der Grund für diese Namenswahl bewusst. Erste Siedlungsspuren finden sich in Linz am Gipfel des Freinberg - eine jungsteinzeitliche Ringwallanlage. Die Kelten verlegten die Siedlung im 1. Jhdt. v. Chr. weiter bergab auf den heutigen Römerberg. Bereits um 20 n. Chr. entstand dort eine zivile römische Siedlung. Kein Wunder kreuzte sich in Lentia doch die Wasserstraße der Donau mit einer alten Nord-SüdHandelsroute. Um 50 n. Chr. begannen die Römer, diesen strategisch wichtigen Donauübergang mit einem Reiter-Kastell zu sichern. Die Siedlung gedieh prächtig und reichte im 2.-3. Jhdt. n. Chr. schon weit in die Donauebene - bis zur Spittelwiese. Um 270 n. Chr. wurde Lentia durch die Germanen das erste Mal zerstört, so wie später im 3. Jhdt. n. Chr. auch noch mehrere Male. Infolge gab man das Kastell auf und errichtete eine Festungsstadt in der Militär- und Zivilbevölkerung bis zum Abzug der Römer lebten. So nebenbei: Wie der Name „Römerberg“ vermuten lässt, wurden dort auch die ältesten römischen Funde entdeckt - Flurnamen lesen lernen! (- Schlossmuseum - „Das größte Universalmuseum Österreichs“) Erhaben thront das mächtige Linzer Schloss über der Donau und zeugt von einer bedeutungsvollen Vergangenheit. In seinem teilweise zeitgenössisch modernen Inneren ist das Schlossmuseum untergebracht - das größte Universalmuseum Österreichs! Natürlich verfügt dieses auch über eine kleine Römerabteilung. Darin sollten Sie auf folgende Besonderheiten achten: - Zwei Figurinen erlauben den direkten Vergleich einer schweren Kampfuniform mit einer leichten Dienstuniform. - Es sind auch Maurerwerkzeuge wie Kellen, Spachteln, ... ausgestellt. Diese sieht man nicht alle Tage. Tipp: Wer viel Zeit hat, kann sich im Schlossmuseum in zwei Ausstellungsräumen einen Überblick über die Römer in Oberösterreich verschaffen! Adresse: Öffnungszeiten: Kontakt: Verweildauer:

Schlossmuseum, Schlossberg 1, 4020 Linz Di-Fr 09.00-18.00 Uhr, Do 09.00-21.00 Uhr, Sa/So/Fei 10.00-17.00 Uhr www.landesmuseum.at/schlossmuseum 20 Minuten (nur Römerabteilung)

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(- Martinskirche - „Die älteste Kirche Österreichs“) Unweit des Linzer Schlosses steht am Römerberg eine kleine Kirche - die Martinskirche. Lange Zeit galt sie als die älteste erhaltene Kirche Österreichs. Heute ist das nicht mehr haltbar, dennoch erfolgt ihre erste urkundliche Erwähnung schon 799, gemeinsam mit dem Linzer Schloss. Während Restaurierungsarbeiten kamen römische Inschriftensteine und eine römische Ofenanlage zutage, welche heute durch eine Glastür besichtigt werden können. Der Innenraum darf nur im Zuge einer Führung betreten werden. Adresse: Öffnungszeiten: Verweildauer:

Martinskirche, Martinsgasse 3, 4020 Linz Täglich; Blick durch eine Glastür 5-10 Minuten

(Turm 9-Stadtmuseum Leonding - „Ein Geheimtipp!“) Das Stadtmuseum Leonding befindet sich im ehemaligen Geschützturm 9 der Maximilianischen Festungsanlage von Linz. In der gut inszenierten Ausstellung werden unter anderem lokale Funde aus der Römerzeit präsentiert. Das verborgene Highlight dieses Museums ist das Replikat eines römischen Reisewagens - eine absolute Rarität! Adresse: Öffnungszeiten:

Kontakt: Verweildauer:

Turm 9-Stadtmuseum Leonding, Daffingerstraße 55, 4060 Leonding Do-Sa 13.00-18.00 Uhr: Fei geschlossen Sommerpause: Juli-August Auf Anfrage Besichtigung außerhalb der Öffnungszeiten möglich einfach freundlich Fragen! www.leonding.at 1 Stunde

Traunfluss - „Die Traun und das Salz aus dem Salzkammergut“ Ruhig und gemütlich fließt die Traun in ihrem stark regulierten Bett an Ebelsberg vorbei. Man sieht es ihr heute kaum an, aber sie verfügt über eine uralte Tradition der Salzschifffahrt - auf ihr kam einst das Salz des Salzkammergutes an die Donau! In Hallstatt wird bereits seit Jahrtausenden Salz abgebaut. Dort gemachte Funde geben sogar einer ganzen Geschichtsepoche ihren Namen - der Hallstattzeit (800-450 v. Chr.). Seit mindestens 700 v. Chr. wird Salz in Hallstatt in großen Mengen gewonnen. Der Weitertransport erfolgte dabei vielfach über den Wasserweg der Traun. Der Fluss hatte jedoch seine Tücken. Der Oberlauf von Hallstatt bis Ebensee war wild, der Unterlauf von Gmunden bis zur Donau teilweise seicht. Zudem bildeten der Wilde Laufen (im Oberlauf) und der Traunfall (im Unterlauf) schwierige Schifffahrtshindernisse. Um das 4. Jhdt. v. Chr. wurde das Hallstätter Bergbaugebiet durch einen gewaltigen Bergsturz verschüttet. Infolge kam wahrscheinlich der dortige Salzabbau zum Erliegen. Das dürfte auch der Anlass gewesen sein, um den Dürrenberg in Hallein als neues Hauptabbaugebiet zu erschließen. Zu römischer Zeit konnte bislang kein Salzabbau nachgewiesen werden, wohl aber eine Siedlung am Ufer des Hallstättersees. Diese entstand um 100 n. Chr. www.donau-oesterreich.at


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und erreichte ihre Blütezeit im 2.-3. Jhdt. n. Chr. Dasselbe gilt übrigens auch für eine römische (Salz-)Siedlung am benachbarten Altausseersee. So nebenbei: Erst im 14. Jhdt. ist in Hallstatt wieder Salzgewinnung belegbar. Ihre Blütezeit folgte im 16. Jhdt., als die Habsburger den ausländischen Salzimport in die österreichischen Erblande zugunsten der habsburgischen Salzproduktion im Salzkammergut stoppten. Damals begann auch der Ausbau der Traun als Schifffahrtsweg. Die Traun - ein Fluss mit großer Vergangenheit! Enns - „Lauriacum - Durch Legionsgarnison zur Verwaltungsstadt“ Enns gilt als älteste Stadt Österreichs und bezaubert mit ihrer mittelalterlichen Altstadt! Erhaben liegt diese auf einem sanft in die Donauebene auslaufenden Geländerücken, rund 4 Kilometer von der Enns-Mündung in die Donau entfernt. Ihre prachtvollen Fassaden erzählen von Reichtum und Wohlstand durch blühenden Handel. Einfach sehenswert! Schon am Beginn des 1. Jhdts. n. Chr. entstand in Enns eine zivile römische Siedlung Namens „Lauriacum“ - ein Indiz für die Bedeutung dieses Ortes als Handelsstützpunkt. Als die Germanen im 2. Jhdt. n. Chr. bei ihren immer massiver werdenden Übergriffen schließlich bis nach Italien vorstießen, verstärkten die Römer hier den Donaulimes mit einem Legionslager. Dieses wurde ursprünglich an der Enns-Mündung in die Donau (nahe Albing) errichtet, aber bald nach Lauriacum verlegt. Lauriacum war übrigens eines von vier Legionslagern entlang der österreichischen Donau und das einzige im heutigen Oberösterreich. Eine Legion war dabei die ranghöchste militärische Einheit einer Provinz. Das spiegelt sich auch darin wider, dass der Legionskommandant gleichzeitig die Funktion eines Provinzstatthalters innehatte. Diese Tatsache und die günstige Lage an der Limesstraße, an der Wasserstraße der Donau bzw. an den Mündungen der Enns (Eisen), der Traun (Salz) und der Aist (Moldauhandel) ließen Lauriacum rasch zu einem bedeutenden Verwaltungs- und Handelszentrum avancieren. So waren im 3. Jhdt. n. Chr. im Legionslager rund 6.400 Soldaten stationiert. In der Zivilstadt lebten zu dieser Zeit in etwa 30.000 Menschen. Lauriacum war außerdem Stützpunkt einer Donauflottille - genannt Classis Lauriacensis und ist bis dato der einzige historisch nachgewiesene Bischofsitz im nördlichen Teil der römischen Provinz Noricum. Tipp: Ein Rundgang durch die bezaubernde Altstadt lohnt sich. Zudem erlaubt der wundervolle Panoramablick vom Stadtturm einen perfekten Geländeüberblick, der die Beweggründe der Römer besser verstehen lässt! - Museum Lauriacum - „Ein Highlight!“ Das Museum Lauriacum ist ein Höhepunkt dieser Kulturreise! Die römische Schausammlung ist eine der bedeutendsten Österreichs. Sie bietet nicht nur spannende Einblicke in den Legionsstandort Lauriacum, sondern lässt auch die römische Kultur besser verstehen. Kurzweilig & interessant!

Besonderheiten, auf die Sie achten sollten: - Ein Modell zeigt sehr anschaulich den Aufbau des Legionslagers Lauriacum.

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- In der Legionshalle erlauben Fragmente von Kettenhemden, Panzerungen, Waffen, ... Einblicke in die Ausstattung der römischen Soldaten. Eine Rarität sind dabei die Teile prunkvoller Paradeuniformen. - Eine kleine siebenschnäuzige (!) Tonlampe mit bescheidenem (!) Brennstoffbehälter lässt über Leuchtkraft und Brenndauer der damaligen Lampen sinnieren. - Spielsteine aus Glas bezeugen nicht nur den hohen Stellenwert des Spieles in der römischen Kultur, sondern auch die Kunstfertigkeit in der Glasverarbeitung. - Eine Schauwand veranschaulicht das Preisniveau des Festpreisediktes mit dem Kaiser Diokletian (236-312 n. Chr.) versuchte, die Kaufkraft seiner Staatsbürger zu sichern. Spannend ist dabei, wieviel Eier im Vergleich zu anderen Dingen des täglichen Bedarfes gekostet haben. - Ein Grabstein mit dem Relief eines römischen Mannes und seiner norischen Frau vermittelt nicht nur die Verschmelzung der Kulturen, sondern auch den hohen Status der Kelten im römischen Weltbild. - Zwei Modellreihen zeigen die verschiedenen Formen von Körpergräbern in spätrömischer Zeit: Von der Grube bis hin zum Ziegelkistengrab. Die Ausrichtung der Gräber mit Blick nach Osten (= Sonnenaufgang) erfolgt übrigens erst nach dem 2. Jhdt. n. Chr.! - Es wird der größte römische Silbergeschirr-Depotfund Österreichs gezeigt! Dieser wurde 1981 in Lorch rund 300 m außerhalb des Legionslagers entdeckt. Tipp: Ein Muss für jeden römischen Donaufahrer! Adresse: Öffnungszeiten: Kontakt: Verweildauer:

Museum Lauriacum, Hauptplatz 19, 4470 Enns April-Oktober Di-Fr 10.00-17.00; Sa, So 10.00-12.00 und 14.00-16.00 Uhr November-März So 10.00-12.00 und 14.00-16.00 Uhr www.museum-lauriacum.at 1-1,5 Stunden (nur Römerausstellung)

- Basilika St. Laurenz - „Die Wiege des oberösterreichischen Christentums“ Die Basilika St. Laurenz in Lorch bei Enns ist eine der bedeutendsten historischen Stätten des christlichen Lebens in Oberösterreich! In den Jahren 1960 bis 1966 wurden bei archäologischen Ausgrabungen unter der Basilika die Mauern des römischen Stadttempels von Lauriacum (180 n. Chr.), die Mauern der ersten christlichen Kirche (um 370) und eine frühkarolingische Anlage (um 740) freigelegt. Teile dieser Ausgrabungen können heute von jedermann im Kirchenschiff der Basilika besichtigt werden. Die Geschichte von Lauriacum ist auch untrennbar mit dem Heiligen Florian verbunden. Er war als Kanzleivorstand des Statthalters der römischen Provinz Ufernoricum ein hoher römischer Beamter mit großem Einfluss. Da er sich weigerte, den römischen Göttern zu opfern, wurde er in die Verbannung geschickt. Als in Lauriacum während der Christenverfolgung unter Kaiser Diokletian 40 Christen gefangen wurden, kam Florian trotz Verbannung wieder zurück und versuchte, seinen Glaubensbrüdern zu helfen. Dabei wurde er gefangen genommen. Er weigerte sich, dem Christentum abzuschwören und wurde so am 4. Mai 304 nach grausamer Folter mit einem Mühlstein um den Hals in der Enns ertränkt. Der Legende nach wurde sein Leichnam von einer frommen Frau geborgen und auf ein Ochsenfuhrwerk geladen. Dort wo das Ochsenfuhrwerk stehen blieb, wurde er begraben. Heute erhebt sich über seinem Grab die Stiftskirche des Stiftes St. Florian. Seine 40 Mitchristen

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kamen im Kerker ums Leben. Ihre Gebeine ruhen im Altar der Basilika St. Laurenz. Nur acht Jahre nach der Hinrichtung des Heiligen Florian sicherte Kaiser Konstantin die volle Glaubensfreiheit zu: Was für eine Ironie! Tipp: Eine Führung in die unterirdischen Ausgrabungsbereiche unter(!) der Kirche lässt nicht nur römische Bautechnik hautnah erleben, sondern auch unwillkürlich über das Verstreichen der Jahrhunderte sinnieren! Adresse: Öffnungszeiten: Kontakt: Verweildauer:

Basilika St. Laurenz, Lauriacumstrasse 4, 4470 Enns Täglich (Führungen April-Oktober täglich um 16.00 Uhr) www.stlaurenz.com 20 Minuten (ohne Führung)

Fahrt durch das Machland - „Die Donau - Segen und Fluch“ Kurz nach Mauthausen weitet sich das Donautal zu einem breiten Becken - dem Machland. Ein buntes Mosaik aus weitläufigen Feldern. Die Siedlungen liegen meist am Rand der Ebene. Ein Gefühl der Weite entsteht. Und der Donaustrom versteckt sich in der Ferne hinter urigen Auwäldern. Er erinnert still daran, dass es sein Land ist, Schwemmland. Von Zeit zu Zeit zeigt er es auch deutlicher - mit Hochwasser. Das Machland ist uraltes Siedlungsland. Schon in der Jungsteinzeit schätzte man die Fruchtbarkeit der Ebene und nahm dafür Hochwasser in Kauf. In den letzten Jahrzehnten vergaß man diese stille Vereinbarung. Bis zum Jahrhunderthochwasser im Jahre 2002. Danach wurde der Machlanddamm errichtet - das größte Hochwasserschutzprojekt Österreichs. Keltendorf Mitterkirchen - „Keltische Kultur, Rinderbarone & Hallstätter Salz“ Das Keltendorf Mitterkirchen ist ein Erlebnis für sich! Es erlaubt anhand eines rekonstruierten Dorfes authentische Einblicke in die Kultur der Bevölkerung, auf welche die Römer im österreichischen Donauraum trafen. Wer glaubt, diese war primitiv und rückständig, der irrt! Mittels komplexer Webtechniken wurden kostbare Stoffe hergestellt. Bronzene Schnabelkannen und detailreiche Fibeln zeugen von höchster Kunstfertigkeit. Aber die Römer beeindruckten vor allem die leichten und wendigen Streitwagen der Kelten, deren Effektivität sie erstmals 387 v. Chr. in Oberitalien zu spüren bekamen. Die hohe Kunst des Wagenbaues zeigt sich dabei in den leichten Speichenrädern deren Holzfelgen aus einem Stück in einem heißen Wasserbad gebogen wurden. Die Lauffläche bildete ein darüber aufgezogener Eisenring. Kaum bekannt: Frühjahr 1980 - ein Bauer findet beim Ackern in Mitterkirchen einen verzierten Bronzering, einen Armreifen und einige bronzene Schmuckbeschläge. Systematische Rettungsgrabungen brachten 50 Hügelgräber mit mehr als 70 Grabkammern der Hallstattkultur und einen zeitgleichen Siedlungsplatz zum Vorschein. Von den prunkvollen Grabbeigaben erlangte vor allem der inzwischen rekonstruierte „Mitterkirchner Prunkwagen“ in der Fachwelt internationale Bekanntheit. Die Funde ergaben, dass die hallstattzeitlichen Herren der Machlandebene durch große Rinderherden zu diesem unvermuteten Reichtum kamen. Sie scheinen auch direkten Kontakt mit den Bergleuten des Hallstätter Salzbergbaues gehabt zu haben. Der Herrenhof Mitterkirchen könnte somit eine Anlandungs- und

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Verteilstation für das Hallstätter Salz gewesen sein. Es wäre auch denkbar, dass die Hallstätter Bergleute per Viehtrieb mit Rindern aus dem Machland versorgt wurden. Tipp: Das Keltendorf ist ein verborgenes Highlight, das den österreichischen Donauraum zur Zeit der Römer besser verstehen lässt. Ein Muss für jeden römischen Donaufahrer! Adresse: Öffnungszeiten: Kontakt: Verweildauer:

Keltendorf Mitterkirchen, Lehen 12, 4343 Mitterkirchen April-Oktober täglich 09.00-17.00 Uhr www.keltendorf-mitterkirchen.at 1-? Stunden (je nach Detailinteresse)

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Tag 3: Freitag „Der legendäre Strudengau & die vielbesungene Wachau“ Grein - „Das Tor zum Strudengau“ Das mittelalterliche Städtchen Grein ist einer der idyllischsten Donauorte dieser Reise! Im waldreichen Donauengtal gelegen, erzählt es mit kunstvollen Fassaden und herrschaftlichem Schloss von Wohlstand durch die Donauschifffahrt. Kaum verwunderlich, war die Stadt doch lange Zeit das Tor zum legendären Strudengau! Grein hat zwar nicht unmittelbar etwas mit der Römerzeit zu tun, das bezaubernde Städtchen hilft jedoch, den Mythos des Strudengaus zu verstehen. Bereits im Jahre 1491 wurde Grein zur Stadt erhoben und ist damit die drittälteste Stadt des Mühlviertels. Der Wohlstand der Stadt begründete sich auf ihrer günstigen Lage an einer flachen Bucht am Außenufer einer Donaubiegung. Hier befand sich die letzte sichere Anlegemöglichkeit vor den gefährlichen Struden (= Strudel) des Strudengaus, einst die gefährlichste Schifffahrtspassage des gesamten Donaulaufes! In Grein nahm man ortskundige Lotsen an Bord, um die Schiffe sicher durch die Struden zu bringen. Häufig wurden hier auch die Schiffe entladen, damit die Gefahrenstellen mit weniger Tiefgang bewältigt werden konnten. Die Waren folgten auf dem Landweg und wurden nach den Struden wieder auf die Schiffe verladen. Die Stadt blühte so als Versorger für die Donauschifffahrt und als Umschlagplatz für das Mühlviertler Hinterland auf. Das Ladstattrecht, das Stegrecht und das Schifffahrtsrecht schufen weitere Wettbewerbsvorteile: Dadurch durften nur Greiner Einwohner auf der Donaustrecke zwischen Neheim (Perg) und Werfenstein (St. Nikola) Waren auf- und abladen bzw. Schifffahrt betreiben. Die detailreichen Fassaden, prächtigen Erker und schönen Arkadenhöfe im Stadtkern zeugen noch heute von dieser glorreichen Epoche. Grein wurde damals auch das „goldene Städtchen“ genannt. Mit der Einführung der Dampfschifffahrt 1873 verlor die Stadt nach und nach seine wichtigste Erwerbsquelle. So begann man schon Mitte des 19. Jhdts., auf den Fremdenverkehr zu bauen. Tipp: Ein Rundgang durch das goldene Städtchen lässt die historische Donauschifffahrt wieder erwachen. Dem Mythos „Strudengau“ auf der Spur! Fahrt durch den Strudengau - „Gefürchtet!“ Tief hat sich die Donau zwischen Grein und Ybbs durch die waldreichen Berge gegraben. Die Landschaft ist ruhig und beschaulich. Ein friedvolles Gefühl stellt sich ein. Dem Wissenden offenbaren sich jedoch verborgene Zeichen, die anderes erzählen. Wir sind hier im legendären Strudengau! Der Name Strudengau leitet sich von Struden (= Strudel) ab. Befand sich doch hier einst der gefährlichste Schifffahrtsabschnitt des gesamten Donaulaufes. Die Greiner Bucht bot die letzte sichere Anlegemöglichkeit. Dann begann die tosende Hölle. Bereits kurz nach dem Ende der heutigen Uferpromenade in Grein markiert das markante Halterkreuz die erste Gefahrenstelle. An der Mündung des Gießenbaches (= Stillensteinklamm) in die Donau begann der gefährlichste Abschnitt des Strudengaus. Auch dort weist auf der gegenüberliegenden Insel Wörth ein markantes Kreuz auf die Gefahr hin. Die Insel teilte den Donaustrom. Der rechte Donauarm war versandet und nur bei Hochwasser zu fahren. Die Wassermassen drängten sich so mit hoher Geschwindigkeit durch den linken Donauarm. Gefährliche Felsen ragten dort aus dem Wasser, bildeten starke Wirbel und tückische Stromwww.donau-oesterreich.at


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schnellen. Kurz nach der Burg Werfenstein kamen die mächtigsten Wasserstrudel! Sie gaben dem Ort Struden (= Strudel) auch seinen Namen. Zahlreiche Schiffe und Schiffsleute verunglückten hier. Zumeist wurden die Ertrunkenen und die Verunglückten in der „Friedhofslacke“, einer Bucht am Nordufer mit Kehrwasser (= Gegenströmung), angeschwemmt. In St. Nikola war die Gefahr - dem Hl. Nikola sei Dank - überstanden. Im Bereich der Struden wurden in der Donau zahlreiche Opfergaben zur Besänftigung der Wassergewalt gefunden, welche auf eine lange Schifffahrtstradition schließen lassen. So dürften die Römer, als sie im Donauraum eintrafen, eine ausgeprägte Donauschifffahrt vorgefunden haben. Dafür spricht auch, dass sich die Römer die hiesige Bootsbauweise für ihre eigene Donauschifffahrt aneigneten. Das oben angesprochene Opferritual übernahm übrigens zu christlicher Zeit die Kirche St. Nikola, bei der nach geglückter Durchfahrt ein Obolus zu entrichten war. Heute alles kaum mehr vorstellbar - viele der Hindernisse wurden im 18. und 19. Jhdt. beseitigt. Im Jahr 1955 versenkte schließlich das Kraftwerk Ybbs-Persenbeug die Struden endgültig in den tiefen Wassern seines Rückstaus. Pöchlarn - „Arelape-Ein Stützpunkt der Donauflottille“ Das idyllische Städtchen Pöchlarn liegt in einer Donauebene an der Mündung der Erlauf in den Donaustrom. Pöchlarn wird im Mittelalter im Nibelungenlied als Bechelaren erwähnt und ist mit ein Grund wieso die Region zwischen Strudengau und Wachau auch „Nibelungengau“ heißt. In der Stadt wurde außerdem einer der bedeutendsten Expressionisten Österreichs geboren: Oskar Kokoschka. Zu römischer Zeit verlief die Donau hier in zahlreichen Armen durch eine sumpfige Aulandschaft. Im 1. Jhdt. n. Chr. wurde auf einer dieser Inseln ein Reiterkastell errichtet Arelape. Neben der Sicherung des Donaulimes diente es als Flankensicherung für Lauriacum. Zudem trafen hier ein wichtiger Handelsweg, der entlang der Erlauf in die Ostalpen führte, und die Wasserstraße der Donau zusammen. Das erste Holz-Erde-Kastell dürfte während der Markomannenkriege zerstört worden sein. Im späten 2. Jhdt. n. Chr. wurde es als Steinkastell mit den damals typisch abgerundeten Ecken wiedererrichtet. Ab dem 4. Jhdt. n. Chr. war in Arelape zusätzlich eine Einheit der Donauflottille stationiert. Zu dieser Zeit wurde der militärische Bereich im Kastell verkleinert, sodass nun auch die zivile Bevölkerung hinter den schützenden Mauern siedeln konnte. Interessant ist die Tatsache, dass nach dem Abzug der Römer in Pöchlarn erst im 14. Jhdt. wieder eine Siedlung entstand. Was dafür wohl der Grund gewesen sein mag? Tipp: Die römischen Sehenswürdigkeiten der Stadt lassen sich perfekt zu Fuß verbinden. Ein Parkplatz befindet sich direkt neben dem Welserturm. Viel Spaß! - Welserturm - „Stadtmuseum Arelape-Bechelaren“ Im spätmittelalterlichen Welserturm zeigt die Daueraustellung „Arelape - das römische Pöchlarn“ auf zwei Ebenen unter anderem die neuesten Grabungsfunde, die während des Innenstadtprojektes zu Tage traten. Im obersten Stock stellen lokale Künstler in jährlich wechselnden Ausstellungen ihre Werke aus.

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Besonderheiten, auf die Sie achten sollten: - Ein Plan bietet Überblick über die Lage des Kastells im heutigen Pöchlarn. - Repliken von römischen Schuhen zeigen die Schuhtracht von anno dazumal. - Der herrliche Donaublick vom obersten Stockwerk erinnert an den Blick von den einstigen Kastelltürmen. Tipp: Klein, aber mit viel Herzblut gemacht! Adresse: Öffnungszeiten: Kontakt: Verweildauer:

Stadtmuseum Arelape-Bechelaren-Pöchlarn im Welserturm, Regensburgerstraße, 3380 Pöchlarn April-Oktober; Mo-Do 09.00-12.00 und 12.30-15.00 Uhr; Fr 09.00-12.00 Uhr, Sa 10.00-12.00 Uhr www.poechlarn.at 20 Minuten

- Pfarrkirche Pöchlarn-„Reliefsteine“ In der Außenfassade der Pfarrkirche von Pöchlarn befinden sich einige schöne römische Reliefsteine. Adresse: Öffnungszeiten: Kontakt: Verweildauer:

Pfarrkirche Pöchlarn, Pfarrplatz 1, 3380 Pöchlarn Außenbesichtigung www.poechlarn.at 5 Minuten

- Pflegezentrum - „Ein unterirdischer Fächerturm“ Im Keller des Pflegezentrums befinden sich die nun konservierten Überreste vom südöstlichen Fächerturm des Kastells Arelape. Adresse: Öffnungszeiten: Kontakt: Verweildauer:

Pflegezentrum, Nibelungenstraße 4, 3380 Pöchlarn Besichtigung auf Anfrage werktags möglich (vorzugsweise vormittags) www.poechlarn.at 10 Minuten

Bacharnsdorf - „Ein Burgus“ In der Siedlung Bacharnsdorf verbergen sich die Mauerreste eines römischen Burgus (12,2 x 12,4 m). Er stammt aus dem 4. Jhdt. n. Chr. und wurde bis weit in das Mittelalter genutzt. So grenzt seine Südmauer - das höchste erhaltene Fragment - noch heute an ein mittelalterliches Hofgebäude. Sein einstiger Innenraum wird hingegen als Garten genutzt. Tipp: Vor Ort bietet eine Tafel einen Überblick über die Geschichte von Bacharnsdorf - so auch über die römische Zeit! Adresse: Öffnungszeiten:

Bacharnsdorf 7, 3621 Bacharnsdorf Außenbesichtigung www.donau-oesterreich.at


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Kirche St. Lorenz - „Vom Burgus zur Kirche“ Das kleine Kirchlein St. Lorenz neben der Rollfähre nach Spitz zählt zu den ältesten Kirchen der Wachau. Im 4. Jhdt. n. Chr. entstand hier ein Burgus. Eine seiner Mauern wurde im späteren Kirchenbau integriert - auf der Nordseite. Zum Nachdenken: Wir treffen viel öfter auf Überbleibsel römischer Zeit als uns meist bewusst ist! Adresse: Öffnungszeiten: Verweildauer:

Kirche St. Lorenz, Sankt Lorenz 4, 3602 Sankt Lorenz Außenbesichtigung 5-10 Minuten

Fahrt durch die Wachau - „Eine Welterbe-Landschaft“ Zwischen Melk und Krems hat sich der Strom auf rund 30 km Länge tief in die Böhmische Masse eingegraben. Dieses letzte Durchbruchstal der österreichischen Donau ist wohl auch deren berühmteste Landschaft - die Wachau! Ihre Faszination ist sehr vielschichtig: die urigen Waldflanken, der liebliche Talboden, der berühmte Weinbau, die alten Wehrkirchen, die sagenumwobenen Burgen, ... Kein Wunder also, dass sie zum UNESCO-Welterbe gekürt wurde. Die Wachau ist vieles, aber keine schnelle Landschaft. Eine Landschaft für die Seele. Darum Mut zu Langsamkeit und zum Genießen! Wachau - „Weinbau, ein römisches Erbe“ Die Faszination „Wachau“ ist untrennbar mit den idyllischen Weingärten und deren köstlichen Produkten verbunden. In der Wachau gab es bereits zu keltischer Zeit einen bescheidenen Weinanbau. Die Römer systematisierten die Weinerzeugung und ließen sie förmlich erblühen. Kein Wunder, galt bei ihnen doch Wein als Grundnahrungsmittel auf das jeder Römer quasi Anrecht hatte. Da die Versorgung aus der Heimat aufgrund der Entfernung sehr aufwändig war, bot der regionale Weinanbau eine Alternative. Mit dem Ende der römischen Herrschaft brach auch der Weinanbau zusammen. So nebenbei: Erst unter dem mächtigsten Kaiser des Mittelalters - Karl dem Großen (747814) - gewann die Weinproduktion wieder an Bedeutung. Er erließ 795 sogar eine eigene Weinbauverordnung, die Rebsorten, Pflege, Recht, ... regelte und schuf auch ein Weinbaukataster. Im 11./12. Jhdt. setzte schließlich ein regelrechter Wettlauf der bedeutenden österreichischen und bayerischen Klöster um Weingärten in der Wachau ein. Die wirtschaftlichen Erträge des Weinanbaus waren einfach zu verlockend. So hatten um das Jahr 1300 bereits 31 Klöster (!) Besitzungen in der Wachau. Ihre Trauben ließen sie in eigenen Lesehöfen verarbeiten und den Wein dort lagern. Noch heute entdecken wir in vielen Wachauer Orten solche Lesehöfe, die nicht nur mit hervorragendem Wein, sondern auch mit prachtvoller Architektur begeistern. Landschaft lesen lernen!

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Mauternbach - „Eine Römerstraße & Gleisrillen“ Im Ortsteil Mauternbach von Mautern können wir noch ein sehr gut erhaltenes Stück der Limesstraße entdecken - mit eingehauenen Gleisrillen! Heute fast vergessen: Steile Bergabfahrten stellten mit schweren Fuhrwerken vor der Erfindung der Bremsklötze ein ernstes Problem dar. Die Hinterräder mussten mit Ketten blockiert und der Wagen förmlich nach unten geschliffen werden. Dabei büßte das Gefährt natürlich an Lenkfähigkeit ein. Die Römer behalfen sich auf diesen Abschnitten vielfach mit eingehauenen Gleisrillen, um den rutschenden Wägen eine Richtung vorzugeben. Diese Gleisrillen erforderten natürlich eine einheitliche Spurweite - diese betrug im römischen Reich 1,10 Meter. Tipp: Die Römerstraße ist nur durch einen kurzen Spaziergang erreichbar - dieser lohnt sich aber! Ausgangspunkt: Öffnungszeiten: Verweildauer:

Parkplatz vor dem Heurigen Graf (Mauternbach 14, 3512 Mautern); von dort rund 50 m auf der Straße weiter bergauf, dann rechts dem Wanderweg folgen. Außenbesichtigung 20-30 Minuten (inkl. Spaziergang)

Mautern - „Favianis - Eine eindrucksvolle Befestigung!“ Mautern ist ein Höhepunkt dieser Kulturreise: Hier finden sich die eindrucksvollsten Überreste einer römischen Befestigungsanlage Österreichs - ein Erlebnis für sich! Der geschichtsträchtige Donauort Mautern liegt am Übergang vom engen Durchbruchstal der Wachau in die weitläufige Ebene des Tullnerfeldes. Seit prähistorischer Zeit überquerte hier eine wichtige Nord-Süd-Handelsroute die Donau. Dieser Übergang verhalf übrigens im Mittelalter der gegenüberliegenden Doppelstadt Krems-Stein zu europäischer Bedeutung. Die Römer errichteten um 60 n. Chr. an diesem Ort das Kastell Favianis und stationierten darin eine Reitereinheit. Das Holz-Erde-Lager wurde am Beginn des 2. Jhdts. n. Chr. in ein Steinkastell umgebaut. Während der Markomannenkriege dürfte das Militärlager dann samt dazugehöriger Zivilsiedlung zerstört worden sein. Der Wiederaufbau verlief schleppend und kam nach einer Brandkatastrophe ganz zum Erliegen. Erst am Beginn des 3. Jhdts. n. Chr. wurde wieder ein Steinkastell errichtet. Im 4. Jhdt. n. Chr. ermöglichte dessen Erweiterung auch der Zivilbevölkerung das Siedeln innerhalb der schützenden Festungsmauern. Zu jener Zeit wurde in Favianis zusätzlich eine Einheit der Donauflottille stationiert. Später im 5. Jhdt. machte der Hl. Severin den Ort zu einem Sammelpunkt für die sich zurückziehende römische Bevölkerung (siehe „Pfarrkirche St. Stephan - Der Hl. Severin und der Rückzug der Römer“). Tipp: Der Kulturweg „Favianis Mutaren Mautern“ führt zu den historischen Highlights von Mautern und eröffnet vor Ort spannende Einblicke in die Geschichte. Fünf Stationen beschäftigen sich dabei mit der Römerzeit - sehenswert! Start des Kulturweges: Am Parkplatz vor der Römerhalle (Am Limes 1, 3512 Mautern) Verweildauer: 1-1,5 Stunden www.donau-oesterreich.at


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- „Römische Stadtmauer & Westlicher U-Turm“ Große Teile der römischen Kastellmauer sind noch intakt und erlauben einen hautnahen Eindruck vom Aussehen einer solchen Befestigungsanlage! Vor der Westmauer deutet ein kleiner Graben, das einst vorgelagerte Verteidigungssystem an. Der westliche U-Turm (Foto) verblüfft ob seiner ungewöhnlichen Größe: Innenraum 12x9 m. An dessen Abbruchkante ist auch sehr schön seine Ausführung als Gussmauerwerk erkennbar. Exkurs „Römischer Beton“: Die Bindekraft von Kalkmörtel (Sand + gelöschter Kalk) ist seit über 10.000 Jahren bekannt. Die Römer waren es jedoch, die Mörtel durch die Verwendung von gebranntem Kalk und die Beimengung von verschiedenen Zuschlagstoffen perfektionierten: Beton entstand! Dieser war extrem wasserbeständig und verfügte über eine sehr hohe Druckfestigkeit. Das eröffnete der Architektur eine völlig neue Dimension größere Bauhöhen, mehrstöckige Gebäude, weitspannende Geschossdecken ohne Stützpfeiler, ... Paradebeispiele dafür sind die imposante Kuppel des Pantheons in Rom und die berühmten römischen Wasserleitungen. Im 2. Jhdt. n. Chr. begann man mit dem Bau von Gussmauerwerken (= opus caementitium). Dabei wurde der Raum zwischen zwei Holzverschalungen oder zwischen zwei Schalenmauern mit dem römischen Beton ausgegossen. Heute ist Beton wahrscheinlich das Erbe der Römer, das deren Nachwelt am meisten beeinflusste! Das Wissen um die Kunst der Betonerzeugung ging übrigens im Mittelalter zeitweilig verloren. Tipp: Es lohnt sich, auch scheinbar gewöhnliche Dinge genau zu betrachten und zu hinterfragen. Viel Freude beim Entdecken! - Römermuseum - „Das Leben in Favianis“ Im einstigen Getreidekasten des Schlosses Mautern erlaubt ein kleines Römermuseum einen sehr breit gefächerten Überblick über das römische Favianis. Einfach sehenswert! Darauf sollten Sie besonders achten: - Ein Plan zeigt die Lage von Favianis im heutigen Mautern. - Die umliegenden Tonlagerstätten ließen in Favianis zahlreiche Töpfereinen entstehen. Ein Ausstellungsteil beschäftigt sich mit diesem Aspekt. - Die Nachbildungen eines römischen Wohnzimmers und einer Küche bieten einen Eindruck von der römischen Lebensart. Tipp: Am Platz vor dem Museum wird der Schwellstein des Nordtores von Kastell Favianis ausgestellt. Üblicherweise kaum beachtet, lässt dieser über die Bauweise von römischen Toren und Türen sinnieren! Mehr dazu sehen wir später der Römerstadt Carnuntum, dem absoluten Höhepunkt dieser Kulturreise. Adresse: Öffnungszeiten: Kontakt: Verweildauer:

Römermuseum Mautern, Schlossgasse 12, 3512 Mautern April-Oktober: Mi-So 10.00-12.00 Uhr Fr, Sa 16.00-18.00 Uhr www.roemerhalle.at 30-60 Minuten

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- Pfarrkirche St. Stephan - „Der Hl. Severin und der Rückzug der Römer“ Die schöne Pfarrkirche von Mautern ist dem Hl. Stephan geweiht und erzählt so stumm von deren Zugehörigkeit zum mittelalterlichen Bistum Passau. Im 5. Jhdt. n. Chr. - als die germanischen Übergriffe immer zahlreicher wurden und die römische Herrschaft an der österreichischen Donau allmählich zusammenbrach - gründete der Hl. Severin hier in Favianis ein Kloster in dem er auch lebte. Er widmete sich der trostlosen Lage der römischen Bevölkerung und organisierte Hilfslieferungen. Severin verhandelte auch mit dem germanischen Rugierkönig vom gegenüberliegenden Donauufer und konnte schließlich den geordneten Abzug der römischen Bevölkerung erreichen. Im Jahr 482 n. Chr. starb Severin in Favianis - die abziehenden Römer nahmen seinen Leichnam mit. Adresse: Öffnungszeiten:

Pfarrkirche St. Stephan, Kirchenplatz 1, 3512 Mautern Täglich

- Nikolaihof Wachau - „Ein Weingut mit römischen Wurzeln“ Der „Nikolaihof Wachau“ in Mautern ist das älteste Weingut Österreichs! Die erste urkundliche Erwähnung fand im Jahr 470 n. Chr. - also zu spätrömischer Zeit und der des Hl. Severins - statt. Seine Fundamente stammen von einem U-Turm des hiesigen Kastells. Am Hofareal befinden sich zudem Überreste einer frühchristlichen Agapitus Basilika, in der später unter dem Passauer Bischof Pilgrim im Jahre 985 eine Synode abgehalten wurde. Tipp: Bei einer Weinprobe lässt sich auf diesem geschichtsträchtigen Boden wundervoll über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sinnieren! Adresse: Öffnungszeiten: Kontakt:

Nikolaihof Wachau, Nikolaigasse 3, 3512 Mautern Weinstube 6. August - Mitte November Mi, Do, Fr ab 17.00 Uhr und Sa. ab 12.00 Uhr www.nikolaihof.at

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Tag 4: Samstag „Durch das Tullnerfeld nach Wien“ Fahrt durchs Tullnerfeld - „Auen und Felder“ Das Tullnerfeld erstreckt sich von Krems bis zur Wiener Pforte. In Jahrtausenden schuf die Donau diese bis zu 14 km breite Schwemmlandterrasse. Üppige Uferwälder begleiten den mächtigen Strom. Die Landschaft im Anschluss ist fruchtbar. Und ein Farbteppich aus weiten Feldern zeugt von intensiver Landwirtschaft. Plötzlich bekommt der Name „Tullner-Feld“ eine neue Bedeutung! Einzigartig ist im Tullnerfeld die hohe Anzahl an Kraftwerken: die zwei Donaulaufkraftwerke Altenwörth und Greifenstein, die kalorischen Kraftwerke Dürnrohr, Theiß und Korneuburg und natürlich das nie in Betrieb gegangene Atomkraftwerk Zwentendorf. Natur und Technik - ein scheinbarer Kontrast, der sich hier aber als sehr spannend erweist. Geheimtipp: Von der hochgelegenen Donauwarte in Krems/Egelsee präsentiert sich das Tullnerfeld in seiner ganzen Pracht! Vor allem im milden Streiflicht der untergehenden Abendsonne. Traismauer - „Augustianis - ein römischer Limesort“ Traismauer liegt am Südwestrand des Tullnerfeldes nahe der Mündung der Traisen in die Donau. Das idyllische Städtchen bezaubert vor allem mit seiner mittelalterlichen Wehranlage. Heute fast vergessen, trafen hier einst wichtige Handelsrouten aufeinander: eine Route führte über das Traisental nach Süden, die andere über das gegenüberliegende Kamptal nach Norden. Diese kreuzten sich mit der Wasserstraße der Donau bzw. später mit der Limesstraße. Kein Wunder also, dass die Römer auch hier ein Militärlager, namens Augustianis, errichteten. In der Mitte des 1. Jhdts. n. Chr. entstand so ein Holz-Erde-Kastell. Mit dem Lager dürfte sich zeitgleich eine Siedlung entwickelt haben, die zu ihrer Blütezeit kleinstädtischen Charakter hatte. Gegen Ende des 1. Jhdts. wurde das Kastell durch einen Brand zerstört. Um 140 n. Chr. erfolgte der Neubau als Steinkastell, welches zahlreiche Erweiterungen erfuhr - vor allem in der Spätantike. In Garnison stand übrigens dem Gelände entsprechend eine Reitereinheit. Im 5. Jhdt. zerstörte wahrscheinlich ein Brand die Militäranlage erneut. Danach entstand in der Ruine für kurze Zeit eine zivile Siedlung. Die nächste durchgängige Besiedlung erfolgte jedoch erst im 8. Jhdt., dem Mittelalter. Damals wurden auch die Überreste der ehemaligen römischen Verteidigungsanlage in die aktuelle Wehranlage integriert. So blieben römische Bauten bis heute erhalten - welch Glück! Tipp: Die römischen Sehenswürdigkeiten der Stadt lassen sich leicht mit einem kurzen Spaziergang verbinden - quasi ein Spaziergang durch die Jahrhunderte! - Pfarrkirche Traismauer - „Ein Fahnenheiligtum in der Unterkirche“ In der Unterkirche der Pfarrkirche von Traismauer befinden sich Ausgrabungen der römischen Kommandantur des einstigen Kastells. Dem Aufmerksamen fällt dabei auf, dass zahlreiche Kirchen entlang des Donaulimes direkt auf dem Fahnenheiligtum (= Kommandantur) römischer Kastelle errichtet wurden. Es

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scheint fast so, als ob die katholische Kirche daraus einen Führungsanspruch ableiten wollte. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt! Adresse: Pfarrkirche Traismauer, Kirchenplatz, 3133 Traismauer Öffnungszeiten: Im Rahmen von Stadtrundgängen und gegen Voranmeldung Kontakt: www.traismauer.at Verweildauer: 10-20 Minuten - Stadtmuseum - „Der Hungerturm, ein U-Turm“ Das Stadtmuseum von Traismauer ist in einem römischen Hufeisenturm, auch U-Turm genannt, untergebracht. Dieser wurde später in die mittelalterliche Wehranlage integriert und diente zeitweilig als Gefängnis. Daher stammt die volkstümliche Bezeichnung „Hungerturm“. Das kleine, aber feine Stadtmuseum zeigt unter anderem einige lokale Römerfunde und auch das berühmte Traismaurer Krippenspiel. Adresse: Öffnungszeiten: Kontakt: Verweildauer:

Stadtmuseum Traismauer, Florianigasse 11, 3133 Traismauer Mai-Oktober; Mi & Fr 16.00-18.00 Uhr und gegen Voranmeldung www.traismauer.at 20-30 Minuten

- Wiener Tor/Römertor - „Porta principalis dextra“ Das heutige Wiener Tor war einst die Porta principalis dextra das östliche Lagertor - des römischen Militärlagers und zählt zu den ältesten Gebäuden Österreichs! Das Wiener Tor ist übrigens das Wahrzeichen der Stadt. Was es mit der Porta principalis dextra auf sich hat und wie römische Militärlager grundsätzlich aufgebaut waren, erfahren Sie im Anhang im Exkurs „Römische Militärlager“. Adresse:

Traismaurer Straße (Ostende Stadtkern), 3133 Traismauer

- Römerbrunnen - „Wasser für die Zivilstadt“ Im „Bahnhofsviertel“ ist heute noch einer der Brunnen zu sehen, die einst die römische Zivilstadt mit Wasser versorgt haben. Eine Tafel weist darauf hin. Zudem ist dort ein Replikat eines Inschriftsteines aufgestellt, dessen Original im Brunnen gefunden wurde.

Adresse:

Bahnhofstraße 3 (Am Parkplatz vor den Wohnblöcken), 3133 Traismauer

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Tulln - „Comagenis - Spezialeinheit & Donauflottille“ Heute ist Tulln weithin bekannt als attraktive Garten- und Messestadt. In Kunstkreisen begeistert sie hingegen als Geburtsort des weltberühmten Malers Egon Schiele. Unabhängig der Interessen ist die Stadt ein facettenreiches Erlebnis für sich! Die Lage im Zentrum der weiten Donauebene des Tullnerfeldes sowie eine Donaufurt gaben dem Ort strategische Bedeutung. Das dürften auch für die Römer Gründe gewesen sein, um 80 n. Chr. hier ein Kastell zu errichten. In Garnison standen 1.000 Mann berittener Bogenschützen - eine Spezialeinheit des römischen Heeres. Da stellt sich gleich die Frage: „Römer und reitende Bogenschützen?“. In der Tat hatte diese Einheit ihren Ursprung in Kleinasien. Im Jahre 104 n. Chr. wurde dieses Holz-Erde-Kastell durch ein Steinkastell ersetzt. Dieses dürfte nach mehreren Zerstörungen immer wieder in Stand gesetzt worden sein. Im Nahumfeld entwickelte sich eine große Zivilsiedlung, von der ein großes Gräberfeld mit über 1.000 Gräbern zeugt. In der Spätantike stationierte man hier eine Einheit der Donauflottille - die classis marginensis. Als im 4. Jhdt. n. Chr. die Truppenstärke in den Kastellen verringert wurde, übernahm die zivile Bevölkerung einen Großteil der innerhalb der Wehranlage freigeworden Fläche. 488 n. Chr. zogen die Römer schließlich von dannen. Erstaunlicherweise wurde das ehemalige Kastell erst um 800 wieder besiedelt. Tipp: Die römischen Sehenswürdigkeiten von Tulln lassen sich bequem zu Fuß verbinden. Als Startpunkt bietet sich dabei das Römermuseum an! - Römermuseum - „Ein Highlight!“ Das Römermuseum Tulln gehört zu den Höhepunkten dieser Kulturreise. Es bietet einen sehr anschaulichen Überblick über die römische Kultur am Donaulimes: militärisch sowie zivil! Auf folgende Besonderheiten sollten sie achten: - Ein Plan zeigt die Lage des Kastells im heutigen Stadtgebiet. - In der Ausstellung wird sehr detailliert auf das römische Heer eingegangen: Heeresordnung, Figurinen zeigen die Ausstattung der Soldaten, Dioramen lassen militärische Aufstellungen lebendig werden, ... - Zahlreiche Dioramen lassen in die Welt von anno dazumal eintauchen: Bau der Limesstraße, die Donauflottille, ... - Ein Figurinen-Pärchen zeigt die Tracht der einheimischen Bevölkerung. - Ein großer Münzschatz bietet einen guten Anlass, sich mit dem römischen Münzwesen zu beschäftigen. - Ein Modell zeigt das Kastell in Zeiselmauer - eine weitere Station dieser Tagesetappe. Tipp: Zeit nehmen - viele spannende Details eröffnen sich erst bei genauerer Ansicht. Viel Spaß beim Entdecken! Adresse: Öffnungszeiten: Kontakt: Verweildauer:

Römermuseum, Marc Aurel-Park 1b, 3430 Tulln April-November, Mi-So 10.00-17.00 Uhr erleben.tulln.at 1-? Stunden (je nach Detailinteresse) www.donau-oesterreich.at


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- Porta principalis dextra - „Das östliche Lagertor“ Auf der Rückseite des Römermuseums können die Fundamente der Porta principalis dextra - dem östlichen Lagertor - des Kastells besichtigt werden. Es wurde als Doppeltor, flankiert von zwei Türmen, ausgeführt. Die Straßenbreite maß jeweils 4,2 m. Die beiden Türme dürften um die 4 m hoch gewesen sein. Eine Frage für Aufmerksame: Können Sie anhand der Mauerreste das Geländeniveau zu römischer Zeit bestimmen? Auflösung siehe Anhang. Adresse: Öffnungszeiten: Kontakt: Verweildauer:

Auf der Rückseite des Römermuseums (Marc Aurel-Park 1b, 3430 Tulln) Blick durch die Glasfront des Schutzgebäudes erleben.tulln.at 10 Minuten

- Reiterstandbild Marc Aurel - „Im Gedenken an die Donaurömer“ Am Donauufer erinnert eine bronzene Reiterstatue von Kaiser Marc Aurel an die Zeit der römischen Donauherrschaft. Sie ist übrigens eine 1:1-Kopie der berühmten Marc Aurel-Statue auf dem Kapitol in Rom. Wer hätte das vermutet? Adresse: Öffnungszeiten:

Donaulände, 3430 Tulln Außenbesichtigung

- Salzturm - „Ein römischer U-Turm im Original!“ Beim Salzturm von Tulln handelt es sich um einen römischen U-Turm, der einst die Westmauer des Kastells Comagena flankierte. Das Besondere daran: Der heutige Turm stammt bis hinauf zum Dach aus römischer Zeit! Der Hufeisenturm wurde im 4. Jhdt. n. Chr. errichtet. Er ist gut 10 m hoch und misst rund 12x6 m in der Grundfläche. Seine Mauerstärke beträgt dabei durchschnittlich 90 cm. Der Turm ragte einst zwei Drittel über die Lagermauer hinaus und erlaubte so ein effektives Einwirken auf das Mauervorfeld. Die oberen Schießlucken stammen übrigens auch noch aus römischer Zeit. Während im Mittelalter das restliche Kastell geschliffen wurde, nutzte man diesen Turm zur Sicherung der Donaulände bzw. später als Salzlager. Tipp: Man bekommt an der österreichischen Donau nicht alle Tage die Möglichkeit, einen originalen U-Turm von allen Seiten betrachten zu können! Adresse: Öffnungszeiten: Verweildauer:

Salzturm, Donaulände 38, 3430 Tulln Außenbesichtigung 5-10 Minuten (Je nach Detailinteresse)

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Zeiselmauer - „Ein begehbares Kastell der Superlative!“ Zeiselmauer ist ein verborgenes Highlight dieser Kulturreise! Erst auf den zweiten Blick offenbart das überschaubare Dörfchen sein Geheimnis: der Ortskern wird bis heute vom Grundriss eines römischen Kastells bestimmt! Zudem ist Zeiselmauer eines der am besten erhaltenen und dokumentierten römischen Lager am österreichischen Donaulimes. Aber der Reihe nach: Um 80 n. Chr. wird hier das östlichste Militärlager der Provinz Noricum in Holz-Erde-Bauweise errichtet - Cannabiaca. Neben der Befestigung des Donaulimes diente es als Flankenschutz des strategisch wichtigen Lagers Comagenis (Tulln). In Garnison stand dabei eine gemischte Infanterie-Reiter-Einheit in der Stärke von 500 Mann. Unter Kaiser Marc Aurel wurde es schließlich im 2. Jhdt. n. Chr. zu einem Steinkastell umgebaut. Am Beginn des 4. Jhdts. n. Chr. erfolgte der letzte große Ausbau - 4 Fächertürme an den Ecken, dazwischen 8 U-Türme und 8 Tortürme! Rund 70 Jahre später wurde die militärische Kastellbesatzung, wie überall entlang des österreichischen Donaulimes, reduziert. Nun bot das einst großzügig konzipierte Kastell im Inneren auch Platz für die Zivilbevölkerung - eine befestigte Siedlung (= Oppidum) entstand. Nach dem Abzug der Römer im Jahre 488 n. Chr. dürfte diese Siedlung noch eine Zeit lang bewohnt gewesen sein, bevor sie aufgegeben wurde. Die Bebauung des Ortskerns lässt noch heute deutlich den Grundriss des einstigen Kastells erkennen. Außerdem befinden sich im Dorf zahlreiche versteckte Überreste des Militärlagers. Tipp1: Ein römischer Rundgang macht das Dorf quasi zu einem begehbaren Kastell einzigartig! Er lässt dabei nicht nur die Dimension des Militärlagers erfahren, sondern hilft auch, mittels Informationstafeln die versteckten Römerhighlights zu erkennen: - Startplatz: Befindet sich am Kirchenplatz. - Burgus: In dieser Bauweise einzigartig in Österreich! - Fächerturm: Der einzige erhaltene freistehende Fächerturm Österreichs! - Östliches Lagertor: Kastentor - eines der größten erhaltenen römischen Gebäude Österreichs! - Fahnenheiligtum: Klassischerweise unter der heutigen Kirche! Erst dieser Rundgang lässt die Besonderheit von Zeiselmauer begreifen! Tipp2: Im Gemeindeamt (Bahnstraße 6, 3424 Zeiselmauer) werden im Vorraum die wichtigsten lokalen Funde ausgestellt. Die kleine Ausstellung ist zu Amtszeiten zugänglich. Adresse: Öffnungszeiten: Kontakt: Verweildauer:

Kirchenplatz, 3424 Zeiselmauer Außenbesichtigung www.zeiselmauer-wolfpassing.at 1-1,5 Stunden (je nach Detailinteresse)

(Kulinarischer Geheimtipp - „Speisen wie die Römer“) Im Gasthaus „Zum Lustigen Bauern“ in Zeiselmauer bietet sich einmal im Monat die seltene Gelegenheit, original römische Speisen und Weine zu verkosten! Der Wirt Norbert C. Payr zählt zu den österreichischen Experten für römische Kochkunst und beschäftigt sich seit Jahren mit Apicius und dessen Rezepten. Die kredenzten Speisen lassen dabei nicht nur

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geschmacklich in die Welt der Römer eintauchen, der Wirt bringt auch die römische Essund Trinkkultur näher. Die römischen Weine wurden übrigens unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Dr. Herwig Friesinger in Kooperation mit dem Weingut Hirsch in Kammern nachgekeltert. Römische Esskultur fernab ab gängiger Klischees erleben - ein verborgenes Highlight! Adresse: Römisch essen: Kontakt:

Gasthaus „Zum Lustigen Bauern“, Kirchenplatz, 3424 Zeiselmauer Jeden letzten Donnerstag im Monat www.zumlustigenbauern.at

Fahrt durch die Wiener Pforte - „Auf nach Wien“ Zwischen dem Tullner Feld und dem Wiener Becken muss der Donaustrom noch einmal die Berge durchbrechen - die Wiener Pforte. Am Nordufer begrenzt der Bisamberg (358 m), am Südufer der Leopoldsberg (425 m) und der Kahlenberg (484 m). Trotzdem es sich hier um die letzten Ausläufer der Alpen handelt, zeigt bereits das einstrahlende pannonische Klima seine Auswirkungen auf die Pflanzen- und Tierwelt. „Bisamberg“ - da stellt sich doch unwillkürlich die Frage, was dieser Flurname wohl bezeichnen mag? Eine Idee? Auflösung siehe Anhang. Stift Klosterneuburg - „Ein Barockjuwel auf römischen Mauern“ Das eindrucksvolle Stift Klosterneuburg liegt am südlichen Hochufer des Donaustromes. Es ist eines der Barockjuwele der österreichischen Donau und begeistert vor allem mit der einzigen originalen Barockbaustelle der Welt! Kaum bekannt, erhebt sich die Klosteranlage - und Teile der Klosterneuburger Oberstadt - auf dem Areal eines römischen Kastells. Dieses wurde im 1. Jhdt. n. Chr. in Holz-Erde-Bauweise errichtet und diente anfangs einer Hilfseinheit als Garnison. Vom 2.-4. Jhdt. n. Chr. war dann eine 1.000 Mann starke Reitereinheit stationiert. Die Aufgabe dieses Militärlagers bestand in der Sicherung der hiesigen Donaufurt, die Sicherung der Limesstraße und natürlich dem Flankenschutz des Legionslagers Vindobona. Um 100 n. Chr. erfolgte die Umstellung auf Steinbauten. Im Bereich der heutigen Oberstadt konnte zudem eine zivile Siedung (= vicus) und ein großes Gräberfeld nachgewiesen werden. Ab dem 4. Jhdt. n. Chr. dürfte die Anlage langsam verkommen sein, obwohl sie noch längere Zeit bewohnt war. Das Kastell Klosterneuburg war übrigens das westlichste Militärlager der Provinz Pannonien. Tja, wir sind nun in der dritten und letzten römischen Provinz des österreichischen Donaulimes angelangt! Tipp: Eine Stiftsführung erlaubt auch Einblicke in die römische Zeit, wenngleich der Schwerpunkt natürlich auf spätere Epochen liegt! Dabei sollten Sie besonders beachten: - Ein Modell der mittelalterlichen Festungsanlage lässt auf die Ausdehnung des römischen Kastells schließen. - Ein Doppelgrabstein zeigt die Verschmelzung der römischen mit der einheimischen Bevölkerung. Adresse: Öffnungszeiten:

Stift Klosterneuburg, Stiftsplatz 1, 3400 Klosterneuburg Täglich 09.00-18.00 Uhr www.donau-oesterreich.at


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www.stift-klosterneuburg.at 1-2 Stunden (Je nach Führungsteilnahme)

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Tag 5: Sonntag „Von Wien nach Hainburg“ Wien - „Vindobona-Legionslager & Großstadt“ Wien ist ein Erlebnis für sich! Die schillernde Donaumetropole begeistert mit ihrem einzigartigen Spannungsfeld: Habsburgerflair und Moderne, Kultur und Kunst, Stadtleben und urbanes Naturerlebnis, ... Die Stadt stand über Jahrhunderte im Zentrum des Weltgeschehens. Das zeigen heute nicht nur die zahlreichen berühmten Prachtbauten, sondern auch die weltoffene Multikulturalität der Stadt! Das Wiener Becken war bereits bei den Kelten ein beliebtes Siedlungsgebiet. Der Grund: die Auwälder waren sehr wildreich und die zahlreichen Donauarme voller Fische. Gesiedelt wurde am südlichen Hochufer sicher vor Überschwemmungen. Am Ende des 1. Jhdts. n. Chr. errichten die Römer auf dieser Geländestufe ein steinernes Legionslager mit rund 6.000 Mann Besatzung - Vindobona. Seine Aufgabe bestand in der Sicherung dieses gefährdeten Grenzabschnittes und im Flankenschutz des nahgelegenen Legionslagers Carnuntum. Wahrscheinlich entstand im selben Zeitraum zusätzlich ein Alenkastell mit einer Reitereinheit in Garnison. Um das Legionslager entwickelten sich eine Militärstadt und eine unabhängige Zivilstadt. Zur Blütezeit im 3. Jhdt. lebten in Vindobona rund 30.000 Menschen! Eine Hochwasserkatastrophe führte in jener Zeit zu einem gewaltigen Hangrutsch, der große Teile des Militärlagers und der westlichen Vorstadt in die Donau abgleiten ließ. Das Legionslager wurde daraufhin an die neuen Gegebenheiten angepasst. Die Wehrreformen des 4. Jhdts. reduzierten im Militärlager die Truppenstärke, sodass nun auch die Zivilbevölkerung innerhalb der schützenden Kastellmauern siedeln konnte. Die Vorstadt wurde infolge aufgegeben. Nach dem Abzug der Römer entstand in dieser Wehranlage, wie so oft, der Kern der mittelalterlichen Besiedlung. In den nachfolgenden Jahrhunderten wurden die römischen Zeugnisse nach und nach überbaut. So liegen diese nun rund 5 Meter tief unter dem heutigen Wien und sind nur an sehr wenigen Stellen sichtbar. Vindobona, quasi eine versunkene Stadt! Tipp1: Der Grundriss des einstigen Legionslagers lässt sich noch heute an folgenden Straßenzügen erkennen: Salzgries, Tiefer Graben, Naglergasse, Graben, Rotenturmstraße und Rabensteig. Die schräg verlaufende Salzgries-Straße markiert dabei die im 3. Jhdt. durch das Hochwasser entstandene Abbruchkante - Stadtbild lesen lernen! Tipp2: Im Anhang erfahren Sie im Exkurs „Die Wasserversorgung von Vindobona“ mehr über die römische Ingenieurskunst! - Römermuseum - „So lebte man in Vindobona“ Das Römermuseum versteckt sich in einer Arkade am Hohen Markt. Von außen unscheinbar entpuppt es sich innen als ein Highlight dieser Kulturreise! Die anschauliche Ausstellung lässt förmlich in das Leben von Vindobona eintauchen und lädt vielfach zum Ausprobieren ein. Römerzeit hautnah erleben! Auch auf folgende Besonderheiten sollten Sie achten: - Eine hochwertige 3D-Animation lässt das römische Vindobona quasi wieder erstehen. Dabei lässt sich auch sehr schön dessen Lage im heutigen Stadtbild erkennen.

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- Eine weitere 3D-Animation zeigt die technische Raffinesse der Wasserversorgung der römischen Stadt. Römische Ingenieurskunst par excellence! In der Ausstellung ist übrigens auch ein römischer Regen-Kanaldeckel zu sehen - auch das sieht man nicht alle Tage. - Im Untergeschoss des Museums entdecken wir die Reste von zwei Tribunenhäusern. Das sind nicht nur die wichtigsten römischen Ausgrabungen Wiens, deren „unterirdische“ Lage lässt auch die spätere massive Überbauung deutlich werden. - Im Ausgrabungsbereich zeigen Ziegelkeile wie bei Fußbodenheizungen ein gleichmäßiges Bodenniveau erreicht werden konnte. - Eine Vitrine zeigt die römische Version von Gegenständen unseres heutigen Alltags! - Mehrere Repliken zum Anfassen lassen die römische Kultur greifbar werden. - Eine Übersicht zeigt, woher römisches Tafelgeschirr nach Vindobona kam. Tipp: Viel spannende Details eröffnen sich erst bei genauer Betrachtung - also unbedingt Zeit nehmen und neugierig sein! Adresse: Öffnungszeiten: Kontakt: Verweildauer:

Römermuseum, Hoher Markt 3, 1010 Wien Di-So & Fei 09.00-18.00 Uhr www.wienmuseum.at 1-? Stunden (je nach Detailinteresse)

- Ausgrabungen Michaelerplatz - „In der Lagervorstadt“ Vor der Wiener Hofburg können Sie am Michaelerplatz noch Reste der römischen Lagervorstadt (= canabae) sehen. Diese wurden bei großflächige Ausgrabungen in den Jahren 19891991 entdeckt und konserviert. Nun sind die Mauerfragmente vom öffentlichen Raum aus rund um die Uhr zu besichtigen. Adresse: Öffnungszeiten: Kontakt: Verweildauer:

Ausgrabungen Michaelerplatz, Michaelerplatz, 1010 Wien Außenbesichtigung www.wienmuseum.at 10 Minuten

Fahrt durch die Hainburger Au Zwischen den europäischen Hauptstädten Wien und Bratislava erstreckt sich entlang der Donau die letzte große Flussauenlandschaft in Mitteleuropa - der Nationalpark DonauAuen! Auf einer Strecke von rund 36 km fließt die Donau hier noch völlig frei und formt mit ihren Pegelschwankungen von bis zu 7 Metern die Aulandschaft. Dieses Wechselspiel bildet für viele gefährdete Pflanzen- und Tierarten ein letztes Refugium. Einzigartig! So nebenbei! Im Jahre 1984 war die Au im wahrsten Sinne des Wortes dem Untergang geweiht. Nahe Hainburg sollte ein Wasserkraftwerk gebaut werden. Durch die legendäre Besetzung der Hainburger Au durch Naturfreunde und Umweltschützer konnte dies jedoch in letzter Minute verhindert werden. 1996 wurde letztendlich die Au unter höchsten Naturschutz gestellt - der Nationalpark Donau-Auen war geboren.

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Tipp: Mit dem Auto sieht man den Nationalpark Donau-Auen nur als Wald in der Ferne. Um dessen Faszination hautnah erleben zu können, bietet sich zumindest ein Besuch des Auerlebnisgeländes beim Nationalpark-Zentrum schlossOrth an! Petronell-Carnuntum - „Die Stadt der Kaiser“ Heute bezaubern am südlichen Donauhochufer zwischen Wien und Hainburg weite Felder und kleine Dörfer - Landidyll pur. Zu römischer Zeit befand sich dort eine pulsierende Großstadt mit über 50.000 Einwohnern: Carnuntum! Aber der Reihe nach: Ähnlich wie in Vindobona (Wien) mäanderte die Donau hier in zahlreichen Seitenarmen durch eine sumpfige Aulandschaft. Nördlich des Flusses boten dichte Wälder Schutz, südlich hingegen ein 40 m hohes Steilufer. In der Nahumgebung kreuzten sich die legendäre Nord-Süd-Handelsroute der Bernsteinstraße und die West-Ost-Wasserstraße der Donau. Kein Wunder also, dass die Römer auf dieser Geländestufe um 50 n. Chr. ein Legionslager mit 6.000 Mann Besatzung errichteten Carnuntum. Um das Lager entwickelte sich wie üblich eine militärische Siedlung (= canabae) und etwas westlich davon eine zivile Siedlung (= vicus). Gegen Ende des ersten Jahrhunderts wurde das Holz-Erde-Lager durch ein Steinkastell ersetzt. Zusätzlich entstand rund 1 km südwestlich ein Auxiliarkastell mit einer 500 Mann starken Reitereinheit. Die gemeinsame Stationierung einer Legion und einer Hilfseinheit an einem Ort zeugt bereits von der Bedeutung Carnuntums. Im Jahr 106 n. Chr. stieg Carnuntum zur Hauptstadt der Provinz Oberpannonien auf und erhielt bald darauf das Stadtrecht verliehen. Kaiser Marc Aurel verweilte zwischen 171-173 n. Chr. in der Stadt, um den Krieg gegen die Markomannen zu befehligen. Nach dem Tod von Kaiser Commodus riefen die Soldaten des Donaulimes im Jahr 193 n. Chr. den in Carnuntum ansässigen Statthalter von Oberpannonien Lucius Septimius Severus zum neuen Kaiser aus. Infolge wurde die Stadt um 200 n. Chr. zur begehrten colonia erhoben. Der Status einer Provinzhauptstadt, die mehrmalige Kaiserresidenz und die Lage an der Bernsteinstraße ließen Carnuntum politisch, wirtschaftlich und kulturell erblühen. Die größte Ausdehnung erreichte die nunmehrige Großstadt im 3. Jhdt. n. Chr. - sie betrug rund 10 km²! Unglaublich, vor allem wenn man bedenkt, dass heute nur 0,5 % davon freigelegt sind. Im Jahr 308 n. Chr. entschied die berühmte Kaiserkonferenz von Carnuntum über den Fortbestand des Römischen Reiches und beendete zugleich die Christenverfolgung. Nach dem Abzug der Römer aus dem Donauraum im 5. Jhdt. versank die Stadt allmählich in Vergessenheit und damit unter der Erde. Aufstieg und Fall - alles hat seine Zeit! So nebenbei: Carnuntum ist das einzige Legionslager des Donaulimes das kaum überbaut und infolge bestens erforscht ist! So schrieb im Jahr 2011 die Entdeckung der bislang einzigen bekannten, idealtypischen Gladiatorenschule aus römischer Zeit weltweite Forschungsgeschichte. - Römerstadt Carnuntum - „Römische Architektur hautnah erleben“ Die Römerstadt Carnuntum ist der Höhepunkt dieser Kulturreise! Auf einer großzügigen Freifläche wurden ein Bürgerhaus, eine Stadtvilla und eine Therme aus römischer Zeit voll funktionsfähig rekonstruiert: mit Fußbodenheizung, Herd, Mobiliar, ... Ein Erlebnis der besonderen Art! Die gesamten Rekonstruktionen orientieren sich dabei an der

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ersten Hälfte des 4. Jhdts. n Chr. und erlauben so wunderbare Vergleichsmöglichkeiten. Dabei sollten sie auch auf folgende Besonderheiten achten: - Das Museum im Eingangsbereich zeigt den Totenkult der Römer und deren „Totenstraßen“. - Ein riesiges Modell von Carnuntum veranschaulicht das Stadtbild und lässt dessen gewaltige Dimension erahnen. - Die Innengestaltung der Häuser verblüfft ob der kräftigen Farben. - Der einfache und dennoch effektive Aufbau der Fußboden- bzw. Wandheizung. - Die Bauweise der Kochherde: Lehm, passgenaue Kochgeschirrausnehmungen, ... - Die Toilettanlagen: Gemeinschaftstoiletten, Wasserspülung, Reinigungsmöglichkeit, ... - Die Ableitung des Dachwassers: Regenrinnen, Wasserkanäle mit Ziegelsohle, ... - Das Mauerwerk im Bürgerhaus: eine Ständerkonstruktion mit Lehmfachwerk (Holz mit Lehm beworfen)! - Auch die Konstruktion der Tür- und Fensterstöcke ist einen intensiveren Blick wert. - Die Brennöfen zur Keramikherstellung - quasi die Grundlage der römischen Kultur! - Die zahlreichen Alltagsgegenstände: Kästen, Sitzgelegenheiten, Amphorenhalter, Wachsschreibtafeln, ... - Die Pflanzen des römischen Gartens. - ... Tipp: Hier haben Sie die einzigartige Möglichkeit, römische Alltagsdetails am Originalort zu sehen - das gibt Aufschluss über Bauweise und Funktion. Also Zeit nehmen und neugierig sein! Geheimtipp: Beim Carnuntiner Römerfest (14.-15. Juni) lassen rund 200 römische Soldaten, Handwerker, Händler, … die römische Großstadt wieder zum Leben erwachen. Eine spannende Gelegenheit, um römisches Alltagsleben und natürlich auch die Festkultur hautnah zu erleben! Adresse: Öffnungszeiten: Kontakt: Verweildauer:

Römerstadt Carnuntum, Hauptstraße 1a, 2404 Petronell-Carnuntum März-November täglich 09.00-17.00 Uhr www.carnuntum.co.at 1-? Stunden (je nach Detailinteresse)

- Heidentor - „Ein Triumphalmonument“ Das sogenannte Heidentor ist wohl das bekannteste römische Bauwerk Österreichs! Während man früher darin ein Stadttor von Carnuntum sah, identifizieren es neueste Forschungsergebnisse als außerhalb der Stadt gelegenes Triumphalmonument. Der Pfeilerbau überspannte einst mit vier Durchgängen (= Quadrifron) eine Statue des Kaisers Constantius II. und wurde zwischen 354-361 n. Chr. errichtet. Ein stilles Zeugnis der Blütezeit von Carnuntum!

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So nebenbei: Der Name „Heidentor“ stammt aus dem Mittelalter, als man annahm, dass dieses Tor von Nicht-Christen - also Heiden - errichtet worden sei. Kurioserweise war bei den Römern zur Bauzeit das Christentum bereits seit Jahrzehnten anerkannt. Adresse: Öffnungszeiten: Verweildauer:

Das Heidentor liegt rund 1,2 km vom Parkplatz der Römerstadt Carnuntum entfernt. Von diesem einfach - mit dem Auto oder zu Fuß der Beschilderung folgen. Außenbesichtigung 10-20 Minuten

- Amphitheater Petronell - „Das Amphitheater der Zivilstadt“ Die Zivilstadt von Carnuntum verfügte über ein eigenes Amphitheater, das Platz für rund 13.000 Zuschauer bot. Neben Gladiatoren- und Tierkämpfen fanden hier auch Versammlungen statt. Die gesamte Länge des Gebäudes betrug 118 Meter, die Arena selbst umfasste 68 Meter. In der Mitte der Kampffläche befand sich eine überdeckte Regenzisterne, mit deren Wasser die Arena nach den blutigen Veranstaltungen gereinigt werden konnte. Die Zuschauerränge begannen aus Sicherheitsgründen erst in vier Meter Höhe über der Kampffläche. Heute lassen die Überreste dieser imposanten Anlage über die perfekte Inszenierungstechnik der Römer sinnieren und erinnern zugleich an ein weiteres Geheimnis des Römischen Imperiums: die Volksbelustigung! Adresse: Öffnungszeiten: Verweildauer:

Das Amphitheater Petronell liegt rund 700 m vom Parkplatz der Römerstadt Carnuntum entfernt. Von diesem zu Fuß einfach der Beschilderung folgen. Außenbesichtigung 10-20 Minuten (ohne Spaziergang)

- Amphitheater Bad Deutsch-Altenburg - „Das Amphitheater der Militärstadt“ Das Legionslager von Carnuntum verfügte über ein eigenes Amphitheater mit Platz für 8.000 Zuschauer - also die gesamte Legion. Dieses befand sich außerhalb des Militärlagers und diente neben der Belustigung der Soldaten wahrscheinlich auch als Versammlungsstätte. Auf der Westseite schließt ein kleines NemesisHeiligtum an, in dem die Arenakämpfer Weihegaben für einen günstigen Ausgang des Kampfes opferten. Tipp: Auf der Nordseite des Amphitheaters ist eine Rekonstruktion eines Marschlagers samt mobilem Schanzzeug zu sehen - wir erinnern uns „Exkurs: Römische Militärlager“! Adresse: Öffnungszeiten: Kontakt: Verweildauer:

Amphitheater Bad Deutsch-Altenburg, Wiener Straße, 2405 Bad Deutsch-Altenburg März-November täglich 09.00-17.00 Uhr www.carnuntum.co.at 15-30 Minuten

- Museum Carnuntinum - „Das Schatzhaus von Carnuntum“ Das Museum Carnuntinum ist ein Highlight dieser Kulturreise! Es zeigt die bedeutendste Sammlung des römischen Carnuntums. Die gelungene Inszenierung entführt dabei in die Welt von anno dazumal und lässt die römische Zivilisation besser verstehen. Ein wahres Schatzhaus! www.donau-oesterreich.at


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Auf diese Besonderheiten sollten Sie achten: - Eine große Wandkarte bietet einen Eindruck von der gewaltigen Größe Carnuntums. - Eine Rekonstruktion eines Mithras-Heiligtums lässt die mystischen Lichtinszenierungen der Antike nachempfinden und zeigt gleichzeitig die größte der sechs in Carnuntum gefunden Mithräen. - Landkarten visualisieren chronologisch die Ausweitung des Römischen Reiches. Diese bieten Aufschluss über dessen Eintreffen im österreichischen Donauraum und die Bedeutung des Donaulimes. - Es wird die Bedeutung der im Jahre 308 n. Chr. in Carnuntum abgehaltenen Kaiserkonferenz für das Römische Reich sehr anschaulich erklärt. Hier wurde Weltgeschichte geschrieben! - In Carnuntum gab es auch eine Schildfabrik. Diese gibt Eindruck über den Industrialisierungsgrad der römischen Kultur und natürlich deren Rüstungsindustrie. - ... Zu guter Letzt: „Fällt Ihnen etwas Ungewöhnliches am Museumsgebäude auf?“ Auflösung siehe Anhang. Adresse: Öffnungszeiten: Kontakt: Verweildauer:

Museum Carnuntium, Badgasse 40-46, 2405 Bad Deutsch-Altenburg März-November täglich 09.00-17.00 Uhr www.carnuntum.co.at 1-? Stunden (je nach Detailinteresse)

Hainburg - „Braunsberg-eine keltische Höhensiedlung“ Nordöstlich von Hainburg erhebt sich ein weithin sichtbarer Tafelberg - der Braunsberg (346 m). Auf dessen Gipfelplateau befand sich von 800-10 v. Chr. eine keltische Höhensiedlung. Um 60 v. Chr. dürfte diese dann befestigt worden sein: ein rund 1,5 km langer Wall mit Holzpalisaden führte um das ganze Gipfelplateau. Um 10 v. Chr. wurde diese Befestigung schließlich von den Römern erobert. Heute hilft ein rekonstruiertes Stück dieses Palisadenwalls, sich die keltische Höhenfestung vorzustellen. Tipp: Vom Braunsberg eröffnet sich ein wundervoller Panoramablick ins Land der Römer südlich der Donau und in das Land der Barbaren nördlich davon - einfach grandios! Adresse: Öffnungszeiten: Kontakt:

Braunberg, 2410 Hainburg an der Donau Außenbesichtigung www.feste-hainburg.at

www.donau-oesterreich.at


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Weitere Empfehlungen, Tipps und mehr … Donaulimes in Österreich www.limes-oesterreich.at

„Die“ Website zum Thema „Donaulimes in Österreich“. Bietet geschichtliche Einblicke, eine Fundort-Datenbank mit archäologischen Details, eine Übersicht der LimesMuseen, … Eher wissenschaftlich aufbereitet.

www.donau-limes.at

Auf dieser Website werden aktuell die touristisch interessanten Fundorte des österreichischen Donaulimes aufbereitet. Befindet sich noch im Aufbau.

Urlaubstipp für Radfahrer www.roemerradweg.info

Der Römerradweg führt auf den Spuren der Römer von Passau durch das oberösterreichische Inn- bzw. Traunviertel und an der Donau wieder zurück. Kategorie: familienfreundlich

Länge: 242 km

Kultur clever erleben - mit ermäßigtem Eintritt! Entlang dieser Kulturroute ermöglichen verschiedene Tourismuskarten vielfach ermäßigte oder gar kostenlose Eintritte. Tipp: Je nach Bedarf die Cards kombinieren! - DONAU-CARD:

Bietet zwischen Passau und Grein vielfach ermäßigten Eintritt. Mehr Informationen unter www.donaushop.at.

- Niederösterreich-CARD:

Bietet im niederösterreichischen Teil der Donau vielfach kostenlosen Eintritt. Mehr Informationen unter www.niederoesterreich-card.at.

- Vienna CARD:

Bietet in Wien vielfach ermäßigte Eintritte. Inkludiert auch die kostenlose Benutzung der öffentlichen Verkehrsmittel. Mehr Informationen unter www.wienkarte.at.

www.donau-oesterreich.at


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Anhang - Exkurs „Die römischen Straßen“ Das perfekt ausgebaute Straßennetz der Römer war eines der „Geheimnisse“ für ihr Imperium. Eine Depesche konnte in 14 Tagen von Rom nach Gibraltar und in 12 Tagen nach Konstantinopel gebracht werden - einfach unglaublich! Ein Schlüsselfaktor dafür war die gute Befestigung der Straßen. Je nach Bedarf verfügten diese über einen Unterbau von bis zu einem Meter Stärke. Auch der oberste Belag wurde speziell an die jeweiligen Anforderungen angepasst: Wichtige Straßen und Abschnitte mit hoher Beanspruchung wurden mit bündigen Steinplatten (60x60 cm und 25 cm dick) abgedeckt. Weniger beanspruchte Straßenabschnitte erhielten Sand- oder Kiesdecken. Diese zeichneten sich nicht nur durch eine Kostenersparnis, sondern auch durch eine größere Laufruhe der Wagenräder aus. Das Oberflächenwasser leitete man durch Querneigung der Straßendecke in seitliche Wasserrinnen ab. Um Wegelagerern schlechtere Angriffsmöglichkeiten zu bieten, wurde die Gegend rechts und links der Straße großzügig gerodet. In militärisch gefährdeten Gebieten folgten der Straße teilweise beidseitig Erdwälle (= agger), welche die Straße gleichzeitig als Stellung nutzen ließen. Alle 1o Meilen (~ 15 km) gab es Pferdewechselstationen (= mutationes). Alle 27 Meilen (~ 40 km) standen Raststationen (= mansiones). Diese Serviceeinrichtungen dienten in erster Linie dem staatlichen Post- und Kurierdienst, wenngleich sie sich später den Reisenden immer mehr öffneten. Meilensteine - 1 römische Meile = 1,478 km - zeigten die Distanzen zum nächsten Ziel. Das Straßensystem diente vorrangig der raschen Verlegung von Truppen und natürlich dem Dienstverkehr römischer Beamter. In weiterer Folge wurden wirtschaftliche Belange berücksichtigt. So schufen die Römer ein Straßennetz von rund 80.000 km Länge! Zur Orientierung gab es eigene Straßenkarten mit Angaben zu den Raststationen, ... sogenannte Itinerars. Das wohl berühmteste Itinerar ist die „Tabula Peutingeriana“. Sie zeigt das gesamte Straßennetz des Römischen Reiches. Diese Abschrift stammt zwar aus dem 12./13. Jhdt. beruht jedoch auf einem Original aus dem 3. Jhdt. n. Chr. Sie ist übrigens 6,82 m lang und wird in der Österreichischen Nationalbibliothek in Wien aufbewahrt. - Auflösung „Fahrt durch das Obere Donauengtal“: Die Erklärung liegt in wirtschaftlichen Überlegungen. Fichten bringen einen höheren Ertrag: rasches Wachstum, viele Stämme pro Hektar, gute Nutzbarkeit des Holzes, ... Das führte zu den allgemein bekannten Fichtenmonokulturen, denen wir auch hier im oberen Donautal begegnen. Der Unterschied zwischen Nordufer und Südufer erklärt sich aus den verschiedenen Standortverhältnissen. Die Fichte ist im Donautal generell ortsfremd, da ihr natürlicher Lebensraum auf rund 1.000 m Seehöhe beginnt. Während sie sich am Südufer anpassen konnte, ist das Nordufer durch seine sonnenexponierte Lage für sie zu trocken. Zudem ist das Nordufer nach wie vor zu unwegsam für exzessive forstwirtschaftliche Nutzung. Aber das ist gut, denn so konnten dort ursprüngliche Hang- und Schluchtwälder überleben, die heute in Europa viel beachtet sind!

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- Exkurs „Römische Militärlager“ Ein Erfolgsgeheimnis des römischen Heeres war dessen Lagertaktik - kein Lager ohne Befestigung! Die Legionen beförderten dazu stets ihr eigenes Schanzzeug mit und errichteten am Abend befestigte Lager. Diese boten nicht nur während der Nacht Schutz, sondern bewahrten die Römer auch vor so manch vernichtender Niederlage. Der Grund: Die Soldaten konnten sich bei einem negativ verlaufenden Gefecht darin zurückziehen. Für die meist ebenso schlecht organisierten wie bewaffneten Gegner waren diese Verschanzungen fast uneinnehmbar. Der Lagerausgang wurde dabei immer so angelegt, dass die Soldaten gleich in Gefechtsformation zum Feind hin ausrücken konnten. Die Lager waren im Kern stets gleich aufgebaut. Das erlaubte einen hohen Automatisierungsgrad bei der Errichtung und erleichterte den Soldaten das Zurechtfinden in einem neuen Lager - ein cleverer Ansatz! Diese Systematik übernahm man auch bei fixen Standlagern (= Kastellen): rechteckige Form, abgerundete Ecken bewehrt mit Wachtürmen, Innenbebauung, … Es gab zwei Lagerhauptstraßen, die sich im Zentrum rechtwinkelig kreuzten. Durch vier Tore führten diese aus dem Lager: - Porta principales praetoria (Haupttor; Tor in Feindrichtung) - Porta decumana (Das Hintertor) - Porta principalis dextra (Das rechte Tor) - Porta principalis sinistra (Das linke Tor) Ursprünglich wurden die Kastelle in Holz-Erde-Bauweise ausgeführt und zu späterer Zeit in steinerne Befestigungen umgebaut. Im 4. Jhdt. n. Chr. erweiterte man die Ecktürme zu Fächertürmen und befestigte die Mauern mit zusätzlichen hufeisenförmigen Türmen - die U-Türme. Allen Bauphasen gemeinsam war ein ausgefeiltes System aus Annäherungshindernissen vor dem Lager. Keine Wunder also, dass viele dieser einstigen Römerbefestigungen in die Wehranlagen des Mittelalters integriert wurden - Architektur lesen lernen! - Auflösung „Tulln/Porta principalis dextra - Das östliche Lagertor“ Das Geländeniveau zu römischer Zeit lässt sich ganz leicht bestimmen: Es lag am Übergang vom glatten Mauerwerk zum unregelmäßig ausgeführten Fundament. Architektur lesen lernen! - Auflösung „Fahrt durch die Wiener Pforte“ Bisamberg. Bis-am-Berg. Dämmert es? Die Donau fließt hier „bis am Berg“. Ortsnamen und Flurnamen geben sehr oft Aufschluss über Gründer, Besitzverhältnisse, Funktionen, Aussehen, Lage, ... Sie erzählen quasi „Kulturlandschaft“. Ein Blick in die Landkarte verrät viel mehr als den bloßen Standort - mal drauf achten! - Exkurs „Eine römische Legion“ Eine römische Legion umfasste rund 6.000 Soldaten. Diese waren in 10 Kohorten unterteilt, die wiederum aus 6 Centurien zu je 80 Mann bestanden. Eine Legion war übrigens eine reine Infanterieeinheit, welche jedoch auch über eine 120 Mann starke Reitereinheit, eine eigene Artillerie und Pioniere verfügte. Hilfstruppen in der Stärke von 500-1.000 Mann standen zusätzlich als Reserve bereit. So nebenbei: Um 200 n. Chr. sicherten 30 Legionen den gesamten Limes. www.donau-oesterreich.at


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- Exkurs „Die Wasserversorgung von Vindobona“ Die Wasserversorgung und die Abwasserentsorgung sind für die Aufrechterhaltung der Kampfkraft einer stationierten Militäreinheit von grundlegender Bedeutung. Die römischen Militärstrategen kannten diesen Erfolgsfaktor und schenkten ihm stets großes Augenmerk. So wurde das Legionslager Vindobona mit Frischwasser aus dem Wiener Wald versorgt. Die Römer verlegte dazu knapp unter der Erdoberfläche einen 50 cm breiten, sich nach unten etwas verjüngenden Wasserkanal. Die Rinne bestand aus wasserdichtem Putz (= Opus signinum), welche zwischen Bruchsteinblöcken eingebettet lag. Die Abdeckung erfolgte durch bis zu 20 cm dicke Steinplatten. Das Gefälle betrug 0,3 %. Daraus ergibt sich eine Beförderungsleistung von sagenhaften 4,3 Mio Liter Wasser pro Tag! Um das Gefälle konstant zu halten, wurden Hangflanken ausgegangen, Täler mit bis zu 40 m hohen Aquädukten (= wasserführenden Brücken) überspannt und tiefere Täler nach dem Prinzip der kommunizierenden Gefäße mittels Düker (= Druckleitungen) überwunden. Das Wasser gelangte so von der Quellfassung über Beruhigungs- zu den Verteilerbecken. Der finale Weitertransport erfolgte über Rohre aus Holz, Ton, Bronze und Blei - wobei es 15 genormte Kaliber (= Durchmesser) gab. Den Abschluss einer Leitung bildete ein Wasserhahn. Die Frischwasserversorgung unterstand im Übrigen dem ranghöchsten Militaristen vor Ort! In einem Legionslager spielt natürlich auch die Entsorgung des Abwassers eine große Rolle: das Oberflächenwasser der gewaltigen Fläche des Militärlagers und die Abwässer von 6.000 Mann mussten entsorgt werden. Begehbare Hauptkanäle folgten den Hauptachsen des Lagers, davon zweigten kleinere Kanäle mit einer Größe von 40x60 cm ab. Prinzipiell gab es die unterschiedlichsten Ausführungen, gemeinsam hatten alle eine Ziegelsohle. - Auflösung „Museum Carnuntinum - Das Schatzhaus von Carnuntum“ Das Museumsgebäude sieht wie eine römische Landvilla aus. Es handelt sich dabei aber um eine Rekonstruktion oder besser gesagt, um das was sich die erschaffenden Architekten am Beginn des 19. Jhdts. unter einer römischen Landvilla vorgestellt haben. Die 1885 gegründete Gesellschaft der Freunde Carnuntums hatte das Gebäude in Auftrag gegeben, um die zahlreichen Funde aus Carnuntum der Öffentlichkeit würdig präsentieren zu können. Im Jahr 1904 übergab Kaiser Franz Joseph schließlich das Gebäude seiner Bestimmung. Ein als römische Villa konzipiertes Museum - wer hätte das vermutet?

© Kranzmayr – Erlebnisraum Optimierung

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