Das Apfelbuch Berlin-Brandenburg (Leseprobe)

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Der Gubener Warraschke »Und erst zur Obstbaumblüte! Da ist Gubens Umgebung ein Blütenwald von bezaubernder Schönheit. Dann herrscht an den Feiertagen eine förmliche Völkerwanderung zu den Bergen.« Karl Gander, ­Gubener Heimatforscher, 1900

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m südöstlichen Rand der Mark Brandenburg, am deutsch-polnischen Grenzfluss Neiße, liegt das kleine Städtchen Guben. Jedes Jahr findet hier das Gubener Appelfest statt. Organisiert wird es vom Tourismusverein, gemeinsam mit der Stadtverwaltung und den Vereinen der deutsch-polnischen Doppelgemeinde Guben-Gubin. Das Volksfest beiderseits der Neiße erinnert an die glorreiche Vergangenheit, als Guben – ebenso wie Werder/Havel – die Berliner mit frischem Obst und Gemüse versorgte. Wie es sich für ein Apfelfest ziemt, kürt man auch eine Apfelkönigin, die den regionalen Obstbau ein Jahr lang repräsentiert. Eine Attraktion des Festes ist der Gubener Warraschke, eine lokale Apfelsorte, die bereits seit 200 Jahren existiert und zunehmend wieder vermarktet wird. Auch der Apfeltag, den die Pomologische Gesellschaft Gubens im Oktober abhält, ehrt diese Lokalsorte. Der Warraschke ist ein typischer Plattapfel. Klein und abgeflacht in der Form, reicht seine Färbung ins Gelbliche und Rötliche. Das Fleisch ist mürbe und saftig, der Geschmack angenehm süß. Als Tafelapfel kann er roh genossen werden, häufiger wird er aber als Mostapfel zu Saft oder Wein verarbeitet. Der Warraschke ist ein anspruchsloser und frostharter Obstbaum, ideal für die trocken-kalten Winter in der Lausitz. Er gehört zu den Spätblühern. Wird er als Hochstamm veredelt, bringt er eine mächtige Baumkrone hervor, die zahlreiche Früchte trägt. Die Äpfel werden Anfang Oktober geerntet und sind lange lagerfähig. Angeblich wurde der Gubener Warraschke von einem einheimischen Bauern entdeckt, der Warraschke hieß – ein in der Region früher geläufiger Familienname sorbischer Herkunft. Es gibt aber noch eine weitere Erklärung für seinen Namen: Das Wort wórašk bedeutet im Niedersorbischen so viel wie »Ackermann« oder »Bauer«. Guben liegt im nördlichen Zipfel des Sorbenlandes und vielleicht bezeichnete man den Warraschke einfach als »Bauernapfel«, weil die Sorte von einem Bauern gefunden und verbreitet wurde. Über die Anfänge des Obstanbaus in Guben ist mehr bekannt. Die Stadt an der Neiße kann auf eine 700 -jährige Tradition zurückblicken. Begonnen hat alles mit dem Weinanbau auf den sonnigen Hängen der Gubener Berge. Über Bouquet und

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