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DAS OHR AM MITTELSTAND

FRAU AM STEUER

6.000 BÜRGSCHAFTEN


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Baumschule für Unternehmertum INHALT Die Bürgschaftsbank wird „Bank des Jahres 2011“ In der Begründung für die Preisverleihung hieß es, „Die Bürgschaftsbank kann durchaus als ‚Baumschule für das Unternehmertum’ bezeichnet werden. Die Bürgschaftsbank Brandenburg ist überdurchschnittlich am Wirtschaftswachstum der kleinen und mittelständischen Unternehmen im Land Brandenburg beteiligt. Von der Oskar-Patzelt-Stiftung ist die Bürgschaftsbank Brandenburg als „Bank des Jahres 2011“ ausgezeichnet worden. „Damit sinnvolle Vorhaben nicht an fehlenden Sicherheiten scheitern“ war und ist unser Motto. Diese Einstellung wird nun im Rahmen des Wettbewerbs „Großer Preis des Mittelstandes“ mit dem Titel „Bank des Jahres“ honoriert. Darüber freuen wir uns im Jubiläumsjahr 2011 besonders. Der von der Leipziger Oskar-Patzelt-Stiftung vergebene „Große Preis des Mittelstandes“ ist Deutschlands wichtigster Wirtschaftspreis. Niemand kann sich für diesen Preis selbst bewerben - man muss von Dritten nominiert werden. Die Bürgschaftsbank Brandenburg GmbH wurde durch die IHK Cottbus und die Firma „REDLICH Unternehmen beraten“ als „Bank des Jahres“ nominiert. Dass Bürgschaftsbanken gut für die nationale Wirtschaft sind – sogar in Krisenzeiten – ist auch wissenschaftlich belegt. Eine Studie des Instituts für Mittelstandsökonomie der Universität Trier hat für den Prognosezeitraum von 2009 bis 2015 errechnet, welchen gesamtwirtschaftlichen Nutzen Bürgschaftsbanken haben. Bereits im Jahr 2006 wurde eine solche Untersuchung durchgeführt – mit überaus positivem Resultat. 2009 stellte sich die Frage: Können diese Ergebnisse selbst in Krisenzeiten bestätigt werden? Sie wurden sogar verbessert. Das Bruttoinlandsprodukt erhöht sich. Ebenfalls wichtig für die deutsche Wirtschaft: Die Zahl der Erwerbstätigen nimmt zu. Steuereinnahmen, wie Gütersteuern, Einkommen- und Vermögenssteuern steigen, die Sozialversicherungsbeiträge des Unternehmenssektors sinken. Das bewirkt wiederum, dass die Differenz von gesamtstaatlichen Einnahmen und Ausgaben steigt. Das Bemerkenswerte: Dadurch, dass der Staat die Bürgschaftsbanken mit einer Rückbürgschaft unterstützt, nimmt er das Siebenfache ein. 20 Jahre Bürgschaftsbank Brandenburg bedeuten 6.000 Bürgschaften für Brandenburgs Mittelstand und Freiberufler, davon mehr als ein Drittel für Existenzgründer. Sie stehen für Investitionen von 3,2 Milliarden Euro. Pünktlich zum Jubiläum freuen wir uns über das beste Geschäftsjahr seit Gründung. Wir sind stolz in einer Region zu arbeiten, die von der EU als Europäische Unternehmerregion 2011 gewürdigt wird, eine Region also, die sich auszeichnet durch gezielte wirtschafts- und arbeitsmarktpolitische Maßnahmen zur Förderung des Unternehmertums. Eine Region, die sich aber auch auszeichnet durch die kreativen und innovativen Unternehmer und Unternehmen, denen wir täglich in unserer Arbeit begegnen.

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TEPPICH, TAPETE UND FOTOKOPIERER Wie alles begann

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DAS OHR AM MITTELSTAND Gefragtes Know-how der Bürgschaftsbank

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IN STARKER GEMEINSCHAFT Der Verband Deutscher Bürgschaftsbanken

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ZWEI BÜHNEN FÜR DEN MITTELSTAND Öffentlichkeit für unternehmerische Leistungen

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FEIERLICH Festveranstaltung im Schloss Lindstedt

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FRAU AM STEUER Bürgschaften für Unternehmerinnen

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6.000 BÜRGSCHAFTEN 20 Jahre für vielfältige Ideen

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SECHS RICHTIGE Zugeschnitten auf den Mittelstand die Programme der Bürgschaftsbank

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NETZWERKE KNÜPFEN Die Veranstaltungsreihen der Bürgschaftsbank

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GEWUSST WIE Lernen in / mit der Bürgschaftsbank

IMPRESSUM Herausgeber: Bürgschaftsbank Brandenburg GmbH , Schwarzschildstr. 94, 14480 Potsdam Tel. 0331 / 6 49 63 0, Fax 0331 / 6 49 63 21 E-Mail: info@BBimWeb.de, www.BBimWeb.de Verantwortlich: Mario Schulz, Fides erscheint vierteljährlich Redaktion und Gestaltung: Brille und Bauch Agentur für Kommunikation KG, Potsdam, www.brilleundbauch.de Fotos: (soweit nicht anders gekennzeichnet) Unternehmen, Brille und Bauch, istockphoto.de, Titel: Andreas Klaer, Seite 2: Filmpark Babelsberg, wikipedia.com, Seite 4: CTM


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Viel Engagement und großer Erfolg Die Bürgschaftsbank Brandenburg als Selbsthilfeeinrichtung der mittelständischen Wirtschaft im Land Brandenburg ermöglicht Unternehmen trotz fehlender banküblicher Sicherheiten den Zugang zu Krediten mit einem maximalen Verbürgungsgrad von 80 Prozent. Seit 20 Jahren ist dies der Auftrag für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Bürgschaftsbank, den sie seither mit viel Engagement und großem Erfolg umsetzen. Gewerbliche Kredite mit einem eher geringen Volumen sind für die Kreditinstitute oft nicht von Interesse Hier bietet das Programm Bürgschaft ohne Bank den Antragstellern zweifache Unterstützung. Für Kredite bis 400.000 EUR übernimmt die Bürgschaftsbank gemeinsam mit den Betriebsberatern der Kammern die Prüfung des Antrages und senkt damit den Verwaltungsaufwand der Bank, die letztlich den Kredit gewähren muss. Gleichzeitig wird eine Ausfallbürgschaft von maximal 80 Prozent des Kreditbetrages übernommen und

das Risiko der Bank erheblich reduziert. Damit wird gerade kleinen Unternehmen der Rücken für Finanzierungsgespräche mit Kreditinstituten ihrer Wahl gestärkt. In den letzten 20 Jahren wurden von den 80.000 umsatzsteuerpflichtigen Unternehmen im Land Brandenburg rund 6.000 begleitet. Es gibt keinen Branchenausschluss, so dass auch schwierige Branchen wie das Baugewerbe sowie Investitionen von Hotels und Gaststätten in den Genuss einer Bürgschaft kommen können. Auch heute gehört noch ein Drittel der Antragsteller zu den Existenzgründern. In letzter Zeit und auch in den nächsten Jahren steht in vielen kleinen und mittleren Unternehmen, die nach der Wende gegründet worden sind, ein Generationswechsel an, bei dem die Bürgschaftsbank helfen kann, die Finanzierung abzusichern.

Auf diese Weise wird gewährleistet, dass gute Ideen, die Umsetzung sinnvoller Vorhaben und das Fortbestehen von Unternehmen nicht an fehlenden Sicherheiten scheitern. Besonders erfreulich ist es, dass damit Arbeitsplätze sowohl neu geschaffen, als auch erhalten werden. An dieser Stelle gratuliere ich der Bürgschaftsbank Brandenburg auch zur Verleihung des von der Oskar-Patzelt-Stiftung vergebenen „Großer Preis des Mittelstandes“ zur „Bank des Jahres 2011“. Ralf Christoffers Minister für Wirtschaft und Europaangelegenheiten des Landes Brandenburg

Die Bürgschaftsbank ist ein unersetzlicher Baustein der Wirtschaftsförderung beitung bei allen Beteiligten eine positive Resonanz gefunden. Ich möchte nicht unerwähnt lassen, dass auch das Land Brandenburg die Bürgschaftsbank unterstützt. Das Land sichert die von der Bürgschaftsbank vergebenen Bürgschaften gemeinsam mit der Bundesrepublik Deutschland als Rückbürgen ab. Seit nunmehr 20 Jahren wendet sich die Bürgschaftsbank gezielt den Bedürfnissen der kleinen und mittleren Unternehmen in Brandenburg zu. Sie benötigen häufig Hilfe, um Kredite abzusichern. Die Bürgschaftsbank hat hier in den letzten zwei Jahrzehnten mit ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern durch die Übernahme von Bürgschaften eine hervorragende Arbeit zur Entwicklung dieser Unternehmen geleistet. Die Ausreichung von Bürgschaften hat sich bewährt und durch die schnelle und sachgerechte Antragsbear-

Rückblickend kann man feststellen, dass sich dieses Engagement mehr als bezahlt gemacht hat. Mit einem relativen Minimum an Haushaltsmitteln konnte ein Vielfaches an wirtschaftlichen Investitionen in Gang gesetzt werden. Auch wenn ab 2013 die Unterstützung des Bundes an die Verhältnisse in den westdeutschen Bundesländern schrittweise angepasst wird, bin ich der festen Überzeugung, dass sich die Erfolgsgeschichte der Bürgschaftsbank fortsetzen wird. Denn die

Bedeutung von Bürgschaften wird mit Blick auf zurückgehende EU-Mittel weiter zunehmen. Die Landesregierung wird auch künftig Investitionen und der Schaffung und Sicherung von dauerhaft wettbewerbsfähigen Arbeitsplätzen mit zahlreichen Maßnahmen höchste Priorität einräumen. Dazu gehört auch, dass wir trotz aller Konsolidierungsbemühungen die Bürgschaftsbank als unersetzlichen Baustein der Wirtschaftsförderung nach Kräften weiter unterstützen. Als Finanzminister des Landes Brandenburg bin ich froh, dass es mit der Bürgschaftsbank eine so gut funktionierende Selbsthilfeeinrichtung der mittelständischen Wirtschaft gibt. Dr. Helmuth Markov Finanzminister des Landes Brandenburg


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Teppich, Tapete und Fotokopierer Die Bürgschaftsbank, die in den zwei Jahrzehnten ihres Bestehens nahezu 100.000 Arbeitsplätze geschaffen beziehungsweise abgesichert habe, sei „unersetzbar“ für die wirtschaftliche Gesamtentwicklung. Das betonte Matthias Platzeck, Ministerpräsident des Landes Brandenburgs auf einem Festempfang zum 20-jährigen Bestehen der Bank. Begonnen hat die Erfolgsgeschichte der Bürgschaftsbank in einer winterfesten Gartenlaube. Platzeck wörtlich: „In den Gründerjahren Brandenburgs hatten die meisten Firmen nur eine dünne oder gar keine Kapitaldecke. Dass ihnen trotzdem der Strukturwandel hin zu wettbewerbsfähigen Unternehmen gelungen ist, hat Brandenburg maßgeblich seiner Bürgschaftsbank zu verdanken.“ Die Bürgschaftsbank habe sich das Vertrauen des Mittelstandes erarbeitet, so Platzeck weiter. Einen besonderen Dank sprach Platzeck auch dem Gründungsgeschäftsführer, Rainer Langmaack aus, der 1990 die Bank, noch als Niederlassung der Bürgschaftsbank Nordrhein-Westfalen gegründet hatte. Im April 1990 wurde eine Arbeitsgruppe installiert die ein Konzept entwickeln sollte, zur Gründung von Bürgschaftseinrichtungen im Beitrittsgebiet der DDR. Ein Arbeitstitel, denn damals wusste noch niemand, ob es nur eine Bürgschaftsbank, beispielsweise in Berlin, oder mehrere geben sollte. Die DDR hatte damals 16 Mio. Einwohner, NRW hat 14

1990 - Das erste Büro

1990

1990 - Das erste Team

Millionen und eine Bürgschaftsbank. Der Gedanke war also durchaus berechtigt. Schnell zeichnete sich die Idee der Länderorganisation für die DDR ab, es wie in den alten Bundesländern zu machen. Das Konzept „ eine Bürgschaftsbank je Bundesland“ stand im August 1990. In vier Monaten wurden 15 Mio. DM Eigenkapital bei Banken und Versicherungen eingesammelt und entsprechende Gespräche mit dem Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen geführt. Dann wurden sogenannte Patenschaften gebildet, in denen ein oder zwei alte Bundesländer die Unterstützung für ein neues Bundesland übernahmen. NRW hat die Patenschaft für Brandenburg übernommen. Rainer Langmaack war damals noch Geschäftsführer der Bürgschaftsbank NRW und hat damals seinem Finanzminister in NRW den Vorschlag gemacht eine Million DM locker zu machen, um sofort loslegen zu können. Zu der Million sagte der Minister NEIN, stimmte aber einer eigens erdachten

1991 - Weihnachtssitzung des Bürgschaftsausschusses in der Gartenlaube

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Konstruktion zu, durch welche die Bürgschaftsbank NRW ein treuhänderisches Bürgschaftsprogramm auflegt für Brandenburg mit 100-prozentiger Absicherung durch das Land NRW. Und so wurden bereits im Oktober 1990 die ersten drei rechtsgültigen, wirksamen Bürgschaftsurkunden zur Verbürgung von Krediten in Höhe von 508.000 DM ausgegeben. Das konnte kein anderes Bundesland, da es dort diese Treuhänderschaft nicht gab. „Aber“ erzählt Rainer Langmaack, „es gab „Ohne den Fleiß und auch andere Herausforderungen: die Lernbereitschaft Zunächst benötigten wir einen Büroraum“. Die Handwerkskammer unserer Mitarbeiter stellt der Bank in Babelsberg in der hätten wir nichts Röhrenstraße 6 eine winterfeste zuwege gebracht.“ Gartenlaube zur Verfügung. 600 DM wurden erst einmal für eine RAINER LANGMAACK neue Tür ausgegeben, denn die alte hätte man mit jedem Schraubenzieher aufgekriegt. „Wir haben ein Schild angefertigt Bürgschaftsbank NRW, Niederlassung Brandenburg, das haben wir jeden Abend reingenommen, dass nicht jemand auf die Idee kommt: eine Bank, da gibt es vielleicht Geld.“ Ausstaffiert mit Teppich und neuer Tapete mit einem Fotokopierer und einer elektrischen Schreibmaschine ging es los. Seine Sekretärin aus Düsseldorf brachte er gleich mit, für 14 Tage, wie er damals glaubte. „Aus den 14 Tagen wurden für sie fünf Jahre und 14 Jahre für mich.“ Die erste Mitarbeiterin kam im Oktober 1990 aus einer aufzulösenden Arbeitsgruppe aus dem Wirtschaftsministerium in Berlin. Hinzu kamen eine Sekretärin und eine Buchhalterin, die drei Monate in Düsseldorf lernte, wie man bei einer Bürgschaftsbank bucht. Auf diese Art und Weise ist die Belegschaft dann zusammengekommen - bis heute 30 Mitarbeiter, viele von ihnen sind seit zehn oder mehr Jahren in der Bank. „Ohne den Fleiß und die Lernbereitschaft unserer Mitarbeiter hätten wir nichts zuwege gebracht“, resümiert Langmaack, der sich als erstes eine Karte von Brandenburg kaufte, und heute freimütig zugibt, dass er anfangs nicht wusste das Neubrandenburg nicht im Land Brandenburg liegt, der Potsdam kannte, dem Frankfurt/Oder ein Begriff war, Cottbus schon weniger. Dann wurden die Adressen von den Genossenschaftsbanken, Sparkassen sowie den Zentralen der Privatbanken in Berlin besorgt und die Existenz der Bürgschaftsbank per Post bekannt gemacht. „Im April 1991 erfolgte der Eintrag in das Handelsregister als Bürgschaftsbank Brandenburg GmbH. Am 24. Juni 1991 wurde die erste Bürgschaft unter eigenem Namen ausgereicht“, so Dr. Miloš

1991-1993 - Das Büro im Haus 6 in der Steinstraße

1993

Stefanovic, Geschäftsführer der Bank, „ bis dahin hatte die Bank bereits ungefähr für zehn Millionen DM Bürgschaften übernommen.“ 20 Jahre Bürgschaftsbank bedeuten 6.000 Bürgschaften und weitere 500 Garantien für Brandenburgs Mittelstand und Freiberufler, davon mehr als ein Drittel für Existenzgründer. Sie stehen für Investitionen von 3,2 Milliarden Euro. Pünktlich zum Jubiläum freut sich die Bank über das beste Geschäftsjahr seit Gründung. Dazwischen liegen eine Vielzahl von Finanzierungsinnovationen, wie dem in Brandenburg erfundenen Programmen „Bürgschaft ohne Bank“, dem Handwerkerund Unternehmersofortkredit, unzählige kreative Geschäftsideen, wie die Potsdamer Babyschwimmschule oder die Prignitzer Eisenbahn, deren Züge mit Pflanzenöl fahren. Dazwischen liegen auch erfolgreiche Veranstaltungsreihen, wie die 1999 initiierte Vor Ort, die heute regelmäßig mehr als 100 Gäste besuchen, die Unternehmerwerkstatt und nicht zuletzt der 2007 gestartete Brandenburg-Cup, ein KartRennwettkampf zwischen Kreditinstituten und Unternehmern. Gekennzeichnet war die Arbeit der Bürgschaftsbank immer durch die enge Zusammenarbeit mit Politik, Verbänden, den Kreditinstituten und Unternehmern, die auch Dr. Victor Stimming, Präsident der Industrieund Handelskammer Potsdam betont und den wirtschaftlichen Nutzen der Bürgschaftsbank für das Land sowie die vielseitigen positiven Effekte von Bürgschaften als Finanzierungsmittel für den Mittelstand lobt: „Sie machen es Kreditinstituten leichter Kredite zu vergeben.“ Für das Land als Rückbürgen seien Bürgschaften ein hocheffizientes Mittel der Wirtschaftsförderung.

Bürgschaften sind effektive Instrumente der Wirtschaftsförderung. Seit zwei Jahrzehnten auch in den neuen Bundesländern. Zum Jubiläum erschien ein „Wirtschaft & Markt“ Extra.

1996 - 5 Jahre Jubiläum im Inselhotel

1996

1997 - Spatenstich für das neue Bankgebäude

1997


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DAS OHR AM MITTELSTAND Das Know-how der Bürgschaftsbank ist auch in der Politik gefragt

20 Jahre Bürgschaftsbank Brandenburg. Wie würden Sie diese kurz resümieren? Stefanovic: Mit der politischen Wende 1989 gab es ja nicht nur die Reisefreiheit. Von der Planwirtschaft ging die Reise in die Marktwirtschaft und zur Reisefreiheit kam auch die unternehmerische Freiheit. Die Privatisierung der Wirtschaft des mittelständischen Segmentes haben wir immer auch mit Mut zum Risiko begleitet. Wir sind seit nun 20 Jahren dadurch täglich mit dem Thema Mittelstand befasst. Welche Schwerpunkte und Erfolge der Arbeit der Bank fänden Sie besonders erwähnenswert? Stefanovic: Zwei Punkte denke ich, können wir als auch wirtschaftspolitisch bedeutend besonders hervorheben. Zum einen hat die Bürgschaftsbank umfangreiche Erfahrungen beim Thema Existenzgründung gesammelt. Die Finanzierung bei Existenzgründern stellt ja eine nicht zu unterschätzende Herausforderung dar, denn Gründer verfügen in der Regel über keine unternehmerische Vergangenheit. Sie sind unbeschriebene Blätter. Gleichzeitig sind sie der marktwirtschaftliche Nachwuchs. Unsere Bank sorgt mit ihren Sicherheiten wesentlich dafür, dass die nachwachsende Unternehmergeneration auch die Möglichkeit bekommt, Unternehmer zu werden, die notwendige Startfinanzierung zu bekommen. Köntopp: Die Bürgschaftsbank ist gerade im Wettbewerb ‚Großer Preis des Mittelstandes’ als ‚Bank des Jahres’ auch mit der Begrün-

1997 - Das neue Gebäude

dung geehrt worden, eine „Baumschule für Unternehmertum“ zu sein. Wenn Bäume in einem Wald nicht nachgepflanzt werden, dann ist der Wald bald leer.

ckeln. Wir begutachten die Konzentration auf Branchen und Teilregionen; prüfen, was funktioniert und was noch effektiver gestaltet werden kann.

Sie sprachen von zwei Aspekten? Köntopp: Punkt zwei sind die Nachfolgeregelungen. Wenn ein bestehendes Unternehmen übergeben werden soll, dann muss es auch jemanden geben, der in der Lage ist – auch finanziell – dieses Unternehmen zu erwerben. Weniger als die Hälfte der Betriebe werden heute noch innerhalb der Familie übergeben. Gerade in Brandenburg betrifft das Thema immer mehr Unternehmen. Die erste Generation, die nach der Wende die Zügel übernommen hat, will nun die Früchte ihrer Arbeit ernten. Der Übernehmende braucht also finanzielle Mittel. Auch hier hat die Bürgschaftsbank sich über die Jahre eine hohe Kompetenz erworben.

Stefanovic: Für den „Beirat zur Begleitung der Neuausrichtung der Wirtschaftsförderpolitik des Landes Brandenburg“ hat der damalige Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns Kompetenz aus verschiedenen Bereichen geholt. Für die Kammern saß zum Beispiel der Frankfurter IHK-Hauptgeschäftsführer im Beirat. Ich selbst vertrat 2.000 Unternehmen, die wir mit einer laufenden Bürgschaft betreuen. Damit habe ich selbst und haben wir als Bürgschaftsbank ständig das Ohr am Mittelstand. Wir konnten und können das, was wir von unseren Unternehmen hören, direkt an den Wirtschaftsminister weitergeben. Diese Runden helfen keine Entscheidungen fernab vom täglichen Geschehen zu treffen.

Eine Kompetenz, die auch in der Wirtschaftpolitik des Landes gefragt ist? Köntopp: Seit einigen Jahren gibt es Treffen beim jeweiligen Wirtschaftsminister, an denen außer den Kammern und der Investitionsbank des Landes Brandenburg auch die Bürgschaftsbank regelmäßig teilnimmt.

Entscheidungen, die besonders in der Krisenzeit um das Jahr 2009 schwierig waren? Stefanovic: In der Krise hat sich eine kleine „Taskforce“ sehr bewährt. Vertreter des Wirtschaftsministeriums, Investitionsbank, der Zukunftsagentur und der Bürgschaftsbank haben da auch schon mal nachts getagt, sich auch zu einzelnen Fällen beraten, eine Beobachtungsliste für Unternehmen in schwieriger Situation erstellt und überlegt was für diese Unternehmen getan werden kann.

Worum geht es in diesen Runden? Köntopp: Wir betrachten vor allem die Förderlandschaft in Brandenburg und wollen hier schnell reagieren. Weil die Wirtschaft nicht stillsteht, sondern sich ständig entwickelt, müssen sich auch die Förderstrukturen entwi-

1997 - Richtfest in der Schwarzschildstraße

1998 - Letzte Sitzung im Bürocontainer

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Dr. Milos Stefanovic, Gabriele Köntopp, Geschäftsführer der Bürgschaftsbank Brandenburg

Köntopp: Und jetzt lädt Wirtschaftsminister Christoffers zum wirtschaftspolitischem Dialog mit den Kammern, der Investitionsbank, der Bürgschaftsbank, der Arbeitsagentur und der Gewerkschaft. Dabei geht es um die Weiterentwicklung der wirtschaftspolitischen Strategien für das Land, um Brandenburg als Unternehmerregion, um die Evaluierung der Wirtschafts- und Förderpolitik oder generell um die wirtschaftliche Lage. Wie wichtig sind die IHKs und Handwerkskammern für die Arbeit der Bürgschaftsbank? Köntopp: Die Zusammenarbeit mit den Kammern ist immens wichtig. Die Kammern sind Gesellschafter der Bürgschaftsbank,

1999 - Mannschaft vor dem neuen Gebäude

1999

gerade weil sie wissen, wie wichtig das Instrumentarium Bürgschaft für einen gesunden und erfolgreichen Mittelstand ist. Sie sind gleichzeitig Partner, sind in den Aufsichtsorganen der Bank, z.B. im Verwaltungsrat, vertreten. Im Bürgschaftsausschuss, der über die Bürgschaftsanträge befindet, sitzen – eine Seltenheit – alle drei Hauptgeschäftsführer der IHKs in Brandenburg. Wenn Sie ein Ziel für die nächste Zeit definieren müssten, welches wäre das? Stefanovic: Das Bewusstsein in den Unternehmen für eine gesunde Eigenkapitaldecke zu fördern. Die ist wichtig für die Finanzierung von Wachstum. Aber beim Thema Beteiligungen durch externe Geldgeber ist

2004 - Verabschiedung Rainer Langmaack

2004

der Mittelstand heute noch sehr zurückhaltend. Als Bürgschaftsbank verbürgen wir auch Beteiligungen, vornehmlich die unserer Schwestergesellschaft, der Mittelständischen Beteiligungsgesellschaft. Die beteiligt sich an Unternehmen überwiegend in Form von stillen Beteiligungen, ohne – und das ist ja die größte Angst der Unternehmer – Einmischung in die Geschäftsführung. Wir führen nicht umsonst die Bezeichnung mittelständisch im Namen. Diese Form der Beteiligung ist die mittelstandsfreundlichste.

2004 - Vor Ort bei Augusta Heckenrose


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In starker Gemeinschaft Der Verband Deutscher Bürgschaftsbanken Interessenvertretung auf Bundesebene

Die Bürgschaftsbank Brandenburg ist als eine von 18 Bürgschaftsbanken und Beteiligungsgarantiegesellschaften Mitglied im Verband Deutscher Bürgschaftsbanken e.V. (VDB). Der VDB nimmt von seinem Standort in Berlin die Interessenvertretung der Bürgschaftsbanken gegenüber Politik, Wirtschaft und Öffentlichkeit wahr. Aufgrund der positiven Erfahrungen mit den wegen der Schwierigkeiten bei der Kreditbeschaffung in den fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts zuerst in den Alten Bundesländern gegründeten Kreditgarantiegemeinschaften (KGGen) war es nur logisch, dass man dieses Erfolgsmodell auch nach der Wende in den Neuen Bundesländern (NB) weiterführte und ausbaute. Getragen wurden die KGGen von der Wirtschaft selbst, den Kammern, Verbänden und allen drei Säulen der Kreditwirtschaft. Die KGGen fusionierten später zu den branchenübergreifend tätigen Bürgschaftsbanken. Fast zeitgleich mit der Gründung der Bürgschaftsbanken in den NB wurde auch der VDB gegründet. Er hatte zuerst seinen Sitz in Bonn und wechselte 2008 nach Berlin.

2006 - Unternehmerwerkstatt

2006

2010 sicherten die deutschen Bürgschaftsbanken ca. 8.000 Finanzierungsvorhaben ab. Davon über 25 Prozent in den neuen Bundesländern. Das übernommene Bürgschafts- und Garantievolumen lag bei 1,3 Mrd. EUR (davon NB rund 0,4 Mrd. EUR). Damit wurden Kredite und Beteiligungen in Höhe von über 1,8 Mrd. EUR (davon NB rund 0,5 Mrd. EUR) abgesichert. Ein Schwerpunkt der Förderung lag mit fast 40 Prozent erneut in der Finanzierung von Existenzgründungen und Unternehmensübernahmen. Alle im VDB zusammengeschlossenen Bürgschaftsbanken sind Kreditinstitute im Sinne des KWG. Die von ihnen als privaten Wirtschaftsförderern übernommenen Bürgschaften sind vollwertige Sicherheiten für alle Hausbanken. Bürgschaften sind ein erfolgreiches Instrument einer Kombination der nichtstaatlichen Selbsthilfe mit Staatshilfe. Dies ist gerade unter ordnungspolitischen Aspekten sinnvoll, da Bürgschaften allen gewerblichen Unternehmen und Freien Berufen offen stehen, nur für tragfähige Vorhaben ausgereicht werden und damit zu einer möglichst geringen Belastung der öffentlichen Haushalte führen. Mit dem verbürgten Kredit wird die Grundlage für

2007 - 1. Brandenburg-Cup

2007

Wachstum oder Existenzsicherung geschaffen - gerade in den neuen Bundesländern hat dies erheblich dazu beigetragen, dass in den Unternehmen Produkte hergestellt, innovative Entwicklungen durchgeführt, in Gebäude und Maschinen und nicht zuletzt in Menschen und Arbeitsplätze investiert wurde. Vor diesem Hintergrund wäre es für die gesamtdeutsche Volkswirtschaft ein erheblicher Verlust, wenn an und für sich gesunden Unternehmen oder Existenzgründern nur wegen fehlenden Sicherheiten der Zugang zu Finanzierungsmitteln verwehrt bliebe. Um die hohe volkswirtschaftliche Bedeutung der Bürgschaftsbanken zu belegen, beauftragte der VDB das Institut für Mittelstandsökonomie an der Universität Trier (inmit) mit der Erstellung einer zuletzt 2010 aktualisierten Studie „Gesamtwirtschaftlicher Nutzen der Deutschen Bürgschaftsbanken“. Diese Studie vergleicht die gesamtwirtschaftliche Entwicklung mit und ohne Hilfe der Bürgschaftsbanken für mittelständische Unternehmen im Zeitraum zwischen 2009 bis 2015. Das Ergebnis lässt sich sehen: Durch die Bürgschaftsbanken steigt der Finanzierungssaldo des Staates jährlich um durchschnittlich rund 1 Milliarde EUR.

2007 - RBB-Besuch


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„Wenn Sie einen Dollar in Ihr Unternehmen stecken wollen, so müssen Sie einen zweiten bereithalten, um das bekanntzugeben.“Auf den Zukunftspreis Brandenburg der IHK Ostbrandenburg und den CAI-Unternehmenspreis der IHK Potsdam trifft die Weisheit des amerikanischen Großindustriellen Henry Ford jedoch nicht zu. Deren Ziel ist es, den ausgezeichneten Unternehmen völlig kostenlos eine öffentliche Bühne zu bieten.

Zwei Bühnen für den Mittelstand Mittlerweile sind 80 Firmen stolzer Besitzer des von der Ostbrandenburger Industrie- und Handelskammer (IHK) und der Märkischen Oderzeitung vergebenen Zukunftspreises. Der Zukunftspreis war im Jahr 2004 erstmalig von der Märkischen Oderzeitung und der IHK – damals noch als Zukunftspreis Ostbrandenburg – verliehen worden und ist seitdem immer populärer geworden. Namhafte Förderer unterstützen den Preis, darunter die Bürgschaftsbank. Gewürdigt werden beim Zukunftspreis, bei dem 2011 zum dritten Mal Firmen aus ganz Brandenburg berücksichtigt wurden, zehn Unternehmen, die mit ihren besonderen Leistungen anderen Mut machen. Unter anderem sind innovative Produkte oder Verfahren, geplante oder erfolgreiche Investitionen, aber auch überdurchschnittliche und kontinuierliche Lehrlingsausbildung sowie Wachstum entscheidende Kriterien. Das Besondere des Wettbewerbes sind für JuryMitglied Dr. Milos Stefanovic, die Gewinner. „Sie könnten unterschiedlicher gar nicht sein.“ Wer sich die Filme im Internet anschaut, der sieht die positiven Erwartungen, mit denen diese Unternehmer in die Zukunft blicken. „Mich persönlich berührt auch, dass wir viel inhabergeführten Mittelstand unter den Gewinnern haben. Und natürlich freut mich auch die Identifikation der ehemaligen Preisträger mit dem Zukunftspreis. Man ist eben stolz auf den Zukunftspreis, und zwar zu Recht.“

2007 - Unternehmerin des Jahres Petra Damm

Auch Gabriele Köntopp, Geschäftsführerin der Bank ist beeindruckt: von der Bandbreite an innovativen und sozialen Projekten eines anderen Wettbewerbes, dem CAI – Unternehmenspreis der IHK Potsdam. CAI steht für die Attribute, die erfolgreiche Unternehmen ausmachen: Sie sind creative, active und innovative. Mit diesem Preis soll gerade in Zeiten großer Herausforderungen gezeigt werden, wie viele überdurchschnittlich engagierte Unternehmen in der Wirtschaftsregion Westbrandenburg arbeiten und sie mit gestalten. Vergeben wird der Preis in den vier Kategorien „Wachstum”, „Innovation”, „Gesellschaftliches Engagement” und „Nachhaltigkeit”. Der Preis in der Kategorie „Nachhaltigkeit” wurde 2011 zum ersten Mal verliehen und ehrt den Einsatz von Unternehmen für ein vorausschauendes Wirtschaften. „Neben den harten Fakten geht es auch um wichtige weiche Faktoren wie Teamgeist, soziale Verantwortung und Ideenreichtum. Sie sind entscheidend in ihrer Wirkung auf das betriebliche Image und die Kundenbindung. Der Faktor „Nachhaltigkeit“ spielt dabei eine immer größere Rolle“, erklärt Köntopp. Die Nominierten werden auf einer Gala der Öffentlichkeit präsentiert und die Sieger erhalten einen hochwertigen Imagefilm. Eine Broschüre stellt zudem alle Teilnehmer vor.

2007 - Vor Ort bei Thermoholz

2007 - Bürgen für Bilbo Beutlin (Herr der Ringe-Ausstellung im Filmpark)


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Festempfang 20 Jahre B端rgschaftsbank Brandenburg

28. Juni 2011 Schloss Lindstedt, Potsdam


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FRAU AM STEUER Wird ein neues Unternehmen gegründet, steckt auch in Zeiten von Emanzipation und Gleichbehandlungsgesetz noch selten eine Frau dahinter. Wagt sich eine Frau dennoch daran, zumal in männertypischen Berufen, hat sie gegen hartnäckige Vorurteile zu kämpfen: Frauen haben keine Ahnung von Technik, sind für einen handwerklichen oder industriellen Beruf zu zart besaitet und besitzen kein Durchsetzungsvermögen. Die von der Bürgschaftsbank unterstützten Unternehmerinnen setzen ein ganz anderes Beispiel. Dabei scheuen Frauen keineswegs das Risiko, sondern sind selbstkritisch und realistisch: „Frauen gestehen sich Defizite ein und bereiten sich gründlicher als manch männlicher Kollege auf die Gründung vor“, bestätigt Gabriele Zimmermann vom Projekt „Gründen im Team“. Auch bei Verhandlungen mit Kreditinstituten stehen Gründerinnen männlichen Unternehmern in nichts nach. Gabriele Köntopp, Geschäftsführerin der Bürgschaftsbank bescheinigt Frauen unternehmerisches Geschick: „Frauen sind auf Bankgespräche genauso gut vorbereitet und haben konkrete Vorstellungen und Businesspläne für ihre Gründungen“.

Dass Technik auch Frauensache ist, beweist Elke Zankel. Sie gründete 1995 in Nauen gemeinsam mit Mitarbeitern des Berliner Fraunhofer-Instituts und der Technischen Universität Berlin das Unternehmen Pac Tech Packaging Technologies, das sich auf die Herstellung und Entwicklung von Mikrochips spezialisiert hat. Mit mehr als 150 Mitarbeitern und Produktionsstandorten in Deutschland, den USA und Malaysia entwickelt das Bürg-

2008 - Gründertage (deGUT) mit Minister

2008

schaftsunternehmen neue Konzepte für die Aufbau- und Verbindungstechnik miniaturisierter, hochintegrierter elektronischer Systeme und beliefert namhafte Unternehmen, wie Intel, Samsung und Motorola. Doch trotz zahlreicher Erfolgsbeispiele wie diesem reagieren Kreditinstitute auf Gründungsvorhaben von Frauen häufig zögerlich. Besonders das hohe Risikobewusstsein weiblicher Unternehmer wird voreilig als Risikoscheu abgewertet.

2008 - Gründertage (deGUT) mit Senator

Mit einem klaren Plan überzeugte auch Elke Ruchatz, Geschäftsführerin der Neuen Oderwerft, die Banken: „Mein Trick war, dass ich nichts beschönigt, sondern alles offen gelegt habe. Das hat uns Glaubwürdigkeit verschafft“, sagt sie. Diese Offenheit überzeugte auch die Bürgschaftsbank, die die Investition in den Wiederaufbau der Werft verbürgte. Seit nunmehr zwölf Jahren steuert Ruchatz erfolgreich die Neue Oderwerft in Eisenhüttenstadt und führt damit die 200-jährige Schiffbautradition am Standort im Stadtteil Fürstenberg fort. Ein schweres Erbe, das die ehemalige Chemiefabrikantin mit 13 Mitarbeitern jedoch selbstbewusst antrat. Von riesigen Eisbrechern und lauten Turbinen hat sich die

2008 - Verabschiedung Manfred Brandt


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Unternehmerin ebenso wenig einschüchtern lassen, wie von hartnäckigen Vorurteilen. Heute beschäftigt Ruchatz 37 Mitarbeiter und drei Auszubildende, die nach ihrer Gesellenprüfung übernommen werden. Dass eine Unternehmensgründung in einer von Männern dominierten Branche kein einfaches Unterfangen ist, bekam auch Simone Fischer zu spüren. Die DiplomAutomatisierungs„Ohne die technikerin und Bürgschaftsbank Geschäftsführerin hätte ich dicht der OPMS GmbH, machen können“ eines TelekommuniSimone Fischer, kations- und ElektroinstallationsdienstOPMS leisters, leitete mit ihrem Know-how das Unternehmen zwar von Beginn an – auf dem Papier agierte jedoch – für die Männerbranche als Aushängeschild – ihr damaliger Lebenspartner als Geschäftsführer. Die Bürgschaftsbank Brandenburg verbürgt 2009 die Finanzierung zur Übernahme dessen Gesellschafteranteile. Seitdem ist Fischer nun auch offiziell Inhaberin und Geschäftsführerin ihres Unternehmens. „Ohne die Bürgschaftsbank hätte ich dichtmachen können“, sagt Fischer. Heute beschäftigt sie mehr als 20 Mitarbeiter und betreibt eine Niederlassung in Essen.

2008 - Vor Ort bei TAKE OFF Fallschirmsport

Auch Christiane Dierich investierte gemeinsam mit ihrem Mann und der Hilfe der Bürgschaftsbank mehr als 800.000 Euro in den Bau einer Pension und vier Havelflöße in Brandenburg. Auf diesen können Freizeitkapitäne wie einst Huckleberry Finn führerscheinfrei über die Havel schippern, vorbei an Brandenburgs historischen Stadtkernen und Baudenkmälern. Bis zu fünf Personen können auf den selbstentwickelten Flößen übernachten. Seit neuestem gibt es sogar ein Floß für die Wintermonate, ausgestattet mit Sauna und Kamin. „Denn wenn es kälter wird, ist die Havel am schönsten“, verrät Dierich.

Elke Ruchatz baut und repariert unter anderem Eisbrecher. Ihr Unternehmen, die Neue Oderwerft erhielt 2009 den Zukunftspreis Brandenburg.

>>>BERATUNGSTAG IN DER BÜRGSCHAFTSBANK BRANDENBURG Sie haben Fragen? Besuchen Sie uns! Jeden Mittwoch stehen Ihnen unsere Mitarbeiter persönlich Rede und Antwort. Wir bitten um telefonische Terminabsprache unter o331-649 63 0.

WANN: WER: WAS:

mittwochs 12-17 Uhr Unternehmer, Berater, Existenzgründer, Firmenkundenbetreuer „Machbarkeit, Programme, Finanzierungsstruktur, allgemeine Fragen

2009 - Sitzung des Bürgschaftsausschusses

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2009 - Hofkonzert im Ovid-Saal


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BÜRGSCHAFTEN Seine unternehmerische Laufbahn begann Siegfried Ryll bereits 1980 mit einer Simson und Siroko-Werkstatt und zehn Mitarbeitern in Perleberg. 1988 reist er in die Bundesrepublik aus und eröffnet bereits nach drei Monaten seine eigene Ford-Werkstatt. Gleich nach der Wende kehrt er in die alte Heimat zurück. Nach dem Erwerb des passenden Grundstücks will er das erste Mercedes-Autohaus in den neuen Bundesländern eröffnen. Für die notwendigen Investitionen gab es 1990 die erste Bürgschaft der jungen Bürgschaftsbank. Im September bewilligte die Bank nun Bürgschaft 6.000.

Getriebe für Solaranlagen Sie sind in eine schwere Zeit gestartet. Ein Jahr nach der Gründung 2008 bricht die Wirtschaftskrise über die Märkte. Der Maschinenbau ist eine schwer betroffene Branche. Drei Jahre später wächst das Unternehmen BHF Maschinenbau aus Stahnsdorf, sucht neue Mitarbeiter und sichert seine Wachstumsfinanzierung mit der 6.000. Bürgschaft der Bürgschaftsbank Brandenburg. „Wenn man im Tal startet, sagt Frank Forstreuter, „kann man nur bergauf gehen.“ Forstreuter ist Geschäftsführer der BHF Maschinenbau GmbH, die er gemeinsam mit zwei Freunden gründete und die komplexe Dreh- und Frästeile für den Maschinen- und Hydraulikanlagebau in Lohnfertigung produziert. Zweites Standbein des Unternehmens ist der Getriebebau u.a. für Solaranlagen oder Pellets-Heizsysteme. Den Wunsch, etwas Eigenes zu machen, hatten die drei Freunde schon lange. Beim ersten Versuch vor zehn Jahren“, sagt Frank Forstreuter, „waren wir noch grün hinter den Ohren“. Die Berufserfahrung fehlte. Mit Anfang 40 dachten sich alle drei, das kann es beruflich noch nicht gewesen sein und starteten durch. Auch damals unterstützte die Bürgschaftsbank die Gründer. Die hatten inzwischen die notwendige Erfahrung gesam-

melt. Uns haben sie damals mit ihrem Konzept sehr schnell überzeugt,“ sagt Dr. Milos Stefanovic, Geschäftsführer der Bürgschaftsbank.

Ucha, Tschi und Balalaika

Im April 2003 eröffnen Tatjana und Thomas Hein die Russische Teestube in der Siedlung Alexandrowka. Potsdam ist um eine Attraktion reicher. An Brot, Salz und Wodka kam keiner vorbei. Tatjana und Thomas Hein sagten ihren Gästen auf die traditionelle Art ein herzliches Willkommen. Mit dem kleinen Restaurant im Aufseherhaus Russische Kolonie Alexandrowka 1, hat sich nicht nur der Inhaber einen Traum erfüllt. Mindestens ebenso genoss der Stadtkonservator

Potsdams das Treiben zur Eröffnung im restaurierten Kulturdenkmal, bei kaukasischen Vorspeisen und Ucha, der berühmtesten Fischsuppe Russlands. Anfang 2003 sind Tatjana, die aus Woronesch am Don stammt, und Thomas Hein eingezogen. Vier Jahre hat es gedauert bis er seine Teestube endlich eröffnen konnte. Zwei Investoren gingen Bankrott bevor die Deutsche Kreditbank die 500.000 Euro für die Sanierung des Aufseherhauses übernahm und Stadt und Land weitere 250.000 Euro Fördergelder zur Verfügung stellten. Die Bürgschaftsbank hat mit ihrer 3.000. Bürgschaft die Investionen abgesichert. Ein kasachischer Koch und eine deutsche Köchin bereiten russische und ukrainische Spezialitäten wie Tschi, die Sauerkrautsuppe oder Schweinebraten mit Backpflaumensoße. Insgesamt 95 Prozent dessen, was auf der Karte steht kommt aus den Gebieten der ehemaligen Sowjetunion. Auch das Bier und der grusinische Tee aus dem Samowar. Traditionell gekleidet in russische Kostüme servieren die Mitarbeiter bei schönem Wetter auch im Sommergarten, in dem noch einmal 50 Gäste Platz finden.

Dekorative Zierleisten und Rosetten Im Mai 2005 übernahm die Bürgschaftsbank Brandenburg ihre 4.000. Bürgschaft seit Gründung. Über den positiven Bescheid freute sich die Villa Deco GmbH.


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Die in Frankfurt/O. ansässige Firma fertigt und vertreibt hoch entwickelte, dekorative Produkte wie Zierleisten und Rosetten für die Innenausstattung von Wohnungen, Wohnhäusern, Hotels etc. mittels neuartigem aus der Fahrzeugindustrie und Sicherheitstechnik übernommenem Skin-Tech-Verfahren. Dabei werden Formteile geschäumt und gleichzeitig mit einer harten Haut überzogen. Die Haut gibt dem Produkt die notwendige (Stoß)Festigkeit. Der unter der Haut liegende Schaum bringt die Sicherheit und die erwünschte Gewichtsreduzierung. Das Unternehmen hat sich ganz bewusst in der Grenzregion angesiedelt. „Die Bürgschaft ermöglicht die Finanzierung unserer Expansion“, sagt Gründer und Geschäftsführer Björn Zikarsky, der die Erschließung osteuropäischer Märkte vorantreiben wollte. Banken stünden der Markteinführung neuer Erzeugnisse zuweilen eher skeptisch gegenüber, so Milos Stefanovic, Geschäftsführer der Bürgschaftsbank. Die Bank, die bereits zur Gründung der Villa Deco GmbH im Jahr 2003 eine Bürgschaft übernahm, hat 2005 auch die Absicherung der Finanzierung für die Betriebserweiterung bewilligt. „Die Bürgschaftsbank ist ein leistungsstarker und zuverlässiger Partner für kleine und mittelständische Unternehmen in Brandenburg“, unterstreicht Dr. Stefanovic.

Drei Haufen vom Giganten Im Jahr 2000 als 1-Mann-Betrieb gegründet hat sich das das Unternehmen Zemmler Siebanlagen zum Europa-Player entwickelt. Gründer und Geschäftsführer Heiko Zemmler hat mit seiner Eigenentwicklung – der

2009 - Minister Junghanns mit Beirat

Doppeltrommelsiebanlage – eine Nische erkannt und konsequent genutzt. Das beeindruckte auch die Juroren des Zukunftspreises im Jahr 2009. Zemmlers Umsätze steigen in 30-Prozent-Schritten. Die Investitionen für sein Wachstum verbürgte 2008 die Bürgschaftsbank mit ihrer 5.000. Bürgschaft. Das Sortieren gehört zum Menschen wie die Schale zum Ei. Auch in der modernen Industriegesellschaft. Gigantische Maschinen helfen auf Baustellen, in Entsorgungsbetrieben oder bei Garten- und Landschaftsbauern. Heiko Zemmler aus Großräschen baut diese Riesen, sogenannte Trommelsiebmaschinen. Groß wie Mähdrescher sieben sie Bauschutt, Glas, Erden, Steine und Kies, Kohle und Schlacke, Sand oder Kompost. Riesig ist auch die Entwicklung der ZEMMLER Recycling- und Aufbereitungstechnik, lobt Milos Stefanovic. „Sie ist ein hervorragendes Beispiel für die fruchtbare Zusammenarbeit von Unternehmen und Bürgschaftsbank.“ Zemmler hatte im Jahr 2000 als Einzelkämpfer mit Hilfe der Bürgschaftsbank sein Unternehmen für Vermietung, Reparatur und Instandhaltung für Trommelsiebmaschinen gegründet. 2002 kommt eine entscheidende Kooperation zustande. Heiko Zemmler wird Vertriebspartner eines dänischen Herstellers. Beim folgenden Kauf des Unternehmensgeländes im Jahr 2003 hilft die Bürgschaftsbank erneut. 2007 erwirbt er wiederum mit Hilfe der Bürgschaftsbank das komplette Produkt inklusive alle Lagerbestände des Kooperationspartners. Es ist die dritte für Heiko Zemmler, die insgesamt 5000. Bürgschaft seit Gründung der Bank. Nach langjähriger Zusammenarbeit als Zulieferer, in Vertrieb und Service wurden bestimmte

2009 - Vor Ort bei Nemo Tauchtouristik

Geschäftsbereiche vom dänischen Hersteller abgestoßen. Zemmler sah seine Chance und griff zu. Nun führt er das Geschäft in der Lausitz weiter, produziert und repariert, verkauft und versendet Maschinen und Ersatzteile nach ganz Europa. 160 Tonnen pro Stunde kann so ein mehr als zehn Meter langer, fast vier Meter hoher Gigant „vertilgen“ und in drei säuberlich getrennten Haufen wieder „ausspucken“, zum Beispiel Bauschutt in grobe Gesteinsund Wurzelteile, in Heiko Zemmler Schotter und Zukunftspreisträger mit Frau und Dr. Milos Stefanovic Kies sowie in feinen Sand trennen. In einen Trichter, der bis zu 4,5 Kubikmeter fasst – dass sind etwa 18 Badewannen – wird der Bauschutt eingefüllt. Von dort fällt das Material in eine Doppeltrommel, die aus stählernem Innen- und Außenkorb mit unterschiedlicher „Maschenweite“ besteht. Der großmaschige Innenkorb ist stabiler, da er die gröberen Bestandteile fraktioniert. Was der Innenkorb nicht hält, erfasst der Außenkorb, der „Rest“ – feiner Sand – fällt nach unten auf ein drittes Förderband. Auf den dritten „Haufen“ ist Zemmler besonders stolz. „Das ist unsere Besonderheit“, sagt er, „herkömmliche Trommelsiebmaschinen spucken nur zwei aus.“

2010 - Team Bürgschaftsbank

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Für jeden das Richtige VIER Jahreszeiten, VIER Himmelsrichtungen, VIER Elemente: Wir haben etwas mehr im Angebot. Die SECHS Programme der Bürgschaftsbank/MBG. Für alle die sich bei unternehmerischen Entscheidungen nicht auf Jahreszeiten, Himmelsrichtungen und Elemente allein verlassen wollen. Sechs Asse für die Unternehmensfinanzierung.

„Bürgschaft Klassik“

„Bürgschaft ohne Bank“ (BoB)

Vitamin B

Antragsweg umgedreht

Unser Klassiker, darum auch so genannt ist das Programm „Bürgschaft Klassik“. Darüber gibt es Ausfallbürgschaften für kurz-, mittel- und langfristige Kredite aller Art, Dazu gehören Kredite für Existenzgründungen, tätige Beteiligungen an einem Unternehmen, die Übernahme eines bestehenden Betriebes, die Markteinführung nach Forschung und Entwicklung. Verbürgt werden außerdem Betriebsmittelkredite, Warenlageraufstockungen, Investitionsfinanzierungen, Betriebserweiterung und -verlagerung, Rationalisierungs- oder Modernisierungsmaßnahmen sowie Avale für Vertragserfüllungs-, Gewährleistungs-, Anzahlungsund sonstige Bürgschaften. Einzige Bedingung: Der Unternehmenssitz oder der Ort der Investition befinden sich in Brandenburg.

Dieses Programm ist eine Brandenburger Innovation für die Unternehmensfinanzierung, die vor dem Hintergrund zögerlicher Kreditvergabe bei den Banken erfunden wurde und inzwischen auch in fast allen anderen Bundesländern eingesetzt wird. Seit 1999 bietet die Bürgschaftsbank mit dem Programm „Bürgschaft (vorerst) ohne Bank“ kleinen und mittleren Unternehmen einen besseren Zugang zu Krediten bis zu 400.000 Euro. Bei Bürgschaft ohne Bank wird der Antragsweg umgedreht, übernimmt die Bürgschaftsbank zusammen mit den Kammern weitgehend die Prüfung des Kreditkonzeptes. Bei einem positiven Ergebnis verbessern sich die Chancen auf einen Kredit erheblich, signalisiert die Bürgschaftszusage doch ein erfolgversprechendes Unternehmen und baut Bedenken auf Seiten des Kreditinstitutes ab, weil sich deren Risiko durch eine Bürgschaft um bis zu 80 Prozent verringert. Bürgschaftsantrag, Formulare zur Selbstauskunft, eine

Erklärung, welche geringfügige Beihilfen nach "de minimis" bereits gewährt wurden sowie eine "Checkliste" für benötigte Unterlagen stehen auf der Homepage der Bürgschaftsbank unter "Service" zum Download. Interessierte erhalten diese aber auch bei den Kammern, die mit betriebswirtschaftlichem Know-how auch bei der Zusammenstellung der Unterlagen helfen. Der Antrag wird dann direkt bei der Bürgschaftsbank eingereicht. Mit der grundsätzlichen Bürgschaftszusage, die zwei Monate bestehen bleibt, sucht der Unternehmer eine Hausbank, die den Kredit finanziert. Die Berater der Bürgschaftsbank sind bei der Suche nach Ansprechpartnern in den Kreditinstituten gern behilflich.

Handwerker-Sofortkredit

Turbo mit Sicherheit Seit März 2008 können Handwerker unbürokratisch und schnell Kredite bis zu 100.000 Euro bekommen. Die Handwerkskammern des Landes, die Kreditinstitute und die Bürgschaftsbank Brandenburg stellen dies mit dem Hand-


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werker-Sofortkredit sicher. Kleine und mittlere Handwerksbetriebe gehören nicht unbedingt zur Kernzielgruppe der Kreditwirtschaft. Viele Handwerker werden vom „Papierkrieg“ abgeschreckt. Hinzu kommen häufig mangelnde Sicherheiten, die positive Kreditentscheidungen verhindern. Eine Mischung, die es nicht einfach macht, eine Finanzierung zu stemmen. Handwerkskammern, Kreditinstitute und Bürgschaftsbank haben zur Förderung des regionalen Handwerks den HandwerkerSofortkredit entwickelt, der auf die Bedürfnisse und die strukturellen Besonderheiten kleiner Handwerksunternehmen abgestimmt ist. Die Betriebsberater der Handwerkskammern unterstützen kostenfrei die Handwerksunternehmen bei der Zusammenstellung der notwendigen Unterlagen und stellen zudem Kontakte zu Firmenkundenberatern bei den Kreditinstituten und der Bürgschaftsbank her. Diese gewährleisten eine zügige Kreditentscheidung – gegebenenfalls mit Besicherung durch eine Bürgschaft - innerhalb von zehn Werktagen.

KapitalPLUS: Bürgschaft & Beteiligung

Erfolgskombi KapitalPLUS verbindet Fremdkapital mit Eigenkapital und verbessert durch die Optimierung der Finanzierungsstruktur die Kreditwürdigkeit des Unternehmens. Die Vorteile für das Unternehmen sind eindeutig: Es erhält Bürgschaft und Beteiligung aus einer Hand und zusätzliche Mittel durch einen verbürgten Kredit. Die auf den Mittelstand zugeschnittene MBGBeteiligung stärkt die Eigenkapitalbasis. Die Beteiligung kann stufenweise erfolgen, auch in kleinen Tranchen. Besonders wichtig für den Unternehmer ist dabei: Stille Beteiligungen bedeuten keine Einmischung in die Unternehmensführung. Das Beteiligungskapital hat einen positiven Effekt auf die Unternehmensbilanz, auf die Bonität sowie das Rating (Basel II) und verbessert die unternehmerische Verhandlungsposition beim Kreditinstitut.

SECHS RICHTIGE UNTERNEHMENSFINANZIERUNG

Klassik bis 1 Mio. Euro gewerbliche Kredite aller Art

Bürgschaft ohne Bank (BoB) bis 400.000 Euro, Antragstellung direkt bei Bürgschaftsbank, Bürgschaftsurkunde bleibt zwei Monate gültig.

Unternehmersofortkredit

Flexibel finanzieren 2009 stellten die Industrieund Handelskammer (IHK) Potsdam, die Bürgschaftsbank Brandenburg und die Kreditinstitute der Region den Unternehmersofortkredit vor. Er sorgt dafür, dass Vorhaben der Unternehmen schnell und unbürokratisch umgesetzt werden können. Ein stark vereinfachtes Antragsverfahren verhilft kleinen und mittleren Unternehmen unbürokratisch zu Krediten bis zu 100.000 Euro. Die Kammern unterstützen Existenzgründer und Unternehmen bei der Zusammenstellung der notwendigen Unterlagen und stellen zudem Kontakte zu Ansprechpartnern der Hausbanken und der Bürgschaftsbank her. Die Bürgschaftsbank verbürgt maximal 80 Prozent der Summe, im Höchstfall also 80.000 Euro. Der Bearbeitungszeitraum beträgt höchstens zehn Werktage. Dadurch können Unternehmer besonders flexibel reagieren. Der Unternehmersofortkredit in allen Kammerbezirken Brandenburgs verfügbar.

Gründung mit begleitender Beratung

Soll-Ist-Vergleich Zur Begrenzung von Fehlentwicklungen während der Existenzgründungsphase bietet die Bürgschaftsbank seit 2003 Jungunternehmen im Rahmen des Programms „Existenzgründung mit begleitender Beratung“ in Kooperation mit den Handwerkskammern des Landes einen Check-up durch externe Berater an. Eine Untersuchung der Bürgschaftsbank hatte gezeigt, dass mehr als zehn Prozent verbürgter Gründungsfinanzierungen während der ersten drei Jahre wegen Abweichungen vom ursprünglichen Gründungskonzept und daraus resultierender falscher Finanzierung ausfallen. Als Instrument der Selbstkontrolle bieten Bank und Kammern den kostenfreien Unternehmens-Check an. Jungunternehmer reichen bei der Kammer einen Beratungsgutschein ein, den es zur Bürgschaftszusage gibt. Ziel des Check-up ist die Analyse der IstSituation und deren Vergleich mit dem Gründungskonzept. Überprüft werden u.a. die Aussagefähigkeit der Finanzbuchhaltung, die Preispolitik, Produkte, Absatzziele, Auftragsvorlauf und Finanzplanung.

Handwerkersofortkredit

Unternehmersofortkredit

bis 100.000 Euro, stark vereinfachtes Verfahren, bei Vollständigkeit aller Unterlagen Kreditentscheidung innerhalb von 5-10 Werktagen

bis 100.000 Euro, stark vereinfachtes Verfahren, bei Vollständigkeit aller Unterlagen Kreditentscheidung innerhalb von 5-10 Werktagen

KapitalPLUS

Beteiligungskapital der MBG

Bürgschaft und Beteiligung aus einer Hand, stufenweise, auch in kleinen Tranchen, schnelle Bearbeitung

eigenkapitalstärkende stille Beteiligung, ab 50.000 Euro, auch stufenweise, Laufzeit bis zu 15 Jahre


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Gründerfrühstück, Informationsveranstaltung zur Unternehmensnachfolge, Podiumsdiskussion oder Workshop - regelmäßig sind die Mitarbeiter der Bürgschaftsbank in den Kammerbezirken unterwegs. Doch viel lieber lädt die Bürgschaftsbank ein: in spannende Unternehmen, zum Kart-Rennen, zu Kultur oder zum Lernen.

Netzwerke knüpfen Die Veranstaltungsreihen der Bürgschaftsbank Brandenburg Für Teamarbeit und Spaß Regen, 36 Fahrer in 17 Zweierteams und etwa genau so viele Zuschauer. Ein fast familiärer Auftakt. Spaßfaktor: Riesig. Fünf Jahre später kämpfen 36 Teams mit je fünf Fahrern vor mehreren hundert Zuschauern um den Pokal. Die Sieger: Die Gemeinde Schönwald, eine Schule und die Stiftung „Familien in Not“, denn die Startgelder gehen an ein karitatives Vorhaben. Michael Schumachers Rücktritt zum Ende des Jahres 2006 brachte in der Formel 1 einiges

2011 - Spende für Familien in Not

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in Bewegung. Doch nicht nur dort. Am 12. Mai 2007 trafen sich am Rande des Spreewaldes, auf der Spreewaldring-Kartbahn, einige vielversprechende Talente, die ihre berechtigten Ansprüche auf die Nachfolge des siebenfachen Weltmeisters anmelden wollten, zum 1. Brandenburg-Cup der Bürgschaftsbank Brandenburg.

gen, laden diejenigen ein, die Geld geben und jene, die es benötigen. Zu einem Wettkampf: Dem Brandenburg-Cup. Hier geht es nicht um Finanzpläne, Jahresabschlüsse und Kreditkonditionen, hier geht es um Zehntelsekunden, Teamarbeit und Spaß. Und der erleichtert jede Beziehung.

In die Praxis: Vor Ort Banken und Unternehmer – das ist nicht immer eine einfache Beziehung. Die einen wollen Geld, die anderen Sicherheiten. Was liegt da näher: Die, die für Sicherheiten sor-

2011 - Besuch einer russischen Delegation

Der Brandenburg-Cup ist nur der letzte Renner in einer Reihe von Veranstaltungen, die seit nun mehr als zehn Jahren regelmäßig Unternehmer, Kreditinstitute, Vertreter der

2011 - Empfang zum 20. Gründungstag der Bürgschaftsbank im Schloss Lindstedt


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Erfolgreich und gut besucht: die Veranstaltungen der Bürgschaftsbank. Von links: Hofkonzerte mit Katja Riemann, Vor Ort in Werder bei Schuke Orgelbau, Rennteams beim Brandenburg-Cup und Unternehmerwerkstatt in der Bürgschaftsbank

Kammern und Verbände, Berater und Politiker regelmäßig zum Dialog vernetzen. 1999 startet die Bürgschaftsbank ihre Veranstaltungsreihe „Bürgschaftsbank vor Ort“. Was ist eine bessere Visitenkarte für eine gelungene Kooperation von Kreditinstituten, Unternehmern und Bürgschaftsbank als eine erfolgreiche Firma. Unternehmer erzählen von ihrem Geschäft, vor Ort in ihren Unternehmen. Kein Zahlenwerk, keine Businesspläne sondern lebendiger Alltag im Unternehmen, ob – wie zum Auftakt 1999 – beim Flugzeugbauer Aquila in Schönhagen, beim Industrietauchunternehmen Leunert in Fürstenwalde, beim Orgelbauer Matthias Schuke in Werder oder der Fallschirmsprungschule Tandem in Fehrbellin. Regelmäßig folgen inzwischen mehr als 100 Gäste der Einladung zur Vor-Ort-Veranstaltung, die zweimal jährlich in ein verbürgtes Unternehmen führen.

Bezug zum Unternehmeralltag Schon Isaac Newton wusste: Was wir wissen, ist ein Tropfen; was wir nicht wissen, ein Ozean. Damit man als Unternehmer nicht ins Schwimmen gerät muss dieser Ozean verkleinert werden. Seit 2005 lädt darum die Unternehmerwerkstatt der Bürgschaftsbank ein. Sie ist eine regelmäßige praxis-

orientierte Veranstaltung zu mittelstandsrelevanten Themen für Unternehmer und Freiberufler. Die Veranstaltungsreihe befasste sich bisher mit Controlling, EU-Förderungen für Brandenburger Unternehmen oder alternativen Finanzierungsformen für den Mittelstand. Braucht ein mittelständisches Unternehmen eine Rechtsabteilung? Wie sicher ist der elektronische Geschäftsverkehr? Können Unternehmer Anlageprodukte zur Altersvorsorge steuerlich nutzen? Welche Alternativen gibt es zur klassischen Kreditfinanzierung für mittelständische Unternehmen. Immer sind es Fragestellungen mit konkretem Bezug zum unternehmerischen Alltag, die ein Fachmann erläutert, begleitet von einem Erfahrungsbericht eines Unternehmers.

Wirtschaft fördert Kultur In ihrem literarisch-musikalischen Programm „Wenn ihre Stimm’ im Kuss verhallt“ haben die Schauspielerin Corinna Harfouch und die Pianistin Hideyo Harada im Juli im Schlosstheater im Neuen Palais das Beginnen und Zerfallen der Liebe zwischen Franz Liszt und Marie d’Agoult nacherleben lassen. Eine Zeitreise im Rahmen der Potsdamer Hofkonzerte. Die Veranstaltungsreihe feiert in

diesem Jahr 20. Jubiläum. 1991 fanden sie das erste Mal statt. Von Beginn an als Sponsor dabei: die Bürgschaftsbank. Barbara Heidenreich, Organisatorin und Initiatorin, bedankte sich: “Ohne die Sponsoren hätten die Hofkonzerte nicht überlebt.“ Jedes Jahr lädt die Bürgschaftsbank Partner und Unternehmer in das Schlosstheater im Neuen Palais. Katja Riemann, Esther Schweins oder Hanns Zischler befassten sich hier bereits musikalisch-literarisch mit den preußisch-russischen Beziehungen, den Ovidschen Metamorphosen oder dem Marquis d’Argens, Kammerherr und Akademiedirektor am Hof Friedrich II. Besonderer Höhepunkt 2010: Zwei Sonderführungen mit Professor Dr. Hartmut Dorgerloh, Generaldirektor der Stiftung Preußischer Schlösser und Gärten, durch das Neue Palais, dem – wenn es fertig restauriert ist – besterhaltenen Barockschloss Europas.

Bilder zu den Veranstaltungen der Bürgschaftsbank finden Sie unter www.BBimWeb.de/Galerie


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Theorie und Praxis Mehr als 30 Praktikanten oder Studenten haben in den vergangenen 20 Jahren ihre Praktika in der Bürgschaftsbank absolviert oder ihre Diplomarbeiten zum Thema Unternehmensfinanzierung hier geschrieben. Minister, Unternehmerverbände, Wirtschaftsdelegationen aus anderen Ländern besuchen regelmäßig die Bürgschaftsbank, um das deutsche Bürgschaftssystem zu studieren. Warum sind Unternehmen erfolgreich? Eine Frage, deren Beantwortung nicht nur das Leben von Firmenkundenbetreuern wesentlich vereinfachen würde. Nicole Kutsch, Studentin der Verwaltungswissenschaften an der Fachhochschule für Verwaltungsrecht in Berlin AltFriedrichsfelde, hat sich in ihrer Diplomarbeit daran gemacht, Antworten darauf zu finden. Besonders spannend für die Studentin: Gespräche mit den Unternehmern vor Ort, besonders, wenn es sich dabei um Existenzgründer handelte. Aber auch die tägliche Arbeit – das Erstellen von Bilanzen, Jahresabschlüssen und die Vorhabensbewertungen nach betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten waren „hilfreich“ für die Vorbereitung auf das Diplom. Für die Mitglieder des weißrussischen Businessverbandes der Unternehmer und Arbeitgeber war die Visite in der Bürgschaftsbank Teil eines einwöchigen Arbeitsbesuches des Verbandes und der regionalen staatlichen Verwaltung des Gebietes Mogiljev zur Information über

Formen, Inhalte und Strukturen unterschiedlicher Organisationen zur Unterstützung von Existenzgründern und bestehenden kleinen und mittelständischen Unternehmen in einem Flächenland wie Brandenburg. Besonderer Schwerpunkt: die regionale und kommunale Wirtschaftsförderung. Dafür interessierten sich auch Delegationen aus Vietnam und Russland oder die rumänische Ministerin für kleine und mittlere Unternehmen bei ihrem Besuch. Im Gespräch informierte sie sich über Struktur und Wesen deutscher Bürgschaftsbanken mit besonderem Interesse an Fragen der Organisation und der Risikovorsorge. Zwei rumänische Mitarbeiter hospitierten anschließend für drei Monate bei der Bürgschaftsbank.

Wissen als Chance Im Rahmen der Initiative „FIT für den Wissenswettbewerb“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWi) wurden Methoden und Werkzeuge entwickelt, die insbesondere kleine und mittelständische Unternehmen dabei unterstützen, ihr betriebliches Wissen zu bewerten, effizient zu nutzen und die Stärken und Schwächen gezielt zu analisieren. Dazu zählen die „Wissensbilanz – Made in Germany“ und das Projekt „3W“. Bei 3W – Wirtschaft, Wissen, Wertschöpfung – handelt es sich um die Nutzung von Wissensmanagementmethoden im Unternehmen zur Steigerung von Umsatz und Ertrag. Die Wissensbilanz vom FraunhoferInstitut entwickelt, analysiert die so genannten weichen Faktoren – wie Motivation, Kommuni-

kation oder Fachqualifikation – in einem Unternehmen. Die IHK-Projektgesellschaft mbH als Projektträger von 3W moderiert die Methodik im KMU. Die Methode beleuchtet zunächst den Ist-Zustand im Unternehmen. Wie wird die Kompetenz der Mitarbeiter gefördert, wie sind die Beziehungen im und außerhalb des Unternehmens. Dabei wird nicht nur die Chefetage befragt, das gesamte Unternehmen wird einbezogen. Ziel ist es, interne Baustellen zu identifizieren und darauf aufbauend Methoden für ein internes Wissensmanagement zu installieren. Eine zweite Wissensbilanz nach Umsetzung der Maßnahmen zeigt die Veränderungen. In einem nächsten Schritt wird die Wissensbilanz auch auf das Rating ausgeweitet werden. Dazu finden bereits Gespräche unter anderem mit den Bürgschaftsbanken für eine deutschlandweite Anwendung in verschiedenen interessierten Unternehmen statt. „Eine positive Wissensbilanz markiert funktionierende interne Prozesse, die Kommunikation stimmt, die Nachfolge ist geregelt, die Mitarbeiter werden gezielt motiviert. Das wiederum bedeutet innere Stabilität und damit eine höhere Sicherheit für Banken und Kreditinstitute“, erklärt Milos Stefanovic, Geschäftsführer der Bürgschaftsbank Brandenburg sein Interesse an dem Projekt. Kontakt für interessierte Unternehmen: IHK Projektgesellschaft mbH Dr. Jörg Zunkel 0335-5621 2310 zunkel@ihk-projekt.de


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