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Kultur Genuss Portraits Lebenswertes Veranstaltungen Aktuelles aus Bamberg

Magazin fĂźr das lebenswerte Bamberg

Kostenlos

 Mai 2013


Gegen die innere Leere An den vier Wochenenden im Mai stehen König- und Luitpoldstraße ganz im Zeichen der Kultur – der „Kultur im Leerstand“, eines neuen Projekts der Interessengemeinschaft Aktive Mitte. Schwarzweiß-Musik, eine Gemeinschaftsausstellung, eine PicknickLesung für Kinder mit Stephan Bach, ein Warm up zu „Bamberg liest“ mit Martin Beyer und Selmar Klein, ein A Cappella-Konzert mit Nora Gomringer, eine Fotoausstellung von Jürgen Schabel, die Performance „Blau oder die Vermessung der Welt“ von Annette von Bamberg und Mäc Härder, dazu ein Gastspiel und Live-Action-Painting – das alles gibt es von Freitag bis Sonntag im Mai in den Schaufenstern der verlassenen Ladenlokale der Königsund Luitpoldstraße. Mit „Kultur im Leerstand“ hat sich die Interessengemeinschaft, die jedes Jahr im November auch die „Lichthöfe“ in der Stadt organisiert, ein neues Event überlegt, das sowohl für Erwachsene als auch für Kinder und Jugendliche gedacht ist. Man kann einfach vor den Schaufenstern stehen, wenn diese bespielt werden, zuhören und zuschauen, aber zum Teil auch reinkommen und mitmachen. „Es ist ein neues Experiment für Künstler, ob Newcomer oder Profi und natürlich für das Publikum“, sagt Patrick Moos, einer von zwei Straßenmana-

gern der Interessengemeinschaft Aktive Mitte, „wir wollen spannende Kunst und Kultur in den Schaufenstern darstellen, wo sonst Konsum vorherrscht.“ Die Idee zu „Kultur im Leerstand“ kam der Interessengemeinschaft auf Grund der Leere, die sich in einigen Ladenlokalen der Königs- und Luitpoldstraße breit gemacht hat. Mit der Veranstaltung sollen nicht nur die Kultur ereignishaft in die Innenstadt integriert, sondern auch potenzielle neue Mieter gefunden werden. „Wer ein geeignetes Ladenlokal in Top-Lage sucht, kann an diesen Tagen einfach vorbeikommen, die Räume ansehen und zudem Kunst und Kultur genießen“, meint Moos. Für ihre Aktionen, die Initiative erzeugen und Lust am gemeinsamen Gestalten machen, ist die Interessengemeinschaft Aktive Mitte inzwischen bekannt. „Die Stadt repräsentiert das, was wir leben wollen“, sagt Moos. Ob sich „Kultur im Leerstand“ ähnlich etablieren wird wie die „Lichthöfe“, wird sich zeigen. [dp] Mehr Infos und das detaillierte Programm zu „Kultur im Leerstand“ gibt es im Internet unter www.aktivemitte.de


die ZWIEBEL 5/2013 gruß aus der küche

Jetzt geht‘s los!

...und zwar in jeder Beziehung: ob es nun – endlich – der Frühling ist, der inzwischen bereits legendäre Weltkulturerbelauf oder das vielseitige Kulturprogramm. Bamberg zeigt sich im Mai von seiner allerschönsten Seite und auch die Touristen kommen zu dieser Jahrezeit besonders gern. Was sie von hier in ihre Heimat mitnehmen können, hat die ZWIEBEL bei einer Tour durch die Innenstadt herausgefunden. Doch wo Licht ist, ist auch Schatten. Fühlt man sich hierzulande eher fern von den typischen Gefahren einer Großstadt, belehrt einen der Blick auf die Bamberger Drogenszene schnell eines besseren: auch bei uns haben Crack und Co. längst Einzug gehalten.

Unser Portrait werden Sie in dieser Ausgabe übrigens vergeblich suchen: Das eigentlich höchst vergnügliche Interview mit einem Bamberger Original ging in der Endabstimmung immer mehr in Richtung „Zwiebel-schneiden“: am Ende war nicht mehr klar, ob man Tränen lachen oder weinen sollte, deshalb haben wir uns trockenen Auges gegen eine Veröffentlichung entschieden. Frei nach Francis Picabia: Der K(n)opf ist rund, damit das Denken die Richtung ändern kann. In diesem Sinne eine rundum erquickliches Lesevergnügen – Ihre ZWIEBEL-Redaktion

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HUt tUt gUt!

scharlotte die ZWIEBEL 5/2013

Scharlottes Welt Frühlingsgefühle

Ein Schopf aus kräftigem Grün und darunter weiße, zarte Zwiebelhaut: Mein Spiegelbild zupft aufgeregt an seinem braunen Schalenkleid herum. Heute steigt die erste Gartenparty der Saison. Das Gemüse aus der ganzen Schrebergartenkolonie ist eingeladen: vom derben Kohlrabi bis hin zu den zarten Möhrchen werden alle kommen. Auch ein paar Gänseblümchen wurden herbestellt, um adrett im Gartenbeet herumzustehen – für die Optik. Die egozentrischen Narzissen haben im vergangenen Jahr mit ihren Allüren die ganze Party versaut.

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Meine Mutter hat mir schon als Teenie eingebläut, mich auf solchen Veranstaltungen vom Spitzkohl fernzuhalten. Weil er, naja, so spitz ist. „Denk‘ an Deine Triebe“, hat Mama immer gesagt und verlegen an den zarten, grünen Rüschen an meinem Kopf herumgespielt. Was sie damit meinte, habe ich erst später begriffen. Und nun stehe ich hier: Die Zwiebelhaut nicht mehr ganz so glatt, der Kopf nicht mehr ganz so grün, aber immer noch rund und drall. Im Gemüsebeet herrschen andere Schönheitsideale als auf der Teerstraße. Bei uns gilt: Je voller desto toller.

Jedenfalls der Spitzkohl: ein gutaussehender Bursche. Aber eine Liaison zwischen einem Lauch- und einem Kohlgewächs ist genauso problembehaftet wie die Liebe zwischen Romeo und Julia. Frühlingsgefühle sind nur unter Artverwandten erlaubt, zu meinen Cousins beispielsweise. Die Lauchstangen sind stark und durchtrainiert. Aber weil sie so lang und schmal sind, haben sie nur wenig in der Birne. Naja, ich werde mich einfach auf der Party umsehen. Und wo die Schale knistert, da bleibe ich stehen. Jetzt noch ein bisschen rot-braune Erde aufgelegt und die Stirn auf Kalkstein gewälzt, dann stürze ich mich ins Getümmel. Der Frühling ruft! [kk]

Foto: Katja Kölbl

Die Welt sieht anders aus, wenn man sie mit den Augen einer Zwiebel betrachtet. Aber hat eine Zwiebel überhaupt Augen? Scharlotte schon – und mit denen sieht sie das Leben in unserer Stadt aus einem ganz eigenen Blickwinkel.


Das Lesen Sie im Mai 2013 in der Zwiebel Kultur Gelesen: Buchrezensionen Gelauscht: Musikneuheiten Hip Hop im Altersheim Die ideal(istisch)e KONTAKT-Kultur Museale Leidenschaft

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Wir informieren Sie gern über die Möglichkeiten dieses einzigartigen und über 30 Jahre bewährten Deckensystems! Besuchen Sie unsere Ausstellungen:

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Aktuelles aus Bamberg Kurz & Knackig: was Bamberger bewegt Impressum, Wichtige Adressen Auslagestellen: hier gibt‘s die ZWIEBEL

Vom Türknauf zur Kuchenform: das Bamberger Apfelweibla. Foto: Anny Maurer

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kurz & knackig die ZWIEBEL 5/2013

Kurz & Knackig Mai 2013 Ausgestochen

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Wie schnell drei Jahre vergehen. Gerade hatte man unter Tränen Abschied genommen von den lieben Freunden von Jako, die das langweilige einstige „Forum Bamberg“ durch die Erlaubnis, ihren Namen führen zu dürfen, in die erste Liga der kommerzialisierten Sport- und Vergnügungsstätten aufsteigen ließen. Da war die Stadt noch guter Hoffnung und ließ ihre Straßenbeschilderung mit dem neuen Prädikat „Jako-Arena“ versehen. Nach Jako kam mit Franz Stegner und seiner Firma Stechert die neue Lichtgestalt am Gereuther Abendhimmel, und nun ist auch das wieder Geschichte. Ein Jammer, wo der gute Franz sich zum Schluss doch sogar für Basketball begeistert hat und an der Pauke posierte, als hätte er schon zu FC 01-Zeiten für die Bamberger getrommelt. Die Stadt, klüger geworden, hat den Namenswechsel in der Beschilderung nicht mehr mitgemacht und führt jetzt nur noch zur „Arena“. Und nun ist diese goldene Ära schon wieder vorbei. Der durchsetzungsstarke Firmeninhaber versteht die Welt nicht

mehr: da bietet er großzügig die Verlängerung an mit der Bedingung, dass die Arena für die Hälfte seiner Werbekosten bei ihm Stühle kaufen muss (die er hinterher als Ausstellungsmodelle nutzt), und die Lümmel von der Stadt schlagen das tolle Angebot frech aus. Verhandeln dafür mit anderen über Seine Arena! Liebe Stadt, so geht es doch nicht. Wenn ein erfolgreicher Unternehmer ein Angebot macht, dann ist das grundsätzlich und immer eine gute Gelegenheit, sonst wäre er ja nicht erfolgreich. Das hat man dann abzunicken. Man sollte dabei auch an das große Potenzial denken, das Bamberg noch hat, wenn man mit Namensrechten Geld machen will. Der Maxplatz ist öd und leer, aber als mömax-Platz könnte er wenigstens ein paar Euro in die Kasse spülen und sogar die Hirschaider in die Stadt locken – selbst wenn das Sortiment des Mittfastenmarkts dann um Billigmöbel erweitert werden muss. Die Theatergassen könnten hingegen durch das angrenzende Hotel als Ibis-Galerie neuen Schwung bekommen. Da auswärtige Brauereien als Sponsoren gern gesehen sind, hat sicher niemand etwas gegen einen „Bitburger Reiter“ einzuwenden, der Flugplatz mit seinem Sandmagerrasen wird zum WüstenrotAirport, und wenn eine Fluggesellschaft Con Air nicht nur als Kinofilm existieren würde, wäre sie wohl der ideale Namenssponsor für die Bamberger Kathedrale. Ertragreiche Zeiten in Sicht!

Kunst auf Zeit

Artotheken sind nichts Neues – in Bamberg aber schon. Judith Siedersberger und Rosa Brunner geben zögernden Kunstfreunden jetzt Gelegenheit, ihre Werke auszuprobieren. Bilder, Skulpturen, Installationen und mehr können bis zum 30. Juni aus ihrem Kunstraum bluemerant in der Siechenstraße (wie das schon klingt, hier wird ein Namenssponsor dringend gesucht!) entführt und daheim ausprobiert werden. Natürlich laufen die Künstlerinnen Gefahr, ausgenutzt zu werden: es soll ja auch Menschen geben, die bestellte Abendkleider nach der Party getragen retournieren. Doch sie setzen darauf, dass das Publikum ihre Kunstwerke lieb gewinnt und sich eines Tages nicht mehr von ihnen trennen mag. In diesem günstigen Fall wird die Leihgebühr beim Ankauf verrechnet – und alle sind glücklich.

VolksFest im VolksPark

Jedem Stadtteil seine Party: während in der Innenstadt kaum noch Zuwachs denkbar ist (auch wenn die von der CSU ermittelten 170 Belästigungstage eigentlich nur 17 sind), in Bamberg-Ost, da geht noch was. Dachte sich das Team der Gaststätte Volkspark am Bambados und lädt ein zu einem Volksfest. Vier Tage, von Himmelfahrt bis zum Sonntag drauf, feiern Gasthaus und Biergarten ihr einjähriges Bestehen seit der großen Renovierung im vergangenen Jahr. Am Donnerstag wird Herrentag gefeiert (Parkplätze für Handwägen vorhanden),

abends, wenn die Herren dann von den Anstrengungen des Tages erschöpft sind, ist „Mädelsabend“. Am Freitag wird mit Cocktails die Verbindung zum Bambados gefeiert, und am Samstag ist großer Familientag mit Grillfest und abends „Hampels House Band“.

Hair mit den Sängern

Die Chorsänger im Raum Bamberg sind versorgt, fanden doch im April gleich zwei Chor-Castings für Sommeroper und Carmina Burana statt. Im Mai, nämlich am 4. und 5., können sich jetzt die Musical-Sänger und Sängerinnen sowie Tänzer/-innen vorstellen, und zwar in Stegaurach. Die rührige Künstlerwerkstatt plant zu ihrem 10-jährigen Bestehen im kommenden Jahr ein Fest der Liebe mit dem Kultmusical HAIR und sucht noch Mitwirkende für die Inszenierung des Hippiemusicals schlechthin. Zeit, die Haare wachsen zu lassen, ist genug, denn die Aufführungen finden im September und Oktober 2014 statt. Wer im Chor antreten möchte, muss einen von vier Songs vorsingen, wer sich für eine Solorolle bewirbt, bekommt außerdem ein Stück vorgegeben. Tänzer/-innen stellen sich mit einer kleinen Choreographie zu einer beliebigen (Musical-) Melodie vor. Wer sich unter casting@musicalhair. de bewirbt, hat die Auswahl zwischen beiden Tagen und sollte nur Sangesmut, Verpflegung und ggf. Tanzbekleidung mitbringen.


die ZWIEBEL 5/2013 kurz & knackig

Wein muss sein

men ihre Schuhe in die Hand und verlassen flüsternd die Innenstadt. Falls Sie an einem Haus mit dem Namensschild Schlenker vorbeikommen: bitte keine Klingelstreiche, sonst war‘s das mit dem Weinfest!

alles bleibt beim (nicht ganz so) alten Die Verjüngung muss einstweilen ausfallen. Das ist das Ergebnis der Kampfabstimmung um den Vorsitz der Bamberger CSU. Den alten Fahrensmann Dr. Christian Lange, 41, konnte der Newcomer Dr. Helmuth Jungbauer, 70, trotz gezielter

Unterstützung wirtschaftsnaher Kräfte nicht überflügeln. Dabei hat es an wortgewaltigen Helfern nicht gefehlt: das rhetorische Talent Peter Neller etwa bemängelte die schlechten Wahlergebnisse der vergangenen Jahre. Diese Selbstkritik lässt aufhorchen – eine Fähigkeit, die in der CSU so deutlich kaum je zu beobachten war. Hatte Neller doch bei der OB-Wahl 2006 mit 28% gegen die 72% von Andreas Starke für CSU-Verhältnisse haushoch verloren. Der allseits beliebte Heribert Trunk hingegen lobte den 70-jährigen Bewerber für seine geistige und körperliche Fitness und freute sich, dass dieser „nichts mehr werden wolle“. Trunk muss überzeugt haben – denn gut 58% der Wähler sorgten dafür, dass dieser Wunsch in Erfüllung ging. [hb]

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Hat jemals irgendwer behauptet, der Maxplatz sei öd und leer? Jedenfalls nicht zu Pfingsten! Denn dann ist wieder Bamberger Weinfest. War der „Tag des Bieres“ jüngst schon am Abend abgehakt, so besetzt das Weinfest den mömax-Platz (man muss ja schon mal üben) über ganze fünf Tage. Und jeden Abend mit Musik. Italienische Weinseligkeit kommt am Donnerstag mit den Rossinis auf, nur kurz unterbrochen von der fränkischen Weinprinzessin um 18.30 Uhr. Am Freitag spielt „Heaven“ die Rock- und PopHits der 80er. Die heutige Musik wird

allein von der Bamberger Newcomerband Kid Wolkenkratzer repräsentiert, und das auch nur kurz zur samstäglichen Mittagszeit, dann übernehmen auch schon bescheiden „Die Allerbesten“ mit Hits aus allen Zeiten. Sonntag Austropop und die Rock ‘n‘ Roller Bobbin‘ Baboons, Pfingstmontag dann „Blaue Zipfl“ (nicht zum Essen, sondern zum Hören) und die Beatles-Coverband Fab Five. Ach ja, Wein gibt es übrigens auch: Behringer (Abtswind), Biegner (Prichsenstadt), Hilla­ brand (Hüttenheim) und Schmitt (Bergtheim) schenken fränkische Tropfen aus. Falls jemand lieber Bier möchte, steht die Brauerei Kraus (Hirschaid) bereit (mit eigenen Fässern). Spätestens um 22 Uhr ist übrigens Schluss, denn dann gehen die Anwohner schlafen. Alle Gäste neh-

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lebenswertes die ZWIEBEL 5/2013

Einblicke in Geschichte und Kunst eines faszinierenden Sports

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Foto: daniel.schoenen / photocase.com

Vom Laufen

Wo laufen sie denn? Diese durch Loriot bekannt gewordene Frage, die sich eigentlich auf Rennpferde statt auf Langl채ufer bezieht, d체rften die Bamberger sich kaum mehr stellen. P체nktlich zum Zwanzigsten der Ernennung der Altstadt zum Welterbe geht der Weltkulturerbelauf am 5. Mai in seine sechste Runde. Ein Ausflug in die Geschichte des Laufsports, mit Abstechern zu Literatur und Kunst. Auch der des Laufens.


die ZWIEBEL 5/2013 lebenswertes

Culture hybrid: Mehr E-Bike geht nicht. • Bosch-Tretlagermotor • Vollfederung • Hohe Fahrsicherheit Im Grunde ist das Laufen so alt, dass man es längst selbst in den Status eines Weltkulturerbes erheben könnte. Seine Geschichte beginnt weit vor der (Neu-)Zeit, in der es, gegen Ende des 19. Jahrhunderts, darum ging, wer im sportlichen Wettkampf sich als Schnellster erwies, und natürlich weit vor den Tagen, als zu Beginn der Siebziger die Trimm-DichBewegung des Deutschen Sportbundes die Menschen aus gesundheitlichen Gründen von der Wohnzimmercouch in den Wald holte. In der Folge gelangten Volksläufe zu einer enormen Popularität. Heute sind es vor allem die Stadtmarathons, die die Massen locken, oder eben, wie in Bamberg, Läufe über die Halbmarathondistanz und kürzere Strecken.

Von ganz praktischer Bedeutung waren dann die laufenden Boten bei den Persern, Römern, Chinesen oder Inkas. Eine Vielzahl von Stafettenläufern, die sich ablösten, machten ein Nachrichtenwesen in Großreichen überhaupt erst möglich. Eberhard Werner Happel berichtet 1683 in den „Relationes Curiosae“, einer der ersten populärwissenschaftlichen Zeitschriften Deutschlands, von türkischen „Botten-Läuffern“, denen kein Pferd an Geschwindigkeit gleich sei: „Diese können gleichsam in einem Athem Tag und Nacht an einem Stücke lauffen.“ Den Läufern habe man in ihrer Jugend die Milz entfernt mit einem gewissen Handgriff, den man keiner anderen Nation verraten wolle.

Wer laufen konnte, hatte immer schon gewonnen, und sei es, wenn es galt, sich vor dem Feind oder vor aggressiven Tieren zu retten. Und ja, es gab bereits in der Antike einen olympischen Sportsgeist. Ein berühmter Beleg dafür findet sich in der Staatlichen Antikensammlung München. Die Vasenmalerei auf einer Preisamphore, zu datieren auf circa 530 vor Christus, zeigt Läufer bei den Panathenäischen Spielen, die zu Ehren der Schutzgöttin Athens gefeiert wurden.

Überhaupt ist die Geschichte des Laufens reich an Spektakeln und Kuriositäten, an Exzentrikern und Eigenbrötlern. Ein Blick nach Reinhards, in die thüringische Kuppenrhön. Dort wurde 1833 Johannes Storck geboren, einer der letzten Gemeinde- oder Botenläufer. Er galt als Dorftrottel und die Bauern tippten sich an die Stirn, wenn sie ihn mit zwei langen Spazierstöcken durch Feld und Flur springen sahen. Vielleicht so eine Art Vor-Läufer des Nordic Walking? Seine Dienste

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lebenswertes die ZWIEBEL 5/2013

Sein Alibi – er war zur mutmaßlichen Tatzeit nicht am Tatort – habe Storck sich nur durch sein abnormes Talent als Läufer verschaffen können. Als ein weiterer Mord in der Rhön geschah, wurde er 1865 zu lebenslanger Haft verurteilt, obgleich die sich plötzlich zahlreich meldenden Zeugen wenig gesehen, aber vieles zu munkeln hatten. Nach Stationen in Marburg und Halle starb Storck im September 1912 im Landeshospital Kloster Haina. An Altersschwäche, wie es heißt. Nach Berichten der Anstaltsleitung soll er Strümpfe gestrickt und oft in Gebetsbüchern gelesen haben. Bänkelsänger in der Rhön und im Vogelsberg erinnerten noch lange nach dessen Ableben an Johann Storck, Schnell-Läufer.

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Im 19. Jahrhundert also waren die laufenden Boten überflüssig geworden. Ihr Dienstleistungsberuf hatte sich erledigt, nicht aber ihre bisweilen wirklich erstaunliche Berufung. Was nun? In einem Amts- und Nachrichtenblatt empfahl sich 1838 der Altenburger Schnell-Läufer Karl Hebenstreit zur „schnellsten und billigsten Ausführung jedes expressen Weges in die Nähe und Ferne“. Er mache „zwei Stunden Wegs in der Umgebung Altenburgs in 50 Minuten hin und zurück“, gehe in „3 Stunden nach Leipzig“, in „8½ Stunden nach Dresden, ja, wenn nötig, in einem Tage hin und zurück, selbst wenn dieser Weg den andern Tag müßte wiederholt werden“. Nach Weimar schaffte es Hebenstreit in neun

Stunden. Bei „geneigter Bestellung“ wolle er zeigen, „daß ich wirklich ein schneller Läufer bin“. Wie gesagt, tempi passati, Botenläufer waren nicht mehr gefragt. Was tun? Vielleicht aus Beruf und Berufung eine Kunst machen, vom Dauer- zum Schauläufer avancieren? Und, wie es bei den Künsten Usus ist, für das Gebotene Eintritt verlangen? In einem ungarischen Provinzblatt versprach im Februar 1840 der „hier anwesende Herrschaftliche Laufer aus Wien! – sich Im vorwärts und Rückwärts Laufen produciren die Ehre“ zu geben, „wo er Händ und Füß – Kreutz geschlossen ist, dann 10 Pfund Ketten an der Brust trägt“, und so bewährt vom Belgrader Tor die Hauptstraße hinauf bis zum Illyrischen Kreutz. Diese (Tor-)Tour „4 Mal, auf und ab, in 39 Minuten“. Chapeau! Vor seinem finalen Gruß bat der „Herrschafts-Lauffer“ noch um „gnädigste Aufnahme“. Zwei Läufer, die Geschichte geschrieben haben: Emil Zatopek…

Foto: Deutsche Fotothek

waren nicht gefragt, und so lief er aus purem Vergnügen nach Hanau oder Fulda, um dort gegen Postkutsche und Eisenbahn anzutreten. Beim Stehlen hatte man ihn mehrfach erwischt, und so traute man ihm auch zwei Morde zu, darunter den am eigenen Vater.


die ZWIEBEL 5/2013 lebenswertes Ein Sprung nach vorn. 1896, Olympische Spiele, Athen. Den Marathon gewinnt Spyridon Louis. Für die rund 40 Kilometer braucht er nicht ganz drei Stunden. Louis (1873 bis 1940) soll sich unterwegs mit Schafskäse, Metaxa und einem Glas Wein gestärkt haben. Nach seinem triumphalen Sieg nahm er nie wieder an einem Wettlauf teil. Zu der heute gültigen Streckenlänge von 42,195 km kam es 1908 in London, weil bei Windsor Castle, wo König Eduard VII. residierte, gestartet werden sollte. Bis zum Zieleinlauf im neu erbauten Olympiastadion ergab sich eben die krumme Kilometerzahl, für die der derzeitige Weltrekordinhaber – der Kenianer Patrick Makau Musyoki – 2011 in Berlin 2:03:38 h benötigte.

09.05. – 12.05.2013

Volksfest

„Fliegende Finnen“ dominieren Im ersten Viertel des 20. Jahrhunderts dominierten Finnen die Mittel- und Langstrecken sowie den Marathon. Zu den „fliegenden Finnen“ zählten Hannes Kohlemainen und Paavo Nurmi. Dessen Konterfei ziert noch heute die 10-Finnmark-Note. Die legendären Leistungen Nurmis, der zwischen 1920 und 1928, zwischen Antwerpen und Amsterdam neun Goldmedaillen gewann und bis 1931 zwei Dutzend Weltrekorde von den 1500m bis zum Stundenlauf aufstellte, haben auch Eingang in die österreichische Umgangssprache gefunden. „I bin jo ned da Nurmi“ sagt, wer in Österreich eine eher ruhige Kugel schiebt. Legendär ist auch die „tschechische Lokomotive“ Emil Zatopek, dessen große Zeit 1948 in London mit Gold über 10.000 m begann. Vier Jahre später in Helsinki war er ungeachtet seines seltsamen Laufstils auch im Marathon und über 5000m nicht zu bezwingen. Kurz nachdem Emil über die zwölfeinhalb Stadionrunden gesiegt hatte, holte seine Frau

Live-Musik, Grillspezialitäten, Cocktails und vieles mehr!

…und Paavo Nurmi

Dana Zátopková Gold im Speerwurf. Schön auch, dass sich beide den Geburtstag teilen, den 19. September 1922. Zatopek, 2000 gestorben, lebt weiter in dem Roman „Courir“ (Laufen) von Jean Echenoz (s. „Gelesen“). Von der Kunst des Erzählens schnell noch zur bildenden Kunst. Seit 2005 verleiht der ehemalige Concordia-Stipendiat Ryszard Kajzer dem Weltkulturerbelauf einen eigenen künstlerischen Akzent. Seine Siebdrucke sind begehrte Sammelobjekte, sein Laufschuh schmückt das Designer-Shirt. So werden Bamberger Reiter und Läufer in Bamberg, so werden große Kunst und ein großes Lauffest eins. [jg]

Christi Himmelfahrt, 09.05. Herrentag und Mädelsabend Freitag, 10.05. Volkspark trifft Bambados

Cocktails und Live-Musik im Biergarten mit „Wulli & Sonja“

Samstag, 11.05. Familientag mit Grillfest

Großes Familienprogramm und ab 21 Uhr Live-Musik von Hampels House Band „unplugged“

Sonntag, 12.05. Volksfest Ausklang

Frühschoppen, Mittagstisch, Kaffee und Kuchen www.volkspark.de/volksfest Pödeldorfer Str. 180 • 96050 Bamberg Tel. 0951 77-3535

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gelesen die ZWIEBEL 5/2013

Gelesen Mai 2013

EIN CHINESE IN ROM ULRICH HOLBEIN HAFFMANS , 19,90 € Das jüngste Werk des nimmermüden Autors, Viellesers und Polyhistors Holbein – er war 2009/2010 Stipendiat des Internationalen Künstlerhauses Villa Concordia und ist noch immer in der Domstadt präsent – gilt Goethe und Jean Paul. Den Untertitel, „ein untendenziöses Doppelporträt“, muss man ironisch verstehen, denn auf Jean Paul, vor zweieinhalb Jahrhunderten in Wunsiedel geboren und 1825 in Bayreuth gestorben, mit dem er auch gern verglichen wird, lässt Holbein nichts kommen. Goethe ergeht es weniger gut, was Wunder, schlug dem Dichterfürsten sein Kollege aus dem oberfränkischen Krähwin-

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kel doch gewaltig auf den Magen, vor allem nach dem Verzehr von Sauerkraut. Jean Paul hingegen verschlang, gemeinsam mit der Gattin, die „Wahlverwandt-

schaften“ in einem Rutsch. Immerhin feiert Holbein Goethe, mehr noch aber Jean Paul, als Wortschatzmeister, die beide mit Neologismen um sich warfen. „Weltliteratur“ und „Naturverbundenheit“ hier, „Weltschmerz“ und „Gänsefüßchen“ dort. Auch Holbein himself ist solch ein Wortschatzmeister, der immer wieder mit neuen Fügungen überrascht. Und mit Volten, mit Assoziationen. In Holbeins Kosmos hat vieles Platz. Man staunt, welche Namen er mit denen seiner beiden Protagonisten in Verbindung bringt. Beispielsweise den seines Fastnachnamensvetters Wolfgang Hohlbein, gleichfalls ein extrem produktiver Autor. Viele Abbildungen, Photos, Collagen, die oft der Autor selbst angefertigt hat, gefallen dem Auge. Auch die Obere Brücke wird derart bedacht. Ein Register und eine Bibliographie würden dem Doppelporträt gut anstehen – und gewiss den mit etwas über 400 Seiten noch überschaubaren Umfang um etliches weiten. Wie auch immer. Dem neuen Holbein mangelt es nicht an Schwung und einer schillernden Virtuositäta. [jg]

LAUFEN JEAN ECHENOZ BERLIN VERLAG , 2009 Es gibt nicht allzu viele Romane, deren Protagonisten Sportler sind, und nur ganz wenige, die sich den Helden der Stadionrunden widmen. Hans Gebhardts „Die 80 Tage des Gunder Hägg“ – über den Schweden, der 1942 innerhalb weniger Wochen zehn Weltrekorde auf den Strecken von 1500 Meter bis 5000 Meter aufstellte – ist so ein Beispiel. Oder Echenoz‘ schmaler Dokumentarroman

über Emil Zatopek, der in den späten Vierzigern und frühen Fünfzigern die Langstrecken dominierte. Die Deutschen marschieren in Mähren ein, eine „kleine Annexion ohne großes Trara“, und besetzen Ostrava, wo Emil in einer Schuhfabrik arbeitet. Bei einem Mannschaftslauf der deutschen Übermenschen gegen die abgerissenen Tschechen wird Emil, ohne es zu bemerken, Zweiter. Ein Trainer wird auf ihn aufmerksam, eine legendäre Laufbahn nimmt ihren Anfang. In unprätentiöser Sprache, mit der der bescheidene Zatopek sicher einverstanden gewesen wäre, schildert Echenoz dessen

großen Erfolge, etwa das Dreifachgold 1952 in Helsinki. Das Buch endet mit dem Einmarsch der Sowjets im August 1968. Zatopek schließt sich den Demonstranten auf dem Prager Wenzelsplatz an, wird daraufhin aus der Partei und Armee ausgeschlossen. Als Lagerist wird er in den Urantagebau im Nordosten des Landes geschickt, sechs Jahre lang. Erst als man ihn zwingt, ein Dokument zu unterzeichnen, in dem er seine begangenen Irrtümer bereut, verzeiht man dem großen Läufer und ernennt ihn zum Archivar im Sport-Informationszentrum. Eng an den biographischen und historischen Fakten entlang ist Echenoz, der in Bambergs Partnerstadt Rodez Soziologie studiert hat, ein Buch gelungen, an dem nicht nur Sportbegeisterte ihren Gefallen haben werden. [jg]

DES TEUFELS WÖRTERBUCH AMBROSE BIERCE Manesse, 19,95 € Die Versuchung ist groß, ein Zitat aus diesem großartigen Wörterbuch an das andere zu reihen. Doch wo anfangen und wo aufhören? Bereits 1986 übersetzte Gisbert Haefs Ambrose Bierce‘ Wörterbuch des Teufels; jetzt ist eine überarbeitete und sprachlich aktualisierte Ausgabe erschienen. Die Einträge sind alles andere als politisch korrekt, aber eine höchst vergnügliche Lektüre. Die Übersetzung passt sich dem Stil des Originals an. Durchaus hämisch, sarkastisch oder zynisch, aber stets mit sprachlichem und intellektuellem Witz. Damit setzt sich Gisbert Haefs wohltuend von anderen, früheren Übersetzungen ab, denen es an Humor und sprachlicher Versiertheit mangelt. Zudem ist die vorliegende Ausgabe die bislang umfangreichste in deutscher Sprache und der Übersetzer

erklärt in einem kurzen Nachwort, dass bei der Auswahl „Übersetzbarkeit und Verständlichkeit“ die entscheidenden Parameter waren. Ein weiteres Plus ist die bibliophile Gestaltung sowie der handschmeichelnde Samtbezug, so dass man das Buch gerne immer wieder zur Hand nimmt. Kurz: es ist ein Buch, in dem es sich gut schmökern lässt und das sich bestens zum Zitieren eignet. [bp]


die ZWIEBEL 5/2013 gelesen

Eine Werkstatt der Bamberger Lebenshilfe Werkstätten

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Wer mal wieder in einer bittersüßen Liebesgeschichte versinken möchte, ist mit diesem Buch bestens bedient: Im Mittelpunkt der Geschichte stehen der 35jährige Will und die 27jährige Lou – er kommt aus wohlhabendem Haus, ist extrem gut ausehend und seit einem schweren Unfall querschnittgelähmt. Sie entstammt der Arbeiterklasse, besticht durch geschmacklose Klamotten, ein lockeres Mundwerk – und soll ihn pflegen. Klingt nach „Ziemlich beste Freunde“ mit einer Prise Liebe aufgefrischt. Doch das wird dem Buch nicht gerecht, denn es geht um mehr: Will hat eine Entscheidung getroffen, in sechs Monaten will er in einer Schweizer Klinik Sterbehilfe

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Wissen was man trinkt Die Kaffeerösterei der

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Eine Werkstatt der Bamberger Lebenshilfe Werkstätten

chenwagen wird der Schwerkranke nach Paris in eine Klinik gefahren, wo er an einem Magengeschwür operiert werden soll. Auf der Fahrt begleitet ihn Ma-Be, Marie-Berthe Aurenche, Muse der Pariser Künstler zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts. Um die Schmerzen zu lindern, wird dem Maler Morphin injiziert, das ihn in einen halluzinatorischen Dämmerzustand versetzt. Damit beginnt ein Reigen von Gedankensprüngen und biografischen Fetzen. Über seinen Geburtsort Smilowitschi nahe Minsk und Wilna nähert sich der junge namenlose Maler Paris, der „Welthauptstadt der Malerei“. Dort trifft er auf Chagall, Picasso, Modigliani und der Montparnasse wird seine zweite Heimat. Dutli zeichnet ein Künstlerportrait, das von Hunger, Armut, Dreck und zugleich von einer ungeheuren Leidenschaft für das Leben und die Kunst geprägt ist. Ein faszinierendes Portrait, das neugierig macht auf die

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lebenswertes die ZWIEBEL 5/2013 Hätten Sie Ihn erkannt? Klar, an der Frisur: der Bamberger Reiter als Spielzeugfigur.

Souvenirs, Souvenirs Jetzt geht’s wieder los: Bunter Hut, kurze Hosen und bequeme Schuhe, die stets griffbereite Kamera um den Hals – fertig ist der Bamberg-Tourist. Grüppchen aus aller Herren Länder reihen sich um in die Luft gehaltene Regenschirme und entdecken die Schönheiten des Weltkulturerbes.

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Knapp 550.000 Übernachtungsgäste waren es im vergangenen Jahr, fast doppelt so viel wie vor zehn Jahren, dazu kommen noch geschätzte sieben Millionen Tagestouristen. Und natürlich möchten sie alle etwas mitnehmen von dem Glanz und der Schönheit unserer Domstadt. Doch was ist typisch für Bamberg? Die Hörnla,


die ZWIEBEL 5/2013 bamberger kulturleben

das (Rauch-)Bier, der Bamberger Reiter oder doch das Apfelweibla? die ZWIEBEL hat sich mal auf den Weg gemacht und versucht, Bamberg mit den Augen eines Touristen zu erkunden. Auf der Suche nach originellen Andenken ist sie auf allerhand Sehens- und Kaufenswertes gestoßen.

Fotos: Anny Maurer

Wer typische Mitbringsel in den Koffer packen möchte, ist unter anderem in der Touristen-Information am GeyerswörthPlatz prima aufgehoben. Hier gibt es nicht nur Stadtführer, sondern auch jede Menge Souvenirs: Bierkrüge, Einkaufstaschen, Memories, Puzzles und andere Spiele, T-Shirts, Rücksäcke und sogar Lollis – alles versehen mit Bamberg-Motiven. Doch auch Aussergewöhnliches kann man erwerben: edle Weine und Brände aus dem Bamberger Stiftsgarten, eine schlichte schwarze Armbanduhr mit

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lebenswertes die ZWIEBEL 5/2013 Stück Historie der Domstadt widerspiegeln. So wie das „Armband für die schöne Gärtnerin“ – eine Hommage an die Gartenstadt Bamberg: Einzelne Anhänger – Aamerla, Gieserla, Schaufel, Hörnla, Gartenschere oder auch Rettich – sind aufwändig gearbeitete Sammelobjekte aus Silber, Ebenholz, Leder, Koralle oder Jade (ab 80 Euro). „Es gibt Touristen, die sich jedes Jahr einen neuen Anhänger zur Erinnerung an ihren Bamberg- Aufenthalt mitnehmen“, verrät Haertl. Und dann sind da noch Kunden, die immer gerne mit „einem Bein in Bamberg bleiben“ – und sei es nur in Form eines Schlüsselanhängers: Das silberne „Bamberger Beinchen“ (ab 69 Euro) ist eine Miniatur der „Trompe L’ Oeil“-Verzierung am alten Rathaus.

Nacht über Bamberg, und die Sterne funkeln – alles im Ring von Friedemann Haertl

Hörnla, Schneggla, Seidla: was braucht der Bamberger mehr?

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Dommotiv (41 Euro) oder den Bamberger Reiter von Playmobil (gibt es sonst nur noch im Diözesanmuseum). Ebenso schön wie ausgefallen ist der Bamberg­ring mit Stadtsilhouette, Brillant und Innengravur „Traumstadt Bamberg“, geschaffen von Gold- und Silberschmied Friedemann Haertl. Auch wenn andere Juweliere inzwischen ähnliche Ringe anbieten, empfiehlt sich ein Besuch beim „Original“-Künstler im Liebighof. Ab 120 Euro ist das Schmuckstück zu erstehen, in Gold mit 1500 Euro zwar deutlich teurer, aber für Paare, die sich in Bamberg kennengelernt oder hier geheiratet haben, ein schöner Ehe- oder Freundschaftsring. Friedemann Haertl hat ja bereits mit seiner Nachbildung der berühmten Heinrichskrone unter Beweis gestellt, dass er sich der Bamberger Geschichte eng verbunden fühlt. Kein Wunder also, dass viele seiner Arbeiten ein


die ZWIEBEL 5/2013 lebenswertes Nun ist Bamberg ja auch eine Krippenstadt – wer sich ein ganz besonderes Mitbringsel leisten möchte, kann bei Heike und Jörg Kiesewetter von „Zinnober“ in der Keßlerstraße vorbeischauen. Als „Geschlossene Gesellschaft“ präsentiert sich unter einer Glashaube eine „Krippengruppe“ in kunstvoll verarbeiteten Silberfiguren – das Christuskind und der Stern des Propheten glänzen gar in purem Gold. Lediglich der Teufel muss draussen bleiben – der übrigens eine frappierende Ähnlichkeit mit unserem „Goblmo“ hat. (Krippe von Daniel Hiller, klein 1.180 Euro, groß 2.480 Euro, Einzelfiguren ab 129 Euro). Für Touristen aus Übersee, denen die Differenzierung zwischen Franken und Bayern zu filigran ist, gibt es die bayrische Brezel in Silber oder Gold. Als Kettenanhänger, Manschettenknöpfe, Ring oder Ohrstecker – die Schmuckbretz’n sind heiß begehrt. Wer die „Mahlzeit“ komplettieren möchte, bekommt bei „Zinnober“ auch ein silbernes Brathendl – schließlich isst das Auge mit (ab 89 Euro).

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lebenswertes die ZWIEBEL 5/2013 Tummelplatz für Besucher ist natürlich die Sandstraße in der Altstadt. Ein Klassiker in Sachen Souvenirs dürfte ohne Frage das Geschäft von Walter Manger sein: Mit Schirm, Charm, aber ohne Melone präsentiert er eine Kollektion von Bamberg-Mitbringseln, die keine Wünsche offen lässt: Topflappen, Krüge, Taschen, Portemonnaies, Bücher, Karten, Tischdeckchen – alles, was sich mit BambergMotiven bedrucken lässt, wird man hier finden. Verkaufschlager Nr. 1 ist übrigens ein – ebenfalls bedruckter – Karton mit sechs Sorten Bamberger Bier für 9 Euro. Nun lässt sich nicht alles ohne weiteres im (Flug-)Gepäck verstauen – deshalb an dieser Stelle ein heißer Tipp für platzsparende, aber nicht minder typische Andenken: Bei „Bamberg Spitze“ werden in Eigenproduktion Lesezeichen, Fenstermotive, Gardinen, Tischsets oder -decken mit den Wahrzeichen der Domstadt gehandarbeitet. Passt nicht nur in jeden Reisekoffer, sondern schont auch den Geldbeutel (Lesezeichen ab 2 Euro). Man kann sich natürlich auch eine schicke Tasche für all die Mitbringsel kaufen – in der Papeterie am Sand gibt es davon jede Men-

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ge in allen Größen und Variationen. Frech und sehr modern bedruckt mit den klassischen Bamberger Wahrzeichen, gestaltet von der Künstlerin Birgit Morgenroth: Federmäppchen, Utensilo, Geldbeutel, Schultertasche, aber auch Postkarte oder Handyhülle (von 2 bis 69 Euro). Besonders originell ist jedoch ein Taschenhalter für den Café-, Restaurant-, Ess- oder Schreibtisch mit Motiv-Magnet – endlich hat man seine Sachen quasi über der Erde schwebend immer griffbereit und – vor allem – mehr Freiraum für die Füße (12,80 Euro). So, und wer jetzt noch nicht das Richtige gefunden hat, könnte sich ja ganz einfach

mit ein paar kulinarischen Spezialitäten beglücken: den berühmten Bamberger Hörnla. Ob deftig als Kartoffel frisch vom Markt (oben von Uwe Lottes) oder lieber zart-knusprig als Butterhörnchen vom Bäcker (hier von Seel) – beides dürfte Leib und Seele gleichermaßen erfreuen. Während die Zwiebel lieber mit der Kartoffel kuschelt, soll es ja sogar Bambergbesucher geben, die das Gebäckstück mit nach Hause nehmen und dort ihrem heimischen Bäcker präsentieren: „Das ist ein Bamberger Butterhörnchen, es ist zwar schon zwei Tage alt, schmeckt aber immer noch besser als Ihre frischen. Warum bekommen Sie die nicht so hin?“ [sb]

Gebäck zum Mitnehmen oder Selbermachen: Hörnla und Kuchenform „Apfelweibla“

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gelauscht die ZWIEBEL 5/2013

Gelauscht Mai 2013

Band zwischen dem Opener „Manha I de Dezembro“ und dem Schlusspunkt „Novo dia“. Gleichermaßen exotisch und faszinierend klingen diese Stücke, die Carmen Souza in diesem Jahr auch live in Deutschland präsentieren wird. [fk]

Poogie Bell Band Carmen Souza Kachupada Galileo Music

Die in London ansässige kapverdische Sängerin Carmen Souza ist bei den Cape Verde Music Awards am 09. März 2013 gleich zweimal ausgezeichnet worden. So wurde Carmen Souza für ihr aktuelles Album „Kachuapda „als beste Frauenstimme ausgezeichnet. Ihr Song „6 on na Tarrafal“ erhielt die Auszeichnung beste

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Morna des Jahres. Carmen Souza hat so auch in ihrer Heimat mit ihrem vierten Album deutlich gemacht, dass sie zu den wichtigsten aktuellen Stimmen der Kapverden gehört. Das kapverdische Gericht Kachupada inspirierte sie zum Titel, der die vielfältigen Einflüsse ihrer Musik zwischen afrikanischen Wurzeln, Jazz und Pop widerspiegelt. Erneut von Theo Pas´cal produziert, brilliert Souza als Sängerin, Songwriterin, Pianistin und Gitarristin neben einer kongenialen

Suga Top Rattay Music Der US-amerikanische Schlagzeuger Poogie Bell hat mit „Suga Top“ eine musikalische Hommage an seine Heimatstadt Pittsburgh aufgenommen. Stilistisch bewegt er sich auf Titeln wie „Greasy Chicken Scratch“, „Other Side Of

The Game“ oder „Haven´t You Heard“ zwischen den musikalischen Eckpfeilern Gospel, Jazz, Funk und Soul. Poogie Bell hat für „Suga Top“ seine eigene Band zusammengestellt, jahrzehntelang war er u.a. als Drummer für Marcus Miller, SMV, Chaka Khan oder Erika Badu unterwegs. Der schwarze Musiker zollt mit den 15 Stücken seinen Wurzeln Tribut und gibt nun zusammen mit einer kongenialen Band seine musikalischen Erfahrungen an eine junge Generation weiter. Und dass der Musiker noch immer den Groove hat, beweisen die eingängigen Nummern mit Nachdruck. [fk]

Joyce Moreno Tudo Far Out Recordings Die Brasilianerin Joyce Moreno veröffentlicht seit über 40 Jahren Platten, in diesem Fall mit „Tudo“ eine neue CD rechtzeitig zu ihrer Europatournee im April. Ein Jahr nach der hochgelobten Hommage „Rio de janeiro“ an ihre Heimatstadt, stellt Joyce erneut ihre Ausnahmestimme unter Beweis. Zusätzlich brilliert die schon 1968 ins Rampenlicht getretene Künstlerin als Songwriterin und Gitarristin. Zur Seite steht ihr wie gewohnt Ehemann und Perussionist/ Schlagzeuger Tutty Moreno, der sie von

„Quero Ouvir Joao““ über „Claude Et Maurice“ bis hin zum Titelstück „Tudo“ meisterhaft unterstützt. Neben vier CoKompositionen, die Joyce bewusst akustisch umsetzt, präsentiert sie dieses Mal nur Songs aus der eigenen Feder. Nach wie vor teilt sie ihr Können und ihre Liebe zur Musik gleichberechtigt zwischen Bossa Nova, Jazz und Samba. Herausgekommen sind einfühlsame, empfindsame Songs, die im Fazit: ´Aquelas Cancoes Em Mim´ münden. [fk]

Udo Jürgens Best of live – Vol. 1 Ariola/Sony Music

Die Karriere des gebürtigen Österreichers Udo Jürgens begann 1950, als der damals 16jährige einen KomponistenWettbewerb gewann. Mittlerweile 78 Jahre alt, ist er der wohl bedeutendste Unterhaltungskünstler im deutschsprachigen Raum. Nach der erfolgreichen Filmmusik zur Fernsehverfilmung seines Roman-Bestsellers „Der Mann mit dem Fagott“ veröffentlicht Jürgens nun auf einer Doppel-CD „Best OF Live - Vol.1“ die Tourneehöhepunkte seiner letztjäh-

rigen Konzertreisen. Bei den insgesamt 30 Titeln folgt Hit auf Hit, darunter zu hören sind Klassiker wie Merci Chérie“ oder das Classic Medley „17 Jahr, blondes Haar/Mit 66 Jahren/Aber bitte mit Sahne“. Auch „Griechischer Wein“ oder „Ich war noch niemals in New York“ fehlen natürlich nicht. Und auch der Rest präsentiert Udo Jürgens zusammen mit dem Orchester Pepe Lienhard in absoluter Höchstform. [fk]

SKA-P 99% Warner Music Nach mehrjähriger Live-Pause können sich alle Ska-P-Fans auf ein Wiedersehen mit dem spanischen Ska- und Punkrock-Exportschlager Nr. 1 freuen. Nach Auflösung, dem Nebenprojekt The Locos und der Neugründung meldet sich die Bigband aus Madrid mit dem Album 99% eindrucksvoll zurück. Die Texte der


die ZWIEBEL 5/2013 gelauscht

spanischen Band sind von „Full Gas“ über „Ali Babá“ und „Victoria“ bis hin zu África Agónica“ nach wie vor sehr sozialkritisch, die Musik fährt in die Beine: Ska-Punk wie man ihn lieben muss! In den Neunziger Jahren gross geworden, gaben Ska-P 2005 nach elf Jahren eine längere Pause bekannt, doch zwei Jahre später schon kündigten sie ihre Rückkehr an. Und was für Eine: 2008 wurde das Studioalbum „Lágrimas y Gozos“ veröffentlicht und man spielte grossartige Konzerte in ausverkauften Hallen in ganz Europa. Energie, Können und Show bilden bei

den kritischen Spaniern noch immer eine schlagkräftige Einheit, virtuose Bläsersätze und die eindrucksvolle Stimme von Sänger Pipi überzeugen uneingeschränkt Und nicht nur mit der ersten Singleauskopplung „Se Acabó“ bleiben Ska-P ihrem Motto Tanzen & Feiern´ weiterhin treu. [fk]

GUSTAV MAHLER SYMPHONIE Nr. 9 DGG Bald, in der ersten und zweiten Juniwoche, ist es wieder so weit. Dann wird der internationale Dirigentennachwuchs an der Regnitz zusammenkommen, denn es lockt der Gustav-Mahler-Dirigentenwettbewerb in seiner vierten Auflage.

Die Premiere 2004 gewann Gustavo Dudamel, für den Venezolaner der Beginn einer Laufbahn, die in Dirigaten bei den Philharmonikern in Berlin, Wien und Los Angeles gipfelte. Seit Oktober 2009 ist Dudamel musikalischer Direktor des L.A. Philharmonic. Der kalifornische Klangkörper zählt zwar nicht zu den „Big Five“, den Eliteorchestern aus New York, Boston, Chicago, Philadelphia und Cleveland, aber diese enge Sichtweise gilt ohnehin als längst veraltet. Viel besser als die Philharmoniker aus L.A. kann man (inzwischen) kaum mehr spielen. Nachhören lässt sich das an dem Konzertmitschnitt der Neunten, der nun bei der Deutschen Grammophon herausgekommen ist, Frucht des Mahler-Projektes 2012, als Dudamel innerhalb von drei Wochen sämtliche Mahler-Symphonien

stemmte. Er geht ins Detail, lässt Bratschen aufblühen, das Blech brillieren, vermag auch einen weiten Spannungsbogen zu halten: Das Adagio gerät zu einer ergreifenden Weltabschiedsmusik,

die langsam im vierfachen Piano erstirbt. Die Tempi nimmt Dudamel bedächtig und sehr, sehr ähnlich wie Nott bei der hochgelobten Aufnahme mit den Bambergern, die 2009 bei Tudor in Zürich erschien. Nott und Dudamel, L.A. und Bamberg, machen sich ganz ausgezeichnet. Jedenfalls bei Mahler. Also beide zulegen! [jg]

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bamberger kulturleben die ZWIEBEL 5/2013

Lydia Schneider (84) und Emil Behacker (91) haben ihre Ehepartner vor knapp einem Jahr verloren. Nun sind sie alleine, jeder für sich, und wohnen im Seniorenzentrum Wilhelm Löhe der Diakonie Bamberg-Forchheim. Doch vor ein paar Wochen ist die Liebe in ihr Leben zurückgekehrt: Die Senioren spielen ein Liebespaar in dem Hip Hop-Video „Lieblingslied“ von Jonas Ochs.

„Schließ die Augen, Cherie, dieses Lied ist für Dich!“

Einen Rapper im Altersheim sieht man nicht alle Tage. Einen Rapper, dessen Vater der Pflegedienstleiter des Bamberger Seniorenzentrums ist, dagegen schon öfter: Jonas Ochs ist der Sohn von Kurt Ochs. Ein Mann, den Lydia Schneider aufrichtig verehrt. Und über den sie eigentlich viel lieber sprechen möchte, als über sich und ihre neue Karriere als YouTube-Star. Auf dieser Internetplattform wird Mitte Mai ein Video zu sehen sein, in dem die 84-Jährige die Hauptrolle spielt.

Die Pfarrersfrau aus Rothenburg ob der Tauber ist durch ihre aufgeweckte, offene Art und ihr beherztes Zupacken ohnehin der heimliche Star des Seniorenzentrums. „Ich fühle mich hier sehr wohl“, sagt sie. „Aber eigentlich will ich wieder raus.“ Mit ihren 84 Jahren ist Lydia Schneider viel zu agil, als dass sie der träge Alltag eines Altersheims erfüllen würde. „Es ist schwer, hier Gespräche auf Augenhöhe zu führen“, sagt sie und klingt plötzlich traurig.

Zu ihrer Rolle kam die grauhaarige Dame wie viele Stars: durch Talent, ein charismatisches Auftreten – und Beziehungen. „Als der Herr Ochs gefragt hat, ob ich im Video von seinem Sohn mitmachen möchte, dachte ich mir: Da kann ja nichts Schlechtes rauskommen“, sagt Lydia Schneider und blinzelt dem Pflegedienstleiter zu.

Doch neben ihr sitzt Jonas, der mit seinen 27 Jahren von der lebenslangen Liebe singt und in der Cafeteria des Seniorenzentrums jugendliche Energie versprüht. Zusammen mit ConyMC rappt er seit 2005 in der Bamberger Hip Hop-Band Bambägga. Der Rest der Crew, die Musiker Mightymike und Peterbeats, haben sich auf dem vierten Studioalbum „Laib & Seele“ nicht verewigt. „Der Song ist eigentlich eine Schnulze. Es geht es um die lebenslange Liebe. Da gehört das Altern dazu und das Video soll das Schöne am Altwerden zeigen“, erklärt Jonas. Die Dreharbeiten für das Internetvideo „Lieblingslied“ hat Jonas mithilfe der Bamberger Kunstgruppe „Philmfilm“ gestemmt, die vor kurzem den Regionalfilmpreis der Bamberger Kurzfilmtage gewonnen hat. „Sehr nette junge Leute waren das“, erinnert sich Lydia Schneider mit einem Lächeln zurück.

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Emil Behacker nickt dazu nur. Der 91-jährige hält sich im Gespräch zurück, „weil ich hör` nimmer so gut!“. Der Niederbayer war zwar sofort bereit, bei dem Video mitzumachen. Aber jetzt möchte der Ingenieur lieber über

Videoausschnitte: Philmfilm

Hip Hop im Altersheim


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die ZWIEBEL 5/2013 bamberger kulturleben

seine Heimat Regensburg und seine verstorbenen Frau Barbara sprechen. Wie die Dreharbeiten waren? „Naja, wir haben ausgemacht was wir tun sollen und dann haben wir es gemacht“, sagt er und ein Grinsen stiehlt sich auf sein Gesicht. „Wir haben gleich alles aufgezeichnet“, ergänzt Jonas. Proben oder Schminke gab es nicht. „Nur das Überreichen des Blumenstraußes mussten wir nochmal machen“, sagt Lydia Schneider stolz.

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Ab Mitte Mai ist das Video mit dem betagten Liebespaar unter www.bambaegga.de zu sehen. Das neue Album „Laib & Seele“ wird am 31.5. bei einer Release-Party im Morph Club vorgestellt. Die Platte kostet 5,- € und kann unter bambaegga@web.de vorbestellt werden.

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Für den Dreh war die kleine Filmcrew an verschiedenen Plätzen in Bamberg unterwegs.

In dem dreiminütigen Streifen sieht man das Paar an der Bushaltestelle, Händchenhalten in der Konditorei Emmi, Arm in Arm im Lichtspielkino und auf der Kettenbrücke, wo sie ein Liebesschloss anbringen. Besonders herzig ist die Filmsequenz, in der die Senioren in einer Fotokabine im Atrium Fotos machen. Und die Szene im Tätowierstudio „Zur Sonne“, in der Jonas Emil Behacker angeblich ein Tattoo sticht. Ganz am Ende des Videos ist übrigens die große Liebe des Rappers zu sehen: Eike ist die Frau, mit der er seit drei Jahren zusammen ist – und mit der er alt werden möchte. [kk]

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bamberger kulturleben die ZWIEBEL 5/2013

Die ideal(istisch)e KONTAKT-Kultur Der Kontakt steht, das Programm noch nicht: Einen Monat vor dem Start der neunten Auflage von KONTAKT – DAS Kulturfestival vom 23. bis 26. Mai ist immerhin der Veranstaltungsort gefunden – das Jugendzentrum am Margaretendamm. Nach dem haben die Veranstal-

ter lange gesucht – passend zum diesjährigen Festivalmotto „suchen“. Nach dem großen Erfolg des Vorjahrs, im alten Hallenbad mit mehreren tausend Besuchern, wollten die Studenten auch in diesem Jahr einen ungewöhnlichen Ort finden. Und scheiterten.

„Es ist schwer, in Bamberg etwas Gleichwertiges zu finden. Eigentlich wollten wir wieder in einen unbewohnten Ort kulturelles Leben bringen. Aber das hat nicht geklappt“, erzählt Lorenz Kutzer. Der 23-Jährige Lehramtsstudent gehört zum rund 20-köpfigen Organisationsteam aus Studenten, Mitgliedern des Allgemeinen Studierendenausschusses (AStA) Bamberg e.V. und interessierten Bambergern.

rig. „Die Leute sollen nicht nur Programmtheater besuchen, sondern selbst das Programm machen. Sie sollen nicht nur Konsumenten sein, sondern Produzenten.“

Als Vertreter der letzten Gruppe sitzt Guido Apel in der Runde. Guido ist 42 Jahre alt, von Beruf Grafiker und im Herzen Künstler. Er sitzt gerne mit den Studenten auf den zerschlissenen Sofas im studentischen Kulturzentrum Balthasar an der Schranne und diskutiert. Stoff dafür gibt es genügend, im Kultur-Team wird alles basisdemokratisch ausdiskutiert. Denn auch wenn die Arbeitskreise einzelnen Mitgliedern des Organisations-Teams zugeordnet sind: Das Programm bestimmen alle zusammen.

Für diese großen Ziele steht den ehrenamtlichen Organisatoren nur ein kleiner Geldbeutel zur Verfügung, den Benedikt Frank (25), Vorsitzender des Trägervereins AStA Bamberg, stellvertretend in den Händen hält. Psychologiestudentin Theresia Reiter schreibt seit Monaten Stiftungen und potentielle Förderer an. Sie verwaltet die Finanzen. „Wir suchen Finanziers, Sachspenden, Leute die uns ihr Können und ihre Zeit zur Verfügung stellen“, wirbt die 22-Jährige. Dann spricht sie weiter von Transparenz, integrativem Austausch und dem Ziel, Ideen

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Vier Studenten ganz entspannt vor der großen Planungswand

Foto: Katja Kölbl

Guido sitzt im Arbeitskreis Pressearbeit, Lorenz organisiert das wissenschaftliche Symposium zum Thema „suchen“. Hier werden sämtliche Fragezeichen der Gesellschaft aufgegriffen: Wie wollen wir leben? Wie wollen wir gewaltfrei kommunizieren? Wie wollen wir essen, wohnen und wirtschaften? Und natürlich: Wie wollen wir Kultur in Bamberg entwickeln? „Wir wollen junge Leute dazu ermutigen, sich für Kunst und Kultur einzusetzen und selbst zu gestalten“, erklärt Lorenz eif-


die ZWIEBEL 5/2013 bamberger kulturleben aus dem Kulturfestival in langfristige Projekte umzusetzen. So viel Idealismus muss unterstützt werden: Entweder auf der Homepage www.kontakt-bamberg.de unter dem Button „Betterplace“. Oder mit einer Spende unter dem Stichwort „Kontakt“ auf das Konto AStA Bamberg, Kontonummer 300 692 068, BLZ 770 500 00 (Sparkasse Bamberg). [kk]

DIGITALDRUCKMASCHINE KONTAKT – DAS Kulturfestival verfolgt seit acht Jahren das Ziel, Kunst und Kultur aus den unterschiedlichsten Bereichen wie Theater und Film, Lyrik und Prosa, Tanz und  Musik, sowie bildende Künste ausstellend und darstellend einem breiten Publikum mitten in Bamberg anzubieten. Wichtig ist dem Veranstalter AStA Bamberg e.V. dabei, dass das mehrtägige Kulturfestival kostenlos ist und jedem Menschen offen steht. Das Publikum wird dabei nicht nur eingeladen, Zuschauer zu sein, sondern auch bei Workshops selbst mitzugestalten.

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Kultur in Sicht Mai 2013 Im Wunderschönen Monat Mai Treffpunkt Bootshaus Mi, 1.5.2013, 16.00 Uhr Wann beginnt eine Dichterliebe? Natürlich im Mai, Wonnemond und bevorzugter Hochzeitstermin, der Höhepunkt des Frühlings. Das sah auch Heinrich Heine so und dichtete sein ebenso knappes wie berühmtes Werk, später von Schumann vertont, in dem er bekennt, dass auch der ewig kritische Geist vor der Macht der Liebe kapituliert. Fast 200 Jahre später schnappt sich Martin Neubauer eine (äußerst geeignete!) Muse namens Victoria Heinz und verschwindet mit ihr im Hain. Die gute Nachricht: das Publikum darf mit! Und erlauschen, wie er diese, stellvertretend für etliche Poeten, mit Gedichten und Geschichten becirct. Davon kann so mancher in der Romantik eher grobmotorisch Veranlagte lernen. Am 1. Mai und in sechs weiteren Hainspaziergängen im Wonnemonat.

Winnetou in Dresden

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Villa Dessauer DO, 2.5.2013, 19.00 Uhr

„Ei gugge mol da, dor Winnäduh!“ So oder ähnlich hätte es vermutlich geklungen, wenn sich die Fantasie von Christian Heermann tatsächlich zugetragen hätte. Wenn Winntou seinen Blutsbruder Old Shatterhand – den Abenteurer, der Karl May gern gewesen wäre – in Dresden besucht hätte. Heermann, seines Zeichens ausgemachter May-Spezialist mit dem besonderen Blick, trägt in der Villa Dessauer aus seinem gleichnamigen Buch über diese unmögliche Begegnung vor, sucht aber darüber hinaus nach Spuren in Sachsen, die May in seinen Büchern verarbeitet hat. Erst im letzten Jahr überraschte der Autor mit der Behauptung, der berühmte „Silbersee“ sei tatsächlich der Moritzburger Großteich am Dresdener Stadtrand. Da May die Handlungsorte seiner Werke nie gesehen hat, ist es nicht unwahrscheinlich, dass seine die Umgebung Eingang in die Indianergeschichten um den Häuptling der Apachen fand. Diesen Orten geht Christian Heermann im Rahmen der Ausstellung Traumwelten nach.

Gesänge aus Berg, Tal und SteppE Galerie am Stephansberg sO, 5.5.2013, 19.00 Uhr Es war einmal zu einer Zeit, als der Eurovision Song Contest noch Grand Prix Eurovision de la Chanson hieß, da konnte man an einem Abend einen Querschnitt europäischer Musikstile erleben. Süd- und Osteuropa traten dabei, wenn überhaupt, noch en bloc auf, zumeist mit (für westliche Ohren) schmalzigen Trauergesängen, ausgeübt gern durch beleibte Damen. Nach der Zersplitte-

rung Osteuropas hat sich die Zahl der teilnehmenden Länder verdoppelt. Jetzt wäre die Gelegenheit da, zu zeigen, wie sich beispielsweise die georgische von der makedonischen Musiktradition, das slowakische vom ukrainischen Volkslied unterscheidet. Doch nein – gerade diese Länder ergehen sich in einem Einheitsdiscobeat, in einem Wettbewerb darum, wer am präzisesten so klingt wie Schweden vor zehn Jahren. Aber dafür gibt es in Bamberg einen Studiengang Slavistik. Darin drei junge Frauen, die es besser machen: Claudia Mindt, Marie-Luise Hermann und Tina Grummt sind zusammen „Kosmiti“ und singen a cappella alles, was der Osten an Musiktradition hergibt. Melodien und Texte, auf Reisen und in Studien gesammelt: Jungfernweisen aus der Ukraine, Romahits vom Balkan oder die Gesänge alter Frauen aus Bulgarien – eine hierzulande neue, aber reiche Welt von Liedern kommt in der Galerie am Stephansberg zu Ohr.

Genussreise durch franken Buchhandlung Hübscher mi, 8.5.2013, 20.00 Uhr „Genussregion“ nennt sich Oberfranken seit ein paar Jahren, das steht sogar auf den amtlichen Schildern an der Autobahn. Und zwar zu Recht. Denn hier kann man sich mit feinsten regionalen Spezialitäten von der Vorspeise (Forellel?) über das Hauptgericht (Schäuferla?) und das Dessert (feine Schokoaden!) bis hin zum Digestif (edle Obstbrände!) bestens durchfuttern. Inklusive der passenden Getränke versteht sich, und das

muss nicht nur Bier sein, denn Oberfranken hat zum Beispiel ausgezeichneten Apfelsekt. Einen nicht nur theoretischen Überblick geben Bierautor Markus Raupach und Biersommelier Hans Wächtler in der Buchhandlung Hübscher. Für 19 Euro Eintritt stellen sie vielfältige Leckereien vor und lassen sie auch verkosten. Dazwischen Kurzgeschichten und Erlebnisse von ihren Rundreisen auf der Suche nach dem Genuss – eine Lesung für Ohr und Zunge.

Druck macht Mode MMM, Luitpoldstr. 25 Fr, 10.5.2013, 17.00 Uhr Druck verspüren die Frauen von „Mode macht Mut“ jeden Tag. Denn wer langzeitarbeitslos ist, erlebt jeden Tag das Gefühl, nicht gebraucht zu werden, und doch etwas beitragen zu wollen und Anerkennung für die eigene Leistung zu erhalten. Diesen Druck verarbeiten die Teilnehmerinnen ganz kreativ in ihrem Laden in der Luitpoldstraße. Da dürfte es eine schöne Abwechslung sein, einmal ganz anderen Druck zu verarbeiten, nämlich solchen, der in der Schule entstand: im Kunstunterricht des MariaWard-Gymnasiums. Die Oberstufenschülerinnen von Johanna Keesmann entwarfen abstrakte Logos aus Buchstaben und brachten diese im Siebdruck auf Stoffe auf. Daraus entwickelten die Frauen von MMM eine Kollektion, die jetzt von den Schülerinnen in Form einer Modenschau präsentiert wird. Und weil alle Modemacher von Paris träumen, erklingen an diesem Abend französische Chansons im Innenhof, bei schlechtem Wetter im Laden.


die ZWIEBEL 5/2013 kultur in sicht

Der Mann von La Mancha E.t.a.-hoffmann-theater Ab sa, 11.5.2013, 19.30 Uhr Dumm gelaufen: nicht nur, dass Miguel de Cervantes in diesem Musical-Klassiker im Gefängnis sitzt. Nein, seine Mitgefangenen berauben ihn auch noch seines Manuskripts zu „Don Quijote“. Er soll es wiederbekommen, muss aber beweisen, dass es seins ist. Vermutlich in der Vorahnung, einen Welterfolg geschaffen zu haben, gibt er sich alle Mühe und spielt mit anderen Insassen Szenen daraus vor. Er selbst übernimmt natürlich die Titelrolle und kämpft wacker gegen die Widersacher seiner Fantasie. Die ganze Handlung der Ritterparodie in einer Ge-

fängniszelle, und das ganze Ensemble darf in diesem bunten und üppig besetzten Musicalerfolg mitmachen – inklusive des Ensemble Kontraste.

Strom & Wasser morphclub sa, 11.5.2013, 21.00 Uhr Politisch Verfolgte – das sind nicht unbedingt nur Aktivisten und oppositionelle Politiker. Auch Künstler, auch Musiker können Meinungen zum Ausdruck bringen, die restriktiven Herrschern nicht ins Konzept passen. Kein Wunder daher, dass auch in Deutschland Musiker Asyl beantragen. Und Heinz Ratz hat sie gefunden. Achtzig Flüchtlingsunterkünfte hat der Liedermacher besucht und Mu-

siker von Weltklasseformat entdeckt, die ihrem Beruf aufgrund des Arbeitsverbots hier nicht nachgehen können. Seine eigene Combo „Strom & Wasser“ hat er jetzt durch „The Refugees“ erweitert und eine CD aufgenommen, die von der Kritik gefeiert wurde. Im Morphclub spielen sie ihren Mix aus Dub, Reggae, HipHop und Balkanbeat – ein Abbild ihrer Herkunftsländer.

Trachtenmarkt Bauernmuseum Frensdorf s0, 12.5.2013, 10.00 Uhr Tracht ist Trend. Eigentlich. Doch was hat die billige Massenware, die vor allem im Herbst, zu Oktoberfestzeiten, auf den Markt geworfen wird, mit fränkischer

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Tracht zu tun? Ungefähr so viel wie der Volksliedschlager von Wildecker Schürzenjägern mit handgemachter Heimatmusik. Nämlich bis auf ein paar oberflächliche Elemente gar nichts. Wie echte Tracht aussieht und welche Entwicklung sie über die Jahrhunderte gemacht hat, lässt sich an diesem Wochenende im Frensdorfer Bauernmuseum bewundern. Hier werden Trachten aus verschiedenen Regionen Oberfrankens gezeigt, Stoffe und Verzierungen angeboten, und wer sich ans Selbermachen wagen will, findet Rat und Tat bei Birgit Jauernig, der Trachtenberaterin und Museumsleiterin. An fränkischen kulinarischen Spezialitäten fehlt es ebenso wenig wie an Tanz und Musik, und das Beste: die Veranstaltung ist völlig jodelfrei! (Auch schon Sa, 11.5. ab 13 Uhr)

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kultur in sicht die ZWIEBEL 5/2013

Bamberg liest Hörsaal 025, an der uni 2 di, 14.5.2013, 20.00 Uhr

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„Bamberg liest“ ist wieder da! Die Tandem-Werke vom vergangenen Jahr wirken noch nach und hinterlassen ihre Spuren in einem einzigen Doppelwerk vom heutigen: der Student Selmar Klein legt seine Novelle „Tandemfahren“ an diesem Abend erstmals vor – sie entstand in Zusammenarbeit mit Bestsellerautor Thomas Glavinic. Die erste Lesung des neuen Werks und ein Gespräch zwischen Berater und Beratenem eröffnen das Bamberger Literaturfest. Weiter geht‘s am 19. Mai: Mitinitiator Martin Beyer liest aus seinem jüngstem Werk „Mörderballaden“ (besprochen in der April-ZWIEBEL). Im Morphclub geht es schon um 20.00 Uhr los, denn der Abend soll lang werden, dafür sorgen später auch I like trains und noch später zur BaLi-Party DJ Rexdanny. Für das Auge hat Nora Jacob die „Mörderballaden“ fotografisch illustriert. Space-Night am 22. Mai: der Schweizer Philosoph und Autor liest aus Golam, seinem Science Fiction-Roman um einen Astronauten, der nach Rückkehr von einer Mission auf dem Saturnmond Titan nicht mehr in sein Leben zurückfindet.

GroSSes kennenlernen Villa Concordia mi, 15.5.2013, 19.00 Uhr Heimat auf Zeit: das möchte die Villa Concordia für mindestens elf neue Stipendiaten sein, die Anfang Mai ihre Künstlerappartements am Regnitzufer beziehen. Je vier Künstler aus den Bereichen Bildende Kunst, Literatur und Musik, davon je zwei aus Deutschland und aus Russland sollen sich in unserer Stadt zu neuen Taten inspirieren lassen. Am 15. Mai ist Gelegenheit, sie kennen zu lernen, wenn sie sich mit ihren Fachgebieten und den jüngsten Werken dem Bamberger Publikum vorstellen. Sie können natürlich auch auf die Juni-ZWIEBEL

warten, in der wir auch dieses Jahr alle Stipendiaten kurz portraitieren. Aber „live“ ist natürlich noch besser.

Pfingstfestival Schloss Seehof Ab Do, 16.5.2013, 19.30 Uhr Die wunderschöne Orangerie des Schlosses – von Balthasar Neumann entworfen und von Johann Dientzenhofer erbaut – ist über Pfingsten wieder einmal Veranstaltungsort eines abwechslungsreichen Musikfestivals. An fünf aufeinanderfolgenden Tagen erklingt Kammermusik im weiteren Sinne. Den Auftakt am 16. Mai macht Tango Y Mysterio, das Duo mit den Geschwistern Lidia und Luis Borda, Gesang und Gitarre. Sie, die derzeit wichtigste Tangosängerin Argentiniens, singt klassische Tangomelodien, zu denen inzwischen auch die Werke Astor Piazollas gezählt werden, der diese Musik einst mit seinem Tango Nuevo umkrempelte. Zweimal, am 18. und 19. Mai tritt das Bamberger Streichquartett an die Pul-

te, zunächst mit Christoph Eß, Horn und Natalya Solotych, Cembalo zum Concerto Grosso „Ba-rock das Horn“. Dann mit Georg Kekeisen am Kontrabass zu einer k.u.k Reise von der Wiener Klassik zum Wiener Walzer. Das Trio Aureum ergänzt sich mit zwei Freunden zum „Fo-

rellenquintett“, das am Pfingstsonntag erklingt, dazu Werke von Hummel und Mozart. Tags darauf schließt das Festival mit zwei Aufführungen: zunächst in der Matinee um 11.00 Uhr das DamenSalonorchester „Bella Donna“ auf der Suche nach dem „Tier in mir“. Am Abend schließlich das Holzbläserquintett der Bamberger Symphoniker unter dem Titel „Ungarische Rhapsodie“ mit Werken von Brahms, Dvorák, Bartók, Ligeti.

Hands UpExcitement! Lichtspielkino Do, 16.5.2013, 20.50 Uhr Nicht in der lichtdurchfluteten Orangerie, sondern in der Düsternis des Lichtspielkinos steht fast gleichzeitig ein anderes Streichquartett – und spielt auch ganz andere Musik. Denn die vier in klassischer Besetzung sind doch nur die Hälfte von „Hands up-excitement!“ – und deren andere Hälfte ist eine klassische Rockbesetzung mit Gitarre, Bass und Schlagzeug. Falls es wirklich noch Musik geben sollte, für die keine Schublade existiert: hier ist sie. „Wenn Du sie nicht besiegen kannst, verwirre sie“, so steht es als Motto auf der Internetseite der Band, und diesem Anspruch werden die Musiker um Hans Narva („Inchtabokatables“) voll gerecht. Melancholische Quartettpassagen lösen sich mit peppigen Beats ab, dazwischen getragene Gesänge in ungewöhnlichem Satz auf Texte, die wahlweise zum Nachdenken oder Kopfschütteln einladen, und gern auch mal ein paar Westernpianoklänge eingeworfen. Hier gibt es Neues zu ent-

Foto: Karlheinz Busch

Kultur in Sicht Mai 2013

Ein zeitloser Zukunftsroman, bei dem es nicht auf die Technik ankommt, sondern den Menschen. Die Lesung begleitet Jim Franklin mit dem Science Fiction-Instrument schlechthin: dem Theremin, das im Film immer dann zum Einsatz kommt, wenn das Raumschiff oder die geheimnisvolle Strahlung erscheint. Sie werden es wiederkennen, und Franklin spielt es meisterhaft im Lichtspielkino. Am 25. Mai schließlich hält Stefan Petermann Ausschau nach Tigern. Die Lesung des Weimarer Autors bildet die Brücke von „Bamberg liest“ zum Kulturfestival KONTAKT, das an diesem Wochenende Künstler aller Art im Jugendzentrum am Margaretendamm versammelt. Und wer es nicht so lange aushält, den wärmt Martin Beyer mit Selmar Klein schon am 10. Mai im ehemaligen Sivory, König­ straße bei „Kultur im Leerstand“ literarisch auf.


die ZWIEBEL 5/2013 kultur in sicht decken: Großstadtmusik im beschaulichen Bamberg. Dass mit August Diehl noch ein bekannter Schauspieler an der Gitarre mitwirkt, stört nicht weiter, passt aber zum Veranstaltungsort. [hb]

Reigen

Foto: Christian Springer

Jazzkeller Do, 23.5.2013, 20.00 Uhr Im Jazzclub, wo sich normalerweise internationale Stars wie Simon Nabatov und Ack van Rooyen oder Lokalgrößen wie die Schweinsohr Selection um Blue Notes und heiße Rhythmen kümmern, schlägt das Wildwuchs-Theater sein temporäres Domizil auf. Wild und heiß dürfte es auch dann zugehen, denn auf dem Spielplan der„alternativen Bühne in Bamberg“ steht Arthur Schnitzlers „Reigen“. Nach der Berliner Uraufführung von 1920 kam es zu einem Skandalon, das darin gipfelte, dass sich Regisseur und Darsteller vor Gericht wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses verantworten mussten. In der Folge bewirkte Schnitzler ein Aufführungsverbot seines Dialogstückes, das erst 1982 aufgehoben wurde. Die klassische Wildwuchs-Inszenierung will sich im Jazzkeller eng an die ursprüngliche Textvorlage halten. Es mag sich dabei erweisen, dass im Bestreben um den Vollzug der schönsten Sache der Welt zwischen Wiener Moderne und (nicht nur Bamberger) Gegenwart so viel sich gar nicht verändert hat. Premiere ist am 23. Mai um 20 Uhr. Sofern die Zensurbehörde nicht eingreift, werden Aufführungen am 27., 28. und 29. Mai sowie am 6. und 7. Juni folgen. [jg]

Der Zigeunerbaron E.t.a.-hoffmann-theater fr, 24.5.2013, 20.00 Uhr „10 kleine Negerlein“ singt man nicht mehr, Pippis Papa ist jetzt Südseekönig – und was passiert mit dem Zigeunerbaron? Unerschrocken kündigt das E.T.A.Hoffmann-Theater das Gastspiel der Kollegen aus Coburg im Originaltitel an. Ja, das Schreiben und das Lesen, das ist früher leicht gewesen. Heute muss man gut aufpassen, um sich nach der Mode korrekt auszudrücken. Dabei will das Ensemble aus der Mohrenstadt (ups!) eigentlich nur die Geschichte von Sándor Barinkay erzählen, der erst durch seine Kriegsverdienste gegen die Türken in den Adelsstand erhoben wird, welcher seine

Frühling in

Heirat mit der Tochter des gegnerischen Oberhaupts überhaupt ermöglicht. Johann Strauß komponierte die Operette aus dem vollen Leben der walzerseligen k.u.k. Doppelmonarchie. die ZWIEBEL rät: schauen Sie sich das Stück an. Wenn demnächst „Der/die Leiter/in einer mobilen ethnischen Minderheit“ auf den Ankündigungsplakaten steht, erkennen Sie es vielleicht nicht mehr. Auch am 26. und 28. Mai. [hb]

Der Fonsi Haas Säle sa, 25.5.2013, 20.00 Uhr Lustige Altbayern sind in Franken stets willkommen. In diesem Fall besteht aber Spionagegefahr: will Fonsi, der so

f

harmlos in seiner blauen Uniform als Kassier von Schloss Neuschwanstein daher kommt, Bamberger Tricks zur Steigerung der Touristenzahlen abkupfern? Immerhin hat unsere Stadt ein Mehrfaches an Besuchern im Jahr. Aber vielleicht kommt er auch nur zur Unterhaltung, denn in Fonsi steckt der Münchner Kabarettist Christian Springer. Grantelnd und nörgelnd erklärt er uns die Welt und verteilt original Watschn an alle, die seinem (und unserem) Glück im Weg stehen. Zielsicher jagt er von Pointe

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. Mai | 19:30 Uhr UNA NOCHE EN BU Verzaubernde Tangos ENOS AIRES m - - - - - - - - - - - - - it dem Luis Borda Trio 25. Mai | 19:30 U-hr- - - - - - - - - - - www.festiv al-schlossTRIO AUREUM seehof.de mit Mozart, Beethoven Klaviertrios von 24. - 28. Mai - - - - - - - - - - - - - und Schubert 2012|in der bar 26 . Mai | 19:30 U-hr- - - - - - - - - - - ocken Orangeri e „EIN HAYDN GLÜ BSQ mit Quarte CK“ en Tomoko Ogasawar und Klavierkonzert - - - - - - - - - - - - - a, Klavier 27. Mai | 19:30 U-hr- - - - - - - - - - - ZAUBER DER RO M BSQ mit Mendelss ANTIK ohn, Brahms und Dvorak – Günth - - - - - - - - - - - - -er Forstmaier, Klarinee 28. Mai | 11:00 U-hr- - - - - - - - - - - Das Pfingstfestiva l mit Mitglieder „BLUMENGEFLÜ n der Bamberger Sy ST mphoniker, Gäs In tern. Damenorchest ER“ mit dem ten und dem Bamberger er BELLA D NN ---------- A Streichquarte - - - - - - - - - - - -O (BSQ) 28. Mai | 19:3-0- U hr DIE VIER JAHRE SZEITEN BSQ mit Solokonz Vorverkauf: bvd-Kartenservice, Bamberg | er Telemann, Couperinten von Bach, und Vivaldi Tel.: 09 51/980 82-20 | www.bvd-ticket.de

SCHLOSS SEEH

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kultur in sicht die ZWIEBEL 5/2013

Kultur in Sicht Mai 2013 zu Pointe und legt dabei ein Tempo und eine Sicherheit vor, von der sich viele ein Scheibe abschneiden könnten. Deshalb war der Fonsi auch Stammgast in „Ottis Schlachthof“ – den er jetzt mit Michael Altinger fortführt.

Cameron Carpenter Konzerthalle s0, 26.5.2013, 17.00 Uhr Manche Organisten wollen das Orgelwerk aus der sakralen Ecke holen und pusten ein wenig, um den heiligen Staub aufzuwirbeln. Cameron Carpenter ist USAmerikaner, und da in diesem Land alles

gern etwas größer ist, kommt er gleich mit dem Gebläse – fort mit dem Staub, unter dem ein Orgelwerk zum Vorschein kommt, funkelnd, poliert, wie man es noch nicht gesehen, geschweige denn gehört hat. Es ist virtuos, mit welcher Artistik der 32-jährige Tasten und Pedale bedient – zwischen Fingern und Füßen scheint es keinen Unterschied mehr zu geben. Es ist völlig neuartig, wie er Klavierwerke, zum Beispiel Chopin-Etuden, für die Orgel bearbeitet (oder auch Gustav Mahlers komplette Fünfte Sinfonie) und auf seine Fähigkeiten hin registriert. Es ist verblüffend, dass er sich nicht in Artistik verliert, sondern seine überragenden Möglichkeiten voll für die Interpretation einsetzt. Es ist – mit Sicherheit ausverkauft…

Sacre Du Printemps KOnzerthalle mi, 29.5.2013, 20.00 Uhr Symphoniker, die Zweite: nach drei Tagen dürfte der donnernde Nachhall

des Ausnahmeorganisten Carpenter langsam verklungen sein, da legt das Orchester nach. Nach dem Violinkonzert Nr. 2 von Béla Bartók mit dem Solisten Thomas Zehetmair erklingt Stravinskys Meisterwerk „Le Sacre Du Printemps“. Das berühmte Ballettwerk ist eine der Spezialitäten des berühmten Orchesters und darf alle paar Jahre gern wieder ertönen. Ganz besonders in diesem Jahr, denn die Uraufführung in Paris liegt exakt 100 Jahre zurück. Ganz exakt: auf den Tag genau, sogar in selber Stunde. Die Geschichte ist bekannt: schon mit den ersten hohen Fagotttönen, völlig ungewohnt, war das Publikum überfordert. Die archaischen Melodien, die starke Perkussivität, die Hochspannung, die über dem ganzen Werk liegt, erzeugte Emotionen bei den Zuhörern, die sich im Tumult einen Ausweg bahnten. Man kann es nachvollziehen, wie verwirrend dieses Frühlingsopfer auf die damaligen Hörgewohnheiten gewirkt haben muss. Heute, 100 Jahre später, hat das Publikum schon ganz andere Kompositionen gehört, oder je nach Präferenz, ertragen.

Tumult im Joseph-Keilberth-Saal? Nicht zu befürchten. Aber gehen Sie hin, und Sie werden eine Ahnung davon bekommen, wie sehr Musik aufwühlen kann. Bis hin zur Schlägerei.

Space, the final frontier Balthasar, Pfahlplätzchen do, 30.5.2013, 20.15 Uhr Was ist Raum? Was kein Raum ist, weiß jeder, der schon mal morgens um halb acht mit dem Stadtbus gefahren ist. Aber Raum? Vor allem in den großen Dimensionen der Astrophysik? Attila Cangi hat Physik studiert und über theoretische Chemie promoviert, forscht derzeit am Max-Planck-Institut. Und gibt in seinem Vortrag Aufschluss darüber, wie die Physik den Raum betrachtet hat und heute betrachtet, und welche Bedeutung er für die Beschreibung von physikalischen Prozessen hat. Wer noch nie vom Gravitationslinseneffekt gehört hat, wird hier aufgeklärt. [hb]

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die ZWIEBEL 5/2013 erlebt

Erlebt – im april 2013

„Plööög!“ „Fräulein Brehms Tierleben“, Naturkundemuseum, 12.4. Sie ist schon ein ganz besonderer „homo sapiens“, das Fräulein Brehm, das da mit fellbesetztem Rock im Naturkundemuseum steht. Sie hält einen Vortrag über „Ursus arctos“, den Bären, und hält dabei ein Tütchen mit Bärenkot in die Luft.

Foto: Barbara Geiger

Sie haben richtig gelesen: Bärenkot. Fräulein Brehm alias Barbara Geiger sagt lieber „Plööög“ dazu – so wie die Wissenschaftler in Schweden. Die Schauspielerin in dem Ein-Frau-Stück „Fräulein Brehms Tierleben“ scheut sich aber auch nicht davor, die Dinge beim Namen zu nennen: „induzierter Eisprung“ beispielsweise oder auch „Penisknochen“. So ein Braunbär vermehrt sich schließlich. Da ist auch nichts dabei. Die (wenigen) erwachsenen Zuhörer dürften trotzdem froh gewesen sein, dass ihre Kinder keine unangenehmen Fragen stellten. Die interessierte viel mehr, warum der Bär während seines Winterschlafs nicht aufs Klo muss. Oder warum dem bärigen Landjäger Rapsöl (das oft in der Forstwirtschaft genutzt wird) so gut schmeckt. Und wie es ein Ursine schafft, 50 Kilogramm Honig zu verdrücken.

Warum Fräulein Editha Filmine Brehm das alles weiß? Zum einen, weil sich ihr Name nicht umsonst von Alfred E. Brehms „Brehms Tierleben“ ableitet. Zum anderen weil sie, also die Schauspielerin Barbara Geiger, seit 2008 durch Schulen, naturwissenschaftliche Museen und Theater in ganz Deutschland tourt und über gefährdete Tierarten aufklärt. Sie tut das mit selbst geschriebenen und inszenierten Stücke, in denen europäische Wildarten die Hauptrolle spielen: der Bär, der Luchs, der Wolf und – ganz neu – der Regenwurm „lumbircus terrestris“.

Paul, Lena und wie sie alle heißen werden von der Berlinerin aktiv in ihr „theatrum scienticum“ mit einbezogen. Man mag über ihre zeitweise altmodische brehmsche Ausdrucksweise stolpern oder sich als Erwachsener ein wenig verloren vorkommen. Dennoch verdient „Fräulein Brehms Tierleben“ mindestens die Prädikate „pädagogisch wertvoll“ und „wissenschaftlich recherchiert“. [kk]

SO LAUT WIE MÖGLICH Ensemble piano possibile, Villa Concordia, 18. 4. Es dürfte mit ziemlicher Sicherheit das bislang lauteste aller je im Internationalen Künstlerhaus zu erlebenden Konzerte gewesen sein. Das sagten auch Concordia-Stammgäste. Dass dieser Gipfel ausgerechnet Musikern zu verdanken war, die sich piano possibile nennen, entbehrt nicht einer gewissen Komik. Selbst der von vielen Bravi begleitete finale Beifall fiel lautstark aus.

Fast genauso faszinierend wie die vielen wissenschaftlich recherchierten Fakten und Exponate, die Fräulein Brehm aus ihrer Forschertasche zieht (Ameisensäure, Rapsöl, Bärenkot) ist, dass sich die 47-Jährige binnen kürzester Zeit die Namen aller anwesenden Kinder merken kann.

Die Villa Concordia besteht seit anderthalb Jahrzehnten, das will gewürdigt werden. Zu der „außergewöhnlichen Feierstunde in außergewöhnlicher Besetzung“ hatte Direktorin Nora Gomringer ehemalige Stipendiaten eingeladen, deren Werke, ergänzt um die einiger Kollegen, piano possibile aus München

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erlebt die ZWIEBEL 5/2013

Erlebt – im april 2013

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Am Anfang stand Michael Gordons „Industry“ für Violoncello solo. Eine zunächst zarte Ostinato-Figur wird verfremdet, bis das Cello (großartig: Mathis Mayr) so riesig wie ein Football-Spielfeld scheint und der Klang extrem entstellt wirkt. Hernach der erste Ehemalige: Alexander Strauch. Klarinette (Heinz Friedl), Geige (Markus Muench) und Cello ließen an Stravinsky und die Roaring Twenties denken. Nach „wildes Fleisch“ von Dieter Dolezel ging es sozusagen in den Morphclub: Alwynne Pritchards „Fishbone“ sorgte mit viel Schlagzeug (Stefan Blum) und E-Bass (Tobias Weber) sowie Brechgesang für derlei Assoziationen, die sich auch bei Bernhard Langs „DW6c“ einstellten. Extrem laut, ganz wie beabsichtigt! „Vermalung V – Western Music“ (2013) von Luís Antunes Pena spielte gekonnt mit Sergio Leones Filmmusik und führte eine frühere elektronische Version ins Akustische. Zum Ausklang „Selbsthenker 2“, dirigiert vom Komponisten, Klaus Schedl, dem Gründer der Gruppe. Ein einnehmender, an „Zarathustra“ erinnernder Schluss eines in der Tat ungewöhnlichen Abends. [jg]

Erlebte Geschichte „Wie der Henker zu seinem Weib kam“, Bamberger Gassenspiele, 19.04. Bamberg im Mittelalter. Wegen einer Hinrichtung wimmelt es in der Stadt nur so von Schaulustigen. Stadtwächter Edelbert (Benjamin Bochmann), selbstsicher und um keine Mordsgeschichte verlegen, bringt die Neuankömmlinge zu ihrer Herberge. Dabei wird er von Marie (Olga Seehafer, Foto), einem vorlauten armen Mädchen, das sein Auskommen durch den Verkauf geheimnisvoller Kräuter und wohltuender Salben verdingt,

überrascht. Marie macht keinen Hehl aus ihren Gefühlen zu Edelbert, dieser aber hat es eilig: der Scharfrichter „Meister Franntz“ hat ihn gerufen. Edelbert hofft auf eine Beförderung. Marie bezaubert mit ihrem fidelen Wesen und zartem Gesang unter der Brücke am Kanal: „Schöner Mann, schau mich an, lass mich dir gefallen!“ Aber auch sonst weiß sie sehr viel rund um die Hinrichtungen aus der Mittelalterstadt zu berichten. Da gab es Frauen, die in der Regnitz ertränkt wurden und Kindsmörderinnen, die man zuvor in einen Sack steckte. Ehrenvoll zu sterben, bestenfalls mit dem Schwert, wurde nur den Männern zuteil. Schaurige Henkersmethoden und Fingerglieder im Geldbeutel als Glücksbringer gehörten zur Tagesordnung. Edelberts vermeintliches Beförderungsgespräch bei Bambergs gefürchtetem Henker indes ging nach hinten los. Wegen Marie, mit der er sich nicht länger treffen soll. Edelbert beendet die Beziehung. Marie, die jetzt glaubt nichts mehr zu verlieren zu haben, trifft im Wirtshaus auf den ebenso unglücklichen Meister Franntz. In dem Wissen, dass sie beide in der Stadt geächtet werden, finden sie zusammen. Die geschichtlich interessante und amüsant humorvolle Darbietung führt von Geyerswörth über den Kanal und den Kranen zum Gabelmann, dem Holzmarkt und dem Hofcafé. Beim dortigen Henkersmahl trifft man

Foto: Christine Hartnagel

zu einem 75 Minuten währenden Non-StopKlangstrom verband. Quasi eine Uraufführung, denn die Stücke mussten bearbeitet und aneinander angepasst werden, um fließende Übergänge zu ermöglichen. Nicht immer war auszumachen, ob eine Komposition noch andauerte oder sie bereits in die nachfolgende übergegangen war. Gerade darin lag aber einer der nicht wenigen Reize des Abends.


die ZWIEBEL 5/2013 erlebt nicht nur auf den Henker persönlich und erfährt allerhand Wissenswertes über diesen schwierigen Berufsstand, sondern kann das Mittelalter entspannt ausklingen lassen. [dp]

Auf dem Grund des Farbmeeres Ausstellung Lev Khesin, Kunstraum Kesselhaus, noch bis 21.5.

Foto: Kunstverein Bamberg

Ein Farbmeer erfüllt gerade den Kunstraum Kesselhaus in der Unteren Sandstraße. Es schimmert mal grün-violett glänzend, mal knallig bunt. Minimalistisch und großflächig, voller Leidenschaft und doch manchmal kühl kommen die Bilder des jungen russischen Künstlers Lev Khesin daher und heben die Fantasie in große Höhe. Der Kunstverein Bamberg hat den Meisterschüler der UdK Berlin, eingeladen, hier zehn seiner neuesten Arbeiten in einer Einzelausstellung zu präsentieren. Er führt uns in eine Welt des Sichtbar-Unsichtbaren. Das Grundelement seiner Illusion bezieht er dabei lapidar aus dem Baumarkt. Indem er hundert und mehr Schichten handelsübliches Silikon übereinander aufträgt, werden die Bilder dreidimensional und erzeugen die Ahnung von Gegenständlichem. Allein die stark ausgefransten, gummiartigen Ränder zeugen vom Herstellungsprozeß. Und unter der beinahe glatten Oberfläche sammelt sich eine ungemeine Strukturdichte, die dazu verleitet, die Hand auszustrecken und sie zu berühren. Seine Werke wollen uns in unterseeische und (über-) irdische Traumwelten entführen. Mit jeder Ebene, die das Auge durchdringt, ge-

schieht etwas Neues, entfaltet sich eine schillernde, unbekannte Welt. Auf einmal zeigen sich Berge und Täler dort, wo eben noch eine einheitliche Farbfläche war; dort stürmen Wellen auf Klippen zu, und würde man noch länger bei diesem Anblick verweilen, gäbe es vielleicht in der Ferne ein Schiff zu entdecken, das mutig den Gezeiten trotzt. Das Kesselhaus ist dabei der ideale Ausstellungsort. Perfekt fügen sich die satten Farbflächen in die rauen und zeitgegerbten Mauern ein. Die Unebenheiten des Raumes spiegeln sich in Khesins Arbeiten wider, ergänzen sie manchmal, unterstreichen dabei aber immer ihre Eigenwilligkeit. Man könnte dem Künstler vorwerfen, eine Mischung aus bekannten Stilelementen zu bieten, aber das wäre zu wenig. Seine Bilder, die auf den ersten Blick zwar tatsächlich an die Post-Moderne, den Impressionismus oder die amerikanische Farbfeldmalerei erinnern, sind dennoch etwas völlig Neues. Pop-Art meets Zen-Malerei. Und wenn man sich lange genug hineinversenkt – wer weiß – taucht vielleicht letzten Endes doch noch ein Fisch vom Grund des Farbmeeres nach oben. Dies herauszufinden hat man bis zum 21. Mai Gelegenheit. [ch]

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bamberger kulturleben die ZWIEBEL 5/2013

Museale Leidenschaft Hinter einem schmucklosen Eingang in der schmalen Hasengasse verbirgt sich ein wahrer Schatz. Achtlos laufen die Passanten an dieser Gasse vorüber. Sie ahnen nicht, dass sie tagtäglich an einem Museum mit einer Sammlung vorbei gehen, die ihresgleichen sucht. Inmitten der Bamberger Altstadt in der Austraße 29 befindet sich ein Museum von unvorstellbarer Vielfalt und Üppigkeit: das Universitätsmuseum Islamische Kunst mit rund 6.000 Exponaten aus vorislamischer Zeit.

Steuerberaters hat dazu geführt, dass sich in seinem Bamberger Museum zahlreiche Unikate befinden, über deren Marktpreis er sich ausschweigt. Ebenso beherbergt das Haus in der Austraße 29 „rund dreißig Sammlungen, die in der Welt einzigartig sind“, schätzt der Kunstmäzen. Die Freude an der Vielfalt seiner Sammlung ist ihm anzumerken, wenn Bumiller verschmitzt auf den „islamischen Wolpertinger“ aufmerksam macht oder von seinem „Erste-Hilfe-Kasten“ spricht – und weist dabei auf vorislamische medizinische und kosmetische Instrumente aus Bronze. Auf einige Exponate ist der Sammler besonders stolz. Etwa auf einen Fliegenwedel aus dem 12. Jahrhundert oder auf einen Federkasten, in dessen Innenseite der Name des Herstellers und das Entstehungsjahr verzeichnet sind. Vier dieser Exemplare gibt es insgesamt auf der Welt; eines davon, und dies ist ein besonderes Stück, befindet sich in der Bamberger Sammlung. Für Professor Dr. Lorenz Korn ist das Museum in unmittelbarer Nachbarschaft zu seinem Lehrstuhl für Islamische Kunstgeschichte und Archäologie von ausgewiesener Bedeu-

Foto: Claudia Heitz

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Im Obergeschoss des Hauses, das zu den ältesten Bürgerhäusern Bambergs zählt und bereits 1321 urkundlich erwähnt wird, begrüßt der Hausherr Manfred Bumiller die Besucher mit freundlichem Handschlag. Im Büro des heute 84-jährigen Museumsgründers schmücken ausgesuchte Teppiche den Boden und die ersten Glasvitrinen mit Bronzeexponaten geben einen Ausblick auf die Schätze, die sich in den weiteren Räumen in beleuchteten Glasvitrinen befinden. Enghalsige Flaschen, Öllampen, Tierkopfkannen, Stempel, Räuchergefässe, Teller, Spiegel, Schmuck, Bronzearbeiten mit Inschriften oder silbernen Einlegearbeiten, Löffel, Tierfigurinen, Schlüssel oder Riegelschlösser. Die Vielzahl der Exponate ist beeindruckend, ohne dass sie den Besucher erschlägt. In den Glasvitrinen liegen die Bronzestücke nach Gruppen sortiert, so dass der Variationsreichtum und die Entwicklung der Formen zu erkennen ist. „Der Zweck der Sammlung ist, Typologien zu schaffen“, erläutert Manfred Bumiller beim kurzweiligen Rundgang durch das Museum. Zu jedem Stück kann er eine Geschichte erzählen, die zum Teil abenteuerliche Züge trägt. Die Sammelleidenschaft des früheren


die ZWIEBEL 5/2013 bamberger kulturleben

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lebenswertes die ZWIEBEL 5/2013 tung. „Die Studierenden haben keine langen Wege und können die Exponate aus nächster Nähe betrachten“, so der derzeitige Dekan der Geistes- und Kulturwissenschaftlichen Fakultät der Universität. Gerne öffnet Manfred Bumiller die Glasvitrinen für die Orientalistikstudenten, so dass sie die Exponate in die Hand nehmen können. Das ist nicht selbstverständlich, wie sowohl der Sammler als auch der Dozent aus eigener Erfahrung wissen. Häufig bleiben die Ausstellungsstücke in Museen hinter der schützenden Glaswand. Für Lorenz Korn ist die Kunstgeschich-

te mit der Archäologie eng verbunden und so sieht er in dem Schwerpunkt des Museums einen weiteren Vorteil. Denn die Sammlungen konzentrieren sich zeitlich auf das 7. bis 12. Jahrhundert und geographisch auf den „Kulturraum Khorasan“, eine historische Region in Zentralasien, die heute im Iran, in Afghanistan, Tadschikistan, Usbekistan und Turkmenistan liegt. „Manfred Bumiller hat von Anfang an wissenschaftliche Aspekte in die Sammlung einfließen lassen, was für uns von großem Vorteil ist“, erläutert der Dozent, der in Tübingen, Oxford und Harvard studiert hat und er fährt fort: „Die typologische Vielfalt, die nach Objektarten gegliedert ist, zeichnet diese Sammlung aus.“

Vom Kaufmann zum Kunstexperten

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Die Sammelleidenschaft der islamischen Bronzearbeiten setzte 1980 bei Manfred Bumiller ein, der sich mit einem Augenzwinkern als ein „von der Kunst unbeleckter Typ“ bezeichnet. Angeregt durch den Jugendstilexperten Siegfried Wichmann, der seinerseits islamische Keramik sammelte, wurde der Steuerberater und Kaufmann Bumiller zur islamischen Bronze hingeführt. „Die ersten zehn Jahre waren für mich Lehrjahre“ erzählt der Sammler, der zu den ganz wenigen Personen zählt, die sich auf Metallarbeiten in der vorislamischen Kunst konzentriert. Er hat viel gelesen, die orientalischen Museen der Welt besucht und fehlte bei keiner der Auktionen, die zweimal im Jahr in London stattfinden. So schulte sich sein Blick, er konnte bald „Echtes vom Falschen“ unterscheiden. Stück für Stück entwickelte sich eine Sammlung, die bald zu groß für einen Schrank oder ein Zimmer war. Auf der Suche nach geeigneten Räumen wurde der Steuerberater in Bamberg in der Austraße 29 fündig. Nach einer umfassen-


die ZWIEBEL 5/2013 bamberger kulturleben den Restaurierung mit hohem zeitlichen und finanziellen Aufwand öffnete das Museum 1994 seine Türen für die Öffentlichkeit. 2007 wurden in dem angrenzenden Haus Austraße 27 die Räume in den Dachgeschossen des dritten bis sechsten Stockwerks erworben und ein Jahr später kamen die Wohnräume im zweiten Stock dieses Hauses dazu. Seit 2008 werden hier weitere Exponate der islamischen Kunst aus Blei oder Glas von der Frühzeit bis in die Moderne ausgestellt. Die Zusammenarbeit zwischen Museum und Universität wurde 2008 durch einen Kooperationsvertrag gefestigt. Eine logische Fortsetzung der ersten Verbindungen, denn 2004 hatte Manfred Bumiller die damalige Kanzlerin der Universität Martina Petermann, Werner-Jospeh Pich, Kuratoriumsmitglied der Gesellschaft der Freunde Islamischer Kunst und Kultur e.V., sowie Lorenz Korn zu Stiftungsräten ernannt. Das Universitätsmuseum Isla-

mische Kunst, so der jetzige Name, ist eine von der Bumiller Art Foundation getragene Stiftung. Und es sieht nicht danach aus, als wollte sich der Museumsleiter bald zur Ruhe setzen. „Es gibt noch viel zu tun!“, lautet die Devise des 84-Jährigen, der inzwischen seinen Alterswohnsitz nach Bamberg verlegt hat. [bp] Universitätsmuseum Islamische Kunst Austraße 29/Eingang Hasengasse 96047 Bamberg Telefon: 09 51 / 2 59 54 oder über das Uni-Sekratariat: 09 51 / 8 63 - 21 82 (Frau Diethelm)

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ausgestellt die ZWIEBEL 5/2013

Aktuelle Ausstellungen in Bamberg

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Karl May – Traumwelten Villa Dessauer di-Do 10-16, Fr-So 12-18 Illustrationen und Grafiken verschiedener Künstler – 100 Jahre Karl May Verlag bis 12.5.2013

Terra Blue

Lev Khesin

„market“, Hallstadt Mo-Sa 9-20

Kunstraum Kesselhaus Do 17-19, Fr-So 14-19

Ausstellung zum Klima­ wandel mit GroSSglobus und satellitenbildern Ab 4.5 bis 18.5.2013

„Klärt sich das Wasser, werden Fische sichtbar“: Arbeiten in geschichtetem Silikon bis 21.5.2013

Querschnitt

Instantáneas

José Salinas

Birgitta Volz

restaurant Schloss Seehof Mo-sa 10-18, so 9-18 abstrakte Kompositionen in Pastellkreide und Tempera von sigi hirsch bis 31.5.2013

Café Kunstpause Mo-sa 9.30-18.30 Momentaufnahmen des Menschen in Pastell und Acryl von Christoph Hartmann bis 7.6.2013

E.t.a.-hoffmann-theater Di-sa 10-13, mi 16-18

Villa Concordia Mo-Do 8-12 & 14-16 Fr 8-13, Sa & So 11-16 Exotische botanische drucke, Eröffnung 29.5., 19.00 Uhr ab 30.5. bis 7.7.2013

Werke über den menschlichen körper und den ihn umgebenden Raum nach Leonardo da Vinci Ab 17.5 bis 30.6.2013

Fotos: Kunstverein Bamberg, Birgitta Volz, Planetarium Laupheim

ausgestellt Mai 2013


die ZWIEBEL 5/2013 ausgestellt

Jean Paul zum 250. Geburtstag

Fotos: saskia wend / pixelio.de, Andreas Praefcke CC-BY-3.0 Wikimedia Commons, Museen der Stadt Bamberg

Neue Residenz, Staatsbibl. Mo-fr 9-17, sa 9-12 Autographen, bibliophile Drucke, Illustrationen bis 13.7.2013

Begegnungen mit E.T.A. Hoffmann E.T.A.-Hoffmann-Haus Di-fr 15-17, sa-so 10-12 Ausstellung des Kulturhistorischen Museums Kaliningrad bis 31.7.2013

Ave maria diözesanmuseum di-so 10-17 Perspektivwechsel: Die Verkündigung an Maria in modernen Kunstwerken bis 28.7.2013

Picasso Keramik Altes Rathaus di-so 9.30-16.30 Über 50 Picasso Keramiken als geschirr und plastische Figur bis 1.9.2013

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lebenswertes die ZWIEBEL 5/2013 Traditionelle Wanderführer nach Wegmarken eignen sich für Ausflüge mit kleinen Kindern nur bedingt

Mit Zwergen auf Wanderschaft Strahlend blauer Himmel, angenehme Temperaturen und Lust zu wandern? Am besten mit (Klein-) Kindern? Nur wo in und um Bamberg? Fragen oder googeln Sie doch einfach den „Wanderzwerg“ und los geht’s!

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Wer mit Kindern oder Enkelkindern draußen in der Natur aktiv sein möchte oder selbst über weite Strecken nicht mehr so gut zu Fuß ist, tut sich bisweilen schwer, abgesehen von Spaziergängen durch die Stadt oder in einem nahegelegenen Park schöne Routen für kurze Wanderungen in Bamberg und Umgebung zu finden. Während es für einen Oberbayern bei gutem Wetter völlig normal ist, am Wochenende in die Berge zu fahren, fährt der Franke am Sonntag höchstens mal zu einer Kirchweih aufs Land und geht danach auf den Bierkeller. Dabei lebt der Franke zwar nicht im Hochgebirge, aber inmitten der Fränkischen Schweiz, der Hassberge, des Obermaintals und des Steigerwalds – also eigentlich im Wanderparadies.

Das hat sich auch der gebürtige Münchner und Wahl-Bamberger Bernd Deschauer gedacht und für Eltern, Großeltern und Fans von kürzeren Routen die Internetseite „Wanderzwerg“ initiiert. In über 15 Regionen beschreibt er dort Spaziergänge und Wanderungen, die nicht zu lange dauern und mit Kinderwagen, Buggy und Laufrad von leicht bis anspruchsvoll zu bewältigen sind. Zu einer Beschreibung des Ortes und des Wanderweges gibt es eine Übersichtskarte über die Route – auf Wunsch als GPX-File sogar aufs Handy – sowie Infos zur Anfahrt, zu der benötigten Zeit, den Verpflegungs- und Spielmöglichkeiten und den Gefahren entlang des Weges. Rund 35 Wander- und Ausflugsziele in Bayern bis zum nördlichen Ende des Gardasees stehen aktuell zur Verfügung. Dazu gibt es jede Menge Grundsätze, die man beim Wandern mit Kindern beachten sollte.

Kaum Wandertipps für Familien Die Idee zu „Wanderzwerg“ kam Deschauer, selbst Vater von zwei Söhnen (3 Jahre und 3 Monate), als er feststellte, dass es für Fami-

Wandern mit Kindern heißt: viel Zeit für Entdeckungen mitbringen!


die ZWIEBEL 5/2013 lebenswertes

Fotos: Bernd Deschauer

lien kaum Anleitungen und Tipps in und um Bamberg gibt, will man mit Kinderwagen und Kindern unterwegs sein. Mit „Wanderzwerg“ kann man individuell das Passende finden und über die Schlagworte auf der Webseite Schwierigkeitsgrade filtern. „Man muss überlegen, was man sich selbst zutraut und welche Länge für das Kind geeignet ist“, sagt er, „es kann auch vorkommen, dass man das Ziel nicht erreicht, da Kinder manchmal einfach keine Lust mehr haben.“ Für diesen Fall gibt es Alternativen. Etwa, die Route abzukürzen oder eine Pause an einem schönen Platz zu machen, an dem man spielen kann. „Kinder geben den Takt vor. Damit ihnen wandern Spaß macht, sollte man vor allem Zeit haben, gelassen bleiben und flexibel sein, wenn es darum geht, umzuplanen“, meint der 39-Jährige.

Familien mit Kleinkindern, die einfach nur Spielen wollen, finden zudem unter der Rubrik „Spielzwerg“ spannende Ausflugsziele in und um Bamberg. Für Familien mit größeren Kindern dürften die Rubriken „Laufzwerg“ und „Fahrradzwerg“ auf der Webseite interessant sein. Aus dem Blog „Wanderzwerg“ ist inzwischen sogar ein Buchprojekt geworden. Deschauers Buch „Kinderwagenwanderungen“ mit Schwerpunkt Bamberg und Fränkische Schweiz wird voraussichtlich Anfang November 2013 im Wandaverlag erscheinen. [dp]

Alle Infos zu den Wanderungen und mehr im Internet unter www.wanderzwerg.eu

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zuhause in… die ZWIEBEL 5/2013

Zuhause in der

Mitten im Stadtteil Gartenstadt befindet sich die Ferdinand-Tietz-Straße. Sie führt, vom Berliner Ring aus kommend, vor der Kunigundenschule rechts ab und mündet in das oberen Ende der Zollnerstraße. Benannt wurde die Straße nach Adam Ferdinand Tietz, einem Bildhauer des Rokoko. Tietz wurde 1708 in Eisenberg geboren und ging bei seinem Vater in die Lehre. Sein künstlerisches Talent entfaltete er unter den Fittichen des Prager Bildhauers Matthias Bernhard Braun.

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Seine Laufbahn führte Ferdinand Tietz im Jahr 1736 an die Würzburger Residenz, wo er auch für Schloss Werneck bauplastischen Schmuck anfertigte. Aufmerksam geworden durch seine Arbeiten in Unterfranken, holte der Bamberger Fürstbischof Johann Philipp Anton von Franckenstein Tietz 1747 nach Bamberg, ernannte ihn zum Hofbildhauer und beauftragte ihn mit dem Entwurf und der Ausarbeitung der Figuren im Park von Schloss Seehof.

Nach einem kurzen Abstecher in das Kurfürstentum Trier im Jahr 1754 kehrte er 1760 nach Bamberg zurück. Fürstbischof Adam Friedrich von Seinsheim ließ Tietz die Figuren der Bamberger Seesbrücke fertigstellen, die bereits unter seinem Vorgänger begonnen wurden, und weitere Skulpturen in den Gärten von Seehof und Veitshöchheim erschaffen. Auch die Plastiken im Rosengarten gehen auf das Werk von Ferdinand Tietz zurück. 1767 wurde Tietz erneut Hofbildhauer, diesmal für Würzburg. Doch er arbeitete auch in Bamberg weiter und gestaltete den Skulpturenzyklus an der Memmelsdorfer Friedhofsmauer. Sein Rohmaterial – weicher, aber wenig beständiger Schilfsandstein, der wie Marmor wirkte – bezog der Bildhauer aus Zeil am Main und Abtswind. Als Leiter einer inzwischen großen Werkstatt produzierte Tietz am laufenden Band. Dazu ließ er die Steine bereits im Steinbruch bossieren, also vorbearbeiten und stellte sie am Bauort fertig. Der Auftrag in Memmelsdorf war eines seiner letzten großen Werke, bevor er 1777 verstarb und inmitten seiner Skulpturen beigesetzt wurde. Die Originalskulpturen von Ferdinand Tietz finden sich heute im Historischen Museum und in der Neuen Residenz. [dp]

Foto: Daniela Pielenhofer

Warum heißen Bamberger Straßen eigentlich, wie sie heißen? die ZWIEBEL geht der Sache auf den Grund und stellt monatlich eine Straße und die Herkunft ihres Namens vor.


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Frisch und fränkisch

Fotos: Anny Maurer

Der Spargel, König des Gemüses, ließ in diesem Jahr besonders lange auf sich warten. Jetzt endlich gibt es ihn: täglich frisch und zum günstigsten Tagespreis bei Frischfrucht Konrad.

Die Spargelzeit hat begonnen. Das bedeutet bis zum 24. Juni, dem Johannistag, an dem der letzte Spargel gestochen wird, Hochsaison für Erzeuger, Handel und Genießer. Damit der Spargel auch richtig lecker schmeckt, wenn er auf den Teller kommt, lohnt es sich, beim Einkauf genau hinzuschauen. „Frischer Spargel ist weiß, hat eine saubere Schnittstelle und quietscht, wenn man ihn aneinander reibt“, sagt Georg Konrad, Chef des Obst- und Gemüsegroßhandels „Frischfrucht Konrad“ in der Schildstraße.

Der Spargel kommt frühmorgens direkt von den Feldern der Region bei Konrads an. Etwa aus Stettfeld, Oberhaid oder Schrobenhausen. Zwischen der Ernte beim Erzeuger und dem Verkauf im Großhandel und in der Frischfruchtecke liegen nur ein paar Stunden und kurze Transportwege. Das wissen nicht nur Gastronomen und Kantinenbetreiber zu schätzen, sondern auch die Spargelliebhaber, die mehrmals wöchentlich ein paar Pfund einkaufen. „Die Kunden profitieren von unserem Frischekonzept und den günstigen Preisen über den hauseigenen Großhandel“, so Konrad. Aber nicht nur Spargel reiht sich in der Auslage der Frischfruchtecke ein, sondern das komplette Gemüse-Sortiment der Bamberger Gärtner direkt vom Feld je nach Saison. Dazu heimisches und exotisches Obst, Eier, Kräuter, Essig und Öl in sämtlichen Variationen wie auch Säfte. Die Auswahl ist groß. „Wir haben von A bis Z alles, was hier angebaut wird“, sagt Konrad, „und das vor allem frisch.“

Auf der Schiefertafel neben dem Eingang des zugehörigen kleinen Ladens „Frischfruchtecke“ ist in der Spargelzeit jeden Morgen der aktuelle Tagespreis zu lesen. „Spargelpreise kann man nicht vorhersagen“, meint Konrad, „je nach Wetter schwankt der Preis pro Kilogramm. Wir bieten ihn ständig zum günstigsten Tagespreis an.“

Mit „Regional ist 1. Wahl“ ist Frischfrucht Konrad mit seinem Sortiment an saisonalen und regionalen Produkten aus Bamberg und Nürnberg samt Umland breit aufgestellt. Vor 30 Jahren hat Georg Konrad zusammen mit seiner Frau Astrid den Obst- und Gemüsegroßhandel mit inzwischen 60-jähriger Tradition in der Stadt übernommen. Die Frisch-

fruchtecke gibt es seit 28 Jahren. Im Januar 2013 bekam der alteingesessene Betrieb als einer von zwölf bayerischen Unternehmen das Zertifikat „ServiceQualität Deutschland“, einer Initiative der Bundesländer für ein einheitliches Qualitätssystem im Dienstleistungsbereich. Seit Jahresbeginn führt Juniorchef Thomas Konrad das Unternehmen in nunmehr dritter Generation in die Zukunft. [dp] Frischfruchtecke Schildstraße 72, 96050 Bamberg Telefon 967560

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genuss die ZWIEBEL 5/2013

Heimat schmeckt natürlich am besten

Tagesfrisch und regional Im Wirtshaus im Fluss ist alles im Fluss: denn wer sich so akribisch der Verwendung regionaler Zutaten verschrieben hat wie das Eckerts, kommt nicht umhin, alte Gewohnheiten und Bequemlichkeiten in Frage zu stellen.

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Regionalität erlebt das Eckerts als Prozess: denn ein Gasthaus mit dessen Größe und dem Anspruch, den das Team um Alexander Grüner erfüllen möchte, kann nicht von vornherein aus dem Vollen schöpfen: „Hohe Qualität hat sich für die Erzeuger in Franken oft nicht ausgezahlt“, weiß Hörner-Seiser, „denn die Großabnehmer schauen vor allem auf den Preis.“ Gärtnerbetriebe, die sich darauf eingestellt haben, können aber nicht von heute auf morgen hochwertige Produkte in den Mengen liefern, wie das Eckerts sie braucht. Darum ist das Kochteam nicht nur Mitglied der Regionalkampagne, sondern auch stets auf der Suche nach neuen, engagierten Lieferanten aus Franken. Und kann dabei Verlässlichkeit bieten: „Wenn sich ein Erzeuger auf unsere Ansprüche einstellt, bezahlen wir ihm einen fairen Preis und sichern auch eine kontinuierliche Abnahme zu.“

Mehr noch: das Eckerts ist auch für exotische Ideen aus Franken offen. „Gerade ist in der Nähe eine Anlage in Bau, mit der tropische Früchte durch Abwärme erzeugt werden sollen. Wenn uns von dort eines Tages fränkische Ananas angeboten wird – herzlich gerne!“ Die Stammlieferanten werden auch auf der Internetseite des Hauses vorgestellt: auf www.das-eckerts.de zeigen sich derzeit drei Partner, weitere werden folgen. Darunter auch ein Bamberger Bioland-Gärtnerbetrieb mit einem unschlagbaren Standortvorteil: „Was Sebastian Niedermaier morgens erntet, ist hier mittags auf dem Tisch.“ So frisch geht‘s nur mit regionaler Küche. [hb]

Foto: Timo Allin | kopfwerk.com

„Im Moment diskutieren wir über Spargel“, erzählt Chefkoch Christian Hörner-Seiser. Die Gäste hätten sich an Neue Kartoffeln zum Spargel gewöhnt. Neue Kartoffeln wachsen in Franken aber nur im Herbst – was tun? Der Gewohnheit entsprechen und „Reisegemüse“ zum Beispiel aus Chile verwenden oder gute, gelagerte Kartoffeln aus Franken, wie das aromatische Bamberger Hörnla?


die ZWIEBEL 5/2013 genuss

s t r e k c E m de s u a h c s i r F Jura-Lachsforelle auf Blumenkohlpüree, Cashewkernen und Orangen-Salsa-Verde

• 750 g Lachsforelle • Salz Pfeffer, Öl • 5o g Cashewkwerne • 1 eingelegtes Sardellenfilet • 5 Stk. Kapern • 3 Eßl feingeschnittenen Schnittlauch • 1 unbehandelte Orange • Balsamico Bianco, Olivenöl • Salz, Pfeffer • 1/2 Kopf Blumenkohl • 300 ml Milch • 150 ml Sahne • Zucker, Salz, Pfeffer, Öl

Das Eckerts bezieht seine Forellen von der Forellenzucht Juratal aus Burgkunstadt. Beim Abfischen Anfang März waren die Chefköche Georg Schrenker und Christian Hörner-Seiser dabei und haben ihre Sommervorräte begutachtet – nachzulesen im „Eckpunkt“, dem Magazin des Eckerts.

Die Jura-Lachsforelle in fünf gleichmäßige Stücke portionieren. Danach salzen, pfeffern und auf einem gebutterten Blech im vorgeheizten Backofen bei 150°C ca. 7 Minuten garen. Die Cashewkerne im Ofen bei 180°C leicht bräunen lassen. Das Sardellenfilet und die Kapern fein schneiden. Von der Orange die Zeste und die restlichen Zutaten zu einer homogenen Vinaigrette verrühren und abschmecken.

Die gute Adresse für regionale Produkte und Dienstleistungen im Internet! » www.genuss-landkreis-bamberg.de » www.region.bamberg.de

Aus dem Blumenkohl 20 sehr kleine Röschen heraus schneiden und zur Seite legen. Den Rest des Blumenkohles mit Stumpf und Stiel kleinschneiden. Den kleingeschnittenen Blumenkohl mit Milch, Sahne, Salz, Pfeffer und einer Prise Zucker in einem Topf weichkochen. Den gegarten Blumenkohl auf ein Sieb geben und mit etwas von dem Milch - Sahnegemisch zu einem glatten Püree mixen. Die feinen Blumenkohlröschen in Öl anbraten, mit Salz und Pfeffer würzen und im Ofen fertig garen.

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lebenswertes die ZWIEBEL 5/2013

Ein Blick, ein Klick, ein Internet Ohne seine Hilfe hätten es viele nicht geschafft: Der Bürgernetzverein Bamberg e.V. war in den neunziger Jahren DER Ansprechpartner für Bürger, die verzweifelt versuchten, sich via Modem ins Internet einzuwählen. Mittlerweile hat der technische Fortschritt den Zugang ins Internet leicht gemacht. Den Bürgernetzverein gibt es trotzdem noch. Wieso eigentlich?

Unterhalten sich zwei Männer. Sagt der eine: „Es ist gar nicht so einfach, mit meinen 74 Jahren das ganze Computerzeug zu verstehen.“ Sagt der andere: „Ach, naja. Ich komme ganz gut zurecht.“ Fragt der 74-Jährige: „Wie alt sind Sie denn?“ Sagt der andere: „92!“

Bernhard Schuster erzählt keinen Witz. Und er macht sich auch nicht lustig. Der 60-Jährige gibt beim Bürgernetzverein Bamberg Computerkurse für Menschen ab 60 Jahren. Dafür braucht er viel Geduld und Fingerspitzengefühl. „Manche ältere Menschen brauchen sehr lange, bis sie den Mauszeiger so bewegen können, dass sie damit das Ziel auf dem Computerbildschirm treffen. Sie zittern so!“ erklärt Schulz. Diese Menschen ab 60 Jahren sind die neue Zielgruppe des Bürgernetzvereins.

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Noch keine 92 und trotzdem fit im Internet: Horst Weigelt, emeritierter Hochschulprofessor, kam über die Liebe zur Wissenschaft zum Computer

Fotos: Katja Kölbl

Bernhard Schulz hat die Entwicklung vom Modem zu WLAN (der kabellosen Verbindung ins Internet) im Bürgernetzverein Bamberg live miterlebt. Erst als Vereinsmitglied. Dann, seit 2008, als Mitglied im Vorstand und ehrenamtlicher Kursleiter. Der Bamberger bietet in der Geschäftsstelle des Bürgernetzvereins am Schillerplatz 16 Computerschulungen an: „Computerkurs für Einsteiger“, „Programme


die ZWIEBEL 5/2013 lebenswertes

downloaden und installieren“, „Digitale Bilder von der Kamera holen und speichern“ oder „Reisen buchen im Internet“.

dern kaum retten. „In unseren Hoch-Zeiten hatten wir bis zu 4000 und konnten keine neuen Mitglieder mehr aufnehmen“, erinnert sich Armin Duske.

20 Kurse pro Halbjahr Die zwanzig Kurse, die er pro Halbjahr anbietet, sind gut besucht. Meistens von Männern und Frauen um die 70. Der Großteil von ihnen sind Akademiker. Akademiker? „Ja, die haben in der Schule noch Latein gelernt und können kein Englisch. Darum verstehen sie die Computerfachbegriffe nicht und brauchen Unterstützung“, erklärt Armin Duske. Der 62-Jährige ist der 1. Vorsitzende des Träger- und des Fördervereins des Bürgernetzvereins Bamberg und arbeitet als Netzwerkadministrator an der Universität. Die Unterscheidung eines Träger- und eines Fördervereins geht auf die Entstehungsgeschichte der Bürgernetze zurück. Die bayerische Staatsregierung hat deren Gründung von 1995 bis 1997 initiiert und unterstützt. Man wollte die Bürgernetze als „Spiegel der lokalen Gesellschaft“ aufbauen und möglichst alle lokal relevanten Gruppen miteinbeziehen. Nicht nur große Unternehmen aus Wirtschaft und Forschung, auch kleine Firmen, Einrichtungen, Gemeinden und Städte sollten von der neuen Möglichkeit, Daten über das Internet auszutauschen und abzurufen, profitieren. Also schuf man einen Förderverein, der die Bürger mit der Nutzung und Technik des Internets vertraut machen und schulen sollte. Der dazugehörige Trägerverein kümmerte sich um die Beschaffung, den Betrieb und die Finanzierung der notwendigen Technik. Der Bürgernetzverein Bamberg, 1996 gegründet, konnte sich bis zum Jahr 2000 vor Mitglie-

Nach der Jahrtausendwende bekamen die Vereine durch die allmähliche Verbreitung von DSL (einem Breitband-Internetzugang mit hohen Übertragungsraten) und der Öffnung des Telekommunikationsmarktes allerdings Konkurrenz. Die Preise sanken, der Zugang ins Internet wurde leichter, die Bürgernetzvereine wurden ihrer ursprünglichen Funktion beraubt. Kursleiter Bernhard Schulz formuliert es anders: „Wir sind einem Wandel unterworfen, genauso wie die Technik. Früher haben wir den Leuten vor allem bei der Modem-Einwahl geholfen. Heute helfen wir beim Umgang mit web-Sticks und bei Anwendungen.“ (WebSticks ermöglichen einen Internetzugang über das Handynetz.)

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„Einen Computer kauft sich doch keiner mehr“ Denn die Internetnutzer – auch die älteren – wollen mobil sein. „Einen Computer kauft sich doch keiner mehr. Die Leute kommen mit Laptops, Tablets und Smartphones zu uns“, erzählt Schulz, der bis zu seiner Pensionierung als Computerspezialist bei einer Tochtergesellschaft der Telekom gearbeitet hat. Wie die Zukunft des Bürgernetzvereins in zehn Jahren aussehen wird? Auf diese Frage hin zucken Bernhard Schulz und Armin Duske mit den Schultern. „Wir gehen mit der Technik und werden uns wohl auf bestimmte Anwendungen konzentrieren“, sagt Schulz dann. Duske ergänzt: „Auch wenn immer we-

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Endlich ist Frühling! Wir laden Sie herzlich zu unserem Frühlingsfest am 10.05.2013 ein. Von 10.00 Uhr bis 16.00 Uhr öffnen wir unsere Türen. Besuchen Sie unser Museum mit vielen historischen Bären aus der 100-jährigen Firmengeschichte oder nutzen Sie im Werksverkauf unsere tollen Angebote. Bei Kaffee und Kuchen ist für Ihr leibliches Wohl bestens gesorgt.

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lebenswertes die ZWIEBEL 5/2013 niger ältere Nutzer nachkommen, die sich nicht mit dem Computer oder im Internet auskennen: Ich denke schon, dass der Bürgernetzverein auch in zehn Jahren seine Berechtigung hat.“ Eine der Stärken des Bürgernetzvereins sei es schließlich, auf die individuellen Anliegen seiner Mitglieder einzugehen. Apropos: Eine Mitgliedschaft im Trägerverein des Bürgernetzes kostet Privatpersonen 25 Euro im Jahr. Darin inklusive sind unter anderem ein E-Mail-Konto und Webspace für eine Homepage (also „Platz“ im Internet, auf dem man seine Internetseite bauen kann). Der Bürgernetzverein hilft aber auch Nicht-Mitgliedern. Fragen rund um den Computer werden wochentags von 19 bis 20 Uhr bei der TelefonHotline oder direkt in der Geschäftsstelle am Schillerplatz beantwortet. Da der Bürgernetzverein ehrenamtlich arbeitet, sind die (zeitlichen) Kapazitäten aber begrenzt. Kommt eine Hausfrau in die Sprechstunde des Bürgernetzvereins und sagt: „Meine Maus funktioniert nicht. Ich weiß nicht warum.“ Fragt Bernhard Schulz: „Leuchtet unten an Ihrer Maus ein rotes Licht?“„Ja!“, sagt die Frau erstaunt. „Haben Sie einen Glastisch?“, fragt Schulz weiter.„Ja!“ ,antwortet die Frau wieder. „Dann legen Sie eine Unterlage auf ihren Glastisch. Das ist eine optische Maus, die funktioniert nur, wenn das Licht reflektiert wird“, sagt Schulz. Die Computermaus von Prof. Dr. Horst Weigelt liegt auf einer massiven Schreibtischplatte aus Holz. Davor steht ein flaches Notebook, auf dem der 78-Jährige mindestens drei Stunden pro Tag an seiner aktuellen wissenschaftlichen Arbeit über „Migration und Glaube“ schreibt. Die Liebe zur Wissenschaft war es auch, die den Bamberger Hochschulprofessor vor zehn Jahren zum Bürgernetzverein führte.

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Bernhard Schulz (li.) und Armin Duske nehmen auch Computerneulingen die Angst vor der digitalen Welt

Bis dahin war es Horst Weigelt gewohnt, seine Manuskripte zur Bearbeitung an Assistenten oder Sekretärinnen der theologischen Fakultät weiterzugeben. Mit der Emeritierung 2002 wurde er nicht nur seiner universitären Alltagspflichten, sondern auch des Mitarbeiterstabs an der Uni-


die ZWIEBEL 5/2013 lebenswertes versität Bamberg entbunden. Fortan musste er seine Texte selbst bearbeiten. „Ich wusste schon, wie das geht. Ich hatte es nur bis dahin nicht selbst gemacht“, erklärt der Bamberger. Also suchte er sich Hilfe und fand sie beim Bürgernetzverein. Auf den ersten Kurs zur Texterfassung folgten im Lauf der Jahre Schulungen zu Facebook, Skype, Ebay, Online-Banking oder Bildbearbeitung. „Ich besuche pro Jahr ein bis zwei Kurse beim Bürgernetzverein“, sagt der 78-Jährige. Oftmals nur aus Interesse. „Die Enkel, Nichten und Großnichten sind alle bei Facebook. Da hat mich interessiert, was das ist und wie man da rein kommt. Aber ich nutze es nicht“, erklärt der Akademiker. Dann tippt er mit seinem Zeigefinger im Stakkato ungeduldig auf die rechte Maustaste. Kursleiter Bernhard Schulz hätte in dem Moment vielleicht angemerkt, dass es auch reicht, die Maus vorsichtig anzutippen. Aber das ist eigentlich egal: Denn jeder Mausklick von Horst Weigelt ist ein Treffer. [kk]

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gesundheit die ZWIEBEL 5/2013 Drogensucht: Erst in der vergangenen Woche wurde wieder ein Familienvater eingeliefert – drei Tage musste er mit Fußfesseln fixiert werden, erst dann kam er wieder zur Ruhe. Bis zum nächsten Trip.

Ein Hoch auf Zeit

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Zwischen 18 und 45 Jahren sind die Drogensüchtigen, die bei Klink auf der Station landen, meistens mit den Folgen des Methamphetamins Crystal Meth oder – noch schlimmer – verunreinigten Ablegern der Droge. Nicht selten werden dem – vorwiegend geschnupften – weißen Pulver noch Glasssplitter beigefügt, die dann die Nasenschleimhaut aufritzen, damit die Droge noch schneller in den Blutkreislauf gelangt. Besonders gefährlich ist, dass der Stoff die Blut-Hirn-Schranke passiert, also direkt im Gehirn wirksam wird:

So verschwinden Müdigkeit, Hungergefühl, Schmerz, und an ihre Stelle treten Selbstbewusstsein, Euphorie, Leistungsfähigkeit, Redseligkeit und sexuelles Verlangen – wobei letzteres dann eher mit Impotenz einhergeht. Doch auch die Hochgefühle sind nicht von Dauer – Stunden, Tage später kommt das böse Erwachen mit Reizbarkeit, Aggressivität, Schlafstörungen, Depressionen, Schwindel oder Angstzuständen. Langfristig kann es zu dauerhaft neuropsychischen Problemen wie Paranoia, Schizophrenie, Demenz oder auch Herzrhythmusstörungen kommen. Ein Drogenentzug dauert in der Regel drei bis sechs Monate.

Abhängige kommen aus allen Gesellschaftsschichten Klink berichtet, dass die Abhängigen aus den unterschiedlichsten Gesellschaftsschichten kommen: Krankenschwestern, die sich mit Crystal über den Nachtdienst retten; Models, die ihren Hunger unterdrücken; Manager, die im Job Höchstleistungen vollbringen wollen und auch Jugendliche mit Sehnsucht nach dem großen Kick.

Ein Kick, den man auch hier in Bamberg jederzeit erwerben kann: „Drogendealer findet man überall wo es um Spaß geht“, so Suchtexperte Klink. „Aber natürlich auch an Schulen oder Universitäten.“ Nun ist Crystal Meth ja eine Droge, die man – zumindest anfänglich – bewusst einnimmt. Ganz anders sieht es da aus bei den so genannten K.O.-Tropfen: GHB (Gamma-Hydroxybuttersäure) wird – vor allem Frauen – heimlich in den Cocktail oder Drink gemischt. Die Folge: totaler Blackout, die Betroffenen wirken auf Aussenstehende wie unter einem Vollrausch und können sich später an nichts mehr erinnern. Einen Zustand, den die Täter nutzen, um sexuell übergriffig zu werden oder ihr Opfer auszurauben. Solche Fälle bekommt Michael Klink jedoch selten zu sehen: „Die Droge ist nur kurze Zeit im Blut und Urin nachweisbar, die wenigsten kommen nach solch einer Tat zu uns, um sich untersuchen zu lassen“ Auch wenn die K.O. Tropfen selbst keine unmittelbaren Spuren hinterlassen, so haben die Opfer im Rausch keinerlei Kontrolle über ihren Körper und können – z.B. bei einem Sturz – schlimmste Verletzungen

Foto: clipdealer.de/ kwest19

Für den Psychiater und Suchtmediziner Michael Klink, Oberarzt am Klinikum Bamberg, ist dies nur einer von rund hundert Fällen im Jahr: 27 Jahre alt, verheiratet, zwei Kinder – ein junger Mann aus so genannten geordneteten Verhältnissen. Und doch ständig auf Crystal Meth – mit dem Streben nach dem Kick auf Zeit, drei Tage lang hält das Hoch, drei Tage lang ist er leistungsfähig, euphorisch, hellwach und fühlt sich omnipotent – dann kippt die Stimmung und plötzlich ist da nur noch die pure Agression, der Mann ist nicht mehr zu bändigen, die Familie ruft den Notarzt.


die ZWIEBEL 5/2013 gesundheit erleiden. Ganz zu schweigen von den psychischen Folgen eines Missbrauchs. Deshalb rät Klink, auf öffentlichen Veranstaltungen stets sein Getränk im Auge zu behalten. Letztendlich halten sich die Fälle unbewussten Drogenkonsums glücklicherweise in Grenzen: Das größte Problem sind nach wie vor die klassischen Drogen – und dazu zählen neben Crystal Meth auch Heroin, Kokain, Cannabis und vor allem Alkohol. Für den Suchtexperten liegt die Gefahr auch in dem gesellschaftlichen Credo „immer fit und gut drauf zu sein, jede Party mitzunehmen“. „Ganz normale Seelenzustände wie Traurigkeit oder schlechte Laune werden nicht einfach hingegenommen, die Frustrationstoleranz fehlt, stattdessen soll das Glück möglichst immer auf einem hohen Level gehalten werden.“ Ein Hochgefühl, das nicht von Dauer sein kann und für die Abhängigen oft ganz unten endet. [sb]

Alle Welt auf Droge… Keine Frustrationstoleranz, das Glück immer auf einem hohen Level halten, unterschiedliche Seelenzustände nicht hinnehmen wollen – stattdessen immer gut drauf sein, volle Leistung bringen – alles easy going. Und wer nicht mitmacht, fällt durchs Raster? Auch wenn der Vergleich mit Crystal auf den ersten Blick gewagt scheint, fällt mir ganz spontan das Medikament Ritalin ein. Bevor nun einige entsetzt aufschreien: Keine Frage, es gibt Menschen – vor allem Kinder – mit AD(H)S, dem so genannten Aufmerksamkeitsdefizit-(Hyperaktivitäts-) syndrom, denen – das verschreibungspflichtige – Ritalin eine wirkliche Hilfe sein mag. Doch was ist mit all jenen, die sich durch die Substanz Methylphenidat einfach „nur“ bessere Leistungen in der Schule, an der Uni oder im Beruf ermöglichen wollen? Die sich das Mittel über Bekannte besorgen, die „tolle Erfolge“ damit erzielt haben? Wenn auf Elternstammtischen stolz berichtet wird, dass die Tochter plötzlich nur noch Einser und Zweier schreibt? Der Student, der sich vor seinen Prüfungen eine Extradosis einwirft? Ist es nicht so, dass sich heute kaum

noch Eltern die Frage stellen, ob ihr Kind „gymnasialtauglich“ ist, sondern vielmehr, was man tun muss, damit es das Gymnasium schafft? Und wie ist das mit der Chancengleichheit? Wenn Kinder feststellen, dass die anderen – dank Ritalin – bessere Leistungen erzielen? Und eine weitere Frage, die sich zwangsläufig stellt: Was ist mit den Langzeitschäden? Auch hier können Depressionen und neurologische Veränderungen auftreten – immerhin werden die Nervenezeptoren permanent überreizt, so dass eine normale Reaktion auf reale Erlebnisse oft gar nicht mehr zustande kommen kann. Die Bundesopiumstelle geht von rund 55 Millionen Tagesdosen Methylphenidat aus, noch vor zehn Jahren wurden jährlich 34 Kilogramm verschrieben und konsumiert, 2011 waren es bereits knapp 1800 kg. Haben wir tatsächlich so viel mehr AD(H)S-Erkrankungen oder ist nicht doch der Leistungsdruck unserer Gesellschaft, inzwischen so groß, dass alle auf das gleiche Ziel zustreben? Und was kommt am Ende dabei heraus: der genormte Mensch? Syke Brandt

Rechtsanwälte in Bürogemeinschaft

DR. CHRISTIAN RUDOLPH Fachanwalt für Sozial- u. Medizinrecht Tätigkeitsschwerpunkte Strafrecht Familienrecht Rentenrecht Zivilrecht Privates Baurecht

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gesundheit die ZWIEBEL 5/2013

Keine Macht den Drogen Doch es ist nicht nur der Arbeitsaufwand, der auf Jürgen Groß‘ breite Schultern drückt. Es ist die Gewissheit, dass das Angebot von (in ihren Einzelbestandteilen meist legalen) pflanzlichen und chemischen Suchtstoffen mittlerweile so groß ist, dass diejenigen, die darüber aufklären und davor schützen wollen, nicht hinterherkommen. „Früher hat es Jahre gedauert, bis sich neue Drogen in der Fläche verbreitet haben. Heute kommt das Zeug mit einem Mausklick ins Kinderzimmer.“ Das Rauschgift-Kommissariat der Bamberger Kripo kämpft vor allem gegen den Konsum und die Verbreitung von Cannabis (in Form von Marihuana und Haschisch) sowie Crystal. Crystal, auch Crystal Meth genannt, ist eine synthetische Droge auf Amphetaminbasis, die extrem schnell abhängig macht. Im Zweiten Weltkrieg bekamen Soldaten die Pillen unter dem Markennamen Pervitin verabreicht, um ihre Leistung zu steigern und die Angst zu unterdrücken. „Arme-Leute Koks“ nennt Groß die Modedroge, die vor allem über die tschechische Grenze kommt: „Die Verfügbarkeit und Verbreitung ist in den letzten drei Jahren extrem gestiegen“.

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An konkreten Zahlen kann er den Drogenkonsum in Bamberg aber nicht fest machen. „Die Statistiken sind nicht repräsentativ. Wenn ein Drogendealer zehn Mal Crystal einkauft und 35 Mal verkauft, taucht er trotzdem nur als ein Fall in der Statistik auf“, erklärt Jürgen Groß. Zudem sei Rauschgift ein Ermittlungsdelikt. „Je mehr Druck wir machen, umso mehr Fälle tauchen auf. So gesehen haben

wir eine Aufklärungsquote von 100 Prozent“, sagt Jürgen Groß. Die Beträge, die die Kriminalpolizei Bamberg auf diese Weise für die Staatskasse erwirtschaftet, sind enorm. Aber die Kripobeamten freuen sich nicht darüber, „weil wir wissen, dass es da draußen eine große Dunkelziffer gibt“, sagt Groß. 2012 hat das RauschgiftKommissariat der Bamberger Kripo zur Verhängung von 69,5 Jahren Freiheitsstrafe und zur Einnahme von 42 500 Euro aus Straf- und Bußgeldern beigetragen. 2011 waren es 97,5 Jahre und 43 500 Euro. Gäbe es mehr Beamte, würden noch mehr Fälle aufgedeckt. Jürgen Groß ist selbst Familienvater und froh, „dass meine Kinder aus der Experimentierphase draußen sind“. Er beobachtet, dass die Drogenkonsumenten immer jünger und immer leichtsinniger werden. „Schon Elfjährige rauchen Marihuana. Und man kann die Konsumenten keiner bestimmten Bevölkerungsschicht mehr zuordnen, die kommen aus allen Schichten.“

Jeder zweite Achtklässler hat indirekt Kontakt zu Drogen Trotz dieser erdrückenden Realität steht der 57-Jährige jede Woche in einem anderen Klassenzimmer und gibt alles, um „die Kidies“ mitzureißen. Er macht das gut, die Jugendlichen hängen an seinen Lippen. Ihr Interesse und ihre Energie sind es, die ihn motivieren, weiter zu machen. Nach Groß‘ Erfahrung hatte etwa die Hälfte der Achtklässler schon indirekten Kontakt zu Drogen.

Foto: clipdealer.de/ vvvstep

Eigentlich hat Jürgen Groß einen furchtbaren Job. Der Kripobeamte der Bamberger Kriminalpolizeiinspektion ist ganz allein für die Drogenprävention in allen Schulen der Stadt- und Landkreise Bamberg und Forchheim verantwortlich. Mindestens 100 Schulen sind das mit Tausenden von Schülern.


die ZWIEBEL 5/2013 gesundheit

Foto: Eduard Warkentin / photocase.com

Viele Schüler fragen ihn nach den Nebenwirkungen von Kräutermischungen wie Spice (eigentlich Räucherware zum Beräuchern von Räumen, die aber geraucht werden), Liquid Ecstasy (ein Beruhigungsmittel, das in der Medizin zur Narkose eingesetzt wird) oder anderen „Research Chemicals“ (molekulare Abwandlungen bereits existierender Drogen, die legal zu erwerben sind). Jürgen Groß‘ Antwort: „Keiner weiß, welche Nebenwirkungen das Zeug hat. Ihr seid Versuchskaninchen und das ist extrem gefährlich.“ Trotz seines Engagements ist Groß nicht vor Kritik gefeit. „Manche Kollegen fragen, was meine Arbeit bringen soll. Ich bin vier Schulstunden in einer Klasse und dann wieder weg. Aber ich weiß, dass ich dadurch schon mal den Fuß in der Tür gehabt habe.“ Und wie kommt der Fuß in die Tür? „Meine wichtigste Botschaft lautet: Jeder entscheidet für sich selbst, was er seinem Körper antut. Ich versuche den Jugendlichen klar

zu machen, dass ihr Umfeld nur zu einem bestimmten Prozentsatz auf sie aufpassen kann. Für den Rest sind sie selbst verantwortlich.“

„Eltern können nur begleiten“ Eine ähnliche Botschaft hat er auch für die Eltern. „Eltern können nur begleiten und ihren Standpunkt klar machen“, sagt er. Der größte Fehler, den sie machen könnten, wäre, den Drogenkonsum zu verharmlosen. „Eltern können nichts ändern. Aber sie müssen ihren Standpunkt darlegen und zeigen, dass sie damit nicht einverstanden sind.“ Die Kinder müssten spüren, dass da jemand ist, der sie liebe und sich Sorgen um sie mache. „Man muss ja auch sehen, dass Jugendliche keine Drogen nehmen, um abhängig zu werden. Sie nehmen Drogen, um sich besser zu fühlen“, erklärt Jürgen Groß. Und dafür, das weiß jeder selbst, gibt es viele Gründe. [kk]

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gesundheit die ZWIEBEL 5/2013

„Ich würde gerne wissen, wie das Leben so ist“

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Max (Name von der Redaktion geändert) war 15, als er zum ersten Mal zusammen mit einem Kumpel Spice rauchte. Das war im Kinderzimmer im Haus seiner Eltern, die im Landkreis Bamberg leben. Mittlerweile ist Max 21, nimmt Crystal Meth und hat zehn Einträge im Bundeszentralregister – wegen Körperverletzung, Fahren ohne Fahrerlaubnis und Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz. Doch mit den Drogen soll jetzt Schluss sein: Seit drei Monaten versucht Max ernsthaft, sein Leben auf die Reihe zu kriegen.

Aber wer unterstützt Dich denn– Deine Familie? Max: Mit meiner Familie ist es gerade schwierig. Mein früherer Lehrherr unterstützt mich. Er hat mir einen Brief geschrieben, als er gehört hat, dass ich aus der Therapie geflogen bin und mir angeboten, dass ich meine Ausbildung bei ihm zu Ende machen darf. Ich wohne jetzt bei ihm und seiner Familie im Haus und er hat ein Auge auf mich, gibt mir was zu tun, damit ich nicht auf dumme Gedanken komme.

Max, was war für Dich der Auslöser, clean zu werden? Max: Ich habe schon öfter daran gedacht aufzuhören. Aber vor kurzem bin ich wegen Körperverletzung verurteilt worden. Ich hatte getrunken und einer Bekannten zwei Schellen gegeben, weil sie über mich Mist erzählt hat. Jetzt stehe ich unter Bewährung und habe ein Konsumverbot. Wenn man mich nochmal mit Drogen erwischt, wandere ich in den Knast. Und das will ich nicht. Außerdem will ich meinen Ausbildungsplatz nicht verlieren.

Und das funktioniert? Max: Bisher gut, ja. Ich will ja auch in diesem Jahr meine Gesellenprüfung machen. Und meinen Führerschein, damit ich nicht mehr darauf angewiesen bin, dass mich jemand fährt. Mit 17 bin ich mit meinem auffrisierten Mofa erwischt worden. Dann waren da noch die Drogensachen. Man darf erst den Führerschein machen, wenn man durch eine Haarprobe beweisen kann, dass man ein Jahr drogenfrei war.

Machst Du eine Drogentherapie oder wie willst Du den Entzug durchstehen? Max: Nein, mache ich nicht. Also ich habe eine Therapie angefangen, aber wurde rausgeworfen, weil ich Alkohol getrunken hatte. Alkohol ist meine Ersatzdroge. Ich habe keine Entzugserscheinungen von Crystal Meth oder so. Bei mir ist es die Langeweile, die mich dazu bringt, was zu nehmen.

Wann hast Du angefangen, Crystal zu nehmen – und warum? Max: Mit 18, bis dahin habe ich jeden Tag gekifft. Ich wollte es nur mal ausprobieren und habe es dann ab und zu genommen. Mit Crystal fühle ich mich unbesiegbar, wie der King, habe keine Sorgen, das ist ein gutes Gefühl. Auf das Du jetzt verzichten musst… Max: So ein Trip hört irgendwann auch auf. Ein Gramm hat mir für etwa drei

Trips gereicht. Ein Trip dauert zwei, drei Tage. In der Zeit isst man nicht, trinkt nicht, schläft nicht. Alles, womit man sich beschäftigt, ist total interessant. Ich habe zum Beispiel stundenlang geputzt. Das war interessant und hat Spaß gemacht. Da war so viel Lebensfreude da. Aber irgendwann kann der Körper nicht mehr. Alles tut weh, der ganze Körper, so wie Gliederschmerzen und man kann nicht mehr denken. Aber ich hatte immer Angst vor dem Schlafen. Ich wusste: Wenn ich schlafen gehe, bin ich wenn ich aufwache wieder in der normalen Welt. Das wollte ich nicht. Mit Crystal waren alle Sorgen weg. Was waren das für Sorgen, die Dich geplagt haben? Max: Naja, der Alltag so. Wenn auf der Arbeit was scheiße gelaufen ist oder mit anderen Leuten. Ich tue mich schwer, auf andere zuzugehen. Früher war`s auch schwer mit der Familie. Mein Vater war nie da, später haben sich meine Eltern scheiden lassen. Ich konnte immer machen, was ich wollte. Aber in der Arbeit bist Du klargekommen – trotz der Drogen? Max: Wenn ich was genommen hatte, war mir in der Arbeit alles scheißegal. Morgens hab` ich oft verschlafen, auf Arbeit konnte ich mich nicht richtig konzentrieren. Ich hatte total viele Fehlstunden, auch in der Berufsschule. Wenn ich nichts genommen hatte und gemerkt habe, dass es nicht gut läuft, habe ich wieder was genommen. Das war ein Kreislauf.

Wo hattest Du das Zeug eigentlich her? Max: Von Bekannten. Es gibt in jedem Kaff jemanden, der dir was verkauft. Bemerkst Du irgendwelche Langzeitfolgen Deines Drogenkonsums? Max: Ich schlafe schlecht. Manchmal wache ich in der Nacht 40 Mal auf. Aber ich weiß nicht, ob das wegen der Drogen ist oder nicht. Ich weiß nicht, was ich für ein Mensch wäre, wenn ich nie was genommen hätte. Mein Lehrherr sagt, dass ich manchmal auf Arbeit so Aussetzer habe. Aber sonst merke ich nichts. Was wünscht Du Dir für die Zukunft? Max: Dass ich die Gesellenprüfung schaffe und eine eigene Wohnung mieten kann. Ich hätte gerne eine Freundin, mit der ich zusammenwohne. Dann wäre ich Tags auf der Arbeit und abends mit der Freundin zusammen. Ich würde gerne wissen, wie das Leben so ist. Max war sofort bereit, über seine Drogensucht zu sprechen. Er ist ein hübscher, netter Kerl – ein bisschen schüchtern vielleicht. Schwer vorstellbar, dass Max unter Alkoholeinfluss aggressiv wird und deswegen schon drei Mal wegen Körperverletzung verurteilt wurde. Sein Lehrherr war während des gesamten Gesprächs dabei. Auf die Frage, warum er seinen Azubi so unterstützt, antwortete er: „Wenn ich Max fallen lasse, ist er weg vom Fenster.“ [kk]


die ZWIEBEL 5/2013 cartoon – gerd bauer

Gerd Bauer illustriert die ZWIEBEL jeden Monat mit einem seiner typischen ­Cartoons, die das fränkische Lebensgefühl auf den Punkt bringen.

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ausgehen die ZWIEBEL 5/2013

Timur Vermes: Er ist wieder da

Genussreise durch franken

Der Mann von La Mancha

Buchhandlung Hübscher Do, 2.5.2013, 19.30 Uhr

Buchhandlung Hübscher mi, 8.5.2013, 20.00 Uhr

E.t.a.-hoffmann-theater sa, 11.5.2013, 19.30 Uhr

lesung: Adolf hitler strandet in der gegenwart und macht fernsehkarriere

kulinarische lesung durch die genussregion oberfranken

Premiere des Erfolgsmusicals um miguel de cervantes

Im Wunderschönen Monat Mai

Matthias Egersdörfer

Jazzfrühschoppen

Aus den memoiren des Satan

Treffpunkt Bootshaus Mi, 1.5.2013, 16.00 Uhr und weitere Termine

Morphclub Do, 2.5.2013, 20.00 Uhr

Ausgehen Mai 2013

E.T.A.-hoffmann-Haus sa, 11.5.2013, 20.00 Uhr

Der nörgelfranke wieder in bamberg

oldtime-jazz mit der Old Riverhouse Jazzband. Eintritt frei

Lesung aus Wilhelm Hauffs werk mit Andreas ulich

For Sale

Sturm und drang

Druck macht Mode

Strom & Wasser

Heerlein, wildensorg Mi, 1.5.2013, 16.00 Uhr

Kaisersaal, Ebrach so, 5.5.2013, 17.00 Uhr

MMM, Luitpoldstr. 25 Fr, 10.5.2013, 17.00 Uhr

morphclub sa, 11.5.2013, 21.00 Uhr

Maiparty: Handgemachte Gitarrenmusik mit Rockklassikern im Mehrstimmigen gesang

Auftakt des Ebracher Musiksommers mit yunjin Cho, violine und dem Festivalorchester unter gerd Schaller

Modenschau des Projekts „Mode macht mut“ mit schülerinnen des MariaWard-Gymnasiums

Feat. the Refugees – welt­ musik mit profimusikern aus deutschen asylunterkünften

Winnetou in Dresden

Gesänge aus Berg, Tal und SteppE

Trachtenmarkt

Villa Dessauer DO, 2.5.2013, 19.00 Uhr

Galerie am Stephansberg sO, 5.5.2013, 19.00 Uhr

Bauernmuseum Frensdorf sa, 11.5.2013, 13.00 Uhr s0, 12.5.2013, 10.00 Uhr

Klassik im kreuzgang

Buchautor Christian Heermann über Karl mays spuren in Sachsen

A Cappella-Gesänge aus dem slawischen sprachraum mit „Kommiti“

fränkische Trachten, Stoffe, Accessoires – markt rund um frankens traditionen

Hainspaziergang mit Martin Neubauer und Victoria Heinz

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Bootshaus Do, 9.5.2013, 11.00 Uhr

Karmelitenkloster so, 12.5.2013, 11.00 Uhr kammerkonzert mit dem bamberger streichquartett


die ZWIEBEL 5/2013 ausgehen

Sibelius‘ erben

Pfingstfestival

Reigen

Birgitta volz

Villa Concordia mo, 13.5.2013, 19.00 Uhr

Schloss Seehof Ab Do, 16.5.2013, 19.30 Uhr

Jazzkeller Do, 23.5.2013, 20.00 Uhr

Villa Concordia Mi, 29.5.2013, 19.00 Uhr

Neue musik aus finnland – 2. Teil der vortragsreihe von Markus elsner

musik von tango bis wiener klassik – sechs konzerte in der orangerie von schloss seehof

das wildwuchs-theater bringt schnitzlers skandalwerk auf die bühne

vernissage der ausstellung von birgitta volz mit groSSdrucken exotischer blumen

Bamberg liest

Hands UpExcitement!

Der Zigeunerbaron

Sacre Du Printemps

E.t.a.-hoffmann-theater fr, 24.5.2013, 20.00 Uhr

KOnzerthalle mi, 29.5.2013, 20.00 Uhr

die beliebte operette als gastspiel des Landestheaters coburg, auch 26. und 28.5.

Zur nämlichen stunde der uraufführung vor 100 jahren: stravinskys meister­ werk unter jonathan nott

wenzel storch

Der Fonsi

balthasar, pfahlplätzchen fr, 17.5.2013, 20.15 Uhr

Haas Säle sa, 25.5.2013, 20.00 Uhr

Space, the final frontier

der anarchokünstler entführt u.a. in die welt der katholischen anstandsliteratur

gedankenschneller münchner kabarettist in der verkleidung als neuschwan­ steiner touristenschreck

kontakt

Cameron Carpenter

margaretendamm do, 23.5.2013 bis so, 26.5.2013

Konzerthalle s0, 26.5.2013, 17.00 Uhr

zahlreiche kulturveranstaltungen zum thema „suchen“ – programm siehe www.kontakt-bamberg.de

der junge amerikanische ausnahmeorganist am spieltisch der jann-orgel

Hörsaal 025, an der uni 2 di, 14.5.2013, 20.00 Uhr Der student selmar klein legt seine Tandem-novelle mit thomas glavinic vor

GroSSes kennenlernen Villa Concordia mi, 15.5.2013, 19.00 Uhr die neuen stipendiaten der villa concordia stellen sich vor

4. bamberger weinfest maxplatz Do, 16.5.2013 bis Mo, 20.5.2013 fränkische Weine und livemusik, veranstaltet vom stadtmarketing bamberg

Lichtspielkino Do, 16.5.2013, 20.50 Uhr spannende musik fern von jeder kategorie mit rockband und streichquartett

Balthasar, Pfahlplätzchen do, 30.5.2013, 20.15 Uhr Vortrag des physikers attila cangi über die vorstellung von raum in der astrophysik

Bambägga release party Morph club fr, 31.5.2013, 22.00 Uhr vorstellung der neuen CD „Laib & Seele“

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impressum & adressen die ZWIEBEL 5/2013

Impressum Verlag

Satz

Zwiebelverlag GbR Henning Brandt & Manuel Werner Schellenbergerstraße 8 96049 Bamberg

Henning Brandt grafik@die-zwiebel.de

Telefon 09 51 / 51 93 95 - 0 Telefax 09 51 / 51 93 95 - 55 www.die-zwiebel.de post@die-zwiebel.de

Anny Maurer Telefon 09 51 / 9 23 08 85 Claudia Heitz post@die-zwiebel.de

Anzeigenleitung

Redaktion

Manuel Werner Telefon 09 51 / 18 51 70 27 Mobil 01 78 / 9 74 80 80 m.werner@die-zwiebel.de Es gilt die Anzeigenpreisliste Nr. 1/2013 vom 1.1.2013. Anzeigenschluss 20. des Vormonats.

Katja Kölbl [kk] k.koelbl@die-zwiebel.de

Druck

Chefredakteur Henning Brandt [hb] (V.i.S.d.P.) h.brandt@die-zwiebel.de

Daniela Pielenhofer [dp] d.pielenhofer@ die-zwiebel.de Syke Brandt [sb] www.globuli-bamberg.de Frank Keil [fk] f.keil@die-zwiebel.de Jürgen Gräßer [jg] post@die-zwiebel.de Dr. Barbara Pittner [bp] post@die-zwiebel.de

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Fotografie

Claudia Heitz [ch] post@die-zwiebel.de

Safner Druck & Verlags-GmbH 96170 Priesendorf www.safner-druck.de

Bamberger Symphoniker

Lichtspiel Kino & Cafe

Mußstraße 1 Telefon 9808220 (Karten) bamberger-symphoniker.de

Untere Königstr. 34 Telefon 26785 www.lichtspielkino.de

Brentano Theater

Live club / Haas säle

Gartenstr. 7 Telefon 54528

Obere Sandstr. 7 Telefon 53304 www.live-club.de

Chapeau Claque Theater Grafensteinstr. 16 Telefon 39333 chapeau-claque-bamberg.de

Cinestar Kino Ludwigstr. 2 Telefon 3028850 www.cinestar.de

Club Kaulberg Unterer Kaulberg 36 Telefon 51953330 www.nana-productions.de

Diözesanmuseum Domplatz 5 Telefon 502316 www.erzbistum-bamberg.de

E.T.A.-Hoffmann-Theater

Erscheinungsweise

E.T.A.Hoffmann-Platz 1 Telefon 873030 www.theater.bamberg.de

die ZWIEBEL (Aufl. 6.000 Ex.) ist monatlich an über 250 Vertriebsstellen in Bamberg kostenfrei erhältlich.

Domplatz 7 Telefon 5190746 www.bamberg.de/museum

© Copyright 2013 für eigens gestaltete Anzeigen und Texte beim Verlag. Nachdruck und Vervielfältigung, (auch auszugsweise). Wiedergabe durch Film, Fernsehen, Rundfunk sowie Speicherung auf elektronischen Medien nur mit schriftlicher Genehmigung des Verlags. Für unverlangt eingesandte Manuskripte oder Fotos übernimmt der Verlag keine Haftung. Namentlich oder mit Autorenkürzel gekennzeichnete Texte geben nicht unbedingt die Meinung des Verlags wieder.

Historisches Museum

Jazzclub Bamberg Obere Sandstr. 18 Telefon 53740 www.jcbamberg.de

Künstlerhaus Villa Concordia Concordiastr. 28 Telefon 955010 www.villa-concordia.de

Wichtige Adressen

Bamb. Marionettentheater Untere Sandstr. 30 Telefon 67600 www. bambergermarionettentheater.de

Morphclub Obere Königstr. 39 Telefon 0170/4230208 www.morphclub.org

Städtische Musikschule Luitpoldstr. 24 Telefon 509960 www.musikschule.bamberg.de

Naturkundemuseum Fleischstr. 3 Telefon 8631248 www.naturkundemuseumbamberg.de

Odeon Kino & Cafe Luitpoldstr. 25 Telefon 27024 www.lichtspielkino.de

Stadtbücherei Bamberg Obere Königstr. 4a Telefon 981190 stadtbuecherei-bamberg.de

Stadtgalerie Villa Dessauer Hainstr. 4a Telefon 871861 www.bamberg.de/museum Viele weitere Infos unter

www.kultur.bamberg.de


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