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www.big.at Ausgabe Nr. 12 • Dezember 2012

Das Magazin der Bundesimmobiliengesellschaft

Im Zeichen der ARE

Der BIG-Konzern hat eine neue Tochter­ gesellschaft. Mit der Austrian Real Estate sollen private Mieter gewonnen werden.

„Finanzbewegungen“

Die Wiener Bezirks-Finanzämter sind Geschichte. Für die Gebäude müssen rasch neue Mieter gefunden werden.

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Inhalt

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Foto: Manfred Seidl

BIG Business Inhalt

Impressum

Foto: Eduard Platzenteig

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Foto: Harald A. Jahn

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Foto: Harald A. Jahn

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Der BIG-Konzern ist mit Gründung der ARE strategisch neu ausgerichtet. Gleichzeitig biegt das bisher größte Projekt der BIG, die neue Wirtschaftsuniversität Wien im Prater, auf die Zielgerade. Nächsten Sommer ist Übergabe. Darüber hinaus fanden an BIG-Schulen zahlreiche Spatenstiche, Gleichenfeiern, Eröffnungen statt, die die BIG im vergangenen halben Jahr bewegt haben.

Finanz auf Wanderschaft

In Wien werden die bisherigen Bezirks-Finanzämter – die Gebäude stehen im Eigentum der BIG – im neuen Finanzzentrum Wien-Mitte der BAI konzentriert. Für 1.900 Beamte heißt es damit umziehen. Die BIG wiederum ist daher intensiv damit beschäftigt, für die frei werdenden Amtsgebäude neue Nutzungen zu finden.

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Verbesserte Versorgung trotz einer geringeren Anzahl von Standorten: Das ist kurz umschrieben das Ziel der bundesweiten Bezirksgerichtsreform. Damit die Strukturoptimierung auch gelingt, sind teils umfassende Aus- und Umbaumaßnahmen nötig.

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„Auf Augenhöhe“

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Stufen von Grau

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Foto: Martina Draper

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Zeitraffer

Der BIG-Konzern wird derzeit neu strukturiert. Vor Kurzem erfolgte die Gründung der ARE Austrian Real Estate. Die Tochtergesellschaft richtet ihr Angebot ganz klar nach den Bedürfnissen des Marktes aus. Wie aber verhält sich der große Rest? Eine von Ernst Eichinger moderierte Diskussion versucht Antworten zu finden.

Den „Bau“ stellt sich grundsätzlich niemand schön vor. Doch das neue Justizzentrum Korneuburg räumt mit allen Vorurteilen und Klischees über Gefängnisse und Gerichte auf – ein Lokalaugenschein verblüfft in vielen Belangen. Hier stimmt die Architektur – von außen wie auch von innen.

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Die BIG lud am 5. September 2012 zum mittlerweile sechsten Mal zur „BIG Cocktail Reception“ in Wien. Im historischen Ambiente des Hauptgebäudes der Universität Wien am Universitätsring 1 ließen Kunden der BIG und die österreichische Immobilienbranche gemeinsam den Sommer ausklingen.

Impressum Ausgabe: Nr. 12/2012 Herausgeber: Bundesimmobiliengesellschaft mbH, Hintere Zollamtsstraße 1, 1031 Wien, T 05 02 44-0, F 05 02 44-1199, ­ isela Gary, office@big.at, www.big.at Geschäftsführung: Wolfgang Gleissner, Hans-Peter Weiss Chefredaktion: Ernst Eichinger Redaktion: G Franz Hubik, ­Elisabeth Kleedorfer, Alexandra Galle, Eduard Platzenteig Produktion und Artdirektion: Martin Jandrisevits, Hans Ljung Lektorat: Nicole Tintera Foto Titelblatt & U4: SOLID K2 Kurt Kuball Druck: Grasl Druck & Neue Medien GmbH, 2540 Bad Vöslau

Dieses Druckwerk zeichnet sich durch eine nachhaltige und ressourcenschonende Produktion aus und wurde klimaneutral gedruckt. Das Papier dieses Produktes stammt aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern sowie kontrollierten Quellen und ist somit PEFC-zertifiziert. PEFC steht somit als Synonym für nachhaltige Waldbewirtschaftung. Die Zertifizierung der gesamten Verarbeitungskette vom Wald bis zum Endprodukt garantiert, dass die Holzherkunft unzweifelhaft nachvollziehbar ist und geprüft wurde. Durch unabhängige, renommierte Zertifizierungsgesellschaften wird sichergestellt, dass die Wälder nach hohen PEFC-Standards bewirtschaftet werden. PEFC-Zertifikationsnummer: HCA-CoC-0249. Klimaneutral drucken bedeutet, die CO2-Emission für die Herstellung eines Druckproduktes durch den Erwerb anerkannter Umweltzertifikate auszugleichen.

PEFC zertifziert Das Papier dieses Produktes stammt aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern und kontrollierten Quellen www.pefc.at

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Foto: Richard Tanzer

Editorial

BIG-Geschäftsführer: Hans-Peter Weiss (links) und Wolfgang Gleissner.

Liebe Leserinnen und Leser!

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er BIG-Konzern hat ein bewegtes Jahr hinter sich. Das Tempo der Veränderung bleibt unverändert hoch. Denn wir bleiben nicht stehen und entwickeln uns kontinuierlich weiter. So wurde Ende September ein Meilenstein in der mittlerweile über 20-jährigen Unternehmensgeschichte gesetzt: die Eintragung der ARE Austrian Real Estate GmbH ins Firmenbuch. Mittlerweile sind auch alle anderen notwendigen Vorarbeiten erledigt. Die Gesellschaft hat ein „Gesicht“, Assetmanager sind bestellt und deren Büros besiedelt. Zu Jahreswechsel wird die ARE voll operativ tätig sein. Der Slogan „Offen für neue Perspektiven“ fasst zusammen, worum es geht. Nämlich in erster Linie darum, den ökonomischen Horizont des BIG-Konzerns massiv zu erweitern. Das neue Tochterunternehmen der BIG wird streng auf die Bedürfnisse des Marktes ausgerichtet. Rund 600 Objekte, hauptsächlich Büro- und Gewerbeimmobi­lien, müssen ausschließlich nach immobilienwirtschaftlichen Kriterien organisiert werden. Der Bestand repräsentiert einen Wert von rund zwei Milliarden Euro. Die ARE zählt also ab der ersten Stunde zu den ganz Großen der Branche. Und sie hat auch gleich alle Hände voll zu tun. Denn auch die Kunden der ARE sind sehr dynamisch. Das Bundesministerium für Justiz vollzieht gerade eine Standortreform (Seite 34). Viele der 141  Bezirksgerichte sollen geschlossen oder zusammengelegt werden. Ziel ist die Reduktion auf rund 100  Objekte. Auch das Bundesministerium für Finanzen hält die ARE auf Trab (Seite 24). Zu Jahresende wird es ernst: Die meisten der Wiener Finanzämter werden in Wien-MitNr. 12 | 2012 | www.big.at

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te konzentriert. Dadurch werden zahlreiche Standorte frei und müssen entweder neu vermietet, entwickelt oder verkauft werden. Deklariertes Ziel ist aber bei allen Objekten, sie optimal zu bewirtschaften und im Bestand zu halten. Grundvoraussetzung dafür ist die klare strategische Ausrichtung des Unternehmens und ein Bild, wo die ARE in wenigen Jahren stehen soll. Dass die ARE aber „nur“ rund 25 Prozent des gesamten Portfolios der BIG ausmacht, zeigt sich sehr gut anhand der Kurzmeldungen im „Zeitraffer“. Salopp formuliert jagte im Spätsommer/Herbst eine Schuloder Universitätseröffnung die andere. Darunter sind auch sehr prominente Bauvorhaben wie das Produktionstechnikzentrum der TU Graz, die dritte Baustufe des Science Park in Linz oder die zweitgrößte Schule Österreichs: Die HTL Salzburg. Damit wird klar, dass natürlich nicht nur die ARE eine klare Linie braucht, sondern eine Schärfung der Ausrichtung des Mutter-Konzerns ebenso ansteht. Eine spannende Diskussion über die Positionierung und die ­Herausforderungen dabei finden Sie auf Seite 4. Wir wünschen Ihnen jedenfalls viel Spaß beim Lesen, fröhliche Weihnachten und ein erfolgreiches neues Jahr!

Wolfgang Gleissner

Hans-Peter Weiss

BIG Business

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Zeitraffer ARE Austrian Real Estate gmbh

„Strategisch neu ausgerichtet“ In wenigen Tagen ist ein weiterer BIG-Player am Markt: die ARE Austrian Real Estate GmbH.

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BIG Business

Fotos: Gisela Erlacher

Die ARE ist ab 1. Jänner 2013 der Spezialist im BIG-Konzern für die optimale Bewirtschaftung von Büroimmobilien.

ie Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) hat seit Anfang Oktober mit der ARE Austrian Real Estate GmbH eine neue Tochtergesellschaft, die rund 25  Prozent des BIG-Bestandes, nämlich alle marktnahen Immobilien, umfasst. „Mit der neuen Struktur wollen wir die Wachstumsstrategie der BIG unterstützen“, geben die BIG-Geschäftsführer Hans-Peter Weiss und Wolfgang Gleissner den Weg vor. Wurden in der Vergangenheit noch große Immobilienpakete veräußert, so ist diese Strategie nun endgültig Geschichte. Verkauf ist ab sofort eine nachrangige Option. Mit 1. Jänner 2013 nimmt die neue Tochtergesellschaft ihre volle operative Tätigkeit auf. Umfasst sind 1,8 Millionen Quadratmeter Gebäudefläche in rund 600 Liegenschaften, verteilt über alle Bundesländer. Der Wert: immerhin rund zwei Milliarden Euro und damit gleich vom Start weg eines größten Immobilienunternehmen Österreichs. Das Ziel: Die ARE soll börsefit gemacht werden. Primär handelt es sich bei dem Portfolio um Büroimmobilien und Entwicklungsflächen, die von den Bundesministerien für Inneres, Finanzen und Justiz sowie von Drittmietern genutzt werden. „In bestehende Mietverhältnisse wird nicht eingegriffen“, betont BIG-Geschäftsführer Wolfgang Gleissner. In der BIG verbleiben Bildungsbauten wie Schulen und Universitäten sowie Gebäude mit besonderen Ansprüchen an Sicherheit, etwa Justizanstalten oder von Spezialeinheiten des Innenministeriums genutzte Liegenschaften. „Mit der Gründung der streng marktwirtschaft-

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lich ausgerichteten Tochter kann die BIG sowohl auf Konjunkturzyklen als auch auf die Bedürfnisse ihrer Mieter ­wesentlich flexibler und schneller reagieren“, so Gleissner. Ziel ist es primär, Erlöse zu optimieren, den Bestand auszubauen und Werte zu schaffen. Dazu werden in der ARE Austrian Real Estate neue Geschäftsfelder wie Wohnen oder Gewerbeimmobilien erschlossen. Ebenfalls sollen in Zukunft auch Objekte gekauft werden. „Durch die neue Struktur hat die BIG hier künftig die gleichen Chancen wie ihre privaten Mitbewerber“, erklärt Weiss. Bisher war der Handlungsspielraum nämlich auf die Bundesmieter konzentriert, die ihrerseits gemäß ihren Verträgen – unter Einhaltung der Kündigungsfrist – schon jetzt jederzeit aus den Gebäuden ausziehen und sich bei privaten Anbietern einmieten konnten. Jetzt sollen auch verstärkt private Mieter angesprochen werden.

Alle Hände voll zu tun

Dieser erweiterte Handlungsspielraum ist auch dringend notwendig. Denn welche Dynamik in diesem Bereich existiert, zeigt sich deutlich anhand der aktuellen Standort­ reformen bei Finanz und Justiz. Die Assetmanager des neu gegründeten Unternehmens ARE haben also gleich ­alle Hände voll zu tun. Alleine das Bundesministerium für ­Finanzen zieht zu Jahresende 2012 aus mehreren Liegenschaften der ARE aus. Nahezu alle Finanzämter der Hauptstadt werden in Wien-Mitte – in einem Objekt der BAI – konzentriert (siehe BIG-Business-Geschichte Seite 24). ­Übrig bleiben mehrere Standorte in durchaus prominenten Lagen innerhalb des Wiener Gürtels. Auf den ersten Blick ein Verlust für die ARE. Nicht in allen Fällen war aber der Mietzins so vorteilhaft, dass sich aus dem künftigen Leerstand nicht auch eine Chance ergibt. „Damit haben wir die Möglichkeit, Objekte zu entwickeln und danach zu ­attraktiveren Konditionen zu vermieten“, so Weiss. Auch die Gerichtsreform beschäftigt die ARE (siehe BIG Business Seite 34). Bislang ist in drei Bundesländern – nämlich Niederösterreich, Oberösterreich und in der Steiermark – fixiert, welche Standorte zusammengelegt werden. Insgesamt übersiedeln zahlreiche Bezirksgerichte innerhalb der nächsten eineinhalb Jahre. Daher wird kräftig aus- oder zugebaut und für die leer stehenden Gebäude müssen Nachnutzungskonzepte entwickelt werden. „Im Zuge der Umsetzung der neuen Strategie wird der Anteil der Einnahmen von Drittmietern im Konzern mittelfristig deutlich erhöht“, betont Weiss. Damit soll auch sichergestellt werden, dass die Verbindlichkeiten nach Maßgabe des ­Europäischen Systems der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung (ESVG 2010) auch ab 2014 nicht dem öffentlichen Schuldenstand zugeordnet werden. Nr. 12 | 2012 | www.big.at

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ARE Austrian Real

Estate gmbh

In der ARE sind vor allem BĂźro- und Gewerbeimmobilien, die auch an private Nutzer vermietet werden kĂśnnten.

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BIG Business

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ZEITRAFFER DiskussioN

„ein BiG-Player namens ARe“ Die BIG hat vor Kurzem mit der ARE Austrian Real Estate GmbH eine Tochtergesellschaft gegründet. Während die BIG Spezialist für den öffentlichen Bereich bleibt, soll das neue Unternehmen – mit einem Volumen von rund zwei Milliarden Euro – eine bedeutende Rolle im „privaten“ Sektor spielen. Doch der Wettbewerb ist hart.

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arum wurde die Tochtergesellschaft gegründet? Weiss: Wir sehen uns verstärkt einer zunehmenden Konkurrenz auf dem Markt gegenüber – Stichwort Büroimmobilien. Das braucht aus unserer Sicht eine entsprechende Reaktion. Die wollen wir setzen, indem wir das Unternehmen klar strukturieren und stärker auf die einzelnen Marktbereiche ausrichten.

Fotos: elke Mayr

Hans-Peter Weiss hat ab jetzt mit der Positionierung der ARE alle Hände voll zu tun. Thomas Lang (li.) verfolgt die Entwicklungen.

Die GesPRÄCHsRuNDe Anton Bondi de Antoni: Bondi Consult Wolfgang Gleissner: Geschäftsführer BIG Thomas Lang: Vorstand ÖRAG Georg Spiegelfeld: Spiegelfeld International Friedrich Wachernig: Vorstand S Immo Hans-Peter Weiss: Geschäftsführer BIG Manfred Wiltschnigg: Vorstand Immofinanz

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Alles in allem geht es uns darum, weg vom bloßen Verwalter hin zu einer stark unternehmerisch agierenden Gesellschaft zu werden. Gleissner: Wir wollen als Unternehmen wahrgenommen werden, das für eine ganzheitliche Betrachtung der Immobilie steht. Wir bieten praktisch alle Dienstleistungen von der Errichtung bis zum Abriss an. Ist die BIG diesbezüglich gut aufgestellt? Weiss: Es braucht eine neue Qualität im Umgang mit dem Thema Risiko. Die BIG war es gewohnt, de facto nur bei

hundertprozentiger Vorvermietung in ein Nicht-Risiko zu gehen. Damit sind wir natürlich nur bedingt wettbewerbsfähig. Wie sieht der künftige Mitbewerb das Engagement der BIG? Spiegelfeld: Ich kann mir einen neuen Marktteilnehmer gut vorstellen. Die Voraussetzungen sind gut, das Knowhow und die Ressourcen sind vorhanden. Es ist sicher besser, Konkurrenten wie die BIG zu haben, als irgendwelche dubiosen Typen. Die Konkurrenz ist aber wahnsinnig groß und die Chancen sehr bescheiden. Auch für eine BIG wird das ein harter Kampf. Derzeit wird für ein kleines Loch jeder Preis gezahlt, damit dort fünf Wohnungen hingestellt werden können – weil jetzt gerade das Geschäft gut läuft. Ich glaube, da wird die BIG echte Probleme haben, Projekte zu bekommen. Wiltschnigg: Ich glaube auch, dass der Markt in Österreich sehr schwierig ist. Darum machen wir in Österreich, ausgenommen über die BUWOG, auch fast nichts. Österreich ist ziemlich satt – und zwar in allen Asset-Klassen außer Wohnen. Die Player, die hier agieren, sind hoch professionell und schauen in jede Nische. Wachernig: Wien ist ein überschaubarer Markt. Gerade in der Projektentwicklung ist es schwer, eine große Mannschaft zu halten. Die handelnden Personen sind die gleichen – nur ab und zu wechselt gelegentlich jemand seine Visitenkarte. Ich sehe eine Chance vor allem dann, wenn man sich auf bestimmte Geschäftsfelder konzentriert – Stichwort Spezialimmobilien. Das ist ein Asset, auf das die BIG bauen sollte. Spiegelfeld: Warum konzentriert sich die BIG nicht auf bestimmte Bereiche? „Betreutes Wohnen“ oder „Seniorenresidenzen“ sind Themen, die sich viele der Developer nicht

«Österreich ist ziemlich satt – und zwar in allen Asset-Klassen außer Wohnen.» Manfred Wiltschnigg BIG BusiNess

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Diskussion

«Aus der Verwertung der innerstädtischen Lagen könnte man hohen Profit erzielen.» Anton Bondi de Antoni

leisten können. Das wäre für die BIG passend, da altersgerechtes Wohnen im weitesten Sinne ja auch irgendwo ­eine Aufgabe des Staates ist. Ich glaube, da ist viel Platz und das kann auch nur jemand, der ebenso die Möglichkeiten ­dazu hat. Inwieweit muss die BIG noch Imagepflege betreiben oder anders gefragt: Wo sehen Sie noch Stolpersteine? Lang: Für mich ist es eine Grundvoraussetzung, dass die Tätigkeit der BIG auf rein marktwirtschaftlicher Basis funktioniert und es keine Einflussnahme der Politik gibt. Wiltschnigg: Ein Stolperstein ist das Restrisiko. Nicht jedes Development wird ein Erfolg. Vier gelingen perfekt und das Fünfte geht schief – und manchmal auch ziemlich schief. Wer wie die BIG unter öffentlicher Beobachtung steht, hat dann sicher Erklärungsbedarf. Die vier gelungenen Projekte wird niemand sehen, aber das Verlust-Projekt ist dann sofort ein Skandal. Bondi de Antoni: Ein großer Vorteil der BIG ist der enorm große Immobilienbestand. Die Objekte der BIG sind in tollen Lagen. Die Frage ist: Muss irgendeine Behörde ihr Büro wirklich auf der Kärntner Straße haben? Aus der Verwertung der innerstädtischen Lagen könnte man hohen Profit erzielen. Allerdings unterliegt die BIG dem Vergaberecht. Gerade Projektentwicklung lebt aber von Geben und ­Nehmen. Gleissner: Langfristig gesehen brauchen wir in jeder Hinsicht weitgehende Freiheit im operativen Geschäft. Wobei ich das Hauptthema in der Risikobeurteilung sehe. Wenn man nur das Risiko sieht und die Chance nicht dagegen halten darf, wird das nicht funktionieren. Mit der Differenzierung zwischen den Bildungsimmobilien, die staatsnah sind und auch staatsnah bleiben werden, und den markt-

tauglichen Objekten ist ein erster Schritt in die richtige Richtung gesetzt. Inwieweit sehen Sie die BIG beziehungsweise die ARE als ­Konkurrenz? Wachernig: Wir haben keine Entwicklungsabteilung im Haus, sondern suchen uns immer externe Partner. Wenn da jetzt ein neuer BIG-Player namens ARE am Markt wäre, wäre der durchaus willkommen.

Manfred Wiltschnigg, Georg Spiegelfeld, Friedrich Wachernig, Wolfgang Gleissner (v. l. n. r.).

Spiegelfeld: Das ist sicher eine Konkurrenz. Aber das ist ja nicht schlecht. Ich habe lieber einen guten Konkurrenten als einen windigen. Lang: Das sehe ich genauso. Die BIG ist schon aufgrund ihrer Geschichte und ihrer Struktur ein ernst zu nehmender Mitbewerber, der mir persönlich aber lieber ist als solche Unternehmungen, die aufgrund ihrer mangelnden Professionalität den Markt ruinieren. Die Bedingungen sind aber im Moment sehr schwierig. Für einen Start sind das derzeit keine leichten Umstände.  ‹

«Es ist sicher besser, Konkurrenten wie die BIG zu haben als irgendwelche dubiosen Typen.» Georg Spiegelfeld

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BIG Business

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Zeitraffer

Foto: Projektgesellschaft Wirtschaftsuniversität Wien

Fotos: BIG

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Rund und fast BIG-orange ist das D3/AD von CRAB studio. Im Hintergrund ist der bereits wiedererrichtete Brandbereich zu sehen.

Keine Verzerrung, die Stiegen im LLC sind schräg (oben)! Der Geothermie­ brunnen wird entsandet (unten).

Schräge Stiegen und tiefe Löcher

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Der Neubau der neuen Wirtschaftsuniversität Wien schreitet zügig voran. Muss er auch, denn in einem Jahr lernen schon Studierende, wo jetzt noch gebaut wird. BIG Business hat sich bei einem Lokalaugenschein im November einen Eindruck von der Baustelle gemacht.

in Rundgang über den Campus WU versetzt den Besucher ins Staunen. Ein schräges Gebäude hier, ein rundes, orangefarbenes da, weiter drüben ein verrostetes und am Rand sogar ein eckiges. Die neuen Häuser für Lehre und Forschung der Wirtschaftsuniversität sind jedes für sich ganz speziell. Dabei darf aber nicht vergessen werden, auch darauf zu achten, wo man hintritt. Gerade wird der Boden zwischen den Neubauten isoliert. Einige Arbeiter sind eifrig mit Flämmarbeiten und dem Verlegen der Dämmplatten beschäftigt. Daneben werden schon Elemente der Außenanlagen, wie Blumentröge und Sitzgelegenheiten, errichtet. Der Campuscharakter ist nun bereits deutlich zu erkennen. Doch es tun sich auch noch tiefe Löcher im Boden auf. Gewollt, denn eines ist der Abgang zur Tiefgarage, das andere der Brunnen der Geothermieanlage. „Rund zwei Drittel des Wärme- und Kältebedarfs der Universität werden

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durch Geothermie abgedeckt“, erklärt Maximilian Pammer, Geschäftsführer der Projektgesellschaft Wirtschaftsuniversität Wien Neu GmbH. Hartwig Schindler von der örtlichen Bauaufsicht iC consulenten ergänzt, dass vom bereits fertiggestellten Brunnen zehn horizontale Schächte weglaufen, aus denen das Wasser gepumpt wird. Anfangs führt es noch einen hohen Anteil an Sand mit, der über mehrere Tage abgepumpt und der Brunnen somit „entsandet“ wurde.

Einblicke

Reges Treiben herrscht im Herzstück des Campus, dem Library and Learning Center. „Rund 250 der insgesamt knapp 800 Arbeiter sind alleine im LLC im Einsatz“, erklärt Björn Wagenknecht, Bauleiter im LLC, beim Rundgang. Sie sind unter anderem damit beschäftigt, Decken zu schließen, Lampen einzubauen und Böden zu verlegen. Pammer fügt Nr. 12 | 2012 | www.big.at

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Foto: BIG

Fotos: Projektgesellschaft Wirtschaftsuniversität Wien

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Im D2/SC schlängelt sich die Treppe unter den Glasauslässen und ist somit immer natürlich beleuchtet.

stolz hinzu: „Mittlerweile fällt das Arbeiten auch leichter, der Campus ist seit Kurzem an die Fernwärme angeschlossen.“ Mit Ende November ist das LLC komplett dicht. Beim Verlassen des Gebäudes muss man sich ebenfalls noch konzentrieren, einen Fuß vor den anderen zu setzen. Das liegt aber nicht am eigenen physischen Zustand oder den Bauarbeiten, sondern an den schrägen Treppen. Nach der dritten hat man sich aber fast schon daran gewöhnt.

Geschmack der breiten Mehrheit

Weiter geht es ins Nachbargebäude, das Departmentgebäude D1 geplant von BUSarchitektur. Hier ist das Hörsaalzentrum untergebracht. Beeindruckend ist das Gebäude sowohl von innen als auch von außen. Die Fassade in Rost­ optik ist jedenfalls ein Hingucker. Entweder man mag sie oder man mag sie nicht, dazwischen gibt es nicht viel Spielraum. Die Innenbereiche dürften schon eher den Geschmack der breiten Mehrheit treffen. Helle, lichtdurchflutete Atrien durchkreuzt von Treppen und großzügige Lernund Aufenthaltsflächen für rund 1.500  Studierende laden zum Verweilen ein. Ebenfalls architektonisch attraktiv gestaltet ist der nächste Gebäudekomplex bestehend aus Departmentgebäude D2 und Student Center SC. Der Bau von Hitoshi Abe kann ebenfalls in der Liga der besonderen Treppen mithalten. Hier sind sie stilvoll unter den gläsernen Deckenauslässen geschwungen, wie das Gebäude selbst. Auch in diesem Haus ist der Innenausbau in vollem Gange. „Auch ParNr. 12 | 2012 | www.big.at

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kettböden in den Arbeitsräumen sind bereits gelegt“, sagt Schindler in einen Raum zeigend. Im Departmentgebäude D3 samt Verwaltung AD von CRAB studio werden beispielsweise gerade die Fensterinnenbänke fertiggestellt. Hier ist auch das Büro des Rektors untergebracht, wo der Innenausbau bereits vollendet ist. Auch im Departmentgebäude D4 von Estudio Carme ­Pinos, dessen Fenster wie überdimensionale Steine aus dem Computerspielklassiker „Tetris“ anmuten, werden schon Details sichtbar. In den Hörsälen sind die typisch gelöcherten Akustikdecken angebracht, an der Beleuchtung der Gänge wird ebenfalls fleißig gearbeitet. Schon spät abends und dementsprechend dunkel ist es beim Betreten der Executive Academy EA, geplant von No.MAD Arquitectos. Still und etwas unheimlich noch dazu, denn zwei Arbeiter sind damit beschäftigt, Messungen mit dem Lasergerät durchzuführen. Beim einzigen komplett eckigen Gebäude wird ebenfalls noch am Innenausbau sowie an der Fertigstellung der Fassade gearbeitet. Die letzten Komplettierungsarbeiten an den Fassaden der sechs Neubauten werden im Frühjahr abgeschlossen sein. Im Juni wird dann eingerichtet. Zum Zeitpunkt des Redaktionsschlusses waren bereits über 99  Prozent der Bauaufträge vergeben und rund 280  Millionen Euro sind in den Bau des Campus WU geflossen. Nächsten Herbst ­werden über 25.000 Studierende und rund 3.000 Lehrende ­ihre neue Universität mit Niedrigenergiestandard ­„be­ziehen“.

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Die „rostige“ Fassade des D1 zieht schon von Weitem die Blicke auf sich (großes Bild). Viel Tageslicht scheint in die Gänge des LLC (links). An „Tetris“ erinnert das D4 (rechts).

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Zeitraffer BG/BRG Gainfarn | Dreifachsporthalle Graz-Liebenau

Fotos: franz architekten ZT GmbH

Bis dato „nur“ eine Expositur des BG Baden entsteht in Gainfarn bei Bad Vöslau nun eine vollkommen selbstständige Schule.

Selbst ist die Schule Neubau eines großen Klassentraktes – Investitionen rund 18 Millionen Euro.

■  Die ehemalige Försterschule in Gainfarn wird zu einer eigenständigen, modernen Bildungseinrichtung umgestaltet. Insgesamt investiert die BIG im Auftrag des Bundesministeriums für Unterricht, Kunst und Kultur (BMUKK) rund 18 Millionen Euro in die Neustrukturierung des BG/BRG Gainfarn in Bad Vöslau/NÖ. Im Zuge des Bauvorhabens wurden das ehemalige Internat, die Aula und ein Lehrerwohngebäude abgebrochen. Auf diesen Flächen wird nun ein neuer, zweigeschoßiger Klassentrakt errichtet. Zusätzlich erfolgt die Neuerrichtung einer Turnhalle, an deren Finanzierung Land Niederösterreich und Ge-

meinde beteiligt sind. Erschlossen werden die Gebäude durch eine neue Aula. In einer zweiten Bauphase gilt es, die vorhandene Substanz auf „Vordermann“ zu bringen. Der Schultrakt wird dabei komplett entkernt, also bis auf die Grundmauern ausgeräumt und danach wieder aufgebaut. Die bestehende Turnhalle erhält eine thermisch optimierte Gebäudehülle. Generalplaner ist das Büro franz architekten ZT GmbH. Die Fertigstellung des Projektes ist für Herbst 2014 geplant.

„Mit vereinten Kräften“ Foto: Hofrichter-Ritter Architekten

Unter Beteiligung zahlreicher Institutionen entsteht eine 2.200 Quadratmeter, sieben Millionen Euro teure, neue Turnhalle.

Noch existiert die Dreifachturnhalle ausschließlich virtuell. Spätestens Ende 2013 soll das Bauvorhaben abgeschlossen sein.

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■  Der Volksmund glaubt zu wissen, dass viele Köche den Brei verderben. Es gibt aber auch immer wieder Gegenbeispiele. So widerlegt die Errichtung der neuen Dreifachsporthalle in Graz-Liebenau in der Kadettengasse  19 dieses Sprichwort. Denn am 2. Oktober feierten die Bundesimmobiliengesellschaft (BIG), die Stadt Graz, das Land Steiermark und das Bundesministerium für Unterricht,

Kunst und Kultur (BMUKK) den offiziellen Spatenstich für die Errichtung. Bauherr ist die BIG, Mieter die Stadt Graz. Finanziert wird das Projekt von der Stadt Graz, dem Land Steiermark und vom BMUKK. Hofrichter-Ritter Architekten planten die rund 2.200  Quadratmeter große Halle, die künftig von dem BG/BORG Graz-Liebenau sowie von Stadt und Land genutzt werden wird. Nr. 12 | 2012 | www.big.at

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RG/SSM AkademiestraSSe

Salzburg

So sieht moderner Schulbau aus. Viel Licht und Raum für Bewegung oder Begegnung.

Salzburger Gymnasium erweitert Der Zubau fügt sich harmonisch in das Ensemble ein. Damit wurde auch eine neue Verbindung zwischen den Objekten geschaffen.

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Fotos: Andrew Phelps

as Sport-Realgymnasium (RG), Musische RG und Schulsportmodell (SSM) in der Akademiestraße 21 in Salzburg wurde nach den Plänen des Architekturbüros kmt/n-o-m-a-d saniert und erweitert. Neben der thermischen Sanierung von Schule und Turnsaal sind nun im Bestand die Brandschutzanlagen, Heizung, Turnsaalnebenräume und Sanitäranlagen auf neuestem Stand. Nach Fertigstellung der rund zehn Millionen Euro teuren Baumaßnahmen bietet die Schule 20 Klassen Platz. Insgesamt werden derzeit an dem Standort rund 500 Schüler von 60 Lehrern unterrichtet.

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Zeitraffer

Während des vom Architekturbüro DELTA geplanten Neubaus wurde der Schulbetrieb in die Bechtolsheim­ kaserne verlagert.

Fotos: Delta PC Wien

BHAK/BHAS Wr. Neustadt | BG/BRG Diefenbachgasse

Unter Strom: Tankstellen zum Aufladen der E-Bikes Maximale Effizienz: E-Tankstellen, Niedrigenergie und Grundwasserkühlung sowie Wärmerückgewinnung. ■  Die BHAK/BHAS in Wiener Neustadt ist seit Kurzem saniert und erweitert. Der Neubau wurde nach Niedrigenergiestandard errichtet. Eine kontrollierte Klassenraumlüftung mit Wärmerückgewinnung und Grundwasserkühlung ermöglicht in den südund westseitigen Unterrichtsräumen auch bei geschlossenen Fenstern eine kontinuierlich gute Luftqualität zu

halten. Brauchwasser für WC-Spülungen und Gartenbewässerung wird aus dem neu angelegten Brunnen der Schule bezogen. Die Sanierung der Bestandsgebäude gestaltete sich ebenso sehr umfangreich. Die Fassade wurde gedämmt, das Dach erneuert und sämtliche Fenster, bis auf jene des Turnsaals, wurden getauscht. Insgesamt investierte die

BIG rund zehn Millionen Euro. Auch die Außenanlagen wurden neu gestaltet und 50 Stellplätze für Mofas und Fahrräder sowie 48  Pkw-Parkplätze eingerichtet. Eine Elektro-Tankstelle mit integrierter Fotovoltaikanlage und sechs Ansteckmöglichkeiten bieten den Schülerinnen und Schülern die Gelegenheit, ihre E-Bikes direkt auf dem Schulgelände „aufzuladen“.

Sanierung und Erweiterung bei laufendem Betrieb

Foto: Harald A. Jahn

Rund 3.500 Quadratmeter zusätzliche Fläche und ein Spielfeld auf dem Dach für das Wiener Gymnasium Diefenbachgasse.

Im begrünten Innenhof des Neubaus wurden Plätze mit Sitzmög­ lichkeiten geschaffen – eine „Lernoase“ und eine „grüne Klasse“.

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■  Das neue Schuljahr begann für die rund 650 Schülerinnen und Schüler des BG/BRG Diefenbachgasse im 15.  Wiener Gemeindebezirk in einem sanierten und erweiterten Gebäude. Die Schule hat jetzt eine Fläche von über 10.000 Quadratmetern. Insgesamt wurden rund zehn Millionen Euro für Neubau und Sanierung investiert. Die umfangreichen Baumaßnahmen wurden in rund einem Jahr bei laufendem Betrieb umgesetzt. In dem der Diefenbachgasse zugewandten viergeschoßigen Neubau sind jetzt der Großteil der Sonderun-

terrichtsräume und das Schulbuffet inklusive Speisebereich untergebracht. Im Gebäudetrakt auf Seite der Storchengasse befindet sich der Normturnsaal, auf dessen Dach zusätzlich ein Spielfeld errichtet wurde. Der auf Säulen stehende Turnsaal bietet im Erdgeschoß überdeckte Stellplätze für über 80 Fahrräder und rund 40 Tretroller. Durch eine kontrollierte Klassenraumlüftung mit Wärmerückgewinnung kann in den Unterrichtsräumen im Neubau auch bei geschlossen Fenstern stets eine gute Luftqualität gehalten werden. Nr. 12 | 2012 | www.big.at

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Stockerau

Fotos: Harald A. Jahn

BG/BRG

Alt und neu wurden im BG/BRG Stockerau perfekt miteinander kombiniert.

Die Wände hochgehen Kletterwand sorgt in der neuen Sporthalle des BG/BRG Stockerau für alternative Möglichkeiten des Turnunterrichts.

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er immer behauptet, die Voraussetzungen für einen modernen Turnunterricht seien nicht gegeben, wird in der neuen Dreifachturnhalle des BG/BRG Stockerau eines Besseren belehrt. Über 800 Schülerinnen und Schüler des BG BRG Stockerau können sich an der neuen Kletterwand nach der Decke strecken. Abgesehen von der Turnhalle wurde auch zugebaut. Das neu errichtete ObNr. 12 | 2012 | www.big.at

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jekt bietet neben viel Platz für weitere Klassen auch eine interessante Optik: Es steht auf Stelzen und „schwebt“ sozusagen über dem Boden. Durch die großflächigen Fenster werden die Klassen mit viel Tageslicht versorgt. Insgesamt hat die BIG in die Sanierung und Erweiterung rund 16  Millionen Euro investiert. Verantwortlicher Planer war Ruderstaller Architektur ZT GmbH.

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Zeitraffer Science Park

Das dritte Raumschiff ist gelandet

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Das neueste Prunkstück am Campus der Johannes Kepler Universität (JKU) wurde nach rund zwei Jahren Bauzeit feierlich eröffnet.

Foto: JKU

Instituten Communications Engineering, Data & Knowit einer symbolischen Schlüsselübergabe von BIGledge Engineering, Information Engineering und Software Geschäftsführer Hans-Peter Weiss an JKU-Rektor Engineering sowie der gesamte Fachbereich Informatik Richard Hagelauer wurde am 23. Oktober der dritPlatz, der folgende Institute umfasst: Systems ­Engineering te Bauabschnitt des JKU Science Parks feierlich eröffnet. & Automation, Formal Models & Verification, InformatiWie bei den Bauteilen 1 und 2 setzen sich auch beim onsverarbeitung & Mikroprozessortechnik, Systemsoft­Bauteil 3 die optisch spektakulären Knicke an Baukörper, ware, Anwendungsorientierte WisAußenhülle und Innenräumen fort. sensverarbeitung, Computergrafik, BioAuf rund 16.800 Quadratmetern haben informatik, Computer-Architektur, Tedie rund 230 Bediensteten die Möglichlekooperation, Computational Percep­ keit, Forschung und Lehre auf höchstion, Integrierte Schaltungen sowie tem ­Niveau zu betreiben. Auch kulinaPervasive Computing. risch gibt es dort ein neues Angebot: „Mit der Eröffnung des dritten BauDie Mensa hat ein Science-Café eröffabschnitts des JKU Science Parks ist net, das Mitarbeitern und Studierender nächste große Schritt gesetzt, um den zur Verfügung steht. die JKU zu einer international renom„Insgesamt investierte die BIG in den mierten Universität zu formen und dritten Bauteil des Science Parks rund die Anforderungen eines modernen 28  Millionen Euro“, sagt Hans-Peter Industrie­ standorts Oberösterreich zu Weiss, Geschäftsführer der BIG. Hans-Peter Weiss (BIG) überreicht den erfüllen“, sagt JKU-Rektor Richard Im neuen Gebäude finden der Fachsymbolischen Schlüssel an JKU-Rektor ­Hagelauer. bereich Wirtschaftsinformatik mit den Richard Hagelauer.

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Science

Park

Fotos: Hertha Hurnaus

Der von Caramel Architekten geplante Science Park spielt nicht nur bei der Architektur, sondern auch bei der Energieeffizienz in der Oberklasse. Alle Lüftungsanlagen sind mit Wärmerückgewinnungssystemen ausgestattet. Dazu basiert die Gebäudeheizung und -kühlung auf einer Betonkernaktivierung auf Niedertemperaturniveau. Die Sicherheitsbeleuchtung erfolgt mittels energiesparender LED-Technologie.

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Zeitraffer BG/BRG Neusiedl am See

Foto: BIG

Vom hässlichen Entlein zum schönen Schwan

Foto: Pez Hejduk

Das in die Jahre gekommene Gymnasium Neusiedl am See wurde in ein zeitgemäßes Lern- und Lehrzentrum verwandelt. Die moderne Architektur und ein in den Vorplatz integriertes Kunstwerk setzen deutliche Akzente.

Auch die Kunst kommt nicht zu kurz. Die Skulptur „TELEFON“ von Herwig Kempinger greift Don Siegels gleichnamigen Kultfilm aus dem Jahr 1977 auf. SchläferKGB-Agenten werden darin durch einen Telefonanruf in Aktion gerufen: Die einzelnen Buchstaben der „Botschaft“ sind in Aluminium gegossen und zu einer etwa fünf Meter hohen Stele gestapelt.

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instere Gänge, eine düstere Aula und eine dunkelbraune Fassade sind nicht der Stoff, aus dem Schüler- und Lehrerträume gemacht sind. Sie waren aber Realität im Gymnasium Neusiedl am See – bis zur Sanierung und Erweiterung durch die BIG. Viel Tageslicht und helle Farben sorgen jetzt für eine angenehme und motivierende Arbeitsatmosphäre. Rund zwei Jahre hat das Bauvorhaben in Anspruch genommen. Ursprünglich war geplant, ein halbes Jahr früher fertig zu sein, allerdings gab es eine unangenehme Überraschung beim Fundament der Schule. Es befindet sich im Neusiedler See, was nicht optimale Bedingungen für die Tragkonstruktion der Kellerdecke bedeutete. Sie war durchNr. 12 | 2012 | www.big.at

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BG/BRG Neusiedl

Am See

Foto: BIG

Das architektonische Gesamtkonzept von SOLID architecture + K2architektur.at wurde im Zuge der Verleihung des Architekturpreises des Landes Burgenland 2012 mit einer Auszeichnung gewürdigt.

Auf Sand gebaut: Das Projekt hat länger gedauert, da der Untergrund komplett saniert werden musste.

gerostet und musste daher komplett saniert werden. Das verursachte zusätzliche Kosten in der Höhe von rund 500.000 Euro und eben eine Verzögerung von etwa sechs Monaten bei der Fertigstellung.

Neue Verbindung

Im Zuge der Erweiterung wurde ein eingeschoßiger Verbindungsbau abgebrochen und durch einen zweigeschoßigen ersetzt. In diesem befinden sich jetzt die Aula, Klassenzimmer, Pausenflächen, die Bibliothek sowie ein Lift, um die nötige Barrierefreiheit zu gewährleisten. Zusätzlich wurde ein weiterer eingeschoßiger Trakt errichtet, der für die Nachmittagsbetreuung genutzt wird und Platz für eine Küche, einen Speiseraum, einen Aufenthaltsraum und Sanitäranlagen bietet. Mit der rund 1.500 Quadratmeter umfassenden Erweiterung weist die Schule nun eine Nettogrundfläche von etwa 8.200 Quadratmeter auf. Das Bestandsgebäude wurde einer Generalsanierung unterzogen. Eine Umgruppierung und Neustrukturierung der Klassenräume ermöglichte, dass nun die Anforderungen eines modernen Unterrichts erfüllt werden. Um auch auf den Gängen vermehrt das Tageslicht nutzen zu können, wurden in der Aula und bei den Türen der Klassenzimmer Oberlichten eingebaut. Im Rahmen der thermischen Sanierung wurden sämtliche Fenster getauscht, das Dach neu gedämmt und die Fassade mit einer Wärmedämmung nach neuestem Stand der Technik versehen.

Farblich angelehnt

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Fotos: SOLID K2 Kurt Kuball

Für das Farbkonzept des Gebäudes wurde der Baumbestand des Grundstückes als Vorbild genommen. Angelehnt an die Farben der großen Platanen im Pausenhof dominieren die Farben Grün, Beige und Weiß. Die lebendige und durchgängige Farbgestaltung wirkt identitätsstiftend für die gesamte Schule. Die rund 850 Schülerinnen und Schüler können sich aber nicht nur über ein „neues“ Schulgebäude freuen. Auch die Außenanlagen und Outdoor-Sportanlagen, wie der Hartplatz, der Rasenplatz und die Laufbahn, wurden saniert. Neu errichtet wurden ein Beachvolleyballplatz und eine große Anzahl an überdachten Fahrradabstellplätzen.

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Zeitraffer BG/BRG Judenburg

In der von Zinterl Architekten aus Graz entworfenen Aufstockung wird Chemie, Physik und Biologie unterrichtet. Bei den Turnsälen wurden die Umkleiden und Sanitärbereiche neu errichtet.

Mehr Raum für die Naturwissenschaft Rund fünf Millionen Euro wurden für die Erweiterung und Sanierung des BG/BRG Judenburg investiert.

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Fotos: Harald A. Jahn

usätzliche Unterrichtsräume gibt es jetzt im BG/BRG Judenburg. Das Bestandsgebäude wurde aufgestockt und damit um rund 750  Quadratmeter erweitert. Konstruiert ist die Aufstockung in Leichtbauweise, um das bestehende Gebäude nicht zu stark zu belasten. Die neuen Flächen dienen vor allem der Naturwissenschaft (Chemie, Physik und Biologie). Im Zuge der Sanierung wurden die Räume im Bestandsgebäude neu organisiert: So befinden sich beispielsweise die Bibliothek, der Medienraum, der Speisesaal samt Küche sowie die Nachmittagsbetreuung im Erdgeschoß. Die sanitären Anlagen und Umkleideräum­ lichkeiten im Bereich der Turnsäle wurden zur Gänze er­ neuert. Zusätzlich erhielt die Schule auch eine Aufwärm­ küche, um den Anforderungen einer Ganztagsbetreuung gerecht zu werden. Zur barrierefreien Erschließung aller Geschoße wurde im zentralen Stiegenhaus eine neue Lift­ anlage errichtet. Insgesamt werden derzeit an dem Standort rund 800 Schüler und Schülerinnen von ca. 70 Lehrern und Leh­ rerinnen unterrichtet.

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HTL Karlstein

Der barrierefreie Eingangsbereich wurde durch einen Vorbau mit Windfang und Portierloge neu gestaltet und mit automatischen Schiebetüren ausgestattet.

Neue Zeit in der Uhrmacher-Schule Mehr Platz und einen neuen Hochwasserschutz gibt es in der HTL Karlstein nach der Sanierung und Erweiterung.

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chen spiegelt Ideen und Wünsche von Schülern und Schulpersonal wider. Auch der Vorplatz wurde in Teamarbeit neu gestaltet. Dort befindet sich jetzt in einer Glasvitrine eine von den Schülern der Uhrmacherabteilung restaurierte Turmuhr, die auf die Wurzeln der Schu­ le verweist. Im Vorfeld der Baumaß­ nahmen konnte in Kooperation der BIG mit der Marktgemeinde Karlstein ein neuer Hochwasserschutz für den ge­ samten unteren Ort realisiert werden, um künftigen Überflutungen durch die nahe gelegene Thaya entgegenzuwir­ ken und somit einen dauerhaften stö­ rungsfreien Betrieb der Schule zu si­ chern.

Zentrale Bereiche wie Buffet, Turnsaal und Pausenbereiche können multifunk­ tional verwendet werden.

Fotos: Dieter Schewig

inen neuen Festsaal, zusätzliche Klassenräume und moderne Pau­ senflächen, bei deren Gestaltung die Schülerinnen und Schüler ihre Ide­ en einbringen konnten, erhielt die Hö­ here Technische Lehranstalt Karlstein, die frühere Uhrmacher-Schule. Das aus den 1980er-Jahren stammende Be­ standsgebäude wurde saniert und auf­ gestockt. Durch diese Erweiterung ka­ men rund 1.500  Quadratmeter Fläche hinzu. Insgesamt investierte die BIG rund 7,5 Millionen Euro. Im Zuge einer thermischen Sanierung wurden sämt­ liche Fenster getauscht und Fassade so­ wie Sonnenschutz erneuert. Die ge­ samte Neugestaltung der Außenflä­

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Zeitraffer Produktionstechnikzentrum TU Graz

Im „Würfel“, der die Bezeichnung PTZ Haus 2 trägt, sind zahlreiche Institute samt Büros, Labors und Hörsälen untergebracht. Der Campus wurde von Architekt Hans Mesnaritsch geplant.

Eine durchgehend „runde“ Sache Das neue Produktionstechnikzentrum der Technischen Universität Graz bietet auf rund 17.000 Quadratmetern viel Platz für Lehre und Forschung. Besonderes Highlight des Bauprojektes: die Energieeffizienz.

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ompakt, streng geometrisch und hell – so präsentieren sich die vier Gebäude des neuen Produktionstechnikzentrums. Die Anordnung der einzelnen Bauteile und der Außenanlagen sorgen für den entsprechenden Campus-Charakter. Dominant ist ein siebengeschoßiger „Würfel“, der den Zugang zum Campus markiert und einen städtebaulichen Schwerpunkt für die nähere Umgebung bildet. Ein vorgelagerter Platz im Freien wird als Aufenthalts- und Begegnungsbereich genutzt. Die Fassaden aller Gebäude sind in Weiß gehalten. Großflächige Fensterbänder und Atrien bringen viel Tageslicht in das Innere. Auch dort prägen helle Farben und Glaselemente das Erscheinungsbild.

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Das Produktionstechnikzentrum punktet aber nicht nur mit seiner Architektur, sondern auch mit seiner Energieeffizienz. Die kompakte Gestaltung der Baukörper verringert den Wärmeverlust. Im Winter werden die Glasflächen zur passiven Nutzung der Sonnenenergie eingesetzt, während in den Sommermonaten Beschattungsanlagen zum Erhalt einer angenehmen Raumtemperatur beitragen. Eine eigene Geothermieanlage mit rund 100 Sonden, die je 120 Meter tief in die Erde reichen, liefert die erforderliche Energie zum Heizen oder Kühlen. Zudem wird die Abwärme aus den Serverräumen zum Beispiel für die Beheizung der einzelnen Bauteile genutzt. Nr. 12 | 2012 | www.big.at

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Produktionstechnikzentrum

TU GRAZ

Fotos: Gisela Erlacher

Im benachbarten, kleineren Bauteil PTZ Haus 1 befindet sich das Institut für Verbrennungskraftmaschinen und Thermodynamik. Im PTZ Haus 4 befinden sich das ­Institut für Fahrzeugsicherheit, das Institut für Papier-, Zellstoff und Fasertechnik, das Institut für Elektrische Messtechnik und Mess­ signalverarbeitung sowie das Dekanat der Fakultät für Maschinenbau und Wirtschaftswissenschaften.

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Zeitraffer HTL Salzburg

„Undefiniertes Bauvorhaben“ Schulgelände unter massivem Einfluss der BIG-Art: Drei Kunstprojekte als Denkanstoß.

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ehr als 2.300  Schülerinnen und Schüler der HTBLuVA Salzburg in der Itzlinger Hauptstraße 30 haben nach mehr als zwei Jahren Unterricht auf der Bau­ stelle deutlich mehr Platz. Das beste­ hende Gebäude wurde aufgestockt und um einen viergeschoßigen Zubau erweitert. Im Zuge der Funktions­ sanierung wurde auch der Vorplatz saniert und vergrößert. Auf rund 400  Stellplätzen können die Schüler und Lehrer nun ihre Fahrräder parken. Ebenfalls umgesetzt wurden ein neues Brandschutzkonzept sowie eine thermische Sanierung, bei der das ge­ samte Gebäude eine neue Fassade er­ hielt. Die zweitgrößte Schule Öster­ reichs verfügt außerdem über eine Fo­ tovoltaik-Anlage für Lehrzwecke und ermöglicht ihren Schülern ein „Lernen am eigenen Haus“. Im Fotovoltaikla­ bor können sämtliche Daten sofort ausgewertet und analysiert werden. Insgesamt investierte die BIG rund 19  Millionen Euro. Zusätzlich wurden im Rahmen von BIG Art drei Kunst­ projekte realisiert.

Oben: Wer die Itzlinger Hauptstraße entlang fährt, sieht sofort die von Kleboth Lindinger ZT entworfene Aufstockung und den neu gestalteten Vorplatz der HTL.

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Fotos: Paul Ott

Rechts: Sonia Leimers Raumkunstprojekt für das Schulareal ist eine Treppenanlage, „die formale Ästhetik und Benutzbarkeit“ verbindet. Ihr „Undefiniertes Bauvorhaben“ soll also von den Schülerinnen und Schülern aktiv benutzt werden – als Tribüne, als Treffpunkt oder einfach nur zum Abhängen.

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HTL Salzburg

Foto: Andrew Phelps

Unten die Fahrräder und die wartenden Jugend­ lichen, oben die Kunst. Mit einer Mischung aus Comics, Text, Design und Malerei bringt Stephen Mathewson auf der ­Untersicht des auskragenden neuen Bauteils Farbe in den Schulalltag.

Fotos: Paul Ott

In einem der Stiegenhäuser befindet sich eine aus Draht gesponnene Spindeltreppe des Künstlers Fritz Panzer. Die Drahtskulptur beginnt im Erdgeschoß des ­Atriums und führt in der Mitte des Luftraumes in die oberen Stockwerke. Die Treppe wird zum Symbol, das sich viel­ fältig deuten lässt – ­vielleicht als Motiv für Auf- und Abstieg, mit ­angedeuteten Türen zu noch unbekannten Räumen.

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ZEITRAFFER

Fotos: michael hetzmannseder

NAchhALtiGKeitsBericht

V. l. n. r.: Markus Hengstschläger, Vorstand des Instituts für Medizinische Genetik; Hans-Peter Weiss, BIG-Geschäftsführer; Wolfgang Polzhuber, Mitglied des BIG-Aufsichtsrats; Wolfgang Gleissner, BIG-Geschäftsführer; Horst Pöchhacker, stv. Vorsitzender des BIG-Aufsichtsrats.

Professor Markus Hengstschläger erklärte, wie Individualität und Flexibilität die nachhaltige Gestaltung der Zukunft beeinflussen.

„Bewusstseinsbildung als Kernelement“ BIG präsentiert den ersten und mittlerweile ausgezeichneten Nachhaltigkeitsbericht.

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itte Oktober wurde der erste BIG­Nachhaltigkeits­ bericht Partnern, Kunden und Journalisten prä­ sentiert. Auf rund 60 Seiten gibt der Bericht Ein­ blick, wie Nachhaltigkeit im Unternehmen gelebt wird. „Nachhaltigkeit ist eine umfassende Sicht aller Handlun­ gen eines Unternehmens, gleichsam eine Lebenseinstel­ lung. Damit stellt Bewusstseinsbildung das Kernelement der BIG­Nachhaltigkeit dar“, sagt BIG­Geschäftsführer Wolfgang Gleissner. „Der nach den strengen Richtlinien der Global Reporting Initiative (GRI) erstmals erstellte Nach­ haltigkeitsbericht fasst alle Initiativen und Bemühungen der BIG in den Bereichen Strategie, Kundenbeziehungen, Mitarbeiter, Energieeffizienz und Umweltschutz sowie Ge­ sellschaft zusammen“, so BIG­Geschäftsführer Hans­Peter Weiss.

Kritische Betrachtung

Foto

: Nofrontiere

Handlungsweisen und gelernte Strukturen, von der Müll­ trennung bis zur Abwicklung eines Mega­Projektes wie dem Neubau der Wirtschaftsuniversität Wien, werden da­ mit kritisch beleuchtet. Im Rahmen der Präsentation gab Univ.­Prof. Markus Hengstschläger in einem launigen Im­ pulsstatement Einblick, wie Individualität und Flexibilität die nachhaltige Gestaltung der Zukunft beeinflussen. Beim anschließenden Buffet mit „Fair Food“, ausschließlich be­ stehend aus saisonalen und heimischen Produkten, wurde noch die Gelegenheit zum Gedankenaustausch und Netz­ werken genutzt. Der BIG­Nachhaltigkeitsbericht steht allen Interessier­ ten unter www.big.at zur Verfügung.

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Zentrum

Foto: Harald A. Jahn

Bundesrechen

Die neue, energieeffiziente Fassade wurde städtebaulichen Aspekten folgend an jene des benachbarten Finanzministeriums angepasst. Dafür wurde die alte Metallfassade des Bundesrechenzentrums abgebrochen.

Durch nichts zu erschüttern

Schön und sicher präsentiert sich das Bundesrechenzentrum: Das Gebäude bekam ein „Face-Lifting“ und wurde den neuesten Erdbebennormen angepasst.

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as Bundesrechenzentrum in der Hinteren Zollamts­ straße  4 im 3. Wiener Gemeindebezirk erstrahlt in neuem Glanz. Rund zweieinhalb Jahre lang wurde die rund 18.000 Quadratmeter große Fassade erneuert und thermisch saniert, dabei wurden rund 42 Millionen Euro in­ vestiert. Gleichzeitig wurde das Gebäude den neuesten Erdbebennormen angepasst. Die Fassade wurde, gemäß dem städtebaulichen Kon­ zept von Architekt Martin Kohlbauer, dem angrenzenden Finanzministerium angeglichen. Dazu wurde die undichte Nr. 12 | 2012 | www.big.at

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und veraltete Metallfassade abgebrochen und durch eine energieeffiziente ersetzt. Infolgedessen sind neue Flächen an den Fensterfronten sowie in den Eckbereichen ent­ standen. Zudem wurden Flachdach, Heizkörper und Steigleitun­ gen erneuert, der Brandschutz auf den letzten Stand ge­ bracht sowie die Außenanlagen saniert. Das Objekt besteht aus einem Kernbau und vier Trakten. Die Sanierung erfolg­ te abschnittsweise, dabei blieben jeweils drei Trakte in Voll-Betrieb.

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Thema Finanz채mter

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Foto: BAI

Finanzämter

Finanz auf Wanderschaft In Wien werden die bisherigen Bezirks-Finanzämter im neuen Finanzzentrum Wien-Mitte konzentriert. Für 1.900 Beamte heißt es damit umziehen und sich an weniger Platz im Zimmer zu gewöhnen. Die BIG wiederum ist seit Längerem schon intensiv damit beschäftigt, für diese Amtsgebäude neue Nutzungen zu finden. Von Eduard Platzenteig

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Der Neubau zu Wien-Mitte: In dem Großkomplex über dem U-Bahn- und S-Bahn-Knoten in Wien-Landstraße werden sieben ­Wiener Finanzämter zusammengefasst.

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ie Konzentration der Wiener Finanzämter in Wien-Mitte hat eine lange Vorgeschichte und geht auf die Initiative von Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser zurück. Jetzt ist es so weit: Rund 1.900 Wiener Finanzbeamte werden dieser Tage umgesiedelt – statt auf viele verschiedene in den einzelnen ­Bezirken beheimatete Finanzämter aufgeteilt zu sein, folgt eine Standortkonzentration im neuen Projekt Wien-Mitte oberhalb des U-Bahn- und S-Bahn-Knotens. Das neue Finanzzentrum Wien-Mitte (FZWM) mit der offiziellen Adresse Marxergasse 4 wird dabei Schritt für Schritt besiedelt – aufgeteilt auf insgesamt drei Umzugs-Etappen; im März 2013 soll die Fusion endgültig abgeschlossen sein. Als erster wichtiger Termin wurde dabei der 10. Dezember 2012 festgeschrieben: An diesem Tag soll das Info-Center im Erdgeschoß seine Pforten öffnen, womit auch für FinanzamtKunden eine neue Zeitrechnung begann – ab sofort heißt es nämlich, Steuererklärungen oder ähnliche Finanzangelegenheiten nicht mehr im Bezirk, sondern an dem zentralen Standort abzuliefern. Dieser große Umbruch in der Finanzverwaltung der Ostregion bedeutet aber auch für die Tochter der BIG, die ARE Austrian Real Estate, eine enorme Herausforderung. Alle von der Neuordnung betroffenen Standorte wurden vor Kurzem in die neu gegründete, auf den Markt ausgerichtete Gesellschaft eingebracht. Es gilt, die frei werdenden Ob- ›

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Thema FiNaNzämter

jekte neu zu verwerten. In der Tat sind die Dimensionen der frei werdenden Flächen selbst für den größten Immobilieneigentümer des Landes nicht unbedeutend: Insgesamt hatte die Finanz neun Standorte in Wien bei der BIG angemietet; bis auf das erst vor einigen Jahren sanierte Finanzamt für den 2., 20., 21. und 22. Bezirk in Wien-Kagran sind alle Finanzämter von der Neustrukturierung betroffen. In Zahlen ausgedrückt sind es rund 65.000 Quadratmeter, die gekündigt wurden. Für die Finanzverwaltung geht der Umzug nach Wien-mitte, das von der Bank austria und der Bank austria-Stiftung BaI (Bauträger austria Immobilien) finanziert wurde, aber auch einher mit einer enormen Flächenkonzentration. Denn ab sofort stehen für dieselbe anzahl an mitarbeitern nur noch 35.000 Quadratmeter zu Verfügung.

Das Umzugskarussell der Finanz dreht sich: Nur noch am Dr.-Adolf-Schärf-Platz bleibt ein Finanzamt der BIG bestehen.

Asylgerichtshof nach Erdberg

Die Leiterin des aRe-assetmanagement-Teams eva Rainer rechnet jedenfalls damit, dass die mit ende November gekündigten Objekte im Jänner gleichsam besenrein an den eigentümer übergeben werden – danach sollen die einzelnen Nutzungskonzepte zügig realisiert werden. Bei den meisten ehemaligen Finanzämtern gibt es auch schon ganz konkrete Nachmieter: Das Finanzamt in der erdbergstraße (Bezirke 3/11/Gerasdorf/Schwechat) wurde dem Bundesverwaltungsgerichtshof angeboten, damit dort unter anderem der asylgerichtshof und der Vergabesenat untergebracht werden können. Bei Redaktionsschluss dieser

XIV.

Bis auf das erst vor einigen Jahren sanierte Finanzamt für den 2., 20., 21. und 22. Bezirk sind alle Finanzämter von der Neustrukturierung betroffen. In Zahlen ausgedrückt sind es rund 65.000 Quadratmeter, die gekündigt wurden. XIII. ausgabe gab es bereits konkrete Vertragsverhandlungen: „Vom Verkehrs- und Nutzflächenverhältnis ist das ein extrem schwieriger Standort, weil er mit den Wartezonen für Bundesmieter konzipiert war“, beschreibt aRe-assetmanagerin andrea Reisinger: „Beim asylgerichtshof gibt es mit rund 300 Besuchern pro Tag auch eine hohe Frequenz, weshalb es die großen Wartebereiche braucht“, umreißt Reisinger. Und weil doch nicht geringe adaptierungsmaßnahmen nötig sein werden, sei ein langfristig abgeschlossener mietvertrag für alle Beteiligten begrüßenswert. Nicht ganz so rund läuft die Nachverwertung am selben Standort mit dem Rest des Gebäudes, der Finanzakademie, die in der erdbergstraße rund zwei Drittel belegt. Diese soll planmäßig im Frühjahr in einen Neubau neben dem neuen Wiener hauptbahnhof in die Favoritner Sonnwendgasse umsiedeln. Die Flächen wurden seitens der Finanz allerdings deshalb noch nicht vorab gekündigt, weil laut medienberichten das Innenministerium den mietvertrag überneh- ›

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FiNaNzämter

Fremdeigentum ARE-Standort

XXI.

XIX.

Pasettistraße

XVIII.

DR.-ADOLF-SCHÄRF-PLATZ

XX.

XVII.

Nußdorfer Straße

XVI.

IX.

Josefstädter Straße

XXII.

WIEN MITTE

Schottenfeldgasse

Radetzkystraße

VIII. I.

Seidengasse XV.

VII. VI. IV.

Ullmannstraße

V.

Kriehubergasse

XII.

III.

Hauptzollamt Schnirchgasse

Erdbergstraße

BREHMSTRASSE

XI. X.

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Thema Finanzämter

Fotos: Harald A. Jahn

Akten raus, Hotelgäste rein: Für das Finanzamt in der Nußdorfer Straße (Bild oben und rechts) gibt es konkrete Interessenten.

Für den Standort in der Kriehubergasse (Bild oben und links) interessieren sich vor allem Privatschulen.

men wollte. Aus diesem Deal wurde dann aber nichts, weshalb die Finanz für den Standort bis Ende Oktober 2013 weiter zahlen muss. Sowohl die Finanzverwaltung als auch die BIG wollen das Haus aber nicht leer stehen lassen: Zum einen soll in Erdberg ein zusätzlicher Info-Point für Finanzamt-Angelegenheiten bestehen bleiben; zum anderen gibt es seitens der BIG mehrere Nutzungsoptionen im Bundessegment. Eine Variante wäre als Dauer-Ausweichquartier bei Schulsanierungen. Laut Reisinger wäre eine weitere Möglichkeit, dort eine Ausbildungsstätte für Sicherheitseinrichtungen unterzubringen, zumal in der Finanzakademie jede Menge nützlicher Einrichtungen vorhanden sind: „Es gibt eine Art unterirdischen Schießkeller, eine dreifache Turnhalle, Seminarräume und einen Hart-Sportplatz. Das wäre also sehr gut geeignet.“

Wohnen, Büros, Hotel, Schulen

Relativ weit ist man mit den Verwertungsüberlegungen bei den zentral gelegenen Finanz-Standorten: Für das Finanzamt in der Nußdorfer ­Straße (Bezirke 9/18/19/Kloster-

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neuburg) gibt es ein Angebot einer Hotelgruppe, wobei in diesem Fall die BIG das Haus sanieren und neu vermieten würde. „Alternative sind ein Supermarkt und kleinere Geschäftslokale im Erdgeschoß mit Büros in den oberen Stockwerken“, erklärt Reisinger. So wie bei den meisten ­anderen Objekten habe es auch hier im Vorfeld fundierte Studien über Neunutzungen gegeben. Auch beim Finanzamt in der Seidengasse (Bezirke 6/7/15) ist die Richtung schon klar erkennbar: „Das war ursprünglich ein Wohnhaus – daher wäre es sehr charmant, dieses künftig wieder für Wohnzwecke rückzubauen“, sagt Reisinger. Diese Variante wäre relativ leicht handhabbar und nicht allzu teuer – und würde natürlich angesichts der zentralen Lage in einem der teuersten WohnNr. 12 | 2012 | www.big.at

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Fotos: Harald A. Jahn

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Prunkpalais mit Garten mitten im Achten: Das Finanzamt in der Josefstädter Straße (Palais Strozzi) könnte vom IHS angemietet werden.

pflaster Wiens entsprechend nachgefragt werden. Kleinere Flächen könnten im Objekt aber auch als Ausweichquartier herhalten, wenngleich diese Variante noch nicht ganz ausgefeilt sei. Mietinteressenten gibt es auch bereits beim Finanzamt in der Kriehubergasse (Bezirke 4/5/10). Das lindgrüne Gründerzeithaus mit einseitiger Büronutzung könnte aber als Objekt für Privatschulen herhalten. „Wir haben sehr viele Anfragen, das dürfte ein neuer Trend werden“, meint die Assetmanagerin. Das gilt übrigens auch für das Finanzamt in der Ullmannstraße (Bezirke 12/13/14/ Purkersdorf), für das bereits Träger von Privatschulen Interesse bekundet hätten. Bei diesem Objekt, das sich in Form eines langgezogenen Dreiecks mit der Spitze Richtung Nr. 12 | 2012 | www.big.at

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Wienfluss erstreckt, müsste freilich zuvor einiges saniert werden. „Das Haus ist insofern auch schwieriger, weil es große Raumtiefen aufweist“, erklärt Reisinger. Für die beiden letztgenannten Ex-Finanzgebäude gibt es aber immer auch die Option in der Hinterhand, sie in Bares zu ver­ wandeln. Das kommt bei einem Objekt – zumindest derzeit – ­sicher nicht infrage. Allerdings spießt es sich just dort, wo als Einziges bereits vor rund vier Jahren eine konkrete Nachnutzungsvariante festgelegt wurde: Die Rede ist vom Finanzamt in der Josefstädter Straße (Bezirke 8/16/17). So war 2008 zwischen Republik und Stadt Wien vereinbart worden, dass das Wiener Wiesenthal-Institut für HolocaustStudien die Räumlichkeiten der Finanz im altehrwürdigen ›

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Thema

Fotos: Harald A. Jahn

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Palais Strozzi übernehmen soll. Bald stellte sich allerdings heraus, dass das Gebäude für die Forscher zu groß dimen­ sioniert ist – weshalb auch die Kosten zu hoch geworden wären. Im Oktober 2011 erklärte Wiesenthal-Center-Geschäftsführer Béla Rásky in der „Wiener Zeitung“ bereits, dass der Standort Palais Strozzi „größtenteils gefallen“ sei. Stattdessen werde man den Markt auf geeignete Alternativ-Standorte sondieren, mit dem Wunsch möglichst nah beim Universitäts-Campus Altes AKH zu landen.

Mini-Standort bleibt bestehen

Im ehemaligen Finanzamt in der Schottenfeldgasse könnten Büros und Dachgeschoßwohnungen entstehen.

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Ein Interessent für das Palais Strozzi ist das Institut für Höhere Studien (IHS), das derzeit in einem Gebäude nahe dem Westbahnhof untergebracht ist und dort gerne ausziehen würde. Dann müssten sich die Wirtschaftsforscher freilich auch mit einem Thema auseinandersetzen, das seit Jahren den Bezirk beschäftigt und dem WiesenthalCenter – Stichwort Sicherheit – im Vorfeld Kopfzerbrechen bereitete: die Öffnung der für Josefstädter Verhältnisse relativ großen Grünfläche im Innenhof. Ebenfalls von der Umsiedlungswelle betroffen ist der mehr als 6.000 Quadratmeter große Finanzkomplex an der Vorderen Zollamtsstraße 3 (Gebühren, Verkehrssteuern und Glücksspiel/Großbetriebsprüfung). Diese Flächen sind bereits mehreren kleineren Bundesdienststellen beziehungsweise ausgegliederten Gesellschaften angeboten worden, die ein zentral gelegenes Objekt suchen. „Momentan sieht es so aus, dass das Objekt aufgeteilt und in kleineren Einheiten vermietet wird“, berichtet Reisinger. Nr. 12 | 2012 | www.big.at

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Fotos: Harald A. Jahn

Finanzämter

Sanierungsbedarf in RudolfsheimFünfhaus: Das Finanzamt in der ­Ullmannstraße ist auch für Schulen interessant.

Allerdings konnte der ursprüngliche Plan der Finanz, auch alle Großbetriebsprüfer in Wien-Mitte unterzubringen nicht realisiert werden – weshalb nun rund 140 Mitarbeiter am Standort Radetzkystraße 2 (im Eigentum der ARE) bleiben werden. „Wir haben das in letzter Minute noch ausverhandelt, weil wir in Wien-Mitte zusätzlichen Platz schaffen wollten“, erklärt Herbert Bayer, Vorsitzender der Finanzgewerkschaft und Vorsitzender im Fachausschuss Wien. Durch Desk-Sharing sei damit eine Kapazität von 80 Arbeitsplätzen frei geworden und für Kollegen der knappe Platz besser nutzbar, sagt er. Schließlich befinden sich Großbetriebsprüfer die meiste Zeit im Außendienst bei den Firmen. Damit bleibt freilich in der Radetzkystraße eine Fläche von rund 2.500  Quadratmetern weiter an die Finanz vermietet, weshalb – wie Kritiker anmerken – die ursprünglich angestellte Rechnung eines kostenneutralen Projekts an nur noch einem Standort nicht ganz so positiv dargestellt werden könne.

Polit-Debatte um Umzug

Tatsächlich sorgte der Großumbau in der Finanzverwaltung in den vergangenen Wochen und Monaten immer wieder für Kritik in heimischen Medien beziehungsweise der Parlaments-Opposition. Der Kern der Debatte dreht sich um zwei Aspekte: Zum einen, dass die Republik eine ansehnliche Fläche künftig bei einem privaten Anbieter – zu einem geheimen Preis – auf mindestens 20 Jahre anmietet und damit das Geld den internen Kreislauf des Staates verlässt; das ist insofern bemerkenswert, als ja Nr. 12 | 2012 | www.big.at

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das Finanzministerium von den BIG-Erträgen profitiert. Zum anderen die Tatsache, dass die rund 1.900 Finanzbeamten künftig mit deutlich weniger Platz auskommen müssen. Im Finanzministerium weist man diese grundsätzliche Kritik seit Beginn der Diskussion zurück: Mit dem neuen Finanzzentrum Wien-Mitte könnten Ressourcen eingespart und Flächen zweckmäßiger und effizienter genutzt werden. „Das erwartet auch der Steuerzahler unter maximaler Rücksichtnahme auf die Mitarbeiter“, hieß es. Die bisherigen Gebäude, deren Bau teilweise noch bis vor die Gründerzeit zurückreichte, wären auf Dauer zu teuer geworden, zumal laut Gesetz auch Umbauarbeiten für einen barrierefreien Zugang geschaffen hätten werden müssen – Finanzministerin Maria Fekter (ÖVP) sprach in ihrer parlamentarischen Anfragebeantwortung von mehr als 19 Millionen Euro, die sich durch „allerdringlichste Sanierungsmaßnahmen“ ergeben hätten. Deshalb sei die Entscheidung für einen neuen Standort mit guter Verkehrsanbindung gefal- ›

Im Finanzministerium weist man grundsätzliche Kritik zurück: Mit dem neuen Finanzzentrum Wien-Mitte könnten Ressourcen eingespart und Flächen zweckmäßiger und effizienter genutzt werden. BIG Business

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Thema Finanzämter

len, schließlich sei dieser „einzigartig, unvergleichbar und unverwechselbar“, hieß es. Ob und wie viel Geld nun tatsächlich mit der Zusammenlegung der Finanzämter eingespart wird, lässt das Finanzministerium allerdings offen. Denn über die exakte Höhe des Mietpreises sei bis zur vollständigen Vermietung aller Räumlichkeiten des Gebäudes mit dem Vermieter Stillschweigen vereinbart worden.

BIG bot billigere Standort-Konzentration an

Bemerkenswert ist aber, dass die BIG vor Jahren ihrerseits eine Standortkonzentration vorgeschlagen hat, um als Vermieter für die Finanzämter weiter im Spiel zu bleiben: „Außer dem neuen Finanzamt in Kagran sollte es eine innerstädtische Verdichtung geben mit Standorten nur noch in Erdberg, der Radetzkystraße und der Nußdorfer Straße“, berichtet Reisinger. Dabei hätte sich die Finanz ein Drittel der Flächen gespart. So wären die etablierten Standorte bei einer deutlich niedrigeren monatlichen Miete von 406.000 Euro (Stand 2007) gehalten worden. Reisinger fügt aber hinzu, dass dabei zumindest Teile der Innensanierung vom Ministerium selbst zu zahlen gewesen wären. Von Anfang an skeptisch zum Umzug eingestellt war die Gewerkschaft – vor allem aufgrund des schwindenden Platzangebots. Wie sieht die Stimmungslage jetzt aus? „Genau werden wir es erst wissen, wenn die Kolleginnen und Kollegen dort arbeiten. Mit dem Dienstgeber wurde aber eine Evaluierung nach einigen Monaten vereinbart. Wenn man wo nachbessern muss, werden wir das einfordern“, erklärt Gewerkschafter Bayer. Klar sei natürlich, dass es für jeden Einzelnen eine große Umstellung sei, schließlich seien es viele gewohnt, seit vielleicht 30 Jahren in einem Zimmer zu sitzen – und plötzlich sei dieses klassische Zimmer für immer weg. Und müsse ­dieses dann auch noch mit bis zu fünf anderen Kollegen teilen, denn Vier- bis Sechs-Personen-Einheiten seien im FZWM nun Standard.

Große Skepsis in der Belegschaft

Allerdings betont Bayer, dass die Verwaltung etliche Forderungen und Vorschläge der Personalvertreter erfüllt habe. „Zirka 40 Prozent der Räumlichkeiten sind nun de facto geschlossen, ursprünglich war ja alles als offenes Großraumbüro geplant.“ Nunmehr sei innerhalb der Büros eine echte Raumstruktur geschaffen worden, außerdem sei punkto Schall- und Sichtschutz Entscheidendes verbessert worden. Grundsätzlich steht Bayer aber zu seiner Kritik: „Wir wollen eigentlich diese Konzentration an einem Standort nicht.“ Zumal auch die Parkplatzmöglichkeiten in Wien-Mitte stark begrenzt seien. Insgesamt ortet er daher „große Skepsis“ in der Belegschaft: „Die Meinungen sind aber durchaus geteilt: Einige freuen sich auf die neue Einrichtung oder dass es moderne Teeküchen gibt. Da hat natürlich jeder der 1.900 Mitarbeiter einen anderen Zugang“, so der Personalvertreter. Punkto Kundenansturm hat Bayer aber eine starke Befürchtung: „Das Info-Center

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ist sehr unterdimensioniert, das könnte noch Probleme machen. Man muss davon ausgehen, dass dann die Bürger reihenweise in der Schlange stehen werden – das wird nicht lustig!“ Und der daraus resultierende Kundenfrust würde sich dann direkt auf die Mitarbeiter am Front-­Office entladen, fürchtet Bayer.

Auch Ministerium packt bald die Aktenordner

Nach ursprünglichen Plänen hätten die Info-Stellen übrigens an den Finanzamt-Standorten bleiben sollen, damit die Bürger weiterhin Anlaufstellen in den Wohnbezirken haben. Bis auf jene in Erdberg wird dieser Plan aber – wohl aus Kostengründen – nicht realisiert. Auch die BIG signa­ lisierte dagegen von Anfang an Widerstand, immerhin hätten solche Info-Points im Erdgeschoß eine adäquate Nachnutzung gefährdet. Doch nicht nur die Beamten der Wiener Finanzämter siedeln um, auch für die Beamten des Finanzministeriums heißt es demnächst wieder, die Koffer und Umzugskartons zu packen: Nachdem der Stammsitz des Ministeriums in der Himmelpfortgasse im 1. Bezirk renoviert werden musste, bezogen im Jahr 2007 rund 800 Ministeriumsmitarbeiter das Ausweichquartier in der Hinteren Zollamtsstraße 2b im 3. Bezirk; der ehemalige Sitz der Statistik Austria war zuvor von der BIG generalsaniert worden. Eigentlich hatten viele schon damit gerechnet, dass das Finanzministerium tatsächlich auf Dauer in dem Ausweichquartier bleibt und das Winterpalais des Prinz Eugen anderweitig genutzt wird (zumal sich die Belegschaft auf den 30.000  Quadratmetern Nutzfläche recht wohlgefühlt haben dürfte) – seit Kurzem steht aber fest, dass es im ersten Quartal 2013 doch zu einer Rück-Übersiedlung kommt. Ausschlaggebend für diese Entscheidung sei laut Medienberichten unter anderem auch ein Rechnungshofbericht gewesen, der die Nutzung des im Eigentum der Republik Österreich stehenden (Burghauptmannschaft) Winterpalais für die Finanz empfahl. Immerhin wurde das architektonische Juwel aufwendig saniert. Eine Aufstockung des Hauses ermöglicht es nun, wieder alle 800 Mitarbeiter aufzunehmen. Denn vor dem Umzug in das Ausweichquartier waren etliche in einem später abgerissenen Gebäude auf der Kärntner Straße untergebracht – auf jenem Standort, wo nach einem Verkaufsprozess durch die BIG nun der ­Moderiese Peek & Cloppenburg sein neues Weltstadthaus errichtete. Nichtsdestotrotz bereitet die Adresse Hintere Zollamtsstraße  2b den ARE-Assetmanagern kein Kopfzerbrechen. Denn „die Finanz“ bleibt eingemietet. „Das Haus wird ­vorwiegend mit anderen Dienststellen aufgefüllt“, verrät Reisinger. Die Steuer- und Zollkoordination soll ebenso einziehen wie die IT-Abteilung Sektion 5 des Ministeriums, die derzeit noch im benachbarten „Zwillingsgebäude“ dem Bundesrechenzentrum untergebracht ist, sowie der Unabhängige Finanzsenat (UFS). Der UFS sowie die Steuer- und Zollkoordination wiederum werden den bisherigen Standort Vordere Zollamtsstraße 7 aller Voraussicht nach für eine Dienststelle des BMJ freimachen.  ‹ Nr. 12 | 2012 | www.big.at

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Finanzämter

Fotos: Harald A. Jahn

Der riesige Finanzkomplex in der Erdbergstraße wird voraussichtlich wieder einen Bundesmieter bekommen, der Verwaltungsgerichtshof (Asylgericht, Vergabesenat) gilt als Favorit.

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Thema Bezirksgerichte

Flächendeckendes Recht

Foto: Gina Sanders – Fotolia.com

Verbesserte Versorgung trotz einer geringeren Anzahl von Standorten: Das ist kurz umschrieben das Ziel der bundesweiten Bezirksgerichtsreform. Durch die Schaffung von barrierefreien Zugängen und stärkeren Sicherheitskontrollen sowie den Ausbau der Servicecenter soll die Justiz modernisiert und für die Zukunft fit gemacht werden. Damit die Strukturoptimierung auch gelingt, sind teils umfassende Aus- und Umbaumaßnahmen nötig. Von Franz Hubik

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Bezirks

Gerichte

«Grundsätzlich ist ein Gericht im Volksmund ja nichts Positives. Aber bei uns, da hatte der Richter auch immer eine Mediatorfunktion inne.» Norbert Vögerl, Bürgermeister von Windischgarsten

Foto: Franz Hubik

Fotos: Harald A. Jahn

Das Bezirksgericht von Windischgarsten muss aufgrund seiner Größe schon bald den Betrieb einstellen. Dort gibt es nämlich nur eine Richterstelle. Und wenn dieser dann krank ist, fallen alle ­Termine aus.

G

rundsätzlich ist ein Gericht im Volksmund ja nichts Positives“, sagt Norbert Vögerl und faltet seine Hände wie zum Gebet. Dann spreizt der Bürgermeister von Windischgarsten seine Finger, hebt die Arme und ergänzt: „Aber bei uns, da hatte der Richter auch immer eine Mediatorfunktion inne.“ Wenn Anfang 2013 das Bezirksgericht in dem oberösterreichischen Luftkurort Windischgarsten im Rahmen der bundesweiten Bezirksgerichtsreform aufgelassen wird, geht eine Schlichtungsstelle vor Ort verloren. „Das ist natürlich ein Qualitätsverlust“, gibt Vögerl unumwunden zu. Der kernige Ortspolitiker mit dezentem Oberlippenbart erzählt, dass der Verlust des Gerichts in der Region mit sehr viel Wehmut verbunden wird. Gerade auf der menschlichen Ebene hätten der Richter und sein Team viel geleistet und als neutrale Instanz zum Erhalt des Friedens in der Dörflichkeit beigetragen. Trotzdem hält der Bürgermeister der 2.400-Seelen-Gemeinde die Reform für berechtigt. Man müsse die Nahversorgung im ländlichen Raum eben an das moderne Zeitalter anpassen. Schließlich bieten die heutigen elektronischen Kommunikationsmittel einen Service, der früher unvorstellbar war. Über das Internet lässt sich mittlerweile jeder Kaufvertrag bequem von zu Hause aus Nr. 12 | 2012 | www.big.at

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ausdrucken. Das Grundbuch ist nur einen Klick entfernt. Wozu braucht eine kleine Gemeinde also noch einen eigenen Gerichtsstandort?

Karls Bezirksgerichtsreform

Das dachte sich offenbar auch Justizministerin Beatrix Karl und ging Anfang des Jahres mit ihrem Konzept zur Reform der österreichischen Rechtsorganisation an die Öffentlichkeit. Die Ministerin will in den kommenden Jahren die ›

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Thema Bezirksgerichte

Fotos: Harald A. Jahn

Struktur der Bezirksgerichte optimieren und modernisieren. Konkret sollen im Zuge der Verwaltungsreform die derzeit 141 bestehenden Bezirksgerichte auf rund hundert reduziert werden. Erste Ergebnisse liegen bereits auf dem Tisch. In Niederösterreich, Oberösterreich und der Steiermark werden bis Ende 2014 insgesamt 26 Standorte aufgelassen. Im Detail heißt das: In Niederösterreich sperren neun von 32 bestehenden Standorten zu; in Oberösterreich werden zehn von 28  Bezirksgerichten geschlossen und in der Steiermark schließen sieben von ursprünglich 22  Gerichten ihre Pforten. Ziel der Strukturoptimierung sind weniger, aber dafür größere Standorte. Dadurch soll die Qualität der Justiz weiter verbessert werden. Etwa indem sich die Richter stärker auf eines der weiten Rechtsfelder spezialisieren und leichter gegenseitig in Kontakt treten können. Vor allem an kleinen Gerichtsstandorten war es bisher üblich, dass ein Richter für de facto alle Rechtsgebiete zuständig war, von der Adoption bis zum Privatkonkurs. Durch die geplante Spezialisierung soll sich das nun ändern und nicht zuletzt dazu führen, dass die Dauer der Verfahren deutlich verkürzt wird. Durch die Standortfusionen erwartet sich Justizministerin Karl ab 2013 Einsparungen in der Höhe von sechs Millionen Euro. Synergieeffekte, wie die geringeren Kosten für Gebäudemieten, sollen langfristig 80.000 bis 100.000 Euro pro Standort und Jahr bringen. Beim Personal will die Ministerin aber nicht sparen, wie sie in einer Presseaussendung versicherte. Dafür sollen mit der Errichtung von größeren Gerichtseinheiten die Servicecenter weiter ausgebaut und längere Öffnungszeiten an den Standorten eingeführt werden. Karl will mit der Reform zudem ein „klares Plus“ an Sicherheit erzielen: „Mit derzeit 141 Bezirksgerichten ist es geradezu unmöglich, eine lückenlose Sicherheitskontrolle zu garantieren. Mit dem vorliegenden Konzept kann diese für Bedienstete und Bürger an allen Gerichtsstandorten gewährleistet werden“, sagte die Ministerin bei der Vorstellung ihrer Pläne Anfang des Jahres.

Neunkirchen (Fotos oben) ist ein seit Jahren bekanntes Thema für BIG-Assetmanager. An diesem Standort sind nämlich Justiz und Finanz mehr oder weniger harmonisch vereint. Ziel ist eindeutig die Trennung. Spätestens jetzt ist das dringend notwendig, da das Gericht erweitert werden muss.

Aufgaben der ARE

Hauptverantwortlich dafür, dass die geplanten Änderungen auch baulich in die Tat umgesetzt werden, ist die ARE Austrian Real Estate, die Tochtergesellschaft der BIG. In Abstimmung mit dem Justizministerium werden für jeden einzelnen Standort Konzepte für die künftige Nutzung erarbeitet, wobei sich nicht alle Immobilien im Eigentum der ARE befinden. Die Aufgaben der ARE lassen sich grob in zwei Bereiche gliedern: Zuallererst sind bei den verbleibenden Bezirksgerichten teils massive Aus- oder Umbauarbeiten vonnöten. Schließlich müssen die Gebäude fit für die

Ein trotz zentraler Lage weniger schmucker 70er-Jahre-Bau in Gloggnitz, für den kreative Nachnutzungs­ konzepte dringend ­gefunden werden müssen.

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BeZirks

Gerichte

Fremdeigentum ARE-Standort

Laa an der Thaya

MISTELBACH

NIEDERÖSTERREICH

Zistersdorf

KORNEUBURG Stockerau

GÄNSERNDORF

Purkersdorf AMSTETTEN

1130 WIEN

MELK

Ybbs

ST. PÖLTEN BADEN

Haag

Waidhofen

NEUNKIRCHEN

Gloggnitz In Österreichs größtem Bundesland werden neun von 32 bestehenden Gerichtsstandorten geschlossen. Den Anfang machen Ebreichsdorf, Laa an der Thaya, Stockerau und Zistersdorf. Sowie danach Gloggnitz, Haag, Waidhofen an der Ybbs und Ybbs. Zuletzt folgt dann das Bezirksgericht in Purkersdorf, das mit jenem in Wien-Hietzing zusammengelegt wird.

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Die BeZirksGerichtsreFOrM iM DetAiL Im Rahmen der bundesweiten Bezirksgerichtsreform sollen die derzeit 141 bestehenden Bezirksgerichte auf rund 100 reduziert werden. Bereits beschlossen wurde die Zusammenlegung von 26 Bezirksgerichten in den drei größten Bundesländern Niederösterreich, Oberösterreich und der Steiermark.

müssen, führt bei anderen Immobilien kein Weg an einer Generalsanierung vorbei. „eines der anspruchsvollsten Projekte ist die Integration der Bezirksgerichte Frankenmarkt und mondsee in jenes in Vöcklabruck“, sagt Rainer: „hier müssen wir alle möglichen Facetten berücksichtigen.“ Grundsätzlich sind bei allen Standorten der einbau eines Info-Centers, die Schaffung barrierefreier Zugänge und die Umsetzung der Sicherheitsrichtlinie des BmJ zu berücksichtigen. „In Vöcklabruck kom- ›

Foto: BiG

anforderungen einer bürgerfreundlichen Justiz im 21. Jahrhundert gemacht werden. Parallel dazu werden für die aufgelassenen Standorte Nachnutzungskonzepte entwickelt oder Käufer gesucht. „Wir sind hier richtig gefordert“, sagt aRe-assetmanagerin eva Rainer: „Von heute auf morgen lagen bei uns 15 neue Projekte auf dem Tisch, die möglichst rasch umgesetzt werden sollen.“ Die teils großen Bauvorhaben binnen so kurzer Zeit zu verwirklichen ist freilich alles andere als einfach. Nichtsdestoweniger will die BIG bis Jahresende die Planungsphase weitgehend abschließen. Im Vordergrund steht dabei die Frage: Welche ansprüche müssen die Immobilien in Zukunft erfüllen? Die Umsetzung der politischen Vorgaben ist vielfach ein Drahtseilakt in puncto machbarkeit. Von Bezirksgericht zu Bezirksgericht seien die anforderungen und Gegebenheiten unterschiedlich, erklärt Rainer. Während an manchen Standorten nur ein paar Tische verrückt und Wände neu gestrichen werden

Ebreichsdorf

«Von heute auf morgen lagen bei uns 15 neue Projekte auf dem Tisch, die möglichst rasch umgesetzt werden sollen.» Eva Rainer, Leiterin des Assetmanagement-Teams

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Thema

Fotos: Harald A. Jahn

Bezirksgerichte

Veränderungen sind in dem denkmalgeschützten Gebäude in Freistadt eine große Herausforderung. Meterdicke Mauern sind selbst mit modernen ­Arbeitsgeräten nicht so schnell ­versetzt.

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men allerdings noch die Wünsche der ,Mitmieter‘ dazu, da im selben Gebäude noch Arbeitsinspektorat und Vermessungsamt untergebracht sind. Daher können die Bauarbeiten erst nach Klärung und Abstimmung mit allen Beteiligten erfolgen“, sagt Rainer.

Spannende Projekte

Von derlei Herausforderungen weiß auch Monika Zbiral zu berichten. Die Leiterin der zuständigen Abteilung Budget, Bau, Beschaffung und Sicherheit im Justizministerium koordiniert die Planung und Umsetzung der einzelnen Projekte. Besonders die Abstimmung mit dem Denkmalschutz bringt ihre Terminplanung gerne ins Wanken. „Die ältesten Gebäude sind fast 500 Jahre alt, da geht es auch simpel darum zu sehen, was überhaupt machbar ist“, so Zbiral. Ein besonders interessantes Bauvorhaben in diesem Zusammenhang ist sicherlich die Übersiedelung des Gleisdorfer Bezirksgerichts nach Weiz. Die Immobilie, in der sich das Weizer Bezirksgericht befindet, ist nämlich ein altes Schloss. Genauer gesagt das steirische Schloss Radmannsdorf. Bei solch außergewöhnlichen Im-

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Das Gericht aus Bad Leonfelden übersiedelt nach Freistadt. Das ebenfalls unter Denkmalschutz ­stehende Gebäude hat jedenfalls Flair. Die Badewanne sollte aber vermutlich getauscht werden.

mobilien sei die Planung nicht ganz so einfach, gibt Zbiral zu: „Normalerweise gibt es zu jedem Objekt ein Raum- und Funktionsprogramm, quasi eine Planungsanleitung für den Architekten. Aber bei so einem Projekt müssen wir erst Machbarkeitsstudien durchführen.“ Da über Widmungen und Baubescheide nicht im Vorhinein entschieden wird, sondern erst nach Vorlage eines konkreten Projekts, können zudem manchmal Planungsschleifen entstehen. „Mir ist aber lieber, es dauert drei Monate länger und dafür ist dann alles in Ordnung, als man muss später noch nachbessern“, so Zbiral. Insgesamt ist die Bandbreite der Aufgaben gewaltig. „In Kirchdorf an der Krems müssen wir nur ganz geringe Maßnahmen setzen“, sagt Rainer. „Bei anderen Standorten haben wir dafür Bauphasen von bis zu zwei Jahren mit allem Drum und Dran.“ Dementsprechend schwierig gestaltet sich mancherorts auch das Abschätzen der Kosten. Ob in einer Immobilie ein Archivgeschoß dazu gebaut werden soll oder nicht, hat beispielsweise einen enormen Einfluss auf die Höhe der finanziellen AufwendunNr. 12 | 2012 | www.big.at

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BeZirks

ROHRBACH

OBERÖSTERREICH Künftig wird es nur mehr 18 Standorte in Oberösterreich geben, zehn Bezirksgerichte müssen zusperren. Am Anfang trifft es Leonfelden, Lambach und Windischgarsten. Danach folgen Frankenmarkt und Mondsee. Zuletzt schließen dann die Gerichte in Enns, Weyer, Mauthausen, Pregarten und Peuerbach ihre Pforten.

Gerichte

FREISTADT

Bad Leonfelden EFERDING GRIESKIRCHEN

Pregarten PERG

Peuerbach

LINZ

Lambach

WELS

Mauthausen Enns

VÖCKLABRUCK STEYR Frankenmarkt

KIRCHDORF/KREMS

Weyer

Mondsee Windischgarsten

Fremdeigentum ARE-Standort

gen. Zudem sind politische Zeitvorgaben manchmal schwierig mit der Realität zu vereinbaren. Die baubehördliche abstimmung und die Koordination mit dem Denkmalschutz ziehen Projekte oft in die Länge.

Überfällige Reform

Wenn man einen Blick in die Statistik und die Geschichtsbücher wirft, scheint eine Reform der österreichischen Rechtsorganisation überfällig. Österreich hat nämlich im europäischen Vergleich ausgesprochen viele Gerichtsstandorte in Bezug auf die einwohnerzahl. Im Verhältnis zum einzelnen Bürger sind es zum Teil sogar mehr als doppelt so viele, wie in den meisten anderen Ländern. Dazu kommt, dass herr und Frau Österreicher im Schnitt nur zwei mal in ihrem Leben ein Bezirksgericht aufsuchen. Trotzdem muss sich die Politik die Frage stellen: Ist die Reform den Bürgerinnen und Bürgern zumutbar? In Windischgarsten in Oberösterreich ärgern sich vor allem die Älteren über die längeren anfahrtszeiten, die sie jetzt mit Nr. 12 | 2012 | www.big.at

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der Gerichtsübersiedlung nach Kirchdorf an der Krems in Kauf nehmen müssen. Wird der Bevölkerung also der Weg zum Recht erschwert? „Nein, nicht wirklich“, sagt Peter mayr vom Institut für Zivilgerichtliche Verfahren der Universität Innsbruck und weist auf die wesentlich verbesserten Verkehrs- und Kommunikationsverhältnisse hin. Und außerdem: „es gibt objektive Grenzen. Zumindest zwei Richter sollten dauerhaft ausgelastet sein, andernfalls ist die aufrechterhaltung ei- ›

«Es gibt objektive Grenzen. Zumindest zwei Richter sollten dauerhaft ausgelastet sein, andernfalls ist die Aufrechterhaltung eines Standorts nur schwer argumentierbar.» Peter Mayr, Institut für Zivilgerichtliche Verfahren der Universität Innsbruck

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Thema

Fotos: Harald A. Jahn

Bezirksgerichte

Die Arkaden des Schlosses Judenburg werden aller Voraussicht nach verglast und die Erdgeschoßzone weitgehend geöffnet. Nach der Absiedelung der Justizanstalt übernimmt das Gericht die frei werdenden Flächen. Knittelfeld über­ siedelt nach Judenburg. Für das gut ­erhaltene Amts­ gebäude wird ein Nutzer oder Käufer gesucht.

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BeZirks

Gerichte

Fremdeigentum ARE-Standort

STEIERMARK

LIEZEN Irdning

WEIZ Hartberg

Frohnleiten Knittelfeld

JUDENBURG

GRAZ WEST

FÜRSTENFELD Gleisdorf

FELDBACH

Stainz DEUTSCHLANDSBERG Bad Radkersburg Sieben Bezirksgerichte werden mit anderen zusammengelegt. Von 22 Standorten bleiben in der Steiermark nur mehr 15 übrig. Konkret werden zu Beginn der Reform Frohnleiten, Hartberg, Irdning und Knittelfeld aufgelassen sowie danach Bad Radkersburg, Gleisdorf und Stainz.

nes Standorts nur schwer argumentierbar.“ am Bezirksgericht Windischgarsten gibt es hingegen nur einen Richter, das sei auch aus Kostengründen kaum zu rechtfertigen, so mayr. Der Wissenschaftler kritisiert aber, dass sich die Reform im Wesentlichen aufs Zusperren von Standorten beschränkt. Und das obwohl die Bezirksgerichte gleichzeitig aufgewertet werden und somit neue Kompetenzen bekommen. Zur erklärung: Die ministerin will die Zuständigkeiten der Bezirksgerichte stufenweise erweitern, indem der Streitwert in Zivilsachen von 10.000 euro auf 25.000 euro angehoben wird. Rechtsprofessor mayr ortet aber ohnehin weniger bei den Bezirksgerichten selbst, als bei der allgemeinen Struktur der österreichischen Justiz gravierenden handlungsbedarf: „Was es bräuchte, wäre ein klarer dreistufiger Instanzenzug mit einem eingangsgericht, einem Rechtsmittelgericht und einem obersten Gericht.“ Dazu könne sich die Politik aber offenbar nicht durchringen, was zwangsläufig zu mehrgleisigkeiten im System führe. „Das Übel liegt in der Verfassungslage“, sagt mayr. Demnach bedürfen Änderungen der Sprengel der Bezirksgerichte laut Bundesverfassung einer Verordnung der Bundesregierung, die nur mit Zustimmung der jeweiligen Landesregierung erlassen werden darf. Im Klartext: Die Länder haben ein Vetorecht. Nr. 12 | 2012 | www.big.at

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Und Zugeständnisse lassen sich die Landeshauptleute meist nur zu sehr teuren politischen Konditionen abkaufen. Diese verstaubte Regelung, die seit 1920 gültig ist und ursprünglich nur als Übergangsregel gedacht war, verhindert laut mayr bis heute eine umfassende Reform der österreichischen Gerichtsbarkeit. „allein schon aus demokratiepolitischer Sicht fände ich es besser, wenn das ein ganz normales Bundesgesetz wäre“, so der experte für Zivilprozessrecht. Die historie der österreichischen Gerichtsorganisation bietet ohnehin einige skurrile Schmankerl und liest sich wie eine endlose Geschichte. Denn die Grundzüge der heutigen Organisation der Bezirksgerichte stammen aus dem Jahr 1869. Damals regierte noch Kaiser Franz Joseph I. und Österreich war Teil der habsburger Donaumonarchie Österreich-Ungarn. aus dieser Zeit stammt auch das ungeschriebene Gesetz, dass Gerichte so positioniert sein müssen, dass sie innerhalb einer Tagesreise mit dem Ochsenkarren zu erreichen sind. Seitdem hat sich die erde freilich einige male um die eigene achse gedreht und der mobilitätsradius der Österreicher ist deutlich größer geworden. Spätestens seit ende der 60er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts wurden immer wieder anläufe unternommen, die Justiz zu reformieren. Den letzten Versuch startete 2002 ›

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Thema Bezirksgerichte

Foto: Franz Hubik

Bei einer Übersiedlung kann einmal ordentlich aus­ gemistet werden. Wenn dabei ­vermutlich auch ­genaue Vorschriften eingehalten werden müssen. Irene Gölles, ­Bürgermeisterin von Gloggnitz, zeigt Verständnis für Sparmaßnahmen.

der damals amtierende Justizminister Dieter Böhmdorfer, der die Anzahl der Bezirksgerichte in mehreren Etappen ­radikal reduzierte. Insgesamt wurden 52 Bezirksgerichte aufgelassen, was zu einem Aufschrei in den betroffenen Regionen führte.

Widerstand am Land

«Ich glaube nicht, sollte ein Gericht absiedeln, dass sich der Niedergang der Gemeinde anbahnt.» Martin Heintel, Regionalforscher an der Universität Wien

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Foto: beigestellt

Auch heute wehren sich die betroffenen Gemeinden wieder mit Händen und Füßen gegen die Fusionspläne des Justizministeriums. Im niederösterreichischen Gloggnitz haben sich beispielsweise alle im Gemeinderat vertretenen Parteien und die Unternehmen vor Ort vehement gegen die Schließung ihres Bezirksgerichts ausgesprochen. In einem gemeinsamen Schreiben wandten sich die Gloggnitzer an die zuständigen Bundes- und Landespolitiker und setzten sich für den Erhalt ihres Standorts ein. Vergebens. Das Gericht in Gloggnitz wird voraussichtlich im Jänner 2014 im Zuge der Umstrukturierungsmaßnahmen mit jenem in Neunkirchen zusammengelegt. „Wenn eine Stadt ihr Gericht verliert, ist das natürlich eine Abwertung“, sagt Irene Gölles. Die Bürgermeisterin von Gloggnitz sorgt sich um die Attraktivität ihrer Gemeinde und fürchtet einen flurbereinigenden Dominoeffekt. „Hier geht es um die Ausdünnung der Stadt: Heute ist es das Gericht, morgen die Post.“ Gölles zeigt zwar generell Verständnis für Sparmaßnahmen – gerade in wirtschaftlich turbulenten Zeiten, wie diesen –, aber die Auflassung des Gerichts empfindet sie als eine kurzsichtige Aktion. Man dürfe die Umweg-Rentabilität des Standorts nicht unterschätzen.

Am Bezirksgericht Gloggnitz arbeiten derzeit 14 Angestellte und ein Richter. Gölles gibt sich keinen Illusionen hin: Diese fünfzehn direkt Betroffenen werden ihre täglichen Besorgungen künftig wohl gleich an ihrer neuen Arbeitsstätte – im gut 18 Kilometer entfernten Neunkirchen – tätigen. Zudem befürchtet die Bürgermeisterin, dass im Zuge der Reform Arbeitsplätze verloren gehen könnten, weil die ortsansässigen Rechtsanwaltskanzleien gleich mitabwandern. Ein weiterer Kaufkraftverlust wäre für Gloggnitz aber nur schwer zu kompensieren, ärgert sich Gölles: „Mit der Verknappung der Infrastruktur werden die Probleme am Land sicher nicht gelöst.“ Immerhin hat der Gerichtsbezirk Gloggnitz rund 25.000 Einwohner, wobei laut Angaben der Gemeinde im Monat gut 500 Menschen persönlich das Bezirksgericht aufsuchen. „Wenn die Leute aufs Gericht gehen, erledigen sie meistens davor Einkäufe, trinken einen Kaffee und gehen nach der Verhandlung vielleicht noch mit ihrem Anwalt essen. Künftig fällt das alles weg“, sagt Gölles.

Hausgemachte Probleme

Martin Heintel, Regionalforscher an der Universität Wien, sieht die Auswirkungen der Reform nicht ganz so dramatisch: „Ich glaube nicht, sollte ein Gericht absiedeln, dass sich der Niedergang der Gemeinde anbahnt. Solche Entwicklungen können nicht auf das Zusperren eines Postamts oder eines Gerichts reduziert werden.“ Vielmehr seien andere Faktoren, wie beispielsweise der immer geringere Frauenanteil in den Gemeinden ausschlaggebend für die Abwanderung. Für Heintel ist klar: In der Regel sind die Probleme hausgemacht, da jeder selbst für sein Konsumverhalten verantwortlich ist. Das Gejammere zu dem Thema kann der Wissenschaftler nicht mehr hören: „Es ändern sich nun einmal gesellschaftliche Üblichkeiten und Rahmenbedingungen. Wenn niemand mehr ins Wirtshaus geht, wird es zusperren müssen. Das ist auch bei der Post oder einem Bezirksgericht im Endeffekt nicht anders.“ Viele Leistungen wären nicht mehr zeitgemäß und würden deshalb auch nicht mehr wirklich wahrgenommen. Nr. 12 | 2012 | www.big.at

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Gerichte

Fotos: Harald A. Jahn

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Die Zukunft liegt laut Heintel in virtuellen Angeboten, wo es unterstützend für die ältere Bevölkerung zusätzliche Serviceangebote geben sollte. Vielfach hätten es die Gemeinden selbst in der Hand, ihre Probleme zu lösen. Ex­ trem wichtig sei diesbezüglich eine stärkere Kooperation mit anderen Regionen. Beispielsweise könnten ausufernde Verwaltungsapparate durch grenzüberschreitende Initiativen verschlankt werden. Gerade bei der Entwicklung von innovativen Ideen sei der ländliche Raum rückständig. Allein aufgrund der geringen Größe stößt kreatives Unternehmertum in vielen Gemeinden schnell auf Grenzen, meint Heintel. „Was ich mir wünschen würde, ist eine viel stärker zukunftsorientierte und konsensual geführte Auseinandersetzung, anstatt Ad-hoc-Reformen aufgrund von Kostendruckfaktoren.“

Neue Baustellen

Einen Konsens versucht auch Justizministerin Beatrix Karl herzustellen. Nämlich in den Verhandlungen mit den Landeshauptleuten. Zwar hat sich die Ministerin – wie erwähnt – bereits mit den drei größten Ländern Niederösterreich, Oberösterreich und der Steiermark über die Schließung von 26 Gerichtsstandorten geeinigt. Aber Verhandlungsergebnisse mit den fünf verbleibenden Bundesländern stehen noch aus. Wien ist von der Bezirksgerichtsreform übrigens ausgenommen, da die Bundeshauptstadt gesondert geregelt ist. Somit ist klar: Das Bauprogramm der Justiz ist noch lange nicht abgeschlossen.  ‹ Nr. 12 | 2012 | www.big.at

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Das Bezirksgericht Steyr bietet nach dem Umbau jede Menge Platz für das Bezirksgericht Enns (Bild links).

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Diskussion Standpunkte

Monika Zbiral

Leitende Staats­ anwältin im Bundes­ ministerium für Justiz

„Auf Augenhöhe“ Vor kurzem wurde die ARE Austrian Real Estate, eine Tochter der BIG, gegründet. Dieses neue Unternehmen richtet sein Angebot ganz klar nach den Bedürfnissen des Marktes aus. Wie aber verhält sich der große Rest? Eine von Ernst Eichinger moderierte Diskussion versucht Antworten zu finden.

Ulrike Haslauer Geschäftsführerin Compact Electric

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Markus Neurauter Geschäftsführer Raiffeisen evolution

Richard Woschitz

Fotos: Michael Hetzmannseder

Geschäftsführender Gesellschafter der Woschitzgroup

Hans-Peter Weiss Geschäftsführer BIG

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er BIG-Konzern ist derzeit auf dem Weg sich neu auszurichten. In welche Richtung soll es gehen? Weiss: Wir befinden uns seit gut einem Jahr in einem massiven Veränderungsprozess. Dessen Ausgangspunkt war eine Frage: Was genau ist die BIG und was will sie sein? Ist sie ein Unternehmen oder eine Verwaltungseinheit unter der kuscheligen Decke der Republik? Aus meiner Sicht ist es wichtig, rasch und konsequent den Weg Richtung Unternehmertum zu gehen. Das bedeutet, den Kunden-, den Partner- und natürlich auch den Mitarbeiternutzen in den Vordergrund zu stellen. Daher ist es uns auch wichtig, wie unsere Partner die BIG sehen … Und? Wie sehen die Partner die BIG? Zbiral: Na ja, unter der Decke der Republik ist es vielleicht nicht überall so kuschelig warm, wie man sich das von außen gerne vorstellt. Bekanntlich wird ja gerade eine große Reform des gesamten Haushaltswesens umgesetzt, in deren Rahmen auch bundesintern versucht wird, noch mehr Kostenbewusstsein, Wirkungsorientierung und zielgerichtetes Handeln zu forcieren. Welche Defizite orten Sie denn, um überhaupt eine Neuausrichtung hin zum Unternehmertum anzustreben? Weiss: Vieles läuft natürlich bereits sehr gut, aber ich glaube es gibt viele Hinweise, die darauf deuten, dass wir schneller und kundenorientierter arbeiten können. Das zeigt sich nicht zuletzt an der Tatsache, dass uns Kunden im Republikumfeld verloren gehen. Die Umzüge der Finanz Nr. 12 | 2012 | www.big.at

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Standpunkte

«Unter der Decke der Republik ist es vielleicht nicht überall so kuschelig warm, wie man sich das von außen gerne vorstellt.» Monika Zbiral

den Baustellen war. Darunter haben sehr viele gelitten – sind ja medial präsent. Gleichzeitig gelingt es uns nicht, auch Raiffeisen evolution. Nichtsdestotrotz haben wir es in diese Abgänge woanders wieder zu kompensieren. In diese einer späteren Phase geschafft, in eine Partnerschaft miteiRichtung kann es nicht gehen, denn sonst wissen wir, wo nander zu treten. Das heißt, dass wir bei unseren Projekten die BIG am Ende des Tages stehen wird. ein gemeinsames Ziel vor Augen haben. Im Rahmen dieser Ist nicht das ganze „Beziehungssystem“, in dem die BIG Partnerschaft habe ich die BIG, trotz ihrer Struktur und Gröagiert, derzeit noch eher unvollkommen? Also beispielsweise ße und damit zusammenhängender Ausprägungen wie Mieter zu haben, die sich gleichzeitig als Eigentümer fühlen? verschiedener Dienstrechte, als sehr kompetenten und Zbiral: Es ist sicher so, dass sich die Mieter der BIG auch schnell reagierenden Partner erlebt. Ich persönlich wüngleichzeitig als Eigentümer betrachten. Was rechtlich besche mir, dass diese Partnerschaft in derselben Richtung trachtet ja auch so ist – Mieter ist der Bund und die BIG weiter besteht. Die Ergebnisse sprechen für sich. steht im Eigentum des Bundes. Aber im täglichen Geschäft Sehen Sie diese Partnerschaft als gleichwertig oder hat da sind wir sehr arbeitsteilig, da tritt das Justizministerium ­einer die Hosen an? eben nicht als Eigentümer auf. Neurauter: Eine Partnerschaft ist für mich immer gleichWeiss: In Ihrem Fall ist das sicher so. Andere Ressorts sehen wertig. Sonst ist es keine Partnerschaft. Es kommt natürlich sich aber eindeutig als Eigentümer. immer darauf an, wie viel jeder zulässt und welche WertHerr Neurauter, Sie sind schon lange Geschäftspartner der schätzung dabei ist. Aber bei uns sehe ich diese gegenseitiBIG. Welche Erfahrungen haben Sie gemacht? ge Wertschätzung. Wir kennen unsere Neurauter: Ich kenne die BIG schon jeweiligen Stärken und ergänzen uns seit vielen Jahren. Zuerst habe ich das sehr gut. Unternehmen als beinharte Aus«Wir befinden uns seit Compact Electric war vor kurzem Zuschreibungsstelle kennengelernt. Dagut einem Jahr in lieferer von Elektronikbauteilen auf eimals hat es in der Branche geheißen, einem massiven ner BIG-­Baustelle. Wie behandelt die dass man bei den Verträgen als AufBIG kleinere Unternehmen? tragnehmer gegenüber der BIG imVeränderungsprozess.» Haslauer: Grundsätzlich denke ich, mer übrig bleibt. Verträge wurden auf Hans-Peter Weiss dass die Bauwirtschaft an sich sehr Punkt und Komma vollstreckt, unabschwierig geworden ist. Heute muss › hängig davon, wie die Situation auf Nr. 12 | 2012 | www.big.at

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Diskussion Standpunkte

«Nach der Fertigstellung, spürt man bei der BIG schon die Bürokratie in der Abwicklung.» Ulrike Haslauer

Ich möchte noch einmal nachhaken. Sie haben gesagt, „nach alles billiger werden, alles wird im Vorhinein auf ein Minidem Grundauftrag ändert sich alles“. Agiert da die BIG anmum ausgereizt. Die BIG als Auftraggeber ist in Österreich ders als ein privater Bauherr? ein sehr gewichtiges Unternehmen. Als PrivatunternehHaslauer: Das ist normal und auch überall anders so. men ist man sehr froh, Aufträge lukrieren zu können. Mit Woschitz: Die BIG sollte aber schon anders agieren. Denn der BIG selbst hat man in der Projektabwicklung allerdings sie hat im Gegensatz zu den meisten privaten Unterneheher weniger zu tun, sondern mit Architekten, Planungsmen aus meiner Sicht einen besonderen Auftrag, über Baubüros, Bauherrenvertretern und natürlich der Bauaufsicht. kultur nachzudenken. Damit gemeint ist die klare FormuAuf einer Baustelle herrscht auch immer Hektik und Stress. lierung der Zielvorstellung. Nur dann können die drei weIn der Bauphase ändert sich oft unglaublich viel und das sentlichen Säulen für den Erfolg eines Projekts gewährleisEndergebnis hat mit dem Grundauftrag dann nicht mehr tet werden – sprich, die Nutzer sind zufrieden, die Qualität viel zu tun. Um das zu vermeiden, sollte man im Vorfeld bepasst und die Termin- und Kostensicherheit ist gegben. Es reits schauen, was man braucht und bauen will. Erst bei der wird oft in der Planung nicht berücksichtigt, dass es beiEndabwicklung und bei der Rechnungslegung hat man spielsweise Weihnachtsferien gibt oder dass im Winter dann wieder mit dem Auftraggeber BIG zu tun … nicht so gearbeitet werden kann wie im Sommer. Bei der … und welche Erfahrungen haben Sie da gemacht? BIG verschiebt sich der Start schon oft nach hinten. TrotzHaslauer: … Nach der Fertigstellung, spürt man bei der BIG dem soll alles zum ursprünglich geplanten Zeitpunkt fertig schon die Bürokratie in der Abwicklung. Einerseits ist das sein. Diese Auswirkungen von zu späten Entscheidungen verständlich, da aufgrund bestehender Rechnungshofvormüssen unbedingt bedacht werden. Schließlich leidet auch schriften vieles geprüft wird. Andererseits ist das für ein die Qualität darunter, wenn die Ausführungszeit zu kurz Unternehmen nicht leicht, da die Periode der Vorfinanzieist. Darüber hinaus würde ich mir von rung sehr lange ist. Man braucht eider BIG etwas mehr Effizienz bei der nen extrem langen Atem. Gestaltung der Verträge wünschen. Sie Hat die BIG damit auch die „Macht“, «Ich glaube nicht, sollten auf das Wesentliche wie die ein Kleinunternehmen sogar in die Funktionalität, die Qualität und die ­Insolvenz zu treiben? dass die langsame Termine reduziert werden. Haslauer: Das ist sicher ein RiesentheZahlungsabwicklung Aber Baukultur und Qualität sind ja ma – für viele ist das tatsächlich ein Themen, die sich die BIG gerade auf ihgroßes Problem. Ich glaube nicht, dass seitens der BIG bewusst re Fahnen heftet. Stichwort Architekdie langsame Zahlungsabwicklung erfolgt, sondern dass das tur. Oft wird sogar kritisiert, die Repubseitens der BIG bewusst erfolgt, sonauch an den Strukturen lik leiste sich zu viel. Ist das so? dern dass das auch an den Strukturen Neurauter: Architektur ist sicher ein liegt. Da habe ich auch Verständnis daliegt.» wichtiges Thema, hat aber auch ihre für. Bei anderen großen Unternehmen Ulrike Haslauer Grenzen. Wir als Private schauen auch trete ich allerdings auch massiver auf, auf Architektur, aber so etwas wie eiwenn es um Rechnungslegung geht.

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Standpunkte

«Die BIG hat im Gegensatz zu den meisten privaten Unternehmen aus meiner Sicht einen ­besonderen Auftrag, über ­Baukultur nachzudenken. Damit gemeint ist die klare Formulierung der Zielvorstellung.» Richard Woschitz

Partner kennengelernt, der uns dazu gezwungen hat, unsenen WU-Campus können wir uns nicht leisten. Das ist re Zielvorstellungen sehr genau zu präzisieren und sich dawirtschaftlich für ein nicht-öffentliches Unternehmen für auch mit uns zusammengesetzt hat. Das ist auch der nicht darstellbar. Architektur und Nutzen müssen im Unterschied zum privaten Entwickler, der einfach sagt: „Ja, Gleichklang sein … natürlich. Machen wir gerne alles.“ Beim privaten Anbieter Zu den Verträgen muss ich sagen, dass es aber auch am denkt man sich immer, wie geht der vor dem VertragsabGeneralplaner liegt, nachzufragen und auf Unklarheiten schluss mit dir um und wie danach. Bei der BIG ist nach hinzuweisen. Aber es ist oft so, dass die Generalplaner heudem Vertragsabschluss immer vor dem Vertragsabschluss. te etwas unterschreiben und morgen fragen, wie das eiDa sind wir wieder beim Thema der Kuscheligkeit – was gentlich gemeint ist. aber ein zweischneidiges Schwert ist. Die Gefahr ist, dass Zbiral: Baukultur ist auch Auftrag der öffentlichen Hand. man zueinander dann sehr lieb wird. Und letzten Endes haDas Bundesministerium für Justiz ist ein kleines Ressort, ben wir nicht nur den Auftrag Baukultur zu schaffen, sonwas die Finanzmittel betrifft, dafür baut es viel. Wir sind dern auch das Geld der Steuerzahler zu verwalten. Da muss ein großer Kunde der BIG und werden auch so behandelt. man eben sehr aufpassen, dass man es nicht zu gemütlich Was die Verträge betrifft, weiß ich als gelernte Richterin, miteinander hat. dass der beste Vertrag jener ist, der einen Streitfall verhinWeiss: Hier sind jetzt einige Dinge angesprochen worden, dert. Dabei ist die Versuchung für alle Beteiligten groß, im die auch dieses Spannungsfeld gut darstellen, in dem sich Vorhinein aus zeitlichem oder kostenseitigem Druck dardie BIG bewegt. Um zum Thema „kuschelig“ zu kommen: auf zu hoffen, dass unklare Formulierungen im Streitfall zu Die Justiz ist in vielerlei Hinsicht ein Ausnahmekunde. ihren Gunsten ausgelegt werden. Hier kann es zu einem Nicht selten besteht jedoch – wie bereits zuvor kurz erbösen Erwachen kommen. Dementsprechend wichtig ist wähnt – das Problem, dass sich öffentliche Kunden auch als deshalb auch eine entsprechende Planungsphase. Da ist Eigentümer sehen. Natürlich ist die Republik – vertreten die Zeit sehr gut investiert. Deshalb dauert es bei der BIG durch ein Organ – Eigentümer des Unternehmens. Aber die vielleicht – für manche – etwas länger. Was ich an der BIG Mieter oder die Nutzer sind in einer nicht missen möchte, ist die absolute völlig anderen Rolle. Da gibt es auch Zuverlässigkeit. Es ist mir bei der BIG ein ganz klares Rechtsverhältnis. Aufnoch nie passiert, dass eine Zusage «Was die Verträge betrifft, grund der Tatsache, dass sich eben vienicht eingehalten wurde. Die BIG hat le aber eher in einer Eigentümerrolle auch eine ganz wichtige Dolmetweiß ich als gelernte sehen, werden am Anfang die Wünscherfunktion zwischen Bediensteten Richterin, dass der beste sche und Bedürfnisse nicht genau defivor Ort, Behörden, Planern oder ausVertrag jener ist, der einen niert. Das führt dann zu den permaführenden Firmen. Das ist schon eine nenten Änderungswünschen in der ziemliche Herausforderung. Sie ist eiStreitfall verhindert.» Planungs- und Bauphase. Und am Enne wichtige Drehscheibe und begegMonika Zbiral de des Tages sind die Kosten deutlich net uns auch auf Augenhöhe. Wir hahöher als anfangs kalkuliert. Aus dem › ben hier die BIG als sehr fordernden Nr. 12 | 2012 | www.big.at

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Diskussion Standpunkte

«Nicht selten besteht das Problem, dass sich öffentliche Kunden auch als Eigentümer der BIG sehen.» Hans-Peter Weiss

Spannungsfeld kommen wir nur heraus, wenn wir ganz klare Abgrenzungen schaffen. Ob uns das gelingt, wird dann auch ausschlaggebend sein, ob das System BIG so funktioniert wie es derzeit aufgestellt ist. Das ist das Kernproblem der BIG per se. Da entsteht auch ein Qualitätsverlust unserer Prozesse. Der Kunde, der sich als Eigentümer sieht und uns nur als Abwickler betrachtet. Hier ist auch der große Unterschied zum Privaten. Die würden das nie so machen, sondern einen Vertrag vorlegen und jede Änderung unten anfügen. Zum Schluss wird noch einmal saldiert. Das passiert bei uns in den meisten Fällen nur mit enormem Aufwand, großen Schwierigkeiten und Widerständen. Zu den Verträgen: Ich stelle mir auch die Frage, wie weit es kleinen Unternehmen überhaupt möglich ist, mit uns auf Augenhöhe zu verhandeln. Ob wir hier nicht eine Negativ-Auslese machen, weil nur mehr jene mit uns verhandeln können, die mit unseren juristischen Ressourcen mithalten können. Ist es für ein Kleinunternehmen möglich, mit einer großen Rechtsabteilung auf Augenhöhe zu verhandeln? Haslauer: Grundsätzlich kann man nur sagen, dass, wenn man ein Projekt annimmt, man auch die Grundlagen akzeptiert. Sonst kann man es bleiben lassen. Als Unternehmerin habe ich Verantwortung für meine Mitarbeiter und muss mir überlegen, ob ich es mir leisten kann, eineinhalb Jahre auf eine Zahlung zu warten. Ich würde mir persönlich von der BIG wünschen, dass sie eine Vorreiterrolle als Bauherr und Partner einnimmt und die Konditionen in Einklang mit der gewünschten Qualität bringt. Zbiral: Was ist da der Unterschied zu einem Auftraggeber aus der Privatwirtschaft? Planen die besser, zahlen die schneller? Haslauer: Besser planen würde ich nicht sagen. Die Probleme auf den Baustellen sind überall die gleichen. Aber bezahlt wird schneller. Es muss aber eben auch nicht so viel

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nachkalkuliert werden aufgrund der vielen Änderungswünsche in der Bauphase. Da hat die BIG sicher eine gewisse Anbietermacht. Gehen wir einmal theoretisch davon aus, die BIG wäre in allen Bereichen so mächtig. Wofür sollte das Unternehmen seine Macht einsetzen? Woschitz: Die BIG muss sich auch an neue Technologien – in Verbindung mit der Architektur – heranwagen, wenn es zum Beispiel um Materialtechnologie und Energieeffizienz bei Neubauten oder die Sanierung von Bestandsgebäuden geht. Neurauter: Die BIG muss bei der Architektur eine Vorreiterrolle erfüllen. Aber auch die Mieter müssen hier entsprechend um- und nachhaltig denken. Sie dürfen nicht nur in Mietpreisen pro Quadratmeter denken. Entsprechende Qualität und Nachhaltigkeit kostet dann halt auch zwei bis drei Euro am Quadratmeter mehr. In der Privatwirtschaft ist das in dem Maß gar nicht möglich. Unsere Mieter bleiben rund drei Jahre drin, die der BIG 30 Jahre oder länger. Weiss: Eine Vorreiterrolle im Bereich der Architektur übernimmt die BIG ja bereits. Kunst am Bau ist für uns ein wichtiges Thema. Alternative Bauformen und Energieformen setzen wir ebenfalls sicher auch häufiger ein als viele andere. Damit sind wir auch schon wieder beim Spannungsfeld, in dem sich die BIG bewegt. All diese Dinge müssen ja vom Kunden auch beauftragt und bezahlt werden. Es gibt ein paar Fälle, in denen Projekte aus den 90er-Jahren immer noch nicht endgültig abgerechnet werden konnten. Privatunternehmen hätten bereits vor 20 Jahren geklagt. Wir tun das nicht. Deshalb ist es so notwendig, genau zu präzisieren, was die BIG eigentlich ist. Mit Gründung der BIG-Tochtergesellschaft ARE Austrian ­Real Estate und damit dem Teilportfolio der Büro- und Gewerbeimmobilien geht die Reise ja klar in Richtung Markt. Wie Nr. 12 | 2012 | www.big.at

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Standpunkte

«Wir als Private schauen auch auf Architektur, aber so etwas wie einen WU-Campus können wir uns nicht leisten.» Markus Neurauter

wirkt sich die stärkere unternehmerische Ausrichtung bei klassischen BIG-Unternehmensfeldern wie der Hausverwaltung oder dem Facility Management aus? Weiss: Beides funktioniert hervorragend. Wir haben uns dazu entschlossen, bei Ausschreibungen als Unternehmer aufzutreten. Wenn wir keine Ausschreibungen gewinnen, müssen wir schrumpfen. Das ist für mich genau der Punkt, warum eine stärkere unternehmerische Ausrichtung Sinn macht. In dem Bereich haben wir das sehr früh und sehr klar gemacht, das funktioniert hervorragend. Wir sind heute an einem Punkt – beispielsweise bei den Universitäten –, wo wir mehr und mehr bisher drittvergebene Aufträge wieder zur BIG zurückbekommen. Woschitz: Ich möchte gerne noch einmal kurz zur Positionierung im Bereich Energieeffizienz und Nachhaltigkeit kommen. Die BIG hat viele Bestandsobjekte aus den Gründerbauzeiten. Wie geht die BIG im Zeitalter des energieeffizienten Bauens damit um? Wie wird diese Substanz ertüchtigt, damit diese Objekte gut vermietbar sind? Weiss: Wenn wir es schaffen, unsere Nutzer davon zu überzeugen, mehr zu investieren, weil es sich über die Zeitachse wieder rechnet, dann erfüllen wir unsere Rolle als Vermittler. Darüber hinaus verwenden wir auch ganz bewusst unsere Gewinne für diese Themen. Es gibt eine Reihe an Pilotprojekten, die die BIG eigenfinanziert umgesetzt hat. Es wird weiterhin Aufgabe der BIG bleiben, die erwirtschafteten Gelder für die Entwicklung möglichst effizienter Sanierungsmöglichkeiten einzusetzen. Zbiral: Ich habe vor drei Wochen ein Projekt von der BIG übernommen, das fast alle diese Dinge behandelt. Die Generalsanierung des Bezirksgerichtes Bruck an der Mur. Plakativ gesagt: ein Gebäude aus den 60er-Jahren und meiner Einschätzung nach vor der Sanierung mit Abstand unser hässlichstes Gericht. Jetzt ist es nach meiner Meinung unser schönstes Haus. Da ist das Thema Energieeffizienz daNr. 12 | 2012 | www.big.at

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bei, Architektur, Prozessqualität. Bei der ersten Vorentwurfspräsentation haben wir in Vollversammlung mit dem Gericht gearbeitet, alle haben mitdiskutiert – vom Gerichtsvollzieher bis zu Schreibkraft und Richter. Das war mühsam und anstrengend. Die Planungsphase war lange und wir haben oft Hausaufgaben von unserem Auftragnehmer – also der BIG – bekommen, um Dinge zu überdenken und nachzuschärfen. Zuerst schluckt man, aber es ist richtig, man lernt selbst auch viel dazu und es macht mehr Spaß. Woschitz: Sie sprechen mir aus der Seele. Kollegen haben oft das Problem, wenn alle mitreden, ist es ein zerredetes System und tut dem Projekt nichts Gutes. Aber es muss nicht so sein. Ich muss dem Nutzer sagen, bis hierher kannst du dich voll einbringen, das andere übersteigt deine Kompetenz. Wenn dieser Prozess ordentlich geführt wird, dann gibt es Eckpunkte, die abgesteckt werden. Dann funktioniert es mit Spaß und nicht unter Krampf und Langwierigkeit. Vielen Dank für das Gespräch!  ‹

«Die BIG muss sich auch an neue Technologien – in Verbindung mit der Architektur – heranwagen, wenn es zum Beispiel um die Energieeffizienz bei Neubauten oder die Sanierung von Bestandsgebäuden geht.» Richard Woschitz BIG Business

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Thema Justizzentrum Korneuburg

Stufen von Grau

Foto: Harald A. Jahn

Den „Bau“ stellt sich grundsätzlich niemand schön vor. Doch das neue Justizzentrum Korneuburg räumt mit allen Vorurteilen und Klischees über Gefängnisse und Gerichte auf – ein Lokalaugenschein verblüfft in vielen Belangen. Hier stimmt die Architektur – von außen wie auch von innen. Von Gisela Gary

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Thema Justizzentrum Korneuburg

Fotos: Harald A. Jahn

Sicherheit wird im Justizzentrum Korneuburg großgeschrieben – jedoch kaum spürbar für den Besucher.

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olfgang Turner liebt seinen Job. Und er liebt seinen neuen Arbeitsplatz – da nimmt er kleine Anfangsschwierigkeiten wie zum Beispiel, dass manche Türen nach dem Schließen gar nicht mehr zu piepsen aufhören wollen oder dass die Wäscherei ihre Belüftung eben erst bekommt, gern in Kauf. Turner ist Anstaltsleiter – von der modernsten Vollzugsanstalt Österreichs, der Justizanstalt Korneuburg, die vor wenigen Wochen ihren Nutzern übergeben wurde. Das gerichtliche Gefangenenhaus ist für den Vollzug der Untersuchungshaft zuständig wie auch für Strafhaft bis zu 18 Monaten. Bevölkert wird der rund 17.000 Quadratmeter große Bau von rund 200 Insassen, die auf ihre Verhandlung oder ihr Urteil warten. 50 Prozent davon sind in U-Haft, 50 Prozent in Strafhaft. Platz gibt es für 262 Häftlinge. Der alte Standort des Justizzentrums mitten am Hauptplatz von Korneuburg war zu eng, massiv sanierungsbedürftig und vor allem aufgeteilt auf drei Plätze. Turner plaudert über seinen Arbeitsalltag, wirkt dabei fast wie ein Schuldirektor – wenn er über seine „Bewohner“ spricht. Kaffee bekommen wir allerdings durch eine Vollzugsbeamtin in dunkelblauer Uniform und einem jungen Burschen. Ein Häftling wie wir später erfahren, einer, der durch sein gutes Benehmen und seine kooperative Art der Anstaltsleitung auffiel und deshalb im Büro mithelfen darf. Die Anklage lautet auf Diebstahl und schwere Körperverletzung. Wir zucken zusammen. Turner lacht – „kein Grund zur Sorge“, meint er.

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Locker, freundlich, unkompliziert – überhaupt, hier ist gar nichts so, wie sich der Laie einen Knast vorstellt. Es hallt nicht, man hört keine Schreie, kein Gitterrütteln, es ist hell, es riecht nicht unangenehm. Einzig das Schließen der schweren Türen ist mit einem oder eben zurzeit mehreren Piepsern und einem sanften Knall zu hören. Klar, vieles davon sind Vorzüge eines Neubaus. Doch nicht nur.

Erfahrungswerte und Menschenkenntnis

Turner war von Anfang an in die Planung des neuen Gebäudes fix eingebunden und hat heftig mitdiskutiert: „Ich bin seit 27 Jahren bei der Justizwache, mit den unterschiedlichsten Erfahrungen. Für mich war es entscheidend, dass ich dem Architekten die Besonderheiten einer Justizanstalt mitteilen kann“, erklärt Turner im Gespräch, knapp nach 8.00  Uhr in seinem Büro. Keine Unzeit für Turner – denn der Tag beginnt in seinem Haus bereits um 7.00 Uhr. Da werden die Insassen von den jeweiligen Betriebsleitern abgeholt bzw. dürfen die Freigänger in Richtung Arbeit nach draußen. Die rund 20 Freigänger wohnen auf der anderen Seite des Gebäudes, Turner will deren Kontakt zu den anderen Inhaftierten vermeiden: „Neid, Aggression, aber auch dumme Sprüche müssen nicht gefördert werden. Natürlich wollen alle eine Freigangerlaubnis – diese wird aber von uns jeweils sorgfältig entschieden.“ Alle Insassen arbeiten – entweder in einer der hausinternen Betriebe wie der Tischlerei, Schlosserei, der Küche, der › Nr. 12 | 2012 | www.big.at

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Wolfgang Turner, Leiter der Vollzugsanstalt in Korneuburg, wacht bei voller Auslastung über mehr als 250 Häftlinge.

Foto: Michael Hetzmannseder

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Thema

Fotos: Michael Hetzmannseder

Justizzentrum Korneuburg

Ordnung muss sein – im offenen Vollzug bleibt die schwere Stahltür des Haftraums offen.

Wäscherei oder der Werkstatt für alle möglichen Aufträge von außen. Zurzeit werden dort z. B. Servietten für einen Kaffeekonzern abgepackt oder Deckel für Blechdosen für den Verschluss vorbereitet. Doch auch im Haus darf mitgeholfen werden – die Tätigkeiten reichen vom Putzen bis zum Kaffee servieren und aktuell noch Reste vom Umzug schleppen oder verstauen. Turner und sein Team verlassen sich viel auf Menschenkenntnis und Gefühl. Auch wenn er über beinahe jede „Karriere“ seiner Häftlinge Bescheid weiß, will er ihnen vor allem als Mensch begegnen: „Ich bin davon überzeugt, so wie ich einem anderen begegne – so bekomme ich es zurück.“ Ein Mal pro Woche bietet Turner den Insassen ein Gespräch, Rapport nennt er das, an – da dürfen sie ihr Herz ausschütten und dabei wird vielleicht die eine oder andere Neigung, Vision oder auch Erklärung für die Motivation zu der Tat entdeckt. Angst gibt es hier offensichtlich keine. Und seltsam: Auch als Besucher fühlt man sich plötzlich in doppelter Hinsicht sicher.

Foto: Harald A. Jahn

Fort Knox – nur umgekehrt

Alle Insassen arbeiten – hier in der Tischlerei, die aufgrund des Engagements des Leiters Gerhard Petz genug zu tun hat.

In der Tischlerei werden diverse Gegenstände für den Forst gebaut – Petz hat eine Marktlücke entdeckt und produziert zurzeit mit rund 14 Häftlingen Hochstände und Futterkrippen.

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Doch in Wahrheit wird die Sicherheit in der Justizanstalt sehr großgeschrieben – auf den ersten Blick jedoch kaum sichtbar. Vor allem der Haupteingang wirkt fast einladend. Natürlich betritt jeder Besucher das Gebäude durch eine Sicherheitsschleuse und es gibt keine Ecke, die nicht auf den Bildschirmen beobachtet wird. Der Stahlbetonbau hat viele Fenster – die im Vollzugsteil sind selbstverständlich vergittert. Die typischen Stacheldrahtrollen fehlen auf der Mauer des Hofes ebenso nicht, obwohl sich Turner diesbezüglich gegen den Architekten erst durchsetzen musste: „Sobald es eine Gelegenheit zum Abhauen gibt, würde jeder Gefangene sofort flüchten. Und die sind dabei recht einfallsreich! Deshalb beharrte ich auf klassische Sicherheitsmaßnahmen wie den Stacheldraht – auch wenn dieser nicht so hübsch ist.“ Eine Besonderheit ist der unterirdische Verbindungsgang von der Haftanstalt zum gegenüberliegenden Justizgebäude. Somit müssen Insassen nicht mehr auf der Straße – das spart Personal und erhöht die Sicherheit – in den Verhandlungssaal gebracht werden. Andererseits unterstützt der Gang auch die aktuellen Bestrebungen in puncto Opferschutz – wenn gewünscht, muss ein Opfer den Täter bei einer Verhandlung gar nicht zu Gesicht bekommen. Das elektronische Zutrittsystem erlaubt bestimmten Personen den Eintritt in bestimmte Räume. Überwacht wird an vielen Punkten – doch der klassische Wachturm aus Alcatraz fehlt ebenso wie die finsteren Gesichter des Anstaltspersonals. Ein Abteilungsleiter vom teilweise offenen Vollzug, der anonym bleiben will, hat in seinem Büro buddhistische Accessoires stehen: „Ich bin ein bisschen Buddhist, den Bezug hab ich durch meinen Kampfsport bekommen“, lacht er. In seinen insgesamt 28  Dienstjahren wurde er ein einziges Mal von einem Gefangenen tätlich angegriffen – er ist davon überzeugt, dass das eines der Klischees ist, dass Insassen Beamten gegenüber gewalttätig Nr. 12 | 2012 | www.big.at

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Foto: Harald A. Jahn

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Totale Überwachung: Kameras zeigen dem Justizwachebeamten jedes Kommen und Gehen in der Anstalt.

sind. Dazu Turner: „Die meisten Gewalttaten passieren unter Alkoholeinfluss – den gibt es hier nicht, es herrscht ein strenges Alkoholverbot.“ Die Freigänger werden täglich gleich beim Eingang auf Alkohol kontrolliert. Aber Vorsicht ist dennoch angesagt. Die schusssicheren Scheiben hielten vor wenigen Tagen einem unfreiwilligen Härtetest stand – der Wind stieß eine schwere Stahlaußentür in der Werkstatt auf ein Fenster, das Glas sprang, zerbrach jedoch nicht. Eine komplette Videoüberwachung lässt keine Lücke offen und ermöglicht Einblick in alle Bereiche – außer in die Haftzimmer. Wenigstens ein Klischee trifft noch zu: Es gibt die Essensklappen in den Stahltüren der Zellen, denn das ist Vorschrift. Freigänger müssen jedoch selbst kochen, die restlichen Insassen holen sich das Essen am Gang ab. Gekocht werden bis zu sechs verschiedene Menüs – je nach Gesundheitszustand der Insassen bzw. je nach Religionszugehörigkeit. „Der Ausländeranteil, vor allem aus den Ostländern, ist gewaltig gesunken, zurzeit haben wir rund 60 Prozent Ausländer und teilweise gravierende Unterschiede in puncto Ernährung“, erklärt Turner. Gekocht wird von „Kollegen“ – in die Küche melden sich viele freiwillig: „Weil dort viele Stunden gearbeitet werden kann und somit mehr verdient werden kann“, erklärt Turner.

Alltag – für alle

Ein bisschen wie in einem Labyrinth – die vier Stockwerke sind t-förmig übereinander gestapelt – gelangen wir in das Erdgeschoß, dort werken, schleifen und bohren zurzeit 14 Häftlinge unter der Leitung von Vollzugsbeamten Gerhard Petz. Ihm ist es zu verdanken, dass „seine“ Tischlerei so gut läuft. Denn Petz macht gute Geschäfte mit der Welt draußen vor den großen Stahlschiebetoren: Er stellt diverse Nr. 12 | 2012 | www.big.at

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Teile für Jäger und Förster her, sein Angebot reicht vom Hochstand bis zu Lebendfallen. „Eine echte Marktlücke haben wir da entdeckt und die Burschen lernen schnell. Wir haben so viele Aufträge, dass wir kaum nachkommen“, lacht Petz. Ein Umstand, der natürlich auch davon abhängt, wie lange die Häftlinge bleiben – vier bis fünf Monate, bis ein Urteil gefällt wird, „wohnt“ man im Schnitt schon in der Justizanstalt. Innerhalb von zwei Jahren muss eine Anklage erhoben sein. Petz könnte noch mehr Arbeiter brauchen – und mehr Platz – schmunzelt er. Angst, dass sich einer verletzt, hat er keine – „das passiert sehr selten, sie werden ausführlich in die Arbeitsschritte eingewiesen und wir haben ja erstklassiges Werkzeug und Geräte. Aber natürlich, an die großen Maschinen dürfen sie nicht.“ Doch schon läuft Petz um die Ecke und diskutiert den Anstrich eines Hochstandes. Am Gang liegen riesige Bänke – noch ein Einfall von Petz: „Wir brauchen noch Sitzgelegenheiten im Innenhof – die haben wir uns einfach selbst gemacht.“ Petz zeichnet die Pläne – die Burschen lernen korrekt und sauber zu arbeiten. „Beschäftigung ist das Wichtigste – viele wollen auch rund um die Uhr arbeiten, natürlich auch, weil sie dann mehr verdienen“, erklärt Turner. Doch hier „drin“ gilt wie auch draußen das Arbeitszeitgesetz, ein freier Tag pro Woche muss sein. Der Arbeitstag dauert von 7.00 bis 13.00 Uhr, nach dem Mittagessen geht es weiter oder zum Sport. Ein eigener Mitarbeiter ist für die Freizeitbeschäftigung verantwortlich – er bietet Spiele, Bücher und alle möglichen Sportaktivitäten an. Beschäftigung ist für alle wichtig – egal ob der Besuch in der Justizanstalt eine Premiere ist oder schon eine vertraute Phase. Viele der Insassen haben psychische Probleme, erklärt Turner. Ein Mal pro Woche kommen eine Psychiaterin ›

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Thema Justizzentrum Korneuburg

Fotos: Manfred Seidl

Kunst zwischen Justizanstalt und Gericht: Die Freitreppe von Hans Schabus ist ein Symbol für den Stillstand, den der Gefangene während der Haft erfährt.

und ein Zahnarzt, unter der Woche ist täglich mindestens eine Psychologin anwesend, zwei Mal pro Woche der Anstaltsarzt, eine eigene Krankenstation mit zwei Mitarbeitern versorgt kleine „Wunden“.

Platz für alle Bedürfnisse

Irgendwann kommt für alle der große Tag, die Verhandlung. Dann werden die Häftlinge durch den Gang von einem Beamten ins Landesgerichtsgebäude gebracht. Auf dem Platz zwischen Justizanstalt und Gericht fällt eine Treppe auf – die „Freitreppe“ von Hans Schabus, ein Symbol für den Stillstand, den der Gefangene während seiner Haft erfährt. Schabus hat die Treppe quergelegt und sie so unbenutzbar gemacht und will damit auf das Innehalten aufmerksam machen. Wir werden von Turner durch den Tunnel begleitet – er bringt uns zu Wilhelm Tschugguel, dem Präsidenten des Landesgerichts Korneuburg. Ein Büro mit traumhaftem Blick auf die Burg Kreuzenstein, das Büro des Präsidenten und die Schulungsräume sind um eine große Terrasse angelegt. Wir sind ganz oben angelangt und beeindruckt von der Helligkeit und Freundlichkeit – das soll ein Gericht sein? Tschugguel lacht, auch er durfte von Anbeginn der Planung mitdiskutieren: „Und was für eines! Wir sind sogar ein Niedrigenergiehaus.“ Tatsächlich ist das Justizzentrum ein Pilotprojekt des Bundesministeriums für Justiz. Die zentrale Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung ist noch nicht optimal eingestellt – „aber das ist in den nächsten Wochen erledigt“. Auch die Nutzer müssen sich erst an den Neubau gewöhnen, wie eine Mitarbeiterin auf Nachfragen erklärt:

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„Ich bin froh, dass wir die Fenster öffnen können.“ „Tja, das Vertrauen in die Passivhaustechnologie fehlt noch vielen, doch das wird schon“, ist Tschugguel überzeugt. Bereits das Grundstück schlug er der BIG vor. „Mit den Architekten hatten wir mehr als Glück – die lieferten sensationelle Ideen, versetzten sich in unsere Abläufe, obwohl dies ihr erstes Justizgebäude ist“, so Tschugguel begeistert. Die Farben reichen von weiß bis gelb und orange. Wir schlendern los. „Lesen Sie mal hier“, Tschugguel zeigt auf Wand und Türen. Einzelne Worte stehen hier: Harmonie, Ehre, Stille … sind da zu lesen. Selbst die Hinweisschilder des Leitsystems sind mit Worten „verziert“, Begriffe aus der Bundesverfassung. „Die Richter und Rechtsanwälte sind begeistert“, so Tschugguel.

Kunst begrüßt Besucher

Zwischen 300 und 650 Personen kommen täglich in das Gerichtsgebäude. Empfangen werden sie – selbstverständlich nach der Sicherheitsschleuse – von einem Kunstprojekt, das in der Mitte des atriumförmigen Gebäudes von der Decke hängt. Hier leistete Nikolaus Gansterer mit „Libra, Balancing the invisible“ seinen Beitrag. Das überdimensionale Mobile ist mit Solarzellen ausgestattet. Durch den optimalen Tageslichteinfall speist die Sonne das Kunstwerk und bewegt es dadurch langsam. Des Künstlers Interpretation: das komplexe Miteinander sozialer Zwischenräume. „Treffender geht es ja wohl nicht“, so Tschugguel. Im Eingangsbereich hängt allerdings noch ein weiteres Kunstwerk, ein Bild, das eine Richterkollegin malte – ein Rad mit einem Brett. In der Mitte steht eine Frau, links und › Nr. 12 | 2012 | www.big.at

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Justizzentrum

Korneuburg

Kunst-Blickfang im Gericht: „Libra, Balancing the invisible“ von Nikolaus Gansterer bewegt sich sanft, angetrieben durch die Sonne.

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Thema Justizzentrum Korneuburg

Foto: Harald A. Jahn

Verhandlungssaal: Mit einem Hightech-Videokonferenzsystem können Aussagen von ­Zeugen, die nicht im Saal sein wollen, live übertragen ­werden.

rechts je eine weitere Person. Die Frau ist offensichtlich ­bemüht, das Gleichgewicht zu halten. Für Tschugguel das eigentliche Logo der Justizbehörde – „das beschreibt perfekt unsere Arbeit, wir bemühen uns ständig, gerecht zu sein, müssen in den vielen Farben der Gerechtigkeit den richtigen Weg finden.“

Sicherheit – auf eine andere Art

Seinen Weg findet der Besucher leicht – das Leitsystem ist deutlich und verhindert, dass man in falsche Bereiche kommt. Und das ist Tschugguel auch besonders wichtig: „Wir wollen nicht, dass ein Scheidungsfall mit einem Straftäter zusammentrifft.“ Doch das Gebäude hat noch weit spannendere Raffinessen zu bieten. Im Erdgeschoß lädt eine Cafeteria zu einer Pause ein, auf der Ebene befinden sich aber auch die Verhandlungssäle des Landesgerichts und der Schwurgerichtssaal – für alle „schweren“ Straftaten. Im ersten Obergeschoß werden Scheidungen und andere zivilrechtliche Verhandlungen abgehalten. Die Sichtachsen, die sich hier eröffnen, sind beeindruckend – selbst in die Büros wird uns ein Blick gewährt. Denn Transparenz und Offen-

heit sorgt hier für Sicherheit auf eine andere Art und Weise. Versteckte, heimliche und drückende Räume sucht man im neuen Gericht vergebens. Dennoch kann jeder und in jedem Raum für Privatheit sorgen. Die Verhandlungssäle sind von außen geschlossen, bei den Fenstern gibt es Rollos. „Wenn wir zum Beispiel eine sogenannte Promi-Scheidung verhandeln, dann ziehen wir die Rollos schon mal herunter, um das Paar vor neugierigen Blicken von außen zu schützen“, schmunzelt Tschugguel.

Opferschutz an oberster Stelle

Foto: Martin Lusser

Im zweiten Stock arbeiten die Strafrichter, verhandelt wird im Parterre – dort dürfen wir in den großen Verhandlungssaal. Das weiße Richterpult aus Corian sticht ins Auge – darin eingeprägt der Bundesadler. „Mit diesem Saal sind wir Vorreiter in Österreich. Bei uns muss kein Opfer in die Verhandlung kommen, wenn es nicht will. Eine Videoanlage aus dem Nebenraum überträgt die Aussage live in den Saal. Der Zugang erfolgt extra – jedes Zusammentreffen von ­Opfer und Täter ist ausgeschlossen. Durch die Videoanlage sparen wir zudem Personal, weil das Protokollschreiben entfällt. Wir zeichnen jede Verhandlung auf und speichern diese auf einem Datenträger – sehr praktisch z. B. bei einer Zeugeneinvernahme, falls Zweifel über die Aussage aufkommen, spielen wir dem Zeugen seine Aussage einfach «Opferschutz genießt höchste Priorität. Jedes noch einmal vor“, erklärt Tschugguel. Aber noch ein weiterer Vorteil ungewollte Zusammentreffen zwischen ergibt sich durch die VideoaufOpfer und Täter ist ausgeschlossen.» zeichnung, verrät der Präsident Wilhelm Tschugguel, Präsident des Landesgerichts schmunzelnd: „Die Richter sind nun noch freundlicher und höfli-

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Gerichtsarbeit: helle, freundliche Arbeitsatmosphäre anstelle von Aktenmief.

Fotos: Harald A. Jahn

Eine Terrasse verbindet die Schulungsräume mit dem Präsidentenbüro.

cher – denn sie wissen, es wird alles, was sie sagen, mitgeschnitten.“ In den nächsten Verhandlungssaal führt uns Tschugguel durch einen Glaskobel – „auch mit diesem Saal sind wir das einzige Gericht, das über einen Separationsraum verfügt! Häftlinge mit ansteckenden Krankheiten werden direkt über den unterirdischen Gang in diesen Glasbau geführt.“

Der richtige Platz für alle

Zum Abschluss dürfen wir einen Richter in seinem Zimmer besuchen. Wir vermissen den Aktenmief, auch die erwarteten dunkelbraunen Möbel und Aktenschränke fehlen – die Aussicht jedoch ist sensationell. „Was sagen Sie zu unseren Büromöbeln? Auch ein Vorschlag des Architekten! Er meinte: ,Was wollt ihr so langweilige Möbel aus Holz, die habt ihr lang genug gehabt.‘ Nun sind wir froh über die Entscheidung“, geht die Begeisterung mit Tschugguel durch. Die Möbel sind grau und schwarz und teilweise offen oder auch mit Rollladen verschließbar. Als langjährigster und sehr verdienstvoller Mitarbeiter durfte sich der Richter sein Zimmer aussuchen. Doch Tschugguel machte freilich den Sitzplan bereits vor einem Jahr: „Keine einfache Sache, aber das Gebäude bietet für jeden den richtigen Platz.“ An die 200 Personen arbeiten im Gericht. Die Gänge sind breit angelegt – womit das typische Herumschleichen unmöglich wird. In jedem Stock gibt es eine Küche, doch viele lassen sich bekochen – von den Insassen der gegenüberliegenden Justizanstalt. Angst ist auch in dem Gerichtsgebäude keine zu spüren – Tschugguel fürchtet sich nur vor einer Sache, wie er uns verschmitzt gesteht: „Dass die Bewohner der gegenüberliegenden Wohnhausanlage eines Tages, wenn sie einziehen, neidisch zu uns herüberschauen und vielleicht sagen, dass die Häftlinge schöner als sie wohnen.“  ‹ Nr. 12 | 2012 | www.big.at

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Freundlich, einladend und hell sind aufgrund der Atriumbauweise die Wartezonen im Erdgeschoß.

Ein Einfall der Architekten: Einzelne Worte sind auf Wänden und Türen verteilt – und lenken vielleicht ein wenig vom eigentlichen Grund des Besuches im Gericht ab.

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Galerie Big Cocktail

BIG Cocktail Reception 2012 Die BIG lud am 5. September 2012 zum mittlerweile sechsten Mal zur „BIG Cocktail Reception“ in Wien. Im historischen Ambiente des Hauptgebäudes der Universität Wien am Universitätsring 1 ließen Kunden der BIG und die österreichische Immobilienbranche gemeinsam den Sommer ausklingen. DJ-Musik und Cocktails sorgten für gute Stimmung und anregende Gespräche auch abseits des Tagesgeschäfts.

 Der Eingang zur Uni Wien wurde ­Anfang September kurzerhand zum BIGTor umfunktioniert.  BIG-Geschäftsführer Hans-Peter Weiss (li.) und Wolfgang Gleissner mit der BIG-Aufsichtsratsvorsitzenden Michaela Steinacker.

Fotos: Marina Draper und Ludwig Schedl

Claus Stadler von der PORR im Gespräch mit Makler Franz Hogl.

IVG-Vorstand Andreas Rosenberger verhandelt mit Seeste-Vorstand Michael Möstl.

Mitten im Geschehen die Präsidentin des Wiener Stadtschulrats Susanne Brandsteidl.

Brigitte Jank (WKW), Gutachter Michael Reinberg, Gerd Herbert Krug und Martin Rathmanner (beide raster ziviltechniker gmbh).

Der Arkadenhof der Uni Wien mit dem BIG Kunstprojekt „Der Muse reichts“ war der perfekte Rahmen für den Auftakt des heurigen BIG Cocktails.

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Burghauptmann Reinhold Sahl wird von BIG-GF HansPeter Weiss begrüßt.

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BIG Cocktail

Der umtriebige Obmann der WKO und Chef der Kanzlei Stingl, Thomas Malloth.

Über 500 Gäste folgten nach und nach dem Ruf der BIG in die Uni Wien.

RICS untereinander Alexander Bosak (BREC) und Franz Pöltl (EHL).

Thomas Irschick (Wien Energie), Johannes Fröhlich (Vizerektor TU Wien), TU-Bau­ direktor Gerald Hodecek.

Administrator ­Herbert Leitner und Direktor Harald Hrdlicka (beide HTL Mödling) gemeinsam mit BIG-Objektmanager Gerhard Baumgartner.

Alexandra Kreuter, Wolfgang Nikolaus Rappert, Elke Weinlechner, Constantin Christiani (alle Uni Wien).

Hans Hamberger (BMLVS), Stefan Kammerhofer (BMLVS), Hans-Peter Weiss (BIG).

Der Arkadenhof war rasch gut gefüllt.

Vorstand der Soravia-Gruppe und Partner der BIG bei der Entwicklung des Hauptzollamts, Erwin Soravia.

Leitende Staatsanwältin und Leiterin der Bauabteilung im Justizministerium (BMJ) Monika Zbiral.

Hans-Peter Weiss (li.) und Wolfgang Gleissner mit WUVizerektorin Regina Prehofer.

Vorstandsvorsitzender Josef Schmidinger (S Bausparkasse), AntonLeonhard Werner (Wiener Städtische).

Ex-BIG-Chef und jetziger SIGNA-Vorstand Christoph Stadlhuber.

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Galerie Big Cocktail

Während der Empfang im Arkadenhof stattfand, ­wurden im großen Festsaal die letzten Handgriffe erledigt, bis alles perfekt vorbereitet war.

Das Künstlerduo Angelo Stagno und Andrea van der Straeten.

ImmofinanzVorstand Manfred Wiltschnigg und Michael Ehlmaier (EHL).

Wissenschafts­ minister Karl-Heinz Töchterle diskutiert mit Uni Wien-­ Vizerektorin ­Susanne WeigelinSchwiedrzik.

Die BIGGeschäftsführer Wolfgang Gleissner (li.) und Hans-Peter Weiss bei der von BIG-Pressesprecher Ernst Eichinger (Bild Mitte) moderierten Eröffnungsrunde.

Helmut Stekovits (Siemens), Martin Bartl (Seeste), Jasmin Soravia (Conwert).

Die Stimmung hat gepasst und der Festsaal war prall gefüllt.

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BIG-Projektentwickler Günther Reinisch, Architekt Johann Grubmüller.

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Die Spitze der Rektorate TU, KUG und Angewandte: Sabine Seidler, Georg Schulz (Mi.), Gerald Bast.

Albin Sgarz (AMS), Alexandra Dipow (AMS).

Heinz Kropiunik (aetas), Rechts­ anwalt Lothar Hofmann.

Günter Mychalko (AMS) mit Gattin Doris.

Architekt Hans ­Lechner, Ziviltechniker Klaus Stanek, Martina Harrer ­(Harrer Schneider Rechtsanwälte), ­Gerfried Falb (iC ­consulenten).

Franz Wurm, ­Vizerektor Medizinische Universität Wien, Andreas ­Lederer (Kabinett des Wissenschafts­ ministers).

Karl Schwaha, Vizerektor Universität Wien, im Gespräch mit Hans-Peter Weiss (BIG).

Die Wirkung von Licht ist bemerkenswert. So farbenfroh sind die traditionellen Prunkräume der Uni Wien vermutlich auch nicht immer.

Alexandra Ehrenberger (EHL), Verkehrsplaner Andreas Käfer, Alois Aigner (BIG E & V).

Sandra Bauernfeind (EHL), Heike Pantschier (Generali Real Estate).

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Philipp MensiKlarbach (Immo­ finanz), Gerfried Falb (iC ­consulenten).

Geballte Rechtskraft: Felix Neuwirther (Freshfields), Katharina Kohlmaier (BIG), Stephan Pachinger, Claus Staringer (Freshfields).

Zivilingenieur Ortfried Friedreich, Manfred Katzenschlager (WKO), Wolfgang Vasko (Vasko & Partner), Ingrid Nausch (MA 21).

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Galerie Big Cocktail

Statt eines Gast­ geschenkes wurde die Dorfgemeinschaft Breitenfurt mit dem dadurch „eingesparten“ ­Betrag unterstützt.

BIG-Chefhaus­ verwalter Peter ­Widmann gemeinsam mit Karl Christian Petz (ASFINAG).

Thomas Schebesta (Erste Immobilien), Stefan Artner (DBJ).

Atmosphäre ist im Festsaal der Uni Wien garantiert.

Helmut Floegl (DonauUni Krems), Harald Peterka (Uni Wien).

Karin Struber, Markus Steinböck (beide Otto Immobilien).

Thomas Lang (ÖRAG), Andrea Besenhofer (Erste Group).

Architektin MarieTherese Harnoncourt.

Sabine Seidler (TU Wien), Anna Steiger (TU Wien).

Edmund Bauer (Dibau), Peter Muigg (Muigg CAD Anwendungen).

Dietmar Hetfleisch und Josef Guca (beide AMS).

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Marc Guido Höhne, (Drees & Sommer), Gerhard Haumer (PORReal), Frank Brün (TJP/BIG).

Ingrid Fitzek (Tech Gate), Christian Alfons (P.B.E.).

Jenni Wenkel (Erste Group), Ernst Eichinger (BIG), Sandra Bauernfeind (EHL).

Karl-Heinz Strauss (PORR), Gerald Beck (RE) und Claus Stadler (PORR).

Architekt Christian Heiss und Gerald Beck (RE).

Künstler Karl-Heinz Klopf, Regina Barta (BIG), Künstler Herwig Kempinger.

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Ein seltener Moment für immer gebannt: Sissi Della Lucia geküsst von Gerhard Rodler. Und das unter den wachsamen Augen von PORR Solutions-Vorstand Michael Wurzinger.

Barbara Horstmeier (Immofinanz), Friedrich Gruber (6B47), Architekt Hans Lechner.

Spät in der Nacht war auch das letzte Glas geleert.

Niki Kernmayer (BIG), Consulter Wolf Hoffmann.

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