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grosszügigkeit lernen | grenzen ermöglichen überfluss

Wo und wie kommt da die Freiheit des Evangeliums hinein? Früher sah ich das alles ziemlich eng. Ich konzentrierte mich auf den Zehnten und dachte, damit alles erkannt und erfüllt zu haben. Je länger, je mehr erweiterte sich meine Sicht: Es geht um viel mehr, es geht um hundert Prozent. Ich darf hundert Prozent von Gott empfangen und alles zu hundert Prozent als Gabe Gottes geniessen. Ich gehöre aber auch Gott zu hundert Prozent mit allem, was ich bin und habe, und er hat eine Meinung darüber, wie ich denn leben soll.

auf 4000 Franken. Ich habe mich damals nochmals neu entschieden, mich nicht vom Mammon, sondern von Gott abhängig zu machen, und verkaufte mein Aktienpaket – mit Verlust, aber um eine wichtige Erkenntnis reicher. Wo es um Geld, Geben und Zehnten geht, wird es auch in christlichen Kreisen vielen sehr schnell sehr eng.

Zur Person

Freiheit im Umgang mit Finanzen ist das eine. Dir geht es aber auch um Grosszügigkeit. Woran erkennst du einen grosszügigen Menschen? Grosszügige Menschen sind eben solche Hundert-Prozent-Menschen, die sich dadurch auszeichnen, dass sie sowohl im Geben als auch im Empfangen zu hundert Prozent frei sind: Dass sie sich verschenken, aber auch beschenken lassen. Dass sie anderen helfen, aber auch um Hilfe bitten und Hilfe annehmen können. In Bezug auf das Hilfe-annehmen-Können bin ich selbst noch am Üben. Grosszügige Menschen sind in beide Richtungen «durchlässig»; wer Grosszügigkeit leben will, funktioniert wie ein Wasserkanal: Wer oben nicht annehmen kann, trocknet aus, wer unten nicht freilässt, ertrinkt.

• Marianne und Horst Reiser

Horst Reiser ist seit 25 Jahren mit Marianne verheiratet. Zusammen haben sie vier studierende Kinder. Als ökumenisches Ehepaar – er reformiert, sie katholisch – engagieren sich beide aktiv in den entsprechenden Kirchgemeinden in Zürich-Seebach, wobei es im Rahmen von Jesus-Film-Verteilaktionen und Alphalive-Kursen schon zu einer fruchtbaren Zusammenarbeit kam. Horst Reiser ist gelernter Kaufmann, war ein Jahr persönlicher Assistent von Pfarrer Stückelberger bei Christian Solidarity International (CSI), dann fünf Jahre zuständig für Einkauf, Logistik und Verkaufsadministration bei Control Data Corporation (CDC). Seit 1986 arbeitet er bei Campus für Christus, lei­tete die Administration und war massgeblich am Aufbau der Geschäftsleutearbeit History’s Handful Europe beteiligt. Seit 2005 ist er Leiter Finanzen & Entwicklung von Agape Europe, seit 2008 arbeitet er verstärkt in der Lancierung von CROWN Life zur Förderung finanzieller Verwalterschaft mit. In der Freizeit liebt er die praktische Arbeit in Haus und Garten sowie das Segeln auf dem Greifensee.

Wie können wir auf dem Weg zur Grosszügigkeit Fortschritte machen? Es geht nur, wenn wir im Gespräch mit Gott und unserem Partner definieren: Wie viel ist für mich genug? Das ist in diesem Zusammenhang die wohl wichtigste Frage überhaupt! Grosszügigkeit entsteht aus Beschränkung. Überfluss kann nur entstehen, wo eine Grenze überschritten wird, wo ein Gefäss voll geworden ist, sodass es überfliesst. Ohne definierte Genügsamkeit wird unsere «Seele-Kehle» immer Wege und Rechtfertigungen finden, alles 6

selbst aufzufressen. Genügen lassen kann ich mir nur aus dieser vertrauens­ vollen Lebensverbindung mit Gott, nämlich wenn ich meine Bedürfnisse offen und ehrlich mit Jesus bespreche und wenn ich vertraue, dass Jesus – und letztlich nur er – mir alles gibt, was für mich genug ist, was mir Genüge verschafft und meine Seele sättigt. Ein paradoxer Weg! Grosszügigkeit durch Grenzensetzen? Ja, das erleben wir auch in der Erziehung unserer Kinder: Wenn wir Grenzen setzen und vereinbaren, um welche Zeit sie nach dem Ausgang nach Hause kommen, und sie sich daran halten, wird das bei uns Eltern «Grosszügigkeit» bewirken. Wir werden ihnen mehr Vertrauen schenken und den Zeitrahmen schrittweise und altersgerecht ausdehnen. Genauso verhält es sich im materiellen Bereich: Wenn wir mit Gott zusammen abmachen, wie viel genug ist, wird das bei Gott «Grosszügigkeit» auslösen, und wir werden ihn entsprechend gross­ zügig erfahren. Deine Vision für die Zukunft? Dass Gott immer mehr Menschen findet, denen er mehr anvertrauen kann, weil er weiss, dass sie es «durchfliessen» lassen und nicht einfach für sich selbst aufbrauchen. Dass Gott Menschen findet, die sich von der Grösse der Not ansprechen lassen und bereit sind, sich zu hundert Prozent von Gott an seinem Dienst beteiligen zu lassen. Dass Gott Menschen findet, denen er sich als verschwenderisch gross­ zügig erweisen kann, weil sie der Grösse seiner Verheissung vertrauen: «In seiner Macht kann Gott alle Gaben über euch ausschütten, sodass euch allezeit in allem alles Nötige ausreichend zur Verfügung steht und ihr noch genug habt, um allen Gutes zu tun» (2. Korinther 9,8).

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Schritte

Hingabegebet

… zur finanziellen Freiheit

«Was ich bin und habe, gehört dir!»

1. Anerkenne Gott als alleinige Quelle deiner Versorgung und deines Glücks (siehe Hingabegebet); dein Arbeitgeber ist nur Delegierter, dein Besitz ist dir nur zur Verwaltung anvertraut.

«Himmlischer Vater, ich will, dass ich selbst und all mein Hab und Gut zu hundert Prozent von dir ergriffen sind.

2. Verpflichte dich Gott gegenüber, die treue Verwaltung von hundert Prozent der Mittel zu übernehmen, die er dir zur Verfügung stellt. 3. Werde dir bewusst, wie man in deiner Herkunftsfamilie mit Geld und Besitz umging (Geiz, Habsucht, Rappenspalten, Kaufsucht, ständiger Mangel usw.). Entstopfe deine Generationenkanäle: Löse dich von falschen Mustern und geh mit Gott frische Wege. Falls du Schulden hast, such Hilfe und mach einen Sanierungsplan.

Ich akzeptiere dich als meinen einzigen und bleibenden Versorger für alles, was ich je benötigen werde, heute und an jedem weiteren Tag. Ich erkläre mich bereit, mich und mein Hab und Gut in deiner Gesinnung der Liebe einzusetzen, wie du es mir in Jesus vorgelebt hast und wie du mich heute durch deinen Heiligen Geist leitest.»

Datum:

Unterschrift:

• Anmerkung: Männer machen eher einen solchen Vertrag, Frauen einen Tagebucheintrag. Man kann auch einen Gegenstand aufhängen oder einfach nur beten. Egal, welche Methode, wichtig ist, diese Entscheidung festzumachen.

4. Schliess deinen Bedarfskreis und mach ein Budget, indem du festlegst: - Wie viel ist genug für mich, um meine Berufung, die ich von Gott empfangen habe, zu leben? - Welches sind meine Verpflichtun ­gen, Bedürfnisse und Wünsche? - Ist (mein Partner und) Gott ein verstanden damit? 5. Halte dich bei den Ausgaben an die richtige Prioritätenreihenfolge. Nicht mehr: 1. Leben, 2. Sparen, 3. Teilen. Sondern: 1. Teilen, 2. Sparen, 3. Leben. 6. Fang an, regelmässig zu geben. Der Zehnte ist eine gute Orientierungshilfe. Wichtig ist, dass du dich im Vertrauen auf Gott auf einen Weg begibst und schrittweise darin «wächst». 7. Werde ein grosszügiger Geber. Gib, wie Gott dich führt – als Dank und freiwillig, fröhlich, freigiebig. Wisse und vertraue: Gott ist grosszügig, er will deine Freude und lässt dich niemals los. cz 3|09

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