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[t]akte Das Bärenreiter-Magazin

Wundersame Mischungen

1I2009 Informationen für Bühne und Orchester

Ernst und komisch zugleich: Haydns „La fedeltà premiata”

Das geheime Leben Miroslav Srnka auf Entdeckungstour

Plädoyer für ein großartiges Repertoire Marc Minkowski über die französische Oper des 19. Jahrhunderts


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Die Werke des slowakischen Komponisten J n Cikker (1911– 1989) wurden diesseits und jenseits des Eisernen Vorhangs aufgeführt. Der 20. Todestag bietet den Anlass zu einer neuen Betrachtung seines umfangreichen Opernschaffens.

Tschechische und slowakische Komponisten

Fortwährendes Singen Zur Neupublikation von Josef Bohuslav Foersters Cellokonzert Janáčeks Viola d’amore Zur Neuausgabe des Streichquartetts Nr. 2 „Intime Briefe“

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Für Konstanz, Wien und Stuttgart komponiert Thomas Daniel Schlee drei gewichtige neue Werke: ein Klavierkonzert, das Ensemblestück „Enchantement vespéral“ und schließlich „Spes unica“ für großes Orchester. Ein Interview mit dem Komponisten.

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Telemann in Hamburg Zwei geschichtsträchtige Opern in Neueditionen

Miroslav Srnka ist Förderpreisträger der Ernst von Siemens Musikstiftung 2009. Bei der Preisverleihung im Mai wird eine Komposition für Blechbläser und Schlagzeug uraufgeführt. Darüber hinaus arbeitet er an einer Kammeroper nach Isabel Coixets Film „The Secret Life of Words“.

Am Hamburger Gänsemarkt feierte Telemann mit „Der Sieg der Schönheit“ seinen erfolgreichen Einstand, an den er wenig später mit seiner Händel-Adaption „Richardus I.“ anknüpfen konnte. Verwickelte Liebesgeschichten waren damals beliebt, egal ob sie im Alten Rom spielten oder zur Zeit der Kreuzzüge.

Neue Musik

Neue Musik

Oper / Musiktheater

Verdunkelungen Matthias Pintschers neuer Zyklus

Charlotte Seither – aktuell

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Dieter Ammann – aktuell

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Sentimento del tempo Manfred Trojahn schaut zurück nach vorn

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Abendzauber Neue Werke von Thomas Daniel Schlee

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Beat Furrer – aktuell

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Das geheime Leben Miroslav Srnka begibt sich auf Entdeckungstour Richtung Stimme

Abendzauber Neue Werke von Thomas Daniel Schlee

„Unheilvolle Aktualität“ Ján Cikkers Opernschaffen

„Unheilvolle Aktualität“ Ján Cikkers Opernschaffen

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Das geheime Leben Miroslav Srnka begibt sich auf Entdeckungstour Richtung Stimme

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Himmlisches Jerusalem, Brodeln am Bosporus. Pressestimmen zu herausragenden Uraufführungen der letzten Monate 14 Inspirationen Neues von Komponisten des französischen Verlags Henry Lemoine 16

Neue Wahrnehmungen Zwei Opern von Salvatore Sciarrino vor ihren Uraufführungen in Wuppertal und Mannheim 13 Telemann in Hamburg Zwei geschichtsträchtige Opern in Neueditionen

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Happy End für Floridante? Händels wirkungsvolle Oper steht vor einer Rückkehr auf die Bühne 20


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Romantische Emotionen Mendelssohns Bearbeitung von Bachs Matthäus-Passion

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Happy End für Floridante? Händels wirkungsvolle Oper steht vor einer Rückkehr auf die Bühnen

Bei Bärenreiter erscheint Mendelssohns musikgeschichtlich interessante Version der „Matthäus-Passion“. Seine Kürzungen und Bearbeitungen stellen eine anregende Alternative für die heutige Konzertpraxis dar.

Händels zweite Oper für die Royal Academy of Music birgt den Konflikt zwischen staatlicher Willkür und persönlicher Ehre. In Halle nähert man sich auf der Basis des Bandes der Hallischen Händel-Ausgabe nun wieder ihrer anfänglichen Konzeption.

[Premiere]

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Wundersame Mischungen In Haydns Oper „La fedeltà premiata“ verbinden sich ernste und komische Züge auf ideale Weise

Plädoyer für ein großartiges Repertoire Ein Gespräch mit Marc Minkowski über die französische Oper des 19. Jahrhunderts

Der Intrigant kommt buffonesk daher und der Graf gibt sich als Spaßmacher, meint es aber durchaus ernst. Und unter allem turbulenten Geschehen liegt eine tief empfundene Musik. Es gilt, ein Meisterwerk wiederzuentdecken.

Der französische Dirigent Marc Minkowski ist ein Verfechter des französischen Opernrepertoires aus dem 19. Jahrhundert. Im Gespräch erklärt er sich zu dieser Liebe und entwirft Perspektiven für eine Renaissance.

(Deutsche Erstaufführung)

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-> [[Uraufführung]]

Oper / Musiktheater

Oper / Musiktheater

Oratorium / Kirchenoper

Publikationen / Termine

Wundersame Mischungen In Haydns Oper „La fedeltà premiata“ verbinden sich ernste und komische Züge auf ideale Weise

Zurück zur Handschrift Giuseppe Verdis „Falstaff“ in einer wissenschaftlichkritischen Neuausgabe der Urfassung

Musikalische Heiligenscheine Jonathan Harveys „Passion and Resurrection“ 17

Neue Bücher

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Neue CDs und DVDs

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Termine (Auswahl)

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Festspielsaison 2009

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Impressum

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Sieg der Vernunft Louis Spohrs Oper „Jessonda“ war eine wichtige Station auf dem Weg zur deutschen Nationaloper 24

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Plädoyer für ein großartiges Repertoire Ein Gespräch mit Marc Minkowski über die französische Oper des 19. Jahrhunderts 26

Romantische Emotionen Mendelssohns Bearbeitung von Bachs Matthäus-Passion 19 Glorie und Jammer der Selbstaufopferung Händels „Theodora“ ist neu zu entdecken 21

Titelbild: Szene aus Haydns „La fedeltà premiata“, Premiere: 2.3.2009 London , Royal Academy Opera, Leitung: Trevor Pinnock, Inszenierung: Alessandro Talevi (Foto: RAM / Mark Whitehouse)

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[t]akte „Unheilvolle Aktualität“ Ján Cikkers Opernschaffen

Die Werke des slowakischen Komponisten Ján Cikker (1911–1989) wurden diesseits und jenseits des Eisernen Vorhangs aufgeführt. Der 20. Todestag bietet den Anlass zu einer neuen Betrachtung seines umfangreichen Opernschaffens.

Opern voll humanistischen Ideals Vor zwanzig Jahren starb der slowakische Komponist Ján Cikker. In der Tschechoslowakei wie im westlichen Ausland hatte er bedeutende Erfolge gefeiert. Seine vierte Oper Auferstehung (Vzkriesenie, 1959–1961) nach Tolstoi wurde nach der Uraufführung in Prag 1962 in insgesamt 21 Neuproduktionen gespielt, davon allein neun in Westdeutschland einschließlich der Erstaufführung in Stuttgart 1964, einer hochgelobten Inszenierung Günter Rennerts. In der Folge fanden seine Opern Das Spiel von Liebe und Tod (Hra o láske a smrti) nach Romain Rolland, Coriolanus nach Shakespeare und Das Urteil / Das Erdbeben in Chili (Rozsudok) nach Kleist im Ausland ebenso viel Beachtung wie in seiner Heimat – wenn nicht gar mehr. Cikker war damit vor seinen Landsleuten und Zeitgenossen Eugen Suchoň und Alexander Moyzes der international erfolgreichste slowakische Komponist. Seine Opern vertreten in packenden Sujets und schlagkräftiger musikalischer Gestaltung ein humanistisches Ideal, das im Osten wie im Westen Interesse fand. Und vielleicht auch irritierte, denn die westdeutsche Kritik rieb sich bisweilen, vor allem Anfang der 1970er-Jahre, an der ideologischen und ästhetischen Haltung seiner Opern, der christlich-idealistischen Aussage, der Beschwörung eines humanistischen Menschenbildes und einer – im Vergleich zu zeitgenössischen Werken wie Nonos Intolleranza oder Zimmermanns Soldaten – gemäßigten Tonsprache. Neuerdings findet jedoch eine Neubewertung statt, denn im Rückblick auf die Zeiten von Tauwetter und Prager Frühling mitsamt seinem gewaltsamen Ende 1968 stellt sich die Auswahl seiner Themen als ein letztlich unideologisches Bekenntnis zur Menschlichkeit dar, das in der Zeit seiner Entstehung keinesfalls selbstverständlich war.

Unideologisches Bekenntnis zur Menschlichkeit: Ján Cikker

liert. Verbunden mit einer Krankheit waren die folgenden zwei Jahre der Arbeit an der Oper Auferstehung eine Zeit der tiefen Krise und Neuorientierung – ein „Starten gegen den Wind“, wie Detlef Gojowy es nennt, ein „keinesfalls selbstverständliches und konfliktfreies Vorhaben“. Mister Scrooge wurde erst 1963 unter dem Titel Abend, Nacht und Morgen in Kassel uraufgeführt.

„Auferstehung“ „Mister Scrooge“ / „Abend, Nacht und Morgen“ „Erlaube dir, den Menschen ohne Liebe zu behandeln, und es wird kein Ende der Greueltaten und Bestialität geben, wie ich sie in meiner Umgebung erkannt habe“ (Tolstoi) steht als Motto über Auferstehung. Seit der vorausgegangenen Oper Mister Scrooge (nach Charles Dickens’ A Christmas Carol, der Geschichte vom hartherzigen Geizhals, der sich in der Weihnachtsnacht zum mitfühlenden Menschen wandelt) handeln Cikkers Opern von einem Läuterungsprozess ihrer Protagonisten. Das Schicksal von Mister Scrooge jedoch brachte einen tiefen Einschnitt im Leben des Komponisten. Bei den Proben am Slowakischen Nationaltheater Bratislava 1959 wurde das Stück abgesetzt. Cikker zog auf dem Kongress des slowakischen Komponistenverbandes im Dezember des Jahres „ideologische Kritik“ auf sich und wurde in der Folge gesellschaftlich und künstlerisch iso-

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Auferstehung erzählt die Geschichte des Dienstmädchens Katuscha, das mehrfach zum Opfer wird. Der junge Fürst Nechludow verführt sie kurz vor seinem Aufbruch in den Krieg auf dem Landgut seiner Tanten. Sie wird schwanger und des Hauses verwiesen, nachdem ihr Kind gestorben ist. Einige Jahre später wird sie als Prostituierte unschuldig des Giftmordes an einem Bordellbesucher bezichtigt. In ihrem Prozess wird Nechludow durch Zufall als Geschworener berufen. Er erkennt seine Schuld an ihrem Schicksal, ist aber zu schwach, ihre Verurteilung abzuwenden. Als sie zu Zwangsarbeit nach Sibirien verbannt wird, gibt er sein mondänes Leben auf und will ihr folgen. Sie weist seine Angebote jedoch verbittert zurück. Erst als er der sterbenden Katuscha die Nachricht von ihrer Begnadigung bringt, finden sie zueinander. Das Motiv der Auferstehung wird auf mehreren Ebenen thematisiert: von dem Osterkuss am Anfang bis zur moralischen Läuterung beider Protagonis-


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ten, der Wiedererstehung ihrer Liebe und schließlich dem Tod und der Verklärung der Katuscha. Auf die Frage: „Ist sie tot?“ antwortet Nechludow am Schluss: „Nein, sie ist auferstanden.“ Cikker konzentriert die sozialkritische Romanvorlage auf die psychische Entwicklung und den Konflikt der Hauptfiguren und konterkariert diesen mit scharfen Situationsschilderungen wie der absurden Gerichtsverhandlung oder der grellen Bordellszene mit furiosem Cancan. Mit dem selbst erarbeiteten Libretto (unter Mitarbeit von Fritz Oeser und Verseinlagen von Ján Srmek) realisierte Cikker eine eigene Form der Literaturoper, die eine mehrschichtige Handlung in einer abgründigen Simultaneität ermöglicht. Der innere Monolog der Protagonisten wird in autarken Intermezzi filmartig fokussiert. Im ersten fantasiert Katuscha in einer Art Fieberwahn die vergangenen Ereignisse, im zweiten rekapituliert Nechludow die Gerichtsverhandlung und übernimmt die Verantwortung für Katuschas Verfall, im dritten überkreuzen sich beide Bewusstseinsprozesse in ihrer Bewegung aufeinander zu. In einer polytonalen Musiksprache ist das tragische Sujet mit dramaturgisch wirkungsvollen Griffen höchst suggestiv in Szene gesetzt, etwa wenn Cikker die Gerichtsszene verschärft, indem er die Personen sprechen lässt, oder schließlich die Trostlosigkeit des Gefängnislagers im dritten Akt mit quasi-sakralen Chören zu einer Botschaft der Erlösung umdeutet. Der Operntod der Katuscha zählte für Fritz Oeser (wie er an den Komponisten schrieb) zu den wirkungsvollsten der Musikgeschichte. Musikalisch verwirklicht Cikker die Verklärung am Schluss im Rückgriff auf die Musik der unbeschwerten Unschuld der jungen Katuscha. Auferstehung war ein einhelliger Erfolg und brachte Cikker den internationalen Durchbruch, der dazu führte, dass seine folgenden Opern jeweils in mehreren Städten gespielt wurden. So hatte Das Spiel von Liebe und Tod 1969 bei den Münchner Opernfestspielen seine Uraufführung und wurde im gleichen Jahr in Wuppertal gespielt, 1970 in Stockholm, 1971 in Bern und (erst) 1973 in Bratislava. Coriolanus wurde 1974 in Prag uraufgeführt und in Mannheim gespielt, 1977 in Weimar.

Jahr 1647, das in einem Klostergarten ein Kind gezeugt hat, verurteilt wird und durch das Erdbeben in Santiago de Chile zunächst vom Scheiterhaufen bzw. Kerker befreit wird, schließlich aber doch dem fanatischen Volkeszorn nicht entgehen kann. Cikker formt in Das Urteil (1979) aus Kleists Erzählung ein ebenso straffes wie wechselvolles Genrebild mit explosiven Volksszenen und lyrischen Einschüben. Der Humanitätsappell des Einakters steht in konsequenter Folge der vorausgegangenen Opern, die allesamt Tragödien sind.

„Das Spiel von Liebe und Tod“ Mit Das Spiel von Liebe und Tod nimmt Cikker eine Hinwendung zu noch deutlicher politisch akzentuierten Themen vor. Die Oper vergegenwärtigt die Jakobinertyrannei unter Robespierre in einem konzentrierten Kammerspiel. Romain Rollands Drama schildert die fatalen Geschehnisse im Hause des Wissenschaftlers Jérôme de Courvoisier. Der Gelehrte ist Mitglied des Konvents und hat als Einziger der Verurteilung Dantons nicht zugestimmt, wird damit also zum Verfolgten. Seine Frau Sophie liebt den Girondisten Vallée, der bei ihr Zuflucht sucht. Unter dem Ansturm der Schergen jedoch entscheidet sie sich gegen eine Flucht mit dem Geliebten und für den Opfertod mit ihrem Mann. Ihr Untergang wird zum Appell exemplarischen menschlichen Leidens und zur Überhöhung moralischer Werte. In der Dramaturgie der Oper arbeitet Cikker wiederum mit mehreren Schichten. Während das Spiel auf der Bühne

„Das Urteil“ „Alles was die Einbildungskraft sich Schreckliches vorstellen kann, muss man zusammen nehmen, um das Entsetzen einigermaßen vorzubilden, darin sich die Menschen befinden müssen, wenn die Erde unter ihren Füßen sich bewegt“, schrieb Kant 1755. Eine solche Geschichte müsse, „weil sie eine Wirkung auf das Herz hat, vielleicht auch eine auf die Besserung desselben haben können“. Kleists Erdbeben in Chili schildert in der Tat Entsetzliches, den Lynchmord an einem jungen Paar im

„Auferstehung“, Neuinszenierung am Slowakischen Nationaltheater Bratislava 1996 (Photo: Katarína Marenčinová / Archiv des Slowakischen Nationaltheaters)

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auf eine konzentrierte Dreiecksgeschichte zugespitzt ist, sind die zeitgeschichtlichen Zustände simultan in Chören, Bühnenmusiken und Filmprojektionen präsent. Musikalisch geht Cikker zu einer Zwölftönigkeit und Polytonalität über und schließt tonale Passagen ganz aus, die es noch in Auferstehung gab.

„Coriolanus“ „Eine Tragödie ohne Gnade, ohne einen Schimmer Hoffnung“ war für Cikker Shakespeares Coriolanus, den er als Stoff für seine sechste Oper wählte. Der zwiespältige Held Coriolan, Despot, Volksfeind, Verräter, „ein durch Hass bis zum Verrat gejagter Feldherr“, wird von Cikker in seiner Entwicklung „in einen komplizierten, Gnade suchenden Menschen unseres Zeitalters“ dargestellt. Seine Oper spitzt den Konflikt auf das Gegeneinander von Masse und Einzelnem zu und stellt das „pausenlose Ringen um die Macht und gegen die Machtergreifer“ (Cikker) als Leitmotiv der Geschichte in seiner „unheilvollen Aktualität“ in den Vordergrund. Vierzehn Bilder erzählen diesen Konflikt in teils grellen Farben und scharfen Kontrasten, in rasanten Chorszenen und Schlachtenmusiken, denen verinnerlichte Zwischenmusiken und expressiv lyrische Soloteile gegenübergestellt sind.

Ján Cikkers Opern Juro Jánošík Text: Štefan Hoza Oper in 3 Akten/6 Bildern (1950–1953), 1954 Nationaloper Bratislava Beg Bajazid (Fürst Bajazid) Text: Ján Smrek, 3 Akte mit Prolog (1955/56); 1957 Nationaloper Bratislava Mister Scrooge Text: Ján Cikker nach Charles Dickens, A Christmas Carol, Oper in 3 Akten/4 Bildern (1958/59) 1963 Kassel als „Abend, Nacht und Morgen“ Vskriesenie (Auferstehung) Text: Ján Cikker nach Lev Tolstoj, Vozkresenie Oper in 3 Akten/6 Bildern und 3 Intermezzi (1959–1961) 1962 Nationaltheater Prag Hra o láske a smrti (Das Spiel von Liebe und Tod) Text: Ján Cikker nach Romain Rolland, Oper in 1 Akt (1966–1968) 1969 München

„Aus dem Leben der Insekten“ Cikker beschloss sein Opernschaffen 1986 mit einer absurden Komödie – der einzigen in seinem Œuvre: Mit Aus dem Leben der Insekten (Zo života hmyzu) schrieben die Brüder Čapek 1921 eine Fabel über die Gefahr totalitärer Herrschaft. Der Gang eines Landstreichers durch die Insektenwelt endet in einem unerbittlichen Ameisenstaat. Drei Jahre vor dem Ende der sozialistischen Systeme mutet Cikkers Oper über den ehemals prophetischen Stoff wie ein Abgesang an. Marie Luise Maintz

Coriolanus Text: Ján Cikker nach William Shakespeare Oper in 3 Akten/14 Bildern (1970–1972) 1974 Nationaloper Prag Rozsudok (Das Urteil) Text: Ján Cikker nach Heinrich von Kleist, Das Erdbeben in Chili Oper in 3 Akten/5 Bildern (1976–1978) 1979 Bratislava Obliehanie Bystrice (Die Belagerung von Bystrica) Text: Ján Cikker nach Kálmán Mikszáth Oper in 3 Akten/9 Bildern (1979–1981) 1983 Bratislava Zo života hmyzu (Aus dem Leben der Insekten) Text: Ján Cikker nach Karel und Josef Čapek Oper in 3 Akten (1983–1986) 1987 Bratislava Verleih: Alkor-Edition

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1I2009 Verdunkelungen Matthias Pintschers neuer Zyklus Mit sonic eclipse komponiert Matthias Pintscher einen neuen dreiteiligen Zyklus für Ensemble. Die ersten beiden Teile, celestial object I und II, werden vom Scharoun Ensemble in Berlin und Zermatt bei der Sommerakademie der Berliner Philharmoniker uraufgeführt, und der dritte, occultation, vom Klangforum Wien anlässlich seines 25-jährigen Bestehens 2010 in Witten. Das Phänomen der Eklipse, also des Übereinanderschiebens von Himmelskörpern und der gegenseitigen Verdunkelung im Moment der vollständigen Abdeckung, ist Sinnbild für einen kompositorischen Vorgang der Annäherung und schließlich momentanen Verschmelzung von völlig verschiedenartigen Elementen. „Die musikalische Idee ist, dass im ersten Stück die Trompete und im zweiten das Horn eine Solistenfunktion übernehmen. Die Konturen der beiden Stücke werden im dritten Teil quasi übereinander gelegt, wobei das Material der beiden Stücke total heterogen ist und im Moment des Beieinanderseins miteinander verschmilzt. Mich hat interessiert, das Repertoire von zwei sehr unterschiedlichen Instrumenten, die doch einer Familie angehören, zu untersuchen und die beiden Instrumente sehr verschieden klingen zu lassen. Dieses ganz heterogene Klang- und Gestaltungsrepertoire wird langsam zusammen und übereinander geführt und schließlich auch das Ensemble hinein gezogen, so dass alles wirklich zu einer Stimme, einem Instrument und Klanggestus verschmilzt und anschließend auch wieder auseinanderfällt. Bildlich entspricht dies genau der Eklipse.“ Sein Interesse für das Zyklische, also für mehrteilige Kompositionen mit verwandten Sujets, begründet Pintscher mit einem Bedürfnis nach einem kontinuierlichen Weitergehen: „Ich möchte etwas weiterkomponieren, was ich gerade verlassen habe. Es geht darum, eine ganz neue Aufgabenstellung zu suchen und doch organisch von einem Zustand in den nächsten zu gelangen.“ Auch in seinem nachfolgenden zyklischen Projekt, als dessen erster Teil eine Komposition für das New York Philharmonic Orchestra unter seinem neuen Chef Alan Gilbert mit Thomas Hampson als Solist entsteht, wird Matthias Pintscher diesen Weg weitergehen: Schon in she-cholat ahava ani, seinem A-cappella-Werk für das SWR Vokalensemble, das im Februar in Stuttgart uraufgeführt wurde, komponierte er einen Text aus „shir ha shirim“, dem Hohelied Salomos. In seinem neuen Werk für Bariton und Orchester kombiniert er diesen biblischen Text mit zeitgenössischer Lyrik, Liebesgedichten von Yehuda Amichai, dem im Jahr 2000 gestorbenen jüdischen Dichter. Auch dies ist Teil eines neuen Zyklus, den das Ensemble Intercontemporain weiterführen wird.

Nachdem Matthias Pintscher mit dem Quartettsatz „Study IV for Treatise on the Veil“ seinen Zyklus über Cy Twomblys Bilder abgeschlossen hat, folgen neue Projekte für das Scharoun Ensemble und das Klangforum Wien. Seine vierteilige „Study“ über Cy Twomblys Treatise on the Veil, worin er mit präparierten Streichinstrumenten von Solo bis Quartett „das gleiche Sujet immer wieder mit verschiedenen Perspektiven, anderer Zeichnung, verschiedenen Techniken und Materialien darstellt“, bezeichnet Pintscher als abgeschlossen, jedoch mit einem Vorbehalt: „Ich habe noch die Vision, alle Studies übereinander zu legen und an verschiedenen Positionen im Raum simultan zusammenzuführen in einer neuen korrespondierenden Partitur.“ Marie Luise Maintz

Matthias Pintscher – aktuell Bei den „Prager Premieren“ spielen Mitglieder des Ensemble Modern die tschechischen Erstaufführuny IIII und IIII I for Trea tise gen von nemeton und Stud Study Treatise on the V eil (19.3.09). +++ Die deutsche Erstaufführung Veil usique de „L von pourquoi l’azur m muet. musique „L’’espace uet. m dernier” pour sopr ano o et orchestre spielt das mezzo soprano ano,, mezz Radio-Sinfonieorchester Stuttgart unter Krzysztof Urbanski, Solistinnen sind Anu Komsi und Claudia Mahnke (23.4.09). +++ In der Carnegie Hall New York dirigiert Matthias Pintscher ein Konzert des Ensemble umen to IV) ACJW, in dem unter anderem Choc (Mon (Monumen umento aufgeführt wird (25.4.09). +++ Beim Melbourne Symphony Orchestra ist Matthias Pintscher als Dirigent und Komponist zu Gast mit den australischen Erstaufführungen von Osiris Osiris, Reflections on Narcissus mit ansir mit SebastiAlban Gerhardt als Solist sowie Tr Transir an Wittiber als Solist (2./6./9.5.09). +++ In der Spielzeit 2008/09 ist Matthias Pintscher als Artist in residence Gast im „RSO Spektrum“ des Radios-Sinfonieorchesters Stuttgart. +++ Für das Scharoun Ensemble estial object I and IIII , zwei Berlin komponiert er cel celestial neue Ensemblewerke mit Uraufführungen in Berlin pse gehöund Zermatt, die zu dem Zyklus sonic ecli eclipse ren. +++ Beim Zermatt Festival 2009 leitet Matthias Pintscher als Composer in residence mehrere Konzerte des Scharoun Ensembles Berlin. Neben der Uraufestial object IIII erklingen u. a. führung von cel celestial A twiligh t’ twilight’ t’ss song mit Annette Dasch als Solistin,, Janusgesich y IIII for Trea tise on the V usgesichtt und Stud Study Treatise Veil eil ta ti on, der (11.–13.9.09). +++ Im April 2010 wird occul occulta tati tion pse, durch das Klangeclipse dritte Teil des Zyklus sonic ecli forum Wien anlässlich seines 25-jährigen Jubiläums uraufgeführt. +++ Das New York Philharmonic mit Thomas Hampson als Solist wird im April 2010 unter der Leitung von Alan Gilbert Matthias Pintschers Neue Kom posi ti on für Bar omposi positi tion Bariiton und Orchester uraufführen.

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[t]akte Abendzauber Neue Werke von Thomas Daniel Schlee

Für Konstanz, Wien und Stuttgart komponiert Thomas Daniel Schlee drei gewichtige neue Werke: ein Klavierkonzert, das Ensemblestück „Enchantement vespéral“ und schließlich „Spes unica“ für großes Orchester. Ein Interview mit dem Komponisten.

[t]akte: Sie haben ein Klavierkonzert für die Südwestdeutsche Philharmonie komponiert. Bei der Komposition eines Klavierkonzerts stellt sich ja immer die Frage, wie es sich zum Topos des Virtuosenkonzerts verhält. Sie selbst sind ein renommierter Organist. Wie gehen Sie in Ihrem neuen Konzert mit dieser Frage um? Schlee: Generell ist es eine komplexe Aufgabe, ein Solokonzert mit all den technischen Möglichkeiten und Anforderungen der Gegenwart zu schreiben, wenn man selbst nicht ein ausgewiesener Virtuose auf dem Instrument ist. Ich bin Organist und ein leidenschaftlicher Klavierspieler, aber kein Pianist. Und all meine Klavierwerke sind poetische Einzelstücke, in denen die Anschlagsvielfalt oder das poetisch Zerbrechliche im Klavierton ausgenutzt werden. Bei einem Klavierkonzert finde ich jedoch die solistische Entfaltung sehr wichtig, und auch, innerhalb der gewichtigen Literatur in diesem Genre doch etwas Neuartiges, jedenfalls: Eigen-Artiges zu schaffen. In diesem Fall ist es die Form, denn sie gruppiert vier Sätze in Paare, die auf eine eigenwillige Art zusammengehören. Der erste Satz ist ein buntes Kaleidoskop thematischer Elemente, die im ganzen Konzert Verwendung finden. Der zweite Satz bringt attacca die Ausarbeitung eines dieser Elemente als Scherzo, eine lyrische Figur über einem charakteristischen Rhythmus, die im ersten Satz nur einen kurzen Moment aufgetreten war und dann als eine Art weit auskomponierter Coda wieder im Scherzo auftritt. In meinen Kompositionen knüpfe ich immer an den großen Strom der Geschichte an. Hier etwa kehrt der langsame Satz das Prinzip von Ravels G-Dur-Konzert um, wo ein einsames Klavier singt und singt. In meinem Konzert ist es das Orchester, das lange Zeit allein erklingt, bevor das Soloinstrument mit einer Replik einsetzt, um zur einzigen Kadenz des Konzertes zu gelangen. In diesem dritten Satz ist die Tonalität frei gehandhabt, während das Stück ansonsten über große Strecken modal gefärbt ist. Der Schlusssatz präsentiert dann eine vollkommen neue Landschaft – es treten völlig neue Themen auf. Mit der Virtuosität gehe ich im Sinne von Scarlatti um. Der virtuose Rausch, wie etwa bei Liszt, bleibt unberührt. Es geht immer um die Durchsichtigkeit der Bewegung, sowohl in den virtuosen wie in den lyrischen Teilen.

Das Ensemble „die reihe“ in Wien spielt als erstes Spezialistenensemble nach dem 2. Weltkrieg in der Geschichte der Neuen Musik eine bedeutende Rolle. Sie sind um ein Stück für das Konzert zum 50-jährigen Jubiläum gebeten worden. Was komponieren Sie für „die reihe“? Diese Komposition ist gleichsam ein Gegenstück zum Klavierkonzert, es bleibt durchwegs im Inneren von Klang und Gefühl. Es bezieht sich auf ein Gemälde von Chagall, Enchantement vespéral (Abendzauber), das für

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Deutliche Thesen aufstellen: Thomas Daniel Schlee (Photo: Carinthischer Sommer)

mich die Gestaltwerdung von Glück darstellt: das Glück an einem linden Sommerabend, wenn alles sich in Harmonie befindet. Ich habe eine Disposition gefunden, ein eigenartiges Ensemble, das diese linde Stimmung ausdrücken soll. Das Stück wird vornehmlich durch die Klangfarbe geleitet. Altflöte, Englischhorn, Kontrafagott, Horn, Violine, zwei Bratschen und Violoncello, Harfe und Celesta – also mehrheitlich tief klingende, sanft-dunkle Instrumente. Für mich sind solche Anregungen, wie sie von Bildern, religiösen Sujets oder Worten ausgehen, oft Auslöser für Musik, ich komponiere immer nach einem Leitgedanken, und der ist nur selten rein musikalisch. In diesem Fall enthält das Bild mit einem Geiger und einem Vogel sogar musikalische Elemente. Das Stück ist eine Studie über die Langsamkeit, und es geht darum, mit Klängen die Poesie des von Chagall so wunderbar dargestellten Augenblickes zu treffen. Den Hörer erwartet fließende Schönheit …

Gibt es in Ihren Kompositionen für Orchester durchgängige Fragestellungen, etwa im Hinblick auf den großen Apparat?


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Nicht in einem intellektuellen Sinn, sondern eher im handwerklichen. Das ist der Versuch, im Laufe der Jahre zu Klängen zu kommen, die möglichst wenig gebrochen sind, also eine Abkehr von dem Raffinement durch Zersplitterung – obwohl ich ein unglaubliches Vergnügen an raffinierten Klängen habe. Die Sujets meiner letzten Orchesterstücke haben alle damit zu tun, den Musikern Linien in ihre Hände und Instrumente zu geben, die sich beim Musizieren automatisch erschließen.

Das Staatsorchester Stuttgart unter Manfred Honeck wird „Spes unica“, Ihre neue Komposition für großes Orchester, in einem Konzert mit Werken von Frank Martin und Bruckner uraufführen. Spielt dieser Kontext für Sie eine Rolle? Es war kein Zufall, dass ich gebeten wurde, einen Beitrag zu einem Programm mit Werken von Frank Martin und Bruckner zu verfassen. Martin kannte ich persönlich, habe ihn als Person tief verehrt und liebe seine Musik. Der lyrische Ernst seiner mit relativ schlichten Mitteln so charakteristischen Musik, die behutsame Konsequenz seines Tonsatzes und nicht zuletzt seine Verwurzelung im Religiösen habe ich stets als vorbildlich, als mir nahe empfunden. Ich habe erst spät zu Bruckner gefunden. Was mich sehr reizt, und was gerade das Sujet des neuen Stückes werden soll, ist die Frage nach dem Affirmativen in der Kunst. Das Ungeheure bei Bruckner ist, wie er eine Kunst hat erdenken können, die Zeit so stark auffaltet und einen solch großen Zusammenhang schafft. Mich fasziniert der magische Moment, in dem der Übergang von der Tonsatzaufgabe zur höchsten Kunst angesiedelt ist. Der Übergang zwischen dem Konventionellen und dem Genialen bei Bruckner ist das eigentliche Geheimnis für mich. Mit dem Affirmativen meine ich eine Kunst, die sich die Zeit nimmt, das vollkommen auszusprechen, was sie sagen will. Bei Bruckner sind diese ungemein langen Entwick-

Beat Furrer – aktuell Ausblick vier und Ensembl e wird vom onzertt für Kla Klavier Ensemble Das Konzer Ensemble Contrechamps in Genf und beim Festival MaerzMusik in Berlin gespielt (24./26.3.09). +++ Das Klangforum Wien spielt die US-Erstaufführung von spur beim Austrian Cultural Forum in New York (6.4.09). +++ Für die Donaueschinger Musiktage 2009 komponiert Furrer ein neues Werk für Orchester, das in einem Konzert des SWR Sinfonieorchesters unter seiner Leitung uraufgeführt wird (18.10.09). +++ Die Uraufführung seines neuen Musiktheaters Wüstenbuch nach einem Libretto von Händl Klaus ist im März

lungen nur möglich, wenn er das, was er ausdrücken will, nicht in Zweifel zieht, sondern seinen Formen, seinen kontrapunktischen Entwicklungen die Zeit lässt, durch die sie zur Kunst werden. In Spes unica – der Titel entstammt dem Hymnus „O crux ave, spes unica“, „Sei gegrüßt, du heiliges Kreuz, unsere einzige Hoffnung“ – wird es um eine große Crescendo-Struktur gehen, deren Umrisse sich im Laufe des Stückes verschärfen und verdeutlichen werden. Die teleologische Anlage zielt auf den großen, ungebrochenen Orchesterklang. Kunst muss die Möglichkeit haben, deutliche Thesen aufzustellen. Es geht also nicht darum, melodische Linien zu zerbrechen oder Farbigkeit sofort wieder zu zerstäuben, sondern innerhalb einer Entwicklung zu einem schönen Klang zu gelangen. Anders als in Musik für ein Fest, der Inaugurationsmusik für das Theater an der Wien 2006, die mit dem großen Klang beginnt, ist hier der Gedanke, den Aggregatzustand des Klanges langsam entstehen zu lassen. Die Fragen stellte Marie Luise Maintz.

Thomas Daniel Schlee – aktuell In Konstanz wird Thomas Daniel Schlees Konzer onzertt für Klavier Kla vier und Orchester von der Südwestdeutschen Philharmonie Konstanz unter Leitung von Thomas Kalb uraufgeführt. Solist ist Klaus Sticken (1./3.4.09, ob wird 4.4.09 in Singen). +++ Die Kirchenoper Ich, Hi Hiob in der Minoritenkirche Linz gespielt (27.3.09). +++ Zum Jubiläum des Ensembles „die reihe“ wird Thomas Daan temen niel Schlees Ench Enchan antemen tementt v vespér espéral espér al (Auftragswerk des Ensembles „die reihe“ zum 50-jährigen Bestehen) im Radiokulturhaus des ORF in Wien uraufgeführt (3.6.09). +++ Für das Staatsorchester Stuttgart komponiert Schlee Spes unica für großes Orchester. Manfred Honeck dirigiert die Uraufführung (12.7.09).

2010 in Basel geplant. +++ Bei Kairos ist das Konzer onzertt vier und Orchester auf CD erschienen, zusamKlavier für Kla men mit spur, lotófagos I, invocation VI und retour an dich sowie auf DVD Begehren in der szenischen Produktion von Reinhild Hoffmann (Regie) und Zaha Hadid und Patrick Schumacher (Bühne).

Rückblick Im März 2009 war Beat Furrer ein Porträt bei der Biennale Salzburg gewidmet. Es wurden u. a. das Konzer onzertt für Kla vier und Ensembl Klavier Ensemble, e, Xenos und FAMA VI vom Ensemble Contrechamps unter der Leitung des Komponisten aufgeführt sowie spur vom stadler quartett (5.–8.3.09).

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[t]akte Das geheime Leben Miroslav Srnka begibt sich auf Entdeckungstour Richtung Stimme Über das Erzeugen einer Erwartung, das Sammeln von Aufmerksamkeit und über die Gattung der Fanfare schreibt Miroslav Srnka ein Stück für Blechbläser und Schlagzeug. Die Komposition für den Festakt des Ernst von Siemens Förderpreises in München nimmt der frischgebackene Preisträger zum Anlass, die Rolle solcher Signalmusiken zu hinterfragen. „Wie eine Interpunktion in einem gemeinschaftlichen Ereignis funktionieren diese Stücke. Die Zeit erfährt eine Zäsur, die Aufmerksamkeit wird auf einen Punkt konzentriert und eine Spannung für das erzeugt, was folgt“, erläutert Srnka. Eine Studie über das Erwartungsprinzip ist demnach auch kompositorisches Thema des Stückes für vier Hörner, je zwei Trompeten, Posaunen und Schlagzeuger. „Mit dem Klang von Blechbläsern verbindet sich automatisch die Vorstellung von großer Lautstärke. Das macht ihre leisen Klänge besonders spannend, weil sie per se eine Erwartung wecken.“ So wird gerade die Lautstärke zum weiteren kompositorischen Thema. Neben der Dynamik spielt er mit dem Ursprung der Fanfare – vor allem dem etymologischen: Es ist kaum bekannt, dass das Wort Fanfare entweder einen onomatopoetischen Grund hat, oder auch von dem arabischen „farfar“ (Schwätzer) und mittelbar dem spanischen „fanfarron“ (Großmaul) abgeleitet sein könnte. „Die Idee zu der Komposition kam beim Nachdenken über die Funktion von Musik bei einem Zusammentreffen von Menschen, das nicht primär ein Konzertereignis ist, sondern auch Gespräch, gesellschaftliches Ereignis, Unterhaltung. Im Konzert ist die Konzentration und Stille eine Voraussetzung, in die Musik dann hinein gespielt wird. Eine Fanfare jedoch erklingt, um eine solche konzentrierte Stille erst zu erzeugen.“

„The Secret Life of Words“ Eine Recherche über die Kommunikation betreiben Miroslav Srnka und der australische Regisseur Matt Lutton für ihre abendfüllende Kammeroper nach Isabel Coixets Film The Secret Life of Words (Das geheime Leben der Wörter). Die beiden Künstler haben zusammen eines der begehrten Fellowships von Aldeburgh Music erhalten, das ihnen ermöglicht, im Team ein Musiktheater zu schreiben. Das Konzept des Fellowship sieht vor, dass eine Projektphase von anderthalb Jahren finanziert wird, also die Arbeit an einem dramaturgischen Konzept unterstützt wird und im Rahmen dessen auch weitere Künstler, Bühnenbildner oder Schriftsteller, beauftragt werden können. Das Fellowship ermöglicht gemeinsame Treffen, Studienreisen und zwei einwöchige Workshops in Aldeburgh, um die Ideen mit Musikern und Sängern zu überprüfen. Dieses Konzept, verbunden mit der Tatsache, dass ausdrücklich Autorenteams ausgezeichnet werden, ist eine reizvolle Alternative zum herkömmlichen Kompositionsauftrag. Wie Srnka be-

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Miroslav Srnka ist Förderpreisträger der Ernst von Siemens Musikstiftung 2009. Bei der Preisverleihung im Mai wird eine Komposition für Blechbläser und Schlagzeug uraufgeführt. Darüber hinaus arbeitet er an einer Kammeroper nach Isabel Coixets Film „The Secret Life of Words“.

Richtung Bühne: Miroslav Srnka

schreibt, ermöglicht dieses Förderungsmodell „eine große Freiheit, denn der Komponist ist nicht der einzige maßgebliche Autor, der alleine vor dem Papier sitzt. Die Bühnenumsetzung ist hier ein Teil des Kompositionsvorgangs, also wird wirklich ein Schritt hin zum ,Gesamtkunstwerk’ vollzogen. Wir arbeiten zusammen an allen Parametern des Abends, suchen nach einem konsequenten Ganzen, das sich aus der Zusammenarbeit entwickelt.“ The Secret Life of Words handelt von zwei Menschen, die ein Trauma erlebt haben. Als sie aufeinander treffen, finden sie einen Weg zur Auflösung, indem sie lernen, zu dem anderen über sich selbst zu sprechen. „Dieser Weg hin zu einer Kommunikation interessiert uns. In dem Film wird über das langsame gegenseitige Erfahren der Verletzungen des anderen eine Barriere aufgelöst – und dies läuft synchron zum Verstehen des Zuschauers. Wie diese Verständigung im Verlauf entsteht und sich entwickelt, ist unser Thema. Und die große Emotionalität von Isabel Coixets Erzählweise hilft uns dabei. “ Auf der musikalischen Ebene wird die Entwicklung mitvollzogen: „Dieser Prozess wird in unserem Musiktheater symbolisiert durch eine Entwicklung der Hauptpersonen vom Sprechen hin zum Operngesang. Die Protagonisten singen nicht im selben Duktus von


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Anfang bis zum Schluss, sondern entwickeln sich, und dies symbolisiert die Frage, wie sie miteinander kommunizieren können. Was nicht gesagt werden kann, mag vielleicht gesungen werden. Unser Versuchsfeld ist dieser Weg zur gestützten, voll aussingenden, kunstvoll geführten Opernstimme, und die Frage, inwiefern das auf der Bühne tragend ist.“ Darüber hinaus sind es die Parameter des Dramatischen, die Srnka beschäftigen. „Was mich am meisten interessiert, ist die dramatische Ausdeutung des Tempos und des Registers beim Singen. Für das Wahrnehmen der Singstimme sind gerade diese Parameter sehr wichtig, also wie schnell, flüssig oder unterbrochen man artikuliert und in welcher Lage man singt, zunächst unabhängig von dem musikalischen Material. Ich betreibe – wie bereits in dem Ensemblestück mit Sopransolo My Life Without Me – sozusagen eine Recherche zum Gesang ohne (thematisches) Material, eine Art DeMaterialisierung.“ Diese Arbeit ist ein Resultat eines generellen Schwerpunkts von Srnkas Komponieren. „Ich war immer an der menschlichen Stimme interessiert – obwohl ich bisher wesentlich mehr Instrumentalmusik komponiert habe. Zudem wird auch meiner instrumentalen Musik ein gewisses dramatisches Potenzial bescheinigt, die Zuhörer scheinen darin Ereignisse zu empfinden. Und diese Eigenschaft meiner Musik möchte ich jetzt auf der Bühne überprüfen. Ich teste also ihr Potenzial. Nicht zuletzt ist es so, dass Oper eines der stärksten Erlebnisse ist, die man in der westlichen Kultur erleben kann, so oft sie auch schon für tot erklärt worden ist.“ Marie Luise Maintz

Miroslav Srnka – aktuell Ausblick derpreis der Ernst v on Miroslav Srnka erhält den För Förderpreis von stiftung 2009. Die Preisverleihung Musikstiftung Siemens Musik findet am 15. Mai 2009 bei einem Festakt in den Münchner Kammerspielen statt. +++ Bei den Prager Premieren wird das Ensemble Modern die tschechische Erstaufführung von Miroslav Srnkas Les Adieux im Dvořák-Saal des Rudolfinums unter der Leitung von Matthias Pintscher spielen (19.3.09). +++ Im Rahmen eines Fellowship von Aldeburgh Music erarbeitet Srnka zusammen mit dem australischen Regisseur Matt Lutton eine abendfüllende Kammeroper nach ret Life of dem Sujet von Isabel Coixets Film The Sec Secret Wor ds. ords Rückblick thou Withou thoutt Me für Sopran und In Paris wurde My Life Wi Ensemble nach dem Sujet von Isabel Coixet vom Ensemble Intercontemporain und der Sopranistin Claron McFadden uraufgeführt (28.11.08). +++ Bei den Kasseler Musiktagen sang die Mezzosopranistin Dagmar Pecková die Uraufführung von Miroslav Srnkas Dreiach Postkar ten v on Jurek Beck er an Becker nach Postkarten von zehn Lieder n seinen So hn Jon ath an (31.10.08). Das Quatuor DiotiSohn Jona than ma präsentierte ein Programm mit dem Streichquarlnou und Sim pl e tett, dem Klavierquintett Pouhou v vlnou Simpl ple Space für Cello solo (1.11.08).

Charlotte Seither – aktuell

Dieter Ammann – aktuell

Charlotte Seither ist von Kulturstaatsminister Bernd Neumann mit dem Stipendium der Deutschen Akademie Rom Villa Massimo ausgezeichnet worden und verbringt dort 2009 einen einjährigen Stipendiom an-oper a ist in mehenaufenthalt. +++ Ihre One-w One-wom oman-oper an-opera reren Inszenierungen zu erleben, so in München mit Cornelia Melian (27.2.–1.3., 19.5.09) sowie in Augsburg und Mannheim mit Guillermo Anzorena von den Neuen Vocalsolisten Stuttgart (12.3./13.11.09). +++ Eckhard Manz spielt Himmelsspalt für Orgel in der Martinskirche Kassel (15.3.09). +++ Im Schloss Weikersheim leitet Charlotte Seither die Frühjahrswerksta om ponisten (4.–19.4.09). +++ Das statt Kom omponisten tt für Junge K Modern Art Quartet spielt Flow für Flöte, Violine und Violoncello im Konzerthaus Berlin (7.5.09). +++ Seit Kurzem hat Charlotte Seither eine eigene Internetsei.ch arl ottesei ther .de te: www www.ch .charl arlottesei otteseither ther.de .de.

In Paris und Zürich spielten das Ensemble aleph und te Form das Ensemble zero Dieter Ammanns Gehör Gehörte on sowie D’ Accor d(s) , für Streichtrio, A(tenir)tensi A(tenir)tension D’Accor Accord(s) letztere beiden als französische Erstaufführung val lles es m uséiques in der (5./7.3.09). +++ Beim Festi Festiv muséiques Schweiz ist Ammann als Composer in residence mit einer Reihe von Kammermusikwerken vertreten (23., 24., 30.4.09). Als Uraufführung spielt das Amar Quartett (23.4.09). +++ tett sein neues Werk für Streichquar Streichquartett Nach Konzerten in Ettelbrück und Basel spielt das casalQuartett Ammanns Streichquartett Geborstener Sa tz auf CD ein. (Konzert in Basel: 30.4.09) +++ Als Satz deutsche Erstaufführung wird beim Festival „Ohren ar d sur lles es tr adi ons auf Europa“ in Düsseldorf Reg Regar ard tradi aditi tions ti für Klavier zu vier Händen zu hören sein (4.6.09).

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[t]akte Sentimento del tempo Manfred Trojahn schaut zurück nach vorn Die „Begegnung“ einer neuen Komposition Manfred Trojahns mit Bachs 4. Brandenburgischen Konzert evoziert als Erstes die Frage nach der Besetzung, denn die Aufführungspraxis Bachs im letzten Jahrhundert hat eine wechselvolle Geschichte. Lange war die Wahrnehmung des Konzerts, das als Soloinstrumente zwei (Block-) Flöten und eine Violine einem Streichorchester mit Basso continuo gegenüberstellt, durch moderne Instrumente geprägt. „Mein allererster Auftritt in einem Konzert war 1967 in Braunschweig als Flötist in ebendiesem 4. Brandenburgischen Konzert, und ich spielte selbstverständlich eine Querflöte“, erinnert sich Manfred Trojahn. „Schon in den 1980er-Jahren war es dann so, dass die Auffassung dessen, was Originalklang ist, außerordentlich persönlich war, und sich der Objektivierung widersetzte. Dies ist letztlich ein – dezidiert ‚moderner’ – Beitrag zur Individualisierung unserer Zeit.“ Die Ansbacher Aufführung mit dem Freiburger Barockorchester wird natürlich historische oder alte Instrumente verwenden, die vor allem bei der Intonation klanglich bestimmte Implikationen für die neue Komposition mit sich bringen und für Trojahn als Vorstellung beim Komponieren präsent sind. „Schon bei meinen Ariosi, die von der Camerata Salzburg mit Roger Norrington uraufgeführt wurden, spielte dieser ganz spezielle Klang eine besondere Rolle und war sehr reizvoll für mich.“ Manfred Trojahns sentimento del tempo. musik für violine solo, zwei flöten und streicher. ansbachisches konzert 2009 wird in mehrfacher Hinsicht eine Ergänzung zum spielerischen und konzertanten Gestus von Bachs Konzert bilden. Er lässt explizit eine Besetzung durch Block- oder Querflöten offen. Die Instrumente werden klangfarblich eingesetzt, nicht als konzertierende Soloinstrumente wie bei Bach. „Sie bekommen spezifische Aufgaben, die sie als Bläser in einem Orchester-

Manfred Trojahn, der am 22. Oktober seinen 60. Geburtstag feiert, komponiert ein Orchesterwerk für die Bachwoche Ansbach 2009. „sentimento del tempo“ wird in einem Konzert mit dem Freiburger Barockorchester dem 4. Brandenburgischen Konzert von Johann Sebastian Bach gegenübergestellt. klang übernehmen, wobei ich dieses Stück als eines für Violine solo, ein individualisiertes Streichorchester und zwei Flöten verstehe. Diese sind eher Orchester- als Solostimmen, es gibt also nicht die Aufteilung in Concertino und Orchester wie bei Bach. Mir ist darüber hinaus sehr wichtig, in diesem Konzert einen Gegensatz zu dem sehr vitalen Stück von Bach zu bilden.“ Trojahn komponiert mit sentimento del tempo ein ruhiges einsätziges Stück, das eben nicht spielerische, konzertante Virtuosität ausstellt, sondern die Expressivität in den VorderMarie Luise Maintz grund stellt.

Manfred Trojahn – aktuell Das Orchestre National de Montpellier unter Gregor Bühl spielt die französische Erstaufführung von ads T anz in Montpellier Manfred Trojahns Galah Galahads Tanz (27.3.09). +++ Für die Bachwoche Ansbach kompotimen to del tem usik für vi niert er sen sentimen timento tempo po.. m musik vio po oline so ei fl öten und streicher zwei flöten streicher.. ansbachisches soll o, zw konzer onzertt 2009, das vom Freiburger Barockorchester uraufgeführt wird (7.8.09). +++ Im Gewandhaus phonischer Sa wird Trojahns Sym ymphonischer Satz tz vom Hochschulorchester Leipzig unter Leitung von Ulrich Windfuhr uraufgeführt. Anschließend finden Konzerte in Dresden, Berlin und Hamburg statt (4.–7.11.09). +++ Das Henschel-Quartett produziert zu Manfred Trojahns 60. Geburtstag eine CD mit den Streichquartetten Nr. 1, 3 und 4 und spielt die Uraufführung tetts in Düren (10.11.2009, seines neuen Streichquar Streichquartetts 11./12.11.09 in Düsseldorf).

Neue Musik in alten Räumen: die Orangerie in Ansbach, Ort der Uraufführung von Manfred Trojahns „ansbachischem konzert“

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1I2009 Neue Wahrnehmungen Zwei Opern von Salvatore Sciarrino vor ihren Uraufführungen in Wuppertal und Mannheim Die Ausgangspunkte der beiden neuen Opern von Salvatore Sciarrino unterscheiden sich sehr stark voneinander: Es sind Der Prozess von Franz Kafka und Die Heilige Schrift (Das Hohelied). Zwar sind beide Werke in der Wahl von Sujet und Dramaturgie gegensätzlich, beide rücken jedoch ein gleichermaßen aktuelles wie antikes Leiden in den Mittelpunkt ihrer Darstellung. Vor dem Gesetz (La porta della legge) geht auf eine zunächst eigenständig entstandene Erzählung von Franz Kafka zurück. Sie wurde später in seinen Roman Der Prozess eingefügt und ist hier in zyklischer Form wiedergegeben. „Fast ein kreisförmiger Monolog“ heißt es im Untertitel, und diese Kreisform bildet auch ein wesentliches Element der Oper. Wir erleben das nutzlose Warten eines Mannes vor der Tür des Gesetzes, ein Warten, das bis zu seinem Tode andauert. Die Szene wird dreimal wiederholt: Am Anfang wird der Mann von einem Bariton verkörpert, in der zweiten Szene von einem Countertenor, in der dritten Szene singen Bariton und Countertenor zusammen – bis ihr Leben abgebrochen wird. Durch diesen dramaturgischen Mechanismus erhält die Wiederholung der Geschichte die entsetzliche Perspektive einer universellen Erfahrung, die sofort für einen anderen Menschen von Neuem beginnt; und es ist gerade diese Wiederholung, die der Erzählung ihre Unabwendbarkeit gibt und ihr metaphysische Momente verleiht. Die drei Szenen sind einander zwar ähnlich, aber keineswegs gleich: Sie unterscheiden sich durch klangliche Transformationen und kaum wahrnehmbare Gleitbewegungen, durch winzige Variationen und Umbrüche. Die zweite Szene scheint sich an einem anderen Schauplatz als die erste abzuspielen, an einem hellen, leuchtenden Ort; der Raum beginnt zu schillern wie in einem Traum aus Licht. Danach, in der dritten Szene, kehrt das Dunkel zurück: Es handelt sich jedoch hier nicht um eine echte Reprise. Vielmehr bildet sich nun eine neue Klangwelt mit ironischen und verzweifelten Zügen heraus. Der musikalische Verlauf fließt kontinuierlich, wird nicht durch abgeschlossene Nummern untergliedert und besitzt eine innere Periodizität, die fast an eine Passacaglia erinnert. Ganz anders ist die Oper Super flumina angelegt. Ihre Bezüge reichen, außer zur Bibel, auch zu Friedrich Novalis und zu einem Roman von Elizabeth Smart zurück, aus deren Lektüre das Libretto entstanden ist. Die erste Textversion stammt aus dem Jahr 1983: Schon damals beschäftigte sich Sciarrino mit der Figur einer Obdachlosen, die sich in einem großen Bahnhof verloren hat und in deren Drama eine sowohl menschliche als auch universale Katastrophe schonungslos abgebildet wird. Bahnhöfe sind dem Transport gewidmete Tempel, sind Denkmäler für die Wanderungen uniformer Men-

Menschliche Grundfragen stehen im Mittelpunkt von Salvatore Sciarrinos Opern „La porta della legge“ und „Super flumina“. Die Vergeblichkeit des Lebens und die soziale Frage werden hier zu Klang . schenmassen. Mit Macht erheben sie sich über den Einzelnen, der erdrückt und überwältigt zurückbleibt. Inmitten des Lärmens und Kreischens eilen die gesichtslosen, zu einer Flut gewordenen Menschen unachtsam an der Tragödie einer Frau vorbei, die ihrer Einsamkeit, ihrem Wahnsinn überlassen bleibt. Eine soziale Tatsache, die jedem schon real begegnet ist, wird hier zum Kern einer szenischen und poetischen Darstellung. Die Oper besteht aus einem Akt in vier Bildern, mit zwei Intermezzi und drei Liedern in der Mitte. Darin finden sich stilisierte Maschinengeräusche, Lautsprecheransagen, die in den letzten Jahren auf italienischen Bahnhöfen aufgezeichnet wurden, und der Chor, die Menschenflut. All dies spielt sich in der für Sciarrino typischen Sinn für Brüderlichkeit: Salvatore Klangwelt ab, einer Summe von Sig- Sciarrino nalen aus unserer alltäglichen Umgebung. Protagonistin ist die Frau, die Obdachlose, eine Botin der Wahrheit. In ihrer Klage hat Sciarrino den bereits in seinen letzten Arbeiten entstandenen Vokalstil weiterentwickelt. Es sind – bei identischer Orchesterbesetzung – zwei ästhetisch sehr gegensätzliche Opern, auch in ihrer Form und Sprache: Vor dem Gesetz statisch und rigoros, mit eher strengem Charakter; Super flumina lyrisch und reich an unterschiedlichen Klangsituationen. Etwas ist jedoch beiden Opern gemeinsam, und das ist der Glaube an die Kraft der Tragödie, ihre theatralische Darstellung der letzten Katastrophe, die alle Menschen auf ihrer Reise gleich macht. Sciarrino will uns durch neue Wahrnehmungserfahrungen nicht nur erschüttern. In jedem von uns soll ein Sinn für Brüderlichkeit entstehen. Paolo Cairoli (Übersetzung: Christine Anderson)

Salvatore Sciarrino Vor dem Gesetz (La porta della legge). Oper in einem Akt nach dem Text von Franz Kafka (Uraufführung) 25.4.2009 Wuppertal (Städtische Bühnen) Inszenierung: Johannes Weigand, Musikal. Leitung: Hilary Griffiths Super flumina (Uraufführung) 18.7.2009 Mannheim (Nationaltheater) Musikal. Leitung: Tito Ceccherini, Inszenierung: Andrea Schwalbach Verlag: RAI Trade

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[t]akte Himmlisches Jerusalem, Brodeln am Bosporus Pressestimmen zu herausragenden Uraufführungen der letzten Monate Matthias Pintscher she-cholat ahavah ani (shir ha-shirim V) for mixed chorus a cappella (32 voices). Text aus dem Hohelied Salomos Uraufführung: 6.2.2009 Stuttgart (Eclat), SWR Vokalensemble, Leitung: Rupert Huber Übrigens war Matthias Pintschers Chorwerk wunderschön. Zwar mag man etwas dagegen haben, dass hier ein sehr poetischer und tiefer Bibeltext nicht mehr als Inhaltsträger, sondern schlichtweg als Steinbruch für Sprachklänge missbraucht wurde, doch Pintscher und das von Rupert Huber sicher geleitete SWR-Vokalensemble führten ihre Zuhörer immer wieder auf betörend schöne, grüne Klang-Auen, und das Hohelied taugt durchaus auch als Liebeserklärung an den Klang. Spätestens wenn am Ende des Stücks das himmlische Jerusalem aufscheint, haben Neu und Alt als ästhetische Kategorien ausgedient. Susanne Benda / Stuttgarter Nachrichten 9.2.2009

Matthias Pintscher Study IV for Treatise on the Veil for String Quartet Uraufführung: 26.1.2009 Mozartwoche Salzburg, Minguet Quartett Die Musik Pintschers fesselt mit filigranen, nuanciert abschattierten Klängen, mit Partikeln und fragilen Gestalten. [...] Pintscher setzte eine hoch komplizierte Partitur in die Welt, die den Interpreten nicht nur spieltechnische Präzision, sondern auch ein Feeling für das rechte Timing abverlangt. In dieser Hinsicht brannten die experimentierfreudigen Musica-Nova-Experten vom Minguet-Quartett Wunderkerzen ab. Egon Bezold / SWR Baden-Baden, 30.1.2009 Mit avancierten Spieltechniken, zum Teil werden die Saiten auch präpariert, verlässt [Treatise on the Veil ]

kaum den Piano-Bereich, wirkt wie hingehaucht […] Das mag man fast schon wieder geschmäcklerisch „schön“ finden. Aber es ist doch von einer schwingenden Feinheit in Struktur, Farbe und Sprache, die sich unmittelbar erschließt. Karl Harb / Salzburger Nachrichten 28.1.2009 Pintschers Experimente mit dem Klang sind sehr raffiniert. Er geht an die Grenze zur Hörbarkeit – und es ist schwer, das nicht zu übertreiben. Ich schätze generell Komponisten, die experimentieren, die etwas wagen, die an Grenzen gehen. Pierre Boulez in einem Interview mit Karl Harb / Salzburger Nachrichten 31.1.2009

Matthias Pintscher pourquoi l’azur muet … musique de ,L’espace dernier‘ pour soprano, mezzo et orchestre Uraufführung: 10.10.2008 London, BBC. Claudia Barainsky (Sopran), Claudia Mahnke (Mezzosopran), BBC Symphony Orchestra, Leitung: Kazushi Ono The intricate orchestral writing sometimes overwhelms the voices, so the total effect is dream-like, full of fragmentary images moving in and out of focus. Andrew Clements / The Guardian 15.10.08

Andrea Lorenzo Scartazzini Kassiopeia für Ensemble (2008) Uraufführung: 22.1.2009 Basel. Collegium Novum, Leitung: Pablo Heras-Casado Andrea Lorenzo Scartazzini ließ sich in „Kassiopeia“ von der Fünfteiligkeit und von der symmetrischen Anlage des Sternbildes leiten. [...] Und die Schönheit der Kassiopeia? Sie taucht in dem Werk verschiedentlich als Klangschönheit auf, insbesondere aber im feingliedrigen Mit-

32 Solostimmen. Das Stuttgarter Vokalensemble bei der Uraufführung von Matthias Pintschers Hohelied-Komposition „she-cholat ahavah ani“ am 6. Februar 2009 in Stuttgart (Photo: Astrid Karger)

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telsatz, bei dem das Klavier, begleitet von den Perkussionsinstrumenten, reizende Figuren in den Raum stellt. Thomas Schacher / Neue Zürcher Zeitung 26.1.2009 Geheimnisvolle Schläge im Klavier und daran anschließend ein leises Grollen des Schlagzeugs. Beinahe zeichenhaft kehrte das Motiv in Andrea Lorenzo Scartazzinis „Kassiopeia“ (2008) mehrere Male wieder. [...] Fragilste Klänge entwickelten sich zu beinahe ohrenbetäubendem metallischen Glitzern; von lose im Raum verteilt aufblinkenden Motiven bis hin zu Energieballungen zog der Komponist verschiedenste Register und ließ Anklänge an Räume und Bilder in die Musik einfließen. Anna Kardos / Tages-Anzeiger Zürich, 26.1.2009 Mit knappsten Mitteln, reichhaltigen Farben und einer dramaturgisch dichten Fünfteiligkeit spürt Scartazzini hier der fünfsilbigen Lautfolge des Wortes „Kass-i-o-pei-a“ nach. Das Collegium Novum mit der Primgeigerin Bettina Boller lotete die Partitur mit viel Sinn für die schwebende Klanggestalt aus, steigerte sich aber auch engagiert in die archaischen, gewaltig sich auftürmenden Tutti. Das ging unter die Haut. Sibylle Ehrismann / Zürichsee-Zeitung 26.1.2009

Philipp Maintz archipel. musik für großes orchester Uraufführung: 22.10.2008 Aachen, Sinfonieorchester Aachen, Leitung: Marcus R. Bosch Das neue Werk des Aachener Komponisten Philipp Maintz, „archipel. musik für großes orchester“ wurde mit freundlichem Beifall aus der Taufe gehoben. Ein klangprächtiges, sehr dicht gestricktes Werk mit scharfen Kontrasten und raffinierten Effekten [...]. Ein Werk auf der Höhe seiner Zeit und trotz seiner motivischen Verflechtung mit Maintz’ in Arbeit befindlicher neuer Oper von beeindruckender Eigenständigkeit. Pedro Obiera / Aachener Nachrichten 23.10.2008

Beat Furrer Xenos für ensemble Uraufführung: 11.10.2008 Frankfurt, Ensemble Modern, Leitung: Alejo Pérez Der Schweizer Beat Furrer hat das Brodeln am Bosporus in wunderbare Abstraktionen überführt. Die Bläserfarben von „Xenos“ lassen an Messiaen, die Atemzüge an Sciarrino denken, doch Furrer hat eine unverwechselbare Art, Körper in den Raum zu stellen. Volker Hagedorn / Der Tagesspiegel 16.10.2008

Unerhörter Mendelssohn. Matthias Kirschnereit und die Staatskapelle Weimar spielen das Klavierkonzert in e-Moll in Bad Kissingen (Photo: Gerhild Ahnert)

Felix Mendelssohn Bartholdy Konzert für Klavier und Orchester Nr. 3 e-Moll Rekonstruiert und vervollständigt von R. Larry Todd Uraufführung: 10.1.2009 Kissinger Winterzauber, Matthias Kirschnereit (Klavier), Staatskapelle Weimar, Leitung: George Pehlivanian Gern bescheinigt man […] R. Larry Todd, dass er mit Felix Mendelssohn Bartholdys Konzert für Klavier und Orchester Nr. 3 in e-Moll der Musikwelt und fingerfertigen Pianisten ein schönes Stück für Ohren und Hände beschert hat. […] Dass R. Larry Todds Bemühungen dem Klavierrepertoire ein interessantes, für die künstlerische Entwicklung Mendelssohn Bartholdys aufschlussreiches Werk gewonnen haben, davon konnte man sich bei der Uraufführung in Bad Kissingen überzeugen. […] Begleitet von der Staatskapelle Weimar unter der Leitung von George Pehlivanian, präsentierte sich der Pianist Matthias Kirschnereit als genuiner MendelssohnInterpret. Melodische Eleganz und federnde Virtuosität verbanden sich mit zarter Andante-Expressivität im Mittelsatz. Feinster Mendelssohn überall, auch im Orchester. Gerhard Rohde / F.A.Z., 12.1.2009 Larry Todds Instrumentierung verdient das Attribut kongenial. Gerhard Fischer / Main-Post, 11.1.2009

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[t]akte Inspirationen Neues von Komponisten des französischen Verlags Editions Henry Lemoine

Seit einigen Jahren schon holt sich Hugues Dufour Dufourtt Anregungen für einen Teil seiner Kompositionen aus der Malerei. So beziehen sich die vier Orchesterstücke in seinem Zyklus Les Hivers (1992–2001) auf Titel von vier Gemälden: „Le Déluge d’après Poussin“, „Le Philosophe d’après Rembrandt“, „Les Chasseurs dans la neige d’après Bruegel“ und „La Gondole sur la lagune d’après Guardi“ (auf CD im Schuber unter dem Titel Les Hivers bei Aeon, AECD0209). 2005 kam bei den Wittener Tagen für neue Kammermusik das Stück L’Afrique d’après Tiepolo für Klavier und Instrumentalensemble zur Uraufführung, und 2009 wird das Wittener Publikum die Uraufführung von L’Asie d’après Tiepolo erleben können. Die Anregung für dieses Diptychon gab ein Fresko, das der große venezianische Maler zwischen 1750 und 1753 für die neue Residenz des Fürstbischofs in Würzburg schuf. Ebenfalls in Witten wird die deutsche Erstaufführung von Dufourts erstem Streichquartett Dawn Flight stattfinden, das 2008 beim Musica-Festival in Straßburg uraufgeführt wurde und einem ganz anderen Klangbereich angehört. Es handelt sich um eine musikalische „Ekphrasis“ (die Beschreibung eines künstlerischen Werks mit den Mitteln einer anderen Kunstform), denn es ist Dufourt hier gelungen, tief in die bewegte, äußerst expressive Bilderwelt von Stanley Hayter einzudringen. Der Komponist ließ sich dabei von einer Druckgraphik anregen, deren Vorlage heute nicht mehr existiert, und schuf eine musikalische Form, in der die Kontraste zwi-

Erfolgreiche französische Komponisten. Von l. n. r. im Uhrzeigersinn: Michael Jarrell, Jean-Marc Singier, Michaël Lévinas, Hugues Dufourt und Bruno Mantovani (Photos: Jarrell, Singier, Lévinas, Mantovani: C. Daguet/Editions Henry Lemoine; Dufourt: Astrid Karger).

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schen ruhiger Statik und heftiger Bewegung bis zum Äußersten gehen können. Eine andere Art „Klangmalerei“ durchzieht die verschiedenen, Anfang dieses Jahres bei den Editions Henry Lemoine herausgekommenen Werke für Orchester. Mich aël Lé vin as zum Beispiel geht weiterhin seinem Michaël Lévin vinas Interesse für die „Klangfarben-Polyphonie“ nach, bei der sich verschiedene Tempi überlagern, was zu komplexen harmonischen Abläufen und Vermischungen führt (und zu der möglichen Wahrnehmung des Bildes eines verschwimmenden Objekts): So in Evanoui, zu hören am 6. März 2009 in der Maison de Radio France, Paris, mit dem Orchestre Philharmonique de Radio France unter der Leitung von Pascal Rophé. Und Jean-Marc Singier setzt in seiner Komposition Flux auf vergleichbare Weise „Orchesterströme“ übereinander. Das Werk kam am 14. Februar im Arsenal de Metz im Rahmen des Festival Présences zur Aufführung. Wieder einen anderen Weg beschreitet Bruno Manto vani tov ani, indem er dem berühmten Küchenchef Ferran Adrìa und seiner Küche im Restaurant „El Bulli“ ein musikalisches Porträt widmet, wobei ihm als Vorlage die Speisekarte diente. Das Orchestre de Paris bringt Le Livre des illusions am 11. Juni 2009 in der Salle Pleyel in Paris zur Uraufführung. Bereits am 6. März fand die Uraufführung von Mantovanis Concerto pour deux altos statt. Mich ael Jarrell hat eine Vielzahl neuer Werke vorMichael zuweisen, von denen vor allem Le ciel, tout à l’heure si limpide, soudain se couvre horriblement genannt sei. Der Titel dieses Werks, das am 20. April 2009 in Genf vom Orchestre de la Suisse Romande unter der Leitung von Marek Janowski erstmals zum Klingen gebracht wird, ist der lateinischen Poesie entlehnt, analog zu anderen von der Literatur inspirierten Stücken Jarrells wie Chaque jour n’est qu’une trêve entre deux nuits … chaque nuit n’est qu’une trêve entre deux jours (Assonance V für Violoncello und vier Instrumentalensembles), Droben schmettert ein greller Stein (für Kontrabass, Ensemble und Elektronik), …d’ombres lointaines… (für Mezzosopran und großes Orchester) oder Un long fracas somptueux de rapide céleste (für Schlagwerk und Orchester). Jeder dieser Titel ist Ausdruck einer Eingebung, durch die ein Musikstück die Bedeutung einer existenziellen Lektüre erlangt („das Leben ist in der Literatur ist in der Musik“). Jedes dieser Stücke ist eine Nachlese, um auf den Titel eines geplanten Kammermusikzyklus für Violine und Violoncello anzuspielen … Im April wird bei Kairos Jarrels Cassandre (nach Christa Wolff) erscheinen, ein Werk, das inzwischen in sechs Sprachen vorliegt und in der ganzen Welt gespielt wird (im April z. B. in Rom und Zagreb). Unablässig legt die antike Heldin dar, wie unmöglich angesichts der Geschichte Hellsichtigkeit sei: „Du wirst die Wahrheit Benoît Walther sagen, aber keiner wird dir glauben.“ (Übersetzung: Irene Weber-Froboese)


1I2009 Musikalische Heiligenscheine Jonathan Harveys „Passion and Resurrection“ Passion und Auferstehung Im Mai 2009 feiert der britische Komponist Jonathan Harvey seinen siebzigsten Geburtstag. Eines der Hauptereignisse steht in diesem Jahr beim Carinthischen Sommer im österreichischen Ossiach auf dem Programm: Im Juli und August 2009 wird dort Harveys mittelalterlich-benediktinische Kirchenoper Passion and Resurrection aus dem Jahr 1981 gleich sieben Mal aufgeführt. Jonathan Harvey selbst beschreibt sein Werk so:

Ich habe zwei mittelalterliche benediktinische Kirchspiele in lateinischer Sprache verwendet, die aus der Liturgie (in diesem Fall der Eucharistiefeier) Jonathan Harvey hervorgegangen sind. Damit möchte ich die ursprüngliche Praxis des westlichen Theaters wiederbeleben. „Tut dies zu meinem Gedächtnis.“ Das Publikum oder die Gemeinde können die Kirchenlieder „Sing My Soul“ und „The Royal Banners“, auf denen das musikalische Gerüst aufbaut, mitsingen. Dadurch können die liturgischen Züge des Werks gegenüber den opernhaften besonders hervorgehoben werden. Die ersten elf Szenen sind durchweg in ernstem, gesanglichen Stil gehalten. Jeder Charakter wird von einem musikalischen Heiligenschein begleitet, der durch seine Strahlkraft die Heiligkeit des Trägers anzeigt. In-

Pünktlich zum siebzigsten Geburtstag von Jonathan Harvey wird eines seiner großen Werke aufgeführt: Die Kirchenoper „Passion and Resurrection“ ist wie seine mittelalterlichen Vorgänger eine musikalische Form der Gottesverehrung – und schließt auch die Gemeinde mit ein. strumentale Zwischenspiele trennen die Szenen voneinander ab. Vor der zwölften Szene, die von der Auferstehung handelt, bekommt ein Zwischenspiel symphonische Ausmaße, wenn die Kreuzigung dargestellt wird. Die Szene der Auferstehung am Ende stellt ein musikalisches Erblühen des Stils in der vorangegangenen Szene dar, in der die unvermeidliche und schreckliche Abfolge der Ereignisse bis zur Kreuzigung geschildert wurde. Herbe, dunkle, vom Bösen beherrschte Musik hier, blumige, helle, weiblich dominierte Musik dort. Auch die Instrumentation spiegelt diese Teilung wider, (unter anderem) mit Tuba, zwei Posaunen und zwei Kontrabässen auf der einen Seite, und Trompete, sieben SoloViolinen und Bratsche auf der anderen. (Übersetzung: Felix Werthschulte)

Jonathan Harvey Passion und Auferstehung 10., 11., 23., 24. 7./6., 7. und 27.8.2009 Stiftskirche Ossiach (Carinthischer Sommer) Libretto von Michael Wadsworth nach Texten mittelalterlicher Kirchendramen der Benediktiner (Übersetzung von Petra Haiderer und Thomas Daniel Schlee) Günter Haumer (Jesus), Alexander Kaimbacher (Pilatus), Elena Copons (Maria Magdalena), Arnold Schönberg Chor, Camerata Salzburg, Musikalische Leitung: Erwin Ortner, Regie: Paul Flieder

Stätte für Kirchenopern: Die Stiftskirche von Ossiach (Photo: Ferdinand Neumüller / Carinthischer Sommer)

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[t]akte Telemann in Hamburg Zwei geschichtsträchtige Opern in Neueditionen „Sieg der Schönheit“ Telemanns erste in Hamburg komponierte Oper erlebte im Juli 1722 ihre Uraufführung. Das Libretto Christian Heinrich Postels aus dem Jahr 1693 hatte er dafür behutsam an die Erfordernisse seiner modernen Musik angepasst. Die Oper hatte großen Erfolg – bis 1735 wurde sie in Hamburg immer wieder aufgeführt, in Braunschweig kam das Werk von 1725 bis 1732 mehrmals auf die Bühne. Ort der Handlung ist Rom im Jahr 455. Die Sieger im Krieg wollen nun auch in persönlichen Beziehungen triumphieren; die Staatsaktion wird individuell gewendet. Aus unterschiedlichen Lebensvorstellungen und Begriffen entwickeln sich die Konflikte. Gensericus will sich bald mit der scheinbar besiegten Eudoxia Die Vandalen plündern Rom. Gemälde von verbinden, seine Liebe Heinrich Leutemann (1824–1904) und Ehe ablehnender Sohn Honoricus soll sich mit ihrer Tochter Pulcheria, die sich ihm in Männerkleidern nähert, verheiraten. Ihre Schwester Placidia ist ihrem Verlobten Olybrius standhaft treu, doch hält dieser dem Druck des Siegers Helmiges, der sich in sie verliebt hat, anfänglich nicht stand. Jede Figur hat für sie bedrohliche Situationen zu überstehen – jede verändert sich dabei und kommt in

Georg Philipp Telemann Sieg der Schönheit. Singspiel in drei Akten TVWV 21:10. Braunschweiger Bearbeitung – Ariensammlung. Musikalische Werke, Band 42. Hrsg. von Wolfgang Hirschmann Personen: Eudoxia (Sopran), Placidia (Sopran), Pulcheria (Sopran), Melite (Sopran), Olybrius (Bariton), Gensericus (Bass), Honoricus (Mezzosopran), Helmiges (Tenor), Trasimundus (Bass), Turpino (Bariton), Coro (SATB) Orchester: Tromba in D I, II, III, Timpani in D/A, Corno da caccia in Es, F, G I, II, Flauto piccolo I, II, Flauto dolce I, II, Flauto traverso I, II, Chalumeau I, II, Oboe I, II, Oboe d’amore I, II, Fagotti, Violino I, II, Viola, Basso continuo (Violoncelli, Fagotti, Cembalo, Contrabbassi)

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Am Hamburger Gänsemarkt feierte Telemann mit „Der Sieg der Schönheit“ seinen erfolgreichen Einstand, an den er wenig später mit seiner Händel-Adaption „Richardus I.“ anknüpfen konnte. Verwickelte Liebesgeschichten waren damals beliebt, egal ob sie im Alten Rom spielten oder zur Zeit der Kreuzzüge. der Annäherung an den Partner auch sich selbst näher. Turpino, der lustige Diener des Honoricus, kontrastiert kommentierend das Geschehen und das Theoretisieren der Helden. Telemann beschreibt in den formenreichen, angemessen und feinsinnig instrumentierten Arien und Duetten das ganze Spektrum seelischer Zustände.

„Der misslungene Brautwechsel oder Richardus I.“ Die 1729 aufgeführte Oper Der misslungene Brautwechsel oder Richardus I. ist die Hamburger Adaption von Georg Friedrich Händels Melodramma Riccardo I. HWV 23. Auf der Grundlage der Londoner Bearbeitung eines italienischen Librettos schuf Christoph Gottlieb Wend ein den Hamburger Ansprüchen genügendes deutschsprachiges Libretto. Er verbesserte den dramaturgischen Verlauf, akzentuierte einzelne Figuren anders, veränderte die Sicht auf die Handlung und die Handelnden. Und er integrierte eine diskursorientierte komische Nebenhandlung zwischen dem Philosophen Gelasius und der Amme Murmilla. Aufgegriffen wird eine Begebenheit aus der Zeit der Kreuzzüge. Der englische König Richard I. will sich auf Zypern verheiraten. Doch verliebt sich der tyrannische zyprische Herrscher Isacius in sie und stellt Richardus stattdessen seine Tochter Formosa als die versprochene Braut Berengera vor. Formosa jedoch will ihrem Verlobten Orontes treu bleiben – wie auch Berengera Richardus. Nach einigen Verwicklungen wird Isacius überführt und die beiden Paare können zusammenbleiben. Neben Händels großartigen Arien stehen Telemanns deutschsprachige Rezitative, einige neu komponierte Arien sowie die neue Nebenhandlung. Diese Konfrontation erzeugt einen ungemeinen ästhetischen Reiz, dem man sich nicht entziehen kann. Ute Poetzsch Der misslungene Brautwechsel oder Richardus I., König von England Singspiel in drei Akten TVWV 22:8. Musikalische Werke, Band 46. Hrsg. von Steffen Voss Erstaufführung nach der Neuausgabe: 17. Juni 2009, Bachfest Leipzig, Kultur-Gut Ermlitz, Merseburger Hofmusik, Musikal. Leitung: Michael Schönheit, Inszenierung: Andreas Baumann Personen: Richardus (Bariton), Berengera (Sopran), Philippus (Mezzosopran), Isacius (Bass), Formosa (Mezzosopran), Orontes (Mezzosopran), Gelasius (Alt), Murmilla (Mezzosopran) Orchester: Corno da caccia I, II, Flauto piccolo I, II, Flauto dolce I, II, Flauto traverso I, II, Oboe I, II, Fagotto, Violino I, II, Viola, Basso continuo Verlag: Bärenreiter, Aufführungsmaterial leihweise


Mozarts große Opern Packard Humanities Institute Los Altos, Kalifornien, und die Internationale Stiftung Mozarteum Salzburg präsentieren die Handschriften der sieben großen Mozart-Opern

Così fan tutte KV 588

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BÄRENREITER

17.11.2008 11:35:24 Uhr


Ein Projekt des Packard Humanities Institute (PHI, Los Altos, Cal.) in Zusammenarbeit mit der Internationalen Stiftung Mozarteum Salzburg. Herausgeber-Gremium: Ulrich Konrad, David Packard, Wolfgang Rehm, Christoph Wolff Gesamtherausgeber: Dietrich Berke Beteiligte Bibliotheken: Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, Bibliothèque nationale de France Paris, The British Library London, Biblioteka Jagiello´nska Kraków, Stadt- und Universitätsbibliothek Frankfurt am Main, Stanford University Library, The Juilliard School Library und andere Vertrieb: Bärenreiter-Verlag

Die sieben großen Opern im Faksimile nach Mozarts Autographen

Mozarts sieben »große« Opern, der geniale Beitrag zum Musiktheater und kulturelles Welterbe, sind ohnegleichen an menschlicher Tiefe und musikalischem Ausdruck. Durch glückliche Umstände sind alle sieben Opern-Partituren fast vollständig in Mozarts Handschrift erhalten. Das Packard Humanities Institute (PHI, Los Altos, Cal.) hat nun mit der Herstellung einer Faksimile-Edition der sieben Autographe begonnen. Mozart-Forscher, Bibliotheken und natürlich alle Liebhaber von Mozarts Bühnenwerken erhalten so die Möglichkeit, den Schatz der Handschriften in einer mustergültigen Nachbildung zu erwerben. Der Musikwelt wird damit über alle Risiken hinweg zugleich das Erbe Mozarts erhalten. Das gemeinnützige Packard Humanities Institute (PHI), das für seine mit großem Ethos durchgeführten Programme in den Künsten und Geisteswissenschaften bekannt ist, hat für das Mozart-Projekt eine ideale Kooperation geschmiedet. Unter der wissenschaftlichen Leitung eines Herausgebergremiums (Ulrich Konrad, David Packard, Wolfgang Rehm, Christoph Wolff; Gesamtherausgeber Dietrich Berke) arbeiten die Internationale Stiftung Mozarteum Salzburg und die Bibliotheken, in denen Mozarts Handschriften verwahrt werden, mit dem Packard Humanities Institute zusammen. Die Ausstattung der Bände ist exquisit, denn die Digitalisierung der Handschriften geschieht auf modernstem technischem Niveau, das eine überwältigende Echtheit und Detailgenauigkeit zulässt. Der Druck entspricht dem kompromisslos verfolgten höchsten Qualitätsanspruch der Edition.

Idomeneo KV 366 mit Ballett KV 367

Prosp.Mozart PHI deutsch 3-4

Die Entführung aus dem Serail KV 384

Le nozze di Figaro KV 492


Alle sieben Ausgaben enthalten literatur- und geistesgeschichtliche Essays von Hendrik Birus, Hans Joachim Kreutzer und Norbert Miller sowie musikwissenschaftliche Einführungen aus der Feder von ausgewiesenen Mozart-Forschern in englischer und deutscher Sprache. Der Vertrieb der Faksimiles erfolgt in Zusammenarbeit mit dem Bärenreiter-Verlag.

• Idomeneo KV 366 mit Ballett KV 367 • Die Entführung aus dem Serail KV 384 • Le nozze di Figaro KV 492 • Così fan tutte KV 588 • Don Giovanni KV 527 • Die Zauberflöte KV 620 • La clemenza di Tito KV 621

• Zusammenführung der an unterschiedlichen Orten aufbewahrten Handschriften Mozarts • Höchster Grad an präziser Wiedergabe und Farbechtheit durch Einsatz modernster Technik • Einmaliges Angebot dank Projektförderung durch das Packard Humanities Institute (Los Altos, Cal.) Bei der Vorbereitung der Druckvorlagen wurden Geräte zum Einsatz gebracht, die dem gegenwärtigen technischen Höchststand entsprechen. Mozarts Originalhandschriften der sieben Opern befinden sich im Besitz mehrerer Bibliotheken, fünf der sieben Opern werden, infolge von Sicherungsmaßnahmen während des Zweiten Weltkrieges, heute sogar aktweise an unterschiedlichen Orten aufbewahrt. So befindet sich das Autograph zum I. Akt der Oper Così fan tutte in der Jagiellonen-Bibliothek in Krakau und das des II. Aktes in der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz. Zur Erlangung eines gleichen hohen Grades an präziser Wiedergabe und Farbechtheit, sowohl innerhalb eines Werkes als auch für alle sieben Ausgaben, war der Einsatz derselben Technik an den unterschiedlichen Orten Voraussetzung. Hierfür stand der hochspezialisierte Fotograf der Salzburger Firma Kirchberger Photography zur Verfügung, der vom Packard Humanities Institute mit modernstem Equipment ausgestattet und in den USA von dortigen Fachleuten zusätzlich eigens in die moderne Technik eingeführt wurde. Andrucke einer jeden Ausgabe wurden zudem an Ort und Stelle mit dem jeweiligen Original verglichen und so lange verbessert, bis eine nicht mehr überbietbare Übereinstimmung mit dem jeweiligen Original in allen seinen Schattierungen erreicht war. Mozarts Noten- und Textschrift wird gestochen scharf wiedergeben, und auch solche Stellen, an denen Mozart korrigiert oder schon geschriebene Zeichen wieder ausgewischt hatte, erscheinen in diesen Ausgaben in einer bisher unerreichten Transparenz.

Don Giovanni KV 527

Die Zauberflöte KV 620

La clemenza di Tito KV 621

17.11.2008 11:36:05 Uhr


Mozarts große Opern Packard Humanities Institute (PHI) Los Altos, Cal. und die Internationale Stiftung Mozarteum Salzburg präsentieren die Handschriften der sieben großen Mozart-Opern Der Editionsplan Bereits erschienen sind:

In Vorbereitung:

Idomeneo KV 366 mit Ballett KV 367

Don Giovanni KV 527 Einführungstexte: Hans Joachim Kreutzer und Wolfgang Rehm 2 Notenbände + Textband ISBN 978-3-7618-1883-1 Erscheint 2009

Die Entführung aus dem Serail KV 384 Einführungstexte: Hendrik Birus und Ulrich Konrad 1 Notenband + Textband ISBN 978-3-7618-1881-7

Le nozze di Figaro KV 492 Einführungstexte: Norbert Miller und Dexter Edge 2 Notenbände + Textband ISBN 978-3-7618-1882-4

Così fan tutte KV 588 Einführungstexte: Norbert Miller und John A. Rice 2 Notenbände + Textband ISBN 978-3-7618-1884-8

Kent Nagano

Die Zauberflöte KV 620 Einführungstexte: Hans Joachim Kreutzer und Christoph Wolff 2 Notenbände + Textband ISBN 978-3-7618-1885-5 Erscheint 2009 La clemenza di Tito KV 621 Einführungstexte: Hans Joachim Kreutzer und Sergio Durante 1 Notenband + Textband ISBN 978-3-7618-1886-2 Erscheint 2009 Format: 34 x 26 cm; Halbleder mit Goldprägung; E 248,– / CHF 446.00 pro Opern-Set

»Mozarts Partituren in seiner Handschrift zu lesen und zu studieren, wie ich es im Falle meiner Beschäftigung mit Idomeneo getan habe, erlebe ich als ein wahres Privileg. Einzigartig sind die souveräne Klarheit und der Duktus in Mozarts Handschrift. Ein harmonisches Ordnungsdenken erscheint da verschränkt mit einer inneren Lebendigkeit und Dynamik, die unwillkürlich seine Musik ins Bewusstsein ruft. In der visuellen Imagination die Musik zu erspüren und sich im wahrsten Sinne des Wortes begreifbar zu machen, das empfinde ich als ein wunderbares Erlebnis. Ermöglicht wird das durch eine so erstaunlich gute Faksimile-Edition wie die des Idomeneo. Darin steckt aber nicht nur ein hoher Erlebniswert, sondern insbesondere auch ein großer Erkenntnisgewinn. Darüber kann man nur dankbar und glücklich sein.«

Bärenreiter-Verlag · 34111 Kassel · www.baerenreiter.com · info@baerenreiter.com

Prosp.Mozart PHI deutsch 1-2

Preisänderung, Irrtum und Lieferungsmöglichkeiten bleiben vorbehalten. Printed in Germany · 1/0811/16 · SPA 179

Einführungstexte: Hans Joachim Kreutzer und Bruce Alan Brown 2 Notenbände + Textband ISBN 978-3-7618-1880-0


1I2009 Romantische Emotionen Mendelssohns Bearbeitung von Bachs MatthäusPassion

Felix Mendelssohn Bartholdy hat die Matthäus-Passion von Johann Sebastian Bach 1829 und 1841 aufgeführt: Am 11. März 1829 erklang die Passion nach 100 Jahren zum ersten Mal wieder. Mit dieser Aufführung wurde Bach als Komponist wiederentdeckt und eine Renaissance seiner Werke eingeläutet. Im Rahmen der „Historischen Konzerte“ fand am 4. April 1841, dem Palmsonntag, die Wiederaufführung der Passion in der Leipziger Thomaskirche, dem Uraufführungsort, statt. Die Umstände der Berliner Wiederaufführung sind außerordentlich gut dokumentiert. Felix Mendelssohn soll eine Abschrift der Partitur der Matthäus-Passion zu Weihnachten 1823 oder zu seinem Geburtstag am 3. Februar 1824 von seiner Großmutter geschenkt bekommen haben. Die Proben begannen am 2. Februar 1829 in der Singakademie. Vom 6. März an wurde mit Orchester geprobt. Der Chor bestand aus 158 Sängerinnen und Sängern. Mendelssohn dirigierte die Aufführung mit einem Taktstock vom Flügel aus. Der Aufführung wohnten der König mit seinem Hofstaat, die führenden Geistesgrößen der Zeit wie Schleiermacher, Heine, Hegel, Spontini, Zelter sowie die Berliner Gesellschaft bei. Am 21. März 1829, dem Geburtstag Bachs, fand eine zweite Aufführung statt. Das Werk erklang am Karfreitag, dem 17. April 1829, unter Zelters Leitung ein drittes Mal. Das Notenmaterial, das zu beiden Aufführungen herangezogen wurde, ist ebenso gut dokumentiert, es wird in der Bodleian Library in Oxford aufbewahrt. Neben der bereits erwähnten Partiturkopie sind sämtliche Instrumentalstimmen für die Aufführungen von 1829 und 1841 sowie ein Satz Chorstimmen beider Chöre erhalten. Für die erste Aufführung machte Mendelssohn mit Bleistift Eintragungen in die Partitur, mit rotem Farbstift und Bleistift sowie durch unterschiedliche Schriftcharakteristika heben sich die wenigen Änderungen für die zweite Aufführung ab. Felix Mendelssohn kürzte die Matthäus-Passion für die Berliner Aufführung um zehn Arien, vier Accompagnato-Rezitative und sechs Choräle. Für die Aufführung von 1841 hat Mendelssohn dann fünf Sätze wieder aufgenommen. Seine Grundidee bei der Bearbeitung war es, einerseits eine inhaltlich-dramatische Konzentration auf den biblischen Text herzustellen und anderseits Emotionen im Sinne des romantischen Zeitalters zu betonen und dafür die Teile zu streichen, die der barocken Affektenlehre geschuldet sind und nach 100 Jahren kaum noch nachvollzogen werden konnten. Die Secco-Rezitative, die Mendelssohn 1829 selbst am Flügel begleitet hatte, ließ er 1841 von zwei Violoncelli in Doppelgriffen und einem Kontrabass ausführen. Gerade die Rezitative, die die Handlung inhaltlich vorantreiben, hat Mendelssohn in besonderem Maße bearbeitet. Da die ihm vorliegende Partiturkopie der Passion

Bei Bärenreiter erscheint Mendelssohns musikgeschichtlich interessante Version der „MatthäusPassion“. Seine Kürzungen und Bearbeitungen stellen eine anregende Alternative für die heutige Konzertpraxis dar.

keine Bezifferung enthielt, trug er mit eigener Hand die von ihm gewünschte Harmonisierung der Rezitative ein, die an vielen Stellen von der Bachs grundlegend abweicht. Dieser inhaltlichen Konzentration dienen auch die gelegentlichen Fermaten über einzelnen Tönen, Tempoangaben, Vorschriften zu Dynamik und Artikulation und Akzente, mit denen vor allem die Christusworte versehen sind. Mendelssohns Bearbeitung ist also daraufhin ausgelegt, „Schlüsselstellen“ herauszuarbeiten, die menschliche Emotionen in gesteigerter Form zum Ausdruck bringen. Durch Mendelssohn zu Bach: das In diesem Kontext sind auch die Westportal der Leipziger Thomaskirche, Tempoangaben Mendelssohns bei das seit diesem Jahr „Mendelssohnden Turba-Chören zu verstehen. Portal“ genannt wird Ziel war es, die dramatische Handlung pointiert mit Menschen aus „Fleisch und Blut“ darzustellen. Der Eingangschor und der Schlusschor des ersten Teils, „O Mensch, bewein dein Sünde groß“, sind sehr sorgfältig in romantischer Weise ausgezeichnet. Bachs Orchesterbesetzung wird in einigen Sätzen geändert. Auffällig ist die Verwendung von Klarinetten, durch die die tiefen Oboen (Oboe d’amore und Oboe da caccia) ersetzt wurden. Der Orgel weist Mendelssohn keine tragende Funktion mehr zu, da die Secco-Rezitative entweder von ihm selbst am Flügel oder von Celli und Kontrabass begleitet wurden. Die Orgel tritt bei den Chorälen und in ausgewählten Stellen einiger Arien und Chöre als zusätzliche Klangfarbe hinzu. Die nun bei Bärenreiter vorliegende Ausgabe enthält – die Partitur, in der die Versionen 1829 und 1841 wiedergegeben sind; Kritischer Bericht, Lesartenverzeichnis und Konkordanz ermöglichen die Aufführung beider Versionen – den Klavierauszug für Solisten und Choristen – das komplette Stimmenmaterial Mit Mendelssohns Bearbeitung steht nun auch eine Alternative für eine Aufführung von etwas mehr als zwei Stunden zur Verfügung, die für die heutige Zeit sehr Klaus Winkler interessant sein könnte.

Johann Sebastian Bach Matthäus-Passion in der Bearbeitung von Felix Mendelssohn Bartholdy Bärenreiter-Verlag, Partitur, Klavierauszug und Stimmen leihweise

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[t]akte Happy End für Floridante? Händels wirkungsvolle Oper steht vor einer Rückkehr auf die Bühnen Opern der Aufklärung enden glücklich: In ihren Schlusstableaus mit vereinigten Liebespaaren und einem bekehrten Bösewicht (auf dessen Bassstimme man im Schlusschor auch ungern verzichtet hätte) spiegelt sich die „bestmögliche aller Welten“. Händels Oper Floridante aber beginnt bereits mit einem Happy End: Persien hat Thyros besiegt. Der Kommandeur der persischen Flotte, der thrakische Fürst Floridante, darf nun die versprochene Siegesprämie, Elmira, die Tochter des Königs Oronte, in seine Arme schließen. Sogar Timante, der besiegte und gefangene Kronprinz von Thyros, ist glücklich: Vor Ausbruch des Krieges war er Rossane, der Schwester Elmiras verlobt worden. Nun kann er ihr wenigstens inkognito nahe sein. Da trifft ein Schreiben des Königs alle Beteiligten und den Zuschauer wie ein Schlag: Er entzieht Floridante den Oberbefehl und verweist ihn des Landes. Keiner versteht Orontes Motive, bis er selbst der Tochter seinen Plan enthüllt: Er will sie heiraten. Für wenige Rezitativtakte glauben wir an Inzest. Aber Orontes Pläne sind politischer Natur: Vor Jahren hatte er die Herrschaft über Persien an sich gerissen. Von der Königsfamilie war nur ein Kleinkind am Leben geblieben: Unter dem Namen Elmira hatte er das Mädchen als seine Tochter ausgegeben. Nun möchte er durch die Heirat seine Herrschaft nachträglich legitimieren und die Anhänger der alten Dynastie für sich gewinnen. Doch statt des erwarteten Danks für ihre Rettung stößt er bei Elmira nur auf Hass und Abscheu. Machiavellischer Staatsopportunismus trifft auf einen Wertekodex, in dem Liebe, Treue und Ehre absolute Geltung besitzen. Damit ist der Konflikt umrissen, in dessen Verlauf Fluchtpläne, Zweikämpfe, ein Giftbecher, eine Gefängnisszene und eine Revolution draußen vor der Türe ihre aus der Barockoper wohlbekannte Rolle spielen. Auch für Händel hatte 1720 die dreijährige opernlose Zeit in London ein Happy End: Unterstützt von König Georg I., der schon als hannoverscher Kurfürst sein Arbeitgeber gewesen war, stand er an der Spitze der neu gegründeten Royal Academy of Music, für die er in Italien und Deutschland ein erstklassiges, nahezu rein italienisches Ensemble zusammengestellt hatte. Doch schon bald gab es Spannungen: Im Direktorium der Oper gewannen konservative Adelskreise die Oberhand, die dem „deutschen“ König reserviert gegenüberstanden und mit dem im Exil lebenden katholischen Thronprätendenten sympathisierten. Als Hauskomponist bekam Händel in Giovanni Bononcini einen Konkurrenten, der es verstand, das Publikum mit leichteren, liedhaften und tänzerischen Arien zu gewinnen, und in Paolo Rolli, dem italienischen Sekretär der Oper, einen eitlen, intriganten und wenig bühnenerfahrenen Librettisten: eine Situation mit Konfliktpotenzial. Von Konflikten ist nichts nach außen gedrungen. Sie begannen aber spätestens, als während der Komposition des Floridante Händels Favoritin für die Rolle der

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Händels zweite Oper für die Royal Academy of Music birgt den Konflikt zwischen staatlicher Willkür und persönlicher Ehre. In Halle nähert man sich auf der Basis des Bandes der Hallischen Händel-Ausgabe nun wieder ihrer anfänglichen Konzeption. Elmira, Margherita Durastanti, nach dem Sommerurlaub wegen Krankheit nicht nach London zurückkehrte und die Direktoren durchsetzten, dass die Geliebte des Earl of Peterborough und Schülerin Bononcinis, Anastasia Robinson, zur Prima Donna avancierte. Wenn Rollen neu besetzt wurden, war es normal, dass neue Arien komponiert wurden, die auf die Fähigkeiten und Vorlieben der Sänger zugeschnitten waren. Händel aber ließ sich auf so etwas nur dann ein, wenn es seinem Rollenkonzept nicht zuwiderlief. Im Fall der Elmira, der wichtigsten Rolle der Oper, war er nicht zu Kompromissen bereit. Aber die Robinson hatte eine tiefere Stimme und einen geringeren Stimmumfang. Er musste die bereits komponierten Arien nicht nur transponieren, sondern auch in ihrem Ambitus beschneiden, eine Prozedur, die nicht ohne Einbuße an Qualität möglich war. Händel gewann in der nächsten Spielzeit wieder an Gunst und Einfluss, wobei ihm die politische Entwicklung half: Aus unterschiedlichen Gründen, nicht zuletzt wegen ihrer Nähe zu den Anstiftern eines jakobitischen Komplotts, fielen Bononcini und Rolli in Ungnade. Zusammen mit seinem bewährten Textbearbeiter Nicola Haym konnte Händel jetzt seine großen Meisteropern Giulio Cesare, Tamerlano und Rodelinda schaffen. Auch Floridante zeigt Züge dieser Meisterschaft, litt aber zu Händels Lebzeiten und leidet bis heute unter den Auswirkungen ihrer ungünstigen Entstehungsbedingungen. Wer diese Oper aufführen will, kommt nicht umhin, sich mit Händels ursprünglicher Konzeption zu beschäftigen. Seit dem Erscheinen der Oper in der Hallischen Händel-Ausgabe sind dafür die Voraussetzungen gegeben. Der Erfolg von Alan Curtis’ Einspielung, einem Versuch, Händels Ideal nahezukommen, hat gezeigt, dass sich Floridante unter Händels Opern behaupten kann. Während der Hallischen Händel-Festspiele im Juni 2009 wird die Oper zum ersten Mal nach der neuen Ausgabe auf die Bühne gebracht werden. Hans Dieter Clausen

Georg Friedrich Händel Floridante. Opera in tre atti HWV 14 Hrsg. von Hans Dieter Clausen. Hallische HändelAusgabe Band II/11 Premiere: 5.6.2009 Halle (Händel-Festspiele), Festspielorchester Halle, Musikal. Leitung: Christopher Moulds, Inszenierung: Vincent Boussard Personen: Floridante (Mezzosopran), Timante (Sopran), Oronte (Bass), Coralbo (Bass), Elmira (Alt), Rossane (Sopran) Orchester: 2 Oboen, 2 Fagotte – 2 Hörner, 2 Trompeten – Streicher – Basso continuo (im Anhang: 2 Flauti dolci) Verlag: Bärenreiter, Aufführungsmaterial leihweise


1I2009 Glorie und Jammer der Selbstaufopferung Händels „Theodora“ ist neu zu entdecken Im Rahmen der Hallischen Händel-Ausgabe erschien das Oratorium Theodora, HWV 58, herausgegeben von Colin Timms. Thomas Morell (1703–1784) verfasste das Libretto, das auf Robert Boyles’ kurzem Roman Love and Religion demonstrated in the Martyrdom of Theodora and Didymus von 1687 beruht. Die Geschichte handelt von einer jungen Christin im Antiochien des frühen vierten Jahrhunderts, das damals unter römischer Herrschaft stand. Theodora lehnt es ab, sich an den heiligen Riten zur Verehrung von Jupiter zu beteiligen. Zur Strafe wird sie zur Vergewaltigung freigegeben. Sie ist bereit, für ihren Glauben zu sterben. Zum Erstaunen der Römer geht sie zusammen mit Didymus, einem römischen Offizier, den sie bekehrt hat, in den Märtyrertod. Der Komponist ließ den Schluss offen, um eher die Glorie und den Jammer der Selbstaufopferung hervorzuheben als die Möglichkeit der Erlösung.

Blick auf Covent Garden

Händel komponierte sein vorletztes Oratorium im Sommer 1749 und führte es am 16. März 1750 im Covent Garden Theatre zum ersten Mal auf. Nur drei weitere Vorstellungen gab es zu Händels Lebzeiten. Obwohl sich die Tickets schlecht verkauft hatten, schätzte Händel Theodora ganz besonders, und offenbar sah er den Chor „He saw the lovely youth“ als ein Meisterstück an. Der Misserfolg wurde verschiedenen Faktoren zugeschrieben, u. a. dem Erdbeben in London im Frühjahr 1750 und dem Umstand, dass es sich bei dem Libretto nicht um eine biblische Geschichte handelt. Morell überliefert in einem Brief, den er zwischen 1776 und 1781 an den Drucker und Antiquar John Nichols geschrieben hatte, Händels Reaktion auf die schwach besuchte zweite Vorstellung. Der Librettist hatte gerade mitgeteilt: „… ich habe gerade Sir T. Hankey gesehen, und er wünschte, dass ich Euch versichere, er würde alle Logen mieten, wenn Ihr es noch einmal spielt.“ Händel soll geantwortet haben: „Er ist ein Narr; die Juden werden nicht kommen (wie sie auch nicht zu Judas kommen würden), denn es ist eine christliche Geschichte; und die Damen werden nicht kommen, weil es eine tu-

Ein Erfolg war Händels vorletztes Oratorium nicht. Ganze fünf Vorstellungen wurden anberaumt. Zu ungewohnt war offensichtlich der Inhalt für die Londoner. Nun erscheint „Theodora“ in der Gesamtausgabe mit Klavierauszug und Aufführungsmaterial. gendhafte ist.“ Der schwache Anklang beim Publikum schmerzte Händel durchaus. Die Vorstellungen waren so schlecht besucht, dass er sich freute, wenn einige Musiker, die nicht spielten, Freikarten annahmen. Morell zufolge hatten zwei dieser Herren das Angebot abgelehnt, sich aber um ein Ticket für Messiah beworben. Händel soll sie daraufhin angeschrieen haben: „Oh, zu Diensten meine Herren! Ihr seid verdammt wählerisch! Ihr wolltet nicht zu Theodora kommen – es war genug Platz da, um zu tanzen, als es aufgeführt wurde.“ Seit dem Ende des achtzehnten Jahrhunderts wurden eine Partitur und vier Klavierauszüge herausgegeben. Die Ausgabe von Friedrich Chrysander für die Deutsche Händelgesellschaft ist nicht vollständig, der Klavierauszug von 1971 von Günther Weissenborn im Auftrag der Göttinger Händelgesellschaft eine Revision der Fassung von Chrysander. Im Klavierauszug von Watkins Shaw für die Novello Handel Edition (1984) wurden die Stücke vollständig abgedruckt. Mit dem Band der HHA erscheint erstmals eine komplette kritische Partiturausgabe. Anhand der Quellen ließen sich drei aufführbare Fassungen rekonstruieren: Der Hauptteil enthält die Fassung der Uraufführung, und in zwei Anhängen werden sowohl die Änderungen für die Aufführungen von 1750–55 und zusätzliche Änderungen für die Fassung von 1759 wiedergegeben. Hinzu kommen ein umfassendes Vorwort, eine neue deutsche Übersetzung des gesungenen Textes, zahlreiche Faksimiles und ein detaillierAnnette Landgraf ter Kritischer Bericht.

Georg Friedrich Händel Theodora. Oratorium in drei Teilen Hrsg. von Colin Timms. Hallische Händel-Ausgabe I/29 Aufführung: 25.7.2009 Salzburg (Festspiele, Premiere), Salzburger Bachchor, Freiburger Barockorchester, Musikal. Leitung: Ivor Bolton, Inszenierung: Christof Loy Besetzung: Valens, Statthalter von Antiochia (Bass), Didymus, römischer Offizier (Alt), Septimius, römischer Offizier, sein Freund (Tenor), Theodora, Christin von edler Abstammung (Sopran), Irene, Christin (Mezzosopran), Bote (Tenor), Chor der Christen, Chor der Heiden Orchester: Flauto traverso I, II; Oboe I, II; Fagotto I, II; Corno I, II; Tromba I, II; Timpani; Violino I, II; Viola; Bassi (Violoncello, Contrabbasso, Fagotto, Cembalo, Organo) Verlag: Bärenreiter, Aufführungsmaterial leihweise, Klavierauszug käuflich

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Die unverzichtbaren Standardwerke für jede Musikbibliothek In neuer Ausstattung erhältlich: Acis and Galatea HWV 49a (engl. /dt.) J. Gay, A. Pope, J. Hughes / M. Pacholke URTEXT. Ed. W. Windszus Klavierauszug von M. Pacholke BA 4039a € 21,50 / CHF 43.–

Oreste HWV A11 (ital./dt.) G. G. Barlocci / B. Bartz, W. Hintze URTEXT. Ed. B. Baselt Klavierauszug von H.-G. Kluge BA 4045a € 39,95 / CHF 79.90

Alcina HWV 34 (ital./dt.) A. Fanzaglia / P. Brenner URTEXT. Ed. S. Flesch Klavierauszug von M. Töpel, O. Kroupová BA 4061a € 36,50 / CHF 73.–

Orlando HWV 31 (ital. /dt.) C. S. Capece / P. Brenner URTEXT. Ed. S. Flesch Klavierauszug von M. Pacholke BA 4027a € 23,50 / CHF 47.–

Amadigi HWV 11 (ital. /dt.) G. Rossi / M. Pacholke URTEXT. Ed. J. Merrill Klavierauszug von A. Köhs BA 4031a € 26,50 / CHF 53.– Ariodante HWV 33 (ital. /dt.) A. Salvi / R. Strohm URTEXT. Ed. D. Burrows Klavierauszug von A. Köhs BA 4079a € 39,95 / CHF 79.90

Radamisto HWV 12b (ital./dt.) N. F. Haym / M. Pacholke URTEXT. Ed. T. Best Klavierauszug von M. Pacholke BA 4066a € 37,95 / CHF 75.90 Riccardo primo, Re d‘Inghilterra HWV 23 (ital./dt.) P. A. Rolli, F. Briani / M. Pacholke URTEXT. Ed. T. Best Klavierauszug von A. Köhs BA 4081a € 23,95 / CHF 47.90

Deidamia HWV 42 (ital. /dt.) P. A. Rolli / M. Pacholke URTEXT. Ed. T. Best Klavierauszug von M. Pacholke BA 4070a € 34,95 / CHF 69.90

Rinaldo (1711) HWV 7a (ital. /dt.) G. Rossi / P. Brenner URTEXT. Ed. D. R. Kimbell Klavierauszug von M. Rot BA 4033a € 42,50 / CHF 85.–

Ezio HWV 29 NEU (ital. /dt.) P. Metastasio / R. Strohm URTEXT. Ed. M. Pacholke Klavierauszug von A. Köhs BA 4086a € 34,95 / CHF 69.90

Rodelinda, Regina de' Longobardi HWV 19 (ital./dt.) N. F. Haym / R. Strohm URTEXT. Ed. A. Jones Klavierauszug von M. Rot BA 4064a € 32,95 / CHF 65.90

Flavio, Re de' Longobardi HWV 16 (ital./dt.) N. F. Haym / P. Brenner URTEXT. Ed. M. Knapp Klavierauszug von H. Fuchs BA 4046a € 42,50 / CHF 85.–

Rodrigo (Vincer se stesso è la maggior vittoria) HWV 5 (ital./dt.) F. Silvani / P. Brenner URTEXT. Ed. R. Heyink Klavierauszug vonA. Köhs BA 4083a € 39,95 / CHF 79.90

Giulio Cesare in Egitto HWV 17 (ital./dt.) N. F. Haym / E. Schmidt URTEXT. Ed. F. Zschoch Klavierauszug von K.-H. Müller BA 4078a € 49,95 / CHF 99.90

Serse/Xerxes HWV 40 (ital./dt.) N. Minato, S. Stampiglia / E. Schmidt URTEXT. Ed. T. Best Klavierauszug von A. Köhs BA 4076a € 28,95 / CHF 57.90

Imeneo HWV 41 (ital. /dt.) S. Stampiglia / M. Pacholke URTEXT. Ed. D. Burrows Klavierauszug von M. Pacholke BA 4072a € 28,50 / CHF 57.–

Tamerlano HWV 18 (ital./dt.) N. F. Haym / P. Brenner URTEXT. Ed. T. Best Klavierauszug von M. Rot BA 4052a € 37,95 / CHF 75.90

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1I2009 Wundersame Mischungen In Haydns Oper „La fedeltà premiata“ verbinden sich ernste und komische Züge auf ideale Weise Zu Joseph Haydns herausragenden Charaktereigenschaften gehörte seine außerordentliche Bescheidenheit. Wenn er über La fedeltà premiata schreibt, „dass dergleichen Arbeit in Paris noch nicht gehört worden ist und vielleicht ebensowenig in Wien“, so zeigt dies, dass er sich sehr wohl bewusst war, mit dieser Oper ein Meisterwerk geschaffen zu haben. La fedeltà premiata wurde am 25. Februar 1781 zur Einweihung des neu erbauten Theaters in Esterháza uraufgeführt und sollte dort zu einer der meistgespielten Opern werden. Aber bald fiel sie in einen Dornröschenschlaf. Nun wird zum ersten Mal das gesamte Aufführungsmaterial nach der Partitur der kritischen Gesamtausgabe vorgelegt. Damit ist die Voraussetzung geschaffen, dass dieses Meisterwerk in der Originalgestalt wiederbelebt werden kann. Schon die mitreißende Ouvertüre strahlt Kraft und Schönheit aus. Haydn hat sie unter dem Namen „La chasse“ als 4. Satz in seine Sinfonie Nr. 73 übernommen, und die Jagd ist auch der mythologische Rahmen, der die Oper umklammert. Die Handlung spielt im Tempelbereich der Jagdgöttin Diana, die am Ende die treue Liebe belohnt und die bösen Machenschaften bestraft. In gewissem Sinne sind alle Figuren Jäger und Gejagte, jagen in einem bunten Verwirrspiel nach Liebe und Glück. In dieser Oper mischen sich auf wunderbarste Weise ernste und komische Elemente. Nur das Liebespaar, Celia und Fileno, kann eindeutig der Opera seria zugeordnet werden, wobei Haydn aber auch bei diesen Figuren die Formen dieser Gattung sprengt. Der einfältige Lindoro entspricht am ehesten dem Buffo-Typ. Aber schon Nerina, die mit ihrer Lebhaftigkeit und ihrer spitzen Zunge die munterste Erscheinung ist, wurde von Haydn mit lyrischer Sensibilität bedacht. Für die leidenschaftliche, launische Amaranta, die durchaus auch komische Züge trägt, schrieb er tief empfundene Musik voll Schmerz und Enttäuschung. Der intrigante Priester des Dianatempels, Melibeo, könnte mit seiner drastischen Ausdrucksweise buffonesk erscheinen, wäre nicht auch seine Verschlagenheit und Gefährlichkeit Klang geworden. Umwerfend komisch sind die Situationen, in die Graf Perruchetto gerät, und sicher ist er es, der für die größte Heiterkeit sorgt. Aber er ist durchaus kein Spaßmacher. Alles, was er äußert, ist ernst gemeint und lebhaft empfunden, und mit seiner phantasievollen und manchmal poetischen Ausdrucksweise und dank der immer szenisch gedachten Musik, mit der Haydn ihn beschenkt, wird er zu einer Figur, die in der Opernliteratur ihresgleichen sucht. Haydn findet für jede der 19 Arien eine andere, sowohl aus den Charakteren als auch aus den Situationen entwickelte Form, die so frei ist wie seine Phantasie. Hier ist eine wesentliche Aufwertung des Orchesters erreicht: es erhält über die Gesangsbegleitung hinaus eine kommentierende Funktion und wird mit einer ausgefeilten

Der Intrigant kommt buffonesk daher und der Graf gibt sich als Spaßmacher, meint es aber durchaus ernst. Und unter allem turbulenten Geschehen liegt eine tief empfundene Musik. Es gilt, ein Meisterwerk wiederzuentdecken.

„La fedeltà premiata“ in Zürich: Eva Mei als Amaranta und Carlos Chausson als Melibeo (Foto: Suzanne Schwierz)

Instrumentationskunst zum selbstständigen Partner der Gesangsstimmen. Manche Teile von La fedeltà premiata existieren in verschiedenen Fassungen, die von Haydn selbst stammen. Es ist ein großes Verdienst dieser Edition, dass auch die Neufassungen und Varianten in das Material aufgenommen wurden. Ein weiterer Vorzug besteht darin, dass der Klavierauszug eine deutsche Übersetzung aufweist, die sich genau am Original orientiert und Sinn und Bedeutung unter Beibehaltung des Reimes in einer adäquaten Sprachqualität wiedergibt, was die Voraussetzung dafür ist, dass der wunderbare, originelle Text von Giambattista Lorenzi vor einem deutschsprachigen Publikum seine volle, unmittelbare Wirkung entfaltet. Peter Brenner

Joseph Haydn La fedeltà premiata. Dramma pastorale giocoso (1780). Nach einem Libretto von Giambattista Lorenzi Hrsg. von Günter Thomas.Joseph Haydn Werke, Band XXV/10 (G. Henle Verlag) Premiere: 1.3.2009: Opernhaus Zürich, Musikal. Leitung: Adam Fischer, Inszenierung: Jens-Daniel Herzog Premiere: 2.3.2009: London, Royal Academy Opera, Royal Academy of Music Sinfonia, Leitung: Trevor Pinnock, Inszenierung: Alessandro Talevi Personen: Fillide (Sopran), Fileno (Tenor), Amaranta (Sopran), Conte Perrucchetto (Basso), Nerina (Sopran), Lindoro (Tenor), Melibeo (Bass), Diana (Sopran), Coro di ninfe e pastori, cacciatori e cacciatrici, seguaci di Diana. Ballo di pastori e pastorelle Orchester: Flauto I, Oboe I, II, Fagotto, Corno I, II, Tromba I, II, Timpani, Violino I, II, Viola, Bassi (Vc. e B.), Basso continuo Verlag: Bärenreiter, Aufführungsmaterial leihweise, Klavierauszug käuflich

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[t]akte Sieg der Vernunft Louis Spohrs Oper „Jessonda“ war eine wichtige Station auf dem Weg zur deutschen Nationaloper In einem Artikel der Allgemeinen Musikalischen Zeitung konnte man 1825 lesen: „Nächst Weber ist es Ludwig Spohr […] gelungen, Aufmerksamkeit und Beyfall im hohen Grade zu erlangen; ja durch seine Oper Jessonda hat er sogar im nördlichen Deutschland mit dem Componisten des Freyschützen glücklich um die Palme gerungen.“ Im Gegensatz zu Webers Oper wird Jessonda heute nur noch selten aufgeführt. Doch zu Beginn des 19. Jahrhunderts war das ganz anders. Louis Spohr hatte schon mit seinem 1813 in Wien komponierten Faust einen wichtigen Beitrag zur deutschen romantischen Oper geleistet. Mit seiner 1822 vollendeten Jessonda plante er dann erklärtermaßen, die Entwicklung voranzutreiben. Auf formaler Ebene erzielte er große Fortschritte, indem er den gesprochenen Dialog in Rezitative verwandelte und bemüht war, die einzelnen Nummern der Oper musikalisch miteinander zu verbinden und zu größeren Szenenkomplexen zu gruppieren. Nach der napoleonischen Besatzung Deutschlands und dem erwachenden Nationalgefühl suchte man nach „deutschen Meisterwerken“ auch auf der Opernbühne. Man fand sie vor allem in den Werken Spohrs, Webers und Marschners. Allerdings eigneten sich Spohrs Opern kaum als Folie für einen tumben Nationalismus und so gerieten sie nach 1871 immer stärker in Vergessenheit. Die Nazis bereiteten mit ihrer Unterdrückung der Jessonda der Rezeptionsgeschichte spohrscher Opern ein vorläufiges Ende. Gerade wegen ihrer dramaturgischen Intelligenz und ideologiekritischen Grundhaltung hätten sie aber eine Wiederentdeckung mehr als verdient. Jessonda präsentiert vordergründig zunächst eine klassische Liebesgeschichte, die sich vor der Kulisse Goas im sechzehnten Jahrhundert abspielt. Gemäß einer indischen Tradition soll Jessonda als Witwe eines verstorbenen Rajahs mit der Leiche ihres Gemahls verbrannt werden. Zunächst fügt sie sich in das Geschick, dass ihr von dem jungen Brahminen Nadori verkündet wird. Unterdessen ist jedoch der portugiesische General Tristan d’Acunha mit einem Heer an der Küste gelandet und

Kostümentwürfe zu „Jessonda“. Aquarelle aus dem Jahr 1856

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Von Zeitgenossen bejubelt, von der Nachwelt kaum beachtet – vergleichbare Schicksale teilen die Oper „Jessonda“ und ihr Schöpfer Louis Spohr. Dabei lohnt es sich, beide neu zu entdecken: Immerhin bietet die Oper eine auch musikalisch beispielhaft schöne Geschichte um Toleranz und Völkerverständigung. nähert sich der Stadt. In dem Glauben, es handele sich um eine harmlose religiöse Zeremonie, schließt er mit dem indischen Oberpriester Dandau einen Waffenstillstand für die Dauer des Opfers. Zu spät versteht er den wahren Charakter der Zeremonie und muss auch noch erkennen, dass das Opfer seine verloren geglaubte Jugendliebe Jessonda ist. Rettung aus dem Dilemma bringt Nadori, der von einem geplanten Bruch des Waffenstillstandes durch Dandau berichtet und so Tristan von seinem gegebenen Ehrenwort befreit. Nadori verkörpert dabei gewissermaßen Kants Definition der Aufklärung, denn er vollzieht den „Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit“ im Laufe der Oper exemplarisch nach. Schon in seinem Duett mit Dandau am Beginn des ersten Aktes deutet sich das auch musikalisch an. Überhaupt ist die Musik dieser Oper nicht nur ausgesprochen schön, sondern auch höchst intelligent. So werden z. B. Inder und Portugiesen zwar in ihren jeweiligen Szenen musikalisch geschickt charakterisiert, als sie sich aber mit gezogenen Schwertern gegenüber stehen, verfallen sie in einen Kanon. Im Geklirr der Waffen verstummen die kulturellen Unterschiede. Der Sieg des Guten in dieser Oper verdankt sich so einer konsequent aufgeklärten Haltung auf beiden Seiten. Eine Dramaturgie also, von der wir auch heute noch viel lernen können. Wolfram Boder

Louis Spohr Jessonda Staatstheater Kassel, 25.10., 1. und 7.11.2009 (konz.), Staatsorchester Kassel, Leitung: Patrik Ringborg Besetzung: Jessonda (Sopran), Amazili (Sopran), Dandau (Bass), Nadori (Tenor), Tristan (Bariton) und Lopes (Tenor), Indischer Offizier (Tenor), 2 Bajaderen (S), Chor (SATB) Orchester: 2 (Picc),2,2,2 – 4,4,3,0 – Pk – Str Verlag: Bärenreiter, Aufführungsmatertial leihweise


1I2009 Zurück zur Handschrift Giuseppe Verdis „Falstaff“ in einer wissenschaftlich-kritischen Neuausgabe der Urfassung Verdis Falstaff nimmt in vielerlei Hinsicht eine Sonderstellung in der Geschichte der Oper ein. Als letztes Werk eines der bedeutendsten Opernkomponisten vereinigt es in sich das Können und die Erfahrung von mehr als 25 Opern, markiert aber gleichzeitig auch das Ende einer Entwicklung, die 100 Jahre zuvor mit dem Belcanto begonnen hatte und nunmehr vom Verismo abgelöst wurde. Daneben ist Falstaff eine von ganz wenigen komischen Opern der Weltliteratur, deren Humor nicht nur der Handlung oder einzelnen Textpointen entstammt, sondern deren abgeklärter Witz der Musik selbst entspringt und im selben Moment in ihr reflektiert wird. Schließlich besticht Falstaff auch durch die Reduktion der Mittel, den sparsamsten Einsatz von Effekten, die gerade dadurch zu besonderer Aussagekraft gelangen. Angesichts der Bedeutung, die Verdis Alterswerk in der Musikgeschichte zukommt, verwundert es, dass sich bislang niemand der editorischen Mühe unterzogen hat, das Autograph zur Grundlage einer wissenschaftlichkritischen Ausgabe zu machen. Die autographe Partitur ist vollständig erhalten, im Wesentlichen problemlos zu lesen und enthält nur wenige Korrekturen. Die editorischen Fragen, die sich bei der wissenschaftlichen Revision ergeben, beziehen sich auf Details der Dynamik, Artikulation und Phrasierung. Oft sind Instrumente dynamisch nicht bezeichnet, eindeutig zusammengehörende oder parallele Phrasierungen unterschiedlich und Artikulationen eindeutig fehlerhaft. Die dadurch notwendigen Korrekturen, Angleichungen und Ergänzungen werden auf folgender Basis vorgenommen: - Beschränkung auf das absolut notwendige Minimum an Eingriffen - alle Korrekturen, Ergänzungen und Angleichungen erfolgen ausschließlich auf Basis des autographen Notentextes und nur so weit, als sie sich daraus ableiten lassen. Alle bisherigen Publikationen unterscheiden sich erheblich von Verdis Handschrift, wobei sie keineswegs nur die notwendigen Korrekturen vornehmen. Der bereits vor der Uraufführung hergestellte Erstdruck des Klavierauszuges enthält einige Abweichungen in den Singstimmen in Bezug auf Tonhöhen, Dynamik, Artikulation, Phrasierung und auch Text. Im Übrigen gibt dieser Klavierauszug aber eindeutig die Version der autographen Partitur wieder. Durch das Publikationsdatum können die Änderungen in den Singstimmen vor der Uraufführung datiert werden, sie sind also mit ziemlicher Sicherheit von Verdi autorisiert und wurden deshalb als Alternative in die kritische Neuausgabe mit einbezogen.

Von „Falstaff“, dem genialen Spätwerk Verdis, gibt es bisher keine Urtext-Edition. Michael Rot füllt diese Lücke, indem er auf die vom Komponisten konzipierte Erstfassung zurückgeht, die sich aus dem originalen Klavierauszug und Abweichungen in den Singstimmen aus Verdis Hand ergibt. Die erste Partitur von Falstaff erschien im Verlag Ricordi erst einige Jahre nach Verdis Tod. Die darin enthaltenen unzähligen Änderungen in Dynamik, Artikulation und Phrasierung im gesamten Orchester können daher nicht mit Verdi direkt in Verbindung gebracht werden. Das Aufführungsmaterial der Uraufführung, das diesbezüglich sicher die meisten Fragen klären könnte, steht als Quelle nicht zur Verfügung. Als Herausgeber habe ich mich daher entschlossen, eine Partitur vorzulegen, die erstmals die noch nie publizierte Erstfassung von Falstaff enthält. Im Ablauf unterscheidet sie sich von den bekannten Ausgaben nur durch wenige Takte, die hinzukommen. Wesentlich sind die erheblich unterschiedliche Dynamik und Phrasierung im Verlauf des gesamten Werkes sowie die Abweichungen in den Singstimmen. Neben der Urfassung der autographen Partitur enthält die Ausgabe auch die Änderungen in den Singstimmen, die Verdi noch vor der Das Heiterste zum Schluss: Giuseppe Verdi Uraufführung vorgenommen hat. Zentraler Bestandteil der Neuausgabe ist der umfangreiche kritische Bericht in der von der Verlagsgruppe Hermann in den letzten Jahren neu entwickelten Methode non-verbaler grafischer Darstellung in tabellarischer Form. Die ausführlichen Lesarten sind fast ausschließlich mit Notenbeispielen dargestellt und können daher sprachunabhängig und sogar unabhängig von der Partitur benutzt werden. Die wissenschaftlich-kritische Neuausgabe von Verdis Falstaff wird Anfang 2010 als Partitur mit ausführlichem kritischen Bericht, dazugehörigen Orchesterstimmen ergänzt durch einen neu herausgegebenen Klavierauszug erscheinen und bei Alkor Edition Kassel als Leihmaterial lieferbar sein. Michael Rot

Giuseppe Verdi Falstaff Hrsg. von Michael Rot Verlagsgruppe Hermann, Aufführungsmaterial leihweise über die Alkor-Edition

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[t]akte Plädoyer für ein großartiges Repertoire Ein Gespräch mit Marc Minkowski über die französische Oper des 19. Jahrhunderts

Der französische Dirigent Marc Minkowski ist ein Verfechter des französischen Opernrepertoires aus dem 19. Jahrhundert. Im Gespräch erklärt er sich zu dieser Liebe und entwirft Perspektiven für eine Renaissance.

[t]akte: Über das barocke und das klassische Repertoire hinaus haben Sie immer ein besonderes Interesse für die französische Musik des 19. Jahrhunderts gezeigt, vor allem aber für die Oper. Warum wurde sie Ihrer Meinung nach – mit Ausnahme von Stücken wie Carmen, Werther oder Faust – so lange vernachlässigt? Minkowski: Dieses Problem wirft viele Fragen auf, für die es nicht eine erschöpfende Antwort geben kann. Einige Erklärungen ermöglichen es uns lediglich, den tiefgreifenden Geschmackswandel beim Opernpublikum um die Wende zum 20. Jahrhundert zu verstehen, der im Kontext einer Internationalisierung der Musik zu sehen ist. Ich bin der Meinung, dass dafür während der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts der Erfolg von Verdis und Wagners Opern in Europa eine wesentliche Rolle gespielt hat. In einer Kunstform, in der sich Librettisten und Musiker bis dahin an gesellschaftliche Konventionen und wirtschaftliche Überlegungen der Theater anpassen mussten, haben diese beiden Komponisten ihre eigene Dramaturgie durchgesetzt, indem sie ihren Werken eine menschliche Komponente verliehen haben. An den Geist Glucks anknüpfend, haben sich diese beiden Künstler des Dramas bemächtigt und ihm Tonsprache und Opernpraxis unterworfen. Als ihre Hauptwerke in Paris aufgeführt wurden, haben sie die Idee des Musiktheaters für junge Komponisten völlig verändert und damit ein wachsendes Publikum berührt. Zurückblickend erschienen gegen Ende des 19. Jahrhunderts die Werke Meyerbeers, die weiterhin auf den Programmen der Opernbühnen standen, mehr und mehr künstlich und unnatürlich. Da sich die Frage nach der Kunst auf dem Theater vor allem durch das Aufkommen der Regie am Beginn des 20. Jahrhunderts immer dringlicher stellte, wusste man nicht mehr, wie man diese Opern auf die Bühne bringen konnte. In dieser Übergangszeit begann sich mit dem Wandel der Darstellungsformen auch der Geschmack zu ändern. Die Oper hörte auf, einem sozialen Bedürfnis Rechnung zu tragen und entsprang nun dem Wollen des Künstlers. Dies alles bedeutete einen Bruch zwischen dem französischen Repertoire der Romantik (ausgenommen Faust 1859) und dem modernen Operntheater nach Verdi und Wagner, dem der Generation von Bizet und Massenet, die etwa dreißig Jahre später geboren wurden und von ihren Vorbildern gelernt hatten. Was sind die Gründe für die jüngste Neuentdeckung dieses Repertoires? Unsere Zeit ist durch eine tiefe Neugier gleichermaßen gegenüber der Vergangenheit wie der Zukunft gekennzeichnet. Das 20. Jahrhundert hat eine Leidenschaft für die barocke Kunst entwickelt. Das Interesse an alter Musik wurde aber nicht erst in den letzten Jahrzehnten

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Reif für Wiederentdeckung: Marc Minkowski setzt sich für die französische Oper ein (Photo: Philippe Gontier / Naïve)

geweckt: Wir sollten nicht vergessen, dass Persönlichkeiten wie Saint-Saëns, d’Indy, Romain Rolland und andere entschieden für die Musik früherer Zeiten eingetreten sind. Monographien, Denkmälerausgaben und szenische Wiederentdeckungen waren in Frankreich am Anfang des 20. Jahrhunderts hoch im Kurs. All dies galt als modernes Bewusstsein, als Wunsch, Teil einer generationsübergreifenden Entwicklung zu sein, als Suche nach Glaubwürdigkeit. Unser Interesse für die folgende Epoche, die der Romantik, ist jünger und galt zuerst der Bildenden Kunst: Der Umbau des Gare d’Orsay 1986 in ein Museum ist dafür bezeichnend. In unserer Zeit der Retrospektive ist das Publikum reif für die Wiederentdeckungen des musikalischen Repertoires aus der Zeit von Ingres, Courbet und den Impressionisten, eines Repertoires, das den großen Erfolg der Pariser Opernbühnen begründet hat, und von dem wir heute noch profitieren, verlieh es doch der Stadt, die zur Musikhauptstadt Europas in der Romantik wurde, eine große Strahlkraft.

Welche französischen Opern haben Sie dirigiert und was sind Ihre Favoriten? Ich kann keine Lieblingswerke nennen angesichts der großen Anzahl von Opern, die ich schon dirigiert habe, darunter so wunderbare und verschiedenartige Stücke wie La Dame blanche von Boïeldieu, Le Domino noir von Auber, Robert le diable von Meyerbeer, La Favorite von Donizetti, Le Belle Hélène, La Grand-Duchesse de Gerolstein, Orphée aux Enfers und Les Contes d’Hoffmann von Offenbach – nicht zu vergessen seine Rheinnixen, eine richtige französische romantische Oper, obwohl in Dresden uraufgeführt – Carmen von Bizet und schließlich Cendrillon und Manon von Massenet. Ich habe außerdem für die Deutsche Grammophon ein Recital mit Magdalena Kožená aufgenommen, das unter anderem herrliche Opernarien von Gounod und Ambroise Thomas enthält.


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Welche Erfahrungen haben Sie mit dem Orchestermaterial dieser Werke gemacht? Man stößt oft auf große Schwierigkeiten, auch wenn man Kritische Ausgaben verwenden kann. Die Orchesterstimmen enthalten zu wenige Korrekturen und sind oft eher vorläufiger Natur. Wenn man mit Originalstimmen aus Bibliotheken arbeiten muss, besteht die große Gefahr, in den Wochen und Monaten vor der Aufführung viel Zeit zu verlieren.

Wie schätzen Sie angesichts dieser Erfahrungen, die sicher mit denen vieler Kollegen übereinstimmen, den Wert unseres neuen verlegerischen Projekts L’Opéra français ein? Dieses Projekt war ein Desiderat! Wir verfügen jetzt über wunderbare Ausgaben von Rossini, Wagner, Verdi oder Offenbach. Es ist an der Zeit, dass Ähnliches für die französische Oper der Romantik geschieht, wenn man sie aufführbar machen und dem Publikum wieder vorstellen will. Ich möchte darüber hinaus hervorheben, dass sich flankierend zu Ihrer verlegerischen Initiative eine Bewegung seitens der Institutionen zugunsten dieses Repertoires abzeichnet. 2005 wurden die Aufgaben der Opéra Comique durch die französische Regierung neu definiert, und seit 2007 werden solche vergessenen Werke in den Saisonprogrammen bevorzugt. In Venedig beherbergt der Palazzetto Bru-Zane ein Zentrum für französische romantische Musik, das von einer Schweizer Stiftung finanziert wird und seine Arbeit 2009 aufnimmt.

Das französische Opernrepertoire des 19. Jahrhunderts, das seinerzeit in die ganze Welt exportiert wurde, stößt heute auf Akzeptanzprobleme. Die Grand Opéra wird von vielen als hyperspektakulär und gleichzeitig als ziemlich oberflächlich eingeschätzt; die Opéra comique mit ihren gesprochenen Dialogen lässt sich mit den internationalen Sängerensembles von heute kaum noch adäquat besetzen und ist zudem schwer verständlich für ein Publikum, das der französischen Sprache meist nicht genügend mächtig ist, um die Feinheiten des Librettos zu verstehen und zu genießen. Wie schätzen Sie die Zukunft der französischen Oper des 19. Jahrhunderts ein und die Chance, einige Stücke dieser Gattung mit Hilfe unseres verlegerischen Projekts für die Bühne zurückzugewinnen? Wir werden das Opernpublikum von Wert und Charme dieser vernachlässigten Werken nur überzeugen können, wenn Ihre Bemühungen als Verleger und die Neugier der Programmverantwortlichen und Dirigenten mit

gut ausgebildeten Interpreten zusammentreffen, deren Stimmen sowohl für den Belcanto als auch für den lyrischen Gesang ausgebildet sind. Dieses Repertoire ist nicht unsingbar, wenn die Interpreten Verständnis für diesen Stil entwickeln. Sind die Partituren erst einmal erhältlich, können die Sänger diese Werke leichter studieren und sich aneignen. Was die komische Oper betrifft – und Carmen, das weltweit am häufigsten aufgeführte französische Werk, gehört wohlgemerkt zu dieser Gattung – müssen die Sänger wieder lernen, auf der Bühne nicht nur zu singen, sondern auch zu sprechen. Dieser Registerwechsel ist sehr heikel, aber im 19. Jahrhundert war die Fähigkeit dazu unabdingbar. Es ist sehr bedauerlich, dass das Conservatoire national supérieur de Paris 1991 die Opéra-comique-Klassen geschlossen hat.

Dürfen wir erfahren, welche französischen Opern wir in Zukunft von Ihnen hören werden? In der nächsten Zeit werde ich mit großem Enthusiasmus Mireille von Gounod, Don Quichotte von Massenet und Les Huguenots von Meyerbeer dirigieren.

Die Fragen stellte Ulrich Etscheit Übersetzung: Geneviève Geffray / JM L’Opéra français Editionsleiter: Paul Prévost Bärenreiter-Verlag Kassel 2008ff. Adolphe Adam: Le Toréador ou L’Accord parfait Hrsg. von Paul Prévost (2009) Aufführungsmaterial bereits leihweise erhältlich Édouard Lalo: Fiesque Hrsg. von Hugh Macdonald (2009) Aufführungsmaterial bereits leihweise erhältlich Daniel François Esprit Auber: Le Domino noir Hrsg. von Emmanuel Trombowsky (2010) Ambroise Thomas: Hamlet Hrsg. von Sarah Plummer u. Hugh Macdonald (2011) Jules Massenet: Werther Hrsg. von Lesley Wright (2011) Emmanuel Chabrier: L’Étoile Hrsg. von Hugh Macdonald (2012) Aufführungsmaterial ab Herbst 2009 leihweise erhältlich Die Reihe wird ca. 35 Bände umfassen und zur Subskription angeboten.

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[t]akte ^

Fortwährendes Singen

Janáceks Viola d’amore

Zur Neupublikation von Josef Bohuslav Foersters Cellokonzert

Zur Neuausgabe des Streichquartetts Nr. 2 „Intime Briefe“

In der Musikgeschichte ist Josef Bohuslav Foerster (1859–1951) vor allem durch seine Freundschaft mit Gustav Mahler in ihrer gemeinsamen Hamburger Zeit bekannt. Es entstand ein intensiver künstlerischer Austausch zwischen Mahler und Foerster. Foerster und seine Frau Berta Lautererová wechselten 1903 mit Mahler nach Wien und kehrten erst 1918 nach Prag zurück. In Prag gehörte er als Direktor des Konservatoriums und Universitätslehrer, später als Präsident der Prager Akademie der Künste und mit der Auszeichnung als Nationalkünstler 1945 zu den angesehensten Persönlichkeiten seines Landes. Ein immenses musikalisches Werk des mehrfach begabten Künstlers harrt der Wiederentdeckung. Nachdem Editio Bärenreiter Praha 2007 die Sinfonien Nr. 1 und 2 neu publiziert hat und diese von den Osnabrücker Sinfonikern aufgeführt und auf CD (MDG, dort auch die Einspielung der 3. und 4. Sinfonie) produziert worden sind, erscheint nun das späte Konzert für Violoncello und Orchester aus dem Jahr 1930, das im Januar bei Supraphon von Jiří Bárta und der Prager Kammer Philharmonie unter der Leitung von Jakub Hrůša eingespielt worden ist. Foerster gehört mit Janáček, Suk und Novák zu der Generation tschechischer Nationalkünstler, die den Schritt ins 20. Jahrhundert vollzogen. Sein Stil blieb der spätromantischen Musiksprache verpflichtet: groß, melodisch und glänzend in seiner ersten Reife der Jahre zwischen 1890 und 1910, später immer mehr verinnerlicht und lyrisch. Das Cellokonzert stammt aus dem Jahr 1931. Um einen Mittelsatz des fortwährenden Singens des Solocellos gruppieren sich ein gemäßigter Kopfsatz, der im dunklen Tonfall der Hörner und Posaunen anhebt, und ein tänzerischer Schlusssatz, der zum Ende zur schwelgerischen Kantilene des Beginns zurückkehrt. Während der erste Satz seine Thematik im konzertierenden Miteinander entwickelt, steht im zweiten das Solocello als Gesangsträger ungebrochen im Vordergrund und bildet den intensiv lyrischen Schwerpunkt des Werkes. Marie Luise Maintz

Leoš Janáčeks 2. Streichquartett „Intime Briefe“ gehört zu jenen Werken, deren Aufführungsgeschichte durch die (teilweise notwendigen) Bearbeitungen seiner Interpreten geprägt ist. Janáček hatte vor seinem überraschenden Tod im August 1928 drei Proben durch das Mährische Quartett erlebt, bei denen er und die Musiker Änderungen in einer Abschrift anbrachten. Die Erstausgabe erfolgte erst 1938 und ist letztlich eine interpretierende Revision des ersten Geigers des Mährischen Quartetts, František Kudláček. Weitere, noch stärker revidierende Editionen folgten. Erstmals werden nun in der Neuedition im Rahmen der Kritischen Gesamtausgabe der Werke von Leoš Janáček (Reihe E, Band 4, Editio Bärenreiter Praha, BA 6857, Partitur mit Stimmen) die Schichten der Komposition freigelegt: Sie enthält die ursprüngliche, autographe Partitur als Faksimile und als Transkription sowie jene zweite Version, die während der Proben im Mai 1928 entstand und als „letzte“ Fassung gelten muss. Jedoch fehlt der wichtige Schritt der Redaktion der Erstausgabe durch den Komponisten, so dass man zögert, von der „letzten“ Fassung zu sprechen, zumal Janáček das Quartett ursprünglich mit einem Instrument besetzt hatte, das er als kaum verhüllte Chiffre für die Liebe verwendete. Sein Dokument der Leidenschaft kündigte er in einem Brief an Kamila Stösslová an: „Das Ganze wird von einem besonderen Instrument zusammengehalten. Es heißt Viola d’amour – Liebesviola. […] In dieser Arbeit werde ich mit Dir allein sein. Kein Dritter neben uns …“ (1.2.1928). Edel, silbrig, etwas verhangen und fragil klingt die Viola d’amore im Vergleich zu der robusteren Bratsche, die sich als die lautere, „moderne“ Altstimme im Streichersatz durchgesetzt hat. Das siebensaitige Barockinstrument, bei dem weitere sieben Resonanzsaiten frei mitschwingen, verwandte Janáček in mehreren späten Werken (u. a. Kát’a Kabanová) in prominenter Funktion – eine deutliche Botschaft hat es in den Intimen Briefen. Jedoch wurde es schon während der ersten Probe gegen eine Bratsche ausgetauscht, wobei die Stimme geändert wurde. Somit existieren zwei Fassungen des Quartetts, die in der Neuausgabe nebeneinander gestellt werden. Den verschiedenen Versionen hat sich das französische Quatuor Diotima gewidmet. Zusammen mit Garth Knox spielte es sowohl die Erstfassung mit Viola d’amore als auch die revidierte mit Bratsche ein (Alpha 133), was den direkten Vergleich ermöglicht. Wie die Interpreten schreiben, offenbart die Edition „eine radikale Entwicklung im Charakter des Werkes“. Die vergleichende CDEinspielung macht deutlich, wie die Altstimme – gespielt von Bratsche oder Viola d’amore – den Klang des gesamten Quartetts verändert, hin zu einem zarteren, weicheren Duktus. Und sie legt nicht zuletzt die Arbeit an der Interpretation als einen kreativen Prozess mit all seinen Fragestellungen offen. MLM

Josef Bohuslav Foerster Konzert für Violoncello und Orchester op. 143 Besetzung: 2,2,Eh,2,BKlar,2 – 4,2,3,1 – Hfe – Pk, Triangel – Str Aufführungsdauer: ca. 20 Minuten Verlag: Editio Bärenreiter Praha, Aufführungsmaterial leihweise

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1I2009 Neue Bücher Felix Mendelssohn Bartholdy: Sämtliche Briefe. Auf der Basis der von Rudolf Elvers angelegten Sammlung hrsg. von Helmut Loos und Wilhelm Seidel. 12 Bände. Jeweils ca. 750 Seiten. Subskriptionspreis € 149,– / CHF 268.00 pro Band. Abgabe nur geschlossen. / Band 1: November 1816 bis Juni 1830. Hrsg. von Juliette Appold und Regina Back. BärenreiterVerlag 2008. 764 Seiten. Der Bärenreiter-Verlag hat den ersten Band einer Gesamtausgabe der Briefe Felix Mendelssohn Bartholdys (1809– 1847) veröffentlicht. In den ca. 5.000 zwischen 1816 und 1847 verfassten Briefen des Komponisten, die innerhalb von sechs Jahren in zwölf Bänden erscheinen werden, enthüllt sich ein kultur- und geistesgeschichtliches Panorama von großer Faszination. Georg Friedrich Händel: Messiah HWV 56. Autograph. The British Library. Kommentar von Donald Burrows. Bärenreiter Facsimile. Documenta Musicologica, Zweite Reihe, Band XL. Bärenreiter-Verlag 2008. Halbleinen, gebunden. 282 Seiten Faksimile + 56 Seiten Kommentar (engl./dt./jap.). € 398,– / CHF 699.–. Zum Händel-Gedenkjahr haben sich die British Library und der Bärenreiter-Verlag zusammengeschlossen, um das Autograph des Messiah in einem sorgfältig reproduzierten, aufwendig ausgestatteten Faksimile der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Der renommierte Händel-Forscher Donald Burrows führt in die Charakteristika der Handschrift ein, stellt die Entstehungsgeschichte dar und erläutert die Unterschiede zu späteren Fassungen des Messiah, wie sie sich in den Direktionspartituren niedergeschlagen haben.

Doppelseite aus dem „Messiah“-Faksimile

Silke Leopold: Händel. Die Opern. Bärenreiter-Verlag. ca. 360 Seiten. ca. € 39,95 / CHF 71.90. Erscheint im Sommer 2009. Silke Leopold geht der Frage nach, wie Händels Opern damals wahrgenommen wurden und warum diese Werke das heutige Publikum so begeistern. Das Buch ist zweigeteilt: In zehn Kapiteln behandelt Silke Leopold Händels Musik und seine Fähigkeit, den handelnden

Personen in ihren Arien und Ensembles einen unverwechselbaren Charakter zu verleihen, sie als Menschen, nicht als typisierte Figuren erscheinen zu lassen. Er entlockt ihnen ihre Geheimnisse, ohne sie zu denunzieren. Den zweiten Teil bildet ein umfassendes Lexikon aller Händel-Opern mit ausführlichen Angaben zu Besetzung, Stoffgeschichte und Inhalt. Johann Nikolaus Forkel: Ueber Johann Sebastian Bachs Leben, Kunst und Kunstwerke (Leipzig 1802). Edition · Quellen · Materialien. Vorgelegt und erläutert von Christoph Wolff unter Mitarbeit von Michael Maul. Bach-Dokumente VIII. Bärenreiter-Verlag 2008. 228 Seiten. € 99,– / CHF 162.00. Für die heutige Bach-Forschung ist Forkels Buch aus dem Jahr 1802 nach wie vor eine Quelle von unschätzbarem Wert. Als Band VII der „Bach-Dokumente”, dem Supplement zur „Neuen Bach-Ausgabe”, ist nun die Biographie mit Kommentaren, Quellennachweisen und Materialien erschienen. Erstmals wurden dafür auch alle schriftlichen Äußerungen Karl Friedrich Zelters zusammengestellt, der als Erster die Biographie rezensierte. Marion Recknagel: Truggeweihtes Glück. Die Liebe in Opern des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. BärenreiterVerlag 2009. 245 Seiten. € 29,95 / CHF 53.90. Komponisten haben für Liebesszenen in ihren Opern Musik von besonderer Schönheit und Wirkung geschaffen. Doch verändern sich im Laufe des 19. Jahrhunderts die Vorstellungen von der Liebe – und mit ihr ihre musikalische Darstellung. Die Liebe verliert die Kraft zu harmonisieren und zu verbinden. Mit der Beschreibung von acht Werken, von Mozarts Così fan tutte über Wagners Tristan und Isolde bis hin zu Leoš Janáčeks Kát’a Kabanová und Alban Bergs Lulu, schlägt Marion Recknagel einen Bogen über das 19. Jahrhundert hinweg bis ins 20. Jahrhundert hinein, um die Veränderungen in der Liebeskonzeption der Oper darzustellen. Simone Galliat: Musiktheater im Umbruch. Studien zu den opere semiserie Ferdinando Paërs. Gustav Bosse Verlag 2009. Kölner Beiträge zur Musikwissenschaft, Band 11. 361 Seiten. € 39,95 / CHF 71,90. Christiane Strucken-Paland: Zyklische Prinzipien in den Instrumentalwerken César Francks. Gustav Bosse Verlag 2009. Kölner Beiträge zur Musikwissenschaft, Band 7. 540 Seiten. € 49,95 / CHF 89,90.

] [t]akte 1I2009 29


[t]akte Neue CDs und DVDs CDs Georg Friedrich Händel: Acis & Galatea Dunedin Consort & Players, Leitung: John Butt. Linn

world premiere recording

ERNST KRENEK

What Price Confidence

Chamber Opera in nine scenes op.111 Libretto by Ernst Krenek

ILANA DAVIDSON · SUSAN NARUCKI RICHARD CLEMENT · CHRISTOPHEREN NOMURA LINDA HALL

Jan Křitel Jiří Neruda: Konzert für Trompete und Streicher Alison Balsom, Deutsche Kammerphilharmonie Bremen, Leitung: Thomas Klug. EMI 1

Joseph Haydn: Italian Arias Thomas Quasthoff, Freiburger Barockorchester, Leitung: Gottfried von der Golz. Deutsche Grammophon Wolfgang Amadeus Mozart: „Donna“ (Opera & Concert Arias) Diana Damrau, Le Cercle de l’Harmonie, Leitung: Jérémie Rhorer. Virgin Classics „Mozart“ Annette Dasch, Akademie für Alte Musik, Leitung: Marc Piollet. SonyBMG

Anton Bruckner: Sinfonie Nr. 3 (Fassung 1889) Mozarteum Orchester Salzburg, Leitung: Ivor Bolton. Oehms

„Gods, Kings & Demons“ Arien von u. a. Berlioz, Dvořák, Mozart Rene Pape, Staatskapelle Dresden, Leitung: Daniel Harding. Deutsche Grammophon

Anton Bruckner: Sinfonie Nr. 4 (Fassung 1874) Radio-Sinfoniorchester Stuttgart, Leitung: Roger Norrington. Hänssler

Hector Berlioz: Grande Messe des Morts EuropaChorAkademie, SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg, Leitung: Sylvain Cambreling. Glor Hector Berlioz: Vocal Works with Orchestra SWR Vokalensemble Stuttgart, Leitung: Sylvain Cambreling. Hänssler Felix Mendelssohn Bartholdy Konzert Nr,. 3 e-Moll für Klavier und Orchester. Rekonstruiert und vervollständigt von R. Larry Todd auf: Mendelssohn: The Piano Concertos, Matthias Kirschnereit (Klavier), Robert-SchumannPhilharmonie Chemnitz, Leitung: Frank Beermann. Arte Nova

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Anton Bruckner: Sinfonie Nr. 6 Radio-Sinfoniorchester Stuttgart, Leitung: Roger Norrington. Hänssler Anton Bruckner: Sinfonie Nr. 7 HR Sinfonieorchester, Leitung: Paavo Järvi. SonyBMG Anton Bruckner: Sinfonie Nr. 7 Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, Leitung: Karl Böhm. audite Anton Bruckner: Sinfonie Nr. 8 (Fassung 1890) Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, Leitung: Karl Böhm. audite Anton Bruckner: Sinfonie Nr. 9 Mozarteum Orchester Salzburg, Leitung: Ivor Bolton. Oehms

Antonín Dvořák: Stabat mater (Originalfassung 1876 mit Klavier) accentus, Leitung: Laurence Equilbey. naïve Josef Bohuslav Foerster: Sinfonie Nr. 3 Osnabrücker Symphonieorchester, Leitung: Hermann Bäumer. MDG Ernst Krenek: What price confidence Ilana Davidson, Susan Narucki, Richard Clement, Christopheren Nomura. Phoenix Andreas N. Tarkmann: Der Mistkäfer Thomas Fritsch, WDR Rundfunkorchester, Leitung: Stefan Blunier. cpo Matthias Pintscher: Shining forth Anders Nyqvist (Trompete). Kulturforum Witten / WDR Beat Furrer: Konzert für Klavier und Orchester, spur, lotófagos I, invocation VI, FAMA VI, retour an dich Nicolas Hodges (Klavier), WDR Sinfonieorchester Köln, Leitung: Peter Rundel u. a. Kairos

DVDs Georg Friedrich Händel: Orlando Opernhaus Zürich, Leitung: William Christie, Inszenierung: Jens-Daniel Herzog. Arthaus Wolfgang Amadeus Mozart: Così fan tutte Glyndebourne Production, Orchestra of the Age of Enlightenment, Leitung: Iván Fischer, Inszenierung: Nicholas Hytner. opus arte Wolfgang Amadeus Mozart: Ascanio in Alba Teatro Communale di Bologna, Leitung: Ottavio Dantone, Inszenierung: Luigi Scoglio. Bongiovanni


1I2009 Termine (Auswahl) März 2009 15.3.2009 Antwerpen (Premiere) Wolfgang Amadeus Mozart: Così fan tutte Musikal. Leitung: Attilio Cremonesi, Inszenierung: Guy Joosten 15.3.2009 Tourcoing (Premiere) Joseph Haydn: L’anima del filosofo La Grande Ecurie et la Chambre du Roy, Musikal. Leitung: JeanClaude Malgoire, Inszenierung: Alita Baldi 18.3.2009 New York –> Felix Mendelssohn Bartholdy: Konzert Nr. 3 e-Moll für Klavier und Orchester (USA-Erstaufführung) Tatiana Goncharova (Klavier), Lyric Chamber Ensemble, Leitung: Daniel Boico 19.3.2009 London –> Antonín Dvořák: Stabat Mater (Originalfassung für Chor und Klavier, UK-Erstaufführung) BBC Singers, Stephen Betteridge (Klavier), Leitung: David Hill 19.3.2009 Prag (Rudolfinum) –> Matthias Pintscher: nemeton for solo percussion; Study I for Treatise on the Veil; Study III for Treatise on the Veil; Miroslav Srnka: Les Adieux (Tschech. Erstaufführungen) Rainer Römer (Schlagzeug), Rafal Zambrzycki-Payne (Violine), Eva Böcker (Violoncello), Ensemble Modern, Leitung: Matthias Pintscher 20.3.2009 Berlin (Philharmonie, Premiere) Joseph Haydn: Orlando Paladino (konz.) Berliner Philharmoniker, Leitung: Nikolaus Harnoncourt 20.3.2009 Lübeck (Premiere) Othmar Schoeck: Penthesilea Musikal. Leitung: Philippe Bach, Inszenierung: Alexander Schulin

März 2009

April 2009

21.3.2009 Amsterdam (Premiere) 1./3.4.2009 Konstanz / Joseph Haydn: Orlando Paladino 4.4.2009 Singen –> Thomas Daniel Schlee: Radio Kamer Philharmonie, Musikal. Leitung: Alessandro de Konzert für Klavier und Marchi Orchester (Uraufführung) Klaus Sticken (Klavier), Südwest22.3.2009 Berlin (MaerzMusik) deutsche Philharmonie KonVadim Karassikov: stanz, Leitung: Thomas Kalb in the flame of the dream Moscow Contemporary Music 4.4.2009 Lüneburg (Premiere) Ensemble Wolfgang Amadeus Mozart: Così fan tutte 26.3.2009 Göttingen Musikal. Leitung: Urs-Michael Joseph Haydn: Theus, Inszenierung: Philipp L’isola disabitata (konz.) Kochheim Göttinger Symphonie Orchester, Solisten, Leitung: Martin 4.4.2009 Istanbul Haselböck Christoph Willibald Gluck/ Hector Berlioz: Orphée 27./29.3.2009 Montpellier Musikal. Leitung: Murat Kodalli, –> Manfred Trojahn: Galahads Tanz Inszenierung: Recep Ayyilmaz (Franz. Erstaufführung) Orchestre National de Mont5.4.2009 Berlin (Komische Oper, pellier, Leitung: Gregor Bühl Premiere) Christoph Willibald Gluck: Armide 27.3.2009 Linz Musikal. Leitung: Konrad Thomas Daniel Schlee: Ich, Hiob Junghänel, Inszenierung: Calixto Inszenierung: Mascha Pörzgen Bieito 28.3.2009 Karlsruhe (Premiere) Benjamin Britten: Death in Venice Musikal. Leitung: Jochen Hochstenbach, Inszenierung: Georg Köhl

April 2009 18.4.2009 Berlin (Temporäre Kunsthalle) Beat Furrer: Xenos Ensemble modern, Leitung: Franck Ollu 18.4.2009 Oslo (Premiere) Georges Bizet: Carmen Musikal. Leitung: Marc Soustrot, Inszenierung: Francesca Zambello 18.4.2009 Dortmund (Premiere) Wolfgang Amadeus Mozart: Don Giovanni Musikal. Leitung: Ekhart Wycik, Inszenierung: Beverly Blankenship 19.4.2009 Salzburg (Premiere) Wolfgang Amadeus Mozart: Die Entführung aus dem Serail Musikal. Leitung: Johannes Wildner, Inszenierung: Peter Dolder 19.4.2009 Augsburg (Premiere) Jean-Philippe Rameau: Platée Musikal. Leitung: Friedemann Seitzer, Inszenierung: Peer Boysen

6.4.2009 New York (Austrian Cultural Forum) –> Matthias Pintscher: Shining forth; Beat Furrer, Spur 19.4.2009 Hamburg (Premiere) (USA-Erstaufführungen) Benjamin Britten: Death in Venice Musikal. Leitung: Simone Young, Anders Nyqvist (Trompete), Inszenierung: Ramin Gray Klangforum Wien, Leitung: Jean 28.3.2009 Saarbrücken (Premiere) Deroyer 22.4.2009 Köln (Philharmonie) Peter Tschaikowski: Schwanensee –> Michael Jarrell: Le ciel, tout à Musikal. Leitung: Christophe 15.4.2009 Heidelberg l’heure encore si limpide, Hellmann, Choreographie: Manfred Trojahn: Rhapsodie soudain se trouble horriblement Marguerite Donlon für Klarinette und Orchester (Deutsche Erstaufführung) Sabine Meyer (Klarinette), Orchestre de la Suisse Romande, 29.3.2009 Avignon (Premiere) Philharmonisches Orchester der Leitung: Marek Janowski Wolfgang Amadeus Mozart: Stadt Heidelberg La clemenza di Tito Leitung: Cornelius Meister 23.4.2009 Basel (les muséiques) Musikal. Leitung: Jonathan Dieter Ammann: Neues Werk für Schiffmann, Inszenierung: Alain 17.4.2009 Darmstadt (FrühjahrsStreichquartett (Uraufführung); Garichot tagung des INMM) Piece for cello; Violation Beat Furrer: Lotófagos; presto Amar Quartett, David Riniker 29.3.2009 Aachen (Premiere) Ensemble Aventure (Violoncello); Festivalensemble, Wolfgang Amadeus Mozart: Leitung: Simon Gaudenz Lucio Silla 17.4.2009 Bayreuth (MarkMusikal. Leitung: Marcus Bosch, gräfliches Opernhaus, Premiere) Inszenierung: Ludger Engels Georg Friedrich Händel: Alcina Internationale Junge Orchesterakademie, Musikal. Leitung: Christoph Ulrich Meier, Inszenie(Fortsetzung S. 34) rung: Stephan Jöris

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[t]akte Festspielsaison 2009 Festival d’Aix-en-Provence Wolfgang Amadeus Mozart: Idomeneo Les Musiciens du Louvre, Musikal. Leitung: Marc Minkowski, Inszenierung: Olivier Py ab 4. Juli 2009

Bad Lauchstädt, Theater-Sommer Wolfgang Amadeus Mozart: Die Entführung aus dem Serail Musikal. Leitung: Pavel Baleff, Inszenierung: Fred Berndt Koproduktion mit der Oper Halle ab 16. Mai 2009

Wolfgang Amadeus Mozart: Die Zauberflöte Akademie für Alte Musik, Musikal. Leitung: René Jacobs, Inszenierung: William Kentridge ab 25. Juli 2009

Georg Friedrich Händel: Serse Lautten Compagney Berlin, Musikal. Leitung: Wolfgang Katschner, Inszenierung: André Bücker ab 6. Juni 2009

Bachwoche Ansbach Manfred Trojahn: Sentimento del tempo (Ansbachisches Konzert) (Uraufführung) Freiburger Barockorchester, Leitung: Gottfried von der Goltz 7. August 2009

Georg Friedrich Händel: Ariodante Kammerakademie Potsdam, Musikal. Leitung: Andrea Marcon, Inszenierung: Ingo Kerhof ab 10. Juni 2009

Wolfgang Amadeus Mozart: Die Hochzeit des Figaro Musikal. Leitung: Harald Knauff, Inszenierung: Michael McCaffery Koproduktion mit der Oper Halle ab 29. August 2009 Bayreuther Osterfestival Georg Friedrich Händel: Alcina Internationale Junge Orchesterakademie, Musikal. Leitung: Christoph Ulrich Meier, Inszenierung: Stephan Jöris ab 17. April 2009 Garsington Opera Bohuslav Martinů: Mirandolina Tschechischer Philharmonischer Chor Brünn, TonkünstlerOrchester Niederösterreich, Musikal. Leitung: Martin André,

Inszenierung: Martin Duncan ab 18. Juni 2009 Grange Park Opera Leoš Janáček: Das schlaue Füchslein Musikal. Leitung: Andre de Ridder, Inszenierung: David Alden ab 17. Juni 2009 Händel-Festspiele Halle Georg Friedrich Händel: Ariodante Händelfestspielorchester Halle, Musikal. Leitung: Federico Maria Sardelli, Inszenierung: Stephen Lawless ab 11. April 2009

„Le nozze di Figaro“ in der Inszenierung von Claus Guth, Wiederaufnahme bei den Salzburger Festspielen 2009 (Photo: Monika Rittershaus)

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1I2009

Georg Friedrich Händel: Il Floridante Musikal. Leitung: Christopher Moulds, Inszenierung: Vincent Boussard ab 5. Juni 2009 Georg Friedrich Händel: Israel in Egypt Landesjugendchor SachsenAnhalt, Landesjugendchor Niedersachsen, Musica Alta Ripa, Leitung: Wolfgang Kupke 7. Juni 2009 Innsbrucker Festwochen Joseph Haydn: Orlando Paladino Freiburger Barockorchester, Musikal. Leitung: René Jacobs, Inszenierung: Nigel Lowery, Amir Hosseinpur ab 25. August 2009 Bach-Fest Leipzig Georg Friedrich Händel/ Georg Philipp Telemann: Der misslungene Braut-Wechsel oder Richardus I. Merseburger Hofmusik, Musikal. Leitung: Michael Schönheit Inszenierung: Andreas Baumann 17./18.6.2009 Ludwigsburger Festspiele Wolfgang Amadeus Mozart. Die Entführung aus dem Serail Orchester der Ludwigsburger Schlossfestspiele, Musikal. Leitung: Michael Hofstetter, Inszenierung: Peer Boysen ab 27. Juni 2009 Münchner Opernfestspiele Wolfgang Amadeus Mozart: Idomeneo Musikal. Leitung: Kent Nagano, Inszenierung: Dieter Dorn ab 23. Juli 2009 Ossiach, Carinthischer Sommer Jonathan Harvey: Passion und Auferstehung Arnold Schönberg Chor, Camerata Salzburg, Musikalische Leitung: Erwin Ortner Inszenierung: Paul Flieder ab 10. Juli 2009

Paris, Festival „Agora“ Philipp Maintz: ferner, und immer ferner Francesco Filidei (Orgel) 16. Juni 2009 Salzburger Festspiele Georg Friedrich Händel: Theodora Salzburger Bachchor, Freiburger Barockorchester, Leitung: Ivor Bolton, Inszenierung: Christof Loy ab 25. Juli 2009 Wolfgang Amadeus Mozart: Così fan tutte Wiener Philharmoniker, Musikal. Leitung: Adam Fischer Inszenierung: Claus Guth ab 30. Juli 2009 Wolfgang Amadeus Mozart: Le nozze di Figaro Wiener Philharmoniker, Musikal. Leitung: Daniel Harding, Inszenierung: Claus Guth ab 12. August 2009 Joseph Haydn: Armida Mozarteum Orchester, Musikal. Leitung: Ivor Bolton, Inszenierung: Christoph Loy ab 20. August 2009 Schwetzinger Festspiele Georg Friedrich Händel: Ezio Kammerorchester Basel Musikal. Leitung: Attilio Cremonesi, Inszenierung: Günter Krämer ab 21. Mai 2009 / auch: 28. Juli 2009 Montpellier, Festival de Radio France Vedbaek, Teater Hedeland Wolfgang Amadeus Mozart: Die Zauberflöte Musikal. Leitung: Henrik Schaefer, Inszenierung: Lars Rudolfsson ab 1. August 2009 Kunstfest Weimar Matthias Pintscher: Study IV for Treatise on the Veil Minguet Quartett 4. September 2009

Annette Dasch als Armida in Joseph Haydns Oper. Wiederaufnahme bei den Salzburger Festspielen 2009 (Photo: Monika Rittershaus)

Zermatt Festival Matthias Pintscher (Composer in residence): A twilight’s song 11. September 2009 celestial object. Part II from „sonic eclipse”for horn solo and ensemble (Uraufführung) 12. September 2009 Janusgesicht 13. September 2009 Study II for Treatise on the Veil 19. September 2009 Annette Dasch (Sopran), N. N. (Horn), Scharoun Ensemble Berlin Leitung: Matthias Pintscher

Zürcher Festspiele Wolfgang Amadeus Mozart: Così fan tutte Musikal. Leitung: Franz WelserMöst, Inszenierung: Sven-Eric Bechtolf ab 28. Juni 2009 Georges Bizet: Carmen Musikal. Leitung: Zsolt Hamar, Inszenierung: Matthias Hartmann ab 10. Juli 2009 Wolfgang Amadeus Mozart: Die Zauberflöte Musikal. Leitung: Jochen Rieder, Inszenierung: Martin Kusej ab 21. Juni 2009

[t]akte 1I2009 33


[t]akte Termine (Auswahl) April 2009 23.4.2009 Stuttgart –> Matthias Pintscher: Pourquoi l’azur muet ... musique de „L’espace dernier“ (Deutsche Erstaufführung) Anu Komsi (Sopran), Claudia Mahnke (Mezzosopran), Radio Sinfonieorchester Stuttgart, Leitung: Krzystof Urbanski 24.4.2009 Wien (Theater an der Wien, Premiere) Wolfgang Amadeus Mozart: Mitridate Wiener Symphoniker, Musikal. Leitung: Harry Bicket, Inszenierung: Robert Carsen 24.4.2009 Basel (les muséiques) Dieter Ammann: Gehörte Form für Violine, Viola und Violoncello Mondrian Ensemble 24.4.2009 Nizza (Premiere) Christoph Willibald Gluck/ Hector Berlioz: Orphée Musikal. Leitung: Benjamin Pionnier, Inszenierung: Ralf Rossa 25.4.2009 Wuppertal (Premiere) Salvatore Sciarrino: Vor dem Gesetz (La porta della legge) (Uraufführung) Musikal. Leitung: Hilary Griffiths, Inszenierung: Johannes Weigand 25.4.2009 Bad Elster (Premiere) Georg Friedrich Händel: Acis und Galatea Chursächsische Philharmonie Bad Elster, Musikal. Leitung: Florian Merz

April 2009

26.4.2009 Las Palmas (Premiere) 2.5.2009 Melbourne –> Matthias Pintscher: Osiris Jacques Offenbach: Les contes d’Hoffmann (Austral. Erstaufführung) Orquesta Filarmónica de Gran Melbourne Symphony Orchestra, Canaria, Coro del Festival de Leitung: Matthias Pintscher Opera, Musikal. Leitung: Eric Hull, Inszenierung: Mario 6.5.2009 Melbourne –> Matthias Pintscher: Pontiggia Reflections on Narcissus; Transir 30.4.2009 Pforzheim (Premiere) (Austral. Erstaufführungen) Francesco Cavalli: La Calisto Alban Gerhardt (Violoncello), Musikal. Leitung: Steffen Leißner, Sebastian Wittiber (Flöte), Inszenierung: Wolf Widder Melbourne Symphony Orchestra, Leitung: Matthias Pintscher 27.4.2009 Salzburg (Universität Mozarteum, Premiere) 7.5.2009 Berlin (Konzerthaus) Christoph Willibald Gluck: Charlotte Seither: flow Orfeo ed Euridice Klaus Schöpp (Flöte), Theodore Mozarteum Sinfonietta, Musikal. Flindell (Violine), Matias de Leitung: Reinhard Seifried Oliveira Pinto (Violoncello) 28.4.2009 Wien (Universität für Musik, Premiere) Joseph Haydn: L’isola disabitata Inszenierung: Anna Bernreiter, Musikal. Leitung: Raphael Eröd

7.5.2009 Dübendorf (CH) / 13.6.2009 Rheineck (CH) Dieter Ammann: Neues Werk für Streichquartett Amar Quartett

29.4.2009 Clermont-Ferrand (Premiere) Christoph Willibald Gluck/ Hector Berlioz: Orphée Orchestre du Conservatoire Emmanuel Chabrier, Musikal. Leitung: Gérard Cogne, Inszenierung: Annie-France Gauthier

7.5.2009 Madrid (Premiere) Hector Berlioz: La damnation de Faust Orquesta Sinfónica de Madrid, Musikal. Leitung: Nicola Luisotti

30.4.2009 Köln (Philharmonie) –> Bruno Mantovani: Concerto für zwei Bratschen und Orchester (Deutsche Erstaufführung) Antoine Tamestit, Tabea Zimmermann (Bratschen), WDR Sinfoniorchester Köln, Leitung: Emilio Pomarico

26.4.2009 Stuttgart Matthias Pintscher: A twilight’s song Newears Ensemble, Leitung: Matthias Pintscher

30.4.2009 Basel (les muséiques) Dieter Ammann: Geborstener Satz für Streichquartett Casal Quartett

26.4.2009 Offenburg (Premiere) Antonín Dvořák: Rusalka Musikal. Leitung: Rolf Schilli, Inszenierung: Ursula Bengel

30.4.2009 Budapest (Premiere) Georg Friedrich Händel: Serse Musikal. Leitung: Adam Fischer, Inszenierung: Balazs Kovalik

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Mai 2009

8.5.2009 Halfing (Premiere) Franz Haydn: Il mondo della luna Leitung: Georg Hermansdorfer 8.5.2009 Bad Hall Christoph Willibald Gluck: Orpheus und Eurydike Orchester und Chor der Opernfestwochen Bad Hall Musikal. Leitung: Josef Sabaini, Regie: Thomas Kerbl 8.5.2009 Berlin (Staatsoper, Premiere) Joseph Haydn: Orlando Paladino Freiburger Barockorchester, Musikal. Leitung: René Jacobs, Inszenierung: Nigel Lowery, Amir Hosseinpour 10.5.2009 Leipzig (Premiere) Georges Bizet: Carmen Musikal. Leitung: Antonello Allemandi, Inszenierung: Tatjana Gürbaca

Mai 2009 10.5.2009 Hongkong Hector Berlioz: Messe solennelle Hong Kong Bach Chor, Leitung: Jerome Hoberman 10.5.2009 Bielefeld (Premiere) Wolfgang Amadeus Mozart: La clemenza di Tito Musikal. Leitung: Peter Kuhn, Inszenierung: Wolf-Dietrich Sprenger 10.5.2009 Darmstadt (Premiere) Bedřich Smetana: Die verkaufte Braut Musikal. Leitung: Lukas Beikircher, Inszenierung: Vernon Mound 12.5.2009 Rouen (Premiere) Wolfgang Amadeus Mozart: Don Giovanni Musikal. Leitung: Guido Johannes Rumstadt, Inszenierung: Carlos Wagner 14.5.2009 Ulm (Premiere) Christoph Willibald Gluck: Orfeo ed Euridice Musikal. Leitung: Gordian Teupke, Inszenierung: Amanda Miller 15.5.2009 Regensburg (Premiere) Wolfgang Amadeus Mozart: Le nozze di Figaro Musikal. Leitung: Raoul Grüneis, Inszenierung: Wolfgang Quetes 16.5.2009 Wien (Volksoper, Premiere) Daniel François Esprit Auber: Fra Diavolo Musikal. Leitung: Roberto Paternostro, Inszenierung: Josef Ernst Köpplinger 16.5.2009 Koblenz (Premiere) Wolfgang Amadeus Mozart: Così fan tutte Musikal. Leitung: Werner Lemberg, Inszenierung: Ozren Prohic


1I2009 Mai 2009

Mai 2009

21.5.2009 Weimar (Premiere) Wolfgang Amadeus Mozart: Don Giovanni Musikal. Leitung: N.N., Inszenierung: Julia van Sell, Karsten Wiegand

29.5.2009 Augsburg (Premiere) Ludwig van Beethoven: Fidelio Musikal. Leitung: Rudolf Piehlmayer, Inszenierung: Karl Kneidl

21./23.5.2009 A Coruña Wolfgang Amadeus Mozart: Mitridate Musikal. Leitung: Gabriele Ferro, Inszenierung: Graham Vick 22.5.2009 Granada / 23.5.2009 Sevilla Beat Furrer: spur Klangforum Wien 23.5.2009 Wien (Kammeroper, Premiere) Benjamin Britten: Owen Wingrave Musikal. Leitung: Daniel HoyemCavazza, Inszenierung: Nicola Raab 24.5.2009 Hamburg (Premiere) Christoph Willibald Gluck: Iphigénie en Tauride Musikal. Leitung: Alessandro De Marchi, Inszenierung: Philippe Calvario 24.5.2009 Wien (Konzerthaus) Joseph Haydn: Il ritorno di Tobia Österreichisch-Ungarische Haydnphilharmonie, Leitung: Adam Fischer 24.5.2009 Aachen (Premiere) Charles Gounod: Faust Musikal. Leitung: Daniel Jakobi, Inszenierung: Michael Talke 25.5.2009 Tel Aviv (Premiere) Georges Bizet: Carmen Musikal. Leitung: Emmanuel Joel-Hornak, Inszenierung: Maria Benitez 29.5.2009 Luzern (Premiere) Christoph Willibald Gluck: Orfeo ed Euridice Orchester la Gioconda, Musikal. Leitung: Rick Stengards, Inszenierung: Dominique Mentha

29.5.2009 Lübeck (Premiere) Bedřich Smetana: Die verkaufte Braut Musikal. Leitung: Roman BrogliSacher, Inszenierung: Daniel Karasek

Juni 2009

Juni 2009

1.6.2009 Berlin (Konzerthaus) / 5.6.2009 München (Gasteig) –> Charlotte Seither: Einlass und Wiederkehr. Elf Bruchstücke frei nach Franz Kafka Frauke Thalacker (Sopran), Tammin Lee (Klavier)

12.6.2009 Aachen (Premiere) Joseph Haydn: Il mondo della luna Musikal. Leitung: Sebastian Jacobs, Inszenierung: Herbert Goertz Koproduktion mit der Musikhochschule Köln

3.6.2009 Wien –> Thomas Daniel Schlee: Enchantement vespéral (Uraufführung) Ensemble die reihe

13.6.2009 Hannover (Premiere) Ludwig van Beethoven: Fidelio Musikal. Leitung: Wolfgang Bozic, Inszenierung: Georg Schmiedleitner

30.5.2009 Lissabon (Premiere) Wolfgang Amadeus Mozart: Don Giovanni Musikal. Leitung: Johannes Stert, Inszenierung: Marie Emilia Correia

4.6.2009 Düsseldorf (Festival „Ohren auf Europa“) Dieter Ammann: Regard sur les traditions für Klavier zu 4 Händen N. N.

13.6.2009 Wien (Konzerthaus) Beat Furrer: Xenos (Österr. Erstaufführung) Ensemble Modern, Leitung: Alejo Pérez

30.5.2009 Graz (Premiere) Wolfgang Amadeus Mozart: Così fan tutte Musikal. Leitung: Johannes Fritzsch, Inszenierung: Peter Konwitschny

6.6.2009 Bremerhaven (Premiere) Jacques Offenbach: Die Großherzogin von Gerolstein Musikal. Leitung: Hartmut Brüsch, Inszenierung: Wolfgang Hofmann

13.6.2009 Aarau Walther Geiser: Hymnus Kammerchor Aarau, Kammerchor Baden, Radio-Sinfonieorchester Minsk, Leitung: Rainer Held

30.5.2009 Dresden (Hochschule für Musik, Premiere) Wolfgang Amadeus Mozart: Die Zauberflöte Musikal. Leitung: Ekkehard Klemm, Inszenierung: Andreas Baumann

6.6.2009 Leipzig (Premiere) Gioachino Rossini: Il barbiere di Siviglia Musikal. Leitung: Andreas Schüller, Inszenierung: Claus Guth

15.6.2009 Amsterdam (Premiere) Georges Bizet: Carmen Musikal. Leitung: Marc Albrecht, Inszenierung: Robert Carsen

7.6.2009 Berlin (Staatsoper, Premiere) Wolfgang Amadeus Mozart: Die Entführung aus dem Serail Musikal. Leitung: Philippe Jordan, Inszenierung: Michael Thalheimer 9.6.2009 Brüssel (Premiere) Wolfgang Amadeus Mozart: Le nozze di Figaro Musikal. Leitung: Jérémie Rhorer, Inszenierung: Dagmar Pischel 12.6.2009 Mainz (Premiere) Wolfgang Amadeus Mozart: Le nozze di Figaro Musikal. Leitung: Thomas Dorsch, Inszenierung: Arila Siegert

18.6.2009 Wien (Konzerthaus) Thomas Daniel Schlee: Der Kreuzweg unseres Herrn und Heilands Stefan Palm (Orgel), RadioSymphonieorchester Wien, Leitung: Bertrand de Billy 19.6.2009 Nancy (Premiere) Wolfgang Amadeus Mozart: Idomeneo Musikal. Leitung: Kirill Karabits, Inszenierung: Yannis Kokkos 19./20./21.6.2009 Berlin (Konzerthaus) Beat Furrer: Phaos; Canti notturni Isolde Daum, Susanne LeitzLorey (Sopran), Konzerthausorchester, Leitung: Lothar Zagrosek

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[t]akte Termine (Auswahl) Juni 2009

Juni / Juli 2009

20.6.2009 Würzburg (Premiere) –> Wolfgang Amadeus Mozart: Die Zauberflöte Musikal. Leitung: Jonathan Seers, Inszenierung: Roland Velte

27.6.2009 Stuttgart (Premiere) Christoph Willibald Gluck: Orphée et Euridice Musikal. Leitung: Nicholas Kok, Inszenierung: Christian Spuck

20./21.6.2009 Chur Joseph Haydn: Lo speziale Orchesterverein Chur, Musikal. Leitung: Luzi Müller

28.6.2009 Zürich (Premiere) Wolfgang Amadeus Mozart: Così fan tutte Musikal. Leitung: Franz WelserMöst, Inszenierung: Sven-Eric Bechtolf

20.6.2009 München, Staatstheater am Gärtnerplatz (Premiere) Benjamin Britten: Der Tod in Venedig Musikal. Leitung: David Stahl, Inszenierung: Immo Karaman 21.6.2009 Frankfurt (Premiere) Wolfgang Amadeus Mozart: La finta giardiniera Musikal. Leitung: Hartmut Keil, Inszenierung: Tilman Knabe 25.6.2009 Kaiserslautern (Premiere) Eberhard Streul: Spuk im Händelhaus Musikal. Leitung: Peter Breunig, Inszenierung: Mareike Zimmermann 25.6.2009 Kobe (Premiere) Georges Bizet: Carmen Hyogo Performing Arts Center Orchestra. Musikal. Leitung: Jean-Louis Marti Naughty, Inszenierung: Sado Hiroshi

Impressum [t]akte Das Bärenreiter-Magazin Redaktion: Johannes Mundry Bärenreiter-Verlag Heinrich-Schütz-Allee 35 D - 34131 Kassel Tel.: 0561 / 3105-154 Fax: 0561 / 3105-310 takte@baerenreiter.com Erscheinen: 2 x jährlich kostenlos

11.7.2009 Madrid (Premiere) Wolfgang Amadeus Mozart: Le nozze di Figaro Orquesta sinfónica de Madrid, musikal. Leitung: Jesús López Cóbos, Inszenierung: Emilio Sagi 11.7.2009 Karlsruhe (Premiere) Gioachino Rossini: Il barbiere di Siviglia Musikal. Leitung: Justin Brown, Inszenierung: Dominique Mentha 12.7.2009 Stuttgart –> Thomas Daniel Schlee: spes unica (Uraufführung) Staatsorchester Stuttgart, Leitung: Manfred Honeck

Juli / August 2009 18.7.2009 Mannheim (Premiere) –> Salvatore Sciarrino: Super flumina (Uraufführung) Musikal. Leitung: Tito Ceccherini, Inszenierung: Andrea Schwalbach 23.7.2009 Hallwyl (CH, Premiere) Bedřich Smetana: Die verkaufte Braut Musikal. Leitung: Douglas Bostock, Inszenierung: Peter Schweiger 1.8.2009 Wien (Theater an der Wien, Premiere) Wolfgang Amadeus Mozart: Don Giovanni Radiosymphonieorchester Wien, Arnold Schönberg Chor, Musikal. Leitung: Rinaldo Alessandrini, Inszenierung: Keith Warner 21.8.2009 Kloster Altenberg (Premiere) Wolfgang Amadeus Mozart: Così fan tutte Wetzlarer Kammerorchester, Musikal. Leitung: Martin Knell, Inszenierung: N. N.

15.7.2009 Cheltenham Festival –> Matthias Pintscher: Study IV for Treatise on the Veil (UK-Erstaufführung) Quatuor Diotima

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September 2009 4.9.2009 Amsterdam (Premiere) Fromental Halévy: La Juive Musikal. Leitung: Carlo Rizzi, Inszenierung: Pierre Audi 4.9.2009 St. Gallen (Premiere) Wolfgang Amadeus Mozart: Der Schauspieldirektor Musikal. Leitung: N. N., Inszenierung: N. N. 11.9.2009 Biel (Premiere) Wolfgang Amadeus Mozart: Die Zauberflöte Musikal. Leitung: N. N., Inszenierung: N. N. 16.9.2009 Zürich, Tonhalle Beat Furrer: still Collegium Novum Zürich, Leitung: Pablo Heras-Casado 18.9.2009 Wolfsburg (Premiere) Georges Bizet: Carmen Staatsorchester Braunschweig, Musikal. Leitung: Alexander Joel, Inszenierung: Joel Lauers 20.9.2009 Salzburg (Premiere) Wolfgang Amadeus Mozart: Le nozze di Figaro Musikal. Leitung: Leo Hussain, Inszenierung: N. N. 27.9.2009 Innsbruck (Premiere) Hector Berlioz: Les Troyens Musikal. Leitung: Nicolas Chalvin, Inszenierung: Brigitte Fassbaender

Tel.: 0561 / 3105-288/289 Fax: 0561 / 3 77 55 E-Mail: order.alkor@baerenreiter.com www.alkor-edition.com Editio Bärenreiter Praha Jana Urbanová, E-Mail: urbanova@ebp.cz Miroslav Srnka srnka@ebp.cz Tel.: ++420 274 0019 11 www.sheetmusic.cz

Promotion: Dr. Ulrich Etscheit Leitung Promotion Bühne und Orchester Tel.: 0561 / 3105-290 Fax: 0561 / 318 06 82 E-Mail: etscheit.alkor@ baerenreiter.com Dr. Marie Luise Maintz Projektleitung Neue Musik Tel.: 0561 / 3105-139 Fax: 0561 / 3105-310 E-Mail: maintz@ baerenreiter.com (SPA 51/06)

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