ARTMAPP #07, Winter 2014/15

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105 Frantiček Klossner, „Una forza del passato“, 1998, Performance am Todesort von Pier Paolo Pasolini in Ostia Foto: Gian Paolo Minelli

Sämtliche Arbeiten: © Frantiček Klossner, VG Bild- Kunst, Bonn 2014

schmelzender Eiskörper in der Ausstellung „Existenzielle Bildwelten, Sammlung Reinking“, Museum für moderne Kunst Weserburg Bremen Foto: Frantiček Klossner

1. Dezember 201 4 , 18 .30 Uhr B e r n i s c h e S t i f t u n g f ü r F o t o g ra f i e , F i l m u n d V i d e o F F V Kino Kunst museum B er n – Video Ar t, m i t K a t h l e e n B ü h l e r u n d F ra n t i č e k K l o s s n e r www. k inok unst museum. ch bis 1. Febr uar 2015 M u s e u m f ü r m o d e r n e K u n s t We s e r b u r g B r e m e n G e r m a n y E x isten zielle Bildwelten – Sammlung R eink ing Hamburg www. wese rburg. de w w w . f ra n t i c e k . c h

W I N T E R 2 014 /15 — B E R N

Frantiček Klossner, „Melting Selves“, 2014,

SEBASTIAN BADEN

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Obwohl ihm erst der Kontakt zur Sammlung Reinking zur­ zeit einen internationalen Durchbruch beschert, wird Klossner in Bern selbst schon lange von Carola und Günther Ketterer-Ertle unterstützt, die um 1996 begannen, eine Sammlung mit zeitgenössischer Videokunst zusammen­ zustellen und regelmäßig öffentlich zu präsentieren. Im Zentrum von Bern betreiben die Mäzene in Kooperation mit der Galerie Bernhard Bischoff & Partner die Plattform ­v ideokunst.ch. Der Ausstellungsraum befindet sich im alten Progymnasium, dem heutigen PROGR – Zentrum für ­Kulturproduktion, direkt am Waisenhausplatz. In der Black Box, eigentlich ein verdunkeltes ehemaliges Klassenzimmer, werden in regel­m äßigen Abständen junge internationale ­Videokünstler vorgestellt. Für Frantiček Klossner bedeutet die enge Freundschaft zum Sammlerpaar eine enorme Motivation und Anerken­ nung seines Schaffens. Zugleich ist er selbst stolz darauf, durch die vielen gemeinsamen Gespräche über Medienkunst überhaupt den Ansporn zu deren Auf bau der Videokunst­ sammlung gegeben zu haben. Das Engagement der beiden erntet nicht nur großes Lob, was die persönliche Förderung angeht, sondern auch betreffend ihrem Einsatz in der Berner Kulturpolitik. Ohne den Zusammenhalt der bernischen Künstlerinnen und Künstler und den informellen Einsatz des Sammlerpaares wäre das PROGR womöglich nicht als Ate­ lier-, Galerie- und Konferenzhaus erhalten geblieben. Das 2004 nach seiner Renovierung von Kunstschaffenden bezo­ gene alte Schulhaus, das noch die Aura des Gymnasiasten Harald Szeemann verströmt, bietet nun den Raum für eine ganz außergewöhnliche Melange der Kulturproduktion. ­Etablierte Künstler, junge Hochschulabsolventen, die Stadt­ galerie, Studierende des Instituts für Kunstgeschichte der Universität und die Galerie Bernhard Bischoff & Partner ­b espielen mit einem Intensiv-Kulturprogramm-Mix die ­R äume der verwandelten Bildungsinstitution. Für Klossner sind die hier stattfindenden Bewegungen in der kulturellen

Infrastruktur der Stadt Bern ein sehr gutes Zeichen für die Zu­ kunft: „Die aktuelle Ausgangslage ist sehr vielversprechend. Aber die Berner sind tatsächlich oft sehr, sehr langsam. Der UNESCO-Weltkulturerbe-Status hängt der Stadtentwick­ lung wie eine Bleikugel am Fuß oder in den Köpfen.“ Wenn das Stadtmarketing doch endlich die Kultur der Gegenwart entdecken würde, dann wäre nicht bloß der Zeitglockenturm auf den Titelseiten der Tourismuswerbung, sondern auch der von Meret Oppenheim geschaffene Brunnen am Waisen­ hausplatz. „Nur wer nicht an seine aktuelle Kultur glaubt, wirbt mit gesicherten Werten der Vergangenheit.“ Doch es tut sich was: Seit sich die Hochschule der Künste Bern (HKB) mit ihren Fachbereichen in der ganzen Stadt eingerichtet und eta­ bliert hat, sind nicht nur mehr junge Künstler nach Bern gekommen, sondern auch hier geblieben. „Dieses Pflänzchen muss gut gepflegt werden! Die Stadt wäre eigentlich vital und jung, wenn sie nicht immer als alt verkauft würde.“