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montessoribayern Das Magazin

Jahre

Montessori Landesverband Bayern e.V.


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Präambel Montessori-Schulen dienen der ganzheitlichen Erziehung und Bildung von Menschen. Der Umgang der an den Schulen beteiligten Pädagogen, Kinder und Eltern ist getragen von der Achtung vor dem Kind, der Achtung der Menschen untereinander, der Achtung vor der Schöpfung und von der Einsicht in die Gleich-

wertigkeit und Gleichrangigkeit aller Menschen, unabhängig von ihren individuellen Eigenschaften. Das Ziel dieser Bildung sind Menschen, die ein erfülltes und glückliches Leben in Frieden mit sich selbst, mit den Mitmenschen und in Verantwortung für die Welt leben.

Vorwort des Vorstands Was Professor Hellbrügge vor gut 40 Jahren in Bayern unter großen Anstrengungen initiierte, war eine Einzelaktion, die bald Schule machte. Die vielen Montessori-Einrichtungen in Bayern sind ein lebendiger Beweis dafür. Trotz sinkender Geburtenzahlen steigt der Bedarf an Montessori-Einrichtungen weiter. Es gibt immer wieder Eltern – und nahezu alle Montessori-Schulen sind Elterninitiativen – die große Anstrengungen unternehmen, um für ihre Kinder die ihnen zustehende Freiheit der Schulwahl auszuschöpfen, und nicht aufgeben, den pädagogischen Weg ihrer Wahl zu realisieren. Sie bereichern durch ihr ehrenamtliches Engagement nicht nur die bayerische Bildungslandschaft. Sie übernehmen darüber hinaus Verantwortung, indem sie unsere pluralistische Gesellschaft im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten aktiv mit gestalten. All diesen Eltern gebührt für ihr Bürgerengagement großer Dank. Unser Dank gilt auch den Pädagogen, die mit ihrem überdurchschnittlichen Einsatz und mit ihrer Haltung den Kindern gegenüber für die Qualität der Pädagogik im Alltag die Verantwortung tragen. Der Montessori Landesverband Bayern e.V. unterstützt nunmehr seit 25 Jahren Initiativen, die sich als Träger von Kinderhäusern und Schulen zu einer Solidargemeinschaft zusammengeschlossen haben. Als amtierender Vorstand bedanken wir uns bei all

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unseren Mitgliedern für ihre unermüdliche Tätigkeit, durch die die Montessori-Bewegung in Bayern Anerkennung gefunden hat. Ebenso gilt unser Dank unseren Vorgängern im Vorstandsamt für ihren herausragenden ehrenamtlichen Einsatz. Auf der Basis ihrer Leistungen konnten wir aufbauen. Es ist der Erfolg von 25 Jahren gemeinsamer Anstrengungen, dass die MontessoriBewegung eine innovative, bildungspolitische Kraft in Bayern ist. Ein besonderer Dank gilt der Software AG-Stiftung, die in herausragender Weise immer wieder besondere Anliegen und Projekte unseres Verbands finanziell fördert. Es ist uns eine große Freude und Ehre, dass der Gründer des ersten Montessori-Kinderhauses und der ersten MontessoriSchule, Herr Professor Theodor Hellbrügge, die Schirmherrschaft über den Festakt übernommen hat. Wir danken ihm dafür. Es ist uns ein Herzensanliegen, die begonnene Arbeit zum Wohl möglichst vieler Kinder und Jungendlicher in allen Kinderhäusern und Schulen fortzusetzen. Brigitta Berger-Thüre, Anna Hauser, Christa Kaminski, Günter Matthes, Ingeborg Müller-Hohagen Vorstände im Montessori Landesverband Bayern e.V.


Inhalt

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Präambel

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Vorwort des Vorstands

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Grußwort Prof. Dr. Hans-Joachim Schmutzler

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Grußwort Barbara Stamm

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Grußwort Dr. Ludwig Spaenle

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Grußwort Christine Haderthauer

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Interview mit Prof. Dr. Theodor Hellbrügge geführt von Ingeborg Müller-Hohagen

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Montessori-Einrichtungen in Deutschland mit besonderem Blick auf Bayern Günter Matthes

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Die Entwicklung des Montessori Landesverbands Bayern Sonja Spiegler

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MoBil – die Montessori Bildungsakademie Christa Kaminski, Ingeborg Müller-Hohagen

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Maria Montessori – das Leben und Wirken einer außergewöhnlichen Frau

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„Hilf mir, es selbst zu tun“ – die Pädagogik Maria Montessoris

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Vom Wunsch zur Wirklichkeit – Montessori-Pädagogik in der Praxis

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Eine Schule für alle – der Montessori-Bildungsweg vom Kinderhaus bis zur allgemeinen Hochschulreife

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Gemeinsam sind wir stark – das 5-Säulen-Prinzip der Montessori-Einrichtungen

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Wir bleiben nicht gut, wenn wir nicht immer besser werden wollen

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Reden wir über Geld – die Finanzierung der Montessori-Einrichtungen

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Stimmen ...

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Wir haben ein Ziel – zur Geschichte des Montessori Landesverbands Bayern e. V.

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Wir sind viele – die Montessori-Einrichtungen in Bayern

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Maria Montessoris Gedanken zu zwei Formen der Gerechtigkeit Prof. Dr. Arnold Köpcke-Duttler

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Fünf Dinge, die Sie vielleicht noch nicht wissen Prof. Dr. Reinhold Mühlbauer

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Impressum

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GruSSwort von Prof. Dr. Hans-Joachim Schmutzler Vorsitzender Vorstand im Montessori Dachverband Deutschland e.V.

Mit großem pädagogischen Elan und persönlichem Engagement hat sich seit den 1970-iger Jahren die Montessori-Pädagogik in Bayern fest etabliert. Es war eine echt demokratisch-bürgerliche Initiative weniger und bewundernswerter Persönlichkeiten für die Rechte des Kindes auf eine bessere Erziehung und Bildung. Sie brachten das Bildungswesen in Deutschland und Bayern in eine bis heute wirksame Reformbewegung. Heute gibt es in Bayern 80 Montessori-Kindergärten und 80 Montessori-Schulen sowie heilpädagogische Einrichtungen, die oft gegen den Widerstand von staatlichen Behörden aufgebaut wurden. Die bayrischen Montessori-Einrichtungen haben sich durch eine kindorientierte wie moderne leistungsfähige Pädagogik eine große Anerkennung erarbeitet. Bildungsinteressierte und pädagogisch engagierte Eltern schicken vertrauensvoll ihre Kinder in Montessori-Einrichtungen. Diese Montessori-Eltern erleben es täglich und wissen, dass ihre Kinder als individuelle Persönlichkeiten mit ihren reichen Begabungen und Interessen respektiert und durch hoch motivierte Erzieherinnen und Erzieher sowie Lehrerinnen und Lehrer gefördert werden. Diese Kinder sind – wie Montessori sagte – keine „vergessenen Bürger“ mehr, denen ihr Recht auf optimale Erziehung und Bildung vorenthalten oder eingeschränkt wird. Aber das Erreichte ist nicht selbstverständlich. Die stetige Pflege, Erhaltung und zukunftsorientierte Fortentwicklung des hohen pädagogischen Qualitätsniveaus und die Sicherung des Nachwuchses pädagogisch hochwertigen Personals ist heute das Gebot der Stunde.

Der Montessori Landesverband Bayern setzt daher konsequent und mit großer Anstrengung auf systematische Qualitätssicherung und -steigerung der Montessori-Kinderhäuser und -Schulen. Dies geschieht z. B. durch Aus-, Fort- und Weiterbildung des Personals und die Verpflichtung nach den Qualitätsstandards des Montessori Dachverbands zu arbeiten sowie interne Evaluationen regelmäßig durchzuführen. Eltern und Öffentlichkeit sollen und wollen wissen, ob hier Montessori-Qualität gewährleistet ist. Über die Montessori Bildungsakademie „MoBil“ wird mit dem gleichen Engagement die Erneuerung und qualitative Fortentwicklung des pädagogischen Personals betrieben. Das Aus-, Fort- und Weiterbildungsangebot reicht heute von der modernen Frühpädagogik 0 bis 6-jähriger bis zu den pädagogischen Aufgabenstellungen weiterführender Schulen. Montessori-Pädagogik gehört zwar historisch zur Reformpädagogik, sie selbst aber versteht sich als lebendige Pädagogik in Reform, ihre Kinderhäuser und Schulen als „Lernende Systeme“ im Dienste des Kindes, unserem „obersten Dienstherren“. Der Montessori Dachverband Deutschland gratuliert seinem Landesverband Bayern nicht nur zum 25-jährigen Jubiläum, sondern auch voller Freude und Respekt zu seiner Leistungsund Innovationsfähigkeit.

Prof. Dr. Hans-Joachim Schmutzler Vorsitzender Vorstand im Montessori Dachverband Deutschland e.V.

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GruSSwort von Barbara Stamm, MdL Präsidentin des Bayerischen Landtags

Zum heutigen stolzen Jubiläum gratuliere ich sehr herzlich. 25 Jahre Montessori Landesverband Bayern e.V., das sind 25 Jahre wirksamer Interessenvertretung für eine Schulfamilie, die von einst drei Montessori-Schulen und vier Kinderhäusern auf heute rund 80 Schulen und rund 80 Kinderhäuser angewachsen ist und die den Landesverband Bayern zum inzwischen größten Landesverband in Deutschland macht. Es sind aber insbesondere auch 25 Jahre engagierte, gelebte Bildungsarbeit zum Wohle unserer Kinder und Jugendlichen. Bildung ist eine wesentliche Voraussetzung dafür, dass das eigene Leben gelingt – eine Voraussetzung für persönliches Glück und eine Voraussetzung dafür, dass sich der Einzelne als Teil einer Gemeinschaft und für die Gesellschaft verantwortlich fühlt. Und: Bildung ist die Voraussetzung für den wirtschaftlichen Erfolg unseres Landes. Bildung ist somit ein Teil der sozialen Verpflichtung gegenüber jedem Menschen und Teil der wirtschaftlichen Notwendigkeit, insbesondere in einem Land, das kaum andere Ressourcen zur Verfügung hat. Bildung ist die soziale Frage des 21. Jahrhunderts. Bildung ist aber vor allem auch eine Frage der Menschenwürde. Jeder junge Mensch hat das Recht, so gefördert und gefordert zu werden, dass wir seiner Persönlichkeit und seinen Begabungen gerecht werden. Dies ist auch der Ansatz der Montessori-Pädago-

gik, die das Kind und seine Individualität in den Mittelpunkt ihrer Bildungs- und Erziehungsarbeit stellt. Das Leitmotiv Maria Montessoris war: „Hilf mir, es selbst zu tun“. In diesem Sinne will sie den heranwachsenden jungen Menschen auf seinem Weg zur Entfaltung seiner Persönlichkeit begleiten und unterstützen, ihm Hilfestellung zur Ausbildung von Selbstvertrauen, Selbständigkeit und Verantwortungsbewusstsein geben. Das sind Grundprinzipien einer Pädagogik, die den Menschen als Teil eines größeren Ganzen begreift, für das er mit Verantwortung trägt. Der Montessori Landesverband Bayern e. V. vertritt ein breit gefächertes Netzwerk verschiedenster Bildungseinrichtungen – Kinderhäuser, Horte, Grund- und Hauptschulen mit MittlererReife-Klasse, Fachoberschulen sowie ein Gymnasium. Damit bietet er eine vielfältige Palette von Bildung und Ausbildung auf unterschiedlichen Anforderungsstufen, für behinderte und nicht behinderte Kinder und Jugendliche. Die Montessori-Schulen und Kinderhäuser in Bayern leisten umfangreiche Bildungs- und Erziehungsarbeit und damit einen wertvollen Dienst an unserer Gemeinschaft. Zum heutigen Jubiläum wünsche ich dem Bayerischen Landesverband Bayern e.V. und den von ihm vertretenen Einrichtungen auch für ihre künftige Arbeit viel Erfolg und eine gute Hand in ihrem pädagogischen Wirken.

Barbara Stamm Präsidentin des Bayerischen Landtags

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GruSSwort von Dr. Ludwig Spaenle, Staatsminister im Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus anlässlich des 25-jährigen Bestehens des Montessori Landesverbands Bayern e. V. im Mai 2010

Als Bayerischer Staatsminister für Unterricht und Kultus steht für mich der junge Mensch im Mittelpunkt allen bildungspolitischen Handelns. Denn ich bin überzeugt: Ziel unserer Bemühungen bei der Bildungsarbeit muss es sein, jedem einzelnen Kind mit seinen Begabungen und Bedürfnissen, mit seinen Stärken und Schwächen bestmöglich gerecht zu werden. Diese bildungspolitische Leitidee ist Ausdruck einer Politik auf dem Fundament des personalen, christlichen Menschen- und Weltbildes. Auch die Montessoripädagogik stellt das einzelne Kind in den Mittelpunkt der Bildungsarbeit. Deshalb ist es auch kein Zufall, dass sich in Montessori-Schulen und staatlichem Schulwesen vielfach ähnliche pädagogische Konzepte finden und auch ein produktiver Austausch stattfindet. So haben Phasen und Methoden der Freiarbeit an den staatlichen Grundschulen längst ihren festen Platz, auf das Prinzip der „Selbsttätigkeit“ wird an allen unseren Schulen großer Wert gelegt und auch die Zahl der jahrgangsübergreifenden Klassen an staatlichen Schulen ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Um der individuellen Entwicklung des einzelnen Kindes künftig noch besser Rechnung zu

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tragen, werde ich in den nächsten Jahren in ganz Bayern die kind- und entwicklungsgerechte Grundschule etablieren. Ein entsprechender Modellversuch wird bereits für das kommende Schuljahr ausgeschrieben. Schulen in privater Trägerschaft stellen mit ihren Angeboten eine wertvolle Ergänzung zum staatlichen Schulwesen dar. Oft zeichnen sie sich durch ein besonders reges Schulleben und eine starke Beteiligung der Eltern aus. So entstand auch der Montessori Landesverband Bayern e. V. im Jahr 1985 aus dem Zusammenschluss mehrerer Trägervereine von verschiedenen Montessori-Einrichtungen. Inzwischen gehören diesem Dachverband über 110 solcher Vereine an. Diese beeindruckende Entwicklung ist vor allem dem großen Einsatz zahlreicher aktiver Eltern und Verantwortlicher zu danken. Ich wünsche dem Montessori Landesverband Bayern e. V. zu seinem 25-jährigen Bestehen weiterhin das zuverlässige und kontinuierliche Engagement seiner Mitglieder und alles Gute für die Zukunft! München, im September 2009

Dr. Ludwig Spaenle Bayerischer Staatsminister für Unterricht und Kultus


GruSSwort von Frau Staatsministerin Christine Haderthauer anlässlich des 25-jährigen Jubiläums des Montessori Landesverbandes Bayern e.V. am 08.05.2010 in München

Zum 25-jährigen Bestehen des Montessori Landesverbandes Bayern e.V. gratuliere ich ganz herzlich! Als der Montessori Landesverband Bayern e.V. im Jahr 1985 gegründet wurde, gab es in Bayern gerade mal acht Träger von Montessori Einrichtungen und es war noch nicht abzusehen, dass sich die bayerische Montessoribewegung 25 Jahre später mit über 110 Trägervereinen zur größten „Montessori Gemeinde“ in Deutschland entwickeln würde. Heute betreibt die bayerische „Montessori Gemeinde“ rund 160 Kinderhäuser, Horte, Grund- und Hauptschulen sowie ein Gymnasium und acht Fachoberschulen. Rund 15.000 Kinder und Jugendliche werden dort von der Krippe bis zum Abitur nach dem Grundsatz Maria Montessoris „Hilf mir, es selbst zu tun“ gefördert. Entscheidenden Anteil an dieser beeindruckenden Entwicklung hat der Montessori Landesverband Bayern, der seit nunmehr 25 Jahren die Arbeit der Montessori-Einrichtungen in beispielgebender Weise begleitet. Insbesondere mit der Entwicklung gemeinsamer qualitativer Standards für alle Einrichtungen,

der Möglichkeit zum Informations- und Erfahrungsaustausch und der Vermittlung von qualifiziertem Personal schafft der Montessori Landesverband das tragende Fundament für die Initiativen vor Ort. Im Rahmen der Montessori Bildungsakademie sichert er darüber hinaus seit nunmehr drei Jahren die Ausund Weiterbildung des pädagogischen Fachpersonals und gewährleistet somit den qualitativ hochwertigen Standard der Montessori-Einrichtungen. Die Montessori-Einrichtungen sind aus der bayerischen Bildungslandschaft nicht mehr wegzudenken. Für mein Ministerium ist der Montessori Landesverband aufgrund seiner Fachkompetenz und Erfahrung im Bereich der Kindertagesbetreuung seit Jahren ein wichtiger Ansprechpartner. Ich wünsche dem Montessori Landesverband Bayern eine weiterhin erfolgreiche Zukunft und kann nur sagen: weiter so!

Christine Haderthauer Bayerische Staatsministerin für Arbeit, Sozialordnung, Familie und Frauen

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„Kinder haben mich beeindruckt!“

Interview mit Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Theodor Hellbrügge am 9. Februar 2010, geführt von Ingeborg MüllerHohagen, Vorstand des Montessori Landesverbands Bayern und von 1978 bis 1994 Lehrerin an Hellbrügges Montessori-Schule. Prof. Hellbrügge, 90 Jahre alt, winkt mir fröhlich zu, als ich sein Arbeitszimmer in der Theodor-Hellbrügge-Stiftung im Kinderzentrum München betrete.

Ingeborg Müller-Hohagen: Herr Professor, Sie haben 1970 die erste integrative Montessori-Schule in Bayern gegründet und zwei Jahre davor ein Montessori-Kinderhaus, in dem mehrfach und verschiedenartig behinderte Kinder mit nicht behinderten Kindern gemeinsam erzogen wurden. Was hat Sie an der Montessori-Pädagogik fasziniert? Prof. Hellbrügge: Als Mitglied des Ausschusses „Vorschulische Erziehung“ des Deutschen Bildungsrates (1964-67) kam ich in Frankfurt in das Montessori-Kinderhaus und die Anna-SchmidtSchule, eine Montessori-Schule. Ich trat in einen Klassenraum – da war keine Pädagogin zu sehen – und die Kinder haben trotzdem gearbeitet. Jedes Kind machte etwas anderes: Eines putzte Schuhe, ein anderes arbeitete mit Material, das zur Mathematik gehörte. Jedes der etwa 50 Kinder arbeitete intensiv. Ich war erstaunt, weil ich keine Erzieherin bzw. Lehrerin sah. Dann kam eine Dame unter einem Tisch hervorgekrochen und erklärte, der Junge wollte unbedingt Mathematik unter dem Tisch lernen, also habe sie sich dorthin begeben, um mit ihm Mathematik zu betreiben. In einem anderen Raum beobachtete ich zwei geistig behinderte Kinder mit Morbus Down-Syndrom.

Auf meine Frage an die Lehrerin, ob die geistig behinderten Kinder unter den vielen gesunden Kindern nicht zu kurz kämen in der pädagogischen Anleitung oder umgekehrt, ob nicht die gesunden Kinder durch die behinderten Kinder gestört würden in ihrer Entwicklung, erhielt ich eine klare Antwort: Nein! Ich erhielt den Hinweis, dass das Montessori-Material eine individuelle pädagogische Erziehung eines jeden einzelnen Kindes gestatte, dass sowohl die gesunden als auch geistig behinderten Kinder durchaus gleichzeitig beisammen sein können. Was haben Sie aus diesen Schlüsselerlebnissen gemacht? Ich habe die Schlussfolgerung gezogen, dass es in dieser Pädagogik möglich sein müsste, sowohl geistig behinderte als auch nicht behinderte Kinder gleichzeitig lernen zu lassen. Das Glück kam mir zuhilfe. Mit Frau Margarete Aurin, die sich schon in früher Jugend der Montessori-Pädagogik verschrieben hatte, erlebte ich die Montessori-Pädagogik, wie sie von Frau Dr. Montessori in einem Kurs in Spanien 1932 gelehrt wurde. Frau Aurin war

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zunächst in Thüringen tätig. Sie wurde von den Nazis gezwungen, die Montessori-Pädagogik einzustellen, und so ging sie nach Garmisch-Partenkirchen. Dort gründete sie im Jahre 1956 einen Montessori-Kindergarten. Während eines Vortrages vor dem damaligen Kreisverband in Garmisch erwähnte ich die Erlebnisse in Frankfurt, und nach meinem Vortrag kam Frau Margarete Aurin auf mich zu und gab sich als Montessori-Pädagogin zu erkennen. Sie lud mich ein, ihren Kindergarten in Garmisch anzuschauen. Ich habe sofort gehandelt und sie nach München eingeladen, um ihre Gedanken im Kindergarten der Aktion Sonnenschein zu verwirklichen. Es war mir sehr wichtig, dass in diesem Kindergarten erstmalig behinderte und nichtbehinderte Kinder gemeinsam arbeiten durften. Der Traum eines Kinderarztes ging nach meinen Vorstellungen in Erfüllung, dass, nur wer hilft, selbständig und glücklich wird. Das Montessori-Material erlaubte es, dass gesunde und behinderte Kinder lernten zu helfen und sich helfen zu lassen. Die Kinder lernten selbständig zu arbeiten und Aufgaben gemeinsam mit anderen Kindern zu lösen. Aber der Erfolg war wesentlich an Dr. Maria Montessoris Pädagogik gebunden. Schon bei der Gründung gab es 50 Anmeldungen. Was war Ihnen bei diesem Kinderhaus wichtig? In unserem Kindergarten erlebte ich jene sozialen Lernprozesse, von denen ich als Kinderarzt geträumt hatte. Wann immer man mit Pädagogen über die Montessori-Pädagogik sprach, wurde darauf hingewiesen, dass diese Pädagogik wohl in erster Linie dazu geschaffen wurde, kognitive Prozesse bei kleinen Kindern in Gang zu setzen. Das Erlebnis unseres Kinderhauses zeigte indessen, dass dies nur derjenige behaupten kann, der auf das Montessori-Material schaut und nicht auf die Kinder. So wurde ich auf die Reformpädagogik aufmerksam, aber ich erlebte eine Pädagogik, die weniger Reform- als vielmehr Heilpädagogik war. Nachdem wir einige Jahre im Kinderhaus diese Lernprozesse kennengelernt hatten, stellte sich die Frage,

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was wird mit den Kindern? So wurde unsere Schule als Fortsetzung der Erfahrungen aus dem Kindergarten gegründet. Und wie kam es zur Schulgründung? Unsere erste Montessori-Klasse entstand auf Wunsch der Eltern. Ich hatte nicht im Traum daran gedacht, eine Schule zu gründen. Ich habe den Eltern der geistig behinderten Kinder gesagt, für ihre Kinder, die 6 Jahre alt geworden waren, die geeignete Schule zu suchen. Das taten sie in Münchner Sonderschulen. Sie kamen zurück mit der Feststellung, dass ihre Kinder jetzt kaum mehr in dieses staatliche Unterrichtssystem hineinpassten. Die Eltern der nicht behinderten Kinder fragten, warum sie ihre Kinder noch in die 1. Klasse einer normalen Grundschule geben sollten. Sie könnten ja schon rechnen und lesen. War es nicht möglich, eine Schule zu gründen, in der unsere Kinder zusammen blieben? Im Jahr 1970 entstand so ohne jede Vorplanung unsere Münchner Montessori-Schule mit einer Klasse, in der gesunde und behinderte Kinder gemeinsam lernten. Ein Elternteil war Direktor am Dante-Gymnasium. Er stellte uns einen Klassenraum zur Verfügung, so dass sich diese Frage von selbst erledigte. So galt es, eine geeignete Montessori-Pädagogin zu suchen. Mir wurde Frau Brigitte Ockel aus Frankfurt empfohlen, und sie baute aus ihrer Erfahrung heraus altersgemischte Klassen auf, in die auch behinderte und nichtbehinderte Kinder mit aufgenommen wurden. Da dies erfolgreich bei den Kindern praktiziert wurde, sprach es sich bald in München herum, und so entstanden zwei weitere Montessori-Klassen. Hierzu wurde Frau Heide Gobbin, die auch aus Frankfurt kam, nach München eingeladen, und so entstanden in einem Bereich des Dante-Gymnasiums bereits drei Montessori-Klassen. Aber das Dante-Gymnasium hatte andere Planungen. So mussten wir uns nach einem eigenen Grundstück umsehen. Die Stadt hatte inzwischen eine Firma in Rosenheim gefunden, die Pavillon-Schulen baute. Wir erhielten von der Stadt München ein Grundstück in der Reutbergerstraße. Dort baten wir diese Firma aus Rosenheim, geeignete Pavillons zu bauen.


Ich hatte keine Ahnung von Schulbauvorschriften, aber da die Firma für die Stadt München Schulbauten errichtete, dachte ich, es würde alles genehmigt sein. Heute weiß ich, dass das ein Irrtum war und dass unsere Schulbaurichtlinien für geistig behinderte, lernbehinderte, körperbehinderte und normale Kinder verschieden große Räume vorschreibt. Da stellte sich die Frage: Was sind unsere Kinder? Ich erklärte wahrheitsgemäß, dass Sie gesund, mehrfach und verschiedenartig behindert seien und dass wir für spezielle Unterrichtsmethoden spezielle Räume bräuchten.

Ein dramatischer Beginn! Die verzweifelte Lage hellte sich auf, als ein damaliger Direktor der Bayerischen Landesbank mein Anliegen begriff und es trotz der Schwierigkeiten seitens der Regierung übernahm, den Kredit zu gewähren. Es war die glücklichste Stunde für unser Montessori-Modell.

Der Rohbau musste eingestellt werden, weil die Regierung von Oberbayern ihre Genehmigung versagte. Es waren nicht nur die unterschiedlichen Größen der Räume, sondern vor allem auch die Faltwände zwischen den verschiedenen Klassen, die wir während des Unterrichtes so ändern konnten, dass ein Raum größer oder kleiner wurde. In der Reutbergerstraße erhielten wir ein Grundstück, auf dem Pavillons errichtet wurden. Dann kam das Drama mit einem Kredit. Die Bank hatte sich bei der Regierung erkundigt, wie es um die Schule stand, und es wurde ihr mitgeteilt, dass die Schule nie und nimmer genehmigt würde. Die Kinder waren vorhanden, aber die Genehmigung der Regierung kam nicht. Der Bank wurde nahegelegt, keinen Kredit zu geben. Jetzt galt es, einen Kreditgeber für 1 Mio. DM zu finden. Die Räume waren jetzt durch die Firma aus Rosenheim bereits fertiggestellt. Damals bin ich mit Frau Dürsch von Bank zu Bank in München gelaufen, um 1 Mio. DM Kredit für die Schule zu erhalten. Es war eine verzweifelte Situation: Keine Genehmigung von der Regierung, ein Rohbau, der nicht weitergebaut wird, ein Unternehmer, der darauf drängt, den Rohbau finanziert zu bekommen, Eltern, die ihre Kinder einschulen möchten, Kinder, die einen Klassenraum brauchen …

Was hat Sie denn so sehr an der Montessori-Pädagogik überzeugt? Es gibt keine Pädagogik, die so vom Kinde her kommt. Wir müssen ihre (Montessoris) einzigartige Ideen aus der Rubrik „Reformpädagogik“ herausholen. Sie hat für die gesamte Pädagogik und Heilpädagogik neue Wege gewiesen, die mehr sind als Reformen.

Zu der Zeit haben Sie doch den Theodor-Heuss-Preis erhalten? Das war ein Jahr später, als unsere Schule gerade über den Berg war.

Welche Wünsche haben Sie für die Zukunft? Wir sollten auf ein allgemeines Schulsystem hinarbeiten, wo Grundgedanken der Montessori-Pädagogik verwirklicht sind. Schule vom Kind her denken! Herr Professor, Sie sind auf Ihrem Weg vielen Menschen begegnet. Welche haben Sie besonders beeindruckt? Es waren die Kinder! Herr Professor, wir danken Ihnen für Ihren Mut und Ihre Entschlossenheit für Kinder und Jugendliche und für dieses lebendige Gespräch.

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Montessori-Einrichtungen in Deutschland mit besonderem Blick auf Bayern Schon bald nachdem Maria Montessori 1907 ihr Kinderhaus „Casa dei bambini“ in Rom gegründet hatte, wurde ihre Pädagogik weit über Italien hinaus bekannt und populär. Durch ihre Vortragsreisen verbreitete sich die Pädagogik nicht nur in Europa, sondern auch in den USA und in Indien. Heute gibt es weltweit rund 40.000 Montessori-Schulen. Die erste deutsche Montessori-Schule wurde1923 in Jena gegründet. Sie bestand bis 1929 und wurde dann von der nationalsozialistisch bestimmten Landesregierung von Thüringen verboten und geschlossen. Dieses Schicksal widerfuhr bis 1936 allen Montessori-Einrichtungen in Deutschland. Einige Montessori-Pädagogen wurden in Konzentrationslagern interniert und kamen dort um. So musste nach 1945 wieder neu angefangen werden. Begonnen wurde die Wiederaufbauarbeit mit den Schwerpunkten in Nordrhein-Westfalen und Berlin von Montessori-Pädagogen, die bereits vor der Naziherrschaft gewirkt hatten.

In Deutschland gibt es rund 600 Kindertagesstätten (Kinderkrippen und -häuser) und etwa 400 Schulen, die nach den Prinzipien der Montessori-Pädagogik arbeiten. Schulen existieren in unterschiedlichen Formen, von der Grundschule bis zum Gymnasium, aber auch Förderschulen, teilweise in Montessori-Zweigen von öffentlichen oder kirchlichen Schulen. So bunt wie unsere föderalistische Bildungslandschaft sind auch die MontessoriSchulen in Deutschland: So gibt es z.B. in Nordrhein-Westfalen Montessori-Schulen mehrheitlich als weiter führende Schulen (Gesamtschulen und Gymnasien) in kommunaler Trägerschaft, in Bayern hingegen überwiegend Volksschulen ausschließlich in freier Trägerschaft. Nordrhein-Westfalen und Bayern sind auch die Bundesländer mit dem größten Angebot an MontessoriEinrichtungen, allerdings völlig unterschiedlich organisiert.

Heute arbeiten in Deutschland über 1.000 Kinderhäuser und Schulen nach den Prinzipien der Montessori-Pädagogik. Eine genaue Statistik liegt nicht vor, da nicht alle Montessori-Einrichtungen verbandsmäßig organisiert sind. Dies liegt u.a. daran, dass die Einrichtungen sehr unterschiedliche Träger wie z.B. Vereine, Kommunen, Länder und Kirchen haben. In Bayern begann der Wiederaufbau vor gut vierzig Jahren durch den Münchner Kinderarzt Prof. Theodor Hellbrügge, der in seiner wegweisenden Einrichtung eine innige Verbindung von Medizin und Pädagogik praktizierte. Auch in den neuen Bundesländern wurden und werden nach der Wende Montessori-Einrichtungen aufgebaut.

In den letzten 25 Jahren setzte bei Schulen in freier Trägerschaft ein regelrechter Boom ein. Jährlich werden in Deutschland etwa sieben Montessori-Schulen gegründet, davon durchschnittlich zwei in Bayern. Die Schulneugründungen in Bayern sind in der Regel Elterninitiativen. Die Motive der Eltern basieren im Allgemeinen auf Unzufriedenheit mit dem öffentlichen Schulsystem.

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Die Entwicklung des Montessori Landesverbands Bayern

In den späten achtziger und frühen neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts lernten viele engagierte Eltern den Montessori Landesverband als hilfreichen Partner kennen, während sie sich gerade auf den Weg machten, Kinderhäuser und Schulen in freier Trägerschaft zu gründen. Es herrschte Aufbruchstimmung im Bayernland! Wir wollten das verfassungsmäßige Recht auf eine selbstbestimmte Erziehung und Bildung unserer Kinder wahrnehmen und fanden dabei in den Vorträgen zur Montessori-Pädagogik eine inspirierende Quelle. Brigitte Ockel, Claus-Dieter Kaul, Martin Schuster und andere Namen aus dem Kreis der Montessori-Pädagogen in Bayern werden sicherlich vielen in Erinnerung bleiben. Von der pädagogischen Begeisterung bis zur realen Gründung einer Montessori-Einrichtung war der Weg jedoch oft hart. So war es auch den ersten Montessori-Vereinen ergangen, die sich aus den Impulsen von Prof. Hellbrügges „Schulversuch“ herausgebildet hatten. Nach dem bekannten montessorischen Prinzip „Hilf mir, es selbst zu tun!“ hatten sich die ersten neun Vereine unter der Initiative von Martina Wachsmuth am 11.  Juni 1985 zum Montessori Landesverband Bayern e.V. zusammengeschlossen, um das Wissen in der Montessori-Pädagogik und Erfahrungen bei der Gründung von Kinderhäusern und Schulen weiter zu geben. Der 1. Vorsitzende des Landesverbands war Prof. Tschamler, ein profunder Kenner der Montessori-Pädagogik und Lehrstuhlin-haber an der LMU München. Stellvertretende Vorsitzende war Brigitte Ockel, damals mit Helga Voß-Rauter und Claus-Dieter Kaul Schulleiterin an den Montessori-Schulen der Aktion Sonnenschein in München. Brigitte Ockel, wie seitdem auch Claus-Dieter Kaul, leitete Jahrzehnte lang Montessori-Kurse, an denen viele der heute tätigen Montessori-Pädagoginnen und -Pädagogen teilgenommen haben. Helga Voß-Rauter hielt intensiven Kontakt zu Mario Montessori und dessen Kindern Renilde und Mario.

Weiteres Vorstandsmitglied war Martina Wachsmuth, die sich tief in die bayerischen Schulgesetze eingearbeitet und höchste Kompetenz in der Verwaltung von Schule und Kinderhaus in freier Trägerschaft erworben hatte. Oft waren es die telefonischen Kontakte mit Mirjam DonathWesemeier, die damals die Geschäftsstelle des jungen Verbandes leitete (es soll ganz zu Anfang das eigene Wohnzimmer gewesen sein, in dem sie ihre unermüdliche Arbeit leistete) und die zahlreichen Gespräche mit der Starnberger Geschäftsführerin Martina Wachsmuth, die uns anderen Pionieren aus ganz Bayern bei den ersten Gründungsschritten halfen. Aus diesen Anfängen ist ein Verband gewachsen, der zunächst vor allem in der Beratung von Gründungsinitiativen tätig war und im Verbreiten der Kerngedanken der Montessori-Pädagogik. Besonderes Anliegen der wissenschaftlichen Ausrichtung war stets der Gedanke der Integration – bekannte Namen wie Prof. Hellbrügge, Prof. Köpcke-Duttler, Prof. Mühlbauer, Prof. Müller, Prof. Paulig, Prof. Tschamler stehen hier an oberster Stelle. Die MontessoriEinrichtungen verwirklichten dieses Ideal je nach ihren Möglichkeiten und nach den jeweils geltenden Vorschriften der staatlichen Genehmigungsbehörden. Viele pädagogische Forderungen mussten allerdings gerichtlich erstritten werden. Ohne die Rechtsberatung des langjährigen Vorstandsmitglieds und heutigen Justitiars unseres Verbands, Prof. Köpcke-Duttler, wären wir oft recht verloren gewesen. Im Laufe der Jahre erwies sich die Zusammensetzung der ehrenamtlichen Verbandsspitze aus Pädagogen, Juristen und Finanz- bzw. Verwaltungsfachleuten als äußerst sinnvoll, um die sehr differenzierten Bereiche abdecken zu können, die auf den Verbandsvorstand weiterhin zukamen. Eine Weiterentwicklung auf der professionellen Ebene der Geschäftsstelle durfte bei der schnell wachsenden Zahl

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Im 1985 gegründeten Montessori Landesverband Bayern waren zunächst neun Montessori-Vereine organisiert, heute sind es fast 120, die rund 80 Kinderhäuser und ebenso viele Schulen betreiben. Den Grundstock der bayerischen Montessori-Schulen bilden die etwa 80 Volksschulen, überwiegend bestehend aus Grund- und Hauptschule. Die Hauptschulen haben in der Regel M-Klassen, die zum mittleren Schulabschluss führen. Als weiterführende Schulen dieser Hauptschulen wurden bisher acht Montessori-Fachoberschulen gegründet. Biberkor, im Landkreis Starnberg, ist das einzige Montessori-Gymnasium in Bayern. Der Montessori Landesverband Bayern ist der größte Montessori-Landesverband in Deutschland.

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In nahezu allen Bundesländern gibt es Montessori-Landesverbände, in denen sich die Montessori-Einrichtungen organisieren. Sie vertreten die Belange ihrer Einrichtungen gegenüber den staatlichen Organen, sie unterstützen Gründungsinitiativen und kümmern sich um die Qualitätssicherung und Vernetzung. Die Landesverbände haben sich mit den Montessori-Ausbildungseinrichtungen im Montessori Dachverband Deutschland zusammengeschlossen. Der Dachverband leistet bildungspolitische Öffentlichkeitsarbeit und Interessenvertretung, entwickelt Ausbildungsstandards und sorgt für eine kontinuierliche Qualitätsentwicklung der Montessori-Einrichtungen. Günter Matthes Vorstand im Montessori Dachverband Deutschland e. V.

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Vorstand im Montessori Landesverband Bayern e. V.


1996: Vor der Eingangstür der Montessori-Schule Wertingen (von rechts): Prof. Armin Müller, Vorstand im Montessori Landesverband Bayern, Ingeborg Müller-Hohagen, Schulleiterin der Montessori-Schule in Wertingen, Brigitte Ockel, Schulleiterin der Montessori-Schule der Aktion Sonnenschein, München, Prof. Herbert Tschamler, 1. Vorsitzender des Montessori Landesverbandes Bayern, Sonja Spiegler, Geschäftsführerin in Wertingen.

der Mitgliedsvereine nicht ausbleiben. So mussten Büroräume angemietet, moderne EDV eingeführt, mit Dr. Ulrich Miller eine Geschäftsführung eingestellt und mit Gabi Stephan eine freiberufliche pädagogische Fachkraft engagiert werden.

An der inhaltlichen Arbeit waren und sind jedoch stets die Mitgliedsvereine beteiligt: Auf den Regionaltreffen und bei den halbjährlichen Verbandstreffen werden Kontakte geknüpft, Arbeits- und Projektgruppen installiert, Erfahrungen ausgetauscht, Vorträge gehört – alles Dinge, die in die Einrichtungen vor Ort mitgenommen werden. So sind die „Leitfäden“ für eine gute Montessori-Arbeit entstanden, aus denen sich in großen gemeinschaftlichen Aktionen die Qualitätsstandards für Montessori-Einrichtungen in Bayern entwickelt haben und letztlich die gemeinsamen pädagogischen Konzepte „Eine Schule für alle“ bzw. „Das gemeinsame Konzept für Kinderhäuser“. Die Mühen langen Ringens und oft leidenschaftlicher Diskussionen haben sich gelohnt, wenn sich heute etwa 160 Montessori-Einrichtungen an diesen Leitlinien orientieren können. Dem Verband ist es auf dem gemeinsamen Weg gelungen, große Ziele für die Montessori-Schulen erfolgreich durchzusetzen: Jahrgangsmischung, Inklusion, „Informationen zum Entwicklungs- und Lernprozess“, erfolgreicher Hauptschul-Abschluss, Mittlerer-Reife-Zug, Montessori-Fachoberschule und -Gymnasium. Alle diese Errungenschaften, die uns heute fast selbstverständlich erscheinen, sind Ergebnisse großer Visionen, intensiver Basisarbeit und langjähriger politischer Verhandlungen, die unsere Verbandsvorstände für die Mitglieder geführt haben. 16

Das „jüngste Kind“ des Landesverbands, die Montessori Bildungsakademie (MoBil), ist ein weiteres Merkmal dafür, dass die Zeichen der Zeit erkannt wurden. Vor allem von Christa Kaminski, Ingeborg Müller-Hohagen und Gabi Stephan als Idee geboren, entwickelte sich MoBil rasch zu einer Aus- und Weiterbildungsakademie. Insbesondere der Einzug in die Lehrerausbildung an einigen Universitäten – mit Montessori-Diplom für Studenten – sichert uns vielleicht langfristig den Nachwuchs an geeigneten Lehrkräften und verleiht unserem Verband an politischer Stelle eine hohe Reputation für die Professionalität der Arbeit unserer Einrichtungen und des Landesverbands. Chancen beim Schopf zu ergreifen, Verbindungen zu schaffen zwischen den Vereinen, nationale und internationale Kontakte zu knüpfen, Beratung sowie Aus- und Weiterbildung zu intensivieren, Qualitätsstandards zu sichern und so den guten Ruf der Montessori-Pädagogik zu verbreiten – das waren und sind die Aufgaben unseres Verbands, der nach 25 Jahren der mitgliederstärkste Montessori-Landesverband mit den meisten MontessoriEinrichtungen in ganz Deutschland ist. Ich bedanke mich stellvertretend für die Mitglieder bei allen Vorständen, die oft unter hohem Zeitaufwand und größtem persönlichen Einsatz dazu beigetragen haben, dass wir uns heute mit unseren Einrichtungen in einem starken Netz der Verbundenheit wissen dürfen. Ich bedanke mich ebenfalls stellvertretend bei allen ehrenamtlichen Mitgliedern und professionellen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern dafür, dass wir immer wieder miteinander um den richtigen Weg ringen, dass wir trefflich streiten und uns wieder versöhnen können, dass wir uns trotz unterschiedlicher Schwerpunkte von einer großen gemeinsamen Idee tragen lassen und diese lebendig halten. Schon oft habe ich mich bei den verschiedenen Verbandstreffen wie auf einer großen Familienfeier gefühlt – mit allem was eben dazu gehört – und das ist schön so! Sonja Spiegler Ehemals Vorstand im Montessori-Förderverein des Kreises Dillingen e.V., Geschäftsführerin der Montessori-Schule Wertingen


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mobil – Die Montessori Bildungsakademie

„Immer muss die Haltung des Lehrers die der Liebe bleiben. Dem Kind gehört der erste Platz, und der Lehrer folgt ihm und unterstützt es. Er muss auf seine eigene Aktivität zugunsten des Kindes verzichten. Er muss passiv werden, damit das Kind aktiv werden kann.“ Maria Montessori1

Die Montessori Bildungsakademie gehört zum Montessori Landesverband Bayern e. V. (MLVB), wurde 2006 gegründet und ist als unabhängige, überregionale Institution im deutschsprachigen Raum tätig. Hauptanliegen und Zielsetzung war, für die Vielzahl der MLVBEinrichtungen in Kinderhaus und Schule qualifiziertes Personal aus- und weiterzubilden. In der Akademie arbeiten erfahrene Experten aus Lehre und Praxis. Alle Kursleiterinnen und Kursleiter haben fundiertes Wissen, wie eine Vorbereitete Umgebung nach Maria Montessori sowie Bedingungen für motiviertes und selbst bestimmtes Lernen zu schaffen sind. Seit mehreren Jahren bietet die Akademie ein jährliches Programm mit Seminar- und Beratungsangeboten für Pädagogen, Eltern, Vorstände und Verwaltung an. Die Veröffentlichung des Programms erfolgt im Wesentlichen über die Homepage.

Die Frage nach neuen Wegen der Qualitätsentwicklung in Montessori-Einrichtungen wird zunehmend diskutiert – nicht nur im MLVB, sondern auch in anderen Landesverbänden sowie Montessori-Vereinigungen deutschland-, europa- und weltweit. Aus diesem Grund arbeiten die Akademie und der Montessori Landesverband Bayern sehr eng mit dem Montessori Dachverband Deutschland und Montessori Europe zusammen. Für die Montessori Bildungsakademie steht seit Beginn die Montessori-Ausbildung an den Universitäten im Fokus. Es geht darum, junge, angehende Lehrer schon sehr früh und intensiv mit der Montessori-Pädagogik in Berührung zu bringen. So werden an drei Universitäten in Bayern, an der Universität Augsburg, an der Ludwig-Maximilian-Universität München (LMU) und an der Friedrich-Alexander-Universität Nürnberg-Erlangen umfassende Seminare und Diplom-Ausbildungen in Montessori-Pädagogik angeboten. Diese werden von den Studenten gut angenommen. Die Montessori Bildungsakademie gibt auf der politischen Ebene ein deutliches Signal, dass Qualität bei den Einrichtungen im Verband eine große Rolle spielt und dass beständig daran gearbeitet wird. Die Akademie hebt in den politischen Verhandlungen eindeutig das Ansehen und das Gewicht des MLVB. „Hilf mir, es selbst zu tun!“ gilt nicht nur für Kinder und Jugendliche, es gilt für jeden Erwachsenen, der in den Einrichtungen des MLVB tätig ist. Die Verpflichtung zur kontinuierlichen Weiterbildung ist eine Selbstverpflichtung für alle, die die verantwortungsvolle Aufgabe wahrnehmen, junge Menschen in ihrer Persönlichkeitsentwicklung, und in ihrem Lernprozess zu begleiten. Christa Kaminski und Ingeborg Müller-Hohagen Vorstände im Montessori Landesverband Bayern e. V.

1

Maria Montessori: Grundlagen meiner Pädagogik, Wiebelsheim, 2005, S. 21

19


Maria Montessori Das Leben und Wirken einer außergewöhnlichen Frau

„Ohne das Kind, das ihm hilft, sich ständig zu erneuern, würde der Mensch degenerieren. Wenn der Erwachsene sich nicht um Erneuerung bemüht, bildet sich rings um seinen Geist ein harter Panzer, der ihn gefühllos werden lässt, und damit verliert er schließlich sogar sein Herz.” maria Montessori1

20

1870

 aria Montessori wird am 31. August in Chiaravalle M bei Ancona, Italien, geboren

ab 1890

S tudium der Naturwissenschaften, Berechtigung  zur Aufnahme eines Medizinstudiums

1896

 bschluss des Medizinstudiums mit Promotion,  A erste Ärztin Italiens

1896 bis 1898

E rste Erfahrungen im Umgang mit geistig behinderten Kindern  als Assistenzärztin in der Kinderabteilung einer psychiatrischen  Klinik in Rom, daraus Erkenntnis, dass alle Kinder – unabhängig, ob behindert oder nicht – Eigenantrieb zum Lernen haben

1898

Geburt ihres Sohnes Mario, den sie in Pflege geben muss

1898 bis 1900

 ozentin an der Lehrerbildungsanstalt und Direktorin eines D heilpädagogischen Instituts in Rom, Entwicklung einer  pädagogischen Methode, mit der sie bei der Förderung  der Kinder bald beachtliche Erfolge erzielt

1900

 eiterentwicklung der Materialien der französischen  W Taubstummenlehrer Itard und Seguin

1901

Studium der Pädagogik, Anthropologie und Philosophie

1904

Ernennung zur Professorin für Anthropologie  an der Universität Rom

1907

E röffnung des ersten Kinderhauses (Casa dei bambini)  in einer Armensiedlung in Rom; sensationelle Lernerfolge der Kinder, schnelle, weltweite Verbreitung dieser Erfolge


1911

Einführung der Montessori-Methode in den Kindergärten Italiens, erste Modellschulen in den USA und Europa

1912

Sohn Mario zieht zu ihr

ab 1913

 iele Reisen zu Vorträgen in Europa, USA und Indien; mehrere V Veröffentlichungen Maria Montessori mit weltweiter Verbreitung u.a. „Selbsttätige Erziehung im frühen Kindesalter“; Treffen und Austausch mit Bell, Dewey, Edison und Helen Keller

1937

S echster Internationaler Montessori-Kongress in Kopenhagen zum Thema „Erziehung zum Frieden“ mit 200 Teilnehmern  aus 20 Nationen

1939

R eise nach Indien auf Einladung der Theosophischen Gesellschaft, die mit der Montessori-Methode erfolgreich gegen  den Analphabetismus angeht

1940

 ach Kriegseintritt Italiens Internierung Maria und Mario N Montessori von den Briten in Indien; in den folgenden Jahren Ausbildungskurse für mehr als 1.000 Lehrerinnen und Lehrer; Treffen mit Gandhi, Nehru und Radhakrischnan

1916

s iedelt Montessori nach Barcelona über, sie hält Ausbildungskurse und Vorträge in Europa und den USA

1922

 ehrmonatige Aufenthalte in Italien, sie wird zur RegierungsM inspektorin der Kindergärten Italiens von Mussolini ernannt

1946

R ückkehr nach Europa, unermüdliche Vortrags- und Ausbildungstätigkeit

1925

Gründung der „Deutschen Montessori Gesellschaft“ in Berlin

1947

1929

 ründung der „Association Montessori International“ (AMI) G gemeinsam mit ihrem Sohn Mario, Sitz in Amsterdam

 ortrag vor der UNESCO zum Thema „Erziehung und Frieden“; V weitere Ausbildungskurse in Indien und Pakistan

1949

Dritter Internationaler Montessori-Kongress in Amsterdam, ursprünglich in Berlin geplant, in Deutschland werden Bücher von Maria Montessori verbrannt

 ominierung für den Friedensnobelpreis, erneut 1950 und N 1951; Ehrung durch die Sorbonne (Paris) mit dem Kreuz  der Ehrenlegion

1950

 ortragsreise durch Norwegen und Schweden;  V Professur an der Universität Perugia

1951

 eunter Internationaler Kongress in London und der letzte  N von 38 internationalen Ausbildungskursen in Innsbruck

1952

P läne für eine Reise nach Ghana;  Tod am 6. Mai in Nordwijk aan Zee, Niederlande

1933

1934

1

 aria Montessori weigert sich Botschafterin der Kinder für das M faschistische Regime zu sein, sie sagt sich von Mussolini los; sie zieht zurück nach Barcelona, dann nach England und in  die Niederlande

 aria Montessori: Frieden und Erziehung. Die Bedeutung der Erziehung für die Verwirklichung des Friedens, M herausgegeben und eingeleitet von Paul Oswald und Günter Schulz-Benesch, Freiburg, 1973, S. 4

21


„Hilf mir, es selbst zu tun“ Die Pädagogik Maria Montessoris

„Das Kind ist nicht ein Gefäß, das wir mit unserem Wissen angefüllt haben und das uns so alles verdankt. Nein, das Kind ist der Baumeister des Menschen, und es gibt niemanden, der nicht von dem Kind, das er selbst einmal war, gebildet wurde.“ maria Montessori1

Kosmische Theorie Geprägt durch ihr christliches Weltbild waren für Maria Montessori Vertrauen, Liebe und Achtung gegenüber jedem Kind unabdingbare Voraussetzungen für pädagogisches Handeln. Auf diesen Werten gründet sich bis heute unser Respekt gegenüber der „Schöpfung“, d.h. der unverletzbaren Würde des Menschen und seines Eingebundenseins in Natur und Gesellschaft. Die Forderung nach Nachhaltigkeit ist dabei aktueller denn je. Im Rahmen der „Kosmischen

Theorie“ erfährt sich das Kind als akzeptierter Teil der Schöpfung und erkennt, dass es wertvoller Teil eines Ganzen ist, den es genau deshalb auch zu schützen gilt. So entwickeln die Kinder ein Bewusstsein für ihre Stellung und ihre Verantwortung in der Welt.

Friedenserziehung Durch ihre Pädagogik wollte Maria Montessori dem Frieden in dieser Welt zumindest näher kommen. Ihrer Überzeugung nach kann dies nur gelingen, wenn von Beginn an ein friedliches Miteinander zwischen Erwachsenen und Kindern praktiziert wird. Ganz aktuell in der pädagogischen Diskussion unserer Tage ist dabei ihre Überzeugung, dass Erwachsene das Kind im Sinne dieser Friedenserziehung keinesfalls alles tun lassen dürfen, um Konflikte in der Erziehung zu vermeiden. Ganz im Gegenteil muss der Erwachsene ein verlässlicher Partner sein, um mit klaren Strukturen dem Kind zur Unabhängigkeit zu verhelfen. Die Kinder erkennen so die Bedeutung von Ordnung und lernen, Verantwortung für den Erhalt dieser Ordnung und den Frieden in dieser Welt zu übernehmen. Innerer Bauplan Der „Innere Bauplan“ ist ein Schlüsselbegriff in der Pädagogik Maria Montessoris. Sie war überzeugt, dass die Entwicklung des Kindes weitgehend durch diesen bereits beim Neugeborenen angelegten Bauplan bestimmt wird. Das Kind kann sein inneres Potential allerdings nur dann nutzen, wenn es um sich eine


Polarisation der Aufmerksamkeit Die Entdeckung des Phänomens der „Polarisation der Aufmerksamkeit“ schilderte Montessori selbst als den Kern ihrer Pädagogik. Bei der Beobachtung eines dreijährigen Mädchens, das eine Übung mit Einsatzzylindern endlos oft wiederholte und sich durch nichts in ihrer Umgebung davon ablenken ließ, erkannte sie, dass schon kleine Kinder zu intensiver Hingabe an eine bestimmte Sache fähig sind. Diese Fähigkeit der tiefen Konzentration während der Beschäftigung mit einem selbst gewählten Gegenstand bedeutet nach Montessoris Auffassung die Voraussetzung für gelingende Lernprozesse und die Aneignung von Bildung. „Das ist wohl der Schlüssel der ganzen Pädagogik: diese kostbaren Augenblicke der Konzentration zu erkennen, um sie beim Unterricht in Lesen, Schreiben, Rechnen, später in Grammatik, Mathematik und Fremdsprachen auszunützen.“ (Maria Montessori, Das Kind in der Familie, Stuttgart 1954, S. 59)

Umgebung und Erwachsene hat, die seine jeweils unterschiedlichen Bedürfnisse wahrnehmen können. Gelingt dies, kann das Kind zum „Baumeister seiner selbst“ werden.

Absorbierender Geist Maria Montessoris Gedanken gehen aber noch weiter: in den ersten drei Lebensjahren bestimmt ihrer Überzeugung nach neben dem Inneren Bauplan der „Absorbierende Geist“ die Entwicklung des Kindes. Sie beschreibt damit das völlig unbewusste, quasi beiläufige Lernen kleiner Kinder und bezeichnet diese Phase als die „unbewusste Zeit des Absorbierens“. Kinder nehmen alle Anregungen und Impulse aus ihrem Lebensumfeld auf – so verläuft die Sprachentwicklung, das „Lernen“ der Muttersprache in dieser Lebensphase mühelos und ohne bewusste Willensanstrengung.

1

Maria Montessori: Das kreative Kind, Freiburg, 1989, S. 13

Sensible Phasen Während seiner Entwicklung durchläuft jedes Kind so genannte „Sensible Phasen“. In solchen Entwicklungsmomenten ist es in besonderer Weise empfänglich für bestimmte Anreize aus der Umwelt, zum Beispiel im Zusammenhang mit Bewegung, Sprache oder sozialen Aspekten. Findet das Kind während einer sensiblen Phase eine Beschäftigung, die genau seine Bedürfnisse anspricht, ist es zu jener tiefen Konzentration fähig, die als Polarisation der Aufmerksamkeit bezeichnet wird. Es gibt Sensible Phasen beispielsweise für das Krabbeln, das Laufen lernen, für den Spracherwerb, wenn dem Kind dann vom Erwachsenen die Gelegenheit dazu geboten wird, kann es sich spielend leicht die betreffende Fertigkeit aneignen. Inklusion Inklusion ist das zentrale Anliegen der Montessori-Pädagogik für Kinderhäuser und Schulen. Kinder und Jugendliche verschiedener Alterstufen, Begabungen und Temperamente lernen hier miteinander. Dieses Prinzip der Heterogenität gilt nicht nur für die

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Schwachen sich stärken, ist der Gleiche wie der, auf dem die Starken sich vervollkommnen“ (Maria Montessori, Schule des Kindes, Freiburg, 1989, S. 166). Jedes Kind entdeckt sich so mit seinen eigenen Stärken und Schwächen, gestaltet seinen indi-viduellen Lernprozess gemäß dem eigenen Lern- und Entwicklungstempo. Hier werden Kinder und Jugendliche nicht nach Leistungsstand und Begabung selektiert. Unbelastet von der Erfahrung einer Zuteilung zu verschiedenen Schularten gelingt die Identitätsentwicklung der Kinder und Jugendlichen oft besser, ein positives Selbstbild kann entstehen.

altersgemischte Zusammensetzung der Lerngruppen, sondern auch hinsichtlich der geistigen und körperlichen Leistungsfähigkeit der Kinder und Jugendlichen. „Der Weg, auf dem die

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Quellen: Ingeborg Waldschmidt: Maria Montessori – Leben und Werk, München, 2001; Paul Oswald, Günter Schulz-Benesch, Grundgedanken der Montessori-Pädagogik, 21. Auflage, Freiburg, 2008; Montessori Landesverband Bayern e. V. (Hrsg.): Gemeinsames Schulkonzept der Schulen im Montessori Landesverband Bayern e. V., 4. Auflage, München, 2009; Wassilios E. Fthenakis, Martin R. Textor (Hrsg.): Pädagogische Ansätze im Kindergarten, Weinheim, Basel, 2000, S. 30-41

Qualität wächst langsam. In unserer 80-jährigen Firmengeschichte hat ein Aspekt immer eine wesentliche Hauptrolle gespielt: die Qualität unserer Produkte. Die Kombination von Qualität und pädagogischem Wert sorgen für ein Sortiment von MontessoriMaterialien, das bis zum heutigen Tage noch immer unvergleichlich ist. Dank unserer Produktentwicklung können wir bei Nienhuis dieses Sortiment ständig erweitern. Die neuen, hochwertigen Produkte sprechen die Kinder auf natürliche Weise an und tragen zu einer verantwortungsvollen Entwicklung des Kindes als Individuum bei. So mit Qualität ist nicht nur die technische Ausführung und Ästhetik gemeint, sondern sicher auch die Inhalt. Für diese Qualität haben die Natur und Nienhuis sich Zeit genommen. Sehen Sie unser Programm an www.nienhuis.com.

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Vom Wunsch zur Wirklichkeit Montessori-Pädagogik in der Praxis

„ Die Vorbereitung der Umgebung und die Vorbereitung des Lehrers sind das praktische Fundament der Erziehung.“ maria Montessori1

Das Prinzip der Altersmischung Durch das Miteinander verschiedener Altersstufen in einer Klassengemeinschaft entsteht ein soziales Umfeld, in dem die Kinder ganz selbstverständlich lernen, sich gegenseitig zu unterstützen. In der Kooperation mit anderen erfahren sie ihren Wert auf vielfältige Art und Weise: so kann der Kleine vom Großen genauso lernen wie der Große vom Kleinen. Jedes Kind tritt in seiner Einmaligkeit viel deutlicher hervor als in einer altershomogenen Klasse. In der schulpraktischen Umsetzung haben sich diese Lerngruppen bewährt: • Klasse 1 bis 3 oder 1 bis 4 • Klasse 4 bis 6 oder 5 bis 7 • Klasse 7 bis 9 bzw. 10 oder 8 bis 10

Die Vorbereitete Umgebung und die Aufgabe der Pädagogen Das kindliche Lernumfeld wird geprägt durch die „Vorbereitete Umgebung“. Eine der Hauptaufgaben der Pädagogen besteht in der Gestaltung des Klassenzimmers als eines Lebens-, Lernund Entwicklungsraumes, der den Bedürfnissen der Kinder

1

angepasst ist. So wird der Raum zum äußeren Rahmen, der es dem Kind ermöglicht, selbstständig und weitgehend unabhängig vom Erwachsenen zu lernen. Die Vorbereite Umgebung ist geprägt durch • eine helle und freundliche Atmosphäre • eine gezielte Bereitstellung von Montessori-Material und anderen Arbeitsmaterialien, die frei zugänglich und übersichtlich geordnet angeboten werden • die Schaffung verschiedener Arbeitsbereiche innerhalb des Lernraumes • die Möglichkeit der Kinder, sich innerhalb dieses Bereiches frei bewegen zu können

Das Montessori-Material Maria Montessori war überzeugt davon, dass der Zugang zum kindlichen Denken nicht auf abstraktem Wege, sondern grundsätzlich über die Sinne des Kindes erfolgen muss. Greifen und Begreifen sind für sie im Lernprozess untrennbar miteinander

Paul Oswald und Günter Schulz-Benesch: Grundgedanken der Montessori-Pädagogik, Freiburg, 1990

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WIR BAUEN

FÜR MENSCHEN

verbunden. Im Laufe ihres Lebens hat sie viele Arbeitsmaterialien entwickelt, mit denen ihre pädagogischen Grundsätze auch ganz konkret „in die Tat“ umgesetzt werden können. Dieses Montessori-Material teilt sich in verschiedene Material-Gruppen: Sinnesmaterial, Mathematikmaterial, Übungen des Praktischen Lebens, Sprachmaterial und Material zur Kosmischen Erziehung.

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Die Lernmaterialien werden meist in der Freiarbeit angeboten – die Kinder wählen sich das Material, mit dem sie arbeiten möchten, selbst aus und können sich in den meisten Fällen auch selbst kontrollieren. So erfahren sie aktiv ihre Fähigkeiten und auch ihre Grenzen. Die Materialien sind deshalb für Maria Montessori der „Schlüssel zur Welt“.

Freiarbeit In der „Freiarbeit“ können Kinder selbst wählen, mit welchen Themen und Materialien sie sich beschäftigen wollen und was sie lernen möchten. Konkret heißt das, jedes Kind lernt interessengeleitet, in seinem individuellen Lern- und Arbeitstempo und in frei gewählter Sozialform (Einzel-, Partner- oder Gruppenarbeit). Im Gegenzug ist jede Schülerin, jeder Schüler selbst verantwortlich für die Dokumentation der geleisteten Arbeit.


Dem Pädagogen kommt dabei die wesentliche Rolle des Lernberaters und Lernbegleiters zu. Er beobachtet und dokumentiert die Arbeit der Schüler, begleitet ihre Entwicklungsprozesse und unterstützt jedes Kind gemäß dem Grundsatz „Hilf mir, es selbst zu tun“. Dabei vertraut er auf den Inneren Bauplan, die Kompetenz des Kindes, sein eigener „Baumeister“ zu sein. Darüber hinaus haben die Pädagogen die Aufgabe, einen sicheren Rahmen für die Lerngruppe zu schaffen, denn „die Freiheit muss aufgebaut werden“ (Maria Montessori). Dazu dienen die Strukturierung des Tagesablaufes, Transparenz der Regeln und das Setzen klarer Grenzen.

Projektarbeit Zur Ergänzung der Lerninhalte können die Kinder in der Projektarbeit täglich oder mehrmals wöchentlich über einen längeren Zeitraum hinweg ein selbst gewähltes Thema vertieft bearbeiten. Sie lernen Informationen zu sammeln und einzuordnen, ihr Wissen zu bewerten und darzustellen. Projektarbeit ist deshalb eine wichtige Basis für fächerübergreifendes und vernetztes Lernen und schult die Ausdrucksfähigkeit der Kinder. Fachunterricht an Montessori-Schulen Viele Lerninhalte, die an staatlichen Schulen im Fachunterricht behandelt werden, erarbeiten sich die Schülerinnen und Schüler an Montessori-Schulen eigenständig während der Freiarbeit und selbst gewählten Angeboten in Themen aus den Bereichen: • Fremdsprachen • Religion / Ethik • Handarbeit / Textiles Gestalten / Werken • Bewegung / Sport • Musik • Kunst • Theater

Die regelmäßigen Schülerpräsentationen tragen dazu bei, dass sich die Schülerinnen und Schüler, ausgehend von ihrem persönlichen Interesse in Fachthemen vertiefen und ihre Begeisterung und ihr Wissen mit den Mitschülerinnen und Mitschülern teilen. Auch hier wird auf die Grundlagen der Montessori-Pädagogik geachtet, um dadurch die Entwicklung der emotionalen Kräfte, die Entfaltung der schöpferischen Fähigkeiten und des sozialen, ganzheitlichen Lernens zu ermöglichen.

Kosmische Erziehung Die „Kosmische Erziehung“ ist eines der Grundprinzipien in der Montessori-Pädagogik. Maria Montessori war überzeugt, dass Lernen nicht bedeuten darf, dem Kind zusammenhanglos Wissen aus verschiedenen Lernbereichen zu vermitteln, sondern es von Anfang an den großen Zusammenhang und die Gesetzmäßigkeiten einer Ordnung innerhalb des „Kosmos“ erfahren zu lassen. „Kosmos“, das bedeutet für Montessori nicht nur das Wissen um die Gesetzmäßigkeiten in der Natur, sondern auch das Bewusstwerden der Wechselbeziehungen von Mensch und Natur wie auch der Menschen untereinander. In der Kosmischen Erziehung geht es deshalb vor allem darum, die Kinder dabei zu unterstützen, ihren Platz im „Großen Ganzen“, d.h. in der Welt zu finden. Weiß das Kind um seinen

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eigenen „Standpunkt“ in der Welt, wird ihm auch die Verantwortung, die es durch sein Handeln in dieser Welt hat, bewusst. Kosmische Erziehung soll sich dabei nicht auf kognitive Zielsetzungen beschränken. Wichtig ist Montessori die Aufgabe, „jenes menschliche Verstehen und jene Solidarität zu entwickeln, die heute so sehr fehlen“ (Maria Montessori, Kosmische Erziehung, Kleine Schriften 1, Freiburg 1988, S. 93f.). Damit greift sie ein pädagogisches Ziel auf, das heute als Teil einer Werteerziehung von allen Schulen eingefordert wird.

Elternarbeit als wesentlicher Teil der Pädagogik Die offene, von gegenseitigem Vertrauen geprägte Zusammenarbeit von Lehrern, Eltern und Schülern ermöglicht den Kindern erfolgreiches Lernen und unterstützt sie in ihrer Persönlichkeitsentwicklung. In regelmäßigen Einzelgesprächen werden gemeinsam Entwicklungsstand, Hilfestellungen und Fördermaßnahmen besprochen. Darüber hinaus können sich Eltern an der Gestaltung von Lernfeldern beteiligen, mit eigenen Beiträgen und Angeboten das Wissen und Können der Kinder erweitern. Durch ihre Unterstützung bei der Projektarbeit und dem Erstellen neuer Arbeits-Materialien gestalten sie aktiv die Lernprozesse ihrer Kinder mit. Selbstorganisiertes Lernen zu Hause Verpflichtende Hausaufgaben sind nicht Teil des pädagogischen Konzeptes: die Kinder erfahren sich auch in der häuslichen Arbeit als eigenverantwortlich für ihren Lernprozess. Sie befassen sich mit selbst gewählten Aufgabenstellungen, die in der Schule

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begonnen und zu Hause fortgeführt werden können. Gleiches geht natürlich auch umgekehrt: Projekte, die in häuslicher Umgebung begonnen werden, können in die Schule „mitgebracht“ und dort weiter bearbeitet werden. Nicht die Menge an Aufgaben ist das, was uns alle weiterbringt, sondern die Freude an der Arbeit.

IzEL: Informationen zum Entwicklungs- und Lernprozess Zeugnisse mit Noten gibt es nicht, stattdessen erfahren Schüler wie Eltern eine ausführliche Rückmeldung zum individuellen Entwicklungs- und Lernprozess, kurz IzEL genannt. In dieser Dokumentation sind Beobachtungen zur Persönlichkeitsentwicklung, zum Sozial- und Arbeitsverhalten und zum Lernfortschritt festgehalten. Sie sind sowohl in Form von pädagogischen Wortgutachten als auch in einer kategorisierten Dokumentationsform abgefasst. Grundlage hierfür ist die genaue Beobachtung des individuellen Lernprozesses durch den Pädagogen und die feste Überzeugung, dass Leistungsmessung individuell erfolgen und deshalb auch mehr als nur „Zensuren“ umfassen muss. Zunächst schätzen sich die Schüler und Schülerinnen selbst ein; nachdem auch die Pädagogen ihre Einschätzung vorgenommen haben, findet ein Gespräch zwischen Pädagogen und Schüler statt, um sich auf eine gemeinsame Einschätzung zu einigen.

Quellen: Montessori Landesverband Bayern e. V. (Hrsg.): Gemeinsames Schulkonzept der Schulen im Montessori Landesverband Bayern e. V., 4. Auflage, München, 2009 Ingeborg und Jürgen Müller-Hohagen: Montessori - das Richtige für meine Kind?, München, 2008; Paul Oswald und Günter Schulz-Benesch: Grundgedanken der Montessori Pädagogik, 21. Auflage, Freiburg, 2008; Montessori-Schule Passau: Pädagogisches Konzept


Eine Schule für alle Der Montessori-Bildungsweg vom Kinderhaus bis zur allgemeinen Hochschulreife

Montessori-Fachoberschule (MOS) Klasse 13 Abschlüsse: gebundene Hochschulreife  oder allgemeine Hochschulreife  (mit 2. Fremdsprache)

Berufsoberschule (BOS)

Montessori-Fachoberschule (MOS)

mind. 2-jährige Lehre mit Berufsschule

Klasse 11 und 12 Abschluss: Allgemeine Fachhochschulreife

Abschluss:  Allgemeine Hochschulreife

Nach der 9. Klasse

Montessori-Gymnasium Abschluss:  allgemeine Hochschulreife

Montessor-Oberstufe Jahrgangsmischung 7 bis 9 / 10 oder 8 bis 9 / 10 Abschlüsse nach der 9. Klasse: Hauptschulabschluss oder erfolgreicher  Hauptschulabschluss oder qualifizierender Hauptschulabschluss Abschluss nach der 10. Klasse: Mittlerer Bildungsabschluss

„Einzelheiten lehren bedeutet Verwirrung stiften. Die Beziehung unter den Dingen herstellen bedeutet Erkenntnisse vermitteln.“ Maria Montessori1

Montessori-Mittelstufe Jahrgangsmischung 4 bis 6 oder 5 bis 7

Montessori-Grundstufe Jahrgangsmischung 1 bis 3 oder 1 bis 4

Montessori Bildungswege S taatliche Bildungswege nach der 9. Klasse

Montessori-Kinderhaus mit Krippe

Quereinstiegs- und Querausstiegs-

Über weitere Bildungswege sowie möglichkeiten reden Sie bitte mit der Montessori-Schule Ihrer Wahl.

Alle Abschlüsse müssen in einer externen Prüfung an einer staatlichen, dazu berechtigten Schule abgelegt werden.

1

Maria Montessori: Kosmische Erziehung. Herder, 1988, S. 126

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Gemeinsam sind wir stark Das 5-Säulen-Prinzip der Montessori-Einrichtungen

„Die Freude, das Selbstwertgefühl, sich von anderen anerkannt und geliebt zu wissen, sich nützlich und fähig zu fühlen, das sind die Faktoren von ungeheuerer Bedeutung für die menschliche Seele. Schließlich bilden das Selbstwertgefühl und die Möglichkeit, an einer sozialen Organisation teilzuhaben, lebendige Kräfte. Und das gewinnt man nicht, indem man nur Lektionen auswendig lernt oder Probleme löst, die nichts mit dem praktischen Leben zu tun haben. Das Leben muss zum zentralen Punkt werden und die Bildung zum Mittel.“ maria Montessori1

Die Organisationsform Ihre Ursprünge haben die meisten bayerischen MontessoriEinrichtungen im Engagement von Eltern und Pädagogen, die in gemeinsamer Initiative Kinderhäuser und Schulen gründeten. Die überwiegende Organisationsform dieser Einrichtungen ist demzufolge der gemeinnützige Trägerverein. Dies bedeutet, dass die Verantwortung für die Einrichtungen im Wesentlichen getragen wird von • einem ehrenamtlichen Vorstand • einer angestellten Kinderhaus- bzw. Schulleitung • einer angestellten oder ehrenamtlichen Geschäftsführung Durch ihr freiwilliges Engagement und getragen von der Bevollmächtigung durch die Mitgliederversammlung, übernehmen diese drei in unterschiedlicher Verantwortung viele Aufgaben in den verschiedensten Bereichen.

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1

Maria Montessori: Kosmische Erziehung. Herder, 1988, S. 144


Das 5-Säulen-Prinzip

Schulleitung

Geschäftsführung

Verwaltung

ELTERN

Schülerrat

päd. Team

Elternbeirat

schüler

Vorstand

VEREIN

Montessori-Einrichtungen

Montessori-Pädagogik in der Praxis

Doch sie sind nicht allein! Montessori-Einrichtungen vertreten das Grundprinzip der geteilten Verantwortung als Basis effizienter Vereinsarbeit. Dafür müssen Zuständigkeiten, Kompetenzen und Arbeitsweisen klar strukturiert und für alle Beteiligten transparent gemacht werden. Der strukturelle Rahmen dafür ist das 5-Säulen-Prinzip, das die Stabilität einer voll ausgebauten MontessoriEinrichtung im Wesentlichen prägt: 1. Verein 2. Eltern 3. Schüler 4. Pädagogisches Team 5. Verwaltung

Zusammen tragen sie die Verantwortung, jede Säule auf ihre eigene Weise. Verbunden durch das Engagement für ein gemeinsames Ziel – eine lebendige Erfahrungs-, Lern- und Arbeitswelt zu schaffen – sind diese Säulen die Basis jeder Einrichtung. So ist alles, was entsteht, durch geteilte Anstrengung entstanden – eine gemeinsame Leistung, die alle Beteiligten zu Recht stolz machen darf!

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Wir bleiben nicht gut, wenn wir nicht immer besser werden wollen Qualitätsmanagement in Montessori-Einrichtungen

„Die besten Methoden sind diejenigen, die beim Schüler ein Maximum an Interesse hervorrufen, die ihm die Möglichkeit geben, selbst seine Erfahrungen zu machen und die erlauben, die Studien mit dem praktischen Leben abzuwechseln.“

Das Montessori-Qualitätsmanagement Um hohe Ansprüche zu verwirklichen, bedarf es großer gemeinsamer Anstrengung. Ein wesentlicher Punkt der Arbeit des Montessori Landesverbands Bayern e.V. ist deshalb die Qualitätssicherung und -entwicklung seiner Einrichtungen. Verbindliche Grundlage dafür sind die vom Montessori Landesverband Bayern e. V. entwickelten Konzepte für Kinderhäuser und Schulen sowie die klar definierten Qualitätsstandards und -ziele. Montessori-Einrichtungen haben den Anspruch • sich selbst zu steuern • sich selbst zu gestalten • sich selbst zu reflektieren

Maria Montessori1

„Wir werden in der Öffentlichkeit häufig in der Grauzone zwischen Volks- und Förderschule angesiedelt. Aber eine Förderschule sind wir eindeutig nicht. Im Gegenteil: Unsere Arbeitsweisen und die Montessori-Methode sind in Bezug auf selbstgesteuertes Lernen überaus anspruchsvoll.“

Qualität bedeutet für uns, das zu halten, was man sich vornimmt oder verspricht. Systematisches Qualitätsmanagement zeigt auf, wie sich Entwicklungsprozesse gestalten, an welchen Punkten Erfolge erzielt wurden, wo Schwachstellen liegen. Neben klaren Zieldefinitionen ist deshalb die kontinuierliche Evaluation der Montessori-Einrichtungen ein wichtiges Instrument für die qualitative Weiterentwicklung.

Leonard Heffels ehem. Vorstand Montessori Landesverband Bayern e.V.

1

Maria Montessori: Kosmische Erziehung. Herder, 1988, S. 126


Reden wir über Geld Die Finanzierung der Montessori-Einrichtungen

„Die Schule als eine Einrichtung der Wissensvermittlung zu betrachten, ist ein Standpunkt; ein anderer besteht darin, die Schule als eine Vorbereitung für das Leben aufzufassen. In letzterem Fall muss die Schule alle Lebensbedürfnisse befriedigen.“ Maria Montessori1

den Gesamtkosten sind sehr unterschiedlich, bewegen sich aber in der Regel im Bereich 60 % Zuschüsse, 40 % Elternbeiträge.

Montessori-Kindertageseinrichtungen Für Kinderhäuser, Krippen und Horte ist die Finanzierung im Bayerischen Kinderbildungs- und -betreuungsgesetz (BayKiBiG) geregelt. Die öffentlichen Zuschüsse hängen ab von: • Kinderzahl • Dauer der Anwesenheit (Buchungszeit) • Alter (unter 3 Jahre, 3 bis 6 Jahre oder Schulkinder) • Besondere Situationen (Deutsch ist nicht Muttersprache, besonderer Förderbedarf) • Einhaltung des vorgeschriebenen Personalschlüssels

Montessori-Volksschulen Die bayerischen Montessori-Schulen sind staatlich genehmigte Ersatzschulen in freier Trägerschaft. Eine Schule in freier Trägerschaft finanziert sich durch: • staatliche Zuschüsse • monatliches Schulgeld • Darlehen • Spenden und Sponsoren • ehrenamtliche Tätigkeiten der Eltern

Der Differenzbetrag zu den tatsächlichen Kosten wird über die Elternbeiträge aufgebracht, teilweise gibt es auch Defizitvereinbarungen für Kinderhäuser und Krippen mit den entsprechenden Gemeinden. Die Anteile der Zuschüsse und Elternbeiträge an

Die Regierungen als Sachaufwandsträger unterstützen den Schulbetrieb mit staatlichen Zuschüssen: Bei den MontessoriVolksschulen wird in den ersten zwei Jahren eine pauschalierte Lehrkraft pro Lerngruppe zu 75 % und ab dem dritten Jahr zu

1

Maria Montessori: Kosmische Erziehung. Herder, 1988, S. 130

33


100 % finanziert. Für Sachkosten und die Schülerbeförderung werden ab dem dritten Betriebsjahr staatliche Zuschüsse ausbezahlt, 80 % der vom Staat als notwendig anerkannten Kosten. Die zusätzlichen Leistungen, die die Montessori-Pädagogik ausmachen (pädagogische Zweitkraft in jeder Lerngruppe, Angestellte in der Verwaltung, Geschäftsführung, zusätzliche Lernangebote, Montessori-Material) müssen von den Schulen finanziert werden. Hier leisten die Eltern mit ihrem Schulgeld einen wesentlichen Beitrag. In der Gesamtfinanzierung decken die staatlichen Zuschüsse nur rund 65 % der Gesamtkosten einer Montessori-Volksschule.

Montessori-Fachoberschulen Für die Montessori-Fachoberschulen, die nach dem mittleren Schulabschluss an den Montessori-Volksschulen den MontessoriWeg bis zur Hochschulreife weiter führen, sehen die staatlichen Zuschüsse anders aus. Die ersten drei Betriebsjahre müssen aus

Eigenmitteln und über Bankkredite finanziert werden. Ab dem 4. Betriebsjahr erhalten die Montessori-Fachoberschulen von den Regierungen 65 % des Betriebskostenzuschusses für private, staatlich genehmigte berufliche Schulen. Nach zwei erfolgreichen Abschlussprüfungen wird in Folge dieser Betriebskostenzuschuss zu 100 % ausgezahlt.

Montessori-Gymnasien Noch schwieriger ist die Situation bei Montessori-Gymnasien, denn hier müssen die ersten sechs Betriebsjahre – dies soll auf vier Jahre verkürzt werden – vollständig aus Eigenmitteln  finanziert werden, danach gelten dieselben Bedingungen wie für die Montessori-Fachoberschulen. Für Fachoberschulen und Gymnasien liegt die staatliche Förderung auch nach Erreichen von 100 % Betriebskostenzuschuss bei rund 50 % des Gesamtaufwands.

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„Wenn wir damals nicht ein Bußgeld mit 40.000 DM bekommen hätten und wenn nicht meine Familie zugestimmt hätte, unser Haus als Sicherheit der Bank zu verpfänden, wäre die neue Schule schon bald in Konkurs gegangen.“ Dieter Lücker ehem. Vorstandsvorsitzender Montessori-München e.V.

„Ich erinnere mich an das Wohlwollen, den Zuspruch, die Kraft, die ich auf dieser Tagung erlebte und ich nahm eine Menge Anregungen mit nach Hause und das Gefühl „Wir schaffen es“. Uta Winkler ehem. Vorstand Montessori Fördergemeinschaft Eggenfelden e.V.

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Seit der Gründung des Montessori Landesverband Bayern sind Claus-Dieter und Jürgen Kaul (vormals Stahl´s DTP Services) dabei, interessante Materialien für die Freiarbeit zu entwickeln und zu produzieren vor allem für den Bereich „Kosmische Erziehung“. Materialien für alle Themenbereiche werden immer wieder auf den neuesten Stand gebracht. Dies war auch ein Grund dafür, dass Firma Nienhuis eine intensive Zusammenarbeit mit uns aufgebaut hat. So können Sie ab sofort die neu überarbeiteten Materialbücher zur Mathematik und demnächst auch zur Kosmischen Erziehung, die von Nienhuis produziert werden, bei der MoKa Verlags KG bestellen. Selbstverständlich stehen wir Ihnen für eine sachkundige Beratung bei allen Materialfragen zur Verfügung. Claus-Dieter und Jürgen Kaul 1. 35

35


Stimmen .... „Es war uns von Anfang an ein großes

„... schon damals erlebte ich unter den

„ Inzwischen sind die Montessori-Kinder

Anliegen, die Montessoriidee in ganz

Teilnehmern das weite Feld einerseits von

noch jünger geworden und wir alle sind

Bayern immer mehr zu verbreiten und

den nachdrücklich fordernden Praktikern in

mehr denn je gefragt hinzuschauen,

vielen Elterninitiativen mit Rat und Tat

ihrem ungesicherten Schulalltag bis anderer-

was die Bedürfnisse der Kleinsten sind,

zur Seite zu stehen. Ein Schwerpunkt lag

seits zu den wenigen, großen Visionären,

um ihnen zu ermöglichen, sich selbst

auf der Integrationsidee, die damals in

denen wir das Leben und die Strahlkraft der

bestmöglich aufzubauen.“

Bayern noch sehr zu wünschen übrig ließ.“

Montessori-Bewegung danken.“

Claus-Dieter Kaul

Max Strack

Leiter des Instituts für ganzheitliches Lernen,

ehem. Vorstandsvorsitzender Montessori-

Tegernsee

Trägerverein e.V. Dietramszell

Anna Hauser Vorstand Montessori Landesverband Bayern e.V.

„So wunderbar die Aufbruchstimmung „Aufbruch und Zusammenhalt – gemeinsa-

„Was mich an der Montessori-Pädagogik

mes Streben – was bewegen Miteinander

begeistert ist die Chance, eigentlich die

wachsen: wie gelingt das gut? Das Fragen,

Notwendigkeit, für die Erwachsenen/

die Wurzeln nicht vergessen, den Stamm

Pädagogen, ihre Persönlichkeit zu ent-

und seine Äste. Sich selbst bewegen:

wickeln.“

aufeinander zu – in die Welt hinein – über das Bestehende hinaus, Mut tut gut! Immer ist es nie zu spät und Jetzt und

auch war, diese Periode der letzten zehn Jahre war auch mit einigem, manchmal zähem und sehr anstrengendem Ringen um Lösungen verbunden.“ Christa Kaminski ehem. Schulleiterin Montessori-Schule Dietramszell

Brigitta Berger-Thüre

und Vorstand Montessori Landesverband Bayern e. V.

Vorstand Montessori Landesverband Bayern e. V.

Hier und Heute gerade richtig wichtig: NEUE SCHULEN BRAUCHT DAS LAND,

„Meine Vision ist und bleibt es , die pädagogischen Grundgedanken von Maria Montessori

lebendig, kinderwachsnenfroh!“

nicht nur an privaten Montessori-Kindergärten und -Schulen, sondern möglichst vielen

Martin Schuster ehem. Schulleiter Erdkinderschule Eberharting

Kindern und Jugendlichen auch in Regelkindergärten und staatlichen Schulen für ihre Entwicklung zukommen zu lassen.“

und ehem. Vorstand Montessori Landesverband

Edith Klose

Bayern e.V.

ehem. Vorstand Montessori Förderkreis Nürnberg e.V.

„Die Anfangsjahre waren für mich ein Erlebnis der besonderen Art.

„Spätestens zu diesem Zeitpunkt ist mir klar geworden, wie wichtig

Ich hatte mir bis dahin gar nicht vorstellen können, dass man als

der Verband ist für die inhaltliche aber auch politische Arbeit –

Eltern eine eigene Schule gründen könnte. […] Ich freue mich

und wie wenig eine Montessori-Einrichtung für sich allein bewirken

persönlich sehr darüber, dass unsere Einrichtung in vielfältiger Weise

kann. […] „Freiheit und Bindung“– das Thema ist sicher program-

die Impulse, die sie vom Landesverband entgegennehmen konnte,

matisch für die Arbeit im Montessori Landesverband.“

auch wieder in die bayerische Montessori-Landschaft zurück gibt.“

36

Ingeborg Müller-Hohagen

Marga Feistle

ehem. Schulleiterin Montessori-Schule Wertingen und Vorstand Montessori

ehem. Vorstand Montessori Landesverband Bayern e.V.

Landesverband Bayern e.V.


Wir haben ein Ziel Zur Geschichte des Montessori Landesverbands Bayern e. V.

„Der wahre Friede bedeutet Sieg der Gerechtigkeit und der Liebe unter den Menschen. Bedeutet eine bessere Welt, in der Harmonie herrscht.“

• Informationsaustausch unter bestehenden und neuen Initiativen für Montessori-Schulen und -Kinderhäuser • Betreuung von Gründungsinitiativen • Bündelung von Interessen zur Stärkung gegenüber der Schulaufsicht und den Regierungen 1985 verbanden sich deshalb die Träger von neun MontessoriEinrichtungen. Heute sind rund 80 Schulen und 80 Kinderhäuser Mitglied im Landesverband.

Maria Montessori1

Der Montessori Landesverband Bayern e.V. (MLVB) Den gemeinsamen Weg aller Montessori-Einrichtungen bestimmt ein Ziel: Bildungseinrichtungen zu schaffen, in denen Kinder aktiv, selbständig und mit Freude lernen können. Um die individuellen Anstrengungen effizienter zu bündeln, wurde bereits 1985 der MLVB mit folgenden Zielen gegründet: • Weitergabe von Know-how

1

Der Austausch und die Zusammenarbeit der verschiedenen Einrichtungen finden in den zahlreichen regionalen und bayernweiten Arbeitskreisen und bei den halbjährlichen Landesverbandstreffen statt. In den letzten Jahren wurden viele Erfolge errungen. Dass immer mehr Montessori-Einrichtungen die Bildungslandschaft bereichern, hat auch viel mit der engagierten Arbeit des Landesverbands zu tun. Denn eines der wichtigsten Ziele war es von Beginn an, die Rechte von Schulen und Kinderhäusern in freier Trägerschaft zu stärken, notfalls auch gerichtlich durchzusetzen.

Maria Montessori: Frieden und Erziehung, Freiburg,1973, S. 4

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Die Ergebnisse können sich sehen lassen: 1992 Beschluss des Bundesverfassungsgerichts über eine Stärkung der Freiheit, Schulen in freier Trägerschaft zu gründen 1999 Beschluss des Bundesverwaltungsgerichts mit der Konsequenz, dass Montessori-Schulen in Bayern wieder genehmigt werden müssen 2000 Beschluss des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs, dass Altersmischung finanziert werden muss 2000 erfolgt das Urteil vom Bundesverwaltungsgericht, dass Altersmischung rechtmäßig ist 2001 wird das „Gemeinsame Schulkonzept der Schulen im Montessori Landesverband Bayern“ fertig gestellt 2003 veröffentlicht der MLVB das erste Weiterbildungsprogramm für Pädagogen, Mitarbeiter, Vorstände und Eltern 2003 erfolgt die Verankerung der lernzieldifferenten Integration im BayEUG 2004 Fertigstellung der Informationen zum Entwicklungs- und Lernprozess (IzEL) – anstelle von Notenzeugnissen – damit erfolgt die Anerkennung des Hauptschulabschlusses 2004 wird mit den IzEL (Informationen zum Entwicklungsund Lernprozess) eine gemeinsame Dokumentationsform der Schülerleistungen fertig gestellt 2005 erfolgte die Gründung der Montessori Bildungsakademie (MoBil) für Weiterbildung 2006 wird das „Gemeinsame Konzept für die Kinderhäuser im Montessori Landesverband Bayern“ vorgelegt

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2006 bis 2008 Stärkung des Eltern- und des Kinderrechts mit dem Blick auf die Pädagogische Konzeption der MontessoriKinderhäuser Seit 2008 bietet die Montessori Bildungsakademie Pädagogen vielfältige Möglichkeiten zur weiteren Qualifizierung in Montessori-Pädagogik mit dem „Master in Montessori Education“ als Abschluss für diesen Prozess an. In Kooperation mit der Universität Augsburg, der LMU München und der Universität NürnbergErlangen ermöglicht MoBil Lehramtsstudenten seit 2008 eine umfassende Ausbildung in Montessori-Pädagogik mit dem Diplom in Montessori-Pädagogik als Abschluss.

Und fast schon selbstverständlich … : • Montessori-Schulen dürfen den erfolgreichen Hauptschulabschluss bestätigen • Die Altersmischung an Grund- und Hauptschulen ist erlaubt und wird ohne Nachteile finanziert • Montessori-Schulen können einen Mittlere-Reife-Zug (M-Zug) einrichten und ermöglichen ihren Schülern so den Erwerb des mittleren Schulabschlusses • Montessori-Pädagogen sind Teil der Prüfungskommissionen für den qualifizierenden Hauptschulabschluss („Quali“), den mittleren Schulabschluss und werden eingebunden bei den Prüfungen zum Erwerb von Fachabitur und Abitur


Wir sind viele Die Montessori-Einrichtungen in Bayern Bad Neustadt an der Saale

Hof

• Kronach

Kinderhaus

• Aschaffenburg

Unterfranken

Fachoberschule

Bamberg

Volksschule •

Wunsiedel

Oberfranken

Schweinfurt

Würzburg

Gymnasium

Erlangen

Bad Windsheim

Amberg

Nürnberg

„ Dies alles leisten über 200 Mon-

Waldmünchen

Rothenburg ob der Tauber

Schwabach

Oberpfalz

Mittelfranken

Cham

tessori-Einrichtungen in Bayern, die •Regensburg

Dinkelsbühl

zum größten Teil von engagierten

Eltern initiiert wurden. Ein Teil davon

Kelheim

Eichstätt

zu sein und mich für das Ganze

Nördlingen

einzusetzen, ist mir eine Freude.“

Ingolstadt

e.V. und Vorstand Montessori Dachverband Deutschland e. V.

Dingolfing

Dillingen

Passau

• Landshut

Vorstand Montessori Landesverband Bayern

Deggendorf

Niederbayern

Neuburg a.d. Donau

Günter Matthes

Dinkel- • scherben

Eggenfelden

Augsburg

Bad Füssing

Freising •

• Ulm

Erding

München

Oberbayern

Schwaben

Mühldorf am Inn

Burghausen

Kontakt Montessori Landesverband Bayern e.V. Hirtenstraße 26 80335 München Tel. 0 89 - 54 80 17 30 Fax 0 89 - 54 80 17 333 Mail: info@montessoribayern.de Web: www.montessoribayern.de

Straubing

Landsberg am Lech

Starnberg•

Memmingen

Kaufbeuren

• Weilheim

Bodensee

• Kempten Immenstadt im Allgäu

An vielen Orten in Bayern gibt es eine oder mehrere MontessoriEinrichtungen, die die Qualitätsstandards des Montessori Landesverbands Bayern e. V. als Grundlage für ihre Entwicklung anerkennen.

Rosenheim

Geretsried

Bad Tölz

Bad • Reichenhall

Murnau am Staffelsee • Füssen

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Maria Montessoris Gedanken zu zwei Formen der Gerechtigkeit Ein handschriftlicher Text aus Maria Montessoris Nachlass trägt die Überschrift „La preghiera, das Gebet“ (nach SchulzBenesch 1944/45 in Indien verfasst). Im Rahmen dieser Botschaft von dem „Geheimnis der Kindheit“, in der sie das Kind als „Geschenk Gottes“ achtet, erläutert Montessori zwei unterschiedliche Verständnisse von Gerechtigkeit. Durch die „wirklich geistige Hilfe“ lerne das Kind, dass es selber wachse, nicht einfachhin etwas mehr lerne. Der Dienst an dem Kind soll – so heißt es i n dem Gebet – erfolgen „... gemäß Deinen Gesetzen der Gerechtigkeit“. Die (niedrige) Gerechtigkeit bemerkt Maria Montessori als eine der größten Sorgen auch der gewöhnlichen Lehrerin. Diese Gerechtigkeit verlange eine Gleichbehandlung, akzeptiere keine Bevorzugung, keine privilegierten sozialen Stellungen. Über den Gedanken der Gleichheit im Sinne der Kritik an Privilegien hinaus spricht Montessori von einer idealen Gerechtigkeit, die allen Kräften des menschlichen Geistes hervorzukommen hilft. Danach soll jedem Kind die Gelegenheit gegeben werden, über andere hinauszuragen, ohne damit ein anderes Kind herabzusetzen. Jede Kraft, die sich zeige, müsse die Gelegenheit und die Mittel finden, sich zu entfalten. Im Blick auf das Recht in der Schule heißt es dann:

„So wird in Zukunft das Recht der Menschen vielleicht dies sein, ihr Maximum des Vermögens zu entfalten, und dass die Mittel zur Entwicklung dieses Maximums niemandem ‚verweigert’ werden. Die Schule muss so aufgebaut sein, dass sie nicht nur Sicherheit und manche Annehmlichkeit für das Leben gibt, sondern eine solche Umgebung, die alles enthält, was notwendig ist, dass jedes Individuum seine bestmögliche Vervollkommnung erreichen kann“. Diese höhere Gerechtigkeit soll an den Schulen gelebt werden. Jede Äußerung geistiger Kraft, die von dem Kind ausgehe, müsse dienend aufgenommen werden. Erziehung besteht dann darin, dass Lehrerinnen und Lehrer das Beste tun, um dem Recht des Kindes auf Entfaltung zu genügen, ihm zu helfen bei seinem eigenen Voranschreiten. Als Gerechtigkeit betrachtet Montessori insoweit, jeder menschlichen Kraft die Möglichkeit zu geben, sich zu entwickeln. Der Weg der Gerechtigkeit, dem die Gesellschaft insgesamt folgen solle, sei der der Ermutigung und der der Ermöglichung der besten Entfaltung für jede menschliche Kraft. In der Begeisterung, dem Kind alles zu geben, was für seine Entwicklung notwendig ist, soll die Gerechtigkeit offenbar werden.

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Auf einem niedrigen Niveau besagt die Gerechtigkeit, dass es Gleichheit unter dem Gesetz für alle Menschen gibt: Für den mächtigen und reichen Menschen, für den, der Hungers stirbt. Dieser Gerechtigkeit im Sinne einer abstrakten Gleichheit bzw. eines „Gleichmachens“ widerspricht Maria Montessori, indem sie auf dem höheren Niveau der Erziehung sich für eine Gerechtigkeit geistiger Art ausspricht, die sich darum bemüht, dass jedes Kind den höchsten Grad seiner Möglichkeiten erreicht. Die Gerechtigkeit in einem geistigen Sinn besteht darin, jedem menschlichen Wesen die Hilfe zu geben, die es seine volle geistige Gestalt erreichen lässt. Wer dem Geist in jedem Alter helfe, müsse die Energien unterstützen, die das vollbrächten. Keiner dieser geistigen Schätze, die für die Organisation der zukünftigen Gesellschaft von Bedeutung seien, dürfe verloren gehen. Mit dem Blick auf die Kinder heißt es, sie erbauten ohne Hilfe eine geordnete Gesellschaft, wohingegen die Erwachsenen dazu Polizei, Gefängnisse, Soldaten und Kanonen benötigten. Die Kinder vermöchten, ihre Probleme friedlich zu lösen; sie bewiesen, dass Freiheit und Disziplin zwei Seiten derselben Medaille seien.

„Ich war selbstverständlich immer bereit zu helfen, merkte aber bald, dass es mich überforderte. So fing ich an die einzelnen Vereine zu verknüpfen, damit einer dem anderen weiter half. Nun war eigentlich der Gedanke eines Landesverbandes in Bayern geboren. Frau Ockel und ich

Die Kinder also sollen die Menschheit auf ein höheres geistiges Niveau führen, auch hin auf eine höhere menschliche Gerechtigkeit. Ohne dass eine Quelle angegeben würde, heißt es bei Maria Montessori: „Hilf uns, o Gott, in das Geheimnis des Kindes einzudringen, damit wir es erkennen, lieben und ihm dienen können nach deinen Gesetzen der Gerechtigkeit und indem wir deinem göttlichen Willen folgen!“

fragten Prof. Tschamler, ob er bereit wäre, den Vorsitz in einem solchen Verband zu übernehmen und am 11. Juni 1985 gründeten 10 Vereine in der Montessori-Schule der Aktion Sonnenschein in München, Reutbergerstr. 10, den Montessori-Landesverband Bayern e.V.“ Martina Wachsmuth Gründungsvorstand Montessori Landesverband Bayern e.V.

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Gerechtigkeit ist nach Montessori demnach verbunden mit der Kraft des Kindes, alle Menschen zu vereinen. Damit nimmt sie in ihrem Enthusiasmus für die schöpferischen Möglichkeiten des Kindes auf, dass wahrhaft menschliches Recht jenes ist, das offen


Alltäglich gesprochen: An die Stelle der (vermeintlichen) Messung der konkurrierenden Leistungen durch Ziffernnoten tritt eine „Schule des gegenseitigen Aufhelfens“, ein Gemeinwesen der höheren Gerechtigkeit. Prof. Dr. Köpcke-Duttler Rechtsanwalt und Diplom-Pädagoge, Justitiar des Montessori Landesverbands Bayern e. V. Quellen: Maria Montessori, Dem Leben helfen, Freiburg 1997, S. 69 Maria Montessori, Gott und das Kind, Freiburg 1995, S. 121 Maria Montessori, ebd., S. 122 Maria Montessori, Das kreative Kind. Der absorbierende Geist, 10. Aufl. Freiburg 1994, S. 257 ebd. S. 258 Arthur Kaufmann, Rechtsphilosophie, 2. Aufl. München 1997, S. 193 Lore Anderlik, Miteinander wachsen, lernen, leben, in: Das Kind, Nr. 43, 1. Halbjahr 2008, S. 33; Arnold Köpcke-Duttler, Armin Müller, Martin Schuster (Hrsg.), Maria Montessori und der Friede, Freiburg 2007

ist für den Menschen in seinem konkreten Dasein. Ein Beispiel sei gegeben: Die Gerechtigkeit im Horizont dieses Rechts führt zu dem pädagogischen Grundgedanken, der nicht nur jede Schule, jedes Kinderhaus zu tragen vermag: montessori_210x105_4c_HHL_Hallbergmoos_138x80_4c 22.03.10 09:59 Seite 1 „Nur wer Anderen hilft, wird selber stark.“

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Fünf Dinge über Montessori, die Sie vielleicht noch nicht wissen

Bevor der Name „Kindergarten“ als offizielle Bezeichnung für vorschulische Einrichtungen 1930 eingeführt wurde, hatten Einrichtungen dieser Art verschiedenste Bezeichnungen: Warteschule, Bewahrschule, Aufbewahrungsanstalt, Kleinkinderbewahranstalt, Kleinkinderschule, Kleinkinderpflegeanstalt u.ä. Fröbel selbst nannte seine Einrichtung anfangs „Anstalt zur Pflege des Beschäftigungstriebes der Kinder“, die er später (1840) „Kindergarten“ nannte. Montessori nannte ihre erste vorschulische Einrichtung „Schule im Haus für Kinder von drei bis sechs Jahren“, woraus die abgekürzte Bezeichnung „Kinderhaus“ wurde. Der Buchtitel „Entdeckung des Kindes“ gibt, obwohl von Montessori selbst in einer späteren Ausgabe so gewählt, nicht die ursprüngliche Intention des Werkes (Il metodo della pedagogia scientifica) wieder. Diese besteht nämlich darin, zuverlässige Methoden aufzuzeigen, durch die zum einen gesicherte Erkenntnisse über die geistige und psychologische Entwicklung des Kindes gewonnen und zum anderen Wege zur Förderung dieser

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„Unser Umgang miteinander, geprägt von Maria Montessoris Auftrag respekt- und liebevoll die Unterschiedlichkeit der Menschen anzunehmen, wird auch in Zukunft Menschen motivieren sich gemeinsam auf diesen Weg zu begeben, mit dem Ziel, an der Gestaltung einer menschenwürdigen Gesellschaft mitzuwirken.“ Ursula Kahl ehem. Schulleiterin Montessori- Schule Nürnberg, dann Montessori-Schule Wertingen

Entwicklung beschritten werden können. Was die Erkenntnismethoden betrifft, müssen diese nach Ansicht Montessoris genau, gründlich, wiederholbar und durch Gegenproben überprüfbar sein. Unter ihnen ist die Beobachtung der Königsweg, weil sie der pädagogischen Situation am angemessensten und von den Erzieherinnen leicht anwendbar ist, vorausgesetzt, man hat Übung in ihrer Handhabung. Diese lernt man am besten unter


laborähnlichen Bedingungen am Mikroskop: „Ich würde Mikroskopisten aus den Lehrerinnen machen“, sagt Montessori. Gefordert sind dabei Ausdauer, Exaktheit und Gründlichkeit. Nun ist aber die Methode der Beobachtung nur die eine Seite einer pedagogia scientifica. Die andere ist die, auch für das pädagogische Handeln Methoden zu finden, die geeignet sind, die Entwicklung des Kindes zu fördern. Denn die Pädagogik ist keine reine Tatsachenwissenschaft, die nur feststellt, was ist, sondern eine Handlungswissenschaft, die auch etwas bewirken will. Auch dieses Handeln soll nach Montessori methodisch, d.h. gezielt, begründet und frei von Willkür oder Beliebigkeit sein. Deshalb fordert sie von der Erzieherin klare Ziele (z.B. Selbstständigkeit, Eigenverantwortung, Respekt), entwickelt sie das Material, verlangt sie Freiheit gleichsam als Versuchsbedingung, wie sie sagt, und insistiert auf individualisierendem Unterricht. Was also Montessori letztendlich vorschwebt, ist Handlungsforschung im modernen Sinn, die als Forschung in die Praxis eingreift und die Differenz zwischen Forschern und Praktikern aufhebt. Montessori wünschte, dass die Erzieherinnen und Lehrerinnen vor Beginn jedes Schul- und Kindergartentages gemeinsam und laut folgendes Gebet zur Einstimmung auf ihre Arbeit sprechen: „Hilf mir, o Herr, die Geheimnisse des Kindes zu ergründen, dass wir es erkennen, es lieben und ihm dienen können gemäß deinen Gesetzen der Gerechtigkeit und deinem göttlichen Willen folgend“. Zu jedem dieser Teile hat Montessori eine ausführliche Erläuterung geschrieben. Es handelt sich dabei um ein zugleich geistiges und praktisches Programm, das als Memorandum an die grundlegende Einstellung und die Bedeutung der Aufgaben der Erzieher und Lehrer erinnern soll. Montessori hat, wie sie mehrfach beteuert, ihre pädagogischen Einsichten nicht aus Theorien oder abstrakten Prinzipien, sondern aus eigenen Erfahrungen im Umgang mit den Kindern gewonnen. Diese Vorgehensweise empfiehlt sie auch ihren Erzieherinnen, indem sie sie auffordert, sich nicht so sehr von Theorien als vom

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Zeit für Wesentliches Montessori-Schulen schnell, einfach und sicher verwalten: SVV 1

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Verhalten des Kindes leiten zu lassen: „Die alleinige Führung kommt von den Kindern!“ Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass der große Psychologe Piaget genau dieselbe Auffassung vertritt: „Was vor allen notwendig ist (...), ist die Bereitwilligkeit, von dem Kind zu lernen (...). Der Erzieher muss flexibel mit dem Kind interagieren, um zu erfahren, auf welcher Funktionsebene es sich gerade befindet“ (H. Ginsburg, S. Opper: Piagets Theorie der geistigen Entwicklung, Stuttgart, 1991, S. 276). Es gibt also keine festen Verhaltensregeln, die auf jedes Kind in gleicher Weise anwendbar wären. Das Kind, sagt Montessori, ist unser Lehrmeister. Wenige Jahre vor ihrem Tod, so berichtet Schulz-Benesch, wollte Montessori eine letzte zusammenfassende Darstellung ihrer pädagogischen Gedanken publizieren. Das Manuskript war bereits zu einem beträchtlichen Umfang angewachsen, als sie, aus welchen Motiven auch immer, den größten Teil davon ins Feuer warf und verbrannte. Der übrig gebliebene kleine Rest wurde 1949, drei Jahre vor ihrem Tod, unter dem Titel „Formazione dell Uomo“ (Über die Bildung des Menschen) veröffentlicht. Man darf also mit Recht gespannt sein, was Montessori in ihrer letzten Publikation noch mitzuteilen wünscht: Drei Gedanken seien hervorgehoben:


Sie beteuert, dass ihre Pädagogik weder auf ein bestimmtes Alter noch auf eine bestimmte Schulart festgelegt ist. Vielmehr beziehe sie sich auf die menschliche Person im Ganzen, deren Aufgabe die Bildung, d.h. die Menschwerdung des Menschen ist. Wichtig ist ihr ferner, die Erziehung an die Gesetze der kosmischen Ordnung anzubinden, wonach der bzw. das Einzelne als Glied eines Ganzen und das Ganze am Detail zu verstehen ist.

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Noch einmal hebt sie mit aller Deutlichkeit hervor: Kinder tun zu lassen, was sie wollen, ist derselbe Irrweg wie zu glauben, wir könnten sie nach unserem Willen formen. Der einzige Dienst, den wir als Erzieher zu leisten haben, ist: Dem Leben des Kindes zu helfen.

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mit den Kindern und Jugendlichen in der Schule wachsen zu können und die Zirkusverkleidung der Dompteuse ablegen zu dürfen.“ Mechthild Engel ehem. Schulleiterin Montessori-Schule Nürnberg

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Impressum

Herausgeber

 ontessori Landesverband M Bayern e. V. Hirtenstraße 26 80335 München E-Mail info@montessoribayern.de Internet www.montessoribayern.de Redaktion Brigitta Berger-Thüre, Manfred Burghardt,  Claudia Herwegh,  Günter Matthes,  Ingeborg Müller-Hohagen,  Sonja Spiegler Externe Autoren sind mit vollem Namen im Magazin genannt Anzeigen Günter Matthes, Sonja Spiegler Bildnachweis Montessori Landesverband, Anneliese Kompatscher Montessori Kinderhaus Rosenheim Layout Corporate Design Solutions, München Druck Parat Druck Auflage 15.000 © Montessori Landesverband Bayern e.V. Eine Verwendung des urheberrechtlich geschützten Magazins und aller in ihm enthaltenen Beiträge sowie Abbildungen, insbesondere durch Vervielfältigungen und/oder Verbreitung ohne vorherige schriftliche Zustimmung des Montessori Landesverbands Bayern e. V. ist unzulässig und strafbar. Alle Rechte vorbehalten.

Wir gratulieren dem Montessori Landesverband Bayern zum Jubiläum und bedanken uns aus diesem schönen Anlass für die langjährige vertrauensvolle Zusammenarbeit. Wolfgang Steyrer und sein Kreativ-Team

Als vielseitig engagierte Design- und Werbeagentur sind wir im sozio-kulturellen Bereich in München tätig für die Beratungsstelle Natürliche Geburt und Elternsein e.V., das Netzwerk Geburt & Familie e.V., die Montessorischule Niederseeon, das evangelische Migrationszentrum, die Griechisch-Orthodoxe Metropolie, die Griechische Filmwoche u.v.m.

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Danke Montessori Seit 25 Jahren hilft die Montessori-Bewegung in Bayern Kindern und Schülern, sich selbst frei zu entwickeln. Dafür möchten wir uns im Namen der vielen Kinder und ihrer Eltern herzlichst bedanken und alles Gute für eine erfolgreiche Zukunft wünschen.

„Ich bin ein Gourmeggle.“


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Der Montessori Landesverband Bayern hat anlässlich seines 25 jährigen Jubiläums eine Festschrift herausgegeben. corporate design solutions h...

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