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Katalog zur Ausstellung und zum Programm ARCHITEKTUR & AKTIVISMUS | Architektursymposium 2022

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Die Ausstellung

Queerbeet im Viererfeld Verein Queerbeet Selbstorganisation, Bern, seit 2022 12

Queerbeet – Bedeutung & Relevanz bzgl. Architektur & Aktivismus Die queere Community ist seit Jahrzehnten aktivistisch engagiert, um sich aus einer marginalisierten Position heraus Freiräume zu erkämpfen. Weil queere Menschen oft gezwungen sind, ihre Lebensentwürfe ausserhalb etablierter gesellschaftlicher Konventionen zu denken, finden in der queeren Community gesellschaftliche Innovationen statt, die später auch in der Mehrheitsgesellschaft Eingang finden: Queersein als alternativlose Avantgarde. Dieser Umstand ist für die Architektur hochrelevant. Schliesslich bildet gebauter Raum sozialen Raum ab und determiniert diesen gleichzeitig. Unter diesem Blickwinkel kann Architektur als ein Kondensat gesellschaftlicher Konventionen verstanden werden. Wo sich die Gesellschaft verändert, muss sich als Folge auch die Architektur verändern. Umgekehrt kann innovative Architektur gesellschaftliche Transformation fördern und ermöglichen. Besonders sichtbar wird dies beim Wohnraum für Familien. Der gegenwärtige Wohnungsmarkt ist auf die heteronormative Kernfamilie ausgerichtet: Mama, Papa und ein bis drei Kinder. Dies wird jedoch der gesellschaftlichen Realität nicht gerecht. Das gilt insbesondere für Regenbogenfamilien, die sich für ein Modell des Co-Parenting entschieden haben. Wenn Eltern- und Partnerschaft nicht zusammenfallen, stellt dies auch ganz neue Ansprüche an Wohnraum und Grundrisse. Es braucht Räume und Nähe für die Intimität der Familie, und es braucht Räume und Rückzugsmöglichkeiten für die Partnerschaften. Auch in heterosexuellen Familien ist Co-Parenting – Stichwort Patchworkfamilien – längst hunderttausendfach gelebte Realität. Dennoch existiert keine Architektur, welche die gleichzeitigen Bedürfnisse nach Nähe und Distanz zu befriedigen vermag. Das führt zu finanziellen, logistischen und sozialen Spannungen, die primär durch den gebauten Raum, bzw. durch das Fehlen passender Räume, verursacht werden. Insofern ist ein Projekt, das zur Erkundung neuer Räume für Co-Parenting beiträgt, ein Projekt mit dem Potenzial zu gesellschaftlicher Befriedung und Innovation. Im Queerbeet soll dieses Projekt aufgrund der aktivistischen DNA der Community partizipativ erarbeitet werden. Und das Projekt macht bei den Familien nicht Halt: So sind Angebote für Co-Parenting zwar das eingängigste Beispiel für den Bedarf neuer architektonischer Lösungen, aber nicht das einzige. Queerbeet widmet sich ebenfalls den Wohnbedürfnissen queerer Menschen ohne Familien, insbesondere von trans Personen und queeren Geflüchteten. Gerade trans Personen haben ein besonderes Schutzbedürfnis. Wer mit einem nicht-konformen Körper lebt, braucht Rückzugsräume und safe spaces, die vor Blicken und Fragen schützen, und gleichzeitig Halt in einer Community, die einen versteht. Auch hier ist die Architektur gefordert, Lösungen aufzuzeigen beispielsweise mit nicht einsehbaren Balkonen, separaten Badezimmern und geschützten Eingängen. Das Ziel von Aktivismus ist die Veränderung bestehender Verhältnisse. Für die Nachhaltigkeit und Tiefe dieser Veränderungen gibt es kaum einen besseren Indikator, als wenn sie zu Architektur geworden sind.


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