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BIORAMA 66

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Das Schmetterlingsvorkommen auf den Pollauer Bergen (Südmähren) um das Jahr 1910

Das Schmetterlingsvorkommen in den drei konventionell bewirtschafteten Weinbergen im Untersuchungsgebiet in Südmähren.

pflanzung für die Schmetterlinge bewähren. Der Traubenwickler, ein für die Blütenknospen und Beeren äußerst schädlicher Nachtfalter, konnte – unter Verzicht auf chemische Insektizide – mittels selektiver Verwirrmethode erfolgreich von seiner Vermehrung abgehalten werden. Hierfür werden die Pheromone des Traubenwicklerweibchens großzügig im Weingarten ausgebracht, was zur Verwirrung bei den Männchen und einer vergeblichen Partnersuche führt. 2019 wurde das SchmetterlingsMonitoring, zehn Jahre nach der Implementierung dieser beiden Methoden, in denselben Weingärten wiederholt. Es zeigte sich in allen ökologisch bewirtschafteten Weingärten im Schnitt eine 30-prozentige Erhöhung der Schmetterlings-Biodiversität.

Gesetz des Bodens Einen Nachweis darüber, wie prägend etwa Mikroben (z. B. Bakterien, Viren, Pilze) im Boden des Weinbergs für den RebDas Schmetterlingsvorkommen in den stock und die Trauben sind, haökologisch bewirtschafteten Weinbergen im ben ForscherInnen vom Argonne Untersuchungsgebiet in Südmähren. National Laboratory im US-Bundesstatt Illinois im Jahr 2015 geliefert. Anhand von Erbgutanalysen an Merlot-Rebstöcken unterschiedlicher Lagen konnte eine vom Boden ausgehende Bakterienbesiedelung auf Wurzeln, Blättern, Blüten und Trauben nachgewiesen werden. Das Schmetterlingsvorkommen in einem Wo Weingärten durch verNaturschutzgebiet in Südmähren. gleichsweise intensive Bodenbearbeitung über Jahrzehnte hinweg ausgelaugt und ihrer Biodiversität beraubt wurden, droht nicht nur sukzessive Bodenerosion, sondern stehen die WeinmacherInnen vor einem weiteren Dilemma. Um ihren vielleicht schädlingsfreien, aber in dieser Hinsicht ihres Terroirs beraubten Trauben noch etwas Leben einhauchen zu können, bleibt ihnen für den Moment keine andere Wahl, als im Keller alle Register der Kellertechnik zu ziehen.

Bauern, AlchemistInnen und der Frühling Welchen Einfluss Hefe während und nach Beendigung des Gärprozesses auf den Geschmack von Wein nimmt, das zeigt uns die breite Palette von am Markt verfügbaren Reinzucht- bzw. Aromahefen. Sowohl im (lebendigen) Weingarten als auch im Keller finden wir natürlich vorkommende Hefepilze, die nur darauf warten, Zucker in Alkohol zu verwandeln. Wer es mit dem Terroir wirklich ernst meint, schenkt diesen Mitbewohnern etwas mehr Vertrauen. Terroir und Kellertechnik – gehören diese Dinge zusammen? Kommt drauf an … In bestimmten Regionen – allen voran in Frankreich – kam die Weinkultur früher zur Blüte als in anderen und somit wurden manche Methoden typisch für deren Herkunftsregion. Viele dieser technischen und stilistischen Errungenschaften gilt es dankbar zu bewahren, manche zu überdenken – Geschmackssache. Mit regionsspezifischem »Terroir« haben sie angesichts ihrer beliebigen Kopierbarkeit nur noch selten zu tun. Terroir-Betonung bedeutet: zur Geltung bringen, was da ist. Und der Schutz dessen – der Biodiversität – als Maxime setzt in letzter Konsequenz auch Biodynamik als Bewirtschaftungsphilosophie voraus. »Die Umstellung auf biodynamische Bewirtschaftung hat zuerst im Kopf und in weiterer Folge im Boden, an den Pflanzen, in der Familie und zuletzt auch bei den KonsumentInnen zu erfolgen«, betont Wilfried Hartl. Eine nur minimalinvasive – den Geschmack des Weingartens konservierende – Arbeit im Keller ist für viele längst die logische Schlussfolgerung daraus. Immer mehr WinzerInnen haben das Selbstbewusstsein, sich wieder vermehrt als Bauern und LandschaftspflegerInnen, weniger als AlchemistInnen zu sehen. Die gustatorische Wahrnehmung ist ein Zusammenspiel von mehreren Sinneswahrnehmungen und uns nur ansatzweise in die Wiege gelegt. Zu einem Großteil sind es individuelle Erfahrungen, die darüber entscheiden, was schmeckt und was nicht. Ob Kohlsprossen, Glutamat-Nudeln oder Wein: Geschmack wird gelehrt, gelernt und entwickelt sich. Es verlangt – gerade beim anspruchsvollen und kontroversiellen Themenkomplex Wein – auch von KonsumentInnen etwas Mut, sich von vermeintlich sicheren Pfaden verabschieden zu können. »Es ist das Ende der Welt«, sagt die Raupe. »Es ist der Anfang einer neuen«, sagt der Schmetterling.

Bilder dr. milan hl uchy

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