me, mit wenig Einfluss auf die ästhetischen und funktionalen Qualitäten der daraus entstehenden Gebäude. Somit erfordert die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit den digitalen Technologien auch, die grundsätzliche Frage nach Forschung in der Architektur neu zu stellen. Unsere Forschung am ICD und ITKE hat zum Ziel, die Möglichkeiten digitaler Technologien für die Architektur integrativ und interdisziplinär zu untersuchen, aber auch kritisch zu reflektieren. Im Zentrum steht dabei die Frage, wie sich neue digitale Technologien nicht nur für die Optimierung bestehender prädigitaler Prozesse und Systeme einsetzen lassen, sondern stattdessen neuartige Ansätze für Entwurf, Planung, Fertigung und Bauen entwickelt werden können. Unser Ziel ist es, genuin digitale Bausysteme und Bauweisen zu entwickeln, die eine Architektur ermöglichen, die der Digitalisierung als fundamentale technische und vor allem auch soziokulturelle Veränderung gerecht wird. In diesem Sinne erproben die vorgestellten ICD/ITKE Bauten ein radikales Gegenmodell zur heutigen Praxis des Planens und Bauens. Sie zeigen, wie in einem grundlagen- und erkenntnisorientierten Prozess Lösungen entstehen können, die sich außerhalb etablierter Typologien von Architektur, Konstruktion und Tragwerk befinden und trotzdem sowohl hinsichtlich der funktionalen Leistungsfähigkeit als auch des architektonischen Ausdrucks überzeugen. Dies kann nur gelingen, wenn das Potenzial digitaler Technologien zu einer tiefgreifenden Integration voll genutzt wird und dabei alle Disziplinen und Kompetenzen von Beginn an beteiligt sind. Umwege und Sackgassen sind dabei nicht nur ein unvermeidlicher, sondern auch ein bereichernder Teil des Weges.
1, 2] Das ICD/ITKE Team während des Entwurfs des BUGA
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Faserpavillons zur Bundesgartenschau 2019 in Heilbronn
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Ein wesentlicher Aspekt von zukunftsorientierter Architekturforschung ist also die Untersuchung digitaler Technologien, nicht als Fortführung bestehender Methoden und Prozesse, sondern als Ausgangspunkt und Vehikel, das Entwerfen und Bauen anders zu denken. Dabei geht es nicht um das Unkonventionelle an sich, sondern um das Erforschen alternativer Ansätze, die den Möglichkeiten und den Mitteln unserer Zeit gerecht werden. Es geht darum, die epochale Veränderung durch digitale Technologien als Chance aufzugreifen und deren disruptives Potenzial kritisch, aber positiv zu gestalten.