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Erker 03 2015

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GESCHICHTE

der. Werden die Leute erschrocken sein! Fenster und Türen sind eingedrückt, auch in Trens herunten und sogar in Stilfes einige, die ersten schönen Kirchenfenster in Scherben! – Horch! Sie kommen noch einmal, eine zweite Welle vom Tal herauf. Schnell in Deckung! Und wieder kracht es. Nicht im Dorf, aber doch nahe. Wir gehen schauen: Vom Verschubbahnhof steigt Rauch und Feuer hoch. Die Güterwägen liegen untereinander. Sonst fehlt nichts. Gott sei dank! Für heute ist Ruh. Wann werden sie wieder kommen?

25. Dezember WIPPTAL: Fensterschäden in Schmirn, Vals, Pfons und Gries am Brenner.

26. Dezember BRENNERSTRECKE: Mehrere Bomber greifen Kommunikationsli-

einem Flaktreffer in der Luft. Drei Besatzungsmitglieder überleben, sieben sterben. Die „Rag-a-Dash“ muss nach diesem Einsatz verschrottet werden, nachdem die Maschine beim Durchfliegen des Feuerballs der explodierenden „Fearless Fosdick“ schwer beschädigt

in den Wald; es sind nur Splittergräben vorhanden, kein Bunker. Die dreijährige Elisabeth Mayr wird von einem Bombensplitter getötet. Margareth Volgger erinnert sich daran: „Am 28. Dezember heulten gegen Mittag wieder die Sirenen. Diesmal kamen die Bomber in stattlicher

16. November FREIENFELD: „Donnerstag. Klarblauer Himmel. Um 10.45 Uhr Alarm. Bald kommen feindliche Jäger hoch über den ‚Tatsch’ her: Zwei, drei, vier. Dann hört man tiefes Gebrumm. Wir wissen: Nun kommen die Bomber nach. Eine Welle, eine zweite, eine dritte. Werden sie weiterfliegen oder sind wir das Ziel? Ein Großangriff? Sie fliegen nicht weiter, sie kreisen über uns. Wann werden sie auslassen? Immer neue Wellen kommen nach. Das Rollen und Grollen über unseren Köpfen wird immer unheimlicher. Unsere Nerven fiebern. Endlich, nach 11.30 Uhr drehen sie und fliegen nach Norden ab, verschwinden hinter dem Horizont, – bald hören wir dumpfes Dröhnen: Es galt also Innsbruck, arme Leute! NB. Die nächsten Tage kommt die ‚Flak‘.“

25. November FREIENFELD/STILFES: „Samstag. Um 4 Uhr früh Alarm! Ein unheimliches Rollen am nächtlichen Sternenhimmel. Schnell etwas angezogen, heraus mit den schlafenden Kindern aus den Betten, fort in den nächsten guten Keller!“ Es ist nur ein Überflug.

16. Dezember P-47-Bomber des XXII Tactical Air Command greifen die Bahnlinie im Brennergebiet an.

17. Dezember Südlich des Brenners greifen Jagdbomber P-47 die Brennerstrecke an.

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Überreste des ehemaligen Verschiebebahnhofs am Sprechensteinkofel - Ziel unzähliger Bombenangriffe nien entlang und südlich des Brennerpasses an. Die mittelschweren B-25 konzentrieren sich auf die Brennerstrecke.

27. Dezember STERZING: An der Brennerstrecke werden besonders die Brücken bei Sterzing und Brixen angegriffen. In der Nacht auf den 28. Dezember greifen A-20 Douglas Havoc Bomber im Brennergebiet an. FREIENFELD: Um 11.07 Uhr wird der Bahnhof von 13 Bombern mit 36 Tonnen Bomben belegt. Zwei Flugzeuge stürzen durch Flakeinwirkung ab. GOSSENSASS: Um 9.26 Uhr treffen sich vier Bomb Groups über San Vito zum gemeinsamen Anflug zum ersten Angriff auf die obere Bahnstrecke. Um 10.59 Uhr wird die Eisenbahnbrücke Gossensaß von 22 Bombern mit 61 Tonnen Bomben (nur 1.000-kg-Bomben) angegriffen. Die Maschine „Fearless Fosdick“ explodiert nach

wird. Der Besatzung gelingt es aber, das Flugzeug zur Basis nach Grottaglie zu bringen. Um 11.06 Uhr wird die Brücke von 28 Bombern mit 76 Tonnen Bomben angegriffen: Auch hier werden nur 1.000-kg-Bomben verwendet. Um 12.02 Uhr werfen dann nur sieben von 19 eingesetzten B-24-Bombern 18 Tonnen Bomben auf das Erstziel bei Gossensaß.

28. Dezember B-24 der USAAF greifen Ziele entlang der Brennerstrecke an. Bei St. Jodok zwei Sprengbomben, einige Leichtverletzte. Einige Bomben bei Vinaders. GOSSENSASS/AUSSERPFLERSCH: Um 11.40 Uhr Angriff von 24 B-24 auf die Bahnschleife (Kehre) bei Gossensaß mit 68,5 Tonnen Bomben; als zweite Welle folgen um 12.02 Uhr 13 B-24 mit 36 Tonnen Bomben; es werden nur 1.000-kg-Bomben eingesetzt. Die Bevölkerung flüchtet bei Alarm

Höhe aus dem Pflerschtal. Meine Eltern und ich liefen (...) in das damals noch bestehende ‚Marginter-Waldele‘ diesseits des Talbaches, die kranke Großmutter mussten wir zurücklassen. (...) Ich wollte nicht im Waldele bleiben und forderte die Meinen auf, auch den Bach zu überqueren. Da hörten wir unsere Nachbarin vom ‚Mayr-Flor‘ rufen: ‚Helft mir, helft mir!’ Sie führte die dreijährige Elisabeth an einer Hand und hielt die jüngste Tochter Annemarie im Arm. Ich wollte ihr auf Geheiß meiner Mutter entgegenlaufen, als zwischen uns – wir waren rund 100 m voneinander entfernt – eine Bombe einschlug. Der Luftdruck warf uns zu Boden, Splitter flogen durch die Luft. Ich erhob mich schmutzbedeckt, blieb jedoch unverletzt. Die Nachbarsfrau und ihre beiden Töchter wurden jedoch von Bombensplittern getroffen. Die kleine Elisabeth erwischte es am Kopf, sie dürfte auf der Stelle tot gewesen sein. Die anderen trugen Verletzungen davon. Am Kalkstein-


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