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BILDUNGaktuell Das eMagazin für Management, Personalwesen und Weiterbildung

#08 03.08.2010

PSYCHOLOGIE

WENN PRÜFUNG ANGST MACHT Ob in der Schule oder im Büro – Prüfungsangst kann lähmen, aber auch beflügeln. Tipps, wie Sie diese Herausforderung meistern.

■ KUNST-STÜCK

Wie Künstler Kreativität und neue Ideen in Unternehmen bringen können.

■ FÜHREN ODER COACHEN?

Foto: Stockbyte

Wann Coaching als Führungsstil sinnvoll ist und worauf es dabei ankommt.

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» Themen. Autoren. Inhalte. „Der Kampf um die besten Köpfe wird weiter zunehmen“, schreibt Prof. Dr. Stefan Güldenberg. Die alles entscheidende Frage für eine erfolgreiche Führung laute deshalb: Wie gestaltet man eine Organisation, die für Wissensarbeiter attraktiv ist? ab Seite 3 Dramadozentin Nina Trobisch weiß, wie wichtig kreatives Arbeiten und Lernen heute ist. Denn: „In einer Welt, in der Dynamisierung als oberste Fahne weht, steigt der Einfluss kreativen Handelns.“ Wie Sie Ihr schöpferisches Potenzial wieder aufwecken, verrät sie ab Seite 5

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„So wie der Gärtner einen reichhaltigen Kompost braucht, um optimales Pflanzenwachstum zu erzielen, so braucht auch der menschliche Geist Anregungen, um innovativ sein zu können“, schreibt Andreas Rodler alias sha. Und fordert „Frei-Raum“ in Unternehmen. Mehr dazu ab Seite 8

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Warum die richtigen Strategien helfen können, Angst in positive Energie umzuwandeln, erklärt Dr. Helga KniggeIllner in ihrem Buch „Prüfungsangst besiegen“. Einen Auszug daraus lesen Sie ab Seite 11

„Coaching und Führung können ein gutes Tanzpaar ergeben, wenn es einen gemeinsamen Rhythmus gibt. Trotzdem halte ich den Boom von Coaching-Ausbildungen für Führungskräfte für problematisch“, warnt Mag. Susanna Kober ab Seite 15

Fotos: beigestellt, Marko Priske

Die BILDUNGaktuell-Glosse „Boshaft gesagt – über Sinn und Unsinn im Seminargeschäft“ von Dr. Peter Wasservogel. Der Bildungsprofi schreibt in Teil 4 über die „GruppendynamikFalle“ ab Seite 14

diplomlehrgang systemisches Coaching für die führungspraxis Techniken und Interventionen des Systemischen Coaching, Bearbeitung konkreter Situationen aus dem Führungsalltag. informationsabend: 15.11.2010, 18:00 Uhr lehrgangsstart: 17.12.2010

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Impressum Herausgeber: Alexander Karp karp | communication company Layout & Grafik: Anton Froschauer Redaktion & Anzeigenverwaltung: Siegfriedgasse 52/19, 1210 Wien E-Mail: redaktion@bildungaktuell.at Web: www.bildungaktuell.at

Medieninhaber & Herausgeber: karp | communication company www.karp.at Siegfriedgasse 52/19, 1210 Wien Grundlegende Richtung: Journalistisch unabhängige Berichterstattung und Hintergrundberichte zu den

BILDUNGaktuell 08/2010

Themen Aus- und Weiterbildung, Karriere, Lernen, Bildungspolitik. Hinweis: Bei allen personenbezogenen Bezeichnungen gilt die gewählte Form für beide Geschlechter. Alle im Inhalt angeführten Preisund Terminangaben sind vorbehalt-

lich Druckfehler und Änderungen. Bezahlte Texte sind als „Promotion“ gekennzeichnet. COPYRIGHT: Alle Rechte vorbehalten. Übernahme und Nutzung der Daten bedarf der schriftlichen Zustimmung des Herausgebers.

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02.08.2010 12:12:19 Uhr


WISSENSMANAGEMENT

Fit für die Zukunft

Foto: istockphoto

Der Kampf um die besten Köpfe wird weiter zunehmen. Die alles entscheidende Frage für eine erfolgreiche Führung lautet: Wie gestaltet man eine Organisation, die für Wissensarbeiter attraktiv ist? Was Unternehmen und Führungskräfte schon heute tun können, verrät Prof. Dr. Stefan Güldenberg Nicht nur unsere Wirtschaft, sondern auch unsere Führung befindet sich in einer tiefen Krise: Viele Führungskräfte managen ihre Mitarbeiter noch weitgehend mit den gleichen Führungstechniken wie vor 20 Jahren. Die Führung von Köpfen funktioniert aber nicht nach denselben Prinzipien wie die Führung von Händen: Als Konsequenz verlassen häufig die besten Köpfe das Unternehmen, zurück bleiben demotivierte Führungskräfte und Mitarbeiter. Dabei lassen sich Wissensarbeiter durch ein Überdenken und Verändern dieser veralteten Führungsprinzipien relativ leicht gewinnen. Dies zeigt das Beispiel Google: Der weltweit attraktivste Arbeitgeber für Wissensarbeiter erhält über 1000 Blindbewerbungen pro Tag. In Zeiten eines härter werdenden Wettbewerbs um qualifizierte Arbeitskräfte, oft auch als „War for Talents“ bezeichnet, ein unschätzbarer Wettbewerbsvorteil. Google hat verstanden, dass Wissensarbeiter gefordert und gefördert werden wollen. Sie sind anders motiviert als der klassische Industriearbeiter unserer Vätergeneration und sie müssen auch dementsprechend anders geführt werden. WisBILDUNGaktuell 08/2010

sensarbeiter brauchen Freiraum, viel Freiraum. Sie wollen sich nicht mehr einer klassischen Unternehmenshierarchie unterordnen. Bei Google kann jeder selbst bestimmen, wann er zur Arbeit kommt und wann er wieder geht. Wissensarbeiter wissen selbst am besten, wann und wie sie produktiv arbeiten können, sei es in der Früh, am Nachmittag oder eben in der Nacht. Es gibt keine Notwendigkeit einer Anwesenheitskontrolle. Was allein zählt, ist der gemeinsame Erfolg, der über den Zielerreichungsgrad gemessen wird. Dabei wird zwischen inhaltlichen und fachlichen Zielen unterschieden. Was für die Arbeitszeit gilt, gilt auch für den Arbeitsplatz. Bei Google können die Mitarbeiter diesen selbst gestalten. Und wenn sie glauben, ein Pool-Billiard oder ein Swimming Pool trägt zur Steigerung der Arbeitsproduktivität bei, gibt es keinen Grund, diesen Wunsch abzulehnen. Die Art und Weise, wie vielfach Informations- und Kommunikationstechnologien genutzt werden (z. B. die E-Mailflut), scheint die Produktivität von Wissensarbeit eher zu mindern, denn zu fördern. Angebotsorientierte und viel zu statische » Seite 4 3


Wissensarbeiter verlangen nach einer anderen Art der Führung als Industriearbeiter. Prof. Dr. Stefan Güldenberg oder solche, die eine Interaktion verlangen, zu regeln. Sie kennen dieses Phänomen: Da werden zehn E-Mails hin und her geschickt, ohne zu einer befriedigenden Regelung zu kommen. Sie greifen zum Telefon und stellen fest: Viele Missverständnisse, die entstanden sind und das Hin und Her hätten mit einem Telefonat vermieden werden können. Die meisten Wissensarbeiter sind hierbei Amateure, die sich Techniken der Information, Kommunikation, Zusammenarbeit während ihres Berufslebens angeeignet haben. Für professionelle Wissensarbeit bedeutet dies, dass hier noch große Produktivitätspotenziale schlummern. Die Telekom Austria hat im Rahmen einer Kommunikationseffizienzanalyse Mitarbeiter befragt, was aus ihrer Sicht die Top-Zeitkiller sind. Ganz vorne rangieren unnötige EMails, gefolgt von ineffektiven Besprechungen und unnötigen Telefonaten. Auch Gerüchte BILDUNGaktuell 08/2010

Prof. Dr. Stefan Güldenberg ist Inhaber des Lehrstuhls für Internationales Management an der Hochschule Liechtenstein. Er hat u.a. an der Harvard University, an der Sloan School of Management, am MIT und an der Wirtschaftsuniversität Wien geforscht und gelehrt. Zudem ist er Autor des Buches „Produktive Wissensarbeit(er)“, Gabler Verlag. Veranstaltungstipp: Prof. Dr. Güldenberg stellt bei seinem Vortrag auf der Austrian eLearning Conference in Wien (Messe Wien, Halle A) gezielt Best-Practice-Beispiele vor, am 22. September um 10.30 Uhr. www.hochschule.li  Klick! Klick! www.aelc.at 

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und Verunsicherungen werden an vorderster Stelle genannt. Denken Sie einmal darüber nach, was bei Ihnen die Top-Zeitkiller sind. Es wird geschätzt, dass Wissensarbeiter ca. 15 bis 30 % ihrer Arbeitszeit mit der aktiven Infosuche verbringen, von der aber nur 50 % erfolgreich ist. Diese geringe Trefferquote hat eine Reihe von Ursachen. In der Fülle der Informationen lässt sich das wirklich Wichtige oft nicht finden, Dokumente werden doppelt erstellt, weil das erste Exemplar nicht auffindbar ist. Wir leben mit der paradoxen Situation, dass wir in Informationen ertrinken, aber den Wissensdurst nicht stillen können. Das ständige Gefühl, etwas Wichtiges nicht mitzubekommen, führt dazu, dass Wissensarbeiter versuchen, zu viele Themengebiete parallel zu verfolgen. Fokussierung auf eine Aufgabe statt Multitasking ist hier gefragt. ■

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Ansätze des Wissensmanagements gehen an den konkreten Bedürfnissen und Erwartungen von Wissensarbeitern häufig vorbei. Wissensarbeiter verschwenden je nach Tätigkeit den größten Teil ihrer produktiven Arbeitszeit mit unzureichenden Informations- und Kommunikationstechnologien. E-Mails sind zum Beispiel nicht geeignet, komplexe Sachverhalte

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KREATIVES LERNEN UND ARBEITEN

Abenteuer Kreativität

Was ist das? Jedes Kind hat es, vielen wird es abtrainiert, einige halten es lebendig. Ungebraucht verkümmert es und macht Menschen zu farblosen Gewohnheitstieren. Unternehmen sehen darin den entscheidenden Wettbewerbsfaktor des 21. Jahrhunderts. Richtig geraten, ich spreche von Kreativität. Sie ist es, die uns zu solchen Menschen macht, die Gestaltungskraft und Schöpfertum in die Prozesse des Arbeitens und des Lebens einbringen. Sie verlockt uns, ein Leben lang zu lernen, weil wir immer wieder voller Neugier-

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de zugänglich für das noch nicht Gewusste, das noch nicht Probierte, das noch nicht Gekannte sind. Um Leben zu meistern, brauchen wir seit jeher Kreativität; heute mehr denn je. Immer wieder suchen wir nach frischen Ideen, anderen Ergebnissen, ungewöhnlichen Lösungen. In einer Welt, in der Dynamisierung als oberste Fahne weht, steigt der Einfluss kreativen Handelns. Fakten und Analyse allein genügen schon lange nicht mehr. Gebraucht werden Menschen, die festgefahrene Denkstrukturen aufbrechen, »

Lust auf Handeln, Probieren, Spielen: Raus aus festgefahrenen Denkstrukturen, rein in eine kreative Lernkultur

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Fotos: istockphoto

Spielerisch, assoziativ, schöpferisch: Wie Lern-, Entwicklungs- und Veränderungsprozesse sich gestalten und optimieren lassen, erklärt Dramadozentin Nina Trobisch


KREATIVES LERNEN UND ARBEITEN indem sie spielerisch und spontan Lösungen suchen, flexibel und intuitiv agieren, verantwortlich und umsichtig schauen, Neues und Riskantes wagen. Der Tellerrand von gestern darf nicht der von heute und erst recht nicht der Tellerrand von morgen sein! „Lernen bezieht sich immer auf ein Morgen. Lernen soll sicherstellen, dass Anforderungen, die heute noch rat- und tatenlos machen, morgen bewältigt werden können. Lernen stellt auf Zukunft ab. Unglücklicherweise ist es das Kennzeichen der Zukunft, das sie heute noch nicht bekannt ist. Lernen bereitet auf etwas Unbekanntes vor und bleibt damit selbst ein Risiko: Wird das Richtige gelernt? Wird es zur richtigen Zeit gelernt? (Baitsch, 2005)

sen wir nicht „nur“ Potenziale aktivieren, die wir in uns tragen, weil sie über Jahrtausende in uns sozialisiert worden sind? Warum klingen Geschichten in uns nach, ergreift uns Musik, berühren uns Bilder? In Kunst und Kultur geht es darum, aus sich heraus lebendig zu sein und schöpferisch in Beziehung zu treten. Das Einzige, das dauer-

rungen, auf die sie stolz sind und die sie mit Freude erfüllen. Wenn Lernen auf das setzen muss, was wir wissen und wenn das Gelernte bedienen soll, was in Zukunft auf uns zukommt, dann heißt das doch, Lernarrangements zu entwickeln, die das verbinden können: Inhalte auf eine Art und Weise vermitteln, die die eigenen Ressourcen stärken, die

Wie können wir uns auf die Zukunft vorbereiten und für sie lernen? Das lässt sich allerdings nicht mit der Brechstange realisieren. Hierfür braucht es eine persönliche Grundhaltung, die auf dem Vertrauen in das eigene schöpferische Potenzial basiert. Leichter gesagt als getan, wird doch im Laufe eines Menschenlebens immer wieder dafür gesorgt, dieses Selbstvertrauen zu minimieren. Wie diese schöpferischen Lernkulturen aussehen sollten, beschreibt der derzeitige interdisziplinäre Diskurs, angeregt von den jüngsten neurobiologischen Erkenntnissen. Geschaffen werden muss ein „Betriebsklima für unser Gehirn“ (Gerald Hüther), das die Menschen aktiviert und motiviert, sich Neues aneignen zu wollen. Wie viel müssen wir dafür lernen? Oder müsBILDUNGaktuell 08/2010

Künstlerische Ausdrucksformen zeigen neue Wege: Lernen Sie die Freude an ungewöhnlichen Schritten und den Abschied von Althergebrachtem und Naheliegendem. haft gelernt werden kann, sind Kultur (techniken). Das gilt für den „Konsum“ von Kunst und Kultur, aber noch viel mehr für die eigene proaktive Beschäftigung. Durch die Handhabung verschiedenster Kulturtechniken erhalten Menschen wieder Zutrauen in ihre eigenen kreativen Quellen, sie machen Erfah-

brachliegende Potenziale wecken und Lust auf Handeln und Probieren machen. Der Zugang von uns Menschen zu unseren eigenen Werten, Erfahrungen, Einstellungen ist vor allem assoziativ zu gestalten, denn sie sind sozialisiert und seit vielen Generationen überliefert.

Wozu brauchen wir kreative Trainings- und Coaching-Methoden? An diesem Punkt setzt eine kreative Lernkultur an, die den Künsten die Türen der Unternehmen nicht verschließt, sondern ihre Strahlkraft und Intensität für deren Entwicklungsund Veränderungsprozesse fruchtbar macht. Kreative und künstlerische Interventionen umfassen und erfassen die ganze Person. Sie sind hilfreich, um Menschen, Teams und Organisationen auf ihren neuen Wegen zu unterstützen. So können z.B. kreatives Schreiben und/ oder story telling in Coachingprozessen von Führungskräften analytische sowie emotionale Zugänge zu ihren Problemstellungen zulassen und damit Dimensionen für gravierende Entwicklung nicht nur an der Oberfläche öffnen. Analogien und Metaphern können das Finden neuer Lösungswege sinnreich unterstützen. In Seminaren und Trainings dienen erfahrungs- und erlebnisorientierte Methoden, wie sie unter anderem szenische Kommunikation und theatrale Methoden bieten, wichtigen Perspektivenwechseln, daraus resultierender Empathie und neuwertigen Handlungskompetenzen. Sind Konflikte zu lösen, Teams zusammenzubringen oder Visionen zu erarbeiten, schaffen u.a. bildkünstlerische Arbeitsweisen oder auch musikalisch rhythmische Verfahren gemeinschaftliche Erlebnisse ungewohnter Tiefe. Sowohl als Mittel zur Musterunterbrechung als auch als Quelle, Katalysator und Ort für nachhaltige Veränderung ist die Ressource Körper von unschätzbarem Wert. Das ­eigenschöpferisch künstlerische Erproben sowie ä­ sthetischer Erfahrungsgewinn verkör-» Seite 6


pern keinen Selbstzweck, sondern können mit der Befähigung zu deren anwendungsorientierter Handhabung in der betrieblichen Praxis verschmelzen. Wichtig ist dabei immer, einen Rahmen zu schaffen, der in einem geschützten, „risikoarmen“ Raum Erproben und Experimentieren nicht nur erlaubt, vielmehr erwünscht. So kann schöpferisches Gestalten zugleich ursprüngliche Ressourcen heben und Neuland von Erfahrungs- und Lernräumen erschließen. Das heißt, sich intensiv mit dem Sicht- und Spürbaren auseinanderzusetzen. Die „Erlaubnis“ zu künstlerischen Ausdrucksformen und Interventionen inspiriert eine Vielfalt von Fähigkeiten, sich nicht mit dem Althergebrachten und dem Naheliegenden zufrieden zu geben, sondern Freude an ungewöhnlichen Schritten und überraschenden Wendungen zu entdecken. Diese Welt- und Weitsicht kann sich zu einer Lernkultur formen, die ermöglicht, in einer achtsamen und wertschätzenden Kommunikation mit sich selbst und anderen Menschen im Kontakt zu reifen. Im kreativen Feld des Teams berühren und BILDUNGaktuell 08/2010

vernetzen sich diese Impulse, wobei häufig zauberhafte, unvorhersehbare und einzigartige Momente von „bezogener Kreativität“ entstehen. Das wiederum kommt jedem individuellen und organisationalen Prozess entgegen. Der Fokus soll auf der praktisch performativen Erarbeitung der Inhalte in ausgewogener Balance von eigenständigem Erproben und der Reflexion des Tuns auf der Metaebene gerichtet sein. Hierfür braucht es Haltungen und Methoden, die als Handwerkszeug für spezifische Anwendungsfelder zur Verfügung stehen. Diese Prozesse setzen voraus, ein breites Repertoire an interaktiven und kreativen Methoden selbst aktiv zur Verfügung zu haben und andere dafür begeistern zu können. Empfohlen werden kreative Trainingsmethoden aus dem Theater, der Musik, der bildenden Kunst, ein Thema, das sozusagen in der Luft liegt: Lernen mit Herz, Kopf und Verstand schafft die Voraussetzung einer Lernkultur für heute und morgen. ■ Nina Trobisch ist systemischer Coach, Drama­ dozentin und Kompetenztrainerin. Unter der Bezeichnung „Kreative Interventionen in ­Training, Coaching, Moderation“ bietet die ­diplomierte Theaterwissenschaftlerin erstmalig Personal- und Organisationsentwicklern, Trainern, Beratern, Changemanagern sowie Coaches eine Qualifizierung zum „Kreativcoach“ an. Die einjährige Ausbildung beginnt am 26. August 2010 in Berlin.

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Kreative und künstlerische Interventionen umfassen und erfassen die ganze Person. Sie sind hilfreich, um Menschen, Teams und Organisationen auf ihren neuen Wegen zu unterstützen. Nina Trobisch

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KUNST WISSENSMANAGEMENT UND MANAGEMENT

Der Künstler als Consultant

Foto: istockphoto

Der Arbeitsalltag in den Unternehmen braucht Freiraum zum Denken. Wie sich künstlerische Kreativitätsprozesse auf unternehmerische Gestaltungs- und Innovationsprozesse übertragen lassen, verrät der österreichische Künstler sha. Kreativität – die Mutter der Innovation – stellt heute die Triebfeder für geistiges und materielles Wachstum in Europa dar. Sie entscheidet über die Wettbewerbsfähigkeit einer ganzen Ökonomie. Sie sichert Wohlstand und Lebensqualität in der Wissensgesellschaft des 21. Jahrhunderts. Es ist also an der Zeit, dass die Experten in Sachen Kreativität – jene Menschen, die sich tagein tagaus damit beschäftigen – zu Wort kommen: die Künstler. Die Märkte im Westen sind weitgehend gesättigt. Erfolgreich ist, wer es schafft, sich zu differenzieren und quasi seismographisch die Bewegungen auf den Märkten aufzuspüren, um darauf alsbald mit entsprechenden neuen Dienstleistungen, Produkten und GeBILDUNGaktuell 08/2010

schäftsmodellen zu reagieren. Diese Differenzierung braucht ein hohes Maß an Empathie, Leidenschaft, Kreativität und Innovationsfähigkeit. Die westliche Welt wird sich daher in den nächsten Jahrzehnten auf „Wissensarbeit“ und Gestaltungskompetenzen spezialisieren. Dabei geht es im Kern um Tätigkeiten, die auf kommunikativen Fähigkeiten und auf Kreativität beruhen. Nicht mehr Maschinen, sondern Menschen, Ideen und Innovationen sind die Triebkraft der Wirtschaft.

Von Künstlern für Manager Ausgehend von der Hypothese, dass sich künstlerische Kreativprozesse auf unternehmerische Gestaltungs- und Innovationspro- » 4 Seite 5


KUNST UND MANAGEMENT zesse übertragen lassen, wurde vor einigen Jahren ein reger Austausch zwischen Künstlern und Managern initiiert – auf den ersten Blick ungewöhnliche Begegnungen, die jedoch rasch Früchte trugen und zu ersten konkreten Projektergebnissen führten. Die so gewonnenen Erfahrungen und die im Laufe der Zeit entwickelte Methodik fließen nun in ein neues Beratungsangebot ein, das unter dem Motto „Raum schaffen!“ für ein spezifisches KreativConsulting steht. Anlässlich der jüngsten Präsentation dieses neuartigen Angebots seien hier einige Überlegungen vorgestellt, wie die Kunst und wie Künstler wirtschaftliche Prozesse inspirieren können.

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Der Inspirationsprozess Kreatives Denken zur „Frei-Raum-Kreation“ im Arbeitsalltag lässt sich leicht inspirieren von jenen Prozessen und Sichtweisen, die den Alltag eines Künstlers prägen. Es ist die Rede von Leichtigkeit, Unkonventionalität, Imaginationskraft und Intuition: » Leichtigkeit lässt neue Zugänge gewinnen zu schwierigen Fragestellungen » Unkonventionalität ermöglicht das mühelose Blicken über den Tellerrand » Imagination öffnet die Spielwiese für positionsbedingt unterdrückte Bedürfnisse » Intuition stärkt das Bauchgefühl und macht frei für intuitives Management

Sinn und Sinne

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Fotos: sha.

Wie im eigenen künstlerischen Schaffen bewegt sich der Künstler auch als Consulter grundsätzlich über Konventionen hinweg – meist interdisziplinär und in jeder Hinsicht branchenübergreifend: Er berät ganzheitlich, holistisch. Als Experte für die „Beziehung Sinn und Sinne“ setzt der Künstler an der Basis unseres Weltformats an. Dieses „Holistic Consulting“, basiert auf der Überzeugung, dass aus der inspirierenden Auseinandersetzung mit nichtfachlichen Wissens- und Erfahrungsfeldern meist originellere und weitreichendere Ansätze entstehen als durch fachliche Vertiefung im engen Problemfeld. Naturgemäß liegt demnach im „Raum-Schaffen“ das zentrale Motiv für die Neuverbindung vom Sinn des Menschen mit seinen Sinnen. Dieser kreative Schaffensprozess ist sinnbildlich und wörtlich zu verstehen und reicht vom

Vorstellungsraum bis zum Wirklichkeitsraum, vom Entwurf zur Umsetzung, vom imaginären bis zum konkreten, physischen Raumerlebnis. Sowohl im wörtlichen als auch im übertragenen Sinn geht es darum, Frei-Raum zu kreieren, einen zusätzlichen Raum für das Neue, das Kreative und Innovative aufzubauen.

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Menschen, Ideen und Innovationen – die Triebfedern der Moderne. Eine Projektauswahl des Künstlers sha: (1) „Blue Space“, Caracalla Therme Baden-Baden, (2) „Outer Space“, VIP-Lounge im Red Bull Hangar-7, Flughafen Salzburg, (3) Sonosphere im Haus der Musik Wien: „Wahrnehmungslabor“, (4) „Instrumentarium“, (5) „Klanggalerie“

Allesamt „weiche Werte“, die im wirtschaftlichen Kontext zunächst durchaus befremdend wirken mögen, die aber für die langfristige Unternehmensentwicklung von zentraler Bedeutung sind. Stresskontrolle, Energetisierung, Kreativitätssteigerung und Sensibilisierung der Wahrnehmung bilden in der heutigen modernen Arbeitswelt die Grundlage für den Erfolg. Die Menschen werden dadurch feinfühliger, ihre Kommunikationsfähigkeit nimmt zu und damit auch ihr Gespür für Chancen. Konflikte mindern, Effizienz steigern – mehr Gelassen- » Seite 9


Von der Vision zur Gestaltung Kreativität wird also zu einem wesentlichen Kapital im Prozess, wirtschaftlich die Nase vorne zu haben. Kreativität kommt aber nur zu einem kleinen Teil aus dem Menschen selbst – sie braucht zum einen ein assoziatives Umfeld mit einem hohen Anregungsniveau, zum anderen aber auch eine vertrauensvolle Umgebung, die Phasen des Rückzugs und der Entspannung, der „Besinnung“ im eigentlichen Sinn des Wortes, zulässt. Der Künstler-Consultant kann dabei etwas ermöglichen, was in herkömmlichen ConsultingSettings meist verwehrt bleibt: In einem besonderen Resonanzprozess zwischen Manager und Künstler gelingt ein scheinbar müheloses „Balancieren“ zwischen materiellem Wert und immateriellen Werten. Der Bogen, der von einer solchen Prozessinitiierung ausgeht, spannt sich vom Visionsraum, in dem sich innere Leitbilder und Ur-Motivationen entfalten können, bis zur „Manifestation der Vision“ in einem konkreten Gestaltungsprozess, der sowohl BILDUNGaktuell 08/2010

nach innen (betreffend der Unternehmenskultur) als auch nach außen (bezüglich Architektur, Design und Produktinnovationen) gerichtet sein kann: In Form von räumlichen Veränderungen (beispielsweise ein Raumkunstwerk, das dem Unternehmen als nachhaltiger Identifikationsraum dient) oder auch in Form konkreter Ergebnisse in der Produktinnovation, bei originären Angebotserweiterungen oder Dienstleistungsentwicklungen. Gerade zeitgenössische Kunst ist hier in der Lage, gewohnte Wahrnehmungszusammenhänge zu sprengen – und darin liegen die kreativen Potenziale der Zukunft: Im Unternehmen anregen, kreativ „stören“ und damit helfen, Querdenken und Flexibilität zu fördern und die Betriebsblindheit abzubauen. So wie der Gärtner einen reichhaltigen Kompost braucht, um optimales Pflanzenwachstum zu erzielen, so braucht auch der menschliche Geist vielfältige Anregungen, um innovativ sein zu können. ■ Der mehrfach national und international ausgezeichnete Künstler und Wahrnehmungsforscher sha. entwickelt seit über 10 Jahren neue Kreativitätsfelder an der Schnittstelle Kunst– Forschung–Wirtschaft. Die Bandbreite reicht von Ausstellungs- und Museumsprojekten (Centre Pompidou Paris, Guggenheim Museum Bilbao) über ganze Erfahrungswelten (Haus der Musik Wien, Red Bull Hangar-7 Salzburg) bis zu medialen Kooperationen mit ORF, ARTE und BBC.

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PSYCHOLOGIE

Keine Panik vor der Prüfung

Fotos: Stockbyte, istockphoto

Ob Sie einen Vortrag halten, sich bewerben oder Ihren Studienabschluss machen – Stress und Anspannung gehören dazu. Warum die richtigen Strategien helfen können, Angst in positive Energie umzuwandeln, erklärt Dr. Helga Knigge-Illner in ihrem Buch „Prüfungsangst besiegen“. Sie haben sicher selbst schon erlebt, dass Prüfungsangst auch mobilisieren und zu Höchstleistungen anspornen kann. Selten hat man so viel und intensiv gelernt – manchmal ganze Nächte lang – wie bei der Vorbereitung auf eine wichtige Prüfung! Manche Prüfungsprozeduren dauern einen ganzen Tag und man ist tatsächlich über Stunden hinweg wach und voll konzentriert. Einige Studenten nutzen diesen Energieschub auch, indem sie erst kurz vor der Prüfung mit der Vorbereitung beginnen und dann unter Hochdruck Tag und Nacht durcharbeiten. Das soll hier allerdings nicht zur Nachahmung empfohlen werden! BILDUNGaktuell 08/2010

Eine Studentin berichtete dazu Folgendes: „Wenn man bei der Prüfungsvorbereitung so richtig in der Materie drinsteckt, dann stellen sich manchmal Highlights ein. So wie neulich: Plötzlich hatte ich den Durchblick und habe endlich die Struktur des Stoffs begriffen. Ich konnte auf einmal Querverbindungen erkennen, auf die ich sonst gar nicht gekommen wäre.“ Anscheinend funktioniert das Gehirn unter dem Einfluss von Prüfungsangst auf Höchststufe! Vielleicht haben Sie selbst auch schon beim Vortrag eines Referats auf einmal den positiven Stress gespürt, von dem ein anderer » Seite 11


PSYCHOLOGIE Student berichtete: „Man merkt auf einmal, dass es einem spielend gelingt, die Argumentation auf den Punkt zu bringen. Bei meinem Referat war ich so richtig drin in der Sache und fand auf Anhieb richtig gute Formulierungen. „ Die Aufregung verhilft einem tatsächlich manchmal dazu „abzuheben“. Sie werden jetzt womöglich einwenden, dass man diese positiven Effekte allerdings nur selten spürt. Viel häufiger und eindrucksvoller wird die unangenehme Belastung durch Prüfungsangst spürbar. Denn: Die positiven Momente von Prüfungsangst zu akzeptieren, fällt nicht schwer, aber was ist mit den negativen Wirkungen? In den genannten Vorurteilen stecken ja auch einige Wahrheiten: Prüfungsangst verursacht tatsächlich unangenehme Symptome wie zum Beispiel ständige Unruhe, Angespanntheit und Stimmungsschwankungen. In der Prüfung können tatsächlich Blackouts auftreten, wo „der Faden reißt“ und einem nichts mehr einfällt. Betrachten wir die Symptome von Prüfungsangst genauer.

Die unangenehmen Symptome von Prüfungsangst Jeder kennt Prüfungsangst, aber die Symptome werden in sehr unterschiedlicher Weise beschrieben. Fast alle stellen die unangenehme Erregung in den Vordergrund, die sich als Aufgeregtheit, ständige nervöse Unruhe, Übererregtheit, Fahrigkeit und Angespanntheit bemerkbar macht. Unter dem Einfluss von Prüfungsangst kommt es in motorischer Hinsicht zu hektischen oder überbetonten Bewegungen, zum Zittern der BILDUNGaktuell 08/2010

Hände oder des ganzen Körpers. Bei manchen Menschen stellen sich gegenteilige Reaktionen von Steifwerden und dem Gefühl des Versteinertseins ein. Die Angsterregung ruft häufig auch sichtbare Symptome auf der Haut hervor, die von vielen als peinlich erlebt werden: Das heftige Rotwerden, der bekannte rote Hals, die roten Flecken auf den Wangen oder der ganze rote Kopf. Andere hingegen werden ganz blass, haben kalte oder auch schweißnasse Hände oder schwitzen am ganzen Körper. Angespanntheit und Erregtheit beeinträchtigen die Atmung und wirken sich auf den Kreislauf aus: Herzklopfen bis hin zu Herzrasen, Bluthochdruck und erhöhte Körpertemperatur können die Folge sein. Auswirkungen auf den Magen- und Darmbereich Wege aus der Angstfalle: Lernen Sie die innere Lähmung in Kampfbereitschaft umzuwandeln

sind ebenfalls weit verbreitet: der zugeschnürt erscheinende Magen verhindert den Appetit; Bauchschmerzen, Übelkeit und Durchfälle stellen sich ein. Prüfungsangst schlägt auf die Stimmung: die einen macht sie mutlos und depressiv, die anderen gereizt und aggressiv. Beklagt wird auch die Beeinträchtigung von geistigen Funktionen wie zum Beispiel der Fähigkeit, sich zu konzentrieren und Gelerntes im Gedächtnis zu behalten. Der Blackout in der Prüfungssituation wird als besonders typische Auswirkung von Prüfungsangst genannt. Und viele Prüfungskandidaten leiden vor der Prüfung unter Schlafstörungen. Welche der genannten Symptome bei einem bestimmten Menschen auftreten, hängt von seiner individuellen Disposition ab, von der

Stimulierbarkeit und Empfindlichkeit seiner Organe. Es gibt nicht die eine charakteristische Symptomatik von Prüfungsangst, sondern nur individuell sehr verschiedene Muster! Außerdem wirkt sich auch der generelle Erregungstyp auf die Erscheinungsform von Prüfungsangst aus. Manche Menschen reagieren unter dem Einfluss von Angst mit »ruhig« erscheinendem Verhalten, das in manchen Fällen sogar träge und wie paralysiert wirkt. Andere, die man eher als „nervösen Typ“ bezeichnet, geraten demgegenüber in extreme Aufregung und Hektik. Das heißt auch, dass man nicht jedem seine Prüfungsangst ansieht! Die Symptome von Prüfungsangst kommen in unterschiedlich starker Ausprägung vor. Manche Studierende kennen Prüfungsangst nur in milder Form als Lampenfieber oder Stressgefühl, das zwar unangenehm ist, aber das Verhalten ansonsten nicht weiter beeinträchtigt. Bei anderen entwickelt sie sich zu quälenden Angstzuständen mit psychosomatischen Störungen und beeinträchtigt die Lebensfreude.

Was bedeutet das für Sie? Ihr individuelles Muster von Prüfungsangst hängt unter anderem davon ab, welches Ihrer Organe besonders auf Erregung reagiert. Wenn Sie einen empfindlichen Magen haben, dann werden Sie in der Vorbereitungsphase vielleicht mit Appetitlosigkeit oder gar Magenbeschwerden reagieren oder bei einem sensiblen Darm in besonders aufregenden Phasen mit Durchfall. Wenn Sie sich generell schlecht entspannen können, werden Sie vielleicht besonders stark unter Stress leiden.  » Seite 12


PSYCHOLOGIE Lassen Sie sich von der Aufzählung der möglichen Symptome nicht in Angst versetzen! Die meisten Menschen haben mildere Symptome von Prüfungsangst. Und ob es zu quälenden Symptomen und starker Ausprägung von Prüfungsangst kommt, hängt ganz wesentlich davon ab, wie man mit ihr umgeht. Unter Prüfungsangst zu leiden, ist kein Schicksal! Sie können eine Menge tun, um sie positiv zu beeinflussen. (...)

Die positive Funktion von Prüfungsangst Betrachtet man den elementaren Charakter von Angst, so wird ihre positive Funktion deutlich. Unter biologischem Aspekt ist Angst

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eine sinnvolle Reaktion, die das Überleben sichert: » Sie signalisiert Gefahr, » sie aktiviert den Organismus und » ermöglicht dadurch eine Anpassungs- oder Fluchtreaktion. Eine Katze, die plötzlich einen Hund vor sich sieht, reagiert mit einer Angstreaktion: Sie plustert Fell und Schwanz zur Drohgebärde auf und faucht ihn an. Damit schlägt sie – wahrscheinlich – den Hund in die Flucht, allerdings unter der Voraussetzung, dass der Hund nicht viel größer ist als sie selbst. Handelt es sich um einen sehr großen und sehr bedrohlich wirkenden Hund, dann wird sie blitzschnell selbst die Flucht antreten. Bei uns Menschen laufen beim Auftreten einer plötzlichen Gefahr ganz ähnliche Prozesse ab wie bei der Katze: Über das vegetative Nervensystem werden bestimmte physiologische Reaktionen hervorgerufen, die den Organismus in Kampfbereitschaft versetzen (vgl. Lazarus/Folkman 1984): » Herz- und Kreislauf werden aktiviert, das Blut wird in die Extremitäten, die Glieder und den Kopf, gepumpt. » Der Muskeltonus steigt und stellt sich auf Bereitschaft zum Sprung ein. » Energie wird verfügbar durch Ausschüttung von Glykogen. » Das Bewusstsein wird wach und klar, die Wahrnehmung geschärft. » Die Verdauungsfunktionen werden gedrosselt.

Diese physiologischen Reaktionen werden blitzartig durch die Ausschüttung von Adrenalin ausgelöst. Auf das gleiche ursprüngliche Angsterregungsmuster geht auch die Prüfungsangst zurück. Auch sie hat positive Funktionen: Sie mobilisiert Ihre Energien, schärft Ihre Aufmerksamkeit und macht Sie reaktionsbereit! Wenn Sie diese Aspekte berücksichtigen, können Sie Ihrer Prüfungsangst vielleicht etwas Positives abgewinnen! Sie ist nämlich ein Zeichen dafür, dass Sie ganz lebendig und „voll da“ sind. Damit können Sie „kampfbereit“ auftreten und sich für Ihr Ziel „ins Zeug legen“.

Ein gewisses Maß an Aufregung und Anspannung ist jedoch notwendig, um eine gute Leistung zu erreichen. Insofern brauchen Sie Ihre Prüfungsangst! Dr. Helga Knigge-Illner Prüfungsangst warnt Sie vor einer Gefahr, die nicht Ihrer körperlichen Unversehrtheit, wohl aber Ihrer seelischen Gesundheit droht. Sie weist Sie auf die Gefahr hin, dass Sie den Anforderungen der Prüfungssituation möglicherweise nicht genügen und daran scheitern könnten. Deshalb erscheint es wichtig, die möglichen Gefahrenquellen genau einzuschätzen und sich dagegen zu wappnen. Für die Bewältigung von Prüfungssituationen

erscheint das Mobilisierungsmuster jedoch in mancher Hinsicht inadäquat, denn hierbei kommt es nicht auf einen Kampf mit Muskeleinsatz, sondern auf die Bewältigung von geistigen Aufgaben an. Dafür braucht man zwar ein helles Bewusstsein und die Bereitschaft zum Handeln, aber gleichzeitig auch ruhige Konzentriertheit und am besten einen nur mittleren Grad der Aufgeregtheit. Bei vielen Menschen kommt es jedoch gerade in der Prüfungssituation zu heftigen Überreaktionen. Wenn der Grad der Erregung aber sehr hoch ist, beeinträchtigt er die Wahrnehmung und das Denken. Deshalb ist es wichtig zu lernen, in konstruktiver Weise auf die Erregung einzuwirken und sie zu dämpfen. Ein gewisses Maß an Aufregung und Anspannung ist jedoch notwendig, um eine gute Leistung zu erreichen. Insofern brauchen Sie Ihre Prüfungsangst! Bei Schauspielern ist es das Lampenfieber, das an „ihren Nerven zerrt“, wenn sie eine Premiere vor sich haben. Aber kaum einer möchte wirklich frei davon sein. Sie schwören darauf, dass sie es brauchen, um „zu voller Größe aufzulaufen“. ■ Dr. Helga Knigge-Illner ist Diplom-Psychologin und approbierte Psychotherapeutin sowie Autorin verschiedener Studienratgeber. Sie war wissenschaftliche Mitarbeiterin der Zentraleinrichtung Studienberatung und Psychologische Beratung der Freien Universität Berlin und arbeitet heute als Dozentin und freie Beraterin.

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GLOSSE

BOSHAFT GESAGT Über Sinn und Unsinn im Seminargeschäft. Teil 4: Die Gruppendynamik-Falle. Von Dr. Peter Wasservogel.

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Wenn in einer Abteilung oder in einer Führungscrew nicht alles rund läuft, wird oft die ganze Truppe zu einem Seminar verdonnert. Oder verdonnert sich selbst, zu einem „gruppendynamischen“ natürlich. Dort bemühen sich ein oder zwei Trainer die psychologischen Bruchlinien in der Teilnehmerriege aufzudecken. Letztlich soll eine „Hackordnung“ stabilisiert werden: Damit jeder weiß, wo es lang geht und wie man sich zu verhalten hat, wenn man künftig keine Scherereien haben mag. Oft gelingt das: Die Gruppe zieht bei Seminarende freudig an einem Strang. Oft misslingt es aber: Die Teammitglieder verlassen das Seminar zutiefst verfeindet. Nicht selten werden so wertvolle Fachkräfte aus der Firma vertrieben. Für den Trainer ist es natürlich faszinierend zu sehen, wenn sich in einer Gruppe die psychologischen Prozesse klären. Das kostet freilich Seminarzeit. Zeit, die fehlt, den Teilnehmern grundsätzlich die Mechaniken von Gruppenkommunikation bekannt und bewusst zu machen – sprich, sie zu Teamplayern auszubilden! BILDUNGaktuell 08/2010

Dieser Mangel zeigt sich in der Gruppe bald: Immer wenn ein neues Mitglied zur Gruppe stößt, wenn ein Mitglied ausscheidet, wenn Arbeit oder Kompetenzen verlagert werden, wenn Liebschaften und Freundschaften wechseln. Kurz: Wenn Zeit verstreicht! Den Trainer stört das nicht, winkt ihm doch ein neuer „gruppendynamischer“ Auftrag, den er so erfolgreich abschließt wie den ersten. Und wieder ein neuer, und wieder ein neuer ... Oder merken die Auftraggeber doch, was da gespielt wird? Fragt boshaft Ihr Peter Wasservogel Der Autor ist promovierter Jurist, Medien- und Kommunikationsberater, Seminarleiter und Buchautor. Schreiben Sie Dr. Peter Wasservogel Ihre Meinung! glosse@bildungaktuell.at Seite 14


FÜHRUNGSSTIL

CHEF-COACHING

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Können Führungskräfte von einer CoachingAusbildung profitieren? Nicht in jedem Fall. Doch unter bestimmten Voraussetzungen kann der Chef als Coach vieles richtig machen. Von Mag. Susanna Kober Coaching als Führungsstil scheint eine angestrebte Haltung und Gangart in der Führung geworden zu sein. Aus meiner Sicht birgt dieses Streben sehr viele positive Ansätze aus der Haltung und dem Menschenbild eines Coachs heraus, wie respektvoller, Vertrauen aufbauender, würdigender und offener Umgang, Entwicklung von Empathie und Professionalität in der Gesprächsführung. Wobei natürlich auch die begleitende Methodenkompetenz eines Coachs von großem Vorteil sein kann. Ich denke da an lösungsorientierte Fragetechnik, systemische Sichtweise oder spezielle Tools wie die Skalierung von Situationseinschätzungen. Am stärksten aber halte ich die Reflexionsfähigkeit für eine für den Führungserfolg maßgebliche Gabe, die innerhalb einer Auseinandersetzung mit Coaching und Führung immer wieder Thema ist.  »

BILDUNGaktuell 08/2010

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BILDUNGaktuell 08/2010

liche oder aufgabenbezogene Mitarbeiterentwicklungen, die Coaching in seiner brauchbaren Anwendung einen Rahmen geben und wo immer wieder abgestimmt werden muss, welches Maß an Einsatz von Coaching als Führungsstil sinnvoll ist. Dass ich die Absolvierung von Coaching-Ausbildungen ohne oben genannte Schwerpunktsetzung für problematisch halte, entspringt meiner Hypothese, dass darin ein großer Idealismus, was das eigene Coachingverständnis als Führungskraft betrifft, geweckt wird, der im Führungsalltag nur enttäuscht werden kann. Tools und Haltung geben einen neuen Aufschwung und eine neue Energie her, die möglicherweise schnell verpufft, und zwar ohne Nachhaltigkeit der Anpassung an die Führungsrealität. Das Tanzpaar Coaching und Führung droht aus dem Takt zu kommen. Schade für den Wert des Coachings und schade auch für die wunderbare Tendenz, sich als Führungskraft weiterzuentwickeln. Daher scheint mir eine kritische inhaltliche Beleuchtung der passenden Qualität der Ausbildung zum Coach, wenn ich nicht als Coach, sondern als Führungskraft mit Coachingkompetenz im Führungsstil arbeite, unumgänglich. ■ Mag. Susanna Kober arbeitet als freiberufliche Trainerin in der Erwachsenenbildung sowie als freiberufliche Mediatorin und systemische Beraterin. Sie leitet an der bfi Wien Akademie den Lehrgang Management- und Führungskompetenz.

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Was hat zum Gelingen beigetragen, was habe ich als Führungskraft gemacht und wie habe ich es gemacht, welche Absicht stand dahinter, wie sind wir zum Ziel gekommen und welchen Preis mussten wir dafür zahlen? Wie habe ich mich dabei positioniert und welche Kultur habe ich damit im Team gefördert? Und viele ähnliche Fragen, die es im Zuge der Auseinandersetzung mit dem eigenen Verhalten und Handeln im Sinne einer ständigen Weiterentwicklung von professioneller Führung braucht. Coaching und Führung kann ein gutes Tanzpaar ergeben, wenn es einen gemeinsamen Rhythmus gibt. Trotzdem halte ich den Boom von Coaching-Ausbildungen für Führungskräfte für problematisch. Die Ausbildung zum Coach hat eine ganz andere Gewichtung und vernachlässigt zu Recht die Position einer Führungskraft zwischen Organisation und Mitarbeitern, weil sich ein Coach in seiner Realität nur von der Seite des Kunden her damit auseinandersetzen muss. Aber nur wenn diese spezielle Position und die Auswirkung auf Interessen, Ziele und Bedürfnisse in dieser Dreieckskonstellation Organisation – Führungskraft – Mitarbeiter bearbeitet werden kann, können die Vorteile eines Coachings als Führungsstil herausgestrichen werden, da sie bei der Führungsrealität ansetzen. Es scheint also wesentlich, den klassischen Begriff Coaching in seiner Definition zu erfassen und auf die Führungspraxis umzulegen. Diese Praxis umschließt Entwicklungen und Veränderungen in der Organisation ebenso, wie phasenspezifische Teamentwicklungen und persön-

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Prüfungsangst besiegen  

Ob in der Schule oder im Büro – Prüfungsangstkann lähmen, aber auch beflügeln. Tipps, wieSie diese Herausforderung meistern ...

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