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Bezirk Affoltern
Mittwoch, 30. März 2016
«Der Wald ist ein faszinierendes Ökosystem, ein vielfältiges Naturelement» Kreisforstmeister Theo Hegetschweiler geht in Pension führen konnte, war das für mich immer besonders befriedigend.
Während fast 15 Jahren betreute Forstmeister Theo Hegetschweiler die Wälder im Knonauer Amt. Ende April geht er in Pension. Im Gespräch mit dem «Anzeiger» berichtet er von seinen Aufgaben, Herausforderungen sowie seiner Liebe zum Wald und den Bäumen.
Was waren spezielle Herausforderungen? Als die Autobahn gebaut wurde, ging es um Rodungen und Ersatzaufforstungen. Das war anspruchsvoll. Ebenso die Frage, wie wir die Wälder nach dem Sturm Lothar stabilisieren konnten. Dann waren es manchmal unangenehme rechtliche Probleme, mit denen ich mich beschäftigen musste. Eine Herausforderung, aber eine schöne, war für mich die Zusammenarbeit mit den Eigentümern und Förstern. Diese sind sehr interessiert und engagiert. Mir war es stets ein Anliegen, mit ihnen gut im Gespräch zu sein.
«Anzeiger»: Theo Hegetschweiler, was bedeutet Ihnen der Wald persönlich? Theo Hegetschweiler: Er bedeutet mir sehr viel, in verschiedener Hinsicht. Der Wald ist ein faszinierendes Ökosystem, ein vielfältiges Naturelement. Er ist ein wichtiger Holzlieferant und Erholungsraum. Seit wann sind Sie Forstmeister? Bereits seit 1991 arbeitete ich beim Forstdienst des Kantons, am 1. September 2001 wurde mir dann die Leitung des Forstkreises übertragen. Das war kurz nach dem Sturm Lothar und somit eine spezielle Ausgangslage. Der Forstkreis 1 umfasst die Bezirke Horgen und Affoltern, gesamthaft etwa 5600 Hektaren Wald in 26 Gemeinden.
Theo Hegetschweiler neben seiner «Miss Mettmenstetten», vermutlich der grössten Eiche im Bezirk Affoltern.
Was sind die Aufgaben eines Forstmeisters? Man darf den Förster und den Forstmeister nicht verwechseln. Der Förster – in meinem Gebiet sind es neun – ist meistens von der Gemeinde angestellt. Er arbeitet direkt mit den Waldbesitzern zusammen, plant und leitet die Waldbewirtschaftung. Zudem ist er fast immer auch für den Holzverkauf zuständig. Als Forstmeister arbeite ich bei der Kantonalen Verwaltung. Zu meinen Aufgaben gehören die Planung der Waldnutzung und -pflege. Zusammen mit den Eigentü-
mern und Förstern erstelle ich eine Zehnjahresplanung, bin verantwortlich für Beiträge an Jungwaldpflege und Naturschutzmassnahmen, für Entscheidungen bei Waldschäden. Ein Forstmeister ist auch zuständig für die Beratung und Aufsicht, Erteilung von Bewilligungen, für Öffentlichkeitsarbeit und Ausbildung. Gegenüber den Förstern hat der Forstmeister eine fachliche Führungsfunktion. Mit den Förstern und Waldeigentümern habe ich immer eine enge und gute Zusammenarbeit gepflegt. Die Hälfte meiner Arbeitszeit habe ich im Wald ver-
bracht, das war sehr abwechslungsreich. Was taten Sie am liebsten? Das ist schwierig zu sagen. Ich hatte meinen Beruf allgemein sehr gerne und habe ihn mit Energie ausgeübt. Besondere Freude bereitete mir die Planung konkreter Massnahmen, um den Wald zu verbessern, zum Beispiel das Anpflanzen von wertvollen Baumarten oder eine gezielte Durchforstung, um spezielle Bäume zu fördern. Wenn ich also etwas Nachhaltiges, Konkretes und auch Sichtbares durch-
Ende April treten Sie nun offiziell in den Ruhestand. Was werden Sie wohl am meisten vermissen? In den Wald kann ich auch nach der Pensionierung noch gehen. Vermissen werde ich sicher die Begegnungen und die Kontakte. Aber es ist gut so, es ist ein Wechsel, eine Veränderung, die richtig ist. Was werden Sie an schönen Erinnerungen mitnehmen? Nebst den Erinnerungen an die Tage im Wald, an Hosenboden-Rutschaktionen im steilen Gelände, an interessante Gespräche und Diskussionen nehme ich viele Waldbilder mit. In den Wäldern hier gibt es eindrückliche Baumbestände und Einzelbäume wie Lärchen, Nussbäume oder Eiben. Und da ist natürlich noch die «Miss Mettmenstetten», vermutlich die grösste und älteste Eiche im Säuliamt. Sie steht oberhalb des Dorfes nahe der
Waldhütte, hat einen Stamm-Durchmesser von rund eineinhalb Metern und ist gegen 250 Jahre alt. Sie hat schon die Zeit Napoleons erlebt. Sie wohnen in Birmensdorf. Werden Sie auch nach der Pensionierung ab und zu in den Wäldern im Bezirk Affoltern anzutreffen sein? Ja sicher. Dieser schönen Landschaft mit ihren Wäldern werde ich treu bleiben. Man wird mich als Spaziergänger antreffen, als einen mit offenen Augen. Ich werde natürlich die «Miss» ab und zu besuchen und ich freue mich, wenn ich auch Bekannte wiedersehe. Worauf freuen Sie sich nach der Pensionierung? Auf mehr zeitliche Freiheit, wo auch persönliche Interessen mehr Platz haben, die ich zum Teil zurückstellen musste. Ich denke dabei an die Pflege von Beziehungen, ans Lesen, an meinen Garten oder auch daran, noch eine Sprache zu lernen. Wir danken Ihnen für Ihren Einsatz in unserm Bezirk und wünschen Ihnen alles Gute für die Zukunft. Interview: Marianne Voss
Nachfolge Der neue Forstmeister für den Forstkreis 1 heisst Jürg Altwegg. Der Forstingenieur ist bereits beim Kanton tätig, bis anhin in der Raumplanung. Während des Monats April wird Theo Hegetschweiler seinen Nachfolger noch einarbeiten. (mvm)
Mit Fackeln und Tambouren Generalversammlung des Gesellschaftsguts Hausen am 2. April im Gemeindesaal Sie wirken wie konspirative Treffen, sind aber die Pflege uralten Kulturguts: Die alle drei Jahre stattfindenden Versammlungen mit anschliessendem Fackelzug des 1567 gegründeten Gesellschaftsguts Hausen. Am kommenden Samstag ist es wieder so weit. ................................................... von martin platter Auch auf dem Lande hat es sie gegeben, die genossenschaftlich organisierten Vereinigungen, die mit den städtischen Zünften zu vergleichen sind. Sie spiegeln den gesellschaftlichen Ursprung in einer Zeit, als im Oberamt noch religiöse Glaubenskriege, Ausgrenzung und das Faustrecht herrschten. Der überlieferte Grund für die Bildung des 1567 gegründeten Gesellschaftsguts Hausen erinnert an Episoden aus heutiger Zeit. Wirt Konrad Rutsch aus Unterheisch soll den Gästen seinen Wein zu teuer ausgeschenkt haben. Aus Protest legten 30 Gesellen ihr Geld zusammen – rund 490 Pfund (ca. 2000 Franken) – und kauften ein Haus, in dem sie mit dem «Hengst» eine Konkurrenz-Gaststätte eröffneten. Die Immobilie samt Wirtschaft wurden einem Stubenknecht (Wirt) verpachtet. Die Leitung der Gesellschaft oblag dem Hausmeister. Beide wurden jeweils anlässlich eines «ge-
meinsamen Trunks», der heutigen Säckelmeisterfeier (Generalversammlung), gewählt.
Aufopfernde Brüderschaft Die Vereinigung, konstituiert aus alteingesessenen Familien der Region, die sich heute vielerorts Bürgergemeinde nennen, diente aber nur am Rande der Geselligkeit. 281 Jahre vor der Einführung der schweizerischen Bundesverfassung bildete sie während fast drei Jahrhunderten eine eingeschworene, opferbereite Brüderschaft, die selber wirtschaftete (zum Gasthaus kamen später ein Badehaus, eine Metzgerei, eine Bäckerei und eine Sägerei), politisierte und sich laut Überlieferung sogar an bewaffneten Konflikten beteiligte. Waffenhandwerk und Schiesskunst dienten innerhalb der Gemeinschaft also keineswegs nur der Folklore. Es galt die Überzeugung, dass die blanke Waffe der beste Schutz für Friede, Glaube und Heimat sei. Die Eintrittsgebühr in den erlauchten Kreis wurde nicht umsonst «Schutz» genannt. Wer nicht zur Brüderschaft zählte, hatte wenig zu melden. Aber auch innerhalb der Gesellschaft herrschten raue Sitten. 1753, bei der Wahl des Säckelmeisters (ab 1705 anstelle des Hausmeisters), soll es zu einer derart wüsten Schlägerei gekommen sein, dass die Rechnung vor dem Landvogt Knonau verabschiedet werden musste. Erst «Auf Bittli-
ches und unablessiges Anhalten der ganzen Gesellschaft und Kirchgang Hausen» durfte die Rechnungsabnahme im folgenden Jahr wieder in der Gemeinde stattfinden. Diesmal aber nach dem Gottesdienst in der Kirche und von der Kanzel herunter, wie der damalige Chronist festhielt.
Auf «Hengst» folgte der «Löwen» 1833 brannte der «Hengst» nieder. Die Gesellen waren sich einig, dass ein Neubau nur an zentraler Lage infrage kam. Das Haus von Zunftrichter Näf und Gemeindeammann Baumann wurde erworben und in Fronarbeit zum Gasthof mit Herberge «zum Löwen» umgebaut. Mit der Kündigung des Schuldbriefes endete diese Tradition nach 150 Jahren und 50 Säckelmeisterfeiern. Der Abstecher in den «Hirschen» war nur von kurzer Dauer. Die 23 000 Franken Erlös aus dem Verkauf des «Löwen» im Jahr 1858 wurden in Form eines verzinslichen Darlehens in den 1990er-Jahren der Gemeinde Hausen übergeben. Die Hauptversammlungen durften von nun an alle drei Jahre in einer Gemeindeliegenschaft stattfinden. Aus der Zeit des Faustrechts geblieben ist der Fackelzug mit Tambouren im Anschluss an die Säckelmeisterfeier. Dabei wird der Säckelmeister von kräftigen Gesellen nach Hause eskortiert. Und, dass es sich nach wie vor um eine reine Männergesellschaft
Es ist eine alte Tradition, den neu gewählten Säckelmeister – im Bild Kurt Götschi – nach der Gesellschaftsgutsgemeindeversammlung von strammen Gesellen mit Fackeln und Trommeln nach Hause zu eskortieren. (Bild Martin Platter) handelt. Das Gesellschaftsrecht wird von den Vätern an die Söhne weitervererbt. Ist das noch zeitgemäss? Aktuar Hugo Lier bejaht: «Wir haben wieder vermehrt jüngere Mitglieder, die sich für die Gesellschaftsgeschichte interessieren und das Brauchtum weiterführen wollen.» Vorstandsmitglied Dani Lier ergänzt: «Bis zur Jahrtausendwende galt es als Ehre, zum Säckelmeister gewählt zu werden.» Entsprechend lesen sich die Annalen, die seit 1802 geführt werden, wie ein «Who is Who» der lokalen Wirt-
schafts-, Militär-, Verwaltungs- und Politprominenz. Erst seit 2001 wurden die Kandidaten rar. Liegt es daran, dass der Säckelmeister laut Satzung für die Bewirtung der Gesellschaftsgemeindeversammlung aufzukommen hat? Die Liers führen es eher auf den vorherrschenden Zeitgeist zurück. Mit der Amtseinsetzung eines neuen Säckelmeisters an der Versammlung am 2. März im Gemeindesaal Hausen soll dem entgegengewirkt werden. Weitere Informationen: www.gesellschaftsgut.ch