Mecklenburg Schwerin delüx Winter 4/2013

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LIFESTYLE

SCHERBEN machen G L Ü C K L I CH Polterschmuck heißt eine Linie von Designerin Annett Oberländer aus Wismar

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cherben bringen Glück – ein Spruch, den wohl jeder kennt – ist in der kleinen Werkstatt von Annett Oberländer an der Wand zu lesen. Dabei müsste es eigentlich heißen: Scherben machen glücklich. Denn die Schmuckdesignerin verwandelt in Wismar Porzellanscherben in filigranen Ohrenschmuck, Kettenanhänger und edle Broschen. Die Idee dazu ist eher zufällig entstanden, bei dem Polterabend von Bekannten war sie fasziniert von den Formen, die beim unkoordinierten Zerschlagen von Porzellan

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zufällig entstehen. Sie klaubte einige Scherben zusammen. „Viel zu schade zum Wegwerfen“, empfand sie damals. Das war 2010. Zwei Jahre später machte sie sich als Schmuckdesignerin selbstständig, arbeitet seitdem fast täglich mit Scherben von Porzellangeschirr. Das bekommt sie von Bekannten und Freunden, aber auch von Kunden, die ihre Erinnerungsstücke bringen, um daraus individuellen Schmuck fertigen zu lassen. Oft sind das Sammeltassen, Erbstücke, die ab dem frühen 19. Jahrhundert in die Vitrinen und Regale Einzug hielten. Mittlerweile ist dieser Brauch überaltert. „Früher hat jedes Mädel an Geburtstagen solch ein Set geschenkt bekommen. Das gibt es ja heute gar nicht

mehr“, erzählt Annett Oberländer. Im Gegenteil: In den letzten Jahren wurde dieses reich verzierte Geschirr mehr und mehr aussortiert. Ein Segen für Annett Oberländer. Wobei: Unversehrte Tassen und Teller zu zerschlagen, bringt sie nur selten übers Herz. „Ich habe mir sogar angewöhnt, die guten Stücke zu benutzen“, erzählt sie und kommt ins Schwärmen von „den zauberhaften Verzierungen und den eleganten Formen“. Also nutzt sie lieber solche Exemplare, die schon zerbrochen oder zumindest angeschlagen sind.

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n ihrer Werkstatt zerbricht sie dann diese Stücke, wählt Scherben aus. Achtet auf das Besondere. „Dieser gelenkte Zufall ist total spannend. Dadurch entsteht etwas, das sonst MECKLENBURG-SCHWERIN delüx 4/2013